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Regenbekanntschaft (Villa Teil 1/?)


 

 
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Herbert_Stencil
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 29
Wohnort: Leipzig


BeitragVerfasst am: 10.08.2011 01:02    Titel: Regenbekanntschaft (Villa Teil 1/?) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

In einer Bierlaune entstanden ist das der erste Teil einer Kurzgeschichte (die wahrscheinlich nicht von ihrer Handlung leben wird, ist eher als ein expressionistisches Experiment zu verstehen, bei dem noch unklar ist ob es darüberhinaus Inhalt oder Gehalt geben wird). Etwas experimentell jedenfalls, seid nicht böse über die Unabgeschlossenheit. Bier macht mich so neugierig.


Vielleicht ists die aufmerksamkeitsheischende Himmelskulisse, die das Gedränge so unnötig verdichtet, die in der Luft hängende Drohung von Wolkenbruch, da werdense glatt alle zu ellbogenden Pilzartigen. Mein Fortkommen hier und ganz generell ist jedenfalls ins Stocken geraten, läuft einfach nichmehr, ich nehm mich mal raus. Ich mach jetzt ne Pause.
Auf den Treppen, die ersten fetten Tropfen klatschen sich schon kamikazoid aufs Pflaster, da unterbricht sich die Auszeit, der Trägheit gehorchend beschreiben meine Augenschweife ne einsA hunderachtziggrad Wendung und bleiben wie die Erde an der Sonne kleben. Wenn man zulang in die Sonne guckt wird man blind sacht man, und wenn se zurück guckt machsten Ikarus mein Guter, denk ich. Tja, gedacht, geschehn. Da schwebt sie mitten aufm Gehweg, die Pilzmenschen fließen um sie drumrum, nehmn se gar nicht wahr, so beschäftigt sindse mit ihren Wichtigkeiten. Sie guckt mich an und mir wirds direkt ganz anders, SonnenaufgangMittagshitzeAbendrot. Alles zugleich und dabei guckt sie auf sone eigenartige Weise durch mich durch. Sie wendet sich ab, scheint unentschlossen, bisschen verlorn, meine Chance. Ich schwing mich hoch, klaatscht schon ordentlich jetzt, schwenk ich erstmal auf ne stabile Umlaufbahn ein. In meiner Weltlichkeit krieg ich natürlich direkt wieder die Knochenspitzen in die Rippen und Pilzhüte ann Kopp. Ich versuch Würde zu wahren, wieder gucktse, wieder grad durch. Doch nu scheintse sich berappelt zu haben, gleitet, zwischen den Myzelmännchen durch, hin zum großen gelbgrünen H. Ich folge unauffällig - nich dass ich mich dazu anstrengn müsst.
Da stehtse jetzt am H nebm Glashäusschen, im Regen – was kümmert die Sonne das Wasser. Ich machs ihr gleich, meiner Rolle gemäß bilden sich in den Jackenfalten erste Rinnsale, Sturzbäche, Ströme die in Meere münden. Immernoch leidlich würdevoll, halt ich sie im rechten Augenwinkel. Da taucht backbord aus den Fluten auch schon gischtkeifend der ungeheuer algengruene Stadtbus auf. Sie steigt ein, ich hinterher, zweifuffzichdankebitte--schoenentachnochebenso. Hin und her geworfen im nu schonwieder rollenden Gefährt schlepp ich mich zwischen den Reihen durch und platzier mich strategisch direkt auf den Sitzen hinter ihr. Im Ansprechn warch noch nie gut. Scheiß Wetter, eh – grandios, ach hallo, ich bin übrigens – na klar, was hastn nach der Busfahrt vor, komm ich lass es einfach. Zähle stattdessen Rote Punkte auf ihrem Lehnenbezug.

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Amaryllis
Geschlecht:weiblichForenschmetterling

Alter: 33
Beiträge: 2000

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BeitragVerfasst am: 10.08.2011 09:50    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Herbert,

Also vorab schon mal herzlich Willkommen im Forum, vielleicht magst du dich ja auch am Roten Teppich kurz vorstellen, das hilft auch bei Rezensionen, wenn man den Hintergrund eines Users zumindest ein kleines bisschen kennt.

Was mir als erstes aufgefallen ist, ist die „mündliche“ Schreibweise. Damit meine ich, dass du Dinge zusammen schreibst, die nicht zusammengehören (bzw. auf das Apostroph verzichtest) und die Wörter wie in der direkten Rede zusammenziehst. Ich persönlich mag so etwas nicht, sogar beim Chatten geht mir es mir auf die Nerven, wenn Leute zum Beispiel aba statt aber schreiben. Für mich hemmt so eine Schreibweise den Lesefluss.

Ich hab jetzt versucht, mich trotzdem durchzubeißen, aber das ist mir ziemlich schwer gefallen. Einerseits finde ich die Bilder, die du verwendest, sehr schön, vor allem, alles, was mit dem Regen und dem Gewitter zu tun hast, aber anderseits kann ich die Vergleiche nicht ganz verstehen. Warum vergleichst du Menschen mit Pilzen? Wo ist das Pilzartige an den Menschen, wenn sie sich doch mit Ellenbogen drängen? Für mich stehen Pilze ganz ruhig da (so wie das Männlein im Walde), daher ist der Vergleich für mich unlogisch. Außerdem springst du gedanklich sehr viel hin und her, das ist mir auch beinahe ein bisschen zu viel. Dazu muss ich aber sagen, dass ich prinzipiell jemand bin, der mit experimentellen Sachen nicht so viel anfangen kann und es lieber klassisch mag.

Tut mir leid, dass ich dir kein positiveres Feedback geben kann, aber das war ein klassischer Nix-Für-Mich-Text. Also lass dich nicht unterkriegen.

Liebe Grüße,
Ama


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Aber ich bin der Fakir.
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Nina
Bestseller-Autor


Beiträge: 4155



BeitragVerfasst am: 10.08.2011 11:56    Titel: Antworten mit Zitat

huhu,

ich bin ja eher unkonventionell unterwegs und ich kann mir diesen text sehr gut als vorgelesenen text vorstellen. er hat schon eine gute, eigenwillige dynamik. die schreibweise ist gewöhnungsbedürftig, das ist wohl wahr. aber gesprochen würde man davon ja nichts mitbekommen. *g*

liebe grüße
nina
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Bananenfischin
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Goldene Feder Prosa Pokapro IV & Lezepo II
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BeitragVerfasst am: 10.08.2011 12:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Herbert_Stencil,

schöner Nick. smile Vorstellung auf dem roten Teppich ist eine gute Idee von Ama, ich jedenfalls bin gerade neugierig geworden ...

Mir gefällt das hier sehr gut, sehr schön beschrieben das Auftauchen der jungen Frau, auch die "mündliche Schreibe" passt für mich hier gut.

Interessant dies, das "ganz generell" überliest man leicht:
Zitat:
Mein Fortkommen hier und ganz generell ist jedenfalls ins Stocken geraten


Besonders gefallen mir diese Formulierungen:
Zitat:
ich nehm mich mal raus

Zitat:
mir wirds direkt ganz anders, SonnenaufgangMittagshitzeAbendrot.
Das "Alles zugleich [...]", das dann folgt, kann allerdings, meine ich, gestrichen werden.
Zitat:
Sie steigt ein, ich hinterher, zweifuffzichdankebitte--schoenentachnochebenso.

Ach nein, eigentlich gefällt mir einfach der Text als Gesamtes.
Über das Pilzbild könnte man vielleicht tatsächlich streiten; ich habe es so verstanden, dass die Menschen sonst ganz normale "Pilzartige" sind und sich durch den Wolkenbruch praktisch in "ellbogende" verwandeln.

Liebe Grüße
Bananenfischin


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»Ob ich mir eine Dramatisierung meiner Bücher vorstellen kann? Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen, in meinen letzten vier Büchern gibt es keine Handlung.« (Andreas Maier im Gespräch mit Raimund Fellinger, 2015)
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OceanChild
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BeitragVerfasst am: 10.08.2011 12:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Herbert!

Ich muss zugeben: Ich hab den Text zweimal angefangen, aber bin nicht bis zum Ende gekommen, weil ich irgendwann nicht mehr mitgekommen bin.

Aber da hier die Vermutungen angestellt werden, was mit den Pilzartigen gemeint sein könnte, sind das vielleicht Menschen mit Regenschirmen?

Gruß
Karin


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Kleine Meise, großes Herz.
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Herbert_Stencil
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


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BeitragVerfasst am: 10.08.2011 13:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr alle, die vielen Kommentare freuen mich schonmal sehr! Danke dafür! Dieser Text ist gewissermaßen meine Schreibpremiere. Insofern bin ich umso dankbarer für jeden Hinweis.
Auf den roten Teppich werde ich mich eventuell heut Abend mal begeben, eigentlich hab ichs nicht so mit Selbstvorstellungen, naja wer hat das schon.

Erstmal an Amaryllis und OceanChild:
Mir ist bewusst, dass der Stil eigenwillig ist und entsprechend polarisiert.
Ich für meinen Teil mag diese eher der Aussprache angelehnte Schreibweise recht gerne. Erstens passt sie zu der Bewußtseinsstromartigen Perspektive die ich versuche hier durchzubringen. Zweitens stellt sich für mich dabei eine gewisse Natürlichkeit ein und dadurch auch ein besonderer Textfluß.
Da die Pilzmenschen hier ja für etwas Verwirrung sorgten: Hundert Punkte an das OceanChild lol2. Ich bemühte es tatsächlich als Bild für Menschen mit Schirmen.
Ganz generell mag ich eine assoziative expressionistisch-bildhafte Sprache sehr gern. Dabei geht dann natürlich nicht jedes Bild im Kopf des Lesers auf, das aktzeptiere ich als Leser. Aber ich bin mir sehr bewußt, dass es vielen nicht zusagt da es natürlich auch gern mal Verwirrungsmomente provoziert.
Im Speziellen nutze ich das Bild des Pilz/Myzelmenschen hier ja aber dreimal, vielleicht sollte ich dann tatsächlich dafür sorgen, dass es sich etwas leichter entschlüsseln lässt.

Zu Nina:
Du hast absolut Recht damit, dass sich der Text gut zum Vorlesen eignen würde, das gilt vermutlich für die meisten Texte die als Bewußtseinsstrom konzipiert sind. (Naja, zumindest solang es das Bewußtsein einer einzelnen Person ist, Ulysses dürfte kleinere Probleme bereiten wink )
Andererseits gehen dann einige Dinge wie "SonnenaufgangMittagshitzeAbendrot" in dieser Form wieder unter, weil man es nicht adäquat transportieren kann. Aber funktionieren würde er vorgelesen sicherlich.

An die Bananenfischin:
(Du bist Pynchonitin?)
Es freut mich, dass der Text auch ausdrücklich auf positive Resonanz stößt. Mit deiner Anmerkung bzgl. des "Alles zugleich" hast du Recht. Ich werd darüber nachdenken es zu streichen. Was die Pilzmenschen angeht werde ich mir wie oben ausgeführt vielleicht auch nochmal Gedanken machen.

Vielen Dank euch allen!
Verbesserungen & Fortsetzung folgt.
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crim
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BeitragVerfasst am: 10.08.2011 16:34    Titel: Antworten mit Zitat

Das hilft jetzt vielleicht nicht allzusehr weiter, aber ich habs heute morgen schon gelesen, bevor ich zur Arbeit bin und dachte nur:
Geil!
Die Pilzartigen als Regenschirmtragende Leute zu erkennen, war nicht allzu schwer. Also mich hast du mit dieser Sprache jedenfalls mitgenommen und die Bilder gingen absolut rein.
Es könnte ein Kraftakt werden, diesen Stil, ich nenne ihn mal Schnodder-Bombast, aufrecht zu erhalten über eine längere Geschichte, ohne dass er sich abnutzt, aber ich bin guter Dinge und warte auf mehr.
Ich bin mir sicher, ich werde es wieder sehr gerne lesen.

LG Crim
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Bananenfischin
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BeitragVerfasst am: 12.08.2011 00:46    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
(Du bist Pynchonitin?)


Das wäre etwas übertrieben ausgedrückt, aber er ist schon große Klasse, das steht fest. smile

Nochmal kurz zu den Pilzartigen: Das, was da im Bild leicht schief erscheint, ist ja nicht die Pilzform an sich, denn das passt ja bzgl. Regenschirm usw. Nur das "ellbogig" passt eben nicht recht zum Pilz. Aber wie gesagt, ich hatte das mit dem starken Wolkenbruch zusammen dann letztlich als zusätzliches Attribut und somit als in Ordnung empfunden.

Liebe Grüße
Bananenfischin


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EdgarAllanPoe
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Goldene Feder Lyrik


Die Tauben
BeitragVerfasst am: 12.08.2011 14:56    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, das ist doch mal ein schöner Anfang.

Zitat:

Auf den Treppen, die ersten fetten Tropfen klatschen sich schon kamikazoid aufs Pflaster, da unterbricht sich die Auszeit, [...].


Auch wenn er vielleicht Absicht ist, finde ich diesen Anakoluth unpassend. Ich würde das "da" weglassen, damit der Satz ein wenig flüssiger wird.

Zitat:
[...] wie die Erde an der Sonne kleben.


Hier hake ich nur kurz ein, obwohl diese Empfindung wahrscheinlich eine subjektive Sicht des Ich-Erzählers ist: Die Erde umkreist die Sonne, klebt aber nicht an ihr. Diese Formulierung würde ich dennoch in der jetzigen Form belassen, spiegelt sie die Atmosphäre nachvollziehbar wider (wenn auch physikalisch nicht korrekt).

Zitat:
Wenn man zulang in die Sonne guckt, wird man blind, sacht man, und wenn se zurück guckt, machsten Ikarus, mein Guter, denk ich.


Hier fehlen ein paar Kommata.
Da das "zulang" dem Sprechtempo des Ich-Erzählers zu entsprechen scheint, würde ich es nicht auseinander schreiben (auch wenn das in dieser Form korrekt wäre).

Zitat:

Da schwebt sie mitten aufm Gehweg, die Pilzmenschen fließen um sie drumrum, nehmn se gar nicht wahr, [...].


Hier würde ich, obgleich die konventionellen Regeln für die Avantgarde außer Kraft gesetzt sind, zwingend einen Absatz schalten: zwecks der Etablierung eines besser lesbaren Textes und aus Gründen der Logik (eine neue Handlung setzt ein).

Zitat:
Sie wendet sich ab, scheint unentschlossen, bisschen verlorn, meine Chance. Ich schwing mich hoch, klaatscht schon ordentlich jetzt, [...].


Das zweite A irritiert mich. Ist das ein Tippfehler oder nicht?
Wenn es sich auf das Geräusch des Regens bezieht, würde ich wegen der Lautmalerei noch ein oder zwei A hinzufügen, damit das Geräusch besser hörbar wird.

Zitat:
Doch nu scheintse sich berappelt zu haben, gleitet, zwischen den Myzelmännchen durch, [...].


Was ist das? Ein Regionalidiom?

Zitat:
[...] nich, dass ich mich dazu anstrengn müsst.


Hier fehlt ein Komma.

Zitat:
Ich machs ihr gleich, meiner Rolle gemäß bilden sich in den Jackenfalten erste Rinnsale, Sturzbäche, Ströme, die in Meere münden.


Das Fettmarkierte scheint mir zu hochgestochen für die Sprache deines Ich-Erzählers, ein Stilbruch. Außerdem fehlt wieder ein Komma (für den Relativsatz).

Zitat:
Immernoch leidlich würdevoll, halt ich sie im rechten Augenwinkel. Da taucht backbord aus den Fluten auch schon gischtkeifend der ungeheuer algengruene Stadtbus auf.


Das "ungeheuer" ist mir ein Wort zu viel, damit driftet der Satz in eine unfreiwillige Parodie ab.
Und warum die Umlautmodifizierung beim "algengr[ü]ne[n] Stadtbus"?

Zitat:

[...] na klar, was hastn nach der Busfahrt vor, komm, ich lass es einfach.


Hier wäre noch ein Komma nötig, um den Hauptsatz ("ich lass es einfach") vom Imperativ abzutrennen.

Insgesamt kann ich für diesen Auszug festhalten:
Auf Kommasetzung achten.
Von Schmidt weggehen (du willst ja kein kleiner Arno werden, sondern ein Herbert Stencil).
Evtl. noch ein bisschen mehr in die Tiefe gehen, was die Charaktere betrifft (obwohl das bei deinem exzessiven Stil natürlich schwierig ist): Was macht die "Regenbekanntschaft" für den Ich-Erzähler so anziehend?
Weiterlesen möchte ich diese Kurzgeschichte auf jeden Fall.


_________________
(...) Das Gedicht will zu einem Andern, es braucht dieses Andere, es braucht ein Gegenüber. Paul Celan

Life is what happens while you are busy making other plans.
- JOHN LENNON, "Beautiful Boy"

Uns gefällt Ihr Sound nicht. Gitarrengruppen sind von gestern. (Aus der Begründung der Plattenfirma Decca, die 1962 die Beatles ablehnte.)
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Gast







BeitragVerfasst am: 12.08.2011 20:55    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr gern gelesen und ebenso neugierig darauf, wie es sich auf längerer Strecke macht. (Und ob ich die Handlung vermisse)

debruma
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Prunkbold
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 30
Beiträge: 179



BeitragVerfasst am: 13.08.2011 14:44    Titel: Antworten mit Zitat

...

Hallo Herbert,

konnte der Geschichte nicht folgen. Weiß weder wer sie ist, noch wer diese Pilzmenschen sind.


mit Gruß, Dummbold
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Herbert_Stencil
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 29
Wohnort: Leipzig


BeitragVerfasst am: 16.08.2011 01:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, nun hab ich endlich den zweiten Teil der Erzählung fertig. Ich denke ein bis zwei weitere Teile könnten noch folgen. Ich hab nun eine etwas definiertere Idee davon wohin es gehen könnte.
Vermutlich muss man um in den zweiten Teil zu kommen den ersten nochmal lesen. (Mich würde vor allem auch interessieren, ob ich es geschafft habe stilistisch konsistent zu schreiben. Diese Art zu schreiben scheint sehr stimmungsabhängig zu sein und ich bin nicht sicher, dass ich stets den richtigen Ton getroffen habe.)

Vielen lieben Dank auch schonmal für eure bisherigen Anmerkungen. Schnodder Bombast gefällt. lol2 Es ist jetzt schon verdammt spät, dafür dass ich morgen arbeiten muss, darum werde ich auf eure Kritiken zum ersten Teil heute nicht mehr eingehen. Die werde ich in den kommenden Tagen verwursten und eine überarbeitete Version des ersten Teils einstellen. (Besonders großen Dank an dieser Stelle schonmal an EdgarAllanPoe für die detaillierte Betrachtung)


Sechsundzwanzich, un dazu neunzehn Blaue! Der Wassermarsch im Dreivierteltakt dirigiert nimmermüd das, sich um unsern Kahn zusammenziehende, Mäandernetz. In der verflüssigten Landschaft such ich meinen Widerschein und finde ihren Wangenbogn. Bernsteinsplitter auf alerbasternem Grund, wendet se mir plötzlicher als ich das Weite suchen kann ihr Gesicht zu. Aus der Halbwahrheit des gläsernen Wasserfalls grinstse mich an. Mittagshitze! Ohne mich aus den Augen zu lassen fragt se in rätselhaftem Ton, was ich so guckn würd. Das souveränste was mir auf die Schnelle einfällt: „So halt.“ Da grinst se nochn bisschen breiter und lässtn leises glucksen hörn. „Hast heut Abend was vor?“ „Nö!“ sach ich viel zu überhastet. „Heut steigt ne Party bei mir. Haste Lust?“ Nu grins ich auch. „Na klar! Wo wohnste denn?“ „Endstation, wennde willst kannste gleich mitkommn.“ Na eigentlich sollt ich nochma duschen, Klamotten wechseln und so. Ach was, schifft doch eh als obs kein Morgen gäb. Also: „Ja gern.“ „Schön.“ spitzbübt sie mir zu und spiegelt wieder perfektwangige Konvexität. Ich sach erstmal nichts. Sie auch nich. Noch muttrunken wuchte ich mich ne Reihe vor, neben sie. Lächelnder nebliger Kiefernwald lässt meine Nasenflügel flattern. Ich rede drauflos, sie schweigt jetzt. Irritiert durch Lippengekräusel und Wimpernflimmern verlaufen sich meine Worte.
Feierabendliches „Endstation!“ Gebell verabschiedet uns ins umwölkte Ende der Stadt. Leere Häuser glotzen mich oder die Landschaft durchs Geprassel hindurch staunend an. Sie vornweg, ich so seitlich nebenher steuern wir aufs letzte Haus der Straße zu. Herrschaftlich! Villa is kein zu großes Wort! Betagte Hagebutten und halbwüchsige Birken senken ihre tropfenden Häupter zur Begrüßung. Auch das Dach grünt vor sich hin, tiefe Risse zieren verblichen lachsfarbene Wände. Innen ist alles riesig und düster. Im Restlicht funkeln Leuchter von blätternder Decke. Knarzenden Schrittes durch aufwirbelnde Staubwolken beschleichen wir die alte Schatulle. Verblüfft will ich fragen, doch kommt se mir zuvor. Das hochgebundene Haar betastend, gucktse groß aus nem goldumrandeten Spiegel und sacht ich könne nach oben gehn, ein Bad nehmn, Kleider trocknen und so. Ich fänd schon alles. Und dann verschwindet sie. Na also, die hat was! Tastend frag ich mich die geschlungene Treppe hoch, folg der rotgekleideten Diele und find in ein einladendes Zimmerchn. Als ich dem Sofa nich widerstehn kann, kettet es mir flink bleierne Gewichte an und ich tausch gerad noch durchnässte Kleider gegen den Muff einer schwern Decke. *
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Herbert_Stencil
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Beiträge: 29
Wohnort: Leipzig


BeitragVerfasst am: 17.08.2011 18:24    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Narf, und schon rächt sich meine Ungeduld. Meinen zweiten Teil finde ich schon jetzt nicht mehr besonders gut. Einige Unsauberkeiten im Dialogteil und schlimmer noch, Phantasielosigkeiten gegen Ende. Ich denke an dem Teil werde ich noch feilen. Über Meinungen und Verbesserungsanregungen würde ich mich natürlich trotzdem freuen.

Der Übersichtlichkeit wegen habe ich mich dazu entschlossen die geänderten Textteile nicht direkt zu posten, sondern erst nachdem ich die Geschichte abgeschlossen habe.
Ich werde aber schon jetzt eure Anmerkungen und Kommentare für mich verarbeiten.
In diesem Kommentar werde ich erstmal auf die den ersten Teil betreffenden Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge eingehen.
Noch einmal allen vielen Dank für die Anmerkungen, und nun der Reihe nach:

@Crim: Es ist eigentlich nicht direkt ein Guten-Morgen Text, umso mehr freut es mich, dass er dir gefallen hat. Und du hast recht, die Gefahr der Abnutzung besteht, aber mehr fürchte ich, dass ich es gar nicht erst schaffe diesen Stil überhaupt durchhalten. Es ist sehr stimmnungsabhängig und je öfter ich den Text lese, um wieder auf die Welle zu kommen, desto weniger mag ich ihn.

@Bananfischerin: Ja als zusätzliches Attribut war das gedacht, an sich recht losgelöst vom Pilzartigen. Ich dachte da an ein ziemliches Gedränge und wenn da dann noch jeder anfängt mit seinem Schirm rumzufuchteln und die Leute schnellen Schrittes gen daheim traben dann, sind sie ja auch mal entsprechend ungehalten, insbesondere wenn da jemand so doof im Weg steht wie der Prota.

@EAP: Dir nochmal besonderen Dank für deine ausführliche Kritik, die hilft sehr. (Auch die Einstreuung der Stilmittel-Fachtermini, die sind mir nämlich bisher leider nicht geläufig.)

„Auch wenn er vielleicht Absicht ist, finde ich diesen Anakoluth unpassend. Ich würde das "da" weglassen, damit der Satz ein wenig flüssiger wird.“
Vermutlich hast du recht damit, zumal einer der nächsten Sätze mit 'Da' beginnt. Ich werde es mir jedenfalls durch den Kopf gehen lassen. Tendenz streichen.

„Hier hake ich nur kurz ein, obwohl diese Empfindung wahrscheinlich eine subjektive Sicht des Ich-Erzählers ist: Die Erde umkreist die Sonne, klebt aber nicht an ihr. Diese Formulierung würde ich dennoch in der jetzigen Form belassen, spiegelt sie die Atmosphäre nachvollziehbar wider (wenn auch physikalisch nicht korrekt).“
Also grundsätzlich ist (so ich keinen Schnitzer drin habe) jede im Text auftauchende Beschreibung aus der subjektiven Sicht des Ich-Erzählers. Klar klebt die Erde nicht an der Sonne, wie ein Kaugummi unterm Schultisch. Aber die Gravitation lässt sich nicht austricksen. Ohne Fremdeinwirkung passiert da nicht viel und man kann, (finde ich) etwas flapsig, davon sprechen, dass die Erde auf ihrer Umlaufbahn festklebt. (Aber was schreib ich so viel, du hast es ja durchgewunken smile

„Da das "zulang" dem Sprechtempo des Ich-Erzählers zu entsprechen scheint, würde ich es nicht auseinander schreiben (auch wenn das in dieser Form korrekt wäre).“
Ehrlich gesagt handelt es sich da um eine Unachtsamkeit. Aber ich finde es zusammengeschrieben eigentlich ganz schön, ich denke ich lasse es so.

„Hier würde ich, obgleich die konventionellen Regeln für die Avantgarde außer Kraft gesetzt sind, zwingend einen Absatz schalten: zwecks der Etablierung eines besser lesbaren Textes und aus Gründen der Logik (eine neue Handlung setzt ein).“
Für Absätze bin ich immer zu haben. Guter Einwand.

„Das zweite A irritiert mich. Ist das ein Tippfehler oder nicht?
Wenn es sich auf das Geräusch des Regens bezieht, würde ich wegen der Lautmalerei noch ein oder zwei A hinzufügen, damit das Geräusch besser hörbar wird.“

Haha, ich dachte mir, dass es an dieser Stelle zu Irritationen kommt. Also zumindest in Teilen Thüringens (vielleicht ist es ja auch verbreiteter) kann man sagen „es klatscht“ und meint, dass es aus Kübeln schüttet. Man spricht das allerdings nicht wie [im Takt] klatschen, stattdessen mit langem a. Je länger je mehr es regnet smile, insofern auch lautmalerisch, passt ja auch ganz gut. Zur Abgrenzung dieses mutmaßlichen Regionalidioms vom [im Takt] klatschen hab ich es also mit einem zweiten a geschrieben. Aber du hast recht, ein weiteres a sieht deutlich weniger nach Tippfehler aus. Dann regnet es eben noch ein bisschen heftiger. lol2

„Was ist das? Ein Regionalidiom?“
Nein. Das Myzel eines Pilzes ist dieses weiße Fadenartige Geflecht im Boden/Holz/Essen, sowas ähnliches wie bei Pflanzen die Wurzeln. Biologisch ist das Myzel sogar der eigentliche Pilz und das, was normalerweise als Pilz bezeichnet wird, nur der Fruchtkörper. Hinkt ein bisschen, ich weiß, aber das Bild wurde ja schon vorher durch die Pilz[Fruchtkörper]artigen/menschen aufgebaut. Ich wollte nicht ein drittes mal das Wort Pilz. Außerdem fand ich im Moment des Schreibens die Klangähnlichkeit zu Meinzelmännchen nett, auch wenn sie wertlos ist.

„Das Fettmarkierte scheint mir zu hochgestochen für die Sprache deines Ich-Erzählers, ein Stilbruch.“
Hm, da muss ich eine Weile drüber grübeln. Mir war nicht so recht bewußt, dass der Ich-Erzähler so stark beschränkt rüber kommt. Ok, er denkt und spricht unsauberes Deutsch, aber das ist ja alles andere als eine Seltenheit, ich würde sogar behaupten eher die Regel. Die Sturzbäche würde ich ungern kürzen, da muss ich mal in mich gehen ob ich da eine sinnerhaltende Formulierung finde.
Haben andere dazu eine Meinung?

„Das "ungeheuer" ist mir ein Wort zu viel, damit driftet der Satz in eine unfreiwillige Parodie ab.
Und warum die Umlautmodifizierung beim "algengr[ü]ne[n] Stadtbus"?“

Die Umlautmodifikation ist ein Formatierungsfehler, ich hab noch von früher die Angewohnheit Umlaute auszuschreiben. Das wollte ich euch aber nicht zumuten. Der ist mir leider durch die Lappen gegangen. smile
Hm, das ungeheuer mag ich eigentlich sehr, gerade wegen der Doppelbödigkeit (keifendes, algengrünes [Meeres]ungeheuer). Da ringe ich nochmal mit mir, tendiere aber eher zum erhalten. Auch hier würden mich andere Meinungen ungeheuer interessieren.

Danke auch für deine geduldige Berichtigung der Kommafehler. Ich habe leider eine ausgewachsene Kommaschwäche. Ich werde versuchen daran zu arbeiten, aber irgendwie machen die Biester mir auch einfach keine Lust. (Meine zweite große Schwäche (und ich denke das steht in Verbindung) ist übrigens die Silbentrennung.)
Wie ich auch in meiner Vorstellung bereits erwähnte schwirrt mir Schmidt momentan noch sehr im Kopf herum. Mir ist bewusst, dass der Text noch sehr nah bei ihm ist. (bspw. das Zusammenschreiben von Wortgruppen) Irgendwie konnte ich aber nur so beginnen mit dem Schreiben, in den nächsten Texten werde ich jedenfalls auch andere Ausdrucksformen versuchen. Aber gut, dass du es auch nochmal anmerkst, dass bestätigt mich in meiner Einschätzung.
Da ich ja hier versuche bewußtseinsstromartig zu schreiben ist das mit den Charakteren so eine Sache. Ich würde diesen Punkt gerne vertagen wollen und warten was du meinst wenn die Geschichte vollständig ist. Bis hierher wird ja nur klar, dass sich der Prota aus unbekanntem Grund von dem Fräulein angezogen fühlt. (Und eigentlich ist es genau das was ich auch so haben wollte)


@debruma: Freut mich! Etwas Handlung wird es nun doch geben, auch wenn sie eher etwas kryptisch geraten wird. Ich bin gespannt was ihr draus macht.

@Dummbold:
Schade!
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BeitragVerfasst am: 19.08.2011 10:00    Titel: Antworten mit Zitat

Schwer ...
Nicht der Text, sondern eine halbwegs brauchbare Rückmeldung zu geben.

Der Text funktioniert, aber frag mich bloß nicht wieso. Er hat, trotz Bilddichte und Eigensprech, eine sehr feine Leichtigkeit und zugleich etwas lauerndes. Das dicke Ende kommt noch.

Die zwei Teile fügen sich nach meiner Lesart ohne Ruckeln zusammen, die Bilddichte nimmt gegen Ende T II ab, ja, aber das muss kein Fehler sein. Atempause für den Leser, mehr Fokus auf die Handlung.
Feinarbeit wage ich mir hier nicht, nicht bevor ich eine Ahnung habe, was das im Ganzen sein und werden soll. Da jetzt drin herumzustochern, ist mir zu sehr Schuss ins Blaue.

Zwei Sachen: Kommasetzung. Ich will jetzt weniger mit Recht und Ordnung winken (das wäre von meinereiner eh tollkühn). Der Text darf m.E. machen was er will, er hält sich auch sonst an nichts und niemanden - aber da du Kreise drehst und über Quadrate hopst, brauche ich eine klare Führung, sonst verlaufe ich mich im Satz.

Zitat:

Der Wassermarsch im Dreivierteltakt dirigiert nimmermüd das, sich um unsern Kahn zusammenziehende, Mäandernetz.


Dein Eigensprech - heikel. Das ist tw. nicht konsequent. Wenn se dann se und das für immer, es sei denn ...
tw. wird es mir auch zu viel, am "Wangenbogn" hab ich mich dreimal aufgehängt. Warum gerade da?
Das fällt jetzt unter "der einfache Leser rätselt mal drauf los" - der Text gewinnt seinen Zauber aus einer Mischung von Schnodderigkeit und poetischen Feinzeichnungen. Natürlich spielt er damit, die Bilder, die er aufbaut, direkt wieder einzureißen, aber zugleich meine ich, dass er davon lebt, die starken Bilder nicht zu vernuscheln, sondern kristallklar entgegenzusetzen. Das ist nicht konsequent umgesetzt, muss es auch nicht, aber hier muss Perfektion und genauer Blick hin. Der "Wangenbogn" (nur als Bsp.) wirkt wie ein Tippfehler, das darf nicht.

Immer noch die Frage: Hält er das durch, der Autor oder verläuft er sich in seiner eignen Idee und Bilderflut? Ich lass mich überraschen, bis hierher mag ich das noch immer sehr und Leute, die narfen haben eh nen dicken Sympathiebonus.

debruma

(PS: Mittagshitze im strömenden Dauerregen?)
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Bananenfischin
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Beiträge: 4602
Wohnort: NRW
Goldene Feder Prosa Pokapro IV & Lezepo II
Silberne Harfe



BeitragVerfasst am: 19.08.2011 11:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Herbert_Stencil,

schön, dass es weitergeht mit dem Text, grundsätzlich gefällt mir dein zweiter Teil.

Du willst selbst noch feilen, weil dir einiges daran schon nicht mehr zusagt.
Das Wesentliche, was mir an dem zweiten Teil aufgefallen ist, ist etwas, das auch debruma kurz erwähnt:

debruma hat Folgendes geschrieben:
oder verläuft er sich in seiner eignen Idee und Bilderflut?


Die Bilderflut. Was mir im ersten Teil noch völlig natürlich und passend erschien, kommt mir hier nun teils sehr erzwungen und als "zu viel" rüber.

Liebe Grüße
Bananenfischin


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»Ob ich mir eine Dramatisierung meiner Bücher vorstellen kann? Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen, in meinen letzten vier Büchern gibt es keine Handlung.« (Andreas Maier im Gespräch mit Raimund Fellinger, 2015)
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Herbert_Stencil
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BeitragVerfasst am: 19.08.2011 13:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank für euer Zwischenfazit, ich habe nach den ersten Tagen ohne Meldung schon mit dem Schlimmsten gerechnet. lol2

Gestern Abend habe ich am zweiten Teil gebastelt und finde die neue Version stellenweise schon deutlich besser. Ich denke, ich werde nun doch, da ich mit dem hier eingestellten zweiten Teil so unzufrieden bin, eine überarbeitete Version vom zweiten, vermutlich direkt zusammen mit dem ersten, Teil einstellen, bevor ich den Rest schreibe. Ich hoffe das wird was übers Wochenende. Leider sind meine Zeitressourcen recht begrenzt und so dauert alles länger als ich es gerne hätte. (Zumal sich bereits Ideen für eine nächste (konventionellere) Geschichte ihren Weg bahnen. Einmal begonnen läuft das Schreiben und darüber nachdenken erstaunlich gut. Den Suchtfaktor hätte ich so nicht erwartet.)

Interessant und wichtig sind eure Anmerkungen bzgl. der Fülle & Natürlichkeit der Bilder. Über den Wassermarsch beispielsweise muss ich nochmal intensivst nachdenken, ob der nicht ein bisschen dick aufgetragen und auch schief ist.

@debruma: Was du über den Eigensprech sagst stimmt leider. Es ist mir gestern, beim Weinlosen sinnieren über den Text, ebenfalls aufgefallen, dass ich da eine klare Linie vermissen lasse. Da werde ich versuchen mehr Struktur zu bieten.
Meine Kommasetzung ist leider wirklich miserabel. Ich will zumindest versuchen das zu verbessern. smile
Was den "Wangenbogn" betrifft, findest du den generell unverständlich oder nur wegen dem "gn" am Ende? Das "gn" am Ende fand ich da angebracht, weil (ich könnte jetzt auch nicht mehr schlüssig erklären warum) es für mich rein optisch/gefühlsmäßig dem Bild eines Wangenbogens besser entspricht. Aber besonders daran hängen tue ich nicht. Ich meine es in meiner neueren Fassung auch geändert zu haben.
Die aufkommende Mittagshitze ist mehr eine innere, bezog sich auf "SonnenaufgangMittagshitzeAbendrot". smile

Hungrige Grüße,
H.

PS: Und ich freue mich unbändig, mit diesem, meinem fuffzehntn Forumsbeitrag, nun endlich auch Zugriff auf Reminiszenz Retard zu haben. Da habe ich nun auch direkt Lesestoff für das (Nach)Mittagspäusschen.
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EdgarAllanPoe
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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 20.08.2011 18:48    Titel: Antworten mit Zitat

Was den zweiten Teil betrifft, schließe ich mich Bananenfischin an.
En détail:

Zitat:
Der Wassermarsch im Dreivierteltakt dirigiert nimmermüd das, sich um unsern Kahn zusammenziehende, Mäandernetz.


Die Kommata müssen aus diesem Satz raus, wie debruma es auch schon gesagt hat.

Zitat:

Bernsteinsplitter auf alerbasternem Grund, wendet se mir plötzlicher als ich das Weite suchen kann ihr Gesicht zu.


Hier stört mich die Satzstruktur, obwohl ich sie nachvollziehen kann. Ich würde zwei Sätze daraus machen.

Zitat:
Aus der Halbwahrheit des gläsernen Wasserfalls grinstse mich an.


Warum das? Erscheint mir ziemlich undurchsichtig.

Zitat:

Ohne mich aus den Augen zu lassen, fragt se in rätselhaftem Ton, was ich so guckn würd.


Hier fehlt ein Komma für den Relativsatz, im nächsten Satz ebenso.

Zitat:

Das souveränste, was mir auf die Schnelle einfällt: „So halt.“


Bei Dialogen würde ich einen Absatz schalten, damit der Text besser lesbarer wird.

Zitat:
Da grinst se nochn bisschen breiter und lässtn leises glucksen hörn.


das Glucksen

Zitat:
„Endstation, wennde willst, kannste gleich mitkommn.“


Kommafehler (Konditionalsatz, wenn ich mich da nicht irre). Noch ein Komma nach dem "[n]a" im nächsten Satz.

Zitat:
Ach was, schifft doch eh, als obs kein Morgen gäb.


Da fehlt ein Komma.

Zitat:
„Schön.“ spitzbübt sie mir zu und spiegelt wieder perfektwangige Konvexität.


Komma statt Punkt.
Eine Frage: Muss der Stilbruch mit der "Konvexität" wirklich sein? Fremdwörter in dem Regionalsprech lassen deinen Ich-Erzähler wie einen berlinernden Professor erscheinen. Ich glaube nicht, dass das nötig ist, es sei denn, es dient als Stilmittel zum Ausdruck von Unsicherheit.

Zitat:

Irritiert durch Lippengekräusel und Wimpernflimmern verlaufen sich meine Worte.


Die Irration drückst du durch das Verlaufen bereits aus. Ich würde stattdessen mit "Im Lippengekräusel ..." beginnen.
Das ist ein sehr schöner Satz. Ich mag nur Liebesgeschichten, die auch ein gewisses sprachliches Niveau aufzeigen. Deine gehört gewiss dazu.

Zitat:
Feierabendliches „Endstation!“-Gebell verabschiedet uns ins umwölkte Ende der Stadt.


Ohne Bindestrich würde man meinen, da stünden zwei voneinander getrennte Sätze.

Zitat:

Sie vornweg, ich so seitlich nebenher, steuern wir aufs letzte Haus der Straße zu.


Da fehlt ein Komma.

Zitat:

Betagte Hagebutten und halbwüchsige Birken senken ihre tropfenden Häupter zur Begrüßung.


Diese Bewegung stelle ich mir dann doch unfreiwillig komisch vor.

Zitat:

Knarzenden Schrittes durch aufwirbelnde Staubwolken beschleichen wir die alte Schatulle.


Ich fühle mich ganz spontan an einen jener klassischen Schriftsteller erinnert, die für mich das Pendant zu einem schlechten Witz darstellen. Warum dieser besch... Genitiv, wenn man es auch so ausdrücken kann: "Mit knarzenden Schritten beschleichen wir ..."?

Beim Lesen der Fortsetzung habe ich an Berliner Dialekt erinnert, auch wenn du auf das typische "icke" verzichtest. Den Text konkret zu verorten, würde dich vielleicht davon befreien, ihn ständig in den verstaubten Schrank schmidtschen Idioms und dessen Epigonen suchen zu müssen. Eine andere Möglichkeit wäre es natürlich, ihn bewusst in Leipzig anzusiedeln, zum Beispiel, indem du auf konkrete Haltestellen verweist, oder für die Sachsen typische Sprachmerkmale einbaust.


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Gast







BeitragVerfasst am: 20.08.2011 21:01    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
oder für die Sachsen typische Sprachmerkmale einbaust.


Nein!!!! Auf überhaupt gar keinen Fall. Das Sächsche mog ene feine Sbroche sein fiers Ohr, aber geschriem gehd das gor nüsch.
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Herbert_Stencil
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BeitragVerfasst am: 31.08.2011 23:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Was kündige ich hier überhaupt Zeiten an, es kommt ja doch anders als ich denke. Also nach Familienverpflichtungen und ausgiebigem Sozialisieren, Arbeiten und Feiern hab ich es nun doch geschafft, eine überarbeitete Version der ersten beiden Teile fertigzustellen. Ich bin gespannt, was ihr dazu zu sagen habt.
Der Übersichtlichkeit wegen gehe ich auf eure Kommentare im folgenden Post ein.



Vielleicht ists die aufmerksamkeitsheischende Himmelskulisse, die das Gedränge so unnötig verdichtet, die in der Luft hängende Drohung von Wolkenbruch, da werden se glatt alle zu ellbogenden Pilzartigen. Mein Fortkommen hier und ganz generell ist jedenfalls ins Stocken geraten, läuft einfach nichmehr, ich nehm mich mal raus. Ich mach jetzt ne Pause.
Auf den Treppen, die ersten fetten Tropfen klatschen sich schon kamikazoid aufs Pflaster, unterbricht sich die Auszeit, der Trägheit gehorchend beschreiben meine Augenschweife ne einsA hunderachtziggrad Wendung und bleiben wie die Erde an der Sonne kleben. Wenn man zulang in die Sonne guckt, wird man blind, sacht man, und wenn se zurück guckt, machsten Ikarus, mein Guter, denk ich. Tja, gedacht, geschehn.
Da schwebt sie mitten aufm Gehweg, die Pilzmenschen fließen um sie drumrum, nehmn se gar nicht wahr, so beschäftigt sind die mit ihren trocknen Wichtigkeiten. Sie schaut mich an und mir wirds direkt ganz anders, SonnenaufgangMittagshitzeAbendrot und dabei guckt se auf sone eigenartige Weise durch mich durch. Sie wendet sich ab, scheint unentschlossen, bisschen verlorn, meine Chance. Ich schwing mich hoch, klaaatscht schon ordentlich jetzt, schwenk ich erstmal auf ne stabile Umlaufbahn ein. In meiner Weltlichkeit krieg ich natürlich direkt wieder die Knochenspitzen in die Rippen und Pilzhüte ann Kopp. Ich versuch Würde zu wahren, wieder guckt se, wieder grad durch. Doch nu scheint se sich berappelt zu haben, gleitet, zwischen den Myzelmännchen durch, hin zum großen gelbgrünen H. Ich folge unauffällig – nich, dass ich mich dazu anstrengn müsst.
Da steht se jetzt am H nebm Glashäusschen, im Regen – was kümmert die Sonne das Wasser. Ich machs ihr gleich, in den Tälern und Tiefebenen meiner Jackenfaltenlandschaft bilden sich erste Rinnsale, Sturzbäche, Ströme, die in Meere münden. Immernoch leidlich würdevoll, halt ich sie im rechten Augenwinkel. Da taucht backbord aus den Fluten auch schon gischtkeifend der ungeheuer algengrüne Stadtbus auf. Sie steigt ein, ich hinterher, zweifuffzichdankebitte--schönentachnochebenso. Hin und her geworfen im nu schonwieder rollenden Gefährt schlepp ich mich zwischen den Reihen durch und platzier mich strategisch direkt auf den Sitzen hinter ihr. Im Ansprechn warch noch nie gut. Scheiß Wetter, eh – grandios, ach hallo, ich bin übrigens – na klar, was hastn nach der Busfahrt vor, komm, ich lass es einfach. Zähle stattdessen Rote Punkte auf ihrem Lehnenbezug.
Sechsundzwanzich, un dazu neunzehn Blaue! Wassermarsch im Dreivierteltakt dirigiert nimmermüd das sich um unsern Kahn zusammenziehende Mäandernetz. In der verflüssigten Landschaft such ich meinen Widerschein und finde ihren Wangenbogen: Bernsteinsplitter auf alerbasternem Grund, wendet se mir plötzlicher als ich das Weite suchen kann ihr Gesicht zu. Aus der Vieldeutigkeit des gläsernen Wasserfalls grinst se zu mir hinter. Mittagshitze! In rätselhaftem Ton fragt se, ohne mich dabei aus den Augen zu lassen, was ich denn so glotzn würd. Das souveränste, was mir auf die Schnelle einfällt: „Na so halt.“
Da grient se nochn bisschen breiter und lässtn leises Glucksen hörn. „Haste heut Abend was vor?“
„Nö!“ sach ich viel zu überhastet.
„Heut steigt ne Party bei mir. Bist eingeladn!“
Nu strahl ich auch. „Na klar! Wo wohnste denn?“
„Endstation, wenn de willst, kannste gleich mitkommn.“
Na, eigentlich sollt ich nochma duschen, Klamotten wechseln und so. Ach was solls, schifft doch eh, als obs kein Morgen gäb. Also: „Ja gern.“
„Schön,“ spitzbübt sie mir zu und spiegelt wieder perfektwangige Konvexität.
Ich sach erstmal nichts. Sie auch nich. Noch muttrunken wucht ich mich ne Reihe vor, neben sie. Nesselnde Morgentauwiese lässt meine Nasenflügel flattern und ich filibuster drauflos, sie schweigt. Zwischen Lippengekräusel und Wimpernflimmern verlaufen sich meine Worte.
Feierabendliches „Endstation!“-Gebell verabschiedet uns ins umwölkte Ende der Stadt. Leere Häuser glotzen mich oder die Landschaft durchs Geprassel hindurch staunend an und lärmen dabei klabautern. Sie vornweg, ich so seitlich nebenher, steuern wir aufs Gebäude am Ende der Straße zu. Herrschaftlich, ne richtije Villa könnt man meinen! Betagte Hagebutten und halbwüchsige Birken lupfen ihre Kronen,  senken knicksend ihre tropfenden Häupter uns zum Gruße. Aufm Dach grünts schon lang vor sich hin, tiefe Risse zieren verblichen lachsfarbene Wände. Drinnen ists protzgroß und schummrig. Im Dämmerlicht funkelt von blätternder Decke n Leuchter. Durch aufstäubende Wolken materialisierter Vergangenheit knarzen wir uns ins alte Gemäuer. Verblüfft will ich fragen, doch kommt se mir zuvor. Das hochgebundene Haar betastend, guckt se groß aus nem goldumrandeten Spiegel und sacht ich könne nach oben gehn, ein Bad nehmn, Kleider trocknen und so. Ich fänd schon alles. Und dann verschwindet sie.
Na also, die hat was! Tastend frag ich mich die geschlungne Treppe hoch, folg der rotgekleideten Diele und find in ein einladendes Zimmerchn. Als ich dem Sofa nich widerstehn kann, kettet es mir flink bleierne Gewichte an und ich tausch gerad noch durchnässte Kleider gegen den Muff einer schwern Decke. *
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Herbert_Stencil
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BeitragVerfasst am: 01.09.2011 00:07    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@EAP: Erneut vielen Dank, für deine vielen guten Anmerkungen. Meine Kommasetzung treibt mir langsam aber sicher die Schamesröte ins Gesicht. Ich werde mich nochmal mit der Theorie auseinandersetzen. Kann ja eigentlich nicht sein, dass ich dem nicht Herr werde. Nun ans Eingemachte:

„Hier stört mich die Satzstruktur, obwohl ich sie nachvollziehen kann. Ich würde zwei Sätze daraus machen.“
Ich habs auf dem Zettel und ringe noch mit mir. Möglicherweise ändere ich diese Stelle später noch, momentan ergibt sich für mich keine bessere Variante. Ich könnte natürlich den zweiten Satz mit 'Da' einleiten. Aber da beschleicht mich das Gefühl unangenehmer Wiederholung. Oder ich könnte den Satz mit 'Plötzlich' einleiten, aber das bricht für mich die Kausalität der Wahrnehmung des Protas.

„Warum das? Erscheint mir ziemlich undurchsichtig.“
Das Busfensterglas ist aber durchsichtig. Ihre Spiegelung hängt da so in der Landschaft, da kann man sich nicht so sicher sein, ob das, was man da sieht, der Realität entspricht. Zumal das Licht, die Wahrnehmung, schon allein durch den Umweg die Unmittelbarkeit und mit ihr den subjektiven Wahrheitsanspruch einbüßt.
Ich hab es vorläufig geändert, bin mir aber noch nicht sicher welche Variante ich besser finde, letztlich läuft es aufs gleiche hinaus.

„Bei Dialogen würde ich einen Absatz schalten, damit der Text besser lesbarer wird.“
Guter Hinweis, ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich es nun richtig umgesetzt hab.

„Eine Frage: Muss der Stilbruch mit der "Konvexität" wirklich sein? Fremdwörter in dem Regionalsprech lassen deinen Ich-Erzähler wie einen berlinernden Professor erscheinen. Ich glaube nicht, dass das nötig ist, es sei denn, es dient als Stilmittel zum Ausdruck von Unsicherheit.“
Ich habe mit diesem Vorwurf schon gerechnet, aber ich bin so verliebt in diese Stelle. Außerdem: eigentlich sollte jeder aus der Schulzeit (zumindest ungefähr) wissen was konvex bedeutet, insofern erkenne ich den Fremdwort Vorwurf nur bedingt an. Razz Aber natürlich hast du recht, dass es wohl eher wenige im aktiven Wortschatz führen dürften. Ich werde bei jedem drüber lesen mit mir ringen, aber ich hatte auch noch keine Idee, die mich ähnlich glücklich macht. Insofern, Tendenz: bleibt.

„Die Irration drückst du durch das Verlaufen bereits aus. Ich würde stattdessen mit "Im Lippengekräusel ..." beginnen.“
Guter Einwand, ich habs aber mit 'Zwischen', statt 'Im', beginnen lassen. 'Im' funktioniert für mich in der Satzstruktur nicht so recht.

„Diese Bewegung stelle ich mir dann doch unfreiwillig komisch vor.“
Hee, das ist natürlich anmutigst! Jetzt ohnehin nochmal leicht anders, für dich wohl nur noch komischer. smile

„Ich fühle mich ganz spontan an einen jener klassischen Schriftsteller erinnert, die für mich das Pendant zu einem schlechten Witz darstellen. Warum dieser besch... Genitiv, wenn man es auch so ausdrücken kann: "Mit knarzenden Schritten beschleichen wir ..."?“
Genau dieser Satz hat mich auch schon am nächsten Tag wütend gemacht. Kommt nicht wieder vor. smile

Bisher habe ich eigentlich nicht darüber nachgedacht, ob ich hier in einer speziellen, räumlich verortbaren Art von Dialekt schreibe. Teile vom Eigensprech im Text korrelieren sicherlich mit der Mundart im nördlichen Thüringen, da wo ich ursprünglich herkomme. Aber was die von dir angesprochene bewusste Verortung angeht, fühle ich mich eigentlich keinem Dialekt nah genug, um das sicher aufs Papier zu bringen. Ich fürchte auch, dass es zu viel Freiheit nehmen würde, und den Zugang zum Text erschweren würde. Die meisten Dialekte sind ja dann, wenn man sie konsequent umsetzt, recht deformierend.
Da es wie gesagt mein erster Text ist und ich mich noch relativ bewusst am Schmidt orientiert habe, habe ich vorerst kein Problem, wenn man diese Nähe feststellen kann.

@debruma:
Mir blutet da schon auch manchmal das Ohr, da werde ich mich hüten das aufs Papier zu bringen. Nachher fange ich selbst noch an zu sächseln. Andererseits habe ich sieben Jahre Badisch erduldet und mir weitestgehend aus dem Kopf gehalten. Ich glaube ich bin gefeit.
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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 01.09.2011 19:03    Titel: Antworten mit Zitat

Zunächst einmal zum Dialekt: Kleine Fetzen wären durchaus angebracht, die sich dann mit der schon von mir erwähnten Hochsprache abwechseln, dazu eine unsichere Wettersituation, zwei Protagonisten, die zögernd aufeinander zugehen, und schon haben wir eine wunderbar ineinander verschlungene Motivik, die auch noch passend ist.

Zitat:
Ich mach jetzt ne Pause.


Ob du diesen Satz brauchst, weiß ich nicht, schließlich drückst du schon im vorangegangenen das Gleiche aus.

Zitat:

[...] der Trägheit gehorchend beschreiben meine Augenschweife ne einsA hunderachtziggrad Wendung und bleiben wie die Erde an der Sonne kleben.


Auch wenn du teilweise sehr frei mit der Rechtschreibung umgehst, bestehe ich hier auf eine Korrektur: "Hundertachtziggrad-Wendung".

Zitat:

Sie schaut mich an und mir wirds direkt ganz anders, SonnenaufgangMittagshitzeAbendrot und dabei guckt se auf sone eigenartige Weise durch mich durch.


Wie? Mit gerunzelter Stirn, gehobenen Augenbrauen, zusammengekniffenen Lippen ...?

Zitat:
Ich schwing mich hoch, [...].


Um Missverständnisse zu vermeiden, würde ich noch hinzufügen, dass er sich die Stufen hochschwingt.

Zitat:
In meiner Weltlichkeit krieg ich natürlich direkt wieder die Knochenspitzen in die Rippen und Pilzhüte ann Kopp.


Erschließt sich mir nicht.

Zitat:
Da steht se jetzt am H nebm Glashäusschen, im Regen – was kümmert die Sonne das Wasser.


Diese Doppelinformation brauchst du nicht. Sie wirkt ungeschickt.

Zitat:
Zähle stattdessen Rote Punkte auf ihrem Lehnenbezug.


Rechtschreibfehler (Adjektiv).

Zitat:

In der verflüssigten Landschaft such ich meinen Widerschein und finde ihren Wangenbogen: Bernsteinsplitter auf alerbasternem Grund, wendet se mir plötzlicher als ich das Weite suchen kann ihr Gesicht zu.


In einem Anfall von Gemeinheit würde ich sagen: gewollt und nicht gekonnt. Aber weil das nicht so ist, verbessere ich lediglich: "auf alabasternem Grund". Der Duden ist bei rechtschreibtechnischen Unklarheiten eine gute Adresse.

Zitat:
Mittagshitze!


Bei Regen? Oder auf metaphorischer Ebene?

Zitat:
„Nö!“, sach ich viel zu überhastet.


Hier fehlt ein Komma (ist wohl noch ein Relikt der alten Rechtschreibung).

Zitat:
„Schön,“ spitzbübt sie mir zu und spiegelt wieder perfektwangige Konvexität.


Hier gehört das Komma hinter das Anführungszeichen.

Zitat:

Leere Häuser glotzen mich oder die Landschaft durchs Geprassel hindurch staunend an und lärmen dabei klabautern.


Das ist für mich ein Verb, kein Adverb.

Zitat:
Betagte Hagebutten und halbwüchsige Birken lupfen ihre Kronen, senken knicksend ihre tropfenden Häupter uns zum Gruße.


Hier muss ich aus irgendwelchen Gründen an Eichendorff denken, und DEN willst du ja sicherlich nicht nachmachen, oder?

Zitat:
Das hochgebundene Haar betastend, guckt se groß aus nem goldumrandeten Spiegel und sacht, ich könne nach oben gehn, ein Bad nehmn, Kleider trocknen und so.


Da fehlt ein Komma.

Zitat:
Tastend frag ich mich die geschlungne Treppe hoch, folg der rotgekleideten Diele und find in ein einladendes Zimmerchn.


Stehen da Diener? Ist dein Erzähler versehentlich bei Kate Middleton gelandet? Ich bin etwas irritiert.

Zitat:
*


Ich verstehe nicht, was dieses Sternchen am Schluss soll. Ein Tippfehler?

Das war's fürs Erste. Ich bin gespannt, wie du dieses Experiment zu Ende führst.


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BeitragVerfasst am: 13.09.2011 23:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Also nun, endlich, der vorletzte Teil. Ich hoffe ich bringe das Geschichtchen langsam zu einem Ende, es beginnt weh zu tun. Euch hoffentlich nicht zu sehr.
Die vielen, wiederum sehr hilfreichen Kommentare von dir, EAP, werde ich überdenken und mit der Veröffentlichung der finalen Version dann kommentieren. Eventuell werde ich dann einige Kritikpunkte, mit Blick auf den Ausgang, entkräften können, man wird sehen. smile

Aber nun erstmal weiter im Text:


Waswo-wiespät, rechte Hand nesselt und is nich zu gebrauchen. Langsam dämmerts: Sofa, Abrissvilla, dieses Mädchen, zur Party hat sie mich eingeladen, im Bus. Dumpfes Pumpen von tief unten. Ins Finstre keuchend, kleide ich mich an und luge auf den Flur raus. Gejauchze jetzt, zum grollenden Bass ausm Villenbauch. Ich schleich den Korridor lang, auf dem Teppich ne Lichtpfütze, Lachen und Gedudel. Der Ursprung sind n Radio und vier Weißbärtige, die mir aus ner Wanne zujohln. Die Hübsche mit Spitzbart und Turban streckt ne Flasche Wodka vor mich hin. Da sag ich nich nein und nehm nen tiefen Zug. „Hartes Zeuch!“, prust ich, sie freuts.
Als se mir nen Bart anschmiern will, verzieh ich mich schleunigst wieder. Hitzig orgelt der Alkohol auch durchs letzte Pfeifchen. An fummelnden Pärchen vorbei halte ich aufs lohende Gewummre zu, bis mich der zappendustre Flur auf die Empore spuckt.
Funkenhaft hängen über der Menschenmenge schillernde Juwelen, zerstäuben projizierte Erinnerungen an einen Sommer an der Ostsee, Evil Knievel oder die noch schwarz-weiße Micky Maus zu Quanten des Fühlbaren. Sie kann ich da unten nich entdecken. Hämmernde Bassmonstren, die mirs Kommödchen quetschen, liegen im Clinch mit vieltönigen Fragilitäten und lassen dabei die Membran aus untrennbar verwobenen Leibern im Rhythmus interferierender Bewusstseinsströme pulsieren. Von hier oben ists einfach unmöglich sie zu sichten, stürz ich mich also ins Menschenmeer.
Unter nem Himmel voller gleißender Kometen lass ich mich, orientierungslos wie ich bin, vom Takt des Wellengangs treiben, bald werd ich an der Bar angeschwemmt. Die kleine, dickliche Tresenfrau mit den sinnlichen Lippen und geschwungenen Brauen flötet herausfordernd, stellt mir und sich dabei zwei Kurze hin. Is mir recht so, ich kipps ansatzlos und ohne ne Miene zu verziehn hinter, sie auch. Als Lohn bekomm ich n Bier; Dann mal Leinen los! Ne Blonde lacht mich an, quietscht irgendwas, zwei Zwerge prosten mir zu, ich bin auf Reisen und drifte durch die Säle.
Zwanzichtausend Meiln unterm Meer, Kirk Douglas grüßt von den Wänden, umgarnt mich ein Schwarm Muräninnen. Zum Nemo'schen Rumgeorgel reibt die große Dunkle ihrn festen Hintern an mir, ich synchronisier mich. Ihr Kopf an meiner Schulter, Ohrengemauschel um ineinander zu hören: Nichts außer der Brandung der Unbewohntheit. Sie streicht über meine Flanken, dreht mir ihrn Karpfenkopf zu, spitzt die Lippen wie zum Schlammgründeln. Ich weiche, drücke entschuldigend ihre Hand und tauche wieder im Getümmel unter.

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