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ferluipear
Schreiberassi

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Wohnort: Hamburg und die Welt


BeitragVerfasst am: 01.05.2012 13:17    Titel: Lebend nach Berlin eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

The King - Berlin war gestern.
Oder Lebend nach Berlin

Bob schaute vom Tisch aus der Kellnerin hinterher. „Heißes Gestell.“ Sein Gegenüber lächelte. „Bisschen jung oder?“ „Für Dich oder für mich?“ Sein gegenüber lächelte. „Für wie alt schätzt Du sie denn?“ Jetzt lächelte der jüngere. „So alt wie Du.“ Bob stand auf. „Warte kurz.“ Er ging in Richtung Toilette. Sein Blick glitt am Tresen vorbei, den er passierte. Die Kellnerin lächelte ihn abwesend an. Bob verschwand aufs Klo. Er war etwa 70 Jahre alt. Als er wieder kam, blieb er am Tresen stehen. „Darf ich Sie bitten, noch einmal zu uns zu kommen?“ Er sprach französisch mit dem in Montreal verbreiteten Akzent. Die Frau nickte. Bob ging zu seinem Platz zurück uns setzte sich. Er blickte seinen Gegenüber an. „Trinken wir noch ein Glas Wein?“ Der gefragte nickte, „Welchen Wein empfehlen Sie uns?“ Er schaute sie fragend an, aber auf eine Weise, die sie unsicher machte. Fast hätte sie sich hilfesuchend umgeblickt. Bob merkte es. Er hatte genau dieses erwartet. Die Kellnerin stotterte etwas vor sich hin. „Wie bitte?“ Jetzt wiederholte sie es deutlicher, jedoch war ihr auch jetzt noch deutlich die Unsicherheit anzumerken. Bob lächelte. „Trinken Sie ein Glas mit uns?“ Die Frau lächelte. Wie oft bekam sie dieses Angebot? „Tut mir leid, aber ich trinke nicht im Dienst.“ Das Lächeln ließ die Knie der Frau für einige Zentimeter nachgeben. Ihre Hände zitterten. Sie entwich auf einen Stuhl. Der Typ gegenüber lächelte ebenfalls. Er war jünger. Deutlich jünger. „Was empfehlen Sie nun?“ Die Frau sprang auf, strich sich das Haar. „Ich, ich… weiß nicht.“ Sie rannte hinter die Theke und dann in die Küche. „Nun Lui, interessiert?“ Bob lächelte ihn an. „Könntest Du aufhören, mich mit Frauen verkuppeln zu wollen? Ich bin sowieso nicht der Typ für mehr als eine Nacht.“ Bob lächelte. „Nun, vielleicht wird es das ja?“ Lui blickte ihn an. „Sie passt nicht zu mir.“ Er war im Alter der Kellnerin. Um die 30. Aber er schien mit dem Alten auf Augenhöhe zu stehen. Bob lächelte scharmant. „Gut, die Container gehen nächste Woche. Wenn Du wieder etwas für mich hast, sag Bescheid.“ Lui nickte. Er blickte sich nach der Kellnerin um. „Ich bin gleich wieder da.“ Er stand auf und ging ebenfalls auf die Toilette. Auf dem Rückweg blieb er an der Theke stehen. „Jessica. Bring uns bitte eine Flasche kalifornischen Zinfandel und drei Gläser.“ Den Namen hatte er zuvor an ihrem Schild gelesen. Jessica nickte. Der Typ machte ihr Angst. Noch mehr als Bob. Jessica griff in die Barvitrine hinter sich. Sie holte eine Flasche heraus. Wann hatte sie zum letzten Mal Wein ausgeschenkt? Überhaupt schon einmal? Sie wusste es nicht. In Kanada wurde wenig Wein getrunken. Sie brachte die Flasche an den Tisch. Luis Blicke brachten sie dazu, sich hinzusetzen. Bob schenke erst das Glas von ihr, dann das von Lui und dann das von sich ein. Dann reichte er Jessica das Glas. Diese nahm es in die Hand. Sie dachte nicht über die Konsequenzen nach. Eigentlich wusste sie, was es bedeutete. Wenn sie es nach dem Dienst mit dem Kunden trieben, sah ihr Arbeitgeber darüber hinweg. Wenn sich aber jemand im Dienst zu offen zeigte, war er seinen Job los. So war es einigen vor ihr ergangen, die sie hier erlebt hatte. Ihr Arbeitgeber war inoffiziell auch für das nach dem Dienst verschrien. Darum kamen die Leute teilweise her. Aber solange der Betrieb lief, hatte alles seine Ordnung zu haben. Auch wegen der Behörden. „Bitte probieren Sie, ob Ihnen dieser mundet.“, sagte Bob. Jessica nippte an dem Wein. Wie gesagt, Wein wurde selten bestellt. Auch Jessica trank eigentlich fast nie Wein. Sie nickte Bob zu. Dieser lächelte. Ließ er sie wirklich ihren eigenen Wein probieren? Für Bob schien es diesen Widerspruch nicht zu geben. Sie nippte an dem Wein. Er hatte eine besondere Note, wie er Zinfandel eigen ist. Ein besonderer Wein. Sie nickte Bob zu und dieser lächelte. Lui verhielt sich passiv. Bob füllte die Gläser gänzlich, wobei er einen schmalen Rand ließ. Dann hob er das Glas. Lui tat es ihm nach und nötigte Jessica, es ebenfalls zu tun. Sie stießen an. Jessica führte das Glas an den Mund und nippte daran. In diesem Moment zog der Vorhang zurück und sie sah ihren Chef an der Theke stehen. Sein Blick glitt auf Jessica, nachdem sie den Raum nach anderen Gästen abgesucht hatte. Diese hätte fast vor Schreck den Rotwein fallen lassen. Aber zum Glück gelang nichts auf Bobs Anzug neben sich. Jessica guckte ihm ängstlich in die Augen. Doch in Bobs war nichts zu sehen. „Lass mich bitte durch Mädchen. Aber ganz langsam.“, fügte er hinzu, denn Jessica wollte schon aufspringen.

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ferluipear
Schreiberassi

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BeitragVerfasst am: 01.05.2012 14:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Sie gehorchte und erhob sich langsam. Bob trat an ihr vorbei und schlenderte auf die Theke zu. Seine Ausstrahlung ließ den Wirt zusammenzucken. Doch er folgte der Geste Bobs Kopf und schlich ihm zum Vorraum hinterher. Dieser wurde halb von der Tür verdeckt. Jessica sah Geldscheine den Besitzer wechseln. Was passierte dort? Was war das für ein Geschäft? Ihr fröstelte. Sie sah, wie ihr Chef nickte. Was geschah dort? Sie blickte Lui an. Dieser strahlte nur eines aus. Ruhe. Er war die Ruhe in Person. „Weißt Du, was die da machen?“, fragte sie nervös. Lui lächelte, bevor er antwortete: „Sie verhandeln einen Preis, für den es keinen Preis gibt. Aber das weiß Dein Chef nicht.“ „Und Du?“, fragte Jessica nach einigen Sekunden Pause. „Weißt Du ihn?“ Lui lächelte. Doch er antwortete nicht. Er schaute Jessica in die Augen. Sie hatte das Gefühl, als würde er ganz tief in sie hineinsehen. Es brannte in ihr. Sie wandte sich ab. „Ihn zu nennen, wäre eine Sünde.“ Lui sprach die Worte schnell aus. Der Zauber war verflogen.
Bob trat an den Tisch zurück. Jessica rutschte durch. Er setzte sich. „Wir schlafen hier. Ich habe keine Lust, heute noch woanders hin zu fahren. Lui nickte. Jessica begann sich fehl am Platz zu fühlen. Bob schien nicht besser als alle anderen auch. Sie blickte stumm vor sich hin. Lui warf ihr ab und an einen Blick zu. Doch auch er sprach nicht. Das Gespräch zwischen den dreien war vorbei. „Wir müssen an Michael Hutchensen ran. Ich brauche die Maschinen.“ Lui nickte. Er nahm sein Glas in die Hand und einen kleinen Schluck. „Hutch hat zur Zeit einen Überhang an Maschinen. Er hat sich verspekuliert.“ Bob nickte: „Es ist doch immer wieder nett, mit Dir Geschäfte zu machen.“ Lui lächelte. „Ich brauch Dein ‚Geld nicht.“ Bob lächelte: „Ich weiß.“
Sie tranken recht stumm die Flasche aus. Auch Jessica trank das Glas, dass man ihr einschenkte. Ihren Sinnen entging, worüber sich Lui und Bob unterhielten. Termingeschäfte. Kaufe jetzt eine Ware bezahle in 3 Monaten den Preis, oder umgekehrt. Dabei konnte man eine Menge Geld verdienen, aber auch ebenso gut verlieren. Bon hatte dieses Geschäft reich gemacht. Auch Lui hatte einiges Geld verdient, auch wenn er nie selbst handelte. Er verdiente sein Geld mit Tipps. Tipps, die Millionen einbringen konnten und Firmen in den Ruin treiben konnten. Sowohl den, über den der Tipp gegeben wurde, als auch den, der den Tipp bekam. Lui kannte Gott und die Welt und Gott und die Welt kannte Lui. Das war sein Problem, oder das, was er als Problem empfand. Aber auch dafür gab es eine Lösung.
Jessica stand von der Bank auf und trat in Richtung Tresen. Ihr Chef reichte ihr einen Rucksack mit ihren Sachen und 20 Kanadische Dollar. Wortlos nahm sie es entgegen. Dann trat sie in Richtung Ausgangstür. Sie drehte sich noch einmal um, bevor sie die Tür erreichte. Ihr Blick wanderte zu den beiden. Dann schaute sie zur Tür und öffnete sie. Wortlos ging sie nach draußen. Wie lange war sie hier gewesen? Sechs Monate? Länger als viele andere. Trotzdem hatte sie gerne hier gearbeitet. Irgendwie. Ihr Blick glitt die Straße entlang. Die Umrisse einiger Häuser waren zu erkennen. Sonst war es recht dunkel. Jessica entfuhr ein Seufzer. Sie zog den Riemen ihres Rucksackes fest und schritt davon. Es war 1 Uhr. Wo sie in dieser Nacht schlafen sollte, war ihr noch nicht klar.
Lui blickte Bob an. Sie brauchten einander nichts zu sagen. Bob schaute daraufhin den Wirt an. Dieser wich ein Stück zurück. Lui stand auf. Er griff in seine Brusttasche und zog einen Schein heraus. Diesen legte er auf den Tisch, griff seine Jacke und ging nach draußen. Jessica hatte nicht vor dem Essen passiert, was jedoch üblich war. Vor der Tür blickte er in verschiedene Richtungen, konnte die Frau jedoch nicht entdecken. Er drehte sich um und ging in die Kneipe zurück.
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ferluipear
Schreiberassi

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BeitragVerfasst am: 02.05.2012 20:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Jessica verbrachte den Rest der Nacht unter einem Baum etwa einen Kilometer entfernt. Die Nacht war lau, und sie sie fror etwas. Zum Glück war Sommer. Montreal lag etwa 10 Meilen östlich und sie wandte sich gegen 4 Uhr, nach etwa 2 ½ Stunden Schlaf in Richtung Westen. Sie ging langsam eine Landstraße entlang. Wo sollte sie jetzt hin? Ihre Gedanken kreisten um den Abend gestern. Der Alte hatte sie beeindruckt. Der Alte hatte was. Sie versuchte ihre Gedanken auf den Alten zu konzentrieren. Doch es gelang ihr kaum, nur an ihn zu denken. Hatte der jüngere nicht gesagt, er hieße Lui? Was hatte er noch gesagt? Irgendwas von Maschinen, die verkauft werden sollten. Wie alt war er? 29, 30 oder älter? Oder etwa jünger? Viel jünger? Nein, dann hätten sie sich nicht über, was war es noch, unterhalten. Er musste älter sein. Aber was machte er mit diesem Typen? Mit 28? Musste er dazu nicht noch etwas zu jung sein. Gut, es gab Unternehmen, die von 30 jährigen geführt wurden. Aber das waren doch Überflieger. Überflieger wie…, sie biss sich auf die Zunge.
Neben ihr hielt ein Auto. Das Fenster wurde herunter gekurbelt. „Kann ich Sie mitnehmen?“ Jessica schaute in den Wagen und zuckte zusammen. War es eine Sinnestäuschung? Der Wagen setzte sich wieder in Bewegung. Jessica blickte ihm hinterher. Es war ein blauer Ford Mustang. Sie rieb sich mit der Hand über die Augen. Der Wagen blieb blau, und er verschwand in der Ferne. Jessicas Hände wanderten erneut zu ihren Augen. Sie rieb mit den Zeigefingerrücken über ihre Lider. Der Wagen blieb blau. War es Lui gewesen, der da in dem Auto saß? Oder war es ihrer Phantasie geschuldet. Lui würde gewiss friedlich schlafen. Das musste er einfach. Alles andere ergab keinen Sinn. Er hatte getrunken, er musste schlafen. Ihre Schritte führten sie die Straße weiter. Mehr automatisch schritt sie heran. Es vergingen zwei Stunden. Jessica war versucht umzudrehen und zurück zu gehen. Sie hatte die Hoffnung, Lui hätte etwas bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber für sie hinterlassen. Nein, das würde er nicht tun. Warum sollte er auch? Wahrscheinlich hatte er sie bereits vergessen, wenn er aufwachte. Jessica spürte ein Hungergefühl in sich aufsteigen. Doch sie zwang sich weiter zu laufen. Sie versuchte, nicht daran zu denken. Doch dann dachte sie an Lui. An ihn wollte sie nicht denken. Also versuchte sie, doch an ihren Hunger zu denken und Lui zu verdrängen. Doch das gelang ihr nicht. Sie dachte an den Alten. Sie dachte an Bob. War das alles überhaupt möglich? Sie musste sich das alles nur eingebildet haben. Träumte sie? Sicher würde sie aufwachen und weiterhin an ihrem Arbeitsplatz ihrer Tätigkeit nachgehen. Konnte das alles ein Traum sein? Nein, dazu tanten ihr die Muskeln zu weh. Aber was sollte es sonst sein? Hatte sie wirklich Lui gesehen? Einbildung! Nichts als Einbildung! Das konnte gar nicht sein.
Die Sonne schritt über den Osten hinaus. Nein, es war noch viel zu früh. Lui musste noch friedlich schlafen. Außerdem. Er würde sich sicher nicht für sie interessieren. Wie hatte er gesagt, Bob solle aufhören ihn verkuppeln zu wollen. Das war doch eindeutig. Jessica bemühte sich, sich auf ihre schmerzhaften Knochen zu konzentrieren. Doch es gelang ihr nicht. Sie drehte sich um. Von hinten kam langsam ein Auto. Sie schaute ihm entgegen. Wieder dachte sie, ihre Einbildung hätte ihr einen Streich gespielt. Sie ließ den Daumen sinken. Lui, sollte er es gewesen sein, fuhr vorbei. Bei gleichbleibender Geschwindigkeit verschwand er am Horizont. Ein Auto von GM.
Jessica glitt auf die Knie herunter. „Ich bin verrückt.“  Sie verharrte in dieser Position für einige Sekunden. „Nein, das konnte nicht sein. Es konnte nicht Lui sein. Ich seh Gespenster“, sagte Jessica leise zu sich selbst. Sie stand mit Hilfe ihrer Hände wieder auf und schaute die Straße in beide Richtungen entlang. Die Gegend war etwas hügelig. Im Osten unter der Sonne waren die letzten Reste Montreals zu erkennen. Im Westen war keine Stadt, sondern nur Natur zu entdecken. Jessica konzentrierte ihren Blick auf die Weite im Westen. „Go west.“, hallte ihr im Ohr. Ein Lied, dass in Europa zu Beginn der 90iger Jahre populär war und den russischen Präsidenten Michael Gorbatschow meinte. Auch wenn sie nicht wirklich wusste, wohin sie gehen sollte, entschloss sie sich, diesem Rat zu folgen.
Nach etwa einer Stunde Weg führte die Straße an einem schmalen Bach entlang, der im Schatten einiger Bäume lag. Der Morgen war noch recht kühl. Trotzdem ließ Jessica ihre Jeans von den Hüften gleiten und zog ihre Jacke und ihren Pullover aus. Dann watete sie in den Bach herein. Das Wasser war ziemlich kalt. Die Tiefe überraschte sie. Der Bach war fast einen Meter tief. Sie ging an Land und zog ihre Unterwäsche aus. Dann tauchte sie vollens in das kühle Nass ein. Sie schwamm einige ganz kurze Züge und ging dann wieder ans Ufer. Dort trocknete sie sich mit ihrem Unterhemd ab und band dieses an einen Stock. Nachdem sie sich wieder angezogen hatte, warf sie sich den Rucksack über den Rücken, und legte die Mitte des Stockes über ihre Schulter. Oben baumelte ihr Unterhemd. Sie kehrte auf die Straße zurück und setzte ihren Weg fort.
Wieder vernahm sie Motorengeräusche. „Ein Verkehr hier.“ Auch dieser Wagen hielt neben ihr. Das Fahrerfenster fuhr herunter. Jessica blickte in das Fenster. Sie erstarrte, denn ihre Augen sagten ihr, dass dies schon wieder Lui sei. Sein Haar war wild auf seinem Kopf. Seine Augen hatten sich zu Schlitzen verengt. Die Augenränder waren dunkel. Die unteren Augenlider waren eine Mischung aus rot und schwarz. Jessica erschauderte. Sie sah, wie sich ein Messer mit einer ca 15 cm langen silbernen Klinge nach oben von unten gegen seine Zunge schob. Aus dem Wageninneren erklang eine Stimme, auch wenn der Typ seine Lippen nicht bewegte. „No Mercy for Latency“ Jessica entglitt der Stock, an dem das Hemd hing. Sie starrte in das Gesicht. Das Gesicht wandelte sich in das einer Frau. In das Gesicht einer Frau, die sie wie nichts auf der Welt gefürchtet hatte. Ihr entwich ein Schrei. Sie taumelte rückwärts und fiel hin. Das Wesen in dem Auto zog den Kopf zurück, um die Tür zu öffnen. Jessica hörte etwas klirren. Metall auf Metall. Die Tür sprang auf. Sie zuckte, als sie die Stiefel sah. Luis Stiefel. Tatsächlich, der Typ, der aus dem Auto stieg, sah aus wie Lui. Er kam langsam auf sie zu. „Jessica? Ist alles ok mit Dir?“ Als sie seine Stimme hörte sonderte ihre Blase ein paar Tropfen Urin ab, das in ihre Unterhose lief. Es war Lui. Ohne Zweifel. „Nein.“, sagte sie und wich zurück. Seine Schritte wurden langsamer, waren jedoch ohne zu zögern gleichmäßig. Er ergriff ihre Hand. Sie war weich und angenehm. Trotzdem hatte sie Angst vor ihm. Sein Lächeln konnte sie nicht deuten. Ihr schwebte das Bild von vorhin vor den Augen, als sie das Messer gesehen hatte, oder sich eingebildet hatte, es zu sehen. Sie verlor das Bewusstsein.
Als Jessica erwachte, hielt sie zunächst ihre Augen geschlossen. Sie fühlte in ihren Körper hinein. Auf ihrem Körper lag eine weiche Decke. War sie darunter nackt? Wo waren ihre Hände? Über ihrem Kopf? Warum das? Sie hatte das Bild mit dem Messer vor Augen. Sie versuchte zu erfühlen, ob ein Druck um ihre Handgelenke vorhanden war. War sie gefesselt? Sie war sich nicht sicher. Sie schlug die Augen auf. Im selben Moment entfuhr ihr ein gewaltiger Angstschrei. Sie blickte in das Gesicht eines riesigen Falken, der die Schwingen ausgebreitet im Sturzflug war.

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ferluipear
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BeitragVerfasst am: 04.05.2012 20:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ihr entglitt ein Angstschrei.  Sie riss ihre Knie hoch und beugte ihren Kopf schützend unter den Arm. Dass es sich um ein ausgestopftes Exemplar handelte, erkannte sich im ersten Moment natürlich nicht. Hinten im Raum, es musste ein Raum sein, bewegte sich etwas. Etwas erhob sich leise. Jessica riss ihre Hände herunter. Nicht gebunden. Ihre Knie hatte sie ja bereits angewinkelt. Sie stieß sich zurück. Sie wurde von nichts gehalten. „Alles ok?“, fragte die Gestalt auf Englisch. Zumindest hielt Jessica es dafür. Sie gab ein Geräusch von sich, was nicht eindeutig zu erkennen war. Der Typ stand auf und ging – zum Lichtschalter. Als er ihn betätigt hatte, benötigten Jessicas Augen einige Sekunden. Sie starrte ihn an, wie er in Boxershorts und T-Shirt vor ihr stand. Seine Hände hingen seitlich schlaff herab. Auf seinem Gesicht war ein Lächeln zu erkennen. Aber was es ausmachte, vermochte Jessica nicht zu sagen. Noch immer flößte er ihr Angst ein. „Wohin hast Du mich gebracht?“, fragte sie vorsichtig auf Englisch. „Ins Bett.“ Jessica verdrehte die Augen. Sie hatte inzwischen registriert, dass sie bekleidet war. „Das sehe ich!“ Lui grinste: „Was fragst Du dann?“ Jessica schob die Hände in die Hüfte und starrte ihn an. „Idiot.“, schoss es ihr durch den Kopf. Doch sie sprach es nicht aus. Lui verfolgte ihren Blick auf sich einige Sekunden. Dann hob er die Hände und drehte sich langsam im Kreis um die eigene Achse. „Gefällt es Dir, wie Gott mich schuf?“ Als er sie wieder anschaute zierte sein Gesicht ein breites Grinsen. Dieses Mal sprach Jessica aus, was sie eben nur gedacht hatte. „Idiot.“ Lui zog eine Flunsch. Er wandte sich ab und ging zur Couch zurück, auf der er geschlafen hatte. Dort setzte er sich hin. Sein Blick war leer. Jessica konnte noch immer nichts darin erkennen. „Wer bist Du?“, fragte Jessica. „Ich treffe Dich, ich verliere meinen Job, laufe davon, Du folgst mir. Als ich aufwache liege ich halb nackt im Bett Lui?“ Sein Blick wurde noch durchdringender. „Ich bin der Geist, der stets verneint. Und das mit Recht. Denn alles was entsteht, ist wert dass es zugrunde geht. Drum besser wärs, wenn nichts entstünde. So ist denn alles was wir Sünde, Tod, Zerstörung nennen, mein eigentliches Element.“ Jessica starrte ihn mit offenen Mund an. Diese Worte hatte er auf Deutsch zitiert. Lui ließ seinen Blick auf ihr liegen. Einige Sekunden ließ er sie zappeln. „Du hast im Schlaf auf Deutsch gesprochen.“, fügte er wieder auf Englisch hinzu. „“Ich bin der Geist der stets verneint. Den Rest habe ich gegooglet.“ Jessica schloss den Mund, starrte ihn jedoch weiter an. Wie lange hatte sie nichts mehr auf Deutsch gehört. „Was was soll das?“ Lui lächelte. „Der Teufel in Goethes Faust.“ Jessica schüttelte verständnislos den Kopf. Das war ihr alles so fern. Sie drehte sich wortlos zur Seite und legte ihren Kopf auf das Kissen. Sie schloss die Augen. „Woher kannst Du so gut Deutsch?“ Es waren einige Minuten vergangen und sie sprach wieder Englisch. „Ich war ein halbes Jahr in Hamburg.“ „Ich komme aus Berlin.“, fügte sie hinzu. Dann schwiegen beide und Jessica döste ein. Lui hatte sich angezogen und stand am Bett Jessicas, die friedlich schlief.  Sie hatte ihre linke Wange auf das Kissen gelegt. Er schaute sie eine Weile an. Ihre Haare, die wild und noch nicht für den heutigen Tag geformt waren,  beeindruckten ihn in seiner Schwärze. Er berührte ihre Wange beinah, entschloss sich dann jedoch ihre Schulter zu fassen. Er übte sanften Druck darauf aus.
Jessica schlug die Augen auf. Sie blickte in sein Gesicht, und ein Lächeln huschte über ihres. „Nanu, Du siehst ja doch nicht aus wie Jack Nicholson in Steven Kings „Shining“ Lui lächelte: „Ich sollte Dich übers Knie legen.“ Jessica legte den Kopf schief, klinmperte mit den Wimpern. „Bitte nicht. Ich bin ganz lieb.“ „Wers glaubt.“ Beide kicherten. Er erhob sich. „Mach Dich fertig! Ich mach Frühstück. Ham and Eggs?“ Jessica nickte. Lui drehte sich um und verließ den Raum. Jessica ging ins Bad.
Lui füllte ihr die Eier auf den Teller. Dann füllte er sich selbst auf. Er hatte Butter und Konfitüre auf den Tisch gestellt. Außerdem etwas Käse. Das Weizentoastbrot stand ungetoastet in einer Plastikfolie auf dem Tisch. Lui stellte die Pfanne auf den Herd und setzte sich Jessica gegenüber. „Bon Appetit.“ Er griff nach der Tüte mit dem Toast, blickte auf als er merkte, dass Jessica zögerte, und hielt ihr die Tüte hin. „Langsam nahm sich Jessica eine Scheibe. Auch Lui angelte sich eine heraus. Er bestrich sie mit Butter und biss hinein. Dann nahm er seine Gabel und widmete sich seinem Ei. Jessica beobachtete, was er tat, und tat es ihm gleich, wenn auch mit einer majestätischen Langsamkeit. Lui schwieg. Er blickte jedoch des öfteren auf, und lächelte sie an. Wie sich ihr Unterkiefer hob und senkte. Wie sie das Toast in ihrer linken Hand hielt, es jedoch mit der rechten bestrichen hatte. Sie aß Käse, keine Marmelade. Diese hatte sie keines Blickes gewürdigt. Luis Blick begegnete dem Blick Jessicas, die ihre Lider niederschlug. Lui traf eine Entscheidung.

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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3824

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 04.05.2012 21:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ferluipear,

Ich habe versucht, den ersten Teil Deines Textes zu lesen. Leider machst Du es dem Leser allein durch die (nicht vorhandene) Formatierung sehr schwer.

Anstatt immer mehr Text hinterher zu schieben, solltest Du den ersten Teil strukturieren, um ihn lesbarer zu machen. Das heißt zuerst einmal, Absätze einfügen: im Dialog (und Dein Text besteht ja zum Großteil aus Dialog) immer dann, wenn der Sprecher wechselt. Was mir sonst aufgefallen ist, bevor ich es dann aufgegeben habe: eine Menge Wiederholungen (sein Gegenüber lächelte ihn an... sein Gegenüber lächelte ihn an... jetzt lächelte der andere...) und eingeschobene Informationen , deren Zusammenhang sich mir nicht erschließt (er geht auf die Toilette. Er ist 70 Jahre alt.). Auch dadurch wird der Lesefluss unterbrochen.

Mit ein wenig Struktur würde Dein Text hier sicherlich auch Stilkritik und inhaltliche Kommentare bekommen. (Gerne dann auch von mir, und vielleicht auch von ein wenig erfahreneren Forumsmitgliedern.)

Viel Erfolg und viele Grüße
Jenni
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Nicki
Geschlecht:weiblichBestseller-Autor

Alter: 63
Beiträge: 4738
Wohnort: Mönchengladbach
Ei 10


BeitragVerfasst am: 04.05.2012 22:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
ich muss mich meiner Vorposterin Jenni anschließen. Ich habe den ersten Teil gelesen und die anderern drei überflogen.
Mehrere Dinge sind mir aufgefallen.
Zunächst die Perspektive. Aus welcher Sicht willst du schreiben? Wenn du aus der Perspektive eines Protagonisten schreibst, solltest du bei seiner Sicht bis zum nächsten Szenenwechsel bleiben. Person A kann nicht wissen was Person B denkt und fühlt. Das passiert bei dir durch alle vier Texte.
Bitte mach Absätze. Immer wenn die Person wechselt, die handelt oder spricht. Das erleichtert das Lesen und führt nicht zu Verwechslungen.
Auch einige Eigentümlichkeiten deiner Sprache sind mir aufgefallen. Ich nenne mal einige Beispiele:
Zitat:
Ihr entglitt ein Angstschrei.

Zitat:
Sie stieß sich zurück. Sie wurde von nichts gehalten.
Wovon stieß sie sich dann zurück?
Zitat:
Ihre Haare, die wild und noch nicht für den heutigen Tag geformt waren, beeindruckten ihn in seiner Schwärze.
komische Beschreibung für eine zerzauste Frisur
Zitat:
Montreal lag etwa 10 Meilen östlich und sie wandte sich gegen 4 Uhr, nach etwa 2 ½ Stunden Schlaf in Richtung Westen.
Das klingt wie aus einem Reiseführer. Zahlen schreibt man aus.

Zitat:
Sie tranken recht stumm die Flasche aus. Auch Jessica trank das Glas, dass man ihr einschenkte.

wenn man trinkt, kann man sowieso nicht sprechen. Und ein Glas kann man nicht trinken.

Zitat:
Sie entwich auf einen Stuhl.

wie man auf einen Stuhl entweichen will, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Ich habe jetzt nur einzelne Beispiele herausgepickt. Im Grunde genommen könnte man jeden dritten Satz markieren. Bei vielen habe ich das Gefühl, du willst ihnen etwas Besonderes mitgeben, ihn ganz besonders schön gestalten. Doch dadurch wirkt es unnatürlich und gestelzt. Wenn ich jetzt nur auf das Thema eingehen würde, finde ich: da kann man was draus machen. Aber an deinem Schreibstil musste du noch feilen, oder besser raspeln.


_________________
MfG
Nicki

"Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist." Henry Ford
"Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt." A.Einstein


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*Trommelfeuer* November 2017 Eisermann Verlag
*Silvesterliebe* 30. November 2018 Eisermann Verlag

*Heiße Milch mit Honig* Work in Progress
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ferluipear
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BeitragVerfasst am: 04.05.2012 22:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Jenny und Nicki,
danke für die Anregungen.
ferlui
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ferluipear
Schreiberassi

Alter: 40
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BeitragVerfasst am: 04.05.2012 23:26    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Im übrigen stimmt das nicht:
"wenn man trinkt, kann man sowieso nicht sprechen. Und ein Glas kann man nicht trinken."

Beispiel:
Bei angeregter Diskussion wurden ein paar Flaschen Bier getrunken.
Dieses bezieht sich auf einen Zeitraum, nicht auf einen Zeitpunkt.

Wenn sie alle drei Wein trinken und Jessi ein Glas Wein mittrinkt, muss dann betont werden, dass es Wein ist, der gute alte Zinfandel, oder das sie ein Gläschen mittrinkt. Meine Betonung lag auf der Menge, nicht auf dem, was sie trinkt. Denn darum fliegt sie raus. Weil sie mitgetrunken hat, nicht weil es Wein ist. Es wäre egal gewesen ob es ein Glas war oder zehn. Wäre es Apfelsaft gewesen, hätte ich diesen erwähnt und nicht die Menge hervorgehoben.

An den Zahlen werde ich arbeiten.
Und auch an der Formatierung. Es ist natürlich ein Unterschied, ob man das hier am PC oder nachher als Buch liest.

gruss ferlui
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ferluipear
Schreiberassi

Alter: 40
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BeitragVerfasst am: 05.05.2012 00:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

wo ich über das ständige Lächeln nachdenke. Es gibt von Bud Spencer und Giuliano Gemma eine Film. Auch die Engel essen Bohnen.

Darin heißt es:
"Euer Boss ist ja so gut gelaunt."
"Im Gegenteil, die Laune ist miese."
"Und warum lacht er dann?"
"Ne Gesichtslähmung. Ihm hat mal jemand ins Knie geschossen."

an anderer Stelle:
"Wo habt Ihr denn den Lächler hingebaut."

Mit anderen Worten. Ich wollte mich bemühen, "sagte" zu vermeiden. Aber wenn man sagte durch lächelte ersetzt, wird es nicht besser.
Dieser Text ist jedoch 2 Jahre alt. Ich arbeite dann.
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3824

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 05.05.2012 09:37    Titel: Antworten mit Zitat

Da hast Du Recht. Am besten ist es, den Dialog in die Handlung einzubauen. An einigen Stellen machst Du das ja auch sehr gut, z.B.

Zitat:
Bob schaute vom Tisch aus der Kellnerin hinterher. „Heißes Gestell.“

Zitat:
Auf dem Rückweg blieb er an der Theke stehen. „Jessica. Bring uns bitte eine Flasche kalifornischen Zinfandel und drei Gläser.“

Zitat:
Bob stand auf. „Warte kurz.“ Er ging in Richtung Toilette.


Es kann ja auch schon mal jemand lächeln - sonst wäre die Welt ja auch gar zu traurig. wink Die Kunst ist eben, dass nicht jeder Deiner Charaktere eine Gesichtslähmung haben sollte...
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ferluipear
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BeitragVerfasst am: 05.05.2012 13:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Als Jessica satt war, legte sie das Besteck auf den Teller. Lui war schon lange fertig. Er schaute auf Jessicas Finger. Die Fingernägel waren ziemlich lang. Jessica hatte sie lackiert. Vorhin waren sie noch nicht rot gewesen, und vorgestern auch nicht. Ihr Haar hatte sie hoch gesteckt. Um den Hals trug sie ein Lederband, an dem der Kopf eines kleinen Männchen befestigt war. Der Rest verschwand unter ihrer Kleidung am Brustansatz. Sie hatte es auch am Tag zuvor getragen. Ob am ersten Tag ebenfalls wusste er nicht. Sein Blick glitt wieder auf ihre Hände und folgten diesen zu ihrem Gesicht. „Ich bin auf dem Weg nach Nordwest. Wohin ich wirklich will, weiß ich noch nicht. Ich habe kein Geld, ich kann Dir nicht garantieren, dass Du nachts ein Dach über dem Kopf hast. Wenn Du Abenteuer suchst, komm mit mir.“
Jessica starrte ihn an. War das der Lui, der vor 2 Tagen mit Bob am Tisch gesessen und mit ihm über Millionen von Dollar gesprochen hatte? Über andere Firmen, denen viel Geld fehlen würde, und dieses in sechs Monaten? Dieser Bengel hatte sich angehört, als hätte er Geld. Und was war nun?
Lui schaute ihr in die Augen. Einen Blick, den Jessica auch heute noch nicht deuten konnte. Seine Haare waren braun, fast schwarz. Sein Bart war drei Tage alt. Würde er auf ihrer Haut kratzen? Nein, daran wollte sie gar nicht denken. Noch nicht, oder? Nein, sie würde ihn zappeln lassen. Er würde sie nicht berühren dürfen. Aber dafür musste sie ihm folgen. Falls nötig bis ans Ende der Welt. Er hatte Faust zitiert. Auch sie dachte an Faust. Auch sie hatte Mephistos Stimme im Ohr. „Er soll mir zappeln starren kleben. Und die Frucht soll vor gierigen Lippen schweben. Er wird Erquickung sich umsonst erflehen.“ Würde sie das durchhalten? Sie wunderte sich. Wie geschrieben, sie hatte Faust vor vielen Jahren gelesen. In einer anderen Zeit und in einer anderen Welt. Wie kam es, dass sie sich ausgerechnet jetzt daran erinnerte. War Lui wirklich der Geist des Widerspruchs. Würde sie diesen Geist zähmen können? Wäre er dann noch der Geist, den sie jetzt sah? Jener Shining-Geist? Jener Falke?
Ihr Oberkörper erhob sich. Ihre Lippen waren zum Kuss bereit. Doch dieser Idiot blieb einfach sitzen. Er schmunzelte. Frustriert über seine Reaktion, aber gleichfalls fasziniert von ihm, stand sie auf. Auch Lui erhob sich. Er nahm die Teller und trug sie in die Küche. Dort ließ er Wasser ins Waschbecken einlaufen und wusch das Geschirr ab. Jessica schaute ihm von der Tür aus zu, ohne dass dass sie sich bewegte. Lui schien sie nicht zu beachten.
Er drehte sich erst in ihre Richtung, als das Wasser bereits aus dem Waschbecken ablief. Er kam auf sie zu. Jessica sah ihren Vorsatz mit dem Zappeln dahinschwinden. Sein Blick in ihre Augen ließ ihre Knie weich werden. Doch Lui griff nicht wie erhofft nach ihrem Rock, sondern nach dem Handtuch neben ihr. Wollte er nicht? Verstand er nicht? Er trocknete das Geschirr ab und stellte es in den Schrank zurück.
Jessica trat hinter ihn. Ihre Hose streifte die seine. Er drehte sich um. Sein Blick hatte eine Traurigkeit in sich. Er sagte nichts. Er drehte sich nur zu ihr um und schaute Jessica in die Augen. Für Jessica war es wie ein Schlag ins Gesicht. Eine innere Stimme sagte ihr, sie würde alles verlieren, falls sie jetzt ihren Gefühlen nachgab. Ihre linke Hand hob sich zwischen sie zu seiner Wange und strich mit dem Handrücken darüber. „Ich schulde Dir noch eine Antwort.“ Ihre Hand verließ sein Gesicht. „Ich möchte mit Dir kommen.“ Sie zog langsam ihre Hand zurück. Dann drehte sie sich um und verließ die Küche.

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ferluipear
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BeitragVerfasst am: 05.05.2012 16:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Jessica verließ das Haus als erstes. Sie steuerte auf das Auto zu, mit dem Lui sie hergebracht hatte. Das Auto war verschlossen. Daher stellte sie ihren Rucksack gegen das Vorderrad. Lui kam aus dem Haus und sah zu Jessica. Sie blickte ihn erwartungsvoll an. Warum zögerte er? Worauf wartete er? Lui schüttelte leicht den Kopf. „Was meinst Du?“ „Wir fahren nicht mit dem Auto. Das war nur geliehen.“ Jessica schluckte. Dann fing sie an zu lachen. „Der war gut.“, doch Lui lachte nicht. Sein Gesicht blieb ernst. Jessicas Lächeln erlosch. „Du, du meinst das erst, was Du gestern gesagt hast?“
Lui zog den Segelsack höher, den er auf dem Rücken trug. Dann wandte er sich ab und ging in Richtung Hoftor. „Dreh Dich um!“, flüsterte Jessica in Gedanken zu ihm. Doch Lui hörte nicht. „Dreh Dich um.“ Doch er tat nicht, was sie dachte. „Dreh Dich um Du Arsch!“  Keine Reaktion. Frustriert schulterte sie den Rucksack und verließ ebenfalls den Hof. Als sie die Straße erreicht hatte, blickte sie Lui hinterher. Sie sah, dass das Haus sehr einsam stand. Lui war schon etwa fünfzig Meter voraus. Alternativlos lief sie ihm hinterher. Der Abstand zwischen ihnen verringerte sich nicht. Nein, das würde er tun müssen. Auch sie hatte Stolz. Aber sie würde sich von ihm nicht abschütteln lassen. Niemals.
Die Stecke führte durch freies Gelände. Lui legte ein schnelles Tempo an den Tag. Jessica hätte rennen müssen, um ihn einholen zu können. Sie erkannte, dass sie dieses Rennen nicht gewinnen konnte. Auch ihr Stolz meldete sich. Es war schon schlimm genug, dass sie einem Typen hinterherlief, aber rennen würde sie mit Sicherheit nicht. Sie schwor es sich. Nein, sie würde wegen ihm nicht schneller laufen. Aber umdrehen? Niemals!
Sie folgte ihm bereits fünf Minuten. Er hatte sich nicht nach ihr umgesehen. Wusste sie, dass sie ihm folgte, oder war es ihm egal? Jessicas Blick heftete sich auf seinen Rücken. Sie wartete darauf, dass er sich umdrehte. Was würde sie tun, wenn er es tat? Wenn er inkonsequent würde. Das Bild von ihm würde zerbrechen. Lui würde sich nicht umdrehen. Auch wenn sie es sich wünschte, wäre er dann noch interessant für sie? Jessicas eindeutige Antwort: „Nein. Uninteressant. Charakterschwach. Bedeutungslos. Jemand, der nicht wusste, was er will. Aber wäre er das wirklich? Uninteressant. Ihre Füße sagten etwas anderes. Aber Lui tat ihr nicht den gefallen. Der Typ wandte sich nicht um. Warum nicht verdammt.
Jessica hielt das Tempo nicht. Sie merkte, dass sie so nicht mehr lange mithalten konnte. Auch wenn sie sich eigentlich dagegen sträubte, wurde sie langsamer. Und sie sah, dass sich der Abstand verdoppelte. Er würde ihr davonlaufen. Als Jessica dieses bemerkte, versuchte sie noch einmal schneller zu gehen. Doch nach etwa einem Kilometer musste sie erkennen, dass der Abstand sich nur unwesentlich verändert hatte. Würde sie ihn einholen? Taten ihm die Muskeln nicht genauso weh wie ihr? Warum drehte sich der Kerl nicht um. Wie spät war es? Jessica hatte keine Uhr und keinen Kompass. Wie weit war sie mittlerweile gelaufen? Sie drehte sich um. Das Haus war schon lange am Horizont verschwunden. Bei einem Blick zurück vermochte sie es nicht mehr zu erkennen. Was tat sie hier eigentlich? Der Typ interessierte sich doch gar nicht für sie. Sonst würde er sich doch wenigstens mal umdrehen.
Jessica blieb stehen. Ihr rollte eine Träne über die Wange. „Lui, ich kann nicht mehr. Bitte bleib stehen.“ Aber er hörte nicht auf sie. Warum nicht verdammt? Jessica konnte nicht mehr, sie schleppte sich trotzdem voran. Der Abstand vergrößerte sich auf zweihundert Meter. Und doch schien auch Lui langsamer zu werden. Oder irrte sie sich. Er hatte sich noch immer nicht umgedreht. Jessica bemerkte, dass die Sonne bereits auf dem Weg von Süden nach Westen war. Zumindest hatte sie ihren Höchststand bereits überschritten. „Lui, dreh Dich um.“ Ihre Stimme klang flehend. Doch er schien nicht an sie zu denken. Am Straßenrand war ein großer Stein. Sie schleppte sich dort hin und ließ sich darauf fallen. Eine Träne lief über ihr Gesicht. Nein, sie würde nicht mehr weiterlaufen können. Sie sah den Abstand auf dreihundert Meter, auf vierhundert Meter anwachsen. Eine Träne lief über ihr Gesicht. „Lui. Bitte Bitte.“ Ihre Stimme war ein einziges Flehen. Sie schleppte sich 50 Meter weiter. Dort verharrte sie mit wackligen Knien. Ihr Blick folgte Lui.
Von hinten näherte sich ein Auto. Sie hob den Daumen und blickte zurück. „Bitte, ich kann nicht mehr.“ Es war ein Typ in dem Auto. Doch der Typ fuhr vorbei. Jessica sandte ihm Flüche hinterher. Doch was musste sie sehen? Der Typ hielt bei Lui. Jessica sah, wie dieser einstieg. Verdammt. Jessica begannen aus beiden Augen Tränen zu laufen. „Bitte nicht.“ Sie blieb entsetzt stehen.
Jessicas Schultern fielen zusammen. Sie hätte sich am liebsten auf der Stelle in den Erdboden versenkt. Unangespitzt direkt ins Erdreich. Warum lief sie diesem Typen hinterher? Ihre Knie gaben nach. Sie landete direkt auf dem Asphalt. Über ihr Gesicht strömten die Tränen. Sie hatte keine Kraft, die Hände vor das Gesicht zu halten. Eine viertel Meile von ihr entfernt blieb das Auto stehen. Die Warnblinker gingen an. Jessica starrte zum Wagen. War sie gemeint? Das Auto entfernte sich nicht weiter, oder war es nur ein Wunschtraum? Sie sprang auf. Tatsächlich. Es stand. Dass ihre Knie anfingen zu bluten, war ihr nicht bewusst. Sie rannte, als ginge es um ihr Leben.
Völlig außer Atem erreichte sie den Wagen, der etwas hundert Meter rückwärts ihr entgegen gefahren war. Sie blickte in das Fahrerfenster. Ein blonder, junger, kurzhaariger Mann blickte sie an. Dann warf er Lui einen Blick zu. Die beiden wechselten ein paar Worte in einer Sprache, die Jessica nicht verstand. „Steig ein!“ Es war eher ein Befehl als eine Bitte in französischen Worten. Jessica gehorchte. Sie stieg hinter Lui ein. Wieder wechselten die beiden ein paar Worte in dieser seltsamen Sprache. Jessica starrte Lui an, dann den Typen und dann wieder Lui. Der Typ sah nach vorne. Er schob einen Gang ein. Das Auto setzte sich wieder in Bewegung. Lui schaute zu ihr zurück. Ihr Blick war voller Fragen. „Jimi fragt mich, von wem Du das Männchen an Deinem Hals hast.“ Es war eine Mitteilung, keine Frage. Jessica lief ein Schauer über den Rücken. „Ich habe ihm gesagt, dass Du es ehrlich erworben hast.“ Jessica griff sich an den Hals. Das Männchen. Ein Geschenk einer kanadischen Indianerin vor vielen Jahren, als sie das erste Mal in Kanada war. Dieses Männchen verband ihr altes mit dem neuen Leben.  Sie bildete sich ein, dass dieses Männchen erst ihr neues Leben ermöglich hatte, Wunder bewirkte. Ohne dieses Männchen wäre sie sicher schon tot.
Lui hatte ebenfalls französisch gesprochen. Dieses hatte er nicht mehr getan, seit sie die Kneipe verlassen hatten. Warum? Es gab nur einen Grund. Der Typ verstand Französisch, auch wenn er sich dieses nicht anmerken ließ. Ob er auch Englisch verstand? Wahrscheinlich nicht. Aber sie konnte sich nicht sicher sein. An seiner Reaktion war nicht zu erkennen, ob er sie verstand, wenn sie französisch sprach. Warum sollte er zu erkennen geben, ob er sie verstand, wenn sie Englisch sprachen. Bisher hatte sie ja nur diesen kurzen Befehl von ihm verstanden, als er sie aufforderte einzusteigen.
„Es wurde mir geschenkt.“, sagte Jessica nach einer Weile. Sie dachte zurück an das Männchen. Der Typ sagte etwas zu Lui. Dieser schwieg. Jessicas Hände verkrampften wie ihr ganzer Körper. „Ich habe Angst.“, gestand sie sich mehr selbst als Lui und, wie hieß er, Jimi. Dieser nahm eine Hand vom Lenkrad und griff nach einer Thermusflasche, die er ihr nach hinten reichte. „Trink das, es wird Dir gut tun.“ Jessica griff mit zitternden Händen nach der Flasche. Sie öffnete sie. Aus dem Hals drang ein seltsamer Duft nach unbekannten Kräutern. Der Duft allein berauschte sie. Sie setzte die Flasche an den Mund. Ein paar Tropfen überquerten ihre Lippen. Sie waren warm. Sie spürte das Männchen auf ihrer Brust. Bildete sie sich das alles bloß ein? Sie setzte die Flasche ab. Ihr war nicht mehr kalt. Was war das für ein Zeug? „Trink ruhig.“, sagte Lui. Als Jessica nicht reagierte, nahm er ihr die Flasche aus der Hand und nahm selbst einen Schluck. Dann reichte er sie weiter an Jimi, der es ihm gleichtat. Danach gelangte die Flasche wieder in ihre Hände.
Auch sie nahm jetzt einen Schluck. Kräuter? Honig? Sie wusste nicht, was sie da trank. Die flüssigkeit legte sich um ihre Speiseröhre. Ein wunderschönes Gefühl bereitete sich in ihrem Körper aus. Sie setzte die Flasche ab. Eine Weile hielt sie sie stumm in der Hand. Dann schloss sie den Deckel und reichte Jimi die Flasche zurück. „Danke.“ Jimis Antwort war ein freundliches Lächeln. Er schob die Flasche wieder dorthin, wo er sie zuvor genommen hatte. Sie schwiegen etwa eine Minute. Dann schaute sie Lui an, der sich noch immer zu ihr umgedreht hatte. „Ich hätte nicht gedacht, dass Du mir so weit folgst.“ „Den Teufel halte, wer ihn hält.“ Lui hatte Französisch gesprochen. Sie hatte auf Deutsch geantwortet. Er grinste. „Er wird ihn nicht zum zweiten Male fangen.“, fügte Jessica hinzu.
Jimi schaute die beiden an. „Sie meint, ich wäre der Teufel.“, übersetzte Lui. Dieses Mal nicht in die Sprache, die sie zuvor gesprochen hatten, sondern ins Französische. „Womit sie recht haben mag.“, antwortete Jimi ebenfalls in Französisch. Lui hatte sich sogleich wieder zu Jessica getreten. Ihre Augen trafen sich. „Abenteuer Lui.“, flüsterte sie. Sie legte ihren Kopf an das Fenster und schloss die Augen.

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BeitragVerfasst am: 06.05.2012 13:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Etwas kitzelte sie hinter ihrem Ohr. Es war ein Lufthauch. „Wach auf Jessica. Du bist im Paradies.“ Er flüsterte Englisch. Sie öffnete die Augen und schaute ihn ungläubig an. „Im Paradies?“ Sie hörte Jimis Stimme: „In Paradis. Meine Reise ist hier ganz in der Nähe zu ende. Den Rest des Weges müsst Ihr selbst zurücklegen. Lui deutete auf die Straße. Jessica folgte seinem Blick. Sie erblickte das Ortschild, auf dem tatsächlich Paradis stand. Paradis ist eine Stadt auf halbem Weg von Montreal zum südlichen Ende der Hudson Bay. Über ihr Gesicht huschte ein Lächeln. „Ich glaub das gerade nicht.“ „Glaub an den Teufel, er bringt Dich ins Paradies. So, raus mit Euch!“ Jimi hatte gesprochen. Die drei stiegen aus. Jimi gab den beiden Luis Segelsack, ihre Tasche und ihre Jacken. Dann schüttelte er erst Jessica, dann Lui die Hand. „Lebt wohl.“ Zu Jessica sagte er: „Sorge mir um den Teufel.“ Dann stieg er ein, fuhr ein Stück ins Dorf, wendete dort und fuhr davon. Jessica schaute ihm verwirrt hinterher. Dann schaute sie Lui an. „Wo sind wir?“ „Im Paradies.“
Jessica verdrehte die Augen. Schon wieder. Was hatte er das letzte Mal auf diese Frage geantwortet? Im Bett. Das sagte ihr jetzt genauso viel. „Lui, Du bist verrückt.“ Er grinste: „Danke, das weiß ich.“ Er machte einen Knicks vor ihr. Sie pruste aufgrund dieser Geste. „Ich glaube, wir werden das mal in aller Ruhe üben müssen.“ Lui schüttelte wie ein kleiner Junge den Kopf. „Nein, niemals.“ Ihre linke Hand schlug nach ihm. Zumindest deutete sie dieses an. Lui wich dem Schlag aus, so dass Jessica einen weiteren Schlag ausführte. Wieder wich er aus. Er wich von ihr zurück, und sie folgte ihm. „Du wirst mich nicht zum zweiten Male fangen.“ Er hatte dieses Faustzitat ins Englische übernommen, aber das änderte natürlich wenig an der Symbolik.
Sie gingen in die Stadt hinein. Auf dem Weg ins Stadtzentrum blickte sich Lui auffallend oft um. „Was hast Du Lui?“ Er schmunzelte: „Hier gibt’s Schlangen.“ Welch eine Metapher. Jessica antwortete mit einem Lächeln. „Ich habe Appetit auf einen Apfel.“ Lui schien zu überlegen. „Warte hier und tue nichts Überraschendes.“ Jessica nickte.
Obwohl er noch soeben neben ihm gegangen war, war er plötzlich verschwunden. Jessica war verwundert. Was war das für ein Kerl. Was hatte sie nur geritten, sich auf dieses Abenteuer einzulassen? Sie ging in Richtung Stadtmitte, auch wenn Lui gesagt hätte, sie solle warten. Was sollte sie schon unüberlegtes tun? Es war gegen 11 Uhr Mittags. Trotzdem sah die Stadt wie ausgestorben aus. Der Wind wehte durch die leeren Straßen. Es wirkte fast unheimlich. Aber in der Stadt regte sich nichts. Scheinbar nichts.
„Wo steckt der?“, dachte Jessica und drehte ihren Kopf ein Stück zurück. Sie hörte etwas. Als sie den Blick wieder nach vorne richtete, stieß sie einen Laut der Überraschung aus. Vor ihr standen etwa ein Dutzend Jugendliche in Kriegsbemalung der nahe beheimateten Ureinwohner. „Wo ist das Greenhorn?“, fragte der Anführer der Gruppe die anderen in englischer Sprache. Er hatte eine jugendliche Stimme. „Kinder“, schloss es ihr durch den Kopf. „Nur Kinder.“ Auch wenn sie absolut furchteinflößend aussahen.
„Ich bin unbewaffnet.“, sagte Jessica. Sie stotterte. Wo war Lui, wenn man ihn mal brauchte. „Ist egal, wir nehmen sie Squaw. Der Typ hat eh die Flucht ergriffen.“ Jessica war wie gelähmt. Über ihr war Lärm zu hören. Auch die Jungindianer stoben auseinander. Dem Anführer riss es die Beine weg. Er fiel lang hin. Den Bruchteil einer Sekunde später baumelte er an einem Fuß kopfüber an einem Seil. Sein Kopf hing auf Augenhöhe Jessicas. Beide, Jessica und der Gehängte stießen einen Schrei aus. Im nächsten Augenblick stand Lui neben ihr. „Alles klar Mylady?“ Jessica starrte ihn an. Sie brachte kein Wort heraus. Der gehängte stieß ein Kriegsgeschrei aus. Seine Bande lachte, was ihn noch wütender machte. Er versuchte mit dem Oberkörper hochzukommen, was gar nicht so leicht ist, wenn man an einem Seil hing. Lui harkte Jessica ein und wollte das Gelände verlassen, als der Anführer brüllte: „Stell Dich wie ein Mann.“ Aus der Drehung heraus zog Lui ein Messer und schleuderte es nach dem Seil. Es traf genau die Stelle am Seil, wo er seine Hände hatte. Unter der einen und über der anderen Hand. Um Haaresbreite. Das Messer zerschnitt das Seil und sein Körper sauste hinab. Seine Hand war noch nicht bereit das Seil zu halten, und so sauste auch der Rest des Möchtegern hinab. Ein normaler Junge hätte sich sehr weh getan. Aber der Anführer konnte sich abfangen und landete unsanft, aber unverletzt. Er stand langsam auf. Sein Blick war auf Lui gerichtet. „Wer bist Du Greenhorn?“ „Fer.“, er sprach es wie das englische Wort „Fair“ aus.
Der Junge zögerte. „Ich hätte gerne mein Messer zurück, was ich für Dich opferte.“ Sein Finger glitt in den Mund. Ein Pfiff ertönte.
Sogleich stand die eben noch zerstreute Bande neben ihm. Er deutete auf das Messer. In Windeseile saß einer der Jungen dem anderen auf der Schulter. Darüber fand ein weiterer Junge Platz. Er griff das Messer. Im Nu waren er wieder unten. Der Anführer reichte Lui voller Anerkennung das Messer. Dann gab er ein Komando und die Gruppe fasste Jessica und Lui und hoben sie hoch. Ein älterer Mann trat auf die Straße und schaute auf die Prozession. Er erkannte sofort, was geschehen sein musste. Daher verkündete er: „Sonnenwendfeier. Als Bürgermeister lade ich Euch hiermit herzlich als Ehrengäste dazu ein.“
Tatsächlich. In Paradies fand die Feier des Jahres statt. Auf dem Marktplatz war ein Scheiterhaufen aufgebaut. Im Vergleich zu nördlicher gelegenen Orten betrug die Nacht am längsten Tag des Jahres hier immer noch knapp acht Stunden. Paradis liegt für die interessierten deutschen Leser auf der Höhe von Frankfurt am Main. Die Einwohner weiter nördlich hatten dieses Fest gefeiert und die Bewohner Paradis hatten es aus Verbundenheit übernommen. Im Moment schlief noch alles, weil eine lange Nacht bevorstand. Oder kurze Nacht, wie man es sah.

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BeitragVerfasst am: 06.05.2012 21:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die Jugendlichen brachten die beiden zum Rathaus der Stadt. Der Bürgermeister begleitete sie. Andere Jugendliche stießen hinzu. Die Geschichte verbreitete sich von dort wie ein Lauffeuer über die Stadt. „Das Greenhorn und die Indianerin.“ Ganz die Originalgeschichte blieb es nicht. Aber das war egal.
Gegen zwei Uhr brachte man die beiden zum besten Zimmer in der Stadt. Als Lui schließlich die Tür geschlossen hatte, atmete Jessica auf: „Was für ein verrückter Tag.“ Sie dachte an Lui und lächelte. Dieser tat hinter sie und drehte sie um. Ihre Arme legten sich auf seine Schultern. „Vertraust Du mir?“ Jessica drehte sich zu ihm herum und schaute ihm in die Augen. Ihre Augen waren verliebt. Ihr Kopf war verliebt. Ihr Herz, ihr Mund, ihr, ihr Bauch, einfach alles an ihr war verliebt. Doch Flipi küsste sie nicht. Warum nicht? Was machte sie verkehrt? Er wirkte, als hätte er eine Frage. „Was hast Du?“, fragte Jessica.
Lui senke den Blick. Dann sah er sie wieder an. Sein Lächeln war verschwunden. „Würdest Du mit mir durch das Feuer gehen?“ Jessicas Herz machte dieses hätte sie nicht erwartet. War das ein Antrag? Auf Kanadisch? Sie war sich nicht sicher. Trotzdem, er hatte sie gefragt, und sie hatte bereits einen Entschluss gefasst. „Ich gehe dahin, wo Du hingehst.“ Sie blickte ihn erwartungsvoll an. Folgte nicht auf solch einen Antrag ein Kuss? Oder war dies gar nicht das, was sie ersehnte? Würde er sich je eindeutig äußern? Oder war das eindeutig? Luis Mund näherte sich ihren Lippen. Seine Augen schienen in ihr Herz, ihre Seele zu blicken. Die Lippen verharrten kurz vor den ihren. Sein Auge zwinkerte. Er blickte sie einen ewigen Moment an. Dann schlossen sich seine Augen ganz. Die Lippen näherten sich. Der Anfang einer Berührung war zu fühlen. Doch dann war Jessica weg. Etwas hatte sie unsicher werden lassen. Als Lui Jessica in die Augen schaute, bemerkte er, wie ihre Lippen zitterten.
Sie senkte den Blick auf die Brust. Eine Träne rann ihr über die Wange. Sie sah ihm in die Augen. Kein Vorwurf war zu erkennen. Kein Schreck. Warum nicht? Was war das für ein Kerl?
Sein Blick tat ihr weh, auch wenn er in keiner Weise bedrohlich war. Im Gegenteil. Sie wollte es. War sie dabei, ihm restlos zu verfallen? Wollte sie dieses? War er selbst dieses Feuer, von dem er gesprochen hatte? Konnte er das sein? Oder war er nur ein Gauner, ein Scharlatan? Ein Scharlatan mit Augen, die sie verzauberten. Das Fleisch ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Oder war dieses anders herum? War das nicht irgendwie ein Zitat aus der Bibel. Würde Gott ihr helfen? Gott? Wer war Gott? War Gott der Kerl, den Jimi als Teufel bezeichnet hatte? War er gottlos? Welch eine Unterstellung. Welch eine Anmaßung, das entscheiden zu wollen. Nein, nicht entschieden, sondern von Gott gehört werden zu wollen. Würde er ihr antworten? Hatte er je geantwortet? Damals? Und wenn schon nicht Gott, würde das Männchen an ihrem Hals sie lenken, sie bewahren. Wie damals? Lui schien etwas darüber zu wissen. Er hatte doch mit Jimi darüber gesprochen. Woher wusste er, wie sie das Männchen erhalten hatte? Hatte sie ihm dieses auch im Schlaf erzählt? Warum hätte sie dieses tun sollen? Sie trug es, ja aber sie hatte seit Jahren nicht mehr über den Grund nachgedacht. Es war einfach da. Einen Grund dafür gab es nicht mehr wirklich.
Warum war der Typ nicht erschreckt? Warum war er nicht enttäuscht? Warum nicht, verdammt? Sie wandte sich um. Ihr Blick fiel auf das Bett. Ihr Körper folgte diesem. Sie fiel hinein und brach in Tränen aus. Lui schaute ihr kurz nach. Dann drehte er sich um, und verließ das Haus. Er verließ sie einfach.
Was hatte sie geritten, diesem Typen zu vertrauen? Sie wusste es nicht. Wie weit war es, bis sie wieder in der Großstadt war und nicht in diesem „Dorf“ wie Paradis. Einem Dorf, in dem sie von Indianern überfallen wurden. Lui war verrückt. Die Typen waren verrückt. Alle waren verrückt.
Sie hatte 20 Dollar in der Tasche. Damit würde sie nie nach Montreal zurück kommen, geschweige denn nach, nein, darüber wollte sie gar nicht erst nachdenken. Der Typ würde sie in den sicheren Tod führen. Und er würde auch dabei Lächeln.
Aber Jessica hatte keine wirkliche Wahl. Wo sollte sie auch hin? Nach Montreal? In den Puff? Alles war besser als dieses. Oder gar nach Berlin zurück? Nein, sie würde in nicht allzu ferner Zukunft sterben, weil dieser Typ nicht ehrlich zu ihr war. Aber das war dann so. Von daher war es richtig, ihn nicht geküsst zu haben. Sie weinte bitterlich, während Lui die Stadt Paradis erkundete. Dann schlief sie ein.

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BeitragVerfasst am: 17.05.2012 13:24    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Als Lui das Haus verließ war er betrübt, auch wenn nur wenige ihn so gut kannten, dass sie das bemerkt hätten. Sein Schritt war nicht gezielt. Er blieb stehen und lauschte. Da war etwas zu hören. Er versuchte das Geräusch zu orten. Dann ging er in die Richtung, aus der er dachte, dort würde es herkommen. Sein Gangbild war komplett verändert. Er strebte dem Ort entgegen. Sein Gesicht war von einer Neugier beseelt und mit dem Wunsch, etwas zu entdecken. Da war das Geräusch wieder.
Er entdeckte Gleise, die zu einem Bahnhof führten. Darauf rollte ein Zug nach Westen. Ein Zug mit Güterwaggons. Sie waren ungeladen. Es sah so aus, als wenn man darauf normalerweise Baumstämme transportieren würde. Jetzt waren die Waggons leer. Lui verspürte ein Kribbeln. Sein erster Gedanke war, auf den Zug auf zu springen, und mit ihm davon zu fahren. Doch er hielt inne. Dieser leere Zug machte keinen Sinn. Ein leerer Zug würde hier nicht abfahren.
Die Frage war wann! „Ich muss hier weg!“, sprach Lui entschlossen aus. Er schlenderte zum Bahngebäude. Der Zug hielt tatsächlich an. Doch das Bahnhofsgebäude war verwaist. Kein Fahrplan hing dort, geschweige denn ein Fahrplan, wann dieser Zug fahren würde, und wohin.
Lui streckte die Nase in den Wind. Dann ging er in die entgegengesetzte frühere Fahrtrichtung. Nach etwa fünfhundert Metern kam er zu einer Verladestelle. Dort arbeiteten einige Kräne daran, Baumstämme auf den Zug zu laden, die von Trucks gebracht wurden. Der Zug rollte jetzt immer ein Stück weiter, wenn der Waggon voll war. Sie hatten die ersten fünf gefüllt, als Lui ankam.
Lui ging zu einem Mann, der der Vorarbeiter zu sein schien. Sie wechselten einige kurze Worte. „Morgen früh um neun Uhr. OK.“ Er trat zurück und beobachtete das Treiben eine Weile. Dann machte er sich auf den Rückweg. Doch er kehrte nicht zu Jessica ins Hotel zurück. Er fand einen Heuboden, und dort bettete er sich.
Jessica wachte gegen sechs Uhr auf. Sie drehte sich auf die Mitte des Bettes. Ihre Augen senken sich, als sie sah, dass dieses noch immer leer war. Ihr schossen tausend Gedanken durch den Kopf. Sie atmete enttäuscht aus. Dann drehte sie sich aus dem Bett. Widerwillig stolperte sie ins Bad. Ein kurzer Blick in den Spiegel. Am liebsten wäre sie gleich wieder umgedreht.
Ihr Blick fiel auf ein benutztes Handtuch. Dieses Handtuch hatte nicht sie dort hingelegt. War es Lui? Wer sonst? Ihre Hand griff danach. Sie führte es an ihre Lippen. Das Tuch hüllte sich um ihre Nase. Sie zog den Geruch ein. Es war Lui. Sie war sich sicher. Sie ließ das Handtuch sinken. Ihr Blick glitt in den Spiegel zurück. „Nur für Dich.“, flüsterte sie und entschloss sich, sich zu schminken. Doch vorher stieg sie unter die Dusche. Sie wollte sich für ihn hübsch machen. Sie wollte ihm gefallen. Sie wollte wieder gutmachen, was sie vorher versaubeutelt hatte.  
Das Wasser war heiß und sie schruppte an sich herum, bis sie schließlich befand, dass sie sauber war. Dann stieg sie aus der Dusche und trocknete sich und ihr Haar. Ihr Blick drehte sich zum drehte sich zum Spiegel. Sie zog ihre Tasche zu sich heran. Ein kurzer Lederrock zusammengerollt kam zum Vorschein. Dazu eine Bluse. Sie zog beides an. Sie kämmte ihre Haare aus und legte es auf ihre Schultern nach hinten. Dann griff sie sich ein kleines Schminkkästchen. „Nur für Dich.“
Das schminken dauerte eine Weile. Doch als sie damit fertig war, sank ihre Laune. Ob Lui zurückkommen würde? Von draußen drangen Geräusche an ihr Ohr. Doch Lui hörte sie nicht. Der war sicher schon über alle Berge. Sie musste raus, denn Lui würde nicht nach ihr schauen. Selbst wenn er noch da war. Oh, wie wünschte sie es sich. Doch um dieses wissen zu können, musste sie hinaus.
Lui betrat zehn Minuten nachdem sie das Hotel verlassen hatte, dieses und ging hoch zum Zimmer. Die Sachen, die er angehabt hatte, lagen säuberlich gefaltet auf einem Stuhl. Er sah im Bad, dass sie geduscht hatte. Auch dass sie sich längere Zeit vor dem Waschbecken aufgehalten hatte. Es sah so aus, als würde sie wieder kommen wollen. Kein Zettel lag herum. Auch Lui verließ das Haus.
Jessica ging in Richtung Marktplatz. Dort war ein riesiger Scheiterhaufen aufgestellt. Darum herum brannten schon kleinere Feuer. Jessica ging an den Rand des Ringes um den großen Scheiterhaufen. Einige guckten sie beschäftigt an. Dann ertönte plötzlich Indianergeschrei. „Die Squaw.“ Im Nu war sie von Jugendlichen umringt. Auch Erwachsene schlossen sich an.
Jessica wurde von einem festlich gekleideten Herrn gebracht. Dieser nickte leicht den Kopf und reichte ihr die Hand. „Mylady, es ist mir eine Ehre Sie im Namen der Bewohner von Paradises willkommen zu heißen.
Jessica schaute ihn irritiert an. Was hatte sie getan? Warum war es ihm eine Ehre? Steckte Lui dahinter? Hatte er sie gekauft? Wenn ja wovon? Konnte man dieses inzinieren? Lief hier etwas wie versteckte Kamera? Das war doch alles nicht möglich. Dafür fehlte die Vorlaufzeit. Oder war es doch inszeniert? Lui war alles zuzutrauen. „Es freut mich, dass ich hier sein darf, und dass Sie mir so Gutes tun. Ich weiß gar nicht…“ Jessica sah ihn recht hilflos an. Der Bürgermeister lächelte. „Bitte seien Sie nicht so bescheiden.“ Jessica wurde das Gefühl nicht los, dass der das ernst meinte. „Denk nicht darüber nach. Tue es einfach.“, sagte sie zu sich selbst. Sie lächelte nur. Dieser erwiderte das Lächeln. „Das Apartment ist ok?“ „Ja, vielen Dank.“ „Meine Indianer sagten mir, Ihr Begleiter heißt Fer. Wissen Sie, ob er gedenkt mit uns zu feiern?“ Jessica zuckte leicht mit den Achseln, bereute es aber sofort wieder. „Ich weiß nicht, wo er ist. Ich glaube aber, dass er hier ist. Er wird im Laufe des Abends auftauchen. Zumindest schätze ich das.
Der Bürgermeister lächelte. Er wirkte wie verzaubert. Warum?
Es wurde etwas unruhig um sie herum. Kühe, Schweine, Ziegen und Schafe wurden an Spießen grillfertig neben die Feuerstellen gehängt. Trommeln begannen gleichmäßig zu schlagen. Ihr dumpfer Ton hallte durch die Straßen.
Der Bürgermeister, einige Getraue und Jessica ließen sich auf Fellen nieder. Es folgte eine Weile Smalltalk. „Das Männchen, dass Sie tragen weist Sie als echte Indianerin aus. Wir bemühen uns, die Rechte der Urbevölkerung zu achten. Darf ich fragen, welchem Stamm Sie zugehörig sind?“ Jessica schaute ihn irritiert an. „Es tut mir leid, Sie enttäuschen zu müssen, Herr Bürgermeister.“ Er unterbrach sie: „Bitte nennen Sie mich Tony.“ „Jessica“, erwiderte sie. „Nein Tony.  Ich komme ursprünglich aus Europa. Lebe aber seit fast 15 Jahren in Kanada.“ Tony schaute sie zweifelnd an: „Gibt es in Europa auch Indianer?“ „Nur im Zoo.“ Jessica waren die Worte herausgerutscht. Sie wartete etwas gespannt auf die Reaktion. Tony lachte auf.
„Es ist ein Geschenk.“ Da sie Englisch sprachen war Geschenk so gesprochen wie Gift, und nicht wie die deutsche Übersetzung. War es auch jenes Gift? Medizin, Zauber? Oder war es wirklich ein Geschenk? Zufälle gibt es. „Das Geschenk einer kanadischen Ureinwohnerin. Ich traf sie in Montreal.“ Tony nickte anerkennend.
„Jessica, würden Sie mit mir die Flamme entzünden?“ Er deutete auf den Scheiterhaufen. Jessica nickte. Beide standen auf. Um die Feuerstelle versammelten sich nun die Leute. Es waren etwa hundert. Wo die wohl alle herkamen?  Der Bürgermeister hob die Hände. Die Trommeln und die Gespräche verstummten. Er sprach einige Worte.
Als er sich umdrehte, begannen die Trommeln leise zu schlagen. Er winkte Jessica heran. Beide näherten sich dem Scheiterhaufen. Tony zog zwei Steine aus der Tasche. Er nahm etwas Stroh und trockenes Kleinholz und reichte es Jessica. Gemeinsam entzündeten sie es mit Hilfe der Steine. Im Nu brannte der ganze Scheiterhaufen. Die Menge jubelte. Einige Frauen begannen im Rhythmus der Trommeln zu tanzen. Vom großen Feuer wurden auch die Grillfeuer entzündet. Um sie herum geschah so viel, dass Jessica es gar nicht alles mitbekam. Sie verfolgte es mit offenem Mund.

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BeitragVerfasst am: 17.05.2012 14:39    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die Trommeln waren zu einem Dröhnen angewachsen. Die Atmosphäre war berauschend.
Wenn Jessica nicht gerade wie wild tanzte oder in ein Gespräch vertieft war, was häufig vorkam, fühlte sie sich in den Zeiten der Ruhe herum allein. Wo war Lui? Oder Fer? Wie er nun auch immer hieß. Wo war er? Sie wünschte ihn neben sich.
Das Fleisch wurde essfertig. Die Sonne ging langsam unter. Jedoch dauerte es noch eine Weile, bis es wirklich dunkel war. Nachdem Jessica ein Stück von dem Schwein probiert hatte, ließ sie sich mit den Leuten mitreißen die wie wild sich an den Händen haltend um das Feuer tanzten.
Das Feuer wanderte etwas nach unten. Es wurden Äste nachgelegt, jedoch erreichte das Feuer nicht mehr ganz die Größe. Es verbreiterte sich. Die Leute tanzten sich in einen Rausch. Auch Jessica tanzte, bis die sich schließlich erschöpft neben Tony fallen ließ. An Lui hatte sie schon lange nicht mehr gedacht. Ein paar Cheerleader führten einen Tanz auf.
Dann vollführte ein Clown einige Kunststücke, die die Leute zum Lachen brachten. Er ahmte Politiker, Tiere nach und ihm geschah so manches Missgeschick. Er begann schließlich in seiner kindlich naiven lustigen Art Indianer zu imitieren. Die Menge grölte unter dem Klang der Trommeln.
Plötzlich brach sie ab. Alle blickten zu einem Mann in Indianischer Tracht. Er hielt einen Tomahawk in seiner Hand. Sein Gesicht war geschminkt. Auf den Schultern und über den Schultern trug er einen Federschmuck. Er ging auf den Clown zu. Dieser wich etwas zurück, dann näherte er sich ihm doch. „Indianer?“, fragte der Clown. „Hugh.“ Eine einzelne Trommel gab einen Laut von sich, verstummte aber sofort wieder.
Der Indianer blickte in die Menge. Sein Blick glitt zum Bürgermeister und blieb auf Jessica hängen. Seine Schritte bewegten ihn in ihre Richtung. Jessica war nicht in der Lage sich zu bewegen. Er stand jetzt vor ihr. Er griff ihre Hand und zog sie hoch. Sie vermochte sich nicht zu wehren. Der Indianer zog sie zum Feuer zurück. Sie blieb regungslos stehen, als er sie losließ. Er griff nach seinem Beil. Ein Kriegstanz spielte sich vor ihren Augen ab. Metall berührte ihren Hals. Adrenalin schoss in ihre Adern.
„Vertrau mir!“ Vernahm Jessica die Worte, oder vernahm sie nur die Stimme? Luis Stimme. Konnte das sein? Er griff ihre Hände und schob sie hinter den Kopf. Seine Lippen berührten die ihren. Seine Zunge drang in sie ein. Seine Finger waren plötzlich unter ihrer Brust. Sie hatte das Gefühl, als würde diese zusammengedrückt. Er löste sich. Jessicas Augen blieben noch einen Moment lang geschlossen. Dann wollte sie ihre Hände wieder nach unten nehmen. Doch dieses gelang ihr nicht. Wenn sie die Hände nach unten zog, spürte sie einen Druck unter ihrem Brustansatz. Sie konnte sie nicht bewegen.
Tatsächlich führte ein Seil von ihren Handgelenken ihren Rücken entlang, traf sich dort, und führte dann nach vorne unter ihre Brust. Auf dem Rücken war es verknotet. Jessica spürte, wie der Indianer auch ihre Füße zusammenband.
Dann wanderte sie in die Waagerechte über seinen Kopf. Jessica war nicht in der Lage zu schreien. Würde er sie ins Feuer werfen? Als er in die Flammen trat, entleerte sich ihre Blase über ihm. Aber er hielt nicht an. Jetzt gab es kein zurück. Sie musste da durch. Tatsächlich. Das Feuer, was um sie herum loderte wich zur Seite. Lui trat aus den Flammen heraus. Er setzte sie ab. Er blickte ihr in die Augen. Kein Zweifel. Es war Lui. Sie drückte ihren Mund auf den Seinen. Das Seil um ihre Füße und um ihre Brust und Hände löste sich in diesem Moment. „Oh Lui, ich liebe Dich.“ Sie sah den Schalk in seinen Augen. „Geh mit mir an meiner Seite zurück. Du gehst nur über grünes Gras. Sag Dir das, Du gehst nur über grünes Gras.“ Jessica starrte ihn an. „Dafür wirst Du leiden.“ Lui schaute ihr in die Augen. „Komm mit mir!“ zwischen den Worten machte er eine Pause. „Vertraue mir. Du gehst nur über grünes Gras.“ Warum griff sie seine Hand? Warum führten sie ihre Schritte, wie sie bemerkte noch einmal in die Wärme? „Grünes Gras. Ich gehe durch grünes Gras. Für Lui.“
Das Feuer schloss sie ein, umzüngelte ihre Beine, ihre Hüfte. Sie hatte keine Schuhe mehr an und sie schritt durch die Glut. „Grünes Gras.“ Trommelschläge drangen an ihr Ohr. Dann waren sie hindurch.
Eine Geige gesellte sich zu den Trommeln. Es entwickelte sich ein wilder Volkstanz zu indianischen und irischen Klängen. Vier Stunden später ging die Sonne auf. Fünf Stunden später fiel Jessica völlig erschöpft ins Bett. Sie schlief in dem Moment, als ihr Kopf das Kissen berührte.

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ferluipear
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BeitragVerfasst am: 02.07.2012 20:29    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Jessica schreckte hoch. „Was ist?“, fragte sie verschlafen. „Der Zug fährt in einer Viertelstunde und wir haben 10 Minuten weg. Komm, wir haben keine Zeit.“ Jessica  starrte ihn an. „Du bist verrückt.“ Sie wollte sich umdrehen, doch Lui ergriff ihre Hand. „Jessica, ich werde mit diesem Zug fahren, ob mit oder ohne Dich. Der nächste fährt in einer Woche.“
Sie blickte ihm in die Augen. Dann drehte sie sich hoch und folgte ihm. Auf ihren Lippen waren Flüche zu lesen. Die Sachen hatte Lui schon gepackt. Sie griffen sie und marschierten los.
Tatsächlich rollte der Zug schon langsam an Richtung Westen. Jessica bekam eine Leiter zu fassen und kletterte hinauf. Lui folgte ihr. „Ich muss verrückt sein.“, wiederholte Jessica mehrere Male. Sie war außer Atem und ihr Herz raste. Als sie sich etwas beruhigt hatte, fragte sie: „Wohin fahren wir eigentlich?“ Lui schaute erst sie an. Dann blickte er nach Südosten zur Sonne. „Wie spät ist es?“ Jessica warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. „Und wo steht da die Sonne?“ Jessica starrte ihn an. „Alles Weitere ergibt sich. Und mehr weiß ich auch nicht.“ In diesem Moment hätte Jessica ihn am liebsten vom fahrenden Zug gestoßen. „Mir ist kalt.“
Sie fanden unter Baumstämmen Platz, die ein wenig über die anderen nach vorne ragten. Lui legte seinen Arm um ihre Hüften und beide schliefen ein.
Jessica erwachte, weil sie Durst hatte. Sie spürte Luis Atem in ihrem Nacken. Er atmete gleichmäßig. Vorsichtig löste sie seine Hand von ihrem Bauch und zog sich ein Stück von ihm weg. Dann drehte sie sich um und sah ihn an. Wie friedlich er war, wenn er schlief. Sie legte seinen Arm wieder um ihre Hüfte. Sein Atem streifte ihr Gesicht. Sie blickte ihn eine Weile an. Dann fielen ihr wieder die Augen zu.
Als sie sie wieder öffnete, bekam sie einen Schreck. Lui war nicht mehr da. Was war passiert? War er eventuell zwischen die wagen gerutscht? Jessica schlug sich die Hand vor den Mund. Ihre Gedanken überschlugen sich. Sie hätte am liebsten losgeschrien. Wo war der Kerl? Jetzt bloß nicht nervös werden, dachte sie. Sie stellte sich oben auf die Baumstämme, auch wenn das Balancieren etwas schwer fiel. Sie späte erst nach vorne und dann nach hinten. Nichts. Ihr Blick fiel auf seinen Rucksack. Er war gut gefüllt. Sie zog ihn zu sich heran. Einen kurzen Moment überlegte sie, ob sie warten solle. Ihre Finger knüpperten das Band auf, das den Rucksack schnürte. Sie zog die Öffnung auseinander. Ihr Blick fiel auf Silberfolie. „Was zu essen.“, schoss es ihr durch den Kopf. Sie riss die Folie auf. Tatsächlich. Frisches Brot. In einem weiteren Paket war gegrilltes Schweinefleisch. Wieder zögerte sie einen Moment. Dann griff sie zu. Zum Teufel mit Lui, wenn er so einfach verschwand.
Das Fleisch schmeckte nach dem Feuer gestern, war jetzt allerdings kalt. Wasser war ebenfalls in der Tasche. Sie trank genügend um ihren Durst zu löschen. Dann blickte sie erneut nach vorne zum Zuganfang . Dort war auf dem Zug nichts zu sehen. Aber davor zeichneten sich die Umrisse einer Stadt ab. Sie richtete sich auf, um es besser zu erkennen. Ob der Zug halten würde? Was war, wenn Lui hier ausstieg? Würde er dieses tun? Würde er sie allein lassen? Von ihr verlangen, dass sie wieder hinter ihm herlief. Nein, das würde sie nicht tun. Nie wieder. Oder doch?
Das Städtchen näherte sich. Jessica sah, wie das Bahnhofshäuschen an ihr vorbeiglitt, ohne dass sich der Zug verlangsamte. Jessicas Blick schweifte über den Bahnhof und das Umland. Da. Da war Lui. Es sah so aus, als würde er sich verstecken. Vor ihr? Hoffte er, dass sie ihm folgen würde? Oder sollte sie auf ihn warten, und er war in Wirklichkeit gar nicht mehr da? Wollte er sie loswerden? War er deshalb abgestiegen und lief von ihr davon? Am liebsten hätte sie ihm „verschwinde doch“ zugebrüllt, aber er hätte sie ohnehin nicht gehört. Er verschwand irgendwo. Dann sah Jessica, wie eine Frau mit einer Mistgabel ihm schreiend hinterherlief. Lui machte einen Satz über den Zaun. Dann lief er nach Osten, während Jessica mit dem Zug nach Westen rollte. Die Frau folgte ihm bis zum Faun und blieb dort wird gestikulierend stehen.
Jessica schüttelte den Kopf. Der Wagen fuhr an den letzten Häusern vorbei. Jessica setzte sich oben auf die Baumstämme. Sie verkreuzte die Arme vor der Brust und blickte nach Norden.

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ferluipear
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BeitragVerfasst am: 07.07.2012 10:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Sie saß eine halbe Ewigkeit, bis sie ein Geräusch von hinten vernahm. Sie drehte sich nicht um, sie wusste, dass es Lui war. Wer sollte es sonst sein? Er setzte sich neben sie und zog ein Ei aus der Tasche. Es hatte die größe eines Enteneis. Er reichte es Jessica von der Seite, doch sie nahm es nicht. Also drückte Lui die Schale mit dem Daumen ein und setzte das Ei an den Mund. Er trank es direkt aus dem Ei. Jessica schüttelte es. Er setzte ab, und reichte Jessica stumm das Ei.  Als diese nicht reagierte, trank er den Rest. Dann holte er ein weiteres Ei aus der Tasche und reichte es ihr. Doch sie reagierte nicht. Auch nicht, als er das Ei für sie einknickte. Also setzte er sich das Ei an die Lippen und trank. Dann warf er die Schale hinter sich vom Zug. Sie saßen eine Minute schweigend nebeneinander. Dann stand Jessica auf und ging zum anderen Ende des Wagens. Lui ließ sie gehen.
Der Zug rollte weiter dahin. Stunden vergingen. Die Sonne näherte sich dem Westen. Jessica hatte einige Male einen kurzen Blick auf Lui geworfen. Wenn er auch gerade geguckt hatte, hatte sie sich sofort wieder weg gedreht.
Ihr wurde kalt und sie bekam wieder Hunger. Doch sie würde sich nicht durchringen zu Lui zu gehen und etwas zu holen. Nein, da fror sie lieber. Die Sonne ging unter. Im Halbdunkeln vernahm sie plötzlich Lui neben sich. Er legte den Rucksack und eine Decke neben sie. „Weiß der Teufel, wo er die Decke her hat, während ich hier friere.“, schoss es Jessica durch den Kopf. „Iss ruhig.“, sagte Lui. Er blickte ihr in die Augen, aber Jessica erwiderte den Blick nicht. Sie rührte sich nicht. Sie musste doch Hunger haben. Also drehte sich Lui um und ging zum anderen Ende zurück. Dort verschwand er unter den Bäumen.
Jessica öffnete den Rucksack. Er hatte den Inhalt nicht angefasst. Weder das Fleisch noch das Wasser schien er angefasst zu haben. Jessica aß eine große Menge. Dann trank sie den Rest des Wassers. Sie wickelte sich in die Decke und schlief ein. An Lui verschwendete sie keinen Gedanken. Warum auch? So benahm man sich einfach nicht einer Dame gegenüber.
Jessica erwachte bei Sonnenaufgang. Ihr Körper fühlte sich warm an. Im ersten Moment überlegte sie, wo sie war. Das vertraute Rattern der Räder war noch da. War sie wirklich auf einem Zug? Wo würde Lui sie hinführen? Lui? Wo war Lui? Warum war er nicht bei ihr? Jessica faltete sie Decke zusammen und nahm sie unter den Arm. Dann stieg sie über die Bäume. Die anderen Sachen ließ sie dort.
Lui lag in seiner Jacke unter den Bäumen. Fror er nicht? Jessica legte die Jacke über ihn und kuschelte sich an ihn. Dann schlief sie wieder ein.
Als sie erwachte, wollte sie ihren Augen nicht trauen. Lui war schon wieder verschwunden. „Lui, Du7 Scheißkerl.“, brüllte sie. Wenige Sekunden später schaute sie in sein Gesicht. Er trug die Sachen auf dem Rücken, die Jessica zurück gelassen hatte. Er warf sie ihr vor die Füsse. „Wir sind in 20 Minuten am Zielort. Zumindest mein Ziel für heute. Ich werde dort absteigen. In Smooth Rock. Dem Mattagami River werde ich nach Norden folgen. Wie, das weiß ich noch nicht.“ Jessica schluckte. Er hatte im Singular gesprochen. Ich, für ihn gab es kein Wir. Sie senkte den Blick. Eine Träne rann ihr über die Wange. „Bitte verlass mich nicht. Du hast mich um meinen Job gebracht. Ich bin mit Dir durchs Feuer bis ans Ende der Welt gegangen. Jetzt willst Du alleine weiter? Ohne mich?“ Lui nickte herzlos. Jessica drehte sich von ihm ab. Sie wollte vor ihm keine Tränen vergießen. Sie wollte nicht, dass er ihren Schmerz sah. „Wir scheinen nicht zueinander zu passen. Jedes Mal, wenn Du erwachst und ich Dich anschaue, schreist Du mich an. Aus Angst, aus Ärger. Ich weiß es nicht. Es ist wahr, ich habe Dich durch das Feuer geführt. Durch grünes Gras. Und auch hierher. Aber es ist nicht das Ende.“ Ich mag Dich Jessica. Darum bitte ich Dich umzukehren, bevor Du an mir zerbrichst. Ich sage Bob Bescheid. Er holt Dich ab.“
Jessica starrte ihn an. „Das ist nicht Dein ernst?“ Es war eine Mischung aus Verärgerung und Trotz. Lui senkte den Blick. Er schaute auf seine Hände. Jessica überlegte, warum er dieses tat. War es wirklich Unsicherheit? Lui unsicher? War das möglich? Die Frage, ob das ernst sei, schien er überspielen zu wollen. Er war unsicher, aber warum? Bedeutete sie ihm tatsächlich mehr, als sie zugab. Und sie meinte nicht dieses Ich-mag-Dich-Gefasel.  
Es verging eine Minute, zwei Minuten. Dann blickte er von seinen Fingern auf: „Hier ist nicht der Ort, die Entscheidung zu fällen. Lass uns das in Smooth Rock entscheiden. Bedenke aber, dass auf mehr zu achten ist, als auf Sympathie oder Liebe. Es geht um Gefahr für Leib und Leben. Ich weiß nicht, ob ich für Deines sorgen kann…“ „…wenn ich Dir nicht traue.“, fügte Jessica hinzu, wobei sie es nur dachte. Sie nickte.
Der Zug rollte eine Weile vor sich hin. Die beiden hatten die blicke gesenkt. Sie schwiegen. Dann stand Lui auf. Er blickte nach vorne. Jessica folgte seinem Blick. Sie erkannte die Stadt. Langsam rollte der Zug darauf zu. Eine Träne rollte ihr die Wange hinab. Ob Lui sie sah? Oder hatte er anderes im Kopf als sein Ziel? Nahm er sie überhaupt richtig wahr? „Der Zug wird hier halten. Wir brauchen nicht abgspringen.“ Jessica fragte sich, woher er diese Erkenntnis nahm. Aber sie fragte nicht nach. Tatsächlich. Der Zug hielt auf einem Arbeitsgleis unweit des Bahnhofsgebäudes. Lui sprang neben die Schienen. Er reichte Jessica die Hand und half ihr beim Absteigen. „Wohin nun?“, fragte Jessica. Lui blickte sich um. Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht.“ Er sah nicht so aus, als wäre ihm etwas aufgefallen, etwa wie in Paradis, wo er die Jungs reingelegt hatte. Lui zog seinen Rucksack über der Schulter höher und stapfte nach Norden. Jessica folgte ihm in den Ort hinein.

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ferluipear
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BeitragVerfasst am: 08.09.2012 16:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lui steuerte auf eine Gaststätte zu, die sie betraten. Sie mieteten sich ein Doppelzimmer, in das sogleich beide gingen. Lui setzte sich auf Bett, Jessica auf einen Stuhl. Beide blickten auf den Boden zwischen sich. „Ich werde Bob anrufen. Er wird morgen Abend hier sein. Bis dahin sollten wir beide jeweils eine Entscheidung treffen. Ich garantiere Dir, dass Du Dein Auskommen haben wirst, wenn Du nicht mit mir kommst. Du kannst etwas Bedeutendes werden, wenn Du von Dir selbst mehr möchtest. Aber es steht Dir frei.“ Jessica starrte ihn an: „Was meinst Du Lui? Wer bist Du, dass Du so etwas sagen kannst?“ Sie wurde fast wütend. „Ich brauche Deine Almosen nicht. Außerdem, ich sehe nichts an Dir. Was willst Du mir garantieren? Auf Deine Vogeleier kann ich verzichten.“
Sie war aufgesprungen und stapfte zur Tür. Diese flog auf, krachte gegen den Schrank und flog mit einem lauten Knall wieder zu. Jessica war draußen und stapfte wütend davon. Was bildete sich der Kerl ein?
Nachdem sie zum Bahnhof zurück gegangen war, bog sie in die Hauptgeschäftsstraße ein. Dort lief sie eine Weile ziellos umher, bis sie in einer schmalen Seitengasse gelangte. Langsam ging sie weiter. Vor einem geöffneten Fenster blieb sie stehen. Das Fenster war recht dunkel. Etwas bewegte sich. Es zog ihre Aufmerksamkeit an. Sie wandte sich um und trat näher. Sie entdeckte eine alte Frau, sie sich kaum vom Vorhang abhob. Ihr Alter ließ sich nicht schätzen. Sie sah ungeheuer alt aus, aber ihr Gesicht war gleichzeitig jung. Oder doch nicht? Die Lippen der Frau bewegten sich nicht, und doch hatte Jessica das Gefühl, als würde die Frau nach ihr rufen. Sie trat vorsichtig näher an das Fenster. Die frau schlug einen Augenblick die Augen nieder, ehe sie Jessica wieder durchdringend ansah. „Komm zu mir. Lass Dir Deine Zukunft sagen.“ Jessicas Schritte führten sie zu einer kleinen Tür, die sie öffnete. Jene Frau nahm sie bei der Hand und platzierte sie in der Mitte des Zimmers, in dem es nach Kräutern duftete. Ein Stuhl fand sich unter ihr, und sie setzte sich. Die Frau umtanzte sie leichtfüßig. Sie stand plötzlich hinter Jessica. Sie sah, wie die Hände der Frau sich von der Seite nach oben vor ihren Augen vereinten. So wie sie die Hände nach unten gleiten lies, fielen Jessica die Augen zu. „Lass es geschehen.“ Jessica verkrampfte bei diesen Worten kurz, da sie sich an etwas Schlimmes erinnert fühlte. Trügte sie sich, oder wurde das Männchen um ihren Hals warm. Dann wich die Anspannung aus ihrem Körper. Ihre Lippen formten die Worte. „Was tust Du?“ Ob sie diese wirklich aussprach, wusste sich nicht. „Ich schaue in Dich.“ Sie vernahm die Stimme von über sich. „Du hast einst einen Menschen getötet.“ Jessica nahm diese Worte regungslos hin. Sie wusste, dass sie, wäre sie nicht in dieser ja Ohnmacht gewesen, gezuckt hätte. Aber jetzt tat sie es nicht. „ich sehe ein kleines Mädchen im Gras liegen.“ Jessica sah sich auf einem lichten Waldboden, wo die Bäume in etwas größerem Abstand gepflanzt waren, als es manchmal der Fall war. Sie dachte den Baum vor ihr zu kennen. Doch sah er anders aus, als sie ihn später in Erinnerung hatte. Es war kein Kreuz daran. „Der Tod dieses Mädchens ist nicht Deine Schuld. Du hast keine Schuld daran.“ Jessica sah einen Schmetterling vor sich her flattern. Ihre Hand glitt nach vorne. Der Schmetterling ließ sich auf ihrem Handrücken nieder. Jessicas Gedanken formten eine Frage. „Ich sehe den Zweifel in Dir, ob es Jenny überhaupt gab.“ Jessica spürte Druck auf ihren Schultern. Sprach sie, ohne es zu merken? Konnte die Frau tatsächlich Gedanken lesen? Woher wusste sie den Namen? Oder bildete sie sich das alles nur ein? „Denke nicht, dass die Recht hatte, die sie verleugnete.“ Sie sprach in der Vergangenheitsform. „Dir steht deswegen noch der Gang vor den Richter bevor.“ Jessica sah noch immer den Wald vor ihren Augen. Der Schmetterling hob sich von ihrem Finger und flog von ihren Augen davon. Sie dachte an Lui. Warum wusste sie nicht. Sie meinte etwas knistern zu hören. „Dein Begleiter wird nach Norden fahren. Die Frau an seiner Seite wird den Tod finden.“
Jessica formulierte sofort die Frage, ob sie dann nicht besser mit ihm gehen sollte. „Das weiß ich nicht mein Kind.“ Jessicas Augen öffneten sich leicht, als sich ein Druck auf ihrer Stirn löste. „Geh Deinen eigenen Weg.“ Sie sah die Hände der Frau nach unten gleiten. Ihr Kopf lehnte an etwas weichem. Ihre Halsmuskeln spannten sich an. Sie hob den Kopf etwas an. Die Alte trat um sie herum. Sie griff ihre rechte Hand und half ihr beim Aufstehen. „Bewahre das Männlein. Es wird Dich schützen.“ Jessica schritt zur Tür und verließ das Haus.
Draußen vor der Tür blieb sie stehen. Das konnte eben gar nicht passiert sein. Sie musste es sich eingebildet haben. Langsam setzte sie einen Schritt vor den anderen. Die Sonne war weiter gewandert. Wie weit wusste sie nicht. Wie spät mochte es sein? Oder anders gefragt, wo war Osten? Wo stand die Sonne? War es morgens oder abends? Sie streifte eine Weile ziellos durch die Stadt. Ihre Wut auf Lui war verraucht. Vielmehr beschäftigte sie die Frage: „Die Frau an seiner Seite wird den Tod finden.“ War sie damit gemeint? War es eine Warnung an sie, ihren Weg, ihren eigenen Weg nicht an seiner Seite zu suchen. Jessica war sich unsicher. Lui hatte ihr Leben so nachhaltig umgekrempelt, wie sie es nie gedacht hätte. Und jetzt ohne ihn? Sollte sie jetzt auf Bob hören? Auf Bob, der gemeint hatte, sie kaufen zu können, wie er scheinbar alles kaufte. Oder tat sie ihm Unrecht? Hatte er dieses gar nicht vorgehabt?
Jessica steuerte auf die Unterkunft zu. Sie betrat den Gastraum und erstarrte, als sie Bob erblickte. Er saß mit Lui an einem Tisch und schien ein Frühstück mit ihm zu essen. Sie sah Ham and Eggs auf dem Tisch. Lui hatte den Rücken zur Tür gedreht. Er konnte sie nicht sehen. Wieso aßen die beiden ham and Eggs? Zum Mittag? Jessica war irritiert. Und warum war Bob schon da? Hatte Lui nicht von, Jessica erinnerte sich, Morgen Abend gesprochen? Und jetzt saß er hier und aß mit ihm die Eier.
Bob sagte etwas zu Lui. Dann schob er die Gabel in den Mund. Er nahm sie heraus und blickte kauend auf. Als seine Augen Jessica trafen, hörte er auf zu kauen, und schluckte das Ei, ohne weiter zu kauen, herunter. Jessica sah, wie Lui ein Brötchen nahm und es in die rechte Hand legte. Während er Bob etwas zu fragen schien, schnitt er es fast kunstvoll mit dem langen Messer in der rechten auf. Bob schaute ihn an und antwortete darauf, indem er mit dem Kopf zu Jessica deutete. Lui lächselte, was für Jessica jedoch nicht sichtbar war. Er legte das Brötchen auf den Teller und griff nach dem Messer. Jessica sah, wie er es in die Butter tauchte. Er bestrich sein Brot, nahm es in die Hand und drehte sich dann um. Jessica hatte diese Prozedere fassungslos verfolgt. Sie war schon wieder kurz davor umzudrehen und das Haus zu verlassen. Doch wollte sie schon wieder fliehen? Wollte sie Lui kampflos den Sieg überlassen? Welchen Sieg? Verlor er nicht auch? Nein. Nein, noch war nicht die Zeit sich von ihm abzuwenden.
Ihr Blick traf Lui zwischen die Augen. „Hast Du Dich entschieden?“, fragte Lui. Sein Blick war nicht zu deuten. Er wirkte auf der einen Seite entspannt. Gleichzeitig sprach er voller Entschlossenheit. „Wieso entschieden?“, fragte Jessica. „Was hatte ich den zu entscheiden?“ Lui lächelte verständnislos. „Ich habe Dich vorgestern etwas gefragt. Daraufhin hast Du mir gesagt, dass ich meine Eier“, er deutete auf den Teller, „in Zukunft wieder alleine essen muss, weil Du darauf verzichtest, oder habe ich Dich missverstanden?“ Jessica schüttelte den Kopf. „Wieso vorgestern? Wir sind doch kaum ein paar Stunden hier.“ Bob antwortete. „Lui hat mich vorgestern angerufen. Ich bin seit gestern Abend da.“ „Aus Paradis?“, stieß Jessica aus. „Dann war schon längst klar, dass Du mich loswerden willst. Und trotzdem lässt Du mich durch das Feuer laufen. Trotzdem nimmst Du mich hierher mit, auch wenn Du bereits beschlossen hast, mich hier los zu werden. Und das Gespräch auf dem Zug war nur Show.“ Sie trat zu ihm. Ihre rechte Hand traf seine linke Wange. Ihre Spucke traf sein linkes Auge. Lui rührte sich nicht. Jessica drehte sich um und ging scheinbar würdevoll zur Tür. Tatsächlich fühlte sie sich furchtbar. Auch der schlag in Luis Gesicht hatte ihr keine Linderung verschafft. Als sie sich bei der Tür befand, hörte sie sie Bobs Worte: „Du bist wirklich schon zwei Nächte hier. Ich bin eine hier.“ Doch sie achtete gar nicht darauf.
Als sie am Empfangsbereich vorbei kam, sprang eine Person im Anzug auf. „Miss King. Wir haben Sie vermisst. War das Zimmer in Ordnung? Oder sind meine Angestellten derart nachlässig, dass Sie keiner gesehen hat?“ Jessica starrte ihn an. „Entschuldigen Sie meine Aufdringlichkeit. Wir waren um Sie besorgt. Es geht mich nichts an.“, fügte er hinzu, und hob die Hände hoch, als Jessica auch jetzt noch nicht reagierte. Er ließ die Hände wieder sinken. Jessica trat langsam auf ihn zu. Ihr Haar hatte sich aufgewellt. Sie trat näher an den Tresen heran. Der Hotelchef wich im gleichen Maß zurück. Er schien Angst zu haben, dass Jessica ihm an den Kragen wollte. Sie legte die Unterarme übereinander auf den Tresen und den Kopf etwas schief. Der Chef schaute sie etwas verängstigt an, was er bei Leibe nicht oft gegenüber Kunden und auch sonst nicht oft tat. Jessicas Unterarm löste sich, blieb jedoch auf dem Ellenbogen liegen. Ihr Zeigefinger bedeutete ihm, dass er sich zu nähern hatte. Er folgte dieser Aufforderung, auch wenn ihm nicht klar war, warum er dieses tat. Er war schließlich Chef. Jessica griff seinen Schlips und zog ihn zu sich heran. „Seit wie vielen Tagen bin ich hier eingebucht bei Ihnen?“ Die Halsschlagader zeigte seinen Puls. Ob er dieses merkte. „Seit drei Tagen Madam.“ Jessicas Finger klopfte ihm ganz leicht auf die Wange. Der Typ nahm dieses regungslos entgegen. „Gut.“ Nur diese Antwort. Ruhig und ohne Hast nahm Jessica ihre Hand von seinem Gesicht. Dann ließ sie auch den Schlips los. Der Typ wagte nicht, einen Schritt zurück.
Ihr Gesicht zeigte plötzlich ein Lächeln, was auch ihn zu einem Lächeln zwang. Jessica drehte sich um und ging zu den beiden zurück. Ihre Schritte waren langsamer, je näher sie ihrem Tisch kam. Was hatte sie angerichtet? Lui gegenüber? Der Hoteltyp war ihr egal. Aber was war mit Lui? Der Tisch war verweist. Sie hatten ihn bereits verlassen. Jessica rannte hoch zu ihrem Apartment. Es war leer. Nur ihre Sachen lagen im Rucksack dort verpackt. Sie griff danach. Sie rannte zur Information. Der Direktor sagte ihr auf ihren flehenden Blick hin, die beiden das Hotel bezahlt hätten, und es gerade mit einem Taxi Richtung Flughafen verlassen hätten. „Sie dachte an das wenige Geld in ihrer Geldbörse. „Etwa 15 Minuten.“, antwortete der Direktor. Jessica stieß ein Wort aus, dass man im Englischen für den reinen Geschlechtsverkehr benutzen kann.
„Das Taxi geht selbstverständlich aufs Haus.“, sagte der Direktor. Er reichte ihr eine Karte. Jessica griff danach. „Danke schön.“ Sie stürmte los. Vor dem Hotel stand ein Taxi. Sie stieg ein und die beiden jagten los.
Auf dem Rollfeld stand eine Chesna. Davor waren die beiden Männer zu sehen. Sie reichten einander die Hand. Dann drehte sich Lui um und ging ein Stück zurück. Bob kletterte in die Maschine und warf den Motor an. Lui zeigte ihm mit dem Daumen nach oben, sein Ok und seinen Abschied mit. Bob antwortete ihm entsprechend.
Mit quietschenden Reifen hielt das Taxi vor Lui. Jessica sprang heraus und warf sich vor Lui zu Füßen.
„Bitte verlass mich nicht. Es tut mir leid, was ich gesagt habe.“ Ihre Arme umfassten seine Waden und ihre Tränen trafen seine Hose. Die Räder des Flugzeuges kamen wieder zum Stehen. Bob stieg aus.
„Es tut mir so leid.“, wimmerte Jessica. Lui löste ihre Hände von sich und hielt Jessica ein Stück von sich entfernt. „Es tut mir leid, was ich gesagt und getan habe. Es tut mir so leid.“ Dicke Tränen rannen über ihre Wange. Sie rappelte sich hoch. „Bitte verlass mich nicht. Bitte Lui. Bitte verlass mich nicht.“ Er ließ sie los. Er schien einen Augenblick nach Worten zu suchen. Dann sagte er auf Deutsch: „Jessica, unsere Wege werden sich hier vorerst trennen. Ich werde ohne Dich nach Norden weiter ziehen. Zur Hudson Bay, und wenn möglich darüber hinaus. Du kannst mit Bob nach Montreal zurückkehren. Dann werden wir uns wahrscheinlich wiedersehen.“ „Es tut mir so leid.“ „Oder Du gehst von nun an Deinen eigenen Weg.“ „Bitte Lui.“ „Ich nehme Dich nicht mit. Ich kann Dir Dein Leben nicht garantieren. Machs gut.“ Er wandte sich ab und schritt davon. Jessicas Gesicht fand Bobs Schulter, bis Lui verschwunden war. Dann sagte Bob: „Komm Jessica, wir fliegen nach Montreal.“ Er winkte dem Taxifahrer zu. Dieser fuhr langsam davon. Dann nahm er Jessicas Sachen und stellte sie ins Flugzeug. Jessica buxierte er auf den Co-Pilotensitz. Sie stand noch immer unter Schock.
Dann fuhr das Flugzeug auf die Startbahn. Es beschleunigte und hob langsam ab. Jessica schaute durch verweinte Augen aus dem Fenster. Sie suchte Lui. Er war auf einem Hügel stehen geblieben. „Bitte wink.“, dachte Jessica. Doch Lui schien nicht auf sie hören zu wollen. Dann hob er doch noch den Arm.
Bob steuerte das Flugzeug auf Südostkurs. Jessica schwieg eine Weile. Dann wurde ihr bewusst, dass Bob nur wegen ihr hier war. Er hatte gewiss besseres zu tun, als eine störrische Zicke quer durch Kanada zu fliegen. „Bob?“, sagte sie fragend. „ja.“, antwortete er kurz. „Danke.“ Er schwieg eine Weile. „Lui hat mich gebeten, mit dem Abflug bis nach dem Frühstück zu warten. Eigentlich wollte ich schon zwei Stunden früher fliegen.“ Jessica schluckte. „Ich muss mal ein bisschen funken. Wenn Du mithören willst,“ er lehnte sich zurück und holte ein Paar Kopfhörer vom Rücksitz. Jessica setzte sie auf. Sie hörte mit, wie Bob mit jemandem sprach.
Jessica fielen fast die Augen zu. Sie lehnte ihren Kopf gegen den Sitz und schlief ein. Sie hatte Lui verloren. Alles was sie jetzt wollte, war schlafen.
Ende Teil 1 – „The King“ aus „Lebend nach Berlin.“
19.06.2008 Dänemark
08.09.2012 digitalisiert.

Fortsetzung im Bearbeitung

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