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Der Weiße Wolf


 

 
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Rote_Hexe_
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 26.01.2011 22:16    Titel: Der Weiße Wolf eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

(Im Voraus, falls einem der Schluss seltsam erscheint: Es folgen Fortsetzungen!)
Und nun viel Spaß!!!



Es war Mittag.
Die Sonne fiel auf den Schnee und ließ ihn wie ein Teppich aus Diamanten erscheinen. Der Schneewolf steckte schnüffelnd den Kopf in die Luft. Weiße Atemwolken stiegen von seiner Schnauze auf. Es war kalt. So kalt, dass sich fast alles Fressbare  in die tieferen Regionen der Alpen zurückgezogen hatte. Seit Wochen schon hatte das Rudel nichts anständiges mehr gehabt. Den Geschmack und das Fell eines Schreihalses spürte der Schneewolf immer noch im Rachen. Es war widerlich. Er hatte Lust auf eine Bergziege, etwas anständiges.  
Wie auf die Erhörung ihrer Bitten an die Götter hatten sie in diesem Moment auch schon etwas Anständiges im Visier: einen dieser großen, dünnen, in buntes Fell gekleideten, seltsamen Lebewesen, die allein oder im Rudel auf einem oder zwei Brettern die Berghänge herunter sausten.
Seit einiger Zeit beobachteten sie eines dieser Tiere, das in riesigen Slalomkurven den steilen Berghang vor ihnen hinunterfuhr. Es hatte ein rotes Fell und ein schwarzes Ding auf dem Kopf.
So viel zur miserablen Tarnung.
Bald würden sie angreifen.

Der Skifahrer fuhr eine weitere Kurve, und vollbrachte auf einer Schneewehe einen kleinen Hüpfer. Er drehte sich im Flug einmal um die eigene Achse, bevor er  landete. Diese Piste war vollkommen leer. Es war ein elektrisierendes Gefühl, einsame Berghänge herunter zu rasen. Hier sah ihn niemand, hier war er allein.

Der Schneewolf lief ihm hinterher und kroch geduckt auf den gleichen Überhang. Im Schnee konnte er die Spuren der Bretter erkennen., Dinge, von denen er sehr gerne gewusst hätte, was die bedeuteten. Er kroch ein Stück weiter und schaute über die Kante den Bergabhang hinunter. Sehr viel weiter unten sah er ihr Opfer den Berg weiter hinunter fahren. Er blickte weiter hinab und suchte nach einer geeigneten Stelle zum Angreifen. Links von ihnen bildeten einige kleinere Berge ein kleines und sehr steiles Tal. Soweit er erkennen konnte gab es hier in dieser Umgebung keinen weiteren Pass dorthin, aber sehr viel weiter unten, fast am Ende des Hanges wusste er von einem schmalen, baum- und felslosen Stück Weg. Aber das war alles nichts, kein richtiger Plan, daraus konnte man keinen  guten  Angriff machen. Schließlich brauchten sie das Fleisch.
Er entschied sich für die einfache Variante: angreifen, umwerfen und töten.
Er teilte dem Rest des Rudels telepathisch seinen Plan mit. Alle stimmten sofort zu: Denn einem Gegner wäre das Alphatier sofort an die Kehle gesprungen.
Der Schneewolf drehte sich um und begann, den Berg hinunter zu springen.  
Die anderen setzten ihm in großen Sprüngen hinterher. Trotz ihres kugelförmigen Körpers und ihres gewaltigen Kopfes konnten die Schneewölfe dank ihrer kräftigen Beine und des langen Schwanzes mehrere Baumlängen weit springen. Ihr Fell war weiß und struppig und stand als Schutz gegen die Kälte weit vom Körper ab.
Mit ihren großen, schwarzen Augen studierten sie jede Bewegung ihres Opfers.
Die Wölfe wurden immer schneller. Bald hatten sie ihn eingeholt.

Der Skifahrer  fuhr jetzt in kleineren Kurven den Berg hinunter. Er spürte den Fahrtwind im Gesicht und merkte, wie er immer schneller wurde. Ja, das war wirklich besser als jede Achterbahn, den Nervenkitzel echter Gefahr.
Und dann hörte er etwas, das ihm plötzlich einen eisigen Schauer über den Rücken laufen ließ. Ein Hecheln. Das leise Getrommel vieler Pfoten. Rechts von sich sah er undeutliche Erhebungen im blendenden Weiß des Schnees. Sie huschten an ihm vorbei, ehe er sie erfassen konnte. Dann blieben sie stehen. Ihre Körper schälten sich aus dem Weiß. Sie hatten ihn völlig umstellt und die Wölfe vor ihm duckten sich zum Sprung. Vor Schreck schrie er auf, ließ im gleichen Augenblick die Skistöcke fallen. Er schoss mit den Händen eine gewaltige Detonation nach unten ab, wurde in die Luft katapultiert. So gut er konnte hielt er seine Skier gerade, keuchte, sein Magen flatterte. Im nächsten Moment prallte er mit einem so heftigen Ruck auf dem harschigen Schnee auf, dass der Schmerz ihm bis in die Wirbelsäule fuhr. Er sank ein Stück ein, das Eis knackte und das Herz blieb ihm beinahe stehen, aber dann fuhr er weiter, er fuhr weiter und raste mit gewaltigen Tempo den Berghang hinab.
Eine Hitzewelle traf ihn plötzlich im Rücken. Rote Flammen züngelten über seine Schulter. Und auch seine Hände pochten als hätten selbst sie Feuer gefangen, und hatten plötzlich ein Gewicht, als ob er brennende Scheite in den Händen halten würde.
Der Skifahrer warf einen Blick nach unten, sah den Grund des Gewichts an seinen Händen und riss die Augen auf.

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ZamHoTai
Sonntagsschreiber


Beiträge: 21



BeitragVerfasst am: 27.01.2011 22:57    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Abend Rote Wölfin,
deine Erzählung ist großartig und sie gefällt mir. Es ist eine echte Erzählung und noch dazu sehe ich sehr viel Talent und Potenzial.

Have a nice day


_________________
Schreiben bedeutet Wortknochen zu beleiben und niemals Worte zu verschweigen.
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Kolja
Sonntagsschreiber


Beiträge: 22



BeitragVerfasst am: 28.01.2011 12:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rote Hexe,

also das Ende hat mich nun wirklich verwirrt zurückgelassen. Mein erster Eindruck war eine spannende Geschichte, die sich geschickt zuspitzt und dann dieses fantastische (nicht im Sinne von großartig) Ende?!

Ich hab eine logische Frage zu dem Text, bevor ich auf die Textstellen eingehen will, die mir aufgefallen sind.

Gibt es Wölfe in den Alpen?

Bei der stilistischen Bewertung kann ich mich ZamHoTai nicht so recht anschließen. Der Anfang könnte auch in der Steinzeit spielen, ich weiß nicht, ob das beabsichtigt ist.

Zitat:
Seit Wochen schon hatte das Rudel nichts anständiges mehr gehabt.


Nach diesem poetischen Anfang mit den Diamanten (ein sehr schönes Bild, aber vllt unpassend für diese Geschichte) ist nun von "anständigem" die Rede. Da bin ich auf jeden Fall gestolpert. Ich meine, dass diese lockere Sprachweise durchaus angebracht ist, aber dieser Satz gefällt mir nicht.

Zitat:
Wie auf die Erhörung ihrer Bitten an die Götter hatten sie in diesem Moment auch schon etwas Anständiges im Visier


Also das ist für mich fast schon komisch. Hier greift der Autor ein wie die Götter, um alles ins Rollen zu bringen.

Zitat:
Slalomkurven


Kennen / brauchen Wölfe das Wort Slalom?

Zitat:
So viel zur miserablen Tarnung.


Das hat mir gut gefallen.

Zitat:
Bald würden sie angreifen.


Ebenso.

Zitat:
Hier sah ihn niemand


Warum ist ihm das wichtig? Also warum denkt der Skifahrer das? Hier ist er alleine, kann ich nachvollziehen, aber man denkt doch eher "Hier störrt mich keiner".

Zitat:
telepathisch


Das wirkt auf mich auch wieder eher komisch und das soll es bestimmt nicht. Vielleicht weißt du aber auch mehr über Wolfskomunikation als ich.

Zitat:
Der Schneewolf drehte sich um und begann, den Berg hinunter zu springen.
Die anderen setzten ihm in großen Sprüngen hinterher


Das ist in meinem Kopf auch eher ein lustiges Bild. Springende Wölfe, hopp, hopp. Das klingt für mich nicht gefährlich.

Zitat:
Trotz ihres kugelförmigen Körpers und ihres gewaltigen Kopfes konnten die Schneewölfe dank ihrer kräftigen Beine und des langen Schwanzes mehrere Baumlängen weit springen


Das verstehe ich einfach nicht und da habe ich angefangen zu überlegen, ob Schneewolf nicht vielleicht einfach nur eine Metapher für irgendetwas sein soll?! Kugelförmige Körper??

Zitat:
Er schoss mit den Händen eine gewaltige Detonation nach unten ab


Ab diesem Satz hast du mich komplett verloren. Was soll das sein?
???

Ich bitte um Erklärung, vielleicht komme ich ja mal in so eine Situation und dann möchte ich gerne wissen, wie man sich rettet Smile

Wie schon gesagt. Ich finde die Situation interessant und die Geschichte spannend. Mit dem Ende kann ich gar nichts anfangen, aber du hast ja gesagt, dass da noch was kommt, bin gespannt.

Stilistisch bin ich mir unsicher. Der Wolf denkt ein bisschen zu kumpelhaft für mich, er ist schließlich auch das Alphatier und dieser sehr poetische Anfang hat mich auch erstmal in die Irre geführt.

Ich hoffe, du kannst mit dieser Kritik etwas anfangen.

Schöne Grüße
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agu
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 45
Beiträge: 1764
Wohnort: deep down in the Brandenburger woods


BeitragVerfasst am: 28.01.2011 13:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rote Hexe,

Deine Geschichte hat was, sie vermag zu fesseln und wirkt dabei ungewöhnlich genug, so dass man nicht den Eindruck bekommt, man habe das schon hundert Mal gelesen.
Das ist bemerkenswert und hat mir den Spaß beim Lesen gleich noch einmal erhöht. Den Perspektivwechsel zwischen Skifahrer und Schneewolf finde ich sehr gut gemacht. Insbesondere die Wolf-Perspektive gefällt mir sehr gut, lediglich das 'telepathisch' würde ich streichen, das hat mich auch rausgerissen. Ich würde überhaupt darauf verzichten zu erklären, wie die Wölfe sich verständigen, das unterstreicht nur die unterschwellige Mystik und dann läufst Du nicht Gefahr, die Atmosphäre durch halbseidene Erklärungen zu zerstören.

Sprachlich gäbe es noch ein wenig zu feilen, viele Sätze könnte man vereinfachen, kompakter formulieren, an der Wortwahl arbeiten.
Nur ein einziges Beispiel:
Die Sonne fiel auf den Schnee und ließ ihn wie ein Teppich aus Diamanten erscheinen.
--> Die Sonne verwandelte den Schnee in einen Teppich aus Diamanten.
Diese Art von textlichem Feinschliff meine ich.

Ich bin übrigens sehr gespannt auf die Fortsetzung.
LG, Andrea


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Meine Bücher:
Engelsbrut (2009 Sieben, 2011 LYX) | Engelsjagd (2010 Sieben) | Engelsdämmerung (2012 Sieben)
Die dunklen Farben des Lichts (2012, SP)
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Kill Order (2013 Sieben)
Choice / als Chris Portman (2014, Rowohlt)
Wie man ein Löwenmäulchen zähmt / als Eva Lindbergh (2016, Droemer Knaur)
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Roydarren73
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Beiträge: 117



BeitragVerfasst am: 28.01.2011 13:55    Titel: Antworten mit Zitat

Eine sehr schöne Geschichte.


Achte auf die zeitlichen Abstimmungen...

z.B. im Mittelteil da wird,s besonders kritisch,  wenn der Schneewolf dem "sehr viel weiter unten" entfernten Skifahrer hinterher sieht und überlegt, wann/wie er denn angreifen soll.

- der Skifahrer is dann einfach weg, da brauch der Wolf, sofern er denn dazu in der Lage ist, nicht mehr überlegen.

Die Schneewölfe können "mehrere Baumlängen weit" springen ?
Vielleicht sollten die bei der Vier-Schanzen Tournee mitmachen

 Cool


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"Der Anfang von allem, also der Urknall, fand wohl in völliger Dunkelheit statt, da Licht ja noch nicht existierte."

- Stephen Hawking -
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Rote_Hexe_
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Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 29.01.2011 22:30    Titel: Der Weiße Wolf pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die Schneewölfe in meiner Geschichte sind magische Wesen: also nicht genau wie richtige Wölfe. Sie sind kugelrund und können springen und leben in den Alpen. Könnte sein, dass sie auch etwas komisch wirken.
Der Skifahrer ist ein Zauberer, ein schlechter Zauberer! (Das sieht man vielleicht nicht gleich, aber die ganze Geschichte fußt darauf, dass er schlecht zaubert!)
Ich hoffe, ich konnte einiges beantworten.
Ich habe versucht, die Kritik umzusetzen: Jetzt geht es weiter!


Der Schneewolf kauerte vor ihrem heranrasenden Opfer, sein Rudel links und rechts neben ihm. Er gratulierte sich zu seinem Plan und leckte sich mit der Zunge seine kalte Schnauze. Essenszeit.
Der Wolf öffnete das Maul und der Geifer floss ihm übers Kinn. Er duckte sich zum Sprung.
Das Opfer raste direkt auf ihn zu und schrie. Dann jedoch ging etwas schrecklich schief. Das rote Wesen war plötzlich verschwunden. An seiner Stelle war etwas heißes, wuselndes, rotes. Ein lauter Schrei der Überraschung ertönte aus elf Kehlen, nur das Alphatier reagierte rechtzeitig; Es machte einen so gewaltigen Satz nach hinten wie noch nie in seinem Leben. Er kam hart auf dem Harsch auf, kugelte nach hinten. Ein heißer, heftiger Wind wühlte sein Fell auf. Der Wolf schlug die Krallen in den Harsch und kam keuchend zum liegen. Ein stechender Geruch schlug in seine Nase; von verbrannten, verkohlten Fleisch und etwas, das er noch nie gerochen hatte. Weißer Dampf vernebelte ihm das Blickfeld, aber was er roch, war genug.
Eiskalte Wut kroch sein Rückgrat entlang, der Wolf verschenkte keinen weiteren Moment und hetzte schneller als ein fliegender Drachen dem Feuertier hinterher.
Wenige Sekunden später setzte er zum entscheidenen Sprung an, er spürte, wie der Harsch unter ihm brach, als er sich abstieß.
In dem kurzen Moment, in dem er das Tier unter sich sehen konnte, bemerkte er etwas Unstimmiges. Die Vordergliedmaßen des Tieres schienen aus großen, roten, flackernden Kugel zu bestehen. Im nächsten Moment zerriss ein tiefgelber Blitz das Bild unter ihm. Der Wolf glaubte, eine riesige, heiße Lawine träfe ihn mitten in den Magen. Alle Luft wurde aus ihm hinaus gepresst. Ein schrilles Pfeifen tönte in seinen Ohren. Sein Körper schien taub. Dann durchflutete ihn eine so heftige Welle an Schmerz, wie er sie noch nie erlebt hatte und die für ihn Ewigkeiten anzudauern schien. Dann wurde es weniger. Er schien zu liegen. Heiße Wellen pochten durch seinen Körper und klangen erst nach einer Weile ab. Er spürte weicheren Harsch unter sich. Er öffnete langsam ein Auge. Der Himmel war blau über ihm, keine einzige Wolke war am Himmel. Hohe, weiße Berge umkränzten sein Blickfeld. Der Wolf schielte in die Richtung, aus der er meinte gekommen zu sein. Ein kurzer Pass schlängelte sich zwischen Bäumen einen Hang hinauf.
Was er dahinter sah, überstieg seine Vorstellungskraft.
Wie ein großer Baum sah es aus, die in den unteren Tälern der Alpen wuchsen. Aber er war ungleich größer und rot und Wolken ballten sich darüber zusammen. Er verstand es nicht. Mühsam richtete er sich auf und blickte weiter den Hang hinauf.
Dann stieg ihm ein verlockender Duft in die Nase. Er drehte sich um und was er sah, war das Paradies. Der Schneewolf riss Augen und Maul auf und Geifer tropfte in den Schnee. Himmelsblau waren die Körper der kleinen, schlanken Drachen, die dort halb versteckt zwischen den Bäumen lagen, und grün ihre Mähne, die sanft und einladend im Wind wiegte.
Dies war wahrlich das Paradies. Der große Wolf wurde davon unwiderstehlich angezogen, der Baum, sein Rudel war komplett aus seinen Gedanken verdrängt.
Essen!

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Rote_Hexe_
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Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 13.02.2011 22:21    Titel: Der Weiße Wolf pdf-Datei Antworten mit Zitat

Naja, was man angefangen hat, muss man auch zu ende bringen.
(Entschuldigung wegen dem Wolf, da ist mir wohl ein Fehler unterlaufen...)


Vielleicht noch mit einem bisschen mehr Speck auf den Rippen?
Der Schneewolf schaute sich unter den Bäumen prüfend um. Abgemagert waren sie alle. Es war eben ein harter Winter.
Der Wolf schaute sich noch einmal kurz um, den Berghang hinauf. Hier und da flossen dampfende Rinnsale den Hang hinab und hinter der Erhebung ballten sich weiße Schwaden zusammen.
Uninteressant. Der Schneewolf wandte sich wieder den Drachen zu.
Da war ein uralte Drache, der sehr, sehr laut schnarchte, dass die Bäume wackelten, einen jungen, der sich im Schlaf unruhig wälzte, wenige Erwachsene, nur zwei Mütter … neben dem Schneewolf schliefen zwei weitere Alte, die munter um die Wette sägten. Es störte ihn unglaublich, also ging er ein paar Schritte zur Seite. Dann sah er ihn.
Er lag auf dem Rücken und schlief unruhig. Seine zerbissene Brust war halb verheilt – er war das Opfer eines Schneewolfs-Rudels, das ihn im Flug angesprungen hatte. Er schlief etwas abseits von den anderen und seine Mähne bewegte sich unruhig, und – ausgesprochen lecker.
Die Augen des Schneewolfs glänzten.
Die Auswahl fiel nicht weiter schwer.
Er schlich sich an den Kopf des Drachen heran. Sein Kopf lag auf der Seite, so konnte der Wolf glücklicherweise direkt an seinen Nacken kommen.
Die Mähne eines Cyandrachen ist steinhart – wenn er wach ist und daran denkt. Wenn er schläft, ist die Mähne entspannt und man kann an das Genick gelangen, dort ist die Haut weich und verletzlich.
An die Kehle zu gehen wäre glatter Selbstmord. Das Genick in diesem großen Haarwust zu finden ist schwer genug, und wenn man die Kehle nicht beim ersten Biss durchbeißt, wacht der Drache auf – ein einziges Mal hatte der Schneewolf das gesehen und er war nicht erpicht darauf, sich den Kopf zerquetschen zu lassen.
Am Hinterkopf waren deutlich weniger tödliche Haare.
 Der Wolf schob seine Schnauze durch die Mähne und suchte mit seiner Nase das Genick. Er schnüffelte und der Geifer lief ihm im Maul zusammen.
Dann riss er sein Maul so weit wie möglich auf.
Er biss zu.
In diesem Moment gab es einen lauten Knall.
Der Drache riss den Kopf nach oben.
Der Schneewolf spürte einen grellen Schmerz in seiner Schnauze. Er verlor den Boden unter den Füßen und wurde mit geschleudert. Sein Magen rumorte, er sah die Berge rotieren. Der Drache flog durch die Luft. Verzweifelt versuchte der Schneewolf, sich an der Mähne festzuhalten, mehrmals krachte er mit voller Wucht gegen den Drachenleib.
Er klammerte sich an steinharte Wellen und Vertiefungen und drückte die Kiefer fest zusammen.
Ganz kurz erhaschte er einen Blick auf den steilen Abhang. Schwarze Wolken stiegen hinter der Erhebung auf.
Der Drache taumelte durch die Luft. Warmes Blut floss dem Schneewolf in das Maul und drohte, ihn zu ersticken. Der Wolf winselte vor Angst, denn jetzt hatte sie ihn unbarmherzig gepackt und er fing an zu würgen. Der Drache drehte sich plötzlich und für einen Moment wurde der Wolf nur von seinen Zähnen im Fleisch und von der sich windenden, Schmerz verursachenden Mähne gehalten, bevor er wieder mit seinen Pfoten den Drachenleib zu packen bekam und sich wie ein Parasit daran festklammerte. Dann passierte etwas. Der Wolf spürte es durch seine Pfoten; es war ebenso unmerklich wie unvermeidlich gewesen. Gewaltige Muskeln erschlafften, die Spannung wich aus dem Körper des Drachen. Sein Flug wurde unsicher, einen Moment stieg er noch auf, kam in die Waagerechte, dann neigte sich sein ganzer Körper nach unten und er begann zu fallen.

Er schaute auf seine Arme.
Der Fluch war fehlgeschlagen. Weißglühende Brocken regneten auf ihn herab.
Wie gewöhnlich. Eine große Überraschung war das nicht. Nässe kroch über seine Schultern in seinen Anzug. Er schaute auf seine Arme. Sie waren verrußt und rot. Und nackt. Bis zu seinen Schultern war sein Anzug mitsamt Handschuhen verbrannt.
Er lag auf dem Boden. Von allen Seiten hörte er Wasser tröpfeln.
Er bewegte seine Beine. Seine Skier schienen zerbrochen zu sein.
Vor Schmerzen stöhnend stand er auf. Er schenkte der Gegend um sich herum keinen einzigen Blick und legte einen zitternden Zeigefinger an die Schläfe. Wenigstens ein Zauber funktionierte.
„Gott, Jonah, hol mich hier raus, hol mich bitte sofort hier raus!“
Ein Geräusch ließ ihn aufblicken. Beinahe blieb ihm das Herz stehen. Er drehte sich um und stolperte den Hang hinauf.

Der Wolf quiekte und presste sie Augen zusammen. Ohne einen Ton oder Geheul fiel der Drache dem Boden entgegen. Der Aufprall war weniger schlimm als erwartet. Die Mähne wallte auf, der Wolf riss seine Zähne aus dem Fleisch – kurz ging ein fürchterlicher Ruck durch seine Glieder, dann platschte er in eine riesige Pfütze. Der Wolf schnaufte und prustete und schüttelte sich den Schlamm aus dem Fell.
Neben ihm tönte ein tiefes Stöhnen aus dem Drachen. Schwerfällig bewegte er sich. Der Wolf humpelte vorsichtig aus seiner Reichweite und ließ sich dann in kühlen Schlamm fallen. Aus dem kleinen Tal ertönte ein Rauschen, dass ihm gar nicht gefiel.

Der Skifahrer kämpfte sich aus dem Schlamm hoch. Heiße Luft strömte auf ihn hinab. Keuchend saß er auf den Knien und blickte nach oben. Es ist kein erbaulicher Anblick, in das Maul eines Drachen zu schauen. Der Skifahrer gab ein undefinierbares Geräusch von sich.
Der Drache stieß sein Maul nach unten und gab ein Grollen voller Wut von sich. Der Zauberer ließ sich nach hinten fallen und entging nur knapp den messerscharfen Zähnen. Kurz erhaschte er einen Blick auf apathische, eisblaue Augen.
Blauleuchtende Schlangenleiber kreisten über ihnen.
Der Drache öffnete das Maul; in seinem Rachen glühte es.
Der Skifahrer schrie auf. „Jonah, Gott, oh Gott, hol mich hier raus!“
Die Drachen kreisten über ihnen.

Der Schneewolf verhielt sich still und schielte zu dem Feuermenschen herüber. Gleich gab es Braten. Der verletzte Drache jedoch gab ein kurzes Röcheln von sich und sein Kopf fiel auf den Boden.
Die Drachen röhrten über ihnen. Sahen wohl in dem winzigen Feuermenschen da unten den Grund allen Übels, denn hellblaues Feuer regnete herab. Der Feuermensch schrie erneut auf und verschwand dann plötzlich.
 Das Feuer prasselte auf die Stelle, an der er eben noch gestanden hatte und ließen die Mähne des toten Drachen in Flammen aufgehen.
Das Rudel verschwand. Drachen waren eben ängstlich.
Die Augen des Wolfs leuchteten.
Er leckte sich die Schnauze und machte sich glücklich über sein Festessen her.
Geröstetes.

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