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Mela Beckanie
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 30
Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 27.11.2011 21:17    Titel: Dirne aus Leidenschaft eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die Büchse der Pandora
Die Nacht hatte das geräumige Schlafzimmer mit samtiger Schwärze überzogen. Diffus schälten sich die Konturen eines großen Himmelbettes aus der Düsternis, das dem nach Westen gerichteten Fenster gegenüber stand. Die schweren Vorhänge waren nur halb zugezogen und gaben den Blick auf zwei schlafende Gestalten frei. Rötliches Braun blitzte im Lichtschein eines vorbeifahrenden Autos auf und eine wirre Flut schwarzer Haare schob sich in die Höhe von dem hellen Schimmer geweckt. Blinzelnd öffnete Islasa die Augen und erblickte neben sich das Gesicht ihrer schlafenden Gefährtin. Ein zärtliches Lächeln huschte über ihre Züge und sie hob eine Hand, um ihr sacht eine Strähne aus dem Gesicht zu streichen. Ohne aus dem Schlaf zu erwachen, kräuselten sich die Lippen der Fuchshaarigen und Cleo schmiegte sich näher an die streichelnde Hand heran. „Oh meine Schöne.“, wisperte Islasa mit vor Rührung belegter Stimme.

Der Augenblick wirkte mit einem Mal so zerbrechlich, dass sie fürchtete beim nächsten Wimpernschlag könnte alles vorbei sein. Sie schluckte kurz und richtete sich ein Stück auf. Mamorhelle Haut und die Spitzen zweier dunkler Flügel blitzten unter der leicht verrutschten Decke auf und langsam fuhr sie mit den Fingern die weichen Wangenknochen ihrer Geliebten nach. Die vertrauten Konturen und die lebendige Wärme unter ihren Fingerspitzen schafften es bald, das beklemmende Gefühl zu vertreiben und die Dunkelhaarige fand wieder zu ihrer gewohnten Sicherheit zurück. Die kühlen Finger wurden zurückgezogen und sie setzte sich behutsam auf, ohne sich daran zu stören, dass die Decke dabei lautlos von ihrem Leib glitt.

Den Rücken an die Wand gelehnt versank sie schließlich in Gedanken. Seltsam, dass sie in letzter Zeit immer wieder ins zweifeln geraten war, wenn sie über ihre Liebe zu Cleo nachgedacht hatte. Ein kaum zu hörendes Seufzen löste sich von ihren Lippen und sie betrachtete versonnen die entspannten Gesichtszüge der Schlafenden. Was hast du bloß mit mir angestellt?, fragte sie sich im Stillen, obwohl sie die Antwort darauf schon lange wusste. Sie wusste, dass allein der Gedanke, eines Morgens ohne sie zu erwachen, ihrem Herzen einen schmerzhaften Stich versetzte. Sie wusste nicht, wie sie je ohne ihre sanften Lippen, ihr weiches, rotbraunes Haar und ihre leuchtend grüne Augen hatte leben können. Und in manchen verzweifelten Momenten wünschte sie sich nichts sehnlicher, als sie festzuhalten und nie mehr loszulassen, als könne sie ihr dadurch die Unsterblichkeit schenken.

Wobei das Schenken ja nicht das Problem war, als Vampirdämon stand ihr diese Möglichkeit ja durchaus offen. Doch diesen Weg wollte sie nicht gehen. Sie wollte nicht, dass Cleo nur aus Liebe den Fluch der Ewigkeit auf sich nahm – auch wenn sie es selbst nicht mehr als solchen ansah. Aber gerade in Momenten der Trauer, fehlte einem als Unsterbliche der Grund sich aufzurappeln. Es fiel dann so unheimlich leicht sich einfach in den dumpfen Schmerz hinein gleiten zu lassen, anstatt sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Was waren denn im Angesicht der Ewigkeit schon zwei-, dreihundert Jahre? Was ein Jahrtausend? Und hatte es, wenn man diesen Gedanken weiterführte, überhaupt einen Sinn zu lieben? Die Schwarzhaarige schlang nachdenklich die Arme um den Leib. Ja, hatte es einen Sinn? Wenn sie ein paar hundert Jahre Trauer schon als nichtig bezeichnete, wie flüchtig war dann eine Liebe zu einer Sterblichen, die nicht länger als ein Menschenleben dauern würde? War es da nicht fast masochistisch, wenn man sein Herz überhaupt verschenkte? Und weiter gedacht, zerstörte sie damit nicht auch noch das Leben ihrer Liebsten? Sie verurteilte sie doch dazu, sich an eine Ewige zu binden, die niemals altern würde, während die Zeit vor ihr keinen Halt machen würde. Von „gemeinsam alt werden“ konnte da also schlecht die Rede sein. Und das war nicht das einzige Problem, das ihr Leben mit sich brachte. Die Nächte verbrachte sie fast alle in ihrem Club, während sie am Tag meistens nur schlief oder das wenige erledigte, das sie benötigte, um den Anschein eines normalen Lebens aufrecht zu erhalten, der die näheren Nachbarn täuschen sollte. Doch wenn sie jetzt mit Cleo zusammenblieb, würde sie diese Gewohnheit vermutlich ändern. Und wer weiß, ob dann nicht doch dem einen oder anderen Nachbarn auffallen würde, dass ihr Verhalten nicht ganz dem einer Normalsterblichen entsprach. Ihr ewiges Misstrauen würde es nicht einfach machen, ein ruhiges Leben zu führen – wahrscheinlich müssten sie sogar einige Male umziehen.

Und natürlich war da selbst nach so langer Zeit noch der Aspekt der Gefahr, den ein Leben als Vampirdämonin mitbrachte. Auch wenn sie glaubte sich unter Kontrolle zu haben, so hatte ihr die moderne Welt schon oft bewiesen, dass einem leicht einmal eine Hand ausrutschen konnte. Und wer konnte schon sicher sein, dass ein solcher Ausrutscher bei ihr genauso harmlos aussehen würde, wie bei einem Menschen? Was, wenn sie sich verwandelte und von der Finsternis beherrscht wurde, zu der sie der Rabenlord immer hatte drängen wollen? Was, wenn sie kopflos mordete? Wohlmöglich gar ihre Liebste? Die Unsterbliche erschauderte unter den Bildern, die sich ihr bei diesen Gedanken unwillkürlich aufdrängten und blickte zur Seite, wo sie Cleos leisen Atem hören konnte.

Sie war ihre Hoffnung, ihr Licht in der Dunkelheit ihres Wesens…

Vielleicht sollte sie einfach gehen, bevor es zu sehr wehtun würde, sie zu verlassen. Sie hatte etwas Besseres verdient, eine normale Beziehung, ein normales Leben. Ein dumpfer Schmerz in ihrer Herzgegend ließ sie die Augen schließen, um das friedliche Bild der Geliebten auszublenden. Sie wollte sie schützen und am liebsten so weit wie möglich von ihr weg sein, damit sie vergessen konnte, was sie verloren hatte, doch gleichzeitig wollte sie ihr auch so nah wie möglich sein, wollte ihre Wärme spüren und die weiche Haut liebkosen. Ein verzweifeltes Schluchzen entrang sich ihrer Kehle und sie presste den Kopf gegen die Wand. Warum nur musste das Leben so verflixt kompliziert sein? Hatte sie in einem unendlichen Leben nicht auch das Recht auf ein bisschen Glück? In einem Anflug hoffnungsloser Ohnmacht öffnete sie wieder die Augen und heftete ihren Blick auf Cleo, als wollte sie sich daran festhalten. War sie den Schmerz wert?, fragte sie sich im Stillen. Würde sie etwas Besonderes sein oder nur eine weitere Narbe, die von der Ewigkeit auf ihrer Seele zurückgelassen wurde? Konnte es in einem unendlichen Leben überhaupt so etwas wie Glück oder Zufriedenheit geben? Sie waren ja doch nicht mehr als flüchtige Gefühlszustände, die immer und immer wieder von den scharfen Kanten der auf lange Sicht doch grausamen Realität durchbohrt wurden. So war es immer schon gewesen.

Ihr Blick wurde seltsam leer, als die Gedanken der Vampirdämonin in die Vergangenheit schweiften. Bilder von Blut, Schmerz und Verletzung wogten auf und stöhnend riss Islasa sich wieder in die Gegenwart zurück. Mit so einer Vergangenheit konnte man unmöglich seinen Frieden finden und sich den Gefühlen einer sterblichen Liebe hingeben. Am liebsten würde sie ihre Erinnerungen einfach vergessen können oder wenigstens irgendwo einschließen, damit sie ihr nicht ständig im Weg standen. Eine fixe Idee kam ihr in den Sinn und mit einem Ruck setzte sie sich auf. Was wäre, fragte sie sich, wenn sie ihr Leben einfach auf Papier niederschrieb? Die lästige Vergangenheit gebannt auf das geduldige Element, gezähmt, wegschließbar, ihrer Macht beraubt.

Die Vorstellung gefiel ihr und sie schob sich entschlossen aus dem Bett und ging zum Schreibtisch hinüber, wo sie sich auf den Stuhl sinken ließ. Dann kramte sie aus einer Schublade einen Schreibblock und einen Stift hervor und überlegte wie und vor allem wo sie beginnen sollte. Bei ihrer Geburt? In ihrer Kindheit? Oder erst am Tag ihrer Verwandlung zum Vampir? Während sie noch überlegte, senkte sie den Stift langsam auf das Papier und schrieb schließlich.

>> Geboren wurde ich im Jahre 511 in Augsburg. Es war der 15. Tag im November und es regnete…

Weitere Werke von Mela Beckanie:


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Leanna
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BeitragVerfasst am: 27.11.2011 21:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Die Büchse der Pandora
Das erinnert mich ein bisschen zu sehr an Prof. Layton, die Schatulle der Pandora und an das PC-Spiel God of War, da gibts auch eine Büchse der Pandora Wink

Diffus schälten sich die Konturen eines großen Himmelbettes

"Diffus" finde ich hier unschön.

„Oh meine Schöne.“
Hinter "Oh" gehört ein Komma hin- glaube ich.

Seltsam, dass sie in letzter Zeit immer wieder ins zweifeln geraten war
Zweifeln gehört großgeschrieben.

In deinem Text haben sich noch mehrere Fehler eingeschlichen.
Dein Schreibtstil erinnert mich an meinem smile
Ich habe nämlich den Eindruck, dass du sehr auf schöne Sätze achtest und- wie soll ich es erklären- es ein bisschen "pompös" wirken lassen willst. Leider schießt man dann über das Ziel hinaus. ^^
Auch mir wurde geraden, dass man keine Angst vor dem "einfachen" Schreiben haben soll.

Du verwendest ziemlich viele Adjektive, z.B hier:
Sie wusste nicht, wie sie je ohne ihre sanften Lippen, ihr weiches, rotbraunes Haar und ihre leuchtend grüne Augen hatte leben können.

Fünf Stück in einem Satz. Für meinen Geschmack zu viel.

So, das ist nur meine subjektive Meinung!
Trotz alledem fand ich ihn nicht schlecht.
Ich musste zwar schmunzeln, als ich Vampirdämon gelesen habe, aber hey...zwischen zwei Frauen, das liest man nicht so oft!

Liebe Grüße,

Leanna
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Locard
Geschlecht:männlichAutor

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Beiträge: 754
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BeitragVerfasst am: 27.11.2011 22:10    Titel: Antworten mit Zitat

Nabend Mela!

Ich bin über den zweiten Absatz nicht hinaus gekommen, weil es dann um Wesen mit Flügeln und sowas geht. Ist nicht mein Spezialgebiet wink

Allerdings möchte ich gerne etwas zum ersten Absatz loswerden: Eine ziemlich hochtrabende Sprache, die beim lauten Lesen dazu tendiert, unglaublich kitschig zu wirken!
Ich war mit meinem Kopfkino irgendwo im Mittelalter: großes Schlafgemach mit Himmelbett, die schweren Vorhänge zugezogen und nur der Vollmond lukt durch das Fenster. Die Körper zweier Gestalten waren zu erkennen. Und dann fährt ein Auto vorbei ...

Irgendwie stolperte ich über diese Stelle gewaltig und fragte mich, was soll dieser beladenem mittelalterliche Stil, wenn es doch in der Moderne spielt?! Aber wie gesagt, ich bin kein Experte für Fantasy ...

Viele Grüße,
Locard


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Mela Beckanie
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BeitragVerfasst am: 27.11.2011 23:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hui, das ging ja wirklich schnell mit den Ratschlägen, dann wollen wir uns diese doch mal genauer ansehen.

@ Leanna
Die Büchse der Pandora
Den Titel habe ich aufgrund der ersten Version des Kapitels gewählt, das damit endet, dass Islasa sich in ihrer gewalttätigen Vergangenheit verstrickt und gedanklich wieder in die Gegenwart zurückkehrt, bevor sie die Hoffnung, die guten Seiten hervorlässt. Und da diese Haltung in meinem Kopf immer noch da ist, habe ich den Titel auch beim Umschreiben gelassen, auch wenn er sicherlich Geschmackssache ist.


Diffus
Hm, fällt mir ehrlichgesagt kein anderes Wort für ein. "Langsam" finde ich zum Beispiel, hat nicht den richtigen Klang. Es soll ein Wort sein, dass Zwielicht darstellt, ohne das ich Worte wie "Zwielicht" oder "Halbdunkel" erwähnen muss.

„Oh meine Schöne.“
Da magst du Recht haben wink

"Seltsam, dass sie in letzter Zeit immer wieder ins zweifeln geraten war"
Und hier ebenfalls

"pompöser" Schreibstil
Ja, das stimmt, ich schreibe gerne so, dass es auch schön klingt. Dass das pompös rüberkommt, war mir allerdings noch nicht bewusst. Das macht es jetzt natürlich schwer, weniger pompös zu schreiben.

Viele Adjektive
An der benannten Stelle dienen die Adjektive einer ersten Beschreibung von Cleo. Und sie sollen Islasas Liebe zu ihr darstellen, denn wenn diese nicht da wäre, würde die Beschreibung anders aussehen - eben mit weniger Adjektiven.

Insgesamt ein herzliches Danke für deine Worte *verneig*

@ Locard

Erstmal danke, dass du trotzdem eine Kritik abgibst, auch wenn Fantasy weniger dein Thema ist.

Was den Drall zum mittelalterlichen angeht, das mag mitunter daran liegen, dass das Buch größtenteils im Mittelalter spielt. Und ich habe vor diesem Kapitel nur Szenen aus der Zeit des Mittelalters geschrieben. Vermutlich waren das also noch Nachwirkungen, dass auch diese Moderne Szene ein wenig vom mittelalterlich beladenen Stil abbekommen hat.

Aber davon abgesehen, muss die Moderne unbedingt so viel flacher sein, als das Mittelalter?


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Leanna
Hobbyautor


Beiträge: 326



BeitragVerfasst am: 28.11.2011 02:45    Titel: Antworten mit Zitat

Zu Büchse der Pandora:
Das kenne ich, darum lass ihn, wenn er dir gefällt. Very Happy
Ich schreibe immer nur meine subjektive Meinung. Ich nehme mir Kritik immer zu Herzen und lasse sie mir durch den Kopf gehen. Aber wenn ich alles verändern würde, was vorgeschlagen wird, dann wäre es nicht mehr meine Geschichte^^


Hm, fällt mir ehrlichgesagt kein anderes Wort für ein.

Mir auch nicht, aber ich würde das Adjektiv eh ganz weglassen smile

Und wg. dem "pompösen" Schreibstil.
Das verstehe ich nur zu gut Smile
Aber an manchen Stellen musste ich z.B zweimal lesen, da ich sie sonst nicht verstanden hätte.

Okay, noch eine klitzekleine Anmerkung zu den Adjektiven:
Zu viele davon lesen sich einfach nicht so schön, finde ich.
Du kannst ja z.B mit Metaphern arbeiten, das wirkt dann besser.
Gerade bei der Beschreibung eines wichtigen Charakters.

Jetzt lese ich mir meine Kritik nochmal durch und stelle fest, dass sie evtl. zu "aufdringlich" wirkt. Ich hoffe, du versteht mich nicht falsch Smile !
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Mela Beckanie
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 30
Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 28.11.2011 23:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So bleibt dieser Titel erstmal noch "richtig", bis mir vielleicht irgendwann noch was besseres, schöneres einfällt.

Hm, ganz weglassen? Du meinst also, ich solle besser schreiben:

Die Konturen eines großen Himmelbettes, das dem nach Westen gerichteten Fenster gegenüber stand, schälten sich aus der Düsternis.

Mh, klingt so für sich nicht schlecht, aber ich hab in dem Satz davor und dem danach jeweils ebenfalls ein "die" am Wortanfang. Aber mal schauen, ob ich das nicht irgendwie umstellen kann, dass es gut klingt.

Also ich hab mir meinen Text noch einmal durchgelesen, um eventuell schwer verständliche Stellen zu finden, aber, vermutlich weil ich ihn zu gut kenne, ich finde leider keine. Könntest du vielleicht meinen Horizont erweitern und mir einmal eine solche Stelle nennen?

Zu den Adjektiven muss ich sagen, dass ich in der ersten Version der Beschreibung von "giftgrünen Augen" gesprochen hatte, aber ich fand das klang zu negativ für eine Geliebte.

Alles in allem finde ich deine Kritik keineswegs zu aufdringlich, will sagen, ich kann damit gut leben smile


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Leanna
Hobbyautor


Beiträge: 326



BeitragVerfasst am: 29.11.2011 00:01    Titel: Antworten mit Zitat

So,
wg. dem Diffus-Satz smile:
Ja, da hast du recht. Das habe ich gar nicht bedacht beim Weglassen.
Ich würde ihn umschreiben.
Bei diesem Satz musste ich z.B zweimal lesen, da ich am Anfang nicht gleich verstanden habe, was du mit diffus meinst.

Und eine Stelle, mit der ich mich schwer getan habe:
ihr Licht in der Dunkelheit ihres Wesens…
Jetzt im nachhinein habe ich schon kapiert, die Finsternis in ihr.
Was ich mit meiner Kritik sagen will, dass sich der Text nicht so flüssig liest.

Lg,

Leanna
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Nicki
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Ei 10


BeitragVerfasst am: 29.11.2011 00:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo
 nachdem ich deinen Text gelesen hatte, muss ich meinen Vorpostern erst einmal Recht geben.
Aber was mir noch auffiel: In welcher Perspektive schreibst du ?
Am Anfang scheint es ein auktorialer Erzähler zu sein, später schreibst du aus der Perspektive von Islasa. Das irritiert.
Einige Formulierungen reißen mich als Leser auch aus der Story. Ein Beispiel:
Zitat:
Die Nacht hatte das geräumige Schlafzimmer mit samtiger Schwärze überzogen.

Schwarz heißt: stockdunkel, durch das Beiwort samtig gewinnt es einen positiven Anstrich.
Zitat:
Diffus schälten sich die Konturen eines großen Himmelbettes aus der Düsternis,

Diffus heißt jetzt für mich, dass es doch nicht dunkel war und Düsternis passt vom Gefühl nicht zu samtig.
Zitat:
Die kühlen Finger wurden zurückgezogen

auch diese Formulierung im Passiv klingt eigenartig. Wer zieht da an ihren Fingern?
Was auch auffällt ist zum einen der schon fast schwülstige Schreibstil, der (sorry ) mich an Groschenromane erinnert.

Zitat:
Oh meine Schöne.“, wisperte Islasa mit vor Rührung belegter Stimme.

Ein verzweifeltes Schluchzen entrang sich ihrer Kehle

In einem Anflug hoffnungsloser Ohnmacht


Darauf folgen dann wieder einige Absätze, die flott und modern geschrieben wurden. Deine Geschichte erscheint wie von zwei Personen geschrieben oder, dass du deinen Stil noch nicht gefunden hast, also noch experimentierst.
Die Idee der Geschichte lohnt allerdings die Überarbeitung, auch wenn ich nicht Expertin für Dämonen u.ä. bin.


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MfG
Nicki

"Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist." Henry Ford
"Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt." A.Einstein


*Sommerblues* September 2017 Eisermann Verlag
*Trommelfeuer* November 2017 Eisermann Verlag
*Silvesterliebe* 30. November 2018 Eisermann Verlag

*Heiße Milch mit Honig* Work in Progress
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agu
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BeitragVerfasst am: 29.11.2011 01:15    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Mela,

ein paar allgemeine Gedanken zu Deinem Schreibstil, dem pompösen  Wink :
Ich finde, er hat Potential, und ich verstehe, wo Du damit hin willst - Dir liegt an der Poesie der Bilder und Du hast so ganz grundsätzlich auch einen Sinn für schöne Sprachmelodie - aber bist noch nicht ganz da.

Das Ganze braucht Schliff, dann wird da was draus. Das Fundament ist aber vorhanden.
Das Problem mit dieser Stilistik ist in der Tat, dass sie schnell kitschig oder gar unfreiwillig komisch wirkt, wenn man nicht mit schlafwandlerischer Treffsicherheit agiert, was Wortwahl und Metaphernbau angeht. Und auch Unschönheiten wie Deine gelegentliche Unsicherheit in der Erzählperspektive fallen dann doppelt schmerzhaft auf.
Aber wie gesagt, das kriegst Du mit etwas Übung in Griff.

Grundsätzlich dürfte es schon helfen, wenn Du Trittsicherheit mit der Perspektive entwickelst - Faustregel #1: Pro logischem Abschnitt (meist Kapitel) erzählt man nur aus der Perspektive einer einzigen Figur - Abweichungen von dieser Regel können sich nur Meister ihres Fachs leisten. #2: Der/die Erzählende kann sich nicht selbst sehen (ergo fällt Beschreibendes über sich selbst aus wie z.B. 'über ihr Gesicht glitt ein Lächeln'), und kann nicht in den Kopf des anderen schauen, d.h. dessen Gedanken nicht einflechten.

Durchgehen und alle Adjektive + Adverbien streichen und anschließend ein paar unumgängliche wieder einfügen, dürfte ebenfalls sehr hilfreich sein. Noch schöner ist es, wenn Du statt dessen ein Verb oder Substantiv findest, dass die Aussage des Adjektivs von vornherein impliziert.


Viele Grüße,
Andrea


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Meine Bücher:
Engelsbrut (2009 Sieben, 2011 LYX) | Engelsjagd (2010 Sieben) | Engelsdämmerung (2012 Sieben)
Die dunklen Farben des Lichts (2012, SP)
Purpurdämmern (2013, Ueberreuter)
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Kill Order (2013 Sieben)
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M.J.H.
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BeitragVerfasst am: 29.11.2011 18:12    Titel: Antworten mit Zitat

Zum Inhalt möchte ich garnicht viel verlieren, zur Sprache aber schon. Der Stil wirkt auf mich von Beginn an fremdartig und mittlerweile verstehe ich auch weshalb. Du wählt gezielt "hochtrabende" Worte fällst aber immer wieder in eine etwas trivialeren Sprache. Wenn du einen bestimmten Stil in einem Text verwendest solltest du ihn auch durchhalten. Mein größeres Problem ist, aber dass du hin und wieder Worte verwendest die von Sinn in der Handlung oder allgemein nicht genau treffend sind, nur um den Stil zu bewahren. Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist um den Ursprung und die Intention herumzureden, dadurch erscheint dem Leser, oder zumindest mir gerade eben, die Art und Weise wie du hier schreibst eher als aufgesetzt und künstlich.

Grüße, M.J.H. smile


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Mela Beckanie
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

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Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 01.12.2011 22:24    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir dieses Widerspruches bislang noch nicht bewusst war, erst jetzt, wo du es erwähnst, seh auch ich diese Unstimmigkeit.

Und so langsam glaube ich auch, komme ich dahinter, was ihr mit dem pompösen Schreibstil meint: ein einfaches "dies" oder "das" reicht mir nicht, ich muss immer noch irgendwie ein Adjektiv dazusetzen, wie in dem genannten Beispiel eben dieses "diffus".

Ich musste auch schon ganze Kapitel nachkorrigieren, weil ich es am Anfang nicht geschafft habe, mich bei der Nennung von Charakteren auf Name, bzw. der/die zu beschränken. Da musste immer ein "die Schwarzhaarige", "ihr Schöpfer", "die Flügelgestalt",... stehen, sonst fand ich, dass es zu... eintönig klang. Aber vielleicht ist ja genau das der "flache" Stil, den ich brauche, um die Leser zu erreichen.

Das mit dem einen passiven Satz mag vielleicht dem Umstand geschuldet sein, dass ich meine ersten Schreibschritte im Text-Rollenspiel-Millieu gemacht habe und vielleicht noch gelegentlich in diesen abrutsche.


Die Erzählperspektive soll eigentlich der von außen zuschauende Erzähler sein. Das habe ich als die für mich (beschreiberisch gesehen) beste Variante erwiesen, nachdem ich zwei Kapitel in der Ich-Perspektive geschrieben habe.


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agu
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BeitragVerfasst am: 04.12.2011 22:45    Titel: Antworten mit Zitat

Mela Beckanie hat Folgendes geschrieben:
Da musste immer ein "die Schwarzhaarige", "ihr Schöpfer", "die Flügelgestalt",... stehen, sonst fand ich, dass es zu... eintönig klang. Aber vielleicht ist ja genau das der "flache" Stil, den ich brauche, um die Leser zu erreichen.

Nein, ganz so einfach ist es auch wieder nicht  Wink.
'Flach' sollte nicht der Anspruch sein. Du musst nur ein Gefühl dafür entwickeln, wann Wortgewalt angebracht ist, und wann weniger mehr ist.
Hierzu ein bisschen Theorie: Stell Dir Worte vor wie Zutaten beim Kochen, Gewürze zum Beispiel. Ein Gericht aus lauter neutralen Komponenten und ungewürzt schmeckt fade. Wirft man allerdings sämtliche starken und unverwechselbaren Gewürze rein, die man hat, in großer Menge, kommt wahrscheinlich ein ungenießbarer Fraß raus.
So ähnlich ist es auch mit Worten.

Es gibt starke und schwache Worte. Je seltener UND je spezifischer ein Wort ist, desdo stärker erscheint es. Schwache Worte sind solche, die sehr allgemein sind und für eine Vielzahl von Bedeutungen benutzt werden können. 'Gehen' z.B. ist ein schwaches Wort (weil es keinerlei Bild aufbaut, außer dass sich jemand von A nach B bewegt), stark dagegen wären 'Hüpfen', 'Tänzeln', 'balancieren', 'stolpern' usw. ... alles Teilmengen des schwächeren Verbs, die sehr viel spezifischer beschreiben und deshalb ein Bild im Kopf des Lesers entstehen lassen.
'Haben' und 'Sein' sind ebenfalls schwache Wörter - wahrscheinlich die schwächsten, die es gibt, weil die allgemeinsten.
Ein Text, der nur aus schwachen Wörtern besteht, klingt - wie Du richtig erkennst - eintönig und langweilig. Schreibanfänger, die das instinktiv erfassen, aber das theoretische Problem dahinter nicht erkennen, versuchen dem oft mit einem Überschwang an Attributen beizukommen, um die allgemeine Aussage zu spezifizieren. Das bringt aber nicht das gewünschte Ergebnis.
Deshalb rät jeder Schreibratgeber zu 'starken' Wörtern - frischen, unverbrauchten, spannenden und äußerst präzisen weil sehr spezialisierten Begriffen, Metaphern, Wortbildern.
Der Umgang mit 'starken' Wörtern will aber gelernt sein: zunächst mal braucht man ein Händchen für die richtige Dosierung. Zuviele davon in unmittelbarer Nähe zueinander erzeugen Pathos und pompöses Ungleichgewicht. Die Kunst ist - wie beim Würzen - dass man eigentlich gar nicht spürt, wie der Autor sich das Hirn ausgequetscht und die ausgefallensten Wortgebilde ausgedacht hat. Eine starke Metapher braucht Raum, um sich zu entfalten - da ist es angebracht, sie mit etwas schwächeren Wörtern zu umschließen.
Sodann muss man absolut trittsicher in der Bedeutung der Wörter sein: selbst kleinste Unschärfen bei der Verwendung bestimmter Begriffe werden zu tödlichen Stilblüten. Je spezifischer, desdo treffsicherer muss es sitzen. Wenn man seine Figur also 'tänzeln' anstatt 'gehen' läßt, sollte man sicher stellen, dass das auch wirklich das Bild ist, das man assoziieren möchte. Denn z.B. ein schwergewichtiger Krieger würde 'tänzelnd' wohl eher lächerlich wirken.
Auf der anderen Seite ist es mit dieser Art starker Wörter auch leichter, in die Klischee-Falle zu treten. Läßt man den Krieger dann nämlich 'stampfen', entsteht eine Übertreibung, die höchstens in Kinderbüchern zulässig ist.


Zitat:
Die Erzählperspektive soll eigentlich der von außen zuschauende Erzähler sein.

Also meinst Du einen auktorialen, 'allwissenden' Erzähler?
Der ist in moderner Genre-Literatur (in die auch Deine Vampirdämonin zählt) nicht mehr wirklich verbreitet - weil er ein wenig altmodisch wirkt, weil er es schwer macht, Spannung aufzubauen und vor allem, weil er eine emotionale Distanz zu den Figuren entstehen läßt, die vielen heutigen Lesern nicht mehr gefällt.
Vor 100 oder sogar noch 60 Jahren war der auktoriale Erzähler dagegen die dominierende Erzählperspektive.

Du schreibst allerdings, vorher hast Du die 'Ich'-Perspektive probiert, und die ist nicht Deins.

Dir ist aber schon bewusst, dass auch Bücher, die aus der 3.Person erzählen, meist aus der Sicht der Figuren (also nicht-auktorial) geschrieben sind?


LG, Andrea


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Purpurdämmern (2013, Ueberreuter)
Sonnenfänger (2013, Weltbild)
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DasProjekt
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BeitragVerfasst am: 05.12.2011 08:37    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe gerade "Der Kuss des Kjer" gelesen. Eine sehr schöne Liebesgeschichte, die zwar Schwachstellen hatte, aber nur an einer einzigen Sache wirklich ganz erheblich krankte: andauernd wurde der männliche Protagonist als "der schwarzhaarige Krieger" bezeichnet.
Da dachte ich mir dann, also ich hab als Leser durchaus eine Aufmerksamkeitsspanne. Ich kann mir das merken, welche Haarfarbe eine Figur hat. Erst recht, wenn sie mir gleich am Anfang auf jeder zweiten Seite einmal aufs Auge gedrückt wird. Die Autorin zog das bis zum Ende durch - alle paar Seiten wieder erklärte sie mir, dass er ein schwarzhaariger Krieger ist. Du ahnst gar nicht, wie ermüdend sowas ist! Dann lieber Namen, immer Namen, wenn es denn überhaupt notwendig ist (und meistens ist es das nicht mal).
(Nur die wirklich fesselnde Geschichte hat mich davon abgehalten, das Buch halb gelesen zu lassen und mich anderem zuzuwenden ...)


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25. Mai 2017 - Kim Henry "Be Mine Forever"
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seitenlinie
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Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 05.12.2011 12:14    Titel: Antworten mit Zitat

DasProjekt hat Folgendes geschrieben:
Ich habe gerade "Der Kuss des Kjer" gelesen. Eine sehr schöne Liebesgeschichte, ...


Nach den ersten Seiten, in die man schauen kann, scheint das eine auktoriale Erzählsituation zu sein. Und die Leser sind begeistert.
Auch die Fan-Gemeinde von Jane Austen wird nicht kleiner ...

Dass die Leser den auktorialen Erzähler nicht mögen, ist vielleicht ein Vorurteil. Als wirklich unangenehm empfinde ich nur den Ich-Erzähler.
Ansonsten hängt sehr viel vom Erzählton ab.
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agu
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BeitragVerfasst am: 05.12.2011 13:05    Titel: Antworten mit Zitat

seitenlinie hat Folgendes geschrieben:
Dass die Leser den auktorialen Erzähler nicht mögen, ist vielleicht ein Vorurteil. Als wirklich unangenehm empfinde ich nur den Ich-Erzähler.
Ansonsten hängt sehr viel vom Erzählton ab.


Letzteres ist sicher richtig - wenn jemand wirklich exzellent schreiben kann, spielt die Erzählperspektive weniger eine Rolle, das Buch bleibt spannend.
Aber natürlich hat die durchschnittliche Lesermasse ihre Vorlieben - und die prägen dann auch Verkäuflichkeit. Als Teenager habe ich z.B. kein Buch angefasst, das mit ICH-Erzähler daherkam. Heute ist mir das fast egal.
Auktorialer Erzähler dagegen hat mich in meiner früheren Jugend nicht gestört, da ich auch viel im Regal meiner Oma stöberte, und die alten Schinken sind ja alle so geschrieben. Heute dagegen stört es mich wahnsinnig, außer es sind raffende Passagen z.B. in einem historischen Roman, wo dann aber für die szenischen Abschnitte wieder personal erzählt wird.


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Engelsbrut (2009 Sieben, 2011 LYX) | Engelsjagd (2010 Sieben) | Engelsdämmerung (2012 Sieben)
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Purpurdämmern (2013, Ueberreuter)
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Choice / als Chris Portman (2014, Rowohlt)
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DasProjekt
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BeitragVerfasst am: 05.12.2011 13:20    Titel: Antworten mit Zitat

Der Kuss des Kjer ist nicht auktorial, sondern dritte Person mit wechselndem Perspektivträger. Möglich, dass der Anfang auktorial war, daran kann ich mich nicht mehr erinnern, ich habe die 600 Seiten innerhalb weniger Tage gelesen, da war viel zu verarbeiten.

In der Ich-Perspektive gehen wir konform, die mag ich ebenfalls nicht - obwohl es immer mal wieder einen Autor (bzw eine Autorin) gibt, die das sehr gut bringen und mich davon überzeugen, ein Buch auch wirklich weiterzulesen, trotz einer solchen Perspektive.

Und die Bücher, die ich in meiner Kindheit und Jugend geliebt habe, sind ebenfalls fast alle auktorial erzählt. Sie sind dennoch auch heute noch Schätze, die ich liebe - auch wenn ich keine "neuen" Bücher lesen würde, die durchgehend so geschrieben sind. Etwas anderes ist es, wenn es ein wirklich 100 Jahre altes Buch ist - da nehme ich das in Kauf. Aber nicht bei heutigen Erzählern. Der Erzählton wächst schließlich mit ...


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Mela Beckanie
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BeitragVerfasst am: 05.12.2011 14:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ohje, das mit dieser Würzerei klingt irgendwie wahnsinnig kompliziert, ich hoffe doch, dass ich das irgendwie hinkriege :/

Uff... ehrlichgesagt verwirrt mich das mit dem Erzähler ein bisschen, kann mir vielleicht mal jemand an nem kleinen Beispiel den Unterschied zwischen auktorial und dritter Person aufzeigen? Weil nachdem ich mir eure Erklärungen dazu durchgelesen hab, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich wirklich einen auktorialen Erzähler wollte.


Um in der ganzen Diskussion mal wieder einen Bogen zu meiner Szene zurückzuschlagen, werde ich mal versuchen, mich Absatz für Absatz und Satz für Satz durchzuarbeiten.

Die Nacht hatte das geräumige Schlafzimmer mit samtiger Schwärze überzogen.

Ein Strahl silbrigen Mondlichts enthüllte die Konturen eines großen Himmelbettes und gab den Blick auf zwei schlafende Gestalten frei. Rötliches Braun blitzte in seinem Lichtschein auf und eine wirre Flut schwarzer Haare schob sich von dem hellen Schimmer geweckt in die Höhe.


Nachdem ich mit meinen Gedankengängen inzwischen etwas weiter bin, ist das vorbeifahrende Auto hinfällig, denn ich habe Islasa ihre Wohnung weggenommen, sodass die Szene in ihrem Schloss stattfindet - wo gewöhnlicherweise kein Auto rumfährt.

Blinzelnd öffnete Islasa die Augen und erblickte neben sich das Gesicht ihrer schlafenden Gefährtin. Ein zärtliches Lächeln huschte über ihre Züge und sie hob eine Hand, um ihr sacht eine Strähne aus dem Gesicht zu streichen. Ohne aus dem Schlaf zu erwachen, kräuselten sich die Lippen der Fuchshaarigen und Cleo schmiegte sich näher an die streichelnde Hand heran. „Oh, meine Schöne.“, wisperte Islasa mit vor Rührung belegter Stimme.


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seitenlinie
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Beiträge: 1849

Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 05.12.2011 18:52    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Blinzelnd öffnete Islasa die Augen und erblickte neben sich das Gesicht ihrer schlafenden Gefährtin. Ein zärtliches
Lächeln huschte über ihre Züge und sie hob eine Hand, um ihr sacht eine Strähne aus dem Gesicht zu streichen. Ohne
aus dem Schlaf zu erwachen, kräuselten sich die Lippen der Fuchshaarigen und Cleo schmiegte sich näher an die
streichelnde Hand heran. „Oh, meine Schöne.“, wisperte Islasa mit vor Rührung belegter Stimme.


Stell Dir vor, wie es ein erlebender Ich-Erzähler schreiben würde.

Blinzelnd öffnete Islasa die Augen und erblickte neben sich das Gesicht ihrer schlafenden Gefährtin. (möglich)

Ein zärtliches Lächeln huschte über ihre Züge und sie hob eine Hand, um ihr sacht eine Strähne aus dem Gesicht zu streichen.

Hier deutet sich der auktoriale Erzähler an, der mit „um“ eine Begründung einschiebt. Das zärtliche Lächeln ist im Grenzbereich.

Variante:
Ein zärtliches Lächeln huschte über ihre Züge. Sie hob eine Hand und strich Cleo sacht eine Strähne aus dem Gesicht.
Oder:
Ein Lächeln huschte über ihre Züge. Sacht strich sie Cleo eine Strähne aus dem Gesicht.

Ohne aus dem Schlaf zu erwachen, kräuselten sich die Lippen der Fuchshaarigen und Cleo schmiegte sich näher an die streichelnde
Hand heran.
(möglich, die Figur würde von ihrer Hand sprechen)

„Oh, meine Schöne.“, wisperte Islasa mit vor Rührung belegter Stimme. (hier kommentiert der auktoriale Erzähler)


Variante:
Ein Lächeln huschte über Islasas Züge. „Oh, meine Schöne“, flüsterte sie und strich Cleo eine Strähne aus dem Gesicht.

Manche Autoren würden in der Variante auch den ersten Satz rauswerfen, weil sie eine stringente Innensicht anstreben.
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agu
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BeitragVerfasst am: 05.12.2011 19:07    Titel: Antworten mit Zitat

Man kann das aber auch so lösen, dass man schreibt:

Blinzelnd öffnete Islasa die Augen. Sie musste lächeln, als sie neben sich das Gesicht ihrer schlafenden Gefährtin entdeckte. Zärtlichkeit überwältigte sie...

Damit ist die Perspektive durchgehalten, denn sie spürt den Wunsch zu lächeln, beobachtet sich aber nicht dabei.


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sinner
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BeitragVerfasst am: 05.12.2011 19:23    Titel: Antworten mit Zitat

Was bitte ist gegen einen personalen Erzähler mit winzigen auktorialen Einsprengseln (über ihr Gesicht glitt ein Lächeln) einzuwenden?

Bei vielen Romanen (womöglich sogar die meisten) findet man einen leicht auktorial angehauchten personalen Erzähler.

Meiner Meinung nach auch kein Fehler, sondern eine Variante.
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seitenlinie
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Beiträge: 1849

Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 05.12.2011 19:25    Titel: Antworten mit Zitat

agu hat Folgendes geschrieben:

Damit ist die Perspektive durchgehalten, denn sie spürt den Wunsch zu lächeln, beobachtet sich aber nicht dabei.


Man könnte auch darüber stolpern: Blinzelnd öffnete Islasa die Augen ...
Mir wäre es ohne diese lebendigen Bilder etwas zu fade.

Mit dem Beobachten ist das immer etwas grenzwertig.
In Deinem Romanausschnitt fallen die Mädels übereinander her. Da wird teilweise von außen berichtet. Finde ich auch völlig o.k.

Ein Ich-Erzähler kann z.B. sagen "Ich grinste über beide Backen", weil es sein Ausdruck für "lachen" ist.
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agu
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Wohnort: deep down in the Brandenburger woods


BeitragVerfasst am: 05.12.2011 20:59    Titel: Antworten mit Zitat

seitenlinie hat Folgendes geschrieben:
Man könnte auch darüber stolpern: Blinzelnd öffnete Islasa die Augen ...
Mir wäre es ohne diese lebendigen Bilder etwas zu fade.

Schon richtig.
Aber fast immer ist es möglich, diese Bilder auf die Innenperspektive umzusetzen.

Auch hier: Sie blinzelte und öffnete die Augen ...

Es gibt natürlich Situationen, in denen wird die Innenperspektive extrem schwerfällig - dann wird ein kurzer Ausrutscher nach außen wohl vertretbar.
Aber die kommen wirklich sehr sehr selten vor.
Auch eine Bettszene kann man aufs Wunderbarste und Sinnlichste aus der Innenperspektive eines Beteiligten schreiben - und auch den Empfindungen des anderen Raum geben, indem man sie in beobachtete Reaktionen und Lautäußerungen transferiert.


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