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Bolivien - Erste Gehversuche


 

 
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TheSpecula
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BeitragVerfasst am: 10.09.2011 19:40    Titel: Bolivien - Erste Gehversuche eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Hallöle. Ob sich hier noch wer an mich erinnert? Wohl kaum lol2
Egal. Ich hab wieder zum Lesen und schreiben gefunden, juhu.

Hier meine ersten Geh-Versuche, 'zurück' in die Welt des Schreibens.
-----------------

Oh Gott… Das Flugzeug startete. Zuerst merkte ich es nur an meinen Fingern, die plötzlich noch mehr zitterten als sie es ohnehin schon taten. Doch dann ergriff mich das unvertraute Ruckeln der Turbinen. Nach schier unendlich langer Zeit fing das Flugzeug an zu rollen und – hob ab. Ich flog.

Mir gegenüber saß Samuel. Als ich ihn eingehend betrachtete – Das war eines meiner Ableckungsmanöver – stolperte ich erneut über seine wahnsinnige Größe. Ein Meter vierundneunzig, hatte er mir am Check-In gesagt. Die Security hatte sichtbar Mühe gehabt, ihn mit ihrem Metalldetektor von Oben bis unten abzuscannen.
Wenn ich daran dachte, wie unwohl schon dort unten gewesen war, noch mit festem Boden unter den Füßen, ging es mir hier oben vergleichsweise gut. Solange ich nicht daran dachte, dass unter mir schier unendlich viele Meter eiskaltes Nichts waren… Doch natürlich dachte ich daran – Und mir wurde ganz seltsam. Schwindelig. Hätte ich bloß nicht zugesagt.
„Darf ich ihnen Etwas zu trinken bringen?“, fragte plötzlich eine Stewardess. Sie lächelte mir freundlich entgegen und es dauerte eine Weile, bis ich die hübsche Frau überhaupt bemerkte. Erst als Samuel eine Coca-Cola bestellte und auf eine Pepsi vertröstet wurde, raffte ich mich zusammen.
„Ein…“‚Wasser’. Nein. Ich konnte doch kein Wasser nehmen. Ich kannte Niemanden der jemals ein in einem Flugzeug ein Wasser bestellt hatte. Also entschied ich mich spontan für eine „...Cola. Ja, ich nehme auch eine!“ Ich setzte mir krampfhaft ein Lächeln auf die Lippen.
„Immer noch deine Flugangst“, fragte Samuel mich lächelnd, als die Stewardess sich an der nächsten Sitzreihe nach der Bestellung erkundigte.
„Nein“, log ich.
„Aber, aber…“, entgegnete er. „Auf dem Weg zum Flughafen hast du schon gezittert wie Espenlaub. Aber das legt sich, glaub mir.“ Ich hatte nicht gewusst, dass meine Angst so offensichtlich war. Ich war jedoch froh, dass Samuel neben mir saß. Hätte ich mich neben Stefan gesetzt, oh je. Er war ein Flugfetischist, wenn man so sagen konnte. Fliegen war seine große Leidenschaft (Er besaß sogar ein eigenes Cesnar-Leichtflugzeug). Andersdenkende akzeptierte er stets nur mit tiefem Grummeln und nach langer Diskussion über Höhen- und Flugangst.
„Worauf freust du dich am meisten, in Bolivien“, fragte Samuel und nahm die Beiden Colas der Stewardess entgegen.
„Auf den Boden. Ich hab gehört, der soll schön fest und stabil sein.“
Meine Aussage ignorierend meinte Samuel: „Ich mich auf die heißen eingeborenen Mädels“ Er gluckste laut. „Shakira kommt zum Beispiel auch aus Chile!“
„Aus Kolumbien“, korregierte ich ihn. „Shakira kommt aus Kolumbien!“
Dann sagten wir lange Zeit Nichts mehr und mir blieb ein wenig Zeit zum Nachdenken.
Eigentlich wollte ich gar nicht mit auf diese Reise, aber – So blöd wie es klang – wollte ich unter keinen Umständen auf den Geburtstag meiner Schwiegereltern gehen. Sie waren verdrossene Hinterwäldler aus Nordhessen. Ein unfreundliches Volk, diese Nordhessen. Und ein noch unfreundlicheres Volk in Großalmerode, jenem Kaff aus dem eben meine Schwiegereltern stammen. Acht- oder neunmal waren Katharina, meine Freundin, und Ich bisher bei ihnen gewesen und jedes Mal endete unser Besuch in einem heftigem Streit über meine Wenigkeit. Ob ich denn auch die Familie ernähren könnte. Ob ich auch die Wünsche ihrer Tochter erfüllen würde. Herrgott, dachte ich mir jedes Mal und würde die Frage so gerne mit einem satten ‚Aber natürlich’ beantworten; Doch das konnte ich weißgott nicht. Meine Einkünfte als Spieleprogrammierer waren nicht einmal so unterhaltsam wie es die ‚Games’ unserer Firma waren (Und sie waren es nicht sonderlich). Aber musste man denn immer Alles so negativ sehen? Immerhin bemühte ich mich zu diesem Zeitpunkt doch enorm um eine neue Arbeitsstelle, bei bekannteren Entwicklerstudios. Doch ihre Eltern würden auch jetzt keine Ruhe geben, so streitsüchtig wie sie waren. Ihr altersfaltiger Vater, mit seinem leberfleckigen Kopf und den weißen Büscheln hinter den Ohren. Und ihre Mutter mit dem typischen 7-Tage-Regenwetter-Lächeln. Ich hasste sie! Als ich mich bei diesem Gedanken erwischte schüttelte ich den Kopf, als wollte ich die Gedanken benebeln. Anschließend versank ich Sie in dem Meer aus Wolken, welches Ich vor dem runden Fenster meines Sitzplatzes wiederfand. Als ich es geschafft hatte, mich von den Gedanken zu loszulösen nahm ich einen großen Schluck der Cola. Es war die erste Bewegung seit ungefähr einer Stunde.
Samuel war eingeschlafen und grunzte genüsslich vor sich hin. Aus seinen Ohren wummerte plastische Technomusik. Ich wandte meinen Blick gelangweilt wieder aus dem Fenster. Die Wolkendecke reichte bis zum Horizont und noch weiter. Ich konnte ihr Ende nicht einmal erahnen. Doch einmal riss die Wolkendecke plötzlich auf und ich konnte – leider – einen Blick auf die Welt unter uns erhaschen. Dort befand sich das Meer. Ich war zwar durchaus nicht der beste Erdkundeschüler gewesen, doch wusste ich, dass es der Pazifik gewesen sein musste, den ich dort sah. Und ich wurde mir wieder der Höhe bewusst, die wir über der Erde flogen. Ich brauchte Ablenkung. Samuel schlief. Dass er groß war hatte ich mittlerweile akzeptiert. Mist. Also quetschte ich mich kurz entschlossen an ihm vorbei und erntete genervte Blicke unseres Vordermanns.
„Malarkey“, rief jemand hinter mir. Ich drehte mich um und sah Tammo, mit einer Zeitschrift in der Luft umherwedelnd.
Ablenkung; Sehr gut!  

---



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TheSpecula
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BeitragVerfasst am: 10.09.2011 21:19    Titel: Re: Bolivien - Erste Gehversuche pdf-Datei Antworten mit Zitat

----Verdammt, verklickt. Wo löscht man denn Beiträge??---

Naja... Ich meinte mit 'Chile' jedenfalls Bolivien. Kann ich ja jetzt nicht mehr ändern, da ich ('jemand Anderes') schon geantwortet' hab.


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Stephan_
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Beiträge: 7



BeitragVerfasst am: 11.09.2011 06:11    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen TheSpecula,

grundsätzlich finde ich den Anfang dieser Geschichte recht gut gelungen, man erfährt einiges über den Charakter. Empfehlen möchte ich dir aber auf jeden Fall, deine Texte noch einmal Korrektur zu lesen, bevor du sie ins Forum stellst, du würdest gleich einige Tipp-, Grammatik- und Rechtschreibfehler finden, über die deine Leser hier im Forum dann nicht mehr stolpern müssten.

Meine Kritik zu dem Text:

Dein Charakter scheint schon etwas älter zu sein (immerhin scheint er schon verheiratet zu sein, auch wenn er seine Frau (oder eine andere?) immer noch als seine Freundin bezeichnet), lebt aber in der Gedankenwelt eines 15-Jährigen. Um mal ein Beispiel zu nennen:

Zitat:
Sie [die Schwiegereltern] waren verdrossene Hinterwäldler aus Nordhessen. Ein unfreundliches Volk, diese Nordhessen. Und ein noch unfreundlicheres Volk in Großalmerode, jenem Kaff aus dem eben meine Schwiegereltern stammen.


Das klingt nicht sonderlich erwachsen.

Gestolpert bin ich auch direkt am Anfang über das "Oh Gott...". Solche Phrasen würde ich komplett streichen, wenn sie nicht eine tiefere Bedeutung haben sollten. Ist der Charakter gläubig? Denn es kommt durchaus häufiger vor:

Zitat:
Oh Gott... [...] Herrgott [...] weißgott


Auf mich wirken diese Ausdrücke recht befremdlich, da deren Sinn nicht ganz klar wird.

Sinnfehler gibt es auch an anderer Stelle:

Zitat:
[...] stolperte ich erneut über seine wahnsinnige Größe. Ein Meter vierundneunzig, hatte er mir am Check-In gesagt. Die Security hatte sichtbar Mühe gehabt, ihn mit ihrem Metalldetektor von Oben bis unten abzuscannen.


Abgesehen davon, dass 1,94 für mitteleuropäische Verhältnisse nicht so wahnsinnig groß ist, sehen die Metalldetektoren an Flughäfen in der Regel aus wie Türen, durch die die Fluggäste einfach hindurchgehen. Ich kann mir nicht vorstellen wie es dabei zu Problemen kommen könnte.

Zitat:
„Aber, aber…“


Das ist übrigens wieder eine Phrase, die ich absolut schrecklich finde, nur um das mal kurz zwischenzuschieben.

Zitat:
Aus seinen Ohren wummerte plastische Technomusik.


Ich vermute die Musik wummert aus seinen Kopfhörern, oder handelt es sich hier um Science Fiction? Und was ist plastische Technomusik? Das ergibt für mich keinen Sinn.

Zitat:
Doch einmal riss die Wolkendecke plötzlich auf und ich konnte – leider – einen Blick auf die Welt unter uns erhaschen. Dort befand sich das Meer. Ich war zwar durchaus nicht der beste Erdkundeschüler gewesen, doch wusste ich, dass es der Pazifik gewesen sein musste, den ich dort sah.


Wenn ich den Text soweit richtig verstanden habe, dann ist der Protagonist in Deutschland gestartet und auf dem Weg nach Bolivien? Ich bin zwar auch nie gut in Geographie gewesen, aber der einzige Ozean, der zwischen den beiden Ländern liegt (wenn nicht der wesentlich längere Weg in die entgegengesetzte Richtung geflogen wird), ist der Atlantik, oder irre ich da?

Soweit meine paar kleinen Anmerkungen. Du solltest dir ein wenig mehr Mühe geben deinen Text sinnvoll zu gestalten und etwas an deinem Ausdruck arbeiten, der teilweise sehr pubertär klingt. Ansonsten wünsche ich dir, da du ja offensichtlich ein Neu-(wieder-)Einsteiger bist, viel Spaß bei deinen ersten Gehversuchen.

Gruß
Stephan
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TheSpecula
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BeitragVerfasst am: 11.09.2011 08:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank für deine Kritik smile

Zum Metalldetektor: Aber ist es nicht so, wenn man durch so eine Sicherheitsschleuse geht, und es pipst, dass man dann mit einem Handgerät abgangen wird?

Und eigentlich sollte mein Charakter auch jung sein, genaugenommen 21 Jahre. An welchen Stellen macht er denn einen alten Eindruck? Wäre nett smile

Und das mit den Phrasen verbesser ich auch nacher!

Nochmals vielen Dank! Ich werd mich dranssetzten und dann eventuell nochmal einstellen Smile

Grüße,


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Stephan_
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BeitragVerfasst am: 11.09.2011 08:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Naja, wie gesagt, der Charakter scheint verheiratet zu sein, und das deutet auf ein höheres Alter hin. Gut, mit 21 kann man natürlich auch schon verheiratet sein, das ist aber eher selten (ich habe es gerade mal gegooglet, tatsächlich liegt das durchschnittliche Alter eines Mannes bei der ersten Hochzeit bei etwa 33 Jahren, was ich nun aber doch schon ziemlich alt finde). Aber auch für einen 21-jährigen finde ich Gedanken wie

Zitat:
Doch ihre Eltern würden auch jetzt keine Ruhe geben, so streitsüchtig wie sie waren. Ihr altersfaltiger Vater, mit seinem leberfleckigen Kopf und den weißen Büscheln hinter den Ohren. Und ihre Mutter mit dem typischen 7-Tage-Regenwetter-Lächeln. Ich hasste sie!


ziemlich unreif.

Zum Metalldetektor: Ich weiß nicht, ob an Flughäfen tatsächlich noch Handgeräte zum Einsatz kommen, wenn der stationäre Detektor anschlägt. Als Leser stolpert man aber schnell darüber.

Gruß
Stephan
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Gast







BeitragVerfasst am: 11.09.2011 08:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Specula,

das liest sich nicht schlecht, aber schlechter, als es sich lesen könnte. Was einmal an der Heerschar von Fehlern liegt (wobei "Ableckungsmanöver" natürlich ein sehr schöner Ausdruck ist...), zum anderen aber an vielen ausschweifenden und dabei ungelenken Formulierungen. Ein Beispiel wäre

Ich war zwar durchaus nicht der beste Erdkundeschüler gewesen, doch wusste ich, dass es der Pazifik gewesen sein musste, den ich dort sah.

Brauchst du diesen Satz überhaupt? Wenn ja, unbedingt in dieser Länge? Und was ist das, was vorher der Pazifik war, denn in dem Moment, als es gesehen wird?

Mir scheint wirklich, der Text hat noch etwas Arbeit nötig.

Gruß,

Soleatus
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TheSpecula
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BeitragVerfasst am: 11.09.2011 09:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke, Stephan & Soleatus!

Ich sollte tatsächlich nicht Schwiegereltern schreiben. Zukünftige. Eventuell.

Soleatus, was meinst du mit 'Wobei 'Ablenkungsmanöver' ein sehr schönes Wort ist.'
Ironie, oder? Tut mir Leid, bin nicht gut darin, soetwas herauszulesen da ich von Natur aus blind für meine Texte bin.



Danke nochmals!

P.S.: @Stephan: Ich bin selber 1,97 und find mich nicht sonderlich groß^^


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BeitragVerfasst am: 11.09.2011 09:41    Titel: Antworten mit Zitat

Du hast eben nicht Ablenkungsmanöver, sondern Ableckungsmanöver geschrieben?!
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TheSpecula
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BeitragVerfasst am: 11.09.2011 10:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Laughing

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BeitragVerfasst am: 11.09.2011 10:13    Titel: Antworten mit Zitat

*g* hihi. nein, sag jetzt nichts. *ggg*

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TheSpecula
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BeitragVerfasst am: 11.09.2011 12:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hier eine neue Version!

--------------------------
Die Metallverkleidung der Boeing begann zu zittern. Nervös fuhr ich meine Finger über das Condor-Flugticket. Eugen Hermann, Sitznummer 343a .Wir wüschen angenehmen Flug!
Die Maschine steuerte auf Landebahn Sieben zu und nahm Anlauf.  Dann hoben wir ab.

Mit einem kalten Schauer im Rücken wandte ich mich dem Fenster ab und musterte eingehend meinen Nebenmann. Samuel. Seine Größe machte ihm sichtlich zu schaffen, seine Glieder sinnvoll vor der vorderen Sitzreihe zu verstauen. So drückte sein linkes Knie in mein Rechtes und sein Linkes ein gutes Stück in den Gang hinein. Gemütlich konnte es nicht sein (Er war immerhin zwei Metern und elf groß). Als sein Gürtel am Check-In den Metalldetektor auslöste, hatte die Security deutliche Probleme gehabt, ihn von oben bis unten mit ihrer ‚Lupe’ abzutasten. Mich untersuchten sie vorsichtshalber auch. Ich bebte so stark, dass sie in mir einen Möchtegern-Terroristen vermuteten.
Im Vergleich dazu ging es mir jetzt ungewöhnlich gut. Solange ich nicht daran dachte, dass wir mit einer Geschwindigkeit von gut 700km/h auf eisiger Höhe in einem Metallkäfig ‚gefangen’ waren…

…Bing …Biing

…Meine Crew und Ich heißen sie auf dem Flug von… Frankfurt am Main nach… Santiago de Chile… herzlich Willkommen… Mein Name ist Frank Marx… Unsere aktuelle Geschwindigkeit beträgt… 749 Kilometer… dieee Stunde. Die Außentemperatur liegt bei… minus 12 Grad Celsius. Flughöhe:… 823 Meter…


Danke, dachte ich mir. Ich hasste es zu fliegen. Die schmalzig schmatzende Stimme der Piloten, die tristen Zweite-Klasse-Sitze und die bleigraue Innenverkleidungen der Billigflug-Airline. Das hasste ich beinahe noch mehr als das bloße Fluggefühl.
„Darf ich ihnen Etwas zu trinken bringen“, fragte plötzlich eine Stewardess. Sie lächelte uns freundlich entgegen. Doch erst als Samuel eine Coca-Cola bestellte und auf eine Pepsi vertröstet wurde, nahm ich die hübsche Blondine erst wahr.
„Ein…“ Wasser. Nein, ich konnte doch kein Wasser bestellen. Ich kannte niemanden, der jemals während eines Fluges ein Wasser bestellt hatte. Also entschloss ich mich spontan für eine „…Cola. Ja, ich nehme auch eine!“
„Immer noch deine Flugangst“, fragte Samuel schließlich, als die Stewardess sich zu der nächsten Sitzreihe begab.
„Nein“, log ich.
„Du hast schon auf der Hinfahrt gezittert wie Espenlaub“, schmunzelte er. Sein Poloshirt roch aufdringlich nach einer Mischung aus Moschus und Patschuli. Nach modrigem Wald – und doch so ekelhaft süßlich. Und nach Hippie.
„Das lag nur an deiner Fahrweise“, entgegnete ich ihm nach einer Weile. Daraufhin lachte er. Er war echt nett. Trotz der Tatsache, dass ich ihn seit gestern Abend kannte, verstanden wir uns gut. Ein Glück, dass sich nicht Stephan neben mich gesetzt hatte. Schon gestern Abend hatte er uns mit Daten & Fakten über den Flug bombardiert. Er schien mir ein richtiger Flugfetischist zu sein. (Er besaß sogar eine eigene Cessna, eine Skyhawk!). Andersdenkende akzeptierte er nur mit tiefem Grummeln.
„Worauf freust du dich am Meisten, in Chile“, fragte Samuel, während er die beiden Colas entgegennahm und mir eine durchreichte.
„Auf den Boden. Gott hat uns Menschen keine Flügel gegeben, also sollten wir auch nicht fliegen.“
„Bist du etwa gläubig“, fragte er mit durchaus interessierter Miene.
„Gott bewahre…“
„Also ja?“
„Nein! Bin ich nicht.“ Ich lachte. „Ich bin einfach nur auf dem Boden geboren und fühle mich dort auch am wohlsten.“
„Ach so… Ich freu’ mich auf die heißen eingeborenen Mädels! Shakira kommt zum Beispiel  auch aus Chile!“, sagte er und nickte mir verschmitzt zu.
„Aus Kolumbien“, korrigierte ich ihn. „Shakira kommt aus Kolumbien.“
„Ich versuch jetzt zu schlafen!“, sagte er plötzlich gähnend und steckte sich zwei  kleine Kopfhörer durch sein schulterlanges Haar, in seine Ohren. Dann ertönte leise die schwammige Technomusik, die er schon im BMW eingelegt hatte. Wie man mit so einer Musik einschlafen konnte, fragte ich mich. Doch für ihn schien es kein Problem zu sein, denn schon nach wenigen Minuten ertönte zufriedenes Schnarchen von meinem Nebenplatz.
Gelangweilt wandte ich mich wieder dem Bullauge auf meiner Seite zu und bemerkte erst jetzt, wie verdammt hoch wir fliegen mussten. Das Ruckeln hatte sich gelegt, aber ich hatte gleichsam ein flaues Gefühl im Magen, von der Geschwindigkeit, glaubte ich.
Warum war ich überhaupt mitgekommen? Ich musste in einem Anfall geistiger Umnachtung gewesen sein. Denn so schräg wie es klingen mochte, hatte ich der Reise nur zugesagt um dem Geburtstag meines (eventuell) zukünftigen Schwiegervaters zu entkommen. Meine Freundin Katharina und Ich waren schon acht- oder neunmal bei ihren Eltern gewesen. Und jedes Mal endete unser Besuch in einer heftigen Debatte um meine Wenigkeit. Ob ich denn auch die Familie ernähren könne. Ob ich auch die Wünsche ihrer Tochter erfüllen würde. Unsinn, dachte ich mir jedes Mal und würde die Frage so gerne mit einem satten ‚Ja’ beantworten; Doch das konnte ich wahrhaftig nicht. Meine Einkünfte als Spieleprogrammierer waren nicht einmal so unterhaltsam wie es die ‚Browser-Games’ unserer Firma waren (Und sie waren es nicht sonderlich). Aber wäre eine Rückenstärkung nicht viel sinnvoller? Immerhin bemühte ich mich zu diesem Zeitpunkt enorm um eine neue Arbeitsstelle, bei bekannteren Entwicklerstudios. Doch ihre Eltern würden auch jetzt keine Ruhe geben, so streitsüchtig wie sie waren. Ihr altersfaltiger Vater, mit seinem leberfleckigen Kopf und den weißen Büscheln hinter den Ohren. Und ihre Mutter mit dem typischen 7-Tage-Regenwetter-Lächeln. Ich hasste sie! Als ich mich bei diesem Gedanken erwischte, schüttelte ich den Kopf als wollte ich die Gedanken benebeln.
Die kreideweiße Wolkendecke schien reißfest und dicht wie ein Seidentuch.  Doch dann tat sich eine Schlucht in Ihr auf, welche mich ungewollt auf die See weit unter uns Blicken ließ. Meine Flugangst nahm wieder Besitz von mir.
Ablenkung, das war was ich nun brauchte. Samuel schlief immer noch. In seinen Stöpseln dudelte gerade Insomnia von Faithless. Also quetschte ich mich spontan an Samuels Stelzen vorbei (Was kein durchaus kein leichtes Unterfangen war).
„Eugen!“, hörte ich Jemanden hinter mir. Ich drehte mich noch immer leicht schwummerig um und sah Tammo. Mit einer Zeitschrift in der Hand, breit grinsend.

-----------------

Mich würde interessieren,

a.) Welche Version ihr besser findet,
b.) was ihr von der Ansage des Piloten haltet (Glaubwürdig, überdunsen, unnötig?!) und natürlich wieder
c.) wie ihr den Text allgemein findet.

Danke smile


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BeitragVerfasst am: 11.09.2011 12:43    Titel: SCNR Antworten mit Zitat

TheSpecula hat Folgendes geschrieben:
Mit einem kalten Schauer im Rücken wandte ich mich dem Fenster ab und musterte eingehend meinen Nebenmann. Samuel. Seine Größe machte ihm sichtlich zu schaffen, seine Glieder sinnvoll vor der vorderen Sitzreihe zu verstauen. So drückte sein linkes Knie in mein Rechtes und sein Linkes ein gutes Stück in den Gang hinein.


Also DAS ist schon betrachtenswert: Ein Sitznachbar mit zwei linken Beinen!
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Stephan_
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BeitragVerfasst am: 11.09.2011 12:48    Titel: Antworten mit Zitat

Irgendwie komme ich mir nach der Überarbeitung deines Textes leicht veralbert vor. Bitte, wer keine Hilfe will, der soll sie auch nicht bekommen. Und tschüss.
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Stubenhocker
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BeitragVerfasst am: 11.09.2011 13:19    Titel: Antworten mit Zitat

TheSpecula hat Folgendes geschrieben:
Mich würde interessieren,

a.) Welche Version ihr besser findet,
b.) was ihr von der Ansage des Piloten haltet (Glaubwürdig, überdunsen, unnötig?!) und natürlich wieder
c.) wie ihr den Text allgemein findet.

Danke smile
Um ehrlich zu sein: Versuche doch lieber, was Du schreiben willst, irgendwie an einen Dir vertrauteren Schauplatz zu verlegen - was die Aeronautik betrifft, da scheinst Du dich ja nicht so recht auszukennen...
das führt auch gleich zu b: Wenn der Pilot seine Passagiere begrüßt, ist die Flughöhe wohl bereits erreicht, und diese liegt für gewöhnlich im Bereich von ca. 30.000 ft - also 10.000m; die Reisegeschwindigkeiten von Flugzeugen seit Ende der 60er Jahre liegt eher bei rund 975 km/h, das ist am wirtschaftlichsten.
Ein Flug unterhalb der Wolkendecke (823 Meter) wär' eher beim Segelflug üblich oder beim Paragliding...
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TheSpecula
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BeitragVerfasst am: 11.09.2011 14:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Stephan_ hat Folgendes geschrieben:
Irgendwie komme ich mir nach der Überarbeitung deines Textes leicht veralbert vor. Bitte, wer keine Hilfe will, der soll sie auch nicht bekommen. Und tschüss.


Wieso???? Ich hab deine Ratschläge doch befolgt, bis auf das auf die Passage mit den Eltern, die hat tieferen Sinn.

Und ja ich bin ehrlich, ich bin erst einmal geflogen. sad

Schade, werf das dann in die Tonne... Sollte sich eh nur um erste Geh-Versuche handeln. Und c.)?


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