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Delatio
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 29
Beiträge: 28
Wohnort: Leipzig


BeitragVerfasst am: 16.02.2011 22:50    Titel: Jugendliche Autoren eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Eine Art Essay.

Ich weiß nicht mehr, worüber ich schreiben soll. Wohl auch nicht mehr, ob ich überhaupt schreiben soll.
Denn in der heutigen Welt ist der Platz des Autors nicht immer an der Spitze des Publikums.
Eher scheinen mir alle privaten Denker und Dichter in ihren Wohnungen zu sitzen, und zu verzweifeln –
An einer Welt, in der das Schreiben keine Chancen mehr hat und auch weniger Wert.
Es bleibt vielleicht nur noch die Romantik zurück. Denn Texte mit Gefühl und Leidenschaft sind für die
Gesellschaft unverbraucht. Sie bilden die Lebensfreude, Lebenslust die uns den Drang zum weiterleben gibt.

Für einen privaten Autor gibt es da aber nichts mehr zu schreiben. Die großen Künstler der Romantik
haben ihr Werk bereits hinterlassen, und sich an den Ideen vergangener Menschen zu orientieren stillt
nie den Durst, nie den Glauben und Drang nach Freiheit oder Bewegung des heutigen Denkers.
Er ist allein-gelassen, allein-gemacht und auch sich selbst hat er vereinsamt.
Wenn ich heute Ideen sammeln würde, um sie am Abend aufzuschreiben, wären die Nächte schlaflos,
meine Augen Lidlos und meine Finger rastlos. Schreiben tut sich sich aber schwer, mit ermüdeten Händen,
Augen und einem schlaffen Geist. Vielmehr verbraucht sich der Denker daran, an der Dekadenz der Gesellschaft
teilzuhaben, um nicht unterzugehen, denn auch ihm würden die Menschen fehlen, die ihm durch seine eigene
Verachtung abhanden kommen würden. Er möchte kein Aussenstehender sein, obwohl er sich als solchen sieht.

Freiheit zu Denken, die hat er nicht mehr. Er nimmt sie sich selbst, während er dem Wahn des Palavers, des Albernen,
Jedem Spott sich hingibt, um sein Glück zu finden, um nicht „Glücklos“ zu sein. So denkt und freut er sich zugleich, verfällt
so aber seinem selbst geschaffenen Tag-Aus, Tag-Ein.
Er bleibt stehen und sammelt, wissbegierig, lüstern nach Ideen und Erfahrungen, nach Sinn und Fragen, und lässt
sich selbst immer mehr zurück – Vielmehr seinen Träumen hingegeben. Denn die heutige Welt ist nicht mehr so einfach.
Und man selbst nicht mehr einzig man selbst.

Wir, die Jugend der 90er Jahre, und auch die einiger Jahre davor, sind verfallen in eine zerrissene, vielfältige Welt,
die nicht mehr weiß wo sie ist, wer sie ist, warum und wann was ist – Alles fällt durcheinander, und jeder sucht Halt
und Sinn an einem Strang zu finden. Ein ständiges Streben nach Glück, nach halt, nach „Heimat“ - also ein klein wenig
Identität und Zugehörigkeit.

Ein Autor hat in einer solchen Welt die freie Auswahl, die fast zu-freie Auswahl, denn wie er sich entscheiden soll, weiß auch er nicht.
Ihm bleibt nur übrig, Tag-Ein, Tag-Aus zuzuschauen, um auf den entscheidenden Moment, den Startschuss seiner Bestrebungen zu
hoffen und zu warten.
Bis dahin ist sein Geist so zerrissen, dass er ganz vergisst, worüber er eigentlich schreiben wollte.

Nicht nur, dass der Autor also heute verrückt sein muss, und verrückt sein will, doch steht er dieser Welt nicht über,
sondern vor. Die Chancenlosigkeit ist immens und das Publikum so zerstreut, wie er selbst. Die immense Vielfalt macht
es ihm schwer, überhaupt Leser zu finden, und am Ende welche, die sein Werk kaufen würden. Hier schlägt der Kapitalismus
seinen vollen Hammer vor, der ihn nach Hause in sein Kämmerlein schickt.

Der heutige Autor ist Still-gelegt und Leis-geworden. Er ruht nicht, aber schweigt.

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G.T.
Autor

Alter: 33
Beiträge: 701



BeitragVerfasst am: 17.02.2011 14:16    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kann mir nicht helfen: Dieser Text beinhält eine nicht zu unterschätzende Larmoyanz.
Denn es mangelt akkut an guten (!) Argumenten.
Das Leid des "Intellektuellen" (ja, ist von mir  Rolling Eyes ) wird beschrieben. Die üblichen Klagen über Orientierungslosigkeit in der "heutigen" Gesellschaft kommen zutage.
Zitat:
Denn in der heutigen Welt ist der Platz des Autors nicht immer an der Spitze des Publikums.

Allein dieser Satz: WAS SOLL ER? Was heißt in der "heutigen" Welt? Dieses Wort "heutig" kommt viermal im Text vor, heute, heute, heute folgt immer wieder.
Es impliziert, dass es früher anders war. Ach ja, ich hab ganz vergessen: Früher war der Autor an der Spitze des Publikums!

Heute ist das aber nicht mehr so. Der arme junge Autor ist verloren in der großen, weiten Welt. Als letztes Ideal scheint die Romantik zu bleiben (unter uns: Das ist nun aber wirklich Geschmackssache!!!).
Zitat:
Für einen privaten Autor gibt es da aber nichts mehr zu schreiben. Die großen Künstler der Romantik haben ihr Werk bereits hinterlassen

Was soll mir diese Behauptung sagen? Es klingt, als sei alles, was der Romantik folgt, überflüssig.
Tucholsky, hör auf zu schreiben! Mach was Anständiges! Bernhard, Kästner, Ende... Wir brauchen euch nicht! Hoffmannsthal hat seine Ergüsse schließlich schon hinterlassen!

Zitat:
Freiheit zu Denken, die hat er nicht mehr.

1. Vermessen, das zu sagen.
2. Wieso "nicht mehr"? Wann hatte er sie denn?
3. GÄHN! Das klingt wie eine alte Frau, die über "Wasser in die Beine" flucht und resümiert, dass die Jugend zu ihrer Zeit anständiger war.
Ruuuhig... ganz ruhig... kommen wir wieder auf den Boden zurück: Das ist selbstmitleidiges Geschluchze.

Zitat:
Denn die heutige Welt ist nicht mehr so einfach.

Jaaa, früher, da war es einfach!
Dieser Satz ist eine Beleidigung für Milliarden Menschen vergangener Zeiten. Und: Er wird seit Jahrhunderten geschrieben! Aber er war schon zu Goethes Zeiten Schwachsinn.

Zitat:
Nicht nur, dass der Autor also heute verrückt sein muss, und verrückt sein will, doch steht er dieser Welt nicht über, sondern vor. Die Chancenlosigkeit ist immens

Es gibt da ein interessantes Bild aus dem geliebten 19. Jahrhundert: Der arme Poet.
Ich verstehe nicht, warum so gerne die Chancenlosigkeit des Dichters auf die heutige Zeit festgelegt wird. Sie ist Symptom dieses Berufes! Schon immer gewesen! Das ist nicht außergewöhnlich, das ist normal. Stinknormal.

Zitat:
Hier schlägt der Kapitalismus seinen vollen Hammer vor, der ihn nach Hause in sein Kämmerlein schickt.

Achja, der Kapitalismus ist alles Schuld. Ganz vergessen...


Dieser Text ist schwach! Es wird viel behauptet und wenig begründet. Und wenn man den so liest, fragt man sich: Wieso gibt es überhaupt noch Dichter?
Und wenn ich mich so im Forum umgucke: Haben die alle einen Ratsch im Kappes, oder wieso tauchen hier so gute, "unromantische" Ideen auf. Das ist doch unnatürlich...

Ade!   G.T.
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Delatio
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 29
Beiträge: 28
Wohnort: Leipzig


BeitragVerfasst am: 17.02.2011 14:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Gut gespottet. Da kann ich nichts dagegen sagen, so sehr ich vielleicht möchte. Danke für die Kritik.
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Nemo
Geschlecht:männlichAutor

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Beiträge: 976
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BeitragVerfasst am: 17.02.2011 14:43    Titel: Antworten mit Zitat

Mir ist der Text zu einseitig gedacht. Das klingt nach Ulrich Becks "Risikogesellschaft" von 1986 - ist alles längst bekannt und gesagt worden. Und vor allem aber schon zuvor von Beck viel klarer gedacht worden. Denn anstatt dieses Problem dialektisch anzugehen (um seinen Dimensionen gerecht zu werden) wird es hier platt vereinfacht. Natürlich beinhaltet das Überangebot an Wahlmöglichkeiten auch einen Wahlzwang, aber dieser führt gerade bei Autoren nicht zur Schweigsamkeit. Die "Wertlosigkeit" geschriebener Gedanken kommt vor allem daher, dass es ein Überangebot an geschriebenen Gedanken gibt. Schau mal auf die Preise für Informationen im Journalismus: Die sind im Keller wegen des Informationsüberangebots. Schweigen? Keineswegs. Und die Denker sitzen beileibe nicht in ihrem stillen Kämmerlein: Soviele Bücher gibt es, in denen klar und laut gedacht wird. Nein, dem Essay fehlt es wirklich an guten Argumenten. Es stellt schwache Behauptungen auf, empirisch kaum nachvollziehbar - leider. An der Rechtschreibung muss Du außerdem noch arbeiten.

Beste Grüße
Nemo


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Alogius
Geschlecht:männlichKinnbeber

Alter: 42
Beiträge: 3643

Die Goldene Bushaltestelle Goldene Feder Prosa (Anzahl: 2)


Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 18.02.2011 11:45    Titel: Antworten mit Zitat

Moin,

unabhängig von den bestehenden Kommentaren, denen ich mich leider anschließen muss, möchte ich versuchen, aufzuzeigen, dass (a) die genannten Probleme vorhanden sind und (b) dass die Kritik von G.T. keineswegs spöttisch gemeint sein KONNTE, da sie genau das zeigt, was Deinen Text so problematisch macht.

Also:

Zuerst die Überschrift: "Eine Art Essay"
Hier fängt es bereits an. Aus welchem Grund zögerst Du, Deinen Text wenigstens im (Unter-)Titel zu bezeichnen? Ich meine, dass auf diese Weise schon der Beginn scheitern muss, da Du als Autor Dir Deiner Sache nicht sicher zu sein scheinst - dies suggeriert der Untertitel bereits.

Text (Inhaltliches):

Richtig ist, dass Du argumentativ sehr schwach vorgehst, um nicht zu sagen: gar nicht. Es werden einseitig gedachte und stellenweise sehr abstruse Behauptungen in den Raum gestellt, die weder fundiert sind noch in irgendeiner Form belegt. So haust Du dem Leser Deine Hypothesen um die Ohren, und entweder erntest Du ein stumpfes Kopfnicken oder, wahrscheinlicher, Kopfschütteln - eben WEIL nichts begründet wird; und wenn, dann nur scheinbar.

Beispiele dazu:

Zitat:
Ich weiß nicht mehr, worüber ich schreiben soll.

Erster Gedanke: Das ist aber schlecht.
Zweiter Gedanke: Da kommt aber noch etwas.
Dritter Gedanke: Wer ist das Ich?

Zitat:
Denn in der heutigen Welt ist der Platz des Autors nicht immer an der Spitze des Publikums.

War das jemals anders?
Die "Dichterfürsten" der Vergangenheit hatten ebenso Not und Mühe, viele nahe der Armutsgrenze oder sie weit überschreitend, ihre Werke an den Mann zu bringen. Darüber hinaus hatten viele von ihnen abseitig noch einen Beruf. Sicher gab es Ausnahmen.
Weiter: Was sagt dies aus? Sollte der Autor als Lichtgestalt über dem Publikum thronen, fern jeder Wahrnehmung oder Selbstkritik? Dies ist absolut nicht stimmig und unhaltbar.

Zitat:
Eher scheinen mir alle privaten Denker und Dichter in ihren Wohnungen zu sitzen, und zu verzweifeln –
An einer Welt, in der das Schreiben keine Chancen mehr hat und auch weniger Wert.

Zunächst gibst Du den Eindruck, dass Du Dir Deiner Thesen selbst nicht sicher bist ("scheinen"!). Das ist ein sehr bedenklicher Start in eine Argumentationskette, die keine ist: Es werden lediglich (zudem unwahre) Behauptungen aufgestellt. Das Bild des an sich und der Welt verzweifelnden Dichters, abgedroschen und fad. Natürlich gibt es das, aber niemand muss ein Dichter sein, um zwischendurch ein wenig zu verzweifeln.
Schreiben als Therapie? Ausschließlich. Unhaltbar und irreal.
Das Schreiben hatte schon immer schlechte Chancen, wenn man am Anfang steht. Wer hat schon auf die Schnelle den großen Durchbruch?

Zitat:
Es bleibt vielleicht nur noch die Romantik zurück. Denn Texte mit Gefühl und Leidenschaft sind für die
Gesellschaft unverbraucht. Sie bilden die Lebensfreude, Lebenslust die uns den Drang zum weiterleben gibt.

Das ist eine sehr gewagte These, die impliziert, dass alles nach der Romantik wertlos ist - das wäre eine ganze Menge, und das kannst und darfst Du so nicht halten. Abgesehen davon, dass es durchaus Rezipienten gibt, die (a) mit Romantik wenig anfangen können (der Gründe gibt es viele) und (b) Romantik mit Kitsch verwechseln (was die Romantik im Sinne einer literarischen Epoche ist, obschon Epochenbegriffe nicht allzu statisch zu betrachten sind, ist Dir sicher klar).
Die Romantik hat/hatte nicht nur Bestand in den Prinzipien, die Du hier anführst (Lebensfreude, Drang zum Leben etc.), sondern weitreichende Folgen auf dem Gebiet der Sprachforschung, der Literaturwissenschaften und dem Schaffen gewisser Gesetzmäßigkeiten und Rahmen im Sinne der deutschen Sprache. Beinhaltet Dein Argument auch dies?
Für die Gesellschaft unverbraucht ist gar nichts, weil es alles gibt, und zwar zu viel von allem und übersättigend.

Hier
Zitat:
Die großen Künstler der Romantik
haben ihr Werk bereits hinterlassen, und sich an den Ideen vergangener Menschen zu orientieren stillt
nie den Durst, nie den Glauben und Drang nach Freiheit oder Bewegung des heutigen Denkers.
Er ist allein-gelassen, allein-gemacht und auch sich selbst hat er vereinsamt.

stellst Du also in Frage, dass die von Dir vorher propagierte Not, die nur durch Romantik zu stillen wäre, ein Weg wäre. Dann vermengst Du Begrifflichkeiten wie Freiheit und Bewegung hinein (wo bleibt dann bei Dir der Sturm und Drang?), aber die Mischung allein macht es nicht aus.
Der Schluss, dass aus diesen Gründen der heutige Dichter vereinsamt, ist ein Trugschluss. Vereinsamung gab es schon immer, sie wird heute lediglich anders wahrgenommen und ist kein dichterisches Phänomen, sondern ein grundsätzliches gesellschaftliches Geschehen. Es ist "in", von Orientierungslosigkeit zu sprechen - aber diese ist wie alles einem Wandel in Ausprägung, Art und dem subjektiven Gefühl dafür unterworfen.
Deine These des alleingelassenen Dichters ist absolut unsinnig, aus all diesen Gründen heraus betrachtet, die dagegen sprechen.
Du hintergehst durch die Fehlargumentationen Deine eigenen Intentionen.

Zitat:
Vielmehr verbraucht sich der Denker daran, an der Dekadenz der Gesellschaft
teilzuhaben, um nicht unterzugehen, denn auch ihm würden die Menschen fehlen, die ihm durch seine eigene
Verachtung abhanden kommen würden. Er möchte kein Aussenstehender sein, obwohl er sich als solchen sieht.

Die Gesellschaft, wann war sie denn nicht dekadent? Würde Deine Beobachtung stimmen, dann hätten sich zu allen Zeiten alle Dichter die Zähne an der Gesellschaft ausgebissen. Der Dichter ist kein einsames Pünktchen in der Masse. Schau doch mal, allein hier, wieviele Menschen dichten, schreiben, lernen und beobachten. Welchen Beobachtungspunkt könnte es geben, wenn nicht die Gesellschaft, deren Teil wir alle sind? Ob man sich als Außenstehender fühlt, steht auf einem anderen Blatt und dürfte mit der Berufung eines Menschen weniger zu tun haben als Du es hier darstellst.
Ohne Beobachtungsobjekt kann es keine Schriften geben. Worüber schreiben, wenn man sich isoliert? Selbst die introvertiertesten Dichter und Schriftsteller schreiben Beobachtungen nieder, verdichten, metaphorsieren oder abstrahieren sie - dennoch liegt im Kern die Beobachtung und letztlich, in verschiedener Intensität, Teilnahme am gesellschaftlichen Leben am Anfang.
Oder glaubst Du, dass die Moderne (wann auch immer sie begonnen haben mag...) dies alles vernichtet?

Zitat:
Freiheit zu Denken, die hat er nicht mehr. Er nimmt sie sich selbst, während er dem Wahn des Palavers, des Albernen,
Jedem Spott sich hingibt, um sein Glück zu finden, um nicht „Glücklos“ zu sein. So denkt und freut er sich zugleich, verfällt
so aber seinem selbst geschaffenen Tag-Aus, Tag-Ein.

Die Freiheit des Denkens ist absolut und kann nicht eingestellt werden. Das schafft kein Diktator, keine noch so dekadente oder übersättigte Gesellschaft. Wenn, dann schränkt man sich selbst ein. Im Prinzip deutest Du das genau so an, weshalb Dein Argument sich ins Gegenteil, welches richtiger ist, verkehrt.

Zitat:
Wir, die Jugend der 90er Jahre, und auch die einiger Jahre davor, sind verfallen in eine zerrissene, vielfältige Welt,
die nicht mehr weiß wo sie ist, wer sie ist, warum und wann was ist – Alles fällt durcheinander, und jeder sucht Halt
und Sinn an einem Strang zu finden. Ein ständiges Streben nach Glück, nach halt, nach „Heimat“ - also ein klein wenig
Identität und Zugehörigkeit.

Die Welt, salopp gesagt, war schon immer ein Scheißhaus. Das ist sie aber, weil wir - alle! - sie dazu machen. Erstens mag es eine Frage der Wahrnehmung sein, wie die Welt ist. Zweitens hängt es ab von der Gesellschaft selbst, wie die Welt ist und wie sie gesehen wird. Drittens, das ist der wichtigste Punkt, klingt Deine These der orientierungslosen Welt sehr abgedroschen. Ich erinnere mich, vage, dass dies ein beliebtes Thema verschiedener Religionsgemeinschaften ist. Natürlich strebt der Mensch nach Glück und Halt, aber die Welt war vor 200 Jahren nicht einfacher als sie es heute ist. Fortschritt (manchmal bedeutet Fortschritt auch Rückschritte, richtig) ist nicht falsch.
Die Probleme früher waren sicher anders geartet, aber letztlich sind sie nicht schwerwiegender oder leichter zu bewältigen gewesen als die heutigen Probleme es sind.
An dieser Stelle bricht die schon angesprochene Larmoyanz endgültig durch. Das ist ein rührseliges, sorry, "Rumsabbeln", dass man fast glauben könnte, irgendein mächtig fieses Geschehen hat Deine Dichterehre gekränkt oder es ist allgemeine Sprach- und Ideenlosigkeit, die Dich dazu gezwungen hat, diese Thesen ins Forum zu nageln.
Entschuldige, aber ein Essay ist anders.

Zitat:
Ein Autor hat in einer solchen Welt die freie Auswahl, die fast zu-freie Auswahl, denn wie er sich entscheiden soll, weiß auch er nicht.
Ihm bleibt nur übrig, Tag-Ein, Tag-Aus zuzuschauen, um auf den entscheidenden Moment, den Startschuss seiner Bestrebungen zu
hoffen und zu warten.
Bis dahin ist sein Geist so zerrissen, dass er ganz vergisst, worüber er eigentlich schreiben wollte.

Wenn Du den Autor (was nun eigentlich: Autor, Dichter, Denker?) so betrachten willst, bitte. Es ist doch höchst zweifelhaft, angesichts zahlloser Neuerscheinungen im Jahr, dass die schreibende Zunft (gleich ob sie veröffentlicht hat oder nicht) sich in den Niederungen des eigenen Jammertales sonnt, bis ein mysteriöser, von Dir nicht präzisierter "Startschuss" fällt. Was soll das sein? Ein Fingerzeig der Muse? Du bleibst vage und ebenso nicht argumentierend, wie zuvor.
Deine Darstellung des Schreibenden (um es neutral zu nennen...) ist die Darstellung eines depressiven Kaspers, der nicht im Geringsten in der Lage ist, das zu tun, wovon er sich ja eigentlich ob Deiner eigenen Bezeichnung (Autor) berufen fühlen müsste: schreiben.
Im Prinzip ist das beleidigend, wäre es nicht so unfreiwillig komisch.

Zitat:
Nicht nur, dass der Autor also heute verrückt sein muss, und verrückt sein will, doch steht er dieser Welt nicht über,
sondern vor.

Falsch: Er ist TEIL der Welt, wie alle Menschen. Und wie alle sollte er nach seinen Möglichkeiten (wenn möglich: diese sogar überschreitend, ohne Risiko gibt es kein Neues!) in der Welt, mit ihr und für sie agieren. Im Rahmen seiner Berufung.

Zitat:
Die immense Vielfalt macht
es ihm schwer, überhaupt Leser zu finden, und am Ende welche, die sein Werk kaufen würden. Hier schlägt der Kapitalismus
seinen vollen Hammer vor, der ihn nach Hause in sein Kämmerlein schickt.

In einer Sache stimme ich zu: Vielfalt. Und doch ist diese so betrachtet kein Nachteil, sondern ein Vorteil. Sicher, der Markt ist übersättigt und neben einigen Perlen findet man viel Müll. Aber ob das nicht schon lange so ist? Und ist es nicht auch "Schuld" der Autoren, wenn sie glauben, dass jeder geschriebene Mist gekauft werden sollte? Hier bedingt das eine das andere, aber verurteilen kann man keinen.
Das hat mit Kapitalismus wenig zu tun, sondern mit, wie Du schon geschrieben hast, Vielfalt.


Fazit:

Sprachlich ist das komplett zu überdenken, inhaltlich ist das kein Essay, sondern eine Litanei, die Du dringlichst überdenken solltest. Die Realität ist das jedenfalls in keinster Weise.

Das ist "Prosa", da bekommst Du direkte Kritiken.

Lg

Tom


_________________
Aus einem Traum:
Entsetzter Gartenzwerg: Es gibt immer noch ein nullteres Fußballfeld. Wir werden viele Evolutionen verpassen.
Busfahrer: Tröste dich. Mit etwas Glück sehen wir den Tentakel des Yankeespielers, wie er den Ereignishorizont des Schwarzen Loches verlässt.
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Delatio
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BeitragVerfasst am: 18.02.2011 12:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Alogius: Keine Sorge, mit der Kritik kann ich gut leben. Sie ist ja auch bei weitem nicht unberechtigt und, zum Glück, schlüssig formuliert. :) Jede in diesem Thread.

Ich wollte den Text ohne Vorbehalte und weitere Erklärungen ins Forum werfen, um einige Meinungen abzugreifen.
Schlussendlich geht es mir da weder um die Qualität des Textes als "Essay an sich", noch darum, ob er überhaupt
logisch fundiert ist. Vielleicht wäre die Werkstatt besser gewesen, aber verändert werden soll an dem Text ja eigentlich nichts.

Du hast es schon direkt auf den Punkt gebracht, indem du meintest:

Zitat:
Das ist ein rührseliges, sorry, "Rumsabbeln", dass man fast glauben könnte, irgendein mächtig fieses Geschehen hat Deine Dichterehre gekränkt oder es ist allgemeine Sprach- und Ideenlosigkeit, die Dich dazu gezwungen hat, diese Thesen ins Forum zu nageln.


Deswegen der Eingang mit "Ich weiß nicht mehr, was ich schreiben soll." - Denn in der Tat: Ich wusste nicht, was
ich überhaupt noch schreiben könnte, was mir auf dem  Herzen liegt oder zu welchem Zweck.
Mittlerweile ist diese Schaffenskrise bewältigt, aber ich wollte zumindest einmal eine fundiertere Meinung zu
dem haben, was ich da von mir gegeben habe. Und es bleibt, was es ist: Ein "sich aufregen" ohne Argumente.
Der Thread heißt ja auch mit Grund "Jugendliche Autoren" und nicht "Analyse des Schaffenswegs von Autoren zwischen 0-20".
Und so ist der Text selbst ja auch nur allzu jugendlich.

Was aber nicht impliziert, dass die angesprochenen Dinge nicht zumindest auf Erfahrungswerten und Beobachtungen beruhen, und
in jeder Aussage ein Fünkchen Wahrheit ruht. Der Fehler war dann wohl, die Begebenheiten auf die Allgemeinheit zu beziehen, was
jedem Text die Glaubwürdigkeit nimmt.

Ich danke auf jeden Fall für eure Mühe. :) Hat mir auch jetzt noch geholfen, die Sache aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.
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G.T.
Autor

Alter: 33
Beiträge: 701



BeitragVerfasst am: 18.02.2011 13:02    Titel: Antworten mit Zitat

(nur so am Rande: Respekt! So "professionell" wird selten auf derart vernichtende Kritik reagiert. Daumen hoch )
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Alogius
Geschlecht:männlichKinnbeber

Alter: 42
Beiträge: 3643

Die Goldene Bushaltestelle Goldene Feder Prosa (Anzahl: 2)


Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 18.02.2011 16:01    Titel: Antworten mit Zitat

Schließe mich dem an - gut reagiert.

Zum Thema:

Einigen wir uns auf eine sehr, sehr subjektive Sichtweise mit extremer Wahrnehmung der Umstände?^^


_________________
Aus einem Traum:
Entsetzter Gartenzwerg: Es gibt immer noch ein nullteres Fußballfeld. Wir werden viele Evolutionen verpassen.
Busfahrer: Tröste dich. Mit etwas Glück sehen wir den Tentakel des Yankeespielers, wie er den Ereignishorizont des Schwarzen Loches verlässt.
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Delatio
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 29
Beiträge: 28
Wohnort: Leipzig


BeitragVerfasst am: 18.02.2011 16:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Alogius hat Folgendes geschrieben:
Zum Thema:

Einigen wir uns auf eine sehr, sehr subjektive Sichtweise mit extremer Wahrnehmung der Umstände?^^


Damit bin ich einverstanden. *g :D
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