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Feierabend


 

 
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Stilblüte
Geschlecht:weiblichAbc-Schütze


Beiträge: 3



BeitragVerfasst am: 01.01.2013 14:16    Titel: Feierabend eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

[Vorher eine kurze Erklärung zu meinem Text: er umfasst ca. 7000 Wörter bzw. 12 DinA 4 Seiten, darum stelle ich nur das erste Drittel ein. Bei Bedarf vervollständige ich gerne, möchte aber nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen.
Ich muss ein paar Worte zum Inhalt sagen - wer den Text liest, wird sich vermutlich früher oder später an die Erzählung "Der Tunnel" von Dürrenmatt erinnert fühlen, falls er sie gelesen hat. Als ich meine Erzählung verfasst habe, kannte ich den Text nicht (sonst hätte ich es wohl nicht gewagt, etwas so ähnliches zu schreiben), mich hat erst jemand darauf aufmerksam gemacht. Es hat sich sehr eigenartig angefühlt, ihn dann anschließend zu lesen.
Gerne nehme ich alle Art und Weise von Kritik entgegen!
Besten Gruß, Stilblüte]


Feierabend

Wie gewöhnlich verlässt Herr Freitag das Büro um 17 Uhr 10, nachdem er um 17 Uhr seine Unterlagen ordnungsgemäß geordnet und in die entsprechenden Fächer abgelegt hat. Recht unauffällig kommt er im leicht abgetragenen, grauen Anzug aus dem ebenso grauen Gebäudekomplex heraus, in der rechten Hand den schwarze Aktenkoffer, bezogen mit Lederimitat, die Schuhe glänzend poliert. Er überlegt, ob er sich heute eine Zimtbrezel beim Bäcker an der Ecke kaufen soll, für den Weg zum Bahnhof? Aber seine Frau wartet sicher schon mit dem Abendessen auf ihn, und es sind ja nur achtundzwanzig Minuten Fahrt mit dem Zug, fünf Haltestellen (Wiesenfurth, Fischbach, Weißenberg, Radulfsburg, Altenstein), und anschließend noch weitere neun Minuten zu laufen, zwölf, wenn er müde ist. Herr Freitag beschließt dennoch, sich heute eine Zimtbrezel zu genehmigen und dafür das Feierabendbier wegzulassen. Guten Nachmittag Herr Donnerstag, darf‘s wieder eine Zimtbrezel sein?, kurzes Pläuschchen mit der Verkäuferin, der in sieben Jahren noch nie etwas anderes abgekauft hat. – Ich warte ja auf den Tag, an dem Sie unsere Vanillebrezel probieren, Herr Mittwoch, die gelingen immer besser! Nein, Danke, ich mag aber gar kein Vanille. Guten Tag!
Einen Moment genießt Herr Freitag den schönen Augenblick, setzt sich für drei Minuten auf die Bank am Flussufer – Feierabend, spätherbstliche Sonne im Nacken, ein paar Bäume mit den letzten bunten Blättern, in der Hand die leckere Zimtbrezel.
Ich glaube, meine Frau kocht heute Rouladen, denkt Herr Freitag, die isst er genau so gerne wie Zimtbrezeln. Natürlich nicht gleichzeitig, Zimtbrezeln sind eher eine Nachspeise, obwohl die seine nun heute als Vorspeise dient. Aber wenn ich mir die Hälfte aufhebe…, denkt Herr Freitag. Vielleicht kann er sich dann doch noch ein halbes Feierabendbier genehmigen? Der Vorschlag gefällt ihm, er packte die halbe Brezel in die Papiertüte, die Tüte in seine Aktentasche, und macht sich auf den Weg zum Bahnhof.
Gleis zwei, wie immer, noch etwa zehn Minuten warten, wie immer, aber Herr Freitag ist lieber etwas früher dran als zu spät, man weiß ja nie, was einen noch aufhalten könnte, und der Zug fährt nur alle sechzig Minuten. Da würde das Essen anbrennen oder kalt werden oder beides nacheinander, und seine Frau würde sich Sorgen machen, die Abendnachrichten würde er verpassen und eine Stunde Zeit verschwenden, die er hier am Bahnhof stehen müsste, keine gute Idee. Bis die Bahn kommt, könnte ich ja noch ein paar Bissen nehmen…
Als noch gerade ein Drittel der Zimtbrezel übrig ist, kommt der Zug. Herr Freitag steigt ein, der Waggon ist spärlich besetzt, nimmt Platz gegenüber einer älteren Dame, die an einem weiß-braun gemusterten Schal strickt, Guten Abend, Danke, Ihnen auch.
Herr Freitag setzt sich. Recht angenehm, so eine Zugfahrt, eine kurze Verschnaufpause nach dem langen Arbeitstag.
Er lehnt den Kopf an die Fensterscheibe und beobachtet die Dame gegenüber beim Stricken. Links, rechts, links, rechts, das geht wirklich sehr flink, links, rechts, links, rechts. Herr Freitag schätzt, dass sie bestimmt zwei Zentimeter pro Minute schafft, das wäre dann bei einer Zugfahrt von 28 Minuten mehr als ein halber Meter. Falls sie nicht schon vorher aussteigt. Stiege sie aber später aus, könnte es auch ein ganzer Meter sein. Außerdem ist der Schal ja bestimmt schon zwanzig Zentimeter lang, macht also einen Meter zwanzig…
Draußen sieht Herr Freitag die Landschaft vorbeifliegen. Er fährt rückwärts; alles, was er sieht, entfernt sich von ihm. Wie gewöhnlich sind es aktuell noch ein paar Wohnhäuser, gleich werden sie einer hügeligen Wald- und Wiesenlandschaft weichen, die nur unmittelbar vor den kleinen Bahnhöfen von Gebäuden durchzogen wird.
Der Kopf vibriert leicht an der Fensterscheibe, das Beben des Zuges und das leise Dröhnen des Motors lullen Herrn Freitag ein und machen ihn schläfrig…
„Nächste Haltestelle Wiesenfurth“, knackt es verzerrt aus dem Lautsprecher.
Herr Freitag schreckt auf – hat er tatsächlich gedöst? Ist er heute müder als gestern? Dabei hat er heute gar nicht so viel gearbeitet, hat sogar zehn Minuten länger Mittagspause gemacht als üblich. Obwohl, nicht ganz, schließlich hat er am Morgen fünf Minuten früher angefangen zu arbeiten und die ersten fünf Minuten der Mittagspause auch gearbeitet.
Ob seine Frau heute wirklich Rouladen für  ihn macht? Wenn ja, müssten sie jetzt gerade schon im Topf kochen, damit sie rechtzeitig zu seiner Ankunft fertig sind. Jedenfalls glaubt Herr Freitag das. Oder in der Pfanne? So genau hat er sich das noch nie überlegt. Und was es wohl dazu geben würde? Vermutlich Kartoffelpüree, das ist seine Lieblingsbeilage zu Rouladen. Eigentlich hat seine Frau ihm gestern noch erzählt, was sie zu kochen gedenkt. Er hat mal wieder nicht richtig zugehört. Wenn er sie nun fragt, wenn er nach Hause kommt, würde sie denken, er hört mir ja nie richtig zu, es ist ihm nicht wichtig, was ich sage. Er versteht es als selbstverständlich, dass ich jeden Tag für ihn koche und den Haushalt mache, aber nicht mal zuhören kann er mir. Vielleicht liebt er mich nicht mehr richtig? Sonst könnte er sich doch so banale Dinge merken? – Hoffentlich kann ich riechen, was meine Frau gekocht hat, überlegt Herr Freitag. Die Rouladen riechen eigentlich recht eindeutig.
„Nächster Halt Fischbach.“
Ich sollte ihr mehr Aufmerksamkeit schenken, denkt Herr Freitag. Sie hat ja bald Geburtstag, Ende November nämlich, was mag sie sich wohl wünschen? Herrgott, ich weiß gar nicht, was sie sich wünscht! Eine silberne Halskette vielleicht? Oder ein Wochenende im Schwarzwald? Vielleicht eine Haushaltshilfe! Ich sollte meinen Bruder fragen, was er seiner Frieda zum letzten Geburtstag geschenkt hat. Überhaupt könnte er ihn mal wieder anrufen. Sie haben schon lange nicht mehr gesprochen. Zwei Monate bestimmt. Oder drei? Er hätte ja auch anrufen können. Aber er war wohl immer sehr beschäftigt, hat sich um Mutter gekümmert. Die arme, nicht mehr ganz bei Sinnen. Sein Bruder hat doch erzählt, sie hätte nach ihm gefragt. Und er hatte sich immer noch nicht sehen lassen. Morgen gleich würde er seinen Bruder anrufen und vorschlagen, sie gemeinsam zu besuchen!
Aber halt, nein, morgen hat er sich extra den Nachmittag freigenommen für ein Gespräch mit der Versicherung. Das hat er schon beinahe erfolgreich verdrängt. Wäre er nur zu Hause gewesen, als das Wasserrohr geplatzt ist vergangene Woche, dann hätte er schnell den Haupthahn zugedreht und einen Klempner gerufen. Aber sie waren ja spazieren, seine Frau und er, und als sie zurück kamen, stand das Wasser im Keller schon knöcheltief und lief die Wand herab. Der Schlauch war marode, sagte man ihnen, das hätten Sie kontrollieren müssen.
Hoffentlich bezahlt die Versicherung; ob die Bank einen weiteren Kredit genehmigen würde, ist ganz und gar nicht sicher. Das kleine Haus ist doch ihr ganzer Stolz.
„Nächster Halt Weißenberg.“
Noch zehn Minuten bis Radulfsburg, danach acht bis Altenstein. Der Zug hält in Weißenberg. Niemand steigt aus, ein Mann mit Blumenstrauß steigt ein sowie eine Frau mit Kinderwagen und einem kleinen Mädchen im Schlepptau. Er sollte seiner Frau auch mal wieder Blumen mitbringen.
Die Frau mit Kinderwagen und Mädchen setzt sich auf den Platz an der anderen Gangseite. Das Mädchen schaut herüber –blickt ihn kurz an, sieht dann der alten Dame beim Stricken zu. Der Schal ist erstaunlich lang geworden, vielleicht ist sie doch schneller als zwei Zentimeter pro Minute?
Sehr hübsch, das Mädchen. Warum haben sie eigentlich keine Kinder? Erst einmal gut situieren, Geld verdienen, ein geregeltes Leben haben, das war der Plan. Das haben sie doch längst alles. Er wird mal mit seiner Frau darüber sprechen. Sein Neffe wird schon bald zwei Jahre alt sein, obwohl sein Bruder jünger ist als er, da könnte er ihm mal einen Spielgefährten stellen.
Herr Freitag sieht sich in der Fensterscheibe, fast wie in einem Spiegel. Nur die Umrisse sieht er doppelt. Draußen ist es schon ziemlich dunkel. Schnell ist das jetzt gegangen! Da dämmerte man ein paar Minuten seinen Gedanken nach, schon dämmerte es auch draußen.
„Nächster Halt Radulfsburg.“
Der Mann mit den Blumen steigt aus. Bestimmt trifft er jetzt eine Frau und verbringt einen sehr schönen Abend mit ihr. Ein Mann ohne Gepäck, dafür mit einem recht dicken Buch unter dem Arm steigt ein, geht an Herrn Freitag vorbei und setzt sich irgendwo weiter hinten im Abteil.  
Sie könnten sich auch erst mal einen Hund anschaffen. Die Katze ist ja leider kürzlich eingegangen. War auch schon recht altersschwach, ist das ganze letzte Jahr nur noch herumgelegen und hat keine Freude mehr gehabt. Irgendwann lag sie dann tot auf dem Sofa. Seine Frau hat einen ganz schönen Schreck gekriegt, ganz bleich war sie, als er damals nach Hause kam.
Wie lange sie da wohl schon tot liegt?, hatte sie gefragt. Möglicherweise schon eine Weile, sie waren ja daran gewöhnt, dass Mietzi sich nicht bewegt.
Aber ein Hund ist auch viel Arbeit, der will erzogen und bewegt werden und Geld kostet er auch, und falls die Versicherung nun nicht zahlt… und seine Frau hat ja schon genug Arbeit mit dem Haus, Garten und Kochen. Soll sie nun noch einen Hund Gassi führen? Aber andererseits, ein Kind ist natürlich noch viel mehr Arbeit. Da könnte sie sich ja erst einmal an den Hund gewöhnen.
Aber was für ein blöder Gedanke, ein Kind ist schließlich ein Kind, das liebt man und pflegt es gerne, außerdem wird es bald größer und selbstständiger.
Gleich wird er in Altenstein ankommen. Und morgen wird er sich direkt mal um ein paar Dinge kümmern. Oder heute Abend schon! Ein paar Angelegenheiten mit seiner Frau bereden, ihr für ihren Einsatz im Haus danken, ein paar Ideen äußern. Seinen Bruder anrufen, nach Neffe und Mutter fragen. Und morgen Gutes hoffen für das Gespräch mit dem Versicherungsbeamten.
Die Abteiltür öffnet sich: „Fahrkartenkontrolle!“ Die harte Stimme des Schaffners dröhnt unnötig laut durch die schläfrige Stille des Waggons. Allgemeines Rascheln, Reißverschlüsse, Schnallen und Taschen werden geöffnet, Jahresfahrkarten vorgezeigt, Streifenkarten und Einzeltickets abgestempelt. Herr Freitag hat natürlich ein Jahresticket. Da er keinen Führerschein besitzt, ist er auf den Zug angewiesen. Und das ist günstiger, umweltfreundlicher und bequemer sowieso, denn man kann vor und nach der Arbeit noch ein kleines Nickerchen halten.  
„Nächster Halt Radulfsburg.“
Wie bitte? Herr Freitag wird aus seinen Gedanken gerissen und ist wieder ganz wach. Nächster Halt Radulfsburg? Das kann nicht sein, an Radulfsburg sind sie doch  schon vorbei. Sicher hat sich der Schaffner geirrt, wir müssen jetzt in Altenstein sein.
Der Zug wird langsamer. Herr Freitag nimmt seine Aktentasche, nickt der strickenden Dame zum Abschied zu, verlässt das Abteil und wartet im kleinen Flur vor der Zugtür. Hinter den Glasscheiben ist es finster, die Nacht ist angekommen. Kurz bevor der Zug steht, Lichter: Sie rollen in den Bahnhof ein, da ist das beleuchtete Gleis. Auf einem großen weißen Schild steht: Radulfsburg.
Herr Freitag ist jetzt sehr verwirrt – hat er falsch gezählt, sich falsch erinnert? Er war sich eigentlich sehr sicher, durch Radulfsburg heute bereits durchgefahren zu sein. Nun, offenbar nicht. Dann eben die nächste Station.
„Entschuldigung, steigen Sie nicht aus?“, fragt es hinter ihm.
Herr Freitag zuckt zusammen, dreht sich um – der Mann mit dem Blumenstrauß. Stumm macht er ihm Platz. Der Herr sieht ihn leicht irritiert an, geht vorbei, öffnet die Tür, steigt aus. Er überquert den leeren Bahnsteig und verschwindet aus Freitags Blickfeld. Gerade will der sich wieder zurück ins Abteil begeben, um für die restlichen acht Minuten Fahrzeit Platz zu nehmen, da sieht er draußen jemanden schnellen Schrittes auf die offene Zugtür zueilen – ein gepäckloser Mann mit einem dicken Buch unter dem Arm.
Er steigt ein. Guten Tag, grüßt er mit ähnlich irritiertem Blick wie vorher der Mann mit dem Blumenstrauß, vermutlich weil Herr Freitag beide so verwundert angestarrt hat.
Herr Freitag grüßt nicht zurück, steht und starrt, der Mann verschwindet im Abteil, die Türen schließen sich, der Zug fährt weiter. Hinter den Fenstern ist es wieder nachtschwarz.
Sehr merkwürdig, denkt Herr Freitag, ich muss wohl müder sein als befürchtet. Er sieht auf seine Armbanduhr: Es ist 18:15. Eigentlich sollte der Zug bereits angekommen sein. Hat wohl etwas Verspätung. Gegen 18:30 rechnet seine Frau immer mit ihm; da muss er sich eben etwas beeilen, wenn er um 18:23 in Altenstein ankommt.
Vielleicht sollte er heute doch keine großen Gespräche mit Frau und Bruder mehr anfangen, am Ende redet er noch wirres Zeug daher, wenn er sich jetzt schon nicht mal mehr die fünf Bahnstationen merken kann, die er seit sieben Jahren fast täglich abfährt.
Herr Freitag beschließt, sich doch nicht mehr hinzusetzen, sondern im Stehen auf den Bahnhof zu warten. So kann er gleich als erster aussteigen und verliert keine Zeit.
Die Tür zum anderen Abteil geht auf, der Kartenkontrolleur von vorhin kommt heraus. Wie war er nur auf die andere Seite des Zuges gelangt, ohne erneut an ihm vorbeigegangen zu sein? Herr Freitag muss wohl nach der Kontrolle nochmal kurz eingenickt sein.
„Ihre Fahrkarte bitte“, verlangt der Schaffner.
Schon wieder, denkt Herr Freitag, holt die Fahrkarte heraus, hält sie dem Schaffner unter die Nase, der nickt, öffnet die Tür des Wagens, in dem Herr Freitag bis eben gesessen ist.
„Fahrkartenkontrolle!“ Hart und laut dröhnt die Stimme durch den Zug. Warum denn heute zweimal, wundert sich Herr Freitag, so und so oft werde ich die ganze Fahrt über kein einziges Mal kontrolliert, und diesen Abend gibt es gleich zwei Durchgänge? Eine komische Zugfahrt ist das heute.
Ungeduldig beobachtet Herr Freitag seine Armbanduhr, Sekundenzeiger gibt es keinen, der Minutenzeiger bewegt sich unendlich langsam. Um 18:22 ist von Altenstein noch nichts zu sehen. Sehr langsam der Zug heute? Eigentlich nicht. 18:23, immer noch nichts. 18:25.
Herr Freitag presst die Nase an die Glasscheibe der Tür und versucht, etwas von der Landschaft zu erkennen, um einen Anhaltspunkt über den Rest der Strecke zu bekommen, doch er sieht nur schattenhafte Umrisse von Bäumen und Wiesen. Zunehmend unruhig wartet er auf den Bahnhof. Die Uhr zeigt 18:26.
„Nächster Halt Radulfsburg“
Herr Freitag zuckt zusammen, als hätte er einen Stromschlag bekommen. Leichter Schwindel überkommt ihn, seine Hand sucht Halt an einer Metallstange. Kann das sein? Er war doch ganz sicher gerade eben erst in Radulfsburg!
Die Sache wird ihm zunehmend unheimlich. Der Zug wird langsamer, kommt zum stehen.
Die Abteiltür öffnet sich, ein Mann mit Blumenstrauß tritt heraus, grüßt Herrn Freitag, der wie ein verschrecktes Tier in der Ecke steht, steigt aus. Sekunden später kommt ein Mann ohne Gepäck, dafür mit einem Buch unter dem Arm herein.
Weitere Sekunden später erwacht Herr Freitag aus seiner Erstarrung, stürzt zur Zugtür, lehnt sich hinaus: Das ist der Bahnhof Radulfsburg, eindeutig, das Schild mit dem Ortsnamen, der Wald hinter dem Gleis, die schwarzen Müllbehälter, die Treppe zur Unterführung.
Die Türen schließen sich, Herr Freitag steht zwischen den Abteiltüren und ist unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Eine ganze Weile bleibt unbewegt, wie ein Käfer, der sich tot stellt, den Blick zum Boden gerichtet. Irgendwann fällt sein Blick auf die Armbanduhr. Er hebt das Handgelenk, um die Zeit abzulesen. Die Zeiger stehen auf 18:19.

[Fortsetzung folgt bei Bedarf.]

12Wie es weitergeht »


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Beiträge: 166

Bronzene Neonzeit


BeitragVerfasst am: 01.01.2013 22:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Stilblüte

Zuerst möchte ich dich darauf hinweisen, dass der Text für eine Prüfung auf Herz und Nieren zu lang ist (für mich). Das sind etwa 2'500 Wörter.
Gerne lese ich ihn, schildere dir meine Eindrücke und picke mir die eine oder andere Stelle heraus, die mir sofort ins Auge gesprungen ist. Es ist sicher nötig, dass noch ein oder zwei Kollegen draufschauen.

Hier ist ein Buchstabe verloren gegangen:

Zitat:
in der rechten Hand den schwarze Aktenkoffer


-> den schwarzen Aktenkoffer

Zitat:
der in sieben Jahren noch nie etwas anderes abgekauft hat.


Ein Wort fehlt -> der er in sieben Jahren noch nie etwas anderes abgekauft hat.

Zitat:
Ich glaube, meine Frau kocht heute Rouladen, denkt Herr Freitag


Das kommt mir sehr fremd und unwirklich vor. Denkt er wirklich so? In diesem Wortlaut? Würde er nicht eher den Namen seiner Frau verwenden und so etwas Ähnliches wie: "Mathilde kochte heute sicher Rouladen, denkt Herr Freitag".

Zitat:
Der Vorschlag gefällt ihm


"Vorschlag" finde ich das falsche Wort. Das klingt, als hätte ihm das jemand anderes vorgeschlagen. Dabei unterbreitet er sich das ja selbst. "Einfall" würde meiner Meinung nach besser passen.

Zitat:
er packte die halbe Brezel in die Papiertüte


Weshalb hier plötzlich Präteritum?

Zitat:
Als noch gerade ein Drittel der Zimtbrezel übrig ist


Du hast so einen auktorialen Ton mit in die Geschichte gebraucht, auch ein bisschen unzuverlässiges Erzählen. Fände es hier ganz schön, wenn man "etwa" einfügen würde. Ich finde, das passt in den Duktus des Erzähltons:

Als noch (gerade) etwa ein Drittel der Zimtbrezel übrig ist

Zitat:
Außerdem ist der Schal ja bestimmt schon zwanzig Zentimeter lang, macht also einen Meter zwanzig…


Musste kurz Stocken bei diesem Satz, weil du hier springst. Und zwar von wie viele Zentimeter oder Meter sie schafft während der Zugfahrt auf die absolute Länge des Schals am Ende der Zugfahrt. Würde ich umschreiben oder streichen.

Zitat:
Wenn ja, müssten sie jetzt gerade schon im Topf kochen, damit sie rechtzeitig zu seiner Ankunft fertig sind.


"jetzt gerade schon" sind zwei Adverben zu viel. Entweder "jetzt", "gerade" oder "schon", aber nicht alle drei zusammen.

Zitat:
Er versteht es als selbstverständlich, dass ich jeden Tag für ihn koche und den Haushalt mache,


"Er versteht es als selbstverständlich" klingt holperig. Vorschlag: "Er hält es für selbstverständlich..."

Zitat:
Die Rouladen riechen eigentlich recht eindeutig.


Frage: Nur DIE Rouladen seiner Frau oder allgemein Rouladen? Falls das zweite zutreffen sollte, das "die" streichen.

Zitat:
Zwei Monate bestimmt


Wenn ich das Lese, werde ich den Eindruck einer Lücke nicht los. Ich würde es ein wenig umstellen. Vorschlag:

Bestimmt zwei Monate nicht.

Zitat:
Da dämmerte man ein paar Minuten seinen Gedanken nach, schon dämmerte es auch draußen


Warum hier Präteritum?

Bis hierhin einmal. Es geht um Herrn Freitag, ein sehr gewissenhafter, bisschen zu genauer Mann mittleren Alters. Er kommt von der Arbeit nach Hause, fährt täglich in seinem Zug und scheint bisher in einer Art Zeitschleife gefangen zu sein. Soweit so gut.

Du wechselst desöfteren zwischen erlebter Rede und innerem Monolog. Ob das  gleich kurz hintereinander sinnvoll weiss ich nicht. Mich hat das manchmal gestört. Ich finde es angenehmer zu lesen, wenn du diese Teile klar voneinander abgrenzt und nicht miteinander vermischst.
Ich mag den Ton deiner Erzählung, das liest man heutzutage eher weniger, aber ich finde nicht, dass sowas aus der Mode gekommen ist. Mir gefällt dieser "väterliche" Unterton im Moment ganz gut, auch dieses unzuverlässige Erzählen (auch wenn es manchen vielleicht ein wenig altbacken erscheinen mag).

Die Passage im Zug könnte man meiner Meinung nach etwas straffen. Da geht es etwas gar lange und Herr Freitag schweift mir zu sehr ab mit seinen Gedanken, da musste ich mich manchmal durchkämpfen, es hat aber durchaus sehr amüsierende Passagen.
Zum Schluss nimmt der Text noch einmal Fahrt auf und schiesst regelrecht zum Ende hin. Hat mir gut gefallen.

Liebe Grüsse
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Rainer Zufall
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 65
Beiträge: 799

Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 02.01.2013 08:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Stilblüte,
ich kenne den ursprünglichen Tunnel-Text, er gehört zu meinen persönlichen Lieblingen.
Das hat mich jetzt auch in deinen Text reingelockt.
Ja, deiner hat schon Ähnlichkeit, aber macht ja nichts, wenn man selbst darauf hinweist, dass man da unbewusst was Paralleles geschrieben hat.
Ich habe mir gerade sogar überlegt, ob es nicht eine wunderbare Schreibübung ist, einfach das Muster eines Textes zu nehmen und es mit eigenen Charakteren auszustaffieren.

Ich mag deinen Erzählstil recht gerne. Mich hat der Wechsel von innerem Monolog und erlebter Rede auch nicht gestört. Wahrscheinlich, weil ich selbst so schreibe.
Ich würde auch gerne den zweiten Teil sehen.
Nur eine Sache habe ich schon:
Ich finde, dass du dich sehr lange in seinen Überlegungen und Bedenklichkeiten verlierst, man könnte das straffen.
Mir ist schon klar, dass man Raum braucht, um diesen etwas altväterlichen Herren darzustellen in seiner steten Routine und Monotonie, die nicht unterbrochen werden darf. Dennoch würde Straffung gut tun, der Leser versteht es auch ohne epische Breite, wie der Protagonist so tickt.
Ich freu mich auf den zweiten Tunnel-Gang.
Viele Grüße
Rainer
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Gast







BeitragVerfasst am: 02.01.2013 11:08    Titel: Antworten mit Zitat

Du solltest Deinen Text an die Zürcher Literaturzeitschrift "Entwürfe" schicken. "Feierabend" ist dort das nächste Heftthema:

http://www.entwuerfe.ch/entwuerfe/forum.html

Rainer, pardon: reiner Zufall…
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Eimerian
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 34
Beiträge: 191



BeitragVerfasst am: 02.01.2013 12:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo

Allgemeines:
Herr Freitag ist dir gelungen. Die ständigen Zeitangaben und detailierten Beschreibungen, die ich in anderen Texten angemerkt hätte, passen hier, weil sie Herr Freitag als analytischen, peniblen und genauen Menschen zeigen, der ständig auf die Uhr schaut, Zugfahrpläne auswendig kann, seinen Tag auf die Minute plant, Essen streng in Vor- und Nachspeisen aufteilt usw. Mir gefällt die Idee, dass dieser Mann, der ständig über die Zeit nachdenkt, in einer Zeitschleife gefangen ist.
Das ist auch thematisch gut gemacht. Uhrzeiten, Zugfahrpläne, die Kochzeiten der Rouladen, der Termin am nächsten Tag, keine Zeit für den Bruder, die tote Katze, die alte Mutter und sogar das Stricken sind alles Symbole für das Verstreichen von Zeit.
Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Was mir aufgefallen ist:

Du springst zwischen normaler Erzählstimme und erlebter Rede hin und her.
Das ist nicht wirklich "falsch", aber es wäre gut, sich für eine der beiden Möglichkeiten zu entscheiden.
Was auf gar keinen Fall geht, ist beides in ein und demselben Satz zu haben wie hier:
Zitat:
Ich glaube, meine Frau kocht heute Rouladen, denkt Herr Freitag, die isst er genau so gerne wie Zimtbrezeln.

Entweder: Seine Frau kocht heute Rouladen, glaubt Herr Freitag, die isst er genau so gerne wie Zimtbrezeln. Erzählstimme
Oder: Ich glaube, meine Frau kocht heute Rouladen, die esse ich genau so gerne wie Zimtbrezeln. Erlebte Rede

Zeitfehler:
Du schreibst im Präsens, also wird Vorzeitiges im Perfekt ausgedrückt.
Präteritum und Plusquamperfekt dürfen da nicht vorkommen.
Beispiel:
Zitat:
Die Katze ist ja leider kürzlich eingegangen(Perfekt). War auch schon recht altersschwach(Präteritum), ist das ganze letzte Jahr nur noch herumgelegen (Perfekt)und hat keine Freude mehr gehabt(Perfekt). Irgendwann lag sie dann tot auf dem Sofa(Präteritum). Seine Frau hat einen ganz schönen Schreck gekriegt(Perfekt), ganz bleich war sie(Präteritum), als er damals nach Hause kam(Präteritum).
Wie lange sie da wohl schon tot liegt?, hatte sie gefragt(Plusquamperfekt).


Auch ein paar unnötige Konjunktiv 2:
Zitat:
Herr Freitag schätzt, dass sie bestimmt zwei Zentimeter pro Minute schafft, das wäre dann bei einer Zugfahrt von 28 Minuten mehr als ein halber Meter. Falls sie nicht schon vorher aussteigt. Stiege sie aber später aus, könnte es auch ein ganzer Meter sein.

...das ist dann bei einer Zugfahrt von 28 Minuten mehr als ein halber Meter. Steigt sie aber später aus, kann es auch ein Meter werden.

Zitat:
Guten Nachmittag Herr Donnerstag, darf‘s wieder eine Zimtbrezel sein?, kurzes Pläuschchen mit der Verkäuferin, der er in sieben Jahren noch nie etwas anderes abgekauft hat. – Ich warte ja auf den Tag, an dem Sie unsere Vanillebrezel probieren, Herr Mittwoch, die gelingen immer besser! Nein, Ddanke, ich mag aber gar kein Vanille. Guten Tag!

Das hab ich auch nicht ganz kapiert. Kaufen hier drei Kunden was (Freitag, Donnerstag, Mittwoch)? Oder nennt die Verkauferin Herrn Freitag  jedes mal anders (jedes mal einen Tag früher sozusagen)?
Und das ist ein normaler Dialog, also Gänsefüßchen bitte.

Zitat:
Wie gewöhnlich sind es aktuell noch ein paar Wohnhäuser, gleich werden sie einer hügeligen Wald- und Wiesenlandschaft weichen, die nur unmittelbar vor den kleinen Bahnhöfen von Gebäuden durchzogen wird.

aktuell -> im Moment?
Unmittelbar bedeutet direkt. Direkt vor den Bahnhöfen wird die Landschaft von Gebäuden durchzogen? Ist auch komisch irgendwie...

lg Eimerian
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Stilblüte
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BeitragVerfasst am: 02.01.2013 15:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Abend,

ich danke allerherzlichst und vielmals für die interessante Rückmeldung!!
Auf diese Weise ist mir noch nie ein Text seziert worden, solche Hinweise auf kleine Details sind ungemein hilfreich.

@ Strichpunkt: Ich bin mir nicht sicher, ob du gesehen hast, dass der Text noch weitergeht? Du schreibst "er schießt auf das Ende zu", das Ende kommt aber erst deutlich später.

Den korrekten Gebrauch der Zeiten muss ich wohl noch einmal überarbeiten. Anfangs hatte ich den Text nicht im Präsens geschrieben und nur stellenweise ein erzählendes Präsens (nennt man das so? Hab mal irgendwas ähnliches vor Jahren in der Schule gehört) verwendet, später aber gemerkt, dass mir das zu wenig ist und ganz auf Präsens "umgestellt".

Auch die Mischung aus direkter, indirekter und erlebter Rede, innerem Monolog und Beschreibung werde ich auch nochmal unter die Lupe nehmen. Ich habe das extra ein bisschen gemischt, um diesen gewissen Unterton herzustellen, ich kann das schwer ausdrücken - belächelnd, väterlich-gutmütig, fast bedauernd, aber auch berichthaft und sachlich beschreibend wie bei einem wissenschaftlichen Experiment.

@ Nora: Danke für den Link, von dem Wettbewerb habe ich schon durch einen Newsletter gehört, die Verlinkung zu den "weiteren Informationen" funktioniert aber leider nicht. Im Newsletter stand allerdings, dass die Anzahl der Zeichen nur weniger als die Hälfte der Anzahl Betragen darf, die mein Text lang ist. So viel kürzen kann ich glaub ich nicht.

Ich werde gleich mal die Fortsetzung posten, sie macht den längeren Teil des Textes aus. Vielleicht mags ja jemand lesen.

besten Gruß
Stilblüte


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Stilblüte
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BeitragVerfasst am: 02.01.2013 15:32    Titel: Fortsetzung "Feierabend" pdf-Datei Antworten mit Zitat

Jemand spielt mir einen üblen Streich, bestimmt ist der ganze Zug eingeweiht, Schauspieler engagiert, ein paar Bahnhofsschilder wurden ausgetauscht und meine Uhr manipuliert. Ja, so muss es sein. Es muss so sein! Eine andere Erklärung gibt es nicht.
Die Abteiltür öffnet sich, der Schaffner kommt heraus, Ihre Fahrkarte bitte.
„Die haben Sie doch heute schon oft genug gesehen“, sagt Herr Freitag.
„Meinen Sie? Ich erinnere mich nicht an Sie, tut mir leid. Aber ich sehe jeden Tag so viele Fahrgäste, da kann man schon mal ein Gesicht vergessen, finden Sie nicht auch. Darum muss ich Sie wohl noch ein zweites Mal bemühen.“
Er spielt seine Rolle wirklich sehr gut, findet Herr Freitag. Zu gut?
„Bezahlt Sie jemand dafür?“, fragt er. „Für das Spiel, das Sie hier spielen.“, fügt er hinzu.
Der Schaffner mustert ihn etwas misstrauisch, antwortet dann doch.
„Die Bahn bezahlt mich, glauben Sie, ich mache das hier zum Vergnügen? Glauben Sie mir, ein Spiel ist es ganz bestimmt nicht! Hundert Mal am Tag durch einen schwankenden Zug laufen, glauben Sie mir, schreiende Kinder, schwerhörige Omas, Schüler ohne Fahrkarte. Ich hoffe jedenfalls, Sie haben eine, Scherereien brauche ich heute Abend nicht mehr.“
Herr Freitag zeigt schnell seine Jahreskarte.
„Sagen Sie, welche war die letzte Station?“, fragt er schnell.
„Radulfsburg.“
„Und die nächste?“
„Altenstein. Aber wenn Sie eine Jahreskarte haben, müssten Sie sich das eigentlich inzwischen gemerkt haben, sollte man meinen.“
„Sollte man“, murmelt Herr Freitag. „Aber Sie habe ich hier auch noch nicht gesehen im ganzen Jahr, sind Sie ein neuer Schaffner?“
„Neue Strecke“, brummt der Bahnbeamte. „Ich muss jetzt weiter, guten Abend.“
Er verschwindet im Waggon.
Irgendjemand wird schon mit der Wahrheit herausrücken, denkt Freitag. Er geht in den anderen Wagen in Fahrtrichtung, aus dem der Schaffner gekommen ist – er ist leer. Er schaut hinter jede Bank, ob nicht doch ein kleines, schlafendes Mütterchen hinter der Lehne kauert. Doch niemand ist zu sehen. Die Abteiltür am Ende des Wagens ist verschlossen – sie führt offenbar zur Lok.
Also geht er wieder zurück, an den Zugtüren vorbei, dem Schaffner nach in den anderen Wagen. Herr Freitag geht langsam durch den Gang und beschaut sich alle Passagiere: Vorne rechts sitzt ein älterer Herr mit lichtem Haarkranz, altmodischer Brille und dunkler Cordhose, vertieft in eine Zeitung. Links drei junge Männer, vielleicht zwanzig Jahre alt, einer beschäftigt sich mit seinem Mobiltelefon, der zweite studiert einen sehr dicken Aktenordner, der dritte schläft. Nach einigen freien Bänken blockiert ihm der Kontrolleur den Durchgang. Er hält gerade das Einzelticket der strickenden Dame in der Hand. Freitags Blick bleibt daran hängen – es ist noch nicht gestempelt. Kein einziges Mal.
Das Spiel muss bis zur Perfektion ausgekartet sein, denkt Herr Freitag und glaubt sich selbst kaum noch. Rechts die Frau mit Kinderwagen und Mädchen, sie spielen gedämpft „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Freitag drückt sich am Schaffner vorbei.
Vielleicht sitzt gar seine Frau in der letzten Reihe? Hat sie das ganze Spektakel initiiert, um etwas Schwung in ihr ödes Leben zu bringen? Doch auf den letzten Bänken findet er nur ein turtelndes junges Pärchen links und den Mann mit den Blumen rechts.
Bestimmt werden sie gleich alle aufspringen und lachen, hofft er verkrampft. Er schiebt sich nochmals am Schaffner vorbei, setzt sich auf seinen alten Platz.
„Eben war ihr Schal aber noch länger!“, stellt er fest.
„Wie bitte?“, die strickende Dame blickt auf. „Nein, bestimmt nicht. Da täuschen Sie sich.“
„Haben Sie nicht ein Stück aufgetrennt?“
„Warum sollte ich? Das tue ich nur, wenn ich mich verstricke. Habe ich aber nicht. – Übrigens, junger Mann, ich glaube, Sie haben ihren Koffer im Gang vergessen.“
„Nächster Halt Radulfsburg.“
Freitag hastet aus dem Abteil, sein Aktenkoffer lehnt an einer Wand. Dort hat er ihn in seiner Verwirrung stehen lassen. Wo mögen sie inzwischen wohl wirklich sein? Ein paar Stationen hinter Altenstein, bald müsste doch die Endstation erreicht sein, Ebersfeld, wenn er sich recht erinnert.
Der Zug hält. Freitag schaut hinaus – der Bahnhof Radulfsburg, kein Zweifel.
Das Schild mit dem Ortsnamen, der Wald, die Unterführung, die schwarzen Müllbehälter. So täuschend echt kann man keinen Bahnhof verkleiden. Was um Himmels willen geschieht hier? Wird er verrückt? Es kann doch unmöglich sein, dass er mit dem Zug wieder und wieder in denselben Bahnhof einfährt, ohne die Richtung zu ändern!
Der Mann mit den Blumen steigt aus. Wie ist der eigentlich wieder in den Zug gelangt? Freitag beugt sich weit aus der Tür, sieht ihn die Treppe hinunter verschwinden. Er steigt eindeutig nicht wieder ein. Dafür kommt der Mann mit dem dicken Buch aus der Unterführung und steuert auf seine Tür zu – wie hat er den Zug unbemerkt verlassen können? Vielleicht unmittelbar nach dem Halt, noch bevor sich diese Tür hier geöffnet hat? Der Mann nimmt die zwei Stufen.
„Entschuldigen Sie“, sagte Herr Freitag. Seine Stimme kommt brüchig und leise heraus, obwohl er eigentlich belustigt und selbstbewusst wirken möchte, als hätte er das Spiel längst durchschaut.
„Ja?“ Der Mann bleibt stehen.
Freitag weiß gar nicht, was er eigentlich fragen möchte.
„Ich glaube, einer meiner Freunde nimmt mich auf den Arm... Könnten Sie… mir wohl eine Frage beantworten?“, stammelt er.
Der Mann wartet.
„Sagen Sie… wohin fahren Sie?“
„Nach Ebersfeld.“
„Und was tun Sie dort?“
„Ich fahre nach Hause.“
„Und wo waren Sie vorher?“
Widerwillig antwortet der Mann, dem zusehens unwohl wird bei der Fragerei.
„Ich habe einen Freund getroffen und er hat mir ein Buch ausgeliehen.“
„Vielen Dank“, sagt Freitag. „Würden Sie mir noch Ihren Namen verraten?“
„Feiern Sie Junggesellenabschied und müssen Leute Interviewen?“, grinst der Mann mit dem Buch recht gequält.
Als Freitag keine Mine verzieht, räuspert er sich und sagt: „Roland. Ich heiße Roland.“
„Angenehm. Ich heiße Freitag“, sagt Freitag. „Ich danke Ihnen. Gute Weiterfahrt.“
Er folgt dem Mann ins Abteil, der verschwindet in die letzte Bank, dorthin, wo vorher der Mann mit dem Blumenstrauß saß.
Ich werde meine Frau anrufen, schießt es Freitag durch den Kopf. Geht zu den jungen Männern in der ersten Bank.
„Entschuldigung, könntest du mir kurz dein Mobiltelefon ausleihen?“, fragt er.
Der junge Mann schaut auf. „Klar. Haben Sie wohl kein Handy?“
„Nein“, sagt Freitag. „Leider nicht.“
Der Kerl reicht ihm das Handy, zum Glück ist es nicht so ein neumodisches Ding ohne Tasten. Beim Eintippen der Nummer fällt sein Blick auf die Digitaluhr oben rechts – sie zeigt 18:22. Ohne weiter darüber nachzudenken wartet er ab, bis seine Frau abhebt.
„Hier Freitag?“, rauscht es aus dem Handy. Herr Freitag erkennt die Stimme seiner Frau, fühlt sich gleich besser.
„Hallo Schatz, ich bins.“
„Schon wieder?“
„Was meinst du mit ‚Schon wieder‘?“
„Na, du hast doch gerade schon angerufen! Wo bist du denn? Alles in Ordnung? Das Essen steht fast auf dem Tisch!“
Herr Freitag weiß nicht, was er sagen soll. Schon einmal angerufen? Wie kann das denn sein?
„Hallo?“
„Ah… ja, ich habe schon Hunger! Ich bin gleich bei dir, mein Schatz.“
„Alles in Ordnung?“, fragt seine Frau noch einmal. „Du klingst so merkwürdig. Warum rufst du dauernd an?“
„Wie viel Uhr ist es bei dir?“, platzt Herr Freitag heraus.
„Wie viel Uhr?“ Er hört sie buchstäblich den Kopf schütteln.
„Gleich halb sieben ist es! Wo bist du denn? Ich warte!“
„Danke, bis gleich.“ Er legt auf und gibt das Handy zurück.
Der Jugendliche mustert ihn, als wäre er nicht mehr ganz bei Trost. Wer weiß, vielleicht hat er Recht. Irgendetwas stimmte hier nicht, und er war offenbar der einzige, dem es auffiel – oder der einzige, der so empfand? Wo ist der Unterschied? Wo liegt die Ursache?
„Wo bist du eingestiegen?“, fragt Herr Freitag den jungen Mann.
„In Fischbach“, antwortete der. „Wieso?“
„Wie lange ist das her?“ – Herr Freitags Hemmschwelle, dumme Fragen zu stellen, wird zunehmend von seiner Angst verdrängt. Der Kerl sieht auf sein Handy.
„Na, so ungefähr zwanzig Minuten.“
„Nächster Halt Radulfsburg.“
Herr Freitag bricht der Schweiß aus. Der Zug wird langsamer, hält. Ich werde einfach aussteigen und den Rest zu Fuß gehen, schießt es ihm durch den Kopf. Oder ein Taxi nehmen, oder den Bus, oder ein Auto anhalten. Hauptsache, ich entkomme diesem verhexten Zug!
Er stürzt zur Tür und springt heraus. Hinter sich hört er jemand anderen aussteigen. Er dreht sich um – der Mann mit den Blumen. Als hinge der Teufel ihm im Nacken, hechtet er zur Treppe der Unterführung. Nur raus aus dem Bahnhof! Nach der Hälfte der Stufen biegt jemand um die Ecke – ein Mann mit Buch. Freitag hält an.
„Roland?“, keucht er. Der Mann erschrickt sichtlich.
„Kennen wir uns? Entschuldigen Sie, ich muss diesen Zug erreichen!“
„Steigen Sie nicht ein, der Zug ist verhext!“, ruft Freitag und rennt weiter. Er hat seine Aktentasche im Zug vergessen, aber es interessiert ihn nicht. Die Treppe wieder hoch, über den kleinen Parkplatz, zur Landstraße. Kein Taxi weit und breit, auch kein anderes Fahrzeug, eine Bushaltestelle sieht er ebenfalls nirgends.
Wo ist der Ort?, fragt er sich. Es gibt doch keinen Bahnhof im Nirgendwo! Er blickt auf die Uhr. 18:16. Er krampft seine Hände zu Fäusten, sieht sich nach einem Straßenschild um – dort vorne. Nach links Radulfsburg, nach rechts Altenstein. Er läuft los Richtung Altenstein. Kilometerzahl steht keine auf dem Schild. Wie viele es wohl sein mögen? Fünf oder zehn? In jedem Fall würde er zu spät zum Abendessen kommen.
Herr Freitag rennt, bis ihm die Puste ausgeht, er joggt, bis auch das zu schnell ist, schließlich geht er nur noch. Dann, hinter einer Kurve, sieht er ein paar Lichter vor sich – das muss Altenstein sein! Da hört er ein Auto hinter sich. Er winkt, es hält.
„Fahren sie nach Altenstein?“, fragt er so beiläufig wie möglich.
„Nein, nach Radulfsburg!“, erwidert der Autofahrer. „Altenstein ist die andere Richtung! Da haben Sie sich wohl geirrt. Seien sie froh, dass es nicht regnet!“
„Vielen Dank“, murmelt Freitag. Das ungute Gefühl ist zurück. Er beschließt, der Straße weiter zu folgen, schließlich hat er das Straßenschild mit eigenen Augen gelesen, ist immer in die gleiche Richtung gelaufen und hat keine Abzweigung genommen, es gab ja nicht mal eine.
Nach einigen Minuten hat er wieder genug Luft, zu rennen. Er ist nicht sehr sportlich, sein Anzug ist durchgeschwitzt. Die Lichter verschwinden wieder hinter einem Hügel, Freitag rennt schneller, sie sind seine einzige Hoffnung. Es geht bergab – dort, hinter der nächsten Kurve muss Altenstein sein! Schon hat er die Kurve erreicht, verlangsamt das Tempo, begibt sich in die Biegung, der Blick geht ein Stück weiter – und er prallt entsetzt zurück: Einige Meter weiter steht das Straßenschild, das ihm vorhin den Weg gewiesen hat. Er kommt aus der Richtung, die nach Altenstein  führt.
Ich habe eine Abzweigung verpasst, ich habe sie verpasst, ich bin aus Versehen im Kreis gelaufen, beruhigt sich Freitag.
Wieder hört er ein Auto kommen – es kommt aus der Richtung, die laut Straßenschild nach Radulfsburg führt.
Wieder winkt er – wieder hält es.
„Entschuldigen Sie, wohin fahren Sie? Ich möchte nach Altenstein!“
„Oh, da muss ich Sie enttäuschen, ich fahre nach Radulfsburg. Das tut mir leid.“
„Aber schauen Sie doch auf das Schild, Radulfsburg liegt in der anderen Richtung. Sie sind unterwegs nach Altenstein!“
„Na hören Sie, dann ist das Schild eben verkehrt, ich weiß doch, wo ich herkomme und hinfahre!“, empört sich der Fahrer. „Aber drehen Sie sich mal um, zwanzig Meter weiter ist ein Bahnhof, nehmen Sie doch den Zug!“
Das Auto fährt weiter.
Von Ferne hört Herr Freitag die Geräusche eines sich nahenden Zuges.
Wie auch immer Sie das mit der Straße geschafft haben, mehrere Züge haben die bestimmt nicht manipuliert!, denkt sich Freitag und weiß selbst nicht, wer „die“ eigentlich sein sollen.
Er hastet zur Unterführung, ein Mann mit Blumen kommt ihm entgegen. Zufall, sagt sich Freitag, ohne ihm ins Gesicht zu sehen, Treppe runter, Treppe rauf, der Zug steht bereits am Gleis. Er steigt in den Zug, hinter ihm schließen sich sogleich die Türen.
„Na, den haben Sie ja gerade noch so erwischt!“, sagt jemand zu ihm.
Freitag erblickt den Mann mit dem Buch unter dem Arm, er hat gerade die Abteiltür geöffnet, um sich einen Platz zu suchen.
Da merkt Herr Freitag, wie ihm ganz anders wird, er fühlt eine kribbelnde Kühle in Nacken und Hinterkopf, einen Druck von innen an die Schädeldecke, blinde Flecken tauchen in seinem Gesichtsfeld auf. Er schwankt, sucht Halt mit den Händen, berührt mit dem Rücken eine Wand.
„Ist Ihnen nicht wohl?“, fragt der Mann, der sich vorhin als Roland vorgestellt hat.
Er packt ihn fest am Arm, führt ihn durch die Abteiltür.
„Vielleicht sind Sie etwas zu schnell gewesen, was. Holen Sie mal tief Luft.“
 Er setzt ihn auf den ersten freien Platz, neben die drei jungen Männer. Sie blicken kurz auf, widmen sich dann wieder ihrer Beschäftigung.
„Danke, Roland“ Roland zuckt zusammen.
„Kennen wir uns? Ich fürchte…“
„Nein, nein. War geraten.“ Freitag und konzentriert sich aufs Atmen. Nur nicht wahnsinnig werden.
„Da haben Sie aber verdammt gut geraten, das ist ja unheimlich. Ich heiße nämlich wirklich Roland, wissen Sie“, sagt Roland.
Freitag schluckt, nickt, schaut weg. Roland geht schnell zu seinem Stammplatz nach hinten.
„Darf ich wohl mal kurz telefonieren?“, fragt Freitag den gleichen Kerl wie vor einer Stunde. Oder waren es nur ein paar Minuten?
„Sie haben wohl kein Handy?“
„Nein, leider nicht. Ich habe es nicht so mit Technik.“
Er bekommt das Handy. 18:18. Wählt, wartet.
„Hier Freitag“, flötet die Stimme seiner Frau aus dem Hörer.
„Hallo Schatz, ich bin es!“ Herr Freitag versucht, so normal wie möglich zu klingen.
„Oh, welche Überraschung! Hast du etwa ein Handy gekauft?“
„Nein, ich rufe aus dem Zug an.“
„Achso? Ich hoffe, du kommst bald an! Die Rouladen stehen schon fast auf dem Tisch.“
„Ah… Ja, ich werde gleich da sein, bis gleich!“
Freitag lässt langsam den Hörer sinken.
„Alles in Ordnung?“, quäkt es aus dem Telefon. Er legt auf, gibt es wortlos zurück.
Es gibt keinen Zweifel, etwas höchst Unglaubliches geschieht gerade. Es scheint, als durchlebe er dieselben zehn Minuten wieder und wieder, kann weder der Zeit noch dem Ort entfliehen, wie in einem Buch, in dem hundert Mal dieselbe Seite gedruckt ist, wie in einer hängenden Schallplatte. Er erinnert sich an einen Abenteuerroman, den er als Kind gelesen hat – eine Zeitschleife, das muss es sein! Ein Wurmloch! Ein Riss im Universum! Doch niemand außer ihm scheint es zu bemerken. Oder waren alle anderen gar Teil der Zeitschleife? Aber seine Frau hatte sich an den letzten Anruf erinnert! Allerdings hatte sie den zweiten offenbar vor dem ersten erhalten. Eine Zeit-Kreuzung?
Mit einem Satz springt er auf, hechtet zu seiner angestammten Bank – der Schal der strickenden Dame umfasste vielleicht fünfunddreißig Zentimeter. Sein Aktenkoffer steht dort, wo er ihn im letzten Zug vergessen hat.
Nun, dann werde ich mal testen, was so ein Wurmloch so leistet!, denkt Freitag und geht zur letzten Bank. Dort sitzt das junge Liebespärchen; das Mädchen fährt ihrem Angebeteten gerade durchs Haar und küsst ihn auf die Wange.
„Na na, was für ein unzüchtiges Verhalten!“, ruft Freitag zynisch.
Verständnislos schauen die beiden auf, sagen aber nichts.
„Und noch dazu so eine Verschwendung! Schau dir den Kerl doch mal an, dessen Haar du streichelst, merkst du nicht, dass er aussieht wie ein Junge? Kaum ein Haar im Gesicht und dünn wie ein Spargel! Soll der dich beschützen können?“
Mit wütendem Blick vergräbt das Mädchen ihr Gesicht im Pullover des Allerliebsten.
„Passen Sie auf, was Sie sagen!“, antwortet der ruhig.
„Haben Sie nichts Besseres zu tun, als Leute zu belästigen?“
„Nein, habe ich nicht! Ich befinde mich nämlich in einer Zeitschleife und kann tun und lassen, was ich will!“
Leises Gemurmel erhebt sich im Abteil, Köpfe lugen hinter den Sitzen hervor, alle Augen sind auf Freitag gerichtet.
Einen Moment ist der junge Kerl sprachlos, dann sagt er mit fester Stimme:
„Es ist mir egal, wo Sie sich befinden, aber uns lassen Sie bitte in Ruhe.“
Zu seinem Erstaunen befolgt Freitag die Anweisung und dreht sich um. Es wundert ihn nicht mehr, hinter sich auf der Bank einen Mann mit Blumenstrauß vorzufinden.
„Sie werden heute auch noch einen besonders schönen Abend verbringen, nicht wahr? Fahren wohl zu ihrer heimlichen Flamme? Womöglich wartet zu Hause Ihre Frau auf Sie, und Sie treffen sich mit einem schicken jungen Mädchen? Ja, so sind die Männer heute! Kriegen nichts auf die Reihe, und wenn sie es verbockt haben, suchen sie sich eine Neue!“
„Was fällt Ihnen ein!“, presst der Blumenmann zwischen den Zähnen hervor.
„Oh, vieles fällt mir ein. Dieses zum Beispiel!“ – Blitzschnell reißt Freitag ihm den Blumenstrauß aus der Hand und beginnt, die Köpfe der Blumen auszurupfen und das Liebespaar auf der anderen Seite damit zu bewerfen.
„Sie sind wohl verrückt geworden!“, schreit der Blumenbesitzer entzürnt, springt auf und entreißt ihm den Strauß wieder.
„Wer weiß, möglich wäre es“, entgegnet Freitag, packt den Strauß blitzschnell und hastet davon, in Richtung des leeren Zugwagens.
„Ruft die Polizei, der ist bestimmt irgendwo ausgebrochen!“, hört er hinter sich den Bestohlenen rufen. Hinter der Tür steht der Schaffner, der gerade die Karten kontrollieren will; Freitag lässt den Strauß fallen, schubst den Schaffner zur Seite, drückt die Tür des leeren Wagens auf, schiebt sie mit aller Kraft wieder zu und hält sie zu. Er spürt, wie jemand die Tür gewaltsam zu öffnen versucht, lehnt sich mit aller Kraft dagegen.
„Machen Sie die Tür auf!“, ruft jemand von der anderen Seite.
„Ich denke ja nicht daran“, singt Freitag übermütig.
„An der nächsten Station wird die Polizei Sie in Empfang nehmen!“
„Ich freue mich darauf!“, schreit Freitag. „Vielleicht bringt die mich endlich nach Hause!“
„Die bringen Sie höchstens in die Ausnüchterungszelle! Sie sind ja völlig betrunken!“
„Keinen Tropfen habe ich getrunken, aber ich wünschte, man gäbe mir etwas, ich bin ganz ausgetrocknet!“, kräht Freitag.
„Umso schlimmer, dann werden Sie wohl in der Psychiatrie landen“, prophezeit man.
„Nächster Halt Radulfsburg“, dröhnt es aus dem Lautsprecher direkt über seinem Kopf.
„Ich kann es nicht mehr hören, Radulfsburg, das grässlichste Drecksdorf der Welt, in meinem Leben möchte ich dort niemals mehr hin, lieber wohne ich in der Kanalisation oder auf einer Müllhalde!“, schimpft Herr Freitag vor sich hin.
Der Zug kommt zum stehen. Er lässt etwas lockerer, merkt, dass niemand mehr die Wagentür aufschieben will.
„Hallo?“, ruft er.
Keine Antwort. Er blickt aus dem Fenster – sieht den Mann mit dem Blumenstrauß über den Bahnsteig laufen. Mit einem schönen, neuen, intakten Blumenstrauß.
Freitag schluckt, verlässt den leeren Wagen und kehrt in sein Abteil zurück.
Guten Tag, grüßt er, setzt sich gegenüber der strickenden Frau. Man lässt ihn gewähren, niemand nimmt Notiz von ihm, keiner hält ihn fest. Der Mann mit Buch schiebt sich an ihm vorbei, setzt sich, der Zug fährt an. Keine Polizei.
Herr Freitag rührt sich nicht, beginnt erneut zu grübeln.
Musste er nun bis in alle Ewigkeit in diesem verdammten Zug sitzen? Niemand vermisst ihn, niemand wartet auf ihn, niemand bemerkt ihn. Alle scheinen Teil der sich wiederholenden Zeit zu sein, gefangen in ihr, nur er nicht, und doch kann er nicht heraus… Mag das gar eine Bestrafung eines höheren Wesens für seine einfältige Lebensweise sein? Hat das Schicksal sich zur Aufgabe gemacht, ihn in den Wahnsinn zu treiben?
Oder war er schon längst wahnsinnig – war die Welt normal und er war verrückt geworden? Spielte ihm sein Geist einen Streich?
In Gedanken beginnt er, auf seinen Fingernägeln zu kauen. Es schmeckt nach Gras. Er betrachtet die rechte Hand – Reste der abgerissenen Blütenköpfe kleben unter seinen Fingernägeln.
Nein, er hat nicht den Verstand verloren, seine Umwelt scheint tatsächlich in einer unglaublichen, merkwürdigen Weise verzerrt und verändert.
Der Schaffner kommt, kontrolliert die Fahrkarten. Stempelt der strickenden Dame gegenüber ein blütenweißes Ticket.
Wie hatte es angefangen? Mit Besteigen des Zuges, oder vielleicht sogar mit Betreten des Bahnhofs nach der Arbeit.
Den Bahnhof Radulfsburg langfristig zu verlassen war nicht möglich, das hatte er ja längst versucht. Also musste er den Zug anhalten – vielleicht klappte es dann? Vielleicht war die Wurzel allen Übels vorne in der Lok zu suchen, vielleicht saß der Teufel persönlich am Steuer. Dann musste er dorthin und die Tür einschlagen. Dem Teufel gegenüber treten. Soll er ihn mit in die Hölle nehmen, schlimmer als hier konnte es dort nicht sein.
„Nächster Halt Radulfsburg.“
Freitags Magen krampft sich zusammen, sein Herz rast. Er kann es nicht mehr hören, dieses „Nächster Halt Radulfsburg“, länger hält er es nicht mehr aus in diesem verflixten Gefährt. Wie beneidet er die Menschen um sich herum, die nichts von seiner Verzweiflung fühlen, weil sie sie nicht erleben.
Der Blumenmann steigt aus, der Mann mit Buch steigt ein, der Zug fährt weiter.
Herr Freitag hat einen Entschluss gefasst. Es muss etwas geschehen, sofort, keine Sekunde länger erträgt er diesen Zustand.
Zitternd erhebt er sich, klammert sich an seine letzte rettende Idee. Das muss es einfach sein, irgendeine Ursache muss es geben!
Er verlässt seinen Wagen, durchquert den kurzen Flur mit den Zugtüren, öffnet das leere Abteil.
Zu seiner Überraschung ist es nicht leer – der Kartenkontrolleur sitzt auf einer der Bänke. Natürlich, schließlich soll er in wenigen Minuten aus dieser Richtung kommend das andere Abteil betreten.
Der Schaffner blickt auf.
„Ich möchte zum Zugführer“, sagt Freitag ruhig und verbirgt seine zitternden Hände hinter dem Rücken. Der Schaffner mustert ihn mit gehobenen Augenbrauen.
„Brauchen Sie Auskunft über den Fahrplan?“, fragt er, kühl aber freundlich.
Freitag lacht leise in sich hinein.
„So kann man es auch nennen“, antwortet er.
„Nun, die kann ich Ihnen geben. Wohin möchten Sie?“
„Können Sie nicht, ich habe Sie schon gefragt.“
„Wirklich, haben Sie? Nun, ich erinnere mich nicht. Glauben Sie mir, ich sehe so viele Fahrgäste am Tag, da – “  
„Da kann man schon mal ein Gesicht vergessen, ich weiß“, fällt Herr Freitag ihm scharf ins Wort.
„Genau… ja…“, stammelt der Kontrolleur. „Das wollte ich sagen…“
„Glauben Sie mir, Sie können mir nicht helfen. Ich habe schon alles versucht.“ Seine Stimme wird fester und sicherer. „Ich muss zum Zugführer.“
„Während der Fahrt ist das Sprechen mit dem Lokführer aber verboten“, erklärt der Kontrolleur hilflos.
„Ich werde mit ihm sprechen, ob Sie wollen oder nicht!“
„Das glaube ich kaum, die Tür ist nämlich abgeschlossen!“ Leicht panischer Trotz.
Zur Antwort erhält der Schaffner nur ein leises, irres Lachen von Herrn Freitag.
„Bitte, setzen Sie sich wieder auf Ihren Platz! Den Anweisungen des Personals ist Folge zu leisten!“
Herr Freitag lacht als Antwort nur noch lauter, kümmert sich nicht um den Kontrolleur und eilt großen Schrittes auf die Tür am Ende des Wagens zu.
„He, Sie können da nicht einfach reingehen!“ Der Schaffner hechtet ihm nach.
Und ob ich kann, denkt Herr Freitag. Er rüttelt an der Tür, doch wie beim letzten Mal ist sie verschlossen.
„Machen Sie auf, ich habe eine wichtige Frage!“, ruft er. Von drinnen erhält er keine Antwort.
Er zerrt fester an der Tür, schlägt dagegen.
„Aufmachen, haben Sie nicht gehört? Oder soll ich die Tür eintreten?“
Inzwischen ist der Schaffner bei ihm.
„Mach die Tür nicht auf, Johann, hier ist ein Verrückter im Zug! Ruf lieber die Polizei!“
„Die Polizei, ja, die hätte ich gerne!“, schreit Freitag, hämmert mit den Fäusten gegen die dünne Plastiktür und tritt dagegen.
Der Schaffner packt ihn an der Schulter und zerrt ihn unsanft zurück.
„Reißen Sie sich gefälligst zusammen, Sie!“
Als Antwort spürt er die harte Faust eines verzweifelten Herrn Freitag am Auge. Er taumelt, fällt gegen einen Sitz, versucht sich festzuhalten, geht zu Boden.
Herr Freitag bearbeitet weiter die Tür und stellt erfreut fest, dass die Angeln bereits zu wackeln beginnen. Seine Hände und Füße schmerzen, aber es ist egal – jedes Gefühl ist besser als jenes, eigentlich gar nicht zu existieren. Aus den Augenwinkeln beobachtet er, wie der Schaffner möglichst unauffällig auf allen Vieren in Richtung Tür kriecht.
Weiter an der Tür arbeiten! Obwohl Freitag längst ahnt, dass sich dahinter nur ein verschreckter Zugführer verbirgt. Er weiß nicht, was er mit sich und der Welt anfangen soll, lässt seine ganze Angst, Verzweiflung, Ausweglosigkeit und allen Wahnsinn an der unschuldigen Tür aus, die mehr und mehr zu weichen beginnt.
Sie wackelt nun merklich bei jedem Schlag, die obere Angel wird gleich brechen. Er sieht Blutspuren an der Tür, an seinen Fäusten, die Zehen sind Taub, der Schweiß rinnt ihm von der Stirn.
Der Lärm seiner Schläge mischt sich fast musikalisch mit dem Dröhnen des Motors. Noch ein paar mehr, dann wird die Tür fallen! Noch zwei! Noch einer!
Tatsächlich hört er ein Knirschen und Krachen, die Tür bricht aus dem Rahmen.
Vor sich das Führerhaus des Zuges, die Nacht fliegt ihm entgegen, geführt von einem kurzen Stück beleuchteten Gleis, das in ihn hineinfährt. Der Sessel vor den Armaturen ist leer, Freitag schaut nach rechts, links – links! An die Wand gepresst, mit vor Schreck geweiteten Augen, steht der Lokführer, den linken Arm zum Schutz vor dem Oberkörper, in der rechten eine leere Glasflasche.
„Was wollen Sie? Tun Sie mir nichts! Ich habe eine Frau und zwei kleine Kinder zu Hause!“
„Ich will nur nach Altenstein“, erklärt Freitag mit der irren Ruhe eines Mannes, der im Leben nichts mehr zu verlieren hat.
„Wir werden gleich da sein“, zittert der Lokführer. „Die nächste Station ist schon Radulfsburg!“
„Ich weiß“, knurrt Freitag und wischt sich mit der flachen Hand den Schweiß aus dem Gesicht.
„Nur noch ein winziges Bisschen Geduld, ich bitte Sie inständig…“
Die Augen des Lokführers zucken für den Bruchteil einer Sekunde, fokussieren etwas hinter Freitag. Im selben Augenblick fühlt der etwas auf seinen Schädel krachen, eine Explosion im Kopf, doch er spannt alle Muskeln an, reißt sich herum. Hinter ihm stehen die drei Jugendlichen, der Mann, der das Buch dabei hatte und dahinter der Schaffner mit einem blutenden Auge. Einer der Männer hält eine große, metallene Stabtaschenlampe in der Hand. Seine Augen weiten sich vor Schreck, als er begreift, dass Freitag weiter Widerstand leisten wird.
Ohne zu zögern holt Freitag aus, doch einer kann gegen fünfe nicht angehen. Sie zerren ihn von der Tür weg, er schlägt um sich, trifft Ohren, Nasen, Augen, tritt gegen Schienbeine und auf Füße. Dann ein wuchtiger Schmerz in seinem Magen, der sich schnell ausbreitet. Er kann sich nicht mehr halten, stolpert, fällt, liegt. Krümmt sich, würgt. Vor seinen Augen ragt der Metallfuß einer Sitzbank senkrecht in die Höhe, in der Ecke unter der Bank sieht er einen alten Babyschnuller und einen Bleistift liegen. Er schmeckt Blut, hustet.
Da drehen sie ihn auf den Bauch und halten seine Beine fest, jemand dreht ihm einen Arm so brutal auf den Rücken, dass er unwillkürlich vor Schmerz stöhnt. Neben seinem Gesicht steht jemand, er reckt den Kopf, schlägt mit aller Kraft die Zähne ins Bein. Der Gebissene schreit auf vor Schreck und Schmerz und tritt ihm mit schwerem Schuhwerk ins Gesicht. Ein dumpfer Schlag, endlich verliert er das Bewusstsein.

Als es zurückkehrt, braucht er nur wenige Sekunden, um sich selbst wieder zu finden. Als erstes durch Schmerz – in den Händen, im Kopf, im Bauch, im linken Arm, in den Füßen. Er liegt auf hartem Grund. Fühlt die Erschütterung, hört das Rattern. Er will es nicht glauben. Herr Freitag öffnet die verquollenen Augen – sein Blick fällt geradewegs auf den gleichen ausgelutschten Babyschnuller. Daneben die Stütze der Sitzbank. Er ist noch immer im Zug, im fahrenden Zug. Er versucht, sich aufzurichten, doch seine Augen werden ihm schwarz, er lässt sich wieder niedersinken, harrt und wartet, bis die Farben zurückkehren. Da hört er die Abteiltür sich öffnen, langsame Schritte, die rasch schneller werden.
„Herrgott im Himmel, da liegt ja jemand!“, hört er die Stimme des Schaffners.
„Wie kann das sein, ich war doch nur einen kurzen Moment Fahrkarten kontrollieren. Oder sind Sie eben erst in Radulfsburg zugestiegen? Hallo, hören Sie mich?“
Eine besorgte Hand rüttelt an seiner Schulter, dreht ihn auf den Rücken. Er blickt in das Gesicht des Schaffners. Unversehrt, unsicher, erschrocken.
„Was ist denn mit Ihnen passiert? Sind sie überfallen worden? Können Sie sprechen?“
Herr Freitag stöhnt und atmet schwer, nickt nur, versucht, sich aufzusetzen. Diesmal erlauben es seine Augen, doch der Kopf hämmert, als wolle er zerspringen. Der Kontrolleur unterstützt ihn sogleich, Herr Freitag sitzt auf der Bank.
„Wer ist es denn gewesen, doch nicht etwa draußen am Bahnhof? Da müssen Sie Anzeige erstatten! Soll ich die Polizei verständigen?“
Herr Freitag winkt ab, verschnauft.
„Warten Sie nur einen kurzen Augenblick, ich frage mal nach, ob sich ein Arzt im anderen Wagen befindet! Nicht bewegen!“
Er entfernt sich rückwärts mit beruhigenden Handbewegungen, im Gesicht gleichzeitig Sorge und Erleichterung, die Verantwortung auf jemand anderen abzuwälzen.
Kaum ist der Kontrolleur zur Tür hinaus, erhebt sich Herr Freitag, es geht besser als befürchtet. Er streckt die rechte Hand nach dem roten Not-Hammer zum Zerschlagen der Fensterscheibe aus, bekommt ihn zu fassen, schlägt damit auf das Fensterglas ein. Es splittert, fällt, eine weitere Scheibe, auch sie splittert, fällt. Kalte Luft dringt durch das offene Fenster und kühlt sein geschwollenes Gesicht, beruhigt und gibt Hoffnung auf eine neue Perspektive.
Da kommt der Schaffner zurück mit dem Zeitungleser im Schlepptau. Herr Freitag steht auf der Sitzbank, den Kopf in die Nacht gestreckt.
„Was tun Sie da!“, schreit der Schaffner. Er stürzt mit fliegenden Händen auf ihn zu, doch sie ergreifen nur noch die harte Leere von etwas, das man mit aller Kraft zu packen versucht und doch nicht mehr fassen kann.

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BeitragVerfasst am: 02.01.2013 16:03    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
@ Strichpunkt: Ich bin mir nicht sicher, ob du gesehen hast, dass der Text noch weitergeht? Du schreibst "er schießt auf das Ende zu", das Ende kommt aber erst deutlich später.
(...)
Auch die Mischung aus direkter, indirekter und erlebter Rede, innerem Monolog und Beschreibung werde ich auch nochmal unter die Lupe nehmen. Ich habe das extra ein bisschen gemischt, um diesen gewissen Unterton herzustellen, ich kann das schwer ausdrücken - belächelnd, väterlich-gutmütig, fast bedauernd, aber auch berichthaft und sachlich beschreibend wie bei einem wissenschaftlichen Experiment.


Ja, hab ich schon gesehen. Ich meinte einfach das Ende dieses Textabschnittes. Diesen väterlichen Unterton hast du meiner Meinung nach schon gut getroffen, allerdings weiss ich nicht inwiefern die Mischung aus innerem Monolog und erlebter Rede dafür verantwortlich ist. Ich halte andere Details für konstitutiver. Habe dir ja geschrieben das ich die unmittelbare Vermischung nicht optimal finde.
Sehe mir die Fortsetzung an, wenn ich mehr Zeit habe.

Bis dann und Gruss
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Iane
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BeitragVerfasst am: 02.01.2013 23:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Stilblüte,
ersten Teil samt Fortsetzung in einem Rutsch gelesen, nach dieser wunderbar gestörten Geschichte kann ich jetzt beruhigt ins Bett gehen.
Toll finde ich im ersten Teil, wie dein Herr Freitag von einem Detail, das in sein Blickfeld gerät, auf den nächsten Gedanken kommt und diesen weiterspinnt... man gleitet so schön flüssig durch seine Gehirnwindungen durch, als wären es die eigenen.
Herzlichen Glückwunsch zu diesem schönen Text!

Liebe Grüße,

Christianekaffeesahne
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