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Niedergeschlagen <- Neugling


 

 
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Alfred Kessur
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 31
Beiträge: 22
Wohnort: Viersen


BeitragVerfasst am: 19.03.2011 19:57    Titel: Niedergeschlagen <- Neugling eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der Titel sagt schon alles. smile

Ich bin neu hier und mein erster Beitrag heißt "Niedergeschlagen".

edit: Kopierfehler korrigiert

-Eins-

Ich bin niedergeschlagen, umhüllt von  Dunkelheit. Ich liege da. Dumpfe Geräusche umkreisen mich, sind zu leise um sie zu verstehen und doch zu laut um sie zu verdrängen. Ich führe mir mein Leben vor Augen. Einen kurzen Film im Schnellvorlauf. Schöne Erfahrungen streifen an mir vorbei und lassen mich lächeln. Meine engsten Freunde stehen da und wirken auf mich ein, mir gut gewillt, aber zu schwach um wirklich etwas zu bewirken. Ihre Worte verlieren sich in den dumpfen Geräuschen. Die guten Gedanken entgleiten mir. Ich versuche nach Ihnen zu schnappen, aber meine Glieder wollen sich keinen Millimeter bewegen. Von nun an folgt ein Alptraum durch mein Universum. Es ist, als würde mir jemand gegenüberstehen der mich anschreit, mir alle meine Fehler und Unzulänglichkeiten direkt ins Gesicht schreit. Einen Gedanken nach dem anderen, ohne eine Möglichkeit mich von ihnen frei zu sprechen oder sie zumindest zu rechtfertigen. Derjenige bin Ich selbst.

-Zwei-

Ich bin niedergeschlagen. Hallo Dunkelheit, wir kennen uns bereits. Ich schreie mich selbst an, in einer Sprache die ich nicht verstehe. Das brauche ich allerdings auch nicht, denn ich weiß was ich sage. Meine Lippen bilden in Zeitlupe ein kurzes Wort, raus kommt wiederum ein ganzer Wortschwall. Verlierer, Nichtsnutz, Langweiler, Trottel, Unbrauchbar, Unmotiviert, Unbelehrbar, Uneinsichtig, Unintelligent, Untalentiert. Ab und zu wechsele ich meine Gestalt, doch ich weiß dass Ich es bin. Bei dem Versuch meine Augen zu öffnen, wird mir klar dass sie gar nicht geschlossen sind. Das ist kein Alptraum. Das ist mein Leben.

-Drei-

Ich bin niedergeschlagen. Liege noch immer da. Wobei ich wieder in der Lage bin das Licht wahrzunehmen – immerhin. Vom gleißenden Licht umrahmt sehe ich meine eigene Silhouette, die mit drei Fingern eine Pistole formt und mit Ihr vor meiner Nase rumfuchtelt. Im Normalfall würde ich sie weg schlagen und mir selbst Prügel androhen, aber die Beschimpfungen die ich mir selbst entgegenschmettere lähmen mich. Du schaffst es nicht, du kannst es nicht, du konntest es nie, du kannst nichts! Ich fange an zu überlegen ob ich mich damit abfinden, oder einfach die Augen schließen und es so lange verdrängen soll, bis es ohnehin zu spät ist. Die Pistole, die ich mir selbst entgegenstrecke, wirkt zunehmend wie ein faires Angebot.

-Vier-

Ich bin niedergeschlagen. Mittlerweile imstande meinen Kopf zu heben, schaue ich an mir runter, wie ich vor mir selbst stehe. Ich sehe mich wie ich wirklich bin. Mitte Zwanzig, doch innerlich ein verbitterter, alter Mann. Als ich mich gerade dazu entschließe, nach der Pistole zu greifen, lässt mein anderes Ich sie verschwinden und macht alberne Fingerzeichen. Na Toll, jetzt verarsche ich mich sogar selbst. Wütend auf mich selbst, ignoriere ich die Beschimpfungen und möchte mich aufraffen, um mich selbst zur Rede zu stellen. Ja ich weiß, ich bin nicht perfekt, ich bin kein guter Mensch, ich bin nicht  erfolgreich, ich bin nicht talentiert, ich bin nicht besonders brauchbar. Aber wer bist du, dass du über mich urteilst?
Dann wird es mir klar. Du bist ich! Ha! Du Idiot!

-Fünf-

Ich bin niedergeschlagen. Noch immer halb gelähmt von meinen Beschimpfungen, habe ich mich dazu entschlossen mir selbst Paroli zu bieten und überdenke meine Argumente. Ja ich weiß, ich bin nicht perfekt, aber ich bin kein schlechter Mensch, vielleicht nicht besonders erfolgreich, aber doch talentiert. Ich bin Brauchbar! Mein altes Ich zieht die Augenbrauen hoch und meint ich solle aufhören, formt mit seiner Hand ein Stoppzeichen und hält es mir direkt vor mein Gesicht. "Fick dich, Opa!" flüstere ich und sammele meine Kräfte.

-Sechs-

Ich bin niedergeschlagen. Keine Dunkelheit. Kein gleißendes Licht. Keine dumpfen Geräusche. Klarheit. Ich bin niedergeschlagen. Ich kann jederzeit aufstehen. Ich stemme meine Fäuste gegen den Boden und hieve mich auf die Knie. Der Boden scheint aus Gummi zu bestehen und versucht mich aus der Balance zu bringen, doch ich fange mich. Ich höre meine Freunde meinen Namen rufen, immer besser höre ich sie aus der Geräuscheflut heraus. Ich zeige mir weiterhin das Stoppzeichen und erhebe zusätzlich den Zeigefinger der anderen Hand, vermutlich um mir zu drohen. Ich hole ein letztes Mal Schwung und schaffe es auf die Beine. Ich  forme wieder meine Lippen für einen Beschimpfungsschwall, doch raus kommt diesmal nur "SECHS!"  Ich nehme Stoppzeichen und Zeigefinger runter und frage " Kannst du weiterkämpfen? " Ich stehe immer noch vor mir, doch erkenne mich selbst nicht wieder. Trotzdem nicke ich, schlage meine Fäuste gegeneinander und kämpfe weiter.

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kleiner schreiberling
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 25
Beiträge: 121
Wohnort: Hütte


BeitragVerfasst am: 19.03.2011 21:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Alfred,

erstmal willkommen im Forum, stell dich doch mal vor, wir rollen dazu gerne den Roten Teppich aus.http://www.dsfo.de/fo/viewforum.php?f=31

Nun zum Text.
Gefällt mir. Der Stil ist stimmig, der Aufbau mit durchgängiger Anapher ist mal was neues. Die Nummerierung kann man aber auch weglassen. Gut gelungen finde ich die Darstellung der Seelenlage durch den Doppelgänger. Vielleicht solltest du noch einen auslösenden Faktor für die Veränderung am, Schluss andeuten (kann aber auch sein, dass ich da was übersehen habe). Warum nimmt der Prota den Kampf auf?

Zur Sprache:
Zitat:
Derjenige bin Ich selbst.

Derjenige liest sich etwas komisch. Warum nicht einfach nur: Ich selbst. Question
Zitat:
Im Normalfall würde ich sie weg schlagen und mir selbst Prügel androhen, aber die Beschimpfungen die ich mir selbst entgegenschmettere lähmen mich

Wer tut was? Klar, das ist beides er, aber wie wärs mit "mein Gegenüber". Wird dadurch klarer.

Für deinen ersten Beitrag aber echt gut. Respekt. Weiter so.

Mfg kleiner Schreiberling


_________________
"Soll ich dir die Gegend zeigen,
Musst du erst das Dach besteigen."
J.W. von Goethe

Das Leben ist wie eine Zitrone...
nicht jedermanns Sache, aber man muss grinsen
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Alfred Kessur
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 31
Beiträge: 22
Wohnort: Viersen


BeitragVerfasst am: 20.03.2011 12:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Schreiberling!

Danke für deine Antwort. Die Kritik bezüglich "derjenige" werde ich beim überarbeiten berücksichtigen. Die zwischenzeitliche Verwirriung ist - mehr oder weniger - beabsichtigt.

Ich weiß nicht ob es klar wird, aber die Geschichte ist eine einzige Metapher und soll einen Boxkampf darstellen. Allerdings ist der Boxkampf das Leben.

Es ist überarbeitungswürdig, das ist doch schon mal positiv. lol2
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kleiner schreiberling
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 25
Beiträge: 121
Wohnort: Hütte


BeitragVerfasst am: 20.03.2011 14:08    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Boxkampf?
Stimmt, gegen Ende wird das klar (jetzt wo du es sagst). Dann ergibt auch dass mit dem Zählen einen Sinn Idea  Hab ich vielleicht gestern Abend nicht gründlich genug gelesen Embarassed. Seeeeeeeeehr schöne Metapher. Ein winziges Manko: Der Gegenüber übernimmt gleichzeitig die Funktion von Gegner und Ringrichter. Ist dein Prota dann gleich in dreifacher Ausfertigung im Ring? Oder hat ein anderer gleich zwei Funktionen?
Hm. Stell deutlicher dar, dass die Zahlen gerufen werden ("Eins...") und setze vielleicht nen anderen Ringrichter ein (was genau soll er symbolisieren und wie gelingt das am besten?). So sehr ich auch aus depressiver Grundstimmung entwickelte Frohe Botschaften mag, dein Prota ist sicher nicht in der Lage alle Umgebungseinflüsse auf sein Leben zu bilden. Aber das ist nur ein Vorschlag, kannst es auch so lassen (je nach Andeutungsabsicht).

Nochmal ein bisschen zum Stil:
Zitat:
Ich schreie mich selbst an, in einer Sprache die ich nicht verstehe. Das brauche ich allerdings auch nicht, denn ich weiß was ich sage.

Besserwisserisch wirkendes Konjunktionalmoster. Wie Wärs mit "Dennoch weiß ich, was ich sage"?
Zitat:
Ab und zu wechsele ich meine Gestalt

Passt irgendwie schlecht in die Metapher. Die Gestalt sollte eher unscharf werden (wegen des deliriösen Geisteszustands), als wechseln. Was willst du damit sagen?
Zitat:
Mittlerweile imstande meinen Kopf zu heben, schaue ich an mir runter, wie ich vor mir selbst stehe.

Er liegt doch auf dem Boden, oder? Dann muss er hochschauen und nicht herunter. Vermittelt sonst auch ein falsches Bild von Überlegenheit.

Ansonsten kann ich meine Bewertung nur wiederholen: gut gelungen.

MfG kleiner Schreiberling


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Alfred Kessur
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 31
Beiträge: 22
Wohnort: Viersen


BeitragVerfasst am: 29.03.2011 19:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ne, der Prota ist nur Niedergelagener und sieht sich selbst im Ringrichter, ist es aber nicht. Ein Gegner wird ja überhaupt nicht erwähnt. Der "Feind" sind halt seine depressiven Gedanken, gegen die er ankämpfen muss und die er auf den Ringrichter projiziert.

Mit den Zahlen lass ich mir noch was einfallen.

Jep, "Dennoch weiß ich, was ich sage"?  klingt besser. Danke

Das mit der Gestalt lass ich komplett weg.

Runter schauen muss er, weil er niedergeschlagen auf dem Rücken liegt und den Kopf vom Boden hebt und mehr sehen zu können.
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