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Noir (Auszug)


 

 
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Seraph
Geschlecht:männlichMelancholiker

Alter: 29
Beiträge: 1728
Wohnort: Dülmen


Die Legenden von Himmel und Hölle
BeitragVerfasst am: 15.10.2012 17:48    Titel: Noir (Auszug) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

„Um das wahre Herz eines Mannes zu kennen, muss er sich seinem schlimmsten Alptraum gestellt und sich mit absoluter Gewissheit geweigert haben, selbst im Angesicht seines Untergangs nachzugeben. Was auch immer er noch sehen, wissen oder tun mag, hält dann keine Schrecken mehr für ihn bereit.“ (Copyright Games Workshop)

Etwas nagt in mir, wie eine große, gefräßige Ratte an der Wurzel einer blühenden und gedei-henden Pflanze. Ich will es verdrängen, vergessen und mir einreden, dass ich selber schon genug Probleme habe. Dass es mich nicht betrifft, mich nichts angeht.
Aber es geht einfach nicht.
Ich stehe vor dem Spiegel in meinem Badezimmer und sehe ein zerfurchtes Gesicht voller Sorgenfalten und Augenringe. Für einen kurzen Moment kommt mir der irrwitzige Gedanke, dass jede dieser Falten ein negatives Erlebnis der letzten Jahre war. Seit es damals alles angefangen hat. Ich weiß, dass die Ratte so lange weiter bohren wird, bis ich es doch tue. Was macht schon eine Falte mehr oder weniger. Wie könnte man dieses Gesicht noch weiter verunstalten, als es ohnehin schon ist?
Selina.
Vielleicht kommt der eine oder andere auf den Gedanken, ich hätte sie gerettet. Nur weil ich Matt erschossen habe, heißt das nicht, dass sie in Sicherheit ist. Als ich damals vom Lager-haus zurückgekehrt bin, war sie weg. Verschwunden, ohne Nachricht und ohne Spur.
Nicht, dass ich damit gerechnet hätte – es passt sogar ziemlich gut ins Bild, dass sie ohne ein Wort verschwunden ist. Dieses kleine, verstörte Ding, wo treibt es sich bloß herum? Scheiße, ich erwarte auf gar keinen Fall ein Danke oder irgendwelche Gefälligkeiten von ihr, aber wenn sie auf dieselbe apathische Art durch die Straßen zieht, mit der sie bei mir in der Küche gehockt hat, lebt sie nicht mehr lange.
Sie ist nur eine von vielen. Du kennst sie gar nicht. Du hast sie bereits vor Matt und den anderen beschützt. Du hast deine Pflicht getan! Lass es gut sein!
Pflicht…es wäre meine Pflicht, den Spiegel mal wieder sauber zu machen oder generell die ganze verfickte Wohnung.
Ich habe zu keinem Zeitpunkt versucht, Euch einzureden, ich wäre besser als all die anderen Millionen von Kaputten und Wahnsinnigen um mich herum. Aber das ist wieder einer dieser Momente, in dem irgendeine labile Drüse in meinem Körper Unruhe und Schuldgefühle aus-schüttet, als gäbe es kein Morgen.
Ich grinse.
Vielleicht gibt es das auch gar nicht. Vielleicht geschieht heute Abend der letzte Akt eines lächerlichen kleinen Detektivs, der kleinen das Kollektiv verseuchende Zelle und des Fremdkörpers in einem gigantischen, wogenden Organismus. Ich würde jetzt gerne schreiben, dass ich mich vorbereite. Dass ich mich rüste, ein abergläubisches Ritual durchführe oder vielleicht sogar bete. Wozu?
Es wird nichts an dem beschissenen Pfad ändern, der vor mir liegt und je länger ich hier meine Zeit verbringe, desto wahrscheinlicher ist es, dass es Selina nicht mehr gibt.
Ich schlüpfe in meine Jacke, stecke die Pistole ein und gehe. Nur noch sieben Schuss. Wahr-scheinlich brauche ich Siebenhundert. Nützt nichts.
Aber das Wichtigste ist die Barriere aus mentalem Trotz, die ich jedes Mal errichte, wenn ich die Wohnung verlasse. Der Körper kann heilen, der Geist nicht. Wenn ich nicht jedes Mal mein verdammtes Gehirn ausschalten würde, wenn ich gehe, wäre ich längst ebenso wahnsinnig wie die anderen um mich herum. Säße sabbernd in der Ecke oder würde mir mit einem Küchenmesser mathematische Gleichungen in die Extremitäten schneiden.
Wünscht mir Glück, Freunde, heute Abend brauche ich es.


Bereits als ich in die Straße einbiege, in der Matt wohnt, korrigiere: gewohnt hat, wird mir übel. Die grauen, abgerissenen Fassaden werden von noch grauerem Himmel eingerahmt und irgendwo schreit eine Katze. Eine verdammte Katze! Was für ein Klischee!
Es ist früher Abend und einigermaßen warm für diese Zeit. Welchen Monat wir haben, kann ich schon lange nicht mehr sagen. Keine Menschenseele ist zu sehen, was eigentlich unge-wöhnlich ist, aber mir soll es recht sein.
Das drittletzte Haus auf der rechten Seite. Vierter Stock, Westseite.
Ich verspüre etwas, von dem ich dachte, dass ich es längst hinter mir gelassen hätte.
Aufregung.
Nervosität.
Scheiße, natürlich kann ich nicht sagen, ob ich überhaupt einen Hinweis auf Selina in Matts Wohnung finden werde, aber es ist mein einziger Anhaltspunkt. Je näher ich der Wohnung komme, desto wärmer wird es. Natürlich ist das nur Einbildung, ein letzter Versuch meines durchlöcherten Verstandes, mich hiervon abzuhalten, aber es wirkt.
Mit klopfendem Herzen stehe ich vor dem Mehrparteienhaus und sehe mir den Eingang zur Hölle an. Ich habe Matt nur selten besucht, vielleicht drei, vier Mal seit er hier gewohnt hat. Die große Glasfront besteht aus einer milchigen Scheibe, die mit Kritzeleien und verzweifel-ten Botschaften nach Liebe, Hass und Aufmerksamkeit vollgeschmiert ist. Ich zähle zwölf Briefschlitze, zwölf Namensschilder – kein einziges davon ist lesbar. Im Flur steht ein Kin-derwagen, ein verflucht einsames Stück Menschlichkeit mitten in der Ecke. Ich grinse wieder mein Henkergrinsen und seufze dann. Würde mich nicht wundern, wenn in dem Wagen ein Baby liegt. Der Boden ist schmutzig und mit Staub und Dreck überzogen.
Keine Reifenspuren.
Der Wagen steht schon seit Wochen und Monaten dort.
Das ist er also, der Eingang in die Verdammnis. Ob sich Dante damals so gefühlt hat? Der Typ hatte keine Pistole dabei, aber auch er war auf der Suche nach einer Frau. Und immerhin er hat sie am Ende bekommen.
Dann stehe ich vor meinem ersten logistischen Problem. Wie komme ich hinein? Ich mag zwar in einer abgefuckten Stadt wohnen, aber am Tage eine komplette Haustür einzureißen erweckt dann doch noch ein wenig Aufmerksamkeit unter den ganzen Halsabschneidern.
„Fuck!“
Wütend trete ich vor die Scheibe. An so etwas Offensichtliches nicht zu denken! Ich dummer Idiot! Wie ein schnaubender Bulle stapfe ich hin und her, überlege.
Wo ist Charon, wenn man ihn braucht?
Warten kann ich nicht. Der ganze Abschaum hat keinen geregelten Tagesablauf und die Hälfte von ihnen ist wahrscheinlich gerade tot, betrunken oder lungert irgendwo in der Innenstadt herum.
Aber es ist die einzige Möglichkeit. Widerstrebend drücke ich die oberste Klingel und warte ein paar Sekunden. Es knackt.
„Hallo?“ Frauenstimme.
„Hey, meine Schönheit, ich mag deine Stimme.“
„Wer auch immer du bist, verpiss dich! Sonst kommt mein Freund runter und schlägt dich zusammen!“
Henkersgrinsen. Ich schließe die Augen, lehne mich gegen die schmierige Scheibe und atme tief aus. Immer dasselbe, immer derselbe Gesprächsverlauf. Aber was beschwere ich mich auch? Scheiße, so was habe ich schon tausend Mal erlebt.
Zweite Klingel.
Nichts.
Dritte Klingel.
Nichts.
Vierte Klingel.
Immer noch nichts. Verdammt, ist denn gerade niemand in seiner beschissenen Wohnung?
„Ja…?“ ertönt es dann plötzlich kläglich aus der Sprechanlage. Männerstimme.
„Hey, Gott sei Dank…“ Ich will gerade zu einer Erklärung ansetzen, da labert er mich auch schon zu.
„Fred, bist du das? Scheiße Fred, sag doch was…“
Ziemlich lange Pausen zwischen den einzelnen Wörtern. Er ist drauf.
„Äh ja, ich bin’s, Fred. Lass mich endlich rein, Alter“
„Hast du…hast du den Stoff dabei?“
Ein Junkie…war ja zu erwarten. Verdammt, das kann zu Problemen führen. Traue niemals einem Süchtigen. Keine Ahnung, wer das gesagt hat.
„Klar hab ich ihn, wie versprochen. Mach dir keine Sorgen.“
„Fred, bitte. Ich brauch das Zeug echt dringend…“
„Hey Mann, ich hab dir doch gesagt, ich hab alles dabei. Komm schon, lass mich rauf zu dir.“
„Gütiger Gott…endlich…“
Dann ertönt das schönste Geräusch der Welt, das Sirren einer sich öffnenden Türverriegelung. Triumphierend stoße ich die Tür auf und betrete den Flur. Es riecht nach einer Mischung aus Pisse und Kalkreiniger. Die Luft ist drückend und heiß. Bei jedem Schritt kleben meine Schuhe am Boden, als ich das Treppenhaus emporsteige. Es ist dunkel und still, so still. Jede der Wohnungstüren, die ich passiere, ist verschlossen. Keine Dekoration, keine Küchen- oder Fernsehgeräusche, keine Stimmen. Wie ein großes, staubiges, nach Pisse und Kalkreiniger riechendes Grab in dem nur noch zwei Halbtote wohnen – ein Junkie und ein zickiges Mädchen, das vermutlich sowieso keinen Freund hat, sonst würde es längst nicht mehr hier wohnen. Und gerade betritt Orpheus dieses Grab und sucht die junge, vergewaltigte und misshandelte Eurydike.
Ich bin gerade im zweiten Stock, als ich höre, wie über mir eine Tür geöffnet wird. Schlurfende Schritte, klägliche, kratzende Stimme.
„Fred?“
„Gleich da, Kumpel!“
„Beeil dich, Mann“. Würgendes Geräusch. „Mr. Schädel ist schon wieder da…“
Mr. Schädel? Scheiße, ist der kaputt…
Eine weitere Treppe, dann sehe ich meinen neuen Freund. Ein junger Kerl, Mitte zwanzig. Schulterlanges, dunkelblondes Haar, das aussieht, als hätte er damit sämtliche Klos dieses Hauses geputzt. Er trägt eine braune Hose, abgerissene Chucks und ein fleckiges dunkelgrü-nes Hemd, unter dem ein schmächtiger Brustkorb zum Vorschein kommt. Er hat Hämatome an den Flanken und seine Rippen zeichnen sich so deutlich ab, als wäre seine verfluchte Haut nur Papier. Und der Kerl stinkt bestialisch.
Ich habe die Faust schon geballt, bereit zuzuschlagen. Aber es braucht fast die komplette Strecke bis zu seinem Treppenabsatz, bis er bemerkt, dass ich leider keinen Stoff bei mir habe.
„Du…du bist nicht Fred.“
„Wer sagt das?“
Er kneift seine winzigen Äuglein noch weiter zusammen und wankt einen Schritt auf mich zu. Mein Gott, wie er stinkt!
„Du bist nicht Fred! Ich seh’s genau!“
„Woher willst du wissen, dass ich nicht Fred heiße?“
Bereits das überfordert ihn. Er starrt mich zwei, drei Sekunden an und hebt dann die Arme, wie zum Schutz gegen einen Schlag. Er wimmert.
„Scheiße Fred, was redest du da…? Gib mir endlich den Stoff. Ich kann nicht mehr…“
„Mr. Schädel ist wieder da?“
Er schluchzt.
„Ja Fred…er hat…er hat wieder diese Dinge mit mir getan, weißt du. Er sitzt da hinten in meinem Wohnzimmer und grinst die ganze Zeit.“
„Sag ihm, ich hätte den Stoff und bringe es euch beiden.“
Er packt mich am Handgelenk. Gottverdammt, dieser kleine Wichser packt mich tatsächlich an. Innerlich brodelt es in mir und ich muss mich beherrschen, um ihm nicht sofort eine reinzuhauen.
„Fred…“, schluchzt er weiter. „Fred, verstehst du nicht? Mr. Schädel darf nichts davon abbekommen. Ich brauche es. Oh scheiße, ich brauche es jetzt!“
Widerlicher kleiner Bastard, nimm die Finger von mir!
„Hey Mann“, presse ich mühsam hervor. „Ich habe das Zeug natürlich nicht dabei. Du weißt doch…Mr. Schädel hat seine Augen überall. Ich habe es oben im vierten Stock aufbewahrt. Keine Sorge, ich gehe hoch und hole es eben.“
Sein Kopf, der die ganze Zeit eher meinen Bauchnabel, als mein Gesicht anvisiert hat, schnellt in die Höhe.
„Nein! Wer auch immer du bist, lass mich nicht mit ihm alleine! Ich komme mit nach oben und wir holen uns das Zeug zusammen.“
Blanker Hass in meinen Gesichtszügen. Langsames Ein- und Ausatmen.
Schlag auf die Schläfe. Knie zwischen die Beine. Ellbogen ins Gesicht. Es gäbe so viele Möglichkeiten.
„Gut. Gehen wir…“, sage ich dann.



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Nihil
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BeitragVerfasst am: 17.10.2012 22:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Seraph.

Stimmungsvoll, auch wenn ich mich vom Anfang bis zum Ende nicht von dem Eindruck losreißen konnte, dass es die bis zur Übertreibung gesteigerte dunkle Atmosphäre von Sin City und ähnlichen Geschichten ist. Den hab ich mir letztens nochmal angesehen und muss ganz subjektiv sagen: Nicht meins. Du suggerierst ein ganz ähnliches Bild: Der Protagonist, der von seinem Scheißleben schon nach ganz unten und noch ein Stück weiter gedrückt wurde und sein kleines Mädchen retten muss, wie es sich für einen echten Weltuntergangsmacho gehört. Die Beschreibungen der Umwelt sind mir alle etwa zu dunkel, zu „konzentriert“, wenn du verstehst. Das ist natürlich Geschmackssache, aber wegen diesem Bedienen von Klischees (man könnte es auch reibungslose Einordnung in das Genre nennen und dann klingt es schon wieder positiv) konnte ich nicht richtig in die Geschichte einfinden. Sin City, Taken I + II, usw. kommt mir in den Sinn und immer rettet der ungnädige, vernarbte Psychoheld ein schwaches Weibchen. Dass du im weiteren Verlauf dieser Spur folgst, ist natürlich nicht gesagt, aber im Buchladen hätte ich wenigstens keine Lust, das Risiko einzugehen.

Dennoch gibts natürlich auch Sachen, die mir gut gefallen haben. Die Metaphorik am Anfang zählt dazu, auch wenn eine Ratte nicht „bohren“ kann wie eine Schraube, selbst mit ganz spitzen Zähnen nicht. :) Die Falten als Dokumente der schlechten Erlebnisse sind auch gut ausgedacht. Das Nennen zweier mutmaßlicher Hauptfiguren gleich am Anfang würden dir sicher auch viele positiv anrechnen, als Vorausdeutung eines Erlebnisses, das Spannung erzeugt. Mir persönlich gefällt die Technik an sich nicht so, weil man meiner Meinung nach die Intention dahinter so sehr merkt. (Und ein klein wenig pathetisch sieht es schon aus, den Namen Selina als einziges Wort in der Zeile zu lesen.) Und im Allgemeinen schaffst du es schon, ein flüssiges Weiterfließen der Geschichte zu erreichen.

Aber wenn man eigene Fehler gesagt bekommt, merkt man sie auch bei anderen immer besonders. Und einer meiner Fehler ist es, häufig nicht plastisch genug zu beschreiben. Das Problem sehe ich auch bei dir, vor allem im ersten Absatz. Wir wissen: Badezimmer, Spiegel, Falten. Dann steckt er seine Pistole ein und geht. Später in der Stadt wird es darstellender, wenn du etwa auf den Geruch eingehst, aber es könnte noch etwas mehr sein, denke ich mir. Ich bin nun wirklich kein Freund von langen Beschreibungen, aber gerade der erste Absatz rief in mir den Eindruck hervor (auch wegen des vermeintlich bekannten Inhalts), dass das wie ein Comic ist, dem noch die Bilder hinzugefügt werden, weshalb man sie hier nicht braucht. Nur dass man die Bilder eben nicht hat. ;)

Ich hoffe, das hat dir ein bisschen weitergeholfen. Mir persönlich ist es zu viel Klischee und mir wird nicht genug geboten, die Geschichte so richtig interessant zu finden. Wie lange soll sie denn sein?

Grüße,
Nihil.
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Seraph
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Die Legenden von Himmel und Hölle
BeitragVerfasst am: 18.10.2012 19:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey Nihil!

Haha, verglichen mit deinen Kritiken zu meinen früheren Texten ist das hier ja fast ein Ritterschlag! lol2

Also vorweg: ja, ich übertreibe gerne. So bin ich einfach und so schreibe ich auch. Dazu gehört auch das Bedienen von Klischees (die hier ja z.t. auch auf die Schippe genommen werden).

Dir sei gesagt, dass das ein willkürlicher Auszug mitten aus einem etwas längeren Werk ist (z.Zt. 30-40 Seiten). Die gesamte Story handelt also keineswegs nur von einem unschuldigen Mädchen, das gerettet werden will. Vielmehr versuche ich, aus dem Ich-Erzähler einen Anti-Helden zu machen, der auch wirklich Anti-Held bleibt und nicht auf einmal doch gut wird, weil er seine weiche Seite zeigt.
Deshalb auch die fehlenden Beschreibungen am Anfang.

Allgemein möchte ich diesen Text eher...wie soll ich es ausdrücken...weniger greifbar machen. Ich will nicht, dass er realistisch wird, indem ich jeden Zentimeter beschreibe und jede Figur komplett optisch und charakterlich darstelle. Verstehst du? Ich habe es lieber offener, interpretationsbedürfter. So wie die Bibel wink

Danke für deine Kritik!


Gruß,

Martin


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BeitragVerfasst am: 18.10.2012 19:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Seraph,

hast Du das Ding mal korrekturgelesen?
Wenn ja, warum sind da so viele unmotivierte Bindestriche? So als ob Du die Formatierung unkontrolliert geändert hättest.

Abgesehen davon, leider nicht mein Geschmack, Wohnungen als "verfickt" zu bezeichnen finde ich übertrieben, oder redest Du von einem Puff und den Zimmern der Damen?

Mir kommt die übermäßige Verwendung von Vulgärsprache sehr gewollt vor, und dadurch verliert es als Stilmittel gewaltig.

Nicht meins.

Gruß
Kerem


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Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen.
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Seraph
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Die Legenden von Himmel und Hölle
BeitragVerfasst am: 27.10.2012 17:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Moin Kerem!

Die Bindestriche kommen leider von der auomatischen Wordformatierung. Man sollte eigentlich denken, dass das bei C&P nicht passiert - na ja, hinterher ist man immer schlauer -.-

Die Vulgärsprache ist ein bewusstses Stilmittel, ja. Und ich möchte sie auch weiterhin beibehalten. Ich werde es weiterhin korrekturlesen und schauen, ob man es nicht "entschlacken" kann.
Aber ich weiß, was du meinst. Guck dir mal 3 Tarantino-Filme hintereinander an und dir bluten die Ohren.  lol

Danke für deine Kritik!

LG Martin


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Fahrender Gaukler
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BeitragVerfasst am: 28.10.2012 00:34    Titel: Antworten mit Zitat

Nihil hat Folgendes geschrieben:
Aber wenn man eigene Fehler gesagt bekommt, merkt man sie auch bei anderen immer besonders. Und einer meiner Fehler ist es, häufig nicht plastisch genug zu beschreiben. Das Problem sehe ich auch bei dir, vor allem im ersten Absatz. Wir wissen: Badezimmer, Spiegel, Falten. Dann steckt er seine Pistole ein und geht. Später in der Stadt wird es darstellender, wenn du etwa auf den Geruch eingehst, aber es könnte noch etwas mehr sein, denke ich mir. Ich bin nun wirklich kein Freund von langen Beschreibungen, aber gerade der erste Absatz rief in mir den Eindruck hervor (auch wegen des vermeintlich bekannten Inhalts), dass das wie ein Comic ist, dem noch die Bilder hinzugefügt werden, weshalb man sie hier nicht braucht. Nur dass man die Bilder eben nicht hat. wink


Das kann ich eins zu eins so unterschreiben. Natürlich habe ich auch deine Antwort diesbezüglich gelesen, Kre Seraph, aber mein Leseeindruck ist der, dass das ganze auf eine Art und Weise nicht greifbar ist, mit der ich persönlich nicht viel anfangen kann. Vielleicht spielt in meine Beurteilung mit hinein, dass ich gerade einen vom Setting her ganz ähnlich gelagerten Psychothriller aus der Ich-Perspektive schreibe und dass ich generell eher zu einem überladenen Stil neige, aber von Parallelen und Unterschieden mal abgesehen, ändert das nichts daran, dass ich mich bei diesem Ausschnitt schwer tue. Gut, es fällt nicht immer leicht, sich mit einem Protagonisten zu identifizieren, besonders nicht nach einer Handvoll Sätzen, aber auch die Umgebung kommt bei mir nicht plastisch genug an, worunter auch die abgefuckte Stimmung leidet, die sich bei mir nicht ganz so entfalten will, wie du sie dir vielleicht vorstellst. Von ein paar Details abgesehen. Der Kinderwagen zB war eine sehr gute Idee.

Zitat:
Ich will nicht, dass er realistisch wird, indem ich jeden Zentimeter beschreibe und jede Figur komplett optisch und charakterlich darstelle.


Das erwartet ja auch keiner. Ich glaube, wir ticken da ganz ähnlich. Meinen Prota beschreibe ich auch ganz bewusst nur spärlich und beiläufig. Zumindest äußerlich. Innerlich sieht's da schon wieder anders aus. Aber das betrifft nur den Prota, bzw. die Hauptfiguren. Nebenfiguren und Statisten werden schnell abgehandelt und gut ist. Aber bei dem obigen Zitat geht es dir ja nicht nur um die Figuren, sondern um den Text als Ganzes, der nicht zu explizit erzählt werden soll, der noch Freiraum für Interpretation und die Phantasie des Lesers lassen soll. Zu explizit muss er ja auch nicht sein, aber für mich geht durch den eher minimalistischen Ansatz viel von der Atmosphäre flöten, die der Text bieten könnte. Das mag sich paradox anhören, aber weniger ist nicht immer mehr. Willst du den Stil bewusst so nüchtern halten, um dadurch ein Gefühl der Kohärenz zu der kalten, trostlosen, möglicherweise postapokalyptischen Welt zu schaffen, in der die Geschichte spielt? Das kann natürlich funktionieren, aber für mich funktioniert es in diesem Fall nicht. Ich komme nicht tief genug in den Text hinein. Ich sehe den Prota nicht wirklich vor mir, und - wie schon gesagt - auch die Umgebung nicht. Beschreibungen wie die von abgerissenen Fassaden bleiben für mich blass und leblos, es entsteht kaum ein Bild vor meinem inneren Auge und wenn, dann nur grob und verschwommen.

Natürlich ist so ein kurzer Auszug nur schwer bis unmöglich auf die Gesamtwirkung hin zu beurteilen, und ich will dir auch nicht in deinen Stil oder deine Überzeugungen reinpfuschen, aber ... tja, wenn man es ganz nüchtern betrachtet, dann sagt mir das bis hierhin wohl einfach nicht zu, sodass ich Nihil bei seinem eingangs gestellten Fazit "Stimmungsvoll" leider nicht uneingeschränkt beipflichten kann. Vielleicht ändert sich daran noch etwas, wenn (falls?) du noch mehr Text hier anbietest. Interesse hätte ich ja grundsätzlich schon noch, kannst doch nicht einfach mit einem Cliffhanger enden und erwarten, dass niemand mehr wissen will. wink

Gut gefallen haben mir übrigens auch die Querverweise auf Dante und Orpheus. Aber das ist mir insgesamt betrachtet zu wenig und zu ... blutleer.


Vorläufiges Fazit:
Nichts für mich, leider, obwohl ich der Thematik keineswegs abgeneigt bin, auch nicht der übertriebenen oder klischeehaften Darstellung oder der Fäkalsprache. Mir sagt nur der minimalistische Schreibstil nicht zu, auch wenn er durchaus begeisterte Anhänger finden könnte. So vermessen bin ich dann doch nicht, von mir auf die Allgemeinheit zu schließen. lol2

Sind wir trotzdem noch Freunde? smile


Gruß,

~~Der Gaukler


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(Mark Twain)
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BeitragVerfasst am: 29.10.2012 16:50    Titel: Antworten mit Zitat

Also ich bin etwas ambivalent gegenüber diesem Text, aber je nach dem was du damit machen willst, finde ich ihn gar nicht schlecht. Sicher ist dieser Auszug ziemlich deutlich einem Genre zuordenbar, vergleiche mit Sin City wurden angestellt und sind von Vokabular, Satzbau und comicbildhaften Beschreibungen sicher angebracht. Philip K. Dick wäre noch ein Autor zu dem ich da spontan Parallelen sehen würde. ABER du hasst den Text "Noir" genannt und machst ihn dadurch bewusst zu einem Inbegriff dieses Genres, sämtliche Klischees haben dann das Potential entweder einen "Super-Noir" Text zu ergeben, oder eine kreative Spielerei mit seinen Stilmitteln. Eine Idee die mir durchaus gefällt.  

Für Details habe ich gerade keine Zeit, wenn du magst kann ich später noch ein paar Anmerkungen zufügen.

So und weil du schon Dante erwähnt hast unterschreibe ich mit meinem bürgerlichen Namen
Beatrice
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