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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Wörterwogen


 

 
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Lovecraft
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 28
Beiträge: 76
Wohnort: Zürich


BeitragVerfasst am: 12.11.2012 23:36    Titel: Wörterwogen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Am Abend geht ein Raunen durch alle Bücher,
dass Blätter flackern, Wörter fliegen,
und Sätze sich in Wolken wiegen,
als wären Wolken Wasserspiegel.

Sie greifen rein ins leichte Leben
und leben fackelnd Melodien entgegen,
die Wort, ja Lust sind und Verehrung
erstorbner Taten, die still weiterleben
in Menschen, die mein Herz bedenken
an jedem Ort, zu jeder Zeit.

Meine Winde flüstern tief
in die Abendluft hinein,
bringen Morgenduft mir Heim
an den Ort des Wörterwogens.
Ja, dann seh’ ich längst gefühlte Dinge
ja dann schmeck’ ich Lust im Wein,
und wenn ich still Ringe rauche
in ein warmes Licht hinein,
hör ich flackernd Wörter wogen,
hör ich Raunen, Wind und Sein.



_________________
"That is not dead which can eternal lie / And with strange aeons even death may die." - H. P. Lovecraft
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lilli.vostry
Wortschmiedin


Beiträge: 1175
Wohnort: Dresden


BeitragVerfasst am: 13.11.2012 00:42    Titel: aw:Wörterwogen Antworten mit Zitat

Hallo Lovecraft,

ein sehr schönes athmospärisches Gedicht ist das über die Lust am Spiel mit den Worten, die Gelebtes widerspiegeln und in Büchern weiterleben, aber auch wieder heraus in Geist und Herz des Lesers springen und den Schreibenden selbst mal sanft mal heftig in den Wörterwogen auf und ab in und durch alle Gefühlstiefen tragen und begleiten....

Sehr gern gelesen.

Viele Grüße,
Lilli


_________________
Wer schreibt, bleibt und lebt intensiver
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Zinna
Geschlecht:weiblichschweißt zusammen, was


Beiträge: 1658
Wohnort: zwischen Hügeln und Aue...
Das Silberne Pfand Lezepo 2015
Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 14.11.2012 20:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lovecraft,

dein Gedicht mit seinen Worten über Worte und ihr Wirken durch Bilder gefällt mir sehr gut. Werden sie abends aus den Büher frei gelassen, entwickeln sie faktisch ein Eigenleben und treten mit dem Lesenden in eine Art Beziehung, er findet Leben (aktuell sowie vergangen) und auch sich darin.

Im ersten Moment hatte ich beim ersten Vers meine Startschwierigkeit.
Wenn ich lese:
Am Abend geht ein Raunen durch ...
komme ich unweigerlich in einen (jambischen?) Rhytmus. In diesem versucht mein Kopf einer einsilbigen Fortsetzung vor Bücher, so etwa: ... durch die Bücher...

So stolpere ich fast in die auftummelnden Worte hinein und versuche zunächst unwillkürlich einen exakten, metrischen Rhythmus zu finden.
Ich habe nun den ersten Vers auf mich wirken lassen und es (für mich) mit einer kleinen Umstellung versucht.

Am Abend, ein Raunen geht durch alle Bücher,
dass Blätter flackern, Wörter fliegen,
und Sätze sich in Wolken wiegen,
als wären Wolken Wasserspiegel.


Auf diese Weise verharre ich kurz hinter Abend und kann behutsam den nächsten Schritt tun, um mich dem Wörterleben zu nähern.

Du schreibst eine sehr poetische Sprache, die jedoch keinesfalls dick aufgetragen wirkt, sondern sehr natürlich daher kommt.
Besonders gut gefällt mir der ruhige Ausklang, die geschmeckte Lust im Wein, die Rauchkringel, sozusagen das Abebben der Wörterwogen.
Sehr schön. Ich wollte einfach hier lassen, wie dein Gedicht auf mich wirkt.

Liebe Grüße
Zinna
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Gwendolyn
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 41
Beiträge: 40
Wohnort: Zwischen den Welten


BeitragVerfasst am: 14.11.2012 21:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lovecraft.

Ich kann mich bis hierhin nur an die Vorschreiber anschließen.
Die Bilder finden wie von selbst ihren Weg in mein Bewusstsein.
In der zweite Strophe springt mir die Wortwiederholung Leben gleich ins Auge. Vielleicht findest du eine Alternative, die den Ausdruck und den Weg noch verstärken könnte.
Die letzte Strophe finde ich persönlich am stimmigsten.

LG
Gwenny
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 5984
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 14.11.2012 23:58    Titel: Antworten mit Zitat

Das gefällt mir inhaltlich und atmosphärisch auch gut.

Ich merke auch ein paar Holperer. Könnte man z.B. in der ersten Zeile einfach das "alle" weglassen?
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Rübenach
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2343



BeitragVerfasst am: 15.11.2012 13:19    Titel: Re: Wörterwogen Antworten mit Zitat

Lovecraft hat Folgendes geschrieben:

(...)
Meine Winde flüstern tief
in die Abendluft hinein,
bringen Morgenduft mir Heim
(...)


bin ich eigentlich der einzige, der hier ob der unfreiwilligen komik lachen musste?


_________________
"Nothing bad can happen to a writer. Everything is material." (Philip Roth)
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Aranka
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3382
Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 15.11.2012 14:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lovecraft,

der Ton dieses Textes ist ein  stilles Räumen, das dem Leser auch als Wort zweimal signalisiert wird. Die Melodie ist ein „Wiegen“ und alles ist in eine „warmes Licht“ getaucht. Diese Stimmung hält der Text aufrecht bis zur letzten Zeile. Allein die zweite Strophe versucht ein wenig härtere Konturen zu zeichnen. Hier ist von „Lust/eingreifen/flackern“ die Rede, aber es bleibt verhalten und zurückhaltend im Gesamttext. Es mündet sehr rasch in „Verehrung/erstorbene Taten/ stilles Weiterleben“.

Es ist ein stiller, ernster Text, mit Feinsinn für Wörter und Melodie eschrieben. Ich sehe am Ende einen abgeklärten älteren Menschen mit gelassenem, weisen Lächeln seine letzten Ringe in das Gewesene hauchen. Bin dann erstaunt, wenn ich auf das Alter des Autors schaue.
Und irgendwie habe ich da dann auch ein Grummeln in mir. Aber vielleicht ist der Titel ja ein wenig „Programm“ in diesem Gedicht. Es ist wirklich ein (und das meine ich positiv) merkliches Wogen in den Zeilen, aber es sind mehr die ausgewählten Worte die da wogen und weniger das Leben. Am Ende des Textes habe ich etwas gesucht, das ich nicht fand.

Hast du dies gewollt? Soll  der Leser hier das Wogen der Worte als solche spüren? Ich weiß es nicht sicher, dachte nur, der Titel sei vielleicht in diesem Sinne gewählt.

Du kannst mit Worten umgehen und mit Klängen spielen. Liebe Grüße Aranka

Hallo Rübenach,
ich habe auch geschmunzelt an dieser Stelle: „meine Winde“ und „Duft“. Aber die ernste Gangart des Textes ließ mich sogleich erröten, ob solch banaler Assoziationen. Beruhigend, dass nicht nur meine Hirnwindungen auf Abwege gerieten.
Ich denke, der Autor nimmt uns das Schmunzeln nicht übel. Gruß Aranka


_________________
"Wie dahingelangen, Alltägliches zu schreiben, so unauffällig, dass es gereiht aussieht und doch als Ganzes leuchtet?" (Peter Handke)

„Erst als ihm die Welt geheimnisvoll wurde, öffnete sie sich und konnte zurückerobert werden.“ (Peter Handke)
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Lovecraft
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 28
Beiträge: 76
Wohnort: Zürich


BeitragVerfasst am: 29.04.2013 12:36    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das prosodische Wogen der Verse war durchaus so beabsichtigt, Aranka. Danke für die schöne Kritik.

Der "Duft" der "Winde" ist in der Tat etwas unglücklich gewählt, Rübenach. Ich werde diesen Vers überdenken und ihn von seiner humoristischen Wirkung zu befreien trachten.

Mit besten Grüßen,

euer Lovecraft


_________________
"That is not dead which can eternal lie / And with strange aeons even death may die." - H. P. Lovecraft
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Corinna
Sonntagsschreiber


Beiträge: 11



BeitragVerfasst am: 04.05.2013 12:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich bin begeistert...
eine tolle Atmosphäre, die du da schaffst!

Lediglich an einer Stelle stutze ich in der Metrik etwas:

"und wenn ich still Ringe rauche"
-->vielleicht könntest du hier noch ein "die" Ringe einfügen..

Viele Grüße,
Corinna
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