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Show oder Tell??

 
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KeTam
Geschlecht:weiblichUngeduld

Alter: 44
Beiträge: 6750

Das goldene Gleis Ei 1
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BeitragVerfasst am: 28.05.2012 20:44    Titel: Show oder Tell?? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Sind die Grenzen zwischen "Show" und "Tell" fliessend, oder kann man das immer genau abgrenzen.

Könnte mir das jemand anhand eines Beispiels erklären?

Ich bin da oft unsicher...nein, unsicher ist das falsche Wort: es macht mich grade wahnsinnig!!
 Mad

Lg,KeTam.
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Teutoni62
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 247
Wohnort: Cottbus


BeitragVerfasst am: 28.05.2012 20:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo KeTam,

gerne - nutze ich dazu ein Beispiel aus der DSFopedia. Es geht da zwar um Perspektiven, aber ich finde Du könntest damit etwas anfangen.

LG, Teutoni62

Beispiele
1. Es war Winter des Jahres 1853. Ein großer Mann verlässt das Haus. Es schneite.
2. Werner sah, wie es schneite. Er hasste kaltes Wetter.
3. Großer Gott, wie er den Winter hasste! Werner zog den Mantel enger zu und stapfte hinaus in das Weiß.
4. Schnee. Unter seinem Kragen, in seinen Schuhen gefror es und verstopfte seine elende Seele.

3. Dieses ist ein Beispiel eines Erzählers der internen dritten Person, der nicht berichtet, sondern erlebt. Es findet eine Wertung statt durch den Erzähler, der identisch mit der Figur, Werner, ist. Wir erkennen, dass es Werner kalt ist, weil der den Mantel zuzieht und wissen, dass es geschneit hat, weil er in das Weiße hinaustritt und dabei stapft, ganz im Sinne des Zeigens, nicht beschreiben. ("er sah" fällt weg!)


_________________
"Die Fantasie ist eine gewaltige Kraft. Manchmal hilft sie sogar zu überleben."

Henning Mankell
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Schreibmaschine
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 537



BeitragVerfasst am: 28.05.2012 20:56    Titel: Antworten mit Zitat

Es gibt Abstufungen. Aber grundsätzlich kann man es deutlich abgrenzen.
Show, don't tell ist zurecht eine Grundregel guten (und modernen) Schreibens.

Ein Beispiel:

"Er war wütend." Das ist Telling in Reinkultur. Smile

"Er starrte sie an. Seine Hände ballten sich zu Fäusten und sein Gesicht nahm eine unnatürlich rote Farbe an." Das ist Showing (wenn auch nicht gerade literarisch hochwertiges  Laughing ).

Der Unterschied ist einfach. Es gibt Worte die z.B. Emotionen benennen: Wut, Traurigkeit, Enttäuschung, Hoffnung, usw.
Diese sollten vermieden werden. Stattdessen sollte man sich Gedanken machen, wie man diese Emotionen beschreiben kann. Entweder aus Sicht des Charakters der diese emotionen empfindet, oder aus einem anderen POV heraus, der den anderen Charakter beobachtet/ sieht/ hört...
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derSibirier
Dichter und Denker


Beiträge: 1310



BeitragVerfasst am: 28.05.2012 21:11    Titel: Antworten mit Zitat

Der Schreiber, der schreiben kann, schreibt, was zu schreiben angebracht ist.
Ich verachte Schreibratgeber.

Sibirier
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KeTam
Geschlecht:weiblichUngeduld

Alter: 44
Beiträge: 6750

Das goldene Gleis Ei 1
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BeitragVerfasst am: 28.05.2012 21:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Dann betrifft das also nur die Gefühle der Protas.
Ansonsten muss ich ja auch Dinge Beschreiben. Hmm,..Okay, danke Euch!

Lg,KeTam.


@Sibirier: Tolles Statement!
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Teutoni62
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 247
Wohnort: Cottbus


BeitragVerfasst am: 28.05.2012 21:24    Titel: Antworten mit Zitat

Es geht weniger um die Gefühle des Protas, sondern eher darum das Dein Prota aktiv handelt bzw. aktiv reagiert und Du es nicht einfach mit Worten, z.B. er friert oder er stand frierend, behauptest. Lass ihn bibbern, lass ihn auf der Stelle trampeln - wenn ihm kalt ist.

LG, Teutoni62


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"Die Fantasie ist eine gewaltige Kraft. Manchmal hilft sie sogar zu überleben."

Henning Mankell
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Sabine A.
Hobbyautor


Beiträge: 398



BeitragVerfasst am: 28.05.2012 21:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo KeTam,

ich fand Sibiriers Statement gar nicht so schlecht,
denn ich unwissendes Wesen habe von "Show" und "Tell" noch nie etwas gehört - zumindest nicht, was das Schreiben betrifft...

Aber man lernt ja nie aus. Smile
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Merlinor
Geschlecht:männlichArt & Brain

Alter: 67
Beiträge: 7960
Wohnort: Bayern
DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 28.05.2012 21:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo KeTam

Die Frage ist meines Erachtens nach falsch gestellt.
Eine Sache zeigen ist natürlich etwas anderes, als von ihr erzählen.

"Sein Gesicht lief knallrot an, krachend schlug er mit der Faust auf den Tisch, dann sprang er auf." - Hier wird der Beginn eines Wutanfalls gezeigt.
"Er bekam einen mächtigen Wutanfall" - Hier wird von dem Wutanfall lediglich in distanzierten Worten erzählt.

In der Praxis trennt sich das aber nicht immer so klar.
Da mischt man dann beide Erzählformen auch einmal miteinander und das muss nicht schlecht sein.
"Show don't Tell" ist sicher eine brauchbare Regel, aber noch lange kein Gesetz.

Sein Gesicht lief knallrot an, krachend schlug er mit der Faust auf den Tisch, dann sprang er auf. Von dem darauffolgenden Wutanfall erzählt man sich noch heute in allen Dörfern jenseits des großen Grabens. - Schon habe ich die Erzählweisen munter gemischt ...

LG Merlinor


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„Ich bin fromm geworden, weil ich zu Ende gedacht habe und nicht mehr weiter denken konnte.
Als Physiker sage ich Ihnen nach meinen Erforschungen des Atoms:
Es gibt keine Materie an sich, Geist ist der Urgrund der Materie.“

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adelbo
Geschlecht:weiblichDichter und Denker


Beiträge: 1890
Wohnort: Im heiligen Hafen


BeitragVerfasst am: 28.05.2012 21:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo KeTam,

deine Frage finde ich gut. Ich verstehe auch, wie du dich im Moment fühlst.  Smile
Mir wird auch sehr oft gesagt, mehr "Show". Und oftmals ist es auch richtig, wenn ich den Leser bei der Stange halten will. Ich finde den Kommentar von Schreibmaschine zu deiner Frage am Besten.
Darin verdeutlicht sie was mit Show und Tell gemeint ist. Du bekommst bestimmt mit der Zeit ein Gefühl dafür.

LG
adelbo


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Bertrand Russell
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KeTam
Geschlecht:weiblichUngeduld

Alter: 44
Beiträge: 6750

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BeitragVerfasst am: 28.05.2012 21:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Teutoni, Hallo Schreibmaschine,

ich glaube, das mache ich schon weitgehend richtig, habe mal kurz ins Manu geschaut! Jetz weiss ich, wo ich überarbeiten muss!
Danke!

 Smile
Lg,KeTam.

@Sabine, freut mich für dich, dass du da ein Naturtalent bist!
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KeTam
Geschlecht:weiblichUngeduld

Alter: 44
Beiträge: 6750

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BeitragVerfasst am: 28.05.2012 21:51    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Merlinor,

darum gings mir eben auch: Wird/darf  das in der Praxis gemischt werden?
 
Danke!

@adelbo  Smile
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Schreibmaschine
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 537



BeitragVerfasst am: 28.05.2012 22:05    Titel: Antworten mit Zitat

KeTam hat Folgendes geschrieben:

darum gings mir eben auch: Wird/darf  das in der Praxis gemischt werden?


Es ist nicht immer 100% möglich bzw. sinnvoll, telling zu vermeiden. Das meinte ich mit "Abstufungen". Showing sollte bevorzugt werden, aber man sollte es auch nicht übers Knie brechen.
Merlinor hat es mit seinem Beispiel gut auf den Punkt gebracht, finde ich.
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Sabine A.
Hobbyautor


Beiträge: 398



BeitragVerfasst am: 28.05.2012 22:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo KeTam,

ich glaube, du hast etwas falsch verstanden. Ich halte mich nicht für ein Naturtalent, sondern habe lediglich von "Show" und "Tell" noch nie etwas gehört.
Aber ich sehe ein, dass ich meinen Senf über meine Unwissenheit nicht hätte abgeben müssen.
Ich fand nur den Satz
"Der Schreiber, der schreiben kann, schreibt, was zu schreiben angebracht ist."
wirklich nicht schlecht.
Ich für meine Person hätte ihn allerdings abändern müssen und dann wäre wohl so etwas wie
"Der Schreiber schreibt, was er zu schreiben angebracht hält."
daraus geworden.
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KeTam
Geschlecht:weiblichUngeduld

Alter: 44
Beiträge: 6750

Das goldene Gleis Ei 1
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BeitragVerfasst am: 29.05.2012 10:26    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Sabine,

entschuldigung, dein Posting kam ganz anders bei mir an!
Jetzt habe ichs kapiert.

Lg,KeTam.
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Hoody
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2603
Wohnort: Alpen


BeitragVerfasst am: 29.05.2012 10:39    Titel: Antworten mit Zitat

Also ich habe mir über die Jahre einige Gedanken gemacht und seit einigen Monaten schreibe ich meine Gedanken auch auf. Einige Menschen finden diese "Sammlung" nützlich, andere nicht.
Hier wäre der Beitrag: (Es ist nur meine Meinung und diese kleine Brücke mit Zeigen, nicht beschreiben und Zeigen, nicht behaupten ist für mich eine kleine Hilfe.)

Show, don't tell ! Ein sehr wichtiger Satz. Als ich diesen Satz zum ersten Mal hörte, konnte ich mir darunter nichts vorstellen. Was meint der Kritiker damit? Über die Jahre durfte ich dieses „Ding“ kennen lernen. Bevor ich jedoch das Geheimnis lüfte, möchte ich auf kritische Stimmen, die gegen diese Methode sprechen, eingehen. Viele von mir kritisierten Schreiber sind aufgebracht wenn ich ihnen Show dont tell vorschlage. Mittlerweile kann ich solche Leute in verschiedenen Kategorien stecken. Ich möchte euch nun solche Schubladen beschreib … ähm … zeigen.

Der Neuling auf der Insel (Schreib)lo/u/st
Der Schreiber betritt den Raum/das Forum, stellt eine Geschichte rein, mit der er vollkommen zufrieden ist. Sein Plot klingt nicht schlecht, die Charaktere besitzen Schwächen und Stärken, ebenso Ziele, doch etwas stört mich. Solche Sätze sind wie Wasabi im Kuchen:
Er war wütend.
Das Auto war schnell.
Seine Augen sind blau.
Er sah Jessica, ging über die Straße und brüllte […]
Sie hatte lange, blonde Haare und blaue, große Augen und ihre Lippen waren rot durch den Lippenstift.
Erst einmal natürlich die vielen Hilfsverben (war, hatte). Diese fallen unangenehm auf. Wütend, schnell, blau sind so nichts sagend. Wie schnell war das Auto? Wieso ist er wütend und woran erkennt man es? Was geht in seinem Inneren vor? Er sah Jessica, okay, ging über die Straße, okay und brüllte, nicht okay. Wenn jemand brüllt, dann ist was los. Hier wird es dann durch die wörtliche Rede gezeigt, also ist sein Innenleben nicht unbedingt wichtig, das Motiv erfahren wir durch den Dialog. Doch jemand, der brüllt, wird nicht über die Straßen gehen, sondern rennen. Also das Verb durch ein besseres Wort ersetzen. Wenn der Dialog nicht stattfinden würde, müsste man das Innenleben zeigen. Hier würde show dont tell viel Leben in den Text reinbringen. Mehr Schwung, mehr Farbe und mehr Abwechslung.
Ist der Neuling lernwillig, wird er die Vorschläge überdenken. Ansonsten verlassen solche Leute meistens schnell den Raum. Noch einmal zu „er sah“. Eigentlich ist es logisch, dass er sie sieht. Wir befinden uns im Kopf der Figur, sehen was er sieht. Jessica stand auf der anderen Straßenseite und rauchte eine Zigarette … So brechen wir das sah auf und sind im Kopf des Protagonisten.

Der Besserwisser³
Sie schreiben auch solche Sätze, benutzen diesen Stil andauernd und erlauben keine Abwechslung in ihrer Schreibsprache. Spricht man sie auf ihren Schreibstil an, versucht ein paar Verbesserungsvorschläge zu geben, kommen Antworten wie: „Show dont tell wird überbewertet.“ „Du verstehst meinen Text nicht.“ „So etwas ist nutzlos.“
Natürlich gibt es Stellen, an denen tell sich viel besser eignen kann. Nur show zu benutzen wäre anstrengend und oft auch etwas übertrieben. Doch auch hier ist der gezielte Einsatz wichtig. An spannenden, schnellen, dynamischen, beschreibenden, charakterisierenden Stellen ist show meistens der bessere Weg.

Die Regelbrecher
Es gibt immer ein paar Schreiber, die sich nicht an Regeln halten und schreiben, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Was ist der ersten Fassung nicht schlimm ist, aber wenn die Überarbeitung startet, sollte so etwas beseitigt werden. Meistens sind solche Texte mit Füllwörtern überladen – die in den meisten Fällen nutzlos sind. Solche Schreiber reagieren mit Verachtung und großer Respektlosigkeit auf Kritik. Auch wenn ihre Texte gut sind, aber aufgebläht wirken, an einigen Stellen lahm und blass, reagieren sie meistens ein wenig "beleidigt". Ich habe nichts gegen Regelbrecher. Aber manchmal geht es nicht ohne.

Doch was ist denn nun Show dont tell?
Wir wollen einen Text schreiben, der lebendig ist. Dynamisch. Bildreich. Aber doch nicht überladen und lesbar. Eine Herausforderung. Durch die fünf Sinne kann ein Text lebendiger werden, durch szenisches Schreiben. Handlungen/Beschreibung der Figur mit Aktionen/Handlung verbinden und natürlich Dialoge und Monologe.
Ich unterscheide zwischen:
Zeigen, nicht beschreiben & Zeigen, nicht behaupten.
Verwirrend? Vielleicht. Fangen wir mit zeigen, nicht beschreiben an. Beschreibungen sind oft eine heikle Sache. Entweder sie werden statisch und langweilig oder zehn Seiten lang, ohne Handlungsfortschritt. In der Realität kann der Blick auf die Natur natürlich ganz unterhaltsam sein, selbst wenn er mehrere Stunden dauert. Doch ein Leser kauft nicht ein Buch um etwas zu lesen was er auch im echten Leben haben könnte. Spannung, Abenteuer, Drama, Liebeskummer, Schmerz, Gefühlswelt möchte er sehen. Er möchte nicht zehn Seiten lang lesen, wie schön die Alpen sind, sondern erfahren, wieso Thomas auf dem Wanderweg liegt und sich nicht bewegt. Auch möchte sich der Leser nicht eine fünfseitige Charakterbeschreibung antun. Zurück zum Beschreiben. Beschreibungen sollten mit der Handlung und Aktionen verbunden werden! Tell Beschreibungen lassen keine Bilder im Kopf entstehen. Sie können im richtigen Moment Ruhe in den Text bringen, das Tempo abschwächen und notfalls auch Informationen übermitteln.
Unter Beschreibungen zählt Ortsbeschreibungen, Charaktere (nur oberflächlich/Aussehen), Handlungen und Aktionen. Man muss nicht immer show dont tell benutzen, um Beschreibungen bildhafter/lebendiger/ansehnlicher/whatever werden zu lassen. Fünf Sinne, Übertreibungen und Vergleiche können ähnliches bewirken. Auch andere Stilmittel sind nützlich. Es muss nicht immer show sein, aber es sollte sich lebendig und frisch lesen, abwechslungsreich und nicht trocken oder langweilig. Doch bevor sich die Beschreibung zu wirr liest und die Bilder zu abstrakt sind, sollte der Autor runterfahren. Ich bin kein Fanatiker des Shows – bitte beachte dies. Denn zu viel Show zerstört einen Text. (Musste ich schon öfter schmerzhaft erfahren)
Tell: Toms Zimmer war groß.
Übertreibung: In Toms Zimmer konnten fünf Elefanten stehen.
Aufzählung: Das Fahrrad, die zwei Bücherregale, selbst das Trampolin konnten Toms Eltern in seinem Zimmer verstauen.
(Show)Vergleich: Wenn Tom in seinem Bett lag, das weitläufige Zimmer betrachtete, fühlte er sich wie in einer Empfangshalle. – Tom lag in seinem Bett, betrachtete das Zimmer und …
Unterschiedliche Methoden: Der Wind blähte die Vorhänge der Fenster auf, trug die Herbstblätter in das Zimmer, die den Raum ausfüllten. Tom sprang lachend durch sein Reich. Er schwamm wie Dagobert Duck durch das Herbstschwimmbad.
Show: Tom schlüpfte aus seinen Tennisschuhen. Sprang zum Besen, der an der Wand lehnte und im Tanztausch vergaß er die restliche Welt. Zehn weitere Gedankenpaare konnten den Walzer nur halb so gut wie er. (Wenn man es nicht so offensichtlich mag)
Show: Die Sonne schien durch das Fenster und erhellte Toms Zimmer, das /eher/ (von der Größe) einem Klassenzimmer ähnelte. (Geht schöner, aber ein Bild wurde gezeichnet.)
Einige Beispiele lesen sich wirr, erzeugen verrückte Bilder und sind nicht unbedingt passend. Kommt auf die Geschichte, den Schreibstil und natürlich auch auf das Genre an. Doch es liest sich um Längen besser als: Toms Zimmer war groß. Denn was versteht der Autor unter groß? Wir können auch im Kopf des Protagonisten schlüpfen, um das Zimmer zu beschreiben, wie vorher mit der Straße.
Wir haben unsere Beschreibungen mit Handlung, Aktionen und den Charakter verbunden. Bei Landschaftsbeschreibungen benutze ich gerne Show mit Aktionen. Wenn mein Protagonist andere Figuren kennen lernt, benutze ich auch Aktionen. Sie könnte sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht streichen, die Nase verziehen, an ihrem Piercing rumspielen. Statt: Sie hatte eine Piercing, sie hatte blondes Haar. Hand aufs Herz. Was liest sich besser? Sie strich sie eine blonde Strähne aus dem Gesicht oder Sie hatte blondes Haar? Erstere ist doch ein viel schöneres und direkteres Bild. Auch kann es charakterisierend wirken. Vielleicht ist diese Strähne besonders zäh und fällt ihr dauernd ins Gesicht und sie streicht diese schon aus Gewohnheit weg? Wenn sich der Charakter „selber“ beschreibt, dann bitte nicht solche Sätze wie: Er hatte blonde Haare. Er sah in den Spiegel. Denkst du denn dauernd von dir: Jaja, ich habe strohblondes Haar, blaue Augen und Lippen wie Burgerbrötchen?
Stilmittel wie Vergleiche, Metaphern oder Aufzählungen benutze ich, wenn ich ihren Einsatz „passend“ finde. Wie spürt man so etwas? Wann benutzt man solch Hilfswerkzeug? Dafür muss man den Blick bekommen. Ist je nach Text unterschiedlich.
Du weißt nun einiges mehr über Beschreibungen. Show dont tell – Zeigen, nicht beschreiben. Nun kommt Zeigen, nicht behaupten.

Tom war mutig. <- Behauptung
Tom sprang vor den LKW und zog das Kind weg. <- Zeigt seinen Mut.
Tom war wütend <- Behauptung
Seine Ohren brannten (wie Feuer), im Bauch brodelte die nackte Wut […]
Ich weiß, eigentlich ist Behauptung und Beschreibung gleich. Aber so merke ich es mir. Durch Behauptungen zeigen wir nicht, was der Charakter ist oder was er fühlt. Wenn wir es stattdessen zeigen, sind wir viel näher am Protagonist dran, erleben seine Gefühlslage intensiver mit, somit eine stärkere Verbindung zum Protagonist.

Ich hoffe, ich konnte es verständlich erklären und meine eigenen Gedanken, die ich mir über die Jahre gemacht habe, mit einbringen. Im Endeffekt ist eine gesunde Mischung der beste Weg.


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Ich bin wie eine Runde Tetris. Nichts will passen.

"Ein schlechter Schriftsteller wird manchmal ein guter Kritiker, genauso wie man aus einem schlechten Wein einen guten Essig machen kann."
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pna
Geschlecht:männlichGrauzonenjunkie

Alter: 54
Beiträge: 1587
Wohnort: Wien & La Habana


Paterson
BeitragVerfasst am: 29.05.2012 11:09    Titel: Antworten mit Zitat

Show & Tell sind vollkommen gleichberechtigt und dort, wo man gute Literatur findet, findet man die beiden Methoden auch immer in Balance. Und mehr ist es auch nicht: show & tell sind zwei Erzählmethoden, die zur richtigen Zeit angebracht, ein Buch bereichern können.

1) Nähe: Show ist angebracht, wenn man sehr nahe an der Figur dran ist und in der Figurzeit minutiös berichten muss. Es ist wie in einem Zug zu sitzen, der langsam über eine Brücke fährt, damit sich die Fahrgäste ein detailliertes Bild von der grandiosen Landschaft machen können. Show eignet sich vor allem dann, wenn es nötig ist, genau hinzusehen. das ist szenisch und nicht statisch. 600 Seiten genau hinsehen steigert nicht die Leselust sondern kalten Frust.

2) Distanz: Mit Tell geht man auf Distanz zu der Figur, manchmal auch zur Handlung, um schneller voran zu kommen. Ich meine, dass es eine Möglichkeit ist, die Handlung zu beschleunigen, in dem man vom Show zum Tell wechselt.  

Dem Tell die Vorherrschaft zu geben, war nicht nur, aber auch eine Bemühung, einen alten literarischen Kanon aufzubrechen, der durch Gustave Flaubert mitbegründet wurde.

Die Generalisierung dieser Bemühungen zeitigte fatal üble Romane und Stangenthriller, die an atemloser Bedeutungslosigkeit kaum zu überbieten sind.
Tell selbst ist nicht schlecht, was den meisten Autoren fehlt, ist die Fähigkeit, Tell a) richtig einzusetzen und b) Tell mit großen und guten Metaphern einzusetzen.

Man kann sagen, dass man Tell verlässt, sobald man zu werten beginnt, aber das stimmt nicht in jedem Fall. Das Werten kann durchaus noch Tell sein, wenn man berücksichtigt, wem das wertende Wort gehört.

lg/Peter
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KeTam
Geschlecht:weiblichUngeduld

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BeitragVerfasst am: 29.05.2012 11:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Hoody,

danke für deine anschaulichen Beispiele!
Ich denke, bei mir ist das Problem, dass ich beim Schreiben oft viel zu sehr von mir selbst ausgehe.
Ich beschreibe (also Tell) eine Szene, die Bilder, Sinneseindrücke sind ja vor dem Schreiben in MIR.
Ich "fühle" diese Beschreibung und gehe dann unkritisch davon aus, dass meine Leser sie auch "fühlen".
Ich stecke, v.a. zur Zeit, so tief im Plot, dass mir der Abstand fehlt.
(Daraus resultieren dann auch zeitweilige Schreibblockaden, weil es mir oft einfach zu nahe geht, was meine Protas so durchmachen müssen.
Ich fühle es mit.)

Dass du sagst, man darf es mit dem Show auch nicht übertreiben, ist eine echte Hilfe für mich.

Hallo pna,

Absolut gleichberechtigt! Uff.
Das hat mir die ganze Zeit Kopfschmerzen bereitet, immer zu denken:
Du MUSST das zeigen, nicht erzählen.
Und manchmal, kann ich es eben nicht zeigen..


Ich würde demnächst gerne einen kleinen Auszug aus meinem Manu in die
Werkstatt stellen, nur um ein Feedback bezüglich "Show" oder "Tell" zu bekommen. Mehr nicht. Würde mich freuen, wenn ihr mal reinschaut!

Danke,lgKeTam.
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Fjodor
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1441



BeitragVerfasst am: 29.05.2012 11:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo KeTam und Sabine,

auch ich habe von "Show, don't tell" erst gehört, nachdem ich zwei Romane draußen hatte Smile

Das Schreibgefühl kommt ja glücklicherweise daher, dass man unbewußt oder bewußt übernimmt, was man an den Büchern, die man mag, gut findet -- daher kann man sich auch ohne Schreibratgeber über Wasser halten. Umgekehrt: aus der Aneignung abstrakter Regeln erwächst kein guter Stil.

Die Frage hier zu stellen ist hilfreich, denn die Regel zu kennen ist absolut kein Fehler, aber sie sollte einen nicht in den Wahnsinn treiben. Wenn ein Roman ein einzige "Schau"-Laufen wird, kann das auch Brechreiz verursachen - umgekehrt gibts nicht von ungefähr den Begriff "Erzählkunst".  Wink

(hab zum Versand meines posts lange gebraucht: hoody und pna haben inzwischen eigentlich alles gesagt)  Embarassed

LG, F.
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KeTam
Geschlecht:weiblichUngeduld

Alter: 44
Beiträge: 6750

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BeitragVerfasst am: 29.05.2012 11:43    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Fjodor,

trotzdem Danke! Smile

Lg,KeTam.
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Maestro
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 63
Beiträge: 399



BeitragVerfasst am: 29.05.2012 12:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo miteinander,

Einen großen Teil meiner Texte habe ich geschrieben, bevor ich dieses Forum gefunden habe.
Nachdem ich einiges hier gepostet habe, bekam ich immer wieder dasselbe zu hören: Show don´t tell! Ohne Ausnahme.
Ich habe eben einen Fehler gemacht, der vielen Anfängern passiert. Drauf losgeschrieben ohne jedweden Plan, da ich ja alles im Kopf hatte, und möglichst schnell vorwärts kommen wollte.
Jetzt habe ich mich mal mit dem "Show" befasst. Ist alles ganz einleuchtend, und liest sich auch spannender. Aaaber, aus einer ursprünglich sieben Seiten langen Szene sind jetzt dreizehn!! Seiten geworden. Und nun heißt es: Zu langatmig!? Folge: Schwerste Krise

Gibt es eine "Erweiterung" zu euren kurzen Beispielen?
Wenn ich jetzt die Antwort bekomme: Mangelndes Sprachgefühl, dann



Kann mich jemand retten?

LG Maestro


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Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell
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Heerwisch
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 32
Beiträge: 49
Wohnort: Nürnberg


BeitragVerfasst am: 29.05.2012 12:50    Titel: Antworten mit Zitat

derSibirier hat Folgendes geschrieben:
Der Schreiber, der schreiben kann, schreibt, was zu schreiben angebracht ist.
Ich verachte Schreibratgeber.

Sibirier


Was gibt es hierzu noch hinzuzufügen?
Sehe ich genau so!
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KeTam
Geschlecht:weiblichUngeduld

Alter: 44
Beiträge: 6750

Das goldene Gleis Ei 1
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BeitragVerfasst am: 29.05.2012 12:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

vielleicht gibt es in der Prosa einen Text, bei dem die Mischung perfekt ist?
Als Anschauungsmaterial.
Hat jemand einen Vorschlag?

Lg,KeTam.
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