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Erste Szene, erster Akt ...


 

 
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Paradigma
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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BeitragVerfasst am: 16.01.2013 19:19    Titel: Erste Szene, erster Akt ... eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebes Forum,

nachdem ich jetzt einige Szenen fertig geschrieben habe, brauche ich ein wenig Feedback. Meine Erzählung dreht sich um zwei Hauptfiguren, Vincent und Marie. Beide erzählen abwechselnd aus der Ich-Perspektive.

Los geht es mit Vincent: Er beschreibt, wie er Marie kennengelernt hat.
Mich interessiert vor allem, ob es Spaß macht, diese Szene zu lesen, ob der leicht zynische Tonfall des Ich-Erzählers gut bei euch ankommt und ob die Menge an Personen die im ersten Abschnitt bereits auftauchen, noch gut verträglich ist. (Alle erwähnten Personen werden später noch ihre Rollen spielen, sind aber im ersten Textabschnitt nicht alle von tragender Bedeutung).

-----------------
Marie fiel mir zum ersten Mal auf, als sie meiner Mutter das Leben rettete. Na gut, das Leben rettete ist übertrieben, sagen wir, sie rettete das Wenige von ihrem guten Ruf, das noch existierte.

Mich wunderte es sowieso, dass unsere Mutter zur Hochzeit eingeladen war. Vielleicht war mein Bruder doch kein ganz so großer Waschlappen. Mutter trug das dunkle Haar offen, in ihrem farbenfrohen Kleid zog sie die Blicke auf sich und ihr südländisches Temperament hatte bereits eine kleine Schar Bewunderer um sie versammelt. Die sonntäglichen Kirchenglocken bimmelten wie bescheuert. Die Sonne ließ sich nicht lumpen und spendete 1.000.000 Watt. Und das im März! Die Gäste strömten noch immer aus der Kirche an die Stehtische und beeilten sich des eisgekühlten Champagners habhaft zu werden. Als Hochzeitsgeschenk hatte sie eines ihrer leuchtend bunten Gemälde überreicht. Nicht das Leon und Michelle einen Sinn für Kunst hätten, aber sie konnten das Bild ja als Wertanlage betrachten.

Wo war ich? Ach ja, Marie. Marie, die Fotografin. Sie war die ganze Zeit schon unauffällig um uns herumgeturnt, immer im Hintergrund, immer die Kamera wie einen Filter zwischen sich und der Welt. Braut hier, Braut da, sie drehte sich um das Michelle wie ein Planet um die Sonne. Ihrer Geistesgegenwart jedenfalls hatte meine Mutter zu verdanken, dass sich der Skandal dieser öden Traumhochzeit nicht um sie drehte.

Michelles bissige Bemerkungen müssen meine Mutter wirklich sehr geärgert haben, dass sie so einen Trinkspruch ausbrachte. Gut, ich gebe es gerne zu, auch ich war alles andere als erfreut, als Michelles nörgelige Stimme laut und vernehmlich für alle herumätzte: „Leon, Mausebär, es ist einfach unglaublich, wie diese Blumenmädchen herumrennen. Ich habe dir gleich gesagt, dass es eine dämliche Idee ist, so was deinem Bruder, diesem Möchtegern-Modezar, zu überlassen, das musste ja schief gehen.“

Meine liebe Mutter hatte mich auf die Bibel schwören lassen, dass ich mich auf der Hochzeit aufs Beste benehmen würde, daher tat ich so, als hätte ich nichts gehört. Wobei ich bemerken muss, dass die Blumenmädchen, zwei langbeinige Teenager aus der weiteren Verwandtschaft, wirklich superniedlich aussahen in ihren ultrakurzen Schulmädchenuniformen und den pinken Zöpfchen ganz im japanischen Manga-Style. Michelle war vielleicht angepisst, aber die Herzen der beiden Girlies gehörten mir.
„Und schau dir nur dieses unmögliche Jackett an, das Vincent heute mal wieder trägt. Damit sieht er genau aus wie seine schwulen Kumpels. Aber vermutlich will er mich damit ärgern und mir die Hochzeit vermiesen. Du hättest ihn nie als Treuzeugen wählen dürfen!“

Als wenn ich mich freiwillig dafür gemeldet hätte, meine Unterschrift unter das „Lebenslänglich“ meines Bruders zu setzen. Leon war kein schlechter Kerl, auch wenn er ein langweiliger, angepasster Streber war, er konnte nichts dafür, er kam halt ganz nach unserem Vater.

Jede Ähnlichkeit mit Kai und Phil, meinen beiden besten, aber homosexuellen Freunden, muss ich allerdings aufs Nachdrücklichste bestreiten. Niemals würde ich mich in Flanellhemd, Lederweste und Bikerstiefeln blicken lassen und keine zehn Pferde würden mich jemals dazu bringen, mir einen Kinnbart wachsen zu lassen und das auch noch mit einem Piercing mit Strassstein in der Augenbraue zu kombinieren. Über Kais Outfits will ich gar nicht erst nachdenken, das verursacht mir Magengrimmen.

Eingedenk meines Schwurs übte ich nur sehr zurückhaltende Kritik an meiner frischgebackenen Schwägerin. „Liebste Michelle, dein liebliches Stimmchen ist weithin und außergewöhnlich gut wahrnehmbar. Vielleicht möchtest du deine Stimmgewalt etwas reduzieren, wenn du schon deine giftgefüllte Zunge entladen musst.“ tadelte ich sie sanft und vor allem leise.

Michelle fuhr gereizt auf mich los: „Du willst diese Hochzeit sabotieren, das ist es. Du bist eifersüchtig, weil dein Bruder mich heiratet und deine tolle Freundin dir letzten Monat den Laufpass gegeben hat. Na, ja, ist ja auch kein Wunder, bei einem Traumtänzer wie dir!“

Zack, das saß. Das tat weh. Ich biss die Zähne aufeinander. Meine Mutter ballte die Fäuste, ihre Augen blitzten vor Wut. Meine Mama. Am liebsten würde sie mir immer noch die Nase putzen und die Knie mit Pflaster bekleben. Sie hob ihr Champagnerglas, klopfte mit einem Löffel dagegen und bat um Ruhe. „Zeit für einen Toast auf das glückliche Brautpaar!“
Vielleicht mag der eine oder andere die Tränen in ihren Augen und das leichte Zittern in ihrer Stimme für Rührung gehalten haben. Ich wusste: Sie kochte.

Die eleganten Gäste scharten sich um uns, Hamburgs Oberschicht war zahlreich vertreten. Michelles Vater hatte sich nicht lumpen lassen und eingeladen, was Rang und Namen hatte. Ihre Mutter hatte ihre Leidenschaft für gesellschaftliche Großevents ungezügelt ausgelebt und die Hochzeitsagentur »Perfect Wedding« zu jeder Extravaganz ermutigt. Das sollte die Hochzeit des Jahres werden, mindestens.

Meine schöne, aber unbeherrschte Mutter sprach jetzt mit fester, klarer Stimme: „Wenn sich zwei Menschen die Hand zum Bund der Ehe reichen, dann ist das eine Zeit, in der wir diesen beiden Menschen unsere Wünsche mitgeben. Gottes Segen haben meine Kinder gerade erhalten. Lassen sie mich den Meinen hinzufügen. Und lassen sie es mich tun in der Sprache meines Herzens, meiner Muttersprache Italienisch. „Michelle, ti auguro, che si ottiene nella vostra vita che vi meritate. Si deve essere punito per la lingua male. Leon, figlio miola mia preghiera di rimanere cieco. Il Signore ti proteggerà dal crudele realtà.“

Oh, oh, Mutter, was hast du getan. „Michelle, ich wünsche, dass du in deinem Leben das bekommt, was du verdienst. Gestraft sollst du werden für deine böse Zunge. Leon, mein Sohn, ich bete dafür,  dass du blind bleibst. Der Herr schütze dich vor der grausamen Wirklichkeit.“ Irgendeiner in dieser verlogenen Gesellschaft würde mit Sicherheit gut genug italienisch sprechen und dann wird die Übersetzung die Runde machen. Und du bist tot. Dafür werden Michelle und ihre einflussreiche Familie schon sorgen.

Ein glockenhelles, schnell in ein Hüsteln umgewandeltes Lachen unserer Fotografin zeigte mir, dass zumindest eine Zuhörerin den „Segen“ sehr gut verstanden hatte.

Michelle ergriff ihre Chance sofort und ging zum Angriff über wie ein gereizter Stier auf ein rotes Tuch. „Sie lachen? Lassen Sie uns teilhaben an dem Witz! Was hat meine Schwiegermutter gesagt?“ insistierte sie.
Die Fotografin lächelte aufs freundlichste und setzte zu ihrer Antwort an. Ich schloss die Augen und wappnete mich für den Schlag, der kommen musste. „Ach, lustig war es eigentlich gar nicht. Ich war nur so überrascht, dass hier jemand meine Muttersprache spricht. Sie sagte: „Michelle, ich wünsche dir das Leben, das du dir erträumst. Der Mann an deiner Seite soll dich behüten. Leon mein Sohn, ich bitte dich zu bleiben, wie du bist. Gott schütze euch vor allem Bösen der Welt.“

Wissen sie, wie es sich anfühlt, wenn man einem Engel begegnet? Ah, ich weiß es. Ich weiß es, seit Marie ihren hübschen Mund geöffnet hat und uns mit ihrer dreisten Lüge gerettet hat. Wie selbstverständlich diese Worte zwischen ihren ebenmäßigen Zähnen herauspurzelten, wie unschuldig ihre dunklen Augen leuchteten bei dieser faustdicken Falschübersetzung. Ich sah sie und wusste, dass mein Glück sich gewendet hatte und der Himmel mir gewogen war. Ich weiß nicht, ob Michelle der Übersetzung glaubte. Die Gäste jedenfalls nickten zustimmend lächelnd und murmelten Beifall.
--------

Der Italienische Satz und seine Übersetzung müssen noch überarbeitet werden, da brauch ich aber einen Fachmann dazu. Falls sich also jemand berufen fühlt - gerne.

Danke erst mal fürs Lesen!
 Und jetzt - lasst hören ...

Para

12Wie es weitergeht »




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Vidora
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BeitragVerfasst am: 16.01.2013 20:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Paradigma,

mir hat der Text gefallen, er hat mich gut unterhalten. Ich konnte dem Erzähler wunderbar folgen und mir das meiste bildlich vorstellen. Auch der Humor ist angekommen. Lediglich die Stelle mit den Manga-Mädchen-Brautjungfern empfand ich als etwas zu dick aufgetragen.

Den Ausdruck "giftgefüllte Zunge entladen" empfand ich als weniger gut gelungen. Wahrscheinlich wolltest du damit verbildlichen, wie das Gift förmlich aus ihrem Mund herausplatzt/-spritzt... aber wenn ihre Zunge mit Gift gefüllt ist, stelle ich mir jenen Muskel ziemlich dick und geschwollen vor und mit einer solchen Zunge spricht es sich dann doch eher schlecht... naja das klingt wirr - verzeih mir. Ich kann es gerade nicht besser erklären. ^^'

Mit den verschiedenen Namen und Personen hatte ich übrigens keine Probleme.

Es grüßt,

Vidora


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Hunter_S_Thompson1988
Schreiberassi

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BeitragVerfasst am: 16.01.2013 21:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Para,  Smile

Da dir ja hauptsächlich daran liegt zu erfahren, ob es denn gut zu lesen ist, werde ich weiter nichts bemängeln, was einige, auf mich etwas seltsam wirkende Satzstellungen angehen. (Ein Beispiel: "Die Herzen der beiden  Girlies gehörten mir") klang für mich erst so, als wollte er sie verführen, obwohl ich natürlich weiß, was gemeint war. Aber ich bin selber weit von Perfektion entfernt, daher kann man das vielleicht auch anders sehen.
Der Text an sich hat mich gut unterhalten, musste ein paar mal richtig schmunzeln, und im Gegensatz zu meiner Vorrednerin fand ich die Stelle mit der "giftgefüllten Zunge entladen" wirklich witzig. Ich finde, solche übertriebenen Aussagen lockern das ganze mit kuriosen Kopfbildern herrlich auf.  Smile     Also ich für meinen Teil hätte sehr gern noch weitergelesen.
Nur die Figuren waren fast zu zahlreich, aber da diese ja wie du sagtest, später noch ausführlicher beschrieben werden, stört das sicher nicht.

LG Hunter


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Kätzchen
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BeitragVerfasst am: 16.01.2013 22:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Para ich seh mir deinen Text morgen lieber an.
Hab gerade bei meinem eigenen Kommentar grandiose Fehler eingebaut und das ist ein Zeichen für: Lass es und geh schlafen!
Bevor ich nur Müll erzähle, schau ich also lieber morgen rein. aber ich wollte mal sagen, dass ich ganz aufgeregt bin endlich mal einen Text von dir zu lesen!

Also dann, bis zum Date
 Laughing

Mieze


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BeitragVerfasst am: 17.01.2013 05:27    Titel: Antworten mit Zitat

Welch nette Überraschung am frühen Morgen.
Gern gelesen - mir gefällt der Stil, ich selbst würde mir nicht zutrauen, diese Art von leicht schwarzem Humor ein ganzes Buch lang durchzuhalten.

Positiv auch, dass ich nicht auf Anhieb Fehler fand - heißt nicht, dass nicht noch welche da sein könnten, aber zumindest so fehlerfrei, dass der Lesefluss nicht gestört wird.

Muss aber meinen Vorrednern zustimmen: die Mangs-Girls sind auch mir etwas zu viel.

Aber ich glaube, ich mag Vincents Mama.


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Noweti
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Beiträge: 124



BeitragVerfasst am: 17.01.2013 09:51    Titel: Re: Erste Szene, erster Akt ... Antworten mit Zitat

Da ich krank die Couch hüte, habe ich endlich mal Zeit, auch was zu kommentieren. Außerdem ist das genau "mein" Genre. smile

Ich muss zugeben, ich musste es zwei Mal lesen. Dann hat es mir aber ausnehmend gut gefallen! Beim ersten Mal bin ich zumindest zu Beginn etwas über den sprunghaften Wechsel gestolpert (Marie, dann Mutter, dann Freunde, dann Michelle etc.). Was mir nicht so gut gefiel, ist die direkte Ansprache an den Leser. Das verursacht auch teilweise einen Sprung in den Tempora (Präsens, Präteritum, Perfekt), der mich etwas gestört hat.

Insgesamt aber ein schöner erheiternder Einstieg. Die Manga-Blumenmädchen fand ich übrigens keineswegs zu übertrieben.

Anbei noch ein paar kleinere Anmerkungen.


Paradigma hat Folgendes geschrieben:

Marie fiel mir zum ersten Mal auf, als sie meiner Mutter das Leben rettete. Na gut, das Leben rettete ist übertrieben, sagen wir, sie rettete das Wenige von ihrem guten Ruf, das noch existierte.
Mich wunderte es sowieso, dass unsere Mutter zur Hochzeit eingeladen war. Vielleicht war mein Bruder doch kein ganz so großer Waschlappen.

(Ich vermute, weil seine Schwiegerfamilie die Mutter nicht leiden kann? Das bleibt an dieser Stelle irgendwie unklar.)
(Das letzte der drei »rettete« würde ich ersetzen, z.B. durch »wiederherstellen«)


Mutter trug das dunkle Haar offen, in ihrem farbenfrohen Kleid zog sie die Blicke auf sich,

(da würde ich ein Komma setzen, weil nach dem »und« ein Hauptsatz folgt)

 und ihr südländisches Temperament hatte bereits eine kleine Schar Bewunderer um sie versammelt. Die sonntäglichen Kirchenglocken bimmelten wie bescheuert. Die Sonne ließ sich nicht lumpen und spendete 1.000.000 Watt. Und das im März! Die Gäste strömten noch immer aus der Kirche an die Stehtische und beeilten sich,

(Komma vor erweitertem Infinitiv)


 des eisgekühlten Champagners habhaft zu werden. Als Hochzeitsgeschenk hatte sie eines ihrer leuchtend bunten Gemälde überreicht. Nicht dass Leon und Michelle einen Sinn für Kunst hätten, aber sie konnten das Bild ja als Wertanlage betrachten.

(Dass als Konjunktion und nicht als Relativpronomen)

Wo war ich? Ach ja, Marie.

(Würde ich streichen.)

Marie, die Fotografin. Sie war die ganze Zeit schon unauffällig um uns herumgeturnt, immer im Hintergrund, immer die Kamera wie einen Filter zwischen sich und der Welt. Braut hier, Braut da, sie drehte sich um das Michelle

(Wenn »das Michelle« ironisch gemeint sein soll, dann kommt das bei mir nicht so richtig an, wirkt eher wie ein Tippfehler.)

wie ein Planet um die Sonne. Ihrer Geistesgegenwart jedenfalls hatte meine Mutter zu verdanken, dass sich der Skandal dieser öden Traumhochzeit nicht um sie drehte.


(2x »drehte« in einem Absatz, außerdem viele »immer«, vielleicht ersetzt du ein paar davon durch »nach wie vor« oder versuchst, sie ganz zu streichen.)



Michelles bissige Bemerkungen müssen meine Mutter wirklich sehr geärgert haben,

(An einigen Stellen springst du ins Präsens »müssen«, im schriftlichen Erzählen würde ich das lassen.)

Dass sie so einen Trinkspruch ausbrachte. Gut, ich gebe es gerne zu, auch ich war alles andere als erfreut, als Michelles nörgelige Stimme laut und vernehmlich für alle herumätzte: „Leon, Mausebär, es ist einfach unglaublich, wie diese Blumenmädchen herumrennen. Ich habe dir gleich gesagt, dass es eine dämliche Idee ist, so was deinem Bruder, diesem Möchtegern-Modezar, zu überlassen, das musste ja schief gehen.“

Meine liebe Mutter hatte mich auf die Bibel schwören lassen, dass ich mich auf der Hochzeit aufs Beste benehmen würde. Daher tat ich so, als hätte ich nichts gehört. Wobei ich bemerken muss, dass die Blumenmädchen, zwei langbeinige Teenager aus der weiteren Verwandtschaft, wirklich superniedlich aussahen in ihren ultrakurzen Schulmädchenuniformen und den pinken Zöpfchen ganz im japanischen Manga-Style. Michelle war vielleicht angepisst, aber die Herzen der beiden Girlies gehörten mir.
„Und schau dir nur dieses unmögliche Jackett an, das Vincent heute mal wieder trägt. Damit sieht er genau aus wie seine schwulen Kumpels. Aber vermutlich will er mich damit ärgern und mir die Hochzeit vermiesen. Du hättest ihn nie als Treuzeugen wählen dürfen!“

(Zwei Sätze mit ca. 30 Wörtern, den ersten kann man splitten. 2 x »aber« und 2 x »damit«, würde ich versuchen zu ersetzen.)

Als wenn ich mich freiwillig dafür gemeldet hätte, meine Unterschrift unter das „Lebenslänglich“ meines Bruders zu setzen. Leon war kein schlechter Kerl, auch wenn er ein langweiliger, angepasster Streber war, er konnte nichts dafür, er kam halt ganz nach unserem Vater.

Jede Ähnlichkeit mit Kai und Phil, meinen beiden besten, aber homosexuellen Freunden, muss ich allerdings aufs Nachdrücklichste bestreiten. Niemals würde ich mich in Flanellhemd, Lederweste und Bikerstiefeln blicken lassen.
(40 Wörter-Satz splitten)
 Und keine zehn Pferde würden mich jemals dazu bringen, mir einen Kinnbart wachsen zu lassen und das auch noch mit einem Piercing mit Strassstein in der Augenbraue zu kombinieren. Über Kais Outfits will ich gar nicht erst nachdenken, das verursacht mir Magengrimmen.


(Präsens? Wenn dann »das verursacht mir jetzt noch Magengrimmen«)


Eingedenk meines Schwurs übte ich nur sehr zurückhaltende Kritik an meiner frischgebackenen Schwägerin. „Liebste Michelle, dein liebliches Stimmchen ist weithin und außergewöhnlich gut wahrnehmbar. Vielleicht möchtest du deine Stimmgewalt etwas reduzieren, wenn du schon deine giftgefüllte Zunge entladen musst.“ tadelte ich sie sanft und vor allem leise.

Michelle fuhr gereizt auf mich los: „Du willst diese Hochzeit sabotieren, das ist es. Du bist eifersüchtig, weil dein Bruder mich heiratet und deine tolle Freundin dir letzten Monat den Laufpass gegeben hat. Na, ja, ist ja auch kein Wunder, bei einem Traumtänzer wie dir!“

Zack, das saß. Das tat weh. Ich biss die Zähne aufeinander. Meine Mutter ballte die Fäuste, ihre Augen blitzten vor Wut. Meine Mama. Am liebsten würde sie mir immer noch die Nase putzen und die Knie mit Pflaster bekleben. Sie hob ihr Champagnerglas, klopfte mit einem Löffel dagegen und bat um Ruhe. „Zeit für einen Toast auf das glückliche Brautpaar!“
Vielleicht mag der eine oder andere die Tränen in ihren Augen und das leichte Zittern in ihrer Stimme für Rührung gehalten haben. Ich wusste: Sie kochte.

Die eleganten Gäste scharten sich um uns, Hamburgs Oberschicht war zahlreich vertreten. Michelles Vater hatte sich nicht lumpen lassen und eingeladen, was Rang und Namen hatte. Ihre Mutter hatte ihre Leidenschaft für gesellschaftliche Großevents ungezügelt ausgelebt und die Hochzeitsagentur »Perfect Wedding« zu jeder Extravaganz ermutigt. Das sollte die Hochzeit des Jahres werden, mindestens.
Meine schöne, aber unbeherrschte Mutter sprach jetzt mit fester, klarer Stimme: „Wenn sich zwei Menschen die Hand zum Bund der Ehe reichen, dann ist das eine Zeit, in der wir diesen beiden Menschen


(»ihnen« statt Wortwiederholung »Menschen«?)


Unsere Wünsche mitgeben. Gottes Segen haben meine Kinder gerade erhalten.

(»meine Kinder« finde ich an der Stelle störend. Auch wenn sie so tut, als könne sie Michelle leiden, würde sie das vielleicht trotzdem nicht sagen, oder?)

Ich möchte den meinen hinzufügen.

(Wortwiederholung »lassen«, »meinen« würde ich kleinschreiben, da es sich auf den Segen bezieht)

Und lassen sie es mich tun in der Sprache meines Herzens, meiner Muttersprache Italienisch. „Michelle, ti auguro, che si ottiene nella vostra vita che vi meritate. Si deve essere punito per la lingua male. Leon, figlio miola mia preghiera di rimanere cieco. Il Signore ti proteggerà dal crudele realtà.“

Oh, oh, Mutter, was hast du getan. „Michelle, ich wünsche, dass du in deinem Leben das bekommt, was du verdienst. Gestraft sollst du werden für deine böse Zunge. Leon, mein Sohn, ich bete dafür, dass du blind bleibst. Der Herr schütze dich vor der grausamen Wirklichkeit.“ Irgendeiner in dieser verlogenen Gesellschaft würde mit Sicherheit gut genug italienisch sprechen und dann wird die Übersetzung die Runde machen.

(»wird« wieder im Präsens, müsste auch »würde« heißen, oder??)

 Und du bist tot. Dafür werden Michelle und ihre einflussreiche Familie schon sorgen.
Ein glockenhelles, schnell in ein Hüsteln umgewandeltes Lachen unserer Fotografin zeigte mir, dass zumindest eine Zuhörerin den „Segen“ sehr gut verstanden hatte.
Michelle ergriff ihre Chance sofort und ging zum Angriff über wie ein gereizter Stier auf ein rotes Tuch. „Sie lachen? Lassen Sie uns teilhaben an dem Witz! Was hat meine Schwiegermutter gesagt?“ insistierte sie.

(»Insistieren« find ich hier unpassend. Das heißt doch so viel wie beharren oder auf etwas bestehen. Wenn, dann würde ich schreiben:« insistierte sie, zu erfahren« oder ähnlich.)

Die Fotografin lächelte aufs freundlichste und setzte zu ihrer Antwort an. Ich schloss die Augen und wappnete mich für den Schlag, der kommen musste. „Ach, lustig war es eigentlich gar nicht. Ich war nur so überrascht, dass hier jemand meine Muttersprache spricht. Sie sagte: „Michelle, ich wünsche dir das Leben, das du dir erträumst. Der Mann an deiner Seite soll dich behüten. Leon mein Sohn, ich bitte dich zu bleiben, wie du bist. Gott schütze euch vor allem Bösen der Welt.“

Wissen Sie, wie es sich anfühlt, wenn man einem Engel begegnet? Ah, ich weiß es. Ich weiß es, seit Marie ihren hübschen Mund geöffnet hat und uns mit ihrer dreisten Lüge gerettet hat.


(»Sie als Anrede groß, »Ah, ich weiß es.« würde ich streichen. Unnötige Wiederholung. Außerdem hast du sonst mit dem nächsten »weiß« im kommenden Abschnitt gleich 3x »weiß« hintereinander.)


 Wie selbstverständlich diese Worte zwischen ihren ebenmäßigen Zähnen herauspurzelten, wie unschuldig ihre dunklen Augen leuchteten bei dieser faustdicken Falschübersetzung. Ich sah sie und wusste, dass mein Glück sich gewendet hatte und der Himmel mir gewogen war. Ich weiß nicht, ob Michelle der Übersetzung glaubte. Die Gäste jedenfalls nickten zustimmend lächelnd und murmelten Beifall.
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Kätzchen
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 28
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Wohnort: Katzenkörbchen


BeitragVerfasst am: 17.01.2013 16:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Para!

Mir hat der Auszug vom Stil her ganz gut gefallen, allerdings stolperst du manchmal, finde ich, über dich selbst. Ich will versuchen dir die Stilbrüche zu zeigen, weil du einen oft einen legeren Satz beginnst und ihn etwas gestochen abschließt. Nun zum Text!

Zitat:
Marie fiel mir zum ersten Mal auf, als sie meiner Mutter das Leben rettete. Na gut, das Leben rettete ist übertrieben, sagen wir, sie rettete das Wenige von ihrem guten Ruf, das noch existierte.


"existierte" klingt zu hoch gestochen, denn üblicher Weise endet ein solcher Satz mit: "Sie rette das letzte bisschen guten Ruf, der noch übrig geblieben war." Ich denke du weißt was ich meine. Entweder Hop oder Top. Ist vielleicht sehr kleinlich, aber ich denke mir dass es im weiteren Textverlauf wichtig ist.

Zitat:
Mich wunderte es sowieso, dass unsere Mutter zur Hochzeit eingeladen war. Vielleicht war mein Bruder doch kein ganz so großer Waschlappen. Mutter trug das dunkle Haar offen, in ihrem farbenfrohen Kleid zog sie die Blicke auf sich und ihr südländisches Temperament hatte bereits eine kleine Schar Bewunderer um sie versammelt.


Zum einen: "doch kein ganz so großer" Füllwort Alarm Laughing Das ist wirklich zu viel beim Lesen!

Dann klingt das, als hätte das Temperament laut herumgeschrien: Ey, hier rüber! Genaugenommen kann eine Eigenschaft aktiv keine Leute versammeln, besser wäre: "Schar Beweunderer angezogen."

Zitat:
Die sonntäglichen Kirchenglocken bimmelten wie bescheuert. Die Sonne ließ sich nicht lumpen und spendete 1.000.000 Watt. Und das im März! Die Gäste strömten noch immer aus der Kirche an die Stehtische und beeilten sich des eisgekühlten Champagners habhaft zu werden.


Hat mich etwas aufgehalten!

Zitat:
Wo war ich? Ach ja, Marie. Marie, die Fotografin. Sie war die ganze Zeit schon unauffällig um uns herumgeturnt, immer im Hintergrund, immer die Kamera wie einen Filter zwischen sich und der Welt. Braut hier, Braut da, sie drehte sich um das Michelle wie ein Planet um die Sonne. Ihrer Geistesgegenwart jedenfalls hatte meine Mutter zu verdanken, dass sich der Skandal dieser öden Traumhochzeit nicht um sie drehte.


Das erste würde ich definitv streichen, da es komisch klingt und nichts zum Stil oder dem Geschehen beiträgt. Dann finde ich den Satz danach sehr merkwürdig, irgendwie ist der Einstieg komisch.

Unauffällig herumturnen schließt sich absolut aus, egal wie umgangsprachlich das gemeint ist. Hier muss irgendwie an einen Manga denken, wie die Reporterin aus allen Bildperspektiven in den kleinen Kästchen erscheint!

Und den letzten Satz, muss ich gestehen, verstehe ich nicht. Also teils, aber würde das so nicht besser klingen: "Jedenfalls hatte meine Mutter es allein ihrer Geistesgegenwart zu verdanken, dass sich der Skandal dieser öden Traumhochzeit nicht um sie drehte."

Hier versteh ich dennoch den Bezug nicht. Sich nicht um Michelle drehte, oder nicht um die Mutter?

Zitat:
Michelles bissige Bemerkungen müssen meine Mutter wirklich sehr geärgert haben, dass sie so einen Trinkspruch ausbrachte. Gut, ich gebe es gerne zu, auch ich war alles andere als erfreut, als Michelles nörgelige Stimme laut und vernehmlich für alle herumätzte: „Leon, Mausebär, es ist einfach unglaublich, wie diese Blumenmädchen herumrennen. Ich habe dir gleich gesagt, dass es eine dämliche Idee ist, so was deinem Bruder, diesem Möchtegern-Modezar, zu überlassen, das musste ja schief gehen.“


Dieser Satz ist halb Präsens, halb Präteritum und hat für mich kein Bild bereit. Ich habe wieder Bezugschwierigkeiten, weil ein Trinkspruch erwähnt wird, dann aber Michelle redet und das ganze im Präsens. Der Teil geht überhaupt nicht an mich ran, auch das Gesprochene klingt seltsam. Bei "unglaublich" dachte ich erst an "toll, wundervoll".  Confused

Zitat:
aber die Herzen der beiden Girlies gehörten mir.


Klingt als wollte er sie vernaschen  Shocked Oder sie angraben... hum.

Zitat:
„Und schau dir nur dieses unmögliche Jackett an, das Vincent heute mal wieder trägt. Damit sieht er genau aus wie seine schwulen Kumpels. Aber vermutlich will er mich damit ärgern und mir die Hochzeit vermiesen. Du hättest ihn nie als Trauzeugen wählen dürfen!


Der Dialog klingt unglaubwürdig. So doof wie sie rüber kommt, würde sie eher sagen: "Was der Vincent da an hat." Und "vermutlich" ist sehr vage, eher: "Er will mich nur wieder ärgern!" Verstehst du?

Zitat:
Als wenn ob ich mich freiwillig dafür gemeldet hätte,


Zitat:
Leon war kein schlechter Kerl, auch wenn er ein langweiliger, angepasster Streber war, er konnte nichts dafür, er kam halt ganz nach unserem Vater.


Trenn die Sätze sinnvoll. Das ist zu lang und zu viel Kommahuddelei.

Zitat:
Jede Ähnlichkeit mit Kai und Phil, meinen beiden besten, aber homosexuellen Freunden, muss ich allerdings aufs Nachdrücklichste bestreiten. Niemals würde ich mich in Flanellhemd, Lederweste und Bikerstiefeln blicken lassen und keine zehn Pferde würden mich jemals dazu bringen, mir einen Kinnbart wachsen zu lassen und das auch noch mit einem Piercing mit Strassstein in der Augenbraue zu kombinieren. Über Kais Outfits will ich gar nicht erst nachdenken, das verursacht mir Magengrimmen.


Die Erwähnung der Ähnlichkeit 3 Absätze später ist zu spät und hat für mich keinen Bezug mehr.

Zitat:
wenn du schon deine giftgefüllte Zunge entladen musst“, tadelte ich sie sanft und vor allem leise.


Zitat:
Michelle fuhr gereizt auf mich los


Hoffentlich überfährt sie meinen Freund nicht  Laughing

So liebe Para, an sich mochte ich das Szenario und die Geschichte sehr gerne und möchte auch auf jeden Fall weiterlesen. Jedoch finde ich den Spagat zwischen gepflegtesten Ausdrücken und salloppem Geplauder/Gedanken von Vincent sehr widersprüchlich. Da solltest du im Allgemeinen vielleicht mal schauen, dass du eine eine Einheit findest, denn für mich ist das so noch sehr unstimmig, was die Sprache des Protas angeht, auch die Dialoge wirken viel zu gestellt.

Aber ich bin mir sicher du nimmst meine Kritik nicht so böse, sondern benutzt das, was du eben zu brauchen glaubst!

Liebte Grüße

Miezekatze


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Noweti
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Beiträge: 124



BeitragVerfasst am: 17.01.2013 16:54    Titel: Antworten mit Zitat

Kätzchen hat Folgendes geschrieben:

Zitat:
Michelle fuhr gereizt auf mich los




Ach danke! smile Ich hab vorhin die ganze Zeit überlegt, was mich beim ersten Lesen noch gestört habe und konnte es nicht wieder finden.
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Paradigma
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BeitragVerfasst am: 18.01.2013 12:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Herzlichen Dank für die insgesamt doch sehr ermutigenden Feedbacks. Von der Idee her scheint es also zu funktionieren.

@Vidora:
Schön, das es dich unterhalten hat. Die Manga-Mädels sind eigentlich eine kleine Hommage an meine Tochter. Aber sie passen tatsächlich zu Vincent, der sich gerade als als Modedesigner einen Namen machen möchte und der hin und wieder etwas abgedreht und schrill ist.

@Hunter
Das mit dem Schmunzeln freut mich besonders. Um das zu erreichen, habe ich auch so überzogene Bilder verwendet. So ganz ernst muss man einen solchen Roman nicht nehmen, er soll gut unterhalten und wenn ich das mit einer kräftigen Prise Humor hinkriege, bin ich glücklich. (Ich finde es ist ganz schön schwierig, etwas lustiges zu schreiben.)

@Reinsberg, mir ist klar, wie schwer das wird, diesen schwarzen Humor überall durchzuhalten. Zum Glück hilft mir da Vincents Persönlichkeit Smile.

@Noweti
Danke für das gründliche Durchsehen. Das mit dem Präsens passiert mir immer, wenn ich einen Dialog schreibe und danach in der Erzählung fortfahre. Ich muss danach regelmäßig die ersten Sätze wieder in die Vergangenheit setzten. Offenbar sind mir doch noch etliche Stellen entwischt.

Auch das mit den Wortwiederholungen war mir nicht bewusst geworden. Wobei ich es auch hin und wieder absichtlich mache, um eine Sache besonders zu betonen. Da muss ich wohl noch vorsichtiger dosieren.

@Kätzchen
Auch dir einen besonderen Dank. Vor allem auf den Hinweis auf die verschiedenen Sprachebenen, die in den Dialogen auftreten. Das muss ich noch einmal komplett durcharbeiten. Auch das hin und wieder die Bezüge nicht ganz klar werden, werde ich mir noch einmal ganz genau anseshen. Der Absatz mit Kai und Phil fliegt erst mal raus, die kommen dann erst später dran.

----
Ich werde mich also jetzt an die Überarbeitung machen.
Morgen werde ich mal eine Szene aus Maries Sicht einstellen. Eine ganz andere Persönlichkeit und daher soll der Tonfall dann auch etwas anders sein.

Einen schönen Tag euch allen!

Para


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William Faulkner
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Hosenträger
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BeitragVerfasst am: 20.01.2013 00:09    Titel: Re: Erste Szene, erster Akt ... Antworten mit Zitat

Hallo

meiner Ansicht nach funktioniert der Text nicht. Es ist einfach zu wenig Spannung in der Geschichte. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das ja der Romananfang.
Das zum Beispiel:
Zitat:

Marie fiel mir zum ersten Mal auf, als sie meiner Mutter das Leben rettete. Na gut, das Leben rettete ist übertrieben, sagen wir, sie rettete das Wenige von ihrem guten Ruf, das noch existierte.


Der erste Satz erzeugt noch Aufmerksamkeit, man hofft auf Spannung. Aber mit dem zweiten entwertest du den ersten, denn du nimmst alles zurück und schwächst ihn ab. Jetzt geht es nicht mehr ums Leben sondern um "nur" noch um den Ruf. Das kann ja auch noch genügend Fallhöhe abgeben, aber der Leser fühlt sich veräppelt. Und da der Ich-Erzähler noch nicht etabliert und vertraut ist, kommt es so rüber als wüsste der Autor nicht recht, was er eigentlich schreiben will.

Ich persönlich steh' auf Handlung, statt Introspektive. Es zieht mich einfach mehr rein in die Geschichte. Deshalb finde ich die nächsten Sätze auch nicht gelungen:

Zitat:

Mich wunderte es sowieso, dass unsere Mutter zur Hochzeit eingeladen war. Vielleicht war mein Bruder doch kein ganz so großer Waschlappen.


Ich denke, den "Waschlappen" kann der Leser nicht verstehen. Da liegt vor allem am nicht eingehaltenen "Show, don't tell"! Zeige, was der Bruder macht, dann kann der Leser sich sein eigenes Bild machen von ihm.

Ganz abgeschaltet habe ich dann bei:
Zitat:

Die sonntäglichen Kirchenglocken bimmelten wie bescheuert. Die Sonne ließ sich nicht lumpen und spendete 1.000.000 Watt.


Das finde ich - tschuldigung - nur albern. Vermutlich wolltest du damit den Erzähler charakterisieren, sein Art zu Reden. Du willst ihn (leicht) zynisch machen, bei mir kam er nicht zynisch an. Er hat zwar eine leicht lockere Rede, aber ich spüre nicht die charakterliche Grundlage für Zynismus. Da müssten dann Verletzung, Enttäuschung, Weltschmerz und vor allem ein negatives Menschenbild zu spüren sein.

Zusammenfassend also von mir: Charakter mehr Tiefgang, Story mehr Handlung, Stil mehr Show.

LG Dietmar


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Noweti
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BeitragVerfasst am: 20.01.2013 09:51    Titel: Antworten mit Zitat

@Hosenträger: Das was du sagst, trifft vielleicht grundsätzlich zu, aaaaaaber man muss auch immer das Genre im Hinterkopf behalten. Wenn ich Chick-Lit lese, dann erwarte ich, im plaudernden Ton unterhalten zu werden, ohne dass es in eine schmalzige Groschenheftroman-Liebesgeschichte abdriftet. Ich will das Genre gar nicht schlecht reden, aber der Anspruch liegt eben nicht so hoch. Ohne jetzt ganz klischeehaft zu werden wink, aber ich als Frau kann mich gut in die Situation hinein fühlen und finde auch nicht, dass es in diesem Einstieg an Spannung mangelt (die ich im Grunde gar nicht erwarte).  Cool

Einzig bei deinem "Waschlappen-Einwand" gebe ich dir recht, das hab ich weiter oben auch schon angemerkt.
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Paradigma
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BeitragVerfasst am: 20.01.2013 10:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Hosenträger
Hm, ich werde mir den Text anlässlich deiner Kritik noch mal ansehen. Aber was Noweti in Bezug auf das Genre sagt, würde ich auch so sehen: Es ist leichte Unterhaltung, kein Charakterroman.

Vincent kennt seinen Bruder, er hat eine deutliche Meinung von ihm, und die folgenden Abschnitte (die ihr hier allerdings nicht lesen könnt) zeigen auch, das dieses Urteil nicht ganz ungerecht ist.

Zitat:
Er hat zwar eine leicht lockere Rede, aber ich spüre nicht die charakterliche Grundlage für Zynismus.


Vincent ist ein Mensch, der andere Menschen beobachtet und sehr stark und schnell wertet. Er ist jung, gutaussehend, auf dem Weg zum Erfolg, aus guter Familie und von daher etwas überheblich, auch wenn er sich selber nicht so sieht. Außerdem ist seine Beziehung vor kurzem in die Brüche gegangen, von daher ist er etwas zynisch, was Liebesangelegenheiten betrifft - aber an sich hat er nicht genug negative Erfahrungen gemacht, um ein Zyniker zu sein.

Zitat:
Ich persönlich steh' auf Handlung, statt Introspektive. Es zieht mich einfach mehr rein in die Geschichte. Deshalb finde ich die nächsten Sätze auch nicht gelungen:


Ich möchte am Anfang Fragen aufwerfen: Warum ist der Bruder ein Waschlappen? Warum hätte die Mutter fast den guten Ruf verloren? Wie rettet Marie sie? Was für einen Skandal gibt es später auf der Hochzeit?

Ich hatte sie Szene zuerst aus Maries Sicht geschrieben, und da weit mehr Handlungen beschrieben. Das hat lange nicht so gut funktioniert wie Vincents bissige Kommentare zur Situation.

Die Anfangsszene ist allerdings besonders wichtig, also werde ich da sicher noch mal drüber müssen. Ich werde deine Anmerkungen im Hinterkopf behalten, wenn es soweit ist. Danke dir.


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Paradigma
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BeitragVerfasst am: 20.01.2013 10:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Und hier kommt der angekündigte Marie-Teil. In dieser Szene taucht Marie das erste Mal als Ich-Erzählerin auf.

Was vorher geschah: Auf der Hochzeit kam es dazu, das die Braut die Fotos gesehen hat und sie scheußlich fand. Daraufhin hat der Eventmanager (welcher die Hochzeit organisiert hat und für den Marie oft arbeitet) sie ziemlich unfein gefeuert, um die (wichtige) Kundin nicht zu verärgern. Vincent hat die Wogen etwas geglättet. Marie ist gerade auf dem Heimweg nach dem Rauswurf.
-------------------------


Im türkischen Laden an der Ecke brannte Licht, Leila räumte in ihren Regalen herum. Ich huschte durch die Hintertür, begrüßte meine Freundin und angelte mir zwei große, reife Tomaten aus der Gemüsekiste. Sie umarmte mich, erfreut über die Gesellschaft und plapperte los: Ihr Jüngster mit seiner letzthin entwickelten Unart sämtliche Wände mit Filzstiften zu bekritzeln sorgte für eine Menge Ärger.

„Wenn er Autos zeichnen würde oder Raketen. Aber nein, er malt Blumen und Herzchen. Alles in Rosa. Ahmed ist stinksauer und behauptet, unser Sohn wäre nicht normal. Eh, hat der sie noch alle? Wir zoffen uns ständig! Heute habe ich meinem Sohn sämtliche Stifte weggenommen, da hat er meinen Lippenstift geklaut und den an die Wand geschmiert. Nichts wie Blumen hat er gekritzelt. Mein Mann hat getobt, als er das gesehen hat. Da räume ich lieber Regale auf, als mir das anzuhören. Aber sag du, ist das so schlimm, dass er Blumen zeichnet? Eh? Soll er Blumen zeichnen, oder? Er ist doch noch so klein!“ Leila schüttelte so heftig den Kopf, dass ihre langen Ohrringe klimperten.

Meine beste Freundin war süß und klug und tüchtig, aber sie verzog ihr Kind maßlos und war völlig blind für seine Unarten. Ahmed Junior war ein Satansbraten. Wenn man mich fragte, malte er die Blumen nur aus einem Grund: Um seinen Vater zu ärgern.

Normalerweise hätte ich es mir auf dem Stapel alter Paletten gemütlich gemacht und mit Leila erst mal einen Tee getrunken, aber heute war mir nicht danach. Es war ein  anstrengender Tag gewesen und abgesehen von einem halben Tortenstück war mein Magen leer. Außerdem musste ich nachdenken. Die Geldscheine in meiner Tasche knisterten und auf meiner Wange fühle ich noch Vincents Hand, als er meine Träne abwischte. Danach fühlte sich Hardenbergs Rauswurf gar nicht mehr so schrecklich an, wie er tatsächlich war. „Leila, sei mit nicht böse, aber ich bin fertig mit den Nerven. Hardenberg hat mich gefeuert und ich habe keine Ahnung, wie ich die nächsten Monate überstehen soll. Ich habe doch jede Woche eine Hochzeit für ihn fotografiert, davon habe ich gelebt. Selbst so war ich immer schon knapp dran, das weißt du ja. Es gab einen riesigen Krach und wenn da nicht dieser süße Typ gewesen wäre, hätte ich nicht mal das Geld für diesen Job heute bekommen.“

Natürlich, Leila steuerte sofort auf den Teil meines Berichts zu, der sie interessierte und ignorierte den Rest: „Was für ein süßer Typ? Wieso hat er dir geholfen? War er hübsch?“

Tatsächlich waren das genau die Fragen, die auch in meinem Kopf kreisten. Was für ein Typ war Vincent? Wieso hatte er mir geholfen? Wenigstens die letzte Frage konnte ich ihr beantworten: „Hübsch? Leila, er ist umwerfend. Dunkles Haar, so ein wenig verstruwwelt und dazu strahlend blaue Augen. Tiefe, erotische Stimme, Dreitagebart, breite Schultern. Ein Lächeln wie ein Filmstar und eine Ausstrahlung … Leila, da würden jeder Frau die Knie weich. Er ist Halbitaliener, genau wie ich.

Und, hat er dir seine Nummer gegeben? Wirst du ihn anrufen? Leila ignorierte wie gewöhnlich die Tatsache, dass ich einen Freund hatte, sie konnte Jan nicht ausstehen.

„Ich treffe ihn morgen früh wieder. Er brauchte dringend eine Fotografin und hat mich engagiert.“

 Leila lächelte wissend: „Ach, so ganz plötzlich für morgen früh? Alles klar, logisch. Mir fällt es auch immer am Sonntagabend ein, dass ich Montagmorgen als Erstes eine Fotografin brauche.

„ Ach, halt die Klappe, Leila!“ Ich verabschiedete mich eilig und flüchtete.

« Was vorher geschah12



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Hunter_S_Thompson1988
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BeitragVerfasst am: 20.01.2013 12:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Para,  

Der Marie-Teil hat mir nicht ganz so gut gefallen, wie der erste Text.
Die ganze Szene ist gut beschrieben, ich hatte auch die Bilder dazu gleich im Kopf. Das einzige Problem war, dass die Szene aus meiner Sicht eher der Faktenverarbeitung dient. Es war nicht schlecht, aber vielleicht kann sich in diesen Part auch nur eine Frau richtig hineinversetzen (Vielleicht war das ja auch dein Ziel?) Ich hätte gerne mehr persönliche Sprechweisen von Marie gehört. Dia Sache mit dem Kind und dem Malen war ganz witzig, würde ich aber etwas kürzen. Also im Endeffekt kann ich dir nicht wirklich sagen, ob es mir gefallen hat, denn es war schlicht und ergreifend zu wenig, um wirklich ein Urteil abzugeben. Wenn ich jetzt sagen müsste, wie es mir gefallen hat, würde ich sagen: "Nichts, was mich jetzt wirklich interessieren würde." Da ich aber den ersten Text kenne, weiß ich, da schlummert noch viel Potential.
Vielleicht stellst du ja doch noch etwas mehr Marie-Text rein, dann kann ich dir mehr sagen.

LG Hunter


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Hosenträger
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BeitragVerfasst am: 20.01.2013 12:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Paradigma

Paradigma hat Folgendes geschrieben:

Es ist leichte Unterhaltung, kein Charakterroman.

Verstehe. Aber das heisst doch nicht, dass die Charaktere nicht gut ausgearbeitet sein sollten (!?)

Paradigma hat Folgendes geschrieben:

Vincent kennt seinen Bruder, er hat eine deutliche Meinung von ihm, und die folgenden Abschnitte (die ihr hier allerdings nicht lesen könnt) zeigen auch, das dieses Urteil nicht ganz ungerecht ist ...
... Vincent ist ein Mensch, der andere Menschen beobachtet und sehr stark und schnell wertet. Er ist jung, gutaussehend, auf dem Weg zum Erfolg, aus guter Familie und von daher etwas überheblich, auch wenn er sich selber nicht so sieht...


Ist klar. Das sollte aber aus dem Text hervorgehen, du kannst nicht in jede Buchhandlung stehen, und jedem Kunden diese Erklärung abgeben, wenn er das Buch zur Hand nimmt.

Paradigma hat Folgendes geschrieben:

Ich möchte am Anfang Fragen aufwerfen: Warum ist der Bruder ein Waschlappen? Warum hätte die Mutter fast den guten Ruf verloren? Wie rettet Marie sie? Was für einen Skandal gibt es später auf der Hochzeit?


Das ist gut. Daraus entsteht Spannung, der Leser will wissen wie es weiter geht/das Problem gelöst wird.
Jetzt das "Aber": Diese Fragen müssen sich aus dem Text entwickeln, der Leser muss das miterleben und mit-er-leiden. Es zieht einfach nicht rein in die Geschichte, wenn der Autor diese Fragen einfach stellt.
Vielleicht veranschaulicht folgende Sequenz, was ich meine:

Zitat:

Meine beste Freundin war süß und klug und tüchtig, aber sie verzog ihr Kind maßlos und war völlig blind für seine Unarten.

Der Leser müsste selbst erleben dürfen, dass die Freundin süß, klug und blind für die Unarten des Kindes ist. Wenn die Protagonistin (oder gar der Autor) das einfach nur behauptet, löst es keine Gefühle aus. Es ist zu distanziert, der Leser fühlt sich zu weit weg von den Charakteren und der Geschichte. Erfinde und schildere eine Szene, anhand der der Leser zum Schluss kommt: "Die Freundin ist ja süß, aber sie verhätschelt ihr Kind."
Wir nennen das "Show! Don't tell", also "Zeigen! Nicht einfach behaupten!"

Dadurch würde der Text viel gewinnen, es gibt viele Stellen, an denen es sich anbietet:

Zitat:

... erfreut über die Gesellschaft

Zeig, wie sie sich freut

Zitat:

... sorgte für eine Menge Ärger.

Zeig den Ärger

Zitat:

Ahmed ist stinksauer...

Zeig was er tut, damit der Leser erkennt "Der ist ja stinksauer..."

Zitat:

Wir zoffen uns ständig!
Mein Mann hat getobt,
Ahmed Junior war ein Satansbraten.
Es war ein anstrengender Tag gewesen


dto.

Liebe Grüße

Dietmar


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Kätzchen
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BeitragVerfasst am: 20.01.2013 12:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Para!


Zitat:
Im türkischen Laden an der Ecke brannte Licht, Leila räumte in ihren Regalen herum. Ich huschte durch die Hintertür, begrüßte meine Freundin und angelte mir zwei große, reife Tomaten aus der Gemüsekiste. Sie umarmte mich, erfreut über die Gesellschaft und plapperte sofort los: Ihr Jüngster, mit seiner letzthin entwickelten Unart sämtliche Wände mit Filzstiften zu bekritzeln, sorgte für eine Menge Ärger.

„Wenn er Autos zeichnen würde oder Raketen.! Aber nein, er malt Blumen und Herzchen. Alles in Rosa. Ahmed ist stinksauer und behauptet, unser Sohn wäre nicht normal! Eh, hat der sie noch alle? Wir zoffen uns ständig deswegen! Heute habe ich meinem Sohn [Namen einfügen] sämtliche Stifte weggenommen, da hat er meinen Lippenstift geklaut und den an die Wand geschmiert. Nichts wie als Blumen hat er gekritzelt. Mein Mann hat getobt, als er das gesehen hat. Da räume ich lieber Regale auf, als mir das anzuhören. Aber sag du, ist das so schlimm, dass er Blumen zeichnet? Eh? Soll er Blumen zeichnen, oder? Er ist doch noch so klein!“ Leila schüttelte so heftig den Kopf, dass ihre langen Ohrringe klimperten.

Meine beste Freundin war süß und klug und tüchtig, aber sie verzog ihr Kind maßlos und war völlig blind für seine Unarten. Ahmed Junior war ein Satansbraten. Wenn man mich fragte, malte er die Blumen nur aus einem Grund: Um seinen Vater zu ärgern.


Ich denke meine Vorschläge sind selbsterklärend, allerdings würde ich mir früher einen Kommentar von der Prota erwaten, um das Gespräch zu beleben. Wenigstens ein Lachen, das den Textschwall unterbricht oder eine Nachfrage. So wirkt das etwas gestellt.
Das mit dem Satansbraten fand ich übrigens richtig cool!

Zitat:
Normalerweise hätte ich es mir auf dem Stapel alter Paletten gemütlich gemacht und mit Leila erst mal einen Tee getrunken, aber heute war mir nicht danach. Es war ein anstrengender Tag gewesen und abgesehen von einem halben Tortenstück war mein Magen leer.


Wieso? Man weiß nichts von ihr und kann nur erahnen, dass sie einen Zweitjob hat oder sogar Kinder? Ist mir hier zu schwammig, zumal man immer daran denkt was anstrengend war. Hier könnten sich dann auch ein paar sarakstische Elemente über den Tag einbauen lassen, um die Grundstimmung der Geschichte nicht zu verlieren!

Zitat:

Außerdem Ich musste nachdenken. Die Geldscheine in meiner Tasche knisterten und auf meiner Wange fühle ich noch Vincents Hand, als er meine Träne abwischte. Danach fühlte sich Hardenbergs Rauswurf gar nicht mehr so schrecklich an, wie er tatsächlich war.


Ich verstehe den Zusammenhang zwischen Geldscheinen und Vincents Berühung nicht. Weil man erst darunter erfährt, dass sie gefeuert wurde. Es würde sich anbieten den Dialog vorzuziehen und den oberen Part nachzuliefern, wegen der Reihenfolge. Im Moment:

Geldscheine - Rauswurf - was passiert ist

schlüssiger wäre aber für mich als Leser:

Was passiert ist - Rauswurf - Geldscheine

Zitat:
„Leila, sei mit nicht böse, aber ich bin fertig mit den Nerven. Hardenberg hat mich gefeuert und ich habe keine Ahnung, wie ich die nächsten Monate überstehen soll. Ich habe doch jede Woche eine Hochzeit für ihn fotografiert, davon habe ich gelebt. Selbst so war ich immer schon knapp dran, das weißt du ja. Es gab einen riesigen Krach und wenn da nicht dieser süße Typ gewesen wäre, hätte ich nicht mal das Geld für diesen Job heute bekommen.“


Das klingt ein bisschen nach Infodump (das wird noch das Wort 2013!), weil ihre Freundin ja weiß, womit sie ihr Geld verdient. Die Formulierungen hier werden immer unpersönlicher, weg von der Prota, al müsste jemand eben schnell alles erklären. Lass sie ruhig etwas mehr sie selbst sein: "Das war eine Katastrophe! Aber da war so ein verdammt süßer Typ, der hat [kurz einfügen was passiert ist]. Gottseidank habe ich das Geld für diesen Tag dann doch bekommen."

Nur ein doofer Vorschlag, aber manchmal neigst du zu sprachlicher Distanz deiner Charaktere, was mir genau in diesem Genre nicht in den Lesefluss passt und unecht wirkt. Schenk der Prota doch auch ein paar böse Gedanken, die uns unterhalten, wenn Vincent mal nicht am Werk ist!


Zitat:
Natürlich, Leila steuerte sofort auf den Teil meines Berichts zu, der sie interessierte und ignorierte den Rest: „Was für ein süßer Typ? Wieso hat er dir geholfen? War er hübsch?“


Süß impliziert meistens jedenfalls auch gutaussehend. Oder eben für einen selbst nenneswert attraktiv.

Zitat:
Tatsächlich waren das genau die Fragen, die auch in meinem Kopf kreisten. Was für ein Typ war Vincent eigentlich? Wieso hatte er mir geholfen? Wenigstens die letzte Frage konnte ich ihr beantworten: „Hübsch? Leila, er ist umwerfend. Dunkles Haar, so ein wenig verstruwwelt und dazu strahlend blaue Augen. Tiefe, erotische Stimme, Dreitagebart, breite Schultern. Ein Lächeln wie ein Filmstar und eine Ausstrahlung … Leila, da würden jeder Frau die Knie weich. Er ist Halbitaliener, genau wie ich."


Verstruwwelt klingt arg monnhämerisch. Ich glaube "verstruppelt" wäre der gängigste Begriff?

Zitat:
"Und, hat er dir seine Nummer gegeben? Wirst du ihn anrufen?" Leila ignorierte wie gewöhnlich die Tatsache, dass ich einen Freund hatte. Sie konnte Jan nicht ausstehen.

„Ich treffe ihn morgen früh wieder. Er brauchte dringend eine Fotografin und hat mich engagiert.“

Leila lächelte wissend: „Ach, so ganz plötzlich für morgen früh? Alles klar, logisch. Mir fällt es auch immer am Sonntagabend ein, dass ich Montagmorgen als Erstes eine Fotografin brauche.


Wissend? Deine Prota ist total verwirrt und glaubt an die Geschichte, zumindest irgendwo. Da ist Leilas "wissend" nicht angebracht, weil das voraussetzt, dass die Prota es selbst vermutet und dieses Lächeln so interpretiert.

Zitat:
„ Ach, halt die Klappe, Leila!“ Ich verabschiedete mich eilig und flüchtete.


Okay  Shocked  Deine Prota wurde vor meinem Inneren Auge gerade vom ICE mitgerissen  Laughing  Das ist wirklich viel zu abrupt und dieser vulgäre Ausdruck passt nicht zum Rest deiner eher "reh-ähnlich" rüberkommenden Prota.

Ich würde ihr hier mehr Feuer geben, denn mir gefällt der Teil zwar, transportiert aber noch zu wenig schwarzen Humor, auf den ich mich gefreut hatte. Frauen haben den bekannterweise ja auch, also lass sie doch etwas nörgeln, innerlich. Klar, sie ist nicht wie Vincent, aber dennoch sollte der Gesamtgeist des Buches aufrechterhalten bleiben.

Hunter hat das ganz schön gesagt: Kommt rüber wie Informationsverarbeitung.

Da geht aber noch was!

LG

Katze


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BeitragVerfasst am: 20.01.2013 13:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ja, das ist mein Problem mit Marie: Die ist einfach zu lieb, zu nett und zu schüchtern, um eine starke Protagonistin zu geben. Nur deswegen hat Vincent überhaupt eine Erzählerstimme bekommen, weil Marie einfach so fade ist.


@Hunter
Zitat:
Das einzige Problem war, dass die Szene aus meiner Sicht eher der Faktenverarbeitung dient.


Tatsächlich gibt es due Szene nur, damit der Leser erfährt, was Marie von Vincent hält.

Leila ist eine der Figuren, die sich einfach so einschleichen ... keine Ahnung, woher die so plötzlich gekommen ist. Eigentlich brauchte Marie nur zwei Tomaten, damit sie Abendessen kochen kann.

@Hosenträger
Zitat:
Erfinde und schildere eine Szene, anhand der der Leser zum Schluss kommt: "Die Freundin ist ja süß, aber sie verhätschelt ihr Kind.


Du hast ja so recht. Da Leila nur eine kleine Nebenrolle hat, dachte ich, ich kann damit durchkommen. Ich will den Leser auch nicht auf ein falsche Fährte locken, indem ich sie zu lebhaft charakterisiere, denn sie wird im weiteren kaum mehr auftauchen. Ich möchte mich da auch nicht verzetteln, indem ich zu sehr vom eigentlichen Handlungsstrang abweiche.

Wie siehst du das mit dem Ausarbeiten von Nebenfiguren?

Zitat:
Zeig was er tut, damit der Leser erkennt "Der ist ja stinksauer..."


Die Kritik könnte direkt von mir sein. Da es ein Dialog ist, habe ich versucht, das ganze nicht zu Plastisch zu schildern, denn das können eigentlich nur wenige "echte" Menschen. Aber Leila ist ja eine Romanfigur, von daher kann Ahmed da auch mal ein paar Teller an die Wand werfen. Ich überarbeite das.

@Kätzchen
Zitat:
Ich verstehe den Zusammenhang zwischen Geldscheinen und Vincents Berühung nicht.

Zitat:
Was passiert ist - Rauswurf - Geldscheine


Das wird aus Vincents Sicht direkt davor erzählt, das weiß der Leser also. Auch das ihr Tag anstrengend und ermüdend war, weiß der Leser aus Vincents Beschreibung vorher. Sorry, das konntet ihr nicht wissen. Vielleicht stelle ich diese Szene noch mal ein, auch wenn dann die Reihenfolge durcheinander kommt.  

Zitat:
Okay   Deine Prota wurde vor meinem Inneren Auge gerade vom ICE mitgerissen   Das ist wirklich viel zu abrupt und dieser vulgäre Ausdruck passt nicht zum Rest deiner eher "reh-ähnlich" rüberkommenden Prota.


Genau, Reh-Ähnlich. Das ist mein Marie-Problem. Das mit dem "Ach halt die Klappe" sollte eigentlich zeigen, wie vertraut Leila und Marie sind: Sie kann sich so was erlauben, ohne Leila zu kränken. Außerdem wollte ich diese Szene nicht noch länger auswalzen.

Ich sehe schon, da muss deutlich mehr Power rein. Marie braucht ein paar Extrakanten, anders geht das nicht.


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BeitragVerfasst am: 20.01.2013 18:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Paradigma,

mich erinnert die Erzählweise von Vincent an einen Alleinunterhalter, heute Stand-up-Comedian genannt. Wenn so ein Künstler
auftritt, klopfen sich die einen auf die Schenkel, andere finden es grausig.  In dem Fall würde ich mich eher zur zweiten Gruppe zählen.
Ich versuche es mal aufzuschlüsseln.

Formulierungen wie:
Die sonntäglichen Kirchenglocken bimmelten wie bescheuert / Die Sonne ließ sich nicht lumpen und spendete 1.000.000 Watt /
das Michelle / dein liebliches Stimmchen ist weithin und außergewöhnlich gut wahrnehmbar / deine Stimmgewalt etwas reduzieren,
wenn du schon deine giftgefüllte Zunge entladen musst/ Michelle war vielleicht angepisst, aber die Herzen der beiden Girlies gehörten
mir
(hier müsste es heißen: mein Herz gehörte den beiden …), usw.
sind nicht mein Geschmack.


Der Erzähler bemüht sich um witzige und bissige Formulierungen. Außerdem erzählt er nicht chronologisch, sondern chaotisch.
Seine Puzzlestücke wiederum bestehen oft aus Andeutungen.
Hier handelt es sich nicht um einen erlebenden Ich-Erzähler. Er erzählt aus der Distanz und tritt als auktorialer Ich-Erzähler auf.
Damit setzt er sich stärker der Gefahr aus, dass es aufgesetzt und unnatürlich wirkt.

Ein erlebender Erzähler müsste chronologisch erzählen. Schräge Formulierungen ergeben sich bei ihm aus der Situation. Der auktoriale
Erzähler muss vorsichtiger agieren.  
Wichtig ist, dass ein zusammenhängender Film in unserem Kopfkino entstehen kann und der Informationsfluss funktioniert.

Beispiele:
Mich wunderte es sowieso, dass unsere Mutter zur Hochzeit eingeladen war. Vielleicht war mein Bruder doch kein ganz so großer
Waschlappen.

Als Hochzeitsgeschenk hatte sie eines ihrer leuchtend bunten Gemälde überreicht. Nicht das Leon und Michelle einen Sinn für Kunst
hätten, aber sie konnten das Bild ja als Wertanlage betrachten.

Als wenn ich mich freiwillig dafür gemeldet hätte, meine Unterschrift unter das „Lebenslänglich“ meines Bruders zu setzen. Leon war kein
schlechter Kerl, auch wenn er ein langweiliger, angepasster Streber war, er konnte nichts dafür, er kam halt ganz nach unserem Vater.

Erst mit diesen beiden Sätzen erfahren wir, dass der Bruder des Erzählers heiratet und Leon heißt, allerdings auch in Andeutungen.


Mutter trug das dunkle Haar offen, in ihrem farbenfrohen Kleid zog sie die Blicke auf sich und ihr südländisches Temperament hatte
bereits eine kleine Schar Bewunderer um sie versammelt …

Die Gäste strömten noch immer aus der Kirche an die Stehtische und beeilten sich des eisgekühlten Champagners habhaft zu werden.

Mit der ersten Information wissen wir nicht, wo sich die Mutter befindet. Ein paar Sätze später erhalten wir dazu ein neues Puzzlestück.

Wenn der Erzähler Informationen vorenthält, kann er das m.E. gut mit einer Figur, einem Ereignis oder einem Gegenstand tun.
Er erwähnt zum Beispiel Marie anfangs nur in Andeutungen und weckt die Neugier des Lesers. Er sollte das aber nicht mit allen
Informationen machen, die ich als Leser benötige.


Die Erzählweise aus der Sicht von Marie wirkt nicht ganz so krass.

Die direkte Rede ihrer Freundin ist unnatürlich lang, das Wort plappern stört. Redundanzen schwächen die Wirkung.

Sie umarmte mich, erfreut über die Gesellschaft und plapperte los: Ihr Jüngster mit seiner letzthin entwickelten Unart sämtliche Wände
mit Filzstiften zu bekritzeln sorgte für eine Menge Ärger.

„Wenn er Autos zeichnen würde oder Raketen. Aber nein, er malt Blumen und Herzchen. Alles in Rosa. Ahmed ist stinksauer und
behauptet, unser Sohn wäre nicht normal. Eh, hat der sie noch alle? Wir zoffen uns ständig! Heute habe ich meinem Sohn sämtliche
Stifte weggenommen, da hat er meinen Lippenstift geklaut und den an die Wand geschmiert. Nichts wie Blumen hat er gekritzelt. Mein

Besser:
Sie umarmte mich, erfreut über die Gesellschaft, und erzählte von ihrem Jüngsten: „Wenn er Autos zeichnen würde oder Raketen.
Aber nein, er malt Blumen und Herzchen ... usw.



Meine beste Freundin war süß und klug und tüchtig, aber sie verzog ihr Kind maßlos und war völlig blind für seine Unarten. Ahmed Junior
war ein Satansbraten. Wenn man mich fragte, malte er die Blumen nur aus einem Grund: Um seinen Vater zu ärgern.

Besser:
Meine beste Freundin war süß und klug und tüchtig, aber sie verzog ihr Kind maßlos und war völlig blind für seine Unarten. Ahmed Junior
war ein Satansbraten, der Blumen nur aus einem Grund malte: Um seinen Vater zu ärgern.


Auch hier findet sich wieder Redundanz und der Übergang könnte glatter sein:
Normalerweise hätte ich es mir auf dem Stapel alter Paletten gemütlich gemacht und mit Leila erst mal einen Tee getrunken, aber heute
war mir nicht danach. Es war ein anstrengender Tag gewesen und abgesehen von einem halben Tortenstück war mein Magen leer.
Außerdem musste ich nachdenken. Die Geldscheine in meiner Tasche knisterten und auf meiner Wange fühle ich noch Vincents Hand, als
er meine Träne abwischte.
Danach fühlte sich Hardenbergs Rauswurf gar nicht mehr so schrecklich an, wie er tatsächlich war.
„Leila, sei mit nicht böse, aber ich bin fertig mit den Nerven.
Hardenberg hat mich gefeuert und ich habe keine Ahnung, wie ich die
nächsten Monate überstehen soll.

Besser:
Normalerweise hätte ich es mir auf dem Stapel alter Paletten gemütlich gemacht und mit Leila erst mal einen Tee getrunken,
aber heute war mir nicht danach.
„Leila, sei mit nicht böse, aber ich bin fertig mit den Nerven. Hardenberg hat mich gefeuert und ich habe keine Ahnung, wie ich die
nächsten Monate überstehen soll.



Ich habe jetzt nicht alle Details rausgefischt.

Das Vorhaben mit den beiden Ich-Erzählern könnte grundsätzlich funktionieren. Ich denke aber, dass du noch gewaltig daran
arbeiten musst und auch Varianten ausprobieren solltest. Mir stellt sich die Frage, ob es irgendwo eine Klammer geben wird,
die beide Erzähler zusammenführt. Im einfachsten Fall wäre das zum Beispiel ein Psychologe, dem sie ihre Geschichte erzählen.
Wenn man diese Klammer im Vorfeld kennt, beeinflusst sie die Erzählweise. Das könnte einen positiven Effekt haben.

Vielleicht nützen dir meine kritischen Hinweise etwas.

Gruß,
Carsten
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Janoeh D. G.
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BeitragVerfasst am: 30.03.2013 14:05    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Para,

wie schon erwähnt, erinnert mich Vincents Mutter an meine, sie hätte genau das Gleiche getan!oohhh, sie hätte absolut keine Skrupel gehabt und ich bin mir sicher, dass bei drei Brüdern das noch passieren wird smile Auch wenn du sie nicht so ausführlich beschrieben hast, sehe ich eine rassige Südländerin mit fast schulterlangen, seidigschwarzen Haaren und gebräunter Haut, Mitte fünfzig, die trotz bunter Kleidung auch etwas Rotes trägt, sei es Lippenstift, eine Pashmina oder ein Muster an der Kleidung. Bin gespannt, ob das deinem Sinne entspricht...

Die Geschichte liest sich insgesammt sehr flüssig und man muss sie bis zum Ende lesen, weil man mehr erfahren will. Trotzdem gibt es mM nach ein paar "Stolpersteine", die den Lesefluss behindern. Ein Beispiel:

Zitat:
Mich wunderte es sowieso, dass unsere Mutter zur Hochzeit eingeladen war. Vielleicht war mein Bruder doch kein ganz so großer Waschlappen. Mutter trug das dunkle Haar offen, in ihrem farbenfrohen Kleid zog sie die Blicke auf sich und ihr südländisches Temperament hatte bereits eine kleine Schar Bewunderer um sie versammelt. Die sonntäglichen Kirchenglocken bimmelten wie bescheuert. Die Sonne ließ sich nicht lumpen und spendete 1.000.000 Watt. Und das im März! Die Gäste strömten noch immer aus der Kirche an die Stehtische und beeilten sich des eisgekühlten Champagners habhaft zu werden. Als Hochzeitsgeschenk hatte sie eines ihrer leuchtend bunten Gemälde überreicht. Nicht das Leon und Michelle einen Sinn für Kunst hätten, aber sie konnten das Bild ja als Wertanlage betrachten.


Ich kann verstehen, dass du die Nüchternheit eines Mannes bei einer Situation wie einer Hochzeit verdeutlichen willst und der Ansatz ist nicht schlecht. Aber diese Formulierungen sind für mich etwas befremdend. Das "bimmeln wie bescheuert" hinterlässt bei mir keinen Klang und bei "1.000.000 Watt" sehe ich leider doch nur einen riesigen Scheinwerfer und keine Sonne, sodass die ganze Szene kurz in ein eigenartiges Licht rückt, was einer Theatherbühne gleicht. Man kann sich zwar von diesem Bild wieder "losreißen" aber das sollte nicht passieren. Aber vielleicht empfinde ja nur ich es so...

Zitat:
Meine liebe Mutter hatte mich auf die Bibel schwören lassen , dass ich mich auf der Hochzeit aufs Beste benehmen würde, daher tat ich so, als hätte ich nichts gehört. Wobei ich bemerken muss, dass die Blumenmädchen, zwei langbeinige Teenager aus der weiteren Verwandtschaft, wirklich superniedlich aussahen in ihren ultrakurzen Schulmädchenuniformen und den pinken Zöpfchen ganz im japanischen Manga-Style. Michelle war vielleicht angepisst, aber die Herzen der beiden Girlies gehörten mir.  


Ich kann sein Grinsen sehen, einfach nur genial...
Aber, das Wobei ich bemerken muss lässt ja darauf schließen, dass es ja seine volle Absicht gewesen ist, Michelle mit den Mädels eins auszuwischen, also muss das vielleicht mM nach weg. Er hat es ja darauf angesetzt und Michelle ist angepisst...

Zitat:
Als wenn ich mich freiwillig dafür gemeldet hätte, meine Unterschrift unter das „Lebenslänglich“ meines Bruders zu setzen. Leon war kein schlechter Kerl, auch wenn er ein langweiliger, angepasster Streber war, er konnte nichts dafür, er kam halt ganz nach unserem Vater.


Hier merkt man, wie sehr er sich um seinen Bruder sorgt, auch wenn er es sich nicht anmerken lässt. Und man erfährt etwas über die "Spannungspole" der Familie, in einem Satz... Sehr schön formuliert...

Zitat:
Oh, oh, Mutter, was hast du getan. „Michelle, ich wünsche, dass du in deinem Leben das bekommt, was du verdienst. Gestraft sollst du werden für deine böse Zunge. Leon, mein Sohn, ich bete dafür, dass du blind bleibst. Der Herr schütze dich vor der grausamen Wirklichkeit.“ Irgendeiner in dieser verlogenen Gesellschaft würde mit Sicherheit gut genug italienisch sprechen und dann wird die Übersetzung die Runde machen. Und du bist tot. Dafür werden Michelle und ihre einflussreiche Familie schon sorgen.

Ein glockenhelles, schnell in ein Hüsteln umgewandeltes Lachen unserer Fotografin zeigte mir, dass zumindest eine Zuhörerin den „Segen“ sehr gut verstanden hatte.

Michelle ergriff ihre Chance sofort und ging zum Angriff über wie ein gereizter Stier auf ein rotes Tuch. „Sie lachen? Lassen Sie uns teilhaben an dem Witz! Was hat meine Schwiegermutter gesagt?“ insistierte sie.
Die Fotografin lächelte aufs freundlichste und setzte zu ihrer Antwort an. Ich schloss die Augen und wappnete mich für den Schlag, der kommen musste. „Ach, lustig war es eigentlich gar nicht. Ich war nur so überrascht, dass hier jemand meine Muttersprache spricht. Sie sagte: „Michelle, ich wünsche dir das Leben, das du dir erträumst. Der Mann an deiner Seite soll dich behüten. Leon mein Sohn, ich bitte dich zu bleiben, wie du bist. Gott schütze euch vor allem Bösen der Welt.“


Sehr gelungenes Wortspiel, aber ich würde den Abschnitt zwischen den zwei Äußerungen kürzer fassen um den Bezug besser zu verdeutlichen, er geht etwas unter.
Und eine sehr gerissene Fotografin, auch wenn sie schüchtern ist.
Deshalb glaube ich , dass der Name "Marie" nicht zu ihr passt.
Ich weiß wie schwierig es ist, den Namen eines Protas zu ändern, vor allem, wenn man sie lieb gewonnen hat wie du, man merkt das.
Aber ich glaube "Maria" würde besser zu ihr passen, auch wenn es zu typisch ist. Du hast dir mit Sicherheit etwas dabei gedacht, aber Marie erinnert mich etwas an die nette Nachbarin aus dem Dorf. Was natürlich nichts Schlechtes ist, ganz im Gegenteil, aber ich finde es passt nicht zu einer gerissenen, italienischen Fotografin, auch wenn sie zierlich und schüchtern rüber kommt.
Es ist aber etwas anderes, wenn du Vincent ihr diesen Namen geben lässt, als Kosenamen, seine Marie, dann wirkt es anders... aber soll nur ein Anstoß sein, kann sein,dass ich falsch liege...

Zitat:
Wissen sie, wie es sich anfühlt, wenn man einem Engel begegnet? Ah, ich weiß es. Ich weiß es, seit Marie ihren hübschen Mund geöffnet hat und uns mit ihrer dreisten Lüge gerettet hat. Wie selbstverständlich diese Worte zwischen ihren ebenmäßigen Zähnen herauspurzelten, wie unschuldig ihre dunklen Augen leuchteten bei dieser faustdicken Falschübersetzung. Ich sah sie und wusste, dass mein Glück sich gewendet hatte und der Himmel mir gewogen war. Ich weiß nicht, ob Michelle der Übersetzung glaubte. Die Gäste jedenfalls nickten zustimmend lächelnd und murmelten Beifall.


Diese Formulierung finde ich für einen Mann in diesem Moment, so wie die Geschichte vorangeht, zu überheblich. Ich meine nicht, dass er das nicht fühlen kann (schließlich hat sie seine geliebte Mutter beschützt) aber irgendwie passt es nicht. Ich finde, diese heftige Reaktion wäre nur dann möglich, wenn ihm die Fotografin bis dahin garnicht aufgefallen wäre. Vielleicht sucht er in der Menge nach seiner verschollenen Liebe( so schnell kann er sie ja nicht vergessen haben) und nimmt die Fotografin garnicht wahr. Höchstens als nervende, um die achsotolle Michelle schwirrende Angestellte. Erst als sie die rettenden Worte ausspricht, nimmt er sie wie ein Rettungsboot im Sturm wahr und merkt erst dann, wie hübsch sie ist. Ich glaube, dass erzeugt mehr Spannung, auch bei ihm und nur dann hat der Abschnitt die Wirkung, die du erwartest.

Zitat:
Im türkischen Laden an der Ecke brannte Licht, Leila räumte in ihren Regalen herum. Ich huschte durch die Hintertür, begrüßte meine Freundin und angelte mir zwei große, reife Tomaten aus der Gemüsekiste. Sie umarmte mich, erfreut über die Gesellschaft und plapperte los: Ihr Jüngster mit seiner letzthin entwickelten Unart sämtliche Wände mit Filzstiften zu bekritzeln sorgte für eine Menge Ärger.

„Wenn er Autos zeichnen würde oder Raketen. Aber nein, er malt Blumen und Herzchen. Alles in Rosa. Ahmed ist stinksauer und behauptet, unser Sohn wäre nicht normal. Eh, hat der sie noch alle? Wir zoffen uns ständig! Heute habe ich meinem Sohn sämtliche Stifte weggenommen, da hat er meinen Lippenstift geklaut und den an die Wand geschmiert. Nichts wie Blumen hat er gekritzelt. Mein Mann hat getobt, als er das gesehen hat. Da räume ich lieber Regale auf, als mir das anzuhören. Aber sag du, ist das so schlimm, dass er Blumen zeichnet? Eh? Soll er Blumen zeichnen, oder? Er ist doch noch so klein!“ Leila schüttelte so heftig den Kopf, dass ihre langen Ohrringe klimperten.

Meine beste Freundin war süß und klug und tüchtig, aber sie verzog ihr Kind maßlos und war völlig blind für seine Unarten. Ahmed Junior war ein Satansbraten. Wenn man mich fragte, malte er die Blumen nur aus einem Grund: Um seinen Vater zu ärgern.
Normalerweise hätte ich es mir auf dem Stapel alter Paletten gemütlich gemacht und mit Leila erst mal einen Tee getrunken, aber heute war mir nicht danach. Es war ein anstrengender Tag gewesen und abgesehen von einem halben Tortenstück war mein Magen leer. Außerdem musste ich nachdenken. Die Geldscheine in meiner Tasche knisterten und auf meiner Wange fühle ich noch Vincents Hand, als er meine Träne abwischte. Danach fühlte sich Hardenbergs Rauswurf gar nicht mehr so schrecklich an, wie er tatsächlich war. „Leila, sei mit nicht böse, aber ich bin fertig mit den Nerven. Hardenberg hat mich gefeuert und ich habe keine Ahnung, wie ich die nächsten Monate überstehen soll. Ich habe doch jede Woche eine Hochzeit für ihn fotografiert, davon habe ich gelebt. Selbst so war ich immer schon knapp dran, das weißt du ja. Es gab einen riesigen Krach und wenn da nicht dieser süße Typ gewesen wäre, hätte ich nicht mal das Geld für diesen Job heute bekommen.“

Natürlich, Leila steuerte sofort auf den Teil meines Berichts zu, der sie interessierte und ignorierte den Rest: „Was für ein süßer Typ? Wieso hat er dir geholfen? War er hübsch?“

Tatsächlich waren das genau die Fragen, die auch in meinem Kopf kreisten. Was für ein Typ war Vincent? Wieso hatte er mir geholfen? Wenigstens die letzte Frage konnte ich ihr beantworten: „Hübsch? Leila, er ist umwerfend. Dunkles Haar, so ein wenig verstruwwelt und dazu strahlend blaue Augen. Tiefe, erotische Stimme, Dreitagebart, breite Schultern. Ein Lächeln wie ein Filmstar und eine Ausstrahlung … Leila, da würden jeder Frau die Knie weich. Er ist Halbitaliener, genau wie ich.

Und, hat er dir seine Nummer gegeben? Wirst du ihn anrufen? Leila ignorierte wie gewöhnlich die Tatsache, dass ich einen Freund hatte, sie konnte Jan nicht ausstehen.

„Ich treffe ihn morgen früh wieder. Er brauchte dringend eine Fotografin und hat mich engagiert.“

 Leila lächelte wissend: „Ach, so ganz plötzlich für morgen früh? Alles klar, logisch. Mir fällt es auch immer am Sonntagabend ein, dass ich Montagmorgen als Erstes eine Fotografin brauche.

„ Ach, halt die Klappe, Leila!“ Ich verabschiedete mich eilig und flüchtete.




Ich finde, dass die Äußerungen in Maries Abschnitt zu "männlich" sind und dem leichten Sarkasmus von Vincent zu ähnlich sind (Ahmed Junior, Satansbraten). Sie ist eine junge Frau, die kurz vorhin ihren Job verlohren hat und in Anwesenheit eines Mannes , den sie attraktiv findet und der sie auch noch "gerettet" hat, weinen musste.
Sie ist am Boden zerstört und ihr Stolz ist auch dahin. Da "angelt" man keine Tomaten aus der Gemüsekiste und Geldscheine knistern nicht, sie liegen höchstens schwer, oder tröstend in der Hosentasche. Es sind alles schöne Formulierungen aber sie passen nicht zu ihrer Stimmung. Ich hoffe du verstehst, was ich meine. Und ich finde Marie nicht fad und farblos. Sie ist die ruhige, bescheidene Kraft in dieser Geschichte. Sie ist eine Frau, die die Anziehungskraft, die sie auf diesen Mann ausübt, noch gar nicht bemerkt hat. Es wird sie umhauen, wenn sie merkt, was er für sie empfindet und sie wird aufblühen (vermute ich zumindest). Ich denke darauf solltest du aufbauen und deinen Sreibstil ihr anpassen, auch ganz andere Worte bei ihr  bevorzugen...

Im Großen und Ganzen aber sehr gern gelesen und ich bin sehr neugierig, wie es weiter geht...

LG
Janoeh


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...here is the deepest secret nobody knows
(here is the root of the root and the bud of the bud
and the sky of the sky of a tree called life;which grows
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Paradigma
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BeitragVerfasst am: 30.03.2013 14:51    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Janoeh,

danke, danke, danke für dein Feedback.

Marie ist ja das eigentliche Zentrum des Romans - und ich habe einfach Sorge, das Marie zu brav, zu langweilig zu passiv wirkt.

Da finde ich deine Einschätzung von ihr natürlich besonders wertvoll:

Zitat:
Und ich finde Marie nicht fad und farblos.
Sie ist die ruhige, bescheidene Kraft in dieser Geschichte.


Ich glaube, diese man Eigenschaften als Wert sehen kann, war mir bisher noch nicht so bewusst. Die "Gegenspieler" von Marie haben alle etwas leicht exzentrisches, durchsetzungsstarkes, energiegeladenes. Sie sind nervig, egozentrisch, rücksichtslos, stellen sich in den Mittelpunkt. Ich hatte Sorge, das sie alle meine Marie an die Wand drücken und blass aussehen lassen und sich als Hauptfiguren aufspielen, die sie eigentlich nicht sind.

Aber ich glaube, du hast ganz recht: Marie ist die einzige "Normale" - und alleine daher hebt sie sich wohltuend ab. Ich habe die Geschichte vor einiger Zeit ruhen lassen, weil ich mich in genau an diesem Problem aufgehangen habe: Wie kriege ich Marie interessanter? Du zeigst mir die Lösung: Sie muss gar nicht interessanter werden. Es reicht, wenn sie so ist, wie sie ist: Warmherzig, bescheiden, engagiert, hilfsbereit, manchmal ein wenig ängstlich oder tollpatschig. Liebenswert halt.

Ich glaube, jetzt kann ich wieder weiter schreiben.

--------

Was Marie und Maria betrifft: Ich kenne zwei - entschuldige - wirklich stinklangweilige und spießige Marias. Der Name geht nicht. Der ist in meinem Kopf total negativ besetzt. Marie erinnert mich an die Goldmarie in Frau Holles Märchen - auch so eine stille, bescheidene, fleißige und liebenswerte wie meine Marie. (Gott, jetzt wo du mich drauf bringst: Ich hab ihr sogar einmal ein Kostüm von der Goldmarie angezogen ... unser Unterbewusstsein macht seltsame Sachen mit uns ... )


_________________
Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will.

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Janoeh D. G.
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Beiträge: 143
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BeitragVerfasst am: 30.03.2013 15:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Para,

Freut mich sehr, dass ich dir eine Möglichkeit zur Lösung gegeben habe. Ich werde deshalb etwas näher auf das Bild eingehen, was du von Marie (bitte jetzt doch nicht Maria!) bei mir erzeugt hast, vielleicht hilft das auch etwas weiter:

Zitat:
Zitat:
Zitat:
Und ich finde Marie nicht fad und farblos.
Sie ist die ruhige, bescheidene Kraft in dieser Geschichte.


Ich glaube, diese man Eigenschaften als Wert sehen kann, war mir bisher noch nicht so bewusst. Die "Gegenspieler" von Marie haben alle etwas leicht exzentrisches, durchsetzungsstarkes, energiegeladenes. Sie sind nervig, egozentrisch, rücksichtslos, stellen sich in den Mittelpunkt. Ich hatte Sorge, das sie alle meine Marie an die Wand drücken und blass aussehen lassen und sich als Hauptfiguren aufspielen, die sie eigentlich nicht sind.


Zitat:
Aber ich glaube, du hast ganz recht: Marie ist die einzige "Normale" - und alleine daher hebt sie sich wohltuend ab. Ich habe die Geschichte vor einiger Zeit ruhen lassen, weil ich mich in genau an diesem Problem aufgehangen habe: Wie kriege ich Marie interessanter? Du zeigst mir die Lösung: Sie muss gar nicht interessanter werden. Es reicht, wenn sie so ist, wie sie ist: Warmherzig, bescheiden, engagiert, hilfsbereit, manchmal ein wenig ängstlich oder tollpatschig. Liebenswert halt.


Warmherzig, bescheiden, engagiert, hilfsbereit, ängstlich und etwas tollpatschig: gibt es etwas interessanteres als das? smile

Die exentrischen, egoistischen und rücksichtlosen Züge der Menschen um sie herum sind Wellen, die an den Felsen zerschellen werden. Denn ihre Ruhe, ihre Ausgeglichenheit ist der Fels, an dem sie sich alle messen werden. Sie ist nicht hitzköpfig und wird wahrscheinlich  Entscheidungen treffen, die sie gut überlegt hat und jemand wird etwas dabei lernen (wahrscheinlich Vincent). Sie wird jemanden trösten, jemandem helfen und jemanden zum Lachen bringen und jemand verliebt sich in sie (das hat sie ja alles schon getan). Im Gegenzug wird ihr ein italienischer Hitzkopf die Angst nehmen und aus Tollpatschigkeit wird weibliche Anmut werden. Sie wird mit voller Kraft aufblühen, wie nur die Liebe eine Frau aufblühen lässt...

Also, wer das langweilig finden sollte, hat im Leben etwas verpasst...

So sehe ich deine Marie, bleibe ihr einfach treu, verstehe und liebe sie wie du es bereits tust, dann wird sie dir den Weg zeigen smile

LG
Janoeh


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