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-Rabentochter-


 
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Wolfsblume
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

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BeitragVerfasst am: 07.07.2012 12:21    Titel: -Rabentochter- eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Huhu ihr Lieben  smile

Ich weiß zwar nicht, ob der Anfang einer kleineren oder größeren Geschichte (Das kann ich noch nicht sagen...   ) in Ansätzen mit anderen hier vorgestellten Texten mithalten kann oder überhaupt auf Gefallen stößt, aber ich hoffe trotzdem, dass ihr zumindest etwas Spaß beim Lesen haben werdet und euch nicht gänzlich langweilt. Sollte ein Bedarf bestehen, weiter zu lesen, poste ich gerne noch etwas.
So, das hier ist nun der neue Thread, nachdem der Alte irgendwo einen Formatierungsfehler aufwies. smile  Hoffen wir, dass ich diesen doofen Fehler nicht noch einmal mache. Embarassed

Viele liebe Grüße und einen schönes Wochenende  
Eure Wolfi




Rabentochter
-2008-


Die Regentropfen fielen vom Nachthimmel als erbarmten sie sich Welt, meiner Welt voller Grauen, Qualen, Schmerz, landeten scheppernd auf der trostlosen, asphaltierten Straße. Krachend zuckten die Blitze, eine Sekunde grellstes Licht – Die nächste undurchdringliche Schwärze, während in der Ferne das Grollen des herannahenden Donners erscholl. Schatten sprangen über meine von der Straßenlaterne weiß beleuchtete Zimmerwand, unheimlich verzerrt, wie in Ekstase, verschwammen sie, schärften sich.

Die Welt bebte, als wolle sie sich gegen all das wehren, das ihr angetan wurde in all den Jahren der Menschheit. Doch untergehen würde sie nicht, nicht heute Nacht, nicht morgen, vielleicht auch nie. Aber es wäre besser so, ein schnelles Ende, schmerzlos, so viel Ehre müsste vergönnt sein, selbst ihr. Ich glaube nicht an Gott, nicht an ein höheres Wesen, an nichts und niemanden. Ein Kind vermag zu glauben, zu hoffen, zu wünschen. Doch die Erfahrung lehrt die Enttäuschung. Man lernt, zu akzeptieren, damit zu leben, dass Glück rar gesät ist und noch schwerer zu ernten. Es gibt niemanden, dort oben, der all das hier kontrolliert, gar lenkt. Wie gesagt, es gibt keinen Gott. Bloß das Schicksal und den Tod. Und keines der beiden schert sich um Ehre, Respekt und Gerechtigkeit, soviel ist sicher!

Die Tropfen klopften an die Fensterscheibe, liefen an ihr hinab. Die Äste der Bäume peitschten gegen das viel zu dünne Glas als wollten sie mich holen. Vielleicht sollten sie es auch, bevor er ihnen zuvor kommen würde. Vielleicht sollte ich mit ihnen gehen, hinaus, davon, laufen, so weit, wie meine Füße mich zu tragen vermochten. Die Welt würde sich mir öffnen, ihre schönste Seite offenbaren, strahlenden Sonnenschein, weite, saftgrüne Wiesen, das Meer. Träume, so nah und doch unerfüllbar.
Es war ein Fehler, nachzudenken, zu träumen, die Realität holte mich mit einem Faustschlag ein, riss mich zurück in die Gegenwart. Dann kamen die Tränen, stiegen in meine Augen, meine Sicht verschwamm, während die Bäche die Risse, Furchen, Schnitte in meinem Herzen füllten, für wenige Sekunden schlossen, bis das tödliche Salz zu brennen, die fast verheilten Wunden erneut aufzureißen begannen. Ich hätte aufhören sollen zu weinen, definitiv, aber Stärke war irgendwo auf dem Weg, meinem Weg, verschwunden.

Ich vergrub mich in den harten Kissen, versuchte, Sehen und Hören abzuschalten, aber, was würde es bringen? Beruhige dich, mein Herz, redete ich mir zu, als sei es ein verräterisches Geräusch, dass meinen Tod bedeuten würde. Wer weiß, vielleicht entspricht es der Wahrheit.
Ich konnte sie hören, wie sie das Geschirr spülte und, wahrscheinlich wie jeden Abend, das Gemüse für den nächsten Arbeitstag schnitt. Die Mühe war vergeblich. Er würde es so oder so nicht anrühren, höchstens fragen, ob sie ihn neuerdings vergiften wollen würde. Sie fluchte, warum auch immer.

Erneut verkrampfte sich mein Körper, der stechende Schmerz kündigte sich an, aufgehalten vom winzigen Fünkchen Wille, der noch in mir steckte. Würde auch mein Wille einst zerbrechen, wie eine Vase in tausende und Abermillionen Teile? Vielleicht wäre es besser so, wie eine menschliche Puppe ohne Hülle, gehorsam, still, gebrochen. Ist es das, was er wollte? Vielleicht sollte auch ich ihm geben, was er begehrte, wäre er dann zufrieden? Oder würde es alles noch schlimmer machen? Vielleicht. Ein grauenhaftes Wort der Entscheidungsfreiheit.

Mittlerweile weinte sie, ihr Schluchzen drang von unten herauf, ich konnte mir förmlich ausmalen, wie ihre Brust unbeherrscht auf und ab sank, während Wasser ihre eingefallenen Wangen benetzte und ihre braunen Augen flehend in den Himmel blickten, obgleich dort nichts weiter zu finden war als die weiß verputzte Decke. Die schütteren, einst braune Locken würden ungekämmt über ihre Schultern fallen während ihre Hände, über die sich die papierdünne Haut spannte, gefaltet waren, wie sie auf dem schwarzen Fliesenboden kniend in die knisternden Flammen des Kamins blicken würde, ein Stoßgebet zum Himmel schickend. Wusste sie nicht, dass niemand ihr Flehen hören würde?

Natürlich, niemand würde sich ihrer erbarmen, warum auch, wer war sie schon? Keinen Gedanken wert, keinen Blick in ihre verletzten Augen, die schon die gebrochene Seele offenbaren würden . Die Menschheit hatte sich nie um jene geschert, die gebrandmarkt von ihrem Schmerz am Wegesrand stehen geblieben waren, wie tot wurden sie abserviert, niemand brauchte sie und niemand wollte sie. Geändert hatte sich das nicht. Warum auch, wer hätte sich die Mühe machen sollen, die Scherben aufzulesen und erneut zusammen zu setzen? Schließlich wird dies nicht belohnt, zumindest nicht mit materiellem Reichtum. Doch, dies ist das Einzige, was heutzutage noch zu zählen scheint.

Das Donnergrollen hatte sich entfernt. Es war zumindest nicht mehr zu hören. Vielleicht war das Gewitter an mir vorbei gezogen und sei es auch nur für heute Nacht, selbst das war ein Segen. Vielleicht würde es das Böse mit sich ziehen, weit weg von hier. Es würde zurück kommen, irgendwann, um sich das zu holen, was ihm rechtmäßig gebührte.  Aber heute Nacht würden sie mich verschonen, uns verschonen, wünschte ich inständig, als die neongrünen Ziffern des Weckers auf Mitternacht umsprangen und die Kirchturmuhr zu schlagen begann.

Dong
Es herrschte totenstille.
Dong
Kein Mucks rührte sich.
Dong
Die Reifen des protzigen BMWs meines Nachbarn quietschten, als er mit üblicher, halsbrecherischer Geschwindigkeit davon raste.
Dong
Wieder Stille. Zu still.
Dong
Eine Gänsehaut rann über meinen Körper.
Dong
Alles wird gut. Es ist nichts, wovor ich mich fürchten müsste.
Dong
Ein Uhu stieß seinen Ruf in die Nacht hinaus.
Dong
Scheppernd fiel eine Mülltonne vor meinem Haus zu Boden.
Dong
Schlurfende Schritte auf der Straße.
Dong
Alles wird gut…
Dong
Ein Blitz zuckte erneut vom Himmel.
Dong

Die Haustür krachte gegen die Wand, während der Donner direkt über mir zu hören war.
Nichts ist gut, das Böse hatte mich nicht verschont.
Schreie erklangen, keine Sekunde später.

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Wolfsblume
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

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BeitragVerfasst am: 07.07.2012 12:24    Titel: 1. November 2011: Vom Wintereinbruch und Johannis pdf-Datei Antworten mit Zitat

1. November 2011: Vom Wintereinbruch und Johannis


Das Unwetter hatte sich über Nacht gelegt, dicke Nebelbänke übernahmen den verlorenen Posten, obgleich sie im Laufe des Tages vom strahlenden Sonnenschein vertrieben werden sollten. Der erste Frost war über das wie immer unvorbereitete Land gefallen. Ein eindeutiges Symbol des hereinbrechenden Winters, der schon längst auf leisen Sohlen durch Deutschland strich und die ersten Probleme verursachte. Polizei und Feuerwehr arbeiteten auf Hochtouren, die Krankenhäuser hatten Mühe und Not der Grippewelle stand zu halten. Nichts desto trotz war dies zu normal, zu bedeutungslos, um die Pfeiler des Alltags zum Einsturz bringen zu können.
Alles ging seinem gewohnten Gang. Das Gewirr der Schüler und Arbeiter in der U-Bahn, die überfüllten Busse, deren Heizung durch die Körperwärme jedes Fahrgastes ersetzt wurde, die rasenden Autos auf der Autobahn, auf der in diesem Moment ein griesgrämiger Mercedes-Fahrer einen einfachen Mann nieder machte, obwohl der Unfall seiner Schuld unterlag. Ja, man konnte allerorts von einem recht durchschnittlichen 1. November des thüringischen Geras sprechen, wie auch in einem überheizten Raum der einzigen zehnten Klasse.

Eines der Mädchen war um ein Lächeln bemüht. Äußerlich zumindest strahlte die Ruhe schlechthin aus, während ihr verträumter Blick aus dem staubigen Fenster glitt, gegen das die kargen Äste der knorrigen Bäume peitschten. Vielleicht hätte sie sich konzentrieren sollen, aber war das noch von Bedeutung? Wofür auch? Was für einen Sinn hätte es denn noch? Es würde so oder so niemanden interessieren. Warum auch, wer war sie schon? Ein Niemand. Das war sie.
Die Äste schienen in den Raum gelangen zu wollen, vielleicht würden sie mit ihren langen Fingern all die mit sich schleifen, die es verdient hätten. Kandidaten gäbe es genügend.

„Elaina?“

Der Morgen war nicht außergewöhnlich gewesen. Die Kälte hatte in ihre müden Glieder gebissen und ihre Wangen geglüht. Kleine Eiswölkchen war ihr Atem gewesen und die bitterkalte Luft hatte in ihren Lungen gebrannt. Etwas war anders gewesen, aber was?

„Elaina!“

Sie wusste nicht, was anders hätte sein sollen? Der Wecker hatte geklingelt, als ob sie nicht vorher schon längst wach gewesen wäre. Die Kleider vom Vortag lagen am Fußende ihres Bettes. Make-Up und Haare waren schnell gemacht gewesen. In der Küche lag eine leere Weinflasche, trockener Rotwein, was sonst. Daneben schwammen vereinzelt die letzten Tropfen in einem filigranen Glas, dessen Goldrand vom vielen Waschen nur noch zu erahnen war. Vom Sofa des Wohnzimmers drang das Schnarchen ihrer Mutter. Sie hätte das Fenster öffnen sollen, kam ihr in den Sinn, als sie an den Gestank der Alkoholausdünstungen dachte. Der Kühlschrank war so gut wie leer. Das Brot längst abgelaufen. Als hätte sie Hunger gehabt. Am Nachmittag müsste sie einkaufen, definitiv. Einen Wutausbruch müsste sie sich am Abend nicht auch noch anhören, wenn es zu vermeiden war. Und wer würde sonst schon einkaufen gehen? Niemand, natürlich. Und niemand war sie, wie sie eben festgestellt hatte.

„Elaina Avanianno!!!“

Eben dieses Mädchen zuckte zusammen, blinzelte und blickte die ältere Frau vor ihr an. „Entschuldigung, Frau Reineck...“ Schuldbewusst senkte sie die Lieder, presste die Lippen aufeinander. „Deine Entschuldigungen kannst du dir sparen. Ich schätze, du weißt nicht, was wir gerade besprochen haben, nicht wahr?“ Sie gab ihr keine Chance zu antworten, hob ihren faltigen, gelblichen Finger. „Nein, warte. Natürlich weißt du es nicht. Ich glaube, dieser Raum hätte dringend nötig, gefegt zu werden, findest du nicht auch?“ Sie lachte boshaft, zeigte ihre gelben Zähne, bevor sie mit dem Unterricht fortfuhr. Das Mädchen, das auf den Namen Elaina zu hören schien, blickte auf ihr unbeschriebenes Blatt, dann zur Uhr. Nein, es würde noch eine lange Stunde sein.


Oki, das wäre noch einmal die Fortsetzung, ich hoffe, diesmal gibt es nicht so viel zu beanstanden wie vorher, dass sie nun endlich lesbar ist und nicht mehr den Bildschirm sprengt. *Hoff* Licht ins Dunkle habe ich noch nicht soo viel gebracht, aber vielleicht ja ein bisschen.

Viele liebe Grüße
Wolfi
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KeTam
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Alter: 44
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Das goldene Gleis Ei 1
Ei 10 Ei 8


BeitragVerfasst am: 07.07.2012 12:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Wolfsblume,

Was mir sehr gut gefällt ist deine Sprache, die Bilder die du verwendets.
Würde ich es nicht unter deinem Profil sehen, wäre ich nie drauf gekommen, dass du erst sechzehn bist.
Ich bin kein Profi, doch habe ich das Gefühl, dass du schon einen ganz eigenen Stil entwickelt hast.
Mir hat die düstere Atmosphäre gefallen, wie du durch die Beschreibung des Gewitters Stimmung erzeugst.
Ich würde sehr gerne weiter lesen!

Lg,KeTam.


_________________
FUCK NAZIS!

... ansich ist die Nudel ja auch eine Art Waffe.*

*Anne Mehlhorn
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Wolfsblume
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 22
Beiträge: 99
Wohnort: Niedersachsen


BeitragVerfasst am: 07.07.2012 14:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, ich hab mich ein bisschen weiter versucht. (:

Das Klingeln war ohrenbetäubend schrill, nervtötend in jeglicher Hinsicht und hätte wohl selbst den schläfrigsten Schüler aus einem Schlummer gerissen. Insofern Frau Reineck nicht eh auf den reibungslosen Ablauf ihres Unterrichts erpicht gewesen wäre. Schlafende Schüler schienen in ihrer Illusion von Welt nicht zu existieren. Allgemein, Widerspruch war eben eines dieser Wörter, die in ihrer Auffassung von Leben definitiv in die Kategorie „Verboten“ zu gehören schien.
Sie war eine dieser Menschen, die jene Art von Autorität, die sich der Erniedrigung anderer Menschen bediente, als anzustrebenden Lebensinhalt gewählt hatten. Vielleicht war sie deswegen Lehrerin geworden, obgleich sie sich als Brigadegeneral sicher auch bewährt hätte.
Frau Reineck war eine dieser Spezies von Mensch, die ihre verhältnismäßig geringe Körpergröße auszugleichen versuchte. Dem zugrunde eilte ihr mehr oder weniger glorreicher Ruf ihr an ihrer Schule meilenweit voraus. Man könnte fast sagen, sie war eine Art Legende geworden, aus dem Schulalltag nicht weg denkbar.

In gewisser Hinsicht könnte man sich das Johannis-Gymnasium als eine Art Schachbrett versinnbildlichen. Es gab die Führungselite. Und die Lämmchen, die blind folgten und zu Zeiten einem höher gestellten Zweck der Blutbank zum Opfer fielen. Dementsprechend stellt es keine Verwunderung da, das das Kollegium in zwei Gruppen gespalten war, die wie auf Jagd lauerten, nach Beute lechzten und, sobald sie Blut geleckt hatten, zum ultimativen Kampf schritten. Jedoch ohne zu wissen, dass sie bloß im Begriff waren, eine unbedeutende Schlacht in ihrem sinnlosen Dahin-streben nach größtmöglicher Anerkennung zu beschreiten.

Um die beiden verfeindeten Gruppen näher zu beschreiben, die eine Seite stand unter strikter, fünfundzwanzigjähriger Führung Hessels, ein eigentlich längst pensionierter, glatzköpfiger Mann, dessen Führungsanspruch niemand in Frage zu stellen wagte. Herr Hessels Interesse lagen in politischen wie historischen Debatten mit Herrn Früter, der, nicht sonderlich überraschend, ein Anhänger der anderen Gruppe war. Doch, im strikten Gegensatz zu Hessel, war er ein unbedeutender Nebenakteur im großen Gesamtschauspiel, dass die Lehrer wie eine Bühnenaufführung voller Eifer probten. Es mangelte ihnen leider an der Gewissheit, das ihr großer Auftritt nie statt finden würde. Bei Zeiten verschwand der ein oder andere Akteur von der Bühne. Zu anderen tauchte eine neue Akteurin auf. Es war ein immer wiederkehrender Zyklus an Johannis, der einer jahrhundertlangen Tradition unterlag, gestützt durch das Ritual des allzu simplen Prinzips, der gegenseitig Nicht-Respektierung.
So mag es auch keine Absonderlichkeit darstellen, dass Hessel wie auch Früter wie gewohnt auf ihren Plätzen saßen, jeweils getrennt durch zwei leere Stühle zwischen sich. Hessels Stirn lag in Falten gekräuselt, während er definitiv nicht erfreut auf die Klausur seines Elferkurses blickte. Früter klopfte mit seinen wurstartigen Fingern auf dem harten Holz des Pultes und ließ keine Bewegung Hessels unbeachtet, als eine neue Person die Bühne betrat und die eintönige Langeweile der Pause durchbrach wie ein Sonnenstrahl die Wolkendecke.


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"Leben heißt Veränderung!", sagte der Stein zur Blume und flog davon.
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Karin
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BeitragVerfasst am: 08.07.2012 13:23    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Die Regentropfen fielen vom Nachthimmel als erbarmten sie sich der Welt,

Da fehlt ein Wort, ansonsten ist mir der Sinn des Satzes auch nicht ganz klar. Regentropfen, die sich der Welt erbarmen... Ich finde, das ist für einen Roman schon zu viel des Guten.

Zitat:
{Regentropfen] landeten scheppernd auf der trostlosen, asphaltierten Straße.

Scheppernd können sie vielleicht noch auf einem Blechdach landen, aber für eine Asphaltstraße geht das nicht.

Zitat:
höchstens fragen, ob sie ihn neuerdings vergiften wollen würde.
Da musst du dir noch mal eine bessere Formulierung einfallen lassen.

Zitat:
der stechende Schmerz kündigte sich an, aufgehalten vom winzigen Fünkchen Wille,
Hier würde ich entweder winziger Funken oder Fünkchen schreiben. Beides zusammen ist meiner Meinung nach zu viel. Wobei ich sagen muss, dass es da noch mehr Stellen im Text gibt, wo du ein bisschen Pathos rausnehmen könntest.


Zitat:
Vielleicht sollte auch ich ihm geben, was er begehrte, wäre er dann zufrieden? Oder würde es alles noch schlimmer machen? Vielleicht. Ein grauenhaftes Wort der Entscheidungsfreiheit.
Der Satz passt nicht zum Rest. Man kann ihn ohne Verluste löschen.

Zitat:
Die Menschheit hatte sich nie um jene geschert, die gebrandmarkt von ihrem Schmerz am Wegesrand stehen geblieben waren, wie tot wurden sie abserviert, niemand brauchte sie und niemand wollte sie.
siehe oben

Zitat:
Es herrschte Totenstille.


Also, diese Version ist schon viel besser als der Text, den du zuerst hochgeladen hattest. Ich schau mir auch den nächsten Teil noch kurz an, dann werde ich dir meinen ersten Eindruck schildern können.

LG Ka
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Karin
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BeitragVerfasst am: 08.07.2012 13:57    Titel: Re: 1. November 2011: Vom Wintereinbruch und Johannis Antworten mit Zitat

Wolfsblume hat Folgendes geschrieben:
1. November 2011: Vom Wintereinbruch und Johannis


Das Unwetter hatte sich über die Nacht gelegt, dicke Nebelbänke übernahmen den verlorenen Posten (von wem übernahmen sie den verlorenen Posten???), obgleich sie im Laufe des Tages vom strahlenden Sonnenschein vertrieben werden sollten. Der erste Frost war über das wie immer unvorbereitete Land gekommen (auch nicht viel besser). Ein eindeutiges Symbol Zeichen des hereinbrechenden Winters, der schon längst auf leisen Sohlen durch Deutschland strich und die ersten Probleme verursachte. Polizei und Feuerwehr arbeiteten auf Hochtouren, die Krankenhäuser hatten Mühe und Not der Grippewelle stand zu halten. Nichts desto trotz war dies zu normal, zu bedeutungslos, um die Pfeiler des Alltags zum Einsturz zu bringen zu können.
Alles ging seinem gewohnten Gang. Das Gewirr Gedränge (?) der Schüler und Arbeiter in der U-Bahn, die überfüllten Busse, deren Heizung durch die Körperwärme jedes der Fahrgäste ersetzt wurde, die rasenden Autos auf der Autobahn, auf der in diesem Moment ein griesgrämiger Mercedes-Fahrer einen einfachen Mann nieder machte, obwohl der Unfall seiner Schuld unterlag. Ja, man konnte allerorts von einem recht durchschnittlichen 1. November im thüringischen Gera sprechen, wie auch in einem überheizten Raum der einzigen zehnten Klasse. (der letzte Satz ist als Übergang immer noch unheimlich schwach. Da musst du noch mal ran, mir fällt aber gerade auch nix besseres ein.)

Eines der Mädchen war um ein Lächeln bemüht. Äußerlich zumindest strahlte sie die Ruhe schlechthin aus, während ihr verträumter Blick aus dem staubigen Fenster glitt, gegen das die kargen Äste der knorrigen Bäume peitschten. (Das Peitschen der Äste passt nicht so gut mit der Ruhe zusammen. Es hat mich mal wieder aus dem Text geworfen.)
Vielleicht hätte sie sich konzentrieren sollen, aber war das noch von Bedeutung? Wofür auch? Was für einen Sinn hätte es denn noch? Es würde so oder so niemanden interessieren. Warum auch, wer war sie schon? Ein Niemand. Das war sie.
Die Äste schienen in den Raum zu greifen, vielleicht würden sie mit ihren langen Fingern all die mit sich schleifen, die es verdient hätten. Kandidaten gäbe es genügend.

„Elaina?“

Der Morgen war nicht außergewöhnlich gewesen. Die Kälte hatte in ihre müden Glieder gebissen, ihre Wangen geglüht. Ihr Atem war zu kleinen Eiswölkchen gefroren und die bitterkalte Luft hatte in ihren Lungen gebrannt. Etwas war anders gewesen, aber was?

„Elaina!“

Hätte an diesem Morgen irgendetwas anders sein sollen als sonst? Der Wecker hatte geklingelt, als ob sie nicht vorher schon längst wach gewesen wäre. Die Kleider vom Vortag lagen am Fußende ihres Bettes. Make-Up und Haare waren schnell gemacht gewesen. In der Küche hatte eine leere Weinflasche gelegen, trockener Rotwein, was sonst. Daneben schwammen vereinzelt die letzten Tropfen in einem filigranen Glas, dessen Goldrand vom vielen Waschen nur noch zu erahnen war. Vom Sofa des Wohnzimmers drang das Schnarchen ihrer Mutter.

Sie hätte das Fenster öffnen sollen, kam ihr in den Sinn, als sie an den Gestank der Alkoholausdünstungen dachte. Der Kühlschrank war so gut wie leer. Das Brot längst abgelaufen. Als hätte sie Hunger gehabt. Am Nachmittag würde sie einkaufen, definitiv. Einen Wutausbruch wollte sie sich am Abend nicht auch noch anhören, wenn es zu vermeiden war. Und wer würde sonst schon einkaufen gehen? Niemand, natürlich. Und niemand war sie, wie sie eben festgestellt hatte.

„Elaina Avanianno!!!“

Eben dieses Mädchen Elaina zuckte zusammen, blinzelte und blickte die ältere Frau vor ihrsich an. „Entschuldigung, Frau Reineck...“ Schuldbewusst senkte sie die Lieder, presste die Lippen aufeinander. (Absatz, wenn ein anderer Sprecher folgt.)
„Deine Entschuldigungen kannst du dir sparen. Ich schätze, du weißt nicht, was wir gerade besprochen haben, nicht wahr?“ Sie gab ihr keine Chance zu antworten, hob ihren faltigen, gelblichen Finger. „Nein, warte. Natürlich weißt du es nicht. Ich glaube, dieser Raum hätte dringend nötig, gefegt zu werden, findest du nicht auch?“ Sie lachte boshaft, zeigte ihre gelben Zähne, bevor sie mit dem Unterricht fortfuhr. Das Mädchen, das auf den Namen Elaina zu hören schien, (Mit solchen Einschüben rückst du den Erzähler zu sehr in den Vordergrund. Du bist sonst so nah an der Figur, ich finde, dass der Erzähler hier gar nicht nötig ist.) Elaina blickte auf ihr unbeschriebenes Blatt, dann zur Uhr. Nein, eEs würde noch eine lange Stunde werden.


Liebe Wolfi, es ist viel mehr Licht im Dunkel. Selbst im Prolog konnte man schon herauslesen, dass es um Mutter, Tochter und das unbekannte Böse geht. Ich persönlich finde die Gedankenwelt des Mädchen im Prolog etwas zu  ... hm ... emo?! Kann man das so sagen?

Da du dir die Gedanken ausgedacht hast, passen sie zwar schon irgendwie zu einem sechzehnjährigen Mädchen aus Gera, aber ... vielleicht kannst du es sprachlich ein wenig entschärfen. Manchmal findest du komplizierte Sätze, die man leicht auch einfacher schreiben könnte. Ansonsten hast du die Angewohnheit, die Sachen, die dir wichtig sind, drei oder vier Mal zu wiederholen. Ich denke, dass du die Wirkung auf diese Art und Weise nicht steigerst, vielmehr nervt es mich als Leser ein wenig.

Auf jeden Fall merkt man dem Text aber an, wie viel Spaß dir die Schreiberei macht.

Liebe Grüße
Ka

PS: Kommasetzung ist sicher auch nicht immer einwandfrei, aber da hatte ich jetzt keine Lust drauf. Außerdem bin ich da auch nicht so der Held.

edit: Rechtschreibung
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Wolfsblume
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BeitragVerfasst am: 08.07.2012 20:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Abend (:

Du Karin, du hast ins Schwarze getroffen. Elaina gehört der Emo-Szene an, grad deshalb sind Teile sehr depressiv geschrieben. lol2
Die Wiederholung war auch Absicht, aber das erklärt sich später von alleine.
Kommasetzung überprüf ich gleich nochmal und die unpassenden Wörter tausch ich gleich mal aus. (:

Schönen Ausklang des Wochenendes
Wolfie


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BeitragVerfasst am: 09.07.2012 09:43    Titel: Antworten mit Zitat

Zu allererst muss ich sagen das dir die Geschichte wirklich hervorragend gelungen ist. Du hast eine ausgezeichnete Aussprache und ein unendlich erscheinendes Repertoire an literarischen Ausdrücken und bildsprachlichen Mitteln. Ich finde das gerade durch die Wiederholungen die Stimmungen hervorgehoben werden.
Ka. Du hast wahrscheinlich schon 10 Jahre Schule hinter dir. Jedenfalls dürftest du eigentlich auch wissen das Wiederholungen gerne von Schriftstellern verwendet werden. Auch von den ganz großen Schriftstellern. Zudem sind Wiederholungen grammatisch auch korrekt. Sowas nennt sich auch ein Stilmittel. Ob es dann langweilt oder nicht entspricht dann wohl eher dem Lesergeschmackt. Wie auch ein Sprichwort sagt: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Zudem muss man nicht wirklich jede Kleinigkeit bemängeln.

Viele liebe Grüße Dämonenkrieger

PS: Ist wie gesagt alles Geschmackssache
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Wolfsblume
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BeitragVerfasst am: 09.07.2012 10:18    Titel: Prolog & 1. November: Vom Wintereinbruch und Johannis pdf-Datei Antworten mit Zitat

Huhu (:
Hier nochmal eine Überarbeitung, die Sachen, Ka, die du korrigierst hast, habe ich versucht überwiegend umzusetzen. Ich hoffe, es ist einigermaßen gut gelungen.

Viele liebe Grüße
Wolfie


Prolog
-2008-



Die Regentropfen fielen vom Nachthimmel als erbarmten sie sich der Welt, meiner Welt voller Grauen, Qualen, Schmerz, landeten trommelnd  auf der trostlosen, asphaltierten Straße. Krachend zuckten die Blitze, eine Sekunde grellstes Licht . Die nächste undurchdringliche Schwärze, während in der Ferne das Grollen des herannahenden Donners erscholl. Schatten sprangen über meine von der Straßenlaterne weiß beleuchtete Zimmerwand, unheimlich verzerrt, wie in Ekstase, verschwammen sie, schärften sich.

Die Welt bebte, als wolle sie sich gegen all das wehren, das ihr angetan wurde in all den Jahren der Menschheit. Doch untergehen würde sie nicht, nicht heute Nacht, nicht morgen, vielleicht auch nie. Aber es wäre besser so, ein schnelles Ende, schmerzlos, so viel Ehre müsste vergönnt sein, selbst ihr. Ich glaube nicht an Gott, nicht an ein höheres Wesen, an nichts und niemanden. Ein Kind vermag zu glauben, zu hoffen, zu wünschen. Doch die Erfahrung lehrt die Enttäuschung. Man lernt, zu akzeptieren, damit zu leben, dass Glück rar gesät ist und noch schwerer zu ernten. Es gibt niemanden, dort oben, der all das hier kontrolliert, gar lenkt. Wie gesagt, es gibt keinen Gott. Bloß das Schicksal und den Tod. Und keines der beiden schert sich um Ehre, Respekt und Gerechtigkeit, soviel ist sicher!

Die Tropfen klopften an die Fensterscheibe, liefen an ihr hinab. Die Äste der Bäume peitschten gegen das viel zu dünne Glas als wollten sie mich holen. Vielleicht sollten sie es auch, bevor er ihnen zuvor kommen würde. Vielleicht sollte ich mit ihnen gehen, hinaus, davon, laufen, so weit, wie meine Füße mich zu tragen vermochten. Die Welt würde sich mir öffnen, ihre schönste Seite offenbaren, strahlenden Sonnenschein, weite, saftgrüne Wiesen, das Meer. Träume, so nah und doch unerfüllbar.
Es war ein Fehler, nachzudenken, zu träumen, die Realität holte mich mit einem Faustschlag ein, riss mich zurück in die Gegenwart. Dann kamen die Tränen, stiegen in meine Augen, meine Sicht verschwamm, während die Bäche die Risse, Furchen, Schnitte in meinem Herzen füllten, für wenige Sekunden schlossen, bis das tödliche Salz zu brennen, die fast verheilten Wunden erneut aufzureißen begannen. Ich hätte aufhören sollen zu weinen, definitiv, aber Stärke war irgendwo auf dem Weg, meinem Weg, verschwunden.

Ich vergrub mich in den harten Kissen, versuchte, Sehen und Hören abzuschalten, aber, was würde es bringen? Beruhige dich, mein Herz, redete ich mir zu, als sei es ein verräterisches Geräusch, dass meinen Tod bedeuten würde. Wer weiß, vielleicht entspricht es der Wahrheit.
Ich konnte sie hören, wie sie das Geschirr spülte und, wahrscheinlich wie jeden Abend das Gemüse für den nächsten Arbeitstag schnitt. Die Mühe war vergeblich. Er würde es so oder so nicht anrühren, höchstens fragen, ob sie neuerdings das Interesse hegte, ihn frühzeitig ins Grab zu bringen.. Sie fluchte, warum auch immer.

Erneut verkrampfte sich mein Körper, der stechende Schmerz kündigte sich an, aufgehalten vom winzigen Funken Wille, der noch in mir steckte. Würde auch mein Wille einst zerbrechen, wie eine Vase in tausende und Abermillionen Teile? Vielleicht wäre es besser so, wie eine menschliche Puppe ohne Hülle, gehorsam, still, gebrochen. Ist es das, was er wollte? Vielleicht sollte auch ich ihm geben, was er begehrte, wäre er dann zufrieden? Oder würde es alles noch schlimmer machen? Vielleicht.
Mittlerweile weinte sie, ihr Schluchzen drang von unten herauf, ich konnte mir förmlich ausmalen, wie ihre Brust unbeherrscht auf und ab sank, während Wasser ihre eingefallenen Wangen benetzte und ihre braunen Augen flehend in den Himmel blickten, obgleich dort nichts weiter zu finden war als die weiß verputzte Decke. Die schütteren, einst braune Locken würden ungekämmt über ihre Schultern fallen während ihre Hände, über die sich die papierdünne Haut spannte, gefaltet waren, wie sie auf dem schwarzen Fliesenboden kniend in die knisternden Flammen des Kamins blicken würde, ein Stoßgebet zum Himmel schickend. Wusste sie nicht, dass niemand ihr Flehen hören würde?

Natürlich, niemand würde sich ihrer erbarmen, warum auch, wer war sie schon? Keinen Gedanken wert, keinen Blick in ihre verletzten Augen, die schon die gebrochene Seele offenbaren würden . Die Menschheit hatte sich nie um jene geschert, die gebrandmarkt von ihrem Schmerz am Wegesrand stehen geblieben waren, niemand brauchte sie und niemand wollte sie. Geändert hatte sich das nicht. Warum auch, wer hätte sich die Mühe machen sollen, die Scherben aufzulesen und erneut zusammen zu setzen? Schließlich wird dies nicht belohnt, zumindest nicht mit materiellem Reichtum. Doch, dies ist das Einzige, was heutzutage noch zu zählen scheint.

Das Donnergrollen hatte sich entfernt. Es war zumindest nicht mehr zu hören. Vielleicht war das Gewitter an mir vorbei gezogen und sei es auch nur für heute Nacht, selbst das war ein Segen. Vielleicht würde es das Böse mit sich ziehen, weit weg von hier. Es würde zurück kommen, irgendwann, um sich das zu holen, was ihm rechtmäßig gebührte. Aber heute Nacht würden sie mich verschonen, uns verschonen, wünschte ich inständig, als die neongrünen Ziffern des Weckers auf Mitternacht umsprangen und die Kirchturmuhr zu schlagen begann.

Dong
Es herrschte Totenstille.
Dong
Kein Mucks rührte sich.
Dong
Die Reifen des protzigen BMWs meines Nachbarn quietschten, als er mit üblicher, halsbrecherischer Geschwindigkeit davon raste.
Dong
Wieder Stille. Zu still.
Dong
Eine Gänsehaut rann über meinen Körper.
Dong
Alles wird gut. Es ist nichts, wovor ich mich fürchten müsste.
Dong
Ein Uhu stieß seinen Ruf in die Nacht hinaus.
Dong
Scheppernd fiel eine Mülltonne vor meinem Haus zu Boden.
Dong
Schlurfende Schritte auf der Straße.
Dong
Alles wird gut…
Dong
Ein Blitz zuckte erneut vom Himmel.
Dong

Die Haustür krachte gegen die Wand, während der Donner direkt über mir zu hören war.
Nichts ist gut, das Böse hatte mich nicht verschont.
Schreie erklangen, keine Sekunde später.


1 November 2011: Vom Wintereinbruch und Johannis


Das Unwetter hatte sich über die Nacht gelegt, dicke Nebelbänke übernahmen den verlorenen Posten des vergangenen Herbststurmes, obgleich sie im Laufe des Tages vom strahlenden Sonnenschein vertrieben werden sollten. Der erste Frost war in das wie immer unvorbereitete Land eingefallen. Ein eindeutiges Zeichen des hereinbrechenden Winters, der schon längst auf leisen Sohlen durch Deutschland strich und die ersten Probleme verursachte. Polizei und Feuerwehr arbeiteten auf Hochtouren, die Krankenhäuser hatten Mühe und Not der Grippewelle stand zu halten. Nichts desto trotz war dies zu normal, zu bedeutungslos, um die Pfeiler des Alltags zum Einsturz zu bringen.
Alles ging seinem gewohnten Gang. Das Gedränge der Schüler und Arbeiter in der U-Bahn, die überfüllten Busse, deren Heizung durch die Körperwärme der Fahrgäste ersetzt wurde, die rasenden Autos auf der Autobahn, auf der in diesem Moment ein griesgrämiger Mercedes-Fahrer einen einfachen Mann nieder machte, obwohl der Unfall seiner Schuld unterlag. Ja, man konnte allerorts von einem recht durchschnittlichen 1. November im thüringischen Geras sprechen. Obgleich die eigene Hand vor Augen nur zu erahnen war, nahm auch der Schulalltag einer zehnten Klasse des Johannis-Gymnasiums seinen gewohnten Lauf.

Wie üblich für die ersten beiden Stunden eines Freitag Morgens quälte Frau Reineck, eine überaus pflichtbewusste Lehrerin alter Schule, ihre Schüler mit einem bereits zehnminütigen Monolog über ihren unzureichenden Notendurchschnitt. Es kümmerte sie herzlich wenig, ob ihre Deutschklasse in Vorfreude auf das Wochenende war oder bereits von den nahenden Weihnachtsferien träumte. Eines der Mädchen war um ein Lächeln bemüht. Äußerlich zumindest strahlte sie die Ruhe schlechthin aus, während ihr verträumter Blick aus dem staubigen Fenster glitt, gegen das die kargen Äste der knorrigen Bäume klopften. Vielleicht hätte sie sich konzentrieren sollen, aber war das noch von Bedeutung? Es würde so oder so niemanden interessieren. Warum auch, wer war sie schon? Ein Niemand. Das war sie.
Die Äste schienen in den Raum zu greifen, vielleicht würden sie mit ihren langen Fingern all die mit sich schleifen, die es verdient hätten. Kandidaten gäbe es genügend.

„Elaina?“

Der Morgen war nicht außergewöhnlich gewesen. Die Kälte hatte in ihre müden Glieder gebissen, ihre Wangen geglüht.. Ihr Atem war zu Eiswolken gefroren und die bitterkalte Luft hatte in ihren Lungen gebrannt. Etwas war anders gewesen, aber was?

„Elaina!“

Hätte an diesem Morgen irgendetwas anders gewesen sein sollen als gewohnt, sie hätte es nicht bemerkt. Der Wecker hatte geklingelt, als ob sie nicht vorher schon längst wach gewesen wäre. Die Kleider vom Vortag lagen am Fußende ihres Bettes. Make-Up und Haare waren schnell gemacht gewesen. In der Küche lag eine leere Weinflasche, trockener Rotwein, was sonst. Daneben schwammen vereinzelt die letzten Tropfen in einem filigranen Glas, dessen Goldrand vom vielen Waschen nur noch zu erahnen war. Vom Sofa des Wohnzimmers drang das Schnarchen ihrer Mutter. Sie hätte das Fenster öffnen sollen, kam ihr in den Sinn, als sie an den Gestank der Alkoholausdünstungen dachte. Der Kühlschrank war so gut wie leer. Das Brot längst abgelaufen. Als hätte sie Hunger gehabt. Am Nachmittag würde sie einkaufen, definitiv. Einen Wutausbruch müsste sie sich am Abend nicht auch noch anhören, wenn es zu vermeiden war. Und wer würde sonst schon einkaufen gehen? Niemand, natürlich.

„Elaina Avanianno!!!“

Elaina zuckte zusammen, blinzelte und blickte die ältere Frau vor sich an „Entschuldigung, Frau Reineck...“ Schuldbewusst senkte sie die Lieder, presste die Lippen aufeinander.
„Deine Entschuldigungen kannst du dir sparen. Ich schätze, du weißt nicht, was wir gerade besprochen haben, nicht wahr?“ Sie gab ihr keine Chance zu antworten, hob ihren faltigen, gelblichen Finger. „Nein, warte. Natürlich weißt du es nicht. Ich glaube, dieser Raum hätte dringend nötig, gefegt zu werden, findest du nicht auch?“ Sie lachte boshaft, zeigte ihre gelben Zähne, bevor sie mit dem Unterricht fortfuhr. Das Mädchen blickte auf ihr unbeschriebenes Blatt, dann zur Uhr. Es würde noch eine lange Stunde werden.

Das Klingeln war ohrenbetäubend schrill, nervtötend in jeglicher Hinsicht und hätte wohl selbst den schläfrigsten Schüler aus einem Schlummer gerissen. Insofern Frau Reineck nicht eh auf den reibungslosen Ablauf ihres Unterrichts erpicht gewesen wäre. Schlafende Schüler schienen in ihrer Illusion von Welt nicht zu existieren. Allgemein, Widerspruch war eben eines dieser Wörter, die in ihrer Auffassung von Leben definitiv in die Kategorie „Verboten“ zu gehören schien.
Sie war eine dieser Menschen, die jene Art von Autorität, die sich der Erniedrigung anderer Menschen bediente, als anzustrebenden Lebensinhalt gewählt hatten. Vielleicht war sie deswegen Lehrerin geworden, obgleich sie sich als Brigadegeneral sicher auch bewährt hätte.
Frau Reineck war eine dieser Spezies von Mensch, die ihre verhältnismäßig geringe Körpergröße auszugleichen versuchte. Dem zugrunde eilte ihr mehr oder weniger glorreicher Ruf ihr an ihrer Schule meilenweit voraus. Man könnte fast sagen, sie war eine Art Legende geworden, aus dem Schulalltag nicht weg denkbar.

In gewisser Hinsicht könnte man sich das Johannis-Gymnasium als eine Art Schachbrett versinnbildlichen. Es gab die Führungselite. Und die Lämmchen, die blind folgten und zu Zeiten einem höher gestellten Zweck der Blutbank zum Opfer fielen. Dementsprechend stellt es keine Verwunderung da, das das Kollegium in zwei Gruppen gespalten war, die wie auf Jagd lauerten, nach Beute lechzten und, sobald sie Blut geleckt hatten, zum ultimativen Kampf schritten. Jedoch ohne zu wissen, dass sie bloß im Begriff waren, eine unbedeutende Schlacht in ihrem sinnlosen Dahin-streben nach größtmöglicher Anerkennung zu beschreiten.

Um die beiden verfeindeten Gruppen näher zu beschreiben, die eine Seite stand unter strikter, fünfundzwanzigjähriger Führung Hessels, ein eigentlich längst pensionierter, glatzköpfiger Mann, dessen Führungsanspruch niemand in Frage zu stellen wagte. Herr Hessels Interesse lagen in politischen wie historischen Debatten mit Herrn Früter, der, nicht sonderlich überraschend, ein Anhänger der anderen Gruppe war. Doch, im strikten Gegensatz zu Hessel, war er ein unbedeutender Nebenakteur im großen Gesamtschauspiel, dass die Lehrer wie eine Bühnenaufführung voller Eifer probten. Es mangelte ihnen leider an der Gewissheit, das ihr großer Auftritt nie statt finden würde. Bei Zeiten verschwand der ein oder andere Akteur von der Bühne. Zu anderen tauchte eine neue Akteurin auf. Es war ein immer wiederkehrender Zyklus an Johannis, der einer jahrhundertlangen Tradition unterlag, gestützt durch das Ritual des allzu simplen Prinzips, der gegenseitig Nicht-Respektierung.
So mag es auch keine Absonderlichkeit darstellen, dass Hessel wie auch Früter wie gewohnt auf ihren Plätzen saßen, jeweils getrennt durch zwei leere Stühle zwischen sich. Hessels Stirn lag in Falten gekräuselt, während er definitiv nicht erfreut auf die Klausur seines Elferkurses blickte. Früter klopfte mit seinen wurstartigen Fingern auf dem harten Holz des Pultes und ließ keine Bewegung Hessels unbeachtet, als eine neue Person die Bühne betrat und die eintönige Langeweile der Pause durchbrach wie ein Sonnenstrahl die Wolkendecke.


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Karin
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BeitragVerfasst am: 09.07.2012 10:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Dämonenkrieger!

Bei deinem Nick möchte ich mich lieber gar nicht dolle mit dir anlegen. Ich freue mich für Wolfsblume, dass sie so einen großen Fan gewonnen hat.

Ich denke, du siehst meine Kritik ... hm ... zu kritisch Wink
Ganz ehrlich, ich schreibe nicht sehr oft längere Textkritiken im Forum. Wenn ich es jedoch tue, dann meist aus dem Grund, dass ich etwas aus einer Geschichte für mich mitnehmen konnte. Weil sie mir gefällt, weil sie ungewöhnlich ist, weil sie irgendeine Saite in mir zum Schwingen bringt.

Wolfsblume hat so einen Text geschrieben.
Dass ich mir so viel Zeit nehme, Kritik zu üben, ist schon einmal ein sehr gutes Zeichen. Ich habe nämlich genau das entdeckt, was dir selbst bei dem Text auch aufgefallen ist. Literarisches Potential!

Was meine Nörgelei angeht - natürlich ist es nur die Meinung eines Lesers. Da Wolfsblume den Text in der Werkstatt eingestellt hat, muss ich annehmen, dass sie Kritik gern entgegen nimmt. Und sie hat auf meine Einwände ja auch super reagiert.

Im Text selbst habe ich, wenn ich mich richtig erinnere, nur eine Wiederholung herausgestrichen. Und zwar hier:

Zitat:
Vielleicht hätte sie sich konzentrieren sollen, aber war das noch von Bedeutung? Wofür auch? Was für einen Sinn hätte es denn noch? Es würde so oder so niemanden interessieren. Warum auch, wer war sie schon?


Vielleicht habe ich bei meiner Zusammenfassung meinen Eindruck noch aus der ersten Version des Textes mitgenommen, wo es teilweise Reihungen von Adjektiven gab, die manchmal im Grunde das Gleiche aussagten.

Ich gebe gern zu, dass ich mit Anhäufungen von literarischen Stilmitteln schwer tue. Da bin ich einfach zu sehr Ingenieur. Deswegen ist es gut, dass du dich hier auch noch einmal gemeldet hast, um Wolfsblume den Rücken zu stärken  Smile

Aber lernen können wir hier ganz sicher alle noch etwas.  Cool

LG Ka
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BeitragVerfasst am: 09.07.2012 10:39    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Oki, erstmal danke für den ausgesprochen netten  Kommentar, Krieger. Über Lob freue ich mich immer. (: nichts desto trotz hat Karin mit ihrer Kritik nicht ganz Unrecht. Und dient ja nur der Verbesserung meines Textes. Außerdem liefert sie ja nur Vorschläge und setzt nicht als gegeben, dass ich meinen Text so schreiben muss. Wir sind halt alle nicht fehlerfrei. wink
Liebste Ka, ich freue mich über deine langen Posts enorm, bitte bitte nicht aufhören. (: so kritisch sind sie gar nicht.
Ist diese Version denn besser? (:

Viele liebe Grüße
Wolfie

P.s. Jegliche tippfehler gehen auf kosten meines iphones, ja? ^^


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BeitragVerfasst am: 09.07.2012 15:37    Titel: 1. November 2011: Vom Wintereinbruch und Johannis pdf-Datei Antworten mit Zitat

Huhu (:
Nochmal ein paar kleine, feine Veränderungen (:
Viele liebe Grüße
Wolfie


Rabentochter
Prolog
-2008-


Die Regentropfen fielen vom Nachthimmel als erbarmten sie sich der Welt, meiner Welt voller Grauen, Qualen, Schmerz, landeten trommelnd auf der trostlosen, asphaltierten Straße. Krachend zuckten die Blitze, eine Sekunde grellstes Licht . Die nächste undurchdringliche Schwärze, während in der Ferne das Grollen des herannahenden Donners erscholl. Schatten sprangen über meine von der Straßenlaterne weiß beleuchtete Zimmerwand, unheimlich verzerrt, wie in Ekstase, verschwammen sie, schärften sich.

Die Welt bebte, als wolle sie sich gegen all das wehren, das ihr angetan wurde in all den Jahren der Menschheit. Doch untergehen würde sie nicht, nicht heute Nacht, nicht morgen, vielleicht auch nie. Aber es wäre besser so, ein schnelles Ende, schmerzlos, so viel Ehre müsste vergönnt sein, selbst ihr. Ich glaube nicht an Gott, nicht an ein höheres Wesen, an nichts und niemanden. Ein Kind vermag zu glauben, zu hoffen, zu wünschen. Doch die Erfahrung lehrt die Enttäuschung. Man lernt, zu akzeptieren, damit zu leben, dass Glück rar gesät ist und noch schwerer zu ernten. Es gibt niemanden, dort oben, der all das hier kontrolliert, gar lenkt. Wie gesagt, es gibt keinen Gott. Bloß das Schicksal und den Tod. Und keines der beiden schert sich um Ehre, Respekt und Gerechtigkeit, soviel ist sicher!

Die Tropfen klopften an die Fensterscheibe, liefen an ihr hinab. Die Äste der Bäume peitschten gegen das viel zu dünne Glas als wollten sie mich holen. Vielleicht sollten sie es auch, bevor er ihnen zuvor kommen würde. Vielleicht sollte ich mit ihnen gehen, hinaus, davon, laufen, so weit, wie meine Füße mich zu tragen vermochten. Die Welt würde sich mir öffnen, ihre schönste Seite offenbaren, strahlenden Sonnenschein, weite, saftgrüne Wiesen, das Meer. Träume, so nah und doch unerfüllbar.
Es war ein Fehler, nachzudenken, zu träumen, die Realität holte mich mit einem Faustschlag ein, riss mich zurück in die Gegenwart. Dann kamen die Tränen, stiegen in meine Augen, meine Sicht verschwamm, während die Bäche die Risse, Furchen, Schnitte in meinem Herzen füllten, für wenige Sekunden schlossen, bis das tödliche Salz zu brennen, die fast verheilten Wunden erneut aufzureißen begannen. Ich hätte aufhören sollen zu weinen, definitiv, aber Stärke war irgendwo auf dem Weg, meinem Weg, verschwunden.

Ich vergrub mich in den harten Kissen, versuchte, Sehen und Hören abzuschalten, aber, was würde es bringen? Beruhige dich, mein Herz, redete ich mir zu, als sei es ein verräterisches Geräusch, dass meinen Tod bedeuten würde. Wer weiß, vielleicht entspricht es der Wahrheit.
Ich konnte sie hören, wie sie das Geschirr spülte und, wahrscheinlich wie jeden Abend das Gemüse für den nächsten Arbeitstag schnitt. Die Mühe war vergeblich. Er würde es so oder so nicht anrühren, höchstens fragen, ob sie neuerdings das Interesse hegte, ihn frühzeitig ins Grab zu bringen.. Sie fluchte, warum auch immer.

Erneut verkrampfte sich mein Körper, der stechende Schmerz kündigte sich an, aufgehalten vom winzigen Funken Wille, der noch in mir steckte. Würde auch mein Wille einst zerbrechen, wie eine Vase in tausende und Abermillionen Teile? Vielleicht wäre es besser so, wie eine menschliche Puppe ohne Hülle, gehorsam, still, gebrochen. Ist es das, was er wollte? Vielleicht sollte auch ich ihm geben, was er begehrte, wäre er dann zufrieden? Oder würde es alles noch schlimmer machen? Vielleicht.
Mittlerweile weinte sie, ihr Schluchzen drang von unten herauf, ich konnte mir förmlich ausmalen, wie ihre Brust unbeherrscht auf und ab sank, während Wasser ihre eingefallenen Wangen benetzte und ihre braunen Augen flehend in den Himmel blickten, obgleich dort nichts weiter zu finden war als die weiß verputzte Decke. Die schütteren, einst braune Locken würden ungekämmt über ihre Schultern fallen während ihre Hände, über die sich die papierdünne Haut spannte, gefaltet waren, wie sie auf dem schwarzen Fliesenboden kniend in die knisternden Flammen des Kamins blicken würde, ein Stoßgebet zum Himmel schickend. Wusste sie nicht, dass niemand ihr Flehen hören würde?

Natürlich, niemand würde sich ihrer erbarmen, warum auch, wer war sie schon? Keinen Gedanken wert, keinen Blick in ihre verletzten Augen, die schon die gebrochene Seele offenbaren würden . Die Menschheit hatte sich nie um jene geschert, die gebrandmarkt von ihrem Schmerz am Wegesrand stehen geblieben waren, niemand brauchte sie und niemand wollte sie. Geändert hatte sich das nicht. Warum auch, wer hätte sich die Mühe machen sollen, die Scherben aufzulesen und erneut zusammen zu setzen? Schließlich wird dies nicht belohnt, zumindest nicht mit materiellem Reichtum. Doch, dies ist das Einzige, was heutzutage noch zu zählen scheint.

Das Donnergrollen hatte sich entfernt. Es war zumindest nicht mehr zu hören. Vielleicht war das Gewitter an mir vorbei gezogen und sei es auch nur für heute Nacht, selbst das war ein Segen. Vielleicht würde es das Böse mit sich ziehen, weit weg von hier. Es würde zurück kommen, irgendwann, um sich das zu holen, was ihm rechtmäßig gebührte. Aber heute Nacht würden sie mich verschonen, uns verschonen, wünschte ich inständig, als die neongrünen Ziffern des Weckers auf Mitternacht umsprangen und die Kirchturmuhr zu schlagen begann.

Dong
Es herrschte Totenstille.
Dong
Kein Mucks rührte sich.
Dong
Die Reifen des protzigen BMWs meines Nachbarn quietschten, als er mit üblicher, halsbrecherischer Geschwindigkeit davon raste.
Dong
Wieder Stille. Zu still.
Dong
Eine Gänsehaut rann über meinen Körper.
Dong
Alles wird gut. Es ist nichts, wovor ich mich fürchten müsste.
Dong
Ein Uhu stieß seinen Ruf in die Nacht hinaus.
Dong
Scheppernd fiel eine Mülltonne vor meinem Haus zu Boden.
Dong
Schlurfende Schritte auf der Straße.
Dong
Alles wird gut…
Dong
Ein Blitz zuckte erneut vom Himmel.
Dong

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BeitragVerfasst am: 09.07.2012 15:47    Titel: 1. November 2011: Vom Wintereinbruch und Johannis pdf-Datei Antworten mit Zitat

1. November 2011: Vom Wintereinbruch und Johannis

Das Unwetter hatte sich über die Nacht gelegt, dicke Nebelbänke übernahmen den verlorenen Posten des vergangenen Herbststurmes, obgleich sie im Laufe des Tages vom strahlenden Sonnenschein vertrieben werden sollten. Der erste Frost war in das wie immer unvorbereitete Land eingefallen. Ein eindeutiges Zeichen des hereinbrechenden Winters, der schon längst auf leisen Sohlen durch Deutschland strich und die ersten Probleme verursachte. Polizei und Feuerwehr arbeiteten auf Hochtouren, die Krankenhäuser hatten Mühe und Not der Grippewelle standzuhalten. Nichtsdestotrotz war dies zu normal, zu bedeutungslos, um die Pfeiler des Alltags zum Einsturz zu bringen.
Alles ging seinem gewohnten Gang. Das Gedränge der Schüler und Arbeiter in der U-Bahn, die überfüllten Busse, deren Heizung durch die Körperwärme der Fahrgäste ersetzt wurde, die rasenden Autos auf der Autobahn, auf der in diesem Moment ein griesgrämiger Mercedes-Fahrer einen einfachen Mann niedermachte, obwohl der Unfall seiner Schuld unterlag. Ja, man konnte allerorts von einem recht durchschnittlichen 1. November im thüringischen Geras sprechen. Obgleich die eigene Hand vor Augen nur zu erahnen war, nahm auch der Schulalltag einer zehnten Klasse des Johannisgymnasiums seinen gewohnten Lauf.

Wie üblich für die ersten beiden Stunden eines Freitages Morgens quälte Frau Reineck, eine überaus pflichtbewusste Lehrerin alter Schule, ihre Schüler mit einem bereits zehnminütigen Monolog über ihren unzureichenden Notendurchschnitt.Es kümmerte sie herzlich wenig, ob ihre Deutschklasse in Vorfreude auf das Wochenende war oder bereits von den nahenden Weihnachtsferien träumte. Eines der Mädchen war um ein Lächeln bemüht. Äußerlich zumindest strahlte sie die Ruhe schlechthin aus, während ihr verträumter Blick aus dem staubigen Fenster glitt, gegen das die kargen Äste der knorrigen Bäume klopften. Vielleicht hätte sie sich konzentrieren sollen, aber war das noch von Bedeutung? Es würde so oder so niemanden interessieren. Warum auch, wer war sie schon? Ein Niemand. Das war sie.
Die Äste schienen in den Raum zu greifen, vielleicht würden sie mit ihren langen Fingern all die mit sich schleifen, die es verdient hätten. Kandidaten gäbe es genügend.

„Elaina?“

Der Morgen war nicht außergewöhnlich gewesen. Die Kälte hatte in ihre müden Glieder gebissen, ihre Wangen geglüht.. Ihr Atem war zu Eiswolken gefroren und die bitterkalte Luft hatte in ihren Lungen gebrannt. Etwas war anders gewesen, aber was?

„Elaina!“

Hätte an diesem Morgen irgendetwas anders gewesen sein sollen als gewohnt, sie hätte es nicht bemerkt. Der Wecker hatte geklingelt, als ob sie nicht vorher schon längst wach gewesen wäre. Die Kleider vom Vortag lagen am Fußende ihres Bettes. Make-up und Haare waren schnell gemacht gewesen. In der Küche lag eine leere Weinflasche, trockener Rotwein, was sonst. Daneben schwammen vereinzelt die letzten Tropfen in einem filigranen Glas, dessen Goldrand vom vielen Waschen nur noch zu erahnen war. Vom Sofa des Wohnzimmers drang das Schnarchen ihrer Mutter.Sie hätte das Fenster öffnen sollen, kam ihr in den Sinn, als sie an den Gestank der Alkoholausdünstungen dachte. Der Kühlschrank war so gut wie leer. Das Brot längst abgelaufen. Als hätte sie Hunger gehabt. Am Nachmittag würde sie einkaufen, definitiv. Einen Wutausbruch müsste sie sich am Abend nicht auch noch anhören, wenn es zu vermeiden war. Und wer würde sonst schon einkaufen gehen? Niemand, natürlich.

„Elaina Avanianno!!!“

Elaina zuckte zusammen, blinzelte und blickte die ältere Frau vor sich an „Entschuldigung, Frau Reineck...“ Schuldbewusst senkte sie die Lieder, presste die Lippen aufeinander.
„Deine Entschuldigungen kannst du dir sparen. Ich schätze, du weißt nicht, was wir gerade besprochen haben, nicht wahr?“ Sie gab ihr keine Chance zu antworten, hob ihren faltigen, gelblichen Finger. „Nein, warte. Natürlich weißt du es nicht. Ich glaube, dieser Raum hätte dringend nötig, gefegt zu werden, findest du nicht auch?“ Sie lachte boshaft, zeigte ihre gelben Zähne, bevor sie mit dem Unterricht fortfuhr. Das Mädchen blickte auf ihr unbeschriebenes Blatt, dann zur Uhr. Es würde noch eine lange Stunde werden.

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BeitragVerfasst am: 09.07.2012 15:48    Titel: 1. November 2011: Vom Wintereinbruch und Johannis pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das Klingeln war ohrenbetäubend schrill, nervtötend in jeglicher Hinsicht und hätte wohl selbst den schläfrigsten Schüler aus einem Schlummer gerissen. Insofern Frau Reineck nicht eh auf den reibungslosen Ablauf ihres Unterrichts erpicht gewesen wäre. Schlafende Schüler schienen in ihrer Illusion von Welt nicht zu existieren. Allgemein, Widerspruch war eben eines dieser Wörter, die in ihrer Auffassung von Leben definitiv in die Kategorie „Verboten“ zu gehören schien.

Sie war eine dieser Menschen, die jene Art von Autorität, die sich der Erniedrigung anderer Menschen bediente, als anzustrebenden Lebensinhalt gewählt hatten. Vielleicht war sie deswegen Lehrerin geworden, obgleich sie sich als Brigadegeneral sicher auch bewährt hätte.
Frau Reineck war eine dieser Spezies von Mensch, die ihre verhältnismäßig geringe Körpergröße auszugleichen versuchte. Dem zugrunde eilte ihr mehr oder weniger glorreicher Ruf ihr an ihrer Schule meilenweit voraus. Man könnte fast sagen, sie war eine Art Legende geworden, aus dem Schulalltag nicht weg denkbar.

In gewisser Hinsicht könnte man sich das Johannisgymnasium als eine Art Schachbrett versinnbildlichen. Es gab die Führungselite. Und die Lämmchen, die blind folgten und zu Zeiten einem höher gestellten Zweck der Blutbank zum Opfer fielen. Dementsprechend stellt es keine Verwunderung da, das das Kollegium in zwei Gruppen gespalten war, die wie auf Jagd lauerten, nach Beute lechzten und, sobald sie Blut geleckt hatten, zum ultimativen Kampf schritten. Jedoch ohne zu wissen, dass sie bloß im Begriff waren, eine unbedeutende Schlacht in ihrem sinnlosen Dahinstreben nach größtmöglicher Anerkennung zu beschreiten.

Um die beiden verfeindeten Gruppen näher zu beschreiben, die eine Seite stand unter strikter, fünfundzwanzigjähriger Führung Hessels, ein eigentlich längst pensionierter, glatzköpfiger Mann, dessen Führungsanspruch niemand in Frage zu stellen wagte. Herr Hessels Interesse lagen in politischen wie historischen Debatten mit Herrn Früter, der, nicht sonderlich überraschend, ein Anhänger der anderen Gruppe war. Doch, im strikten Gegensatz zu Hessel, war er ein unbedeutender Nebenakteur im großen Gesamtschauspiel, dass die Lehrer wie eine Bühnenaufführung voller Eifer probten. Es mangelte ihnen leider an der Gewissheit, das ihr großer Auftritt nie statt finden würde. Bei Zeiten verschwand der ein oder andere Akteur von der Bühne. Zu anderen tauchte eine neue Akteurin auf. Es war ein immer wiederkehrender Zyklus an Johannis, der einer jahrhundertlangen Tradition unterlag, gestützt durch das Ritual des allzu simplen Prinzips, der gegenseitig Nicht-Respektierung.
So mag es auch keine Absonderlichkeit darstellen, dass Hessel wie auch Früter wie gewohnt auf ihren Plätzen saßen, jeweils getrennt durch zwei leere Stühle zwischen sich. Hessels Stirn lag in Falten gekräuselt, während er definitiv nicht erfreut auf die Klausur seines Elferkurses blickte. Früter klopfte mit seinen wurstartigen Fingern auf dem harten Holz des Pultes und ließ keine Bewegung Hessels unbeachtet, als eine neue Person die Bühne betrat und die eintönige Langeweile der Pause durchbrach wie ein Sonnenstrahl die Wolkendecke.

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BeitragVerfasst am: 09.07.2012 15:49    Titel: 1. November 2011: Vom Wintereinbruch und Johannis pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die wärmende Sonne hatte den Nebel endgültig vertrieben, sodass einige, mutige Schüler sich ihres Pullover bereits entledigt hatten, der nun locker an ihren Hüften baumelte wie ein totes Tier. Das Geschrei auf dem Schulhof war auch im Schulgarten, der als abseits gelegener Ort eigentlich ein Ruhepunkt sein sollte, noch zu hören. Die hauchdünne Eisschicht des Teiches war überwiegend geschmolzen, die letzten Überbleibsel wurden von einer Gruppe jüngerer Schüler mit halb verrotteten Stöcken zerstört. Es schien, als hätten sie ihren regen Spaß daran mit lautem Geschrei und komischen Bewegungen Tiere nachzuahmen, die es überwiegend gar nicht gab. Einer der Jungen, Roger, der Kleinste und Schmächtigste, hielt mitten in seiner Bewegung inne, schnupperte wie ein Hund in der Luft, bevor er seine sich vor Lachen krümmende Freunde auf eine sich nähernde Person aufmerksam machte.
 „Reineck im Anmarsch, weg hier!!!“
Frau Reineck, die mit ihren gewagten Absätzen in dem aufgeweichten Rasen versank und eine Spur kleiner Löcher hinterließ, mühte sich als Pausenaufsicht ab, den Schülern endlich die Schulregeln einzubläuen, was nicht selten durch ihre liebste Strafe vollzogen wurde:
Nachsitzen.
Sehr zu ihrem Ärgernis hielten die Wenigsten ihrer Schüler etwas davon, den Freitag Nachmittag mit ihr in einem muffigen, überhitzten Klassenraum zu verbringen und sich trällernde Operndiven aus dem antiquitären Plattenspieler zu Gemüte zu führen.
„Roger Müller, ich zähle bis drei und wenn du dann nicht angehalten hast...“
Ihre Stimme drang nicht mehr zu Roger durch, der sich die Nase zu hielt und angewidert auf ihre Füße zeigte.
„Ihh, Frau Reineck, sind Sie in Hundekot getreten?“ Aus ihrer Rolle geworfen blickte Frau Reineck nun vollends irritiert auf ihre Füße, dann zu Roger. Sie setzte zu einem ihrer bekannten Schreiattacken an, als die kleine Gruppe wie von einer Tarantel gestochen lachend ins Unterholz des angelegten Buchenwaldes zu ihrer Rechten flüchtete und beinah eine zweite Gruppe, die ihnen entgegen kam, umrannte. Nur mit einem Haufen Glück wichen alle den entgegenkommenden Älteren aus und bemerkten in ihrem Triumph nicht das Fehlen von Roger, der Frau Reineck eine Grimasse schnitt, bevor er den Anderen folgte. Den Blick über seine Schulter werfend rannte er frontal in den Größten der anderen Gruppe.
Seine blauen Augen weiteten sich vor Entsetzen, das Lachen war aus seinen Zügen gewichen, sein Atem stockte. „Es... tut... mir...“ Weiter kam er mit seiner nun mutlose, zittrige Stimme nicht. Der kräftige Arm des Größten packte ihn am Kragen seines blutroten Poloshirts, hob ihn auf Augenhöhe, starrte ihn vernichtend an. „E... Eri..k..“ Ein gehässiges Lachen, dann ein kurzer Schrei. Sich entfernende Schritte. Stille.

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MSchneider
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BeitragVerfasst am: 09.07.2012 21:32    Titel: Re: 1. November 2011: Vom Wintereinbruch und Johannis Antworten mit Zitat

Hi, Wolfsblume.

Wolfsblume hat Folgendes geschrieben:
Die Regentropfen fielen vom Nachthimmel als erbarmten sie sich der Welt, meiner Welt voller Grauen, Qualen, Schmerz, landeten trommelnd auf der trostlosen, asphaltierten Straße. Krachend zuckten die Blitze, eine Sekunde grellstes Licht . Die nächste undurchdringliche Schwärze, während in der Ferne das Grollen des herannahenden Donners erscholl. Schatten sprangen über meine von der Straßenlaterne weiß beleuchtete Zimmerwand, unheimlich verzerrt, wie in Ekstase, verschwammen sie, schärften sich.


Ich weiß, dass der Wunsch nach ausschweifenden Formulierungen, die den Leser ob der vermeintlichen sprachlichen Gewalt des Autoren beeindrucken soll, gerade zu Anfang der schriftstellerischen Arbeit, als Neuling, einen hohen Stellenwert besitzt. Dieser Beginn deiner Geschichte kann mich allerdings nicht beeindrucken, weil ersichtlich ist, wie sehr du dich darauf versteift hast, deinem Text eine ästhetische Komponente zu verleihen, wobei der eigentliche Inhalt auf der Strecke bleibt. Das liest sich in meinen Augen nicht angenehm, sondern sehr anstrengend. Dabei ist mir auch präsent, wie viele Autoren dazu neigen, ihre Geschichten - und gerade den Beginn der Geschichte - durch derartige Formulierungen auszuschmücken. Das ist schlicht und ergreifend altbacken. Wie du an dem Kommentar von KeTam erkennen kannst, gibt es durchaus Personen, die eine solche hochgestochene Sprache - zu meinem Unverständnis - loben. Dabei ist es keine Kunst, hochgestochen zu schreiben - auch nicht mit sechszehn Jahren -, aber es ist eine Kunst, dem Leser die Informationen so zu präsentieren, dass sie leicht aufzunehmen sind, die Maschine im Kopf rattern lassen und Bilder erzeugen. Das, was du hier lieferst, ist aber nur ein Wulst von Informationen, der mit der einen oder anderen Schleife verschönert ist.

Ähnliches gilt auch für deinen zweiten Absatz. Dieser besteht zwar nicht aus anstrengenden Bildern, aber strotzt vor Phrasen. Ein Beispiel:

Zitat:
Ein Kind vermag zu glauben, zu hoffen, zu wünschen.


Noch eines:

Zitat:
Man lernt, zu akzeptieren, damit zu leben, dass Glück rar gesät ist und noch schwerer zu ernten.


Die restlichen Absätze lesen sich dabei wie eine Mischung aus den ersten beiden Sätzen: Du versuchst, den mangelnden Inhalt durch das Einfügen einer ästethischen Komponente - hochgestochene Bilder - zu kaschieren. Unterstützt wird dies durch zahlreiche Phrasen.

Du wirst sehr wahrscheinlich erst einmal nicht davon abzubringen sein, diesen Stil zu verwenden - und das ist in Anbetracht deiner noch jungen Jahre auch in Ordnung. Es gab Zeiten - in deinem Alter -, in dem ich auch geglaubt habe, dass eine solche Sprache das Maß aller Dinge ist, aber wenn du erst einmal versuchst, deine Geschichte noch einige Seiten fortzusetzen, dann wirst du schnell an eine "kreative Grenze" stoßen. Die Bilder, die Sprache, die Phrasen, das wiederholt sich, wird langweilig, nervt.

Gruß,

MSchneider
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KeTam
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Das goldene Gleis Ei 1
Ei 10 Ei 8


BeitragVerfasst am: 14.07.2012 09:57    Titel: Antworten mit Zitat

@Schneider:


„… aber es ist eine Kunst, dem Leser die Informationen so zu präsentieren, dass sie leicht aufzunehmen sind, die Maschine im Kopf rattern lassen und Bilder erzeugen.“

-Aus deiner Sicht müssen Informationen also nur „leicht aufzunehmen“ sein?
 
„ Du versuchst, den mangelnden Inhalt durch das Einfügen einer ästhetischen Komponente - hochgestochene Bilder - zu kaschieren.“
 
-Sie hat nicht versucht, dem Text eine ästhetische Komponente zu verleihen, der Text hat eine solche Komponente. Und im Gegensatz zu dir, sehe ich da nichts Erzwungenes.
-Auch mangelt es nicht an Inhalt.

„ Du wirst sehr wahrscheinlich erst einmal nicht davon abzubringen sein, diesen Stil zu verwenden - und das ist in Anbetracht deiner noch jungen Jahre auch in Ordnung.“

-Warum sollte sie sich auch davon abbringen lassen? Man merkt ihrem Text die Freude am Schreiben an. Dass noch gefeilt werden muss versteht sich von selbst.

„Es gab Zeiten - in deinem Alter -, in dem ich auch geglaubt habe, dass eine solche Sprache das Maß aller Dinge ist…“

-Sorry, aber da hast du mich ein bisschen zum Lachen gebracht! Wink ,denn soooo alt, bist du ja nun auch noch nicht…..

Hattest du auch das Glück, dass als du sechzehn warst und deine ersten Schreibversuche präsentiertest, ein lieber Kritiker dir bescheinigte, dass dein Stil "altbacken", "gewollt" und "nervig" ist?

Dir muss nicht gefallen, wie jemand schreibt. Aber ein Pauschalurteil zu fällen ist, gerade in der Literatur, sicher mehr als unangebracht....

Lg,KeTam.

edit: Stell du doch auch mal einen Text in die Werkstatt, na?


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Wolfsblume
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BeitragVerfasst am: 14.07.2012 10:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Morgen. smile

Danke Hennie, ich mochte nicht alleine etwas zu meinem "netten" Kommentator sagen. Aber ich wage es dann doch mal.

@ MSchneider
Wenn mein Stil so altbacken ist, beweise es mir. Versteh mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Kritik - solange sie konstruktiv ist. Deiner Aussage nach könnte ich also mit dem Schreiben aufhören und die Geschichte in die Tonne treten, nur weil sie dir zu hochgestochenes Deutsch verwendet?
Es muss dir nicht gefallen. Aber deinen Kommentar fasse ich nicht als sonderlich konstruktiv auf.
Soll ich dir einmal ein Buch empfehlen, das wirklich HOCHGESTOCHEN ist? Spieltrieb, Juli Zeh. Lies das Buch und dann reden wir weiter, ob mein Deutsch schwer verständlich ist oder nicht. Außerdem finde ich es, sagen wir, interessant, wie du es wagst, über meinen Schreibstil zu urteilen, wenn du zu einem selbst kein einziges Werk zu zeigen hast zu anderem nur 6 Jahre älter als ich bist.
Verzeih mir die Anmaßung, aber du klingst wie ein sechzig Jahre alter allwissender Literaturprofessor. Ich behaupte, das bist du nicht. Woher möchtest du wissen, ob sich mein Schreibstil gut für ALLE Leser macht? Deine Meinung ist immer subjektiv. Oder bist du unser Guru, der vorausahnende Kräfte hat? wink

Liebe Grüße
Wolfie

P.S. Ich hoffe, du nimmst meinen Beitrag mit Humor auf. Mit nichts anderem habe ich ihn verfasst. wink


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MSchneider
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BeitragVerfasst am: 14.07.2012 14:52    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
„… aber es ist eine Kunst, dem Leser die Informationen so zu präsentieren, dass sie leicht aufzunehmen sind, die Maschine im Kopf rattern lassen und Bilder erzeugen.“

KeTam hat Folgendes geschrieben:
-Aus deiner Sicht müssen Informationen also nur „leicht aufzunehmen“ sein?


Wenn du deinen Fokus auf den Teil des Satzes richten würdest, den du zu deinem Vorteil durch drei Pünktchen ersetzt hast, dann würdest du bemerken, dass ich hier keine Aussage im Allgemeinen getroffen, sondern einen Vergleich gezogen habe, der besagt, dass es nicht schwer ist, hochgestochen zu schreiben, sondern dem Leser die Informationen so zu präsentieren, dass er sie leicht verdauen kann und diese Bilder in seinem Kopf erzeugen. Die Informationen in einer Geschichte müssen also nicht schlicht und ergreifend leicht aufzunehmen sein, sie müssen auch - und damit rezitiere ich einen weiteren Teil meines letzten Beitrages, den du auch zu deinem Vorteil in deiner Frage ausgeblendet hast -

Zitat:
die Maschine im Kopf rattern lassen und Bilder erzeugen


Wenn du versuchst, einzelne Aussagen von mir aus dem Zusammenhang zu reißen, dann ist das wirklich keine gute Grundlage für eine Diskussion und zusätzlich ein schlecht gewählter Stil. Das solltest du beim nächsten Mal besser machen.
 
Zitat:
„ Du versuchst, den mangelnden Inhalt durch das Einfügen einer ästhetischen Komponente - hochgestochene Bilder - zu kaschieren.“
 
KeTam hat Folgendes geschrieben:
-Sie hat nicht versucht, dem Text eine ästhetische Komponente zu verleihen, der Text hat eine solche Komponente.


Ein Text hat nicht einfach so eine ästhetische Komponente, diese wird ihm durch den Autoren verliehen.

Und nein - und das sage ich dir nun, weil ich befürchte, du würdest meine Aussage andernfalls wieder aus dem Zusammenhang reißen -, ich bin nicht gegen Ästhetik in einer Geschichte, sondern gegen Ästhetik in einer Geschichte, die einen mangelnden Inhalt kaschieren soll.

KeTam hat Folgendes geschrieben:
Und im Gegensatz zu dir, sehe ich da nichts Erzwungenes.


Dann will ich dir mal ein Beispiel geben:

Zitat:
Die Regentropfen fielen vom Nachthimmel als erbarmten sie sich Welt, meiner Welt voller Grauen, Qualen, Schmerz, landeten scheppernd auf der trostlosen, asphaltierten Straße. Krachend zuckten die Blitze, eine Sekunde grellstes Licht – Die nächste undurchdringliche Schwärze, während in der Ferne das Grollen des herannahenden Donners erscholl.


So schreibt und spricht kein Mensch, also ist es ein erzwungener Stil. Natürlich ist es beim Schreiben normal, dass man einen Stil benutzt, der sich fernab der alltäglichen Sprache befindet - die Dialoge ausgenommen, die sind vielen Fällen der alltäglichen Sprache angepasst -, aber die Kritik setzt auch nicht an diesem Punkt an - einen Stil zu erzwingen ist und bleibt normal -, sondern daran, einen Stil zu verwenden, der - und hier schließt sich erneut der Kreis - den Inhalt beziehungsweise die Fähigkeit, dem Leser die Informationen so zu präsentieren, dass er sie leicht aufnehmen kann und dennoch Bilder sieht, kaschieren soll. Das muss die Autorin auch noch überhaupt nicht können und das habe ich auch nicht gefordert. Es war als Hinweis auf die Richtung gedacht, in die sich die Autorin in Zukunft entwickeln sollte.

Zitat:
-Auch mangelt es nicht an Inhalt.


Ok.

Zitat:
-Warum sollte sie sich auch davon abbringen lassen?


Weil ein solcher Stil in der Regel in die Hose geht.

Zitat:
Dass noch gefeilt werden muss versteht sich von selbst.


Das steht nicht im Widerspruch zu meinen Aussagen.

Zitat:
-Sorry, aber da hast du mich ein bisschen zum Lachen gebracht! Wink ,denn soooo alt, bist du ja nun auch noch nicht…..


Korrekt - und dennoch ändert es nichts an der Richtigkeit meiner Aussage.

Zitat:
edit: Stell du doch auch mal einen Text in die Werkstatt, na?


Nein.
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Wolfsblume
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BeitragVerfasst am: 14.07.2012 15:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich gehe mal nicht auf das ein, was du grad geschrieben hast, Schneider, sondern sage einfach mal stur: Mir egal.
Deine gesamten Beiträge, fernab davon, ob sie zu meiner Geschichte sind oder der Anderer, lassen kaum einen positiven Aspekt an der jeweiligen Geschichte. Mir hat man in der Schule beigebracht, Kritik, ja, aber ein positiver Punkt und dann kann das Negative kommen. Nennt man dann Höflichkeit und Nettigkeit. wink
Oder wie würdest du es finden, wenn jemand unter deine nicht vorhandenen Werke "Scheiße." schreibt? Auch nicht so berauschend, oder? Erst besser machen und besser wissen, dann kannst du mir gerne sagen, dass mein Stil in die Hose geht.

Viele liebe Grüße
Wolfie


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Kätzchen
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BeitragVerfasst am: 18.07.2012 10:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Wolfi.

Mir ist da beim Lesen ein komischer Satz aufgefallen:

Zitat:
Insofern Frau Reineck nicht eh auf den reibungslosen Ablauf ihres Unterrichts erpicht gewesen wäre


Ich finde für deine übrige Wortwahl das "eh" zu umgangsprachlich, wo du alles andere so ausschweifst.
Insgesamt ist mir der gesamte Satz zu holprig. Es ist ein kurzer Satz ohne große Bedeutung, den muss man nicht erst aufbauschen, dann mit einem "eh" wieder runterdrosseln. Bin beim lesen einfach extrem stecken geblieben  Wink
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denLars
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BeitragVerfasst am: 18.07.2012 11:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Wolfsblume,

hier muss ich mal für MSchneider in die Bresche springen.
Du zeigst im Grunde super Ansätze - du verfügst über einen großen Wortschatz, du interessierst dich sehr für das Innenleben deiner Charaktere und du baust Atmosphäre auf. Jedoch überrumpelst du den Leser ein wenig mit dieser Sprache, wodurch er nicht so recht in der Story versinken kann. Man möchte als Leser in der Handlung versinken, man möchte sich mit der Figur identifizieren. Das sind zwei der Hauptziele, die ein Autor verfolgen sollte. Dein Prolog erfüllt das leider nicht, was ich dir mal ein wenig zeigen möchte:

Die Ich-Erzählerin ist sehr schemenhaft gehalten - im Grunde weiß der Leser trotz der Länge des Prologs kaum etwas über sie. Weder ihren Namen, noch ihr Alter, noch wo sie wohnt. Über den Ort erfahren wir nichts. Irgendein Haus in einer anscheinend recht gut betuchten Nachbarschaft (BMW des Nachbarn). Es könnte genauso gut in Italien, Frankreich, Deutschland, den USA oder sonstwo spielen. Wir wissen nur, dass sie vor irgendetwas Angst hat und diese Angst wird so ausgeweitet, dass sie alles andere dominiert. Hier würde ich einfach vorschlagen, dass du versuchst, konkreter zu werden.

Ansonsten ist der Prolog sehr handlungsarm. Insgesamt liest er sich eher wie ein Essay oder ein Tagebucheintrag. Du brauchst die Emotionen deiner Figur nicht durch Wortkaskaden und Reihungen in die Länge ziehen - der Leser kann viel einfacher mit ihr mitfühlen; durch Gesten; durch Reaktionen ihres Körpers; durch kurze Fetzen freier indirekter Rede. Spätestens hier empfehle ich dir einen Blick in
Ralphies Schreibwerkstatt , wo das alles nochmal viel genauer und besser beschrieben wird, als ich es jetzt hier könnte. Auch die DSFopedia kann ich dir nur wärmstens empfehlen.

Hier nochmal ein Beispiel:


Zitat:
Es war ein Fehler, nachzudenken, zu träumen, die Realität holte mich mit einem Faustschlag ein, riss mich zurück in die Gegenwart. Dann kamen die Tränen, stiegen in meine Augen, meine Sicht verschwamm, während die Bäche die Risse, Furchen, Schnitte in meinem Herzen füllten, für wenige Sekunden schlossen, bis das tödliche Salz zu brennen, die fast verheilten Wunden erneut aufzureißen begannen. Ich hätte aufhören sollen zu weinen, definitiv, aber Stärke war irgendwo auf dem Weg, meinem Weg, verschwunden.


Hier sind viele tolle Bilder drin! Allerdings treten sie so gehäuft, so schnell hintereinander und auch - ja - repetitiv auf, dass ihre Wirkung nicht richtig beim Leser ankommt. Weniger wäre hier mehr.


Dein erstes Kapitel zum Beispiel liest sich schon tausend Mal besser als der Prolog. Warum? Weil es hier konkreter wird; weil etwas geschieht. Hier wechselst du auch von der Ich-Perspektive zu einem allwissenden Erzähler. Ich würde es dir allerdings empfehlen (empfehlen, nicht befehlen!), aus Elainas Perspektive zu schreiben. So bist du näher an ihr dran und es ist einfacher.

Zum Beispiel könntest du dann diesen ganzen Absatz

Zitat:
Das Unwetter hatte sich über die Nacht gelegt, dicke Nebelbänke übernahmen den verlorenen Posten des vergangenen Herbststurmes, obgleich sie im Laufe des Tages vom strahlenden Sonnenschein vertrieben werden sollten. Der erste Frost war in das wie immer unvorbereitete Land eingefallen. Ein eindeutiges Zeichen des hereinbrechenden Winters, der schon längst auf leisen Sohlen durch Deutschland strich und die ersten Probleme verursachte. Polizei und Feuerwehr arbeiteten auf Hochtouren, die Krankenhäuser hatten Mühe und Not der Grippewelle stand zu halten. Nichts desto trotz war dies zu normal, zu bedeutungslos, um die Pfeiler des Alltags zum Einsturz zu bringen.
Alles ging seinem gewohnten Gang. Das Gedränge der Schüler und Arbeiter in der U-Bahn, die überfüllten Busse, deren Heizung durch die Körperwärme der Fahrgäste ersetzt wurde, die rasenden Autos auf der Autobahn, auf der in diesem Moment ein griesgrämiger Mercedes-Fahrer einen einfachen Mann nieder machte, obwohl der Unfall seiner Schuld unterlag. Ja, man konnte allerorts von einem recht durchschnittlichen 1. November im thüringischen Geras sprechen. Obgleich die eigene Hand vor Augen nur zu erahnen war, nahm auch der Schulalltag einer zehnten Klasse des Johannis-Gymnasiums seinen gewohnten Lauf.


eindampfen und direkt mit Elaina in der Schule beginnen. Lass sie doch einmal gelangweilt während des Unterrichts aus dem Fenster schauen und kurz an das Mistwetter und die Grippewelle denken. Da hat der LEser mehr von, als von diesem Absatz; ihn interessiert deine Elaina erst einmal mehr als das beschissene Wetter. Davon haben wir bei diesem Sommer sowieso mehr als genug von Sad .

Ansonsten gefällt mir sehr, wie du die Rolle der anscheinend alkoholabhängigen Mutter einbringst. Wenn das Ganze sich dahin entwickelt, wo ich es vermute, ist das ein höchst interessanter Aspekt. Du versuchst, deinem Charakter Tiefe zu verleihen, und das ist schon mal super. Ich glaube auch, dass sich hieraus durchaus eine spannende Geschichte entwickeln wird - nur wie gesagt: Versuche, etwas von all dem Ballast zu lösen. Deine Sprache ist eine Waffe (im positiven Sinne) und du musst lernen, sie etwas gezielter einzusetzen.
Wenn ich jeden Tag in der Woche Pizza Funghi und Erdbeer-Eisbecher in mich hineinstopfen würde (und glaub mir, das könnte ich), hätte ich irgendwann selbst von diesen meinen Leibspeisen zu viel. Wortakrobatik und Co. sollten eher der Zuckerguss sein (bzw. der langsam zerlaufende, etwas angebräunte Mozzarella) den du über dein Gericht gibst.

Vielleicht schaust du auch nochmal bei MSchneiders konstruktiven (!) Kommentar rein, sonst müsste ich mich hier nur wiederholen. Jeder, der deinen Text liest und dann auch noch so eine lange, ausführliche und konstruktive (!) Kritik schreibt, hat es verdient, dass man auf sie eingeht, sich dafür bedankt und sie nicht mit einem "Mir egal" abqualifiziert. Das ist mir etwas sauer aufgestoßen.

Nochmal konkret meine Verbesserungsvorschläge (zum Mitschreiben (ach nee, wir sind ja in einem Forum, steht ja dann schon alles geschrieben Laughing )): Den Prolog radikal eindampfen oder streichen, deiner Geschichte wird daran nicht viel verloren gehen. Sie wird sie verbessern. Dass merkwürdige Dinge in der Nacht geschehen, kannst du auch in die Handlung verbauen, ebenso wie Elainas Gefühlswelt (ich traue dir das zu!). // Sprache ein wenig zurückdrosseln //dich für eine Perspektive entscheiden, wobei ich dir zur 3. Person raten würde (hier auch nochmal unbedingt Murmels Perspektiv-Leitfaden in der DSFopedia zur Brust nehmen).

Hier sagt dir niemand, dass du mit dem Schreiben aufhören solltest oder Ähnliches - du hast schon jetzt eine tolle Schreibe. Es muss nur noch etwas an ihr gehobelt und gefeilt werden. Ich traue dir das zu!   Very Happy

Liebe Grüße und viel Glück (und Spaß) beim Überarbeiten und Weiterschreiben,

Lars


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