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Der geheimnisvolle Besucher aus der Zukunft


 

 
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Luvinia
Geschlecht:weiblichSchmierfink

Alter: 26
Beiträge: 76



BeitragVerfasst am: 27.11.2011 22:22    Titel: Der geheimnisvolle Besucher aus der Zukunft eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo smile
Ich wollte mal einen Text von mir veröffentlichen, also es ist der Anfang einer Geschichte. Wenn ihr euch ihn mal durchlesen würdet und beurteilen würdet, wäre das sehr toll!

Liebe Grüße Luvinia


Prüfend betrachte Alice sich im Spiegel und strich über ihr dunkelbraunes, kurzes Haar.
„Kann ich mich dort so sehen lassen?“, fragte sie zweifelnd und blickte zu ihrer Freundin Betty.
Diese beachtete sie gar nicht, sie war viel zu sehr damit beschäftigt den Nachrichten zu folgen.
Gebannt nahm sie die Informationen in sich auf, lachte zwischendurch kurz auf um kurz darauf ungläubig den Kopf zu schütteln.
„Also nein!“, brachte sie hervor. „Dieser Mann behauptet tatsächlich er wäre ein Zeitreisender aus dem Jahre 2111!“
„Vielleicht ist er es auch!“, rief Alice aufgeregt und ihre grünen Augen leuchteten. „Stell dir nur mal vor. Ein Besucher, der aus der Zukunft zu uns gekommen ist. Mit seiner Hilfe wird man wissen können wie unsere Welt in 100 Jahren aussieht.“
„Das ist doch ausgemachter Blödsinn!“, grinste Betty. „Entweder dieser Mann ist ein Verrückter oder ganz einfach ein Lügner.“
„Denk doch nicht immer in schwarz weiß!“, schimpfte ihre Freundin. „Man kann nichts einfach so ausschließen!“
„Nein, nein. Ich glaube nur einfach nicht daran.“, beschwichtigte Betty.

Ein Korrespondent hielt nun einem jungen Mann das Mikro unter die Nase. „Ich bitte sehr um Verständnis, dass ich mich bis jetzt noch nicht in aller Öffentlichkeit über meine Zeit geäußert habe !“, sprach er gelassen. „Aber eines möchte ich Ihnen sagen: Es ist unglaublich faszinierend, dies alles hier sehen zu können, sehen zu dürfen! Ich hätte mir nie erträumen lassen dieses Zeitalter kennen lernen zu dürfen. Es ist so viel anders als wenn man es in Büchern oder in Filmen sieht. Und vor allem ist es schwer das was ich empfinde in Worten auszudrücken. Allerdings werde ich Ihnen versprechen, dass ich meine Mitmenschen daran teil haben lassen werde, sobald ich zurückkehre!“


Der Nachrichtensprecher stellte ihm noch ein paar Fragen bezüglich seiner Heimat auf die er flüchtig antwortete, dann wurde zurück ins Studio gesendet.
„Wenn sie Interesse haben Herrn Stefan Salomon heute Abend 20:15 Live im Fernsehen zu sehen, dann schalten Sie ein und lassen sie sich von ihm einen tiefen Einblick in das Jahr 2111 geben!“, frohlockte die Sprecherin.
Alice schaltete den Fernseher aus und bürstete sich das Haar. „Ich bin ja so gespannt was uns heute Abend erwartet! Nicht zu fassen, dass wir diesen Zeitreisenden schon in wenigen Stunden sehen werden und nur wenige Meter neben ihm sitzen .“

Betty schmunzelte. Da Alice ihre beste Freundin war, hatte sie sich von ihr erweichen lassen
zu der Live Show All around the world zu gehen, in der Herr Salomon heute aufkreuzen würde und eine halbe Stunde über sich und sein angebliches Leben in der Zukunft Auskunft geben wollte.
Betty hielt von solchen Leuten nicht viel, für sie war die Sache klar: Irgendeiner, der Aufmerksamkeit auf sich lenken wollte und sich als Sensation ausgab. Bereits vor drei Jahren gab es eine Frau, die ähnliches behauptete. Sie käme aus dem Jahre 2030 und wollte sich hier mal umsehen. Lächerlich! Aber einen gewissen Unterhaltungsfaktor hatten solche Sachen, das musste sie sich eingestehen.


Um viertel vor acht betraten sie das Fernsehstudio und die Vorfreude hatte nun auch Betty gepackt.
Es musste wahnsinnig spannend sein, so eine Sendung hautnah mitzuerleben. Bisher war ihr das immer nur vor dem Fernseher möglich gewesen.
Die beiden Frauen drängelten sich durch die Menschenmassen zu ihren reservierten Plätzen und ließen sich zufrieden in die bequemen Sitze fallen. Neben ihnen setzte sich ein älteres Ehepaar, das sich angeregt über ein politisches Thema unterhielt, über das heute hier diskutiert werden sollte.
„Ich glaube das Zeitreisen-Thema kommt als letztes dran!“, raunte Alice ihr zu.
„Macht doch nichts!“, entgegnete Betty. „Das Beste kommt immer zum Schluss! Ich hoffe nur die haben noch mehr zu bieten, ich will das Geld nicht umsonst ausgegeben haben.“

Doch sie wurde leider enttäuscht. Es wurden Themen über den Umweltschutz angeschnitten, doch all zu viel kam nicht dabei heraus. Dann wechselte es zur Politik, wovon die beiden nur wenig mitbekamen, denn bei so etwas schalteten sie automatisch ab.
Endlich! Der Moderator Harald Tovinski kündigte mit einem viel versprechendem Lächeln ihn an.
Das Publikum flüsterte miteinander, tauschten Worte der Skepsis aus.
Alice krallte ihre Hand in Bettys Arm und hielt mit weit aufgerissenen Augen nach Herrn Salomon Ausschau. Die Kameras wechselten die Position. Es war interessant mit anzusehen wie die Kameramänner ihre Arbeit erledigten, so etwas müsste man öfter zu Gesicht bekommen, fand Betty.

Mit einem tosendem Applaus wurde er schließlich begrüßt, als er ins Studio schritt. Er lächelte, nickte freundlich zu allen Seiten und begrüßte den Moderator mit einem festen Händedruck.
Der vermeintliche Zeitreisende setzte sich Harald Tovinski gegenüber in einen roten Sessel und konnte Alice und Betty nun direkt in die Augen schauen.
Er sah gut aus, hatte eine muskulöse Statur, war aber dennoch schlank.
Sein dunkelblondes kurzes Haar war schön anzusehen.
„Ich heiße sie ganz herzlich Willkommen zu unserer Show, Herr Salomon.“, bemerkte Tovinski.
„Und ich bedanke mich ganz herzlich für ihre Einladung!“, erwiderte dieser und sein Lachen wurde breiter.
Die Nächsten Minuten verbrachte er damit sich nochmal genauer vorzustellen. Er war 29 Jahre alt, von Beruf Wissenschaftler und lebte in einem Dorf nähe Bayern.
„Wie sieht Bayern in der Zukunft aus?“, fragte Tovinski neugierig.
„Ach!“, rief er aus. „In jedem Fall anders als jetzt. Wirklich komisch, seine Heimatstadt auf einmal in einem völlig verändertem Format zu sehen. Alles so..veraltet. Aber keineswegs im negativen Sinne, bitte verstehen Sie mich nicht falsch! Wie ich heute Nachmittag schon gesagt habe, ich finde es faszinierend!“
„Beschreiben Sie den Vorgang, der sie hier in diese Zeit gebracht hat. Wie haben Sie das getan?“

Alice hielt hörbar den Atem an und spielte nervös mit ihren Fingern. Das schien nicht nur ihr so zu gehen, auch durch die anderen Reihen ging unruhiges Getuschel.
Herr Salomon antwortete einen Moment lang nichts, dann lachte er. „Ich würde es Ihnen gerne verraten, befürchte allerdings nicht für voll genommen zu werden.“
Das könnte durchaus passieren, dachte Betty sich grinsend.
Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: „Eine Zeitmaschine. Ja, ganz recht eine Zeitmaschine.“

Sein Blick streifte das Publikum, er sah nachdenklich aus.
„Wir haben es geschafft, eine Maschine herzustellen, die der Gesetze der Zeit nicht unterworfen ist. Ich bin mir darüber im Klaren, dass mich viele abstempeln werden. Als Lügner, oder Verwirrten und ich kann es jenen noch nicht mal übel nehmen, weil es geradezu undenkbar ist. Aber wahr.“
Seiner energiegeladenen Stimme konnte man großen Stolz entnehmen.
Einen Augenblick lang hatte Betty das Gefühl er würde sie anstarren. Bildete sie sich das nur ein?
Er blickt bestimmt an mir vorbei, versuchte sie sich zu beruhigen. Doch seine Augen blieben an ihr haften, zumindest hatte es diesen Anschein.
Eine kalte Gänsehaut überkam sie und hatte Mühe ein Schütteln zu unterdrücken. Bemerkte Alice es auch? Als sie zu ihrer Freundin schielte, nahm sie wahr, dass sie leicht zitterte.

Endlich schien er sich wieder gefangen zu haben und wandte sich wieder zu Tovinski.
„Ich könnte Ihnen sogar erklären, wie diese funktioniert. Aber sie würden es nicht verstehen. Ihre heutige Technik und Wissenschaft ist noch nicht so weit, als das sie das einem Menschen dieser Zeit begreifbar machen könnte!“
Damit ließ sich der Moderator selbstverständlich nicht zufrieden stellen, die Zuschauer hatten mehr erwartet, das wusste er.
Doch auch als er unauffällig nachbohrte, versuchte ihn aus der Reserve zu locken, gelang es ihm nicht noch mehr aus ihm herauszubekommen.

Stattdessen berichtete Salomon, wie im Jahre 2111 Ärzte dazu fähig wären, bestimmte Krankheiten schneller und besser zu heilen und dass gesundheitliche Vorsichtsmaßnahmen und die Prüfung der Lebensmittel extrem verstärkt wurde. Mindestens eine viertel Stunde erzählte er davon und Betty langweilte sich allmählich. Nichts als Humbug! Außerdem ließ er einen Nichts über die wirklich spannenden Dinge wissen, wie es 2111 aussah, wie die Menschen waren, ob die Bürger noch mit Autos oder mit eigenen Super-jets zur Arbeit gelangten. Von alledem erwähnte er keine Silbe.
Wann immer eine solche Frage seitens des Moderators kam, verstand er es geschickt, eine Antwort zu geben ohne etwas preis zugeben, allerdings auch ohne zu signalisieren, dass er darüber nicht sprechen wollte.
Abschließend meinte er, es wäre noch nicht die richtige Zeit gekommen um alle Geheimnisse zu lüften.
„Was für eine dürftige Erklärung!“, wisperte Betty zu Alice. Die entgegnete nichts, doch man merkte ihr an, dass auch sie sich mehr versprochen hatte.

22:30 Uhr
Schlussworte wurden geredet, Ankündigungen der nächsten Shows bekannt gegeben und die Sendung war vorüber. Schweigend beobachteten Betty und Alice wie Kameras abgebaut wurden und Türen sich öffneten. Herr Salomon war schon verschwunden. Plötzlich fiel Alice auf, wie unangenehm stickig es war und bat Betty sich zu beeilen.

Gierig atmeten sie die frische Luft ein als sie draußen vor ihren Autos standen. „Das habe ich mir anders vorgestellt.“, meckerte Alice. „Ich dachte an eine präzise Beschreibung der Welt in 100 Jahren und was macht er? Er weicht den Fragen einfach aus. Da frage ich mich, welchen Sinn es hatte in die Sendung zu gehen. Aber weißt du was? Diese Frage kann ich dir sogar beantworten. Profitgier! Reine Profitgier ist das!“ Ärgerlich durchwühlte sie ihre Taschen nach dem Autoschlüssel.
„Naja, so viel bringt es ihm aber auch nicht, wenn er sich im Fernsehen wichtig macht. Was meinst du, wie blamabel es für solche Leute ist, wenn sie als Spinner entlarvt werden!“
„Jedenfalls hattest du die ganze Zeit Recht gehabt, Betty. Wenn ich das nächste Mal auf so eine Idee komme, Geld für so etwas auszugeben, halte mich davon ab.“

Endlich fand sie den Schlüssel und schloss auf. „Ein gutes hat er aber an sich!“, stellte sie fest und zwinkerte ihrer Freundin zu. „Sein Aussehen! Wäre er nicht so ein dummer Lügner, könnte man sich den ja direkt als Partner vorstellen. Ich meine, er ist ja schließlich nur vier Jahre älter.“
Betty winkte lachend ab. „Ist er aber. Also besteht keinerlei Interesse!“

Als Alice davonfuhr, steckte Betty sich noch eine Zigarette an. Sie lehnte sich gegen ihr Auto und betrachtete die Hochhäuser der Fernsehproduktion. Eine Erfahrung war es wert gewesen. Alice wusste nun, was sich hinter solchen Menschen, die sich als etwas besseres ausgaben verbirgte und sie selbst hatte einen Einblick in die Hintergründe der Show bekommen.
Mit einer Hand zog sie den Verschluss ihrer Jacke höher. Es war kalt geworden und Dunkel war es außerdem schon. Schnell sog sie die letzten Züge der Zigarette auf und zertrat den Stummel auf dem Boden. Jetzt ab nach Hause!, dachte sie sich und war gerade im Begriff ihren Wagen aufzuschließen, als eine bekannte Stimme die nächtliche Stille brach.
„Hallo, junge Frau!“, wurde sie angesprochen.
Überrascht fuhr sie herum und traute ihren Augen nicht recht. Vor ihr stand kein anderer als Stefan Salomon.

„W-was..?“, stammelte sie.
Die Gestalt vor ihr fing herzhaft an zu lachen. „Ich sagte : Hallo, junge Frau!“
„Ich habe Sie verstanden!“, entgegnete Betty kühl. „Was möchten Sie denn von mir?“
„Ach, eigentlich dachte ich nur daran mich ein bisschen zu unterhalten.“
„Ich muss jetzt gehen, tut mir Leid!“, erklärte sie schroff.
Plötzlich schnellte seine Hand zu ihr und umklammerte ihren Arm. Erschrocken schrie Betty auf und versuchte sich loszureißen. „Hören Sie jetzt auf mich zu belästigen!“, rief sie wütend aus.
Sein Griff wurde seichter, bis er sich schließlich löste. „Entschuldigen Sie bitte!“, murmelte er.
Unsicher musterte sie ihn. Das gut gelaunte Lachen war verschwunden und statt diesem war lediglich ein geknicktes Lächeln übrig geblieben, das auf irgendeine Weise Verzweiflung ausdrückte. Seine blauen Augen schienen leer.

„Für einen Mann aus dem Jahre 2111 sehen sie aber recht gewöhnlich aus!“, stellte Betty fest.
„Was erwarten Sie denn? Mensch ist Mensch, egal zu welcher Zeit.“
„Ich rede von der Kleidung!", erklärte sie mit einem Blick auf seinen Anzug. "Von ihrem Stil her unterscheiden Sie sich nicht von einem Mann, der im Jahre 2011 lebt!“
„Ach das meinen Sie!“, schmunzelte er. „Ja, wissen Sie. Man muss sich ja anpassen. Es würde komisch aussehen, wenn ich mit Klamotten aus meiner Zeit herumlaufen würde. Und mein Ziel ist es so wenig wie möglich aufzufallen, solange ich mich hier aufhalte.“
„Das ist Ihnen natürlich prima gelungen, mit dem Besuch im Fernsehen und den Zeitungsartikeln!“, stimmte Betty ihm spöttisch zu.

„Mir ist es wichtig die Leute darüber zu informieren, wie weit die Wissenschaft gekommen ist.“, erklärte er. „Damit meine ich natürlich nicht diesen Zeitabschnitt. Ich möchte wenigstens einigen Menschen hier begreiflich machen, wozu man fähig ist. Aber nicht jeder guckt fern und nicht jeder wird mich auf der Straße erkennen und wissen wer ich bin und was ich behaupte. Die wenigsten interessieren sich doch für solche Geschichten, habe ich feststellen müssen. Bei uns, also aus deiner Sicht in der Zukunft ist das gar nichts so. Bei uns wäre niemand sonderlich erstaunt, wenn ein Zeitreisender zu uns stoßen würde. Aber es hat seine guten Seiten, dass ihr hier so denkt. Denn das macht es mir möglich das Treiben hier zu beobachten. Einer von diesen Menschen hier zu sein, mich unter sie zu mischen.“

Er hielt kurz inne und legte den Kopf in den Nacken. „Darüber haben wir auch schon eine Menge herausgefunden!“, sagte er und deutete in den Sternenhimmel.
„Ich glaube Ihnen kein Wort!“ Betty versuchte diese Worte mit einer festen Stimme auszusprechen, doch es misslang ihr. Ihr war in Erinnerung gekommen, dass man viel recherchiert hatte was Stefan Salomon anbelangte und nie herausbekam wo er lebte und überhaupt keine Indizien vorzufinden waren, die etwas über seine Vergangenheit aussagten. Als hätte es ihn nie gegeben.
Einzig und allein seine Behauptung er würde seinen Wohnsitz in der Zukunft in der Nähe von Bayern haben stand im Raum.

Aber es konnte doch nicht... Nein! Sie glaubte nicht an solche Dinge, es konnte keine Zeitreisen geben, das war absolut ausgeschlossen.
„Weißt du, es gibt Dinge, selbst in der Wissenschaft, die übersteigen unsere Vorstellungskraft!“, erzählte er, als könnte er ihre Gedanken lesen.
Jetzt fing er auch schon an sie zu duzen!
„Sagen Sie mir doch bitte wie die Kleidung 2111 aussehen soll!“, forderte sie ihn herausfordernd auf.
Er lächelte sanft und kam ihr ein wenig näher. Unwillkürlich machte Betty einen Schritt zurück.

„Ich würde es dir gerne zeigen! Ich würde dich gerne mitnehmen in meine Zeit und sie für einen kurzen Augenblick auch deine werden lassen!“

Entgeistert starrte sie ihn an. Das konnte er unmöglich ernst meinen!
Nun nahm er wieder ihre Hand, trat dicht zu ihr, sodass sein Geruch sie umhüllte und ehe sie sich versah, befanden sich seine Lippen auf die ihren und küssten sie leidenschaftlich.

Sie wusste nicht wie ihr geschah und fragte sich für den Bruchteil einer Sekunde ob das wirklich wahr sein konnte. Doch sie ließ es mit sich geschehen, ja sie küsste ihn sogar auch und es fühlte sich gut an.
Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, die vergangen war als sie sich voneinander lösten und sich unverwandt  anblickten.
Das Blau in seinen Augen war wieder heller geworden und wirkte lebendig. „Es tut mir Leid!“, brachte er hervor und fuhr sich verlegen mit der Hand über das kurze Haar.
„Es kam so über mich!“

Betty nickte stumm. „Schon gut!“, murmelte sie. Was war passiert? Warum hatten sie sich geküsst? Wie kam er dazu?
„Komm mit, ich möchte dir gerne etwas zeigen!“ Zaghaft nahm er sie bei der Hand und zog sie hinter sich her zu einem Auto. Abrupt blieb Betty stehen. Sie konnte doch nicht mit einem Fremden fahren!
Ein weiteres Mal schien er ihre Gedanken lesen zu können, denn er lächelte sie nun beruhigend an.
„Du kannst mir vertrauen, ich möchte dir nichts tun. Aber das was ich eben gesagt habe, habe ich auch so gemeint!“
„Dass Sie mich mitnehmen wollen in ihre Zeit?“, fragte sie mit einem spöttischem Unterton in der Stimme.
„Du kannst ruhig du sagen und mich Stefan nennen! Ja, genau das meine ich. Du wirst der erste Mensch sein, der in  unser Zeitalter gelingt, der erste der in die Zukunft reist und...“
„Und?“
„Und der zweite der eine Zeitreise wagt!“, vervollständigte er zwinkernd.
„Vor dir gab es schon so viele Menschen, die behaupteten sie kämen aus einer anderen Zeit!“, gab Betty zu bedenken.
Energisch schüttelte Stefan den Kopf. „Nein, das kann nicht sein. Wir sind die einzigen, die dazu fähig sind. Es sei denn es kämen Menschen aus der weiter fortgeschrittenen Zukunft zu uns.“

Betty schüttelte geistesabwesend den Kopf. Nach was für einer verwirrenden Logik ging dieser Mann nur?
„Also schön!“, fügte sie sich. „Wenn du dir so sicher bist, dann zeig es mir! Beweise mir, dass du kein Lügner bist wie alle anderen vor dir da Gewesenen.“
„Gerne!“
Stefan hielt ihr die Autotür auf und Betty kletterte hinein. Als sie saß spielten sich sogleich weit her geholte Horrorszenarien ab.
Nein, sie musste jetzt Vertrauen fassen. Er würde er ihr nichts tun, nein das würde er nicht.
Wie spät es wohl war? Sie wusste es nicht.

Sie fuhren durch die Stadt, durch belebte Straßen, bis hin zu einsamen Wegen, von denen Betty noch nie etwas gehört hatte.
Nach einer halben Stunde hatten sie ihr Ziel erreicht. Der Wagen hielt in einer kleinen Nebenstraße, die an eine große mündete.
Betty schauderte einen Moment lang, denn diese Gegend erinnerte sie an einen Horrorfilm, in dem eine Frau hinterrücks ermordet wurde. Es war eine unheimliche Ähnlichkeit zu erkennen.
„So, da wären wir.“, verkündete Stefan nun und deutete ihr auszusteigen.

Kalte Nachtluft schlug ihr ins Gesicht und brachte ihre Augen zum Tränen.
Warum hatte er sie hier hin geführt? Die Zeitmaschine würde ja wohl kaum in einem Keller einer ganz normalen Wohnung herumstehen.
„Folge mir!“, wisperte Stefan und lief voraus. Mehrmals blickte er sich nach allen Seiten um, als würde er sich verfolgt fühlen und Betty meinte unter dem Licht einer Laterne  Schweißperlen auf seiner Stirn erkannt zu haben.
„Was ist los?“, fragte sie, doch er beachtete sie gar nicht.
Er beschleunigte seinen Schritt und über seine Stirn zog sich eine Sorgenfalte. Es war nun unerträglich kalt geworden und ihre Jacke hielt Betty kaum noch warm.

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Julian
Eselsohr

Alter: 28
Beiträge: 370



BeitragVerfasst am: 27.11.2011 22:56    Titel: Antworten mit Zitat

Der Text ist für meinen Geschmack erst einmal viel zu lang. Das werden hier die wenigsten am Stück lesen. Aber für den Fall, dass ich dies in naher Zukunft machen möchte, eine Frage am Anfang: Wie kannst du plausibel erklären, dass ein Mensch, der behauptet, aus der Zukunft zu kommen, innerhalb kurzer Zeit so berühmt wird, dass er Interviews im Fernsehen gibt und auch in Sendungen eingeladen wird?
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Luvinia
Geschlecht:weiblichSchmierfink

Alter: 26
Beiträge: 76



BeitragVerfasst am: 27.11.2011 23:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi!

Naja, es gibt doch einige Sendungen die sich mit allen möglichen Themen befassen, die Hypnotiseure einladen und so weiter, warum sollte man nicht auch jemanden in eine Sendung einladen, der vorgibt aus der Zukunft zu sein, noch dazu wenn über seine Identität nichts bekannt ist, so dass man es ausschließen kann? So halb aus Unterhaltung auch...
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Locard
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 34
Beiträge: 754
Wohnort: Münster


BeitragVerfasst am: 27.11.2011 23:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Luvinia!

Die gleiche Frage, die Julian stellte, kam mir auch in den Sinn. Wenn ich mich in Münster auf den Domplatz stelle und mitteile, ich sei aus der Zukunft, wäre ich sicherlich dem Gespött der Leute ausgesetzt. Eine plausible Erklärung hast du in deinem Text auch nicht liefern können wink

Vorweg: Ein ziemlicher Batzen, als dass man sich differenziert damit auseinander setzen könnte. Daher gebe ich dir nur einen kleinen Überblick dessen, was mir beim Lesen aufgefallen ist.

Ich falle mal direkt mit der Tür ins Haus. In deiner Leseprobe passiert nicht wahnsinnig viel und mit der Zeit wird es etwas ... naja, langatmig. Es gibt bis zum Ende keinen Höhepunkt. Alles plätschert vor sich hin, ist ganz nett, aber der Konflikt fehlt einfach. Eigentlich kannst du das Vorgeplänkel auch in einem Absatz zusammenfassen und dort mit der Geschichte einsteigen, als Betty und Stefan im Wald ankommen.

Du solltest dir im Fachhandel mal eine neue Kommataste kaufen, ich glaube, deine tut es nicht mehr so gut. Zumindest fehlten sie an einigen Stellen im Text wink
Sprachlich ist es kein Highlight, aber auch kein Desaster. Man sieht aber, dass das Potenzial da ist. Wenn du sicherer im Schreiben wirst, kommt das auch.
Ich finde gut, dass Betty in deiner Erzählung im Mittelpunkt steht. Das verspricht im Laufe der Handlung sicherlich Konflikte und natürlich auch einen Wandel ihres Charakters.

Das war's für's Erste ...

Viele Grüße,
Locard


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"Komm, essen wir Opa!" - Pro Satzzeichen, denn sie retten Leben
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Josh
Geschlecht:männlichGänsefüßchen


Beiträge: 24
Wohnort: Köln


BeitragVerfasst am: 28.11.2011 00:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Luvinia!

Abgesehen von den schon angesprochenen logischen Problemen, auf die ich nicht nochmal eingehe, ist der Text leider doch eine ziemliche Baustelle.

Mit Sätzen wie...

Zitat:
Der Moderator Harald Tovinski kündigte mit einem viel versprechendem Lächeln ihn an.


...machst du dem Leser nicht nur den "Flow" kaputt, es wirkt auch lieblos geschrieben, und genau das Gefühl darf nicht aufkommen. Dazu die Kommasetzung und der Satzbau, in dem Satz hier...

Zitat:
Es war interessant mit anzusehen wie die Kameramänner ihre Arbeit erledigten, so etwas müsste man öfter zu Gesicht bekommen, fand Betty.


...könnte man zum Beispiel einen viel besseren Fluss reinbringen. Zum Beispiel:
1) Die Arbeit der Kameramänner bot ein interessantes Schauspiel, und Betty wünschte sich in diesem Moment, so etwas öfter zu Gesicht zu bekommen.
2) Es war interessant, dem geschäftigen Treiben der Kameramänner hinter den Kulissen zuzuschauen. So etwas müsste man öfter zu Gesicht bekommen, dachte sich Betty sofort.

Die beiden Beispiele stammen aus demselben Absatz mitten im Text, den ich zufällig ausgewählt habe. Anderswo sind ähnliche Baustellen zu finden, die einfach den Leser aus dem "Flow" holen und ihn fühlen lassen, wie lang der Text ist. Genau das sollte nicht sein. Das ist vergleichbar mit einem Theaterstück, während dem der Zuschauer ständig auf die Uhr schaut. Schreibe den Text flüssig, sodass der Leser in deinen Zeitrhythmus - den der Geschichte - gezogen wird, und sich auch gerne ziehen lässt.

Die Dialoge sind für meinen Geschmack zu stilisiert, ich kann mir an vielen Stellen nicht bildlich vorstellen, dass die Personen so reden würden. Aber das ist wirklich Geschmacksache und nur eine persönliche Note von jemandem, der bis aufs letzte realistische Dialoge mag.

Zum Inhalt kann ich mich meinen Vorrednern nur anschließen: Es passiert zu wenig. Besonders für den Anfang einer Geschichte, die dem Leser ein Tor in deine Welt bieten soll. So ein Tor habe ich während dem Lesen leider noch nicht gefunden.

Aber die Ideen sind da, und die Werkstatt ist schließlich dafür da, diese auch richtig zu formen und zu präsentieren, Schritt für Schritt. Ich bin gespannt, wie sich dein Stil entwickeln wird!
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