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im stillen


 

 
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Perry
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 67
Beiträge: 2007



BeitragVerfasst am: 12.05.2011 21:15    Titel: im stillen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

im stillen


seit ewigkeiten wachsen bäume
in den himmel. es stand nie zur wahl,
unter welchen sie liegen wollte,
nur das flirren der birken verleiht flügel.

hin und wieder bricht einer
zusammen unter der schwere der last,
dann fällt licht auf frische hügel,
bis andere die lücke schließen.

wind geht ein und aus,
trägt gedanken übers land. wie weit,
weiß auch die eidechse nicht,
die sich hier an stillen tagen sonnt.

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Jocelyn
Bernsteinzimmer

Alter: 55
Beiträge: 2653
Wohnort: Königstein im Taunus
Das Silberne Fahrrad Ei 1



BeitragVerfasst am: 13.05.2011 10:28    Titel: Re: im stillen Antworten mit Zitat

Hallo Perry,
ein schönes, stilles Bild.
Über zwei Stellen bin ich gestolpert, die aber leicht zu ändern wären, wenn du erlaubst.
Das Präsens in verleiht zum Einen. Würde das Verb einfach streichen.
Die frischen Hügel habe mir auch nicht so behagt in dieser Andacht. Dann fällt Licht auf Lücken, die andere schließen, hätte ich bevorzugt lesen wollen. Ich lese und forme meine Versionen dabei, die ich gerne innerlich gehört hätte. So passiert dann so ein Kommentar,

Gruß, Jocelyn


_________________
If you dig it, do it. If you really dig it, do it twice.
(Jim Croce)

Die beständigen Dinge vergeuden sich nicht, sie brauchen nichts als eine einzige, ewig gleiche Beziehung zur Welt.
(Aus: Atemschaukel von Herta Müller, Carl Hanser Verlag, München 2009, Seite 198)

"Si Dieu n'existait pas, il faudrait l'inventer."
(Voltaire)
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Perry
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 67
Beiträge: 2007



BeitragVerfasst am: 13.05.2011 19:14    Titel: Hallo Jocelyn, pdf-Datei Antworten mit Zitat

schön, dass du eine eigene Version gefunden hast. Ich brauche sowohl das "verleiht" und "frische", um meine Intention von einem frischen Grab in einem Waldfriedhof darstellen zu können.
Danke für deine Sicht und LG
Perry
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Aranka
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3383
Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 13.05.2011 20:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Perry,

diese Zeilen berühren mich auf besondere und vielfältige Weise. Wie so oft, ist es dir wieder einmal gelungen, von Beginn an zwei Ebenen geschickt zu verbinden, sie ständig zu wechseln und zum Teil sogar zusammen zu führen.

Gleich mit der ersten Zeile lässt du nicht nur die Bäume in den Himmel wachsen und gleich in der zweiten wechselst du hinüber zum letzten Ruheplatz, in nüchterner, schnörkelloser Sprache. Im Flirren der Birke lese ich eine kleine Attitüde an eine Vorliebe, an eine Nähe, die in deutlichem Gegensatz steht zur sachlichen Bemerkung vorher: “es stand nie zur Wahl“. Diese erste Strophe ist so dicht, dass ich eine ganze Weile brauchte, die vielen „Schichten“ zu heben.

Die zweite Strophe lese ich auch Vieldeutig. Ich bin vor einem Grab. Dort bricht so mancher und manches zusammen unter einer Last. Das Bild des Baumes, der die Lücke reißt und Licht auf den Hügel zulässt, ist die eine Ebene, der Hinterbliebene die zweite und der Verstorbene die dritte. Alle Aussagen sind in dreifacher Weise lesbar. Ich finde das schon sehr kunstvoll und gekonnt gemacht.

Auch in der dritten Strophe entsteht für mich einmal der Ort vor dem Grab, der jedoch auch ebenso im Inneren des Hinterbliebenen gezeichnet wird. Das geschieht in so kleinen Wortwahlen: “der wind geht ein und aus“. Überhaupt hat diese Strophe eine wunderschöne sprachliche Zartheit. Auch das etwas unvermittelte Auftauchen der Eidechse, die sich scheinbar unbeteiligt sonnt, und der doch der Endgedanke gehört. Dieses Schlussbild und auch dieser Schlussgedanke haben etwas liebevoll Hilfloses, ein Versuch von Trost, ein Versuch von sich Gewöhnen.

Ich bin vom Inhalt der Zeilen sehr angerührt und ziehe vor der in meinen Augen komplizierten und kunstvollen Umsetzung den Hut.

Danke für diese Zeilen, die ich sicher nicht zum letzten Mal gelesen habe.

Viele Grüße Aranka
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Sterchen
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 31
Beiträge: 22
Wohnort: Kayl (Luxemburg)


BeitragVerfasst am: 13.05.2011 20:16    Titel: Antworten mit Zitat

Also ich stimme Aranka zu, ein gelungenes Gedicht, auch wenn ich mich wahrscheinlich nie an den Trend gewöhnen werde, alles klein zu schreiben bei Lyrik ^^
Ich bin nur über das Eidechse gestolpert, vom Rhytmus hätte ich persönlich Echse genommen, aber ansonsten ziehe ich den Hut wink
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Perry
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 67
Beiträge: 2007



BeitragVerfasst am: 14.05.2011 14:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Aranka,
vermutlich gelingen solche mehrschichtige Texte am besten, wenn darin ein gewisser autobiografischer Unterton mitschwingt und so den Bildern (teils unbewusst) ihre Mehrdeutigkeit verleiht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die beschriebenen Bildern bei vielen Menschen ähnliche bzw. vielfältige Reflexionen auslösen.
Ich finde, das ist eines der "Geheimnisse" der lyrischen Sprache, das man wohl nie ganz ergründen kann und das ist auch gut so.  Wink
Danke für dein "sich berühren lassen" und LG
Perry

Hallo Sterchen,
die durchgehende Kleinschreibung, manchmal auch noch ohne Satzzeichen, hat durchaus ihre Gründe, denn dadurch wird z.B. ein mehrdeutiges Lesen unterstützt. Natürlich ist es schwieriger zu lesen, aber "Kunst" hat das hin und wieder so an sich. Wink
Danke fürs Gefallen und LG
Perry
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