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Schneewehe


 

 
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Dienstwerk
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 50
Beiträge: 1313
Wohnort: Gera/Markkleeberg
DSFo-Sponsor Goldene Harfe


BeitragVerfasst am: 29.12.2010 04:12    Titel: Schneewehe eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Schneewehe

„Ich habe von dir geträumt“, flüsterte sie und streichelte seine Wange.
„Hmmmm.“
„Nicht wieder einschlafen, Schatz!“
Sie küsste seinen Hals und strich ihm die verklebten Locken aus der Stirn.
„Mir ist kalt.“
„Ja, ich weiß. Es ist sehr kalt.“
Sie rubbelte seinen Arm, vergrub ihr Gesicht an seiner Schulter und schluchzte.
„Warum weinst du?“
„Nichts. Ich liebe dich.“
„Mir ist kalt und es ist so dunkel.“
„Alles wird gut, Liebling.“
„Was ist los? Wieso kann ich mich nicht bewegen?“
„Schtttt. Du musst dich nicht bewegen.“ Sie summte ihm ins Ohr.
„Au, verdammt!“
„Schatz, du darfst dich nicht bewegen.“
„Was ist passiert?“ Seine Stimme überschlug sich.
„Wir hatten einen Unfall, wir stecken fest. Der verdammte Schnee, weißt du?“
„Oh, Kacke.“
„Ja“
Stille.
„Martin?“ - „Nicht einschlafen, hörst du! Ich habe Hilfe gerufen. Jeden Moment ist jemand da.“
Hastig breitete sie einen Zipfel ihrer Daunenjacke über seinen Oberkörper, stopfte ihn unter dem verbogenen Lenkrad hindurch. Der Geruch ließ sie schaudern. Wie riecht gefrorenes Blut? Wie schmeckt es? Wie ihr Handrücken, an dem sie seit Minuten kaute?
„Nicht einschlafen, Schatz, bleib munter, bitte!“
Dreißig Zentimeter Schnee und keine Chance, ihm zu entkommen. Der Blick nach draußen wurde von eisbeschlagenen Scheiben verwehrt. Jeder Atemzug hauchte ein weiteres Muster ans Glas.
„Nicht aufhören, zu atmen, Liebling. Atme!“
Ihre Finger, die sein Gesicht tätschelten, waren inzwischen blau und kalt. Sie zitterte.
Endlich hörte sie das Martinshorn.
„Alles wird gut“, rief sie mit klappernden Zähnen, während sie von kräftigen Armen aus dem Wrack gezogen und in eine Decke eingeschlagen wurde.
„Sie retten ihn doch?“ fragte sie den Sanitäter.
„Drei Stunden eingeklemmt in dieser Kälte, das ist heftig“, hörte sie einen zweiten Mann wie aus weiter Ferne sagen, dann spürte sie nur noch das Schaukeln des Krankenwagens, als dieser losfuhr.

©C.G.

Ich wollte nur den Gedanken festhalten, bevor er verfliegt. Mit Sicherheit ausbaufähig - aber ich hoffe, es ist mir gelungen.

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Corazon De Piedra
Gast






BeitragVerfasst am: 29.12.2010 04:24    Titel: Re: Schneewehe Antworten mit Zitat

Dienstwerk hat Folgendes geschrieben:
Mit Sicherheit ausbaufähig


Bestimmt. Aber ehrlich gesagt, mir ist es jetzt schon beklemmend genug.
Ich habe so eine leichte klaustrophobische Macke und der Text hier, nee, ausbauen müsstest du das wegen mir nicht.

Dienstwerk hat Folgendes geschrieben:
aber ich hoffe, es ist mir gelungen.


Absolut.

LG

Corazon
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Rockerboss
Geschlecht:männlichAbc-Schütze


Beiträge: 7



BeitragVerfasst am: 29.12.2010 04:35    Titel: Antworten mit Zitat

Das gefällt mir und ausbaufähig ist es sicherlich auch.
Eine Kleinigkeit ist mir aufgefallen :

"... rief sie mit klappernden Zähnen.."

( stammelte sie mit klappernden Zähnen -  wäre hier angebrachter - )
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Ernst Clemens
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 73
Beiträge: 734
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 29.12.2010 08:30    Titel: Antworten mit Zitat

guten morgen ana,

du hast den leser erst auf eine falsche fährte geführt: die ersten zeilen hören sich an als ob die beiden eine schöne gemeinsame nacht verbracht hätten. danach kommt der hammer.

das von dir gewählte stakkato-tempo gefällt mir sehr gut.

über einige formulierungen bin ich gestolpert:

Zitat:
„Mir ist kalt.“
„Ja, ich weiß. Es ist sehr kalt.“
- die antwort könntest du dir schenken. sie ist überflüssig.

Zitat:
„Nicht einschlafen, hörst du! Ich habe Hilfe gerufen. Jeden Moment ist jemand da.“
wie wäre es mit "gleich wird jemand kommen"?

Zitat:
Hastig breitete sie einen Zipfel ihrer Daunenjacke über seinen Oberkörper,
also für mich ist ein ZIPFEL zu wenig, um ihn ausbreiten zu können.
Ihre Finger, die sein Gesicht tätschelten, waren inzwischen blau und kalt. eines von beiden weglassen, oder "blau vor kälte".

feile noch etwas an deinem text - es lohnt sich!

ich wünsch dir einen schönen tag
ernst
Zitat:
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Dienstwerk
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 50
Beiträge: 1313
Wohnort: Gera/Markkleeberg
DSFo-Sponsor Goldene Harfe


BeitragVerfasst am: 29.12.2010 13:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Dankeschön für euer Feedback!
Ich wünsche einen guten Rutsch und werde mich im neuen Jahr an die Überarbeitung machen.

LG, Ana
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SylviaB
Geschlecht:weiblichSchnupperhasi

Alter: 53
Beiträge: 6815
Wohnort: Köln
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BeitragVerfasst am: 02.01.2011 20:13    Titel: Antworten mit Zitat

In Prosa bin ich nicht gut, daher nur wenige Anmerkungen von mir:

1. Ich finde diesen Text gut und er hat mich reingezogen.
2. An manchen Stellen wirkt er etwas hm ... zu harmlos.
3. „Ja, ich weiß. Es ist sehr kalt.“  Diesen Satz würde ich genauso stehen lassen, denn dieser Satz wirkt ziemlich authentisch.

Bau den Text weiter aus, ich würde ihn in jedem Fall lesen.

Lieben Gruß
Sylvia


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Scheint dat Sönnsche dir aufs Hirn,
hassu wohl ne offne Stirn. wink
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Dienstwerk
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 50
Beiträge: 1313
Wohnort: Gera/Markkleeberg
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BeitragVerfasst am: 03.01.2011 12:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Dankeschön fürs Lesen, Sylvia.
Aus der Grundidee ist inzwischen eine richtige Geschichte (allerdings völlig andere Sichtweise) enstanden, die ich die nächsten Tage posten werde.

LG, Ana
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SylviaB
Geschlecht:weiblichSchnupperhasi

Alter: 53
Beiträge: 6815
Wohnort: Köln
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BeitragVerfasst am: 03.01.2011 15:49    Titel: Antworten mit Zitat

smile extra Da freue ich mich schon drauf!

Lieben Gruß
Sylvia


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Morgan
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Beiträge: 38
Wohnort: NRW


BeitragVerfasst am: 03.01.2011 18:03    Titel: Antworten mit Zitat

Ich schließe mich Rockerboss/Ernst Clemens an.
... Wobei mir persönlich auch noch die Schmerzen fehlten.

Bin gespannt auf die neue Fassung Smile


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Sie ist der Schlüssel zur Freiheit.
Die Hintertür des Lebens.
Öffne Sie! Lass dich fallen und fliege auf Ihr, wie auf den Schwingen eines Adlers. Denn nur durch sie wird dein Leben faszinierend.
(Morgan)
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Stimmgabel
Geschlecht:männlichBestseller-Autor


Beiträge: 4398
Wohnort: vor allem da
Bronzener Sturmschaden Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 03.01.2011 18:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Ana,

möchte gleich sagen – auch ich freue mich schon auf Deine Überarbeitung/ausgebaute Geschichte zu Deinem Orig-Text sehr !!!! Smile

Für mich eine sehr gelungene, dialogisierende Geschichte / in ihrem Wechsel von Hintergrunds-Info und direkter Rede!,
die ja hier so nah und mitnehmend fungiert... /Gerade diese Dialoge ziehen mich echt in den Text, in die Handlung rein – kann mich so richtig dort einfühlen, spüre diese angespannte Situation und diese bekümmernde und liebevolle,
und zugleich hilflose Fürsorge der LI-Sie – einfach toll,

und vor allem die so natürlichen, wirklichen Rede-Sequenzen!!


Zu 3 Stellen habe ich einige Ecken begrifflich gespürt:

(1) / Hastig breitete sie einen Zipfel ihrer Daunenjacke über seinen Oberkörper, stopfte ihn unter / <= könnte es nicht eine Decke sein : -)), oder sie zieht ihre Jacke aus, oder...,
doch Zipfel....und über, und stopfen ???? / wurde ja auch schon angesprochen...

(2) / Ihre Finger, die sein Gesicht tätschelten, waren inzwischen blau und kalt. Sie zitterte / Ich meine, „tätscheln“ ist hier bestimmt nicht passend, oder?

(3) / „Alles wird gut“, rief sie mit klappernden Zähnen, während / vielleicht ja doch ein anderes Wort???

Und zum allerletzten Teil:
„......dann spürte sie nur noch das Schaukeln des Krankenwagens, als dieser losfuhr.“ / hier fehlen mir paar bindende, übergängige Worte zum Vorigen..... / vielleicht ja als verschwommenes Kopfkino in ihr.......???


Ungeachtet dieser Peanuts / Ana,
wirklich eine so derart reale Darstellung von Hilflosigkeit und totaler Bekümmerung – mit sehr gelungenem Aufbau dieser immanenten Gefühlsebene, die zu mir komplett rübergekommen ist. Sehr gerne gelesen.... Smile

Einen lieben Gruß, Frank, und warte schon auf Deine Erweiterung/Umbau..... : -))

--


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Gabel im Mund / nicht so hastig...
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Dienstwerk
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BeitragVerfasst am: 03.01.2011 20:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Oh, Danke Frank für Deinen ausführlichen Kommentar, der den Umfang meines kleines Textes doch glatt überschreitet.  rotwerd

Die zweite Geschichte, die mit dem obigen Text eigentlich kaum was gemein hat, bis auf die Grundidee, also eigentlich nur das "Grundgefühl" irgendwie, stelle ich morgen Abend ein. Man darf wohl nur alle 14 Tage oder so.
Sie allerdings einfach hier unten anzuhängen würde nicht passen, da sich die beiden Texte arg unterscheiden. Wirst sehen!!! wink

@Morgan - ja, Du darfst gepannt sein, ich bin's auch. *hibbel*

LG, Ana
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seitenlinie
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Beiträge: 1849

Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 03.01.2011 21:20    Titel: Antworten mit Zitat

Mir gefällt die Kostprobe.

Reden ist hier wichtiger, als der Inhalt. Nur nicht einschlafen – darum geht es.
Daher sollten einfache Dialoge wie: „Mir ist kalt.“ „Ja, ich weiß. Es ist sehr kalt.“ nicht geändert werden.

Der erste Satz als Einstimmung hat mich irritiert. Noch nicht optimal,
aber besser wäre, wenn darauf ein „Wo sind wir?“ folgt.


„Oh, Kacke.“ finde ich nicht gut. Das hat eine Spur Lässigkeit.

„Was ist los? Wieso kann ich mich nicht bewegen?“
Ihre Finger berühren seine Lippen: „Du musst dich nicht bewegen.“

Würde ich bevorzugen.
Ich fand es ein wenig anstrengend, mich darauf zu konzentrieren, wer gerade spricht.


Es gelingt Dir sehr gut, Anspannung und Angst der Frau, die es nicht ganz so schlimm erwischt hat, wie ihren Freund, zu vermitteln.

Gruß,
Carsten
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Dienstwerk
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Alter: 50
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Wohnort: Gera/Markkleeberg
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BeitragVerfasst am: 03.01.2011 21:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Oh, wunderbar - vielen Dank.
Genau, als Kostprobe möchte ich es verstanden wissen, ein Ausriss, ein Gedankenfetzen, ein was auch immer - jedenfalls keine Geschichte im eigentlichen Sinn.

Der Einstiegssatz passt natürlich überhaupt nicht, habe mich schon gewundert, wieso das bislang niemandem aufgefallen ist.
"Ich habe von dir geträumt" erschien mir spontan als Textzeile vor meinem inneren Auge und nur die wollte ich festhalten. Was dann weiterführend dran gehängt wurde, konnte ich gar nicht mehr so richtig beeinflussen. Ja gut, ich hab's zwar aufgeschrieben, aber das ging irgendwie von allein.

Danke für Deine Anmerkungen, Carsten - ich glaube, nun werde ich doch eine klitzekleine Überarbeitung machen. wink

LG, Ana
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