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Mors verborum


 

 
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Mr. Curiosity
Papiertiger

Alter: 32
Beiträge: 4485
Wohnort: Köln
Der goldene Käfig


BeitragVerfasst am: 14.03.2011 23:05    Titel: Mors verborum eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Mors verborum

im abendzugfenster werden bäume zu krähen
die einzig sich selber umkreisen vielleicht
noch die leiche eines fluchtpunkts
jener welt aus dunklen äckern die münden
in städten. erblickst du ihr zittern? denn
sie hält keiner mehr mehr
und mehr zerfließen sie wie
du die vor mir das dunkel  aus den buchseiten wischt
doch niemals das dunkel aus ihrem mund.
erlischt: deine worte: „wenn ich zu lange schweige
schmeckt das dunkel im mund bald nach teer
und im magen grummelt als großer hunger die ferne.“

da war ein punkt.



_________________


"Wenn du Schriftsteller sein willst, dann sag, dass du der Beste bist ...
Aber nicht, solange es mich gibt, kapiert?! Es sei denn, du willst das draußen austragen."

(Ernest Hemingway in "Midnight in Paris")
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Enfant Terrible
Geschlecht:weiblichalte Motzbirne

Alter: 27
Beiträge: 10332
Wohnort: München


Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 15.03.2011 15:29    Titel: Re: Mors verborum Antworten mit Zitat

Starkes Gedicht! Die düstere, eindringliche Metaphorik erschafft eine Atmosphäre, die mich packt und mitnimmt, deine Szenerie malt sich mit Schatten von das innere Auge. Die Worte passen, sind rhythmisch gesetzt und wirken nicht bemüht, lediglich an einer Stelle bin ich skeptisch:

Mr. Curiosity hat Folgendes geschrieben:
deine worte: „wenn ich zu lange schweige
schmeckt das dunkel im mund bald nach teer
und im magen grummelt als großer hunger die ferne."


Mit dem vorangestellten "deine Worte" werden die nachfolgenden Metaphern gewissermaßen als Zitat des Gegenübers verstanden, da aber sind sie durch die Wortwahl unglaubwürdig - niemand redet so surreal. Als Zitat macht für meinen Geschmack diese Metapher keinen Sinn, wobei sie an sich passt. Aber dieses "deine Worte" schafft eben Distanz. Verstehst du, was ich meine?

Ansonsten gefällt mir das Gedicht sehr gut!


_________________
"...und ich bringe dir das Feuer
um die Dunkelheit zu sehen"
ASP

Geschmacksverwirrte über meine Schreibe:
"Schreib nie mehr sowas. Ich bitte dich darum." © Eddie
"Deine Sprache ist so saftig, fast möchte man reinbeißen." © Hallogallo
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Mr. Curiosity
Papiertiger

Alter: 32
Beiträge: 4485
Wohnort: Köln
Der goldene Käfig


BeitragVerfasst am: 15.03.2011 21:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

danke für deinen Kommentar- freut mich auch sehr dass du dich an dieses doch recht verschlossene Gedicht "rangetraut" hast (mein Metaphernfetichismus stößt bei vielen sicherlich auch auf Unverständnis).
Dein Einwand ist verständlich; problematisch nur, es anders zu lösen.
Denn das lyrische Ich braucht dieses Gegenüber, geht es doch hier neben dem Verstummen von Sprache im Allgemeinen auch um das Verstummen zwischen zwei Menschen, vielleicht eines normalen Paares, vielleicht eines Ehepaares, das sich nach Jahren nichts mehr zu sagen hat.
Die Frage, ob wörtliche Rede in einem Gedicht auf einer authentischen Ebene sein muss, während doch der Rest in lyrischer Sprache gehalten ist, darüber lässt sich natürlich diskutieren. Nachvollziehen kann ich den Einwand aber schon.

Was mich noch interessieren würde: Ich hatte überlegt das Gedicht mit einem Reim zu beenden, der es quasi abgeschlossener klingen lässt. Letztlich entschied ich mich dagegen, weil es das im Gedicht beschriebene Zerfasern und die Ziellosigkeit meiner Meinung nach besser transportiert, wenn es "unvollständig" wirkt. Meine Frage nun: Funktioniert das hier oder nehme ich den gedanklichen Freiraum nach dem letzten Vers nur persönlich wahr?

LG David


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Mr. Curiosity
Papiertiger

Alter: 32
Beiträge: 4485
Wohnort: Köln
Der goldene Käfig


BeitragVerfasst am: 18.03.2011 00:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Sonst noch Meinungen? Erwarte keine Analysen. Bauchgefühle reichen auch  Wink

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Mardii
Stiefmütterle

Alter: 61
Beiträge: 1838



BeitragVerfasst am: 18.03.2011 02:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo MrC,

wenn ich es fast ohne Lateinkenntnisse angehe, übersetze ich den Titel mit „sprichwörtlicher Tod“ oder vlt. „sprachliches Sterben“. Der Tod spricht mir jedenfalls aus den Zeilen.

Ich schreibe einmal, was ich mir vorstelle: zwei sitzen sich im Zug gegenüber, schweigen. LI sieht  auf dem Fenster die Landschaft vorüber ziehen. Vlt. spiegeln sich seine Gedanken in den sich auflösenden Bildern, es fragt sich, was sein Gegenüber wohl sieht, wohl denkt. Es wendet seinen Blick dem Gegenüber zu, das gerade eine Buchseite umwendet.

Hier lese ich das Stocken der Bilder im Kopf des LI sprachlich umgesetzt

Zitat:
sie wie
du die vor mir das


in einsilbige Wörter. Leider in zwei aufeinander folgenden Versen zweimal „dunkel“:
Zitat:

du die vor mir das dunkel aus den buchseiten wischt
doch niemals das dunkel aus ihrem mund.


Zitat:
doch niemals das dunkel aus ihrem mund erlischt deine worte


Die toten Wörter auf dem Papier können niemals konkurrieren mit den Lebendigen des Gegenübers, das einen vieldeutigen Satz von sich gibt:
Zitat:

„wenn ich zu lange schweige
schmeckt das dunkel im mund bald nach teer
und im magen grummelt als großer hunger die ferne.“


Das lange Schweigen hat die Sprache im Mund geronnen gemacht. Das Du sagt in Wahrheit einen banalen Satz und ist schon in Gedanken weit fort.

Zitat:
da war ein punkt.
Punkt

Bedeutet das Ende, den Tod?

Ein interessantes Gedicht. Hat mir zu denken geben. Habe mich gerne damit beschäftigt.

Grüße von Mardii


_________________
`bin ein herzen´s gutes stück blech was halt gerne ein edelmetall wäre´
Ridickully
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Mr. Curiosity
Papiertiger

Alter: 32
Beiträge: 4485
Wohnort: Köln
Der goldene Käfig


BeitragVerfasst am: 23.03.2011 03:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für deinen Kommentar.
"Mors verborum" heißt übrigens übersetzt "Der Tod der Worte".
Zweimal "dunkel" fand ich irgendwie einfach passend. Wollte es besonders hervorheben, weil "sprachliche Verdunkelung" ja durchaus ein gängiger Begriff ist.
Hmmh ... den Punkt hier als Tod zu interpretieren halte ich doch für etwas fragwürdig. Als den Tod der Worte vielleicht. Hatte was anderes im Sinn, aber das scheint auch zu passen.

LG David


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