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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Der verfluchte Segen des Lebens


 

 
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BeitragVerfasst am: 09.12.2010 19:16    Titel: Der verfluchte Segen des Lebens eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Prolog

Mister X - ein junger Mann zwischen 18 und 30 Jahren. Sein Alter war schwer einzuschätzen. Das Aussehen ließ einen Jungen erahnen, doch die Augen schienen alt zu sein. Der Blick war stumpf und müde, als hätte er schon ein langes Leben mit vielen Tiefen hinter sich. Er erschien als Gegensatz zu seinem Aussehen. Er dürfte nicht älter als 20 sein, doch etwas ließ ihn stark älter erscheinen. Er schritt langsam durch die Straße. Es regnete. Eher gesagt war es schon fast eine Sintflut, vor der sich jeder flüchtete, nur er nicht. Er versteckte sich nicht vor dem Regen. Diese Flut schien ihm egal zu sein. Plötzlich blieb er kurz stehen und schaute nach oben. Nur einem geübten Beobachter entging dieser eine besondere Moment nicht. Er schien zu lächeln ohne sein Gesicht zu verziehen. Nach einem kurzen Kopfschütteln zündete er sich eine Zigarette an und ging weiter. Ein paar Minuten später verschwand er in der Masse, zu der er nie wurde und nie werden wird. Nicht heute und auch nicht morgen.


Zusammenprall der Welten

An einer Straßenecke sah Mister X eine Frau stehen. Es war so gegen 9 Uhr abends. Ein typischer regnerischer kalter November Abend. Sie stand zitternd im Regen und wartete auf etwas oder jemanden. Ein junges Fräulein. Dieses schöne Wesen ließen nicht einmal die zerzausten Haare unansehnlich wirken. Lange braune glatte Haare, hell braune Augen, schlank, mit einem Satz gesagt, war sie für die Meisten eine Traumfrau. Mister X sah in ihr nur eine zitternde, durchnässte Frau. Sie war nur leicht bekleidet, als wäre sie auf dieses Wetter nicht vorbereitet. Die junge Frau sah traurig aus. Man könnte sogar sagen verärgert, durcheinander, aufgelöst. Er kramte kurz in den Taschen seines Mantels, packte seine Sachen raus und steckte diese in seine Hosentaschen. Mister X war entschlossen. Er schritt auf die Frau zu, zog sein Mantel aus und legte diesen über ihre zarten Schultern. Bevor sie auch nur ein Wort sagen konnte, verschwand er ohne ein Wort zu sagen. Die junge Dame war sprachlos. “Hallo? Wer sind Sie?”  schrie sie, als sie endlich zu sich kam. Er war weg. Sie zog den Mantel enger an sich. Unbeabsichtigt roch sie dran. Dieser Geruch war wundervoll. Eine Mischung aus Jean-Paul Gaultier und leichtem Minzen-Rauch. Es roch nach Zigaretten doch nicht unangenehm. Sie war fasziniert von diesen Gerüchen. Es ließ sie kurz von Cuba träumen, von der Sonne, von sorgenfreien Momenten. Sie schluchzte plötzlich. Irgendetwas lag ihr schwer im Magen. Plötzlich hielt ein Taxi an.
“Kann ich Sie mitnehmen?” sagte der ältere Taxifahrer durch das offene Beifahrerfenster.
“Wenn Sie bis ans Ende der Welt fahren?” sagte sie teilnahmslos.
“Hmmm... Na ja wenn das Geld reicht, dann auch dahin” er lächelte.
“Setzen Sie sich rein, wir machen das schon irgendwie”
“Danke” sie stieg ein, kramte 30 Euro aus der Tasche und gab ihm in die Hand.
“Fahren Sie einfach, bis es nicht mehr geht”
“Wie sie meinen” Er zuckte mit den Schultern.
Der Taxifahrer wusste, wohin diese Art Menschen immer wollte. Er fuhr schweigend los. Schweigend aber schon fast wie ein allwissender Wegweiser auf ein Ziel gerichtet.

Nachdem Mister X den Mantel über ihre Schulter gelegt hatte, ging er noch 2 Blöcke weiter und setzte sich in sein Auto. Er legte den Kopf auf das Lenkrad und schloss die Augen. Er lebte schon seit Jahren Tag ein Tag aus. Irgendwann hat er gelernt sich kein Ziel zu setzen, sondern einfach zu leben. Er nahm das Leben wie es kam. Mit all seinen Tiefen. Jahrelang hat er sein Schicksal herausgefordert und auf die Probe gestellt. Er lebte noch. Also hatte es wohl einen Grund, dass er noch lebte, auch wenn er diesen bis heute noch nicht erkennen konnte. Vielleicht war das Ziel seines Lebens das Leben selbst. Aus irgendeinem ihm unbekannten Grund hatte er  vieles überlebt. Er gab auf und existierte einfach nur noch. Plötzlich richtete er sich auf, schüttelte die Regentropfen ab, als würde er schlechte Gedanken abschütteln und startete den Motor. Er fuhr los. So wie meistens fuhr er ohne Ziel.
“Mal schauen, wo mich das Leben heute hinbringt”
Er folgte den Anweisungen der Ampeln und blieb nach einer kurzen Fahrt plötzlich vor dem Düsseldorfer Flughafen stehen.
“Hamm” überlegte er kurz “und jetzt?”
Ohne groß nachzudenken, parkte er sein Auto in erstem Parkhaus und schritt durch die Eingangstür. Er schaute sich um und sah das Starbucks.
“Ein Kaffee wäre jetzt wahrscheinlich sogar sehr angebracht” dachte er kurz.
“Einen großen Kaffee, bitte”
“Milch und Zucker?” fragte die Bedienung mit einem eingeübten Lächeln.
“Nein, Schwarz” sagte Mister X und legte einen 10 Euro-Schein “stimmt so”
“Oh! Danke” diesmal lächelte sie ehrlich. Mister X konnte bewusst oder unterbewusst ein gespieltes Lächeln von einem echten unterscheiden. Er drehte sich um und ging wieder in die  Lobby. Hier war wie immer viel los. Die Reisenden taumelten hier von Tür zu Gate und von Gate zur Tür.
“Immer diese Troublemaker Als ob sie ein Ziel hätten? Sie versuchen doch einfach nur vor sich selbst zu fliehen. Traurig!” Er schritt langsam durch die Massen, wobei es eher schien, als ob die Massen durch ihn durch gingen. Keiner bemerkte ihn, keiner achtete auf ihn. Er schien einfach durchsichtig zu sein.
“Willkommen in dem Mittelpunkt der Welt” dachte er “hier trifft die Creme de la Creme aufeinander. Menschen, die traurig aus einem Urlaub in die triste Welt des Alltags zurückkehren, treffen auf die Urlauber, die hoffnungsvoll ihrem jetzt beginnenden Urlaub entgegen schauen. Menschen die auf jemanden langersehnten warten und die, die geliebten Menschen verabschieden. Hier treffen gescheiterte Wiederkehrer auf die motivierten Ausreißer. Hier trifft sich die Welt”
Mister X liebte die Flughäfen. Sie brachten ihn immer zum Nachdenken.
“Dein Leben dreht sich nur im Kreis.
So voll von weggeworfener Zeit.
Deine Träume schiebst du endlos vor dir her.
Du willst noch leben, irgendwann.
Doch wenn nicht heute, wann denn dann?
Denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her” geisterte bei Mister X im Kopf. Diese Zeilen von Wolfsheim kamen ihm öfters in den Kopf . Besonders oft erinnerte er sich an diese Zeilen, wenn er diese große Menschenmasse sah.
“Wir stehen jeden Tag auf und gehen zur Arbeit. Wir erfüllen unsere Pflicht, wir zahlen Steuern. Doch wenn wir uns die Frage stellen, wieso wir das alles tun, können wir nichts sagen, außer des Geldes wegen. Doch wo bleiben unsere Träume, wo bleiben unsere Wünsche, wo bleibt das Leuchten in den Augen? Wenn man uns in unserem Alltag anschaut, erkennt man nur eine graue Maße, Maschinen, die ihre Arbeit zwar gut machen, aber nur weil sie es können, denn von Wollen ist nicht die Rede. Wenn man aber den Wunsch äußert dieser Masse zu entfliehen,  hört man nur: `Das Leben ist kein Wunschkonzert. Mach das was du kannst und sei auch damit zufrieden ´ Doch müssen wir uns damit zufrieden geben? Müssen wir uns dem beugen, was alle  machen? Schwimmen nicht etwa nur tote Fische mit dem Strom? Doch. Genau so ist es. Plötzlich sieht man das Leuchten in den Augen. Der Wunsch nach etwas besonderem, die Idee, so utopisch sie auch scheint, erscheint plötzlich als ein Grasshalm in dem Strudel der Alltäglichkeit. Plötzlich geht man zur Arbeit und erledigt die Dinge schneller, effizienter, logischer, doch warum? Um die Zeit schnell vergehen zu lassen, damit man mehr Zeit für die eigene Utopie hat. Doch wie macht man eine Utopie zur Wirklichkeit, wie bricht man aus diesem  ewig festen Albtraum? Man hat Freunde, man hat Familie doch steht man trotzdem allein. Wo ist der oder die Eine, der/die sagt: ´Lass uns ausbrechen. Lass uns einfach jetzt die Sachen packen und ohne nachzudenken fliehen. Neu anfangen. Lass uns leben ´ Wir wünschen uns diese Person so lange, bis sie vor uns steht. Und dann? Dann fehlt der Mut. Dann klingen wieder die Sätze wie: ´Lieber der Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach´ Die Angst diesen einen Schritt zu gehen, macht uns schwach. Es ist so, als würde man über einen schmalen Grat gehen und sich nur auf die andere Person verlassen. Doch um zum eigenen Glück zu gelangen, muss man Opfer bringen, man muss diesen einen entscheidenden Schritt tun. Was bleibt uns anderes übrig? Nichts, denn wir sind Menschen, die sich lieber von dem Zug überrollen lassen, bei dem Versuch darauf drauf zuspringen, als nur dem vorbeifahrenden Zug zu winken. Und wer weiß, vielleicht wird Mut endlich mal belohnt. Vielleicht dieses Mal. Vielleicht ist es diesmal jemand, der uns für die Ewigkeit begleiten würde. Vielleicht ist es an der Zeit sich wieder ein Mal einfach fallen und auffangen zu lassen.
Und wieder klingelt der Wecker, und wieder stehen wir auf, und wieder hoffen wir: `Vielleicht ist heute alles anders!´”
Mister X war einerseits stolz auf diese Ausreißer. Er war stolz zu sehen, dass es noch Menschen gab, die dem Trotz des vorherigen Lebens entfliehen konnten und diesen Schritt auch noch wagten. Anderseits war er unsicher, ob diese Menschen nicht vor sich selbst flohen. Mister X  wusste aus eigener Erfahrung, dass man nicht vor sich selbst fliehen kann. Er hat es oft genug versucht.
“Wir sind da” sagte der Taxifahrer.
Sie stieg aus dem Auto. Blieb ein paar Minuten perplex stehen und schaute sich um. Als erstes stellte sie fest, dass sie noch die 30 Euro in der Hand hielt und merkte, dass sie sich gerade vor dem Düsseldorfer Flughafen befand.
“Was soll ich denn hier?” fragte sie sich und schritt trotzdem, wie von Geisterhand geführt, durch die Tür. Sie schaute sich um und sah das Starbucks.
“`N Kaffe? Warum nicht? Ich hab´ nichts zu verlieren.”
Sie ging zu der Bedienung, den Mantel immer noch festhaltend.
“Einen großen Kaffee, bitte!”
“Milch? Zucker?” fragte die junge Kellnerin.
“Schwarz, bitte”
“Kommt sofort” sagte sie leicht verwundert. Ihr ging der junge Mann nicht aus dem Kopf, der erst vor 10 Minuten die gleiche Bestellung aufgegeben hatte.


Die gescheiterte Existenz

Die junge Frau nahm den Kaffee und ging ziellos weiter. Sie ließ ihre Beziehung revuepassieren. Heute ging ihr vorheriges geplantes Leben vor die Hunde.
“Dieses gottverdammte Arschloch” ließ sie sich durch den Kopf gehen.
Sie war, seit sie aus der Pubertät raus gewachsen war,  mit Max zusammen. Die Beiden planten schon seit einigen Monaten an der ersten gemeinsamen Wohnung. Sie wollten endlich zusammenziehen. Dieses Pärchen war für die Meisten ein Traumpaar. Sie stritten sich nie, sie schienen immer frisch verliebt und strahlten bis über beide Ohren. So schien es zumindest. Als sie sich noch in der Schulzeit kennenlernten, brauchte es eine Weile, bis die beiden sich überhaupt mochten. Dann  dauerte es noch eine längere Zeitspanne, bis sie feststellten, dass sie sich mehr liebten als mochten. Max und Julia, so hieß die junge Frau. Fast ein Shakespeare Paar. Sie fühlten sich für einander bestimmt. Er trug sie auf den Händen und legte ihr die gesamte Welt zur Füßen. So schien es zumindest. Sie kannte in der Liebe nichts, außer dem, was er ihr beigebracht hat. Sie war 4 Jahre jünger als er, und dennoch schien es so, als wären Welten zwischen den Beiden. Er  fühlte sich schon als gestandener Mann, mit seinen 24 Jahren. Max arbeitete als Rechtsanwaltsgehilfe und liebte seinen Beruf. Er plante sogar in der Zukunft Jurisprudenz zu studieren, um Anwalt oder sogar Richter zu werden. Er wusste schon während der Schule, wo er hinwollte. Leider reichte sein Durchschnitt nicht aus, um direkt an der Universität anzufangen. Dass er mit Julia zusammenkam, lag einfach daran, dass er eine Freundin brauchte, die ihm unterlegen war. Er suchte also ein Mädchen und keine Frau. Sie war so ein Mädchen. Julia wuchs in geregelten Familienverhältnissen auf. Sie war das einzige Kind und wurde immer auf Händen getragen. Alle alltäglichen Probleme des Lebens gingen an ihr vorbei, so dass sie sich immer nur auf die Schule konzentrieren konnte. Sie war sehr gut in der Schule und war stetig fleißig. Ihr Ziel war schon immer Lehrerin zu werden und dieses Ziel verfolgte sie auch. Nach der Schule fing sie direkt an der Uni Düsseldorf(Nachschauen) zu studieren. Sie interessierte sich nie für Beziehungen. Was sie aber an Max reizte, war seine direkte Art zu zeigen, was er genau wollte. Die gesamte Beziehung war nichts besonderes. Es ist diese Art der Beziehungen, die einfach unbeabsichtigt dazu werden. Sie liebten sich. Doch wenn man tiefer  geht, stellt man fest, dass es nie eine wirkliche Liebe war. Sie mochten sich und waren an einander gewohnt. Vielleicht wären sie besser Freunde geblieben. Dieses besondere Pärchen schaffte es zusammen an einander vorbei zu leben. Das war leider die bittere Realität die keiner mitbekam. So war diese so genannte Beziehung schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Die Beiden hielten nur noch aus Gewohnheit zusammen. Da Julia ein großer Fan des alten deutschen Hip Hop`s war, geisterte bei ihr schon seit einer Weile eine Passage aus Blumentopfs “Du und Ich”.
“Ich fühl mich hier nicht mehr wohl und wünsch mich hinter fremde Fenster,
sehe uns zwei auf Fotos und denk ich seh Gespenster! Du und ich, frisch verliebt, du liegst neben mir,
alles sieht so friedlich aus, was ist nur passiert?
Die große Liebe ist zerbrochen an Bequemlichkeit.
Jetzt verbaut uns dreckiges Geschirr unseren Weg zu zweit.
Es ist ne Seltenheit, dass wir uns mal in Arm nehmen,
weils uns auf die Nerven geht, dass wir uns jeden Tag sehen.
Ich schlaf auf der Couch, du bei dir im Bett,
denn das, was zwischen uns mal so besonders war, das ist jetzt weg.
Und übriggeblieben sind uns nur zwei Wohnungsschlüssel.
Klar verheilts, wie ne Prellung und Knochenbrüche!
Doch es trifft mich wie du mich ankuckst.
Wie ein Kind auf ner Schaukel, dass keiner anschubst,
häng ich nur rum, und sehe was zu Ende gehen
von dem ich mal geträumt hab es hält ein Menschenleben. Doch sich lieben ist was anderes als sich gerne haben.
Und eigentlich fehlt uns nur der Mut uns Lebewohl zu sagen.
Denn das mit uns ist aus und passé!
Und das das ein bißchen weh tut, das ist schon O.K. ”
Sie wusste, dass es zu dieser Beziehung am besten passte, doch wollte sie es einfach nicht wahr haben. Sie wollte mit all ihrer Kraft eine Beziehung aufrecht erhalten, die schon lange nicht mehr existierte, so wie einige Ärzte versuchen einen Toten zu reanimieren. Es war einfach vergeblich.
Endlich fasste Julia den Entschluss diesem Elend ein Ende in einem Gespräch zu machen. Sie wartete bis Max von der Arbeit wiederkam und sagte leise:
“Max, setz dich bitte”
“Was ist mein Schatz?” vergeblich versuchte er automatisch ein Lächeln auf sein nicht all zu schönes Gesicht zu zaubern “Liegt dir was auf dem Herzen?”
“Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, aber ich habe das Gefühl, dass unsere Beziehung festgefahren ist! ” sie fing an zu zittern und schwer zu schlucken.
Es war ihr erstes ernstes Beziehungsgespräch.
“Sie artet aus. Wir sehen uns zwar jeden Tag, doch leben wir nicht mehr gemeinsam”
“Das versteh ich jetzt nicht” sagte er mit einem plötzlich ersten Gesichtsausdruck.
“Unterbrich mich bitte nicht” kam von ihr wie aus der Pistole geschossen “Wir führen zwei getrennte Leben. Es ist nicht mehr das Wahre. Es ist einfach keine richtige Liebe mehr. Es ist nur eine pure Gewohnheit”
“Ja, und? Ich find es gut wie es ist. Du brauchst dir keine Sorgen um das Finanzielle zu machen, auch wenn ich nicht viel verdiene und ich habe meinen Spaß”
“Ist es alles? Ist es wirklich alles, was für dich zählt? Wie viel bin ich dir denn Wert? Du behandelst mich wie eine Prostituierte. Als würdest du für den Spaß mit mir zahlen. Das ist nicht fair” sie war den Tränen nah.
“Ach komm! Seien wir doch mal ehrlich. Ich wollte dich haben. Du hast mich gereizt und auch nicht mehr. Es waren nie die großen Gefühle. Aber na ja. Wenn du gehen willst, dann geh!”






Sie ließ sich sowas nicht zweimal sagen. An dieser Beziehung war einfach nichts mehr zu retten. Es gab einfach keine Beziehung. Sie stand auf und ging. Beim Rausgehen sagte sie nur:
“Pack bitte meine Sachen zusammen, ich lasse sie morgen abholen.”
Kaum aus der Tür getreten, brach sie zusammen. Alles, was sie sich aufgebaut hatte, brach in  ein paar Minuten zusammen. Sie wusste nicht wohin, doch wusste sie, dass sie einfach raus musste.
So landete sie auf der Straße. Sie hatte nicht mehr als ihre kurzen Sachen an und ihre Geldbörse, die sie automatisch mitgenommen hatte.
Sie stand im Regen und wartete auf etwas. Was es sein sollte, wusste nicht einmal sie selbst.

Sherlock Holmes der Neuzeit

Mister X suchte einen Platz zum Anlehnen, von wo er den Abflugsaal am besten beobachten konnte. So musste sich der erste Gast bei einer Aufführung im Theater mit freier Platzwahl fühlen, nur dass dieses Theaterstück “Das Leben” hieß. Er kannte sich im Theater Namens “Düsseldorfer Flughafen” bestens aus. So brauchte er nicht lange und lehnte sich an einer Wand an, die ihm Halt bot und gleichzeitig den perfekten Überblick bescherte. Er schaute sich noch einmal um, schloss die Augen, atmete einmal tief ein und wieder aus. Die gesamten Geräusche, der gesamte Trouble um ihn herum verschwand. Es fühlte sich für ihn so an, als wäre er ganz allein in diesem Flughafen. Wie eine Maschine reduzierte er im Kopf alle Störgeräusche auf Null. Dieser Aktion bedarf es viel Übung. Er öffnete die Augen und ließ langsam seinen Blick durch den  Raum wandern. Mister X bemerkte einen Obdachlosen, der gerade ein Brötchen von dem Boden aufhob und sorgfältig mit einem anscheinend sauberen Tuch säuberte.
“Mal wieder eine gescheiterte Existenz. Mit seinen Knapp 35 Jahren verspekulierte er sich auf der Börse, brannte aus und dann auch geldtechnisch ab. Einer der Wenigen, die sich wirklich zu der gehobenen Klasse zählen dürfte. Wie so üblich als Börsenmakler hat er den neuen
Einstieg  nach seinem Tief nicht gefunden. Er war mal verheiratet. Nein, er IST verheiratet, hat sie aber schon seit ca einem Jahr nicht mehr gesehen. Schade, dass es in dieser Gesellschaft keinen Platz für diese Menschen gibt. Es würde wahrscheinlich den Meisten unter dem gesamten Dreck nicht einmal der Armani-Anzug auffallen.” Mister X sprach innerlich mit sich selbst, da ihm grundsätzlich an intelligenten Zuhörern mangelte. Es wusste keiner, dass er mit sich selbst sprach. Würden sie es wissen und würden sie besonders den Grund kennen, hätten sie ihn als überheblich abgestempelte. In seinen Beobachtungen, meinte er nicht Recht zu haben, er wusste, dass er es hatte. Wenn man ihm die Frage stellen würde, woher er es weiß, würde er keine genaue Antwort haben. Lebenserfahrung, Menschenkenntnis, der richtige Riecher, Auffassungsgabe. Alles das floss in seine Beobachtungen ein. Er war sich immer sicher. Wahrscheinlich wäre er mit seiner Gabe besser beim Zoll aufgehoben. Er hätte immer den richtigen Riecher, doch urteilte er einfach ungerne über Menschen. Er war der stille Beobachter.
“Hmmm, mal wieder typisch” dachte Mister X über einen recht jungen Mann im Anzug “Da ist mal wieder mehr Schein als Sein.” er schaute einmal auf das Gate und las für sich im Kopf  “Singapur. Was auch sonst. Ein typischer Geschäftsmann. Ein billiger Anzug und doch versucht er souverän zu wirken. Er ist schon längst ausgebrannt und doch macht er weiter. Er ist für die meisten ein guter Schauspieler. Eine sehr undurchsichtige Person. Ein Mensch mit zwei Gesichtern. Auf der Arbeit ein eiskalter Profi, doch privat ist er ein einsamer Wolf. Er sitzt  zur Hause in einer Jogginghose und trinkt seinen Whiskey. Um abzuschalten geht er abends in einen Stripclub, doch schaut er nur zu.” Mister X schüttelte innerlich mit dem Kopf:  “Es ist öde. Diese typischen reisenden Gestalten” dieser junge Mann erinnerte Mister X an sich selbst.

Der Kaufmann von Düsseldorf

Mister X arbeitete schon, seit er 17 war, im Verkauf. Der Chef und Chefin liebten seine Arbeitseinstellung. Mister X verlangte nur eins von seinem Chef, eine sichere Arbeitsstelle. Der Chef sicherte schon nach kurzer Zeit zu, dass Mister X unbefristet eingestellt sei. Solange diese Firma existiere, wird er hier arbeiten. Das war beiden klar. Es war die perfekteste Arbeitssymbiose. Schon nach kurzer Zeit bezeichnete der Chef ihn als niveauflexibel. Er hatte bis jetzt noch niemanden kennen gelernt, der so von einer Sekunde auf die andere seine Art und Sprache wechseln konnte. Das war auch der Grund, warum Mister X auch bei den Kunden beliebt war. Sie aßen ihm aus der Hand. Es gab keinen einzigen Kunden, der nichts bei ihm gekauft hatte. Wenn man Mister X nicht kannte und nur von außen betrachtete, könnte man ihn  als eiskalt oder abgebrüht bezeichnen. Seine Aufgabe bestand darin verschiedene Artikel zu verkaufen oder die anstrengenden Kunden zu besänftigen. Er tat es problemlos. Niemand von diesen Kunden ging unzufrieden. Sein Chef war überzeugt, dass Mister X sogar einen Sack Luft verkaufen könnte. An der Stelle von Mister X hätten die meisten Verkäufer schon mehrmals nach Lohnerhöhung gefragt, doch nicht so Mister X. Er verdiente seiner Meinung nach genug um sich einen bestimmten Lebensstandard zu leisten. Ein Auto, eine kleine Wohnung, Zigaretten, Essen, Trinken und genug an der Seite für Sprit. Diesen brauchte er auch um zu reisen. Mehr wollte er auch nicht. Mehr brauchte er auch nicht. Mister X hatte durch seine Arbeit so viele Kontakte, dass in fast jeder Stadt Europas eine recht hohe
Wahrscheinlichkeit bestand, einen Kunden zu treffen. Auf der Arbeit war Mister X immer freundlich und fröhlich. So wirkte er zumindest auf alle. Es hatte für ihn einfach keinen Sinn traurig zu sein, dadurch wurde ja nichts besser. So ließ er es auch sein. Dadurch konnte ihn nichts aus der Fassung bringen, was Mister X mehr als souverän erscheinen ließ. Von den neuen Kunden wurde er meistens sogar gefragt, ob er nicht der Chef sei. Er hatte nichts für Schmeicheleien übrig. Er tat  beruflich nur das was er tun sollte. Nicht mehr und nicht weniger. Das war sein größter Vorteil. Mister X ließ niemals die Arbeit an sich rankommen. Er konnte nicht ausbrennen und somit nicht versagen. Alles in einem war Mister X perfekt für diesen Job und jeder wusste es, nur war es gerade Mister X vollkommen egal.

Man trifft sich immer zwei Mal im Leben

Die Kellnerin stellte den Becher mit dem Kaffee auf den Tresen und wartete auf irgendeine Reaktion von Julia.
“Ihr Kaffee, junge Frau” sagte die Kellnerin in einem recht fordernden Ton.
Julia schaute die Kellnerin an, doch schien sie eher an ihr vorbei zusehen. Die Kellnerin bemerkte, dass ihre Kundin ihr gar keine Beachtung schenkte.
“Entschuldigen Sie bitte!” sagte die Kellnerin und tippte Julia leicht an der Schulter an.
“Was? Wie bitte? Sagten Sie etwas?” sagte Julia erschrocken.
“Ihr Kaffee ist fertig”
“Ach so! Danke schön”
Julia nahm ihren Kaffee und versuchte zu lächeln. Das misslang ihr. Sie konnte nicht verstecken, dass sie vollkommen neben der Spur war. Der Kellnerin tat es plötzlich leid, dass sie die Julia so angefahren hatte. Julia drehte sich um und ging wieder in die Eingangshalle. Sie wusste immer noch nicht, was sie hier sollte. Mit einer Hand hielt sie den Kaffeebecher und mit der anderen den Mantel. Julia musste sich fangen. Sie atmete kurz durch und versuchte sich den Überblick zu verschaffen. Sie suchte nach irgendeinem Zeichen oder Wegweiser. Es musste hier doch etwas geben. Der Taxifahrer wusste wahrscheinlich, was sie hier sollte, doch war er ja nicht mehr da um gefragt zu werden. Plötzlich fiel ihr ein Schriftzug auf.
“Cuba. Lastminute Flug. Flug heute um 22 Uhr. 900 Euro. Hmm. Cool!” Sie überlegte kurz, wie viel Geld sie mit hatte. Julia hatte ja ihre Geldbörse  mitgenommen. Da waren genau 125 Euro und 83 Cent.
“Aber ich hab ja noch meine Geldkarte. Da müssten ja so 4500 Euro sein.”
Sie fasste sich ans Herz und ging zu dem Schalter. Sie war innerlich fest entschlossen zu fliegen oder eher gesagt zu fliehen. Julia wusste nichts, was sie hier noch halten sollte oder was sie von Ihrem Vorhaben abbringen könnte. Sie war schon länger aus dem Elternhaus und hatte nicht mehr viel mit ihnen zu tun. Ihre Freunde waren überall in Deutschland und Europa zerstreut. Und ihr Freund? Na ja es war ja jetzt ihr Ex-Freund, der nie an hier hing, wie sie heute bitter erfahren durfte. Sie hatte in Düsseldorf nichts mehr, noch nicht einmal eine Wohnung. Julia stand alleine.
“Warum sollte es mir auf Cuba schlechter gehen als hier? Schlechter kann es doch gar nicht kommen.”
Mister X suchte nach einer neuen Beobachtung, als er von seiner Suche abgelenkt wurde.
“Tut mir leid, wenn ich es so sage, aber Sie sehen so aus, als wollen Sie oder müssen Sie schnell weg”
Mister X drehte sich in die Richtung, aus welcher dieser Satz kam. Er sah Julia in seinen Mantel gehüllt an dem Fenster des Reisebüros stehen. Er drehte sich um und schaute auf den Boden.
“Nein, will sie nicht!” sagte er laut.
Julia drehte sich verwundert um und sah ihn stehen. Sie war so überrascht über diesen Satz, dass Sie nicht einmal realisierte, dass er genau die Person war, wessen Mantel sie gerade trug.
“Woher sollen SIE es denn so genau wissen?”
“Weil du gerade einfach vor dir selbst wegrennst. Habe ich recht?” er schaute dabei immer noch auf den Boden. Seine Augen waren zu. Mister X hielt das Bild von ihr im Kopf fest und wollte sich nicht von der Umgebung ablenken. Julia war sprachlos. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie war nervlich am Ende.
“Du hast dich so in den Mantel gehüllt, dass man denken könnte, dir wäre kalt. Doch suchst du in diesem Mantel nicht mehr als Schutz. Er ist für dich gerade eine seelische schusssichere Weste. Du stehst hier am Fenster eines Lastminute-Reisebüros ohne Gepäck, also hast du keinen Plan. Du weißt nicht, wohin du willst. Du willst einfach nur weg. Warum? Für dich ist heute eine Welt zusammengebrochen. Wie? Du wurdest von dem einzigen Menschen, denn du innerlich liebtest, verletzt worden. Die gesamte Welt scheint für dich zu zerfallen. Auch wenn das Thema anders ist, passen die Zeilen von Glashaus perfekt zu dir.
`Es ist nicht zu beschreiben,
wie kalt und leer es ist.
Ich versuche nicht zu zeigen,
wie sehr ich dich vermiss.
Meine Freunde tun ihr bestes,
aber das Beste ist nicht gut genug,
für das, was du mir warst, hat diese Welt kein Substitut.
Dies ist ein Akt der Verzweiflung,
ein stummer Schrei eines Menschen voller Leiden
und seiner Wunde die nicht heilt.
Es ist ein letzter Kampf gegen das, woran es liegt,
wie ein Vogel mit nur einem Flügel, der bestimmt nicht fliegt´
Du hast nicht vor einen Urlaub zu machen, da du keine Koffer hast. Aus dem gleichen Grund  und auch aufgrund meines Mantels schätze ich, dass du einfach vor die Tür gesetzt wurdest. Direkt oder auch indirekt. Vielleicht bist du auch gegangen, doch nur, weil es besser war zu gehen, als gegangen zu werden. Doch ist es ein Grund wegzulaufen? Was wird sich für dich ändern? Andere Menschen, andere Sitten? Ja, so wird es auch sein, doch du wirst dich nicht ändern. Du wirst schauspielern um zu zeigen, dass alles anders ist, aber selber feststellen, dass es nicht stimmt. Es wird kein gutes Ende nehmen. Du wirst zu einer gescheiterten Wiederkehrerin oder einer unglücklichen Fremden. Eine gescheiterte Existenz kannst du hier viel kostengünstiger haben, doch nur hier kannst du bleiben und kämpfen. Vielleicht wirst du auch deine inneren Dämonen besiegen”
Mister X erhob, während er sprach, kein einziges Mal den Kopf. Er sprach langsam und ruhig. Es klang eher nach einem lauten Gedanken als nach einer Ansprache. Auch wenn er Vermutungen aufstellte, wusste er, dass er recht hatte. Zum ersten Mal seit Jahren äußerte er seine Gedanken laut. Mister X machte die Augen auf und schaute sie an. Der Becher mit Kaffee fiel ihr aus der Hand.
“We...eeer sind Sie?” sagte sie mit einer zitternden Stimme “woher wissen Sie das alles? Was geht hier vor?”
“Ich bin nur ein guter Beobachter”
Er schaute ihr tief in die Augen, als würde er in ihre tiefsten Abgründe schauen. Sie wusste, dass er recht hatte, dass er ehrlich war. Genau das machte sie durcheinander.
“Wer ist dieser Mann? Wie kommt er an diese Informationen? Wie schafft er zum Teufel mir in die Seele zu schauen? Und wieso zum Henker fühle ich mich so nackt vor ihm?”
Zum ersten Mal überwältigen sie die Gefühle. Julia brach zusammen. Sie hatte das Gefühl den Boden unter den Füßen zu verlieren. Erst jetzt realisierte sie die Ausmaße des heutigen Tages.  Sie sackte in sich zusammen und setzte sich auf den Boden. Julia fing an zu weinen.
“Was soll ich denn machen? Ich habe nichts mehr. Mein Leben zerbrach heute. Ich habe niemanden, der mich auffangen würde.” Sie schaute Mister X mit Tränen in den Augen an. Dieser Blick. Es war so, als würde sie diese Frage an ihn stellen. Sie wollte Antworten haben. Von ihm. Einem Mann den sie zum zweiten Mal in ihrem Leben sah. Sie wusste innerlich, dass er ihr diese Antworten geben könnte, aber ob er es tut, war ihr unklar. Mister X schaute sie an und sagte trotzdem kein Wort. Es war eine stille Aufforderung an sie weiter zu sprechen.
“Ich habe mein gesamtes Leben um diese eine Beziehung aufgebaut. Und jetzt? Jetzt sackte diese Sandburg wie nach einer einzigen Meereswelle in sich zusammen. Sehen sie mich an!” schrie sie “Ich sitze auf dem Boden eines verdammten Flughafens, rede mit einem Fremden und drehe einfach durch! Wie weit soll es noch gehen?”
“Du lebst noch” sagte Mister X mit seiner ruhigen sanft-rauen Stimme “Wenn du gar keine Kraft gehabt hättest, würdest du jetzt auf den Schienen liegen. Du bist ein seelisches Kind, welches gerade den ersten Schritt in diese eiskalte Welt gesetzt hat. Hier zu überleben ist nicht einfach, doch möglich. Niemand entscheidet selbst, wo er hingeht und wo er landet, aber jeder entscheidet für sich selbst, welche Schlüsse er daraus zieht. Ich bin mir sicher, dass deine Anwesenheit hier kein Zufall in herkömmlichen Sinn ist. Das Leben oder Schicksal hat dich nicht umsonst hierhin geführt. Hier. Genau hier, in diesen Räumen, wird die Welt zusammengefasst. Das ist die größte Lebensschule der Welt. Das ist das wahre Leben.” er schaute sie an. Julia merkte wie ihr Atem ruhiger wurde. Sie fühlte eine unglaubliche Ruhe in sich. War es dieser Mann, der es in Minuten schaffte? War dieser Unbekannte die Antwort auf alle ihre Fragen? Sie lauschte. Seine Stimme klang vertraut in ihren Ohren. Die Tränen flossen immer noch und sie sah ihn flehend an um ihm zu sagen “Reden Sie weiter! BITTE REDEN SIE”
“Es gibt kaum einen anderen Ort auf dieser Welt, wo du mehr Lebensgeschichten siehst ohne diese zu hören. Du siehst den Aufstieg und Untergang, Freude und Leid, Liebe und Hass, Krieg und Frieden. Alles was du brauchst, hast du hier. Du hast die Welt auf deiner Handfläche und musst nur lernen, damit umzugehen.”
Julia sah ihn mit ihren wunderschönen blauen traurigen Augen an. Sie schaute auf zu ihm.
Zum Reden blieb ihr die Luft weg, sonst hätte sie ihm gesagt: “Bitte lehre mich!”
Mister X schaute ihr in die Augen. Was er tat, war für ihn Neuland, doch wusste er, dass es notwendig war.
“Willst mit auf diese Reise gehen? Oder stehst du auf, holst dir ein Ticket nach Cuba und fliegst in deinen Untergang? Aber egal wie du dich entscheidest, ich schulde dir noch einen Kaffee” Er lächelte ganz leicht. Es war ein Mona Lisa`s Lächeln.
Julia schluckte den Frosch, den sie im Hals hatte und antwortete “Ich komme mit, egal wohin Sie mit mir gehen wollen”
“Sag es nicht zu laut! Ich könnte ja ein Psycho sein” er lachte leise.
“Sie wissen doch wie ich es meine!” sie wurde rot und schämte sich für ihre Aussage. Er hätte es tatsächlich falsch verstehen können, tat es aber nicht. Er reichte ihr eine Hand.
“Ich geh mir eine Rauchen” wieder in seinem trockenen Stil
“Ich komme mit” antwortete Julia mit zitternden Stimme
Dieses Treffen war für beide Personen ein einschneidendes Erlebnis. Mister X wusste wie wichtig es für ihn war. Und Julia? Sie wird es noch herausfinden müssen.
 
Die erste Stunde

Mister X ging raus und Julia folgte ihm, wie ein Kind seinem Vater. Er zog eine Schachtel John Player Special aus der Tasche und bot ihr eine Zigarette an. Sie nahm sich eine. Er zündete ein Streichholz an und gab ihr das Feuer. Sie nahm einen tiefen Zug und er auch.
“Kannst du malen?” fragte er Julia plötzlich.
“Ja, kann ich!” antwortete sie verlegen.
Mister X zog einen kleinen Block und einen Stift aus der Hosentasche.
“Zeichne mich!”
Diese Forderung klang in ihren Ohren wie ein Bitte.
Sie nahm diesen Block und malte. Sie war vertieft und zeichnete aus ihren Gedanken.
In ungefähr einer Zigarettenlänge entstand ein Bild. Sie gab Mister X seinen Block zurück. Er schaute sich das Bild an. Und was er sah, machte ihn kurzzeitig sprachlos.
Auf dem Bild war ein älterer Mann zu sehen, der in einen Mantel gehüllt im Regen stand. Es war eindeutig die ältere Ausgabe von Mister X. Der Mann schaute mit einem todtraurigen Gesichtsausdruck in die Leere. Er war müde. Wenn man noch tiefer gehen würde, könnte man es als lebensmüde bezeichnen. Es stand nicht gut um ihm. Sein Gesicht war überseht mit Narben und Falten. Eine Kämpfernatur.
Mister X atmete tief durch. Er riss die Seite vorsichtig raus und faltete sie genau zwei Mal.
“Du hast Talent” sagte er mit einem zustimmenden Blick.
“Danke” antwortete sie und wurde mal wieder rot “Man hat mir schon oft gesagt, dass ich gut malen kann”
“Das stimmt” antwortete er.
Eigentlich meinte Mister X ihr Talent, wenn auch unbewusst, in die Seele eines Menschen zu schauen. Sie musste es einfach nur lernen.
“Sie ist es wirklich. Es ist so weit” dachte er und schaute noch einmal traurig in den Himmel “danke schön”
“Ist was mit dem Bild?” sagte Julia und riss ihn unsanft aus seinen Gedanken. Er schüttelte innerlich die schlechten Gedanken ab und schaute sie an.
“Nein, es ist wirklich toll” sagte er lächelnd und verstaute das Bild sicher in seiner Hosentasche.
Er zog das letzte Mal an der Zigarette und genoss es.
“So, junge Frau! Jetzt einen Kaffee und dann zeig ich dir etwas. O.k.?”
“Gerne” sagte sie.
Beide gingen Richtung Starbucks. Mister X hielt schon nach einfachen Beobachtungsobjekten  ausschau. Bei Starbucks angekommen war die Überraschung der Kellnerin ins Gesicht geschrieben.
“Ich bin mir sicher, dass du weißt, was wir gern hätten. Sehe ich es richtig?” er lächelte selbstsicher.
“Ich gehe davon aus, dass es 2 Kaffee Schwarz sein sollte!” die Kellnerin lächelte verlegen.
Mister X schaute Julia an.
“Und was sagst du jetzt dazu?” und nickte ihr zu.
“Ich bin fasziniert!” sagte sie total schockiert. Es war nur unklar, ob sie sich darüber wunderte, dass die Kellnerin die Bestellung noch kannte oder dass Mister X genau ihren Geschmack traf.
“Bist du bereit?” fragte er sie und nahm beide Kaffeebecher in die Hände.
“Bin ich” antwortete sie sicher, aber mit einer sichtlichen Anspannung
Beide nahmen den schon bekannten Platz ein und schauten sich um. Mister X sah eine Familie mitten im Getümmel.
“Fangen wir mal an. Um einem Menschen in die Seele zu schauen, braucht es nicht viel. Du musst nur in dich gehen. Höre auf dein Herz und beobachte gut. Jede einzelne Kleinigkeit bringt dich dazu tiefer reinzuschauen. Ein Seele des Mensch ist wie ein Haus ohne Schloss, es ist einfach einzutreten, doch sollte man aufpassen nichts kaputt zu machen. Wenn man schon seine Spuren hinterlässt, sollte man es sehr vorsichtig tun. Niemand hat es verdient wegen eines Fremden, sein Haus nochmal aufräumen zu müssen. Behandle diese Seele immer wie deine eigene! Schalte alle Störfaktoren aus. Versuche dir vorzustellen, dass ihr alleine seid. Nichts mehr ist um euch herum.”
“Ich versuche es mal” sagte sie, als hätte sie es vollkommen in sich aufgesaugt.
“Da ist eine Familie mit Kindern bei Gate 32. Siehst du?” Julia nickte zustimmend “dann versuch es mal!”
Julia schaute die Familie an. Eine unauffällige fünfköpfige Familie, Vater, Mutter 2 Söhne circa 9 und 10 und eine Tochter circa 6 Jahre alt. Vollgepackt und nur in kurzen Sachen. Julia wollte Mister X ihre Lernfähigkeit präsentieren. Ihre Gedanken spiegelten sich in ihrem Gesicht. Mal  lächelte sie kurz, mal war schaute sie ernst. Sie war innerlich beschäftigt. Mister X war begeistert. Er wusste, dass sie genau diejenige war, auf die er schon so lange wartete.

Engel fallen nicht vom Himmel

Mister X schaute sie an. Sie war ein Engel. Nein. Sie war SEIN Engel. Er hat in seinem Leben schon viele Menschen getroffen, doch zum ersten Mal in seinem Leben traf er einen durch und durch guten Menschen. Er fühlte, dass sie eine unberührte Seele hatte. Sie war für ihn eine Sammlung Noten, aus welcher man eine Melodie komponieren könnte. Gerate diese Sammlung Noten in falsche Hände, würde daraus eine Kakophonie entstehen. Ein Stück, welchem man nichts Gutes mehr abgewinnen könnte. In den Händen eines allgemeinen Komponisten würde daraus eine schnell in Vergessenheit geratene Melodie werden. Doch in den Händen eines wahren Künstlers würde aus diesen Noten ein Meisterwerk entstehen. Es wäre wohlklingend. Ein Meisterwerk, welches der “Mondscheinsonate” oder “Für Elise” gerecht wäre. Er sah in ihr schon diese Melodie, die es endlich schaffen wird diese Welt ein wenig zu erhellen. Er nahm heute vorsichtig dieses Blatt Papier und ließ die Noten sich selbst entfalten. Er brauchte nicht viel zu machen, außer die Noten ab und zu zurecht zu rücken. Sein einziger Traum wurde heute war. Seit Jahren lebte er mit dem Gedanken an diesen Augenblick. Jetzt hatte er endlich die Chance seinen Traum zu erfüllen. Sie war sein Engel in der Gestalt eines Menschen. Er hatte zwei Aufgaben. Erstens sollte er sie als erster befreien und zweitens sollte er dafür sorgen, dass niemand aus ihr einen Racheengel macht. Sie war die einzige Person in seinem Leben, die das heilige Feuer in sich trug. Dieses Feuer könnte jeden verbrennen, wenn man es in die falsche Banne richten würden.  Doch Mister X wollte eher ein wärmendes Feuer erschaffen. Dieses eine Feuer, welches im Winter in den Kaminen brennt. Dieses eine Feuer, welches den verliebten Pärchen bei einem Glas Wein unvergessliche Momente bescherte. Er lebte durch sie innerlich auf. Er wusste genau, dass er in der Lage war es in der ihm gegebenen Zeit zu schaffen. Mister X war ein guter Lehrer und sie war eine gute Schülerin. Er sah in ihr dieses einsame innerlich naive Mädchen, welches jeden seiner Worte wie ein Schwamm aufsaugte. Als wäre sie immer durstig gewesen und würde jetzt endlich durch seine Worte ihren Durst stillen. Mister X wusste, dass er vorsichtig in seinen Worten und Handlungen sein musste. Sie war wie eine komplizierte Maschine, die jedes Staubkörnchen zerstören würde. Er musste sich langsam ran tasten. Er würde es tun. Er würde es schaffen. Er wusste wie wichtig diese Aufgabe für ihn war. Vielleicht war es die letzte Aufgabe, die er noch meistern müsste.

Der Weg in die Seele

“Ich bin bereit” riss Julia Mister X aus seinen Gedanken “glaube ich zumindest.”
Mister X schaute sich kurz um. Er musste sich wieder fangen. Er musste sich wieder finden.
“Ach! Da waren wir gerade” dachte Miste X und schaute die Familie an. Automatisch schaute er kurz und verschwand wieder in der Tiefe seiner Gedanken. Nur ein paar Sekunden später war er wieder da.
“Ich höre” sagte er gespannt.
Julia atmete tief durch und schloss die Augen. Sie wollte es ihm nachmachen.
“Wo fang ich an? Also! Eine arme fünfköpfige Familie. Typische Malocher. Sie haben nicht viel, doch ist viel Liebe da. Wie soll ich das erklären? Ich fühle, dass sie sich lieben und dass sie ihre Kinder lieben. Wahrscheinlich sind sehen sie zum ersten Mal einen Flughafen von innen. Sie wirken süß-unbeholfen. Wenn ich es richtig deute, ist es ihr erster Urlaub seit Jahren, wenn nicht überhaupt der erste als Familie. Da es...” sie machte eine kurze Pause und suchte ersichtlich in Gedanken nach etwas  “Hawaii.  Ja genau. Es war Hawaii. Dieses wunderschöne teuere Ziel scheint für diese Familie unerschwinglich. Das heißt, dass sie wahrscheinlich alle Sparschweine geplündert haben, um diesen Urlaub zu machen. Die Kinder freuen sich. Sie sind schon so aufgedreht, dass die Eltern sie nur mit Mühe unter Kontrolle halten können. Das sind echt liebe Menschen.” sie lächelte traurig.
“Nicht schlecht” Mister X war begeistert. Diese junge Frau war es wirklich. Jetzt war es nämlich amtlich.
“Wir wollen mal die Ansprüche ein wenig höher schrauben. Siehst du das junge Pärchen am Gate 67? Was sagst du dazu?”
Und wieder verschwand sie in sich. Irgendwas störte sie an diesem Paar, doch wusste sie noch nicht genau was. Sie musste suchen. So lange sie überlegte, machte er sich selbst ein Bild von diesem Pärchen.
“Ach und noch etwas. Ich würde gerne was über die Zukunft dieses Pärchens wissen.”
Sie war schon fertig.
“Hmmm es ist schwer. Die Beiden machen auf mich einen glücklichen Eindruck. Bei der Anzahl des Gepäcks gehe ich davon aus, dass sie für immer gehen. Toronto ist das Ziel. Sie sind froh zu gehen. Es hält sie nichts mehr hier. Niemand verabschiedet sie. Niemanden interessiert es, dass sie für immer gehen. Sie gehen, weil sie es wollen. Dieses Pärchen wird sich ein neues Leben anfangen. Es wird beiden nicht schwer fallen. Ich hoffe, sie haben beide Glück”
“Ich glaube nicht” sagte Mister X “Sie wird spätestens in einem Monat wiederkehren. Sie ist nicht glücklich damit und macht es nur für ihn. Sie wird es nicht aushalten”
Julia stellte keine Fragen, woher er das wusste. Sie wollte das Negative nicht sehen. Mister X merkte es und lächelte innerlich
“Ein durch und durch guter Mensch” dachte er sich
“Es wäre an der Zeit unseren Standort zu wechseln. Aber dazwischen erstmal Eine rauchen”
Sie war einverstanden und folgte ihm. Sie achtete nur auf Mister X. So lange er nicht drum bat, war ihr die Welt um sie herum egal. Mister X nicht. Er konnte es nicht anders. Das war sein Automatismus.
Es schneite. Vor dem Vordach stand ein junger Mann und schaute nach oben. Mister X bemerkte ihn und hing an ihm fest. Er musste automatisch traurig lächeln. Mister X passierte es nicht oft, dass ihn ein Schicksal so betraf wie bei diesem jungen Mann. Er wusste sofort, dass  dieser junge Mann sich für immer verabschiedete. Er ging für immer. Und nicht nur das.  Es handelte sich um die allerletzte Reise. Mister X suchte den Blickkontakt zu ihm. Der junge Mann drehte sich um und traf direkt den Blick von Mister X. Beide unterhielten sich wortlos
“Ich wünsche dir viel Glück auf deiner Reise. Dass du das findest, was du suchst. Du bist aber auf dem richtigen Weg. Auch wenn es deine traurigste Reise ist, wirst du dich über das Ziel freuen. Ein Ende ist das, was man daraus macht ”
“Ich danke dir mein Freund! Jetzt bin ich beruhigt. Ich gehe in die Freiheit. Ich wünsche dir das Beste auf dieser Welt. Auf das du das findest, was du suchst.”
“Ich habe es schon gefunden”
Sie verabschiedeten sich. Der Mann lächelte und wischte dabei eine Träne ab. Er ging zum ersten und letzten Mal in die Freiheit.

Dem Schicksal kannst du nicht entfliehen

Durch dieses Treffen wurde bei Mister X plötzlich eine Truhe aus dem dunkelsten Inneren der Seele ausgegraben. Diese Kiste schien verstaubt, abgeschlossen und mit tausend Schlössern versehen zu sein. Sogar einem ungeübten Beobachter wäre es nicht möglich ruhigen Gewissens diese Truhe zu öffnen. Es hatte schon einen Grund, warum diese Truhe so war, wie sie war. In dieser einen Truhe lagerte Mister X seine Albträume, die bei seinem Leben nicht ein Mal unverständlich waren. Von alleine ging diese Truhe auf und brachte, wie sie es manchmal tat, einige alte schmerzhafte Erinnerungen zum Vorschein.
Mister X erinnerte sich daran, wie er frisch aus der alten Heimat nach Deutschland kam. Er war dreizehn oder vierzehn. An sein genaueres Alter zu diesem Zeitpunkt konnte er sich selbst nicht mehr erinnern. Er kam mit seiner Familie an oder eher gesagt kam seine Familie mit ihm an. Alles, was diese dreiköpfige Familie mitgenommen hatte, waren drei Kartons mit  Büchern, ein Karton mit Familienfotos, drei kleine Taschen mit Anziehsachen und 245 Mark. Sie haben all an Hab und Gut, dass sie hatten, haben sie verkauft um die notwendigen Papiere und diese Reise zu bezahlen. Das Einzige, was Mister X in den Bus und über die Grenze geschmuggelt hat, war ein wunderschöner alter Colt mit einer einzigen Kugel. Dieser Colt war ein Geschenk seines ehemals besten Freundes. Er schätzte diesen Colt. Dass da nur eine Kugel im Magazin war, hatte einen guten Grund.
Mister X konnte kaum ein Wort Deutsch und wurde auf das härteste damit konfrontiert. Er musste auf eine Schule und wurde sofort aufgrund seiner Zeugnisse auf ein Gymnasium geschickt. Diese Sprache, diese Gesellschaft, diese Schüler, einfach Alles belastete ihn. Wie kann man einen Anschluss finden, wenn man einfach nicht dazugehören kann? Wie kann man sich in eine Gesellschaft integrieren, die Einen nicht will? Um die Sprache zu lernen musste er zu einem speziellen Crashkurs. Es wurde vorausgesetzt, dass er es schaffen würde von Null an innerhalb von zwei Monaten die Sprache soweit zu lernen, dass er die siebte Klasse ohne Handicap besuchen könnte. Alle haben es von ihm verlangt und niemand hat es ihm zugetraut. Er war fleißig und lernte. Na ja was blieb ihm auch sonst übrig. Er lernte diese Sprache um sich mitzuteilen. Er hatte so viel zu erzählen und zu erklären. Natürlich war er erfolgreich. Er kam auf dieses Gymnasium und wollte sich unter das Volk mischen, doch nahm ihn das Volk nicht an. Mister X merke langsam, dass ihn niemand verstand. Er war allen erfahrungstechnisch überlegen. Niemand verstand ihn. Er versuchte es. Keiner glaubte ihm. Langsam gab er auf. Er hat angefangen zu trinken um sich selbst und alles andere zu vergessen. Es gab niemanden, der ihm zuhörte. Er war verloren. Eines Tages entschloss er sich dazu den Colt endlich zu gebrauchen.
Mister X war alleine zuhause. Wie so oft. Er zog den Colt aus dem Versteck und legte ihn auf den Tisch, machte eine Flasche Whiskey auf und zog einen Drittel mit einem Zug weg. Er stellte die Flasche ab und nahm diesen Colt. Er machte die Trommel auf und schaute nach, ob die Kugel drin war, drehte die Trommel und wartete ab bis sie stand. Mister X verabschiedete sich kurz von alles und jedem, spannte den Hahn und drückte ab. Für einen Moment blieb sein Herz stehen. Mister X machte die Augen auf und stellte fest, dass er noch da war.
“Verdammte Scheiße” dachte er sich, schob den Colt zur Seite und nahm einen ganz tiefen Schluck aus der Flasche.
Es war kein gutes Zeichen zwei Mal hintereinander abzudrücken. So entschloss er sich, das am nächsten Tag nochmal zu versuchen.
Drei Monate später erkannte man Mister X schon kaum. Er sah abgekämpft aus. 92 Mal hat er sich diesen Colt an die Schläfe gehalten. 92 Mal passierte nichts. Leider. Beim letzten Mal hatte er den Colt nach dem Schuss aufgemacht. Die Kugel war genau in der Kammer, wo sie sein sollte. Mister X drehte die Trommel zurück, legte nochmal den Colt an seine Schläfe und drückte ab. Es passierte nichts. Mister X wollte es endlich wissen. Er ging auf seinen Balkon und drückte einfach in die Luft ab. Ein lauter Schuss zog hallend durch die Gassen. Gut, dass es keinen in dieser Gegend interessierte.
“Es sollte wohl nicht sein” Mister X packte seinen Colt endgültig in die Box und dann in seinen Versteck zurück. Doch es war nicht der endgültige Versuch seinen erbärmlichen Leben das Ende zu setzen. In nächsten zwei Jahren versuchte er alles um seinen Wunsch zu erfüllen. Doch immer und immer wieder scheiterte er. Nach seinem wahrscheinlich tausendstem Versuch wurde er von einem älteren Herren aus dem Wasser gezogen. Mister X versuchte diesmal mit einem Sprung von einer Kanalbrücke. Er verfehlte kurz die Schiffsschraube und wurde nur unter das Wasser gezogen. Aber der alte Mann wollte es wohl nicht zulassen. Als er Mister X endlich ins Leben zurückbrachte, lächelte er nur kurz.
“Alter Narr!” sagte Mister X “Hättest du mich doch verrecken lassen. Das wäre eindeutig besser gewesen.”
“Mein Kind, es ist noch nicht deine Zeit. Du kannst deinem Schicksal nicht entfliehen. Wenn deine Zeit kommt, wirst du es schon selber merken” Der Mann verschwand nach diesem Satz und ließ Mister X liegen. Auch wenn er es nicht zugeben wollte, wusste Mister X, dass der alte  Narr wirklich Recht hatte.

Die drei Phasen des Lebens

“Hey was ist mit Ihnen?” sagte Julia sichtlich aufgeregt und riss Mister X unsanft aus der Gedankenwelt.
Mister X zuckte kurz, zog noch einmal tief an seiner Zigarette und sagte bestimmend:
“Komm mit! Ich muss dir etwas zeigen.”
Sie folgte ihm ohne Fragen zu stellen. Sie versuchte Mister X in die Seele zu schauen, doch blieb sie immer vor einer verschlossenen Tür stehen. Mister X führte sie zu dem Anflugsbereich. Hier sah man die schlimmsten Dramen und die größten Erfolge. Er wusste, dass es an der Zeit war ihr die Wahrheiten der Welt zu zeigen. Mister X atmete tief ein, als würde er herausfinden wollen, was hier gerade in der Luft liegt. Mal wieder musterte er kurz die gesamte Umgebung. Er schaute Julia noch einmal genau an.  
“Hör mir bitte einmal kurz zu. Ich weiß, dass du eine hoffnungslose Optimistin bist. Doch tue mir bitte einen Gefallen, versuche die Welt nicht zu verändern. Das geht einfach nicht gut. Ich habe selbst in meinem Leben feststellen dürfen, dass diesbezüglich drei Phasen gibt. In der ersten Phase versuchst du die gesamte Welt zu verändern. Du versucht der Welt zu zeigen, dass sie schlicht und weg am Untergehen ist. Du glaubst die einzige Person zu sein, die wirklich sieht, dass die Welt untergeht. Niemand hört dir zu. Alle lachen dich aus. Du fängst an, an dir selbst zu zweifeln. So kommst du in die zweite Phase. In dieser Phase versuchst du dich selbst davon zu überzeugen, dass alles, was du machst, etwas bringt. Du versuchst optimistisch zu bleiben. Zuversicht? Davon bleibt leider nicht viel. Du kämpfst gegen dich selbst. Es ist ein aussichtsloser Kampf. Ein Versuch sich der Gesellschaft anzupassen. Es ist eher sogar ein Versuch ein Teil der Gesellschaft zu werden. Irgendwann mal verlierst du diesen Kampf. Du hast nur zwei Möglichkeiten. Entweder du gehst unter oder akzeptierst alles, wie es ist. Wenn du es akzeptierst, dann bist du in der dritten Phase. Einfache Akzeptanz. Nur so kannst du in dieser Gesellschaft überleben. Du musst dich selbst und die Gesellschaft gleichzeitig akzeptieren. Ich weiß, dass du deinen Weg gehen wirst. Ich weiß, dass du dein Glück finden und etwas großes vollbringen wirst. Geh deinen Weg und benutze dein Herz. Das, was du heute lernst, wird dich für eine Ewigkeit begleiten.”
“Ich danke Ihnen” sagte Julia mit zitternder Stimme und Tränen auf den Augen “warum denken Sie nur so negativ über diese Welt? Ist sie wirklich so böse?”
“Die Erfahrung spricht leider Bände, doch auch dem kannst du entgegenwirken. Wenn du aufpasst und lernst die Menschen einzuschätzen, wirst du nicht so oft enttäuscht.”
“Ich verstehe” sagte sie nickend. Sie konnte immer noch nicht nachvollziehen, wie es dieser Mann schaffte sie in seinen Bann zu ziehen “lehren Sie mich. Ich gehöre Ihnen”
Mister X ließ seinen Blick nochmals wandern.
“Siehst du dieses junge Pärchen links? Was sagst du denn dazu?”
Julia musste sich kurz fangen. Sie ging in sich, atmete tief ein und machte sich an die “Arbeit”.
“Sie kommt gerade von einer langen Reise. So wie es aussieht, war sie in den USA. Studienreise wahrscheinlich. Also war sie wohl mindestens ein halbes Jahr weg. Er ist echt bis über beide Ohren in sie verliebt, hat auf sie gewartet. Man merkt seinen Herzschlag sogar bis hierhin. Er ist nervös. Irgendetwas ist nicht ausgesprochen. Auch wenn sie sich in einander verlieren, ist ein riesen Krater zwischen den Beiden. Die beiden wollen es versuchen, aber sie werden es schwer haben. Es hat sich wohl zu viel verändert. Sie haben sich verändert. Auch wenn ich es gern anders hätte, werden Sie sich trennen. Nicht wahr?”
Endlich war sie so weit. Kein unnötiger Optimismus. Pure Realität.
“Du hast vollkommen Recht. Und ich wage mich etwas mehr aus dem Fenster zu lehnen und vermute, dass er mit einem Brief enden wird. Was glaubst du, wie dieser Brief von ihm aussehen würde?” Er wollte einfach die Aufgabe erschweren. Er wollte sehen, wie weit sie war.
Julia überlegte nicht lange und fing im Kopf an zu schreiben.
“Hallo Mausi,

Eigentlich ist so vieles gesagt, dass ich nicht einmal schreiben müsste, doch ich tue es. Ich habe letztens  einen Text entdeckt, welcher am besten das beschreibt, wie ich mich fühle.

“Wenn man wach wird und man ist von der Trauer geblendet,
dann weiß man genau     der Traum ist beendet...

Ich will nicht wissen, was mein Herz mir sagt,
denn es tut nur weh!
Nimm mich in den Arm, gib mir das, was ich brauch!

Part 1:

Ey, ich will etwas sagen, aber du bist nicht da/ und mein Leib ist am zittern, aber ich bleibe stark/ und ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals schreib./ Mein Leid, meine Träume in vergessene Zeilen.
Wir kannten uns nicht lange, doch wir fühlten uns gut./Du bei mir und wir nahmen den Zug./ Soweit!
Zu den Sternen und zurück und ich nahm jeden Meter der Entfernung als Glück!/ Und wir küssten uns, doch die Zeit blieb nicht steh'n/ und es war an der Zeit mit der Liebe zu geh'n/ Guck mich an! Ey, ich wollte dein Bestes,/ weil für Engel nur das Beste gerecht ist!
Mein Herz ist am weinen! Ja, du gabst mir das was ich brauch/ du bist ein Engel, 'ne fantastische Frau!/ Schau zurück, denn es sollte nicht klappen!/ Wir könnten kämpfen, doch wir konnten's nicht schaffen!

Hook:

Ich will nicht wissen, was mein Herz mir sagt,
denn es tut nur weh!
Nimm mich in den Arm, gib mir das, was ich brauch!
Du und ich, hey, das war nur ein Traum!
Du sollst nicht weinen, du sollst diese Zeilen nur versteh'n!
Und deswegen bin ich auch für dich da.
Damit du nicht weinst, denn wir bleiben stark!

Part 2
Und ich danke dir. Für eine Zeit, die zwar kurz war/Dank dir, hatte ich den 2ten. Geburtstag!/
Und wir sehen uns. Wir verstehen uns/ und das seit der ersten Begegnung.Und weißt du was,ey, das ist was besonderes/ und das ist der Punkt, der letzendlich gewonnen ist./
Ich will dich fühlen, doch das Bild ist nicht warm./ Antwortet nicht, hab ich wieder gefragt./
Der Stern über uns hat was anderes geplant./Ich weiß zwar nicht was, doch ich komm damit klar!
Ich versuche es, ich will dich nicht weinen seh'n./ Ich will bleiben, doch ich sollte jetzt gleich geh'n./
Schau mich an, ich ertrag es mit stolz/ denn ich war im Besitz eines Mädchen aus Gold!/
Es ist schwer, doch ich denk nicht an gestern/ lieber daran: ich Bruder, du Schwester!

Hook:

Yeah, wenn du diese Zeilen verstanden hast, dann weißt du was ich mein, oder?
Ich bin für dich da, ganz egal was ist, oder?
Klar, tut es weh und so, aber so ist das Leben oder?
Du und ich sind so'n dickes Team!
Das macht es jetzt auch nicht kaputt, ne?
Also, auf ein neues!
Und du weißt, was ich für dich fühle!
Machs gut!

Hook:”

Dieser Text beschreibt das Ganze echt bis auf den Punkt genau. Das alles was uns verbindet, solltest du einfach mal im Herzen behalten. Wie ich dir schon damals versprochen habe, werde ich gehen wenn ich nicht mehr gebraucht werde. Dieser Punkt ist gekommen. Ich räume das Feld und wünsche dir einfach das Beste. Du wirst es packen und ich werde stolz sein, dir dabei ein wenig geholfen zu  haben. Und für mich ist es einfach an der Zeit wohl für immer loszulassen, obwohl mein Herz jetzt verschenkt ist. Ich könnte versuchen zu kämpfen, doch würde es nichts bringen, da ich niemals das für dich sein werde, was ich mir vielleicht erhofft habe. Ich werde nie der Eine sein. Deswegen nutzt dieser Kampf nichts. Vielleicht habe ich mehr innerlich in alles gesteckt, als ich gedacht habe, doch habe ich es mit gutem Gewissen gemacht, dass ich einem wunderbaren Menschen damit helfe. Ich könnte um dein Herz kämpfen, doch weiß ich, dass dein Herz mir nie gehören wird, also ist der Kampf verloren. Hätte ich vieles anders gemacht, wäre vielleicht unsere Geschichte anders ausgegangen, doch habe ich es nicht. So lag es vielleicht mal in meiner Hand, doch bin ich mir sicher, dass ich für dich das Beste gewollt habe und so gehandelt habe. Ich hoffe, dass ich immer in deinen Erinnerungen bleibe. Wenn nicht, dann war ich einfach nicht fleißig genug. Denk immer daran, dass du 2 Glücksbringer von mir hast. Behalte diese in Ehren und sie werden dir in deinem Leben helfen.

Ich wünsche dir das gesamte Glück der Welt, denn du WARST mein Mädchen!!!”
Julia atmete tief durch. Mister X lächelte. Er wurde selbst positiv überrascht.

Die Kriegskinder.

Mister X suchte nach einer neuen Herausforderung, als sein Blick zufällig das Gate mit der angekommener Maschine aus Kosovo erreichte. Eine Familie schritt durch die Tür. Zwei Erwachsene mit einem dreizehn jährigen Jungen.
“Bitte!!! Nicht schon wieder. Was ist das denn heute für ein Tag?” dachte sich Mister X.
Er musste den Blick abwenden. Wenn es eins auf der Welt gab, was er nicht ertragen konnte, war es der Anblick eines Kindes, das den Krieg gesehen hat. Er konnte diesem Kind nicht in die Augen schauen. Er durfte nicht zu tief reinschauen, sonst würde er jegliche Träume des Jungen zerstören. Jeder wäre als Empfang besser gewesen als er. Alle hätten so etwas gesagt wie:
“Willkommen in Deutschland! Endlich kannst du dich beruhigen. Hier wird man sich um dich sorgen. Hier passiert dir nichts. Hier kannst du Kind sein. Es wird alles wieder gut. Keine Kämpfe, kein Krieg. Du wirst keine Sorgen haben.”
Mister X konnte es nicht. Aus eigener Erfahrung wusste er, dass es in der Wirklichkeit nicht so war.
Als er nach Deutschland kam, war er nicht weniger ein Kind des Krieges. Er wuchs in tiefstem Osten in der Zeit des Umbruchs auf. In dieser Zeit wurde alles nur durch das Geld regiert. Wer das Geld hatte, war an der Macht. Dieser Jemand konnte mit den Armen alles tun und lassen, was er wollte. Mit Geld wurden die Sünden freigekauft. Mit Geld wurden die Straftaten beglichen. Alles wurde auf dem Rücken der Arbeiter ausgetragen. Niemand wagte etwas dagegen zu tun. Es fehlte einfach an Mut. Mister X war dieser Zustand zuwider. Er hasste es und konnte es einfach nicht mehr ruhig ansehen. Mister X musste etwas dagegen tun und er tat es. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Eine Revolution. Plötzlich brannten die Jaguare und die BMW`s. Die Menschen folgten ihm. Wäre Victor Hugo noch am Leben, würde er wohl die Elenden 2 schreiben. Mister X merkte, dass die Hoffnung in Menschen wuchs. Sie wollten ihr Leben zurück. Sie wollten ihre Ehre zurück. Mister X ließ sich mitreißen und verlor den Überblick. Er hatte nicht gemerkt, dass der Kampf sogar schon von Anfang an verloren war. Er hatte nicht daran gedacht, dass die Armen einfach nicht genug hatten um sich versorgen zu können. Mister X hat aus den Augen verloren, dass die Reichen einfach in der Lage waren jegliche Versorgung zu kappen. Schon nach einem Jahr merkte Mister X, dass dieser Stein, der ins Rollen gebracht wurde, sie alle überrollen wird, doch war er nicht mehr aufzuhalten. Ein Teil der Armen feierte ihn als Helden. Er gab allen die Hoffnung auf eine bessere Welt.  Der andere Teil war einfach zu müde. Mister X stellte fest, dass der Kampf ausartete. Jetzt ging es um Leben oder Tod. Plötzlich vielen die Menschen auf beiden Seiten wie die Fliegen. Wer dieses Bild schon einmal im Leben gesehen hatte, konnte nicht mehr ruhig schlafen. Er selbst lag schon so oft blutüberströmt in einer Gosse, dass es an Wunder grenzte, dass er überhaupt lebte. Sein Leben war ihm mittlerweile egal. Doch eine Situation prägte ihn ganz besonders. Eines Tages kam er zu seinem damals besten Freund. Sie waren bei ihm Zuhause verabredet. Er hatte einen Schlüssel von der Wohnung des Kollegen, da er wie ein zweites Kind bei dieser Familie  war. Er kam rein und sah seinen Freund auf der Fensterbank des zwölften Stocks sitzen. Mit den Füßen in der Wohnung und mit dem Rücken zum Fenster. Mister X wechselte 2-3 belanglose Zeilen mit ihn, bis der Junge sagte: "Bruder, ich kann nicht mehr. Ich halt es nicht aus. Ich gehe jetzt" In diesem Moment sprang er raus. Diesen einen leeren Blick konnte Mister X nicht vergessen. Jede Nacht sah er diese Augen. Auch wenn er wusste, dass er ein Stück Hoffnung den Menschen brachte, war es nichts mehr wert.
Doch so schlimm wie dieser Kampf auch immer war, wusste er hier wenigstens das Gute und Böse zu unterscheiden. Hier war der Gegner klar. Als Mister X nach Deutschland kam, wusste er nicht, dass er hier einen vielleicht viel größeren Kampf austragen müsste. Hier gab es keinen genauen Gegner. Es gab nur List und Lüge. Alle taten so, als würden sie einen verstehen, doch logen sie. Sie lachten über ihn und das tötete ihn Stück für Stück.
Was sollte er also jetzt dem kleinen Jungen sagen, der vor ihm stand? Sollte er lügen? Sollte er ehrlich sein? Er konnte beides nicht. So drehte er seinen Blick weg um nicht zu lügen, aber auch nicht die Wahrheit zu sagen.

Liebe ist...

“Themawechsel, Themawechsel” wiederholte Mister X innerlich und suchte nach etwas um sich abzulenken “irgendwie ist es heute ein wahnsinniger Tag. Es reicht langsam!” Er blieb mit den Augen auf der Julia hängen. Sie suchte nach einem Objekt für eine neue Beobachtung.
“So muss wohl ein Engel aussehen. Eine Vollendung. Nichts übertrieben. Das nennt man Perfektion” Mister X schmunzelte traurig “du wirst genau deinen Weg gehen. Das weiß ich ganz genau”
“Wie würdest du Liebe definieren?” sagte Mister X plötzlich. Dieser Satz entfloh seinen Gedanken über die Lippen. Er schaute sich selbst kurz um, als würde er jemanden suchen, wer es sonst gesagt haben könnte. Doch da war niemand.
“Liebe? Lassen Sie mich das mal beschreiben. Man sucht jahrelang verzweifelt nach etwas oder jemandem, man greift immer wieder ins Klo, man verpasst immer wieder den zauberhaften Moment, man glaubt alles im Leben zu verpassen. Doch da steht dieser Mensch vor dir. Und plötzlich reicht ein Blick und man kann dem Menschen in die Seele schauen. Doch nicht nur das, man lässt auch den Menschen gegenüber ohne Fragen in eigene Seele rein. Ohne Angst verletzt zu werden, ohne nachzudenken, ohne es überhaupt zu wollen. Es geschieht einfach. Man denkt nicht nach, man handelt. Was ist das für ein Gefühl, wenn man nicht einmal Angst hat verletzt zu werden? Es ist die Sicherheit, es ist die Geborgenheit. DAS ist der Zauber, DAS ist die Seelenverwandtschaft. DAS ist die wahre Liebe! Man braucht eigentlich nicht zu reden, da nichts gesagt werden muss. Es reichen Blicke, es reichen Berührungen, es reicht der Gedanke. Doch man redet, denn niemandem sonst würde man so lange zuhören und niemandem sonst hat man so viel zu sagen. Man sitzt in einem Raum voller Menschen, voller Musik, voller Licht, voller Unruhe. Doch für dich ist der Raum dunkel, die einzige Person in diesem Raum neben dir, ist dieser eine Mensch, die Musik spielt leise, dezent, nur für euch, aber eigentlich ist es ganz still. Man hört nur beide Herzen im Einklang schlagen. Der gleiche Rhythmus , die gleiche Melodie, der gleiche Takt. Wenn man dieses Gefühl kennt, kennt man die wahre Liebe. Denn diese eine Person, ist die Antriebskraft, die Muse, dein Freund, alles für dich. Sie ist dein Leben.
Liebe ist das, was uns dazu bringt wundervolles zu vollbringen. Ohne Liebe würden solche Texte wie “Das Schlaflied” nicht entstehen. Von einem Rapper...  ich weiß nicht mehr wie er heißt, aber ich kenne den Text Wort für Wort.
`Guten Tag mein Schatz! Es ist so schön dass du grad da bist/Mir zusiehst/Mich liebst/ Ich liebe es wie du grad da liegst/ Die Haare leicht im Gesicht/Das hier ist wie ein Gedicht/ an dich/ Wie du hörst ich will dir sagen Ich liebe dich/ Neben dir bebt mein Herz wie Berlin beim Ostermarsch/ Wär das Leben Poker, wärst du mein Royal Flush/ Leg dich in meine Arme ich werd dich ewig halten/ Wir beide sind wie A-Team unverwundbar einfach nicht aufzuhalten/ ja du bist mein süßer Retter/ Wär das Leben Urlaub wärst du das wunderschöne Wetter/ Ich nimm dich in meine Arme/ Warme Umarmung/ Ohne eine Erwartung/ Doch mit einer ehrenvollen Haltung/ Wär das Leben eine Droge wärst du mein Kick/ Und wär das Leben ein Tanz wärst du die Musik/ Du bist der Text in meinen Liedern/Du bist mein ein und alles/ Das Blut in meinen Gliedern/ Schlaf ruhig ein und ich werde dich bewachen/ mit dir kann ich beruhigt weinen und lachen/ Ich gebe dir einen Kuss auf deine Stirn/ Das ist die Liebe/ Ja ich fühl mich mit dir wie Peter Pan/ Ich fliege/ Schlaf ruhig dir passiert hier nichts/ Für mich bist du die Hüterin des Lichts/ Meine Madonna mit einem makellosen Gesicht/ Schlicht und einfach eine Traumfrau/  Du hast mein Herz geklaut/ Es ist jetzt deins/ Ich weiß nur eins/  Ich schmelze wie Eis/ Deine küsse machen mich heiß/ Ich halte dich und lass dich nicht gehen/ Ne Frau wie dich habe ich noch nie gesehen/`
Das Alles ist Liebe”
Mister X gab sich den Gedanken. So schön wie Julia es beschrieb, war die Liebe nie zu ihm. Er war der Mann, den jede Frau suchte und keine wollte.
Eines Tages lief dem Mister X ein wunderschönes Wesen mit einer unbeschreiblichen Aura über den Weg. Da Mister X immer fasziniert von solchen Menschen war, lernte er sie kennen. Sie lachte und scherzte ununterbrochen, doch in ihren Augen erkannte er Traurigkeit. Wo kam sie her? Was war de

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sali
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BeitragVerfasst am: 09.12.2010 19:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hey ungeschreiblich,

Aufgrund der Länge des Textes kann man nur schwer Kritik am ganzen Text ausüben. Am Besten du liest dir die "7 goldenen Regeln" erst einmal durch.
Desweiteren glaube ich, nachdem ich die ersten Zeilen gelesen habe, dass der Text besser in der Talentschmiede aufgehoben wäre.

lg Sali


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lupus
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BeitragVerfasst am: 09.12.2010 21:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo und willkommen im Forum,

dass du dir die Forenregeln nicht durchgelesen hast, macht nicx, kannst es ja nachholen und dann noch auf den roten Tepich mit dir und fertig Wink

zu deinem Text, oder zumindest dem Anfang
schwierig
wie es scheint bist du da auf der Suche nach deinem eigenen Stil und das is einmal schon ziemlich gut
über den Stil selbst läßt sich streiten ... mich begeistert er nicht besonders, aber dazu später.

wirklich ungut find ich die Redundanzen .. mal schaun
was du sicher gemacht hast ist gewissenhaft arbeiten und das ist einmal ein guter Anfang.

Detailarbeit:



Zitat:
Prolog

Mister X - ein junger Mann zwischen 18 und 30 Jahren. Sein exaktes Alter war schwer einzuschätzen. mit der Angabe zwischen 18 und 30 schätzt du aber, nicht sehr exakt aber du schätzt, also muss ein exakt oder genau reinDas Aussehen ließ einen Jungen erahnen, doch die Augen schienen alt zu sein. erahnen, scheinen .. alles sehr nebulös, außerdem sind die Augen Teil des Aussehens also ist die Aussage ein Widerspruch in sichDer Blick war stumpf und müde, als hätte er schon ein langes Leben mit vielen Tiefen hinter sich dann müßte das Höchstalter aber auch weit über 30 liegen. Er erschien als Gegensatz zu seinem Aussehen. wer er. der Blick? nun das steht schon oben, allerdings diesbezüglich ohne die 'schien'-Einschränkung Er dürfte nicht älter als 20 sein, doch etwas ließ ihn stark älter erscheinen. dürfte? als Vermutung oder als Verbot? Verbot is sinnlos, Vermutung widerspricht der Altersangabe oben und das 'etwas' is ja schon einmal - also eigentlich 2x - mit dem Blick definiert


das is ein ziemliches Durcheinander Wink und mit diesem Anfang killst du mE den gesamten Text schon einmal

dass der erste Satz kein Satz sondern eher Regieanweisung ist, mag an sich nocht durchgehen. Es muss dir aber klar sein, dass du mit einem solchen Einstieg dem Text eine besondere Note verleihst, den Leser in eine gewisse Erwartungshaltung zwingst. Diese Erwartungen werden leider nicht erfüllt

dann das Alter. du schreibst dich in einen wirbel hinein, zwischen Schein oder Nicht-Schein, Alt - Jung, Äußerem und Augen, ... siehe oben



Zitat:
Er schritt langsam durch die Straße. Es regnete. Eher gesagt war es schon fast eine Sintflut, es regnete aslo eher schon fast eine Sintflut... mit dieser Information verwirrst du, weil du an sich nicht konkreter wirst --> Es regnete sintflutartig wenn schon oder suche ein neues Bild. vor der sich jeder flüchtete, nur er nicht. das is alles sehr widersprüchlich und auch verquer formuliert ...es wirklt nach dem Versuch originell zu sein --> Außer ihm Er versteckte sich nicht vor dem Regen. Diese Flut schien ihm egal zu sein. Plötzlich blieb er kurz stehen und schaute nach oben. Nur einem geübten Beobachter entging dieser eine besondere Moment nicht. Er schien zu lächeln ohne sein Gesicht zu verziehen. ???? Nach einem kurzen Kopfschütteln zündete er sich eine Zigarette an und ging weiter. Ein paar Minuten später verschwand er in der Masse, zu der, er nie wurde und nie werden wird. Nicht heute und auch nicht morgen.


die Satzkonstruktionen sind sich sehr ähnlich und sehr einfach gestrickt und wenig inspiriert.
schau dir einemal die ERs an
es ist eher ein Bericht
es scheint alles zu sein .. also jetzt einmal ganz hart formuliert: ich als Leser würd gern wissen, was los ist, nicht was vielleicht, u.U. zu sein scheint Wink
ganz dringend überdenken



So ich hör jetzt auf. Ans Herz legen würd ich dir Ralphies Schreibwerkstatt und zwar gabz dringend. Außerdem rate ich dir die Texte laut vorzulesen um so schnitzer wie 'er'-Flut und 'schien' zu vermeiden, denn dann fallen sie auf. Und: die Sätze gerader schreiben, keine künstlichen Konstruktionen erfinden, denn so klingen sie dann auch.

Außerdem ein bisserl weniger Berichterstattung

aber: irgendwas hat der Text, was mir sagt, da ist Potential drinnen. Vielleicht is es der distanzierte Ton, vielleicht der INhalt ... ich kanns nicht sagen

also: keep on working

lgl

Und: die Schmiede wär möglicherweise ein besser Aufenthaltsort für diesen Text
Und: kleinere Portionen wären leichter zu schlucken


_________________
lg Wolfgang

gott ist nicht tot noch nicht aber auf seinem rückzug vom schlachtfeld des krieges den er begonnen hat spielt er verbrannte erde mit meinem leben

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"Ich bin leicht zu verführen. Da muss nur ein fremder Mann herkommen, mir eine Eiskugel kaufen und schon liebe ich ihn, da bin ich recht naiv. " (c) by Hubi
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