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Die Phantome


 

 
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klausge
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 40



BeitragVerfasst am: 05.07.2011 10:55    Titel: Die Phantome eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo Leute,

Ich bin wieder mal dabei eine Geschichte zu einer persönlichen Vergangenheitsbewältigung zu schreiben. Bitte um eure Kritik

Der Mann wird stiller, je näher er dem kleinen Ort kommt. Einem Ort des Grauens, der Sehnsucht, der Einsamkeit und wenig Liebe. Die Kinder auf dem Rücksitz spielen fröhlich und seine Frau sitzt still neben ihm. Sie wirkt fast teilnahmslos.
Eine kalte Hand greift nach seinem Herzen. Nimmt ihm den Druck das Blut weiter durch die Adern zu pumpen. Klammert sich in seinen Lungenflügeln fest und versucht ihn zu ersticken. Seine Augen sind starr, sein Atem wird flach. Er war lange nicht hiergewesen.
Da ist sie wieder, die Kreuzung in das Dorf der Toten. Sicher, die Leute waren nicht tot. Zumindest nicht physisch gesehen. Psychisch war dieser Ort für ihn eine Totenstadt gewesen. Um spätestens acht Uhr abends war nichts mehr los gewesen auf den Straßen. Keine Menschen spazierten herum, keine Autos fuhren mehr. Nur die Straßenlaternen zeugten still davon, daß hier eigentlich Menschen hinter den heruntergelassenen Jalousien leben sollten. Manchmal war er sich darüber nicht sicher gewesen.
Der sanfte Hügel, der hinauf zur Dorfkirche führt, leitete die Hauptstraße auch hinunter zum Dorfplatz. Die modern gestaltete Bank hatte nie wirklich in das Ortsbild mit alten Häusern und abbröckelnden Fassaden gepaßt. Der Mann parkt den Wagen vor der Bank und steigt aus. Gegenüber war noch immer die Fleischerei. Ein Anhänger mit ängstlich quiekenden Schweinen steht davor. Es war fast wie in seiner Jugendzeit. Die Kinder fragen ihn, warum die Schweine in dem Lastwagen sind und warum sie so laut quieken. Sie riechen das Blut, antwortet der Mann. Sie wissen, daß sie als nächstes dran sind. Die Kinder werden still und traurig. Sie lieben Tiere und verstehen es nicht. Sie haben noch nie gesehen, wie Schweine oder Kühe getötet werden. Und sie haben es schon gar nie gehört.
Sein Blick schweift umher. Hinter der riesigen Kastanie versteckt sich fast ängstlich das Dorfwirtshaus. Den alten Wirt mit der fleckigen und viel zu langen Schürze gab es schon lange nicht mehr. Das Haus hatte überlebt. Eines von vielen Fossilien in dem Dorf. Der Schuster wurde zu einem Kaffeehaus umgebaut; ein Fossil, das ein Upgrade erhalten hatte.
Der Mann erinnerte sich, daß sein alter Lehrherr über dem Kaffeehaus gewohnt hatte, als er das letzte Mal hiergewesen war. Der Streß in der Bäckerei, die andauernden Streitigkeiten mit seiner Frau dem Sohn, der Alkohol und das dauernde Wissen, daß die Bäckerei nie ihm gehören würde hatten ihren Tribut gefordert. Sein Herz spielte nicht mehr mit und er hatte zu arbeiten aufhören müssen.
Die Kinder fragen ungeduldig, wo er denn gearbeitet habe; die Schweine sind vergessen. Der leichte Wind zerrt ungeduldig an der Kleidung, fast als wollten ihn die Phantome der Vergangenheit in ihr Reich zerren.
Noch nicht, sagt er, ich will euch erst alles zeigen. Er will die stillen, geheimnisvollen Ecken seinen Kindern zeigen. Ihre Phantasie anregen und hofft, daß sie ihn besser verstehen würden.
Sie gehen über den Platz um die Ecke und erreichen einen kleinen Weg. Jetzt ist er asphaltiert. Nichts erinnert mehr an den nackten Pfad, der sich schüchtern an die still verfallende Mauer des Pfarrgartens gedrückt hatte. Der kleine verdreckte Bach der die Gärten vom Weg trennte gluckert noch immer vor sich hin. So hat es hinten ausgesehen, erklärte er seinen Kindern. Sie fragen ihn, wo er denn gespielt habe. Hier hatten Spiel und Spaß keinen Platz erklärte er ihnen dumpf. Er kann den Garten der Bäckerei erkennen, daneben steht noch immer der große Kirschenbaum. Hier sind wir in der Kirschenzeit jeden Vormittag hinaufgeklettert, erzählt er seinen Kindern. Wir haben ganze Eimer voller Kirschen gepflückt und für Kirschkuchen verwendet. Der Nachbar hat es nie gemerkt, dafür immer viel gekauft. Seine Familie lacht, auch wenn die Geschichte wahr ist. Sparen, wo immer es geht, war schon immer das Motto der Bäckerei gewesen. Warum also nicht die Kirschen aus Nachbars Garten verwenden. Hatten sie doch dem ganzen Ort vorzüglich geschmeckt.
Sie gehen den Weg weiter. Ein Radfahrer verlangt wütend klingelnd Durchlaß obwohl gerade genug Platz für eine Gruppe im Gänsemarsch ist. Am Ende des Weges ist wieder ein kleiner Platz. Das Marterl verliert schon stark den Verputz. Drinnen ist eine verdreckte Jesusfigur die über dem Schoß Marias liegt. Auch Marias Haare und Gewand sind schmutzig. Es muß schon Jahre her sein, daß diese jemand geputzt hatte.
Die kleine Gruppe wendet sich ab, geht linker Hand die Straße entlang und erreicht nach kurzer Zeit eine der Hauptstraßen. Es geht wieder links, den Gehweg entlang. Von weitem kann man schon die Tafel mit dem Logo der Bäckerei sehen. Sie gehen weiter und das Vitrinenfenster wird größer. Der Mann öffnet die Tür und sie betreten den kleinen aber breiten Verkaufsraum der Bäckerei.
Der Geruch nach frischem Gebäck erschlägt ihn beinahe. Er taumelt ein wenig, während er versucht im Heute zu bleiben und gegen das Vorgesten kämpft. Hier hatte alles angefangen. Sein sowieso stiller Charakter hatte sich hier in seine eigene Welt geflüchtet und er hatte in Gedanken begonnen ganze Universen zu kreieren. Hier hatte er das erste Mal Prügel und Brutalität kennengelernt. Hier hatte er lernen müssen zu überleben, sonst hätte er nicht überlebt.
Die Phantome siegen für kurze Zeit. Er sieht sich wieder als schmächtiger Junge in der harten Welt. Spürt sie wieder, die körperliche und geistige Züchtigung, die Versuche seinen Verstand, seinen Willen zu unterjochen; ihn zu brechen. Die unsichtbaren Messer dringen wieder in sein Herz. Wollen es zerfleischen, herausreißen. Bunte Ringe tanzen vor seinen Augen. Er erkennt den Verkaufsraum wieder. Die Regale, die Brotkörbe, die Vitrinen sind alle noch dieselben wie damals. Ebenso das Angebot, welches sich scheinbar nicht verändert hatte.
Eine Frau Mitte Fünfzig betritt den Verkaufsraum. Ihr Anblick reißt ihn wieder ins Jetzt. Es ist die Schwiegertochter seines damaligen Chefs. Sie ist alt geworden, denkt er sich, während er mit gesenktem Kopf eine Bestellung aufgibt. Ganz anders, als die junge hübsche Frau, die er in Erinnerung hatte. Ihr Haar hängt traurig und dünn nach hinten in einer Spange. Das Gesicht von Falten und Altersflecken gezeichnet. Als er aufblickt und in ihre traurigen Augen sieht funkt ein Wiedererkennungsgedanke in ihrem Gesicht auf.
Bist du nicht …, beginnt sie zögernd. Ja sagt er, während er sich innerlich verfluchte. Warum hatte er nicht nein gesagt? Es wäre alles viel schneller gegangen. Sie hätten gezahlt und wären wieder gegangen. Jetzt war der Kampf eröffnet. Er wollte sich seinen Ängsten, seinen Phantomen aus der Vergangenheit nicht stellen. Aber sie waren schneller. Ein rascher Ruf nach hinten in die Backstube, und ein paar Augenblicke später waren sie alle vorne versammelt. Sie blickten ihn aus ihren kalten, toten Augen an. Haßerfüllte Luft strömt ihnen nach und macht sich im Verkaufsraum breit.
Sie lächeln ihn an, seine ehemaligen Vorgesetzten und Arbeitskollegen. Ein kaltes Lächeln, das einem scharfen Messer gleich kommt. Auch wenn sie sagen, daß sie sich freuen ihn zu sehen, weiß er, daß es nicht so ist. Er sieht hinter die starr grinsenden Masken, kann ihre fauligen Zähne sehen und weiß, daß es nur Zombies sind. Sie laden ihn ein, mit ihnen zu gehen und er willigt ein. Dieser Kampf hatte schon zu lange warten müssen. Er hatte seinen Geist lange trainiert und sich mental stärker gemacht als er es in seiner Jugend gewesen war. Jetzt konnte es nur einen Sieger geben. Die Arena war eröffnet. Seine Familie unterhält sich einstweilen mit der Schwiegertochter, während er anfängt seine Gegner auszuloten.
Die verbalen Attacken fangen leise zu singen an. Versteckte Freundlichkeit und Nettigkeiten werden ausgetauscht. Zwischen den Zeilen werden Angriffe werden begonnen, abgeblockt durchgeführt. Augen werden kalt wie Stahl und die Worte scharf wie Klingen. Ein ständiges Hin und Her bewegt die Szene, während die Phantome versuchen seiner habhaft zu werden. Die Geschichte seiner Scheidungs- und Trauerzeit gibt ihnen ein kleines Hochgefühl. Das anschließende Glück, macht sie schwach und unkonzentriert. Er ist auf dem Weg, die Phantome zu besiegen. Das innere Glück und die Ausgewogenheit scheinen wie ein helles Licht auf ihn. Bringen die Stimmen zum Schweigen und die Geister der Vergangenheit lösen sich auf in nebliges Nichts.
Sie gehen und ein Gefühl des „Nichtmehrberührtseins“ durchströmt ihn. Die Vögel zwitschern in den niedrigen Bäumen, als sie zum Auto gehen. Als sie einsteigen merkt der Mann, daß die Schweine nicht mehr quieken. Es ist vorbei.

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Rosanna
Richter und Henker

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Beiträge: 1202

Pokapro V & Lezepo III Silberne Harfe


BeitragVerfasst am: 05.07.2011 14:19    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist viel zu lang. Bevor du das Ganze nicht in mindestens zwei Teile unterteilst, wird sich hier wohl kaum einer melden (es ist ja nicht so, dass man dir das zum ersten Mal sagt).

Ich mache mich deshalb auch nicht an Detailarbeit, sondern gebe eine allgemeine Einschätzung:

Der Anfang ist viel zu plakativ. Grauen, Sehnsucht, Einsamkeit...alles schöne Worte, aber über den Ort sagen sie erstmal nur: Ej, voll mies hier. Nix wie weg.
Dann der Gegensatz: Besorgte Frau vs. spielende Kinder. Das mit einem "und" zu verbinden passt nicht. Eher ein "Nur die Kinder bekommen nichts mit. Sie spielen...(und dazu sagen, was sie spielen)"

Zitat:
war lange nicht hiergewesen.


Das machst du zig mal im Text (und auch in anderen). Meiner Meinung nach ist das ganz schlechter Stil und in diesem Kontext auch noch grammatikalisch falsch, weil die Haupthandlung, die Rückkehr ins Dorf, im Präsenz spielt. Entweder Präteritum oder Perfekt, bitte.

Zitat:
Sie riechen das Blut, antwortet der Mann. Sie wissen, daß sie als nächstes dran sind. Die Kinder werden still und traurig. Sie lieben Tiere und verstehen es nicht. Sie haben noch nie gesehen, wie Schweine oder Kühe getötet werden. Und sie haben es schon gar nie gehört


Wenn sie nicht wissen, dass/wie Schweine getötet werden, können sie mit der knappen Antwort des Vaters nichts anfangen.

Danach steigst du unvermittelt auf Präteritum um. Das geht nicht.

Zitat:
hatte zu arbeiten aufhören müssen
.

hatte aufhören müssen, zu arbeiten. Oder einfach: konnte nicht mehr arbeiten.

Dann verwendest du oft "diese/r" anstatt "der/die". Mich persönlich nervt das immer unglaublich, weil es absolut gestelzt klingt. Du würdest deiner Frau doch auch nicht erzählen: Ich traf gestern Frau Mertens. Diese hatte gerade Brot gekauft.

Kommafehler gibts auch einige.

Zum Inhalt: Der Schluss ist gut und auch das einzige, was berührt. Ansonsten fehlt die Atmosphäre.

LG,
Rose


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Gast3
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BeitragVerfasst am: 05.07.2011 18:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo klausge,

ehrlich gesagt, bin ich gar nicht so recht dazu gekommen, den Text an sich auf mich wirken zu lassen, weil ich viel zu sehr von den häufen Zeitfehlern abgelenkt worden bin. Kann es sein, dass du dir nicht ganz schlüssig warst, in welcher Zeit du die Geschichte schreiben wolltest? So liest es sich jedenfalls für mich. Da du mit dem Präsens anfängst, bleib ich mal dabei, wobei ich mir nicht sicher bin,  ob das Präteritum nicht die bessere Wahl wäre.
Schreibst du bewusst nach der alten Rechtschreibung (z. B. daß, gepaßt, Stress)?
Wahrscheinlich habe ich nicht alles erwischt, kann sein, dass ich so zwischendrin mal den Überblick verloren habe. smile
Ein paar Absätze wären im Übrigen auch nicht schlecht gewesen smile

Liebe Grüße
schneestern




klausge hat Folgendes geschrieben:


Die Phantome (würde mir ohne "Die" besser gefallen)

Der Mann (Ich könnte mir denken, dass du hier bewusst keinen Namen gewählt hast, aber "Der Mann" grad in dem Satz klingt für mich so verallgemeinert; so also meintest du, dass der Mann an sich immer stiller wird) wird stiller, je näher er dem kleinen Ort kommt. Einem Ort des Grauens, der Sehnsucht, der Einsamkeit und wenig (vielleicht: fehlender) Liebe. Die Kinder auf dem Rücksitz spielen fröhlich und (statt dem und ein Komma setzen) seine Frau sitzt still neben ihm. Sie wirkt (Komma) fast teilnahmslos.
Eine kalte Hand greift nach seinem Herzen. Nimmt ihm den Druck (Komma) das Blut weiter durch die Adern zu pumpen. Klammert sich in seinen Lungenflügeln fest und versucht (Komma) ihn zu ersticken. Seine Augen sind starr, sein Atem wird flach. Er war ist lange nicht hier (leer) gewesen.

Da ist sie wieder, die Kreuzung in das Dorf der Toten. Sicher, die Leute waren nicht tot. Zumindest nicht physisch gesehen. Psychisch war ist dieser Ort für ihn eine Totenstadt gewesen. Um s Spätestens um acht Uhr abends war ist nichts mehr los gewesen auf den Straßen. Keine Menschen spazierten herum, keine Autos fuhren mehr. Nur die Straßenlaternen zeugten still davon, daß hier eigentlich Menschen hinter den heruntergelassenen Jalousien leben sollten. Manchmal war ist er sich darüber dessen nicht sicher gewesen.

Der sanfte Hügel, der hinauf zur Dorfkirche führt, leitete die Hauptstraße auch hinunter zum Dorfplatz. Die modern gestaltete Bank hatte nie wirklich in das Ortsbild mit alten Häusern und abbröckelnden Fassaden gepaßt. Der Mann parkt den Wagen vor der Bank und steigt aus. Gegenüber war ist noch immer die Fleischerei. Ein Anhänger mit ängstlich quiekenden Schweinen steht davor. Es war ist fast wie in seiner Jugendzeit. Die Kinder fragen ihn, warum die Schweine in dem Lastwagen sind und warum sie so laut quieken. Sie riechen das Blut, antwortet der Mann. Sie wissen, daß sie als nächstes dran sind. Die Kinder werden still und traurig. Sie lieben Tiere und verstehen es nicht. Sie haben noch nie gesehen, wie Schweine oder Kühe getötet werden. Und sie haben es schon gar nie gehört.

Sein Blick schweift umher. Hinter der riesigen Kastanie versteckt sich fast ängstlich das Dorfwirtshaus. Den alten Wirt mit der fleckigen und viel zu langen Schürze gab gibt es schon lange nicht mehr. Das Haus hatte überlebt. Eines von vielen Fossilien in dem Dorf. Der Schuster wurde zu einem Kaffeehaus umgebaut (ist umgebaut worden); ein Fossil, das ein Upgrade erhalten hatte.
Der Mann erinnerte sich, daß sein alter Lehrherr über dem Kaffeehaus gewohnt hatte, als er das letzte Mal hiergewesen war ist. Der Streß in der Bäckerei, die andauernden Streitigkeiten mit seiner Frau (Komma) dem Sohn, der Alkohol und das dauernde Wissen, daß die Bäckerei nie ihm gehören würde (Komma) hatten haben ihren Tribut gefordert. Sein Herz spielte nicht mehr mit (hat nicht mehr mitgespielt) und er hatte zu arbeiten aufhören müssen zu arbeiten.
Die Kinder fragen ungeduldig, wo er denn gearbeitet habe; die Schweine sind vergessen. Der leichte Wind zerrt ungeduldig an der Kleidung, fast als wollten ihn die Phantome der Vergangenheit in ihr Reich zerren.
Noch nicht, sagt er, ich will euch erst alles zeigen. Er will seinen Kindern die stillen, geheimnisvollen Ecken seinen Kindern zeigen. I (Komma) ihre Phantasie anregen. und Er hofft, daß sie ihn besser verstehen würden.

Sie gehen über den Platz um die Ecke und erreichen einen kleinen Weg. Jetzt ist er asphaltiert. Nichts erinnert mehr an den nackten Pfad, der sich schüchtern an die still verfallende Mauer des Pfarrgartens gedrückt hatte. Der kleine verdreckte Bach (Komma) der die Gärten vom Weg trennte (Komma) gluckert noch immer vor sich hin. So hat es hinten ausgesehen, erklärte er seinen Kindern. Sie fragen ihn, wo er denn gespielt habe. Hier hatten Spiel und Spaß keinen Platz erklärte er ihnen dumpf. Er kann den Garten der Bäckerei erkennen, daneben steht noch immer der große Kirschenbaum. Hier sind wir in der Kirschenzeit jeden Vormittag hinaufgeklettert, erzählt er seinen Kindern. Wir haben ganze Eimer voller Kirschen gepflückt und für Kirschkuchen verwendet. Der Nachbar hat es nie gemerkt, dafür immer viel gekauft. Seine Familie lacht, auch wenn die Geschichte wahr ist. Sparen, wo immer es geht, war schon immer das Motto der Bäckerei gewesen. Warum also nicht die Kirschen aus Nachbars Garten verwenden. Hatten Haben sie doch dem ganzen Ort vorzüglich geschmeckt.

Sie gehen den Weg weiter. Ein Radfahrer verlangt wütend klingelnd Durchlaß (Komma) obwohl gerade genug Platz für eine Gruppe im Gänsemarsch ist. Am Ende des Weges ist wieder ein kleiner Platz. Das Marterl verliert schon stark den Verputz. Drinnen ist eine verdreckte Jesusfigur (Komma) die über dem Schoß Marias liegt. Auch Marias Haare und Gewand sind schmutzig. Es muß schon Jahre her sein, daß diese jemand geputzt hatte.
Die kleine Gruppe wendet sich ab, geht linker Hand die Straße entlang und erreicht nach kurzer Zeit eine der Hauptstraßen. Es geht wieder links, den Gehweg entlang. Von weitem kann man schon die Tafel mit dem Logo der Bäckerei sehen. Sie gehen weiter und das Vitrinenfenster wird größer. Der Mann öffnet die Tür und sie betreten den kleinen (Komma) aber breiten Verkaufsraum der Bäckerei.
Der Geruch nach frischem Gebäck erschlägt ihn beinahe. Er taumelt ein wenig, während er versucht (Komma) im Heute zu bleiben und gegen das Vorgesten kämpft. Hier hatte alles angefangen. Sein sowieso stiller Charakter hatte sich hier in seine eigene Welt geflüchtet und er hatte in Gedanken begonnen (Komma) ganze Universen zu kreieren. Hier hatte er das erste Mal Prügel und Brutalität kennengelernt. Hier hatte er lernen müssen zu überleben, sonst hätte er nicht überlebt.
Die Phantome siegen für kurze Zeit. Er sieht sich wieder als schmächtigern Jungen in der harten Welt. Spürt sie wieder, die körperliche und geistige Züchtigung, die Versuche seinen Verstand, seinen Willen zu unterjochen; ihn zu brechen. Die unsichtbaren Messer dringen wieder in sein Herz. Wollen es zerfleischen, herausreißen. Bunte Ringe tanzen vor seinen Augen. Er erkennt den Verkaufsraum wieder. Die Regale, die Brotkörbe, die Vitrinen sind alle noch dieselben wie damals. Ebenso das Angebot, welches sich scheinbar nicht verändert hatte.
Eine Frau Mitte Fünfzig betritt den Verkaufsraum. Ihr Anblick reißt ihn wieder ins Jetzt. Es ist die Schwiegertochter seines damaligen Chefs. Sie ist alt geworden, denkt er sich, während er mit gesenktem Kopf eine Bestellung aufgibt. Ganz anders, als die junge hübsche Frau, die er in Erinnerung hatte. Ihr Haar hängt traurig und dünn nach hinten in einer Spange. Das Gesicht ist von Falten und Altersflecken gezeichnet. Als er aufblickt und in ihre traurigen Augen sieht (Komma) funkt ein Wiedererkennungsgedanke in ihrem Gesicht auf.
Bist du nicht …, beginnt sie zögernd. Ja sagt er, während er sich innerlich verfluchte. Warum hatte er nicht nein gesagt? Es wäre alles viel schneller gegangen. Sie hätten gezahlt und wären wieder gegangen. Jetzt war ist der Kampf eröffnet. Er wollte will sich seinen Ängsten, seinen Phantomen aus der Vergangenheit nicht stellen. Aber sie waren sind schneller. Ein rascher Ruf nach hinten in die Backstube, und ein paar Augenblicke später waren sind sie alle vorne versammelt. Sie blickten ihn aus ihren kalten, toten Augen an. Haßerfüllte Luft strömt ihnen nach und macht sich im Verkaufsraum breit.
Sie lächeln ihn an, seine ehemaligen Vorgesetzten und Arbeitskollegen. Ein kaltes Lächeln, das einem scharfen Messer gleich kommt. Auch wenn sie sagen, daß sie sich freuen ihn zu sehen, weiß er, daß es nicht so ist. Er sieht hinter die starr grinsenden Masken, kann ihre fauligen Zähne sehen und weiß, daß es nur Zombies sind. Sie laden ihn ein, mit ihnen zu gehen und er willigt ein. Dieser Kampf hatte schon zu lange warten müssen. Er hatte seinen Geist lange trainiert und sich mental stärker gemacht als er es in seiner Jugend gewesen war. Jetzt konnte kann es nur einen Sieger geben. Die Arena war ist eröffnet. Seine Familie unterhält sich einstweilen mit der Schwiegertochter, während er anfängt (Komma) seine Gegner auszuloten.

Die verbalen Attacken fangen leise zu singen an. Versteckte Freundlichkeit und Nettigkeiten werden ausgetauscht. Zwischen den Zeilen werden Angriffe werden begonnen, abgeblockt (Komma) durchgeführt. Augen werden kalt wie Stahl und die Worte scharf wie Klingen. Ein ständiges Hin und Her bewegt die Szene, während die Phantome versuchen (Komma) seiner habhaft zu werden. Die Geschichte seiner Scheidungs- und Trauerzeit gibt ihnen ein kleines Hochgefühl. Das anschließende Glück, (kein Komma) macht sie schwach und unkonzentriert. Er ist auf dem Weg, die Phantome zu besiegen. Das innere Glück und die Ausgewogenheit scheinen wie ein helles Licht auf ihn. Bringen die Stimmen zum Schweigen und die Geister der Vergangenheit lösen sich auf in nebliges Nichts.
Sie gehen und ein Gefühl des „Nichtmehrberührtseins“ durchströmt ihn. Die Vögel zwitschern in den niedrigen Bäumen, als sie zum Auto gehen. Als sie einsteigen merkt der Mann, daß die Schweine nicht mehr quieken. Es ist vorbei.


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klausge
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BeitragVerfasst am: 05.07.2011 19:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Schneestern,

Danke für deine Kritik und dein Durchlesen. Also erst mal zu deiner Frage, ob ich absichtlich in der alten Rechtschreibung schreibe. Antwort ist: Ja. Kommt immer wieder die Frage warum danach, drum antworte ich auf diese auch gleich, egal ob du sie stellen wolltest, oder nicht. Weil sie mir so eingeprügelt (wörtlich nehmen) wurde, und man so etwas nicht vergessen kann.
Zu den "Zeitfehlern" kann ich nur sagen, daß ich einfach manchmal so schreibe, wie ich denke. Ich weiß, auch Kommafehler sind wahrscheinlich massig drin.
Ich habe diese Geschichte heute in der Mittagspause geschrieben. Für eine halbstündige Arbeit, denke ich, daß sie nicht so schlecht geworden ist. Ich werde aber gerne deine Korrektur zu Herzen nehmen.
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Gast3
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BeitragVerfasst am: 05.07.2011 20:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hi klausge,

ich bin auch kein Freund der neuen Rechtschreibung, so einige Sachen hab ich mir angewöhnt, eben dass, Stress, aber an andere werde ich mich auch nicht mehr gewöhnen smile

Für eine halbe Stunde Mittagspause ist das ganz ok. Dennoch musst du dich für eine Zeitform entscheiden, egal, ob du  so schreibst, wie du denkst, da bleibt dir nix anderes übrig smile extra

Schönen Abend
schneestern


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derSibirier
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BeitragVerfasst am: 05.07.2011 20:24    Titel: Antworten mit Zitat

Eigentlich bin ich ein eiskalter Mensch, die Eisbären prügelten es mir damals ein, meistens kann ich gar nicht anders, aber ich versuch dem heiligen Schnee zu Liebe ein bisschen nett zu sein und frage dich, weshalb du deinen Halb-Stunden-Text nicht etwas ausgären ließest, um ihn später noch ein wenig zu überarbeiten, bevor du ihn der Öffentlichkeit präsentierst?
Denkst du, er ist gut genug für die Werkstatt?
Ich sage guten Gewissens, der oben angeführte Text ist keinen Pfifferling wert, und das sage ich, ohne ihn gelesen zu haben.

Vielleicht denkst du darüber nach.

Grüße
Sibirier
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Aknaib
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BeitragVerfasst am: 05.07.2011 21:29    Titel: Antworten mit Zitat

klausge hat Folgendes geschrieben:

Ich habe diese Geschichte heute in der Mittagspause geschrieben. Für eine halbstündige Arbeit, denke ich, daß sie nicht so schlecht geworden ist.
Ich denke gar nicht daran, die für diesen Text erforderliche Stunde Rezensionarbeit zu investieren, wenn der Autor meint ein Halbe-Stunde-Text ist gut genug für den Leser.

Bianka
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klausge
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BeitragVerfasst am: 06.07.2011 09:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Also erst mal ein herzliches Danke an alle, ganz egal, ob ihr meinen Text durchgelesen habt oder nicht.

Da manch einer denkt, daß ich meine Texte nicht durchlese, bevor ich sie poste muß ich erklären, daß die halbe Stunde Schreibarbeit, sich nur und ausschließlich auf das Schreiben des Textes bezieht. Selbstverständlich habe ich den Text nachher auch durchgelesen in den Mittagspausen meiner Kollegen, da ich dann nämlich auch alleine bin und auf deutsch denken kann.

Weitere Erklärungen zu den Zeitfehlern; da speziellen Dank an schneestern. Ich lebe und arbeite seit über zwanzig Jahren im Ausland, spreche kaum mehr Deutsch (in der Öffentlichkeit), außer mit meinen Kindern und habe bis auf ein paar Bücher, kaum etwas aus meiner Heimat mitgenommen, das lesenswert ist. Meine Arbeits- und Umwelt ist nicht deutschsprachig und ich bin dabei zu vergessen, wie man auf Deutsch zu schreibt. Deshalb komme ich oft an einen Punkt, wo ich nicht mehr weiß, wie man was richtig schreibt/formuliert. Da ich aber gerne schreibe, versuche ich auf ein Level zu kommen das man verstehen kann.

@ schneestern: Ich habe mir deinen korrigierten Text gespeichert und mit meinem verglichen. So, wie du ihn verstanden hast, wollte ich ihn auch schreiben; Danke für deine Arbeit.

@Rosanna:Danke auch für deine Kritik. Ich werde versuchen die mißverständlichen Stellen auszumerzen. Kann etwas dauern, aber ich werde mich dran machen.
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klausge
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BeitragVerfasst am: 02.08.2011 09:44    Titel: Phantome Neufassung Teil 1 pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nachdem die erste Fassung ja so hohe Wellen geschlagen hat, habe ich die zweite Version nun generalüberholt. Sie ist länger geworden, drum kommen mehrere Teile. Hier einmal der erste Teil.

Der Mann wird stiller, je näher er dem kleinen Ort kommt. Einem Ort der Sehnsucht, der Einsamkeit und keiner  Liebe. Während er zu sprechen aufhört, spielen die Kinder auf dem Rücksitz fröhlich weiter. Sie erfinden mit ihrem hellen Geist Spiele, während es auf den Vordersitzen ruhig wird. Mit ihren, noch nicht einmal zehn Jahren, wissen sie noch nicht, wie grausam die Welt sein kann. Seine Frau sitzt still neben ihm, eine Hand in ihrem Schoß, die andere weilt auf seinem Schenkel. Sie ist die einzige, die ihn annähernd versteht.
Während sie näher kommen greift eine kalte Hand nach seinem Herzen. Nimmt ihm den Druck, das Blut weiter durch die Adern zu pumpen. Klammert sich in seinen Lungenflügeln fest und versucht, ihn zu ersticken. Seine Augen sind starr, sein Atem wird flach. Er ist lange nicht hier gewesen.
Da ist sie wieder, die Kreuzung in das Dorf der Toten. Sicher, die Leute waren nicht tot. Zumindest nicht physisch. Psychisch ist dieser Ort für ihn ein Totendorf gewesen. Spätestens um acht Uhr abends ist nichts mehr los gewesen auf den Straßen. Keine Menschen spazierten durch den Ort, keine Autos fuhren mehr. Nur die Straßenlaternen zeugten still davon, daß hier eigentlich Menschen hinter den heruntergelassenen Jalousien leben sollten. Manchmal ist er sich dessen nicht sicher gewesen.
Der sanfte Hügel, der hinauf zur Dorfkirche führt, leitet die Hauptstraße auch hinunter zum Dorfplatz. Die modern gestaltete Bank hat nie wirklich in das Ortsbild mit alten Häusern und abbröckelnden Fassaden gepaßt. Der Mann parkt den Wagen vor der Bank und steigt aus. Gegenüber ist noch immer die Fleischerei. Ein Anhänger mit ängstlich quiekenden Schweinen steht davor. Es ist fast wie in seiner Jugendzeit. Sein Jüngster fragt ihn, warum die Schweine in dem Lastwagen sind und warum sie so laut quieken. Sie riechen das Blut, antwortet der Mann, sie wissen, daß sie als nächstes dran sind. Der Junge wird still und traurig. Er liebt Tiere und versteht mit seinen vier Jahren die Panik der Schweine noch nicht nicht. Die Kinder wissen noch nichts von den sensiblen Nasen der Schweine. Sie haben noch nie gesehen, wie Schweine oder Kühe getötet werden. Und sie haben es schon gar nie gehört.
Sein Blick schweift umher. Hinter der riesigen Kastanie versteckt sich fast ängstlich das Dorfwirtshaus. Den alten Wirt mit der fleckigen und viel zu langen Schürze gibt es schon lange nicht mehr. Das Haus hat überlebt. Eines von vielen Fossilien in dem Dorf. Der Schuster ist zu einem Kaffeehaus umgebaut worden; ein Fossil, das ein Upgrade erhalten hat.
Der Mann erinnert sich, daß sein alter Lehrherr über dem Kaffeehaus gewohnt hat, als er das letzte Mal hiergewesen ist. Der Streß in der Bäckerei, die andauernden Streitigkeiten mit seiner Frau, dem Sohn, der Alkohol und das dauernde Wissen, daß die Bäckerei nie ihm gehören würde, haben ihren Tribut gefordert. Sein Herz hat nicht mehr mitgespielt und er hat aufhören müssen zu arbeiten.
Die Kinder fragen ungeduldig, wo er denn gearbeitet habe; die Schweine sind vergessen. Der leichte Wind zerrt ungeduldig an der Kleidung, fast als wollten ihn die Phantome der Vergangenheit in ihr Reich zerren.
Noch nicht, sagt er, ich will euch erst alles zeigen. Er will seinen Kindern die stillen, geheimnisvollen Ecken zeigen, ihre Phantasie anregen. Er hofft, daß sie ihn besser verstehen würden.
Sie gehen über den Platz um die Ecke und erreichen einen kleinen Weg. Jetzt ist er asphaltiert. Nichts erinnert mehr an den nackten Pfad, der sich schüchtern an die still verfallende Mauer des Pfarrgartens gedrückt hat. Der kleine verdreckte Bach der die Gärten vom Weg trennt gluckert noch immer vor sich hin. So hat es hinten ausgesehen, erklärt er seinen Kindern. Sie fragen ihn, wo er denn gespielt habe. Hier hatten Spiel und Spaß keinen Platz erklärt er ihnen dumpf. Er kann den Garten der Bäckerei erkennen, daneben steht noch immer der große Kirschenbaum. Hier sind wir in der Kirschenzeit jeden Vormittag hinaufgeklettert, erzählt er seinen Kindern. Wir haben ganze Eimer voller Kirschen gepflückt und für Kirschkuchen verwendet. Der Nachbar hat es nie gemerkt, dafür immer viel gekauft. Seine Familie lacht, auch wenn die Geschichte wahr ist. Sparen, wo immer es geht, war schon immer das Motto der Bäckerei gewesen. Warum also nicht die Kirschen aus Nachbars Garten verwenden. Haben sie doch dem ganzen Ort vorzüglich geschmeckt.
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BeitragVerfasst am: 03.08.2011 08:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

TEIL II
Sie gehen den Weg weiter. Ein Radfahrer verlangt wütend klingelnd Durchlaß,  obwohl gerade genug Platz für eine Gruppe im Gänsemarsch ist. Am Ende des Weges ist wieder ein kleiner Platz. Das Marterl am Straßenrand verliert schon stark den Verputz. Drinnen ist eine verdreckte Jesusfigur, die über dem Schoß Marias liegt. Auch Marias Haare und Gewand sind schmutzig. Es muß schon Jahre her sein, daß diese jemand geputzt hat.
Sie gehen weiter, über den Hügel, passieren den Fußballplatz, der sauber und leer im Tal liegt. Es geht den Hügel hinunter, zum alten Herrenhaus. Linker Hand liegt der  Fischteich, der durch einen breiten Fußweg an den Fußballplatz anschließt. Die alten, hohen Bäume beugen ihre Äste über Weg und Straße. Sie verwandeln das einbrechende Licht in Bernsteintropfen und färben den Teich golden. Seine Gedanken wandern zurück; erreichen einen Abend an dem Unmengen von Frösche und Kröten auf der Straße unterwegs gewesen waren. Durch ihre Massen war ein Weiterkommen mit dem Auto unmöglich gewesen. Es war an einem Sommerabend gewesen, und ein warmer Gewitterschauer hatte die Amphibien auf die Straße gelockt. Sein Vater hatte damals einen Umweg fahren müssen. Jetzt waren die Straßen trocken, und außer einigen Fischern war das Ufer des Teiches leer.
Die kleine Gruppe wendet sich ab, geht linker Hand die Straße entlang und erreicht nach kurzer Zeit eine der Hauptstraßen. Es geht wieder links, den Gehweg entlang. Von weitem kann man schon die Tafel mit dem Logo der Bäckerei sehen. Sie gehen weiter und das Vitrinenfenster wird größer. Der Mann öffnet die Tür und sie betreten den kleinen, aber breiten Verkaufsraum der Bäckerei.
Der Geruch nach frischem Gebäck erschlägt ihn beinahe. Er taumelt ein wenig, während er versucht, im Heute zu bleiben und gegen das Vorgesten kämpft. Hier hat alles angefangen. Sein sowieso stiller Charakter hat sich hier in seine eigene Welt geflüchtet und er hat in Gedanken begonnen, ganze Universen zu kreieren. Hier hat er das erste Mal Prügel und Brutalität kennengelernt. Hier hat er lernen müssen zu überleben, sonst hätte er nicht überlebt.
Die Phantome siegen für kurze Zeit. Er sieht sich wieder als schmächtigen Jungen in der harten Welt. Spürt sie wieder, die körperliche und geistige Züchtigung, die Versuche seinen Verstand, seinen Willen zu unterjochen; ihn zu brechen. Die unsichtbaren Messer dringen wieder in sein Herz; wollen es zerfleischen, herausreißen. Bunte Ringe tanzen vor seinen Augen. Er erkennt den Verkaufsraum wieder. Die Regale, die Brotkörbe, die Vitrinen sind alle noch dieselben wie damals. Ebenso das Angebot, welches sich scheinbar nicht verändert hat.
Eine Frau Mitte Fünfzig betritt den Verkaufsraum. Ihr Anblick reißt ihn wieder ins Jetzt. Es ist die Schwiegertochter seines damaligen Chefs. Sie ist alt geworden, denkt er sich, während er mit gesenktem Kopf eine Bestellung aufgibt. Ganz anders, als die junge hübsche Frau, die er in Erinnerung hat. Ihr Haar hängt traurig und dünn nach hinten in einer Spange. Das Gesicht ist von Falten und Altersflecken gezeichnet. Als er aufblickt und in ihre traurigen Augen sieht, funkt ein Wiedererkennungsgedanke in ihrem Gesicht auf.
Bist du nicht …, beginnt sie zögernd. Ja, sagt er, und verflucht sich innerlich. Warum hat er nicht nein gesagt? Es wäre alles viel schneller gegangen. Sie hätten gezahlt und wären wieder gegangen. Jetzt ist der Kampf eröffnet. Er will sich seinen Ängsten, seinen Phantomen aus der Vergangenheit nicht stellen. Aber sie sind schneller. Ein rascher Ruf nach hinten in die Backstube, und ein paar Augenblicke später sind sie alle vorne versammelt. Sie blicken ihn aus ihren kalten, toten Augen an. Haßerfüllte Luft strömt ihnen nach und macht sich im Verkaufsraum breit.

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klausge
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BeitragVerfasst am: 03.08.2011 08:38    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

TEIL III
Sie lächeln ihn an, seine ehemaligen Vorgesetzten und Arbeitskollegen. Ein kaltes Lächeln, das einem scharfen Messer gleich kommt. Auch wenn sie sagen, daß sie sich freuen ihn zu sehen, weiß er, daß es nicht so ist. Er sieht hinter die starr grinsenden Masken, kann ihre fauligen Zähne sehen und weiß, daß es nur Zombies sind. Sie laden ihn ein, mit ihnen zu gehen und er willigt ein. Dieser Kampf hat schon zu lange warten müssen. Er hat seinen Geist lange trainiert und sich mental stärker gemacht als er es in seiner Jugend gewesen war. Jetzt kann es nur einen Sieger geben. Die Arena ist eröffnet. Seine Familie unterhält sich einstweilen mit der Schwiegertochter, während er anfängt, seine Gegner auszuloten.
Die verbalen Attacken fangen leise zu singen an. Versteckte Freundlichkeit und Nettigkeiten werden ausgetauscht. Zwischen den Zeilen werden Angriffe begonnen, abgeblockt, durchgeführt. Augen werden kalt wie Stahl und die Worte scharf wie Klingen. Ein ständiges Hin und Her bewegt die Szene, während die Phantome versuchen, seiner habhaft zu werden. Die Geschichte seiner Scheidungs- und Trauerzeit gibt ihnen ein kleines Hochgefühl. Das anschließende Glück macht sie schwach und unkonzentriert. Er ist auf dem Weg, die Phantome zu besiegen. Das innere Glück und die Ausgewogenheit scheinen wie ein helles Licht auf ihn. Bringen die Stimmen zum Schweigen und die Geister der Vergangenheit lösen sich auf in nebliges Nichts.
Sie gehen und ein Gefühl des „Nichtmehrberührtseins“ durchströmt ihn. Die Vögel zwitschern in den niedrigen Bäumen, als sie zum Auto gehen. Als sie einsteigen merkt der Mann, daß die Schweine nicht mehr quieken. Es ist vorbei.

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MichaelaMaria
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Beiträge: 125



BeitragVerfasst am: 03.08.2011 15:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo klausge,

ich hab mir deinen Text durchgelesen und ganz bewusst nicht auf Zeiten, Beistriche, Rechtschreibfehler usw geachtet, da das schon ausführlich erwähnt wurde.

So destilliert ist der Text sehr bedrückend und richtig dunkel obwohl ich ein sonniges Bild von dem kleinen Dorf vor Augen hatte ... vor allem der letzte Satz als die Schweine nicht mehr quiekten, da hatte ich richtig Gänsehaut.
Was ich damit sagen will ist, dass du meiner Meinung nach die Gefühle und die Situation gut transportiert hast.

Andererseits macht mich das ganze auch neugierig was denn jetzt genau vorgefallen ist zwischen dem Mann und den Angestellten dort ... vor allem den Schluss, das "Gefecht", das ja der Höhepunkt ist, hätte ich mir ein konkreter gewünscht. Das war so schnell vorüber, obwohl der Mann sich dafür jahrelang gewappnet hat ...

Und darf ich erwähnen am Rande erwähnen, dass ich es mutig finde, einen so persönlichen Text (man nimmt an, dass du der Mann bist?) hier "in den Ring" zu werfen smile

LG vom Wörthersee,
Michaela Maria wink


_________________
Experience is a hard teacher - it gives the test first, the lesson afterwards.
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klausge
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 40



BeitragVerfasst am: 04.08.2011 10:13    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Michaela Maria,

Erst mal, danke für's Durchlesen.
Nun, ja, ich geb's zu, ich bin der Mann, ich finde eine persönliche Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit ist etwas, das ab und zu mal notwendig ist. Es reinigt die Seele und wäscht den Schlamm weg, der sich angesammelt hat. So wie wenn man ein Staudammbecken abläßt.
Wie auch immer, es scheint, ich muß den verbalen Kampf noch ein wenig genauer machen. Danke für die Kritik.

Gruß
Klaus
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