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Das Herz

 
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paradoxon
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 25
Beiträge: 18
Wohnort: Roßhalde


BeitragVerfasst am: 03.12.2012 01:00    Titel: Das Herz eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das Herz

Fettiges Schmalz schlängelt sich um seine Finger, zerfetztes Bohnenkraut klebt an seiner blasen Lippe, ein zerstückeltes Schweineherz schwimmt auf seinem Teller.
Ein Stück Herz verschwindet – hat er die Hohlvene erwischt? Der Pfandleiher verzieht das Gesicht, greift nach der Pfefferdose, doch sie gleitet ihm aus den Fingern. Er wischt den Schmalz an den Servietten ab, greift erneut zur Dose und streut etwas Pfeffer über seinen Teller.
Ein Stich ins nächste Stück Herz. Blutbraune Brühe tropft. Da schrillen die Glocken.
„Wir haben geschlossen. Ab zwei ist wieder geöffnet!“, ruft er in Richtung Eingangstür, doch das Herzstück im Mund fängt die Wörter ab.
Erneutes Glockenschrillen.
Das Herzstück gleitet hinab, der Mund ist leer.
„Wir haben geschlossen. Ab zwei ist wieder geöffnet“, ruft der Pfandleiher, doch diesmal fängt die Tür die Wörter ab.
Da erhebt er sich, wischt sich erneut Schmalz von den Fingern und stampft in Richtung Tür.
Schrillen.
„Geduld, Geduld...“

Ein kalter Luftzug beißt dem Pfandleiher ihn die Wangen, als er die Türe öffnet. Vor ihm steht ein kleiner, hagerer Mann, das Gesicht so weiß wie der Schnee, der ihm auf Mantel und Hut liegt.
„Tut mir leid, mein Herr. Erst ab zwei Uhr ist wieder geöffnet“, sagt der Pfandleiher, auf ein goldenes Schild deutend.
„Wird nicht lange dauern, außerdem es sind ja nur noch fünfzehn Minuten“, antwortet der Mann. Einzig der Wind mit seinen gnädigen Stößen sorgt dafür, dass der Pfandleiher die leisen Worte versteht.
„Nun gut, kommen sie herein, die Kälte ist ja unerträglich!“
Die beiden treten ein, der Pfandleiher drückt die Türe zu, der Wind drückt dagegen.
„So, nun erst einmal ein herzliches Willkommen. Wie kann ich Ihnen helfen?“, fragt der Pfandleiher, nachdem er seinem Kunden gegenüber sitzt.
Dieser knöpft seinen Mantel auf und hängt ihn über die Stuhllehne, seine Finger zittern bei jeder Regung.  
„Nun? Wie kann ich Ihnen helfen?“  
Der Kunde knüpft sein Hemd auf, Knopf für Knopf offenbart er mehr Haut, dann lässt er auch das Hemd über die Stuhllehne gleiten. Er sitzt ohne Oberteil vor dem Pfandleiher.
„Entschuldigen Sie, kann ich Ihnen helfen? Was tun sie denn?“

Da schaut der Kunde dem Pfandleiher in die Augen, greift sich an die linke Brust und flüstert: „Ich möchte Ihnen mein Herz leihen.“  
„Ich verstehe nicht richtig? Aber bitte, ziehen Sie sich doch erst einmal wieder ihr Hemd an!“
„Was verstehen Sie nicht? Ich möchte ihnen mein Herz leihen“
„Aber mein Herr, was meinen Sie denn?“
Der Kunde nimmt die Finger von der Brust und legt sie auf die Backe des Pfandleihers. Dieser springt auf, blinzelt nervös: „Mein Herr, ich denke es ist besser, wenn Sie nun gehen.“
„Haben sie das gespürt?“
„Was gespürt?“
„Mein Herz. Gerade eben, als ich sie berührt habe.“
„Bitte verlassen Sie das Haus.“
„Haben Sie es gespürt?“
„Nein, ich habe nichts gespürt. Ich sagte, sie sollen das Haus verlassen!“
„Aber ich möchte Ihnen mein Herz leihen.“
„Ja, weshalb denn?“
„Es ist mir nichts mehr wert. Für Sie, für Sie hat es jedoch Wert.“
„Ich verstehe immer noch nicht. Sie können mir doch nicht Ihr Herz leihen!“
„Natürlich kann ich. Ich verleihe es doch tagtäglich. Nie gehört es mir. Mein Herz ist nur das Tauschgeld der Anderen.“
„Sie sind ja verrückt... Bitte ziehen Sie sich an und gehen!“
„Ich gehe, wenn mein Herz an Sie verliehen ist.“
„Aber... Was erwarten sie denn als Gegenleistung?“
„Einzig ein Messer.“
„Ein Messer? Wir verleihen hier Geld. Keine Messer.“

Plötzlich springt der Kunde auf, macht einige Schritt zum anderem Tisch im Raum, auf dem noch die Mahlzeit des Pfandleihers steht, greift in den Teller und wirft den Inhalt auf den Boden.
„Sie leihen doch Herzen! Selbst von einem Schwein! Und meines wollen Sie nicht leihen!“, brüllt der Kunde.
Der Pfandleiher starrt auf das blutbraune Gemisch am Boden. Dann hebt er vorsichtig den Kopf, tritt ebenso zum, greift nach dem dort liegenden Messer, drückt es dem Kunden in die Hand und tritt zitternd zurück. Der Kunde blickt dem Pfandleiher in die Augen, klammert sich ans Messer, und beginnt zu weinen. „Danke ... vielen Dank. Sie geben mir, was man mir genommen: Ehrliche Beachtung.“
Da sticht er sich das Messer ins Herz und fällt auf die Knie.

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crim
Geschlecht:männlichsex, crim & rock'n'roll


Beiträge: 1331
Wohnort: München
Die lange Johanne in Gold Lezepo 2015
Pokapro und Lezepo 2014 Pokapro VII & Lezepo V



BeitragVerfasst am: 03.12.2012 12:22    Titel: Antworten mit Zitat

Im ersten Absatz ahne ich bereits, dass diese Geschichte noch eine tiefergreifende Aussage bekommen soll. Die Zeichnung des Pfandleihers ist widerlich. Vermutliche Thematik: Vegetarismus.

Der zweite Absatz gefällt mir. Die Details mit dem Wind schaffen eine gute Atmosphäre.

Gut, was sich bereits im Titel angedeutet hatte, bestätigt sich. Dies ist eine von mindestens zwei Herz-Verleih-Geschichten. Der Kunde kommt mir sehr hysterisch vor. Auch hier schwingt eine Thematik mit, eine andere plötzlich. Tippe auf Gefühlskälte der Gesellschaft.

Im Schlussakkord mischen sich beide Thematiken. Achtung Holzhammer, zieh den Kopf ein. Das hat die Überzogenheit einer Oper. Ich werde nicht warm damit, die andere Herzgeschichte im Wettbewerb gefällt mir besser.

Aller Wahrscheinlichkeit nach nur drei Federn.

LG Crim
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Stimmgabel
Geschlecht:männlichBestseller-Autor


Beiträge: 4398
Wohnort: vor allem da
Bronzener Sturmschaden Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 03.12.2012 14:04    Titel: Antworten mit Zitat

-

Ein schöner surrealer Text in der direkten Bildebene Wink

Auch das scheinbar noch tropfende, blutgefüllte Herz, dass der Pfandleiher gerade verspeist ... (... gibt schon eine textweisende Vorab-Linie ...) / ... schöne Überspitzung Smile

Doch - verstehe ich hier folgende Text tragende Aussage in ihrer Tiefe dennoch nicht so recht:

Text hat Folgendes geschrieben:

Sie können mir doch nicht Ihr Herz leihen!“
„Natürlich kann ich. Ich verleihe es doch tagtäglich. Nie gehört es mir. Mein Herz ist nur das Tauschgeld der Anderen.“

, klammert sich ans Messer, und beginnt zu weinen. „Danke ... vielen Dank.  Sie geben mir, was man mir genommen: Ehrliche Beachtung.“
Da sticht er sich das Messer ins Herz und fällt auf die Knie.


Meine Frage: Wieso tausche ich generell in Kommunikation mit anderen mein Herz? Müsste es hier im Teller nicht etwas anderes bildlich sein?
Klar, hier gehts um eine Figuration - dennoch, aber gleich mit dem quasie Bio-Lebensmotor aufzuwarten, scheint mir übertrieben, oder?

Gerne hier reingeschaut - sprachlich in Kombination mit den Dialogen gut umgesetzt! / Grüße Stimmgabel

-


_________________
Gabel im Mund / nicht so hastig...
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Aiyra
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 24
Beiträge: 82



BeitragVerfasst am: 03.12.2012 20:32    Titel: Antworten mit Zitat

Originell, aber irgendwie verstörend.
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Keren
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 25
Beiträge: 298
Wohnort: Die alte Kaiserstadt


BeitragVerfasst am: 03.12.2012 21:51    Titel: Antworten mit Zitat

Oho, ein sehr philosophischer Text. Gefällt mir.

Ich mag deinen Stil sehr gerne, die kleinen Umschreibungen, die die Szene erst wirklich lebendig werden lassen. Mir gefällt auch die Tragik in der Geschichte, die Sozialkritik (die ich da rauslese bzw reininterpretiere). Auch gefällt mir die Umsetzung der Aufgabenstellung. Schön gemacht.
Falls du noch Fragen haben solltest, gerne per PN.


_________________
Ich weiß, dass ich nichts weiß.
- Sokrates

Und der Tod warf die Sense hin und stieg auf den Mähdrescher, den es ward Krieg.
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Zauberstift
Geschlecht:weiblichHonigkuchenpferd

Alter: 41
Beiträge: 471



BeitragVerfasst am: 03.12.2012 22:57    Titel: Antworten mit Zitat

auch hier wieder.. fängt gut an, aber zum Ende wird es mir zu unglaubwürdig...lg
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KeTam
Geschlecht:weiblichUngeduld

Alter: 45
Beiträge: 6762

Das goldene Gleis Ei 1
Ei 10 Ei 8


BeitragVerfasst am: 04.12.2012 10:50    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde deinen Text sehr atmosphärisch, man spürt die Kälte, das Ungemütliche beim Lesen förmlich.
Sehr düster dein Text.
Hat mir "gefallen". uah. *schüttel*. Blink
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OrangeHair
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 49
Beiträge: 109
Wohnort: Wien


BeitragVerfasst am: 04.12.2012 11:21    Titel: Antworten mit Zitat

Uhhhh, schön gruselig! Und die Story in von vorne bis hinten schlüssig.
Gut gemacht. Setzen! Very Happy

LG Orange
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crim
Geschlecht:männlichsex, crim & rock'n'roll


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Wohnort: München
Die lange Johanne in Gold Lezepo 2015
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BeitragVerfasst am: 04.12.2012 12:22    Titel: Antworten mit Zitat

Nachtrag: Ich korrigiere mich, diese Geschichte bietet mehr Atmosphäre als die andere Herzgeschichte, bei der anderen gefiel mir nur besser, dass das Herz im Karton liegt und nicht noch in der Brust steckt, sowie eine etwas weniger melodramatische Herangehensweise. Im Vergleich gebe ich doch vier Federn.
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mati
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Beiträge: 209



BeitragVerfasst am: 04.12.2012 15:34    Titel: Antworten mit Zitat

Plot: Äh, wie bitte? Männlein will sein Herz verleihen und reagiert unwirsch, weil man das nicht für normal hält und wirft daraufhin das Essen des Pfandleihers auf die Erde, worauf der Pfandleiher ihm ein Messer in die Hand drückt, das Männlein sich wegen der Aufmerksamkeit bedankt und es in seine eigene Brust rammt. Ist das der Plot? Glaube, für solchen starken Tobak muss ich noch ein bisschen reifen. Das ist definitiv der Stockhausen unter den Texten.

Stil:
Zitat:
Die beiden treten ein,
Nee, der Pfandleiher ist schon drinnen und lässt nur das Männchen rein.
Zitat:
... der Pfandleiher drückt die Türe zu, der Wind drückt dagegen
Das stelle ich mir gerade bildlich vor.
Zitat:
Der Kunde nimmt die Finger von der Brust und legt sie auf die Backe des Pfandleihers. „Haben sie das gespürt?“
Schon wieder so ein Männerding, diesmal habe ich es sogar sofort verstanden.

Ich glaube nicht, dass die Geschichte so komisch gemeint war, wie sie rüberkam.


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hexsaa
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BeitragVerfasst am: 04.12.2012 19:31    Titel: Antworten mit Zitat

Die Idee, die hinter dem Text steckt, gefällt mir gut. Mit ausreichend Zeit hätte man etwas Tolles drauß machen können. Die Beschreibung am Anfang emfpinde ich als übertrieben und gewollt abstoßend. Zudem hätte ich mir gewünscht zu erfahren, warum dem Mann sein Herz nichts mehr wert ist. Mir ist auch nicht klar, warum das Überreichen eines Messer ehrlicher Beachtung gleicht. Insgesamt lässt der Text viele Fragen offen.


LG
hexsaa


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Das ist okay, man kennt mich dort.
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MosesBob
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BeitragVerfasst am: 04.12.2012 20:10    Titel: Re: Das Herz Antworten mit Zitat

Hallöchen!

Licht und Schatten. Am besten bist du dann, wenn du nicht versuchst, eklig zu schreiben. Der Anfang zum Beispiel ist grau-en-haft! Er klingt wie gewollt und nicht gekonnt:

Zitat:
Fettiges Schmalz schlängelt sich um seine Finger, zerfetztes Bohnenkraut klebt an seiner blasen Lippe, ein zerstückeltes Schweineherz schwimmt auf seinem Teller.

Schon die ersten drei Wörter überbieten sich in einer unnötigen, gewollt-degoutanten Orgie. Als das Bohnenkraut dann auch noch zerfetzt ist, musste ich fast lachen. Ich dachte mir: Was kommt als nächstes? Rippchen mit Torsionsfraktur? Eine Schweinshaxe mit einem Teilabriss des Syndesmosebands? Lammrücken mit Querschnittslähmung?

Versuch mal, die erste Szene neu zu schreiben, ohne dich dieser ekelexzessiven Ausreißer zu bedienen. Wenn du es mit blutigem Pathos übertreibst, geschieht das genaue Gegenteil von dem, was du erreichen wolltest: es klingt lächerlich. Und zwar noch nicht mal im positiven Trash-Sinne lächerlich. Es klingt einfach nur ... lächerlich. Deine nächste Aufgabe nach diesem Wettbewerb lautet: Beschreibe ein ekliges Essen ohne Effekthascherei. Beschreibe einen ... ja, warum eigentlich nicht? Beschreibe einen BigMäc. Laughing

So, jetzt hat's genug auf die Rübe gegeben. Eigentlich ist es ja rhetorisch ungünstig, zuerst mit den negativen Punkten ins Haus zu fallen. Ich setze einfach mal voraus, dass du das abkannst. Wenn ich mich da täusche und du schon jetzt aufgehört hast, meinen Kommentar zu lesen, entgeht dir das, was mir an deiner Geschichte irrsinnig gut gefallen hat:

Guy Incognito hat Folgendes geschrieben:
Da schaut der Kunde dem Pfandleiher in die Augen, greift sich an die linke Brust und flüstert: „Ich möchte Ihnen mein Herz leihen.“
„Ich verstehe nicht richtig? Aber bitte, ziehen Sie sich doch erst einmal wieder ihr Hemd an!“
„Was verstehen Sie nicht? Ich möchte ihnen mein Herz leihen“
„Aber mein Herr, was meinen Sie denn?“
Der Kunde nimmt die Finger von der Brust und legt sie auf die Backe des Pfandleihers. Dieser springt auf, blinzelt nervös: „Mein Herr, ich denke es ist besser, wenn Sie nun gehen.“
„Haben sie das gespürt?“
„Was gespürt?“
„Mein Herz. Gerade eben, als ich sie berührt habe.“
„Bitte verlassen Sie das Haus.“
„Haben Sie es gespürt?“
„Nein, ich habe nichts gespürt. Ich sagte, sie sollen das Haus verlassen!“
„Aber ich möchte Ihnen mein Herz leihen.“
„Ja, weshalb denn?“
„Es ist mir nichts mehr wert. Für Sie, für Sie hat es jedoch Wert.“
„Ich verstehe immer noch nicht. Sie können mir doch nicht Ihr Herz leihen!“
„Natürlich kann ich. Ich verleihe es doch tagtäglich. Nie gehört es mir. Mein Herz ist nur das Tauschgeld der Anderen.“
„Sie sind ja verrückt... Bitte ziehen Sie sich an und gehen!“
„Ich gehe, wenn mein Herz an Sie verliehen ist.“

Kleiner Wermutstropfen: Ich halte nicht den kompletten Dialog für irrsinig gut. Irrsinnig gut finde ich die Stelle, in der der Pfandleiher gefragt wird, "ob er es gespürt hat". Das hat sogar Gänsehaut-Charakter. Meiner Meinung nach ist der Dialog die stärkste Stelle in deiner Geschichte. Klar, in der begleitenden wörtlichen Rede sowie hier und da am Ausdruck kann man noch was schönschleifen. Aber davon abgesehen zeigt der Dialog Wirkung.

Das Ende der Geschichte gehört dann in die Horror B-Movie-Sparte. Obendrein war es noch vorhersehbar, aber das will ich bei der Befederung gar nicht zum Abzug bringen. Unterm Strich bleibt für mich eine Story, aus der mit etwas mehr Geschick, etwas mehr Mäßigung und einen Tick mehr Sprachgefühl was irre Gutes hätte werden können. So aber belasse ich es bei fünf Federn.

Beste Grüße,

Martin


_________________
Das Leben geht weiter – das tut es immer.
(James Herbert)

Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt untergeht, wird die eines Experten sein, der versichert, das sei technisch unmöglich.
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Der Weise lebt still inmitten der Welt, sein Herz ist ein offener Raum.
(Laotse)
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wunderhuhn
Schreiberling


Beiträge: 175

Der bronzene Spiegel - Prosa


BeitragVerfasst am: 05.12.2012 01:59    Titel: Antworten mit Zitat

Eine Geschichte mit einem sehr ungewöhnlichen, interessanten Plot.

Der Anfang ist ziemlich gewöhnungsbedürftig, wenn man so gar kein Fan von Fleisch und Innereien ist lol2 Dennoch gefällt mir an diesem Anfang, dass er einen thematischen Bezug zum Rest der Geschichte aufweist und in gewisser Weise sogar einen Kreis mit dem Ende bildet. Auch kommt der Pfandleiher als fettfingriger, widerlicher und roher (ich will nicht sagen: herzloser *g* ) Typ ziemlich eindrücklich rüber.

Zitat:
Ein Stück Herz verschwindet

Auch wenn mir aus den Sätzen davor eigentlich hätte klar sein müssen, dass da gerade jemand isst, erschien mir diese Stelle ein bisschen zu abstrakt, zu wenig bildhaft. Vielleicht könnte man da einfach noch so etwas wie "in seinen Mund" ergänzen, um die Aussage zu konkretisieren.

Zitat:
Der Kunde nimmt die Finger von der Brust und legt sie auf die Backe des Pfandleihers. Dieser springt auf, blinzelt nervös: „Mein Herr, ich denke es ist besser, wenn Sie nun gehen.“

Hier musste ich schmunzeln, der leichte homoerotische Anklang gefiel mir (oder sehe nur ich den hier? Embarassed ) und ehrlich gesagt hielt ich es hier sogar noch für möglich, dass sich das Ganze zu einer (wenn auch etwas seltsamen) Romanze auswachsen könnte. (Ich habe zugegebenermaßen aufgrund des Titels auch ein wenig auf Romantik gehofft. Wie falsch ich doch lag. Sich kaputt lachen)

Was sich mir nicht so ganz erschließt, ist die Logik mit dem "Herz verleihen".
Wenn ich es für mich aufdrösele, erkenne ich das: Der hagere Mann möchte dem Pfandleiher sein Herz verleihen. Laut eigener Aussage verleiht er es jeden Tag. Zum Tausch möchte er ein Messer. Er bekommt das Messer und sticht sich dann in sein Herz.
Meine Überlegungen: Verleiht er sein Herz immer auf diese Weise? Vermutlich nicht, denn dann könnte er wohl kaum am Leben sein; zudem unterscheidet sich diese Verpfändung ja von den anderen Verleihungen ja offenbar dadurch, dass der Pfandleiher ihn anders behandelt hat, als alle anderen es tun, sonst hätte der Mann ja keine "ehrliche Beachtung" dadurch erfahren können. Aber worin besteht eigentlich die ehrliche Beachtung? Dass der Pfandleiher dem Wunsch des Mannes nach dem Messer stattgegeben hat? Wie haben ihn dann andere vorher immer behandelt?
Du siehst: Fragen über Fragen auf meiner Seite -- was nichts Schlechtes sein muss! Aber so richtig blicke ich eben nicht durch und das wäre wohl das, wo ich am ehesten zu einer Überarbeitung und Strukturierung der gesetzten Hinweise an die Leser_innen raten würde. Vielleicht hat hier auch schlicht die Zeit gefehlt, um noch weitere Erklärungen liefern zu können.
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Nordlicht
Geschlecht:weiblichWaldschrätin


Beiträge: 4192



BeitragVerfasst am: 05.12.2012 04:41    Titel: Antworten mit Zitat

Laughing Oooookay, mal eine ganz andere Interpretation der Aufgabe. Coole Idee! Ich war von dem Einstieg erst etwas angenervt und dachte, du hättest ihn das Herz bloß zwecks Ekelpotential essen lassen, da du auch etwas darauf herumzureiten scheinst, aber dann wurde ich ja eines besseren belehrt smile extra Würde trotzdem 2x Herzstücken aus dem Anfang streichen.
Es war unterhaltsam zu lesen, das Hickhack mit der Herzleiherei dehnt sich vllt etwas. Sprachlich weder große Höhenflüge noch irgendwelche Aussetzer – eine ganz witzige Geschichte.


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BeitragVerfasst am: 05.12.2012 22:54    Titel: Antworten mit Zitat

Mit der Lyrik bin ich durch, da waren meine Bewertungen geringfügig detailfreudiger. Bei der Prosa erlaube ich mir einen neutralen Befederungskommentar. Zu den Texten, die mir besonders gut gefallen haben, schreibe ich später evtl. noch ein paar ausführlichere Zeilen.

Quergelesen habe ich bereits - es sind ein paar sehr tolle Geschichten dabei. Wirklich schlechtes Textmaterial habe ich nicht gefunden. Trotzdem werde ich der Fairness halber die Federmöglichkeiten von 1-9 ausschöpfen - der Abgrenzung wegen. Wer also eine 1 von mir bekommt, hat deswegen keine grottenschlechte Geschichte, sie ist halt nur nicht so gut wie die mit einer 9. wink

Daumen hoch für alle, die die Vorgaben begriffen haben und in der kurzen Zeit eine stimmige Geschichte in die Tasten hauen konnten. Ich Depp habe sowohl das Essen als auch das Plakat am Anfang ignoriert und mein Text wurde disqualifiziert.

Aber wenn ihr dann alle eure Federchen habt, dürft ihr meinen geistigen Erguss trotzdem lesen. So lange kann ich auch noch warten. smile

LG, Ana
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BeitragVerfasst am: 06.12.2012 15:22    Titel: Antworten mit Zitat

Moin,  smile

schön, dass du dich ebenfalls getraut hast, beim FFF mitzumachen. Dazu noch mit einem sehr ungewöhnlichen Text. Daumen hoch

Mein Herz hat er bisher leider noch nicht berührt ... mal sehen, bestimmt lese ich ihn in den nächsten Tagen noch einmal.  Wink


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Beobachter
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BeitragVerfasst am: 06.12.2012 18:41    Titel: Antworten mit Zitat

Wow. Krasse Geschichte, wunderbar umgesetzt, schön formuliert. Gefällt mir richtig gut.

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Stil ist die Fähigkeit, komplizierte Dinge einfach zu sagen - nicht umgekehrt.
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Nordlicht
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BeitragVerfasst am: 07.12.2012 01:53    Titel: Antworten mit Zitat

Ich befedere diesmal nicht, möchte dir aber sagen, dass du auf meiner Favoritenliste auf Platz drei liegst smile

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hobbes
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Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 07.12.2012 11:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hm. Keine Ahnung, was ich hiervon halten soll. Ernst nehmen kann ich es irgendwie nicht. Also als echte, wahre, realistische Geschichte lesen. Aber was dann? Leider habe ich auch keine große Lust, lange zu suchen bzw. alles noch ein paar Mal zu lesen. Das liegt hauptsächlich an der Beschreibung zu Anfang. Da vergeht mir der Appetit. Hm. Tut mir leid, das ist irgendwie so gar nicht meins.
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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 07.12.2012 14:54    Titel: Antworten mit Zitat

Für mich ist diese Geschichte nicht schlüssig. Das Unglück dieses "Herzverleihers" erschließt sich mir nicht. Vielleicht hätte man das mit einer Rückblende aus seiner Sicht klarer darstellen können. Oder er hätte dem Pfandleiher etwas aus seinem Leben erzählen müssen.
So besteht nun ein Großteil des Textes aus einem Dialog, der nirgends hinführt.

Der Vergleich des Menschenherzens mit dem Schweineherzen wirkt auf mich sehr bemüht. Von einem Verleih oder einer Verpfändung kann man auch nicht sprechen, da kein Preis ausgehandelt wird und der Besucher am Schluss stirbt.

Sorry, das reicht m. E. nur für drei Federn.

LG
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Jenni
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Beiträge: 4022

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 08.12.2012 21:55    Titel: Antworten mit Zitat

Also erstmal, muss das sein mit dem sauekligen Essen, vor allem das mit der Hohlvene?!  Du-Du-Du! Da vergeht mir echt der A(p)petit.

Die Geschichte selbst spricht mich leider nicht an. Ein Geistesgestörter, und der Pfandleiher gibt ihm das Messer, um sich zu erstechen. Warum? Ist das metaphorisch gemeint? Dann hätte ich mir ein paar Ansatzpunkte gewünscht, wie ich das zu lesen habe.
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The Brain
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Beiträge: 2363
Wohnort: Over the rainbow


BeitragVerfasst am: 09.12.2012 10:35    Titel: Antworten mit Zitat

mmmhhhhh ... was möchte uns der Autor hier mitteilen? Grübel ...
Die Botschaft kommt bei mir nicht an.

Leider ....


Liebe Grüße

Brain


_________________
Dinge wahrzunehmen,
der Keim der Intelligenz

(Laotse)

***********

Die Kindheit endet nicht mit dem Erwachsenwerden.
Sie begleitet dich durch all deine Lebenstage.

***********

Alle Bücher dieser Welt
Bringen dir kein Glück,
Doch sie weisen dich geheim
In dich selbst zurück.

(Hermann Hesse)
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