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Myrtana222
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 25
Beiträge: 50
Wohnort: Biberach an der Riss, Baden-Württemberg


BeitragVerfasst am: 01.01.2013 14:41    Titel: Alice eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich arbeite an einer Geschichte, welche ich einem meiner Lieblingskinderbücher widme: Alice im Wunderland. Ich weiß nicht, welchen Umfang meine Geschichte letzten Endes haben wird, ich würde gerne einige Meinungen und Kritik zum bisherigen Verlauf und zu meiner Schriftstellerischen Qualität lesen und hoffe auch, jemanden zu finden der einschätzen kann, wie gut die Geschichte in den historischen Kontext passt, da ich trotz ausführlicher recherche wenig über das Familienleben einer Händlerfamilie im London des 19. Jahrhunderts gefunden habe. Ich hoffe, ich treffe den Geschmack einiger Leser smile.





Es war bereits später Abend, der rote Feuerball der Sonne stand tief über der Themse, dennoch herrschte Geschäftigkeit auf den Straßen. Mehr als das konnte sie durch das schmale Fenster der Kutsche nicht sehen.
„Lisa, lass das, das ziemt sich nicht für eine Dame.“ Die Entrüstung in der Stimme ihrer Mutter war gespielt, das wusste sie, aber zu weit wollte sie es auch nicht treiben. „Ihr kommt nach eurer Mutter“, hatte ihr Onkel einmal gesagt. „Als junge Frau war sie ebenso störrisch wie Ihr. Und hat ebenso wenig auf die Worte anderer gehört.“
Mit einem Seufzen zog sie die Vorhänge zu und gab sich widerwillig dem Halbdunkel und der stickigen Luft der Kutsche hin, welche sie zu vergessen gesucht hatte. Eine kurze Pause, Licht und frische Luft hätten ihr gut getan, doch ihre Mutter hatte nur wenige Gelegenheiten für eine Rast wahrgenommen.
London... seit zwei Jahren hatten sie keinen Fuß in diese Stadt gesetzt. Nicht, seit dem ihr Vater starb, an der Cholera, wie viele mit ihm. Die Seuche hatte sie vertrieben und der Tod, und die Lagerhallen ihres Handelsunternehmens lagen seit dem leer.
Die Not hatte sie in das Haus ihres Onkels getrieben, den Bruder ihres Vaters, der lahme Krüppel, der ihren Eltern so verhasst war wie kein anderer. Und dennoch hatte er sie aufgenommen, sie, ihre Mutter und ihre jüngere Schwester.
Ihr Blick glitt zu ihrer Mutter. Sie saß steif auf der unbequemen Bank, eingepfercht in ein Korsett, doch auch dieses konnte ihre Anspannung kaum verbergen. Nachdenklich starrte sie in eine Ecke und fächerte sich Luft zu, vergeblich in der feuchtwarmen Luft des ausgehenden Sommertages.
Sie hatte darauf bestanden, die Stadt mit der Kutsche zu durchqueren, als wolle sie den Gestank der Gassen und die Fäulnis einatmen und sich vergewissern, dass sie in die Stadt zurückgekehrt waren, die ihr vormals gutes Leben in andere Bahnen gelenkt hatte. London.
Rumpelnd fuhr die Kutsche über die unebenen Straßen der Stadt. Um sie herum konnte sie das Raunen unzähliger Gespräche wahrnehmen, doch sie verstand bestenfalls Fetzen. Gern hätte sie die Vorhänge der Kutsche erneut beiseite gezogen und einen Blick auf die Gassen gewagt, sie konnte nicht verstehen, wieso sie den Kern der Stadt durchquerten statt die Eisenbahn zu nehmen oder direkt eine Straße in Richtung der Vororte genommen hatten. Aber ihre Mutter hatte ihr in den letzten Monaten wenig erklärt und begonnen, von Rechten und Pflichten zu sprechen.
Rumpelnd machte die Kutsche halt. Der Kutscher öffnete die Tür.
„Wir sind da, Ms Carroll.“ Dabei hielt er ihr die behandschuhte Hand hin, um ihr aus der Kutsche zu helfen.
„Kinder, ihr bleibt da. Der Kutscher wartet hier draußen und passt auf euch auf.“
 Mit einem kurzen Blick auf ihre Töchter verließ sie die Kutsche.
Schweigend saßen die Mädchen nebeneinander. „Sie ist so alt wie ich, als Vater starb“, dachte sich Lisa.
„Lässt uns Mutter hier allein?“ Ängstlich sah Kathrin, ihre Schwester, zu ihr auf. Ihre Stimme klang brüchig und am Rande zum weinerlichen.
„Nein, wir bleiben nicht hier. Wir sind im Herzen von London und unser neues Haus steht in einem Vorort. Wir fahren sicher bald weiter.“
„Was macht Mutter dort draußen?“
„Ich weiß es nicht.“
Lisa zog den Vorhang etwas zur Seite und wagte einen Blick durch das Fenster. Der Kutscher stand mit dem Rücken zur Tür, und so wagte sie es, den Vorhang beiseite zu schieben.
Sie standen  vor einer gewöhnlichen Lagerhalle. Draußen war es bereits dunkel, eigentlich keine gute Zeit, um noch außer Haus zu sein, erst recht nicht für zwei Kinder in einer Kutsche. Lisa wurde nervös. Von ihrer Mutter war weit und breit nichts zu sehen, vielleicht hatte sie die Lagerhalle betreten.
„Zieh den Vorhang zu, du weißt, was Mutter gesagt hat!“ Kathrin bedachte sie mit einem lächerlich strengen Blick und hatte die Arme vor ihrer Brust verschränkt, wie ihr Vater es immer getan hatte.
Kathrin war ein Schaf. Sie hatte nichts von der Neugierde und Aufsässigkeit ihrer älteren Schwester. Sie hatte verinnerlicht, was ihre Privatlehrer ihnen gelehrt hatten, Benehmen, Umgangsformen und die Aufgaben der Frau, und wie man sich wie ein Schaf verhielt. Lisa hatte dahingegen regelmäßig Tränen der Wut in die Augen ihrer Lehrer treten lassen, mitunter, weil sie oft blökte wie ein Schaf, wenn sie mit den Unterrichtsinhalten nicht zufrieden war.
„Du willst doch selber wissen, was da draußen los ist.“ Fast unhörbar schlug draußen eine Tür zu.
„Nein, und du weißt, was Mutter gesagt hat.“ Kathrin trat nun selbst vor und zog den Vorhang wieder zu.
Ärgerlich schnaubte Lisa, besann sich allerdings. „Na gut. Draußen sieht man so wie so nichts mehr, und Mutter wird auch gleich da sein.“
Tatsächlich bestieg Ms Carroll kurz darauf die Kutsche.
„Ich weiß, es ist spät. Wir sind bald da und ihr könnt euch schlafen legen. Ich habe eure Betten vorbereiten lassen.“ Ms Carroll sah dabei müder aus als ihre Kinder. Sie hatte sich in den beiden Jahren sehr verändert, sie hatte das schwarze Trauergewand nie abgelegt und auch keine Anstalten gemacht, sich noch einmal zu verheiraten.
Nach dem Tod ihres Vaters blieben sie nicht mittellos zurück. Mr Carroll hatte nach dem frühen Tod seiner Eltern das Handelsunternehmen weiter geführt und seinem Bruder beim Aufbau eines Tochterunternehmens unter die Arme gegriffen. Er heiratete die jüngste Tochter der Händlerfamilie Ross, welche zu ihrem Leidwesen keine männlichen Erben hatte, sodass deren Besitz und das Unternehmen später der ältesten Tochter und deren Gatten zufiel.
Da die verwitwete Ms Carroll aus Angst vor der Cholera London den Rücken kehrte, verkaufte sie ihr Anwesen und suchte Schutz bei ihrem nächsten Anverwandten außerhalb Londons: eben jenem lahmen Onkel, welcher das Tochterunternehmen der Carrolls führte.
Bis heute. Vor wenigen Wochen ereilte sie die Nachricht, dass Ms Ross aus bisher unklaren Gründen Selbstmord begangen habe. Ihr Mann war Monate zuvor ohne eine Spur verschwunden. Man munkelte, dass seine Frau der Grund für sein Verschwinden war. Oder gar die Ursache dafür.
Das Vermögen und das Anwesen der ehemaligen Handelsfamilie Ross hatte keinen direkten Erben, somit viel es der letzten Blutsverwandten der Familie Ross zu, nämlich der verwitweten Ms Carroll.
Und zu eben jenem Anwesen fuhr die Kutsche der Carrolls, ihre neue Heimat in den betuchten Vororten Londons, die wie Oasen des Reichtums aus dem verfaulten Pilz der Armut wucherten, welche London bis ins Mark durchdrang.
Je weiter sie sich vom Kern der Stadt fortbewegten, desto klarer wurde die Luft und der Gestank der Themse und der schmutzigen Gassen wich. Lisas Wunsch, endlich die enge Kutsche zu verlassen, wuchs dennoch von Minute zu Minute an und machte die Reise unerträglich.
Endlich kam die Kutsche holpernd zum Stehen.
„Weiter kommen wir nicht“, sagte der Kutscher, nachdem er die Tür geöffnet hatte und den Frauen aus der Kutsche geholfen hatte. „Die Straßen sind nicht gut genug ausgebaut um direkt an euer elterliches Anwesen zu fahren.“
„Schon gut, Willi. Dort drüben findet ihr den Stall, versorgt die Tiere und stellt die Kutsche unter, danach tragt unser Gepäck nach oben.“
„Sehr wohl Ms Carroll. Einen schönen Abend noch.“
„Ist das Haus sehr alt, Mutter?“ Kathrin griff wie ein kleines Kind nach der Hand ihrer Mutter.
'Mein Gott, sie ist immerhin dreizehn,' dachte sich Lisa.
„Nein mein Schatz. Das Haus ist jünger als ich. Deine Großeltern haben es bauen lassen als ich noch ein kleines Mädchen war.“
„Dann hast du in diesem Haus gewohnt?“
„Ja, bis mich euer Vater geheiratet hat. Es ist... anders als die Häuser, die ihr bis jetzt gesehen habt. Moderner. Und größer als das Alte von eurem Vater.“
Das Haus war gigantisch. Seine Ausmaße betrugen sicher das eineinhalbfache des alten carrollschen
Anwesens. Ein gepflegter Rasen umgab das Gebäude, an einer Seite lag eine kleine Streuobstwiese. „Hinter dem Haus findet ihr einen kleinen See“, erzählte Ms Carroll. „Passt auf, er ist tiefer als er aussieht.“ Zum ersten Mal seit langem strahlte ihre Mutter eine Euphorie aus, die sie lange vermisst hatten. Für einen Moment war sie wieder die Frau, die sie vor Jahren war, stark, lebensfroh und unbeugsam.
Lisa hörte nur mit einem halben Ohr zu. In einer der sorgsam gepflegten Hecken hatte sie etwas entdeckt. Es sah aus wie eine kleine weiße Pfote.
„Mama...“ Angewidert wandte Lisa den Blick ab. Am Boden lagen die Überreste eines wohl ehemals schneeweißen Kaninchens mit roten Augen. Im Dunkeln hatte es auf den ersten Blick gewirkt, als habe es statt seines verschlammten Fells einen Anzug angehabt.
„Geh da weg, Lisa!“ Beinahe grob zog sie ihre Tochter an ihrem Arm zur Seite. „So etwas... Wozu hat man Gärtner und Bedienstete? Ist meiner armen Schwester bis zuletzt jeder auf der Nase herumgetanzt?“ Mit diesen Worten ergriff sie die Hände ihrer Töchter und zog sie vorbei an den Hecken und Ziergärten bis sie kurz darauf vor der Tür des Anwesens standen, wo bereits eine junge Frau zu ihrem Empfang bereit stand.
„Willkommen daheim, Ms Carroll. Wir haben Euch eine kleine Abendmahlzeit vorbereitet...“
„Wir werden uns sofort schlafen legen,“ unterbrach Ms Carroll die Bedienstete und zwängte sich energisch an ihr vorbei in die Vorhalle des Hauses.
Lisa sah sich in der Halle um. Zu ihrem Erstaunen musste sie ihrer Mutter beipflichten: Wenn das restliche Haus die Proportionen dieser Halle beibehielt, war ihr altes Heim im Vergleich dazu winzig.
Ms Carroll blieb andächtig in der Mitte der Halle stehen. Dann Lächelte sie. Sie hatte lange nicht mehr gelächelt, dachte Lisa. Nicht mehr so. Sie wirkte sorgenfrei und unbeschwert, als sie in den Erinnerungen ihrer Kindheit schwelgte.
„Es tut gut nach so langer Zeit wieder hier zu sein.“ Sie wandte sich zu der jungen Bediensteten um.
„Wie ist dein Name?“
„Laure. Ich habe Eurer Schwester seit zwei Jahren als Bedienstete gedient.“
„Gut, Laure. Wer kümmert sich gewöhnlich um die Gärten?“
„Der alte Phil hat in den letzten Jahren die Gartenarbeit übernommen. Bekümmert euch etwas?“
„Bei den Hecken ist ein Tier verendet. Weiß ihn doch morgen an, dieses Tier zu beseitigen.“
„Wie ihr wünscht. Darf ich Euch euer Zimmer zeigen?“







Was mit einer langweiligen Reise begonnen hatte, entpuppte sich nun als spannendes Abenteuer. Entgegen ihrer Erwartung bot ihr das Haus unzählige Gelegenheiten für Erkundungen. Allein durch seien Ausmaße würde es Tage dauern, bis Lisa einmal jedes Zimmer betreten hatte. Zudem kamen noch die Gänge, Kammern und verborgenen Tapetentüren der Bediensteten hinzu, welche diese nutzen, um schnell zu ihren Herren zu gelangen und ebenso schnell aus deren Blickfeld zu verschwinden. Ihre Mutter hatte ihr verboten in den teilweise mit Gerümpel angefüllten Räumen zu sein oder die Türen der Bediensteten zu benutzen, dennoch tat sie dies bei jeder sich bietender Gelegenheit.
Nachdem sich herausgestellt hatte, dass Laure Ms Ross nahe gestanden hatte und seit der Abwesenheit von Mr Ross zur wichtigsten Vertrauensperson von Ms Ross wurde, erfüllte sie eben jenen Zweck auch bei Ms Carrolls. Zudem passte sie auf deren Töchter auf, was der kaum aus dem Mädchenalter entstiegenen jungen Frau einiges abverlangte. Die offene Missachtung Lisas gegenüber jeder mütterlichen Anweisung trieben Laure zu Verzweiflungstränen. Trotzdem wuchsen sie sich einander ans Herz wie zwei Schwestern.
Ganz anders stand es um Kathrin. Die ewig Folgsame übte sich im Lesen und damenhaften Tätigkeiten, ansonsten vegetierte sie in einer ermüdenden Langeweile dahin. Ihr fehlte der Privatunterricht, in welchem sie bisher ihren Alltag und ihre Zerstreuung gefunden hatte. Lisa hingegen war es zufrieden endlich einmal den Unterrichtseinheiten zu entgehen, und sei es auch nur für eine kurze Zeit.
Ihre Mutter verließ oft das Haus und war für viele Stunden verschwunden. Sie verschwieg was sie in dieser Zeit tat. Außerdem hatte Lisa das Gefühl, dass ihre Mutter ihr noch größere Dinge verschwieg, Dinge von größerer Bedeutung. Wann immer Lisa auf ihre Tante zu sprechen kam, blockte ihre Mutter ab. Laure hatte sie wohl auch verboten, ihren Töchtern Auskünfte über den Todesumstände ihrer Tante zu geben, ebenso wie den anderen Bediensteten, von welchen es viele im Haus gab. Lisa konnte sich nicht vorstellen, wie ihre Mutter die Unsummen zusammentragen wollte, die sie mit der Zeit dieses Leben kosten würde, allerdings hatten sie nie unter Geldnöten gelitten.
Umso mehr sie sich endlich in ihrem neuen Leben wiederfand, umso mehr vermisste Lisa ihren Vater. Zwar hasste sie ihren Onkel, doch hatte dieser eine Vaterrolle für sie gespielt, wenn auch nur rudimentär und dies sehr schlecht. Sie konnte kaum glauben, dass diese Männer einst Brüder waren, waren sie in so vieler Hinsicht doch so unterschiedlich.
„Vergesst ihn. Er ist Staub oder wird es bald sein. Mehr nicht.“ Lisa hatte die Gespräche ihrer Mutter mit ihrem Onkel belauscht, zu einer Uhrzeit, zu welcher sie eigentlich längst im Bett hätte sein sollen. „Heiratet mich und vergesst ihn. Das Haus Carroll braucht einen Erben und Ihr braucht jemanden der Euer Unternehmen führt.“ In keinem Moment hatte Lisa diesen Mann mehr gehasst als in diesem Moment, und sie fürchtete sich davor ihm je wieder zu begegnen.
Seufzend legte sie das Buch beiseite, in welchem sie lustlos herumgeblättert hatte. Sie hörte eine Tür zuschlagen und Schritte im Gang. Ihre Mutter war nach Hause gekommen.
Erwartungsvoll lief Lisa ihrer Mutter entgegen, ihre Mutter war den ganzen Morgen mit Laure verschwunden gewesen und auch den größten teil des Mittags, sie hatte gewiss Neuigkeiten.
Tatsächlich strahlte Ms Carroll eine gewisse Aufgeregtheit aus.
„Guten Tag, Mutter“
„Guten Tag, Lisa. Wo steckt deine Schwester?“
„Sie sitzt im Garten und ließt. Habt Ihr irgend welche Neuigkeiten?“
„Heute Abend, Schatz. Ich erkläre euch alles nach dem Essen. Vorher stelle ich aber noch einen Brief aus und lasse ihn von Laure abgeben. Wenn ihr wollt, könnt ihr mit ihr in die Stadt fahren und in ein paar Geschäften vorbei schauen; ich gebe euch etwas Geld mit. Der Kutscher wartet draußen auf euch.
Verblüfft lächelte Lisa. „Gern. Ich frage sofort Kathrin.“
Als sie kurz darauf mit ihrer Schwester zu ihrer Mutter zurückkehrte, hatte diese bereits das Schriftstück aufgesetzt und war dabei, es zu Siegeln. Sie drückte ihr Siegel auf das flüssige Wachs, ließ es kurz auskühlen und übergab es Laure.
„Seit vor Sonnenuntergang zu Hause und haltet Laure nicht die ganze Zeit auf. Ich lasse auftischen, sobald ihr wieder da seid.“
Es war bereits kühl, der Sommer neigte sich dem Ende zu. Lisa zog ihren Kittel etwas enger.
Selbst Kathrin schien glücklich zu sein, dem öden Schwarz-Weiß ihrer Bücher einmal zu entkommen.
Sie waren in einer der besseren Straßen Londons, Geschäfte mit Waren für die Reichen reihten sich aneinander, keines schien Älter zu sein als ihr neues Haus. Schmuck und Möbelgeschäfte präsentierten Waren in schmalen Schaufenstern, der Geruch von Süßigkeiten und Esskastanien erfüllte die Luft, gut gekleidete Damen und parfümierte Herren betraten Läden oder führten Gespräche.
Und hier sah Lisa das Geschäft, ein verhältnismäßig bescheidener und etwas heruntergekommener Hutmacherladen, welcher eingequetscht und deplatziert zwischen den schicken und protzigen Geschäften wirkte. Vielleicht war es genau das, was Alice so magisch anzog, seine überdeutliche Fehlplatzierung.
Sie zog Kathrin am Ärmel. „Lass uns in dieses Geschäft gehen!“
„Den Hutmacherladen? Wieso in dieses...“
„Weil ich einen Hut brauche,“ unterbrach Lisa sie. „Darum. Du hast das Geld von Mutter?“
„Ja aber...“ Ohne ein weiteres Wort zog Lisa sie zu dem Geschäft, Laure, welche die Launen ihrer jungen Herrin bereits Müde geworden war, folgte.
Doch bevor sie das Geschäft betreten konnten, kam ihnen ein junger Mann entgegen. Verblüfft blieb er stehen.
„Laure? Mein Gott ich habe dich seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen. Was machst du hier?“
Laure errötete. Zum ersten Mal viel Lisa auf, wie schön Laure eigentlich war
„Samuel! Ich bin mit den Töchtern meiner Herrin hier.“
Erst jetzt schien Samuel die beiden zu bemerken. „Oh, tut mir leid, werte Damen!“
„Macht nichts Wir sind im Laden, Laure.“ Laure schien Lisa nicht mehr zu hören, sie war gebannt von dem gutaussehenden Mann. Auch wenn dies sehr unschicklich war, Lisa sah hierin die Chance, für eine kurze Zeit unbehelligt zu sein. Somit betrat sie den Laden mit ihrer Schwester im Schlepptau.
War ihr der Laden von außen sonderbar erschienen, so verstärkte sich dieser Eindruck im Inneren. Der Laden schien überzuquellen vor Hüten, vielleicht erschien ihr das auch nur wegen des kleinen Raums so, zudem war der Laden ein unübersichtliches Chaos aus kleinen mechanischen Spielereien  und Handwerksmaterialien.
Ein Mann in einem großen Zylinder saß allein an einem runden Tisch, auf welchem drei Teetassen standen, alle befüllt. Der Mann murmelte etwas vor sich hin und goss sich Tee nach. Kathrin umklammerte ihre Hand und auch Lisa wurde dieser Mann etwas unheimlich.
Doch gerade als sie beschloss, den Laden wieder zu verlassen, bemerkte der Hutmacher ihre Anwesenheit.
„Ah, Kundschaft. Setzt euch doch dazu und trinkt etwas Tee mit uns. Es kommt so selten ein Gast zu uns.“ Mit diesen Worten zog er zwei Stühle und zwei weitere Teetassen hervor. „Setzt euch.“
Zögerlich und aus reiner Verlegenheit setzten sich die Beiden, und der Verrückte schenkte ihnen Tee ein.
Kathrin beobachtete misstrauisch den Hutmacher. „Sir, eine Frage. Wieso habt Ihr zwei volle Tassen auf diesem Tisch stehen?“
Entgeistert starrte der Alte die Tassen an „Ich weiß nicht genau. Ich glaube, falls ich mit meiner Tasse fertig bin und ich eine unbenutzte brauche.“ Hinter ihm stand eine Standuhr, welche auf sechs Uhr stehen geblieben war.
„Und wen meintet ihr mit 'wir'?“ fragte Lisa.
„Oh, nur den alten Kater und mich. Wir hatten die letzte Woche wenig Kundschaft,“ sagte der Hutmacher und trank an seinem Tee. Erst jetzt bemerkte Lisa die Katze, welche in einem Korb geschlafen hatte und nun aufgewacht war. Vielleicht bildete sich Lisa dies nur ein, doch der Kater schien sie kurz verblüfft anzusehen und zu grinsen, bevor er dann aufsprang und in einem Hinterzimmer verschwand.
„Mit wem habe ich die Freude Bekanntschaft zu machen?“ Der Hutmacher sah sie über den Rand seiner Tasse prüfen an.
„Wir sind Kathrin und Lisa Carroll,“ antwortete Lisa.
„Ah, die Nichten der guten Ms Ross. Habe sie gut gekannt, sie wusste meine Arbeit zu schätzen und kam manchmal zum Tee. Tragisch, was mit ihr passiert ist.“
„Was ist unserer Tante denn geschehen?“ Vor Überraschung ließ Lisa fast ihre Tasse fallen.
„Das wisst ihr nicht? Ach ja, vielleicht ist es auch besser so. Oder auch nicht. Nicht alles ist für die Ohren junger Damen bestimmt.“
„Wieso? Jeder scheint daraus ein Geheimnis machen zu wollen!“
„Welches nur ein Geheimnis ist weil ihr zu blind seid zu sehen. Und zu taub um zu hören.“
Der Hutmacher hatte seine Stimme erhoben. Irgendwie klang er ungeduldig. Der Hutmacher stand auf und setzte sich wieder. Es wirkte, als sei er innerlich zusammengesackt.
„Ms Ross hat mich die letzten Tage vor ihrem Tod regelmäßig besucht. Sie hat es gewusst. Seit ihr Mann verschwunden ist, wusste sie, dass es mit ihr auch bald beginnen würde.“ Nachdenklich nippte er an seinem Tee.
„Wovon redet Ihr?“ Lisa fühlte wie ihr Puls raste. Ihre Mutter verschwieg ihnen tatsächlich etwas, womöglich etwas mit einer furchtbaren Tragweite.
Der Hutmacher schüttelte den Kopf. „Ihr könnt nicht verstehen was ihr nicht sehen könnt. Was nutzt dem Blinden eine Brille? Oder dem Toten die Münzen auf seinen Augen? Sehend kann sie beides nicht machen. Ihr wisst, wann es Zeit ist, mich noch einmal aufzusuchen.“
„Aber Sir, es könnte...“.
„Genug! Weshalb seid ihr eigentlich hier?“
„Ich glaube... ich wollte einen neuen Hut.“ Der Mann hatte es geschafft sie einzuschüchtern. Dennoch brannte die Neugier in ihr, doch ihr Gefühl sagte ihr, dass sie aus dem Mann nicht mehr herausbringen konnte.
„Ah, das wollen die Meisten. Nun gut, etwas klassisches, in schwarz? Oder doch lieber etwas ausgefallenes?“ Der Hutmacher stand auf und verschwand im Hinterzimmer seines Ladens, ungeachtet dessen, dass Lisa und Kathrin ihren Tee nicht einmal angerührt hatten.
„Lisa, lass uns verschwinden. Er macht mir Angst.“ Kathrin sah sie bittend an.
„Gleich, lass mich noch nach einem Hut schauen. Danach gehen wir.“ In Wahrheit trieb Lisa die Neugierde. Der Mann interessierte sie und er schien Dinge zu wissen, welche ihr bisher verschwiegen wurden.
Sie folgten dem Mann in den hinteren Bereich des Ladens. Auch hier stapelten sich Hüte auf einem viel zu kleinen Raum. Der Hutmacher wühlte in seinen Sachen umher und suchte irgend was, während ihm der Kater schnurrend um die Beine strich.
„Diesen hier.“ Lisa zeigte auf einen hübschen roten Hut. Der Hutmacher schnaubte verächtlich.
„Nicht diesen. Euch steht das Rot nicht. Es wirkt so platt an Euch, es lässt Euch stumpf erscheinen. Nehmt lieber diesen hier.“ Er hob einen weißen Hut von ähnlicher Machart hoch.
„Ich finde den Roten hübscher.“
„Ich nicht. Der Weiße betont Euren Kopf. Fragt doch einmal Eure Schwester.“
Kathrin nickte erschrocken und der Hutmacher lächelte zufrieden.
„Seht ihr? Selbst Eure Schwester zeigt Geschmack.“
„Nun gut. Was soll der Hut kosten?“
„Zehn Schilling und sechs Pence, dann gehört er Euch.“
„Gut.“ Lisa gab ihm das Geld und nahm den Hut entgegen. Seltsamer weise passte er perfekt, als sei er für sie angefertigt worden.
„Einen schönen Tag noch. Und kommt doch mal zur Teezeit vorbei.“
In diesem Moment stürmte Laure aufgeregt in den Laden. Erleichtert atmete sie auf, als sie die Kinder sah.
„Gott sei dank! Ich habe euch aus den Augen verloren. Beeilt euch, draußen werden sie bald anfangen die Straßenlaternen anzuzünden, wir verspäten uns noch!“ Als sie den Hutmacher erblickte, versteifte sie sich.
Dieser grinste sie nur an, ein irres, erschreckendes Grinsen.
„Wenn die Zeit gekommen ist, dann sag du es ihnen. Und schick sie zu mir“ Zum Abschied tippte er an seinen Hut.
Zu Lisas erstaunen nickte Laure und griff nach ihren Händen, um wortlos den Laden zu verlassen.

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Kätzchen
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BeitragVerfasst am: 04.01.2013 13:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Myrtana

Puh der Text ist ewig lang und schreckt mich vom Lesen ab. Deswegen hat auch niemand geantwortet schätze ich.
Ich habe immerhin mal hineingelesen und der Erzählstil geht mir flüssig über die Augen, es ließt sich gut und hat einige wenige WW, wo du mal drüber gucken und ausradieren möchtest. Da ich eher im Mittelalter verankert bin, kann ich zu der Zeit nichts sagen. Für meine Ohren klingt es authentisch.

Der TExt ist mir zum gründlichen bearbeiten leider zu lange, tut mir Leid. Aber vielelicht hilft ja auch ein Eindruck weiter.

LG

Katze


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Myrtana222
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BeitragVerfasst am: 04.01.2013 14:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hm das habe ich mir im Nachhinein dann auch irgend wann gedacht. Umso froher bin ich, dass zumindest eine Antwort kam smile.
Ich werde wahrscheinlich den Text nochmal aufteilen, hab aber bemerkt, dass ich jetzt dafür erst einen Moderator anschreiben muss.
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Endgegner
Geschlecht:männlichSchreiberassi

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Beiträge: 36



BeitragVerfasst am: 04.01.2013 17:45    Titel: Antworten mit Zitat

Myrtana, meinen Geschmack hast du mit deiner Geschichte jedenfalls getroffen. Der Text ist eine schöne Hommage an Alice im Wunderland. Die Andeutungen auf das Vorbild hast du unaufdringlich eingebracht und aus meiner Sicht auch geschickt umgesetzt. Zu nennen wäre bspw. das vermeintlich (?) tote Kaninchen im Garten. Lediglich die Szene mit dem Hutmacher hat mir insgesamt nicht so recht gefallen - mehr dazu weiter unten!

Ich habe mir mal ein paar Stellen aus deinem Text herausgepickt, die ich kommentieren möchte:

Myrtana222 hat Folgendes geschrieben:
'Mein Gott, sie ist immerhin dreizehn,' dachte sich Lisa.

Du hast an anderer Stelle geschrieben, Lisa sei Kathrins ältere Schwester - aber wie alt ist Lisa? Ihr Alter scheint nirgendwo erwähnt zu werden.

Zitat:
Umso mehr sie sich endlich in ihrem neuen Leben wiederfand, umso mehr vermisste Lisa ihren Vater.

Das doppelte "umso" klingt umgangssprachlich, ich würde es mit "je ... umso/desto" ersetzen.

Zitat:
Vielleicht war es genau das, was Alice so magisch anzog, seine überdeutliche Fehlplatzierung.

Alice -> Lisa

Zitat:
Ein Mann in einem großen Zylinder saß allein an einem runden Tisch, auf welchem drei Teetassen standen, alle befüllt. Der Mann murmelte etwas vor sich hin und goss sich Tee nach. Kathrin umklammerte ihre Hand und auch Lisa wurde dieser Mann etwas unheimlich.

Ich finde, hier wird nicht deutlich genug, warum sie den Hutmacher überhaupt unheimlich finden. Nach deiner Beschreibung trägt er einen Hut, trinkt Tee und führt Selbstgespräche. Klingt nicht besonders unheimlich, finde ich. :)

Meiner Meinung nach gelingt es dir in dieser Szene auch noch nicht, den Hutmacher und sein zurückgehaltenes Wissen geheimnisvoll und interessant erscheinen zu lassen. Für mich klingt er durch seine kryptischen Äußerungen ein bisschen wie ein stereotyper "Geheimnisverschleierer", nach dem Motto: "Ich höre erst auf in Rätseln zu sprechen, wenn die Zeit gekommen ist!" Natürlich darf der Mann ich Rätseln sprechen, aber an dieser Stelle passt es so für mich nicht.

Zitat:
„Ich nicht. Der Weiße betont Euren Kopf. Fragt doch einmal Eure Schwester.“
Kathrin nickte erschrocken und der Hutmacher lächelte zufrieden.

Das kam überraschend, denn ich hatte diese Szene im Hutladen so verstanden, dass sich Kathrin zu diesem Zeitpunkt außer Sichtweite befindet. Ist sie ihrer Schwester und dem Hutmacher gefolgt?


So, das war's. Ich hoffe, es hilft! Ich bin schon gespannt darauf, wie du diese Geschichte fortführen wirst (vorausgesetzt du tust es).

Zu dem historischen Kontext kann ich nichts sagen, aber ich schließe mich da dem Kätzchen an: Klingt glaubwürdig.
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Myrtana222
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Wohnort: Biberach an der Riss, Baden-Württemberg


BeitragVerfasst am: 05.01.2013 08:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Endgegner,

Vielen Dank für die hilfreiche Kritik. Ich hatte ebenfalls das Gefühl, dass der Hutmacher mir nicht sehr gelungen ist. Vielleicht bügel ich das in einem späteren Part noch aus.

Was das Alter von Lisa betrifft: Ich habe mir ein Alter um 15 oder 16 Jahren gedacht, womit sie selbst eigentlich selbst in einem Alter ist, in welchem man zumindest beginnt eine Ehe zu arrangieren, was ich vielleicht auch noch thematisieren werde.

Der Fehler mit dem "Alice" statt Lisa ist echt peinlich  Embarassed , aber es stimmt: Lisa ist Alice. Vom reinen Laut her ist Lisa auch ein Anagramm von Alice, deshalb habe ich diesen Namen beim Schreiben eben immer im Kopf. Danke für den Hinweis, ich hoffe mir passiert dieser Fehler nicht mehr allzu oft.

Vielen Dank für die konstruktive Kritik smile

lg

Myrtana222
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Dragon Black
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Beiträge: 274
Wohnort: Thüringen


BeitragVerfasst am: 05.01.2013 09:56    Titel: Antworten mit Zitat

Ich schreib auch in diesem Zeitraum, habe aber leider keine Zeit zum lesen momentan. Aber nächste Woche werde ich ihn mir mal ansehen.

LG Dragon
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Myrtana222
Geschlecht:männlichSchreiberassi

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BeitragVerfasst am: 08.01.2013 14:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich habe mit einem Moderator darüber gesprochen, den Text in mehrere Abschnitte zu unterteilen. Bis dahin hab ich allerdings nochmal einen kurzen Teil der Folgehandlung, welcher jetzt nicht unbedingt interessant, für die Weiterentwicklung der Geschichte aber wichtig ist.
Viel Spaß beim Lesen, ich habe diesmal darauf geachtet, nicht zu viel auf einmal hochzuladen.


Das Abendessen war üppig, üppig war kein Begriff dafür: es war demonstrativ übermäßig.
Mit aller Seelenruhe betrachtete Ms Carroll ihre Kinder beim lustlosen Löffeln erkalteter Suppen, während sich der Tisch vor unberührten Speisen sprichwörtlich bog.
Ms Carroll hob die Tafel auf, als es ihr angemessen erschien.
„Ihr habt euch sicher bereits gefragt, was der Anlass für dieses Abendessen ist.“
„Sicher.“ Lisa verbarg ihre Neugier hinter einer Maske aus Zorn. Knapp war sie davor gewesen, dem Geheimnis um das Haus und den sonderbaren Tod ihrer Tante auf die Schliche zu kommen, nur um an der Sturheit eines Wahnsinnigen zu scheitern.
Ms Carroll ignorierte gekonnt den beißenden Unterton in Lisas Stimme.
„Ich habe mit einem Teil des Geldes, dass uns verblieben ist, und mit dem Erbe meiner Schwester das Geschäft wieder aufgenommen. Der Handel mit Rohwolle und Leinen scheint im Moment das Sicherste zu sein. Euer Onkel arbeitet in Liverpool ebenfalls an der Aufnahme der Geschäfte. Hier hilft mir Mr Miller, der ehemalige Verwalter meiner Schwester. Wir haben zusammen alles in die Wege geleitet, unsere Lagerhallen wieder zu füllen.“
„Oh, bestimmt wird bald alles wie früher.“ Der Unterton in Lisa Stimme hatte sich in bittere Ironie gesteigert.“
„Halt dich zurück, Lisa.“ Ms Carroll klang auf einmal traurig.
„Mir fehlt euer Vater genau so sehr wie euch. Es wird nie wie früher sein, das weiß ich. Aber was glaubt ihr, was ich aus dem Scherbenhaufen machen soll, den er mir hinterlassen hat?“
Betretenes Schweigen breitete sich aus. Lisa schämte sich.
„Es tut mir Leid,“ sagte Lisa.
„Es muss dir nicht Leid tun. Ich war lange nicht für euch da, und in diesem riesigen Haus wundert es mich nicht, dass ihr euch langweilt. Aber glaubt mir, wenn wir wieder fest auf eigenen Beinen stehen, wird alles besser.“
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