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Mr. Curiosity
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Der goldene Käfig


BeitragVerfasst am: 02.07.2011 14:41    Titel: Wirtskörper eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Wirtskörper

An der kreuzung
nahe des sees oxidiert
ein schild: irgendein ort x kilometer. darunter:
wildwechselwarnung. hier sind dämmerungen
nicht ungefährlich.
wasser in den schlaglöchern schmatzt
es kaut an unseren schritten. leise lieder im blattwerk
nehmen dein weinen
in sich auf.
gelegentlich finden sich unsere lippen
wie regentropfen pausen
wir uns als wärme
in die bäume.
fährten für die wölfe. wir wissen das.
am see auf der wiese wolken lauschen warten.
das Gras kennt deinen namen noch aus
der wurmdurchsetzten nassen erde.
wir sehen uns nicht an zeichnen
lebenslinien nach
die risse an unseren händen.  
jeder braucht etwas tiefe sagst du
läufst in den see nimmst die tiefe
als eutrophe erinnerung
in dir mit mit all
der dunkelheit all
den streichelnden algen.

dann klebt eine strähne an deinem Gesicht wie
ein riss.


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"Wenn du Schriftsteller sein willst, dann sag, dass du der Beste bist ...
Aber nicht, solange es mich gibt, kapiert?! Es sei denn, du willst das draußen austragen."

(Ernest Hemingway in "Midnight in Paris")
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derSibirier
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Beiträge: 1309



BeitragVerfasst am: 02.07.2011 16:05    Titel: Antworten mit Zitat

bravo.
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crim
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BeitragVerfasst am: 02.07.2011 16:06    Titel: Re: Wirtskörper Antworten mit Zitat

Hi Mr. Curiosity, ich kenne mich mit Lyrik nicht so gut aus, aber dein Text hier hat in mir durchaus, etwas ausgelöst, was nicht so sehr an der Form hängt, sondern an der Sprache und den Bildern. Ich mache mal die Bilder, die mir direkt reingehen und gleichzeitig sehr schön sind - Rot. Blau färbe ich das, was mir kein Bild macht, oder mir irgendwie unstimmig erscheint.

Mr. Curiosity hat Folgendes geschrieben:
Wirtskörper

An der kreuzung
nahe des sees oxidiert
ein schild: irgendein ort x kilometer. darunter:
wildwechselwarnung. hier sind dämmerungen
nicht ungefährlich.
wasser in den schlaglöchern
schmatzt
es kaut an unseren schritten. leise lieder im blattwerk Das Wasser das schmatzt, ja hart an der Grenze, aber das kaut macht es für mich plötzlich schief. Den gesamten Einstieg finde ich übrigens wunderbar, nicht übertrieben lyrisch, da gelingt es sehr gut einen Ort darzustellen.
nehmen dein weinen
in sich auf. Lieder im Blattwerk, die ein Weinen in sich aufnehmen, klingt sprachlich gut, entwickelt bei mir aber kein bild und ergibt für mich auch keinen Sinn.
gelegentlich finden sich unsere lippen
wie regentropfen pausen
wir uns als wärme
in die bäume.
Ähnlich geht es mir hier. Das klingt schon toll, aber es scheint mir ein Satz, der nur als Satz besteht und schön sein soll als Satz, ohne Sinnhaftigkeit, die sich mir erschließt.
fährten für die wölfe. wir wissen das.
am see auf der wiese wolken lauschen warten.

das Gras kennt deinen namen noch aus
der wurmdurchsetzten nassen erde.
wir sehen uns nicht an zeichnen
lebenslinien nach
die risse an unseren händen.  
jeder braucht etwas tiefe sagst du
läufst in den see nimmst die tiefe

wie eine eutrophe erinnerung Eutrophe, schlag mich tot, nicht nur da ich das Wort nicht kenne, sticht es für mich heraus. Du benutzt durchgängig eine wunderbare Sprache, die wenig verschleiert, da wirkt eutrophe auf mich irgendwie fehl am Platz.
in dir mit mit all
der dunkelheit all
den streichelnden algen.


dann klebt eine strähne an deinem Gesicht wie
ein riss.
Ganz großartig, ein tolles rotes Ende.



Also, ich hoffe das Farbspiel verwirrt nicht und die Kritik verschleiert nicht, dass ich u.a. die Lebenslinien (die Risse an unseren Händen), die streichelnden Algen und die Strähne als Riss am Gesicht wirklich nicht genug loben kann, vor allem die Strähne. Die Strähne, die liebe ich.
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Nina
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Beiträge: 4328



BeitragVerfasst am: 02.07.2011 16:15    Titel: Re: Wirtskörper Antworten mit Zitat

Mr. Curiosity hat Folgendes geschrieben:
Wirtskörper

An der kreuzung
nahe des sees oxidiert
ein schild: irgendein ort x kilometer. darunter:

was bedeutet: X kilometer?


wildwechselwarnung. hier sind dämmerungen
nicht ungefährlich.
wasser in den schlaglöchern schmatzt
es kaut an unseren schritten. leise lieder im blattwerk

entweder schmatz oder kaut. beides wirkt schief.
vielleicht: wasser in den schlaglöchern schmatzt
an unseren schritten leise lieder
im blattwerk ...



nehmen dein weinen
in sich auf.

ich finde das "in sich" verzichtbar

gelegentlich finden sich unsere lippen
wie regentropfen pausen
wir uns als wärme
in die bäume.

das pausen ergibt für mich keinen sinn. ich vermute, dass
du hier nicht die "richtige" vokabel gefunden hast. kann das
sein? ich nehme an, du meinst etwas wie: reflektieren
(im sinne eines projektors), oder? vielleicht liege ich aber
auch falsch mit meiner vermutung.
bäume sind übrigens nicht kalt.
mir geht es hier wie crim - ich weiß nicht wirklich, worüber du an
dieser stelle redest, ich kann allenfalls vermutungen anstellen ...


fährten für die wölfe. wir wissen das.
am see auf der wiese wolken lauschen warten.

wie meinen?

das Gras kennt deinen namen noch aus
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wir sehen uns nicht an zeichnen
lebenslinien nach
die risse an unseren händen.  
jeder braucht etwas tiefe sagst du
läufst in den see nimmst die tiefe
als eutrophe erinnerung
in dir mit mit all
der dunkelheit all
den streichelnden algen.

dann klebt eine strähne an deinem Gesicht wie
ein riss.


an deinem gesicht eine strähne
wie ein riss

braucht es das "eutroph"?


lg
nina


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Mr. Curiosity
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Der goldene Käfig


BeitragVerfasst am: 02.07.2011 16:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Sibirier:
Wohl die kürzeste Kritik, die ich je bekommen habe  Laughing  Freut mich ja, dass es dir gefällt ^^

@crim / Nina:
Hatte schon befürchtet, dass manche Bilder Probleme verursachen könnten. Ich kann ja mal versuchen, mich zu erklären, auch wenn die Bilder dadurch nicht besser werden:

Zitat:

Das Wasser das schmatzt, ja hart an der Grenze, aber das kaut macht es für mich plötzlich schief.


Ja, ein etwas schräges Bild, weil das Schmatzen ja nur dadurch zustande kommt, dass Füße in die Pfützen eintauchen. Das Wasser selber tut ja nichts. Hielt es hier aber noch für eine legitime Formulierung, wenn auch grenzwertig, wie von dir angemerkt. Das Problem war auch, dass "schmatzen" intransitiv ist, weshalb ich das "kauen" der Deutlichkeit halber hinterher schieben musste. Naja, es braucht irgendwie dieses Bild. Es ist wichtiger Bestandteil. Muss ich noch drüber nachdenken.

Zitat:
Lieder im Blattwerk, die ein Weinen in sich aufnehmen, klingt sprachlich gut, entwickelt bei mir aber kein bild und ergibt für mich auch keinen Sinn.


Wollte hier deutlich machen, dass die Geräuschkulisse im Wald das Weinen gewissermaßen überdeckt.

Zitat:
wie regentropfen pausen
wir uns als wärme
in die bäume. Ähnlich geht es mir hier. Das klingt schon toll, aber es scheint mir ein Satz, der nur als Satz besteht und schön sein soll als Satz, ohne Sinnhaftigkeit, die sich mir erschließt.


Upps. Die Regentropfen beziehen sich auf die Küsse. Diese Lesart ist mir noch gar nicht aufgefallen.

Zitat:
Eutrophe, schlag mich tot, nicht nur da ich das Wort nicht kenne, sticht es für mich heraus. Du benutzt durchgängig eine wunderbare Sprache, die wenig verschleiert, da wirkt eutrophe auf mich irgendwie fehl am Platz.


Nee, ich bin stolz auf die "eutrophe Erinnerung"  Laughing  Die kommt nicht raus.

Danke für die Kommentare.

LG David


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Mr. Curiosity
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BeitragVerfasst am: 03.07.2011 12:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wirtskörper (II)

fichtenkaltfront am morgen. nordwind:
tauschwärme sagst du. wir hüllen
einander ein.
grün flimmert mit seinen schattierungen
angst und lauern reiben sich in dir, dann
sind deine hände entflammt.
berühren die meinen im schlaf-
sack


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versgerber
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BeitragVerfasst am: 03.07.2011 12:46    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr gut.
am see auf der wiese wolken lauschen warten.
ist die im ersten die einzige Zeile an der ich irgendwas ändern würde.

schlaf-
sack

ist ne Spielerei.

Daumen hoch für den Rest.


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TET
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BeitragVerfasst am: 03.07.2011 13:00    Titel: Re: Wirtskörper Antworten mit Zitat

Mr. Curiosity hat Folgendes geschrieben:
Wirtskörper

An der kreuzung
nahe des sees oxidiert



finde es sehr gut. bis auf das oxidiert das klingt für mich zu wenig lyrisch mehr technisch wissenschaftlich. hier würde meines Erachtens folgendes besser passen:

verwittert, rostet, von zahn der zeit zerfressen, stirbt rotbraun,

irgendwas das besser zu deinen, doch sehr gut gewählten Ausführungen im Rest passen würde.

Trotzdem Daumen hoch!


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Ich muß in meinem Leben schon blödsinnigeres getan haben, weiß aber leider nicht, wann.
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Mr. Curiosity
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BeitragVerfasst am: 03.07.2011 13:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@versgerber:
Zitat:

schlaf-
sack

ist ne Spielerei.


Ändert der morpholgische Zeilensprung nicht die Bedeutung des Wortes insofern, dass der Schlaf zu einem Sack wird? Wollte so eine leichte Todessemantik reinbringen, ein Rübergleiten in diese traumatische Seelenlandschaft. Der ganze zweite Teil sollte Zerrissenheit darstellen. Ich warte mal ab, wie der "Schlaf/sack" bei anderen noch wirkt ^^

@TET:

Ich finde ja "oxidieren" betont noch mehr dieses Angefallen-werden durch die Natur, weil man bei dem Wort sofort an die Reaktion zwischen Metall und Luft denkt. "Rosten" hingegen trägt diesen Gegensatz für mein Empfinden nicht so stark und ist auch abgenutzter. Könnte aber auch nur mein persönliches Gefühl sein, das weiß ich natürlich nicht.

Danke euch beiden für die Kommentare smile

LG David


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TET
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BeitragVerfasst am: 03.07.2011 13:15    Titel: Antworten mit Zitat

@TET:

Ich finde ja "oxidieren" betont noch mehr dieses Angefallen-werden durch die Natur, weil man bei dem Wort sofort an die Reaktion zwischen Metall und Luft denkt. "Rosten" hingegen trägt diesen Gegensatz für mein Empfinden nicht so stark und ist auch abgenutzter. Könnte aber auch nur mein persönliches Gefühl sein, das weiß ich natürlich nicht.

Danke euch beiden für die Kommentare smile

LG David[/quote]

ja kann ein persönliches Gefühl sein. Mich erinnert das Wort "oxidieren" eben an einen chemischen Vorgang und eher an den Chemieunterricht in der Schule. wenn ich spazieren gehe würde ich zB nie sagen "Schau mal wie oxidiert das Schild ist".


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Fao
wie Vendetta

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BeitragVerfasst am: 03.07.2011 13:25    Titel: Antworten mit Zitat

Mir gefällt das wahnsinnig gut.
Ich höre, fühle, sehe. Lyrik ist das.
Diese Zweideutigkeiten, ganz toll.

Nur - und vielleicht bin ich in dem Punkt immer etwas zu anspruchsvoll oder hab zu hohe Erwartungen - die "Vertonung" gefällt mir nicht so. Ist halt nur Vorgelese, was a bissl fad klingt, so lustlos. Natürlich, das ist ja keine Lyrik, die man freudestrahlend mit wahnsinnig theatralischer Betonung lesen sollte, aber so mags mir auch nicht gefallen. Nur am Ende, das mit den vielen all´s gefällt mir.

Gruß
Fao


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Begrüßt gerechte Kritik. Ihr erkennt sie leicht. Sie bestätigt euch in einem Zweifel, der an euch nagt. Von Kritik, die euer Gewissen nicht anerkennt, lasst euch nicht rühren.
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Aranka
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BeitragVerfasst am: 03.07.2011 14:24    Titel: Antworten mit Zitat

Schließe mich all den erhobenen Daumen an. Gekonnte erfrischende Bilder.
Wenn du noch was Genaueres hören willst: Im ersten Text stolpere ich eigentlich nur über die Zeile :“ am see auf der wiese wolken lauschen warten“. Ließe vielleicht das „warten“ einfach weg.

Oxidieren und rosten sind für mich vom Gefühl her zwei grundverschiedene Dinge, aber das hat ganz persönliche Erfahrungshintergründe.
Allein die Farben, in denen sich der Vorgang vollzieht: das eine ein kühles Blaugrün, das andere ein warmes in der Sonne fast Orange.
Beides ist ein Prozess des sich Veränderns, so denke ich bei oxidieren eher an Zerstörung, habe auch ein kühleres, distanzierteres Verhältnis dazu, bei Rosten sehe ich Eisen, das in seinem Prozess etwas Lebendiges hat.  
Was nun in dein Gedicht besser passt, weiß ich gar nicht. Ich lese die ersten Zeilen eher noch mit einem distanzierten LI. Und dieses X-beliebige Schild könnte sogar für „oxidiert“ sprechen.

Die Nähe entsteht für mich erst mit den Zeilen:
“ wasser in den schlaglöchern schmatzt
es kaut an unseren schritten.“

Ich finde die Wendung: „kaut an unseren Schritten“ gut/erfrischend neu. Für mich öffnet sie mehrere Vorstellungen, ebenso finde ich diese Stelle gut und einfach unverbraucht:
„wie regentropfen pausen
wir uns als wärme
in die bäume.“

Weiß zwar nicht, ob ich sie richtig lese, denke jedoch an eine „Blaupause“, also etwas abpausen.

Zum zweiten Teil:

Die Trennung von Schlaf und Sack hat bei mir tötende Wirkung.
Das Wort „Sack“ hat wenig Spannkraft und für mich, da klingt nichts mit, schon gar nichts Lyrisches oder Traumatisches.
(Sack ist so real belegt: alter Sack, Kartoffelsack)

Ich würde es einfach als Schlafsack beieinander lassen und nicht mit Bedeutung überfrachten wollen. Steht er dann nicht einfach für Jugend, für ein Stück Freiheit, für Erstes.

Eine wunderschön kleine Szene in einem begrenzten und doch so unüberschaubar weitem Raum.  Sehr schön! Gruß Aranka!
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Mr. Curiosity
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BeitragVerfasst am: 03.07.2011 15:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke dir Fao und auch dir, Aranka, für eure Meinungen.

Werde wohl diesen Vers ändern:

Zitat:
am see auf der wiese wolken lauschen warten


Schade, hatte für mich sowas weiches.
Und den "Schlafsack" nehme ich raus.

Zitat:
und einfach unverbraucht:
„wie regentropfen pausen
wir uns als wärme
in die bäume.“

Weiß zwar nicht, ob ich sie richtig lese, denke jedoch an eine „Blaupause“, also etwas abpausen.


Genau das meine ich auch. Anders macht das ja gar keinen Sinn. Frage mich, ob die anderen das einfach falsch aufgefasst hatten, als Pseudo-Form von "pausieren" (?)  Kann sich ja nochmal jemand äußern.

Was die Vertonung angeht: Das ist einfach meine Stimme, Fao lol2  Ich wüsste nicht, wie ich es anders sprechen sollte. Mit Musik würde auch nicht passen (und ich wüsste auch nicht, wie das geht). Sonst lad mal eine Version von dir hoch Razz

LG David


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versgerber
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BeitragVerfasst am: 03.07.2011 18:19    Titel: Antworten mit Zitat

das sind die richtigen veränderungen, das pausen ist mMn unmissverständlich und gut.
Muss nochmal anmerken, dass die Strähne im Gesicht wie ein Riss mit die schönste Beobachtung ist, die ich in letzter Zeit gelesen habe und auch von der Formulierung her nicht umgestellt gehört.


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Mr. Curiosity
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BeitragVerfasst am: 03.07.2011 18:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zitat:
Muss nochmal anmerken, dass die Strähne im Gesicht wie ein Riss mit die schönste Beobachtung ist, die ich in letzter Zeit gelesen habe


Du ahnst gar nicht, wie ich mich über dieses Lob freue.
Auch weil das Bild einer persönlichen Erinnerung entspringt, mich für dieses Gedicht inspirierte und daher ganz zentral ist.
Was mich interessieren würde: Haben die "Algen" im Vers davor semantisch auf das Haar abgefärbt? Das war ein Effekt, den ich erreichen wollte an der Stelle, das Haar nicht als Schönheitsmerkmal darzustellen, sondern ihm einen befremdlichen Beigeschmack zu geben, auch ohne den "Riss".


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BeitragVerfasst am: 03.07.2011 23:19    Titel: Antworten mit Zitat

Mr. Curiosity hat Folgendes geschrieben:


wie regentropfen pausen
wir uns als wärme
in die bäume.


Upps. Die Regentropfen beziehen sich auf die Küsse. Diese Lesart ist mir noch gar nicht aufgefallen.



Mr. Curiosity hat Folgendes geschrieben:


Weiß zwar nicht, ob ich sie richtig lese, denke jedoch an eine „Blaupause“, also etwas abpausen.

Genau das meine ich auch. Anders macht das ja gar keinen Sinn. Frage mich, ob die anderen das einfach falsch aufgefasst hatten, als Pseudo-Form von "pausieren" (?)  Kann sich ja nochmal jemand äußern.


Hi nochmal,
Äußerung: habe das pausen durchaus so verstanden, wie du es meintest.

Habe das Gefühl die Lesart, dass die Regentropfen zum pausen gehören herrscht hier vor. Jedenfalls trägt die Lesart bei mir dazu bei, dass kein Bild entsteht. Aber ich nehme das jetzt mal raus und lese es ohne die Tropfen.

(wie regentropfen) pausen
wir uns als wärme
in die bäume


Wir pausen uns in die Bäume. Das allein macht jetzt ein Bild. Als Wärme. Wir pausen uns als Wärme in die Bäume. Da hängts glaube ich bei mir. An der Wärme. Ich bin unfähig etwas zu sehen, dass sich als Wärme paust.

Schön wenn andere das sehen können.  Wink
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Mr. Curiosity
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BeitragVerfasst am: 03.07.2011 23:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Naja, wie soll ich es erklären? ^^ Sie hinterlassen einfach Wärmeabdrücke auf dem Holz, aber das Wörtche "Durchpausen" setzt das L.I. und die andere Person mit der Körperwärme gleich, reduziert sie also auf ihre biologischen Funktionen, die sich hier in die Natur um sie herum eingliedern, bzw. von ihr getilgt werden.
Also so meinte ich das  Laughing


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BeitragVerfasst am: 03.07.2011 23:40    Titel: Antworten mit Zitat

Mr. Curiosity hat Folgendes geschrieben:
Naja, wie soll ich es erklären? ^^ Sie hinterlassen einfach Wärmeabdrücke auf dem Holz, aber das Durchpausen setzt das L.I. und die andere Person mit der Körperwärme gleich, reduziert sie also auf ihre biologischen Funktionen, die sich hier in die Natur um sie herum eingliedern, bzw. von ihr getilgt werden.
Also so meinte ich das  Laughing


Is klar, ne... Shocked

Ich verstehe schon in etwa, was du meinst. Ich fordere auch nicht: Schmeiß den Satz in die Tonne! Für andere funktioniert er ja sehr gut. Für mich, als alten Miesepeter, der mit Lyrik nicht viel am Hut hat, wirkt der Satz halt ein wenig wie lyrisches Blendwerk, das (den Fehler mach ich nicht in zwei Posts hintereinander) du nicht nötig hast, weil du mit deinem sprachlichen Können ohne sowas super auskommst.  Twisted Evil

Werde so oder so gerne wieder reinlesen.
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BeitragVerfasst am: 04.07.2011 07:49    Titel: Antworten mit Zitat

guten morgen

finde insgesamt, das einige stellen doch reichlich  kitsch mit sich bringen. das geht fast schon ins klischee. finde ich ein bisschen schade, weil auch viele tolle stellen dabei sind, allen voran das letzte bild. aber sowas...

Zitat:
leise lieder im blattwerk
nehmen dein weinen
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gelegentlich finden sich unsere lippen
wie regentropfen


... geht meiner meinung nach nicht.
du überkitschst hier eine relative "normale" situation, dass es an manchen stellen fast schon ins paradoxe, ironische anzudriften scheint. ich glaube, eine einfache, weniger überdrehte sprache wäre der situation wohl angemessener, als so eine hochstilisierung alla "leise lieder im blattwerk". so wirkt das ganze etwas unwirklich, in seinem versuch, emotionen zu wecken, konstruiert und berührt letztlich höchstens auf der oberfläche. sorry für meine harten worte, aber du hast hier auch schon eine menge lob bekommen. da dachte ich...

wink

finde die idee mit dem schluss an sich gut. der kurze, prägnante abschluss ist auch gut gesetzt, meiner meinung nach. nur überspitzt und überhöhst du das ganze anfangs so sehr, dass ich das ende nur noch schwer ernst nehmen kann. nur meine meinung.

trotzdem einen schönen gruß am frühen morgen
roman


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BeitragVerfasst am: 04.07.2011 10:05    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zitat:
sorry für meine harten worte, aber du hast hier auch schon eine menge lob bekommen. da dachte ich...


Kein Problem. Ich fing schon an mich zu wundern ^^
Kann ja jeder anders sehen. Für mich waren die "leisen Lieder" im grünen Bereich. Allerdings habe ich oft eine Affinität zum Kitsch, wenn ich lange nicht mehr geschrieben habe ^^ Vielleicht fällt es mir bald schon wie Schuppen von den Augen.
Hier wollte ich auch vordergründig eine etwas harmlose Atmosphäre aufbauen, nur eben mit hintergründigen Spannungen.
Naja, über die von dir erwähnte Stelle werde ich jedenfalls nochmal nachdenken. Das ist nur ein Bild und kann ggf. auch geändert / angepasst werden wink Es ging doch jetzt um diese Stelle oder war die nur ein Beispiel?

Danke für den Kommentar.

LG David


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BeitragVerfasst am: 04.07.2011 22:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wirtskörper (III)

da ist ein hund ist auf
dem neumarkt* schaut auf
den laternenmond die motten-
sterne in einem normalen licht in
einer normalen stadt in
einem noch unmarkierten august.

und dem der ihn krault in der wärme
wedelt er mit dem schwanz
einen Fächer in den staub.

streunzeit. Die gassen sind voller
zeitungspapier das sein lauschen belagert.
Und hinter dem flüstern vielleicht:
eine rollende flasche und klappernde
rollladen vor der verlassenen wohnung.

dem der ihn steichelt im dunkeln
beißt er eine brailleschrift in die hand.

_____

* Neumarkt: Platz in Köln


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BeitragVerfasst am: 17.08.2011 07:38    Titel: aus der Vergessenheit Antworten mit Zitat

Abhängig von und in der Natur, gut beobachtet. Sie selbst „erträgt“ , „gebiert“ auch unseren Kitsch. Was den „Selbstbesessenen“ ein Dorn im Auge ist. Vielmehr, sie vielleicht selbst nur den eigenen Emotionen folgen. Einem guten Werk folgen viele Neider, auch wenn sie des Beifalles voll sind. Dein Schreiben ermöglicht mir einen „eigenen“ Text in das Gelesene hinein zu legen. Also noch mehr des Lobes.

p.s.
das mit: „aus der Vergessenheit“ habe ich nicht verstanden.

gh
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