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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Ambrosia Superstar


 

 
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VenomousWriter
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BeitragVerfasst am: 14.08.2011 20:05    Titel: Ambrosia Superstar eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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„Zoe", „Zooooeee“, „Zoe-Eileen Yaaba Kodua, wo steckst Du? Sieh zu, dass Du herkommst!“
„Du hast eine Stimme wie eine Kreissäge. Damit kannst Du Tote wecken, aber in den Recall schaffst Du es niemals“. Diese Worte würde Tante Linda sicherlich vom Chefjuror von Deutschlands bekanntester Gesangscasting Sendung hören, würde sie dort jemals versuchen aufzutreten. Doch statt auf der Showbühne, stand Tante Linda auf der Terrasse ihres Hauses und rief nach ihrer Nichte Zoe. Zuletzt rief sie ja eigentlich nach Zoe-Eileen, was für die Elfjährige ein sicheres Zeichen dafür war, dass die Lage langsam ernst wurde und sie sich wohl nun am besten von ihrem Schlafplatz, der grünen Wiese im hinteren Winkel des Gartens, erheben und zu ihrer Tante gehen sollte.
„Worepe deen?“ Was ist los, fragte Zoe ihre Tante auf Twii, einer Sprache die sehr häufig in Ghana gesprochen wurde. Ghana, das ist das Land in Westafrika, wo ein Großteil von Zoes Familie herkommt. Zoe selbst kam in Hannover zur Welt. Obwohl sie damit eigentlich Deutsche ist, spricht sie neben Englisch eben auch Twii.
Zoes Tante Linda kam vor einigen Jahren auch  nach Deutschland und zog in ein kleines Haus in Hannover - Vinnhorst. So kann Zoe, die nach wie vor mit ihrer Familie in Hannover lebt, ihre Tante häufig besuchen. Zoe liebt es, gerade in den Sommerferien in Tante Lindas Garten zu liegen und einfach in den Tag hineinzuträumen.
"Du musst in den Baumarkt. Ich brauche irgendetwas, was uns hilft, die hintere Ecke des Gartens endlich einmal von diesem widerlichen Wildwuchs zu befreien. Dieses komische unnütze Gewächs, was sich dort auf meiner schönen Wiese breitgemacht hat, es ist zu viel davon geworden. Ich weiß nicht genau, was es ist. Ich will es aber nicht in meinem Garten haben. Es muss hier weg. Wir haben morgen sehr viele Gäste, da soll es in meinem Garten schön aussehen. Ich muss noch viel vorbereiten für morgen und deshalb musst Du zum Baumarkt und dich erkundigen, was wir tun können, damit dieses Unkraut, dieser Wildwuchs, so schnell wie möglich vernichtet werden kann! Ich habe dir einer dieser komischen Pflanzen abgerissen. Die Pflanze befindet sich hier in dieser kleinen Plastiktüte. Zeige sie einem der Verkäufer im Baumarkt und frage, wie wir sie am effektivsten loswerden!“
Unglaublich wie Tantchen sich wegen so ein bisschen Gestrüpp in der hinteren Ecke des Gartens aufregen kann, dachte Zoe bei sich. Dabei sahen diese Pflanzen mit ihren kleinen weißlichen Blütenkörbchen nicht einmal so übel aus, fand sie. Aber mit ihrer Tante darüber zu diskutieren, ob man die Pflanzen nun behalten oder vernichten sollte, dazu hatte Zoe auch keine Lust. Sie schnappte sich das kleine, durchsichtige Tütchen, mit der einen Pflanze, die ihre Tante Linda noch immer in der Hand hielt und lief in Richtung Straße.
„Ach und Zoooooeee“, rief ihr Tante Linda hinterher, „es macht überhaupt nichts, wenn das mit dem Einkauf schnell geht. Also Trödel bitte nicht herum!“
Tante Linda war wirklich unausstehlich, wenn sie unter Stress stand, weil sie Gäste erwartet, dachte die Elfjährige, während sie weiter in Richtung Straßenbahnhaltestelle eilte.
Zoe saß fast völlig alleine in dem Wagon der Straßenbahn. Nur ein alter Mann und eine Frau mit Kinderwagen waren noch in dem zweiten Wagen der Linie 6. Zoe hätte die vier Stationen, die der Baumarkt vom Haus ihrer Tante entfernt war, auch zu Fuß laufen könne. Aber Tante Linda wollte, dass es schnell geht und da Zoe eh eine Monatskarte besaß, nahm sie halt die Straßenbahn.
Zoe war gerade zwei Stationen gefahren, als eine Gruppe Jugendlicher zustieg und sich unmittelbar in die Sitzreihe hinter ihr platzierte. Die Jugendlichen, ausschließlich Jungs, hatten allesamt eine Flasche Bier bei sich.
Kaum hatten sich die Jungs in die Sitze hinter Zoe platziert, rief einer: „Schau mal Paul, Afrika scheint nicht weit weg zu sein. Die Neger kommen jetzt sogar schon mit der Straßenbahn angefahren“. „Oder das ist kein Neger und es hat nur irgendwo gebrannt und deshalb ist die so schwarz“, antwortete der Junge, der zuvor mit Paul angesprochen wurde, und nahm dann offensichtlich genüsslich einen ordentlichen Schluck aus der Flasche Bier, die er in seiner Hand hielt.
Zoe fühlte sich plötzlich bedroht. Sie wollte sich von ihrem Sitz erheben, um bereits an der nächsten Haltestelle aussteigen zu können. Doch einer der Jungs zog sie von hinten zurück in ihren Sitz. „Ey hiergeblieben Negermädchen. Wir wollen doch nur mit dir sprechen. Und man geht nicht einfach weg, wenn der andere noch nicht fertig ist mit dem Gespräch. Hat man dir im Taka-Tuka-Land denn etwa keine Manieren beigebracht?“ Die anderen Jungs fingen an zu lachen.   
„Sag Negermädchen, was willst du und die ganze Horde anderer Affen eigentlich hier bei uns in unserem schönen Land?  Wozu seit ihr nützlich? Ich meine außer die paar von Euch, die in unseren Supermärkten die Toiletten reinigen?“ Wieder lachten die anderen Jungs. „Aber es gibt inzwischen so viele von euch. Ihr seit wie Wildwuchs, der sich in unserem Reich ausbreitet. Unkraut, das man vernichten sollte, wenn es nicht freiwillig in sein komisches Afrika zurückkehren will. So wie unsere Großeltern damals diese verdammten Juden vertrieben haben.“ Während der Junge die Worte sprach, näherte er sich mit seinem Gesicht dem von Zoe und sie roch seinen nach Alkohol stinkenden Atem sehr genau. „Also Mädchen, wenn Du nach Hause kommst, dann erzählst Du den anderen Negern, sie sollen Deutschland verlassen, oder wir werden sie alle vernichten, wie lästiges Unkraut.“ Im selben Moment, als der Junge den Satz beendet hatte, hielt die Straßenbahn an der nächsten Haltestelle die Türen wurden geöffnet.  Zoe zog ihren rechten Ellenbogen weit nach hinten und traf damit den Jungen, der sie noch immer von hinten festhielt an seinen Kopf.  Sie erwischte den Jungen mit ihrem Ellenbogen genau an dessen Schläfe. Der Junge schrie auf und lockerte dabei den Griff mit dem er die Elfjährige die gesamte Zeit festgehalten hatte.
Zoe stürzte in Richtung Tür. Gerade wollte sie die Trittstufen hinabeilen, als Paul, der ihr hinterhergelaufen war, sie einholte und von hinten schubste. Zoe fiel die drei Trittstufen der Bahn herab und knallte auf den harten Betonboden des Bahnsteigs. Ihre Knie schmerzten, weil sie auf ihnen gelandet war. Ebenso ihre Hände. Sie hatte den Sturz zumindest soweit abfangen können, dass sie nicht bäuchlings auf den Betonboden geknallt war. Gestützt auf ihren Händen und Knien wollte Zoe  sich gerade wieder aufrecht hinstellen, als sie durch einen Fuß auf ihren Rücken zu Boden gedrückt wurde. „Bleib liegen du Negermädchen. Glaubst du wirklich wir, lassen dich so davonkommen, nachdem du Ralf geschlagen hast?“ Zeitgleich mit diesen Worten vernahm Zoe ein Geräusch, das nach einem dumpfen Schlag klang. Der Druck des Fußes auf ihren Rücken, der sie nach unten gepresst hatte, ließ plötzlich nach. Sie hörte den Schrei eines Jungen der offenbar Schmerzen versprühte. Zoe, die sich noch immer auf allen Vieren befand, drehte ihren Kopf und sah einen alten, asiatischen Mann neben Paul stehen. Der alte Mann hatte seinen rechten Arm leicht erhoben, in seiner Hand befand sich ein hölzerner Spazierstock. Währenddessen hielt sich Zoes Angreifer die Hände vor das Gesicht. Noch bevor Zoe die Situation richtig durchschaut hatte, rief Paul auf einmal: „Sie Narr. Sie werden es gleich bereuen, mich geschlagen zu haben“. Dann erhob er sich und stürzte auf den alten Mann zu. Doch bevor Paul den alten Mann erreichte hatte, machte dieser einen Schritt seitwärts, sodass der Angriff des Jungen ins Leere lief. Paul schoss dadurch im hohen Tempo an dem alten Mann vorbei und erhielt von diesem noch einen Schlag mit dem Spazierstock in den Rücken. Es war die Bahn, die Paul Vorwärtsbewegung letztendlich stoppte,.Er war mit voller Wucht gegen den Waggon geprallt. Erneut drehte er sich in Richtung des alten Mannes, der seinen Stock wieder in der erhobenen Hand hielt. Während Paul am ganzen Körper zitterte, strahlte der Mann Ruhe aus. Paul schien noch über seinen nächsten Schritt nachzudenken, als aus der Ferne die Sirene eines Polizeiautos zu hören war. Eine gefühlte Ewigkeit schien der Jugendliche wie erstarrt dazustehen. Dann drehte er sich um und lief in die entgegengesetzte Richtung, aus der die Polizei näher zu kommen schien. Zoe, die sich inzwischen wieder aufgerichtet hatte und nun direkt neben den alten Mann stand, sah noch wie der Junge in eine der gegenüberliegenden  Seitenstraße lief, als auch schon der Einsatzwagen der Polizei mit Blaulicht an ihr vorbeirauschte und in dieselbe Richtung fuhr, in der zuvor Paul entschwunden war. Seine Kumpels hatten am Ende der Bahn inzwischen eine Tür aufgerissen und liefen jetzt ebenfalls davon. Aus der Ferne hörte man, wie sich eine weitere Polizeistreife zu nähern schien.
„Vielen Dank. Danke. Oh mein Gott, ich weis nicht, was mit mir geschehen wäre, wenn Sie mir nicht geholfen hätten“. Während Zoe ihre Worte an den alten Mann richtete, fiel eine große Last von ihr. Sie begann zu weinen und dann umarmte sie den alten Mann. „Ist schon gut Mädchen. Auf mich selbst achtend, achte ich auf den Anderen, auf den Anderen achtend, achte ich auf mich selbst“. „Ich verstehe nicht, was meinen sie? Ach egal, Danke noch einmal, dass sie mir geholfen haben. Einfach mit ihrem Spazierstock. Wie heißen sie? Wo sind sie hergekommen? Hatten sie keine Angst. Warum waren die Jungs so böse auf mich?“ Tausend Gedanken flogen durch Zoes Kopf und ein Teil davon sprach sie auch sofort aus, ohne auf eine Antwort zu warten. Es war so, als wenn ihre Gedanken wie ein Wasserfall aus ihrem Mund herausschoss.
„Nun Mädchen, mein Name ist Cosimo. Cosimo Dharma. Ich saß auch in der Bahn. Die Dinge hatten sich so schnell entwickelt, dass ich dir nicht früher helfen konnte. Ich bin 86 Jahre alt. Da ist man auch nicht mehr der Schnellste. Dass was für dich wie ein Spazierstock aussieht, ist ein sogenannter Bo, ein Langstock. Ich betreibe Kobudo, eine Sportart, die ihren Ursprung in Okinawa hat. Der Bo entstand dort aus den Tragestangen der Bauern oder auch Hirtenstäben zum Vertreiben wilder Tiere. Ich war gerade auf dem Weg ins Dojo, also der Übungshalle, um zu trainieren. Es waren sehr ängstliche Jungen, die dich angegriffen haben“. „Ängstliche Jungen? Sie wollen mich wohl jetzt auf den Arm nehmen“. „Nein, nein.  Die Wurzel der Aggression ist die Angst. Wer aggressiv ist, ist von innerer Angst erfüllt. Die Jungs, haben, ebenso wie viele andere Menschen auch, Angst vor Dingen die sie nicht kennen und die anders sind, als Dinge die sie bisher kennen. Dazu gehören auch Menschen, die anders sind“. „Sie scheinen wirklich viele Dinge über andere Menschen zu wissen, Cosimo“. „Nun, Andere zu kennen bedeutet Du bist Weise. Doch viel wichtiger ist, dich selbst zu kennen, denn das bedeutet, du bist erleuchtet. Im Übrigen habe ich hier noch etwas, was dir zu gehören scheint. Ein Plastiktütchen mit einer Ambrosia drin“. „Ja das Plastiktütchen gehört mir. Meine Tante hat es mir gegeben. Wir haben von diesem widerlichen Unkraut, wie du es hier siehst, soviel im Garten, dass ich aus dem Baumarkt etwas holen soll, womit wir diesen Wildwuchs vernichten können“. „Nun, die gemeine Schafgabe gilt in der Tat bei vielen Leuten als Unkraut. Doch in Wahrheit kann die Pflanze eigentlich mehr Nutzen, als Schaden zufügen. Sie kann als Heilmittel eingesetzt werden bei Verdauungsbeschwerden, sie wirkt krampflösend, blutstillend und entzündungshemmend. Man kann sie aber auch bei Erkältungskrankheiten und Schnupfen verabreichen. Die alten Griechen nannten die Scharfgabe wegen ihrer heilenden Wirkung Ambrosia, was die Unsterbliche bedeutet. Die Ambrosia galt als Speise und Medizin der alten Götter. Zeus selbst soll sie als Trank zu sich genommen haben, der die Schönheit seines Körpers erhöhen und ihn vor Fäulnissen schützen sollte. Zu Zeiten der Pest wurden Kränze aus Ambrosia beziehungsweise aus Schafgabe in den Häusern zum Schutz vor der Seuche aufgehängt. In Slowenien sagt man der Schafgabe nach, dass sie Zauberkräfte verleiht, während man ihr in der Oberpfalz nachsagt, sie schütze vor bösen Zauber. Wird ein Bündel Schafgabe als Dekoration bei einer Hochzeit verwendet, so soll die Liebe auf jeden Fall sieben Jahre halten. Wie auch immer, die Ambrosia ist quasi der Superstar unter den Heilpflanzen, auch wenn man sie jetzt eher unter den Namen gemeine Schafgabe kennt. Heutzutage gibt es dann auch noch die Ambrosia artemisiifolia. Diese Pflanze kann bei vielen Menschen eine schwere Pollenallergie auslösen. Doch auch diese Pflanze hat eine Heilwirkung und diente vor allem den Indianern in Nordamerika als Naturmedizin. Man darf also niemals die Dinge nur nach ihrem Äußerem bewerten. Wenn deine Tante also sagt, sie findet, die Schafgabe passt nicht in euren Garten, weil sie anderes aussieht als der Rest ihrer grünen Wiese, so stellt sie sich eigentlich mit den Jungs gleich, die dich angegriffen haben, weil du anders aussiehst und deshalb ihrer Meinung nach nicht hierher gehörst“.
Ein wirklich weiser Mann dachte Zoe bei sich. In diesem Moment hielt eine Polizeistreife neben den Beiden. Die Polizeibeamten erzählten Zoe und Cosimo, dass man Paul erwischt hat. Er wurde gerade von einer anderen Streife zur Wache gebracht. Man erhofft sich, über Paul auch an die anderen Jungs zu kommen. Der Fahrer der Bahn war es, der die Polizei über seinen Funk über den Vorfall vor Ort informiert hatte. Er hatte sich selbst aber nicht getraut einzuschreiten. Nachdem Cosimo als Zeuge von der Polizei vernommen wurde, wollten die Beamten Zoe nach Hause zu ihren Eltern bringen. Zoe umarmte Cosimo noch einmal zum Abschied. „Ich danke Ihnen für alles was sie für mich getan haben Cosimo“. „Im Buddhismus sagt man, dass wenn du wissen willst, wer du warst, so schau dir an, wer du bist. Willst du wissen, wer du sein wirst, so schau, was du tust. Pass auf dich auf kleines Mädchen!“
Zoe wurde auf die Rückbank des Polizeiautos gesetzt. Während sich das Fahrzeug in Bewegung setze, schaute sie aus dem Fenster und winkte Cosimo solange zu, bis sie ihn nicht mehr sehen konnte. Als er aus Sichtfeld verschwunden war, schloss Zoe ihre Augen. Sie war nach dem, was sie erlebt hatte, sehr müde. Bevor sie endgültig einschlief, musste sie an dass denken, was sie von Cosimo gelernt hatte. Sie dachte an die Geschichte von Ambrosia Superstar“.

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VenomousWriter
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BeitragVerfasst am: 15.08.2011 19:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

ist keine Reaktion ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

Ich bin jederzeit für Meinungen und auch Kritik offen
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Harald
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BeitragVerfasst am: 15.08.2011 20:06    Titel: Antworten mit Zitat

Ganz einfach, wenn ich - und viele andere auch - einen solchen Blocksatz fast ohne Absätze sehe, dann lese ich es erst gar nicht, ist mir zu anstrengend ...

Das Ding erschlägt einen ja beim Draufschauen!

LG

Harald


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Harald

Um ein Ziel zu erreichen ist nicht der letzte Schritt ausschlaggebend, sondern der erste!
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Gast







BeitragVerfasst am: 15.08.2011 20:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo VW,

mir ist das ganze zu blauäugig, z.B. durch diese ellenlange, einfach so reingeklatschte Erklärungsflut von Cosimo. Oder nimm diesen Absatz:

Zoe war gerade zwei Stationen gefahren, als eine Gruppe Jugendlicher zustieg und sich unmittelbar in die Sitzreihe hinter ihr platzierte. Die Jugendlichen, ausschließlich Jungs, hatten allesamt eine Flasche Bier bei sich.
Kaum hatten sich die Jungs in die Sitze hinter Zoe platziert, rief einer: „Schau mal Paul, Afrika scheint nicht weit weg zu sein. Die Neger kommen jetzt sogar schon mit der Straßenbahn angefahren“. „Oder das ist kein Neger und es hat nur irgendwo gebrannt und deshalb ist die so schwarz“, antwortete der Junge, der zuvor mit Paul angesprochen wurde, und nahm dann offensichtlich genüsslich einen ordentlichen Schluck aus der Flasche Bier, die er in seiner Hand hielt.


Der müsste viel dichter werden - die Wiederholungen ("Flasche Bier"), die Umständlichkeiten ("der vorher mit Paul angesprochen wurde" - was nebenbei auch grammatikalisch falsch ist, "angesprochen worden war") und die schlicht überflüssigen Ergänzungen ("offensichtlich genüsslich", "ordentlichen") nehmen deinem Text jede Möglichkeit, den Leser zu erreichen.

Dazu kommen noch sehr viele Schludrigkeiten ("seit" statt "seid"), vergessene Wörter ("Als er aus Sichtfeld") und dergleichen mehr. Also da musst du noch einiges tun, fürchte ich!

Gruß,

Soleatus
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VenomousWriter
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BeitragVerfasst am: 16.08.2011 22:51    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ok, das Format ist in der Tat nicht sehr gut. Entschuldigung, lag an Copy and Paste.
Ich habe den Text jetzt noch einmal überarbeitet.


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„Zoe", „Zooooeee“, „Zoe-Eileen Yaaba Kodua, wo steckst Du? Sieh zu, dass Du herkommst!“

„Du hast eine Stimme wie eine Kreissäge. Damit kannst Du Tote wecken, aber in den Recall schaffst Du es niemals“. Diese Worte würde Tante Linda sicherlich vom Chefjuror von Deutschlands bekanntester Gesangscasting Sendung hören, würde sie dort jemals versuchen aufzutreten. Doch statt auf der Showbühne, stand Tante Linda auf der Terrasse ihres Hauses und rief nach ihrer Nichte Zoe. Zuletzt rief sie ja eigentlich nach Zoe-Eileen, was für die Elfjährige ein sicheres Zeichen dafür war, dass die Lage langsam ernst wurde und sie sich nun am besten von ihrem Schlafplatz, der grünen Wiese im hinteren Winkel des Gartens, erheben und zu ihrer Tante gehen sollte.

„Worepe deen?“ Was ist los, fragte Zoe ihre Tante auf Twii, einer Sprache die häufig in Ghana gesprochen wurde. Ghana, das ist das Land in Westafrika, wo ein Großteil von Zoes Familie herkommt. Zoe kam in Hannover zur Welt. Obwohl sie damit Deutsche ist, spricht sie neben Englisch auch Twii.

Zoes Tante Linda kam vor einigen Jahren auch  nach Deutschland und zog in ein kleines Haus in Hannover - Vinnhorst. So kann Zoe, die nach wie vor mit ihrer Familie in Hannover lebt, ihre Tante häufig besuchen. Zoe liebt es, gerade in den Sommerferien in Tante Lindas Garten zu liegen und in den Tag hineinzuträumen.

"Du musst in den Baumarkt. Ich brauche irgendetwas, was uns hilft, die hintere Ecke des Gartens endlich von diesem widerlichen Wildwuchs zu befreien. Dieses komische unnütze Gewächs, was sich dort auf meiner schönen Wiese breitgemacht hat, es ist zu viel davon geworden. Ich weiß nicht, was es ist. Ich will es aber nicht in meinem Garten haben. Es muss hier weg. Wir haben morgen viele Gäste, da soll es in meinem Garten schön aussehen. Ich muss noch viel vorbereiten für morgen und deshalb musst Du zum Baumarkt und dich erkundigen, was wir tun können, damit dieses Unkraut, dieser Wildwuchs, so schnell wie möglich vernichtet werden kann! Ich habe dir einer dieser komischen Pflanzen abgerissen. Sie befindet sich hier in dieser kleinen Plastiktüte. Zeige sie einem der Verkäufer im Baumarkt und frage, wie wir sie am effektivsten loswerden!“

Unglaublich wie Tantchen sich wegen so ein bisschen Gestrüpp in der hinteren Ecke des Gartens aufregen kann, dachte Zoe bei sich. Dabei sahen diese Pflanzen mit ihren kleinen weißlichen Blütenkörbchen nicht übel aus, fand sie. Aber mit ihrer Tante darüber zu diskutieren, ob man die Pflanzen behalten oder vernichten sollte, dazu hatte Zoe auch keine Lust. Sie schnappte sich das kleine, durchsichtige Tütchen, mit der einen Pflanze, die ihre Tante Linda noch immer in der Hand hielt und lief in Richtung Straße.
„Ach und Zoooooeee“, rief ihr Tante Linda hinterher, „Trödel bitte nicht herum!“

Tante Linda war unausstehlich, wenn sie unter Stress stand, weil sie Gäste erwartet, dachte die Elfjährige, während sie weiter in Richtung Straßenbahnhaltestelle eilte.

Zoe saß fast alleine in dem Wagon der Straßenbahn. Nur ein alter Mann und eine Frau mit Kinderwagen waren noch in dem zweiten Wagen der Linie 6. Zoe hätte die vier Stationen, die der Baumarkt vom Haus ihrer Tante entfernt war, zu Fuß laufen könne. Aber Tante Linda wollte, dass es schnell geht und da Zoe eh eine Monatskarte besaß, nahm sie halt die Straßenbahn.
Zoe war gerade zwei Stationen gefahren, als eine Gruppe Jugendlicher zustieg und sich unmittelbar in die Sitzreihe hinter ihr platzierte.
Kaum hatten sich die Jungs in die Sitze hinter Zoe platziert, rief einer: „Schau mal Paul, Afrika scheint nicht weit weg zu sein. Die Neger kommen jetzt sogar mit der Straßenbahn angefahren“. „Oder das ist kein Neger und es hat  irgendwo gebrannt und deshalb ist die so schwarz“, antwortete Paul und nahm einen ordentlichen Schluck aus einer Flasche Bier, die er in seiner Hand hielt.

Zoe fühlte sich bedroht. Sie wollte sich von ihrem Sitz erheben, um bereits an der nächsten Haltestelle aussteigen zu können. Einer der Jungs zog sie von hinten zurück in ihren Sitz. „Ey hier geblieben. Wir wollen mit dir sprechen. Und man geht nicht weg, wenn der andere noch nicht fertig ist mit dem Gespräch. Hat man dir im Taka-Tuka-Land etwa keine Manieren beigebracht?“ Die anderen Jungs fingen an zu lachen.   

„Sag Negermädchen, was willst du und die ganze Horde anderer Affen hier bei uns in unserem schönen Land?  Wozu seid ihr nützlich? Ich meine außer die paar von Euch, die in unseren Supermärkten die Toiletten reinigen?“ Wieder lachten die anderen Jungs. „ Es gibt inzwischen so viele von euch. Ihr seid wie Wildwuchs, der sich in unserem Reich ausbreitet. Also Mädchen, wenn Du nach Hause kommst, dann erzählst Du den anderen Negern, sie sollen aus Deutschland verschwinden !“ In dem  Moment, als der Junge den Satz beendet hatte, hielt die Straßenbahn an der nächsten Haltestelle, die Türen wurden geöffnet.  Rasch zog Zoe ihren rechten Ellenbogen weit nach hinten und traf damit den Jungen, der sie noch immer von hinten festhielt an seinen Kopf.  Sie erwischte den Jungen mit ihrem Ellenbogen an dessen Schläfe. Der Junge schrie auf und lockerte den Griff mit dem er die Elfjährige die gesamte Zeit festgehalten hatte.

Zoe stürzte in Richtung Tür. Gerade wollte sie die Trittstufen hinabeilen, als Paul, der ihr hinterhergelaufen war, sie einholte und von hinten schubste. Zoe fiel die drei Trittstufen der Bahn herab und knallte auf den harten Betonboden des Bahnsteigs, wo sie bäuchlings liegen blieb. Zoe wollte sich gerade aufrichten, als sie durch einen Fuß auf ihren Rücken zu Boden gedrückt wurde. „Bleib liegen Negermädchen. Glaubst du wir, lassen dich so davonkommen, nachdem du Ralf geschlagen hast?“ Noch während Pauls Worte bedrohlich in ihren Ohren klangen, vernahm  Zoe ein Geräusch, das nach einem dumpfen Schlag klang. Der Druck des Fußes auf ihren Rücken, der sie nach unten gepresst hatte, ließ nach. Sie hörte wie der Junge schrie.  Zoe, die noch immer am Boden lag, drehte ihren Kopf zurück und sah wie neben Paul einer alter, asiatischer Mann stand, mit seiner rechten Hand umklammerte er einen hölzernen Spazierstock. Noch bevor Zoe die Situation richtig durchschaut hatte, rief Paul: „Sie Narr. Sie werden es gleich bereuen, mich geschlagen zu haben“. Dann erhob er sich und stürzte auf den alten Mann zu. Bevor Paul den alten Mann erreichte hatte, machte dieser einen Schritt seitwärts, sodass der Angriff des Jungen ins Leere lief. Paul schoss im hohen Tempo an dem alten Mann vorbei und erhielt von diesem noch einen Schlag mit dem Spazierstock in den Rücken. Es war die Bahn, die Pauls Vorwärtsbewegung stoppte. Er war mit voller Wucht gegen den Waggon geprallt. Erneut drehte er sich in Richtung des alten Mannes, der seinen Stock in der erhobenen Hand hielt. Paul schien noch über seinen nächsten Schritt nachzudenken, als aus der Ferne die Sirene eines Polizeiautos zu hören war. Eine gefühlte Ewigkeit schien der Jugendliche wie erstarrt dazustehen. Dann drehte er sich um und lief in die entgegengesetzte Richtung, aus der die Polizei näher zu kommen schien. Zoe schaute Paul hinterher. Gerade war dieser in eine gegenüberliegende  Seitenstraße gelaufen, als ein Einsatzwagen der Polizei an Zoe vorbeirauschte. Pauls Freunde  hatten am Ende der Bahn inzwischen eine Tür aufgerissen und liefen jetzt ebenfalls davon. Das Einsatzhorn einer weiteren Polizeistreife erklang aus der Ferne.

„Vielen Dank. Danke. Oh mein Gott, ich weis nicht, was mit mir geschehen wäre, wenn Sie mir nicht geholfen hätten“. Während Zoe ihre Worte an den alten Mann richtete, fiel eine große Last von ihr. Sie begann zu weinen und dann umarmte sie den alten Mann. „Ist schon gut Mädchen. Auf mich selbst achtend, achte ich auf den Anderen, auf den Anderen achtend, achte ich auf mich selbst“. „Ich verstehe nicht, was meinen sie? Ach egal, Danke noch einmal, dass sie mir geholfen haben. Einfach mit ihrem Spazierstock. Wie heißen sie? Wo sind sie hergekommen? Hatten sie keine Angst. Warum waren die Jungs so böse auf mich?“ Tausend Gedanken flogen durch Zoes Kopf und ein Teil davon sprach sie sofort aus, ohne auf eine Antwort zu warten. Es war, als wenn ihre Gedanken wie ein Wasserfall aus ihrem Mund herausschoss.

„Nun Mädchen, mein Name ist Cosimo. Cosimo Dharma. Ich saß auch in der Bahn. Die Dinge hatten sich so schnell entwickelt, dass ich dir nicht früher helfen konnte. Ich bin 86 Jahre alt. Da ist man nicht mehr der Schnellste. Es waren sehr ängstliche Jungen, die dich angegriffen haben“. „Ängstliche Jungen?“ fragte Zoe überrascht, „ Sie wollen mich wohl auf den Arm nehmen“. „Nein, nein.  Die Wurzel der Aggression ist die Angst. Wer aggressiv ist, ist von innerer Angst erfüllt. Die Jungs haben, ebenso wie viele andere Menschen  Angst vor Dingen die sie nicht kennen und die anders sind, als Dinge die sie bisher kennen. Dazu gehören auch Menschen, die anders sind. Im Übrigen habe ich hier etwas, was dir zu gehören scheint. Ein Plastiktütchen mit einer Ambrosia drin“. „Ja das Plastiktütchen gehört mir. Meine Tante hat es mir gegeben. Wir haben von diesem Unkraut, wie du es hier siehst, soviel im Garten, dass ich aus dem Baumarkt etwas holen soll damit wir es vernichten können“. „Die gemeine Schafgabe gilt in der Tat bei vielen Leuten als Unkraut. In Wahrheit kann die Pflanze  mehr Nutzen, als Schaden zufügen. Sie kann als Heilmittel eingesetzt werden. Die alten Griechen nannten die Scharfgabe wegen ihrer heilenden Wirkung Ambrosia, was die Unsterbliche bedeutet. Sie galt als Speise und Medizin der alten Götter. Slowenien sagt man der Schafgabe noch heute nach, dass sie Zauberkräfte verleiht, während man ihr in der Oberpfalz nachsagt, sie schütze vor bösen Zauber. Wie auch immer, die Ambrosia ist quasi der Superstar unter den Heilpflanzen. Man darf niemals die Dinge nur nach ihrem Äußerem bewerten.“

Ein  weiser Mann dachte Zoe als eine Polizeistreife neben den Beiden anhielt. Die Beamten erzählten Zoe und Cosimo, dass man Paul erwischt hat. Er wurde gerade von einer anderen Streife zur Wache gebracht. Man erhofft sich, über Paul auch an die anderen Jungs zu kommen. Der Fahrer der Bahn war es, der die Polizei über seinen Funk über den Vorfall vor Ort informiert hatte. Er hatte sich selbst aber nicht getraut einzuschreiten. Nachdem Cosimo als Zeuge von der Polizei vernommen wurde, wollten die Beamten Zoe nach Hause zu ihren Eltern bringen. Zoe umarmte Cosimo noch einmal zum Abschied. „Ich danke Ihnen für alles was sie für mich getan haben“. „ Wenn du wissen willst, wer du warst, schau dir an, wer du bist. Willst du wissen, wer du sein wirst, so schau, was du tust. Pass auf dich auf kleines Mädchen!“

Zoe wurde auf die Rückbank des Polizeiautos gesetzt. Während sich das Fahrzeug in Bewegung setze, schaute sie aus dem Fenster und winkte Cosimo solange zu, bis sie ihn nicht mehr sehen konnte. Als er aus ihrem Sichtfeld verschwunden war, schloss Zoe ihre Augen. Sie war nach dem, was sie erlebt hatte, sehr müde. Bevor sie endgültig einschlief, musste sie an dass denken, was sie von Cosimo gelernt hatte. Sie dachte an die Geschichte von Ambrosia Superstar“.
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