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Bittere Orangen


 

 
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The Brain
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger

Alter: 61
Beiträge: 2363
Wohnort: Over the rainbow


BeitragVerfasst am: 11.02.2013 01:38    Titel: Bittere Orangen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Weiße Blüte
erwachsen
zur Frucht
voll Süße
Lebenslust
Zeit verdünnt
sinnenreife Haut
Zarte Spuren
vertieft
in Rissen
Bitterkeit
die bleibt

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anuphti
Geschlecht:weiblichTrostkeks

Alter: 54
Beiträge: 3701
Wohnort: Isarstrand
DSFo-Sponsor Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 11.02.2013 14:25    Titel: Antworten mit Zitat

Meine erste Assoziation ist direkt, die kleine weiße Orangenblüte, Neroli Essenz, süß und bitter zugleich, erwachsen zur Frucht, Bitterorange wird ja nun nicht unbedingt verzehrt ...

Ich sehe Analogien zu eienr jungen Frau (einem jungen Leben), das altert und dem zum Schluss nur Bitterkeit bleibt.

Also letztendlich der altbekannte Vergleich eines Menschenlebens mit der Natur, ... blühen, Früchte und Sterben.
Nur zum Schluss haken die Vergleiche, weil ich die "Risse" in der Orangenschale nicht wiederfinde ... das heißt, da haken meine Assoziationsketten.

Muss ich noch länger drüber nachdenken.

LG
Nuff
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The Brain
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger

Alter: 61
Beiträge: 2363
Wohnort: Over the rainbow


BeitragVerfasst am: 13.02.2013 11:56    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Nuff,

vielen Dank für dein Verweilen in meinem Konstrukt.

Deine Assoziation mit einem Leben ist naheliegend, obwohl ich dies hier gar nicht im Fokus hatte.
Die Sache mit den Rissen ...
ich sehe eine pralle saftige Orange vor mir, mit Poren in der Haut, die sich beim Vertrocknen verhärten, eine "rissige" Gestalt annehmen.
Zu weit ausgeholt?

Liebe Grüße

Inko
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Angst
Geschlecht:männlichScheinheiliger

Alter: 29
Beiträge: 1679



BeitragVerfasst am: 13.02.2013 17:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Unbekannt

Ich bin mir nicht sicher, woher der Vers mit der "Zeit" kommt und ob er in dein Gedicht passt. Die "Risse" wiederum hab ich gleich gesehen. Am besten gefällt mir die "sinnenreife Haut".

Grundsätzlich zum Gedicht: Ehrlich gesagt weiss ich nicht so recht, worauf du hinaus willst. Einerseits könnte es tatsächlich "nur" eine Assoziationskette, die Beschreibung einer Orange sein. Wenn das so ist, würde ich mir mehr Bildlichkeit wünschen und weniger Abstrakta ("Bitterkeit", "Lebenslust"). Also, ich will das Bittere an der Orange nicht nur benannt haben, sondern erleben. Andererseits legen die Abstrakta (insbesondere die "Lebenslust") natürlich nahe, dass die Orange als Symbol für etwas gemeint ist. Sollte dem so sein, habe ich leider überhaupt keine Ahnung, als Symbol wofür. Das ist alles sehr vage und verschwommen.

Kurz: Mir scheint, der Text sitzt zwischen zwei Stühlen?
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 6051
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 13.02.2013 22:29    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn es nicht, wie anuphti schon meinte, und mir auch beim ersten Lesen naheliegend war, um Metaphern für ein Leben im Allgemeinen geht, dann sehe ich nur noch die Möglichkeit, dass ein junger Mensch (eine reife saftige Orange) durch irgendein Ereignis vorzeitig zerrissen/gealtert/ verbittert ist?
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The Brain
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger

Alter: 61
Beiträge: 2363
Wohnort: Over the rainbow


BeitragVerfasst am: 14.02.2013 12:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr beiden,

der Text wurde bewusst auf einer für Interpretationen offenen Ebene verfasst.
Dies gelingt meines Erachtens am Besten, wenn man sehr vage und abstrakt bleibt.
Der Leser sollte Spielraum haben, seine eigenen Bilder einzuweben.
Ist dies hier zu wenig Vorgabe? Sitzt man zwischen zwei Stühlen?
Kann es nicht eine Orange sein, ein Leben, eine Beziehung, weit gefasst - das Vergängliche ...?


Liebe Grüße

Inko
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Angst
Geschlecht:männlichScheinheiliger

Alter: 29
Beiträge: 1679



BeitragVerfasst am: 14.02.2013 13:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Unbekannt

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Ist dies hier zu wenig Vorgabe? Sitzt man zwischen zwei Stühlen?
Kann es nicht eine Orange sein, ein Leben, eine Beziehung, weit gefasst - das Vergängliche ...?

Ich plädiere eigentlich immer für mehr Klarheit. Bis zu einem gewissen Grad muss man, meine ich, die Leserinnen und Leser an der Hand nehmen. Sonst läuft das Gedicht Gefahr, beliebig zu werden. Gut, das mag eine persönliche Präferenz sein. Wenn du jetzt aber vorschlägst, die Orange als Symbol für die Vergänglichkeit zu lesen, muss ich schon Bedenken anmelden, ob dein Gedicht ein so grosses Wort wirklich tragen kann. Es ist immer schwierig, mit so offenen Konzepten zu arbeiten und sie auf etwas Greifbares herunter zu brechen.


_________________
»Das Paradox ist die Leidenschaft des Gedankens.«
— Søren Kierkegaard, Philosophische Brosamen,
München: Deutscher Taschenbuch Verlag, S. 48.
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Aranka
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3382
Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 14.02.2013 15:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

ich habe immer schon mal in dieses Gedicht hereingeschaut und die Kommentare gelesen. Nun hat mich deine letzte Antwort zu einem Kommentar gelockt, gehe jedoch vorher mal auf deine Antwort ein: (schreibe meine Gedanken dazu in Blau)

Zitat:
der Text wurde bewusst auf einer für Interpretationen offenen Ebene verfasst.

Es gibt eine Textebene(Textwirklichkeit) und die ist offen verfasst, heißt lässt verschiedene Deutungen/Füllungen zu. Einverstanden, erwarte ich von einem Gedicht.

Dies gelingt meines Erachtens am Besten, wenn man sehr vage und abstrakt bleibt.

Widerspruch: vage hat mit offen nichts zu tun. Und „Abstakt“ kann im Gedicht tötend sein. Lyrik will direkt berühren, nicht erst durch die Vermittlung des Denkens. Zitiere Storm: am vollendetsten erscheint mir das Gedicht, dessen Wirkung zuerst eine sinnliche ist, aus der sich dann die geistige von selbst ergibt. Abstrakta sind da weniger geeignet, den sinnlichen zugang zu öffnen, daher ist die Bildsprache auch die des Gedichtes. Und diese Bilder sollten auf keinen Fall vage sein, sondern sehr klar und der Logik des „Sehens“ stand halten. Die Deutungsebenen, die solche Bilder jedoch öffenen, können vielschichtig sein, aber auch nicht vage. Ich denke auch nicht, dass du weder vage noch abstrakt gemeint hast.

Der Leser sollte Spielraum haben, seine eigenen Bilder einzuweben.

Ich denke auch hier, dass du das Richtige meinst: das Gedicht liefert das Bild und der Leser webt seine Assoziationen, seine Deutungen hinein. Er sieht das Bild, wenn es vom Gedicht klar gezeichnet ist, auf seinem Erfahrungs- und Lebenshintergrund und färbt es manchmal ganz neu ein, nimmt eine andere Perspektive ein. Ein gutes Bild lässt das zu.


Nun zu deinem konkreten Text:


Zitat:
Bittere Orangen


Der Titel fokussiert mich gleich auf das „bitter“ und gibt damit eine Leserichtung vor. Also, um jetzt bei deiner Erläuterung zu bleiben, weder offen, noch vage. Nur „Orangen“ hätten mir erst einmal die ganze Bandbreite der Orangenfrucht zugespielt, die Süße, das saftige Fruchtfleisch und die bitteren kerne, die ich ausspucke, die porige Haut, die Farbe, den Duft. Mit der Beifügung grenzt du stark ein, was ich schon einmal hinterfragen würde.

Zitat:
Weiße Blüte
erwachsen
zur Frucht
voll Süße


Hier führst du mir das Werden der Frucht vor Augen, öffnest meine Sinne: Farben/Duft/Geschmack. Und das ist immer ein guter Einstieg.

Hinterfragen würde ich das Partizip „erwachsen“, würde vielleicht „gereift“ vorziehen, auch aus klangästhetischen Gründen „ei“.
Auch über das „weiße“ Blüten würde ich nachdenken. Wenn du die Orangenblüte nennst, denke/sehe ich „weiß“ automatisch mit. Diese Beifügung kannst du eigentlich für eine andere Information nutzen. Vielleicht „herb-duftende Blüte“
Denn der Duft, wenn man ihn genau wahrnimmt beinhaltet beides, eine herbe würzige Note ebenso wie eine zitronige frische Note. Das gäbe dann auch schon einen vielschichtigeren Deutungsboden.

Jedenfalls bedienst du hier die Bildebene und es gelingt dir mich in die Textebene zu holen.

Zitat:
Lebenslust


Spätestens hier zeigst du mir die Deutungsebene an. Die Frucht, die Süße wird hier gleich gesetzt mit „Lebenslust“. Das ist für mich weiter gefasst als nur der Genuss dieser Frucht. Darum machte mich diese deine Antwort stutzig:

Zitat:
Deine Assoziation mit einem Leben ist naheliegend, obwohl ich dies hier gar nicht im Fokus hatte.
Die Sache mit den Rissen ...
ich sehe eine pralle saftige Orange vor mir, mit Poren in der Haut, die sich beim Vertrocknen verhärten, eine "rissige" Gestalt annehmen.


Mit „Lebenslust“ lenkst du selbst den Leserblick von der Frucht weg in eine tiefere Ebene.

Zitat:
Zeit verdünnt
sinnenreife Haut


Auch „sinnreife Haut“ kann ich nicht mehr alleine auf die Frucht beziehen. Da bin ich bei der menschlichen Haut. Das „verdünnt“ verstehe ich weder im Zusammenhang mit der Deutungsebene noch mit de Bildebene. Und hier ist die Wortwahl aus meiner nicht nicht klar. Sie führt daher auch zu keinem Bild mehr, das greifen kann und macht für mich dann auch keine Deutung mehr möglich.

Zitat:
Zarte Spuren
vertieft
in Rissen


Dieses Bild ist klar und birgt gleichzeitig eine Reibung. Risse verbindet man erst einmal nicht mit zarten Spuren. Risse sind sichtbare Zeichen der Zeit auf der Haut, auf Gegenständen und Materialien die Leben, auch in Früchten. Aber diese spürbare Reibungsfläche nehme ich erst einmal als gewollte: ich fühle mich in „zarte Spüren“ ein, die dann im Laufe der Zeit sich in tiefe Risse verwandeln. Vielleicht ließe sich ein „offeneres“ Verb finden, dass ein wenig mehr Bedeutungsgepäck hätte als "vertieft". (verloren / verborgen )

Zitat:
Bitterkeit.
die bleibt


Mit diesen Zeilen, die zwar den Bogen zum Titel schlagen, ist dem Gedicht nun jede Offenheit und auch viel an Reiz genommen. Bitterkeit ist so ein Abstrakta, das bei mir erst mal nur auf der Begriffsebene etwas auslöst, und das ich eindeutig auf der Deutungseben sehe, auf der Bildebene wären es vielleicht Bitteraromen und die ließen dann wieder Übertragung und auch Deutung zu, würden bei mir sinnlich ankommen und hätten mehr Offenheit.

(Vielleicht: zarte Spuren / verborgen / in Rissen / Bitteraromen)


Ich denke, das Problem dieses Textes ist die nicht saubere Trennung/Bearbeitung von Bildebene und Deutungsebene und die vielleicht nicht präzisen Wortsetzungen. Vielleicht solltest du auch noch mal über „offen“ und „vage“, „abstrakt“ und „bildhaft“ im Gedicht nachdenken. Ich empfinde diesen Text allein durch Titel und Ende nicht als offen, wohl in einigen Zeilen als unklar.

Ich würde auch über Leerzeilen zur besseren Gliederung nachdenken.

Es ließe sich jedoch mit wenigen „Wort-Schärfungen“ aus dieser Idee und auch aus dem gewählten Ansatz wesentlich mehr machen.

Liebe Grüße Aranka
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