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Merlin*
Geschlecht:weiblichSchreiberling

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Beiträge: 168
Wohnort: Gera / Thüringen


BeitragVerfasst am: 22.05.2011 15:49    Titel: Zurück zu mir eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo an Alle,

ich hatte Euch schon mal eine Kurzgeschichte vorgestellt und dies ist hier mein nächster Versuch,
es ist der Beginn einer längeren Geschichte über eine Art Selbstfindung, jedoch keine Liebesgeschichte,
ich bin völlig unerfahren im Schreiben, was Prosa betrifft, aber ich habe Spaß daran gefunden,
mich würde interessieren, ob ich auf dem richtigen Weg bin, so, wie ich es begonnen habe, oder ob ich noch einiges ändern müsste, oder einfügen, oder streichen ... na ja, Ihr wisst schon ... hätte kein Problem damit
Danke schon mal fürs Lesen


                                                                      Zurück zu mir
                                                          (Arbeitstitel)

Heute ist Sonntag und es regnet seit Stunden.  Ich fühle mich wohl an einem solchen Tag, wenn das ganze Universum sich in uns selbst zu fokussieren scheint. Einmal treiben lassen, keine Verpflichtungen, die stören – wohltuende Abgeschiedenheit allein in Mitten des großen Weltenozeans. Ich versuche, diese Idee weiter auszubauen, stoße aber auf kein weiteres Interesse meinerseits.
Draußen trommelt der Regen noch immer seinen auf und abklingenden monotonen Rhythmus an die Fensterscheiben.
Ja, mir geht es gut. Doch einmal gab es für mich eine Zeit, in der ich fast zerbrach an mir.
Ein Todesfall, eine unglückliche Trennung – das waren die Zutaten für eine unendliche Traurigkeit, die mich mit eisernen Griff fest umklammert hielt und mir die Kraft am Leben raubte. Beinahe wäre es schief gegangen … damals. Es kam anders.
In den Tiefen meines alten Schreibtischs, an dem mein Großvater schon seinen Gedanken nach  hing, finde ich nach kurzem Suchen die Holzschatulle mit den alten Photos. Ich weiß nicht mehr, wann ich mir die Bilder das letzte mal angeschaut habe. Es ist sehr lange her.

Vorsichtig hebe ich den Deckel ab … und ziehe den Atem ganz tief in mich ein. Mir sind gleich die Schwarz Weiß Fotos zu oberst ins Auge gefallen.
Langsam setze ich die Brille auf und beuge ich mich über die alten Bilder. Das ist sehr bewegend. Ich fühle mich in eine Zeit zurück versetzt, die schon längst vergessen schien.
Ein Bild fällt mir besonders auf. Ich nehme es in die Hand und streiche vorsichtig mit dem Handrücken darüber, als wollte ich imaginären Staub zur Seite wischen.
Zu sehen ist darauf eine junge Frau in Jeans und heller Bluse mit hochgekrempelten Ärmeln, an einen Gartenzaun gelehnt. Mit ernsten Augen  und sehr schmalen Gesicht schaut sie direkt in die Kamera.
Oh ja, ich erinnere mich …
Mein Blick wandert zum Fenster, an dessen Scheibe sich die Regenspritzer immer wieder zu kleinen Tropfen formieren und nach unten rinnen. Erst langsam und zögernd, dann immer schneller werdend, als hätte sie eine mir verborgen  gebliebene geheime Botschaft in Bewegung gesetzt.

Mein Gott, das war bei Jost an diesem Sommertag, wir haben Äpfel geerntet  …  
 
Jost war der Vater meiner besten Freundin und Witwer. Er wohnte schon lange allein in einem alten Bauernhof, seinem Geburtshaus.
Eine Laune des Schicksals hatte uns aufeinander zu geweht, in jener Zeit, als es schlecht um mich stand. Und eines Tages hatte mich meine Freundin zur Apfelernte verkuppelt. „Arbeitstherapie“, sagte sie mir später einmal Augenzwinkernd.
Ich fühlte mich vom ersten Moment an geborgen, als ich aus dem alten Bus stieg und ihn dort stehen sah, lässig an den dicken Stamm des alten Kastanienbaums gelehnt, den Schäferhund an seiner rechten Seite. Groß, kräftig, verwaschene Jeans, T-Shirt von undefinierbarer Farbe, vom Leben gezeichnet mit tiefen Falten im Gesicht, so kam er auf mich zu und gab mir seine breite warme Hand. Mir, der Heimatlosen, Einsamen, Verbitterten,  Traurigen, derjenigen, die sich selbst verloren hatte, damals in dieser für sie so trostlosen Zeit.

Ja, ich bin schon mitten drin, in dem Zauber dieser Tage … die mich seit langem das erste mal wieder teilhaben ließen an einer Welt, welche außerhalb meiner festgefahrenen Gedankengänge lag. Eingefroren im eigenen Ich Gefängnis, begann etwas in mir zu schmelzen. Meine Augen nahmen wieder Dinge war, Kleinigkeiten nur, die meine wunde Seele erreichten mit ungeahnter Eindringlichkeit.
Ich begann mich langsam zu öffnen ...

Es ist die Zigarettenpause nach der Apfelernte.
Ich sitze im Gras am Zaun, habe die Ärmel hoch gestreift und spüre fast körperlich den Frieden, der über allem liegt.
Ein Staunen kommt über mich. Wie eine sanfte Berührung, ein Streicheln der nackten Haut, nehme ich das Besondere dieses Augenblicks war.
Alle Ängste und Sorgen, unheilvollen Gedanken, sind irgendwo liegengeblieben, ich weiß  nicht wo, sitze nur hier und möchte es ewig.
Dieser plötzliche Empfindungreichtum droht mich zu überwältigen. Wie eine Symphonie aus Gefühlen trifft mich ihr Klang mit aller Macht … und unvorbereitet.

Ich streife über die Wiese. Mal schauen, ob Pilze zu finden sind ...
Mein Blick geht zurück, Jost dort oben am Gartenzaun, den Hund an der Leine - schön, mir kann nichts passieren, über mich wird gewacht. Eine große Geborgenheit breitet sich in mir aus und ich bade mich darin.
Ziellos stapfe ich durchs Gras, gehe in mich und Wärme erfüllt mich.

Später, die Sonne hat sich inzwischen mit einem zarten Hauch von Orange überzogen, schlendere ich wieder  zurück zum Zaun. Ich beeile mich nicht, genieße noch ein wenig den frischen Duft von Gras und Heu, der wohltuend über der noch warmen Erde schwebt.
Er vermengt sich angenehm mit dem Geruch versengter Haut. Ich öffne die oberen Knöpfe meiner Bluse, um den warmen Wind einzufangen, der sich sacht zwischen meinen Brüsten verfängt.
Ja, so schön kann Leben sein, losgelöst von allen irdischen Zwängen, nur der Augenblick zählt.

Jost schaut mir lächelnd entgegen, den linken Arm lässig  auf den Zaun gelegt, der Hund dösend zu seinen Füßen. Sie wirken beide zeitlos, so, als ob sie schon eine Ewigkeit hier wären, unverändert, verwachsen in Raum und Zeit.

„Komm, lass uns gehen.“
Er macht nach dem „Komm“ eine Pause und streckt mir aufmunternd seinen Arm entgegen. Ich ergreife seine warme, trockene Hand, fühle mich wohl darin -  und folge ihm.

                                                    -

 Die alten durchgetretenen Steinstufen haben sich gebeugt unter der Last der Jahre, ganze Generationen sind über sie hinweg gestiegen und rundeten so die einst stolzen Kannten ab.
Wie Zähne, denke ich, die sich unter dem Kummer der Zeit abgeschliffen haben und kurz und schief geworden sind.
An den Seiten schimmert Moos.
Jost achtet nicht mehr darauf, als er das Haus betritt. Für ihn ist es alltäglich.
Ich folge ihm zögernd und befinde mich in einem dunklen quadratischen Hausflur, von dessen Wänden zahlreiche Türen abgehen. Mir gegenüber an der rechten Seite führt eine ausgetretene dunkle Holztreppe zu den oberen Räumen. Der resedagrüne Steinfußboden ist sauber geschrubbt und von irgendwoher  riecht es nach BohnertWachs.
Vor dem Fenster rechts neben dem Eingang auf einem runden Tischchen behauptet ein mächtiger Asparagus seinen Platz mit deutlicher Präsenz. Seine wallende Pracht verteilt sich fast bis zum Boden.
Wir betreten die Tür links neben uns, die Küche. Mir fällt sofort das alte Sofa mit dem zerschlissenen weinroten Samtbezug zur Rechten auf. Es strahlt eine große einnehmende Gemütlichkeit aus und ich verspüre den starken Wunsch, mich in seine Arme zu begeben. Ihm gegenüber steht ein großes monströses Küchenbuffet, in dem sich allerlei Krimskrams eingenistet hat. Bindfäden, eine Zange, Draht, 2 Brillen und noch vieles mehr bilden zusammen ein buntes Sammelsurium an Wichtigkeiten.
Jost lächelt mich an, geht zum Herd gleich neben der Tür und sagt: „Setz dich doch, ich koch uns erst mal einen Kaffee.“
Ja, ich setze mich und ein gleichzeitiges Knacken  verrät mir einiges mehr über die Betagtheit des alten Sofas.
Entspannt lege ich meine Hände auf den Küchentisch mit der alten Wachstuchdecke.  Die einstigen Streublümchen darauf kommen nur noch stellenweise zum Vorschein. An den Rändern und in der Mitte sind sie schon verblasst vom jahrelangen Gebrauch.
Ich lehne mich zurück und beobachte Jost bei seinen Vorbereitungen. Gerade füllt er den Kaffee aus einer alten braunen Blechbüchse mit der roten Aufschrift „Caro“ in den Filter der Zitronengelben Kaffeemaschine. Der Duft des Kaffees verbreitet sich sofort anheimelnd im Raum.
Ich lasse mich treiben von einer Stimmung der Geborgenheit, wie ich sie so schon lange nicht mehr gespürt habe. Es ist dieses Wohlfühlgefühl aus meinen Kindertagen, welches mich jetzt ein wenig schläfrig werden lässt, eingekuschelt in den Tiefen des durch gesessenen Sofas.
Jost hat die oberen Glastüren des alten Büfetts geöffnet und bringt daraus bunt geblümte Kaffeetassen zum Vorschein, die er vorsichtig auf den Tisch stellt. Ich nehme einen feinen Geruch von Gewürzen wahr und denke, das muss so sein.
Es ist, als währe ich aus der Zeit herausgetreten, so sehr fühle ich mich in meine Kindheit zurück versetzt.

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adelbo
Geschlecht:weiblichDichter und Denker


Beiträge: 1890
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BeitragVerfasst am: 29.05.2011 14:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Merlin,
du schreibst, dass dieser Text der Beginn einer längeren Geschichte ist. Dafür ist er in meinen Augen viel zu ausführlich, fast überladen. Mit schönen Worten versuchst du sehr viele Bilder zu erzeugen, die meines Erachtens einfach zu viel sind.

Zitat:
In den Tiefen meines alten Schreibtischs, an dem mein Großvater schon seinen Gedanken nach hing, finde ich nach kurzem Suchen die Holzschatulle mit den alten Photos. Ich weiß nicht mehr, wann ich mir die Bilder das letzte mal angeschaut habe. Es ist sehr lange her. Vorsichtig hebe ich den Deckel ab … und ziehe den Atem ganz tief in mich ein. Mir sind gleich die Schwarz Weiß Fotos zu oberst ins Auge gefallen.
Langsam setze ich die Brille auf und beuge ich mich über die alten Bilder. Das ist sehr bewegend. Ich fühle mich in eine Zeit zurück versetzt, die schon längst vergessen schien.
Ein Bild fällt mir besonders auf. Ich nehme es in die Hand und streiche vorsichtig mit dem Handrücken darüber, als wollte ich imaginären Staub zur Seite wischen. Zu sehen ist darauf eine junge Frau in Jeans und heller Bluse mit hochgekrempelten Ärmeln, an einen Gartenzaun gelehnt. Mit ernsten Augen in dem und sehr schmalen Gesicht schaut sie direkt in die Kamera.
Oh ja, ich erinnere mich …
Mein Blick wandert zum Fenster, an dessen Scheibe sich die Regenspritzer immer wieder zu kleinen Tropfen formieren und nach unten rinnen. Erst langsam und zögernd, dann immer schneller werdend, als hätte sie eine mir verborgen gebliebene geheime Botschaft in Bewegung gesetzt.
Das ist ein Absatz als Beispiel. Alles Unterstrichene würde ich weglassen oder kürzer formulieren.

Einige Zeilen über die ich gestolpert bin
Zitat:
wohltuende Abgeschiedenheit allein in Mitten des großen Weltenozeans. Ich versuche, diese Idee weiter auszubauen, stoße aber auf kein weiteres Interesse meinerseits.
Hier falle ich über diese Idee.  Wo ist die Idee?  

Zitat:
Ein Todesfall, eine unglückliche Trennung – das waren die Zutaten für eine unendliche Traurigkeit
Ich würde statt Zutaten, Auslöser, Gründe ….

Zitat:
Vorsichtig hebe ich den Deckel ab … und ziehe den Atem ganz tief in mich ein
Mir würde hier  und atme tief ein   besser gefallen. Oder eben ganz weglassen.

Zitat:
Und eines Tages hatte mich meine Freundin zur Apfelernte verkuppelt.
Das klingt lustig, geht aber in meinen Augen nicht.  Man kann niemand zu einer Tätigkeit verkuppeln.

Zitat:
Dieser plötzliche Empfindungreichtum droht mich zu überwältigen. Wie eine Symphonie aus Gefühlen trifft mich ihr Klang mit aller Macht … und unvorbereitet.
Ein fast lyrischer Satz. Ich falle über „ihr Klang“.   Welcher Klang

Zitat:
Er vermengt sich angenehm mit dem Geruch versengter Haut
.Geruch versengter Haut, woher kommt er?

Zitat:
Vor dem Fenster rechts neben dem Eingang auf einem runden Tischchen behauptet ein mächtiger Asparagus seinen Platz mit deutlicher Präsenz. Seine wallende Pracht verteilt sich fast bis zum Boden.
Die wallende Pracht ist mir einfach zu wallend.
Du hast eine schöne Sprache. Man merkt, dass du Gedichte magst.  Nach meiner Meinung musst du bei Geschichten mehr Wert auf Handlung legen. Es gibt nur ganz wenige Leser, die gerne stundenlang (übertrieben) Beschreibungen über Gegenstände oder Landschaften lesen wollen.

Mein Wort ist kein Evangelium. Vielleicht melden sich ja noch Andere und tun ihre Meinung kund.
Viel Spass beim Überlegen.
LG
adelbo


_________________
„Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.“

Bertrand Russell
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Merlin*
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BeitragVerfasst am: 29.05.2011 15:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo adelbo,

ich danke schon mal für Mühe und geopferte Freizeit, werde mich mal in Ruhe hinsetzen und den Text noch mal überarbeiten ...  

ich verstehe, wie Du es meinst, vielleicht habe ich zu viel gewollt  Rolling Eyes

Macht nix, auf ein Neues ...   Wink

lieben Gruß
Merlin
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Merlin*
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 64
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BeitragVerfasst am: 05.06.2011 10:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo adelbo und alle Anderen,

ich habe meine Geschichte nochmals überarbeitet dank adelbos Vorgaben,

wenn ich ehrlich bin, dann habe ich bei diesem Text hier einfach drauf los geschrieben, um überhaut mal ein Gefühl für das Schreiben zu bekommen.

Vielleicht sehe ich auch den Text zu sehr als Kunstwerk ... ich weiß es nicht  Rolling Eyes

und ... ich getrau es mir fast nicht zu sagen, eine genaue Handlung gibt es nicht ... Embarassed   es ist meine Lernaufgabe, die ich mir selbst gestellt habe

von der Handlung habe ich nur so viel im Kopf, dass die Person von innen her beginnt, langsam auf zu brechen und wieder Eindrücke wahr nimmt,
die ihr bisher verborgen geblieben waren, deswegen auch meine genaue Beschreibung der Dinge, ich schreibe ja mit ihren Augen
und sehr viel länger soll es auch nicht werden, hatte an ein oder zwei Tage gedacht im Leben...

vielleicht kann mir jemand mal seine Gedanken dazu sagen

Danke schon mal
lieben Gruß
Merlin



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                                                          (Arbeitstitel)

Heute ist Sonntag und es regnet seit Stunden.  Ich fühle mich wohl an einem solchen Tag, wenn das ganze Universum sich in uns selbst zu fokussieren scheint. Einmal treiben lassen, keine Verpflichtungen, die stören – wohltuende Abgeschiedenheit allein in Mitten des großen Weltenozeans.
Draußen trommelt der Regen noch immer seinen auf und abklingenden monotonen Rhythmus an die Fensterscheiben.
Ja, mir geht es gut. Doch einmal gab es für mich eine Zeit, in der ich fast zerbrach an mir.
Ein Todesfall, eine unglückliche Trennung – das waren die Auslöser für eine unendliche Traurigkeit, die mich mit eisernen Griff fest umklammert hielt und mir die Kraft am Leben raubte. Beinahe wäre es schief gegangen … damals. Es kam anders.
In den Tiefen meines alten Schreibtischs  finde ich nach kurzem Suchen die Holzschatulle mit den alten Photos. Ich weiß nicht mehr, wann ich mir die Bilder das letzte mal angeschaut habe. Es ist sehr lange her.

Vorsichtig hebe ich den Deckel ab …
Ein Bild fällt mir besonders auf.
Zu sehen ist darauf eine junge Frau in Jeans und heller Bluse mit hochgekrempelten Ärmeln, an einen Gartenzaun gelehnt. Mit ernsten Augen in dem sehr schmalen Gesicht schaut sie direkt in die Kamera.
Mein Blick wandert zum Fenster, an dessen Scheibe sich die Regenspritzer immer wieder zu kleinen Tropfen formieren und nach unten rinnen.
Mein Gott, das war bei Jost an diesem Sommertag, wir haben Äpfel geerntet  …  
 
Jost war der Vater meiner besten Freundin und Witwer. Er wohnte schon lange allein in einem alten Bauernhof, seinem Geburtshaus.
Eine Laune des Schicksals hatte uns aufeinander zu geweht, in jener Zeit, als es schlecht um mich stand. Und eines Tages fuhr ich zu ihm hinaus aufs Land zur Apfelernte. Es war eine Idee meiner Freundin. „Arbeitstherapie“, sagte sie mir später einmal augenzwinkernd.
Ich fühlte mich vom ersten Moment an geborgen, als ich aus dem alten Bus stieg und ihn dort stehen sah, lässig an den dicken Stamm des alten Kastanienbaums gelehnt, den Schäferhund an seiner rechten Seite. Groß, kräftig, verwaschene Jeans, T-Shirt von undefinierbarer Farbe, vom Leben gezeichnet mit tiefen Falten im Gesicht, so kam er auf mich zu und gab mir seine breite warme Hand. Mir, der Heimatlosen, Einsamen, Verbitterten,  Traurigen, derjenigen, die sich selbst verloren hatte, damals in dieser für sie so trostlosen Zeit.

Ja, ich bin schon mitten drin, in dem Zauber dieser Tage … die mich seit langem das erste mal wieder teilhaben ließen an einer Welt, welche außerhalb meiner festgefahrenen Gedankengänge lag. Eingefroren im eigenen Ich Gefängnis, begann etwas in mir zu schmelzen. Meine Augen nahmen wieder Dinge war, Kleinigkeiten nur, die meine wunde Seele erreichten mit ungeahnter Eindringlichkeit.
Ich begann mich langsam zu öffnen ...

Es ist die Zigarettenpause nach der Apfelernte.
Ich sitze im Gras am Zaun, habe die Ärmel hoch gestreift und spüre fast körperlich den Frieden, der über allem liegt.
Ein Staunen kommt über mich. Wie eine sanfte Berührung, ein Streicheln der nackten Haut, nehme ich das Besondere dieses Augenblicks war.
Alle Ängste und Sorgen, unheilvollen Gedanken, sind irgendwo liegengeblieben, ich weiß  nicht wo, sitze nur hier und möchte es ewig.
Dieser plötzliche Empfindungsreichtum droht mich zu überwältigen. Wie eine Symphonie aus unterschiedlichsten Gefühlen trifft es mich mit aller Macht … und unvorbereitet.

Ich streife über die Wiese. Mal schauen, ob Pilze zu finden sind ...
Mein Blick geht zurück, Jost dort oben am Gartenzaun, den Hund an der Leine - schön, mir kann nichts passieren, über mich wird gewacht. Eine große Geborgenheit breitet sich in mir aus und ich bade mich darin.
Ziellos stapfe ich durchs Gras, gehe in mich und Wärme erfüllt mich.

Später, die Sonne hat sich inzwischen mit einem zarten Hauch von Orange überzogen, schlendere ich wieder  zurück zum Zaun. Ich beeile mich nicht, genieße noch ein wenig den frischen Duft von Gras und Heu, der wohltuend über der noch warmen Erde schwebt.
Er vermengt sich angenehm mit dem Geruch versengter Haut. Ich öffne die oberen Knöpfe meiner Bluse, um den warmen Wind einzufangen, der sich sacht zwischen meinen Brüsten verfängt.
Ja, so schön kann Leben sein, losgelöst von allen irdischen Zwängen, nur der Augenblick zählt.

Jost schaut mir lächelnd entgegen, den linken Arm lässig  auf den Zaun gelegt, der Hund dösend zu seinen Füßen. Sie wirken beide zeitlos, so, als ob sie schon eine Ewigkeit hier wären, unverändert, verwachsen in Raum und Zeit.

„Komm, lass uns gehen.“
Er macht nach dem „Komm“ eine Pause und streckt mir aufmunternd seinen Arm entgegen. Ich ergreife seine warme, trockene Hand, fühle mich wohl darin -  und folge ihm.


 Die alten durchgetretenen Steinstufen haben sich gebeugt unter der Last der Jahre, ganze Generationen sind über sie hinweg gestiegen und rundeten so die einst stolzen Kannten ab.
Wie Zähne, denke ich, die sich unter dem Kummer der Zeit abgeschliffen haben und kurz und schief geworden sind.
An den Seiten schimmert Moos.
Jost achtet nicht mehr darauf, als er das Haus betritt. Für ihn ist es alltäglich.
Ich folge ihm zögernd und befinde mich in einem dunklen quadratischen Hausflur, von dessen Wänden zahlreiche Türen abgehen. Mir gegenüber an der rechten Seite führt eine ausgetretene dunkle Holztreppe zu den oberen Räumen. Der resedagrüne Steinfußboden ist sauber geschrubbt und von irgendwoher  riecht es nach Bohnerwachs.
Wir betreten die Küche, links neben uns. Mir fällt sofort das alte Sofa mit dem zerschlissenen weinroten Samtbezug auf. Es strahlt eine große einnehmende Gemütlichkeit aus und ich verspüre den starken Wunsch, mich in seine Arme zu begeben. Ihm gegenüber, auf der linken Seite, steht ein großes monströses Küchenbuffet, in dem sich allerlei Krimskrams eingenistet hat. Bindfäden, eine Zange, Draht, 2 Brillen und noch vieles mehr bilden zusammen ein buntes Sammelsurium an Wichtigkeiten.
Jost lächelt mich an, geht zum Herd gleich neben der Tür und sagt: „Setz dich doch, ich koch uns erst mal einen Kaffee.“
Ja, ich setze mich und ein gleichzeitiges Knacken  verrät mir einiges mehr über die Betagtheit des alten Sofas.
Entspannt lege ich meine Hände auf den Küchentisch mit der alten Wachstuchdecke.  Die einstigen Streublümchen darauf kommen nur noch stellenweise zum Vorschein. An den Rändern und in der Mitte sind sie schon verblasst vom jahrelangen Gebrauch.
Ich lehne mich zurück und beobachte Jost bei seinen Vorbereitungen. Gerade füllt er den Kaffee aus einer alten braunen Blechbüchse mit der roten Aufschrift „Caro“ in den Filter der zitronengelben Kaffeemaschine. Der Duft des Kaffees verbreitet sich sofort anheimelnd im Raum.
Ich lasse mich treiben von einer Stimmung der Geborgenheit, wie ich sie so schon lange nicht mehr gespürt habe. Und der Tag an der frischen Luft tut sein Übriges dazu, dass ich jetzt ein wenig schläfrig werde, eingekuschelt in den Tiefen des durch gesessenen Sofas.
Jost hat die oberen Glastüren des alten Büfetts geöffnet und bringt daraus bunt geblümte Kaffeetassen zum Vorschein, die er vorsichtig auf den Tisch stellt. Ich nehme einen feinen Geruch von Gewürzen wahr und denke, das muss so sein.
Es ist, als währe ich aus der Zeit herausgetreten, fühle mich in meine Kindheit zurück versetzt.


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„Der kommt oft am weitesten, der nicht weiß, wohin er geht,“ Oliver Cromwell
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BeitragVerfasst am: 07.06.2011 23:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Merlin,

mir gefällt deine leise Geschichte und deshalb habe ich mich mal dran gemacht. Ich bin natürlich kein Experte, aber vielleicht kannst du mit meiner Lesermeinung etwas anfangen.

Zitat:
Heute ist Sonntag und es regnet seit Stunden. Ich fühle mich wohl an einem solchen Tag, wenn das ganze Universum sich in uns selbst zu fokussieren scheint. Einmal treiben lassen, keine Verpflichtungen, die stören – wohltuende Abgeschiedenheit allein in Mitten inmitten des großen Weltenozeans.
Draußen trommelt der Regen noch immer seinen auf und abklingenden monotonen Rhythmus an die Fensterscheiben.


Es ist ein offenes Geheimnis, dass gerade Anfänger gerne mit dem Wetter beginnen. Vielleicht ein bisschen entschärfen? In etwa: Heute ist Sonntag und obwohl es seit Stunden regnet fühle ich mich wohl. Den letzten Trommelregensatz ganz weglassen?

Zitat:
Ja, mir geht es gut. Doch einmal gab es für mich eine Zeit, in der ich fast zerbrach an mir.
Ein Todesfall, eine unglückliche Trennung – das waren die Auslöser für eine unendliche Traurigkeit, die mich mit eisernem Griff fest umklammert hielt und mir die Kraft am Leben raubte. Beinahe wäre es schief gegangen … damals. Es kam anders.
In den Tiefen meines alten Schreibtischs finde ich nach kurzem Suchen die Holzschatulle mit den alten Photos. Ich weiß nicht mehr, wann ich mir die Bilder das letzte mal angeschaut habe. Es ist sehr lange her.


Ich finde du hast den Übergang zur folgenden Rückblende gut hinbekommen.

Zitat:
Zu sehen ist darauf eine junge Frau in Jeans und heller Bluse mit hochgekrempelten Ärmeln, an einen Gartenzaun gelehnt. Mit ernsten Augen in dem sehr schmalen Gesicht schaut sie direkt in die Kamera.


Mir würde ein „normal“ gebauter Satz besser gefallen: Darauf zu sehen ist eine junge ...
das ist aber Geschmacksache.

Zitat:
Mein Blick wandert zum Fenster, an dessen Scheibe sich die Regenspritzer immer wieder zu kleinen Tropfen formieren und nach unten rinnen.


Ich würde es lassen und wenn, dann mit einer Assoziation...

Zitat:
Jost war der Vater meiner besten Freundin und Witwer. Er wohnte schon lange allein in einem alten Bauernhof, seinem Geburtshaus.


Wenn diese genaue Erläuterung nicht notwendig ist, (und mir scheint es so) würde ich sie lassen, es reißt mich aus dem Lesefluss. Es reicht doch einfach, wenn du schreibst: Jost war der Vater meiner Freundin oder: Jost war Witwer.

Zitat:
Eine Laune des Schicksals hatte uns aufeinander zu geweht, in jener Zeit, als es schlecht um mich stand. Und eines Tages fuhr ich zu ihm hinaus aufs Land zur Apfelernte. Es war eine Idee meiner Freundin. „Arbeitstherapie“, sagte sie mir später einmal augenzwinkernd.


...aufeinander zu geweht? Das würde ich anders ausdrücken. Und wessen Idee das war, ist eigentlich auch nicht wichtig.

  
Zitat:
Es ist die Zigarettenpause nach der Apfelernte.
Ich sitze im Gras am Zaun, habe die Ärmel hoch gestreift (zusammen) und spüre fast körperlich den Frieden, der über allem liegt.
Ein Staunen kommt über mich. Wie eine sanfte Berührung, ein Streicheln der nackten Haut, nehme ich das Besondere dieses Augenblicks war.
Alle Ängste und Sorgen, unheilvollen Gedanken, sind irgendwo liegen/geblieben, ich weiß nicht wo, sitze nur hier und möchte es ewig.
Dieser plötzliche Empfindungsreichtum droht mich zu überwältigen. Wie eine Symphonie aus unterschiedlichsten Gefühlen trifft es mich mit aller Macht … und unvorbereitet.


Zitat:
Ich streife über die Wiese. Mal schauen, ob Pilze zu finden sind ...
Mein Blick geht zurück, Jost dort oben am Gartenzaun, den Hund an der Leine - schön, mir kann nichts passieren, über mich wird gewacht. Eine große Geborgenheit breitet sich in mir aus und ich bade mich darin.
Ziellos stapfe ich durchs Gras, gehe in mich und Wärme erfüllt mich.


Die Zeilenumbrüche in diesen Abschnitten halte ich für überflüssig.

Zitat:
Er vermengt sich angenehm mit dem Geruch versengter Haut. Ich öffne die oberen Knöpfe meiner Bluse, um den warmen Wind einzufangen, der sich sacht zwischen meinen Brüsten verfängt.
Ja, so schön kann Leben sein, losgelöst von allen irdischen Zwängen, nur der Augenblick zählt.


Woher kommt jetzt die versengte Haut? Den nächsten Satz würde ich auch streichen. Du hast bereits mehrfach erwähnt, wie schön es dort ist/war.

 
Zitat:
„Komm, lass uns gehen.“
Er macht nach dem „Komm“ eine Pause und streckt mir aufmunternd seinen Arm entgegen. Ich ergreife seine warme, trockene Hand, fühle mich wohl darin - und folge ihm.


Ich meine, die Erklärung, dass er im Satz eine Pause macht, ist unnötig – das ergibt sich durch das Komma.


Zitat:
Die alten durchgetretenen Steinstufen haben sich gebeugt unter der Last der Jahre, ganze Generationen sind über sie hinweg gestiegen und rundeten so die einst stolzen Kannten ab.


Zitat:
Der resedagrüne Steinfußboden ist sauber geschrubbt und von irgendwoher es riecht es nach Bohnerwachs.


Zitat:
Wir betreten die Küche, links neben uns. Mir fällt sofort das alte Sofa mit dem
zerschlissenen weinroten Samtbezug auf. Es strahlt eine große einnehmende Gemütlichkeit aus und ich verspüre den starken Wunsch, mich in seine Arme zu begeben.


Das mag ich nicht, vom Sofa in die Arme nehmen lassen. Ist sicherlich Geschmacksache – aber ich denke, da fällt dir was Besseres ein.


Zitat:
Ihm gegenüber, auf der linken Seite, steht ein großes monströses Küchenbuffet, in dem sich allerlei Krimskrams eingenistet hat. Bindfäden, eine Zange, Draht, 2 Brillen und noch vieles mehr bilden zusammen ein buntes Sammelsurium an Wichtigkeiten.


Dazu müssten jetzt alle Türen und Schubladen aufstehen oder deine Prota hat Röntgenaugen.

Schau halt noch mal kritisch drüber, versuche Überflüssiges zu vermeiden, ohne die Stimmung zu zerstören, kill ein paar Füllwörter und mach weiter.

Liebe Grüße
Monika
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Merlin*
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Wohnort: Gera / Thüringen


BeitragVerfasst am: 12.06.2011 09:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich habe nochmals an meinem Text gearbeitet und einiges geändert, bin mal gespannt, ob er jetzt so annehmbar ist



                                                                      Zurück zu mir
                                                          (Arbeitstitel)

Heute ist Sonntag und es regnet seit Stunden.  Ich fühle mich wohl an einem solchen Tag, wenn das ganze Universum sich in uns selbst zu fokussieren scheint. Einfach treiben lassen, keine Verpflichtungen, die stören ...

Ja, mir geht es gut. Doch einmal gab es eine Zeit, in der ich fast zerbrach an mir.
Ein Todesfall, eine unglückliche Trennung – das waren die Auslöser für eine unendliche Traurigkeit, die mich mit festen Griff umklammert hielt und mir die Kraft am Leben raubte. Beinahe wäre es schief gegangen … damals. Es kam anders.
In den Tiefen meines Schreibtischs  finde ich nach kurzem Suchen die Holzschatulle mit den alten Photos. Ich weiß nicht mehr, wann ich mir die Bilder das letzte mal betrachtet habe. Es muss schon sehr lange her sein.
Vorsichtig hebe ich den Deckel ab …
Ein Bild fällt mir sofort auf. Darauf ist eine junge Frau zu sehen in Jeans und heller Bluse mit hochgekrempelten Ärmeln, an einen Gartenzaun gelehnt. Mit ernsten Augen in dem sehr schmalen Gesicht schaut sie direkt in die Kamera.
Mein Blick wandert zum Fenster, an dessen Scheibe sich die Regenspritzer immer wieder zu kleinen Tropfen formieren und nach unten rinnen wie Tränen.
Mein Gott, das war bei Jost an diesem Sommertag, wir haben Äpfel geerntet  …  
Jost war der Vater meiner besten Freundin. Eine Laune des Schicksals hatte uns damals zusammen geführt. Und eines Tages fuhr ich zu ihm hinaus aufs Land zur Apfelernte.
Ich fühlte mich vom ersten Moment an geborgen, als ich aus dem alten Bus stieg und ihn dort stehen sah, lässig an den dicken Stamm des großen Kastanienbaums gelehnt, den Schäferhund an seiner rechten Seite. Groß, kräftig, verwaschene Jeans, T-Shirt von undefinierbarer Farbe, vom Leben gezeichnet mit tiefen Falten im Gesicht, so kam er auf mich zu und gab mir seine breite warme Hand. Mir, der Verbitterten und Traurigen, derjenigen, die sich selbst verloren hatte, in dieser für sie so trostlosen Zeit.
Ja, ich bin schon mitten drin, in dem Zauber jener Tage … die mich seit langem das erste mal wieder teilhaben ließen an einer Welt, welche außerhalb meiner festgefahrenen Gedankengänge lag. Eingefroren im eigenen Ich Gefängnis, begann etwas in mir zu schmelzen. Meine Augen nahmen wieder Dinge war, Kleinigkeiten nur, die meine wunde Seele erreichten mit ungeahnter Eindringlichkeit.
Ich begann mich langsam zu öffnen ...

Es ist die Zigarettenpause nach der Apfelernte.
Ich sitze im Gras am Zaun, habe die Ärmel hochgestreift und spüre fast körperlich den Frieden, der über allem liegt.
Ein Staunen kommt über mich. Wie eine sanfte Berührung, ein Streicheln der nackten Haut, nehme ich das Besondere dieses Augenblicks war.
Alle Ängste und Sorgen, unheilvollen Gedanken, sind irgendwo liegen geblieben, ich weiß  nicht wo, sitze nur hier und möchte es ewig.

Später streife ich über die Wiese. Mal schauen, ob Pilze zu finden sind ...
Mein Blick geht zurück, Jost dort oben am Gartenzaun, den Hund an der Leine - schön, mir kann nichts passieren, über mich wird gewacht. Eine große Geborgenheit breitet sich in mir aus.
Ziellos stapfe ich durchs Gras und gehe in mich.
Etwas Zeit ist vergangen. Die Sonne hat sich inzwischen mit einem zarten Hauch von Orange überzogen und ich schlendere wieder  zurück zum Zaun. Ich beeile mich nicht, genieße noch ein wenig den frischen Duft von Gras und Heu, der wohltuend über der noch warmen Erde schwebt.
Er vermengt sich angenehm mit dem Geruch meiner von der Sonne gebräunten Haut. Ich öffne die oberen Knöpfe der Bluse, um den warmen Sommerwind einzufangen, der sich sacht zwischen meinen Brüsten verfängt. Sehr lange schon hatte ich mich so nicht mehr selbst wahrgenommen.
Jost schaut mir lächelnd entgegen, den linken Arm lässig  auf den Zaun gelegt, der Hund dösend zu seinen Füßen. Sie wirken beide zeitlos, als ob sie schon eine Ewigkeit hier wären, unverändert, verwachsen in Raum und Zeit.
„Komm, lass uns gehen.“
Er macht nach dem „Komm“ eine Pause und streckt mir aufmunternd seinen Arm entgegen. Ich ergreife seine warme, trockene Hand, fühle mich wohl darin -  und folge ihm.


 Die alten durchgetretenen Steinstufen haben sich gebeugt unter der Last der Jahre. Ganze Generationen sind über sie hinweg gestiegen und rundeten so die einst stolzen Kannten ab.
Wie Zähne, denke ich, die sich unter dem Kummer der Zeit abgeschliffen haben und kurz und schief geworden sind.
An den Seiten schimmert Moos.
Jost achtet nicht mehr darauf, als er das Haus betritt. Für ihn ist es alltäglich.
Ich folge ihm zögernd und befinde mich in einem dunklen quadratischen Hausflur, von dessen Wänden zahlreiche Türen abgehen. Mir gegenüber an der rechten Seite führt eine ausgetretene dunkle Holztreppe zu den oberen Räumen. Der flaschengrüne Steinfußboden ist sauber geschrubbt und es riecht es nach Bohnerwachs.
Wir betreten die Küche, links neben uns. Mir fällt sofort das alte Sofa mit dem zerschlissenen weinroten Samtbezug auf. Es strahlt eine große einnehmende Gemütlichkeit aus und ich verspüre sofort den starken Wunsch, mich in seine Tiefen fallen zu lassen. Gegenüber, auf der linken Seite, steht ein großes Küchenbuffet, auf dessen ehemals freien Fläche sich allerlei Krimskrams eingenistet hat. Bindfäden, eine Zange, Draht, 2 Brillen und noch vieles mehr bilden zusammen ein buntes Sammelsurium an Wichtigkeiten.
Jost lächelt mich an und geht zum Herd gleich neben der Tür: „Setz dich doch, ich koch uns erst mal einen Kaffee.“
Ja, ich setze mich und ein gleichzeitiges Knacken  verrät mir einiges mehr über die Betagtheit des alten Sofas.
Entspannt lege ich meine Hände auf den Küchentisch mit der alten Wachstuchdecke.  Die Streublümchen darauf kommen nur noch stellenweise zum Vorschein. Sie sind schon an den Rändern und in der Mitte der Decke verblasst vom jahrelangen Gebrauch.
Ich lehne mich zurück und beobachte Jost bei seinen Vorbereitungen. Gerade füllt er den Kaffee aus einer alten braunen Blechbüchse mit der roten Aufschrift „Caro“ in den Filter der zitronengelben Kaffeemaschine. Der Duft des Kaffees verbreitet sich sofort anheimelnd im Raum.
Ich lasse mich treiben von einer Stimmung der Geborgenheit, wie ich sie so schon lange nicht mehr gespürt habe. Und der Tag an der frischen Luft tut sein Übriges dazu, dass ich jetzt etwas schläfrig bin, eingekuschelt in einer Ecke des durchgesessenen Sofas.
Jost hat die oberen Glastüren des alten Büfetts geöffnet und bringt daraus bunt geblümte Kaffeetassen zum Vorschein, die er vorsichtig auf den Tisch stellt. Ich nehme einen feinen Geruch von Gewürzen wahr und denke, das muss so sein.
Es ist, als währe ich aus der Zeit herausgetreten und fühle mich in meine Kindheit zurück versetzt.


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MT
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BeitragVerfasst am: 14.06.2011 13:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Merlin,

ich kenne nur die überarbeitete Fassung. Die ist Dir in meinen Augen sehr gut gelungen. Du wählst zwar eine recht getragene Art des Erzählens, ich finde aber, sie passt zu der Szenerie, die beschrieben wird, sehr gut. Ich rieche die Äpfel, die sonnengebräunte Haut, höre den Wind in den Bäumen.

Und frage mich: Was hat die Erzählerin erlebt? Welche Photos wird sie noch zum Vorschein bringen und ihre Geschichten dazu erzählen.

Ich meine nicht, dass der Text zu lang/breit ist für eine längere Erzählung. Keineswegs. So, wie der Wind weht, so wehe ich als Leser mit und lasse mich entführen. Warm, weich, wissbegierig.

Über sprachliche Feinheiten kann man immer streiten, aber da sehe ich keine großen Patzer in Deinem Text. Was mir allerdings im logischen Zusammenhang aufgefallen ist: Zu Beginn lehnt die Prota am Zaun, später - beim Rauchen - sitzt sie. Komisch, beim "lehnen" sehe ich sie stehend, dann aber sitzt sie...

Ein schöner, gefühlvoller Text. Sehr gern gelesen.

LGMT


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Siegfried Lenz
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Nicki
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BeitragVerfasst am: 14.06.2011 14:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Merlin,
mir gefällt deine Geschichte, obwohl ich einige Passagen mehrmals lesen musste. Das hat wohl auch  mit dem Wechsel der Zeiten zu tun( oder mit meiner Konzentration?)
Einige Dinge sind mir noch aufgefallen, die man anders schreiben könnte, schau mal selbst:


Zitat:
Heute ist Sonntag und es regnet seit Stunden. Ich fühle mich wohl an einem solchen Tag, wenn das ganze Universum sich in uns selbst zu fokussieren scheint. Einfach treiben lassen, keine Verpflichtungen, die stören ...

Ja, mir geht es gut. Doch einmal gab es eine Zeit, in der ich fast zerbrach an mir.
Ein Todesfall, eine unglückliche Trennung – das waren die Auslöser für eine unendliche Traurigkeit, die mich mit festen Griff umklammert hielt und mir die Kraft am Leben raubte. Beinahe wäre es schief gegangen … damals. Es kam anders. muss nicht sein,sonst könnte es keine Ich-Erzählung sein
In den Tiefen meines Schreibtischs finde ich nach kurzem Suchen die Holzschatulle mit den alten Photos. Ich weiß nicht mehr, wann ich mir die Bilder das letzte mal betrachtet habe. Es muss schon sehr lange her sein.
Vorsichtig hebe ich den Deckel ab …
Ein Bild fällt mir sofort auf.lag es obenauf? Darauf ist eine junge Frau zu sehen in Jeans und heller Bluse mit hochgekrempelten Ärmeln, an einen Gartenzaun gelehnt. Mit ernsten Augen in dem sehr schmalen Gesicht schaut sie direkt in die Kamera.ist das die Erzählerin oder die beste Freundin?
Mein Blick wandert zum Fenster, an dessen Scheibe sich die Regenspritzer immer wieder zu kleinen Tropfen formieren und nach unten rinnen wie Tränen.
Mein Gott, das war bei Jost an diesem Sommertag, wir haben Äpfel geerntet …
Jost war der Vater meiner besten Freundin. Eine Laune des Schicksals hatte uns damals zusammen geführt. Und eines Tages fuhr ich zu ihm hinaus aufs Land zur Apfelernte.
Ich fühlte mich vom ersten Moment an geborgen, als ich aus dem alten Bus stieg und ihn dort stehen sah, lässig an den dicken Stamm des großen muss nicht beides seinKastanienbaums gelehnt, den Schäferhund an seiner rechten Seite. Groß, kräftig, verwaschene Jeans, T-Shirt von undefinierbarer Farbe, vom Leben gezeichnet mit tiefen Falten im Gesicht, so kam er auf mich zu und gab mir seine breite warme Hand. Mir, der Verbitterten und Traurigen, derjenigen, die sich selbst verloren hatte, in dieser für sie so trostlosen Zeit.
Ja, ich bin schon mitten drin, in dem Zauber jener Tage … die mich seit langem das erste mal wieder teilhaben ließen an einer Welt, welche außerhalb meiner festgefahrenen Gedankengänge lag. Eingefroren im eigenen Ich Gefängnis, begann etwas in mir zu schmelzen. Meine Augen nahmen wieder Dinge war, Kleinigkeiten nur, die meine wunde Seele erreichten mit ungeahnter Eindringlichkeit.
Ich begann mich langsam zu öffnen ...

Es ist die Zigarettenpause nach der Apfelernte.
Ich sitze im Gras am Zaun, habe die Ärmel hochgestreiftgekrempelt? und spüre fast körperlich den Frieden, der über allem liegt.
Ein Staunen kommt über mich. Wie eine sanfte Berührung, ein Streicheln der nackten Haut, nehme ich das Besondere dieses Augenblicks war.
Alle Ängste und Sorgen, unheilvollen Gedanken, sind irgendwo liegen geblieben, ich weiß nicht wo, sitze nur hier und möchte es ewig.

Später streife ich über die Wiese. Mal schauen, ob Pilze zu finden sind ...
Mein Blick geht zurück, Jost dort oben am Gartenzaun, den Hund an der Leine - schön, mir kann nichts passieren, über mich wird gewacht. Eine große Geborgenheit breitet sich in mir aus.
Ziellos stapfe ich durchs Gras und gehe in mich.
Etwas Zeit ist vergangen. Die Sonne hat sich inzwischen mit einem zarten Hauch von Orange überzogen und ich schlendere wieder zurück zum Zaun. Ich beeile mich nicht, genieße noch ein wenig den frischen Duft von Gras und Heu, der wohltuend über der noch warmen Erde schwebt.
Er vermengt sich angenehm mit dem Geruch meiner von der Sonne gebräunten Haut. Ich öffne die oberen Knöpfe der Bluse, um den warmen Sommerwind einzufangen, der sich sacht zwischen meinen Brüsten verfängt. Sehr lange schon hatte ich mich so nicht mehr selbst wahrgenommen.
Jost schaut mir lächelnd entgegen, den linken Arm lässig auf den Zaun gelegt, der Hund dösend zu seinen Füßen. Sie wirken beide zeitlos, als ob sie schon eine Ewigkeit hier wären, unverändert, verwachsen in Raum und Zeit.
„Komm, lass uns gehen.“
Er macht nach dem „Komm“ eine Pause und streckt mir aufmunternd seinen Arm entgegen. Ich ergreife seine warme, trockene Hand, fühle mich wohl darin - und folge ihm.


Die alten ausdurchgetretenen Steinstufen haben sich gebeugt unter der Last der Jahre. Ganze Generationen sind über sie hinweg gestiegen und rundeten so die einst stolzen Kannten ab.
Wie Zähne, denke ich, die sich unter dem Kummer der Zeit abgeschliffen haben und kurz und schief geworden sind.
An den Seiten schimmert Moos.
Jost achtet nicht mehr darauf, als wenn er das Haus betritt. Für ihn ist es alltäglich.
Ich folge ihm zögernd und befinde mich in einem dunklen quadratischen Hausflur, von dessen Wänden zahlreiche Türen abgehen. Mir gegenüber an der rechten Seite führt eine ausgetretene dunkle Holztreppe zu den oberen Räumen. Der flaschengrüne Steinfußboden ist sauber geschrubbt und es riecht es nach Bohnerwachs.
Wir betreten die Küche, links neben uns. Mir fällt sofort das alte Sofa mit dem zerschlissenen weinroten Samtbezug auf. Es strahlt eine große einnehmende Gemütlichkeit aus und ich verspüre sofort den starken Wunsch, mich in seine Tiefen fallen zu lassen. Gegenüber, auf der linken Seite, steht ein großes Küchenbuffet, auf dessen ehemals freien Fläche sich allerlei Krimskrams eingenistet hat.( einnisten in, eingefunden auf) Bindfäden, eine Zange, Draht, 2 Brillen und noch vieles mehr bilden zusammen ein buntes Sammelsurium an Wichtigkeiten.schön!
Jost lächelt mich an und geht zum Herd gleich neben der Tür: „Setz dich doch, ich koch uns erst mal einen Kaffee.“
Ja, ich setze mich und ein gleichzeitiges Knacken verrät mir einiges mehr über die Betagtheit des alten Sofas.
Entspannt lege ich meine Hände auf den Küchentisch mit der alten Wachstuchdecke. Die Streublümchen darauf kommen nur noch stellenweise zum Vorschein. Sie sind schon an den Rändern und in der Mitte der Decke verblasst vom jahrelangen Gebrauch.
Ich lehne mich zurück und beobachte Jost bei seinen Vorbereitungen. Gerade füllt er den Kaffee aus einer alten braunen Blechbüchse mit der roten Aufschrift „Caro“ in den Filter der zitronengelben Kaffeemaschine. Der Duft des Kaffees verbreitet sich sofort anheimelnd im Raum.
Ich lasse mich treiben von einer Stimmung der Geborgenheit, wie ich sie so schon lange nicht mehr gespürt habe. Und der Tag an der frischen Luft tut sein Übriges dazu, dass ich jetzt etwas schläfrig bin, eingekuschelt in einer Ecke des durchgesessenen Sofas.
Jost hat die oberen Glastüren des alten Büfetts geöffnet und bringt daraus bunt geblümte Kaffeetassen zum Vorschein, die er vorsichtig auf den Tisch stellt. Ich nehme einen feinen Geruch von Gewürzen wahr und denke, das muss so sein.
Es ist, als währe ich aus der Zeit herausgetreten und fühle mich in meine Kindheit zurück versetzt.

Einige Adjektive könntest du noch streichen, für meinen Geschmack brauchst du sie gar nicht, sie wirken zu aufdringlich.

Ansonsten sehr gerne gelesen
MfG
Nicki
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BeitragVerfasst am: 14.06.2011 22:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo MT,

über Deinen Kommentar habe ich mich jetzt sehr gefreut Smile
ich bin dabei, ein Gefühl für das Schreiben zu finden, mich auszuprobieren, etwas zu wagen ...
auch wenn ich noch auf schwankenden Boden stehe, die große Lust, Gedanken aufs Papier zu bringen, ist in mir ...
Dein Feedback ist mir dabei sehr wichtig -

zu Deiner Anmerkung betreffs sitzen/stehen: das am Gartenzaun stehen ist ja das Foto, es kann ja z.B. zu Beginn der Apfelernte gemacht worden sein, das am Gartenzaun sitzen ist nach der Apfelernte

lieben Gruß
Merlin

auch Dir Hallo, Nicki Smile

Danke, dass Du mir Deine Zeit geopfert hast, Deine Anregungen sind perfekt, ich habe sie fast alle übernommen, sind zwar nur Kleinigkeiten, aber sie tragen eine Menge bei zum Gesamtbild,
ich habe den Text nochmals nach überflüssigen Adjektiven durchkämmt und noch einiges entfernt,
Deine Gedanken waren mir sehr hilfreich

lieben Gruß
Merlin


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Merlin*
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BeitragVerfasst am: 14.06.2011 22:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Heute ist Sonntag und es regnet seit Stunden. Ich fühle mich wohl an einem solchen Tag, wenn das ganze Universum sich in uns selbst zu fokussieren scheint. Einfach treiben lassen, keine Verpflichtungen, die stören ...

Ja, mir geht es gut. Doch einmal gab es eine Zeit, in der ich fast zerbrach an mir.
Ein Todesfall, eine unglückliche Trennung – das waren die Auslöser für eine unendliche Traurigkeit, die mich mit festen Griff umklammert hielt und mir die Kraft am Leben raubte. Beinahe wäre es schief gegangen … damals.
In den Tiefen meines Schreibtischs finde ich nach kurzem Suchen die Holzschatulle mit den alten Photos. Ich weiß nicht mehr, wann ich mir die Bilder das letzte mal betrachtet habe. Es muss schon sehr lange her sein.
Vorsichtig hebe ich den Deckel ab …
Ein Bild fällt mir sofort auf. Darauf ist eine junge Frau zu sehen in Jeans und heller Bluse mit hochgekrempelten Ärmeln, an einen Gartenzaun gelehnt. Mit ernsten Augen in dem sehr schmalen Gesicht schaut sie direkt in die Kamera.
Mein Blick wandert zum Fenster, an dessen Scheibe sich die Regenspritzer immer wieder zu kleinen Tropfen formieren und nach unten rinnen wie Tränen.
Mein Gott, das war bei Jost an diesem Sommertag, wir haben Äpfel geerntet …
Jost war der Vater meiner besten Freundin. Eine Laune des Schicksals hatte uns damals zusammen geführt. Und eines Tages fuhr ich zu ihm hinaus aufs Land zur Apfelernte.
Ich fühlte mich vom ersten Moment an geborgen, als ich aus dem alten Bus stieg und ihn dort stehen sah, lässig an den Stamm eines Kastanienbaums gelehnt, den Schäferhund an seiner rechten Seite. Groß, kräftig, verwaschene Jeans, T-Shirt von undefinierbarer Farbe, vom Leben gezeichnet mit tiefen Falten im Gesicht, so kam er auf mich zu und gab mir seine breite warme Hand. Mir, der Verbitterten und Traurigen, derjenigen, die sich selbst verloren hatte, in dieser für sie so trostlosen Zeit.
Ja, ich bin schon mitten drin, in dem Zauber jener Tage … die mich seit langem das erste mal wieder teilhaben ließen an einer Welt, welche außerhalb meiner festgefahrenen Gedankengänge lag. Eingefroren im eigenen Ich Gefängnis, begann etwas in mir zu schmelzen. Meine Augen nahmen wieder Dinge war, Kleinigkeiten nur, die meine wunde Seele erreichten mit ungeahnter Eindringlichkeit.
Ich begann mich langsam zu öffnen ...

Es ist die Zigarettenpause nach der Apfelernte.
Ich sitze im Gras am Zaun, habe die Ärmel hochgekrempelt und spüre fast körperlich den Frieden, der über allem liegt.
Ein Staunen kommt über mich. Wie eine sanfte Berührung, ein Streicheln der nackten Haut, nehme ich das Besondere dieses Augenblicks war.
Alle Ängste und Sorgen, unheilvollen Gedanken, sind irgendwo liegen geblieben, ich weiß nicht wo, sitze nur hier und möchte es ewig.

Später streife ich über die Wiese. Mal schauen, ob Pilze zu finden sind ...
Mein Blick geht zurück, Jost dort oben am Gartenzaun, den Hund an der Leine - schön, mir kann nichts passieren, über mich wird gewacht. Eine große Geborgenheit breitet sich in mir aus.
Ziellos stapfe ich durchs Gras und gehe in mich.
Etwas Zeit ist vergangen. Die Sonne hat sich inzwischen mit einem zarten Hauch von Orange überzogen und ich schlendere wieder zurück zum Zaun. Ich beeile mich nicht, genieße noch ein wenig den frischen Duft von Gras und Heu, der wohltuend über der noch warmen Erde schwebt.
Er vermengt sich angenehm mit dem Geruch meiner von der Sonne gebräunten Haut. Ich öffne die oberen Knöpfe der Bluse, um den warmen Sommerwind einzufangen, der sich sacht zwischen meinen Brüsten verfängt. Sehr lange schon hatte ich mich so nicht mehr selbst wahrgenommen.
Jost schaut mir lächelnd entgegen, den linken Arm lässig auf den Zaun gelegt, der Hund dösend zu seinen Füßen. Sie wirken beide zeitlos, als ob sie schon eine Ewigkeit hier wären, unverändert, verwachsen in Raum und Zeit.
„Komm, lass uns gehen.“
Er macht nach dem „Komm“ eine Pause und streckt mir aufmunternd seinen Arm entgegen. Ich ergreife seine warme, trockene Hand, fühle mich wohl darin - und folge ihm.


Die alten ausgetretenen Steinstufen haben sich gebeugt unter der Last der Jahre. Ganze Generationen sind über sie hinweg gestiegen und rundeten so die einst stolzen Kannten ab.
Wie Zähne, denke ich, die sich unter dem Kummer der Zeit abgeschliffen haben und kurz und schief geworden sind.
An den Seiten schimmert Moos.
Jost achtet nicht mehr darauf, als er das Haus betritt. Für ihn ist es alltäglich.
Ich folge ihm zögernd und befinde mich in einem dunklen quadratischen Hausflur, von dessen Wänden zahlreiche Türen abgehen. Mir gegenüber an der rechten Seite führt eine ausgetretene dunkle Holztreppe zu den oberen Räumen. Der Steinfußboden ist sauber geschrubbt und es riecht es nach Bohnerwachs.
Wir betreten die Küche, links neben uns. Mir fällt sofort das alte Sofa mit dem weinroten Samtbezug auf. Es strahlt eine große einnehmende Gemütlichkeit aus und ich verspüre sofort den starken Wunsch, mich in seine Tiefen fallen zu lassen. Gegenüber, auf der linken Seite, steht ein großes Küchenbuffet, auf dessen ehemals freien Fläche sich allerlei Krimskrams eingefunden hat. Bindfäden, eine Zange, Draht, 2 Brillen und noch vieles mehr bilden zusammen ein buntes Sammelsurium an Wichtigkeiten.
Jost lächelt mich an und geht zum Herd gleich neben der Tür: „Setz dich doch, ich koch uns erst mal einen Kaffee.“
Ja, ich setze mich und ein gleichzeitiges Knacken verrät mir einiges mehr über die Betagtheit des Sofas.
Entspannt lege ich meine Hände auf den Küchentisch mit der hellen Wachstuchdecke. Die Streublümchen darauf kommen nur noch stellenweise zum Vorschein. Sie sind schon an den Rändern und in der Mitte der Decke verblasst vom jahrelangen Gebrauch.
Ich lehne mich zurück und beobachte Jost bei seinen Vorbereitungen. Gerade füllt er den Kaffee aus einer braunen Blechbüchse mit der roten Aufschrift „Caro“ in den Filter der zitronengelben Kaffeemaschine. Der Duft des Kaffees verbreitet sich sofort anheimelnd im Raum.
Ich lasse mich treiben von einer Stimmung der Geborgenheit, wie ich sie so schon lange nicht mehr gespürt habe. Und der Tag an der frischen Luft tut sein Übriges dazu, dass ich jetzt etwas schläfrig bin, eingekuschelt in einer Ecke des durchgesessenen Sofas.
Jost hat die oberen Glastüren des Büfetts geöffnet und bringt daraus geblümte Kaffeetassen zum Vorschein, die er vorsichtig auf den Tisch stellt. Ich nehme einen feinen Geruch von Gewürzen wahr und denke, das muss so sein.
Es ist, als wäre ich aus der Zeit herausgetreten und fühle mich in meine Kindheit zurück versetzt.


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BeitragVerfasst am: 15.06.2011 08:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Merlin,
ich probiere mich auch mal an einer liste der gedanken, die ich mir beim lesen gemacht habe, weil mir das thema und auch die geschichte selbst gefällt.

Merlin* hat Folgendes geschrieben:
Zurück zu mir
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Heute ist Sonntag und es regnet seit Stunden. Ich fühle mich wohl an einem solchen Tag, wenn das ganze Universum sich in uns selbst zu fokussieren scheint. Einfach treiben lassen, keine Verpflichtungen, die stören ...

Ja, mir geht es gut. Doch einmal gab es eine Zeit, in der ich fast zerbrach an mir.
Ein Todesfall, eine unglückliche Trennung – das waren die Auslöser für eine unendliche Traurigkeit (die traurigkeit bleibt für mich hier nur eine hülse, gerade das unendliche stört, ich denke auch wenn du das im laufe der geschichte noch beschreibst, solltest du schon hier mit ein paar wenigen sätzen auf die traurigkeit eingehen: wie hat sich der erzähler verhalten, als er traurig war, z. B., dann füllt sich der begriff ein wenig) , die mich mit festen Griff umklammert hielt und mir die Kraft am Leben raubte. Beinahe wäre es schief gegangen … damals.
In den Tiefen meines Schreibtischs finde ich nach kurzem Suchen die Holzschatulle mit den alten Photos. Ich weiß nicht mehr, wann ich mir die Bilder das letzte mal betrachtet habe. Es muss schon sehr lange her sein.
Vorsichtig hebe ich den Deckel ab …
Ein Bild fällt mir sofort auf. Darauf ist eine junge Frau zu sehen in Jeans und heller Bluse mit hochgekrempelten Ärmeln, an einen Gartenzaun gelehnt. Mit ernsten Augen in dem sehr schmalen Gesicht schaut sie direkt in die Kamera.
Mein Blick wandert zum Fenster, an dessen Scheibe sich die Regenspritzer immer wieder zu kleinen Tropfen formieren und nach unten rinnen wie Tränen. ("an dessen Scheibe" ist m.m.n. unnütz, als Vorschlag: Mein Blick wandert zum Fenster. Regenspritzer formieren sich immer wieder zu kleinen Tropfen, rinnen wie Tränen. - formieren, hmm, da ließe sich vielleicht auch ein weniger technisches wort finden)
Mein Gott, das war bei Jost an diesem Sommertag, wir haben Äpfel geerntet …
Jost war der Vater meiner besten Freundin. Eine Laune des Schicksals hatte uns damals zusammen geführt. Und eines Tages fuhr ich zu ihm hinaus aufs Land zur Apfelernte.
Ich fühlte mich vom ersten Moment an geborgen, als ich aus dem alten Bus stieg und ihn dort stehen sah, lässig an den Stamm eines Kastanienbaums gelehnt, den Schäferhund an seiner rechten Seite. Groß, kräftig, verwaschene Jeans, T-Shirt von undefinierbarer Farbe, vom Leben gezeichnet mit tiefen Falten im Gesicht, so kam er auf mich zu und gab mir seine breite warme Hand. Mir, der Verbitterten und Traurigen, derjenigen, die sich selbst verloren hatte, in dieser für sie so trostlosen Zeit.
Ja, ich bin schon mitten drin, in dem Zauber jener Tage … die mich seit langem das erste mal wieder teilhaben ließen an einer Welt, welche außerhalb meiner festgefahrenen Gedankengänge lag. Eingefroren im eigenen Ich Gefängnis (ich hätte das gern als ein Wort: Ichgefängnis oder Ich-Gefängnis), begann etwas in mir zu schmelzen. Meine Augen nahmen wieder Dinge war, Kleinigkeiten nur, die meine wunde Seele erreichten mit ungeahnter Eindringlichkeit.
Ich begann mich langsam zu öffnen ...

Es ist die Zigarettenpause nach der Apfelernte.
Ich sitze im Gras am Zaun, habe die Ärmel hochgekrempelt und spüre fast körperlich den Frieden, der über allem liegt.
Ein Staunen kommt über mich. Wie eine sanfte Berührung, ein Streicheln der nackten Haut, nehme ich das Besondere dieses Augenblicks war. (solche formulierungen benutzt du oft, der erzähler spürt dies und nimmt das wahr, versuch mir das anders zu zeigen, dann gehts auch in mich rein, als gefühl)
Alle Ängste und Sorgen, unheilvollen Gedanken, sind irgendwo liegen geblieben, ich weiß nicht wo, sitze nur hier und möchte es ewig.

Später streife ich über die Wiese. Mal schauen, ob Pilze zu finden sind ...
Mein Blick geht zurück, Jost dort oben am Gartenzaun, den Hund an der Leine - schön, mir kann nichts passieren, über mich wird gewacht. Eine große Geborgenheit breitet sich in mir aus.
Ziellos stapfe ich durchs Gras und gehe in mich.
Etwas Zeit ist vergangen. Die Sonne hat sich inzwischen mit einem zarten Hauch von Orange überzogen und ich schlendere wieder zurück zum Zaun. Ich beeile mich nicht, genieße noch ein wenig den frischen Duft von Gras und Heu, der wohltuend über der noch warmen Erde schwebt.
Er vermengt sich angenehm mit dem Geruch meiner von der Sonne gebräunten Haut. Ich öffne die oberen Knöpfe der Bluse, um den warmen Sommerwind einzufangen, der sich sacht zwischen meinen Brüsten verfängt. Sehr lange schon hatte ich mich so nicht mehr selbst wahrgenommen. (zuerst dachte ich: hmpf, was soll denn das jetzt, aber mit dem nachsatz: Sehr lange schon hatte ich mich so nicht mehr selbst wahrgenommen...wird es schön rund. Gefällt mir gut, gerade weil es mich erst etwas aus dem Text rausgeworfen hat, von wegen: "Muss das jetzt sein" und dann wieder zurückgeholt. Fein.)


Erstmal soviel zu meinen Gedanken. Grüße Crim
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BeitragVerfasst am: 16.06.2011 14:48    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Merlin,

habe deine Überarbeitung jetzt gelesen und mir gefällt sie. Ich mag in dieser lauten, aktionsgeladenen Zeit gerne leise Geschichten, die mich zum träumen bringen.  Ein paar Kleinigkeiten habe ich dennoch.

Merlin* hat Folgendes geschrieben:

Heute ist Sonntag und es regnet seit Stunden. Ich fühle mich wohl an einem solchen Tag, wenn das ganze Universum sich in uns selbst zu fokussieren scheint. Einfach treiben lassen, keine Verpflichtungen, die stören ...*

Ja, mir geht es gut. Doch einmal gab es eine Zeit, in der ich fast zerbrach an mir.
Ein Todesfall, eine unglückliche Trennung – das waren die Auslöser für eine unendliche Traurigkeit, die mich mit festen Griff umklammert hielt und mir die Kraft am Leben raubte. Beinahe wäre es schief gegangen … damals.
In den Tiefen meines Schreibtischs finde ich nach kurzem Suchen die Holzschatulle mit den alten Photos. Ich weiß nicht mehr, wann ich mir die Bilder das letzte mal betrachtet habe. Es muss schon sehr lange her sein.
Vorsichtig hebe ich den Deckel ab …
Ein Bild fällt mir sofort auf. Darauf ist eine junge Frau zu sehen in Jeans und heller Bluse mit hochgekrempelten Ärmeln, an einen Gartenzaun gelehnt. Mit ernsten Augen in dem sehr schmalen Gesicht schaut sie direkt in die Kamera.
Mein Blick wandert zum Fenster, an dessen Scheibe sich die Regenspritzer immer wieder zu kleinen Tropfen formieren und nach unten rinnen wie Tränen.
Mein Gott, das war bei Jost an diesem Sommertag, wir haben Äpfel geerntet …
Jost war der Vater meiner besten Freundin. Eine Laune des Schicksals hatte uns damals zusammen geführt. Und eines Tages fuhr ich zu ihm hinaus aufs Land zur Apfelernte.
Ich fühlte mich vom ersten Moment an geborgen, als ich aus dem alten Bus stieg und ihn dort stehen sah, lässig an den Stamm eines Kastanienbaums gelehnt, den Schäferhund an seiner rechten Seite. Groß, kräftig, verwaschene Jeans, T-Shirt von undefinierbarer Farbe, vom Leben gezeichnet mit tiefen Falten im Gesicht, so kam er auf mich zu und gab mir seine breite warme Hand. Mir, der Verbitterten und Traurigen, derjenigen, die sich selbst verloren hatte, in dieser für sie so trostlosen Zeit.
Ja, ich bin schon mitten drin, in dem Zauber jener Tage … die mich seit langem das erste mal wieder teilhaben ließen an einer Welt, welche außerhalb meiner festgefahrenen Gedankengänge lag. Eingefroren im eigenen Ich Gefängnis, begann etwas in mir zu schmelzen. Meine Augen nahmen wieder Dinge war, Kleinigkeiten nur, die meine wunde Seele erreichten mit ungeahnter Eindringlichkeit.
Ich begann mich langsam zu öffnen ...

Es ist die Zigarettenpause nach der Apfelernte.
Ich sitze im Gras am Zaun, habe die Ärmel hochgekrempelt und spüre fast körperlich den Frieden, der über allem liegt.
Ein Staunen kommt über mich. Wie eine sanfte Berührung, ein Streicheln der nackten Haut, nehme ich das Besondere dieses Augenblicks war.
Alle Ängste und Sorgen, unheilvollen Gedanken, sind irgendwo liegen geblieben, ich weiß nicht wo, sitze nur hier und möchte es ewig.

Später streife ich über die Wiese. Mal schauen, ob Pilze zu finden sind ...
Mein Blick geht zurück, Jost dort oben am Gartenzaun, den Hund an der Leine - schön, mir kann nichts passieren, über mich wird gewacht. Eine große Geborgenheit breitet sich in mir aus.
Ziellos stapfe ich durchs Gras und gehe in mich.
Etwas Zeit ist vergangen. Die Sonne hat sich inzwischen mit einem zarten Hauch von Orange überzogen und ich schlendere wieder zurück zum Zaun. Ich beeile mich nicht, genieße noch ein wenig den frischen Duft von Gras und Heu, der wohltuend über der noch warmen Erde schwebt.
Er vermengt sich angenehm mit dem Geruch meiner von der Sonne gebräunten Haut. Ich öffne die oberen Knöpfe der Bluse, um den warmen Sommerwind einzufangen, der sich sacht zwischen meinen Brüsten verfängt. Sehr lange schon hatte ich mich so nicht mehr selbst wahrgenommen. Das ist für mich ein etwas verschwurbelter Satz. Vielleicht besser: Schon lange hatte ich mich nicht mehr so wahrgenommen. ?
Jost schaut mir lächelnd entgegen, den linken Arm lässig auf den Zaun gelegt, der Hund dösend zu seinen Füßen. Sie wirken beide zeitlos, als ob sie schon eine Ewigkeit hier wären, unverändert, verwachsen in Raum und Zeit.
„Komm, lass uns gehen.“
Er macht nach dem „Komm“ eine Pause und streckt mir aufmunternd seinen Arm entgegen. Ich ergreife seine warme, trockene Hand, fühle mich wohl darin - und folge ihm.


Die alten ausgetretenen Steinstufen haben sich gebeugt unter der Last der Jahre. Ganze Generationen sind über sie hinweg gestiegen und rundeten so die einst stolzen Kannten ab.
Wie Zähne, denke ich, die sich unter dem Kummer der Zeit abgeschliffen haben und kurz und schief geworden sind.
An den Seiten schimmert Moos.
Jost achtet nicht mehr darauf, als er das Haus betritt. Für ihn ist es alltäglich.
Ich folge ihm zögernd und befinde mich in einem dunklen quadratischen Hausflur, von dessen Wänden zahlreiche Türen abgehen. Mir gegenüber an der rechten Seite führt eine ausgetretene dunkle Holztreppe zu den oberen Räumen. Der Steinfußboden ist sauber geschrubbt und es riecht es nach Bohnerwachs.
Wir betreten die Küche, links neben uns. Würde ich streichen. Mir fällt sofort das alte Sofa mit dem weinroten Samtbezug auf. Es strahlt eine große einnehmende Gemütlichkeit aus und ich verspüre sofort den starken Wunsch, mich in seine Tiefen fallen zu lassen. Gegenüber, auf der linken Seite, steht ein großes Küchenbuffet, auf dessen ehemals freien Fläche sich allerlei Krimskrams eingefunden hat. Bindfäden, eine Zange, Draht, 2 Brillen und noch vieles mehr bilden zusammen ein buntes Sammelsurium an Wichtigkeiten.
Jost lächelt mich an und geht zum Herd gleich neben der Tür: „Setz dich doch, ich koch uns erst mal einen Kaffee.“
Ja, ich setze mich und ein gleichzeitiges Knacken verrät mir einiges mehr über die Betagtheit des Sofas.
Entspannt lege ich meine Hände auf den Küchentisch mit der hellen Wachstuchdecke. Die Streublümchen darauf kommen nur noch stellenweise zum Vorschein. Sie sind schon an den Rändern und in der Mitte der Decke verblasst vom jahrelangen Gebrauch.
Ich lehne mich zurück und beobachte Jost bei seinen Vorbereitungen. Gerade füllt er den Kaffee aus einer braunen Blechbüchse mit der roten Aufschrift „Caro“ in den Filter der zitronengelben Kaffeemaschine. Der Duft des Kaffees verbreitet sich sofort anheimelnd im Raum.
Ich lasse mich treiben von einer Stimmung der Geborgenheit, wie ich sie so schon lange nicht mehr gespürt habe. Und der Tag an der frischen Luft tut sein Übriges dazu, dass ich jetzt etwas schläfrig bin, eingekuschelt in einer Ecke des durchgesessenen Sofas.
Jost hat die oberen Glastüren des Büfetts geöffnet und bringt daraus geblümte Kaffeetassen zum Vorschein, die er vorsichtig auf den Tisch stellt. Ich nehme einen feinen Geruch von Gewürzen wahr und denke, das muss so sein.
Es ist, als wäre ich aus der Zeit herausgetreten und fühle mich in meine Kindheit zurück versetzt.


Liebe Grüße
Monika
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Merlin*
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BeitragVerfasst am: 18.06.2011 19:29    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo crim,

ich danke Dir sehr für Deinen hilfreichen Kommentar, Deine Gedankengänge sind für mich gut nachvollziehbar und unterstützen mich positiv in meinen Überlegungen zum Fortgang der Geschichte.

Zitat:
(die traurigkeit bleibt für mich hier nur eine hülse, gerade das unendliche stört, ich denke auch wenn du das im laufe der geschichte noch beschreibst, solltest du schon hier mit ein paar wenigen sätzen auf die traurigkeit eingehen: wie hat sich der erzähler verhalten, als er traurig war, z. B., dann füllt sich der begriff ein wenig) ,


ich bin schon mehrfach angesprochen worden, dass ich diese Traurigkeit doch genauer erklären solle, wie es zu ihr kam, ich trage mich mit dem Gedanken (bin ein bisschen mutig geworden Smile  ), die Geschichte doch noch weiter auszubauen, aber über die weitere Handlung bin ich mir noch nicht ganz im klaren,
Zitat:
("an dessen Scheibe" ist m.m.n. unnütz, als Vorschlag: Mein Blick wandert zum Fenster. Regenspritzer formieren sich immer wieder zu kleinen Tropfen, rinnen wie Tränen. - formieren, , da ließe sich vielleicht auch ein weniger technisches wort finden)

sind zwar nur Kleinigkeiten, aber sie machen Sinn - Danke

Zitat:
(solche formulierungen benutzt du oft, der erzähler spürt dies und nimmt das wahr, versuch mir das anders zu zeigen, dann gehts auch in mich rein, als gefühl)


könntest Du mir das genauer erklären ... ein Beispiel?
Ichgefängnis geht klar, gefällt mir auch besser, ich hatte auf den Gerold gehört Smile
Danke für Dein Lob am Schluss, darüber freu ich mich sehr

liebe Monika,

Zitat:
Ich mag in dieser lauten, aktionsgeladenen Zeit gerne leise Geschichten, die mich zum träumen bringen.


das freut mich, ich hatte zu Anfang befürchtet, dass so etwas heutzutage
niemanden interessiert, aber bin mittlerweile eines Besseren belehrt worden Smile

Zitat:
Das ist für mich ein etwas verschwurbelter Satz. Vielleicht besser: Schon lange hatte ich mich nicht mehr so wahrgenommen. ?

Prima! Das gefällt mir ...
das mir streiche ich, Du hast recht

Zitat:
links neben uns. Würde ich streichen.
ja, ich formuliere es
etwas um

Monika, auch Dir ein dickes Danke, Du hast mir so die Daumen gedrückt ... es hat geholfen Smile
nun muss ich mir bloß noch einen Kopf machen, wie es weiter geht ... Smile

lieben Gruß
Merlin


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The Brain
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BeitragVerfasst am: 18.06.2011 22:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Merlin,

eine schöne leise Geschichte, wenn sie für mich auch noch keine Ende hat ... ? Also weiter!
Groß anzumerken habe ich bei deiner letzten Version, die einzige, die ich gelesen habe, nun nichts mehr. Paloma und crim haben ja schon ein wenig gesagt. Das einzige, was mir aufgefallen ist - Caro - war das nicht löslicher Kaffee? Also kein Filter notwendig?


Liebe Grüße

Brain


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Die Kindheit endet nicht mit dem Erwachsenwerden.
Sie begleitet dich durch all deine Lebenstage.

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Doch sie weisen dich geheim
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(Hermann Hesse)
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Merlin*
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BeitragVerfasst am: 18.06.2011 23:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zurück zu mir
                                                                         (Arbeitstitel)
 

Heute ist Sonntag und es regnet seit Stunden. Ich fühle mich wohl an einem solchen Tag, wenn sich scheinbar die ganze Welt auf mein Zimmer reduziert hat und es  der einzig wahre und sicherste Ort im Universum ist. Abgeschirmt von allem Störenden, können sich die Gedanken ungehindert frei entfalten.
  
  
Ja, mir geht es gut. Doch einmal gab es eine Zeit, in der ich fast zerbrach an mir.
Ein Todesfall, eine unglückliche Trennung – das waren die Auslöser für eine unendliche Traurigkeit, die mich mit festen Griff umklammert hielt und mir die Kraft am Leben raubte. Beinahe wäre es schief gegangen … damals.
In den Tiefen meines Schreibtischs finde ich nach kurzem Suchen die Holzschatulle mit den alten Photos. Ich weiß nicht mehr, wann ich die Bilder das letzte mal betrachtet habe. Es muss schon sehr lange her sein.

Vorsichtig hebe ich den Deckel ab. Ein Bild fällt mir besonders auf.

Darauf ist eine junge Frau zu sehen in Jeans und heller Bluse mit hochgekrempelten Ärmeln, an einen Gartenzaun gelehnt. Mit ernsten Augen in dem sehr schmalen Gesicht schaut sie direkt in die Kamera.

Mein Blick wandert zum Fenster, an dem sich die Regenspritzer immer noch zu kleinen Tropfen sammeln und nach unten rinnen wie Tränen.


Mein Gott, das war bei Jost an diesem Sommertag, wir haben Äpfel geerntet …
Jost war der Vater meiner besten Freundin. Eine Laune des Schicksals hatte uns damals zusammen geführt. Und eines Tages fuhr ich zu ihm hinaus aufs Land zur Apfelernte.
Ich fühlte mich vom ersten Moment an geborgen, als ich aus dem alten Bus stieg und ihn dort stehen sah, lässig an den Stamm eines Kastanienbaums gelehnt, den Schäferhund an seiner rechten Seite. Groß, kräftig, verwaschene Jeans, T-Shirt von undefinierbarer Farbe, vom Leben gezeichnet mit tiefen Falten im Gesicht, so kam er auf mich zu und gab mir seine breite warme Hand. Mir, der Verbitterten und Traurigen, derjenigen, die sich selbst verloren hatte, in dieser für sie so trostlosen Zeit.
Ja, ich bin schon mitten drin, in dem Zauber jener Tage … die mich seit langem das erste mal wieder teilhaben ließen an einer Welt, welche außerhalb meiner festgefahrenen Gedankengänge lag. Meine innere Erstarrung begann sich zu lösen und meine Augen nahmen wieder Dinge war, Kleinigkeiten nur, die meine wunde Seele erreichten mit ungeahnter Eindringlichkeit.
Langsam fing ich an, mich zu öffnen ...

Es ist die Zigarettenpause nach der Apfelernte.
Ich sitze im Gras am Zaun, habe die Ärmel hochgekrempelt und spüre fast körperlich den Frieden, der über allem liegt.
Ein Staunen kommt über mich. Wie eine sanfte Berührung, ein Streicheln der nackten Haut, nehme ich das Besondere dieses Augenblicks war.
Alle Ängste und Sorgen, unheilvollen Gedanken, sind irgendwo liegen geblieben, ich weiß nicht wo, sitze nur hier und möchte es ewig.

Später streife ich über die Wiese. Mal schauen, ob Pilze zu finden sind ...
Mein Blick geht zurück, Jost dort oben am Gartenzaun, den Hund an der Leine - schön, mir kann nichts passieren, über mich wird gewacht. Eine große Geborgenheit breitet sich in mir aus.
Ziellos stapfe ich durchs Gras und gehe in mich.
Etwas Zeit ist vergangen. Die Sonne hat sich inzwischen mit einem zarten Hauch von Orange überzogen und ich schlendere wieder zurück zum Zaun. Ich beeile mich nicht, genieße noch ein wenig den frischen Duft von Gras und Heu, der wohltuend über der noch warmen Erde schwebt.
Er vermengt sich angenehm mit dem Geruch meiner von der Sonne gebräunten Haut. Ich öffne die oberen Knöpfe der Bluse, um den warmen Sommerwind einzufangen, der sich sacht zwischen meinen Brüsten verfängt. Schon lange hatte ich mich nicht mehr so wahrgenommen.
Jost schaut mir lächelnd entgegen, den linken Arm lässig auf den Zaun gelegt, der Hund dösend zu seinen Füßen. Sie wirken beide zeitlos, als ob sie schon eine Ewigkeit hier wären, unverändert, verwachsen in Raum und Zeit.
„Komm, lass uns gehen.“
Er macht nach dem „Komm“ eine Pause und streckt mir aufmunternd seinen Arm entgegen. Ich ergreife seine warme, trockene Hand, fühle mich wohl darin - und folge ihm.


Die alten ausgetretenen Steinstufen haben sich gebeugt unter der Last der Jahre. Ganze Generationen sind über sie hinweg gestiegen und rundeten so die einst stolzen Kannten ab.
Wie Zähne, denke ich, die sich unter dem Kummer der Zeit abgeschliffen haben und kurz und schief geworden sind.
An den Seiten schimmert Moos.
Jost achtet nicht mehr darauf, als er das Haus betritt. Für ihn ist es alltäglich.
Ich folge ihm zögernd und befinde mich in einem dunklen quadratischen Hausflur, von dessen Wänden zahlreiche Türen abgehen. Mir gegenüber an der rechten Seite führt eine ausgetretene dunkle Holztreppe zu den oberen Räumen. Der Steinfußboden ist sauber geschrubbt und es riecht nach Bohnerwachs.
Wir betreten den Raum neben uns, die Küche. Mir fällt sofort das alte Sofa mit dem weinroten Samtbezug auf. Es strahlt eine große einnehmende Gemütlichkeit aus und ich verspüre sofort den starken Wunsch, mich in seine Tiefen fallen zu lassen. Gegenüber, auf der linken Seite, steht ein großes Küchenbuffet, auf dessen ehemals freien Fläche sich allerlei Krimskrams eingefunden hat. Bindfäden, eine Zange, Draht, 2 Brillen und noch vieles mehr bilden zusammen ein buntes Sammelsurium an Wichtigkeiten.
Jost lächelt mich an und geht zum Herd gleich neben der Tür: „Setz dich doch, ich koch uns erst mal einen Kaffee.“
Ja, ich setze mich und ein gleichzeitiges Knacken verrät mir einiges mehr über die Betagtheit des Sofas.
Entspannt lege ich meine Hände auf den Küchentisch mit der hellen Wachstuchdecke. Die Streublümchen darauf kommen nur noch stellenweise zum Vorschein. Sie sind schon an den Rändern und in der Mitte der Decke verblasst vom jahrelangen Gebrauch.
Ich lehne mich zurück und beobachte Jost bei seinen Vorbereitungen. Gerade füllt er den Kaffee aus einer braunen Blechbüchse mit der roten Aufschrift „Caro“ in den Filter der zitronengelben Kaffeemaschine. Der Duft des Kaffees verbreitet sich sofort anheimelnd im Raum.
Ich lasse mich treiben von einer Stimmung der Geborgenheit, wie ich sie so schon lange nicht mehr gespürt habe. Und der Tag an der frischen Luft tut sein Übriges dazu, dass ich jetzt etwas schläfrig bin, eingekuschelt in meiner Ecke des durchgesessenen Sofas.
Jost hat die oberen Glastüren des Büfetts geöffnet und bringt daraus geblümte Kaffeetassen zum Vorschein, die er vorsichtig auf den Tisch stellt. Ich nehme einen feinen Geruch von Gewürzen wahr und denke, das muss so sein.
Es ist, als wäre ich aus der Zeit herausgetreten und fühle mich in meine Kindheit zurück versetzt.


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Merlin*
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BeitragVerfasst am: 18.06.2011 23:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Brain,

ich danke Dir für Dein Lesen,

ja, Du hast recht mit dem löslichen Kaffee,

doch ich denke, den gibt es schon längst nicht mehr in solchen Blechbüchsen, sie soll ein Überbleibsel von vielen Überbleibseln sein an diesem Ort, nur die Kaffeemaschine ist neueren Datums in diesem Raum, vielleicht ein Geschenk...

schön, dass Dir meine Geschichte gefällt, es ist auch eine Fortsetzung geplant

lieben Gruß
Merlin


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crim
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BeitragVerfasst am: 19.06.2011 09:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Merlin, du bittest um ein Beispiel. Es ist nur Erbsenpickerei. Aber hier, das meine ich mit, du spürst das und nimmst dies und jenes wahr.

Merlin* hat Folgendes geschrieben:
Zurück zu mir
                                                                         (Arbeitstitel)
 

Heute ist Sonntag und es regnet seit Stunden. Ich fühle mich wohl an einem solchen Tag, wenn sich scheinbar die ganze Welt auf mein Zimmer reduziert hat und es  der einzig wahre und sicherste Ort im Universum ist. Abgeschirmt von allem Störenden, können sich die Gedanken ungehindert frei entfalten.
  
  
Ja, mir geht es gut. Doch einmal gab es eine Zeit, in der ich fast zerbrach an mir.
Ein Todesfall, eine unglückliche Trennung – das waren die Auslöser für eine unendliche Traurigkeit, die mich mit festen Griff umklammert hielt und mir die Kraft am Leben raubte. Beinahe wäre es schief gegangen … damals.
In den Tiefen meines Schreibtischs finde ich nach kurzem Suchen die Holzschatulle mit den alten Photos. Ich weiß nicht mehr, wann ich die Bilder das letzte mal betrachtet habe. Es muss schon sehr lange her sein.

Vorsichtig hebe ich den Deckel ab. Ein Bild fällt mir besonders auf.

Darauf ist eine junge Frau zu sehen in Jeans und heller Bluse mit hochgekrempelten Ärmeln, an einen Gartenzaun gelehnt. Mit ernsten Augen in dem sehr schmalen Gesicht schaut sie direkt in die Kamera.

Mein Blick wandert zum Fenster, an dem sich die Regenspritzer immer noch zu kleinen Tropfen sammeln und nach unten rinnen wie Tränen.


Mein Gott, das war bei Jost an diesem Sommertag, wir haben Äpfel geerntet …
Jost war der Vater meiner besten Freundin. Eine Laune des Schicksals hatte uns damals zusammen geführt. Und eines Tages fuhr ich zu ihm hinaus aufs Land zur Apfelernte.
Ich fühlte mich vom ersten Moment an geborgen, als ich aus dem alten Bus stieg und ihn dort stehen sah, lässig an den Stamm eines Kastanienbaums gelehnt, den Schäferhund an seiner rechten Seite. Groß, kräftig, verwaschene Jeans, T-Shirt von undefinierbarer Farbe, vom Leben gezeichnet mit tiefen Falten im Gesicht, so kam er auf mich zu und gab mir seine breite warme Hand. Mir, der Verbitterten und Traurigen, derjenigen, die sich selbst verloren hatte, in dieser für sie so trostlosen Zeit.
Ja, ich bin schon mitten drin, in dem Zauber jener Tage … die mich seit langem das erste mal wieder teilhaben ließen an einer Welt, welche außerhalb meiner festgefahrenen Gedankengänge lag. Meine innere Erstarrung begann sich zu lösen und meine Augen nahmen wieder Dinge war, Kleinigkeiten nur, die meine wunde Seele erreichten mit ungeahnter Eindringlichkeit.
Langsam fing ich an, mich zu öffnen ...

Es ist die Zigarettenpause nach der Apfelernte.
Ich sitze im Gras am Zaun, habe die Ärmel hochgekrempelt und spüre fast körperlich den Frieden, der über allem liegt.
Ein Staunen kommt über mich. Wie eine sanfte Berührung, ein Streicheln der nackten Haut, nehme ich das Besondere dieses Augenblicks war.
Alle Ängste und Sorgen, unheilvollen Gedanken, sind irgendwo liegen geblieben, ich weiß nicht wo, sitze nur hier und möchte es ewig.

Später streife ich über die Wiese. Mal schauen, ob Pilze zu finden sind ...
Mein Blick geht zurück, Jost dort oben am Gartenzaun, den Hund an der Leine - schön, mir kann nichts passieren, über mich wird gewacht. Eine große Geborgenheit breitet sich in mir aus.
Ziellos stapfe ich durchs Gras und gehe in mich.
Etwas Zeit ist vergangen. Die Sonne hat sich inzwischen mit einem zarten Hauch von Orange überzogen und ich schlendere wieder zurück zum Zaun. Ich beeile mich nicht, genieße noch ein wenig den frischen Duft von Gras und Heu, der wohltuend über der noch warmen Erde schwebt.
Er vermengt sich angenehm mit dem Geruch meiner von der Sonne gebräunten Haut. Ich öffne die oberen Knöpfe der Bluse, um den warmen Sommerwind einzufangen, der sich sacht zwischen meinen Brüsten verfängt. Schon lange hatte ich mich nicht mehr so wahrgenommen.
Jost schaut mir lächelnd entgegen, den linken Arm lässig auf den Zaun gelegt, der Hund dösend zu seinen Füßen. Sie wirken beide zeitlos, als ob sie schon eine Ewigkeit hier wären, unverändert, verwachsen in Raum und Zeit.
„Komm, lass uns gehen.“
Er macht nach dem „Komm“ eine Pause und streckt mir aufmunternd seinen Arm entgegen. Ich ergreife seine warme, trockene Hand, fühle mich wohl darin - und folge ihm.


Die alten ausgetretenen Steinstufen haben sich gebeugt unter der Last der Jahre. Ganze Generationen sind über sie hinweg gestiegen und rundeten so die einst stolzen Kannten ab.
Wie Zähne, denke ich, die sich unter dem Kummer der Zeit abgeschliffen haben und kurz und schief geworden sind.
An den Seiten schimmert Moos.
Jost achtet nicht mehr darauf, als er das Haus betritt. Für ihn ist es alltäglich.
Ich folge ihm zögernd und befinde mich in einem dunklen quadratischen Hausflur, von dessen Wänden zahlreiche Türen abgehen. Mir gegenüber an der rechten Seite führt eine ausgetretene dunkle Holztreppe zu den oberen Räumen. Der Steinfußboden ist sauber geschrubbt und es riecht nach Bohnerwachs.
Wir betreten den Raum neben uns, die Küche. Mir fällt sofort das alte Sofa mit dem weinroten Samtbezug auf. Es strahlt eine große einnehmende Gemütlichkeit aus und ich verspüre sofort den starken Wunsch, mich in seine Tiefen fallen zu lassen. Gegenüber, auf der linken Seite, steht ein großes Küchenbuffet, auf dessen ehemals freien Fläche sich allerlei Krimskrams eingefunden hat. Bindfäden, eine Zange, Draht, 2 Brillen und noch vieles mehr bilden zusammen ein buntes Sammelsurium an Wichtigkeiten.
Jost lächelt mich an und geht zum Herd gleich neben der Tür: „Setz dich doch, ich koch uns erst mal einen Kaffee.“
Ja, ich setze mich und ein gleichzeitiges Knacken verrät mir einiges mehr über die Betagtheit des Sofas.
Entspannt lege ich meine Hände auf den Küchentisch mit der hellen Wachstuchdecke. Die Streublümchen darauf kommen nur noch stellenweise zum Vorschein. Sie sind schon an den Rändern und in der Mitte der Decke verblasst vom jahrelangen Gebrauch.
Ich lehne mich zurück und beobachte Jost bei seinen Vorbereitungen. Gerade füllt er den Kaffee aus einer braunen Blechbüchse mit der roten Aufschrift „Caro“ in den Filter der zitronengelben Kaffeemaschine. Der Duft des Kaffees verbreitet sich sofort anheimelnd im Raum.
Ich lasse mich treiben von einer Stimmung der Geborgenheit, wie ich sie so schon lange nicht mehr gespürt habe. Und der Tag an der frischen Luft tut sein Übriges dazu, dass ich jetzt etwas schläfrig bin, eingekuschelt in meiner Ecke des durchgesessenen Sofas.
Jost hat die oberen Glastüren des Büfetts geöffnet und bringt daraus geblümte Kaffeetassen zum Vorschein, die er vorsichtig auf den Tisch stellt. Ich nehme einen feinen Geruch von Gewürzen wahr und denke, das muss so sein.
Es ist, als wäre ich aus der Zeit herausgetreten und fühle mich in meine Kindheit zurück versetzt.


...ich fühle mich...
...mir geht es...
...ich fühlte mich geborgen....
...nahmen wieder wahr...
...spüre fast...
...nehme ich wahr...
...Geborgenheit breitet sich in mir aus...
...hatte ich mich wahrgenommen...
...fühle mich...
...ich verspüre...
...Stimmung der Geborgenheit...
...gespürt habe...
...ich nehme wahr...
...fühle mich...

Das sind erstmal die Beispiele.

Ich fühlte mich vom ersten Moment an geborgen, als ich aus dem alten Bus stieg und ihn dort stehen sah, lässig an den Stamm eines Kastanienbaums gelehnt, den Schäferhund an seiner rechten Seite. Groß, kräftig, verwaschene Jeans, T-Shirt von undefinierbarer Farbe, vom Leben gezeichnet mit tiefen Falten im Gesicht, so kam er auf mich zu und gab mir seine breite warme Hand.

Hier machst du es gut, du füllst das Wort geborgen mit der Berührung seiner breiten warmen Hand und auch mit dem Bild, wie er groß und kräftig als eine Art Beschützer am Zaun steht. So komme ich gut rein. Später musst du eigentlich nicht mehr die Geborgenheit erwähnen, sie entwickelt sich aus bspw. dem Duft des Kaffees. Der zweite Blick auf Jost am Zaun ist m.m.n. eine reine Wiederholung, Geborgenheit breitet sich aus in diesem Zusammenhang ebenfalls.

Ebenso bei: Du spürst fast körperlich den Frieden und wie eine Berührung nimmst du das Besondere des Augenblicks wahr. Direkt hintereinander ist es für mich eine Wiederholung, eine die es mit Bildern zu füllen gilt, wie du es schon mit der breiten warmen Hand von Jost gemacht hast.

Wenn du solche Sachen zeigst, muss der Ich-Erzähler selbst nicht sagen, wie er sich fühlt. Mein Vorschlag: Nutze auch hier die Umgebung und die anderen Personen der Geschichte, um die Wahrnehmungen des Erzählers nicht offen auf den Tisch legen zu müssen.

Ich hoffe das ist das verlangte Beispiel.

 Ich öffne die oberen Knöpfe der Bluse, um den warmen Sommerwind einzufangen, der sich sacht zwischen meinen Brüsten verfängt. Schon lange hatte ich mich nicht mehr so wahrgenommen.

Nochmal hierzu: In diesem Teil ist es wirklich wichtig, dass die Erzählerin sagt, sie habe sich so schon lange nicht mehr wahrgenommen, weil es etwas besonderes ist. Bei vielen anderen Stellen, kann die Situation selbst viel mehr über das Innenleben des Erzählers sagen.

Nur meine Meinung, wie schon gesagt, ich befasse mich sehr gern mit diesem Text und übe Kritik daran, gerade weil er mir gefällt, er mich aber noch mehr reinziehen könnte, wenn die Gefühle einfach aufkommen würden, weniger von der Erzählerin offenkundig als Wahrnehmung eines bestimmten Gefühls beschrieben würden.
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Merlin*
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BeitragVerfasst am: 19.06.2011 16:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey crim,

oh man, das ist mir fast peinlich, wegen einer kleinen Frage so einen Aufwand!!! Ich hatte mit 1 oder 2 Sätzen gerechnet ...
Aber ich weiß es zu schätzen, kannst Du mir glauben  Smile

ich empfinde es überhaupt nicht als Erbsenzählerei, das am allerwenigsten -
wenn ich weiter schreiben möchte, dann weiß ich wenigstens, dass ich darauf achten muss,
ja, ich verstehe, was Du meinst, das ist wirklich etwas zu viel des Guten, da werde ich an einigen Stellen noch etwas verändern müssen ...
Dein Überblick ist sehr anschaulich, deutlicher kannst Du es nicht erklären

Dir nochmals vielen lieben Dank

freundlichste Grüße sendet Dir Merlin


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Merlin*
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BeitragVerfasst am: 19.06.2011 22:36    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, lieber crim,

ich bin nochmals mit der Schere durch den Text marschiert, habe aber auch Neues gepflanzt, ich denke, es müsste jetzt auch in Deinem Sinne sein, ich zumindest habe, nachdem ich bei dir Rot gesehen habe Smile, jetzt ein besseres Gefühl ...


                                                                      Zurück zu mir
                                                                         (Arbeitstitel)
 

Heute ist Sonntag und es regnet seit Stunden. Ich fühle mich befreit und losgelöst an einem solchen Tag, bar aller Verpflichtungen. Dann, wenn sich scheinbar die ganze Welt auf mein Zimmer reduziert und es  der einzig wahre und sicherste Ort im Universum ist, abgeschirmt von allem Störenden, dann erst können sich die Gedanken ungehindert frei entfalten.
  
  
Ja, mir geht es gut. Doch einmal gab es eine Zeit, in der ich fast zerbrach an mir.
Ein Todesfall, eine unglückliche Trennung – das waren die Auslöser für eine unendliche Traurigkeit, die mich mit festen Griff umklammert hielt und mir die Kraft am Leben raubte. Beinahe wäre es schief gegangen … damals.
In den Tiefen meines Schreibtischs finde ich nach kurzem Suchen die Holzschatulle mit den alten Photos. Ich weiß nicht mehr, wann ich die Bilder das letzte mal betrachtet habe. Es muss schon sehr lange her sein.

Vorsichtig hebe ich den Deckel ab. Ein Bild fällt mir besonders auf.

Darauf ist eine junge Frau zu sehen in Jeans und heller Bluse mit hochgekrempelten Ärmeln, an einen Gartenzaun gelehnt. Mit ernsten Augen in dem sehr schmalen Gesicht schaut sie direkt in die Kamera.

Mein Blick wandert zum Fenster, an dem sich die Regenspritzer immer noch zu kleinen Tropfen sammeln und nach unten rinnen wie Tränen.


Mein Gott, das war bei Jost an diesem Sommertag, wir haben Äpfel geerntet …
Jost war der Vater meiner besten Freundin. Eine Laune des Schicksals hatte uns damals zusammen geführt. Und eines Tages fuhr ich zu ihm hinaus aufs Land zur Apfelernte.
„Ich werde erwartet“, war mein Gedanke, als ich aus dem alten Bus stieg und ihn dort stehen sah, lässig an den Stamm eines Kastanienbaums gelehnt, den Schäferhund an seiner rechten Seite. Groß, kräftig, verwaschene Jeans, T-Shirt von undefinierbarer Farbe, vom Leben gezeichnet mit tiefen Falten im Gesicht, so kam er auf mich zu und gab mir seine breite warme Hand. Mir, der Verbitterten und Traurigen, derjenigen, die sich selbst verloren hatte, in dieser für sie so trostlosen Zeit.
Ja, ich bin schon mitten drin, in dem Zauber jener Tage … die mich seit langem das erste mal wieder teilhaben ließen an einer Welt, welche außerhalb meiner festgefahrenen Gedankengänge lag. Meine innere Erstarrung begann sich zu lösen und meine Augen nahmen wieder Dinge war, Kleinigkeiten nur, die meine wunde Seele erreichten mit ungeahnter Eindringlichkeit.
Langsam fing ich an, mich zu öffnen ...

Es ist die Zigarettenpause nach der Apfelernte.
Ich sitze im Gras am Zaun, habe die Ärmel hochgekrempelt und spüre fast körperlich den Frieden, der über allem liegt.
Ein Staunen kommt über mich. Wie eine sanfte Berührung, ein Streicheln der nackten Haut, fühle ich das Besondere dieses Augenblicks.
Alle Ängste und Sorgen, unheilvollen Gedanken, sind irgendwo liegen geblieben, ich weiß nicht wo, sitze nur hier und möchte es ewig.

Später streife ich über die Wiese. Mal schauen, ob Pilze zu finden sind ...
Mein Blick geht zurück, Jost dort oben am Gartenzaun, den Hund an der Leine - schön, mir kann nichts passieren, über mich wird gewacht.
Ziellos stapfe ich durchs Gras und gehe in mich.
Etwas Zeit ist vergangen. Die Sonne hat sich inzwischen mit einem zarten Hauch von Orange überzogen und ich schlendere wieder zurück zum Zaun. Ich beeile mich nicht, genieße noch ein wenig den frischen Duft von Gras und Heu, der wohltuend über der noch warmen Erde schwebt.
Er vermengt sich angenehm mit dem Geruch meiner von der Sonne gebräunten Haut. Ich öffne die oberen Knöpfe der Bluse, um den warmen Sommerwind einzufangen, der sich sacht zwischen meinen Brüsten verfängt. Schon lange hatte ich mich nicht mehr so wahrgenommen.
Jost schaut mir lächelnd entgegen, den linken Arm lässig auf den Zaun gelegt, der Hund dösend zu seinen Füßen. Sie wirken beide zeitlos, als ob sie schon eine Ewigkeit hier wären, unverändert, verwachsen in Raum und Zeit.
„Komm, lass uns gehen.“
Er macht nach dem „Komm“ eine Pause und streckt mir aufmunternd seinen Arm entgegen. Ich ergreife seine warme, trockene Hand, fühle mich wohl darin - und folge ihm.


Die alten ausgetretenen Steinstufen haben sich gebeugt unter der Last der Jahre. Ganze Generationen sind über sie hinweg gestiegen und rundeten so die einst stolzen Kannten ab.
Wie Zähne, denke ich, die sich unter dem Kummer der Zeit abgeschliffen haben und kurz und schief geworden sind.
An den Seiten schimmert Moos.
Jost achtet nicht mehr darauf, als er das Haus betritt. Für ihn ist es alltäglich.
Ich folge ihm zögernd und befinde mich in einem dunklen quadratischen Hausflur, von dessen Wänden zahlreiche Türen abgehen. Mir gegenüber an der rechten Seite führt eine ausgetretene dunkle Holztreppe zu den oberen Räumen. Der Steinfußboden ist sauber geschrubbt und es riecht nach Bohnerwachs.
Wir betreten den Raum neben uns, die Küche. Mir fällt sofort das alte Sofa mit dem weinroten Samtbezug auf. Es strahlt eine große einnehmende Gemütlichkeit aus und ich habe sofort den starken Wunsch, mich in seine Tiefen fallen zu lassen. Gegenüber, auf der linken Seite, steht ein großes Küchenbuffet, auf dessen ehemals freien Fläche sich allerlei Krimskrams eingefunden hat. Bindfäden, eine Zange, Draht, 2 Brillen und noch vieles mehr bilden zusammen ein buntes Sammelsurium an Wichtigkeiten.
Jost lächelt mich an und geht zum Herd gleich neben der Tür: „Setz dich doch, ich koch uns erst mal einen Kaffee.“
Ja, ich setze mich und ein gleichzeitiges Knacken verrät mir einiges mehr über die Betagtheit des Sofas.
Entspannt lege ich meine Hände auf den Küchentisch mit der hellen Wachstuchdecke. Die Streublümchen darauf kommen nur noch stellenweise zum Vorschein. Sie sind schon an den Rändern und in der Mitte der Decke verblasst vom jahrelangen Gebrauch.
Ich lehne mich zurück und beobachte Jost bei seinen Vorbereitungen. Gerade füllt er den Kaffee aus einer braunen Blechbüchse mit der roten Aufschrift „Caro“ in den Filter der zitronengelben Kaffeemaschine. Der Duft des Kaffees verbreitet sich sofort anheimelnd im Raum.
Ich lasse mich treiben, gebe mich ganz dem Besonderen dieses Augenblicks hin. Und der Tag an der frischen Luft tut sein Übriges dazu, dass ich jetzt etwas schläfrig bin, eingekuschelt in meiner Ecke des durchgesessenen Sofas.
Jost hat die oberen Glastüren des Büfetts geöffnet und bringt daraus geblümte Kaffeetassen zum Vorschein, die er vorsichtig auf den Tisch stellt. Ich nehme einen feinen Geruch von Gewürzen wahr und denke, das muss so sein.
Es ist, als wäre ich aus der Zeit herausgetreten, denn ich kenne diese Bilder und Gerüche. Sie sind ein Teil meiner Kindheit.


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