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JCDenton
Sonntagsschreiber


Beiträge: 10



BeitragVerfasst am: 30.07.2012 03:07    Titel: Sprich mit mir eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo liebe Kollegen!

Ich habe mal eine etwas älter (2010), "experimentelle", Kurzgeschichte von mir herausgekramt. Würde mich sehr über ein wenig Feedback (welcher Art auch immer!) sehr freuen!
Viel Spaß! smile

Sprich mit mir

Das herein flutende Licht lässt mich langsam aus meinen unruhigen Träumen erwachen. Wieder mal hat sie absichtlich die Vorhänge geöffnet damit ich schneller wach werde. Schon wieder eine neue Woche. Ich will nicht aufstehen und zur Arbeit. Ich stöhne auf und lasse mich auf meine Kissen fallen. Sie scheint mich gehört zu haben. Hat sie wirklich nach mir gerufen oder Quatsch sie mal wieder lauthals mit ihrer besten Freundin? Warum kann sie nicht einfach wieder ins Bett kommen?

Ich rieche frische Brötchen und warmen Kaffee. Ich stehe hungrig auf und schlendere müde in unsere Küche. Sie schaut verträumt aus dem Fenster und trinkt dabei einen Kaffee.

„Guten Morgen mein Schatz!" sage ich gähnend während ich auf sie zugehe und sie von hinten umarmen will. Plötzlich dreht sie sich um, lässt ihre Kaffeetasse vor Schreck fallen  und schaut mich erschrocken an. Ich weiche zurück und sie mustert mein Gesicht argwöhnisch als ob ich ein Fremder wäre, erkennt mich aber in dem Bruchteil einer Sekunde und entspannt sich augenblicklich wieder.

„Sorry, ich wollte dich nicht erschrecken" sage ich. Und da ist er wieder. Dieser Blick.
„Stimmt irgendetwas nicht? Ich wollte dich wirklich nicht erschrecken. Auch wenn mir das immer unglaublich Spaß macht" sage ich mit einem schelmischen Grinsen. Sie schaut mich erstaunt an und fängt an zu reden. Es bewegen sich ihre Lippen und ich vernehme ihre Stimme, doch ich kann ihr nicht folgen. Sie redet viel zu schnell. Aber daran liegt es nicht. Es sind die Worte die ich aus ihrem Mund höre. Sie ist fertig und wartet wohl auf meine Reaktion. Ich glaube sie hat mich irgendetwas gefragt. Zu mindestens ging ihre Stimme am Ende des Satzes hoch. Oh nein, ich glaube ich habe gestern mit meinen Jungs doch etwas zu viel getrunken. Wenn ich jetzt nicht sofort antworte kann ich mir wieder ihr blödes Todschlagargument anhören, dass ich ihr nie richtig zuhöre. Na super, auf einen Streit am frühen Morgen habe ich absolut keine Lust. Sie bemerkt meine Unsicherheit. Ich muss schnell irgendetwas sagen.

„Ähm, ja, ich denke schon" stammele ich. Über was kann sie denn so erzürnt sein wenn nicht über meine ungewollte Attacke? Vermutlich habe ich mal wieder den Fernseher auf voller Lautstärke die Nacht über angelassen. Dann ist sie wach geworden und musste extra aufstehen um ihn aus zu schalten. Vermutlich ist sie seitdem wach und sauer auf mich.

„Hörzu, es tut mir wirklich leid, egal was ich gemacht habe. Aber sei mir bitte nicht böse. Gib mir bitte nochmal einen Hinweis was ich gemacht habe. Das Erschrecken war es also nicht. War es der Fernseher.  Ach, herrje, ich weiß gar nicht mehr was es war. Also sag es schon!", versuche ich mich zu rechtfertigen.

Obwohl ich noch nicht mal weiß was ich mal wieder angestellt haben soll.  Mal wieder eine vertraute Situation. Es sind immer wieder diese trivialen Dingen die sie immer wieder auf die Palme bringen. So schlimm bin ich doch auch nicht, dass man sich ständig über mich aufregen muss. Immer diese unbegründeten Vorwürfe. Sie holt tief Luft und setzt an. Oh je, das gibt eine Standpauke. Kaum aufgestanden und schon gibt es wieder Zoff. Ich schaue schnell auf unsere hässliche Wanduhr die sie unbedingt haben wollte. Dafür habe ich mich bei der Wahl der Standlampe durchgesetzt. Auch wenn es mir eigentlich egal war. Immer diese unsäglichen Diskussionen und Kompromisse.

Ich will den Streit schnell hinter mich bringen. Ich muss gleich los zur Arbeit. Aber auf die Schnelle kann ich die Ziffern der Uhr nicht ablesen.
Während ich auf die Uhr schiele brabbelt sie wieder vor sich hin. Funktioniert die Uhr nicht mehr? Der Zeiger springt in seinem Tempo weiter, aber ich kann nicht genau sagen was nicht stimmt. Ich schaue meine Freundin schnell wieder an und konzentriere mich auf ihre zitternde Stimme. Wenn sie jetzt noch mitbekommt, dass ich ihr auch jetzt nicht richtig zuhöre eskaliert der Streit. Sie redet immer schneller und ich verstehe nur Wortfetzen. Oh man, so schlimm war es also. Aber noch nicht mal die Wortfetzen kommen mir bekannt vor.

„Ok, es reicht. Bitte hör auf, dass macht so keinen Sinn" sage ich zu ihr. Aber meine Gebrabbel hört sich auch merkwürdig an. Ich wiederhole laut mein letztes gesprochenes Wort. Und nochmal.

„Sinn."

Das was ich da gerade ausgesprochen habe war nicht das Wort 'Sinn'. Es war mehr ein tiefer lang gezogener Brummton. Was habe ich da nur gesagt? Ich versuche es noch einmal: "Sinn!". Sie schüttelt verzweifelt mit dem Kopf. Wir schauen uns an. Sie spricht immer wieder den gleichen Laut aus und schaut mich danach schon fast ängstlich an. Ich schüttle mit dem Kopf.

Ich schnappe mir den kleinen Block der am Kühlschrank hängt, blättere eine Seite um  und schreibe schnell, aber hoffentlich lesbar drauf, ob sie das hier lesen kann. Ich drehe den Block in ihre Richtung und warte auf ihre Reaktion. Sie schüttelt erneut den Kopf. Ich reiche ihr den Block und den Kugelschreiber. Sie krakeelt schnell etwas auf den Block, gibt ihn mir wieder und ich überfliege die Seite. Die Schreibweise des ersten Satzes besteht aus großen abgehackten kantigen Buchstaben während der zweite aus kleinen zusammenhängenden Wörtern besteht. Alle Wörter sehen ungewöhnlich aus.

Aber den ersten Satz kann ich entziffern. Ich lächle sie an und zeige auf den ersten Satz. Sie schaut mich enttäuscht an. Und zeigt mit der linken Hand auf den Satz und deutet mit der anderen Hand auf mich. Ich schaue nochmal drauf. Ich zucke mit der Schulter. Sie reißt mir den Block energisch aus der Hand. Blättert um, zeigt mir die Seite die ich vorgestern noch mit Notizen für unser Wochenende bekritzelt habe und zeigt auf die Seite. Sie reicht mir den Block und ich vergleiche beide Seiten miteinander. Moment mal, müsste auf der vorherigen Seite nicht mein Satz sein?

Die Handschrift des oberen Satzes stimmt mit denen der vorigen Seite überein. Unmöglich! Ich schreibe den gleichen Satz nochmal. Ich folge jeder einzelnen Bewegung die der Kugelschreiber in meiner Hand macht. Ich setzte ab und habe exakt den gleichen Satz mit den kantigen Buchstaben geschrieben. Ich blättere schnell um und überfliege meine alten Notizen. Ich kann sie nicht mehr lesen! Die Buchstaben und Wörter ergeben für mich keinen Sinn mehr. Das darf doch alles nicht wahr sein! Ich lege den Block geistesabwesend auf den Tisch und schaue sie entgeistert an.

"Moment, Moment" sage ich und stürme an unser Radio und schalte es an. Ich zappe durch die verschiedenen Kanäle. Unfassbar. Ich verstehe kein Wort. Und keine Stimme eines Senders hört sich gleich an. Ich fasse mir an die Stirn. Kein Fiber. Ich kneife mir feste in den Arm. Der Schmerz verrät mir, dass ich nicht träume. Ich stürme an unseren Rechner. Die Tastatur! Mir springen nur unlesbare Zeichen auf den Tasten ins Auge. Nicht ein bekanntes Symbol! Mit der Maus klicke ich mich nur anhand meiner alten Gewohnheiten über den Bildschirm. Ich gebe auf. Nichts kommt mir auch nur irgendwie bekannt vor.

Ich höre sie aus der Küche laut aufschreien und renne zu ihr zurück. Sie hängt weinend über dem Küchentisch. Mit der einen Hand ballt sie eine Faust, die sie immer wieder auf den Tisch haut, in der anderen hält sie unser Telefon. Ich nehme es ihr vorsichtig aus der Hand und lausche. Auf der anderen Seite brabbelt die Stimme ihrer Mutter unverständliches Zeug vor sich hin. Ich setzte den Hörer ab und schalte es aus.

 Die Stellung der Zeiger auf der Uhr verraten mir, auch wenn ich die Symbole nicht entziffern kann, dass wir beide schon längst unterwegs sein müssten. Jetzt muss ich mich auch noch zur Arbeit quälen. Ich schnappe mir ihren Arm, ziehe sie zu mir hoch und drücke sie feste an mich. Während ich sie tröste lausche ich den eintönigen aber bekannten Melodien der Popsongs mit dem nun undefinierbaren Gebrabbel.  Sie geben mir wenigstens den Hauch von etwas Vertrautem.

Sie schluchzt vor sich hin. Ich streichle sanft ihren Hinterkopf. Anschließend befreie ich sie aus meiner Umklammerung und zeige erst auf mich, dann auf meine Brust und dann auf sie und lächle sie an. Sie beruhigt sich etwas und wiederholt meine Geste. Ich küsse sie sanft auf die Stirn, wische ihre Tränen von der Wange und zeige auf die Uhr. Viel lieber würde ich mich jetzt um sie kümmern. Wir quälen uns beide schnell in unsere Klamotten, umarmen uns und verabschieden uns mit einem leidenschaftlichen Kuss.






Ich wache mit einem brummenden Schädel auf. Das dunkle Zimmer dreht sich. Ich sollte mein letztes Geld nicht mehr für Alkohol ausgeben. Alleine trinken hat auch irgendwie seinen Reiz verloren. Ich stehe auf, taumle durch die Dunkelheit und finde den Lichtschalter. Der Wecker scheint mich zu verhöhnen. Schon Nachmittag? Mist. Wieder den halben Tag verschlafen. Dabei hätte ich sie schon längst finden können. Ich greife in die Kiste die direkt am Bett steht und suche nach einem T-Shirt. Wollte ich die nicht alle mal waschen? Reine Zeitverschwendung. Ich greife mir ein weißes heraus.  Ich glaube es war genau das T-Shirt, das ich an meinem letzten Arbeitstag an hatte.

Zuerst war ich verzweifelt und hilflos. Ich konnte wie der Rest meiner Kollegen weder die Kunden am Computer verwalten noch mit ihnen telefonieren noch jemanden um Hilfe bitten. Es herrschte dort zum ersten Mal eine angenehme Stille. Unser Chef riss uns aus unserem gemeinsamen Schweigen. Mit einem lauten Pfeifen, mit dem Offenhalten der Tür und mit einem nicht enden wollenden Winken bis wir alle das Büro verlassen hatten begann dieses erleichternde Gefühl. Es war das pure Glück. Zu wissen, dass ich nie wieder zur Arbeit muss und ich diese Entscheidung, die ich sooft in meinem Kopf durchgespielt habe, nicht selbst treffen musste. Die traurigen Gesichter meiner Kollege, die so sehr an diesem dämlichen Beruf hingen, steigerten mein Glück nur noch mehr. Ich nuschelte mit gespielter Traurigkeit sämtliche Beleidigungen herunter während wir uns voneinander verabschiedeten. Eigentlich schade, dass mich keiner verstanden hat. Ein unglaubliches wohltuendes Gefühl nach all den schrecklichen Jahren.

Ein vergleichbares Gefühl überkam mich nur noch ein zweites Mal, als mich ein Mann im Anzug auf einer Parkbank durch wirre Gesten überredete seinem Spiel zu folgen. Er zeigte mir seine, wahrscheinlich extra für den heutigen Tag angefertigte, Präsentation auf seinem Laptop gepaart mit einer energischen, zum Glück für mich unverständlichen, Rede. Vermutlich war es auch für ihn auch der letzte Arbeitstag gewesen. Aufwendige Gantt-Charts und bunte Diagramme flogen über den Bildschirm.  Nach ein paar Minuten ging ich mit einem freundlichen Lächeln und ließ ihn mit seiner unnützen Präsentation alleine. So viel verschwendete Energie. Wofür nur? Die Frage hätten wir uns alle auch vor dem Zwischenfall stellen können. Er kam mit der plötzlichen Veränderung, wie meine alten Kollegen, wie wir alle, überhaupt nicht klar.

Ich glaube, sie hatte eine Vermutung was ich auf meine Shirts schrieb. Jedoch hat sie mich nie gefragt. Wie hätte ich es ihr auch erklären können? Ich greife mir einen Packen der dicken schwarzen Filzstifte aus einer der Tassen die auf den Nachttisch stehen und teste jeden solange bis ich einen gefunden habe der noch schreibt. Bevor ich es anziehe zeichne ich die kantigen Buchstaben auf der Vor- und Rückseite nach bis sie wieder gut erkennbar sind. Ich verlasse die Wohnung und begebe mich auf meinen alltäglichen Spaziergang. Auf diesem Rundweg scheint mir die Wahrscheinlichkeit am größten. Selbst wenn ich nicht mehr daran glaube.  Doch, es wird passieren. Es muss einfach irgendwann passieren.

Ich schlendere durch die Straßen, setze mich an einen Brunnen am Marktplatz, kaufe in einem halb leeren Supermarkt längst abgelaufenes Brot, beobachte die Fische im Kanal und mache auf dem Rückweg einen Halt am Bahnhof.  Ich verfolge das Aufblitzen unterschiedlicher Farben auf der improvisierten Anzeigetafel. Jeder Bahnhof hat eine andere Farbgestaltung für die Städte in seiner näheren Umgebung. Das hat das Reisen zwar kompliziert gemacht, aber es ist immerhin besser als gar nicht  mehr reisen zu können. Wie gerne würde ich erneut die feuerroten bis giftgrüne Punkte bereisen um sie endlich zu finden.

„Hey, was geht?" höre ich plötzlich hinter mir.

Blitzschnell drehe ich mich um. Ein großer muskulöser und tätowierter Mann in einem Muscleshirt steht direkt hinter mir. Hat er wirklich mich gemeint? Ich schaue mich kurz um. Er muss mich meinen. Ich bin sprachlos. Endlich ist es soweit! Solange habe ich gesucht.  

„Bitte was?" sage ich leise räuspernd mit einem verstörtem Lächeln. Zum ersten Mal nehme ich meine Stimme wieder wahr. Ich habe so viele Fragen die ich diskutieren möchte.

„Wie hat sich dein Leben seit dem Zwischenfall verändert?" frage ich ihn prompt. Er runzelt mit der Stirn.

„Warum sollte sich denn etwas verändert haben? Mich hat vorher schon keiner verstanden. Eigentlich ist alles viel einfacher geworden."  

„Du meinst, dich hat vorher keiner verstanden weil niemand auf deiner Wellenlänge war?" frage ich schon mit zitternder Stimme. Habe ich ihn wirklich gefunden? Ich bebe am ganzen Körper.

„Nein. Ich kam aus dem Osten hierher und habe kaum mit den Leuten hier gesprochen. Die einzige Sprache die die hier verstehen war das hier" und ballt dabei die Faust. Ich weiche zurück.

„Nein, nein, keine Angst. Ich meine die die da" sagt er mit einem feisten Grinsen und zeigt auf eine Gruppe von Frauen die am Haupteingang des Bahnhofs warten und versuchen sich allen Männern, die den Eingang passieren und nicht schnell genug weitergehen, in den Weg zu stellen und sich anschließend aufreizend zu präsentieren.

„Weißt du, mein Freund, es ist immer noch die beste Möglichkeit Geld zu verdienen. Hey, ich sehe du hast einen Ring am Finger. Du und deine Frau. Ihr braucht doch in diesen Zeiten bestimmt Geld."

„Was? Nein, sie arbeitet in einem Krankenhaus. Sie verdient gutes Geld." sage ich erzürnt.

„Und warum läufst du dann herum wie ein Penner?" fragt er mich mit einem widerlichen Grinsen.

„Weil sie mich schon längst verlassen hat. Aber das spielt jetzt keine Rolle mehr" sage ich apathisch.

„Oh, dann hast du bestimmt Lust auf meinen Mädels?  Ich mache dir einen Freundschaftspreis!"

„Nein danke, ich muss los. Ich muss noch einiges erledigen"

„Gut, du weißt wo du mich finden kannst. Ich bin eigentlich immer hier." Noch bevor er seinen Satz beendet hat, habe ich mich umgedreht und verlasse mit schnellen Schritten den Bahnhofsvorplatz.

Ich lasse mich auf die Couch fallen.  Es wird langsam dunkel. Sämtliche Kerzen sind ausgebrannt. Der Strom fließt schon länger nicht mehr. Das Fernsehen war nach dem Zwischenfall sowieso kein Zeitvertreib mehr. Obwohl die Renaissance von Stummfilmen etwas an sich hatte. Im Licht der untergehenden Sonne fällt mir ihr Photo auf. Ich stehe auf und schaue mir ihr wunderschönes Gesicht an.  Sie fehlt mir so sehr. Was habe ich nicht alles aufgeben? Ich muss sie finden. Es darf nicht alles umsonst gewesen sein.
Ich laufe in das Schlafzimmer. Ich greife mir meinen Rucksack, stopfe eine Decke und ein paar der T-Shirts aus der Kiste hinein. Das muss reichen. Ich gehe aus der Tür, schaue mir meinen Schlüssel für einen kurzen Moment an. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern. Wie sehr wir beide uns gefreut haben als wir endlich in die Wohnung einziehen konnten. Ich werfe ihn in die Wohnung und schlage die Tür hinter mir zu.

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Traumtänzerin
Fähnchen Fieselschreib

Alter: 25
Beiträge: 1209



BeitragVerfasst am: 30.07.2012 12:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo JCDenton,

etwas (mir sehr) Wichtiges vorab: Du verschreckst deine Leserschaft. Und zwar nicht über den Textinhalt, sondern über dessen exorbitante Länge! Normalerweise bin ich niemand, der auf Regeln etc. pocht und rotgesichtig darauf herumhüpft, aber diese eine der Goldenen Regeln des DSFo halte ich aus leserfreundlichen Gründen für sehr sehr sehr (!) sinnvoll: Nie mehr als 500 Wörter Länge! Das heißt natürlich nicht, dass du keine langen Geschichten posten kannst/darfst/sollst. Aber im DSFo ist es möglich, Texte in einzelne Teile zu untergliedern und als Fortsetzungstexte zu posten. Davon profitieren beide Seiten: Die Leser, weil sie mit weniger Text konfrontiert werden und ihn somit besser verdauen. Und du als Autor, weil dementsprechend mehr Leser bereit sind, einen Kommentar zu verfassen und du somit dein schnelles Feedback erhältst.

So, jetzt aber genug mit diesen "organisatorischen" Sachen, zurück zum Text.

Ich finde deine Geschichte extrem verwirrend. Abgesehen davon, dass ich ihn anstrengend zu lesen finde (diesmal aus rein stilistischen Gründen), wird mir nicht ganz klar, was die Hauptaussage sein soll. Zwischenzeitlich hatte ich die Theorie, dass dein Prota taub und/oder stumm wird/ist (aus welchem Grund auch immer). Aber immer dann, wenn ich dachte, die Theorie wäre zutreffend, hat dein Prota wieder irgendein Geräusch aus seiner Umgebung wahrnehmen können oder gesprochen.
Kurzum: Ich sitze mit sehr vielen Fragezeichen vor diesem Text.
Falls es ein Rückblick in eine Beziehung sein soll, die in die Brüche gegangen ist, dann ist dein Stil zu konfus, um dem Leser dies zu verdeutlichen.
Um mich genauer zum Text äußern zu können, muss ich ihn mir in den Einzelteilen mal ansehen. Möchtest du?

Ich hoffe, es ist deutlich geworden, was ich meine.
Und stets gilt: Dieser Kommentar ist nur eine Meinung unter vielen. Ich bin Leserin und nicht mehr und niemand, der darauf pocht, dass die eigene Aussage Richtlinie und stets zutreffend ist.

LG,
Traumtänzerin

PS: Es würde mich interessieren, wie der Text auf andere User wirkt. Traut euch!


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Title sponsored by Boro, (c) by Alogius
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Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.
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Eine spitze Zunge ist in manchen Ländern schon unerlaubter Waffenbesitz.
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Dem wird befohlen, der sich selbst nicht gehorchen kann. (Nietzsche)
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Inquisition war in der frühen Neuzeit der ganz große Burner.
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Schriftstück
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 38
Beiträge: 65
Wohnort: Zwischen den Kontinenten


BeitragVerfasst am: 30.07.2012 14:06    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kann mich da leider nur anschließen, ich finde den Text verwirrend, sowohl stilistisch als auch inhaltlich. Besonders inhaltlich.
Zuerst einmal "fühlt" sich deine Geschichte für mich nicht wie eine Kurzgeschichte an. Gerade das Ende ist - für meine Begriffe - prädestiniert dafür, nach einer Fortsetzung zu verlangen.

Dann wirfst du dem Leser kleine Informationsbrocken zu, wie "den Zwischenfall". Was ist der Zwischenfall? Was ist passiert? Ist irgendwas passiert, dass deinen Protagonisten mutiert hat?

Ist zwischen dem ersten Erwachen deines Protas und dem Zweiten noch einmal etwas passiert? Denn am Anfang gibt es ja noch Strom.

Warum versteht der Zuhälter deinen Prota? Weil er "aus dem Osten" kommt? Deutschlands Osten oder noch östlicher? Spricht dein Protagonist plötzlich vielleicht russisch?

Du siehst, du hinterlässt mich mit einer Menge Fragezeichen, die über deinem Text schweben. Aber: ich mag es, wie du recht eindringlich seine Verzweiflung darüber beschreibst, sich nicht mitteilen zu können.

Ich kenne das, wenn man in einer Geschichte steckt, und genau weiß, was man damit eigentlich ausdrücken möchte - aber ein unbedarfter Leser hat keinen Schimmer, was du ihm eigentlich sagen möchtest. Versuche doch mal, für dich selbst in ein zwei Sätzen die Kernhandlung mitzuteilen, und dann überprüfe, ob das auch in deiner Geschichte klar wird.

Ich hoffe, mein Feedback konnte dir etwas helfen.

Liebe Grüße.
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Kätzchen
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 28
Beiträge: 712
Wohnort: Katzenkörbchen


BeitragVerfasst am: 30.07.2012 14:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo zusammen!

Ich kann mich nur anschließen. Den ersten Teil mit der Beziehung, da konnte ich noch irgendwas interpretieren. Kurz musste ich vom Wirrheitsgrad her an Kafkas "Die Verwandlung" denken. Gerade versteht er noch alles, denkt ja auch in Worten und nach und nach erkennt er nichts mehr, keine Buchstaben, keine Geräusche. Aber Melodien? Mir hat nur noch gefehlt, dass er sich in einen Käfer verwandelt.

Beim zweiten Teil, den find ich einfach nur nichtssagend und langweilig. Außerdem versteh ich die Moral von der Geschicht nicht. Und warum der Zuhälter auftaucht, ist mir schleiferhaft, bzw. warum der Prota die Wohnung verlässt und den Schlüssel drin lässt. Er lebt doch eh mit seiner Freundin getrennt?

Also kurz: der Text sagt mir, das er mir nichts sagt smile

LG

Mietze


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Lele123
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BeitragVerfasst am: 30.07.2012 21:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo miteinander!

Bin leider der selben Meinung, außerdem gefällt mir der Stil nicht. Ich finde ihn abgehackt und im zweiten Teil langweilig und langwierig und musste mich durchringen weiterzulesen.

Lg
Lele
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lilli.vostry
Wortschmiedin


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Wohnort: Dresden


BeitragVerfasst am: 31.07.2012 19:55    Titel: aw:sprichmitmir Antworten mit Zitat

Hallo JDDenton,

ich finde das eine recht interessante, mysteriöse Geschichte, teils liest es sich wie eine krasse Parodie über ein Paar, die offenbar ein Sprach-Problem haben; nichts hilft, weder Worte, Blicke, Gesten... Plötzlich versteht er überhaupt nichts mehr, kommt sich vor wie im falschen (Lebens)Film und geht auf die Suche... Nach ihr, seinem verlorenen Leben und sucht Antworten.
Das Ganze liest sich - abgesehen von den vielen Rechtschreibfehlern und felenden Kommas - für mich wie ein Albtraum, wenn gleich die Geschichte sehr hin und her springt und recht zäh und banal bei Kleinigkeiten stehenbleibt. Leider wird vieles nur angedeutet - ihr erschrockener Blick (worüber?), sein  plötzlicher Gedächtnisverlust (hat er seinen Verstand schon vertrunken?) und warum er ihr nicht zuhört...
Das sollte der Leser schon erfahren, wenn auch nicht bis ins letzte Detail.
Die Kunst besteht im Weglassen an den richtigen Stellen. Was an dieser "Kurzgeschichte" experimentell sein soll, fragte ich mich auch.
Viele Grüße, Lilli


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Bakura
Schreiberassi

Alter: 27
Beiträge: 30
Wohnort: Nürnberg


BeitragVerfasst am: 31.07.2012 20:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hm, also in den Text lässt sich jede Menge reininterpretieren, ich denke, sowohl Titel, als auch Inhalt, zielen darauf ab, dass in der heutigen Zeit viel geredet, aber wenig gesagt wird. Und wie schwer es oftmals ist, sich für andere verständlich zu machen. Also ich hab das Gefühl, dass dem Prota und dem Zuhälter haargenau dasselbe passiert ist, die große Preisfrage ist nur: Was?
Gab es irgendeinen Atomunfall, haben sie plötzlich Parkinson bekommen... sorry, ich weiß, das ist nicht gerade qualifiziert. Aber selbst, wenn das alles nur allegorisch zu sehen ist, finde ich das zu wenig erklärt, das stimmt auch mit den Informationsbröckchen.
Der Stil ist außerdem zu abgehackt. Zu viele Hauptsätze hintereinander, das nervt. Die Verzweiflung des Protas wird hingegen gut beschrieben, als er merkt, dass er nicht mehr in der Lage ist, sich auszudrücken.

Ich musste auch an Kafkas Verwandlung denken, aber irgendwie ist es das auch, was den Text interessant macht. Also meiner Meinung nach kann man da jede Menge draus machen, nur, er bedarf einer gründlichen Überarbeitung. Frohes Schaffen!

lg Ramon


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Erich Kästner
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JCDenton
Sonntagsschreiber


Beiträge: 10



BeitragVerfasst am: 22.08.2012 02:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo liebe Kollegen,

Nachdem ich nun endlich wieder etwas Zeit habe kann ich nun auf eure hilfreichen Kommentare antworten!
Das die Geschichte äußerst verwirrend sein wird und somit keinem klassischer Plotstruktur folgt, war durchaus beabsichtigt und in dieser Hinsicht das Experiment. Was ich leider noch nicht so ganz nachvollziehen kann, sind die Kritikpunkte bezüglich des Stils. Welche Sätze/Wörter  meint ihr und wie würden sich diese verbessern lassen?

Die Vergleiche mit Kafka sind natürlich ein Kompliment, nur wirklich niemals angedacht. Auch äußerst interessant finde ich die verschiedenen Interpretation, die mir wirklich gut gefallen, die ihr in meiner Geschichte seht.
Auch wenn man sich als "Künstler/Autor" ungerne selbst erklären möchte, so möchte ich es für meinen Lerneffekt tun  (zumal wirklich niemand, auch aus meinem Freundeskreis, die "egentliche" Geschichte verstehen konnte - also muss es an mir gelegen haben...):
Auslöser für das Schreiben der Geschichte war der Roman "Die Stadt der Blinden  von José Saramago. Ich wollte ein ähnliches Szenario schaffen, in denen die Menschen sich gegenseitig nicht mehr verstehen, weil jeder eine eigen Sprache spricht. Eine bestimme Botschaft wollte ich damit auch nicht ausdrücken. Ich wollte einfach nur den Point-of-view eines Menschen in solch einem Szenario schildern und nachvollziehen können. Er weiß weder wie es passiert ist noch warum. Besitzt also das selbe "nicht vorhandene" Hintergrundwissen des Lesers.
Ein kleiner Gedanke war noch die Suche nach eine "Seelenpartner" bzw. "Sprachpartner", der die selbe Sprache spricht und mit dem man, laut dem Protagonisten, zwingend auf einer Welllänge liegen muss. Auf diese Suche richtet er nun in diesem Szenario sein ganzes Leben aus, anstatt sich mit seiner Freundin zu arrangieren.

Schade das ich das nicht durch die Geschichet transportieren konnte. hat jemand Hinweise/Vorschläge was ich hätte besser machen könne?

Also schonmal vielen Dank für eure bisherigen Antworten!

Viele Grüße
JCD
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