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Alleingelassene Schafsherde (Prosa)

 
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Hoody
Geschlecht:männlichExposéadler


Beiträge: 2596
Wohnort: Alpen


BeitragVerfasst am: 22.05.2011 21:00    Titel: Alleingelassene Schafsherde (Prosa) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Alleingelassene Schafsherde

Die Ketten eines Ortschildes quietschten in der flimmernden Hitze der Route 66. Ein feiner  Staubmantel bedeckte die Öl schwitzende Zapfsäule,  und auf der Anzeige  klebte der Wüstendreck. Skorpione krabbelten über die Sanddünen.
Die Türklingel zerriss die Stille, als Billy Jones mit einem Eimer, in dem ein Lappen lag, aus der Tankstelle trat. Den Strohhut tief ins Gesicht gezogen, Sonnencreme auf den Armen und Beinen verschmiert, schleppte er seinen Körper zu den Fensterscheiben. Seit drei Jahrzehnten arbeitete er in dieser Tankstelle, zusammen mit seinem dreiundzwanzig jährigen Sohn Jack Jones. Nicht viele Menschen trieb  es an so einem Ort. Nur Leute, die den Duft der Freiheit erleben wollten oder von der Großstadt genug hatten. Doch seit zehn Jahren besuchte keine Menschenseele mehr den Ort. Billy trat damals als Straßenmusiker auf. Mit seiner Gitarre, der Mundharmonika, spielte er auf dem Gehsteig verschiedene Titel. Er liebte den Ton. Er liebte, wie der Ton in sein Blut drang, die Sorgen des Alltags aus der Konzerthalle schickte …  Er liebt es, wenn der Ton ihm flüsternd ins Ohr raunte: „Du bist ein ganz Großer. Ein ganz Großer.“
Doch er musste seine Wohnung aufgeben, denn die Anzugträger, HipHop liebenden Jugendlichen oder Hornbrillentypen hatten an seiner Musik kein Gefallen gefunden. Er landete mit seiner Familie auf der Straße, doch er gab nicht auf. Er wollte mit der Musik sein Leben finanzieren. Reichtum verlangte er nicht. Nur den Respekt zu seiner Musik. Seine Frau starb bald. Mit seinem Sohn Jack wanderte er durch die Route 66. Die Stadt hatte seine Frau umgebracht! Sie wünschte sie nichts Sehnlicheres als die Freiheit. Auf der Route 66 konnte man es. Frei von den Schulden und der Lästerei.
„Ihr Mann ist ein stinkender Gitarrenspieler.“
„Ja, ich weiß“, sagte daraufhin immer ein Mann namens Andy.
„Der hat auch so große Schweißflecken unter den Achseln. So groß wie die Titten einer schwangereren  Frau mit dreißig Kilo zu viel auf den Rippen“, meinte der Wirt.
Natürlich wusste er von den Sprüchen, doch darauf gab er nichts. Die Menschen in der Wirtschaft waren die Asozialen. Sie hatten keinen Traum. Keinen Wunsch.
Schließlich landete Billy in einer Tankstelle. Dort musizierte er weiter. Seine Instrumente musste er  verkaufen, damit er um die Runden kam. Doch die Blechdosen, Reifenkappen und Schrottteile verschiedener Wagen, reichten aus. Den Schraubenschlüssel in der Hand, das improvisierte Schlagzeug um ihn herum. Den Besitzer der Zapfsäule störte es nicht. Zum vierzigsten Geburtstag schenkte er sogar Billy eine Gitarre. Jedes Mal wenn die Sonne unterging, pfiff der Wind durch die Schlitze der Tankstelle und Wohnhütte der Arbeiter. Er pfiff im Rhythmus der Klänge mit. Billy stand auf dem Dach, sein Sohn saß ihm Schneidersitz neben ihn, spielte auf dem Blechdosen Schlagzeug. Sie sangen, brüllten, tanzten. Sie lebten die Musik. Es gab Zeiten, da klatschten mehrere Biker Beifall. Irgendwann gab es sogar Stammgäste, die jedes Wochenende zur Tankstelle fuhren und mit einem Bier in der Hand lachten.
„Hör auf zu träumen“, rief Jack, der aus der Tankstelle ging.
„Ist ja gut.“ Billy steckte den Schwamm in den Wassereimer. Es war warm.
„Aber ich vermisse die alten Zeiten. Als wir noch zusammen auf dem Blechdach saßen.“
„Ja, ich weiß.“ Andy schritt auch  aus dem Laden. Er musste die Tür nicht mit seinen Händen öffnen. Sein Bauch passte in keine Jeans mehr. Er trug nur Jogginghosen und Hemden in Übergrößen. Vor fünf Jahren kam er halb verdurstet an der Tankstelle an. Er hatte seine Arbeit verloren. Betrunken wanderte er aus der Stadt, wollte ein neues Leben anfangen und landete beim Musikantenduo. Jack wollte ihn erst verrecken lassen, doch Billy brachte es nicht übers Herz. Auch wenn Andy oft den Lästereien der Anderen zustimmte, war er ein guter Kerl. Sie musizierten sogar. Andy war ein guter Mundharmonikerspieler. Er selber nannte sich Hundmarnokierspieler, denn früher, als er heimlich in der Stadt seinen Traum von der Musik auslebte, heulten die Hunde.
„Dad“, flüsterte sein Sohn. Er spürte den sanften Händedruck an seiner Schulter. „Solche Zeiten kommen nicht mehr. Wir müssen die Tankstelle aufgeben.“
„Nein!“
Andy blieb mit weit aufgerissenen Augen stehen.
„Wir können sie nicht verlassen. Ich habe es versprochen. Du weißt es doch oder? Ich habe versprochen, die Tankstelle nicht aufzugeben.“
„Aber Dad. Wir können nichts mehr machen. Natürlich, es waren tolle Zeiten, Denkst du ich vermisse sie nicht?“
Natürlich vermisst er sie. Billy wusste es. Früher weinte Jack oft, als er Besitzer der Zapfsäulen starb. Nur mit einem Gitarrensolo konnte er ihn etwas aufmuntern.  
„Andy, du weißt auch wie es um uns steht. Wir haben Schulden. Keine Kunden. Selbst das Öl geht uns aus. Dad, wir haben nicht einmal ein Auto um hier wegzufahren! Andy, es ist doch so oder?“
„Ja, ich weiß.“
„Alter Bartmurmler“, grummelte Jack.
„Es ist mir egal! Ich lebe die Freiheit! Ich werde auch die Musik leben!“

Doch paar Wochen später erkrankte Billy schwer. Er spuckte Blutkumpeln in die Toilette. Unter Schwindelgefühle fiel er öfter auf den Boden und manchmal konnte er nicht sehen, schrie laut, lief durch den Laden.
„Jack! Mein Sohn! Ich bin blind.“
Er  rammte dabei die Regale. Jack kam jedes Mal in den Laden gestürzt und hielt seinen Vater fest. Seinen Vater so zu sehen bedrückte ihn natürlich, dass wusste Billy. Oft weinte er. Klammerte sich in Jacks Schulter ein.
„Jack. Bitte. Ich will nicht sterben. Ich möchte noch einmal in einer richtigen Band spielen. Jack! Verstehst du mich? In einer richtigen Band. Mit Gesang. Gitarre. Schlagzeug. Publikum. Erfüllst du mir den Wunsch. Jack?“
Mit einem Stock kritzelte er in den Sand die Namen bekannter Bands.
Andy setzte sich neben ihn.
„Billy. Lasch den Kopf nischt hänga.“ Niemand wusste in welchen Dialekt er redete. Doch Billy mochte diesen sehr. Er charakterisierte Andys Art. „Ich woaß, wia scher du die Musi liebscht. Aber essch ist vorbei. Du hasscht oanen Traum gjoagt und dabei dein Leba ins Background gschoben.“
„Ja, ich weiß.“ Mittlerweile war der Satz eine Floskel.
Billy weinte. Andy drückte ihn noch einmal fest an sich und ging wieder in den Laden. Er konnte doch sowieso nichts tun, dachte Billy. Die Sonne ging unter. Die flimmernde Hitze wechselte sich mit der kühlen Nacht aus. Ein angenehmes Klima. Billy saß mit seiner Gitarre auf dem Dach der Hütte. Irgendwas In seinem Bauch sagte ihm, dass er den morgigen Tag nicht überleben würde. Das Ende kam gekrochen wie eine Schlange, die kurz davor war, mit einer blitzschnellen Bewegung die Giftzähne in das Opfer zu stoßen, um es daraufhin zu verschlingen. Die Neonröhren der Tankstelle flimmerten. Jack kochte drinnen in der Hütte einen Tee und Andy spielte auf seiner Hundharmonika, irgendwo zwischen den Hügeln. Irgendwann kam der Sohn und der Mitarbeiter zusammen, standen vor der Hütte und kletterten auf das Dach.
„Dad, wollen wir ein Lied spielen?“
„Das Lied vom Tod?“, lachte Billy laut auf. Er hustete und Blutklumpen färbten seine Schuhe rot. Sein Sohn umarmte ihn und auch Andy drückte beide an sich.
„Ich bin morgen tot.“
„Ja, ich weiß,“ keuchte Andy. Sie wussten es Alle.
Auf einmal hörten sie Schafe.. Ein Meer aus weißem Pelz bewegte sich auf die Tankstelle zu. Sie nahmen vor der Hütte Platz und mit schwarzen Kulleraugen starrten sie auf das Dach.
„Mäh! Mäh!“
„Eine Schafherde?“ Jack rieb sich die Augen. Billy blickte über das Feld, doch er konnte keinen Hirten erkennen. Schafe auf der Route 66 waren sowieso ein Phänomen.
„Mäh! Mäh!“
„Was wollen die?“, fragte sein Sohn.
„Vielleicht ist das mein Publikum?“
Jack positionierte die Blechdosen, holte die Schraubenschlüssen und spielte sich warm.
„Mäh! Mäh!“ Die Tiere wedelten aufgebracht mit den Köpfen. So, als würden sie sich nicht mehr länger auf die Musik gedulden wollen.
„Ja, ich weiß,“ sagte Andy und starrte vorwurfsvoll Jack an. „Beeil disch, die worten.“
Dann erklang der Ton von Rock an Roll. Die Schafe nickten mit den Köpfen. Määäähten im Rhythmus mit. Billy vernahm auch das leise Klackern der Skorpione, oder bildete er es sich nur ein? Auch die zischelnden Schlangen.
Als die Uhr in der Tankstelle zwölf Uhr schlug, schloss Billy die Augen. Er lächelte.
„Alleingelassene Schafsherde“, flüsterte er noch einmal. Er gab Jack einen Kuss auf die Wange und sprang mit ausgestreckten Armen in das Publikum.



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"Wenn die anderen glauben, man ist am Ende, so muss man erst richtig anfangen."
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Aliah
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Beiträge: 60
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BeitragVerfasst am: 23.05.2011 09:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Ich verschlang gerade deine Geschichte, und ein mulmiges Gefühl blieb am Ende zurück. Diese Geschichte regt zum Nachdenken an. Es ist eine traurige Geschichte, mit einem Ende, das auf der einen Seite gut, auf der anderen schrecklich ist.
Die Idee mit dem Tierpublikum fand ich ganz gut und auch die Gefühle, die mit der Musik verbunden sind, kann man deutlich erkennen und auch spüren.
Respekt, dass du so etwas innerhalb von 2 Stunden auf die Beine gebracht hast.
Es ist eine sehr gute Geschichte, die sehr viel aussagt und das Thema wirklich haargenau trifft. Das ist meine Meinung.
Meine Federn hast du auf jeden Fall.
Ich finde sie gut.
Es war ein richtiges Lesegefühlfeuerwerk.

LG
Aliah


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Isa
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BeitragVerfasst am: 23.05.2011 11:20    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber FFF-Teilnehmer,

die Kriterien wurden erfüllt, hier in diesem Text zieht sich die Musik als roter Faden durch die Geschichte.
Beeindruckend, was du alles in der Zeit geschafft hast. Ich kann, wenn auch manchmal mühsam, den stimmungsvollen Bildern folgen.
Und ich stelle es mir schön vor, auch wenn die Geschichte mehr als duster ist, als allerletztes Publikum die Schafe zu haben, gleichbedeutend für weiße Wolken am Himmel vielleicht,...

LG, Isa
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Traumtänzerin
Fähnchen Fieselschreib

Alter: 28
Beiträge: 1199



BeitragVerfasst am: 23.05.2011 12:35    Titel: Antworten mit Zitat

Zuallererst: Eine beeindruckende Textmenge. Wahnsinn. Wie viele Wörter tippst du pro Sekunde?? Blink

Idee: Ein wenig ... verworren, aber an sich berührend. Die Geschichte eines alternden Ex-Straßenmusikers, den es über Irrungen, Wirrungen in eine Tankstelle verschlägt an der Route 66. An sich eine schöne Rahmenhandlung, mir persönlich ist sie teilweise aber etwas zu melodramatisch geraten (blind etc.). Auch der Aspekt der Musik kommt meiner Ansicht nach nur eher plakativ rüber, die Lobpreisungen aus Jacks Mund wirken auf mich wie Worthülsen.

Stil: Insgesamt angenehm zu lesen, nur teilweise etwas verwirrend (er geht am Anfang zum Fenster und dann?? Vielleicht hab ich's auch einfach nur überlesen).

Von mir bekommst du 7 Federn.

LG,
Traumtänzerin


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Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.
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Hoody
Geschlecht:männlichExposéadler


Beiträge: 2596
Wohnort: Alpen


BeitragVerfasst am: 23.05.2011 15:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Jarda

Ein netter Text, den du da geschrieben hast. Auf Rechtschreib- und Grammatikfehler werde ich nicht eingehen, ansonsten hättest du -10 Federn. Die Idee finde ich kreativ, auch ist dir die Umsetzung teilweise gut gelungen. Der Text ist lang geworden und da ich selber der Autor bin, weiß ich, dass ich dafür eineinhalb Stunden gebraucht habe. Also hättest du den Feinschliff noch schaffen können, aber nein, du warst zu faul. Gegen Ende hätten mehr Gefühle reingehört. Überhaupt fehlt es an Ordnung. Der Text wirkt ein bisschen chaotisch in der Gliederung. Aber wie gesagt, die Idee an sich ist schön und der Stil passt, auch wenn man einige stilische Sachen überarbeiten könnte. Ich würde mir selber fünf Federn geben. Ein solider Text, der aber an der Umsetzung noch kränkelt.

lg Hubi


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Gast







BeitragVerfasst am: 23.05.2011 18:09    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber FFF-Teilnehmer,

so viel zu bewerten, so wenig Zeit ... Deshalb mach’ ich’s knapp. Ich bewerte nach folgenden Kriterien:

Sprache: Ich find's stellenweise sprachlich recht gut, stellenweise sehr holprig, und stellenweise sehr ... fantasievoll. wink

Idee und Umsetzung: Hätte mich ja gewundert, wenn ich bei diesem Wettbewerb nicht vor dem altbekannten Problem stehe: Ich kapier's nicht. Ich weiß nie, wer was sagt, lese zwar,aber verstehe nicht, was hier vor sich geht, die ganzen Zeitsprünge verwirren mich zusätzlich, Route 66 und Dialekt, irgendwie ist mir das zu wirr. Kommt mir so vor, als hättest du hier alles untergebracht, was dir in zwei Stunden durch den Kopf geschossen ist. Nachvollziehen kann ich das aber nun nicht so ganz, deshalb: Die Grundidee mit dem Musiker, der nicht für seine Musik leben kann, obwohl er das will - das habe ich wenigstens vermeintlich herausgefiltert - finde ich ganz gut, aber der Ballon außenrum macht mich fertig. wink

Berücksichtigung der Vorgabe, Atmosphäre: Ja, die Vorgabe ist drin. Von einer Atmosphäre habe ich aus lauter Verwirrung gar nix mehr wahrgenommen. Nicht so gut ... Confused

LG,

Sonja
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Hardy-Kern
Kopfloser

Alter: 72
Beiträge: 4939
Wohnort: Deutschland


BeitragVerfasst am: 23.05.2011 19:33    Titel: Antworten mit Zitat

Gute Methafern, gut rausgearbeitet mit dem letzten Publikum eines versauten Lebens. Gefällt mir, wenn auch für das Thema etwas lang und umständlich.

Hardy
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Amaryllis
Geschlecht:weiblichForenschmetterling

Alter: 36
Beiträge: 1999

Das goldene Stundenglas Das Silberne Pfand


BeitragVerfasst am: 23.05.2011 19:45    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe/r Inko,

Puh, harter Tobak, find ich. Also prinzipiell ist der Text schon schön geschrieben und man kann sich den Handlungsort  auch gut vorstellen. Aber er ist so traurig. Zuerst hatte ich gedacht, du schreibst vielleicht an der Erfolgsgeschichte von Stomp und dann hat es mich umso mehr erschreckt, dass dann alles den Bach runter gegangen ist. Und den Witz mit dem „Lied vom Tod“ fand ich zu makaber. Schwierig habe ich auch Jacks Art zu reden gefunden, weil die Personen ja prinzipiell auf Englisch miteinander reden und es dann komisch ist, so einen „deutschen“ Kunstdialekt zu lesen. Ist jetzt aber sicher auch Geschmackssache.

Und hier noch eine Kleinigkeit, über die ich beim Lesen gestolpert bin:
Zitat:
Sie wünschte sie nichts Sehnlicheres als die Freiheit. Auf der Route 66 konnte man es.

Irgendwas stimmt hier nicht. Da fehlt irgendwie ein Verb. Und selbst dann stimmt das Pronomen nicht. Weil die Freiheit oder frei sein.

Alles in allem hast du es aber handwerklich wirklich gut gemacht und auch die Vorgaben sehr schön umgesetzt (vor allem im ersten und im letzten Teil), dementsprechend werde ich den Text auch bewerten, auch wenn er mir persönlich jetzt nicht so gut gefallen hat.

Liebe Grüße,
Ama


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Luvinia
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Beiträge: 76



BeitragVerfasst am: 23.05.2011 21:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Ich mag die Geschichte, ich finde die Idee am Schluss mit den Schafen sehr gut... smile

9 Federn!

Lg luvi
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The Brain
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Wohnort: Over the rainbow


BeitragVerfasst am: 24.05.2011 20:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

leider ist dieser guten Idee einiges durch Stolpersteine im Text abhanden gekommen. Zwei Stunden sind eben nur zwei Stunden. Mit einer Überarbeitung könnte das noch gut werden!



Thema erfüllt      5 Federn
Schreibstil          4 Federn
Idee                  7 Federn
gefällt                5 Federn


macht 5 Federn


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Jocelyn
Bernsteinzimmer

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BeitragVerfasst am: 25.05.2011 14:34    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist eine sehr merkwürdige Geschichte geworden. Verworren, vollgepfropft, nicht gut zu lesen.
Wenig Federn.


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EdgarAllanPoe
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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 26.05.2011 16:15    Titel: Antworten mit Zitat

Daraus hätte man eine gelungene Popkultur-Story machen können, hätte man den Schauplatz an einen weniger klischeebeladenen Ort verlegt und hätte man den Protagonisten nicht diese abgedroschenen Namen verpasst. Darüber hinaus ist diese Erzählung dermaßen kitschig, dass ich fürchte, bald an Diabetes zu erkranken. Das ist doch wohl keine Absicht? Und als die Stelle mit diesem schwäbischem Dialekt kam, hätte ich am liebsten geschrien. Das ist ja schlimmer als Daumenschrauben! Und es passt gar nicht nach Amerika. Inwiefern gibt es da ein ähnliches Englisch?
Lediglich die Vorgaben sind akzeptabel.
Zwei Federn.


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(...) Das Gedicht will zu einem Andern, es braucht dieses Andere, es braucht ein Gegenüber. Paul Celan

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Uns gefällt Ihr Sound nicht. Gitarrengruppen sind von gestern. (Aus der Begründung der Plattenfirma Decca, die 1962 die Beatles ablehnte.)
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MadameMimm
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BeitragVerfasst am: 27.05.2011 17:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Dein Text hat mich von der ersten Sekunde an gefangen genommen. Du erzählst eine traurige Geschichte mit sehr viel Einfühlungsvermögen. Sie ist ehrlich, und das spürt man.
Ich habe jeden Moment genossen. DAS ist Liebe zur Musik! Danke.


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Leene
Klammeraffe


Beiträge: 722



BeitragVerfasst am: 27.05.2011 20:13    Titel: Antworten mit Zitat

Was für ein Titel! Und dann noch Route 66, flimmernde Hitze und Öl schwitzende Zapfsäule. Toller Einstieg. Du hast mich voll und ganz. Und das Ende ist auch originell. Mäh. Mäh.  Laughing  Sprung ins Publikum. Du schaffst es, Sympathien zu erzeugen, den Leser mitzuziehen.
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Akiragirl
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Beiträge: 5657
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BeitragVerfasst am: 28.05.2011 12:01    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe/r FFF Autor/in,

Bevor ich mit meiner Kritik beginne, möchte ich mich schon einmal im Voraus entschuldigen, falls ich jemandes Gefühle verletzen sollte. Ich versuche, meine Meinung immer sachlich und möglichst konstruktiv darzulegen. Dennoch spielt bei jeder Kritik auch die subjektive Wahrnehmung eine große Rolle – also bitte nehmt nichts, von dem was ich schreibe, persönlich smile

Leider konnte diese Geschichte mich nicht überzeugen. Die einzelnen Teile wirken seltsam unpassend zueinander und wie aneinandergestückelt. Mehrere Stellen empfand ich als sehr verwirrend. Du lieferst für meinen Geschmack auch zu viele Hintergrundinformationen, die nicht wirklich notwendig sind, so ist die Geschichte zu großen Teilen nur „Telling“, also das Nacherzählen von Vergangenheit, was ich persönlich nicht so gern lese.

Aber von vorn: Den Beginn finde ich gar nicht schlecht, also vom Schreibstil her. Du baust eine hübsche, bildliche Atmosphäre auf, wie Billy aus der Tankstelle tritt etc.
Aber dann geht es schon los; ein riesengroßer Abschnitt Nacherzählung der Vergangenheit … Ich nehme an, du erzählst in auktorialer Perspektive? Für mich hat es an der Stelle nicht gut reingepasst, ich hätte Billy erst einmal handeln lassen und seine Vorgeschichte dann später aufgerollt.

Dann, direkt nach diesem Einschub, kommt dieser Dialog:
Zitat:
„Ihr Mann ist ein stinkender Gitarrenspieler.“
„Ja, ich weiß“, sagte daraufhin immer ein Mann namens Andy.
„Der hat auch so große Schweißflecken unter den Achseln. So groß wie die Titten einer schwangereren Frau mit dreißig Kilo zu viel auf den Rippen“, meinte der Wirt.

Da musste ich dreimal lesen, bis ich wusste, dass sie über Billy reden. „Ihr Mann“ bezieht sich noch auf Billys Frau – obwohl diese doch tot ist? Wann spielt dieser Dialog? Das ist alles ziemlich konfus und unübersichtlich. Auch der „Mann namens Andy“ – ich weiß ja hier noch gar nicht, welche Rolle Andy spielt. Warum nicht gleich an dieser Stelle seine Beziehung zu Billy einflechten?

Dann erstmal wieder ein ellenlanges Narrativum, dann wieder ein unmotivierter Dialog. Ich weiß nicht, wann er spielt, seit wann eigentlich Jack mit in der Tankstelle arbeitet, worum es überhaupt geht.
Dann wird Jack erst „Jack“ genannt, später plötzlich „sein Sohn“, was mich auch verwirrt hat.
Andys komischer Akzent hat mich beim Lesen zudem sehr genervt.

 Generell wusste ich am Ende nicht mehr, ob die Geschichte jetzt ernst gemeint ist oder eine Persiflage sein soll, weil alles vom anfänglich „normalen“ Ton ins Absurde abdriftete.

Insgesamt wäre es wichtig gewesen, wie drei handelnden Figuren früher im Text vernünftig einzuführen und zu charakterisieren; ich kam ständig mit den Namen durcheinander; wer jetzt nun wer ist. Auch erschließt sich mir die Grundaussage bzw. „der Punkt“ deiner Geschichte nicht.

Weiterhin sind dir einige kleinere Fehler unterlaufen. Ich rechne das mal dem Zeitmangel an, da die Geschichte ja auch recht lang geworden ist (obwohl du in meinen Augen gut ein Drittel hättest streichen können), möchte dich aber dennoch darauf aufmerksam machen:
Zitat:

hatten an seiner Musik keinen Gefallen gefunden.
(…)
Nur den Respekt zu seiner für seine Musik.
(…)
Sie wünschte sie sich nichts Sehnlicheres sehnlicher als die Freiheit.
(…)
Andy war ein guter Mundharmonikeraspieler. Er selber nannte sich Hundmarnokierspieler (hier ist dir das Wort aber völlig aus den Fugen geraten), denn früher, als er heimlich in der Stadt seinen Traum von der Musik auslebte, heulten die Hunde.


Wie gesagt, eventuell habe ich die Prämisse dieser Geschichte auch nicht verstanden. Wenn das Ende lustig sein sollte, traf es jedenfalls nicht meinen Humor.

Positiv sagen kann ich über den Text, dass ich den Titel interessant fand, dass er stellenweise ganz okay geschrieben war und dass er das vorgegebene Thema deutlich aufgegriffen hat. Abgesehen davon hat mir leider nichts gefallen.

Daher vergebe ich 3 Federn.
Mein Bewertungsdurchschnitt lag in diesem Wettbewerb bei 4,96 (also rund 5) Federn.

Liebe Grüße
Anne


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BeitragVerfasst am: 28.05.2011 16:01    Titel: Antworten mit Zitat

Oh Mann, bei diesem Text bin ich sowas von zwiegespalten!

Einerseits enthält er so schöne Stellen:
Zitat:
Er liebt es, wenn der Ton ihm flüsternd ins Ohr raunte: „Du bist ein ganz Großer. Ein ganz Großer.“

Zitat:
Er musste die Tür nicht mit seinen Händen öffnen.
Zitat:
„Ich woaß, wia scher du die Musi liebscht. Aber essch ist vorbei. Du hasscht oanen Traum gjoagt und dabei dein Leba ins Background gschoben.“
Zitat:
Er gab Jack einen Kuss auf die Wange und sprang mit ausgestreckten Armen in das Publikum.


Andererseits ist das alles so ein Riesendurcheinander, ein Springen mal hierhin, mal dorthin, und sehr viel Rückblende. Das hat dazu geführt, dass ich mittendrin fast nicht mehr weiterlesen wollte bzw. überflogen habe. Auch hätte mir gefallen, wenn das Ende mit den Schafen weniger humoristisch geschildert wäre.
Das alles mag an der mangelnden Zeit gelegen haben. Die tollen Ansätze würde ich gern nochmals in einer überarbeiteten Fassung sehen.


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Schriftstellerin, Lektorin, Hundebespaßerin – gern auch in umgekehrter Reihenfolge
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Fao
wie Vendetta

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Beiträge: 2485



BeitragVerfasst am: 28.05.2011 16:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo lieber FFF-Autor oder liebe FFF-Autorin,

Also zunächst möchte ich dich loben, denn du scheinst einen Haufen Ideen gehabt zu haben. Hier liegt aber m.M. auch das Problem der Geschichte: Es sind zu viele Ideen. Für die Zeitbegrenzung. Weil du alles hineinpacken wolltest, blieb dir nichts anderes übrig, als es zack-zack nacheinander zu erzählen. Dabei bleibt dann Sprache+Stil auf der Strecke.
So kommt es mir jedenfalls vor.
Den Anfang fand ich sehr interessant, die Beschreibung von Billy, und wie er aus der Tür tritt, hat mir gefallen.
Aber dann verfälltst du immer mehr dem Nacherzählen, die Geschichte ist an vielen Stellen sehr unstrukturiert und etwas unlogisch. Ich musste mich schon etwas zwingen zum weiterlesen - obwohl es mir inhaltlich gefallen hat, aber stilistisch nicht sehr.
Allerdings habe ich das Gefühl, dass du sehr wohl einer bist, der das handwerkliche Zeug zum Schreiben hat, aber du warst wohl auch etwas Opfer der Zeit?!
Über die Schreibfehler (z.B. "Blutkumpeln" statt Blutklumpen), sehe ich mal hinweg wink

Manchmal weiß man nicht, aus welcher Sicht geschrieben ist; ich kann jetzt nicht alles anhand von Beispielen erläutern, aber es kamen schon hin und wieder Fragezeichen auf, die beim Lesen sehr gestört haben.

Und: Es tut mir leid, aber bei "Ja, ich weiß." PLUS der Name Andy ... da kann ich einfach nur an Little Britain denken Laughing und schon ziehts die Sache ins lächerliche. Solltest du das also bewusst gewählt haben, dann wars ein Griff ins Klo, solltest du Little Britain nicht kennen (?), dann ist es blöd gelaufen.

Zitat:
„Ihr Mann ist ein stinkender Gitarrenspieler.“
„Ja, ich weiß“, sagte daraufhin immer ein Mann namens Andy.


"Ihr Mann.:" Hä? Ist Andy mit Billy verheiratet? Jedenfalls klingt es so. Das kumpelhafte "Ihr Mann" ( oder, soll "Ihr Chef" gemeint sein?), liest sich bei mir nicht heraus.


Zitat:
Natürlich wusste er von den Sprüchen, doch darauf gab er nichts.


So ein Satz gleich danach funktioniert nicht. Wir waren grad bei Andy, der Perspektivenwechsel zu Billy (der ist doch gemeint, oder ?!) geht zu schnell.

Das sollte als Begründung reichen, weshalb ich dir wahrscheinlich keine 5 Federn geben werde (kommt noch auf den Vergleich darauf an).

Wenn du nach dem Wettbewerb an dem Text feilen möchtes, kann ich dir ja vielleicht noch weitere Anregungen und Kritikpunkte geben.

Also: Interessante Idee, mit einem rührenden und auch kreativem Ende.
Ich würde sicherlich gerne nochmal lesen, wenn du mehr Zeit in die Umsetzung, Stil & Sprache steckst.

LG,
Fao


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Auguste Rodin - Die Kunst.
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BeitragVerfasst am: 29.05.2011 02:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo flinke Feder,

ich bin nach folgendem Bewertungsschema vorgegangen:

-Wie stark ist das Thema Musik im Text ausgedrückt, verwertet und verwirklicht worden?
-Wie gut ist der Text sprachlich gelungen (Rechtschreibung, Grammatik, originelle Verwendung von Wörtern, Flüssigkeit, Vermittlung von Bildern)?
-Wie originell ist die Textidee?

Ach menno, so viel Potential in diesem Text - den Anfang finde ich völlig genial und die Idee auch super, aber es passt alles noch nicht so richtig  Sad Wirkt eher wie eine Notizsammlung zu einem längeren Text (den Du hoffentlich schreibst und im Forum postest!). Der Rückblick auf das Leben von Billy passt da, wo er ist, nicht rein und ist zu unbalanciert.
Du hast es sprachlich drauf, wenn Du die Zeit hast, würde ich sagen, aber hier findet sich zwischen den Perlen zu viel Unausgegorenes: Dein Text spielt in den USA, also reden Deine Charaktere eigentlich Englisch. "Hundmamokierspieler" hakt daher als Wortspiel, denn wie soll die englische Version davon aussehen? Ebenso die Passage mit dem Dialekt - ein pseudobayerischer Dialekt an einer kalifornischen Tanke? Nee.
Wie gesagt, eine überarbeitete Version könnte richtig klasse werden - aber so, wie es da jetzt steht:
5 Federn.


_________________
If I waited for perfection, I would never write a word - Margaret Atwood
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Gast







BeitragVerfasst am: 29.05.2011 10:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Federschwinger/in,

diesmal kann ich aufgrund der relativ geringen Teilnahme jeden Text etwas ausführlicher kommentieren. Die Themenvorgabe war ja sehr offen, also reicht es mir, wenn es irgendwie um Musik geht. Wenn ich Rechtschreib- oder Interpunktionsfehler erwähne, dann um sie dir zu zeigen – bewertet habe ich sie, aufgrund des Zeitdrucks, nicht.
Meinen Geschmack habe ich, so weit es ging, außer Acht gelassen und versucht mich auf die handwerkliche, logische und kreative Ausarbeitung zu beschränken.

Den Anfang deiner Geschichte fand ich richtig gut, dann verläuft sie sich ein bisschen. Manchmal wusste ich nicht, wer was warum sagt.

Ein paar Ungereimtheiten wären da:

Zitat:
Billy trat damals als Straßenmusiker auf. Mit seiner Gitarre, der Mundharmonika, spielte er auf dem Gehsteig verschiedene Titel. Er liebte den Ton. Er liebte, wie der Ton in sein Blut drang, die Sorgen des Alltags aus der Konzerthalle schickte …


Das ist für mich ein Widerspruch. Er tritt als Straßenmusiker auf – aber der Ton verlässt die Konzerthalle.

Zitat:
Mit seinem Sohn Jack wanderte er durch die Route 66. Die Stadt hatte seine Frau umgebracht.


Ich glaube, man wandert (oder fährt man nicht eher?) über die Route 66. Und warum hat die Stadt seine Frau umgebracht?

Zitat:
Auf der Route 66 konnte man es. Frei von den Schulden und der Lästerei.


Werden einem die Schulden dann erlassen?  Smile

Zitat:
„Wir können sie nicht verlassen. Ich habe es versprochen. Du weißt es doch oder? Ich habe versprochen, die Tankstelle nicht aufzugeben.“


Warum hat er es wem versprochen?


Zitat:
Doch ein paar Wochen später erkrankte Billy schwer.



Zitat:
Die flimmernde Hitze wechselte sich mit der kühlen Nacht aus ab.


Zitat:
Sie nahmen vor der Hütte Platz und mit schwarzen Kulleraugen starrten sie auf das Dach.


Hier macht meine Vorstellungskraft nicht mit. Wie nehmen Schafe Platz?


Zitat:
Die Tiere wedelten aufgebracht mit den Köpfen. So, als würden sie sich nicht mehr länger auf die Musik gedulden wollen.


Auch hier übersteigt es meine Fantasie. „Wedeln“ mit den Köpfen?
Und der zweite Satz ist wirklich nicht gut. Das würde ich noch mal überdenken.

Ich meine, es lohnt sich, die Geschichte zu überarbeiten und dabei einige Rechtschreibfehler auszumerzen.
Nach der wörtlichen Rede kommen erst die Anführungszeichen und dann das Komma.
Wenn du Auslassungspunkte benutzen möchtest, dann immer drei. Dazu gibt es feste Regeln.

Liebe Grüße
Monika
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Dienstwerk
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BeitragVerfasst am: 30.05.2011 13:42    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr phantasievolle Geschichte, die mich zum Schmunzeln brachte.
Etwas wirr (passt zu den Charakteren), doch der geschriebene Dialekt/Slang stört m.E. den Lesefluss gewaltig. Auch die Dialoge wirken teilweise abgehackt.

Aber die Schafherde als einziges Publikum für einen alternden Musiker ist eine klasse Idee. Ausbaufähig, Vorgaben erfüllt, grandioses Mittelfeld.

Hierfür gibt es gute 5 Federn, mühsam aus meinem literarischen Daunenkissen gezupft.

Meine Punktevergabe im Überblick:
0x1, 1x2, 3x3, 5x4, 6x5, 6x6, 1x7, 1x8, 1x9

LG, Ana
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Nicki
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Ei 10


BeitragVerfasst am: 31.05.2011 15:22    Titel: Antworten mit Zitat

LiebeR AutorIn
leider habe ich wegen meines Urlaubs nicht die Zeit, zu jedem Text einen ausführlichen Kommentar zu schreiben. Ich habe jedoch alle gelesen und werde deshalb auch mein Hühnchen rupfen und die Federn verteilen. Gegebenenfalls werde ich später gerne einen ausführlichen Kommentar posten.
MfG
Nicki
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Probber
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BeitragVerfasst am: 31.05.2011 16:37    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Guy,
ich bin hin und her gerissen. Einerseits gefällt mir die eigentliche Geschichte, die Umsetzung aber überzeugt mich nicht. Der Stil wirkt unausgegoren. Mir scheint, dir ist die Zeit zum nochmaligem Durchlesen abhanden gekommen, da sind einige sprachliche Klopser drin, unter anderem sowas hier:
Zitat:
Zum vierzigsten Geburtstag schenkte er sogar Billy eine Gitarre.

Das hat eine ganz andere Bedeutung, wenn das "sogar" hinter "Billy" steht.
Zudem wirken die Dialoge wie aus einer Seifenoper.

Aber der Drang nach Freiheit ist auch in mir tief verwurzelt. Das gibt Bonus. Laughing
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