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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Leseprobe: Die Pforte zum Paradies


 

 
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OpenOcean
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BeitragVerfasst am: 09.09.2012 19:50    Titel: Leseprobe: Die Pforte zum Paradies eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Daniel


Die Pforte zum Paradies






















Ich bin die Tür, sagt Christus, wer durch Mich eintritt, wird gerettet werden.
I

5:30 Uhr – ein Wecker schellt in Pike Creek.
Das Leben des Matthew Kertész war bis zu diesem Tage nicht das aufregendste. Nein viele würden es mit Recht als durchschnittlich oder gar langweilig bezeichnen. Langsam und lustlos stieg Matthew aus seinem Bett. Er streckte sich aus und gähnte deutlich über das ganze Gesicht. Nicht das er der geborene Morgenmuffel war,  jedoch sein Leben - insbesondere seine Arbeit - hinderten ihn daran euphorisch in den Tag zu starten. Er war jetzt Mitte Dreißig und hatte es noch nicht Recht zu irgendetwas gebracht. Seine Arbeit widerte ihn einfach nur an und mit seiner Ehe ging es ziemlich den Bach runter. Aber es hatte seine Gründe, warum sie beide zusammen blieben.
„Mach das dumme Licht aus!“ mit den Worten drehte Olivia sich noch einmal um, als der Schein der Nachttischlampe ihre Augen traf.
Matthew besah den Fußboden, es lag die gestrige Kleidung sowohl von ihm selbst, als auch von Olivia auf dem Teppich verstreut umher. Er suchte sich im Kleiderschrank frische Sachen, die er für den Tag brauchen würde und löschte erst jetzt das Licht wieder. Olivia schlief sogleich im gemeinsamen Ehebett wieder ein. Es war ein großes Bett, das prunkvollste Möbelstück der ganzen Wohnung. Das Bettgestell war aus edlen hellem Holz mit kunstvoll geschnitzten Beinen. Die Nachtischschränke waren hierzu genau passend. Sonst war eigentlich gar nichts tolles in der Wohnung. Aber das Bett hatten die Beiden von allen Freunden und Bekannten zu ihrer Hochzeit geschenkt bekommen. Matthew gefiel es optisch sehr gut, außerdem war es ungeheuer groß. Jedoch er mochte es nun nicht mehr. Es symbolisierte geradezu den Keil, der sich zwischen die beiden Eheleute gebohrt hatte. Olivia schien endlos weit weg zu sein. Früher hatte sie in seinem Arm geschlafen, jetzt hatte sie ihre eigene Bettdecke. Und so etwas nennen sie dann Ehebett, dachte Matthew eines Nachts bei sich.

Nun machte er sich fertig für seine Arbeit. Er hatte seit seiner Jugend immer wieder Gelegenheitsjobs in Lagerhäusern oder Fabriken am Hafen in Wilmington, einer geschäftigen kleinen Hafenstadt übernommen. Eine Ausbildung hatte er nach seiner Schulzeit nie durchlaufen. Seit drei Monaten nun hatte er eine Übergangsstelle bei einem größeren Lagerhaus gefunden.

Matthew war im Bad sehr bald fertig. Er mochte das Badezimmer von allen Zimmern am liebsten. Es hatte ein Fenster, durch das die Sonnenstrahlen am Morgen wunderschön einfielen. Das Zimmer war klein aber gemütlich. Seine Ehefrau verstand es mit kleinen Dekoartikeln eine schöne Atmosphäre zu schaffen. Erst als er auf den kalten Fließen lief, fiel ihm etwas auf. Seine Socken hatte er im Halbschlaf vergessen. Darum ging er über einen winzigen Flur zurück ins Schlafzimmer und wühlte leise in einer seiner Schubladen. Mit den Socken eilte er am Bad vorbei, durch das Wohnzimmer und den Eingangsflur in die Küche. Er wollte noch schnell Frühstücken. Es war kaum mehr Besteck vorhanden. Das einzige, was er noch als Messer nutzten konnte, war das große Riesenmesser. Dieses Schlachtschiff – wie Olivia es nannte – wurde eigentlich nur an Weihnachten für den Braten benötigt. Oder aber an Tagen wie heute, wo alles Geschirr verdreckt in der Spülmaschine stand. Er machte sich sein Frühstück zurecht und las dann bei einem Erdnussbuttersandwich die Tageszeitung. Nach dem Essen schaute er auf die kleine Küchenuhr. Eigentlich hatte er keine Zeit mehr. Dennoch nahm er sie sich für seine erste Zigarette. Der junge Mann hatte es vor einigen Jahren angefangen, es musste irgendwann kurz vor der Beziehung zu Olivia gewesen sein. Jetzt wurde er plötzlich wach. Er fand eine Stellenanzeige als Kurierfahrer und nahm sich vor sich dort zu bewerben. Ob er es tun würde war allerdings fraglich.
Mit etwas Toast im Magen verließ er die Wohnungstür, ging die Treppenstufen das sauberen Flures hinab und kam durch eine moderne Tür ins Freie. Die Sonne war gerade aufgegangen und die ersten warmen Strahlen des Tages trafen auf den Morgentau, die Bewohner von Pike Creek und dem Rest des Landes. Die Blumen im Vorgarten des Wohnhauses reckten die Köpfe nach der Sonne. Im Blumenbeet war die Spur des Eichhörnchens zu sehen, das auf der alten Tanne an der Grundstücksgrenze lebte. Die Vögel zwitscherten vor sich hin. Alles in allem konnte dies wirklich ein guter Tag werden.

Jetzt wurde es allerdings wirklich Zeit, er musste los. Er schwang sich in sein verdrecktes Auto, das auf seiner Einfahrt stand und trat das Gas durch. In der Hand hatte er noch die Hälfte seiner Zigarette. Die Tanknadel nähere sich bedrohlich dem Tiefstand, aber zur Arbeit würde er es noch schaffen. Auf der Rückbank tummelten sich neben vielen leeren Zigarettenschachteln auch hier und da Getränkedosen. Matthew drückte die Zigarette in dem überquellenden Aschenbecher aus. Er schaltete das Radio ein. Es liefen gerade die Nachrichten.   Die Moderatorin berichtete just von einem schweren Flugzeugunglück. Keiner hatte den Absturz ins Meer überlebt. Die Fluggesellschaft galt als zuverlässig. An Bord der Maschine hatten sich- Matthew wechselte den Sender. So welche Unglücke waren für ihn weit weg. Er war ein hilfsbereiter Mensch, jedoch nur bei Problemen denen sich seine direkten Mitmenschen gegenüber sahen. Bei fröhlicher Musik ging die Fahrt weiter. An der nächsten Ampel war sein Aschenbecher wieder leer. Nein, ein Freund der Umwelt war er ganz sicher nicht.

Um kurz nach sieben, also beinahe pünktlich war er auch schon am Arbeitsplatz. Er parkte auf dem Firmenparkplatz neben den Bäumen und ging dann schnellen Schrittes zum Lager. Als er durch die Tür die Lagerhalle betrat, kam ihm scheinbar wie jeden Morgen eine grüne Giftwolke entgegen. Man konnte sie zwar nicht sehen, aber riechen konnte man sie. Es roch nach Chemie. An den Geruch würde er sich erst noch lange Zeit gewöhnen müssen. Matthew schloss die Tür, die unter einem lauten Hall einrastete. Um ihn herum herrschte schon ein reges Treiben. Lageristen eilten hin und her. Kartons wurde gezählt und kontrolliert. Es wurde eingelagert und ausgelagert.
„Matthew, hau rein! Lass gehen!“, rief sein Chef von irgendwo aus dem hinteren Teil der Halle.
Matthews Aufgabe bestand darin Kartons, Fässer und Kanister mit dem richtigen Etikett auf Paletten zu packen, damit diese verschifft werden konnten. Da diese Arbeit noch nicht vollautomatisch funktioniert, wurden hier noch jede Menge billige Arbeitskräfte benötigt. Matthew war einer von ihnen. Ein Kommissionierer, auch Laufbursche oder Lagerist genannt. Er hatte eine Liste, welche er abzuarbeiten hatte. Box für Box, Gebinde für Gebinde stapelte er übereinander. Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche. Einzige Ausnahme bildeten die Pausen. Als einzige Hilfe stand neben seiner Manneskraft ein elektrischer Hubwagen, Ameise genannt, zu Verfügung. Das Vergnügen einen echten Gabelstapler zu fahren kannte er nicht. Denn dazu hätte er einen Staplerschein haben müssen.
Matthew hatte wieder eine Palette komplett zusammen gestellt, die er nun aus der Halle zum Transport ans Rolltor liefern konnte. Von dort übernahmen dann kleine Transporter oder schwere Lkw den Transport bis an den Kai des Hafens oder zu einem Kunden in nächster Nähe.

„AAAhhh!“, mit einem Aufschrei kam seine Ameise abrupt zum stehen. Matthew hielt sich seine rechte Hand auf den linken Oberarm. Seine Gesicht war schmerzverzerrt, ihm wurde augenblicklich heiß. Entsetzlich heiß. Es war ein warmer Frühlingstag und er hatte sein kurzärmliges Arbeitsshirt gewählt. Matthew sah seine Hand an und drehte seinen Arm. Seine Hand war blutrot. Kurz vor dem Ellenbogen hatte es ihn erwischt. Ein langer tiefer Schnitt klaffte in seinem Fleisch. Matthew hatte Schmerzen, biss aber auf die Zähne. Kleine Schrammen und Blutergüsse gehörten zum Alltag in einem Job wie diesem. Er hatte nicht das Glück ein Banker oder Manager zu sein, wie einer seiner Nachbarn. Er nicht, es war sein Glück, dass er überhaupt eine Arbeit hatte. Er war kein guter Schüler gewesen. Speziell in den letzten wichtigen Schuljahren hatte er ziemlich versagt. Daher hatte er jetzt einen so unattraktiven Job wie diesen. Genau wie es ihm sein Klassenlehrer prophezeit hatte. Aber er hatte ja nicht hören wollen. Und so musste er sich mit Schweiß und Blessuren herum plagen.  

Diesmal hatte es ihn aber ziemlich hart getroffen. Aus irgendeinem Grund hatte eine der Blechtonnen ein riesiges Loch. Das Blech war am Loch von innen nach außen gewölbt und hatte seinen Arm wie ein Messer aufgeschlitzt. In Gedanken war Matt – wie er von allen genannt wurde - schon beim Rolltor gewesen, auf rechts und links hatte er nicht sonderlich geachtet. Dazu gab es ja auch keinen besonderen Grund. Zu seinem Pech hatte die Blechtonne auch noch ein kleines Stückchen zu weit rechts auf der Palette gestanden, so das sie ein ganzes Stück auf den Gang heraus ragte.
„Verdammter Dreck, immer ich!“, fluchte Matthew. Das Blut ran aus der Wunde und verschmierte den Boden sowie seine Jeans inklusive der Schuhe. Bevor es weiter ging, musste er zu allererst diese Wunde stoppen. Sein Blut tropfte den Boden stetig voll, wie ein Kind das heftige Tränen vergoss.
„Sauerrei, verdammte!“
Er ging zum einzigen Ersthilfekasten.
„Sieht ja übel aus, Matt!“, meinte ein Leidensgenosse der ihn beobachtete.
„Ich bin in Ordnung, Mann!“, wiegelte er ihn mit einer Handbewegung ab.

Nachdem der Verletzte einen Verband im Schrank gefunden hatte, setzte er sich auf eine Kiste. Er legte den Verband irgendwie um die Wunde und hoffte die Sache sei damit ausgestanden. Nach vollbrachtem Werk ging er zurück zur Ameise über den blutverschmierten Lagerboden. Das Blut vermischte sich mit dem Staub und wirkte auf dem Boden beinahe schwarz. Nun wollte er weiter machen wie bisher. Doch scheinbar hatte er zu schlampig gearbeitet oder die Wunde war zu tief. Jedenfalls verlor er immer mehr Blut und der Verband färbte sich schon blutrot.

Kurz darauf war Matthew auch schon im Wagen von Steven Baker. Steven arbeitete schon im Lagerhaus als Matthew dort anfing und vermutlich auch schon Jahre davor. Er wusste einfach alles und war durch nichts kleinzukriegen. Matthew hatte sich gleich super mit ihm verstanden. Sonst hatte Matthew wenig Kontakte, da er noch nicht so lange dabei war.
„Scheiße, ich weiß nicht wie das passieren konnte. Sag dem Boss nichts!“, war die Sorge von Matthew.
„Alles in Ordnung Cunnigham weiß Bescheid.“, beruhigt ihn Steven.
Cunnigham war der Boss der beiden, der mit Matthew in kurzer Zeit schon einigen Ärger gehabt hatte. Eigentlich war er nicht der Chef der gerne mal Laut wurde, doch seit dem dieser Matthew kennen gelernt hatte, hatte sich dies geändert.
Der Verwundete war mittlerweile schon arg geschwächt. Schemenhaft nahm er die Bäume rechts und links aus dem Autofenster wahr. Die Stimme von Steven hörte er nicht mehr. Er wusste auch nicht mehr genau wie er in das Auto gekommen war.

In einem kühlen hellen Raum wachte er wieder auf. Ab hier hatte er später wieder ein Erinnerungsvermögen. Alles um ihn herum war weiß, ein helles Licht umgab ihn. Es war beinahe zu hell und zu weiß. Es roch sehr befremdlich. Nun war für ihn klar, das er in einem Krankenhaus seien musste. Er hörte eine Stimme von scheinbar weit weg.
„Herzfrequenz ist erhöht, Haut blass, Puls schwer auszumachen, rasend.“
Was heißt das?“, hörte er die Stimme von Steven von irgendwo her. Er musste meilenweit weg sein.
„Es hat die Oberarmschlagader erwischt. War das ein Messer?“, fragte die Schwester Steven.
Matthew wollte antworten, das es kein dummes Messer war und das auf ihn auch niemand mit einem solchen stechen würde. Aber seine Zunge wollte ihm nicht gehorchen. Es fühlte sich an wie ein getrockneter schwerer Waschlappen im Mund. Nicht einmal den Arm heben konnte er. Er fühlte sich weit weg und hilflos. Und wieder hörte er ein leises Summen, das zu einer Stimme wurde.
„Nein, ich verstehe das nicht. Es war nur ein Stück Blech von einer Tonne, das ihn aufgeschlitzt hat. Jedenfalls sagte man mir das so.“, informierte Steven die Krankenschwester.
„Sie hätten die Wunde vernünftig abdrücken müssen, dann wäre es nicht soweit gekommen.
„Ich werde sterben!“, schoss es Matthew durch den Kopf, ehe er sein Bewusstsein erneut vollständig verlor.

Als er wieder aufwachte, war er in einem anderen Zimmer. Sein Arm war er an einem Tropf für die Bluttransfusion angeschlossen. Schwächer als je zuvor blinzelte er die Krankenschwester an. Sie war in bestem Alter und sah aus wie ein kleiner Engel. Vielleicht war er auch dermaßen geschwächt das er nicht mehr richtig urteilen konnte.
„Ich-“ weiter kam Matthew nicht.
„Schonen Sie sich Herr Kertész. Sie bekommen nur etwas Blut nach und dann kommen Sie wieder auf die Beine! B und Rhesus negativ, war nicht leicht die auszutreiben! Sie können ihrem Schutzengel danken! Aber jetzt ist wieder alles halb so wild. Sie haben keinen Grund beunruhigt zu sein.“, sagte die freundliche  Krankenschwester.
„Ich danke ihnen!“
„Sie müssen sich nicht bedanken. Und jetzt schonen Sie sich.“
Die Krankenschwester verabschiedete sich und verschwand. Plötzlich wurde es still im Raum. Nun war er alleine mit Steven.
„Na, Steven, hast du ein Bier für mich?“, feigste er.
„Oh man, du ahnst nicht was du für Schwein hattest. Es ist so. Es ist – deine Blutgruppe, sie hatten sie eigentlich gar nicht da verstehst du Matt? Ich habe selbst gesehen wie der Arzt den Kopf geschüttelt hat, dann aber doch nachsehen gegangen ist und wohl noch eine Konserve in der Kühlung hatte. Diese Blutkonserve fehlte wohl auf den Bestandslisten. Verstehst du, sie war formal gar nicht da!“
„Kann ja mal vorkommen, aber wie du siehst habe ich es gut überstanden.“
„Bist ein Glückskeks, Matt!“
Ich fahre dich gleich nach Hause und sage Cunnigham Bescheid.

Aus der Fahrt wurde noch nichts.
„Mr Kertész, ich muss sie leider bitten noch einen Tag länger zur Beobachtung in unserem Hause zu verweilen.“, sagte die Krankenschwester, die er vom Vortag bereits kannte.
„Aber gerne doch, wo bekommt man sonst ein Allinklusiv Aufenthalt für umsonst!“, scherzte der Patient.
Olivia erkundigte sich telefonisch nach ihrem Mann. Er versicherte ihr wahrheitsgemäß, dass sie sich keine Sorgen machen müsse und er ja morgen zurück sei.

Dann endlich war es soweit. Die Ärzte gaben ihr okay. Olivia durfte ihn abholen. Nach dieser Nachricht sprang Matthew sofort aus seinem Krankenbett und packte voller Eifer seine Sachen. Er rannte die Treppen herunter zur Information und rief bei seiner Frau an um abgeholt zu werden. Es dauerte nicht allzu lange als er auch schon auf dem Beifahrersitz platz nahm. Nun erzählte er wie es ihm ergangen war.
Olivia hörte mit großen Augen zu, was Matthew zu berichten hatte.
„Du hattest wohl einen Schutzengel, meinst du nicht?“
„Wer weiß, auf jeden Fall habe ich erst mal Urlaub! Und dazu endlich wieder normales Essen.“
„Dann kannst du ja mal die Wohnung auf Vordermann bringen. Du musst unbedingt mal die ganzen Papiere sortieren und den Keller wollten wir schon lange aufräumen!“
„Ja wir schauen mal!“, sagte Matthew angewidert, er hätte gerne die Zeit genutzt um mit Olivia Zeit zu verbringen. Aber vielleicht war es dafür schon zu spät. Matthew hatte vor einiger Zeit viel Geld bei illegalen Glückspielen verloren. Seit dem war es mit der Beziehung ziemlich bergab gegeben.
Auch Olivia war sauer. Ihr dümmlicher Mann hatte ihre neuen Schuhe natürlich nicht bemerkt.

Einige Zeit später saß Matthew schon beim Mittagessen, welches Olivia gekocht hatte. Sie war nicht besonders gut im Kochen, aber Matthew war im Grunde meistens zufrieden. Er war nicht sehr anspruchsvoll was das Essen anging.
„Ich bin gleich noch mit Vicky verabredet, konnte ja nicht ahnen das du heute Abend so lange Zeit hast.“, stöhnte Olivia und schlang mit Blick auf die Uhr ihr essen hastig in sich hinein.
„Na toll!“, Matthew war sauer. Nicht nur weil er den Abend gerne gemeinsam mit seiner Ehefrau verbracht hätte, sondern auch wegen Vicky. Er konnte Vicky  noch nie leiden und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Sie war ein rotes Tuch für ihn. Vicky selbst hielt ihn für einen ziemlichen Versager, umgekehrt war sie eine eingebildete Zicke für ihn.
„Dann wünsche ich den Damen viel Spaß, vielleicht hast du ja morgen Zeit für mich!“, Matthew sah am Blick Olivias, das sie morgen irgendeine Ausrede haben würde. Sie hatte wenig Lust auf ihn und würde ihrem Ehemann während seines Zwangsurlaubs aus dem Weg gehen.
Obwohl ihr Ehemann schon vieles versucht hatte. Sogar Blumen hatte er besorgt, was überhaupt nicht seine Art war. Er hatte noch nie irgendwem Blumen geschenkt. Aber es hatte nichts genutzt. Olivia hatte sich zwar gefreut, doch nach wenigen Stunden war alles so wie immer gewesen. Sie waren gefangen in einem Teufelskreis des Alltags.

Bald darauf schloss sich die Tür und Olivia war für diesen Abend fort. Als Matthew alleine in der Wohnug war, ging er vom Wohnzimmer in den kleinen Flur. Hier gab es nun drei Türen. Rechts ging es ins Schlafzimmer, geradeaus ins Badezimmer, die linke Tür war immer geschlossen. Seit der Einrichtung des Zimmers hatte weder Olivia noch Matthew dieses Raum wieder betreten.

Matthew öffnete die Tür erstmals wieder vorsichtig und trat ein. Es klingelte drei bis vier Mal zärtlich leise an der Decke. Denn durch den Windzug, der ins Zimmer zog wurden die Glöckchen des Mobiles bewegt. Das Zimmer war wunderschön geworden. Olivia und er hatten ganze Arbeit geleistet. Vor allem Olivia hatte ihre künstlerische Ader ausgelebt. Matthew blickte auf das winzige Himmelbettchen. Das Bett für seine Tochter. Alles war rosa und voller Plüschtiere und Babyspielzeug. Nur einen Namen hatten sie noch nicht für sie. Aber wann hatten sie überhaupt das letzte Mal über den anstehenden Nachwuchs gesprochen? Er ging zum Bettchen und strich über das winzige Kopfkissen. Einen Moment lang stellte er sich vor wie seine Tochter in anlächelte. Er stand neben Olivia und beide lachten zurück. Beide wünschten eine gute Nacht. Wieder und wieder nahmen sie ihre kleine Tochter und küssten sie. Sue schoss es Matthew durch den Kopf. In seiner Phantasie hatte sie kleine Sue geheißen. Matthew schloss die Tür wieder.

Am späten Abend kam Olivia zurück. Sie war bester Laune gewesen und rechnete nicht damit, dass Matthew noch wach war. Doch Matthew war wach geblieben. Er hatte sich Olivias Lieblingsparfum besorgt. Dieses hatte sie ihm zum Einjährigen Jubiläum geschenkt und er hatte es nun schon seit einiger Zeit aufgebraucht. Außerdem hatte er für Olivia gekocht. So etwas tat er weder gerne noch häufig. Doch er hatte sich von einem Fernsehkoch ein Rezept aufgenommen und hatte an diesem Abend noch alles Nötige besorgt. Es gab Alabama Glazed Ham, eine Art gebackener Schinken. Dazu hatte Matthew noch das Lieblingsgetränk für sie besorgt. Einen Kirschbananensaft. Auf Blumen hatte er dieses Mal verzichtet. Nun drehte sich der Schlüssel hörbar und Olivia trat ein.

„Matt, ich dachte, du würdest längst schlafen?“ Olivia war sichtlich überrascht. „Oh, du hast gekocht. Das riecht ja wirklich lecker. Ich bin sprachlos.“ Sie wusste offensichtlich wirklich nicht recht was Sie sagen sollte.
„Das ist nicht nur lecker, das ist wirklich gut. Setz dich.“, rückte der Ehemann ihr elegant den Stuhl zurück.
Beide aßen gemeinsam genüsslich und verlebten einen glücklichen Abend. Olivia lachte und war zu Scherzen aufgelegt. War dies der Startschuss in eine bessere Zukunft? Hatten sie zwei am Ende doch noch eine Chance?

Es vergingen 14 Tage.

II

5:30 Uhr – ein Wecker schellt in Pike Creek.
Matthew Kertész war wieder in der Lage zur Arbeit gehen zu können oder aber zu müssen. Ganz so wie man es nun sehen will. Er quälte sich aus dem Bett, weil er sich zunächst wieder an das frühe Aufstehen gewöhnen musste. Sonst hatte er natürlich weitaus länger geschlafen, war in dieser Zeit nur kurz durch Olivias Wecker aufgewacht. Das war jetzt wieder umgekehrt. Olivia stöhnte wie üblich einmal kurz auf und drehte sich noch einmal um. Ihre Hände suchten den Nachtisch nach der Wasserflasche ab. Sie war aber schon leer getrunken.

Nun war er wieder im alten Trott – es war ein Montagmorgen und das Arbeitsleben ging weiter für ihn.
Matthew ging ins Bad und betrachtete sich im Spiegelschrank. Er war ein Mann von mittlerer Größe. Seine dunklen Haare waren kurz und immer etwas zerzaust. Das sah wie gestylt bei ihm aus, ohne das er nachhelfen musste. Seine Gesicht passte eigentlich nicht zu ihm, denn es war das eines jungen dynamischen Mannes. Er sah erforderlicher aus, als er es in Wirklichkeit war. Seine grünen Augen und sein Dreitagebart standen ihm gut. Lediglich seine Nase war etwas zu mächtig für sein schmales Gesicht geraten. Aber im Grunde genommen konnte er mit Leonardo dicaprio mithalten, wie er fand. Er drehte seinen Oberarm im Spiegel. Die Wunde war praktisch verheilt. Ein paar Tage noch und es würde nichts mehr zu sehen sein. Er hatte in der letzten Zeit auch keinen Gedanken mehr an sie verschwendet. In der freien Zeiten war er kaum aus der Wohnung gekommen. Lästige Hausarbeiten hatte er verrichtet. Er hatte seine Steuerunterlagen sortiert und jede Menge Papiere war er auch für immer losgeworden. Außerdem hatte er viel Zeit mit Pille verbracht. Pille war sein anderer bester Freund. Ein kurzhaariger, 18 Monate alter Mischlingsrüde mit schwarz-braun gesprenkeltem Fell, der ihm aufs Wort gehorchte. Auffällig an ihm war seine gewaltige Zunge.  

Der erste Arbeitstag nach seinem Arbeitsunfall verlief wie gewöhnlich. Er unterhielt sich in der Mittagspause ausführlich mit Steven bei einer Tasse Kaffee. Sie redeten über die letzten Footballspiele und Matthew schwärmte von der tollen Freizeit die er genossen hatte. Steven Baker strahlte geradezu. Er kam mit jedem zwar bestens zurecht. Aber Matthew hatte ihm schon gefehlt. Die Beiden verabredeten sich für das Wochenende auf ein Bier und schon war die Pause vorbei.

Nachmittags hatte Matthew endlich frei. Das hieß das er wie gewöhnlich einer der Ersten war, die vom Parkplatz in Richtung Feierabend rasten. Er hatte es nicht weit, ganze 14 Meilen musste er zurücklegen. Davon das meiste auf der Schnellstraße. Er war dabei höchstens zwanzig Minuten unterwegs. Wie so oft drehte er das Radio laut auf. Plötzlich raste sein Herz. Ein kurzes Quietschen. Matthew verriss das Lenkrad. Sein Ford Taurus schleuderte scharf nach links auf die Gegenfahrbahn. Er sah den Pickup  seitlich auf ihn zu kommen und trat das Gas voll durch. In einem Satz fuhr sein Gefährt in letzter Sekunde herunter von der Fahrbahn in den Straßengraben. Die unvermeidbare Kollision war abgewendet. Dabei war er schon von der Schnellstraße herunter und wäre in den nächsten Minuten zu Hause gewesen. Matthew war nicht der vorsichtigste Autofahrer. Aber einen Unfall hatte er noch nie gehabt.

„Ey du Spinner, bist wohl nicht ganz dicht, oder wie?“, eine ungepflegte kleine dicke Frau Mitte vierzig hatte den blauen Pickup verlassen und beugte sich zu ihm runter. Sie hatte eine Vollbremsung eingeleitet, aber wäre Matthew nicht in den Graben gefahren hätte es die unausweichliche Kollision gegeben.
„Ja danke alles in Ordnung!“
„Alleinstehend und Arbeitsplatz Schnellrestaurant an Schnellstraße. Was für eine reizende Person um einen Unfall zu haben und Hilfe zu brauchen.“, dachte sich Matthew.
Er zwängte sich durch die Beifahrertür ins Freie und wollte gerade nach einem Mobiltelefon fragen.
Doch da war die nicht ganz vorbildliche Fahrerin auch schon verschwunden. Zuvor murmelte noch irgendetwas von „Du kommst wohl ohne mich klar“ und war fort.
Matthew trat mehrfach unter lautem Fluchten gegen die Beifahrertür. Er trat so lange bis ihm sein rechter Fuß schmerzte. Ihm blieb nichts anderes übrig als das letzte Stück bis zum Ort zu Fuß zu gehen.
Was war passiert? Er hatte diesen Hund plötzlich vor sich gehabt. Er war aus dem Feld einfach so, quasi wie aus einer Nebelwand aufgetaucht. Erst als dieser fast auf der Fahrbahn war, hatte er ihn wahrnehmen können. Da stand er schon keine 15 Meter vor ihm. Er hätte entweder auf ihn zu halten können oder die andere Option war ein Ausweichen in den Gegenverkehr. Da er selber so einen kleinen Pille hatte, konnte er es nicht tun, hatte also volles Risiko gehandelt.

Bei der ersten Gelegenheit betrat er einen Supermarkt und fragte nach einem Telefon. Olivia war noch nicht zu Hause, also rief er Mrs Edwards an. Emma Edwards wohnte in der Wohnung über ihnen und war die netteste Nachbarin die man sich vorstellen konnte. Vollkommen unkompliziert, immer begeistert wenn es mal ein Fete gab und lauter wurde, immer daheim, nie eingespannt und immer hilfsbereit. Als Emma von der Notlage von ihrem Matt erfuhr kannte sie vor Aufregung kein halten mehr.
„Jaja Mr Kertész ich rufe einen Abschleppwagen. Ihr Wagen muss in die Werkstatt, wie? Ich hole Sie ab!“
„Ist gut Mrs Edwards, ich danke Ihnen vielmals!“, Matthew legte auf und wartete, dass alles seinen Lauf nahm.

Olivia suchte erstaunt ihren Ehemann, als Sie von ihren Job im Büro nach Hause kam. Denn abends ging sie noch putzen. Sonst würden sie mit dem Geld hinten und vorne nicht auskommen. Sie war 34 und nur wenige Monate jünger als Matthew. Sie hatte dunkle kurze Haare, die sie hinter die Ohren gesteckt hatte. Ihre blaugrauen Augen waren ebenso schmal wie ihre Augenbrauen, dafür hatte sie wie Matthew eine Nase, die nicht recht ins Gesicht passte. Ebenso hatte sie sehr volle Lippen die sie etwas an ihr störten. Im Grunde genommen war sie eine hübsche Frau, die ohne Probleme eigentlich zufrieden sein konnte. Jedoch war Olivia eigentlich nie zufrieden im Leben. Matthew war der erste Mann mit dem sie es länger aushielt. Aber wahrscheinlich auch nur weil Matthew sehr unkompliziert war.
Sie ging zum Kühlschrank, stellte fest das er – in ihrem Sinne – leer war und knallte die Tür zu. Sie räumte das Frühstücksgeschirr in die Spülmaschine und schaltete sie ein. Danach warf dann vom Hunger geplagt einen Blick ins Eisfach. Da auch dort nichts zu finden war, worauf sie Hunger hatte, war auch dieses für sie leer. Genervt griff sie zu einem Apfel und biss hinein. In dem Moment hörte sie den Schlüssel in der Tür und Matthew trat ein.

Er wollte seine Ehefrau küssen, doch diese wies ihn ab.
„Wo kommst du denn her?“
„Kleine Autopanne, Schatz. Unser Supernachbarin hat mir ausgeholfen. Morgen muss ich den Bus nehmen.“
„Na super, das sind ja tolle Neuigkeiten. Aber die gute Mrs Edwards ist doch ein Schatz. Ich muss gleich noch Einkaufen, es ist nichts mehr im Haus!“
„Ja dann mach das, bring mir Erdnussbutter mit! Und ein paar Muffins für die Arbeit. Ich werde mit Pille raus gehen.“
Und so gingen sie beide getrennt ihrer Wege.

Der Sparziergang mit Pille tat jedes Mal gut. Das Wetter war angenehm, etwas zu heiß aber dafür mit ausreichend Wind. In Pike Creek konnte man sehr gut mit einem Hund spazieren gehen. Es gab dort einen kleinen Fluss der durch mehrere Wäldchen führte. Überhaupt gab es hier viele Bäume. In der Natur war es ruhig und man konnte abschalten. Pille konnte am und im Wasser herum tollen und sich abkühlen. Matthew ließ ihn immer wieder Stöckchen abportieren, die er vornehmlich in den Bach warf. Außer anderen Leuten mit Hunden sah man nicht viele andere Leute. Ab und an mal ein Pärchen mit Kinderwagen. Jetzt war gerade so eines in der Nähe. Matthew dachte an seine Tochter. Bald würden sie hier lang gehen. Es würde alles wieder gut werden. Wenn das Baby erst mal da war, würden sie zu einer unzertrennlichen Einheit zusammengeschweißt werden.
Wäre es nicht so heiß gewesen, hätte Matthew den Weg mit seinem Hund gejoggt. Trotz der Schönheit des Wegs und des Wetters war Matthew als erster wieder zu Hause. Er schloss die Tür, machte Pille vom Halsband los, worauf dieser sich artig bedankte. Dann gingen beide ins Wohnzimmer. Dort ließen sie sich stöhnend in den Fernsehsessel fallen, nachdem der Hausherr sich einen Cheeseburger in die Mikrowelle gelegt hatte. Er schaltete den Fernseher an. Das Bild war gerade zu sehen, als es auch schon wieder verschwunden war. Ebenso war das leise Surren der Mikrowelle nicht mehr zu hören. Matthew ging zum Sicherungskasten und stellte fest, dass die Sicherung herausgesprungen war. Er drehte wieder alles auf Anfang und lies diesmal nur die Mikrowelle laufen. Diesmal nahm er zur Sicherheit in der Küche platz. Hier bemerkte er , dass Olivia wohl Kaffee verschüttet hatte. Da sie wohl nichts anderes zur Hand gehabt hatte und es die Zeitung eh erwischt hatte, war diese kurzerhand zum Küchentuch umfunktioniert worden. Mittendrin Matthews Stellenanzeige, an die er jedoch nicht mehr dachte. Der Cheeseburger war endlich fertig. Sofort schaltete er den Fernseher wieder an. Matthew ärgerte sich über das schlechte Bild. Es schien etwas nicht zu stimmen.

Oilvia kam nach Hause.
„Was ist dass denn für ein schreckliches Fernsehbild? Hilfst du mir mit dem Einkauf?“
Matthew half seiner Frau natürlich. Seine Glieder schmerzten noch vom Unfall, doch er ließ sich davon nichts anmerken. Ein Unfall hätte Olivia nur unnötig aufgeregt und warum sollte er sie mehr in Schrecken versetzen als es nötig war? Daher beließ er es bei einer Autopanne.
„Danke, Schatz. Jetzt muss ich aber los.“, Olivia eilte mit einem Sandwich zu ihrem Zweitjob.

Matthew war noch lange mit dem Fernsehbild beschäftigt. Er wollte gerade aufgeben und sich nur noch hinsetzen, als der Wunderkasten plötzlich wieder komplett ausging. Matthew runzelte die Stirn.
„Verdammter Dreckskasten, verdammter!“
Er war sich absolut sicher, dass er die Mikrowelle ausgeschaltet hatte ging dann aber doch noch mal in die Küche. Ihm bot sich ein Bild des Grauens. Zumindest für jede Hausfrau und für jeden Hausmann. Die Geschirrspülmaschine hatte sich abgeschaltet und war ausgelaufen. Ebenso waren der Kühlschrank und das Eisfach nicht mehr am Stromnetz und waren abgetaut. Um sich die Sache genau anzusehen schaltete Matthew instinktiv das Licht an. Natürlich tat sich nichts. Wutentbrannt schrie Matthew drauflos und er konnte sich nur mühsam beherrschen nicht um sich zu treten. Er war irgendwie in eine dicke Pechsträhne geraten. Gleich würde Olivia wieder kommen. Konnte er die Spuren alle beseitigen bis sie wieder da war?
In diesem Moment drehte sich der Schlüssel im Schloss herum. Hätten in der Küche ein Dutzend ausgeweideter Leichen und 100 Liter Blut gelegen, Olivia  Kertész hätte nicht lauter schreien können. Sie fing hysterisch an zu kreischen und sah aus als ob sie jeden Moment in Ohnmacht fallen würde. Matthew berichtete und versuchte es seine Frau schonend beizubringen. Nachdem beide noch ein paar Mal geflucht hatten, beseitigten sie gemeinsam die Schäden und fielen danach todmüde ins Bett.
„Oh man was für ein Tag!“, seufzte Olivia.
„Was ist bloß los im Moment?“, frage der erschöpfte Ehemann seine Frau.
„Ich weiß es nicht. Wir kümmern uns morgen um die Sache mit dem Strom.“
Matthew legte den Arm um seine Frau.
„Wir können ihn ja noch zu einem guten Abschluss bringen!“, Matthew drückte sich fest an den Körper seiner Ehefrau.
„Nein, Schatz lass mich ich bin völlig kaputt.“

III

5:10 Uhr – ein Wecker schellt in Pike Creek.
Matthew hatte den Wecker früher gestellt, da er den Bus zur Arbeit nehmen musste. Schläfrig stieg er in den Bus ein und ließ sich auf den nächstbesten Platz fallen. Er war in der vergangenen Nacht erst spät eingeschlafen. Seine Gedanken kreisten um die letzten Tage und sein Leben an sich.

Matthew arbeite wie gewöhnlich mit seiner Ameise. Er musste gerade eine Palette aus einigen Metern Höhe von der obersten Ablagefläche des Regals holen. Geschätzte acht Meter über ihm hatte er die Palette, auf der sechs Fässer mit jeweils 60 Litern Pflanzenschutzmittel standen. Matthew hatte keine Chance zu sehen, das diese Palette ihre beste Zeit hinter sich hatte. Durch das Aufladen auf die Ameise war ein Fuß sehr instabil geworden. In dem Moment hörte er die Stimme eines Kollegen hinter sich.
„Matthew, ich brauche mal dein Cuttermesser! Kann meines nirgends finden.“
Matthew zögerte kurz ob er es herüber werfen sollte, entschied sich dann aber dagegen, weil es ein Messer war. Er hatte den Stapler fast noch ganz oben stehen gelassen. Das war was die Vorschriften angeht völlig in Ordnung, es durfte nur keiner unten drunter herlaufen.
Als Matthew gerade losgegangen war, geschah es. Man hörte zuerst das Holz der Palette in der Mitte an einer Stelle knackend durchbrechen. Ein Fass stand dadurch schräg. Es stand auf der einen Seite oben auf der Palette, mit der anderen auf dem unteren Teil der Palette. Dann brach der Fuß komplett weg. Dieses Holzstückchen war das allerletzte noch stabile Teil gewesen. Der letzte Fels in der Brandung. Und nun ging es dahin mit ihm. Die Palette brach unter der Last komplett in sich zusammen. Die Fässer verloren nach allen Seiten ihren Stand und donnerten zu Boden. Sie sprangen und rollten in alle Richtungen. Matthew konnte froh sein nicht mehr in der Nähe gestanden zu haben. Sein Kollege Black und er mussten auch so schon genug aufpassen nicht erwischt zu werden.
„Wow hast du ein Glück!“
„Oder Pech wie man es sieht. Ich habe echt die Schnauze gestrichen voll!“, fluchte er.
„Sei doch froh das dir nichts passiert ist! Ich würde sagen du hast einen guten Schutzengel. Wenn ich das Messer nicht – Ach hier habe ich es ja! Verstehe ich nicht.“
„Ja ich bin ja auch froh und ich werde jetzt zu Cunnigham gehen und meinen Jahresurlaub einreichen!“

„Also das kommt so kurzfristig schon mal gar nicht in Frage. Ich brauche im Moment jeden Mann.“, verwies Cunnigham auf seine betrieblichen Belange. Der Boss saß hinter seinem Schreibtisch und verbarg sein Gesicht schon fast hinter einem riesengroßen Stapel an Papieren.
„Ich weiß aber ich habe im Moment echt nicht die Nerven, es wäre mir wirklich wichtig!“, bestand Matthew auf seinen Standpunkt.
„Wie gesagt wir können darüber reden, aber so von heute auf morgen ist das nicht drin! Tut mir Leid Junge da kann ich nichts machen.“
„Chef, mir ist gerade fast ein 60 Liter Fass auf den Schädel eingehämmert! Ich packe das im Moment nicht! Ich brauche den Urlaub!“
„Kertész, du hattest doch erst einen Krankenschein, weil du dich geschnitten hast. Willst du mich verarschen oder wie? Morgen früh bist du hier oder ich nehme einen anderen und du brauchst gar nicht mehr wieder kommen!“, den letzten Teil hatte Cunnigham entgegen seiner üblichen Art wieder über deutlich laut von sich gegeben. Er nahm den obersten Zettel vom Stapel und laß ihn. Das Zeichen für Matthew, dass es nichts mehr zu reden gab.
Der frustrierte Arbeitnehmer verließ den Raum zügig ohne zurück zu blicken und knallte die Tür zu. Henry Cunnigham zerknüllte den Schein und warf ihn wütend in die Ecke seines kleinen Büros.
Kurz darauf verließ Matthew das Verwaltungsgebäude. Der Chef hatte sein eigenes kleines Reich. Das Gebäude war nicht direkt mit der Lagerhalle verbunden. Es grenze beinahe direkt an, also hatte man trotz alledem kurze Wege.  

Für Matthew galt es diesen Tag und die kommenden irgendwie zu meistern. Wenn gleich er auch seine Schwierigkeiten hatte sich zu konzentrieren. Er spürte, dass etwas nicht stimmte. Verlor er den Verstand? Dieser Urlaub würde ihm sicher gut tun. Aber das Leben war kein Ponyhof und man kann sich nicht immer alles aussuchen. Er musste durchhalten.

Nach der Arbeit bestellte er sich ein Taxi und holte er sein Auto ab. Die Werkstatt machte nochmal klar, dass es nur Blechschäden gewesen seien und er ruhigen Gewissens normal mit seinem Auto fahren konnte.
Zu Hause angekommen machte er sich ohne etwas richtiges zu Essen gleich an die Arbeit das Stromproblem zu beseitigen. Er ging zu diesem Zweck zu den Leitungen in den Keller. Handwerklich war er nicht ungeschickt, doch dieses Stromwirrwarr durchschaute er bei weitem nicht. Das Haus in dem sechs Parteien wohnten war sehr ordentlich gebaut, aber die Stromversorgung schien doch sehr verworren sein. Hier wurde gepfuscht ohne Ende, da war Matthew sich sicher. Er ging an den Hauptschalter und ging das Kabel ab, das zu seiner Wohnung führte. Irgendwie musste das Stromnetz überlastet sein. Matthew fand sich bei den gebündelten Leitungen nicht zurecht und befand bald, dass es zwecklos war. Er ging wieder zurück nach oben. Olvivia kam bald darauf ebenfalls von der Arbeit und kochte für sie. Es gab irgendetwas undefinierbares. In Gedanken nannte Matthew es auch so: „Irgendetwas!“. Matthew konnte nur erkennen das es ein Reisgericht war. Beide saßen in der Küche und warteten, das dass Essen fertig wurde. Es wurde und wurde jedoch nichts mit einer Mahlzeit. Olivia probierte und stellte fest, dass es inzwischen wieder eiskalt war.
„Das Essen ist kalt, entweder ist der Ofen Schrott, oder aber es ist schon wieder ein Stromausfall bei uns! So etwas dämliches, gibt es doch gar nicht!“, rang Olivia mit der Fassung.
„Ich werde Michael anrufen, der kennt sich damit aus.“, meinte ihr Ehemann nach kurzer Überlegung.
Er hatte schon die Nummer gewählt, als es plötzlich an der Tür schellte.
„Wer kann das sein?“, wunderte sich Olivia.
Emma Edwards stand in der Tür. Sie trug Hausschuhe und eine Schürze voller Tomatenflecken über ihrem Rock. „Entschuldigen Sie die Störung, aber bei mir ist der Strom ausgefallen!“, sprudelte es aus ihr heraus.
Mrs Edwards hatte ein „Duzen“ immer abgelehnt.
„Bei Ihnen auch? Jetzt reichts. Genug ist genug. Wir rufen die Hausverwaltung an!“, entschied Olivia griff sich das Telefon und verschwand in der Küche um nach der Nummer zu forschen.
Mrs Edwards quittierte es mit einem zufriedenen Nicken.
„Ich habe zwar einen Gasofen, aber der Fernseher ist ausgegangen und ging auch nicht wieder an. Ich kann drücken und drücken, es tut sich nichts.“
Bald kam Olivia zurück. Sie hatte niemanden mehr erreicht. Auch Michael war verhindert, es meldete sich immer wieder nur der Anrufbeantworter.
Einige Minuten später - nachdem das ganze Haus inzwischen in die Sache involviert war - stand Matthew zusammen mit Mr Leans. Mr Leans war ein unauffälliger Nachbar, den man selten hören oder sehen konnte. Matthew hatte ihn immer heimlich den Nachrichtensprecher genannt, weil er eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Nachrichtensprecher aus dem Fernsehen hatte. Außerdem war er wegen seines Jobs – bei einer Bank oder Versicherung so genau wusste das keiner – immer sehr adrett gekleidet.
Außer den drei erwähnten Parteien wohnte noch die verschlossene Familie Dearing im Erdgeschoss neben jenen Mr Leans. Im ersten Stock wohnte neben Kertész noch die recht nette Familie Coleman die aus den beiden Eltern mit zwei Söhnen bestand. Oben wohnte neben Mrs Edwards noch Mr Collister ein Rentner der früher bei der Armee gewesen war.
Da keiner im Haus wirklich Ahnung von Elektrik hatte, hatte man sich im Haus darauf verständigt, dass Matthew und Leans ihr Glück versuchen sollten. Olivia hielt eine Taschenlampe während Matthew den Hauptschalter aufschraubte. Als der Deckel abfiel, pustete Mr Leans einmal kräftig hinein.
„Tja, eine staubige Angelegenheit. Bin doch mal gespannt, ob wir eine Chance haben das Problem selbst zu lösen. Mit teuren Elektrikern wird das doch sicher ins Geld gehen.“, mutmaßte Leans.
Die beiden prüften die Leitungen.
Olivia schüttelte immer wieder ihre Taschenlampe. Entweder war sie defekt, oder die Batterien waren zu schwach. Jedenfalls wurde es hin und wieder stockdunkel im Keller und man konnte absolut nichts sehen. Denn nach wie vor gab es keinen Strom. Das einzige was man hören konnte waren die Bewegungen von Olivias Halskette, wenn sie wie wild rüttelte. Diesmal schüttelte Olivia die Taschenlampe besonders lange und heftig, aber sie wollte einfach keinen Schein mehr abgeben.

„Ich glaube es liegt an diesem Kabel hier“, hörte man Matthews Stimme, der den Schraubenzieher an einem Kabel hatte.“
„Lassen sie mich mal sehen“, hörte man die Stimme von Mr Leans.
Olivia schüttelte noch immer die Taschenlampe.
Dann hörte man ein ächzendes Stöhnen. Jemand brach zusammen.
„Matthew!“, schoss stieß Olivia hervor.
Dann ein Surren. Jemand zitterte am Boden. Dann wurde es totenstill. Das Strom sprang wieder an. Es wurde unangenehm hell. Mr Leans lang reglos auf dem Boden. Matthew beugte sich über ihn.
„Ein Stromschlag! Ruf den Notarzt an!“
Olivia tippte sofort die Notrufnummer in ihr Handy ein. Sie war sehr panisch und hatte Mühe der Leitstelle alle wichtigen Fakten zu nennen. Matthew war währenddessen mit dem Körper von seinem Nachbarn beschäftigt. Keine Atmung und kein Puls. Er konnte nichts feststellen. Erste Hilfekenntnisse hatte er nicht. Nur aus dem Seminar beim Führerschein. Er versuchte trotzdem alles.

Bald darauf kam der Notarzt. Mit sorgenvoller Miene besah er sich den Körper des Opfers auf dem Kellerboden.
„So tun sie doch etwas!“, bat Olivia.
Doch der Notarzt schüttelte nur noch den Kopf. Es war zu spät.
„Tut mir Leid.“, konnte er nur noch den Tod von Mr Leans feststellen.
Es herrschte Trubel im Haus. Neben den Sanitätern, folgte nun der Leichenwagen und die Kriminalpolizei. Mr Leans wurde abtransportiert in die Gerichtsmedizin.
„Matthew Kertész wir müssen Sie leider aus Beschuldigten mit aufs Revier zum Verhör bitten. Olivia Kertész sie werden als Zeugin auch noch auf dem Revier gebraucht!“
„Officer, bitte übertreiben Sie es nicht, es war ein gottverdammter Unfall!“, Matthew hatte zur Zigarette gegriffen.
Bisher hatten die Beamten kaum Fragen gestellt. Olivia hatte die meiste Zeit gesprochen, weil sich die Beamten von Anfang an an sie hielten.
„Ich hatte Leans noch das Kabel gezeigt. Es hätte eben so gut mich treffen können! Ich wollte es ja schon greifen, nur Leans war in diesem Moment schneller gewesen!“, Matthew fühlte sich irgendwie schuldig.

Alle Erklärungen halfen nichts. Matthew und Olivia wurden in getrennten Streifenwagen zum Polizeirevier gebracht. Matthew musste die Zigarette löschen und nahm hinten im Auto platz. Da er keinen Widerstand leistete verzichteten die Beamten auf Handschellen.
„Ein Unfall wie?“, fragte einer der Polizeibeamten. Matthew hatte sich keine Namen gemerkt. Als die Männer sich vorstellten, dachte er noch nicht daran, dass er so viel mit ihnen zu tun haben würde. Er wusste nur, dass es den kleinen Glatzkopf und den großen Widerling gab. Der Große hatte seine Frau so angesehen, als ob er sie mit den Augen ausziehen würde. Matthew kannte diesen Blick. Aber der kleinere der beiden war auch nicht sympathischer. Er war schon überrascht nicht in Handschellen zu liegen. Er würde ganz ruhig bleiben!
„Ja ein Unfall natürlich. Was denn sonst?“, sagte Matthew leise und nervös.
„Sie hatten schon mit der Polizei zu tun?“, fragte diesmal der Glatzkopf.
„Nein, noch nie.“
Der Glatzkopf gab einige Daten per Funk durch. Es herrschte kurze Stille. Dann bekam er eine Antwort.
„Sir, ich befürchte sie haben uns nicht die Wahrheit gesagt. Sie hatten sehr wohl schon mit der Polizei zu tun!“, sagte der Glatzkopf triumphierend.
„Ich bitte Sie, das kann nicht sein!“
„Es ist aber so, Jüngchen! Ich habe hier einen Eintrag auf Diebstahl, sowie ein eingestelltes Verfahren wegen Körperverletzung!“, der Glatzkopf schien immer barscher zu werden. Es war aber offensichtlich das er nun etwas gewittert hatte und es machte ihm Freude jetzt endlich wieder einen richtigen Verbrecher in Gewahrsam zu haben. Einen, der es verdient hatte fertig gemacht zu werden.
„Noch bevor die eigentliche Vernehmung stattfand werde ich hier wohl fertig macht oder wie! Beim Diebstahl war ich noch ein kleines Kind und wusste wohl kaum was ich tat! Ich kann mich nicht mal richtig daran erinnern! Die Sache mit der Körperverletzung, da gab es diese Schlägerei. Alle waren betrunken. Ich bin da völlig unschuldig herein geraten. Ich habe mir nichts zu schulden kommen lassen!“, sagte Matthew entschieden, aber er wurde zunehmend verzweifelter.
Dem großen schien diese Antwort zu reichen. Er saß am dem Beifahrersitz und drehte sich nach langer Zeit wieder von Matthew weg. Der haarlose Polizist  aber war nun scheinbar voll in seinem Element.
„Kleiner, wir kriegen dich dran für all die Scheiße die du verbockt hast, darauf kannst du Gift nehmen. Wir machen dich fertig!“, lachte er böse.
Sein großer Kollege sah ihn erstaunt an. Er schüttelte leicht den Kopf um seinen Kollegen zu signalisieren, dass er sich zurücknehmen soll. Dazu machte er eine entsprechende Geste.
Matthew kochte vor Wut. Er wollte diesem Mistkerl mit größtem Vergnügen eine rein hauen.
„Was denn? Der Pisser, hat ihn umgebracht.!“, höhnte der Officer.
Was dann geschah hatte Matthew wie in einem Traum immer und immer wieder durchlebt.
Er hatte im Affekt ausgeholt und zugeschlagen. Der Glatzkopf hatte den Schlag abgewehrt und holte mit seiner Faust aus zum Gegenschlag. Während Matthew die Faust auf sich zu rasen sah geschah es.
Niemand achtete auf das Fahrzeug. In dem Moment, als der Schlag Matthews Kinn gerade getroffen hätte begann es. Der Wagen raste einfach geradeaus weiter, auch als die Straße eine Kurve machte. Er war im Scheitelpunkt der Kurve geradeaus hindurch geschossen. Er hatte den Grünstreifen durchschlagen. Für einen Augenblick hatte das Fahrzeug den Boden unter den Rädern verloren. Nach dem Aufprall mit den Vorderrädern wurde der Streifenwagen sofort vom einem Baum gestoppt. Matthew hörte noch den Krach des Aufpralls – danach wurde alles schwarz.

Matthews Gehirn arbeitete noch nicht richtig. Er kam gerade wieder zu sich. Er verstand nicht, was geschehen war. Er war wieder im Streifenwagen. Alles war in Ordnung. Olivia war auch da. Der Streifenwagen war ebenfalls in Ordnung. Die beiden Unsympathischen Officer waren fort. Träumte er?
„Olivia, Schatz warum weinst du?“
„Sie sind tot, Matthew. Hörst du?“
Matthew sagte nichts. In dem Moment wusste er es. Es hatte einen schlimmen Unfall gegeben. Aber warum war ihm nichts passiert?
Er betrachtete sich von oben nach unten. Seine Arme schmerzten. Er hatte Schnittwunden an ihnen. Aber es waren nur kleine Kratzer. Ansonsten war er unversehrt.
Matthew drehte seinen Kopf herum. Er hatte ein leichtes Säuseln im Ohr. Sein Kopf schmerzte auch etwas. Er sah aus dem Fenster.
In der Kurve stand der Streifenwagen. Daneben stand ein Krankenwagen sowie ein Fahrzeug der Feuerwehr. Aus dem völlig zerstörten Wagen ragten noch immer vereinzelte Flammen heraus. Ein weiterer Streifenwagen traf ein.
Matthew senkte seinen Kopf. Er fühlte sich elend. „Oh, mein Gott!“
Der Trauerkloß legte seinen Kopf in seine Hände. Er hätte jetzt die Nähe von Olivia gebrauchen können oder die von Pille.
Nichts von dem konnte er erwarten. Seine Frau saß zu weit weg.
Die Fahrt ging weiter zum Revier. Die einzigen, mit denen er die nächsten Stunden zu tun haben würde, das waren die Jungs von der Polizei. Matthew schaltete komplett ab.

Schritte hallten über den Gang. Matthew saß alleine im Dunkeln auf einem schlichten Stuhl. Dann wurde der Raum hell. Matthew blinzelte durch das grelle Licht. Er sah wie die Türklinke sich senkte. Zwei Männer traten ein. Sie redeten ruhig. Matthew war noch nicht richtig bei der Sache.
Er war wieder voll da als er ein Glas eisgekühltes Wasser trank. Es war zwar nicht das beste und kam aus einem Automaten vom Polizeirevier, aber immerhin eiskalt. Ein freundlich aussehender Mann im Anzug hatte es ihm gegeben. Agent Anderson? So hatte er sich eben vermutlich vorgestellt. Vielleicht war es aber auch der andere, der gegenüber von ihm Platz nahm. Es spielte auch keine Rolle. Nun blickte er Matthew kalt und ernst an. Auch er nahm am gegenüberliegenden Ende des kleinen Tisches platz.
„Mr Kertész. Sie wissen warum Sie hier sind. Ich muss Sie jetzt über Ihre Rechte belehren!“, sagte der Mann ernst.
„Das wird nicht nötig sein!“ Erst jetzt bemerkte Matthew den Anzug und er sah auf dem Protokollvordruck das er hier mit dem FBI sprach.
„Würden Sie uns bitte den Vorfall im Keller ihrer Wohnung aus Ihrer Sicht schildern?“
Was war das für ein Blick? Verabscheute er ihn? War er ein Monster? Er hatte doch nichts unrechtes getan.
„Mr Kertész, bitte beantworten Sie die Frage.“
„Also schön, wir hatten Stromprobleme erst nur in unserer Wohnung, aber dann wurde klar das die Probleme im ganzen Haus waren, daraufhin gingen meine Frau und ich mit Mr Leans in den Keller.“
„Wir werden überprüfen, ob es wirklich ein Problem mit der Elektrizität gab.“
„Tun Sie das, es wird jeder im Haus bestätigen können!“
„Daran hege ich nicht den geringsten Zweifel. Wir werden aber vor allem überprüfen, woher das Problem stammt. Und ich hoffe für Sie, das Sie damit zumindest absichtlich nichts zu tun haben!“
„Es wird mir hier echt zu dumm! Ohne meinen Anwalt sage ich gar nichts mehr!“
„Wie sie wünschen Sir!“, mit diesen Worten verließen die beiden wie auf Kommando den Raum. Es schien ihnen gleichgültig zu sein.

Matthew wurde in eine Zelle gebracht. Schon bald darauf wurde es wieder dunkel. Matthew war alleine. Trotz der fremden Umgebung und der Ungewissheit konnte er schnell einschlafen. Obwohl sein Adrenalin in ihm hoch schoss und er am liebsten die Tür eingeschlagen hätte, blieb er ruhig auf seiner Matratze sitzen. Er war er doch sehr erschöpft. Sein Geist wollte, aber der Körper machte nicht mehr mit. Jetzt legte er sich ohne weitere Gedanken hin. Sofort schlief er ein.

Auch Olivia fiel um diese Zeit nach stundenlangen Verhören totmüde in ihr Bett. Mit letzter Kraft hatte sie das Haus noch einmal mit Pille verlassen. Dann hatte sie ihn gefüttert. Sie hatte sich eine Badewanne eingelassen, sich ausgezogen und dann war sie einfach auf dem Bett eingeschlafen ohne es zu wollen.

IV

06:00 Uhr – ein Bediensteter des Staatsgefängnisses in New Jersey weckt die Insassen über die Gegensprechanlage.
Matthew Kertész wurde durch einen Gongschlag wach. In seiner Zelle befindet sich nur ein Waschbecken und eine Toilette aus kaltem Metall, ein zu kleiner Stuhl an einem winzigen Tisch und das Bett. Neben der Zellentür hing die Gegensprechanlage. Die Wände waren trostlos und ihm war die ganze Zeit über eiskalt. Mit einem plattem „morgen“ wird Matthew begrüßt.
Ein streng wirkender Bediensteter reichte ihm sein Frühstück in die Zelle. Obwohl es gar nicht so übel aussieht, wie Matthew es gedacht hatte rührte er es nicht an.
Auf einem Tablett stand frischer Kaffee, ein gekochtes Ei, dazu neben den Päckchen Butter auch noch Päckchen mit Honig und Marmelade. Es war eben nicht das Frühstück das Matthew für gewöhnlich zu sich nahm. Aber bald würde er es essen müssen. Um zu überleben. Er musste weiter machen. Eine Krise würde ihn nicht so aus der Bahn werfen.
Die Nacht auf der Matratze war unangenehm gewesen. Sein Rücken schmerzte. In seinem Leben hatte er sich noch nie über Matratzen Gedanken gemacht, jetzt wusste er dass er wohl eine ziemlich gute besitzen musste.

Matthew war heil froh eine Einzelzelle zu haben. Er hätte zwar gerne mit Jemandem geredet der sich in der Anstalt auskennt, aber die Angst wäre größer gewesen. Die Angst vor der Nacht. Wenn es dunkel war und er mit einem schweren Kriminellen unter einem Dach zu schlafen.  Wer konnte ihm garantieren die Nacht ohne einen Angriff zu überstehen? Er konnte vergewaltigt oder umgebracht werden. Daher war er froh gewesen in Einzelhaft zu sein.
Matthew hatte seit über zwölf Stunden mit niemandem mehr gesprochen, außer einem Wärter der ihn eingewiesen hatte. Am ersten Abendbrot konnte er noch nicht teilnehmen, da dies zu kurzfristig gewesen wäre. Matthew glaubte das FBI wollte ihn weich kochen. Noch immer hatte er keinen Anruf getätigt. Obwohl er doch das Recht auf einen Anruf hatte. Außerdem musste er seinem Arbeitgeber Bescheid geben und Olivia. Ganz zu schweigen davon, dass er einen Anwalt einschalten musste.
Er blickte auf die Brötchen. Sie sahen wirklich frisch aus. Er drückte seinen Zeigefinger auf die Mitte von einem. Frisch, sogar noch warm. Dennoch er würde hier nicht lange bleiben und demzufolge würde er es auch nicht anrühren.

Der restliche Tag bestand aus Langeweile und Warten.
Dann tat sich doch noch etwas. Ein Wärter öffnete die Tür. Es war Zeit für den Hofgang. Eine halbe Stunde hatte er an der frischen Luft. Matthew wollte schon fragen, ob er in der Zelle bleiben durfte. Er entschied sich letztlich dagegen. Er konnte doch heraus gehen, es würde nichts passieren. Matthew war keineswegs ein Weichling. Er traute sich ohne weiteres zu es mit jedem der auf dem Hof war aufzunehmen. Doch er hielt sich hier lieber aus allem heraus. Er sprach mit niemandem.
Ehe er sich versah war er wieder zurück in der Zelle.

Erst am späten Nachmittag tat sich wieder etwas. Matthew hatte inzwischen Mittag gegessen. Obwohl er nicht wusste, ob das Essen in Ordnung war. Fleisch, Kartoffeln und ein nicht definierbares Gemüse lagen auf dem Teller. Matthew hatte einfach etwas essbares gebraucht. Er bereute, dass er nicht die Brötchen anstatt des Mittagessens gewählt hatte. Da wäre er zumindest sicher gewesen, was er da überhaupt aß. Ganz abgesehen davon konnte Matthew nun wirklich nicht behaupteten, dass dieses Essen lecker gewesen wäre. Er hatte bei jedem Bissen mit einer unangenehmen Überraschung gerechnet. Wobei ein Haar noch das harmloseste war, was er sich ausmalte. Aber wenigstens das blieb ihm erspart.
Endlich durfte er einen Anruf tätigen. Er wählte aus dem Telefonbuch irgendeinen Anwalt aus und kontaktierte die Kanzlei. Eine freundliche Angestellte suchte kurz den Terminkalender und meinte nach wenigen Sekunden das Mr Havering in einer Stunde bei ihm wäre.
Havering hatte einen Besuchstermin mit Matthew. Nachdem er sich vorgestellt hatte, bat er Matthew alles zu erzählen.
Dann runzelte er die Stirn und steckte sich eine Zigarette an. Zuvor hatte er auch Matthew eine gereicht. Dieser war noch nie so dankbar über eine Zigarette gewesen wie heute. Das warten und nichts tun ohne zu rauchen hatten ihn wahnsinnig gemacht.

„Wenn ihre Geschichte stimmt Mr Kertész dann könnte man sagen: Dumm gelaufen. Aber ich kann nicht erkennen, das sie irgendeine Straftat begangen haben. Der Vorfall in ihrem Haus war ein Unfall und der Vorfall mit den beiden Beamten war eher noch das Verschulden von ihnen selbst. So, die zweite Sache ist, dass ich sie vor der Hauptverhandlung hier gerne heraus haben möchte. Ich hoffe ich werde die Staatsanwaltschaft überzeugen können nur wegen Körperverletzung mit Todesfolge und nicht wegen Mord anzuklagen. Dann haben wir eine Chance auf eine Kaution. Doch die dürfte zwischen 10.000 und 15.000 $ festgesetzt werden.“
„15.000$!? So viel haben wir nicht. Ich habe praktisch keine Rücklagen!“, Matthew nahm einen tiefen Atemzug von seinem Glimmstängel.
„Dann müssen wir uns etwas einfallen lassen. Ich werde gleich mal ihre Frau kontaktieren.“
„Ja darum wollte ich sie ohnehin bitten. Bitte sagen sie ihr das es mir gut geht! Es wird alles wieder in Ordnung kommen!“, Matthew drückte seine Zigarette aus und fügte dann hinzu „Sie muss noch bei meiner Arbeit anrufen. Ich habe Angst davor, das mein Boss mich jetzt feuern wird!“
„Es wird alles gut ausgehen. Jeder kann mal Pech haben. Ich bin überzeugt, dass wie die Sache aus der Welt schaffen. Zur Not werde ich persönlich mit ihrem Boss reden.“
Einer der Wärter gab den beiden ein Zeichen, dass die Besuchszeit zu Ende war. Daraufhin wurde Matthew wieder in seine Zelle begleitet. Der Rechtsanwalt Havering gab Matthew noch eine Visitenkarte mit und wurde dann in die entgegengesetzte Richtung durch eine Sicherheitstür in die Freiheit begleitet.
Mit einem metallischem Laut schloss die schwere Tür sich hinter Matthew. Es wurde wieder still. Der Gefangene blickte - wie schon den ganzen Tag - zum Fenster hinaus. Durch die Gitter hatte er den Blick in den Gefängnishof.
Später ging seine Sprechanlage an.
„Mr. Kertè, sie können sich bereit für die Abreise machen!“
„Kertész.“, murmelte Matthew.
Etwas verwundert stand er auf, die Tür öffnete sich und er war heraus aus seiner Zelle.

„Endlich raus aus dem trostlosen Loch!“, dachte Matthew, obwohl er doch nur einen Tag lang in seiner Zelle verbracht hatte. Was sollten die anderen sagen die ein Leben lang hier eingesperrt waren?
Zusammen mit dem Wärter ging es nun Richtung Freiheit. Vorbei an den anderen Gefangenen in ihren Zellen. Die Türen waren nicht vergittert, sondern waren schwere Eisentüren. Man konnte also nicht hineingucken. Aber wenn die Häftlinge sich ganz nah an die Tür stellten konnte sie durch drei winzige Schlitze auf den Flur sehen.
„Wo willst du hin? Schon wieder auschecken?“
„Ey, du Penner hier gelieben!“ , riefen sie ihm hinterher.

Matthew bekam kurz vor der Eingangskontrolle seine persönlichen Sachen zurück. Er zog sich um und wurde nach draußen begleitet. Er kleiner trostloser Weg mit hohen Mauern und Stacheldraht führte ihn zum Ausgangstor.
„So jetzt kannst du allein weiter gehen“, verabschiedete sich der Wärter.
Das Tor öffnete sich automatisch und Matthew schritt zügig nach draußen. Die Freiheit begann auf einem trostlosen Parkplatz.

„Hi Schatz, ich kann dir gar nicht sagen wie froh ich bin. Aber zuerst mal wo hast du soviel Geld für die Kaution her?“
„Von Vicky!“
„Vicky, die Vicky? Bist du sicher wir reden von der selben Person? Vicky Hilton? Vicky kann mich nicht leiden, Vicky hasst mich!“
„Ja, aber als sie hörte das ich mich danach von dir trenne war sie sofort einverstanden.“, sagte Olivia kalt.
„Achso dann hast du sie hereingelegt? Clever clever!“
„Nein, Matt es ist aus. Das wissen wir beide. Nach all der Scheiße die du gebaut hast. Es ist im Moment einfach das beste.“
„Aber ich bin unschuldig, ehrlich. Verdammte Scheiße! Ich liebe dich!“, schrie Matthew so, dass man es bis hinter die hohen Mauern hören konnte.
„Was wird aus unserer Tochter?“
„Die wird es nicht geben Matt, ich werde abtreiben!“
„Was? Du spinnst doch! Das darfst du nicht! Olivia! Olivia Tu das nicht! Jetzt bleib hier!“
Doch Olivia kehrte Matthew den Rücken und ging auf ein Fahrzeug zu. Er sah ihr voller Traurigkeit nach. Wie hübsch sie doch war. Und wie verliebt er in sie gewesen war. Ihm fiel erst jetzt ihre elegante Kleidung auf. Was hatte sie jetzt nur vor?
Matthew kannte dieses Fahrzeug. Es war Vickys Wagen. Und Vicky saß auch am Steuer. Der Motor heulte auf und das Auto fuhr dicht an Matthew vorbei.
Der Blick von Vicky traf Matthew ins Mark. Sie hatte Freude daran ihn jetzt so zu sehen. Würden Sie die Trennung etwa noch feiern? Die beiden sahen danach aus. Aber womit hatte er das verdient?
Tränen schossen Matthew in die Augen. Diese Trennung war so unnötig. Wahrscheinlich hatte Vicky sie auch noch überredet. Er würde das regeln. Er würde Vicky, diese Schlampe schon zur Vernunft bringen. Und Olivia würde ihn noch um Verzeihung bitten. Tränen standen ihm in den Augen. Er hatte den Drang eine Zigarette zu rauchen. Und da fiel ihm ein, dass er ja jetzt wieder die Möglichkeit dazu hatte. Er zündete sich sogleich eine an. Bei seinen persönlichen Sachen waren das Portmonee, eine Zigarettenschachtel mit Feuerzeug, eine Armbanduhr, sowie sein Schlüsselbund und seine Kleider gewesen.
Matthew schaute in die Geldbörse und zählte sein Geld nach. Er war sich nicht ganz sicher, aber es fehlte anscheinend nichts.

Er hatte in seinem Leben schon so manche Trennung hinter sich. Aber das eine Trennung in der Ehe so schnell durchgezogen sein konnte, damit hatte er nie gerechnet. Ein Wort und von einem auf den anderen ist es keine nach außen hin glücklich Ehe mehr, sondern nur noch Matthew und Olivia die sich demnächst Scheiden lassen.
Matthew stand auf dem Besucherparkplatz und blickte sich um. Es standen einige wenige Autos auf den Parkplatz verteilt. Außer ihm stand dort keine Menschenseele. Zurück durch das hohe Tor konnte er nicht. Weit und breit war auch kein Telefon zu sehen. Die Wolken schoben sich vor die Sonne. Im Film würde es jetzt anfangen zu regnen dachte er.
Nach seinem letzten Mischgeschick hatte er sich vorgenommen ein Mobiltelefon zu kaufen wenigstens für Notfälle, jedoch hatte er es doch nicht getan.
Dazu kam noch ein weiteres Hindernis, denn das Staatsgefängnis lag relativ abgelegen.
Da Matthew einfach nur weg wollte, ging er die Straße entlang in die Richtung in der der Wagen von Vicky verschwunden war. Nach einiger Zeit des Gehens bekam er Durst und hatte keine Lust mehr. Er beschloss daher es als Anhalter zu versuchen.
Er schritt langsam weiter und reckte den Daumen bei jedem Fahrzeug, welches an ihm vorbei fuhr. Niemand hielt an. Er dachte an seine Wohnung und an Pille, der an ihnen beiden hang. Aber er dachte auch an seine Ehe und an seine ungeborene Tochter und an sein Leben. Hatte er versagt? War er ein Idiot, oder ein Mistkerl? Tausende Gedanken schossen ihm durch den Kopf.
Olivia zu ehelichen und mit ihr ein Kind zu zeugen war so ziemlich das einzige was er im Leben erreicht hatte. Und nun war auch das wieder hinfällig. Alles was er erreicht hatte war für immer zerstört. Dafür konnte er nichts. Es war Schicksal und er hatte scheinbar keinen Einfluss auf die Dinge. Gut er hatte sich nicht immer perfekt verhalten, aber wer konnte das schon sich behaupten. Seine Gedanken beruhigen sich schließlich. Es musste eine Ewigkeit her sein, dass er angefangen war zu gehen. Er sah auf die Uhr, fast zwei Stunden lief er nun. Es war höchste Zeit für eine Zigarette. Matthew holte die Schachtel hervor. Sie war leer. Wie war das möglich? Hatte er sie etwa unbewusst leer geraucht? Das musste die Erklärung sein. Dieser emotionale Ausnahmezustand. Und nun hatte er nichts mehr. Und überhaupt warum hielt nicht endlich einer der Autofahrer an?

Die Erklärung kam ihm kurz darauf. Jedem hier musste klar sein, dass er frisch aus dem Knast heraus war. Daher lief er auf dieser Bundesstraße herum. Das Gefängnis war ja schließlich auch ausgeschildert. Jeder kannte es wohl. Er würde vermutlich bis zum morgen hier stehen und es würde niemand anhalten. Wer fährt schon gerne mit einem Vergewaltigter, Mörder, Dieb oder Betrüger durch die Gegend? Wer hatte solche Menschen gerne um sich? Und wer hatte ihn noch gerne um sich. Obwohl er ja kein schlechter Kerl war.
Matthew entschied, dass es so keinen Sinn machte. Auf diese Weise würde er nie in Pike Creek oder sonst wo ankommen. Doch was blieb ihm als Alternative wenn niemand anhielt? Wenn sich niemand um einen kümmert, wenn man völlig auf sich alleine gestellt war. Es war hier kein Haus weit und breit zu sehen. Nur hin und wieder wich die Straße von ihrem gewohnten Bild ab. Hier eine Nothaltebucht, dort eine Kreuzung. Es fing bereits an zu dämmern und Matthew wusste nicht wo er die Nacht verbringen sollte.

V

5:29 Uhr – Matthew Kertész schaut auf seine Armbanduhr in der Dunkelheit.
Er hatte doch wohl irgendwie alles um sich herum vergessen und war eingeschlafen. Diese Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hatte er mitten im Nirgendwo verbracht. Eine nicht gerade ungefährliche Gegend. Und doch hatte er geschlafen. Wenigstens eine Zeit lang. Aber er hatte einen verdammt üblen Traum gehabt – nur das er sich an absolut gar nichts mehr erinnern konnte. Wahrscheinlich war das auch besser so.
Er hatte die Nacht auf einem Rastplatz verbracht. Diesen Begriff sollte man jetzt mit Luxus verwechseln. Es gab hier kein Restaurant, keine Tankstelle auch sonst ein Geschäft, nicht mal ein öffentliches Klo. Das einzige was es hier gab war etwas Stille, aber die Autos konnte man trotzdem noch leise vorbeifahren hören. Um den Platz herum war nur Wald. Es ging an der Bundesstraße rechts herein und dort kam man nach wenigen Metern direkt zum Parkplatz. Es gab hier nichts außer den Tischen und Bänken, etwas Müll und den Mülleimern. Es war das erste Mal seit Jahren, dass er unter freiem Himmel geschlafen hatte. Jedenfalls konnte er sich an keine Begebenheit erinnern, wo er dies zuletzt getan hatte. Sicherlich irgendwann in seiner Kindheit. Er war ab und an von zu Hause ausgebüchst. Aber eine ganze Nacht hatte er es nie geschafft abkömmlich zu sein.
Matthew hatte sich auf eine Bank gelegt. Es war die ganze Nacht ruhig geblieben. Das hatte er jedenfalls gedacht. Jetzt als er aufwachte, stellte er aber im Licht der aufgehenden Sonne fest, dass er nicht alleine war. Zwei Trucks und ein Transporter standen auf dem Platz geparkt. Offenbar schliefen alle Fahrer noch, was zu dieser Uhrzeit auch kein Wunder war. Matthew dachte nach, er dachte sogar daran als blinder Passagier mitzufahren. Aber das würde nicht nötig sein. Er hatte einen anderen besseren Plan gefasst.

Die Sonne zeigte langsam ihre ersten Strahlen. Das Gras, der Klee sowie die weggeworfene Blechbüchse begannen zu glänzen. Es wurde ganz allmählich heller. Jetzt hörte man ein Geräusch. Es war eine Fahrertür, sie ging auf. Die drei Spatzen die auf der Suche nach Brotkrümeln gewesen waren, flogen erschrocken davon. Es war die Tür des vordersten Trucks, der nur einige Meter von ihm weg bei einer Wiese stand. Langsam schritt Matthew heran.
„Morgen Kumpel!“, begrüßte ihn der Fahrer. Er war ganz offensichtlich so eben aufgewacht.
„Morgen, wie geht es ihnen?“
„Ich muss erst mal wach werden.“, der Fahrer wollte es damit auf sich beruhen lassen und ließ Matthew stehen.
„Ich bin leider kein Kollege, Sir!“, sagte Matthew ernst.
Das hatte gesessen. Der F

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KeTam
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BeitragVerfasst am: 09.09.2012 21:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo OpenOcean,

ich habe mal rein gelesen und denke schon, dass es da noch was zu feilen gibt und der Text daher erst mal in der Werkstatt besser aufgehoben wäre.
Und er ist sehr, sehr lange.
Stelle doch erst mal einen kleinen Teil davon ein, dann bekommst du bestimmt auch Feedback.
Und bitte einen Moderator darum, ihn zu verschieben,ok?
Lg,KeTam.


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FUCK NAZIS!

... ansich ist die Nudel ja auch eine Art Waffe.*

*Anne Mehlhorn
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KeTam
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BeitragVerfasst am: 09.09.2012 22:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo OpenOcean,

ich habe mir jetzt doch mal einen Abschnitt aus deinem Text vorgenommen.
Ich habe, wenn ich diesen kurzen Abschnitt lese das Gefühl, du willst einfach zu viele Informationen in die ersten Seiten packen.
Informationen, die eigentlich interessant sein könnten, aber so „runtererzählt“ eher belanglos wirken. Ich habe da als Leser einen riesigen Infodump, erfahre aber nicht dass, was mich interessiert.
Ich würde da einiges streichen und anderes straffen und auch viel mehr zeigen, also nicht nur beschreiben.
Das ist nur meine subjektive Meinung, also nicht der Weisheit letzter Schluss!
Ich hoffe, es entmutigt nicht, aber vielleicht kannst du dir meine Anmerkungen ja mal durch den Kopf gehen lassen…


 „5:30 Uhr – ein Wecker schellt in Pike Creek.
 Das Leben des Matthew Kertész war bis zu diesem Tage nicht das aufregendste. Nein viele würden es mit Recht als durchschnittlich oder gar langweilig bezeichnen. Langsam und lustlos stieg Matthew aus seinem Bett. Er streckte sich aus und gähnte deutlich über das ganze Gesicht. Nicht das er der geborene Morgenmuffel war, jedoch sein Leben - insbesondere seine Arbeit - hinderten ihn daran euphorisch in den Tag zu starten. Er war jetzt Mitte Dreißig und hatte es noch nicht Recht zu irgendetwas gebracht. Seine Arbeit widerte ihn einfach nur an und mit seiner Ehe ging es ziemlich den Bach runter. Aber es hatte seine Gründe, warum sie beide zusammen blieben.“
 
(Ich finde den ganzen Abschnitt etwas „schwierig“.
Eigentlich steigt dein Protagonist nur aus dem Bett und gähnt, das ist alles was tatsächlich geschieht. Aber du packst da noch sehr viel Information rein, die so ein bisschen aufgezählt wirkt.
Ich erfahre über ihn, dass ihm seine Arbeit nicht gefällt, dass er Mitte Dreißig ist, dass er es zu nichts gebracht hat usw. Aber das lässt bei mir noch gar kein Bild entstehen, da es alles nur erzählt wird. Ich habe da das Gefühl, du willst sehr viel da reinpacken, was du aber auch später zeigen könntest. )

„Es war ein großes Bett, das prunkvollste Möbelstück der ganzen Wohnung. Das Bettgestell war aus edlen hellem Holz mit kunstvoll geschnitzten Beinen. Die Nachtischschränke waren hierzu genau passend. Sonst war eigentlich gar nichts tolles in der Wohnung. Aber das Bett hatten die Beiden von allen Freunden und Bekannten zu ihrer Hochzeit geschenkt bekommen. Matthew gefiel es optisch sehr gut, außerdem war es ungeheuer groß. Jedoch er mochte es nun nicht mehr. Es symbolisierte geradezu den Keil, der sich zwischen die beiden Eheleute gebohrt hatte. Olivia schien endlos weit weg zu sein. Früher hatte sie in seinem Arm geschlafen, jetzt hatte sie ihre eigene Bettdecke. Und so etwas nennen sie dann Ehebett, dachte Matthew eines Nachts bei sich.“
 
(Auch hier kommt dann wieder sehr viel Beschreibung, über das Bett, wie es aussieht, von wem er es geschenkt bekommen hat. Ich denke, da solltest du ganz stark verknappen und dir überlegen, was du in diesem Abschnitt eigentlich sagen willst. )

 „Nun machte er sich fertig für seine Arbeit. Er hatte seit seiner Jugend immer wieder Gelegenheitsjobs in Lagerhäusern oder Fabriken am Hafen in Wilmington, einer geschäftigen kleinen Hafenstadt übernommen. Eine Ausbildung hatte er nach seiner Schulzeit nie durchlaufen. Seit drei Monaten nun hatte er eine Übergangsstelle bei einem größeren Lagerhaus gefunden.“

(Jetzt kommt ein kurzer Absatz über seinen Job, danach springst du wieder ins Bad.
Das finde ich etwas unstrukturiert, es lässt mich als Leser stolpern…)

 „Matthew war im Bad sehr bald fertig. Er mochte das Badezimmer von allen Zimmern am liebsten. Es hatte ein Fenster, durch das die Sonnenstrahlen am Morgen wunderschön einfielen. Das Zimmer war klein aber gemütlich. Seine Ehefrau verstand es mit kleinen Dekoartikeln eine schöne Atmosphäre zu schaffen. Erst als er auf den kalten Fließen lief, fiel ihm etwas auf. Seine Socken hatte er im Halbschlaf vergessen. Darum ging er über einen winzigen Flur zurück ins Schlafzimmer und wühlte leise in einer seiner Schubladen.“

(Jetzt beschreibst du das Bad und gleich darauf läuft dein Protagonist wieder zurück ins Schlafzimmer…Du springst da einfach zu viel hin und her.)

Ich hoffe, du kannst ein bisschen was damit anfangen,

LG,KeTam.


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Hertau
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BeitragVerfasst am: 10.09.2012 18:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo OpenOcean

Ich muss mich KeTam anschließen. Der Leser gewinnt bei diesem Text nicht das Gefühl, dass ihm jemand eine Geschichte erzählen möchte. Es wirkt eher so, als wolle der Autor einen Plot mitteilen (Verlierertyp gerät unschuldig in einen Strudel von Ereignissen, landet dabei ganz unten, nur eine unbekannte Macht hält stets eine schützende Hand über ihn), und habe sich zu diesem Zweck einfach alles aufgeschrieben, was ihm auf Anhieb dazu eingefallen ist. Und zwar in der Reihenfolge, in der es ihm eingefallen ist.

Damit will ich nicht sagen, dass an dieser Arbeitsweise irgendwas falsch wäre. Im Gegenteil, du hast dir damit schon mal einen guten Wegweiser durch deine Geschichte geschaffen, und kannst nun in Ruhe überlegen, wo sie noch etwas Fleisch ansetzen sollte und wo man noch etwas straffen könnte; kannst an deiner Sprache und deinem Stil feilen etc. Aber im Moment ist das noch kein Roman, sondern erst ein Gerüst.
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OpenOcean
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BeitragVerfasst am: 10.09.2012 19:13    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

okay dann werdet ihr beide wohl recht haben.

ich habe mal veranlasst es zu verschieben.

Problem ist nur ich bin die Geschichte so oft schon durch gegangen, dass ich nun die Lust verliere. Würde lieber eine weitere schreiben. An Ideen mangelt es mir nicht.

Aber wenn es erst ein Gerüst ist muss ich wohl noch einmal richtig ran.

Finde das Feedback schon mal super von euch beiden. Damit kann ich etwas anfangen.
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KeTam
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BeitragVerfasst am: 10.09.2012 19:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo OpenOcean,

lass dich auf jeden Fall nicht entmutigen!
Nimm dir Zeit, alles noch mal zu strukturieren.

Lg,KeTam.


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josephine
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Beiträge: 499



BeitragVerfasst am: 12.09.2012 08:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

also, ich muss erstmal sagen, dass ich nicht geschafft habe, den ganzen Text zu lesen, dennoch sind mir ein paar Dinge aufgefallen.

Du hast einen sehr passiven Erzählstil, dadurch bringst du den Leser weit weg von deiner Geschichte, soll heißen, der Leser beobachtet nur von oben das Geschehen, ist aber nicht mittendrin. Du schilderst mehr, als dass du uns zeigst. Außerdem ist der Text prall gefüllt mit Adjektiven, ich würde ein paar davon streichen und so dem Text mehr Tempo geben, denn jetzt liest er sich noch etwas zäh. Sorry.

Aber damit du auch weißt, was ich meine, möchte ich dir ein Beispiel geben.

Zitat:
Langsam und lustlos stieg Matthew aus seinem Bett. Er streckte sich aus und gähnte deutlich über das ganze Gesicht.


Diese Szene könnte man auch einfach zeigen.
Ein schriller Ton riss Matthew aus dem Schlaf. Sein Wecker, stellte er mit einem kurzen Blick zur Seite fest und gähnte herzhaft. Er schob das linke Bein unter der warmen Decke hervor, das andere folgte zögerlich...

Nur mal als Beispiel ist vielleicht auch nicht der gelungendste Konstruktion, aber ich hoffe, du verstehst, was ich meine.

Zitat:
„Mach das dumme Licht aus!“ mit den Worten drehte Olivia sich noch einmal um, als der Schein der Nachttischlampe ihre Augen traf.


"Mit den Worten" kann man immer weglassen, wenn davor die wörtliche Rede kommt, ist es ja schon klar, dass sie sich mit diesen Worten umdreht, weil du den Satz mit ja an die wörtliche Rede angehängt hast.

Was mir noch aufgefallen ist, ehe ich es vergesse, du neigst dazu viel mit "es" zu umschreiben. Solltest du aber wenn möglich vermeiden, denn die einfache "es" Konstruktion schwächt den Satz, versuche stattdessen dafür ein starkes Verb zu finden. Überhaupt solltest du schauen ob du für schwache Verben wie "sein" "haben" oder auch Verben wie "gehen" "sitzen" nicht abwechslungsreichere findest. Das verleiht dem Text mehr Nachdruck.

Zitat:
Es war ein großes Bett, das prunkvollste Möbelstück der ganzen Wohnung. Das Bettgestell war aus edlen hellem Holz mit kunstvoll geschnitzten Beinen. Die Nachtischschränke waren hierzu genau passend. Sonst war eigentlich gar nichts tolles in der Wohnung.


Wenn möglich soll man Satzkonstruktionen die mit "Es war" am Anfang beginnen, vermeiden, da sie den Lesefluss bremsen. Und wenn du dir die Sätze anschaust, befindet sich in jedem ein schwaches "war". Die ersten beiden Sätze könntest du auch kürzen und zusammenfügen.
Ein großes Bett aus hellem Holz mit kunstvoll verzierten Beinen stand an der Wand. Daneben die passenden Nachttischschränke. Sonst befand sich nichts tolles in der Wohnung.


Aber ganz Allgemein, beschreibst du viel zu viel. Der Leser muss nicht jede Sekunde und jeden Schritt des Protas lesen. Es reicht auch wenn du schreibst wie er aus dem Bett steigt, ein paar Minuten später angezogen in der Küche steht, beim Kaffeetrinken noch kurz an Olivia denkt und aus dem Haus zur Arbeit geht. Du würdest deine Geschichte dann nicht so aufblähen.

So da habe ich leider mit Lesen aufgehört. Es ist meine erste Geschichtenbeurteilung und ich hoffe, dass ich nicht zu hart vorgegangen bin. Ach ja, da fällt mir noch was ein, achte mal auf die vielen Doppler im Text, die oft kurz nacheinander folgen und versuche einige davon zu ersetzen. Ansonsten hoffe ich, du kannst vielleicht den einen oder anderen Hinweis gebrauchen, falls nicht, einfach ignorieren.

lg
josephine
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Eimerian
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 33
Beiträge: 191



BeitragVerfasst am: 12.09.2012 13:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hey

Dann wollen wir mal. Ich hab mir mal den ersten Teil durchgelesen. Hier ein paar grobe Eindrücke.

Zeitfehler: Du erzählst im Präteritum. Also gibt es kein Präsens außer in der direkten Rede.
ein Wecker schellt
Und so etwas nennen sie dann Ehebett

Formulierungen wie "erst jetzt" klingen komisch, wenn du im Präteritum schreibst. Vielleicht "erst dann" schreiben?

Matt wird manchmal als der Verletzte oder der Patient bezeichnet, aber ich würde bei Matt, Matthew oder er bleiben. Vielleicht willst du Wortwiederholungen vermeiden, aber lieber ein Matt zuviel als den Leser verwirren.

Du schreibst sehr vage, mit vielen Verneinungen und passiven Konstruktionen.
Y ist nicht x. Man könnte sagen es ist x, jedoch ist es y. Nicht dass es x ist, aber so ist y. Es ist nicht gerade x sondern mehr y.
Das ist auf Dauer sehr anstrengend zu lesen und teilweise bin ich mir nicht sicher, was du meinst.

zum Beispiel:  Als er durch die Tür die Lagerhalle betrat, kam ihm scheinbar wie jeden Morgen eine grüne Giftwolke entgegen.

Bedeutet das
Jeden morgen kommt ihm eine grüne Giftwolke eintgegen. An diesem Tag scheint es nur so.
oder
Jeden Tag kommt ihm scheinbar eine grüne Giftwolke entgegen.
oder
Es scheint so als ob ihm jeden Tag eine grüne Giftwolke entgegen kommt, wenn er zur Arbeit kommt (aber es ist nur jeden zweiten Tag so)

Böse Füllwörter:
jetzt, ziemlich, sehr, bald, allerdings, hierzu, genau, eigentlich, scheinen in allen Formen, geradezu, immer, wieder, noch, im Grunde...
Diese Wörter können manchmal wirklich sehr wichtig sein. Nun meistens sind sie allerdings im Grunde geradezu sinnfreie Füllwörter, die man eigentlich immer streichen kann, weil sie jetzt eigentlich keine Informationen in sich tragen.

Generell zu viele Beschreibungen, die teilweise gar keinen Sinn ergeben.
Was bedeutet "deutlich über das ganze Gesicht" gähnen? Also nicht unklar nur mit dem Mund? Was ist bitte eine "moderne" Tür?
Jedes Adjektiv, das nicht dastehen muss, ist eines zuviel.

Teilweise werden Wörter falsch gebraucht:
Wie kann man seit Monaten etwas finden? Vor Monaten hatte er gefunden... ODER Seit Monaten arbeitete er...
besehen=besichtigen, du meinst betrachten

Das Ehebett:
Mir gefällt, was du über das Ehebett schreibst. Ein Hochzeitsgeschenk, das ihm früher gefallen hat, aber jetzt sieht er es als Symbol für seine scheiternde Ehe. Super!
Dieses Bett drückt tausendmal mehr aus als "und mit seiner Ehe ging es ziemlich den Bach runter". Ebenso die Tatsache, dass sie nicht miteinander reden, das Haus unordentlich ist usw.

Der Unfall:
Da hat jemand eine lebensbedrochliche Schnittverletzung und du erzählst uns vom Wetter und wie es Matt früher in der Schule ging?!? Erst nach mehreren Sätzen erfahren wir, dass er Schmerzen hat.
Und wenn die Ameise mit einem Schrei stehen bleibt, dann schreit die Ameise und nicht der Fahrer.
Gedanken darüber, dass er nun mal einen Job hat, bei dem man sich ab und zu verletzt, kann er haben, wenn er im Krankenhaus liegt oder auf seien Frau wartet, aber hier sind sie fehl am Platz.

lg Eimerian
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jim-knopf
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BeitragVerfasst am: 12.09.2012 18:13    Titel: Antworten mit Zitat

auf wunsch des autors in die werkstatt verschoben

gruß
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OpenOcean
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BeitragVerfasst am: 12.09.2012 20:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

ohh man gut das ich mich auf so etwas schon eingestellt hatte...

Aber so ganz von Grund auf renoviert bekomme ich ich es auch nicht. Bin gerade dabei den einen oder anderen Satz zu streichen bzw. etwas umzuformulieren.
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MosesBob
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BeitragVerfasst am: 12.09.2012 21:37    Titel: Antworten mit Zitat

Nabend!

Ich stolpere nur zufällig beim Stöbern über diesen Thread und deinen Kommentar, Ocean:

OpenOcean hat Folgendes geschrieben:
Aber so ganz von Grund auf renoviert bekomme ich ich es auch nicht. Bin gerade dabei den einen oder anderen Satz zu streichen bzw. etwas umzuformulieren.

Ich an deiner Stelle würde auch gar nicht dazu ansetzen, großartig an dem Text herumzudoktern. Wahrscheinlich wirst du den Anfang ohnehin noch zigmal überarbeiten. Ich habe hier keinen Hinweis darauf gefunden, wie weit du mit deiner Geschichte schon fortgeschritten bist. Vorausgesetzt, du hast sie nicht schon fertiggeschrieben, würde ich eher versuchen, die Tipps, von denen du meinst, dass sie sinnvoll sind und dass sie dir weiterhelfen, beim Weiterschreiben zu berücksichtigen. Klar ist es hilfreich, an einem Kapitel herumzuwurschteln, ein bisschen zu schleifen und zu feilen und den ganzen Text auf Hochglanz zu polieren. Aber effektiver ist es meiner Ansicht nach, gewonnene Erkenntnisee in den weiteren Verlauf der Geschichte einfließen zu lassen. Vereinfacht gesagt: learning by doing.

Beste Grüße,

Martin


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OpenOcean
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BeitragVerfasst am: 12.09.2012 22:24    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

das ganze Ding ist schon fertig und ich bin es etliche Male auf Rechtschreibfehler usw durchgegangen.

Bin jetzt dabei nochmal einiges zu streichen. Bzw. die Tipps zu beherzigen.
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MosesBob
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BeitragVerfasst am: 12.09.2012 22:33    Titel: Antworten mit Zitat

OpenOcean hat Folgendes geschrieben:
das ganze Ding ist schon fertig und ich bin es etliche Male auf Rechtschreibfehler usw durchgegangen.

Rechtschreibung und Zeichensetzung sind eine Sache. Du wirst sicherlich jemandem im Bekanntenkreis finden, der deine Geschichte dahingehend korrigieren kann. Was völlig anderes ist das Erzählen. Eine einwandfreie Rechtschreibung macht noch lange keine gute Erzählung. Die Rechtschreibung in deiner Geschichte ist zwar echt nicht die beste, aber ich an deiner Stelle würde mich eher den erzählerischen, handwerklichen Tipps widmen.


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