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Der Anfang vom Anfang


 

 
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zwima
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 791
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BeitragVerfasst am: 01.12.2011 12:07    Titel: Der Anfang vom Anfang eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hi,
wie ich ja schon hier und da hab fallenlassen, bin ich gerade dabei eine alte Geschichte von mir neu aufzusetzen. Es geht ist eine Romantasy-Story in einem High-Fantasy-Setting. Insgesamt werden es wohl so um die 500 Seiten werden. Mein altes Gerüst hat 300 und dient tatsächlich nur als Gerüst.

Das nun ist also der Anfang der ersten neuen Szene und da bekanntlich schon die ersten Worte und Sätze entscheiden, ob man weiterlesen will, gebe ich sie hiermit zur Diskussion frei. Macht es neugierig? Und VORSICHT - es handelt sich dabei nicht um die komplette erste Szene, sondern wie gesagt nur um den Einstieg in die Szene.

Liebe Grüße
Zwima

************************************************************

Die Hufe der Pferde zerhackten die Erdkrusten unter ihnen zu Matsch. Vereiste Geschosse aus Schnee, Dreck und Steinen stoben unter ihrem Getrampel hervor, beschmutzten Fesseln der Reittiere ebenso, wie die Lederstiefel der Reiter, die geduckt im leichten Sitz auf ihnen dahin hasteten. Vorbei flogen laubleere Bäume, die ihre Äste anklagend in den grauen Himmel reckten. Nichts, als Skelette einer besseren Zeit, genau wie die der Menschen unter der Erde, an den einzelnen, nur durch große Mahnsteine zu erkennenden Gräbern.  Bei jedem Galoppsprung stieß Feodors Hengst seinen Atem in einer kleinen Dampfwolke aus, die sich vermischte mit dem Geruch nach blutgetränkter Erde, Winter und Verwüstung.
"Da hinten!"  Der Reiter an Feodors Seite löste die behandschuhte Rechte vom Zügel und wies auf die Stelle am Horizont, an der sich schwarzer Rauch vom  schneeweißen Boden abhob und mit nebelgrauem Himmel vermischte.
"Ja. Ich sehe es auch." Sie kamen zu spät. Wieder einmal.
Feodor züglete seinen Hengst und auch die kleine Gruppe seiner Gefolgsleute fiel auf seinen unausgesprochenen Befehl hin in einen leichten Trapp. In der Stille des Winters war das Schnaufen der Pferde überlaut.  
Langsam tauchte der kleine Weiler am Horizont auf.  Oder zumindest das, was von ihm übrig war. Nichts als ein Haufen verbackener Gerippe und jeder Schritt ihrer Pferde brachte neue, grausige Details zum Vorschein. Hier und da leckten noch immer Flammen an den Wänden dessen, was noch vor Stunden wohl Häuser gewesen waren. Nicht viel hatte das Dorf zu bieten gehabt, aber es war das Zuhause von Menschen gewesen. Es musste Zeiten gegeben haben, in denen sie gelacht oder auf dem Rund ihres Dorfplatzes getanzt hatten. In den Katen hatte es Betten gegeben, in denen sie sich ausgeruht und geliebt hatten, und an den Tischen, die jetzt nichts als Asche waren, hatten sie sich Geschichten erzählt und sich beratschlagt, wie sie die Ernte einbringen und gleichzeitig den Zehnten für ihren König entrichten sollten. Einen König, der ihnen Schutz versprochen hatte. Er hatte sein Versprechen nicht gehalten.
Kurz bevor sie das Dorf erreichten, wehte eine plötzliche Windböe eine feine Aschewolke zu ihnen hinüber und mit ihr kam bitterer Brandgeruch und der Gestank von Angst.
"Verfluchtes Zauberpack!" Einer der Reiter neben ihm, nahm die Zügel in eine Hand und legte sich die andere vor den Mund.
"Ich hab dir nicht befohlen zu sprechen. Es waren die Dörfler selber, die das Feuer gelegt haben. Das weißt du genauso gut, wie ich." Feodor hasste, was er sah und noch mehr hasste er die Faylies mit ihren stinkenden Zaubern.



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Nina
Geschlecht:weiblichBestseller-Autor


Beiträge: 4330



BeitragVerfasst am: 01.12.2011 12:30    Titel: Re: Der Anfang vom Anfang Antworten mit Zitat

zwima hat Folgendes geschrieben:


************************************************************

Die Hufe der Pferde zerhackten die Erdkrusten unter ihnen zu Matsch.

Die Perde zerhackten Erdkrusten zu Matsch? Haben Sie Wasser unter/an ihren Füßen? Wie soll das gehen? Unter ihnen? Unter wem? Der erste Satz ist für mich leider schon "schief".

Vereiste Geschosse aus Schnee, Dreck und Steinen stoben unter ihrem Getrampel hervor, beschmutzten Fesseln der Reittiere ebenso, wie die Lederstiefel der Reiter, die geduckt im leichten Sitz auf ihnen dahin hasteten.


Die Reiter sitzen geduckt auf ihren Stiefeln?


Vorbei flogen laubleere Bäume, die ihre Äste anklagend in den grauen Himmel reckten. Nichts, als Skelette einer besseren Zeit, genau wie die der Menschen unter der Erde, an den einzelnen, nur durch große Mahnsteine zu erkennenden Gräbern.  


Die Menschen sind Skelette einer besseren Zeit?


Bei jedem Galoppsprung stieß Feodors Hengst seinen Atem in einer kleinen Dampfwolke aus, die sich vermischte mit dem Geruch nach blutgetränkter Erde, Winter und Verwüstung.

in einer Dampfwolke? Ungeschickt formuliert. Mit dem Geruch nach Erde? Das "nach" kann m.E. weg.

"Da hinten!"  Der Reiter an Feodors Seite löste die behandschuhte Rechte vom Zügel und wies auf die Stelle am Horizont, an der sich schwarzer Rauch vom  schneeweißen Boden abhob und mit nebelgrauem Himmel vermischte.


Hier würde ich das "da hinten" ans Ende setzen und nicht nach vorne. Vom Ablauf ist es ja eher anders herum, d.h. erst die Handschuhhand lösen, dann zeigen, dann sprechen. Manchmal auch zeitgleich. Hier in Deiner Variante wirkt es auf mich "verkehrtherum" erzählt.


"Ja. Ich sehe es auch." Sie kamen zu spät. Wieder einmal.
Feodor züglete seinen Hengst und auch die kleine Gruppe seiner Gefolgsleute fiel auf seinen unausgesprochenen Befehl hin in einen leichten Trapp. In der Stille des Winters war das Schnaufen der Pferde überlaut.  

zügelte, nicht züglete. Fiel in einen Trapp? Trab wohl, oder? Was ist "überlaut"?

Langsam tauchte der kleine Weiler am Horizont auf.  Oder zumindest das, was von ihm übrig war. Nichts als ein Haufen verbackener Gerippe und jeder Schritt ihrer Pferde brachte neue, grausige Details zum Vorschein.

Wieso? Was ist denn mit den Schritten der Pferde? Monitore an den Hufen?

Hier und da leckten noch immer Flammen an den Wänden dessen, was noch vor Stunden wohl Häuser gewesen waren.

wieso "wohl"? Das ist verzichtbar.


Ich höre an dieser Stelle mal auf.

LG
Nina


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zwima
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 791
Wohnort: Reihenhausidyll


BeitragVerfasst am: 01.12.2011 15:45    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Nina,
danke für deine Kommentare. Einige kann ich gut nachvollziehen, andere kommen mir doch von etwas weit hergeholt vor. Wie z.B. gleich der erste.

Die Pferde brauchen kein Wasser an den Hufen, um die Krusten von dem gefrorenen Boden abzutragen und nur Matsch zu hinterlassen. Es schneit, also muss es um den Gefriepunkt sein, der Boden ist oben verkrustet/gefrohren, doch wenn sechs PFerde darüber hinweg trampeln bleibt nun einmal nur Matsch.

Außerdem sehe ich auch keinen logischen Bruch darin, dass der Boden unter ihnen ist. Er ist wohl kaum über oder seitlich von ihnen?

Dass sich das "geduckt sitzen" auf die Reiter bezieht müsste eigentlich klar sein, denn "Reiter" ist das letzte Substanitiv vor dem Relativsatz. Der Satz ist beim genauen Hinsehen wohl zu lang, aber der Bezug müsste meiner Meinung nach dennoch richtig sein.

Ich schreibe an keinem Punkt, dass die Menschen Skelette einer besseren Zeit sind, sondern es steht "die der Menschen". Auch hier, der Satz ist wahrscheinlich zu lang, aber der Bezug, den du hergestellt hast, steht so einfach nicht da.

Begleitsätze zur wörtlichen Rede können meines Wissens genauso gut, vor, wie hinter der Rede stehen. Ich habe auf jeden Fall beides schon oft genug in Büchern gelesen.

Wie gesagt, danke dennoch. Dass es dir nicht gefallen hat, ist angekommen und ja auch durchaus als Kritik wertvoll Smile


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Piratin
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BeitragVerfasst am: 01.12.2011 16:19    Titel: Re: Der Anfang vom Anfang Antworten mit Zitat

Hallo zwima!
ich schreibe der Einfachheit halber einfach direkt mit blau in den Text.
zwima hat Folgendes geschrieben:


Die Hufe der Pferde zerhackten die Erdkrusten unter ihnen zu Matsch.
Mit zerhacken verbinde ich eine andere Verursacherform als Hufe ... Besser ist da vielleicht: Die Erdkrusten zerbarsteten unter den Pferdehufen. Auch endet hacken für mich nicht in Matsch (es sei denn meine Küchenmaschine macht statt gehackter Mandeln Mandelbrei  smile extra

Vereiste Geschosse aus Schnee, Dreck und Steinen stoben unter ihrem Getrampel hervor, beschmutzten Fesseln der Reittiere ebenso, wie die Lederstiefel der Reiter, die geduckt im leichten Sitz auf ihnen dahin hasteten.
Sorry, auch wenn die Reiter das letzte Wort vor dem Relativsatz sind, sind sie nicht das Substanztiv, auf das sich der Relativsatz bezieht - das sind die Stiefel, die sich ducken  wink

Vorbei flogen laubleere Bäume, die ihre Äste anklagend in den grauen Himmel reckten. Nichts, als Skelette einer besseren Zeit, genau wie die der Menschen unter der Erde, an den einzelnen, nur durch große Mahnsteine zu erkennenden Gräbern.  
Sind das unter der Erde Menschen oder Skelette. Da bin ich verwirrt   Question
Bei jedem Galoppsprung stieß Feodors Hengst seinen Atem in einer kleinen Dampfwolke aus, die sich vermischte mit dem Geruch nach blutgetränkter Erde, Winter und Verwüstung.
Da ist mir der Bezug unklar: wenn sich die Dampfwolke mischt mit einem Geruch - hat sie vorher einen Eigengeruch? Und wer nimmt den war?
"Da hinten!"  Der Reiter an Feodors Seite löste die behandschuhte Rechte vom Zügel und wies auf die Stelle am Horizont, an der sich schwarzer Rauch vom  schneeweißen Boden abhob und mit nebelgrauem Himmel vermischte.
"Ja. Ich sehe es auch." Sie kamen zu spät. Wieder einmal.
Feodor züglete zügelte seinen Hengst, und auch die kleine Gruppe seiner Gefolgsleute fiel auf seinen unausgesprochenen Befehl hin in einen leichten Trapp Trab. I
n der Stille des Winters war das Schnaufen der Pferde überlaut. Das überlaut passt nicht so, auch weil es von Dir als Autor deutend ist, ohne dass es von einer der Protas wahrgenommen wird.
Langsam tauchte der kleine Weiler am Horizont auf.  Oder zumindest das, was von ihm übrig war. Nichts als ein Haufen verbackener Gerippe und jeder Schritt ihrer Pferde brachte neue, grausige Details zum Vorschein.
Du erzählst hier leider aus großer Distanz. Lass' Deine Protas die Details entdecken, dann bleibt der Leser auch dabei.

Leider habe momentan für mehr keine Zeit, vielleicht schaffe ich es morgen, nochmal weiterzumachen.
Generell bleibst Du zu weit vom Geschehen weg und erzählst, statt zu zeigen. Aber insgesamt finde ich die Idee der Szene nicht unspannend
Liebe Grüße
Piratin


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Teutoni62
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BeitragVerfasst am: 01.12.2011 20:57    Titel: Der Anfang oder der 1. satz Antworten mit Zitat

Hi, zwima
da mich Dein Text angesprochen hat, möchte ich Dir hiermit ein paar persönliche Meinungen bzw. Vorschläge anbieten.

Der Anfang vom Anfang oder der berühmt berüchtigte 1. Satz. Zu diesem Thema gibt es zahlreiche mehr oder weniger konstruktive Ansichten. Für mich ist ein gelungener erster Satz ein ganz klarer strategischer Vorteil und es gibt eigentlich auch keinen vernünftigen Grund auf ihn zu verzichten. Ganz im Gegenteil ich möchte meinen Leser mit klaren, verbalen Bildern anfixen – bannen.

Nehmen wie Deinen 1. Satz:

Die Hufe der Pferde zerhackten die Erdkrusten unter ihnen zu Matsch.

Dieser Satz hinterlässt bei mir eher Fragen als Spannung.

Erdkruste = ruft bei mir eher geologische Assoziationen hervor, als Landschaftsbilder.
Was für eine Rasse/Farbe? Pony, Haflinger

Wie wäre es mit:

Die braunen Don-Pferde donnerten über den blutgetränkten Frostboden und zertrümmerten die Eiskrusten zu rotem Matsch.

Nehmen wir Deinen 2. Satz, dessen Anfangsformulierung meine Aufmerksamkeit erregt hat.

Vereiste Geschosse aus Schnee, Dreck und Steinen stoben (gefällt mir)
unter ihrem Getrampel hervor, beschmutzten Fesseln der Reittiere ebenso, wie die Lederstiefel der Reiter, die geduckt im leichten Sitz auf ihnen dahin hasteten.
(zu lang, zu umständlich - Frage)

Was für Reiter? Dressurreiter, Kunstreiter, Kosaken?

Ich würde ihn kürzen – vielleicht so:

Vereiste Geschosse aus Dreck und Steinen trafen die Lederstiefel der Reiter - Dreckverkrustete Kosaken, die geduckt dahin galoppierten.

Dann kommt Dein 3. Satz – mit einer eingestreuten Metapher.

Vorbei flogen laubleere Bäume, die ihre Äste anklagend in den grauen Himmel reckten. Nichts, als Skelette einer besseren Zeit, genau wie die der Menschen unter der Erde, an den einzelnen, nur durch große Mahnsteine zu erkennenden Gräbern.

Diese nimmt das Tempo und die Spannung aus der Szene – würde ich Ersatzlos streichen, z.B. so:

Kahle Bäume und  Erdhügel mit ärmlichen Holzkreuzen flogen an den bärtigen Russen vorbei.
Fedors Goldbrauner Hengst galoppierte an der Spitze des Trupps und jagte seinem dampfenden Atem hinterher …


Ich hoffe Du kannst etwas mit meinen Vorschlägen anfangen. Ich wünsche Dir viel Kraft und spritzige Ideen für Dein Werk.

LG Teutoni62


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Nina
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BeitragVerfasst am: 02.12.2011 01:24    Titel: Antworten mit Zitat

zwima hat Folgendes geschrieben:
Außerdem sehe ich auch keinen logischen Bruch darin, dass der Boden unter ihnen ist. Er ist wohl kaum über oder seitlich von ihnen?

Begleitsätze zur wörtlichen Rede können meines Wissens genauso gut, vor, wie hinter der Rede stehen. Ich habe auf jeden Fall beides schon oft genug in Büchern gelesen.

Wie gesagt, danke dennoch. Dass es dir nicht gefallen hat, ist angekommen und ja auch durchaus als Kritik wertvoll Smile


Hallo zwima,

Du schreibst, dass die obige Szene, die erste Szene ist. Deshalb auch die Frage "unter ihnen" - unter wem? Man weiß doch noch gar nicht um wen oder was es geht. Mich hat der erste Satz gleich mit Fragen hinterlassen, - so wie die bisherigen Kommentatoren/innen auch.

Die wörtliche Rede würde ich, wie ich anführte, wegen der Logik, ans Ende und nicht an den Anfang stellen. Das scheint mir stimmiger. Du kannst es selbstverständlich auch so lassen. Du fragtest nach Rückmeldungen, ich habe Dir eine gegeben.

Schlecht finde ich den Text übrigens nicht. Du willst viel, das ist aus den Abschnitten ersichtlich, aber manchmal sind die Sätze und Formulierungen etwas ungeschickt. Teutoni hat gute Überarbeitungen vorgeschlagen, finde ich. Ich hoffe, ich war nicht zu hart mit meiner Kritik.

LG
Nina


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Murmel
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BeitragVerfasst am: 07.12.2011 03:23    Titel: Antworten mit Zitat

Zwima,

ich denke dein Hauptproblem ist,dass du es übertreibst mit deinen Beschreibungen, um ein Bild zu zeichnen. Nicht immer ist das starke Verb das Richtige, vor allem, wenn das Verb nicht zu dem Gegenstand passt.

Es ist tatsächlich so, dass gefrorene Eisklumpen nicht zu Matsch zerhackt werden, höchstens gestampft, was den Hufen mehr entsprecht. Nur entsteht mir im ersten Eindruck starker Frost, und das widerspricht dem Matsch. Auch beschmutzen vereiste Erdklumpen die Reiter nicht, die fallen ab.

Du versuchst aus der Vogelperspektive wie im Film in die Szene hineinzuzoomen. Das ist ok, aber du musst bestimmte Dinge beachten:

Die Hufe der Pferde zerhackten die Erdkrusten unter ihnen zu Matsch. Vereiste Geschosse aus Schnee, Dreck und Steinen stoben unter ihrem Getrampel hervor, beschmutzten Fesseln der Reittiere ebenso, wie die Lederstiefel der Reiter, die geduckt im leichten Sitz auf ihnen dahin hasteten. Vorbei flogen laubleere Bäume,   die ihre Äste anklagend in den grauen Himmel reckten. Nichts, als Skelette einer besseren Zeit, genau wie die der Menschen unter der Erde, an den einzelnen, nur durch große Mahnsteine zu erkennenden Gräbern. Bei jedem Galoppsprung stieß Feodors Hengst seinen Atem in einer kleinen Dampfwolke aus, die sich vermischte mit dem Geruch nach blutgetränkter Erde, Winter und Verwüstung.

Der blaue Teil ist eindeutig ein externer Erzähler, der über der Szene steht. Das kann gemacht werden, ist aber für Puristen nicht ok. Der grüne Teil ist eine Bewertung (Gefühl, Gedanken) eines internen Erzählers, aber von wem? Rot ist immer noch nicht die Figur, bzw, es ist nicht festzustellen, wo der Erzähler der Geschichte sitzt.

Damit haust du den Leser aus dem Fluss heraus. Bevor du Innenansichten bringst, musst du die Figur, zu denen die Gedanken gehören, vorstellen.

Es fehlt also nicht viel.


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*Koppelmord - Carlsen Instantbooks 2013
*Flauschangriff - Piper/Weltbild 2014, Piper Fahrenheit 2017
*Katertage zum Verlieben - Thienemann 2014
*Bocktot - Gmeiner-Verlag 2017
*Brunnenleich - Gmeiner-Verlag Juli 2018
*Gut Gebellt, Katze - Edel Elements September 2018
*Schwarze Küste - Gmeiner Verlag Februar 2019
*Marias Geheimnis - Weltbild/Edel Elements 01.03.2019
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zwima
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BeitragVerfasst am: 07.12.2011 10:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi  Murmel,
danke, du hast zumindest meine Intention erkannt. Von einem szenischen Einstieg in die Perspektive des Protagonisten, dem das passiert, was dann im Rest der Szene noch passiert. Die Bilder gingen daneben - ich mag keine Landschaftsbeschreibungen - das habe ich mittlerweile auch schon verstanden.

An einer überarbeiteten Version hänge ich noch, denn mehr Infos so sehr am Anfang mag ich nicht reinstreuen. Mir geht es bei dem Einstieg nicht um Details, sondern um eine Versinnbildlichung des Dilemmas, in dem mein Held am Anfang der GEschichte steckt. Auch ein Grund, warum ich an der Idee des "Reinzommens" festhalten will.

Naja, ich überlege noch ...

Zwima


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zwima
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Beiträge: 791
Wohnort: Reihenhausidyll


BeitragVerfasst am: 07.12.2011 10:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, jetzt habe ich es noch einmal probiert - mit dem Erfolg, dass ich einfach ganz viel weggelassen habe - vielleicht klappt's ja so besser? Außerdem hänge ich euch noch den Rest der Szene an. Dadurch wird das Ganze eigentlich zu lang für das Forum, aber ich denk, um die Intention der Szene zu bergreifen (es geht nicht darum, wer genau der Protagonist ist - das sollte sich von alleine erschließen, sondern wo er steht) ist sie glaube ich wichtig.

*************************************

Die Hufe der Pferde zerhackten die gefrorene Erde. Vereiste Geschosse aus Schnee, Dreck und Steinen stoben unter dem Getrampel hervor und prallten von den schweren Lederstiefeln der Reiter ab. Im leichten Sitz nach vorne gebeugt hasteten diese dahin, flogen vorbei an den laubleeren Bäumen, die anklagend ihre Äste in den Himmel reckten. Die Luft war gesättigt von dem Geruch nach Pferdeschweiß, Winter und Verwüstung und biss Feodor in die Nase.
Der Reiter an seiner Seite löste die behandschuhte Rechte vom Zügel und wies auf die Stelle am Horizont, an der sich schwarzer Rauch vom schneeweißen Boden abhob und mit nebelgrauem Himmel vermischte. „Da hinten!“
"Ja. Ich sehe es auch." Sie kamen zu spät. Wieder einmal.
Feodor zügelte seinen Hengst und auch die kleine Gruppe seiner Gefolgsleute fiel auf seinen unausgesprochenen Befehl hin in einen leichten Trab. In der Stille des Winters war das Schnaufen der Pferde überlaut.
Langsam tauchte der kleine Weiler am Horizont auf. Oder zumindest das, was von ihm übrig war. Nichts als ein Haufen verbackener Gerippe und jeder Schritt ihrer Pferde brachte neue, grausige Details zum Vorschein. Hier und da leckten noch immer Flammen an den Wänden dessen, was noch vor Stunden Häuser gewesen waren. Nicht viel hatte das Dorf zu bieten gehabt, aber es war das Zuhause von Menschen gewesen. Es musste Zeiten gegeben haben, in denen sie gelacht oder auf dem Rund ihres Dorfplatzes getanzt hatten. In den Katen hatte es Betten gegeben, in denen sie sich ausgeruht und geliebt hatten, und an den Tischen, die jetzt nichts als Asche waren, hatten sie sich Geschichten erzählt und sich beratschlagt, wie sie die Ernte einbringen und gleichzeitig den Zehnten für ihren König entrichten sollten. Einen König, der ihnen Schutz versprochen hatte. Er hatte sein Versprechen nicht gehalten.
Kurz bevor sie das Dorf erreichten, wehte eine plötzliche Windböe eine feine Aschewolke zu ihnen hinüber und mit ihr kam bitterer Brandgeruch und der Gestank von Angst.
"Verfluchtes Zauberpack!" Einer der Reiter neben ihm nahm die Zügel in eine Hand und legte sich die andere vor den Mund.
"Ich hab dir nicht befohlen zu sprechen. Es waren die Dörfler selber, die das Feuer gelegt haben. Das weißt du genauso gut, wie ich." Feodor hasste, was er sah und noch mehr hasste er die Faylies mit ihren stinkenden Zaubern.
Keine Hundert Schritte vor dem Dörfchen parierte Feodor seinen Hengst zum Stehen und saß ab. "Wir lassen die Pferde hier, die werden nur nervös von dem Rauch. Geht und sucht nach Überlebenden."
Es hatte wieder begonnen zu schneien. Die Flocken tanzten über den grauen Himmel und begruben das Dorf unter einem eisigen Leichentuch. Feodor betrat durch das Loch, das zuvor die Rückwand eines Hauses gewesen war, die erste Kate. Der Deckenbalken war herabgestürtz und hatte den Tisch zertrümmert, der in der Mitte des Raumes getsanden hatte. Achtlos schob er mit seinem Stiefel einige zerbrochene Tonscherben zur Seite. Sie lagen in den mit weißlicher Asche bedeckten Trümmern, die teils aus den Resten des Hauses, teils aus der zerstörten Einrichtung bestanden. Hier gab es nichts und niemanden zu retten.
Auf dem Dorfplatz sah er die erste Leiche. Ein ältliches Männlein, im Tod zusammengekauert wie ein Embryo. Graue Haare hoben sich kaum vom feuchtigkeitgeschwängerten Hintergrund ab, die Kleider ebenso farblos, wie seine Haut. Die bräunliche Farbe seines Erbrochenen, das unter und um seinen Kopf eine Pfütze bildete, war der einzige Kontrast in diesem Horror aus Schnee, Tod und Verzweiflung. Die Hand des Mannes hielt noch immer einen irdenen Becher umklammert. Feodor trat zu dem Toten, entwand der steifen Hand das Gefäß und roch daran. Genau, wie er erwartet hatte. Er kannte den bitteren, metallischen Geruch. Der Alte hatte sich mit Wolfswurz vergiftet. Wahrscheinlich hatte er kein Schwert, aber die Faylies waren eben erfinderisch in ihren Mordmethoden.
"Habt ihr jemanden gefunden?" Aus verschiedenen Ecken des Dorfes kamen die Verneinungen seiner Männer.
"Nein, mein König. Sie haben alle mitgenommen. Die, die sie nicht brauchen konnten, sind mausetot."
Wie der hier vor ihm. Seine letzte Wahl war gewesen, sich in die Flammen zu stürzen, oder sich zu vergiften. Was für ein ehrloser Tod für einen einfachen, arbeitssamen Mann, wie er bestimmt einer gewesen war.
Plötzlich brach sich ein Laut durch die Grabesruhe. Ein klägliches Maunzen, wimmernd, quäkend. Wie ein Kätzchen. Nein, dazu war es zu klagend, für ein Kind zu kraftlos. Ein Säugling, das war das Kreinen eines Säuglings.
Feodors Kopf schnellte in die Höhe. "Hört ihr das? Lauft, beeilt euch, wir müssen es finden!"
Aus allen Ecken stoben die Männer jetzt aus, rannten noch einmal in die Katen, die sie längt abgesucht hatten. Das Maunzen wurde jetzt zu einem Wimmern, dann zu einem Krähen. Ja, ganz eindeutig, hier weinte ein Kind. Feodor folgte dem Stimmchen, seine Männer ihm dicht auf den Fersen. Zwischen den Hausgerippen hindurch, auf der rückwärtigen Seite wieder hinaus. Hier fiel eine weite Fläche sanft hinab in Richtung des Meeres. Verdorrte, stachelige Halme stachen in geraden Linien aus der Schneedekce heraus und erzählten Feodor, von was seine Untertanen in diesem abgelegenen Winkel des Reichs gelebt hatten. Es waren Bauern gewesen. Ein hartes Leben musste es gewesen sein, der Erde, die hier so nah an der Küste salzig und hart war, das bisschen abzutrotzen, das sie brauchten. Aber immerhin war es ein Leben gewesen. Jetzt gab es hier nur noch Tod. Wie überall, wo die verfluchten Faylies gewesen waren. Bei allen Göttern, wann würde dieser Krieg endlich ein Ende finden?
Das Stimmchen wurde wieder leiser. Erschöft. Feodor musste immer genauer hinhören, um die Richtung auszumachen, aus der es kam.
Unweit hinter den Häusern gab es, etwas abseits gelegen, eine weitere Hütte. Wahrscheinlich ein Backhaus. Die standen meist in einiger Entfernung zu den Wohnhäusern, um zu verhindern, dass Funken aus dem Ofen flogen und das Dorf in Brand stecken. Welch Ironie, dachte Feodor. Jetzt war das Backhaus das einzige Gebäude, das die Flammen nicht gefressen hatten. Kein Wimmern mehr. Er war an dem Backhaus angekommen, warf die Schulter gegen die gezimmerte Bretterwand, die die Tür bildete. "Habt keine Angst. Wir sind gekommen, um euch zu helfen!"
Am liebsten wäre er erstarrt, doch sein Körper war immer noch von dem Stoß der Schulter in Schwung und so war Feodor gezwungen in das Innere des Backhauses zu stolpern.  
"Gütiger Himmel!" hinter ihm fluchte einer seiner Männer. Auch er hätte gerne geflucht, hätte Himmel und Hölle, Götter und Dämonen gerne für das verantwortlich gemacht, was er da vor sich sah. Aber er wusste zu gut, wessen Aufgbae es gewesen wäre, dieses Gräuel zu verhindern. Der Glaube an die Götter mochte die einfachen Leute trösten, sie zu schützen war die Aufgabe ihres Königs.  
Den Rücken an die groben Ziegel des Ofens gelehnt, saß eine junge Frau. Ihr graues Kleid war mehlbestäubt, die schlanken Fesseln genauso verdreckt wie die Holzpantoletten, die sie trug. Ihre Rechte hielt noch immer das Messer in ihrer Brust umklammert. Unter ihren linken Arm hatte sie einen niedrigen Schemel geschoben, so dass er auch, als sie ihre traurige Tat vollbracht hatte, eine Wiege vor ihrer entblößten Brust formte. Darin lag das Kindchen. Ein lockiges, blondes Häuflein Mensch, dessen eines Händchen immer noch wild auf die blanke Brust seiner toten Mutter patschte. Ihrem Kind ein warmes Plätzchen zu geben um auf den Tod zu warten, war der letzte Akt einer verzweifelten Mutter gewesen. Entschlossen saugte der Säugling an seiner anderen Faust und auch wenn er aufgehört hatte zu weinen, konnte er nicht wissen, dass es dort ebenso wenig das finden würde, was es zum Leben brauchte, wie an dem durch den Tod versiegten Mutterbusen.
Taumelnd fiel Feodor an der Seite des Paares auf die Knie, riss sich die Handschuh von den Händen. Obwohl er erhitzt war von dem Ritt und der hoffnungslosen Suche nach Überlebenden biss ihn die Kälte in die Haut. Sanft steichelte er über die verklebten Locken den Kleinen. "Bringt ihn an einen sicheren Ort."
Hinter ihm nur Schweigen.
"Habt ihr meinen Befehl nicht gehört? Hier ist es zu kalt für so ein kleines Kind, es muss ein Zuhause finden." Wütend drehte er sich zu seinen Männern um. Er hatte nicht viel Erfahrng mit Kindern, mit Säuglingen schon gar nicht, aber selbst er wusste, dass Neugeborene nicht lange in klirrender Kälte und ohne Muttermilch überleben konnten. Vielleicht war es doch nicht vergebes gewesen, auf die Gerüchte eines neuerlichen Faylieüberfalls zu hören und hierher zu kommen. Drei der Männer sahen unruhig auf den Boden, als suchten sie dort nach der passenden Antwort, einer kaute an der Daumennaht seines Handschuhs, während der letzte uneduldig an seinem Brustharnisch nesselte. "Braucht ihr es noch in einer anderen Sprache? Ich habe gesagt ..." Ein Räuspern. Der, der gerade noch an seinem Handschuh gekaut hatte, richtete den Blick auf Feodor.
"Verzeiht, mein König, wenn ich Euch unterbrechte. Aber wo sollen wir das Kind hinbringen? Dies ist der letzte Ort vor der Grenze. Ein Wunder, das er so lange vor den Überfällen verschont geblieben ist. Selbst wir sind fast einen ganzen Tag geritten, um hierher zu kommen, haben den Pferden kaum eine Pause gegönnt und was sollen wir mit einem Kind in einem Heerlager machen, da gibt es keine Ammen. Die nächste Ortschaft ist mehr als drei Tagesritte entfernt und wir haben keine Milch dabei."
Einer der anderen Männer verstand, was sein Kamerad gerade gesagt hatte. "Es muss doch einen Weg ..."
"Schweigt!" Feodor war es leid, wollte nicht noch mehr hören. Auch er hatte verstanden, hätte es von Anfang an wissen müssen.
 "Aber ..." versuchte es der Krieger noch einmal.
Feodor sprang auf. "Geht!" Er brüllte nicht, seine Stimme war ein frostiges Zischen, hüllte sein Gesicht in kondensierte Feutigkeit, wo heißer Atem auf Winter traf. "Oder will einer von euch tun, was zu tun ist?"
Schweigen und peinlich berührtes Stiefelscharren. "Das habe ich mir gedacht. Wartet bei den Pferden auf mich."
"Mein König." Wie ein einziger Mann verbeugten sich die fünf Krieger vor ihm und gingen rückwärts, einer nach dem anderen, aus dem Backhaus.
Dann war er allein. Allein mit dem kleinen bisschen Leben, das übrig geblieben war von dem Dorf, das zu schützen er aufgebrochen war.
Feodor schaute sich im Backhaus um. An den Wänden waren hölzerne Regale mit Rattankröben aufgestellt. Der Tisch in der Mitte des kleinen Raums zeigte mit seinen Kratzern und der helleren Farbe an der Oberfläche, dass hier noch vor Kurzem emsig gearbeitet worden war. Doch jetzt er war leer. In dem dritten Korb, den er durchsuchte, fand er, was er brauchte. Um sicher zu gehen, befeuchtete Feodor seinen Zeigefinder, steckte ihn in die kleinen Kristalle, die in einer Schale in dem Korb lagen und führte ihn dann zwischen die Lippen. Das war es. Er nahm sich die Zuckerschale und stellte sie neben die tote Mutter. Dann riss er einen Fetzen aus dem Hemd, dass er unter seinem Brustpanzer trug, ging damit vor die Tür und rieb es in einer Hand sauberen Schnees. Jetzt war der Fetzen feucht genug.
Wieder im Backhaus hob Feodor den Säugling vorsichtig aus der letzten Umarmung seiner Mutter. Das Kind schlug die Augen auf und gab wimmernde Laute von sich.
"Ganz ruhig, mein Kleines. Deine Mama wartet schon auf dich."
Er tauchte den nassen Stoffetzen in den Zucker und hielt ihn dem Kindchen hin, führte ihn sanft an dessen Lippen. Zuerst zog sich nur das kleine Näschen kraus, doch dann kosteten die Lippen die Süße und das Kleine sog den Stoff in seinen Mund.
"Ja, so ist es gut. Das schmeckt, nicht war?"
Feodor wusste nicht, was er da redete, plapperte einfach darauf los und sank mit dem Kind in seinen Armen auf die Knie. Als das Baby mit den Fäustchen den Stoff umklammerte und zufrieden schmatzte, führte er die Rechte zu seinem Stiefel. Dorthin, wo er sein Messer trug. Er musste nicht lange tasten. Es war dort, wo es immer war, bereit ihm in jeder brenzligen Situation beizustehen. Was bloß war aus Tabulia geworden, dass er es jetzt schon gegen die Wehrlosesten der Unschuldigen richten musste?
Einen Moment noch schaute er dem Säugling zu, dann setzte er das Messer an und vollendete seine grausige Pflicht.  Mühelos fand die Klinge die Stelle zwischen den Wirbeln im Nacken, glitt durch Haut und Äderchen und durchtrennte den dicken Nervenstrang. Anstelle des Schmatzens trat ein erstaunter Laut und das Müdchen ließ den Hemdfetzen fallen. Ziellos suchten rudernde Ärmchen nach etwas, was sie umklammern konnten. Feodor ließ das Messer fallen und nahm die kleinen Hände in seine viel größeren. Er hatte dem kleinen Lockenschopf eine friedvolle letzte Reise gewünscht. Doch auch dieser Wunsch erfüllte sich nicht. Die Augen des Säuglings weiteten sich noch ein letztes Mal, dann brachen sie und endlich war es vorbei. Ja, schnell war es gegangen, aber friedvoll nicht.
Feodor wischte sich mit dem Ärmel notdürftig das Blut von den Händen, setzte sich auf die Fersen und legte das tote Baby auf dem Schoß seiner Mutter ab. Bevor er es zurück in deren Umarmung legte, zupfte er ihr Kleid zurecht, bedeckte ihre Blöße, zog den Dolch aus ihrem Herzen und sprach ein kurzes Gebet an den großen Gott En, der ihnen allen Leben geschenkt hatte. Am Ende waren Mutter und Kind wieder vereint. Möge dieses Land irgendwann Frieden finden, damit es endlich wieder Hoffnung gab.


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Johannhh
Geschlecht:männlichSchreiberassi

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Wohnort: Heidelberg


BeitragVerfasst am: 08.12.2011 11:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,

ich würde mir die ersten zweieinhalb Zeilen sparen und dierekt in die Handlung einsteigen:

Der Reiter an Feodors Seite löste die behandschuhte Rechte vom Zügel. Weit vor ihnen, dort wo der Himmel den Horizont berührt, stieg eine dünne Rauchsäule nach oben.
„Da hinten!“
"Ja. Ich sehe es auch."
Sie kamen zu spät. Wieder einmal.

Deinen Einstieg der erst die Situation beschreibt empfinde ich etwas holprig, ich glaube wenn Du direkt in die Handlung einsteigst verlierst du nichts. Mangels Zeit habe i ich jetzt nicht viel weiter gelesen. Ein Satz ist mir noch aufgefallen:

"Wir lassen die Pferde hier, die werden nur nervös von dem Rauch. Geht und sucht nach Überlebenden."

Das ist eine reine Erklärung für den Leser, jeder Reiter aus Feodors Trupp weis, dass Pferde vom Rauch nervös werden, wenn das wirklich so ist, und die Pferde das nicht sogar gewohnt sind. In jedem Fall würde Feodor sowas nicht sagen, es ist unglaubwürdig. Weniger ist mehr:

"Wir lassen die Pferde hier. Geht und sucht nach Überlebenden."

Soweit so gut, später lese ich wohl weiter,

Bester Gruß,

Johann
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Prunkbold
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 31
Beiträge: 179



BeitragVerfasst am: 03.11.2012 18:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo zwima,

eigentlich gefällt mir deine Geschichte,
aber der Schluss ist so deprimierend,
nicht desto trotz, würde ich schon weiterlesen wollen,
um zu wissen, wer mit wem Krieg führt,
in welcher Zeit es spielt und und und.
Der Sprachstil erzeugt Atmosphäre, besonders bei den Beschreibungen des Dorfs und insgesamt zog es mich in einen Sog.

Aber der Reihe nach:

Zitat:
Die Hufe der Pferde zerhackten die gefrorene Erde. Vereiste Geschosse aus Schnee, Dreck und Steinen stoben unter dem Getrampel hervor und prallten von den schweren Lederstiefeln der Reiter ab.


Dynamischer Einstieg, gefällt mir.


Zitat:
Im leichten Sitz nach vorne gebeugt hasteten diese dahin, flogen vorbei an den laubleeren Bäumen, die anklagend ihre Äste in den Himmel reckten.


Lenkt die Geschichte in düstere Regionen,
die anklagenden Äste als Vorbote des Schreckens.


Zitat:
Die Luft war gesättigt von dem Geruch nach Pferdeschweiß, Winter und Verwüstung und biss Feodor in die Nase.


Wusste gar nicht, das Pferde schwitzen können.^^


Zitat:
Der Reiter an seiner Seite löste die behandschuhte Rechte vom Zügel und wies auf die Stelle am Horizont, an der sich schwarzer Rauch vom schneeweißen Boden abhob und mit nebelgrauem Himmel vermischte. „Da hinten!“


Sehr atmosphärisches Landschaftsportät.

Zitat:

"Ja. Ich sehe es auch." Sie kamen zu spät. Wieder einmal.
Feodor zügelte seinen Hengst und auch die kleine Gruppe seiner Gefolgsleute fiel auf seinen unausgesprochenen Befehl hin in einen leichten Trab. In der Stille des Winters war das Schnaufen der Pferde überlaut.


Das macht einfach Spaß zu lesen.

Zitat:

Langsam tauchte der kleine Weiler am Horizont auf. Oder zumindest das, was von ihm übrig war. Nichts als ein Haufen verbackener Gerippe und jeder Schritt ihrer Pferde brachte neue, grausige Details zum Vorschein. Hier und da leckten noch immer Flammen an den Wänden dessen, was noch vor Stunden Häuser gewesen waren. Nicht viel hatte das Dorf zu bieten gehabt, aber es war das Zuhause von Menschen gewesen. Es musste Zeiten gegeben haben, in denen sie gelacht oder auf dem Rund ihres Dorfplatzes getanzt hatten. In den Katen hatte es Betten gegeben, in denen sie sich ausgeruht und geliebt hatten, und an den Tischen, die jetzt nichts als Asche waren, hatten sie sich Geschichten erzählt und sich beratschlagt, wie sie die Ernte einbringen und gleichzeitig den Zehnten für ihren König entrichten sollten. Einen König, der ihnen Schutz versprochen hatte. Er hatte sein Versprechen nicht gehalten.


Gefällt mir, wie du die Bilder des Lebens in das verrauchte Szenario eingebettet hast, dieser Kontrast wirkt, er wirkt
und dazu die Überleitung zu dem König hineingepackt,
so dass es wie aus einem Guss kommt.


Zitat:
Kurz bevor sie das Dorf erreichten, wehte eine plötzliche Windböe eine feine Aschewolke zu ihnen hinüber und mit ihr kam bitterer Brandgeruch und der Gestank von Angst.


Diese Passage wirkt unpassend, da die vorherigen Zeilen,
vermuten ließen, du seist schon im Dorf.


Zitat:
"Verfluchtes Zauberpack!" Einer der Reiter neben ihm nahm die Zügel in eine Hand und legte sich die andere vor den Mund.
"Ich hab dir nicht befohlen zu sprechen. Es waren die Dörfler selber, die das Feuer gelegt haben. Das weißt du genauso gut, wie ich." Feodor hasste, was er sah und noch mehr hasste er die Faylies mit ihren stinkenden Zaubern.
Keine Hundert Schritte vor dem Dörfchen parierte Feodor seinen Hengst zum Stehen und saß ab. "Wir lassen die Pferde hier, die werden nur nervös von dem Rauch. Geht und sucht nach Überlebenden."
Es hatte wieder begonnen zu schneien. Die Flocken tanzten über den grauen Himmel und begruben das Dorf unter einem eisigen Leichentuch.


Das mit dem Leichentuch, hast du gut gesagt.

Zitat:


Feodor betrat durch das Loch, das zuvor die Rückwand eines Hauses gewesen war, die erste Kate. Der Deckenbalken war herabgestürtz und hatte den Tisch zertrümmert, der in der Mitte des Raumes getsanden hatte. Achtlos schob er mit seinem Stiefel einige zerbrochene Tonscherben zur Seite. Sie lagen in den mit weißlicher Asche bedeckten Trümmern, die teils aus den Resten des Hauses, teils aus der zerstörten Einrichtung bestanden. Hier gab es nichts und niemanden zu retten.
Auf dem Dorfplatz sah er die erste Leiche. Ein ältliches Männlein, im Tod zusammengekauert wie ein Embryo. Graue Haare hoben sich kaum vom feuchtigkeitgeschwängerten Hintergrund ab, die Kleider ebenso farblos, wie seine Haut. Die bräunliche Farbe seines Erbrochenen, das unter und um seinen Kopf eine Pfütze bildete, war der einzige Kontrast in diesem Horror aus Schnee, Tod und Verzweiflung. Die Hand des Mannes hielt noch immer einen irdenen Becher umklammert. Feodor trat zu dem Toten, entwand der steifen Hand das Gefäß und roch daran. Genau, wie er erwartet hatte. Er kannte den bitteren, metallischen Geruch. Der Alte hatte sich mit Wolfswurz vergiftet. Wahrscheinlich hatte er kein Schwert, aber die Faylies waren eben erfinderisch in ihren Mordmethoden.
"Habt ihr jemanden gefunden?" Aus verschiedenen Ecken des Dorfes kamen die Verneinungen seiner Männer.
"Nein, mein König. Sie haben alle mitgenommen. Die, die sie nicht brauchen konnten, sind mausetot."
Wie der hier vor ihm. Seine letzte Wahl war gewesen, sich in die Flammen zu stürzen, oder sich zu vergiften. Was für ein ehrloser Tod für einen einfachen, arbeitssamen Mann, wie er bestimmt einer gewesen war.


@ Also, das ständige "hatte", "hätte" und "gewesen" nagt am Stil.
Wieso nicht Präteritum oder Präsens?

Zitat:
Plötzlich brach sich ein Laut durch die Grabesruhe. Ein klägliches Maunzen, wimmernd, quäkend. Wie ein Kätzchen. Nein, dazu war es zu klagend, für ein Kind zu kraftlos. Ein Säugling, das war das Kreinen eines Säuglings.
Feodors Kopf schnellte in die Höhe. "Hört ihr das? Lauft, beeilt euch, wir müssen es finden!"
Aus allen Ecken stoben die Männer jetzt aus, rannten noch einmal in die Katen, die sie längt abgesucht hatten. Das Maunzen wurde jetzt zu einem Wimmern, dann zu einem Krähen. Ja, ganz eindeutig, hier weinte ein Kind. Feodor folgte dem Stimmchen, seine Männer ihm dicht auf den Fersen. Zwischen den Hausgerippen hindurch, auf der rückwärtigen Seite wieder hinaus. Hier fiel eine weite Fläche sanft hinab in Richtung des Meeres. Verdorrte, stachelige Halme stachen in geraden Linien aus der Schneedekce heraus und erzählten Feodor, von was seine Untertanen in diesem abgelegenen Winkel des Reichs gelebt hatten. Es waren Bauern gewesen. Ein hartes Leben musste es gewesen sein, der Erde, die hier so nah an der Küste salzig und hart war, das bisschen abzutrotzen, das sie brauchten.


Die Abschweifungen machen das Ganze lebhafter,
erzeugen eine gewisse Freigeistigkeit, sonst wäre es vielleicht gradliniger und dadurch schlichter.

Zitat:
Aber immerhin war es ein Leben gewesen. Jetzt gab es hier nur noch Tod. Wie überall, wo die verfluchten Faylies gewesen waren. Bei allen Göttern, wann würde dieser Krieg endlich ein Ende finden?
Das Stimmchen wurde wieder leiser. Erschöft. Feodor musste immer genauer hinhören, um die Richtung auszumachen, aus der es kam.
Unweit hinter den Häusern gab es, etwas abseits gelegen, eine weitere Hütte. Wahrscheinlich ein Backhaus. Die standen meist in einiger Entfernung zu den Wohnhäusern, um zu verhindern, dass Funken aus dem Ofen flogen und das Dorf in Brand stecken. Welch Ironie, dachte Feodor. Jetzt war das Backhaus das einzige Gebäude, das die Flammen nicht gefressen hatten. Kein Wimmern mehr. Er war an dem Backhaus angekommen, warf die Schulter gegen die gezimmerte Bretterwand, die die Tür bildete. "Habt keine Angst. Wir sind gekommen, um euch zu helfen!"
Am liebsten wäre er erstarrt, doch sein Körper war immer noch von dem Stoß der Schulter in Schwung und so war Feodor gezwungen in das Innere des Backhauses zu stolpern.  
"Gütiger Himmel!" hinter ihm fluchte einer seiner Männer. Auch er hätte gerne geflucht, hätte Himmel und Hölle, Götter und Dämonen gerne für das verantwortlich gemacht, was er da vor sich sah. Aber er wusste zu gut, wessen Aufgbae es gewesen wäre, dieses Gräuel zu verhindern. Der Glaube an die Götter mochte die einfachen Leute trösten, sie zu schützen war die Aufgabe ihres Königs.  
Den Rücken an die groben Ziegel des Ofens gelehnt, saß eine junge Frau. Ihr graues Kleid war mehlbestäubt, die schlanken Fesseln genauso verdreckt wie die Holzpantoletten, die sie trug. Ihre Rechte hielt noch immer das Messer in ihrer Brust umklammert. Unter ihren linken Arm hatte sie einen niedrigen Schemel geschoben, so dass er auch, als sie ihre traurige Tat vollbracht hatte, eine Wiege vor ihrer entblößten Brust formte. Darin lag das Kindchen. Ein lockiges, blondes Häuflein Mensch, dessen eines Händchen immer noch wild auf die blanke Brust seiner toten Mutter patschte. Ihrem Kind ein warmes Plätzchen zu geben um auf den Tod zu warten, war der letzte Akt einer verzweifelten Mutter gewesen. Entschlossen saugte der Säugling an seiner anderen Faust und auch wenn er aufgehört hatte zu weinen, konnte er nicht wissen, dass es dort ebenso wenig das finden würde, was es zum Leben brauchte, wie an dem durch den Tod versiegten Mutterbusen.
Taumelnd fiel Feodor an der Seite des Paares auf die Knie, riss sich die Handschuh von den Händen. Obwohl er erhitzt war von dem Ritt und der hoffnungslosen Suche nach Überlebenden biss ihn die Kälte in die Haut. Sanft steichelte er über die verklebten Locken den Kleinen. "Bringt ihn an einen sicheren Ort."
Hinter ihm nur Schweigen.
"Habt ihr meinen Befehl nicht gehört? Hier ist es zu kalt für so ein kleines Kind, es muss ein Zuhause finden." Wütend drehte er sich zu seinen Männern um. Er hatte nicht viel Erfahrng mit Kindern, mit Säuglingen schon gar nicht, aber selbst er wusste, dass Neugeborene nicht lange in klirrender Kälte und ohne Muttermilch überleben konnten. Vielleicht war es doch nicht vergebes gewesen, auf die Gerüchte eines neuerlichen Faylieüberfalls zu hören und hierher zu kommen. Drei der Männer sahen unruhig auf den Boden, als suchten sie dort nach der passenden Antwort, einer kaute an der Daumennaht seines Handschuhs, während der letzte uneduldig an seinem Brustharnisch nesselte. "Braucht ihr es noch in einer anderen Sprache? Ich habe gesagt ..." Ein Räuspern. Der, der gerade noch an seinem Handschuh gekaut hatte, richtete den Blick auf Feodor.
"Verzeiht, mein König, wenn ich Euch unterbrechte. Aber wo sollen wir das Kind hinbringen? Dies ist der letzte Ort vor der Grenze. Ein Wunder, das er so lange vor den Überfällen verschont geblieben ist. Selbst wir sind fast einen ganzen Tag geritten, um hierher zu kommen, haben den Pferden kaum eine Pause gegönnt und was sollen wir mit einem Kind in einem Heerlager machen, da gibt es keine Ammen. Die nächste Ortschaft ist mehr als drei Tagesritte entfernt und wir haben keine Milch dabei."
Einer der anderen Männer verstand, was sein Kamerad gerade gesagt hatte. "Es muss doch einen Weg ..."
"Schweigt!" Feodor war es leid, wollte nicht noch mehr hören. Auch er hatte verstanden, hätte es von Anfang an wissen müssen.
 "Aber ..." versuchte es der Krieger noch einmal.
Feodor sprang auf. "Geht!" Er brüllte nicht, seine Stimme war ein frostiges Zischen, hüllte sein Gesicht in kondensierte Feutigkeit, wo heißer Atem auf Winter traf. "Oder will einer von euch tun, was zu tun ist?"
Schweigen und peinlich berührtes Stiefelscharren.


Ich glaube, einiger der Handlungen wie "peinlich berührtes Stiefelscharren" oder "ungeduldig am Harnisch nesseln"
kommen mit weniger Adjektiven aus, also unmittelbar davor,
aber auch im Vorfeld.
Bei manchen Handlungen mag es als Betonung nützlich sein,
aber das ein oder andere mal, könntest du diese Handlungen
so schreiben, dass sie für sich alleine stehen.


Zitat:
"Das habe ich mir gedacht. Wartet bei den Pferden auf mich."
"Mein König." Wie ein einziger Mann verbeugten sich die fünf Krieger vor ihm und gingen rückwärts, einer nach dem anderen, aus dem Backhaus.
Dann war er allein. Allein mit dem kleinen bisschen Leben, das übrig geblieben war von dem Dorf, das zu schützen er aufgebrochen war.
Feodor schaute sich im Backhaus um. An den Wänden waren hölzerne Regale mit Rattankröben aufgestellt. Der Tisch in der Mitte des kleinen Raums zeigte mit seinen Kratzern und der helleren Farbe an der Oberfläche, dass hier noch vor Kurzem emsig gearbeitet worden war. Doch jetzt er war leer.


Diese Abschweifungen, die den War-Zustand in den Ist-Zustand betten,
zählen wohl zu deinen Spezialitäten.

Zitat:
In dem dritten Korb, den er durchsuchte, fand er, was er brauchte. Um sicher zu gehen, befeuchtete Feodor seinen Zeigefinder, steckte ihn in die kleinen Kristalle, die in einer Schale in dem Korb lagen und führte ihn dann zwischen die Lippen. Das war es. Er nahm sich die Zuckerschale und stellte sie neben die tote Mutter. Dann riss er einen Fetzen aus dem Hemd, dass er unter seinem Brustpanzer trug, ging damit vor die Tür und rieb es in einer Hand sauberen Schnees. Jetzt war der Fetzen feucht genug.
Wieder im Backhaus hob Feodor den Säugling vorsichtig aus der letzten Umarmung seiner Mutter. Das Kind schlug die Augen auf und gab wimmernde Laute von sich.
"Ganz ruhig, mein Kleines. Deine Mama wartet schon auf dich."
Er tauchte den nassen Stoffetzen in den Zucker und hielt ihn dem Kindchen hin, führte ihn sanft an dessen Lippen. Zuerst zog sich nur das kleine Näschen kraus, doch dann kosteten die Lippen die Süße und das Kleine sog den Stoff in seinen Mund.
"Ja, so ist es gut. Das schmeckt, nicht war?"
Feodor wusste nicht, was er da redete, plapperte einfach darauf los und sank mit dem Kind in seinen Armen auf die Knie. Als das Baby mit den Fäustchen den Stoff umklammerte und zufrieden schmatzte, führte er die Rechte zu seinem Stiefel. Dorthin, wo er sein Messer trug. Er musste nicht lange tasten. Es war dort, wo es immer war, bereit ihm in jeder brenzligen Situation beizustehen. Was bloß war aus Tabulia geworden, dass er es jetzt schon gegen die Wehrlosesten der Unschuldigen richten musste?
Einen Moment noch schaute er dem Säugling zu, dann setzte er das Messer an und vollendete seine grausige Pflicht.  Mühelos fand die Klinge die Stelle zwischen den Wirbeln im Nacken, glitt durch Haut und Äderchen und durchtrennte den dicken Nervenstrang. Anstelle des Schmatzens trat ein erstaunter Laut und das Müdchen ließ den Hemdfetzen fallen. Ziellos suchten rudernde Ärmchen nach etwas, was sie umklammern konnten. Feodor ließ das Messer fallen und nahm die kleinen Hände in seine viel größeren. Er hatte dem kleinen Lockenschopf eine friedvolle letzte Reise gewünscht. Doch auch dieser Wunsch erfüllte sich nicht. Die Augen des Säuglings weiteten sich noch ein letztes Mal, dann brachen sie und endlich war es vorbei. Ja, schnell war es gegangen, aber friedvoll nicht.
Feodor wischte sich mit dem Ärmel notdürftig das Blut von den Händen, setzte sich auf die Fersen und legte das tote Baby auf dem Schoß seiner Mutter ab. Bevor er es zurück in deren Umarmung legte, zupfte er ihr Kleid zurecht, bedeckte ihre Blöße, zog den Dolch aus ihrem Herzen und sprach ein kurzes Gebet an den großen Gott En, der ihnen allen Leben geschenkt hatte. Am Ende waren Mutter und Kind wieder vereint. Möge dieses Land irgendwann Frieden finden, damit es endlich wieder Hoffnung gab.



Jammervoller Schluss.
Da frag ich mich, ob man nicht hätte wenigstens versuchen sollen,
ihn zuerst ins Armeelager zu bringen und dann in die nächste Stadt.


Summa summarum, atmosphärisch großes Kino, das die Schrecken des Krieges schonungslos darstellt.

mit Grüßen, Prunkbold^^
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