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Narziss
Schreiberassi


Beiträge: 38



BeitragVerfasst am: 27.02.2013 19:19    Titel: Wer sind wir? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wer sind wir?

Du hältst meine Hand so fest, dass die Knöchel weiß werden. Du lässt alles um uns verblassen. Du löschst Lichter. Wir gehen allein durch das Grau dieser Stadt. Die Straßen sind verlassen, niemand hört unsere Schritte, die über schmutzigen Asphalt führen; vorbei an Gebäudefassaden, Abwasserleitungen und Trümmern. Risse winden sich durch Fenster, einige geben zerbrochen den Blick auf das Innere frei.
Deine Augen scheinen so dunkel und leer wie dieser Ort. Du zitterst, du siehst mich nicht. An was denkst du gerade? Wohin gehen wir? Mit jedem Schritt rücken die Fassaden näher. Den Himmel kann ich nicht erblicken, zu dicht haben sich Gebäude und Leitungssysteme ineinander verworren. Wir erreichen eine Treppe. Am Geländer kriecht Rost empor, Kälte schneidet in meine Hand. Während unter unseren Füßen die Eisenstufen quietschen, erhebt sich über unseren Köpfen das tiefe Tönen der Rohrleitungen. Du wankst, doch ich halte dich fest. Jeder dumpfe Herzschlag bringt uns einem Ziel näher. Schritt für Schritt.
Nun stehen wir auf dem Dach eines Hochhauses. Aber noch immer ragen Beton und Metall wie Fleisch und Knochen dieser Stadt über uns empor. Deine Augen sind in die Ferne gerichtet.
„Siehst du das?“, du deutest in den Nachthimmel, auf den Mond, der zwischen grauen Dächern zu schweben scheint. „All das ist nicht. Es existiert nicht, genau wie der Rest, den sie uns glauben machen wollen. Wir leben in einer Scheinwelt. Nichts ist so, wie es sein sollte.“ Dein Atem stockt. „Wer sind wir?“
Ich blicke in leblose Augen. „Du ...“
„Nein.“, unterbrichst du mich, „Es gibt keine Antwort. Ist uns nicht allen vorbestimmt, zu fallen?“
Du hältst meine Hand so fest, dass die Knöchel weiß werden ... und machst den ersten Schritt auf den Abgrund zu.

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Ivy Ashby
Geschlecht:weiblichSchreiberassi


Beiträge: 67
Wohnort: Wiesbaden


BeitragVerfasst am: 02.03.2013 15:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hi smile

Ohne weit auszuholen; mir gefällt dein Text sehr gut. Man findet schnell einen Faden, zudem die Wiederholung des Satzes:
 
Du hältst meine Hand so fest, dass die Knöchel weiß werden.

- empfinde ich als Leser führend. Ich habe die Luft in deiner Kurzgeschichte, meine Fantasie noch ein wenig spielen zu lassen und sie selbst zu interpretieren. ( Ich hoffe, das war deine Absicht )...

Der einzige Satz, der mich ein wenig stört ist: Die Straßen sind verlassen, niemand hört unsere Schritte ........
Gehört da wirklich ein Komma hin? Ich bin selbst nicht sicher, aber für mich klang es beim Lesen etwas seltsam. Eigentlich sind es zwei Hauptsätze..
Was ich damit sagen möchte: Ich würde die beiden Sätze trennen, denn zuerst hat es mich etwas verwirrt. Dennoch ist das ziemlich nebensächlich, denn - wie gesagt - dein Text gefällt mir.


_________________
Deep into that darkness peering, long I stood there wondering, fearing,
Doubting, dreaming dreams no mortal ever dared to dream before;
But the silence was unbroken, and the darkness gave no token,
And the only word there spoken was the whispered word, `Lenore!'
This I whispered, and an echo murmured back the word, `Lenore!'
Merely this and nothing more.
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Neraka
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 26
Beiträge: 71



BeitragVerfasst am: 03.03.2013 10:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,

mir gefällt der Text ebenfalls sehr gut! Er liest sich sehr atmosphärisch und spiegelt Gefühle und Emotionen sehr gut wieder, ohne aufgesetzt zu wirken.

Soweit ich weiß ist das Komma in der Passage "Die Straßen sind verlassen, niemand hört unsere Schritte" möglich, aber vielleicht könnte man es durch ein Semikolon ersetzen. Das würde beide Sachverhalte etwas mehr voneinander trennen, ohne sie aber vollständig zu separieren, wie es bei einem Punkt der Fall wäre. Das Komma ist aus meiner Sicht aber ebenfalls denkbar.


_________________
Wait, until you take a look inside yourself -
Recognize, what is growing there.
Oh seeker,
A leaf in this garden,
Means more than all leaves
You will find in paradise.
-Faun-
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Elias Struten
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 56
Beiträge: 82



BeitragVerfasst am: 04.03.2013 01:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Narziss,

dein Text fasziniert mich. Du lässt bei mir widersprüchlichste Bilder und Gefühle entstehen und ziehst mich tief in die Welt, die du entworfen hast. Ein paar Details sind mir aufgefallen, bei denen du noch fein schleifen könntest. Was schreib ich da? Bestenfalls gäbe es da etwas zu polieren:


Narziss hat Folgendes geschrieben:

Wer sind wir?
 
Du hältst meine Hand so fest, dass die Knöchel weiß werden. Du lässt alles um uns verblassen. Du löschst Lichter.


Der letzte Satz stößt mir auf. Was meinst Du damit: "Neben dir wirkt jede Lichtquelle finster"? Oder: "(Wir verlassen das Haus.) Du schaltest das Licht aus."? Mir scheint die erstere Variante plausibel — obwohl du keine Fährte in diese Richtung legst. Anders müsste ich mich ernsthaft fragen, wozu ich eine Information benötigte, dass die Protagonisten das Licht ausmachen.      

Narziss hat Folgendes geschrieben:

Wir gehen allein durch das Grau dieser Stadt. Die Straßen sind verlassen, niemand hört unsere Schritte, die über schmutzigen Asphalt führen; vorbei an Gebäudefassaden, Abwasserleitungen und Trümmern.


Wirklich an Abwasserleitungen vorbei? Die Kanalisation verläuft in der Regel unterirdisch. Es fiel mir schwer, dem Bild zu folgen, das du hier zeichnest. Eventuell könntest du diese Stelle detaillieren. z.B. "vorbei an Gebäudefassaden und geborstenen Abwasserleitungen, die wie Zahnstümpfe aus den Trümmern emporragen ..."

Narziss hat Folgendes geschrieben:

Risse winden sich durch Fenster, einige geben zerbrochen den Blick auf das Innere frei.


Einige Fenster sind zerbrochen und ...? Oder sollte "zerbrochen" auf den Blick zu beziehen sein? Welche Bedeutung bekommt dieser Satz dann?
Was ist mit dem Blick auf das Innere? Sofern dort nur Fassaden stehen, gibt es kein Inneres. Falls die Gebäude hinter den Fassaden intakt sind, könnten die Protagonisten in leerstehende Räume blicken — das mit der Dunkelheit bräuchtest du nicht zu erwähnen, das hattest du weiter oben schon klargestellt.

Narziss hat Folgendes geschrieben:

Deine Augen scheinen so dunkel und leer wie dieser Ort. Du zitterst, du siehst mich nicht. An was denkst du gerade? Wohin gehen wir? Mit jedem Schritt rücken die Fassaden näher. Den Himmel kann ich nicht erblicken, zu dicht haben sich Gebäude und Leitungssysteme ineinander verworren.


Huch, doch oberirdische Abwasserleitungen? Unerwartet, ungewöhnlich und für mich als Leser verwirrend.

Narziss hat Folgendes geschrieben:

Wir erreichen eine Treppe. Am Geländer kriecht Rost empor, Kälte schneidet in meine Hand.

Welche Kälte? Du hattest vorher nichts angedeutet, das darauf vorbereitet hätte. So taucht die Kälte plötzlich und unvermittelt auf.
Vielleicht wäre es besser, du würdest diese Passage auf ein Kältegefühl abstellen. Etwa so: "Am Geländer kriecht Rost empor. Mich schaudert beim Gedanken, den Handlauf zu berühren."

Narziss hat Folgendes geschrieben:

Während unter unseren Füßen die Eisenstufen quietschen, erhebt sich über unseren Köpfen das tiefe Tönen der Rohrleitungen.


Hier wünschte ich, du hättest deine kraftvollen Worte noch mehr betont: "Während die Eisenstufen unter unseren Füßen quietschen, ertönt düsteres Wummern aus den Rohrleitungen hoch droben, über unseren Köpfen."

Narziss hat Folgendes geschrieben:

Du wankst, doch ich halte dich fest. Jeder dumpfe Herzschlag bringt uns einem Ziel näher. Schritt für Schritt.


Es irritiert mich, wenn der Herzschlag deine Protagonisten Schritt für Schritt voranbringt. Das Bild gefällt mir einerseits und doch bin ich irritiert. Ein Dilemma. Mein Dilemma. Es gibt auch keinen Vorschlag von mir, außer: Lass es bloß so wie es ist.
 
Narziss hat Folgendes geschrieben:

Nun stehen wir auf dem Dach eines Hochhauses. Aber noch immer ragen Beton und Metall wie Fleisch und Knochen dieser Stadt über uns empor. Deine Augen sind in die Ferne gerichtet.


I c h   mag das Wort "nun" nicht. Deshalb gefällt mir der erste Satz nicht. Beim zweiten Satz erscheint mir die Schlussfolgerung "aber immer noch" nicht ausreichend mit der vorhergehenden Aussage verknüpft.

Was hältst du von dieser Version: "Wir kommen auf dem Dach eines Hochhauses heraus und sehen auf zum Firmament. Unsere Blicke suchen einen Weg zwischen Beton und Metall, die uns wie Fleisch und Knochen dieser Stadt überragen." [/quote]

Narziss hat Folgendes geschrieben:

„Siehst du das?“, du deutest in den Nachthimmel, auf den Mond, der zwischen grauen Dächern zu schweben scheint. „All das ist nicht. Es existiert nicht, genau wie der Rest, den sie uns glauben machen wollen. Wir leben in einer Scheinwelt. Nichts ist so, wie es sein sollte.“ Dein Atem stockt. „Wer sind wir?“
Ich blicke in leblose Augen. „Du ... “
„Nein(.)“, unterbrichst du mich, „Es gibt keine Antwort. Ist uns nicht allen vorbestimmt(,) zu fallen?“
Du hältst meine Hand so fest, dass die Knöchel weiß werden ... und machst den ersten Schritt auf den Abgrund zu.


Dieser Absatz ruft bei mir Erinnerungen an die Matrix-Trilogie auf. Andererseits schimmert ein weltanschaulich-religiöser Hauch über dieser Sequenz, ganz ohne kitschig zu wirken. Dieses Ende erscheint mir wirklich gut gelungen.
Zwei Kleinigkeiten habe ich anzumerken. Wenn du das "so" streichst, nimmst du den Eingangssatz "All das ist nicht" wieder auf, mir gefiele dieses kleine Stilmittel.
Und die zweite Kleinigkeit sind eigentlich zwei:
„Nein.(Der Punkt gehört nicht hierher. Entweder du setzt ein Ausrufezeichen oder du lässt den Punkt weg.)“, unterbrichst du mich, „(Ohne den Punkt müsste "es" kleingeschrieben werden) Es gibt keine Antwort. Ist uns nicht allen vorbestimmt, (Dieses Komma darf gesetzt werden, muss aber nicht. Für mich liest sich der Satz mit dem Komma stockender, deshalb sähe ich es lieber gestrichen.) zu fallen?“
 
Für mich bedeuten die angemäkelten Dinge keinen Beinbruch. Ich mag deine Geschichte, die aus meiner Sicht nur noch nicht perfektioniert ist.

Liebe Grüße
Elias
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Narziss
Schreiberassi


Beiträge: 38



BeitragVerfasst am: 04.03.2013 14:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr Drei,

ich freue mich, dass ihr an meiner Geschichte Gefallen finden konntet.

Über die Interpunktion in besagtem Satz werde ich noch nachdenken.

Elias, ein ganz besonderes Danke an dich, weil du dir so viel Zeit genommen hast. Im Folgenden werde ich die von dir angemerkten Punkte durchgehen:


Zitat:
Narziss hat Folgendes geschrieben:

Wer sind wir?
 
Du hältst meine Hand so fest, dass die Knöchel weiß werden. Du lässt alles um uns verblassen. Du löschst Lichter.


Der letzte Satz stößt mir auf. Was meinst Du damit: "Neben dir wirkt jede Lichtquelle finster"? Oder: "(Wir verlassen das Haus.) Du schaltest das Licht aus."? Mir scheint die erstere Variante plausibel — obwohl du keine Fährte in diese Richtung legst. Anders müsste ich mich ernsthaft fragen, wozu ich eine Information benötigte, dass die Protagonisten das Licht ausmachen.      

Ja, deine erste Vermutung ist richtig. Deshalb habe ich auch den Artikel weggelassen.

Zitat:
Narziss hat Folgendes geschrieben:

Wir gehen allein durch das Grau dieser Stadt. Die Straßen sind verlassen, niemand hört unsere Schritte, die über schmutzigen Asphalt führen; vorbei an Gebäudefassaden, Abwasserleitungen und Trümmern.


Wirklich an Abwasserleitungen vorbei? Die Kanalisation verläuft in der Regel unterirdisch. Es fiel mir schwer, dem Bild zu folgen, das du hier zeichnest. Eventuell könntest du diese Stelle detaillieren. z.B. "vorbei an Gebäudefassaden und geborstenen Abwasserleitungen, die wie Zahnstümpfe aus den Trümmern emporragen ..."

Das Setting ist eine futuristische Stadt, du lagst also, was Matrix betrifft, gar nicht so falsch; ich wollte dem Leser allerdings ein wenig Freiraum zugestehen und habe das deshalb nicht explizit erwähnt. Inspiriert hat mich der Untergrund von großen Städten wie New York. Da findet man neben Abwasserleitungen noch so einiges anderes.


Zitat:
Narziss hat Folgendes geschrieben:

Risse winden sich durch Fenster, einige geben zerbrochen den Blick auf das Innere frei.


Einige Fenster sind zerbrochen und ...? Oder sollte "zerbrochen" auf den Blick zu beziehen sein? Welche Bedeutung bekommt dieser Satz dann?
Was ist mit dem Blick auf das Innere? Sofern dort nur Fassaden stehen, gibt es kein Inneres. Falls die Gebäude hinter den Fassaden intakt sind, könnten die Protagonisten in leerstehende Räume blicken — das mit der Dunkelheit bräuchtest du nicht zu erwähnen, das hattest du weiter oben schon klargestellt.

Dass die Protagonisten in leerstehende Räume blicken, war damit auch gemeint. Sollte ich das noch ein wenig entfalten?


Zitat:
Narziss hat Folgendes geschrieben:

Deine Augen scheinen so dunkel und leer wie dieser Ort. Du zitterst, du siehst mich nicht. An was denkst du gerade? Wohin gehen wir? Mit jedem Schritt rücken die Fassaden näher. Den Himmel kann ich nicht erblicken, zu dicht haben sich Gebäude und Leitungssysteme ineinander verworren.


Huch, doch oberirdische Abwasserleitungen? Unerwartet, ungewöhnlich und für mich als Leser verwirrend.

Im Moment befinde sich die Protagonisten in einer der unteren Stadtebenen. Über die Treppe gelangen sie weiter nach oben.

Zitat:
Narziss hat Folgendes geschrieben:

Wir erreichen eine Treppe. Am Geländer kriecht Rost empor, Kälte schneidet in meine Hand.

Welche Kälte? Du hattest vorher nichts angedeutet, das darauf vorbereitet hätte. So taucht die Kälte plötzlich und unvermittelt auf.
Vielleicht wäre es besser, du würdest diese Passage auf ein Kältegefühl abstellen. Etwa so: "Am Geländer kriecht Rost empor. Mich schaudert beim Gedanken, den Handlauf zu berühren."

Ich dachte mir, wenn man Metall berührt, ist es nur natürlich, Kälte zu spüren. Liege ich da falsch? Oder wirkt das Wort "schneiden" in dem Zusammenhang einfach zu krass?

Zitat:
Narziss hat Folgendes geschrieben:

Während unter unseren Füßen die Eisenstufen quietschen, erhebt sich über unseren Köpfen das tiefe Tönen der Rohrleitungen.


Hier wünschte ich, du hättest deine kraftvollen Worte noch mehr betont: "Während die Eisenstufen unter unseren Füßen quietschen, ertönt düsteres Wummern aus den Rohrleitungen hoch droben, über unseren Köpfen."

Da werde ich mir noch etwas einfallen lassen.

Zitat:
Narziss hat Folgendes geschrieben:

Du wankst, doch ich halte dich fest. Jeder dumpfe Herzschlag bringt uns einem Ziel näher. Schritt für Schritt.


Es irritiert mich, wenn der Herzschlag deine Protagonisten Schritt für Schritt voranbringt. Das Bild gefällt mir einerseits und doch bin ich irritiert. Ein Dilemma. Mein Dilemma. Es gibt auch keinen Vorschlag von mir, außer: Lass es bloß so wie es ist.

Mit jedem Herschlag vergeht ein wenig mehr Zeit und das Ziel rückt näher.
 
Zitat:
Narziss hat Folgendes geschrieben:

Nun stehen wir auf dem Dach eines Hochhauses. Aber noch immer ragen Beton und Metall wie Fleisch und Knochen dieser Stadt über uns empor. Deine Augen sind in die Ferne gerichtet.


I c h   mag das Wort "nun" nicht. Deshalb gefällt mir der erste Satz nicht. Beim zweiten Satz erscheint mir die Schlussfolgerung "aber immer noch" nicht ausreichend mit der vorhergehenden Aussage verknüpft.

Was hältst du von dieser Version: "Wir kommen auf dem Dach eines Hochhauses heraus und sehen auf zum Firmament. Unsere Blicke suchen einen Weg zwischen Beton und Metall, die uns wie Fleisch und Knochen dieser Stadt überragen."

Das "aber immer noch" sollte sich auf die Leitungssysteme usw. beziehen. Wenn der Bezug zu schwach erscheint, werde ich aber noch etwas ändern.

Zitat:
Narziss hat Folgendes geschrieben:

„Siehst du das?“, du deutest in den Nachthimmel, auf den Mond, der zwischen grauen Dächern zu schweben scheint. „All das ist nicht. Es existiert nicht, genau wie der Rest, den sie uns glauben machen wollen. Wir leben in einer Scheinwelt. Nichts ist so, wie es sein sollte.“ Dein Atem stockt. „Wer sind wir?“
Ich blicke in leblose Augen. „Du ... “
„Nein(.)“, unterbrichst du mich, „Es gibt keine Antwort. Ist uns nicht allen vorbestimmt(,) zu fallen?“
Du hältst meine Hand so fest, dass die Knöchel weiß werden ... und machst den ersten Schritt auf den Abgrund zu.


Dieser Absatz ruft bei mir Erinnerungen an die Matrix-Trilogie auf. Andererseits schimmert ein weltanschaulich-religiöser Hauch über dieser Sequenz, ganz ohne kitschig zu wirken. Dieses Ende erscheint mir wirklich gut gelungen.
Zwei Kleinigkeiten habe ich anzumerken. Wenn du das "so" streichst, nimmst du den Eingangssatz "All das ist nicht" wieder auf, mir gefiele dieses kleine Stilmittel.
Und die zweite Kleinigkeit sind eigentlich zwei:
„Nein.(Der Punkt gehört nicht hierher. Entweder du setzt ein Ausrufezeichen oder du lässt den Punkt weg.)“, unterbrichst du mich, „(Ohne den Punkt müsste "es" kleingeschrieben werden) Es gibt keine Antwort. Ist uns nicht allen vorbestimmt, (Dieses Komma darf gesetzt werden, muss aber nicht. Für mich liest sich der Satz mit dem Komma stockender, deshalb sähe ich es lieber gestrichen.) zu fallen?“

Das ist ein guter Hinweis, ich werde das "so" streichen und die Interpunktion korrigieren.
Das Ende ist recht offen und lässt viel Freiraum zur Interpretation, was auch beabsichtigt ist. Deine Ansätze gehen in die richtige Richtung.
Wenn man das Futuristische außen vor lassen würde, könnte man auch eine Anschauung vermuten, die von einer Schizophrenie o.ä. geprägt ist. Damit ließe sich auch die düstere Athmoosphäre erklären.


Liebe Grüße
Narziss
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medizynicus
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 507
Wohnort: Bad Dingenskirchen


BeitragVerfasst am: 06.03.2013 17:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hab ich Lust, weiterzulesen?
Hmm.
Passiert ja noch nicht viel, ich weiß ja noch nicht so richtig, worum es geht... aber es sind schöne Bilder, die Sprache ist flüssig.
Also ja.
Gibt's ne Fortsetzung?
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Elias Struten
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 56
Beiträge: 82



BeitragVerfasst am: 07.03.2013 18:43    Titel: Antworten mit Zitat

Narziss hat Folgendes geschrieben:
  1. Ja, deine erste Vermutung ist richtig. Deshalb habe ich auch den Artikel weggelassen.
  2. Das Setting ist eine futuristische Stadt, du lagst also, was Matrix betrifft, gar nicht so falsch; ich wollte dem Leser allerdings ein wenig Freiraum zugestehen und habe das deshalb nicht explizit erwähnt. Inspiriert hat mich der Untergrund von großen Städten wie New York. Da findet man neben Abwasserleitungen noch so einiges anderes.
  3. Dass die Protagonisten in leerstehende Räume blicken, war damit auch gemeint. Sollte ich das noch ein wenig entfalten?
  4. Im Moment befinden sich die Protagonisten in einer der unteren Stadtebenen. Über die Treppe gelangen sie weiter nach oben.
  5. Ich dachte mir, wenn man Metall berührt, ist es nur natürlich, Kälte zu spüren. Liege ich da falsch? Oder wirkt das Wort "schneiden" in dem Zusammenhang einfach zu krass?
  6. Da werde ich mir noch etwas einfallen lassen.
  7. Mit jedem Herzschlag vergeht ein wenig mehr Zeit und das Ziel rückt näher.
  8. Das "aber immer noch" sollte sich auf die Leitungssysteme usw. beziehen. Wenn der Bezug zu schwach erscheint, werde ich aber noch etwas ändern.

Wie Du weiter vorgehst, hängt ganz davon ab, was Du mit dem Text anfangen möchtest. Solltest Du darauf einen längeren Text aufbauen wollen, dann denke ich
  1. wäre es gut, Deine Absicht, die Protagonistin als alles überstrahlende Erscheinung in dieser Passage deutlicher zu kennzeichnen. (Es gibt auch Leser, die sich fragen, warum diese Person für den Ich-Erzähler so allesüberstrahlend wirkt — und die warten auf eine Antwort!)
  2. Du könntest beim Setting etwas genauer sein, und den tatsächlichen Bewegungsraum Deiner Protagonisten präziser angeben.
  3. in Deiner Frage, ob Du das noch ein wenig entfalten solltest, liegt auch schon die zustimmende Antwort.
  4. wenn schneidende Kälte weitaus frostigere Temperaturen beschreibt, als Du es auszudrücken beabsichtigtest, dann wäre das Wort zu krass
  5. ich bin gespannt, wie das Ergebnis aussehen wird.
  6. ich möchte den Zusammenhang zwischen Zeitablauf, Herzschlag und räumlicher Veränderung aus dem Text herauslesen können.
  7. Du könntest den Bezug noch ein wenig aufpolieren.


Wenn Dir der Text als Solitär genügt, dann könntest Du ihn imho grundsätzlich so stehen lassen wie er ist. Für mich zählen bei diesem Text die Stimmung und die Bilder, die Du damit in meiner Vorstellung maltest. Mir genügte das.

Liebe Grüße
Elias
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Narziss
Schreiberassi


Beiträge: 38



BeitragVerfasst am: 13.03.2013 18:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Elias, hallo medizynicus,

ich schreibe derzeit an einer Dystopie. Vielleicht werde ich den Text dort einbetten. Falls das geschehen wird, gebe ich euch bescheid.

Fürs Erste lasse ich diesen kleine Geschichte so stehen.

Liebe Grüße
Narziss
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Scriba
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 16



BeitragVerfasst am: 02.04.2013 19:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Narziss,

der Inhalt deiner Erzählung liegt mir nicht, da ich nicht auf Science Fiction oder Fantasy stehe. Der Text liest sich jedoch sehr flüssig und poetisch. Die stille, düstere Atmosphäre gefällt mir.
 
Viele Grüße

Scriba
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