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Erzählung "Der Riese"


 

 
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Voland
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 41
Beiträge: 69



BeitragVerfasst am: 16.10.2012 12:14    Titel: Erzählung "Der Riese" eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Leute, ich war in letzter Zeit nicht oft aktiv, und um mich nicht dem Vorwurf auszusetzen, dass ich außer mittlerweile nicht mehr taufrischem eigenem Input vor allem an anderen herummäkele Very Happy hier wieder einmal etwas von mir. "Der Riese" ist eine Kurzgeschichte/Erzählung inspiriert ( aber nicht basierend auf) dem gleichnamigen Goya-Gemälde, und spielt zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs, während der Straßenkämpfe in Madrid. Die Geschichte ist eigentlich schon älter, und ich bin gerade dabei sie zu überarbeiten. Ich würde mich zudem freuen, wenn sie kurzweilig genug sein sollte, dass jemand sie trotz der Länge durchliest, und seinen /ihren Senf dazu gibt   Very Happy


Der Riese
                                         
                                             I

Der Himmel über der Stadt hatte sich in der Nacht zugezogen, und auch als die große, an einem Reklameschild befestigte Uhr vor Pablo Velascos Geschäft im Erdgeschoss eines großen Renaissance- Bürgerhauses mit aufgeblätterter Stuckfassade an der Casa
del Campo den Nachmittag schon fast passiert hatte, war es zu keinem Zeitpunkt wirklich hell gewesen.
Rechts und links des schwarz- weißen Rundes mit den Zifferblättern hatte Maschinengewehrfeuer klaffende Lücken in das Weißblech mit dem aufgedruckten Firmennamen gefressen. Seltsamerweise war aber die Uhr verschont geblieben und ging unbeeindruckt weiterhin ihrer Aufgabe nach, ohne dass sich jemand für die Zeit interessierte. Passanten pirschten sich im Halbdunkel von Hauseingängen oder im Schatten von Alleebäumen die Straße entlang. Sie hatten ihren Blick auf die Häuserfront gegenüber gerichtet, von wo ein aufmerksamer Scharfschütze zuschlagen mochte. Von Bäumen verdeckte Fensterhöhlen , Erker und überdachte Bogengänge boten ein ideales Versteck, um in Ruhe zu zielen. Einige Fussgänger erstarrten nach einem Knall in der Bewegung und sanken wie umgestossene Schachfiguren zur Seite, während sie das Leben verliess..
Es war ein diesiger Tag Anfang November, der den Blick nur einige Meter weit reichen ließ und die Umrisse der Dinge verschwommen zeichnete.
Zwei Nonnen trotzten in ihrem gut sichtbaren pinguinartigen Habit der Gefahr , und gingen in der Mitte der Straße, wobei sie über jedem zerfetzten und verrenkten Bündel auf ihrem Weg das Kreuzzeichen in die Luft malten. Nur eine Barrikade aus zertrümmertem Hausrat, in die ein ausgebrannter und noch qualmender Panzer verkeilt war , zwang sie zu einem Umweg durch die angrenzenden Vorgärten.
Einschläge produzierten in unbestimmbaren Abständen Schockwellen, als würde ein wütender, Amok laufender Riese mit den Füßen aufstampfen. Manchmal folgte ein berstender Knall, nach dem zersplitterte Fensterscheiben wie scharfkantige, glitzernde Regentropfen auf die Straße rieselten.
Die internationalen Brigaden des Generals Kleber hatten die Faschisten am Morgen aus der Straße in Richtung zum Rio Manzanares zurückgetrieben. Francos über Radio Espana erklärte Absicht, am Abend des siebten November in Madrid der Messe beizuwohnen, hatte der Generalissimo bisher nicht in die Tat umsetzen können..
Er hatte sie aber auch noch nicht aufgegeben, und so brachte der Wind weiterhin vom anderen Ufer des Flusses das ferne Donnergrollen der Artillerie der Rebellen mit, etwas gedämpft durch den Regen..
Wessen Ohren von einem schrillen Pfeifen gellten, hatte vielleicht noch drei Sekunden Zeit. Dies konnte ausreichen, sich in Hauseingänge oder Kelleröffnungen zu flüchten oder noch einmal das Kreuz zu schlagen. Wolken aus aufgewirbeltem Steinstaub waberten über dem Universitätsviertel und der Casa del Campo und der Geruch von Asche und Schwefel hing auch über den angrenzenden Stadtteilen.
Und jedes Mal wenn sich der Nebel lichtete, wurden die Strassenzüge einem schadhaften , zahnlückigen Gebiss ähnlicher.
Ein viersitziger schwarzer Mercedes hatte offenbar schon einmal jemandem als Zielscheibe gedient und dabei einen Scheinwerfer eingebüsst. Jetzt versuchte das Automobil mit stotterndem Motor die Strasse zu passieren. Aus seinen Fenstern ragten Gewehrläufe wie achtsam aufgerichtete Tentakel eines das Steuer bedienenden Tintenfisches.
Der Fahrer fuhr mit hoher Geschwindigkeit und zeigte keinen Respekt vor leblosen Körpern auf der Fahrbahn, die Barrikade zwang ihn schließlich aber zum Halten.
Auf der entgegengesetzten , dem Fluss zugewandten Seite der Barrikade bog eine Gruppe Zivilisten in die Straße ein. Bewohner der Stadtteile auf der anderen Seite des Manzanares versuchten sich in diesen Tagen zu Tausenden vor den marodierenden marokkanischen Kolonialtruppen des Generals Emiliano Mola in Sicherheit zu bringen.
Voraus ging mühsam ein sehr alter Mann mit Baskenmütze, der von einem Spazierstock und einer jungen Frau in einem gepunkteten Kleid gestützt wurde. Zwei größere Jungen schoben mit von der Anstrengung geröteten Gesichtern Schubkarren vor sich her, die sich unter den Resten eines fluchtartig aufgelösten Hausstandes bogen. Zwischen Decken, Töpfen und in braunes Packpapier eingeschlagenen Gegenständen verschiedener Größe ragte der Stiel eines silbernen geschmiedeten Kruzifixes wie ein zum Himmel gereckter Zeigefinger heraus. Zwei Frauen in bodenlangen schwarzen Kleidern mit Kopftüchern und ein vielleicht zehnjähriges Mädchen beschlossen die Gruppe.
Auf der anderen Seite der Barrikade bestand die Besatzung des Mercedes aus vier hageren jungen Männern mit Baskenmützen und nervösen Bewegungen. Auf ihren zu einer Pyramide angeordneten Gewehren schimmerten Rostflecken.
Sie standen mit nicht angezündeten Zigaretten in den Mundwinkeln um den tuckernden Mercedes herum und bedachten abwechselnd den ausgebrannten Panzer, die unpassierbare Barrikade, und einander mit beklommenen Blicken.
Ein schlaksiger schnurrbärtiger Kerl , dem eine Sonnenbrille mit abgebrochenem Bügel aus der Hemdtasche lugte, zuckte schließlich die Achseln, und kramte eine Schachtel Zündhölzer unter den Augengläsern hervor. Das er nicht mehr die ganze Schachtel benötigen würde, konnte ihm noch nicht bewusst sein, als er reihum Feuer verteilte.
Der Milizionär zog nämlich an seiner Zigarette, schnippte das heruntergebrannte Hölzchen über die Schulter und erstarrte für den Bruchteil einer Sekunde zu einem Schattenriss, bevor ihn eine Explosion zusammen mit seinen Kameraden, dem Mercedes, und der Möglichkeit zu einer anderen Fortsetzung der Geschichte zerriss und zu Asche zerfallen ließ.
                                          

  II

Sergeant Henryk Kwiatkowski von den erst vor Wochen formierten internationalen Brigaden fühlte sich seltsamerweise an den Griechisch - Unterricht am katholischen Gymnasium von Drohobycz , weit entfernt im Osten Polens, erinnert. Göttervater Zeus mochte auf ähnliche Weise impertinente antike Heroen gezüchtigt und mit seinem Blitz in stiebende, stinkende Flugasche verwandelt haben.
Henryk hatte einen Beobachtungsposten auf dem Dach eines geräumten sechsstöckigen Mietshauses auf der gegenüberliegenden Straßenseite bezogen. Im Erdgeschoss befand sich eine Bar, vor der sich aufgeplatzte und chaotisch übereinander geschichtete Sandsäcke wie sinnlos betrunkene Zecher aneinander lehnten. Die Eruption unten auf der Strasse überschüttete
selbst den Beobachter auf dem Dach mit einer Schicht Staub, die in Nase und Augen brannte und den penetranten Geruch verbrannten Fleisches mitbrachte. Henryk taumelte von seinem Fernrohr zurück, das auf einem Stativ aus den Resten einer Esszimmereinrichtung befestigt und hinter einem Erker versteckt war, und erbrach sich in eine Dachluke. Der Staub schien sich unterdessen in Höhe des Daches zusammenzuballen und zu einer Gestalt zu formen. Sie hatte die unbestimmbaren Züge eines Phantoms und die Gestalt eines Riesen, der einen Arm in einer Geste, vielleicht des Abschieds, erhob.

Das sich mit der Explosion auch die Zukunft des Sergeanten Kwiatkowski ein für allemal entschied, konnte dieser zum geschilderten Zeitpunkt noch nicht ahnen.


Ob sein turbulentes Leben auf diesem Hausdach endete, das fünfundzwanzig Jahre zuvor in einem von Gott und den meisten Bewohnern verlassenen und seiner endgültigen Vernichtung durch schwarz uniformierte SS- Einsatzgruppen einige Jahre später entgegen dämmernden ostpolnischen Stetl begann, muss jedoch eine uns nicht bekannte Fußnote des Bürgerkrieges bleiben.
Bekannt ist lediglich sein Weg dorthin. Zuerst wurde ein barfüssiger Gassenjunge aus einem heruntergekommenen Arbeitervorort der polnischen Hauptstadt zum Agitator für die kommunistische Partei, und lieferte sich so erfolgreich wie regelmäßig Saalschlachten und Straßenkämpfe mit den antisemitischen Anhängern Marschall Pilsudskis. Von der Universität Karolina zu Prag war Henryk Kwiatkowski schnell zur Gegenolympiade zum Berliner Nazi-Spektakel nach Barcelona weitergezogen , und zerlumpt und bärtig wie ein Landstreicher nach illegaler Pyrenäenüberquerung ohne Pass eingetroffen. Und kaum hatte der Student zu Rasiermesser und Seife gegriffen, war der Republik von den Militärs des Generals Franco der Krieg erklärt worden , und auf den Straßen der spanischen Hauptstadt wurde geschossen .
Eine Tafel am Denkmal der Internationalen Brigaden auf dem Friedhof Fuencarral trägt unter seinem Namen den Vermerk „vermisst“. Daher besteht immerhin die Möglichkeit, dass dieser regnerische Novembertag nicht sein letzter war. Zu jenem Zeitpunkt war Henryk Kwiatkowski jedoch schon aus unserer kurzen Geschichte verschwunden, und wir sollten die Ereignisse sich der Reihe nach entwickeln lassen.

Ein sturzbachartiger Regen brachte die faschistische Artillerie auf der anderen Seite des Flusses, an der französischen Brücke, mit einer Plötzlichkeit zum Verstummen, die schmerzhaft auf die Ohren drückte.
Ihr Funken sprühendes Mündungsfeuer löste sich in zwei Rauchpilzen auf, die in kürzester Zeit emporschossen wuchsen und mit dem Abendwind davontänzelten.

Seinen Posten zu verlassen, war auch im Spanien des Bürgerkrieges und der Interbrigaden ein kapitaler Regelverstoß eines Soldaten, und endete in der Mehrheit der Fälle vor einem Erschießungskommando. Was den Sergeanten Kwiatkowski zu diesem Schritt trieb, wird schon deshalb im Dunkeln bleiben müssen, weil ihn danach nie wieder jemand zu Gesicht bekam, oder dies zumindest nicht angab.

Henryk hatte sich unter einem überlappenden Dacherker zusammengekauert, und versuchte, sich mit den Fingern einer Hand eine Zigarette zu drehen. Gelegentlich schickte er einen tastenden Blick durch den Regen, der zusammen mit den wechselnden Windrichtungen und den in verschiedenen Farben gleißenden Suchscheinwerfern der republikanischen Luftabwehr ein viel farbiges und vibrierendes Muster in die Luft webte. Daraus schälten sich die bröckelnden Backsteinumrisse der Mila- Straße in Warschau . Um die Mila- Straße gruppierte sich das jüdische Viertel der polnischen Hauptstadt.
Hausfrauen mit buntgemusterten Kopftüchern und riesigen Einkaufskörben bahnten sich zwischen schwarzgekleideten bärtigen Ostjuden, deren Schläfenlocken sich bis zum Unterkiefer ringelten, und kleinen Jungen auf dem Weg zur Cheder, der Talmudschule, ihren Weg durch die Menge. Straßenhändler buhlten in breitem Warschauer Jiddisch um Aufmerksamkeit für ihre zumeist auf Handkarren arrangierte Ware, bei der es sich um Verschiedenstes handelte, von Kohlköpfen und Zwiebeln bis zu billigen Haushaltsartikeln oder aus der Tschechoslowakei geschmuggelten Parfums.
In den Geruch nach nicht mehr ganz frischem Fisch vom unteren Ende der Straße mischten sich Duftwolken aus selbstgebranntem Schnaps und Tabakrauch, die schon um die Mittagszeit aus den Kneipen nach draußen drängten.................................

Die marokkanischen Kolonialsoldaten auf der anderen Seite des Manzanares hätten jetzt sicherlich lieber Wasserpfeife rauchend und trocken in Fes oder Tanger gesessen, und verspürten kaum große Lust , bei diesem Wetter ihre Unterstände zu verlassen, und im Regen zu verbluten . Aber auch wenn sie einen Überraschungsangriff gewagt hätten, wäre Henryks Sturmlaterne kein probates Mittel dagegen gewesen . Ihr Schein, der den nächsten Posten auf dem Dach des Hotels „Majestic“ eine Straße entfernt veranlassen sollte, Alarm zu schlagen, wäre schon auf dem Weg dorthin weggewaschen worden. Dazu kam lediglich ein rostfleckiges Gewehr, das vielleicht im Krieg von 1898 den US-amerikanischen Invasoren Kubas Respekt eingeflösst hatte. Selbst eine ganze Batterie davon hätte die mit Waffen aus Nazi-deutscher Produktion wohl versorgten Faschisten jedoch kaum beeindruckt.
Und Funkgeräte waren in Frontnähe ein unkalkulierbares Risiko geworden, da die andere Seite darüber hinaus über von Mussolinis Regime gelieferte Peilsender verfügte, nach denen sie ihr Feuer ausrichteten.
Zumindest ist anzunehmen, dass der Sergeant Kwiatkowski über ein Funkgerät nicht verfügte. Anderenfalls wäre sein Verbleib möglicherweise geklärt.

Das von Henryks Imagination auf die Regenwand projizierte Bild blähte sich für einen kurzen Moment von einer Windböe gebauscht auf, und begann wie eine beschädigte Filmrolle Lücken und Risse zu zeigen, um sich schließlich in zahlreiche einzelne Punkte aufzulösen, die mit dem Regen der Erde entgegensanken.
Aber nicht alle folgten der Schwerkraft . Einigen wuchsen Flügel, und sie erfüllten die Nachtluft mit einem leisen trockenen Klatschen, das wie das Geräusch von sechs Stockwerke tiefer auf dem Asphalt aufschlagenden Körpern klang.
Zuerst war noch nicht offensichtlich, was mit den Tauben vor sich ging. Dass diese Tiere aber nicht auf Brotkrumen und besseres Wetter warteten, musste dem Sergeanten Kwiatkowski bald klar sein. Das seine Reaktion darauf ihm selbst zum Verhängnis werden sollte, dagegen nicht.
Vielleicht schaffte der Schatten, den der Schwarm warf, den Eindruck einer riesenhaften Hand mit lichtdurchschossenen Adern entlang der Stellen, wo die Suchscheinwerfer der Luftabwehr auf gefiederte, kleine Körper trafen. Die Tauben bewegten sich dabei absolut synchron, als würden sie tatsächlich von in einer Hand zusammenlaufenden Fäden dirigiert.
Schließlich begann sich die Flugformation der Tiere zu verändern und zu bersten, wie eine schwarze, drohende Wolke, die einen Teil ihrer Substanz abregnen will, um weiter zu ziehen .Der Marionettenspieler brockte Tauben vom Himmel wie Croutons in eine Suppe. Dabei schienen die Vögel einen Moment lang im freien Fall zu verharren, und bildeten dann einen flatternden, gurrenden Strudel, der sich unvermittelt in eine Aufwärtskehre verwandelte. Am Ende hatten die Vögel einen abwärts gerichteten Halbkreis beschrieben , an dessen Ende sie im vollen Flug zwischen ihre Artgenossen prallten.
Auf Henryks Dach hagelten bald blutüberströmte gefiederte kleine Meteoriten.

Dass der Sergeant Kwiatkowski sich zu einer emotionalen Kurzschlusshandlung hinreißen ließ , während, oder weil in der Luft dazu eigentlich nicht geformte Taubenschnäbel Fleischfetzen aus ahnungslosen Taubenbäuchen rissen, und eine Taubenversion des Luftkampfes um Madrid aufführten, ist nicht mehr als eine Vermutung. Der sogenannte „Frontkoller“, wie die Soldaten des ersten Weltkrieges sagten, wobei meist traumatisierte Kämpfer ihre Waffen gegen sich selbst oder ihre Umgebung richteten, stellt dagegen ein aus Augenzeugenberichten und der Literatur gut dokumentiertes Phänomen dar. Wir besitzen zwar keine Hinweise darauf, dass beim Sergeanten Kwiatkowski entsprechende Anzeichen vorgelegen haben könnten. Allerdings sprechen Angehörige beider an den Kämpfen beteiligter Seiten von wahrscheinlich auf einem Hausdach an der Casa del Campo die Dunkelheit mit winzigen Lichtpunkten sprenkelnden Schüssen, die einen durch den Regen einseitig erklärten Waffenstillstand in der fraglichen Nacht vom 7. auf den 8. November 1936 an der französischen Brücke abrupt aufkündigten

Henryk hatte, um besser sehen zu können, seinen improvisierten Sitz unter dem Erker verlassen, und bemühte sich jetzt, ein fragiles Gleichgewicht mit einem Fuß auf der verbogenen Dachrinne und mit der linken Hand an einem vom Regen glitschigen Blitzableiter zu halten. Ein einzelner Taubenflügel, aus dem auf der abgetrennten Seite eine rötliche Masse quoll, streichelte seine Wange, und verschwand winkend über die Dachkante.

Federn vermischt mit Kadavern, denen zumeist Körperteile und manchmal auch der Kopf fehlten, bildeten einen graubraunen, schlüpfrigen, vom Regen durchweichten Film auf den Dachziegeln. Henryks Griff um den Blitzableiter löste sich, und er taumelte ins Leere.

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Brazil
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BeitragVerfasst am: 20.10.2012 21:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo
du fragst nach Senf und kriegst mich.
Mein erster Gedanke: Ich finde es unglaublich spannend wie Goya es geschafft hat, dass seine Bilder immer aktuell sind, also jeder Betrachter in ihnen eine Darstellung seiner Zeit sehen kann. Kennst du Goya oder der arge Weg der Erkenntnis von Feuchtwanger? Auch großartig verfilmt von Konrad Wolf? Deine Geschichte passt da in mein Bild von Goya wunderbar rein und das finde ich sehr schön.

Durch die spanische Ortsangabe kommt der erste Satz mir ein bisschen wie eine Hürde vor. Er leitet einen nicht so in die Geschichte. Ich hab jetzt auch schon ein paar Gläser Rotwein getrunken, aber ich musste ihn ein paarmal lesen.

Soviel zu meinen ersten Gedanken.

Alles Liebe
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Voland
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Beiträge: 69



BeitragVerfasst am: 20.10.2012 22:38    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank, Brazil, ich würde mich freuen, wenn es nicht dein letzter Gedanke zur Geschichte war, und ich glaube zu verstehen, was du zu Goyas Bildern meinst wink Und ich hoffe, du trinkst einen guten Rotwein smile

Beste Grüße

Voland
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