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palomina
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 199



BeitragVerfasst am: 22.11.2012 08:13    Titel: Zum Ausgleich eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Zum Ausgleich


Vorgärten, penibel ausgerichtet,
schablonbeschnitten, trübergeben,
stehen an vor kleinkarierten Stoffgardinen,
um dem Morgen etwas abzuluchsen,
das ihn unvergesslich macht.

Während es Kompromisse nieselt,
genau in dem Moment,
als ein Jogger in Hundekot tritt,
verbrenne ich mir die Zunge.

Die Tasse bleibt halbvoll zurück:
Mantel und Schal, ein Blick in den Spiegel.
Spät ich bin dran.

Da siehst du mich an,
siehst mich an.
Siehst mich.



_________________
Es ist schon Gras gewachsen
über unsren Himmel.
An manchen Stellen ist es blau
und gleich daneben ausgebrannt.
(palo 2011)
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Aranka
Geschlecht:weiblichBücherwurm


Beiträge: 3366
Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
Lezepo 2017 Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 22.11.2012 10:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo palomina,

gefällt mir! Beobachtungen des Alltags, eine alltägliche Szene, man hat sie gleich vor Augen, man spürt dieses „immer das Gleiche“ und dann diese Winzigkeit am Schluss, die dem Morgen dann ein „Fünkchen Besonderheit“ verleiht (ihm etwas abluchsen konnte ).

Keine besondere Begebenheit, kein großartiges Ereignis, eine minutiös betrachtete Umgebung. Es ist die Wortwahl und das Miteinander der Worte, welches die Sicht des LI, die Stimmung dieses Morgens greift, welches die Gedankenebene darunter für den Leser öffnet.

Die 1. Strophe zeichnet das Bild der Umgebung und so Worte wie: penibel/trübergeben/schablonenbeschnitten/kleinkarriert werden durchlässig und lassen dieses Bild vibrieren.

In die 2. Strophe kommt Bewegung, die vom LI registriert wird. Eine winzige Szene, die einen kurz schmunzeln lässt. Wer kennt das nicht?

Die 3. Strophe fasst kurz die Situation des LI. Auch sie lässt, trotz der simplen Dinge die benannt werden Deutungen zu, wie "die halb volle Tasse". Einfach eine gute Collage, der Beobachtungen. Ein wenig stutze ich über die Satzverdrehung: Spät ich bin dran. Ich denke: du möchtest die Wirkung des „ich bin dran“ erzielen und den Reim zur nächsten Strophe.

Die 4. Strophe zeigt auch sprachlich gut umgesetzt den Moment, wo der Morgen den Atem anhält. Die Zeilen werden kürzer, was in ihnen geschieht immer intensiver.

In meinen Augen ein guter Aufbau und eine ganz präziser Einsatz der Worte.

Gefällt mir sehr, gerne gelesen. Liebe Grüße Aranka


_________________
"Wie dahingelangen, Alltägliches zu schreiben, so unauffällig, dass es gereiht aussieht und doch als Ganzes leuchtet?" (Peter Handke)

„Erst als ihm die Welt geheimnisvoll wurde, öffnete sie sich und konnte zurückerobert werden.“ (Peter Handke)
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palomina
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 199



BeitragVerfasst am: 22.11.2012 10:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Aranka,

deine Worte freuen mich sehr, du wanderst den Text entlang, genau so, wie ich mir das vorgestellt habe -  und ich glaube, du kommst auch genau an der Stelle raus, die ich anvisiert habe. Smile

Zu der Verdrehung in der vorletzten Strophe, da ist mir schlicht ein Fehler unterlaufen:
Ich hatte erst: "Ich bin spät dran", wollte dann aber das "spät" betont an den Anfang stellen: "Spät bin ich dran", nicht unbedingt nur des Reimes wegen, aber schon auch, weil ich mag, wenn man sich zuletzt doch noch einen Reim auf all die Nebensächlichkeiten mach kann.

Ein herzliches Danke für dein Eintauchen in diese Morgenstimmung und lass dich mal so richtig ANSEHEN!

Liebe Grüße, palo


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An manchen Stellen ist es blau
und gleich daneben ausgebrannt.
(palo 2011)
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palomina
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 199



BeitragVerfasst am: 22.11.2012 10:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zum Ausgleich


Vorgärten, penibel ausgerichtet,
schablonbeschnitten, trübergeben,
stehen an vor kleinkarierten Stoffgardinen,
um dem Morgen etwas abzuluchsen,
das ihn unvergesslich macht.

Während es Kompromisse nieselt,
genau in dem Moment,
als ein Jogger in Hundekot tritt,
verbrenne ich mir die Zunge.

Die Tasse bleibt halbvoll zurück:
Mantel und Schal, ein Blick in den Spiegel.
Spät bin ich dran.*

Da siehst du mich an,
siehst mich an.
Siehst mich.




* Fehlerkorrektur: Satzstellung


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über unsren Himmel.
An manchen Stellen ist es blau
und gleich daneben ausgebrannt.
(palo 2011)
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last-virgin
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 71
Beiträge: 596
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 22.11.2012 11:02    Titel: re Antworten mit Zitat

Guten Morgen Palomina,

Dein Gedicht gefällt mir sehr gut.
Was kann der Alltag schon ausrichten, wenn man so in den Tag geht, so gesehen. Was für ein schöner Moment, der ohne Worte so tief geht.

lg
last-virgin


_________________
Das "Ganze" ist mehr als die Summe seiner Einzelelemente.
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palomina
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 199



BeitragVerfasst am: 22.11.2012 14:44    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

.

Danke, Last-Virgin,

es freut mich natürlich, wenns gefällt. Very Happy
Da soll noch einmal jemand behaupten, es gäbe keine Magie im Alltag Wink .

Vielen Dank und liebe Grüße, palo


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firstoffertio
Geschlecht:weiblichShow-don't-Tellefant


Beiträge: 6083
Wohnort: Irland
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BeitragVerfasst am: 22.11.2012 23:15    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist gut. Mir gefällt, wie du sprachlich die "schnelle" Situation und Stimmung des Morgens einfängst, und doch anderes anklingen lässt. Besonders mag ich "während es Kompromisse nieselt".
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Berni
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Alter: 63
Beiträge: 2471
Wohnort: Südhessen (aus NRW zugelaufen)


BeitragVerfasst am: 22.11.2012 23:57    Titel: Antworten mit Zitat

Lb. palomina,

mir gefällt der Text auch. Was zunächst aussieht wie eine reine Beobachtung und Beschreibung, wird in dem für mich stärksten Abschnitt des Textes

Zitat:
Während es Kompromisse nieselt,
genau in dem Moment,
als ein Jogger in Hundekot tritt,
verbrenne ich mir die Zunge.


dann auf die Spitze getrieben. Bewegung, ein Lacher, Schmerz. Dann alles zurücklassen, Aufbruch. Oder doch nicht ...?

Sehr gern gelesen.

LG
Bernd
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palomina
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 199



BeitragVerfasst am: 23.11.2012 09:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo und guten Morgen, ihr beiden,

das liest frau natürlich immer gern, dass es gefällt. Danke für euer Feedback. Very Happy


@ firstoffertio,
mit den nieselnden Kompromissen, das ist eine recht hinterhältige Sache, man bemerkt es zumeist erst spät und kann dann nicht mehr genau sagen, wann es angefangen hat.
Ich liebe sie (die Kompromisse) nicht, aber ich lebe mit ihnen.
Danke für deine positive Einschätzung und Rückmeldung.


@ Berni,
ja so ist es mit den Lachern und dem Schmerz, meist sind sie irgendwie ineinander verwoben.
"Sich die Zunge verbrennen" muss nicht unbedingt mit heißem Kaffee zusammenhängen. So sagt man bei uns auch, wenn man etwas anspricht, das unangenehme/schmerzliche Konsequenzen nach sich zieht. Aber wahrscheinlich ist das ohnehin allen klar und ich erklär schon wieder zu viel. Danke dir fürs Herauspicken deiner Lieblingsstelle, für Gedankenmachen und Mitteilen.


Euch beiden liebe Grüße, palo


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(palo 2011)
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