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Marcel A. Zons
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 35
Beiträge: 17
Wohnort: Flensburg


BeitragVerfasst am: 22.07.2012 19:27    Titel: Antworten mit Zitat

Der Grund ist simpel. Die Welt, die dahinter steckt, soll auch für videospiele usw international funktionieren. Ich möchte gewissermaßen eine Marke etablieren. wink
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Kätzchen
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 31
Beiträge: 721
Wohnort: Katzenkörbchen


BeitragVerfasst am: 23.07.2012 09:23    Titel: Antworten mit Zitat

Also ich als Zockerin und zwar als Vollblut MMORPGlerin, finde noch nicht, das es eine Marke, bzw. eine MMO taugliche Welt wäre. Es ist mir nicht stimmig genug und kein Universum, das mich magisch anziehen könnte. Für einen Single-Player, ja da vielleicht. Da könnte ich mir sogar ein paar gute Sachen vorstellen!

Nur mein Beitrag als eine lesende Zockerin  Cool
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Neopunk
Geschlecht:männlichEselsohr

Alter: 27
Beiträge: 371
Wohnort: Realität


BeitragVerfasst am: 23.07.2012 15:17    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hätte auch noch ein paar textbasierte Anmerkungen. Also nicht nur, inwiefern sich dein Szenario auf dem MMORPG-Markt umsetzen lässt. Ich will da nicht grantig werden, aber ... schreib es erst mal. Natürlich kann man schon einmal planen und am Universum feilen, dennoch solltest du das wichtigste - die Geschichte - nicht außer Acht lassen.

Ein paar Kritikpunkte wurden ja schon angesprochen:

- Seltsame Sprache (man erwartet hier eher etwas viktorianischer[es], da deine Welt grob an ein Steampunk-Szenario erinnert, in das ein Meteor aus Magie eingeschlagen ist)
- Noch nicht gut ausgefeilte Dialoge -> Meiner Meinung nach sind sie etwas plump und lassen sofort erkennen, was die Figuren der Geschichte machen/sagen wollen. Nun ja ... So ist das im echten Leben jedenfalls nicht immer. Für mein Empfinden ist das noch so ein bisschen Rollenspielebene. Davon musst du aber wegkommen. Da geht ja noch mehr, wie ich finde.

Hier noch ein paar Anmerkungen anhand eines Beispieles:

Zitat:
Als der purpurne Rauch des Dampfkessels plötzlich versiegte und der Motor allmählich seine Aufgabe vernachlässigte, stieg ein gehobener Mann im feinen Zwirn aus dem Wagen.
Er trug einen hohen Zylinderhut mit einer weiß schimmernden Krempe. Außerdem zierte eine Brille mit Goldrahmen sein Gesicht, die jedem Kenner guter Handwerkskunst verriet, dass er zuviel Geld hatte.
Er war eindeutig älter als fünfzig, und offensichtlich menschlich. Umständlich befreite er seine Hand aus den Rüschen seines Ärmels, um den Wagen abzuschließen. Mit neugierigem Blick musterte er die Fassade des Bordells und machte sich dann langsam, aber bestimmt, auf den Weg zur Tür des Freudenhauses.
“Sir, ich kann ihnen wirklich nicht empfehlen, dort hineinzugehen. Die Weiber da drinnen sind allesamt dumme Huren.”
“Na, das will ich doch hoffen!” entgegnete der reiche Herr mit einem breiten Grinsen, während er grüßenderweise an seiner Hutkrempe zupfte.
“Die haben den Schuss nicht gehört. Oder die Zeichen der Zeit. Wie man’s nimmt. Man wird sogar als Däjrinn rausgeschmissen.”
“Was? Sie sind ein Däjrinn? Was treibt sie denn an einen Ort wie diesen? Könnten sie nicht einfach den Willen einer willkürlichen Frau manipulieren und eine Nummer ohne große Kosten erzwingen?” sagte der Alte, während er eine Augenbrau(e) hob und Harvils elfisches Gesicht fragend anschaute.
Harvil wischte sich eine Strähne seiner braunen Haarpracht aus dem Gesicht und antwortete erzwungen gutmütig: “So einer bin ich nicht. Ich versuche, ein ehrlicher und normaler Teil dieser Gesellschaft zu sein. Auch, wenn das unglaublich klingt.”
Harvil versuchte, die Schemen hinter Fenstern auszumachen, die vom Ruß der Stadt verschmiert waren, und die Hausfrauen beim Kochen zu beobachten.
“Normaler Teil der Gesellschaft? Pah! Normalität ist sicherlich eine Frage der Relationen. Aber eins kann ich mit Fug und Recht behaupten: Jemand, der die Essenz eines Dämons freiwillig in sich aufnimmt und derart gierig nach Macht trachtet, ist sicher nicht normal. Aber etwas Normales kann ich derzeit auch nicht gebrauchen...”
Plötzlich ruckte Harvils Kopf zurück und er starrte dem Alten direkt in die Augen.
“Also erstens. Ich bin so geboren worden. Mein Großvater unterzog sich dem Ritual während der zweiten Invasion und ich musste das Blut nun einmal erben. Hab’ ich mir nie ausgesucht. Rückblickend bin ich aber ganz froh drum. Und zweitens. Gebrauchen? Wollen Sie mich für irgendwas engagieren?”
Der Mann im Anzug grinste zufrieden.


Dunkelrot: Unglückliche Formulierung(en):

Der Motor vernachlässigt nicht seine(n) Dienst(e), sondern wird abgeschaltet. Das ist ein Unterschied. Ein Motor lebt auch nicht (meist zumindest). Diese blumigen Ausformulierungen wirken einfach nur abgedroschen.

Das selbe gilt für "außerdem", was aber jetzt wirklich Geschmackssache meinerseits ist. Besser wäre da: "Eine wahrscheinlich massive Goldbrille ... [...] ..." oder "Eine vergoldete Brille ... [...] ..."

In beiden Fällen muss man sich aber fragen, woher Harvil wissen will, ob sie massiv oder stark vergoldet ist.

Dunkelblau: Ungenauigkeiten im Satzgefüge:

Was willst du mit dem ersten angemarkerten Satz sagen? Meintest du ungefähr das:

"Harvil versuchte, die Schemen der kochenden Hausfrauen hinter den rußverschmierten Fenstern auszumachen."

Dann schreib das. Mach nicht so lange Schachtelsätze.

Nur noch eines - weil ich wieder mal zurück in die Wirklichkeit muss. Plumbe Dialoge:

"Rückblickend bin ich aber ganz froh drum. Und zweitens. Gebrauchen? Wollen Sie mich für irgendwas engagieren?”

Das fragt ein Kind. Genauso wie ich den vorhergehenden Teil der Konversation nicht von einem älteren, verdammt reichen und wohl auch sehr intriganten älteren Mann erwarte. Das kommt subtiler. Oder ganz offentsichtlich. Zum Beispiel eine totale Wutrede über das Gesindel der Stadt und das die einer mal alle *krrrk* um die Ecke bringen müsste ... Es gäbe nur einen von diesem Pack, der noch viel schlimmer als alle anderen zusammen wäre. Zum Beispiel. Nur meine Meinung.

Wenig Handlung und zu viel (falsche) Exposition erschwert zudem das Hereinkommen in die Geschichte. Lass es doch andere Figuren Harvil sagen, was abgeht in dieser Welt. Und mach sie noch viel gefährlicher.

Ich habe übrigens nicht zu Ende gelesen. Trotz allem attestiere ich dir - abgesehen vom Namen finden (Däjrinn. Wie wird das denn ausgesprochen? So lautschriftmäßig? Dashrin quasi? So angloamerikanisch?) - ein relativ gutes Händchen für die richtige Mischung, was das Konstruieren der Welt angeht. Gibt schlechtere, gibt auch bessere. Sprachlich noch nicht so schön und etwas schwach, was die Dialoge angeht ... Hört sich aber schon einmal ganz gut an.

/edit: Und warum funktionieren die Farben nicht richtig  Mad


_________________
“What if you slept? And what if, in your sleep, you went to heaven and there plucked a strange and beautiful flower? And what if, when you awoke, you had the flower in your hand? Ah, what then?” - S.T. Coleridge
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Marcel A. Zons
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Beiträge: 17
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BeitragVerfasst am: 23.07.2012 18:18    Titel: Antworten mit Zitat

Kätzchen hat Folgendes geschrieben:
Also ich als Zockerin und zwar als Vollblut MMORPGlerin, finde noch nicht, das es eine Marke, bzw. eine MMO taugliche Welt wäre. Es ist mir nicht stimmig genug und kein Universum, das mich magisch anziehen könnte.


Von der eigentlichen Welt kommt in dem bißchen Text natürlich noch nicht viel rüber. Das Stücke fügen sich mit der Zeit.

Dazu kommt sicherlich auch, dass es eine Geschmackssache ist, welche Welten man mag.
Das zugehörige Pen&Paper ist wirklich sehr sehr komplex und als GameDesigner kann ich dir versichern, dass die Inhalte des Spiels für ein MMORPG locker reichen würden. wink

Neopunk hat Folgendes geschrieben:

In beiden Fällen muss man sich aber fragen, woher Harvil wissen will, ob sie massiv oder stark vergoldet ist.


Wieso? Der Umstand wird doch aus der Sicht des allwissenden Erzählers geschildert?! ^^

Trotzdem danke ich dir für alle anderen Anmerkungen Neopunk.
Leider ist die Version des Textes hier im Forum schon etwas veraltet und wurde mittlerweile überarbeitet. Zum Teil auch die Dialoge. wink
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Marcel A. Zons
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 35
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BeitragVerfasst am: 23.07.2012 18:21    Titel: Antworten mit Zitat

Neopunk hat Folgendes geschrieben:

- Seltsame Sprache (man erwartet hier eher etwas viktorianischer[es], da deine Welt grob an ein Steampunk-Szenario erinnert, in das ein Meteor aus Magie eingeschlagen ist)


Ja, ist an Steampunk angelehnt. Aber eigtl. ist die Aufklärung und das liberale Denken der Menschen in meiner Welt vergleichbar mit unserer heutigen westlichen Welt. Das kommt leider erst mit der Zeit rüber, kann man ja nicht von Anfang an klar machen.

Es gibt sogar Discotheken mit schneller und lauter Musik. ;-p
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Neopunk
Geschlecht:männlichEselsohr

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Beiträge: 371
Wohnort: Realität


BeitragVerfasst am: 23.07.2012 18:23    Titel: Antworten mit Zitat

Dafür gibt es - sofern du dies möchtest - die Möglichkeit, deinen Text zu aktualisieren. Beitrag schreiben und Kreuzchen bei "Neue Version" setzen.

Allwissend? Pah! Allwissend ist für Anfänger  Embarassed

Da ich, wie gesagt, den Mix aus Steampunk und Magie ganz erfrischend finde, wäre ich dafür, dass du mal was Neues postest. Im Übrigens bist du das der Fülle an Antworten ja fast schuldig.

lg Nod

/edit: Vom aufgeklärten Denken ist ja nicht viel bei der Prostituierten zu merken Laughing


_________________
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Marcel A. Zons
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Alter: 35
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BeitragVerfasst am: 23.07.2012 18:43    Titel: Antworten mit Zitat

Editieren geht irgendwie nicht, daher poste ich mal das aktualisierte und nun vollständige erste Kapitel hier. smile

-----------------------------------------------

Sie warf sich vorsichtig über ihn, wobei sie darauf bedacht war, ihren Rock für den Moment nicht zu weit nach oben gleiten zu lassen. Dann drückte sie ihre vollen Brüste auf Harvils Oberkörper, während sich ihr Kopf seinem Hals näherte, um ihn zu küssen und mit anderen zärtlichen Gesten in Stimmung zu versetzen.

Hör sofort auf. Du weißt genau, dass ich dir
die Nummer vermiesen werde.


Es ertönte wieder diese dunkle Stimme mit vorwurfsvollem Ton in Harvils Innerem. Wie jedes Mal, wenn er versuchte, sich der fleischlichen Lust hinzugeben.
“Halt einfach die Fresse!” flüsterte Harvil mit einem Hauch von Aggressivität in seiner Stimme.
Empört blickte die junge Frau Harvil fragend an, die gerade noch damit beschäftigt war, seine Hose zu öffnen. “Was? Willst du mich verarschen? Ich habe überhaupt nichts gesagt.”
“Ich meinte nicht dich ... es ist nur. Ach, egal. Ich hab’ nur etwas zu intensiv an ein Gespräch von heute Nachmittag gedacht. Wie wäre es, wenn du da weiter machst, wo du aufgehört hast?”
Harvil zwang sich zu einem Lächeln und versuchte, die Stimme in seinem Kopf zu unterdrücken.

Ich will nicht, dass du das tust. Das ist widerlich.
Wenn ich nicht will, dass du einen hoch kriegst,
dann wird das auch nicht passieren.
Das weißt du mittlerweile genau!


“Weißt du was? Wir sollten aufhören. Ich komme wieder, wenn wir ungestört sein können und das Ding in mir ruhig bleibt.”
“Ungestört? Bist du ein Däjrinn?”
“Kann schon sein, ja.”
“Das hättest du auch vorher sagen können, bevor du mich gebucht hast. Dann hätte ich auf keinen Fall ja gesagt! Es ist besser, du verpisst dich jetzt und nimmst deinen Dämon mit, du Missgeburt!”
“Tja, den würde ich ja gern zu deiner eigenen Unterhaltung da lassen, wenn ich könnte.”
Harvil schubste die Hure von seinem Schoss, während er umgehend nach seinem Unterhemd griff und es sich überwarf. Er machte einen Satz auf den kalten Holzboden und ging hinüber zu seinen Sachen, die er in der Ecke des Raumes abgelegt hatte. Er überlegte für einen Moment und entschloss sich dazu, seine lederne Rüstung nicht anzuziehen. Stattdessen stopfte er sie in seinen Reisesack und begab sich mitsamt seiner Ausrüstung in Richtung Tür.
“Schönen Tag auch. Auf dass du heute noch viele andere Männer ficken mögest.”
Ohne weitere Worte knallte Harvil die Tür zu und dachte nicht einmal daran, dem Dämon, an den er gebunden war, die Genugtuung zu geben und sich weiter aufzuregen. Mit schnellen Schritten ging er die Treppe des Bordells hinab und versuchte, beim Durchqueren des Eingangsbereichs nicht in das verwirrte Gesicht der Barfrau zu blicken.

Auf der Straße angekommen nahm er einen tiefen Zug der kühlen Abendluft. Es duftete gut, was den Verdacht erregte, dass einige fleißige Hausfrauen in diesem Moment damit beschäftigt waren, für ihre Familien köstliche Speisen zuzubereiten.
Er befand sich in einer gebogenen Gasse. Die Gebäude hier waren zumeist Reihenhäuser von zwei, maximal drei Stockwerken.
Harvil mochte die Altstadt. Die Häuser hatten Charme, bezeugten ein gewisses Alter und damit eine eigene Geschichte, die nur darauf wartete, erfragt oder erkundet zu werden. Während er sich in den engen Straßen der Altstadt aufhielt, konnte er die neumodischen Dinge wie die Stahlbauten, Luftschiffe und Dampfmaschinen für einen Moment vergessen.
Dieser Moment purer innerer Romantik wurde plötzlich zerrissen, als ein Fahrzeug mit laut ratterndem Motor um die Ecke bog und vor dem Bordell halt machte.
Es war ein schwarzer Rentrue Cossolya, Baujahr 1761. Die viertürige Kleinlimosine sah verblüffenderweise immer noch aus wie neu. Der Halter des Fahrzeugs musste große Stücke auf gute Fahrzeugpflege legen.
Als der purpurne Rauch des Dampfkessels versiegte und der Motor allmählich seine Aufgabe vernachlässigte, stieg ein gehobener Mann im feinen Zwirn aus dem Wagen.
Er trug einen hohen Zylinderhut mit einer weiß schimmernden Krempe. Außerdem zierte eine Brille mit Goldrahmen sein Gesicht, die jedem Kenner guter Handwerkskunst verriet, dass er zuviel Geld hatte.
Er war eindeutig älter als fünfzig, und offensichtlich menschlich. Umständlich befreite er seine Hand aus den Rüschen seines Ärmels, um den Wagen abzuschließen. Mit neugierigem Blick musterte er die Fassade des Bordells und machte sich dann langsam, aber bestimmt, auf den Weg zur Schwelle des Freudenhauses.
“Sir, ich kann ihnen wirklich nicht empfehlen, dort hineinzugehen. Die Weiber da drinnen sind allesamt dumme Huren.”
“Na, das will ich doch hoffen!” entgegnete der reiche Herr mit einem breiten Grinsen, während er grüßenderweise an seiner Hutkrempe zupfte.
“Die haben den Schuss nicht gehört. Oder die Zeichen der Zeit. Wie man’s nimmt. Man wird sogar als Däjrinn rausgeschmissen.”
“Was? Sie sind ein Däjrinn? Was treibt sie denn an einen Ort wie diesen? Wäre es nicht einfacher für sie, einer willkürlichen Dame ihren dunklen Willen aufzuzwingen?” meinte der Alte, während er eine Augenbraue hob und Harvils elfisches Antlitz fragend anschaute.
Harvil wischte sich eine Strähne seiner braunen Haarpracht aus dem Gesicht und antwortete erzwungen gutmütig: “So einer bin ich nicht. Ich versuche, ein ehrlicher und normaler Teil dieser Gesellschaft zu sein. Auch, wenn das unglaublich klingt.”
Harvil versuchte, die kochenden Hausfrauen hinter rußverschmierten Fenstern auszumachen.
“Normaler Teil der Gesellschaft? Pah! Normalität ist sicherlich eine Frage der Relationen. Aber eins kann ich mit Fug und Recht behaupten: Jemand, der die Essenz eines Dämons freiwillig in sich aufnimmt und derart gierig nach Macht trachtet, ist sicher nicht normal. Aber etwas Normales kann ich derzeit auch nicht gebrauchen ...”
Plötzlich ruckte Harvils Kopf zurück und er starrte dem Alten direkt in die Augen.
“Also erstens. Ich bin so geboren worden. Mein Großvater unterzog sich dem Ritual während der zweiten Invasion und ich musste das Blut nun einmal erben. Hab’ ich mir nie ausgesucht. Rückblickend bin ich aber ganz froh darüber.”

Ich hab dich auch lieb, Narr.


Harvil würdigte den Kommentar seines Dämons in keiner Weise und fuhr fort: “Und zweitens. Gebrauchen? Wollen Sie mich für irgendwas engagieren?”
Der Mann im Anzug grinste zufrieden.
“Ein schnelles Köpfchen sind Sie auch, hervorragend. Aber jetzt ist nicht die Zeit für geschäftliche Verhandlungen jedweder Art. Ich bin hier, um dieses Haus zu betreten und meinen Spaß zu haben. Ich werde Sie kontaktieren.”
“Was auch immer sie wollen. Ich wünsche viel Vergnügen da drinnen. Aber vermeiden sie Irmella.”
“Ich werde es mir merken. MacBlundon, mein Name. Guten Tag.”
“Harvil ... Sommerblatt.”
Das amüsierte Grinsen konnte sich Mister MacBlundon nicht verkneifen, während er auf dem Absatz kehrt machte und die hölzerne Tür öffnete, die ihm Freuden für die Nacht verheißen sollte.
Ein Schandfleck, dachte Harvil, der sich nun wieder in die romantische Stimmung des Abends zurückversetzen wollte, es aber nicht konnte, nun da der Wagen wie ein höhnisches Denkmal der Neuzeit in der Straße stand. Das Altertümliche war dem modernen Mist gewichen, grübelte Harvil und machte sich auf den Weg in sein Appartement.

Er bahnte sich seine Route durch die Altstadt, besorgte dabei noch etwas Wein auf dem Wochenmarkt und durchquerte dann das Hafenviertel. Es war kein Hafenviertel, wie man es von anderen Städten gewohnt war. Der Palastturm des hyattanischen Imperators stand fast neben der künstlich gegrabenen Förde der Stadt und war jederzeit einen Blick wert. Der Turm erhob sich wie eine aus Stein geschliffene, überdimensionierte Kralle aus dem Boden. Das Licht, das aus den Fenstern selbst in den Abendstunden drang, ließ rege Arbeitssamkeit rund um die Uhr vermuten. Harvil fragte sich, was der Imperator wohl in diesem Moment in den obersten Stockwerken treiben würde.
Er war schon einmal dort gewesen, um mit dem Majordomus zu reden.
Dieser bewilligte zwar sein Vorhaben, offiziell als Dämonenjäger für das Reich Hyattas zu arbeiten, aber dennoch misstraute Harvil dessen Verhalten. Eine gesunde Skepsis, so dachte er, steigere die Überlebenschancen in einer Welt, in der sich die Völker gegenseitig fraßen.
Ehe Harvil sich versah, befand er sich nach all der Grübelei auf der mechanischen Hebebrücke, die über die Förde des Hafens führte. Zu dieser Stunde wollten nur noch wenige Schiffe das Innere der Stadt erreichen. Ein Blick hinüber zur offenen Seite des Meeres versetzte Harvil in einen Zustand der Verwunderung.
Entlang der alten Marinekaserne, die unmittelbar mit der Hafenseite verbunden war, befanden sich drei große Kriegsschiffe, die zu jener Stunde bemannt wurden. Es waren sicher hundert, knapp zweihundert Soldaten, die damit betraut waren, Mittel und Waffen auf die Schiffe zu laden.
Ein weiterer Vorstoß gegen das nördlich gelegene Untermooring? Norjond? Harvil hatte es schon immer interessiert, dieses Kriegstreiben der Menschen. Wenn ganze Dörfer sinnloserweise vernichtet oder geplündert werden. Im Krieg gibt es keine Gewinner, so lautete stets sein Motto. Und dennoch hat er sich für den einen oder anderen Kampf als Söldner rekrutieren lassen. Es winkte gutes Geld für einen Mann seiner Fähigkeiten.
Er war fast versucht, zu den Schiffen zu gehen, vorstellig zu werden und nach einem bezahlten Posten zu fragen. Man kannte ihn beim Militär und die Chancen hätten sicherlich nicht schlecht gestanden.
Aber Harvil hatte sich einer anderen Sache verschrieben. In seinem neuen Appartement musste er früh bemerken, dass seine überaus sympathischen Nachbarn von einer Bande bedroht wurden, die im Drogenmilieu tätig war. Inwiefern beide Gruppen geschäftlich zusammenhingen, war ihm noch nicht klar, aber das würde er schon herausfinden. Worum es ihm aber vor allem ging, war die Bande zu verfolgen und ihre Machenschaften zu zerschlagen.
Harvil hegte einen inbrünstigen Hass gegen Menschen, die sich mit Drogen vollpumpten und sich in ihrer Lethargie badeten, während draußen die ganze Scheisse am Brodeln war. Solche Leute würden während der nächsten Invasion der Dämonen von keinem Nutzen sein.
Also wollte Harvil seinen Beitrag leisten und das schmutzige Geschäft gewaltsam beenden, sofern das Schicksal eine solche Gelegenheit anzubieten vermochte.

Als er seine hasserfüllten Gedanken zu einem Schluss führen wollte, erreichte er den Stahlkoloss, der sein Zuhause beherbergte. Es war ein Gebäude von knapp 200 Metern Höhe, das in 10 Ebenen unterteilt war. Jede Ebene war ein Dorf für sich, mit einem eigenen, riesigen Innenbereich mit Geschäften, verschieden großen Appartements und Sozialeinrichtungen. Der Imperator hatte sich lange Zeit gegen den Bau der vier Stahlkolosse im Norden der Stadt gewehrt, doch der Mangel an Wohnfläche in der Hauptstadt Iol und das Verlangen nach günstigen Unterkünften war zu groß. Außerdem hatten schon andere Metropolen vorgezeigt, dass Gebäude dieser Art ein Teil der Neuzeit sein sollten. Der kompakte Bau ermöglichte eine effizientere Nutzung von Dampfenergie. Desweiteren erhoffte man sich, dass diese Bauweise während der nächsten Invasion leichter zu verteidigen sei und Sicherheit bot.
Sicherheit. Das war auch der Umstand, der Harvil ursprünglich hierher gelockt hatte. Und es war etwas Neues. Harvil hätte sich selbst zwar zu den konservativen Elfen gezählt, aber er gab jeder Neuheit eine Chance. Er wollte wenigstens seinem Erfahrungsschatz etwas Gutes tun, auch wenn er wusste, dass er spätestens in ein paar Monaten die ganze Sache mit dem Prädikat “beschissen” auszeichnen würde.
Dass Sicherheit hier nicht gewährleistet werden konnte, stellte sich erst Wochen später heraus. Die Stahlbauten zogen Verbrecher und zwielichtige Gestalten anscheinend magisch an. Andererseits perfekt für einen freiwilligen Aufräumer wie Harvil.

Der Wachmann am Fuße des Stahlkolosses musterte mit kritischem Auge jede Person, die den Personenaufzug zu den höheren Etagen betrat. Harvil drängte sich in letzter Sekunde in die Traube von Leuten, bevor das Metallgitter den Aufzug in einen Käfig verwandelte und das Vibrieren zu seinen Füßen begann.
Vor Harvil standen zwei Mädchen und er schätzte, sie waren kaum älter als fünfzehn. Sie tuschelten und behutsam zog die Blonde von ihnen ein Holzplättchen aus ihrer Bluse, auf dem die Schuppe eines Reptils befestigt war. Harvil stellte fest, dass es sich um ein Zauberartefakt handeln musste. Und die Tatsache, dass die Mädchen ein Geheimnis daraus zu machen schienen, ließ ihn ein illegales Unterfangen vermuten. Artefakte unterlagen in der Hauptstadt strengen Regeln. Nur eine handvoll Zauber waren überhaupt zugelassen, was Harvil beinahe als ungerecht gegenüber dem Volk empfand. Sein verdorbenes Blut erlaubte ihm jederzeit, Kräfte zu wirken, die in den richtigen Händen ebenso verheerend wie übliche Zauberei sein konnten. Doch den Einsatz seiner Künste hätte man nur unterbinden können, indem man ihn aus der Stadt ferngehalten hätte.

Harvil war nicht danach zumute, den Mädchen den Spaß zu verderben. Er bezweifelte, dass sich in dem Artefakt Kampfmagie oder etwas vergleichbar Gefährliches befand. Als er die Fahrt bis zur sechsten Etage abwartete und den Ausblick über die gesamte Stadt zu genießen versuchte, erhob der Dämon das Wort in seinem Kopf.

Sind das nicht die Töchter deiner Nachbarn?
Ich sah sie neulich mit einem der Bandenmitglieder reden.


“Davon hattest du mir gar nichts erzählt.” flüsterte Harvil leise, sodass kein Anderer ihn hörte.

Ich ahnte nicht, ob es von Bedeutung war.
Du solltest sie verfolgen.


Harvil nickte und musterte die Mädchen nun genauer, während sich das Gitter auf der Innenseite des Gebäudes öffnete und die Menschenmenge den Aufzug verließ.
Die Blonde war etwas höher gewachsen und trug ihre Haare zu einem Dutt, wodurch ihre Gesichtszüge älter wirkten. Die Wangen waren mit Sommersprossen übersät. Im Zusammenspiel mit ihren himmelblauen Augen, die eine besondere Hoffnung in sich trugen, wurde ihre kindliche Unschuld unterstrichen.
Die Andere war offensichtlich ihre jüngere Schwester und trug rostrotes Haar, das zu langen Locken entlang ihres Rückens herabhing. Ihre Körperhaltung verriet, dass sie nicht gern auffiel und es ihr womöglich an Selbstvertrauen mangelte. Sie wurde  in ein sommerliches Kleid aus reinem weiß gekleidet, das mit den Silhouetten roter Blüten bestickt war und bis zu den Knien wallte. Sie stand ganz im Kontrast zur großen Schwester, die Sandalen und einen kurzen Rock aus Leder, sowie eine schwarze Bluse trug.
Beide betraten das dunkle Innere der sechsten Etage und peilten den westlichen Korridor an. Dieser Umstand versetzte Harvil in einen Zustand der Alarmbereitschaft, denn er hatte bereits festgestellt, dass die Drogenbande stets aus diesem Bereich der Etage kam.
Es war schon spät und die Geschäfte hatten ihren Tag hinter sich. Sogar die magische Beleuchtung der Etage wurde auf ein Minimum heruntergefahren. Schatten legten sich wie ein bedrohlicher Schleier um Nischen und Seitenwege.
Harvil fühlte sich unwohl. Es machte sich dieses bestimmte Gefühl breit, das er immer hatte, sobald sich Ärger anbahnte.
Die Schritte der Mädchen wurden schlagartig langsamer, ja vorsichtiger, als sie den Korridor zur Westseite des Stahlkolosses erreicht hatten. Sie passierten einen Kegel von hellblauem Licht, der aus einem der Appartements drang und die Gesichter der Mädchen beleuchtete. Für einen Augenblick konnte Harvil es ihnen deutlich ansehen. Sie empfanden Furcht.
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Marcel A. Zons
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BeitragVerfasst am: 23.07.2012 18:45    Titel: Antworten mit Zitat

Der etwa sieben Meter breite Korridor war menschenleer, abgesehen von den Mädchen und Harvil. Nach einigen weiteren Schritten betrat plötzlich eine Gestalt, die aus einer Seitengasse gebogen war, die Straße aus Metall.
Es war ein Mann, der einen blutroten Wams aus dickem Stoff trug. Seine Beine zierte ein metallener Waffenrock, der über einer Leinenhose baumelte und mit jedem Schritt ein leises Klirren von sich gab. Seine rechte Hand umschloss eine Axt und er bewegte sich geradewegs auf die Mädchen zu, die sich in ihrer Angst nun gegenseitig die Hand hielten.
“Kommt mit, auf offener Straße werden keine Dinger gedreht.” brummte er den Mädchen zu, während er Harvil einen skeptischen Blick zuwarf.
Das Gesicht des Gauners versteckte sich in einem Vollbart, und in seinem schwarzen Deckhaar klimperten Ringe aus Blech, die aus ihm wohl etwas Besonderes machen sollten.
“Fühlen wir uns heute ein bisschen weiblich, oder was soll der dämliche Schmuck? Das erklärt zumindest, warum du mit wehrlosen Mädchen Geschäfte machst, du Mädchen.” rief Harvil dem Hühnen zu, während er sein siegessicherstes Grinsen aufsetzte.
Der Fremde begann mit seiner Linken an der Klinge seiner Axt herumzuspielen. Dabei betrachtete er verträumt das Blitzen des Stahls, ohne Harvil mit einer Antwort zu würdigen.
“Hey, Joboq. Gibt es Stress?” hörte Harvil plötzlich eine Stimme aus einem Appartement fragen, das mit der Decke der Etage verschmolzen war und wie ein freischwebender Wachturm über der Strasse hing.
Harvil sah, dass ein dünner Kerl mit einem Karabinergewehr auf ihn zielte. Als sich sein Blick wieder zur Straße absenkte, stellte er fest, dass noch drei weitere Bandenmitglieder aus den Seitengassen gekommen waren.
Das war nicht ganz ein Hinterhalt, aber Harvil befand sich augenscheinlich in ihrem Territorium. Er überlegte für einen Moment, musterte ihre Waffen, schätzte die Situation ab und versuchte, eine Strategie zu entwickeln.
Der Hühne mit seiner Axt erhob das Wort und seine Stimme hallte entlang der blechernen Wände und Decken:
“Besser, du gehst jetzt, Elf. Hier ist nichts für dich zu holen. Wenn du um die Mädchen besorgt bist … wir tun ihnen nichts. Sofern sie dabei haben, was sie abholen sollten.”

Es sind zu viele.
Geh.


“Was sollten sie euch denn besorgen? Neue Schminke?”
Harvil empfand schon immer Freude daran, seine Feinde lächerlich zu machen, bevor er ihnen den Weg ins unendliche Nichts bereitete.
“Das geht dich nichts an, Kleiner. Dreh dich um, gönn dir ein Bier in Jorayas Bar und sorg’ einfach nicht dafür, dass wir dich vom Boden wieder aufwischen müssen.”
“Okay. Die Sache mit der Bar klingt verlockend. Aber vorher zeig ich dir, wie mein Schwert dir ein zweites Arschloch zaubert!”
Mit diesen Worten machte Harvil einen Satz nach vorn und zog seine Däjrinnklinge aus der Schwertscheide.
Es war das schrille Pfeifen zu hören, das immer ertönte, wenn ein Däjrinn Blut an seinen Dämon opferte und es sich seinen Weg in andere Dimensionen bahnte.
Von einer Sekunde auf die Nächste stand Harvil hinter dem Hühnen und bohrte ihm seine Klinge in den Rücken, vorbei an zwei Rippen, direkt ins Herz.
Dann war ein Schuss zu hören. Der Schütze unterhalb der Decke verfehlte nur knapp sein Ziel und die Kugel drang in die Schulter desjenigen, der ohnehin sein Leben verloren hatte.
Harvils Feinde waren nicht langsam. Sie waren abgebrühte Straßenschläger, die reaktionsschnell mit ihren Knüppeln ausholten.
Der eine hätte weniger weit ausholen sollen. Mit einem kurzen Stich durchstieß Harvil dessen Kettenhemd und Spritzer von Blut legten sich in Harvils Gesicht ab, während der Knüppel des Anderen hart auf Harvils Kopf aufschlug.
Er vernahm nicht einmal das laute Krachen, das das Holz auf seiner Schädeldecke auslöste. Seine Sinne waren durch ein Gemisch aus Übelkeit, Schmerz und Überraschung umnebelt.
Dann landete ein Schlagring auf seiner Stirn und er merkte, wie er nach hinten kippte und rücklings auf dem Boden lag.

Ich hab’s dir noch gesagt.


Harvil spürte weitere Schläge und Tritte, doch erst als er sich dem Tod nahe wähnte, wendeten sie sich von ihm ab und es waren erneute Kampfgeräusche zu hören.
Seine Sicht wurde klarer. Jemandes Fratze lag plötzlich neben ihm, mit weit aufgerissenen Augen und und einem Mund, der schreien wollte, aber kein Leben mehr in sich trug.
Harvil blickte weiter auf und sah einen Ritter gegen die Bandenmitglieder kämpfen. Er schlug sich mit einer solchen Präzision, dass es für die Kriminellen ein fruchtloses Unterfangen war, sich zur Wehr zu setzen. Augenblicke später zählte Harvil sechs Gefallene, die zuvor aus den Appartements zur Hilfe ihrer Kameraden gekommen waren.
“Wer ist das?” fragte Harvil seinen Dämon.

Du solltest dich bei Jeyla bedanken.


Als der Kampf beendet war, löste sich der Ritter in buntfarbenen Nebelschwaden auf und er konnte dahinter die Konturen einer Frau erkennen. Er musste lächeln, denn es war Jeyla.
Sie war seine Seelenverwandte. Er hatte sie damals geliebt, doch ihre Liebe konnte nicht standhalten. Harvils innerer Dämon hatte es ihm kaputt gemacht. Etwas, was er ihm nie verzeihen konnte.
Er raffte sich auf und versuchte, die Schmerzen entlang seines gesamten Körpers zu unterdrücken. Er hasste es, vor ihr schwach zu erscheinen.
“Danke für den Geist. Der hat gut gekämpft! Aber das hätte ich auch noch alleine geschafft.”
“Wie das? Hättest du sie mit deinem Blut vollgehustet und sie angeekelt?”
Harvil musste Lachen, auch wenn es schmerzte.
Jeyla sah entzückend aus. Ihre pechschwarze, glatte Haarpracht fiel wie Wasser entlang ihrer Corsage herunter. Ein Haarring aus Kupfer formte wilde Strähnen, die ihr in der Stirn hingen und bei jeder ihrer Bewegungen wippten.
Ihre knappe, braune Hose betonte ihre Figur, die an Makellosigkeit kaum zu übertreffen war. Die Konturen ihrer langen Beine waren perfekt zu sehen, auch wenn Strümpfe aus Baumwolle, die bis zum Oberschenkel reichten, sie bedeckten.

Harvil hatte nun aber keine Zeit, auf der blutbesudelten Straße zu stehen und mit Jeyla zu flirten. Er machte humpelnde Schritte zu den Mädchen, die reglos da standen und mit traumatisiertem Blick ins Leere starrten.
“Gebt mir das Artefakt. Ich kümmere mich um alles. Geht nun zu euren Eltern.”
Jeyla sah den Kindern wehmütig hinterher, die umgehend losrannten, nachdem sie die Reptilschuppe ausgehändigt hatten.
“Vielleicht sollte ich nachher zu ihnen gehen und einen Vergessenheitszauber wirken.”
Sie war eine kompetente Schamanin, das hatte Harvil schon oft anerkennen müssen. Manche bezeichneten sie als Koryphäe, wenn es darum ging, den Geist eines Menschen zu manipulieren oder Menschengeister zu beschwören.
“Das wäre vielleicht keine schlechte Idee. Warum warst du eigentlich hier?”
“Ich hatte vor deinem Appartement auf dich gewartet und sah dann, wie du den Mädchen gefolgt bist. Nenn’ es Schicksal oder Glück.”
“Gut. Ich will wissen, was diese Männer vor hatten und was es mit diesem Artefakt auf sich hat. Kommst du mit?”
Jeyla nickte. Sie gingen gemeinsam auf eines der Appartements zu, aus denen die Bandenmitglieder gekommen waren. Als sie sich näherten, wurde die krächzende Stimme einer Frau immer deutlicher hörbar.
“Joboq? Was geht da draußen vor? Joboq!”
Harvil nickte Jeyla zu und gab ihr damit ein Signal. Beide sprangen mit gezogenen Waffen durch das Fenster der Wohnung und erblickten in der Stube eine ältere Dame, die nicht mehr rüstig war und in einem Schaukelstuhl saß, während sie ein Buch in den Händen hielt.
“Sie sind Joboqs Mutter? Sie hätten ihn besser erziehen sollen. Kriminalität lohnt sich nicht.”
Die Frau erahnte wohl, was Joboq und seinen Männern passiert war, als sie all die Blutspritzer in Harvils Gesicht und seiner Kleidung erkannte.
Ihr Mund öffnete sich zu einem panikerfüllten “O” und es schien, als fürchte sie um ihr Leben.
“Verflucht, ich bin es nicht gewohnt, eine Befragung an einer alten Dame zu machen.” stellte Harvil fest und sah mit fragendem Blick Jeyla an, die bereits damit beschäftigt war, astrale Fäden zu einem magischen Konstrukt zu verweben.
Harvil erkannte das Muster. Es war ein Wahrheitszauber.
Das leuchtende Konstrukt drückte Jeyla der alten Dame gegen die Schläfe und stellte unmittelbar ihre erste Frage:
“Wofür war das Artefakt gedacht, dass die Mädchen hierher bringen sollten?”
Der Blick der zuvor angsterfüllten Frau war nun leer. Sie stand ohne Zweifel unter dem Einfluss des Zaubers.
“Joboq wollte damit eine große Dosis Hundetreiber schmuggeln. Es ist ein Artefakt für ein atrales Lager.”
Jeyla sah Harvil erwartungsvoll an.
“Frag sie, wo sie die Drogen herstellen.” warf Harvil ein, der immer wieder aus dem Fenster blickte und nach möglichen Verfolgern Ausschau hielt.
Jeyla wand sich wieder der Dame zu:
“Wo wird das Zeug produziert, der Hundetreiber?”
“In einem alten Bauernhof in der Savanne, südlich von hier.
Ich weiss nicht genau, wo.”
Jeyla ließ das magische Konstrukt fallen und in den Geist der Alten kehrte Normalität ein. Sie vollführte einen anderen, sehr viel komplexeren Zauber und löschte die Erinnerungen der letzten Minuten aus dem Kopf von Joboqs Mutter.
“Wir sollten gehen.”
“Huch, wer seid ihr denn?” hörten sie die Frau fragen, als Harvil und Jeyla durch das Fenster stiegen, um den Ort zu verlassen. Am Ende des Korridors erspähten sie drei imperiale Wachen in großer Entfernung, die wegen der Leichen aufmerksam wurden und die ihre Schritte beschleunigten.
Harvil und Jeyla beeilten sich, den Korridor auf der anderen Seite zu verlassen und in Harvils Appartement Unterschlupf zu suchen.

“Es sieht hier schlimm aus. Harvil, du wohnst kaum einen Monat hier und es macht den Anschein, als hätte hier eine ganze Mannschaft Orgien veranstaltet.”
“Wer sagt, dass es nicht so war?” warf Harvil entgegen und grinste schnippisch.
“Bevor das hier in Vorsätzen ausartet, schlage ich vor, dass wir meine Verletzungen versorgen.” wich er vom Thema ab.
Jeyla versuchte, ein sauberes Plätzchen in der Sitzecke für sich frei zu räumen und sah Harvil mit gerunzelter Stirn an.
“Mit ‘wir’ meinst du sicherlich, dass ich deine Verletzungen versorgen soll, richtig? Die Idee kannst du getrost im Klo runterspülen. Ich hab’ vorhin schon genug gezaubert und ich möchte die Geisterwelt nicht unnötig belästigen, nur weil Herr Sommerblatt meint, er müsste sich zum Helden Iols aufspielen.”
Harvil rollte mit den Augen, doch nach einer Diskussion war ihm nicht zumute. Er konnte sich durchaus selbst helfen, auch wenn das bedeutete, dem Dämon für einen Augenblick näher zu sein, als ihm lieb war.
Ohne weitere Worte initiierte er eine Meditation, die ihm schon häufig das Leben rettete. Die innere Barriere zwischen ihm und seinem Dämon verdünnte sich und für einen Moment fühlte es sich an, als würden boshafte Gedanken, die einer anderen Welt angehören, in das Diesseits gleiten und von Harvils Geist Besitz ergreifen.
Es nagte an seinem Verstand und verlangte von ihm, Jeyla üble Dinge anzutun.

Schlitz die Schlampe auf und häng sie an deine Tür.
Zeig den Schafen, dass du der Wolf bist.
Verzehre Stücke ihres verlogenen Herzens
und labe dich an ihrem Leid!


Harvil widerstand. Als er noch jung war, vor etwa 120 Jahren, lernte er in der örtlichen Magierakademie Übungen zur Stärkung seines Willens. Damals wäre er fast durchgedreht. Als sein Vater nach einer Dämonenjagd nicht zurückkehrte, wurden die Stimmen in Harvil plötzlich so laut und verzehrend, dass die Magier seine letzte Stütze waren.

Jeyla beobachtete, wie sich Harvils Wunden allmählich zurückbildeten und seine makellose Elfenhaut darunter von Neuem zu sehen war.
“Bist du in Ordnung?” brachte Jeyla eher zögerlich hervor.
Harvil drehte seinen Kopf langsam zu ihr. Sie sah ihm an, dass er mit sich selbst Rang und die Fassung zu gewinnen versuchte. Es war nicht das erste Mal, dass sie auf seiner gesamten Haut Äderchen ausmachen konnte, die in einem matten Schwarz pulsierten.
“Ich … brauche etwas Zeit für mich. Tu mir den Gefallen und komm später wieder.”
Er zitterte. In diesem Moment wünschte er sich nichts sehnlicher, als seinen Geisteszustand in dem Wein zu ertränken, den er auf seinem Weg hierher besorgt hatte.
Jeyla nickte verständnisvoll und meinte dann:
“Ich war nur hier, um dir meine Rechercheergebnisse mitzuteilen.”
“Mach schnell.”
Harvil brannte die Antwort auf die Frage, die ihn nun seit 120 Jahren quälte. Alles, was ihm von seinem Vater blieb, war dessen Schwert mit dem Namen Altzahn. Eine Däjrinnklinge, die noch immer unzerstörbar und blutsgebunden war. Eigentlich hätte die Bindung mit dem Tod seines Vaters verwirken sollen. Ein Umstand, der in Harvil viele Fragen aufwarf. Der Dämon in ihm hüllte sich in Schweigen, wenn es um dieses Thema ging.
“Die Akademiemagier haben mehrere Theorien. Die erste ist, dass dein Vater vielleicht korrumpierte und nun den Dämonen und ihrer Throngestalt Xirx dient. Das würde bedeuten, dass er noch mehr oder weniger am Leben ist.”
Harvil hielt diese Möglichkeit nicht für unwahrscheinlich, schließlich erfuhr er einige Jahre nach dem Vorfall durch seine Halbschwester, dass Harvils Vater im Wahn ihre gemeinsame Mutter erwürgte. Es war schon damals seltsam, als sein Vater mit Harvil überstürzt aus dem Reich der Elfen floh. Angeblich unter dem Vorwand, dass ihr Dorf von Truppen der Zentralnation angegriffen wurde.
Doch Harvil war damals zu jung, um die Umstände zu hinterfragen oder gar zu verstehen.
Jeyla bemerkte, wie in Harvil die Gedanken rotierten, aber fuhr dennoch fort:
“Die zweite Möglichkeit ist, dass er zu einem freien Geist wurde. Allerdings ist es umstritten, ob dadurch die Bindung an das Schwert erhalten bleiben würde. Angeblich sind Fälle dieser Art kaum bekannt. Der Kriegshammer des ersten Däjrinn, Morgarn von Vahrn, ist Gerüchten zu Folge unter der Obhut der Darkabresh Kirche in Kemmeth und die Waffe soll immer noch unzerstörbar sein.”
Sie sah, dass die Aussage keine Befriedigung in Harvil auslöste.
“Die letzte denkbare Variante ist, dass eure Auren, deine und die deines Vaters, so ähnlich sind, dass es für die Bindung keine Rolle spielt, wer von euch noch am Leben ist. Bei dieser Theorie bewegen wir uns aber auf unerforschtem Terrain arkanen Wissens.”
Jeyla wartete einen Moment ab, für den Fall, dass Harvil Rückfragen hatte. Nach einem Augenblick der Stille griff sie zum Hebel der Tür und verließ Harvils Appartement, wobei sie ihm ein verabschiedendes Lächeln schenkte.

Eine Träne kullerte Harvils Wange herunter.
“Ich will einfach nur mein Leben mir ihr teilen, sie lieben. Warum lässt du es nicht einfach zu? Wieso?!”

Weil es mich anwidert.


“Wenn ich mir irgendwann das Leben nehme, dann reißt es dich mit. Ich glaube kaum, dass dir das am Arsch vorbeigeht!”

Probier’s doch aus.


Harvil vernahm ein grollendes Lachen in seinem Inneren. Diskussionen mit einem Dämon waren zwecklos. Das hatte jeder Däjrinn schon früh feststellen müssen. Es gab nur wenige Dämonen, die man ansatzweise als ‘gut’ bezeichnen konnte.

Er griff zum Schwert und hielt sich die Spitze an die Kehle, während beide Hände Griff und Klinge fest umklammerten.

Wird das wieder einer dieser Momente,
in denen du in Selbstmitleid ertrinkst?
Von mir aus, bring dich um.
Ich gebe dir dein kümmerliches Leben wieder.


Harvil brach in Tränen aus. Er wusste, dass sein Leben nicht so einfach ausgelöscht werden konnte. Der Dämon würde ihm nach Kräften das Leben zurückschenken, da dieser sich nur ungern all die kostbare Lebenskraft, Harvils Blut, entgehen lassen würde.

Kraftlos ließ Harvil die Klinge zu Boden fallen und vernahm das laute Klirren wie ein Hintergrundrauschen. In Trance packte er die Flasche Wein aus, rupfte umständlich den Korken heraus und nahm kräftige Züge, bis die Flasche innerhalb von Minuten ohne Inhalt war.
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Seitenschneider
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BeitragVerfasst am: 23.07.2012 19:46    Titel: Antworten mit Zitat

Kätzchen hat Folgendes geschrieben:
Also ich als Zockerin und zwar als Vollblut MMORPGlerin, finde noch nicht, das es eine Marke, bzw. eine MMO taugliche Welt wäre. Es ist mir nicht stimmig genug und kein Universum, das mich magisch anziehen könnte. Für einen Single-Player, ja da vielleicht. Da könnte ich mir sogar ein paar gute Sachen vorstellen!

Nur mein Beitrag als eine lesende Zockerin  Cool


Welches erfolgreiche MMO legt denn bitte noch Wert auf eine stimmige Welt?

Der Content wird meistens auf Quests und Storylines reduziert, um sich auf Spielrelevante Elemente zu konzentrieren und beim PvP geht es primär um Wettbewerb und Belohnung.

Die Welten sind tot ,weil Spieler keinen Einfluss auf die Welt haben.

Ständig wird Langzeitspaß und Endgame Content gefordert.
Dazu werden permanent bewährte Konzepte aus anderen Spiele kopiert.

Die Spielercommunities nennen sich schon gegenseitig MMO Hopper,weil sie rein garnichts fesseln kann,ausser ihre Langeweile.
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Trearu
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Beiträge: 347
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BeitragVerfasst am: 23.07.2012 19:53    Titel: Antworten mit Zitat

Guild Wars 2 wirkt vielversprechend.
Vor allem wenn man bemerkt wie 'anders' der Vorgänger ist.
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Kätzchen
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Wohnort: Katzenkörbchen


BeitragVerfasst am: 23.07.2012 23:06    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Welches erfolgreiche MMO legt denn bitte noch Wert auf eine stimmige Welt?

Der Content wird meistens auf Quests und Storylines reduziert, um sich auf Spielrelevante Elemente zu konzentrieren und beim PvP geht es primär um Wettbewerb und Belohnung.

Die Welten sind tot ,weil Spieler keinen Einfluss auf die Welt haben.

Ständig wird Langzeitspaß und Endgame Content gefordert.
Dazu werden permanent bewährte Konzepte aus anderen Spiele kopiert.

Die Spielercommunities nennen sich schon gegenseitig MMO Hopper,weil sie rein garnichts fesseln kann,ausser ihre Langeweile.


Stimmt vollkommen! Dennoch, immer wieder bleibe ich an Age of Conan hängen. Vielelicht weil ich dort neben dem Köpfe abreissen 3 Jahre lang RP gemacht habe und die Geschichte meines Lebens herauskam (Werkstatt: 'Die Vorboten'). Aber prinzipiell hast du absolut Recht.

Die Fortsetzung der Geschichte finde ich, bisher nur überfolgen, vom Inhalt her ganz nett. Da es aber doch relativ viel ist und es schon spät ist, werde ich schauen das ich in den nächsten Tagen etwas dazuschmeißen kann, was dich weiterbringen könnte!

Und wenn du Gamedesigner bist, dann tu mir bitte bitte den Gefallen und arbeite an einem gescheiten MMO  Wohow  Ich würde alles dafür geben, die Welt (hoffentlich RP gehalten) mal wieder beeinflussen zu können und glücklich vor mich hin zu schreibseln. Ich vermisse meine Diebin Latui seid über einem Jahr.
Aber mit dir gibt es ja vielleicht noch Hoffnung lol2
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