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Die Wohnung I.


 
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lady-in-black
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Wohnort: Killer Förde
Der goldene Käfig Extrem Süßes!


BeitragVerfasst am: 09.10.2010 21:58    Titel: Die Wohnung I. eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Um mich herum ist es dunkel. Nein, dunkel ist eigentlich nicht das richtige Wort, denn selbst in der Dunkelheit gibt es immer noch einen kleinen Rest von Licht. Hier gibt es nicht mal einen klitzekleinen Schimmer, den meine Augen als dunkelgrau von dem tiefen Schwarz unterscheiden können. Meine Sehnerven sind dermaßen unterfordert, dass sie mir aus purer Langeweile bereits vorbeiziehende weiße Kapuzenmännchen auf die Netzhaut spiegeln. Na toll, gebt mir jetzt noch ein paar brennende Kreuze dazu und der Directors Cut von ‚Mississippi Burning‘ hat auf meinem Privatsender seine Free TV Premiere!
Wie bin ich nur in diesen Schlamassel hineingeraten und viel wichtiger: Wie komme ich hier schnellstmöglich wieder  raus?
 
Alles fing damit an, dass ich einen mir rechtmäßig von der Polizei übergebenen Haustürschlüssel zu einer bis dato mir völlig unbekannten Wohnung natürlich aus Neugier sofort ausprobieren musste. Die dazugehörige Wohnung befand sich in einer typischen sogenannten Mietkaserne, erbaut mit den im Schutt gesammelten Mauersteinen der Trümmerfrauen. Das alte, abgewetzte Linoleum im kargen Treppenhaus ließ meine Schuhe bei jedem Schritt gnadenlos laut quietschen, hinauf bis in den 4. Stock.  An der alten Holztür gab es kein Namensschild. Nur durch den aufgeklebten Hinweis der Polizei vermutete ich, dass ich hier das passende Schloss zu dem Schlüssel finde. Die Tür ließ sich nur einen kleinen Spalt öffnen. Irgendetwas Weiches, Nachgiebiges musste dahinter liegen und dafür sorgen, dass mir die Tür immer wieder entgegen gedrückt wurde.  Im begrenzten Radius des durch den Türspalt in die Wohnung dringenden Treppenhauslichts konnte ich an der Wand zumindest schemenhaft etwas wahrnehmen, was in Aussehen und Form mehrerer einzelner Garderobenhaken entsprechen könnte.  Ich war mir also relativ sicher, mich mit meinem ‚Luft-raus-Bauch-rein-Tschakka-Du-schaffst-es‘-Schrei ein oder zwei Meter tief in den Hausflur hinein katapultiert zu haben.

Noch während ich darüber sinnierte, welche Form wohl der Türdrücker morgen als Bluterguss an meinem Bauch ergeben würde, kam das laute ‚klack‘ der zufallenden Haustür! Vor Schreck vollzog ich einen perfekten dreieinhalb fachen Rittberger mit anschließend rückwärts einwärts gesprungener Todesspirale. Und da war es, das schwärzeste Schwarz meines Lebens. Selbst nach einer mir endlos erscheinenden Wartezeit konnten meine Augen sich nicht darauf einstellen, geschweige denn irgendwelche Lichtschimmer ausmachen. Es musste in der Wohnung doch Fenster geben! In jeder Wohnung gibt es Fenster!! Draußen schien die helle Sonne und hier sah man nichts davon. Warum war die Wohnung so verdunkelt worden?  Die einzig logische Erklärung hierfür wäre ein netter Herr der sich mit „mein Name ist Dracula, James – äh.. Graf.. Dracula“ vorstellt. Ob es in dieser Wohnung wohl Fledermäuse gibt? Die lieben doch die Dunkelheit, oder? Arrrrggghhhh, ich muss in meinem eigenen Interesse jetzt unbedingt solche schwachsinnigen Gedanken unterdrücken und wieder logisch vorgehen!  In welcher Himmelsrichtung lag die zugeschlagene Tür? Mein Orientierungssinn ist ein Thema für sich. Er leitet mich zwar sicher von Schuhgeschäft zu Schuhgeschäft… aber war ich hier etwa in einem Schuhgeschäft? NEIN! Und damit komme ich zu dem Fazit, dass ich absolut orientierungslos in einer wildfremden, in absolute Finsternis getauchten Wohnung stehe, von der ich nichts, aber auch rein gar nichts weiß… und erst recht nichts sehe!!!!  
    
Das menschliche Gehirn ist mir ein Rätsel! Da sieht man sein Leben lang freiwillig – oder unfreiwillig durch seine Kinder – Unmengen an Zeichentrickfilmen, aber so gut wie nie Horrorfilme. Und was erscheint einem in solchen Momenten vor seinem inneren Auge? Nein, natürlich keine lustig dreinblickende Micky Mouse oder den Roadrunner, sondern ein Wesen mit Messern anstelle von Fingernägeln und dem Namen Freddy Krüger.
Da braucht man als emanzipierte Frau nur ein einziges Mal in seinem Leben seinen Ehemann für eine wirklich wichtige Aufgabe und wo ist er? Natürlich nicht da, wo er gefälligst sein sollte, wie z.B. am verdammten Lichtschalter um meinem ganz privaten Nightmare on Elm Street ein Ende zu bereiten!!

Ich habe keine andere Wahl, wenn ich nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag wie angewurzelt hier stehen bleiben will, muss mit meinen Händen in das unheimliche Unsichtbare greifen und versuchen, irgendetwas zu ertasten. Zuerst drehe ich mich mit etwas zögerlich ausgestreckten Händen einmal um mich selbst. Nichts! Gut! Oder besser gesagt: Gar nicht gut. Denn jetzt muss ich in Phase 2 übertreten, eine Richtung festlegen und zusätzlich meine Füße bewegen. Oh Gott, was ist das große Weiche unter meinen Füßen… ich ziehe meinen Fuß sofort schreckerfüllt wieder zurück. Obwohl mir mein Verstand sagt, dass der gefühlte Widerstand zu weich für einen Menschen ist, laufen mir dennoch eiskalte Schauer über den Rücken. Ich will hier raus, raus, einfach nur noch raus! Ha ha ha, wirklich guter Witz. Ich werde darüber lachen, sobald ich den Ausgang gefunden habe.
Beim nächsten Versuch muss ich unbedingt vorsichtiger werden, noch so einen Schreck verkrafte ich nicht, zumindest nicht ohne eine anschließende gnädige Ohnmacht als Erholungspause. Also hebe ich dieses Mal ganz vorsichtig meinen rechten Fuß und tippe zunächst nur wenige Zentimeter des Luftraums über dem Fußboden ab. Bitte, bitte nicht schon wieder … wenigstens ist dieses neue Hindernis hart, wenn auch irgendwie eigenartig instabil. Außerdem ist es relativ groß, unförmig und knistert bei jeder Berührung meines Fußes. Mir steckt ein unterdrücktes Wimmern im Halse fest. Lange halte ich das nicht mehr durch! Egal in welche Richtung ich mich drehe, überall stehen oder liegen undefinierbare Objekte auf dem Boden, manchmal stoß ich sogar mit meiner Hüfte an etwas. Ich versuche verzweifelt die lähmende Angst vor jeder neuen unheimlichen Begegnung der dritten Art  abzuschütteln und meinen klaren Verstand zu reaktivieren. So langsam dämmert mir, warum der Polizeibeamte mir bei der Übergabe des Wohnungsschlüssels keine näheren Angaben zur Wohnung machen konnte (oder wollte?!) und dabei so merkwürdig schuldbewusst dreinblickte. Bestimmt waren auch die Beamten vor der Dunkelheit und den Hindernissen zurückgeschreckt und hatten gar nicht erst versucht, weiter in die Wohnung hinein zu gelangen.
Alles Heulen und Zähneklappern nützt nichts, ich habe mir durch meine Neugier die Suppe selbst eingebrockt und muss sie jetzt auch auslöffeln!

Ich werde nur noch von dem einen Gedanken beherrscht, bloß nicht über irgendwas zu stürzen. Kein Mensch würde mich hier finden. Die Ereignisse hatten sich so überstürzt, dass ich nicht einmal mehr meinem Mann sagen konnte wo ich gerade bin. In der ganzen Aufregung musste ich Trottel natürlich auch meine Handtasche im Auto vergessen, in der jetzt nicht nur ein ausgesprochen hilfreiches Handy, sondern ein noch viel nützlicheres Feuerzeug liegen! „Gut gemacht Du Intelligenzbolzen!“ beschimpfe ich mich selbst. Sobald ich hier raus bin, werde ich mir kräftig die Leviten lesen.
Stimmt, hätte es beinahe vergessen: Ich will hier ja raus! Also muss ich jetzt notgedrungen zusätzlich meine Hände einsetzen und versuchen, eine Wand zu ertasten. Eine Wand bedeutet die Chance auf einen Lichtschalter! Also strecke ich dieses Mal etwas weiter meinen Arme aus und ertaste …iiiieeeehhhhh … ausgerechnet ein riesiges Spinnennetz. Zu spät um die Hand zurückzuziehen. Die klebrigen Fäden haben bereits meine ganze Hand und Teile meines Armes überzogen. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie Angst vor Spinnen oder anderem Kleingetier. Solange ich es durch Inaugenscheinnahme hinsichtlich seiner körperlichen Beschaffenheit beurteilen und durch Auswahl der dazugehörigen Glasgröße artgerecht entsorgen konnte, hatte ich nie das Bedürfnis schreiend auf Stühle zu springen.  Dieses ist aber meine erste, höchst grenzwertige Erfahrung, es nicht zu sehen. Und damit kann ich auch nicht einschätzen, welches Prachtexemplar möglicherweise gerade in dieser Sekunde an meinem Körper einen ersten Erkundungsgang vornimmt. Wieso muss ich mich bloß immer in den unpassendsten Momenten an noch unpassendere Filmszenen erinnern. Ich muss sofort wieder das Bild von „Willy“ aus dem Kopf kriegen, als sie in ein dunkles Loch mit tausend Krabbeltieren greifen muss um Indiana Jones und seinen kleinen Freund Shorty zu retten.  
Solche Erinnerungen sind wirklich NICHT  hilfreich in meiner Situation!
Hallo Frau Arachno Phobie, lerne ich Sie auch mal kennen. Übrigens müsste Ihr Bruder Klaustro auch jeden Moment bei mir erscheinen!  
  
Die Situation gerät langsam außer Kontrolle, denn ich ertappe mich beim ersten Anflug eines hysterischen Kicherns. Ich MUSS mich der unheimlichen Situation und meiner immer stärker werdenden Angst stellen; ich MUSS jetzt auf die Knie, damit ich krabbelnd die Hindernisse ertasten und sicher umrunden kann; ich MUSS  eine Wand und einen Lichtschalter finden. Und ich MUSS endlich herausfinden, was es mit dieser unheimlichen Wohnung auf sich hat!!

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Silcris
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BeitragVerfasst am: 09.10.2010 22:09    Titel: Vorsicht beim Wohnungsbezug Antworten mit Zitat

na, ja da hast du aber schlechte Erfahrungen gemacht als Du die Wohnung beziehen wolltest, was sollte die denn kosten, also ich hätte für den Schrott nicht viel bezahlen wollen, hoffentlich war es keine WG, die armen Leute, die darin wohnen müssen oder hatte die Tür geklemmt, hattest Du keinen Schlüssel und warum war denn der Vermieter nicht vorher mit Dir zur Besichtigung ? !
SILCRIS[/quote]


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lady-in-black
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BeitragVerfasst am: 10.10.2010 07:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

och Silcris, Du bist ja sooo gemein!   Jetzt hast Du eine Möglichkeit, um was es sich bei dem Rätsel der Wohnung handeln könnte, bereits verraten und ich muss mir notgedrungen einen Ersatz einfallen lassen.

Was hältst Du davon: Sobald die Prota den Lichtschalter findet, entdeckt sie, dass ausnahmslos alle Wände der Wohnung -sogar Fußböden und Decken - mit Gedichten vollgekritzelt sind. Sie findet heraus, dass sich der/die Vormieter/in mit einem unsauberen Bleistift eine Überdosis Trash-Lyrik gesetzt hatte und nun als unruhiger Geist sein/ihr Unwesen treibt. Da es als körperloses Wesen keine realen Wände mehr benutzen kann, sucht es sich seither virtuelle... z.B. in Foren!  
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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 10.10.2010 07:30    Titel: Antworten mit Zitat

Ausgezeichnet, Lady-in-black. Very Happy
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lady-in-black
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BeitragVerfasst am: 10.10.2010 07:38    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ralphie hat Folgendes geschrieben:
Ausgezeichnet, Lady-in-black. Very Happy


@Ralphie: Weil ich nicht so gut im raten bin, werde ich jetzt wohl oder übel eine Münze werfen müssen:
Kopf: Du meintest mit Deinem Kommentar meine Antwort an Silcris
Zahl: Du meintest mit Deinem Kommentar meine Antwort an Silcris
Die Münze bleibt auf dem Rand stehen: Du meintest mit Deinem Kommentar meine Erzählung und meine Antwort an Silcris

 
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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 10.10.2010 07:41    Titel: Antworten mit Zitat

Du bist ein kluges Mädchen.  Wohow
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lady-in-black
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BeitragVerfasst am: 10.10.2010 13:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ralphie hat Folgendes geschrieben:
Du bist ein kluges Mädchen.  Wohow


   Danke! Besonders für das "Mädchen" ... ging runter wie Öl!!!

Mein Problem sind auch nicht die (mir grundsätzlich sehr spontan) einfallenden kurzen Kommentare als Reaktion auf etwas vorher geschriebenes! Mich beschäftigt mehr die Frage, ob ich diese Art von "persönlichem Schreibstil" auch eigenständig nutzen, also in Geschichten einbauen kann. Macht es Sinn, mich an Prosa/Erzählungen usw. zu versuchen oder sollte ich doch lieber die Finger davon lassen?
Ehrliche Meinungen ausdrücklich erwünscht!  


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- Ich würde mich gerne geistig mit Dir duellieren ... aber ich sehe Du bist leider unbewaffnet.
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Silcris
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BeitragVerfasst am: 10.10.2010 17:51    Titel: Antworten mit Zitat

den Abschnitt von Dir : das menschliche Gehirn ist mir ein Rätsel
würde ich einbauen, da kannst du nichts falsch machen, das wird in dem Zusammenhang der Wahrheit entsprechen.

herzle von SILCRIS


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lady-in-black
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BeitragVerfasst am: 11.10.2010 07:56    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

  Lass uns wieder gut sein SILCRIS!

Du hattest mich mit Deinem ersten Kommentar auf dem falschen Fuß erwischt. Meine Schuld!! Ich hätte eine einleitende Erklärung schreiben müssen, um was es im Kern bei dieser Erzählung überhaupt gehen soll.

Die Wohnung gab es wirklich! Eine mir relativ unbekannte Tante hatte darin gelebt, bis sie eines Tages stürzte und mehrere Tage lang schwerverletzt auf dem Fußboden lag. Die desinteressierten Nachbarn konnten sich nicht daran erinnern, Schreie oder ähnliches gehört zu haben. Durch Zufall wurde sie zwar in letzter Sekunde noch lebend aus der Wohnung geholt, doch es war bereits zu spät. Sie verstarb kurz danach im Krankenhaus.

Da ich als einzige Verwandte überhaupt sporadischen Kontakt zu ihr gehabt hatte, war ich auch die einzige die sie (leider zu spät) vermisste. Daher bekam ich von der Polizei auch den Wohnungsschlüssel.

Erst durch die Wohnung, d.h. durch alles schreckliche, spannende, traurige oder interessante was ich dort vorfand, lernte ich sie Stück für Stück posthum kennen.

Tag für Tag beauftragen die "lieben Erben" Firmen mit dem Werbeslogan: "Wir räumen Wohnungen besenrein - mit Wertanrechnung!"

Mich beschäftigt die Frage,
wieviele hochinteressante Leben wohl so tagtäglich unentdeckt im Müllcontainer landen!  


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Gast







BeitragVerfasst am: 11.10.2010 09:54    Titel: Antworten mit Zitat

ladyinblack, guten tag.

die idee ist gut. der text ist gut. arachnophobie ist gut. verwandte entfernen ist gut. mach doch einfach weiter

dieser stil kommt mir bekannt vor:

Zitat:
Noch während ich darüber sinnierte, welche Form wohl der Türdrücker morgen als Bluterguss an meinem Bauch ergeben würde, kam das laute ‚klack‘ der zufallenden Haustür! Vor Schreck vollzog ich einen perfekten dreieinhalb fachen Rittberger mit anschließend rückwärts einwärts gesprungener Todesspirale. Und da war es, das schwärzeste Schwarz meines Lebens. Selbst nach einer mir endlos erscheinenden Wartezeit konnten meine Augen sich nicht darauf einstellen, geschweige denn irgendwelche Lichtschimmer ausmachen. Es musste in der Wohnung doch Fenster geben! In jeder Wohnung gibt es Fenster!! Draußen schien die helle Sonne und hier sah man nichts davon. Warum war die Wohnung so verdunkelt worden? Die einzig logische Erklärung hierfür wäre ein netter Herr der sich mit „mein Name ist Dracula, James – äh.. Graf.. Dracula“ vorstellt. Ob es in dieser Wohnung wohl Fledermäuse gibt?


wenn du keine probleme damit hast, dich von autoren inspirieren zu lassen (wie das Wohl alle tun), dann mach einfach weiter, die geschichte könnte interessant werden, wenn sie auch ein bisschen überladen ist.

das thema tür-öffnen (oder nicht) ist wohl neben der problematik der natürlichen körperfunktionen in der literatur (gestern, heute, und in den nächsten stunden) das meist beschriebene und doch das meistUnterlassene überhaupt.

freue mich auf die nächste folge der serie

anja
diedemwolf
dasfellüber
dieohrenzieht
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Maria
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BeitragVerfasst am: 11.10.2010 10:28    Titel: Antworten mit Zitat

Werte Lady,

ich hätte ein paar Anmerkungen, bin so frei. Pick Dir raus was Du für Dich als brauchbar/sinnvoll erachtest wink


Zitat:
Die dazugehörige Wohnung befand sich in einer typischen sogenannten Mietkaserne, erbaut mit den im Schutt gesammelten Mauersteinen der Trümmerfrauen. Das alte, abgewetzte Linoleum im kargen Treppenhaus ließ meine Schuhe bei jedem Schritt gnadenlos laut quietschen, hinauf bis in den 4. Stock. An der alten Holztür gab es kein Namensschild.


typisch oder sogenannt würde ich streichen, liest sich holperig.
Der zweite Satz ertrinkt in Adjektiven. Im Grunde genügt ein quietschender Schuh. Ich ahne, dass er Dir nicht genügt, dann gönn Dir noch das alt. Gnadenlos weg.

Der Text wirkt sehr überladen für mich. Wenn ich alles rauskürze, was der Handlung nicht zuträglich ist, ist er kaum noch halb so lang. Der Rest ist Argghhh und ieeeehs und Umpfs. Dieser Comicstil passt nicht so richtig gut, ist vielleicht auch Geschmackssache.
Zudem fragte ich mich: mit wem spricht sie da. Mit sich selbst, mit dem Leser? du hast die Ich-Perspektive gewählt: nutze sie. Ich denke, ich sehe, mir bleibt das herz stehen. Alles besser als: Argggghhhh...

Zitat:
Arrrrggghhhh, ich muss in meinem eigenen Interesse jetzt unbedingt solche schwachsinnigen Gedanken unterdrücken und wieder logisch vorgehen! In welcher Himmelsrichtung lag die zugeschlagene Tür? Mein Orientierungssinn ist ein Thema für sich. Er leitet mich zwar sicher von Schuhgeschäft zu Schuhgeschäft… aber war ich hier etwa in einem Schuhgeschäft? NEIN! Und damit komme ich zu dem Fazit, dass ich absolut orientierungslos in einer wildfremden, in absolute Finsternis getauchten Wohnung stehe, von der ich nichts, aber auch rein gar nichts weiß… und erst recht nichts sehe!!!!


Zitat:
…iiiieeeehhhhh … ausgerechnet ein riesiges Spinnennetz. Zu spät um die Hand zurückzuziehen.


Zitat:
Ich MUSS mich der unheimlichen Situation und meiner immer stärker werdenden Angst stellen; ich MUSS jetzt auf die Knie, damit ich krabbelnd die Hindernisse ertasten und sicher umrunden kann; ich MUSS eine Wand und einen Lichtschalter finden. Und ich MUSS endlich herausfinden, was es mit dieser unheimlichen Wohnung auf sich hat!!


(ohja, hier dachte ich: go, go, go! fang endlich an)


Die plakativen Mittel - es genügen drei Auslassungspunkte, wenn sie als Satzzeichen bzw. Stilmittel notwendig sind (oben nicht, guckst Du hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Auslassungspunkte). Nur ein Ausrufungszeichen, keine Caps. Brauchst du alles nicht.
Zeig einfach mehr der Gefühlswelt, des Innenlebens in einem Satz. Statt: Arrrgh könnte da stehen (also irgendsowas): Eine Gänsehaut kroch mir über den Rücken, wie hundert Ameisen vom Nacken Richtung Nierenbecken.
Etwas das man sehen, nachfühlen, empfinden kann. argh ist nur... Argh.



Zitat:
Das menschliche Gehirn ist mir ein Rätsel! Da sieht man sein Leben lang freiwillig – oder unfreiwillig durch seine Kinder – Unmengen an Zeichentrickfilmen, aber so gut wie nie Horrorfilme. Und was erscheint einem in solchen Momenten vor seinem inneren Auge? Nein, natürlich keine lustig dreinblickende Micky Mouse oder den Roadrunner, sondern ein Wesen mit Messern anstelle von Fingernägeln und dem  Namen Freddy Krüger. Da braucht man als emanzipierte Frau nur ein einziges Mal in seinem Leben seinen Ehemann für eine wirklich wichtige Aufgabe und wo ist er? Natürlich nicht da, wo er gefälligst sein sollte, wie z.B. am verdammten Lichtschalter um meinem ganz privaten Nightmare on Elm Street ein Ende zu bereiten!!


Das mit menschliche Gehirn versteh ich ebenfalls nicht. Klingt mir nach Floskelei. Füllsel. Denn wenn du Horrorfilme so gut wie nie siehst, dann heißt das, dass Du durchaus welche gesehen hast, was das Gehirn nicht zu einem Rätsel macht, sondern es macht schlicht seinen Job und erinnert dich an die garstigen Bilder.
Dazu kommt: eigentlich stehst Du mitten in der Handlung, damit lässt Du mich Leser, der wissen will was passiert, sauber im Regen stehen. Micky Mouse. Hä, dachte ich. Das ist so unwichtig gerade, sag mir lieber was passiert.

Und jetzt sag ich Dir was: ich möcht wissen wie es weitergeht wink

Die Geschichte ist interessant, ich bin neugierig. Den Text kannst Du kräftig entschlacken, das ganze Innenleben "gedanken einer Frau in einem dunklen Flur", das macht nur ungeduldig. Treib die Handlung voran und zeig (du tust das ohnehin, keine Frage) was Deine Protagonistin denkt, fühlt, sieht (nicht sieht), verzichte dabei auf den Comicstyle.



Maria,
Spinnenfrauchen (pass auf was Du schreibst Twisted Evil)


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Tyrion Lannister
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lady-in-black
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BeitragVerfasst am: 11.10.2010 19:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke Ihr Beiden!  

Lorraine hat Folgendes geschrieben:
die geschichte könnte interessant werden, wenn sie auch ein bisschen überladen ist.

Maria hat Folgendes geschrieben:
Der Text wirkt sehr überladen für mich


Das hab ich befürchtet!   Je häufiger ich sie selbst lese, desto mehr kommt sie mir vor wie eine komprimierte Datei, die ich erst noch entzippen muss.

Maria hat Folgendes geschrieben:
Zudem fragte ich mich: mit wem spricht sie da. Mit sich selbst, mit dem Leser? du hast die Ich-Perspektive gewählt: nutze sie.  


Irgendwie fiel mir der Start mit dem Schreiben in der Ich-Perspektive einfach leichter, weil ich nicht auch noch darüber nachdenken musste, meine persönlichen Erinnerungen auf eine Prota zu übertragen.
In einer abschließenden Fassung werde ich auf jeden Fall die Perspektive ändern.    

Maria hat Folgendes geschrieben:
Der Rest ist Argghhh und ieeeehs und Umpfs. Dieser Comicstil passt nicht so richtig gut, ist vielleicht auch Geschmackssache.

schlechte Angewohnheit, die durch meine langjährige Mitwirkung in einem ziemlich schrägen Sammlerforum entstanden ist. Ehrliches Danke für den Hinweis, das fällt einem selbst nämlich gar nicht mehr auf *seufz*    (genauso wie eine gewisse Smiley-Mania)

Lorraine hat Folgendes geschrieben:
dieser stil kommt mir bekannt vor: ...wenn du keine probleme damit hast, dich von autoren inspirieren zu lassen (wie das Wohl alle tun), dann mach einfach weiter...


Das bin 100%ig ich, großes Indianerehrenwort!  

Maria hat Folgendes geschrieben:
Dazu kommt: eigentlich stehst Du mitten in der Handlung, damit lässt Du mich Leser, der wissen will was passiert, sauber im Regen stehen. Micky Mouse. Hä, dachte ich. Das ist so unwichtig gerade, sag mir lieber was passiert.


Und genau das war wohl bei meinem ersten Versuch auch genau das Problem! Ich war viel zu sehr "ich selbst" in der Geschichte, d.h. da wo andere Menschen im dunklen Wald anfangen zu pfeifen, da denke ich tatsächlich an Dracula oder Mickey Mouse. Ich sehe dieses alte, abgewetzte Linoleum wieder vor Augen und höre meine Schuhe gnadenlos laut quietschen.
Auf einmal ist es für mich ganz logisch, dass Ihr da natürlich Schwierigkeiten beim Lesen haben musstet.

Ich bin selbst gespannt, ob ich "mich" in einer Überarbeitung mehr raushalten kann und wie es dann dank Eurer echt hilfreichen Tipps wird.

Bin dann mal beschäftigt


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Hardy-Kern
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BeitragVerfasst am: 18.10.2010 18:38    Titel: Antworten mit Zitat

Ralphie hat Folgendes geschrieben:
Du bist ein kluges Mädchen.  Wohow

Das musst du nicht so ernst nehmen. Was heißt schon kluges Mädchen?
Kenne keine Definition, lieber Ralph. lol

Hardy
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lady-in-black
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BeitragVerfasst am: 18.10.2010 18:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Dir ist schon klar, dass Stalking in Deutschland strafbar ist?!  

Du brauchst Dir gar nicht erst Hoffnungen zu machen, denn du bist
mir einfach zu alt!   


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Hardy-Kern
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BeitragVerfasst am: 19.10.2010 13:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lady,

Das Alter ins Spiel zu bringen ist immer eine gute Chance sich zu verteidigen. Ich stehe übrigens auf Ältere. War aber nicht nötig, da der kleine Spaß für Ralphie gedacht war. Smile

Über diesen Text bin ich positiv, als auch negativ überrascht.
Positiv, da ich bemerke, dass du ein großes Potential besitzt und gut beschreibst- das ist wirklich gut. Die Adjektive sind nicht Jedermanns Sache, aber manchmal angebracht.

Negativ, weil du mich mit der ewigen Beschreibung der Eroberung des Zimmers erschlägst und langweilst. Das resultiert auch aus der Einführung, in der die Prota den Schlüssel von der Polizei bekommt, was für eine Wohnungsvermietung wohl nicht alltäglich ist.

Man wird sehen, wie es weitergeht?

Tipp: wenn du meinst, jemand hätte schon erraten, wie die Geschichte weitergeht, darfst du das niemals zugeben. Registriere es und arbeite neu dran, wenn du denkst das zu müssen. So beweist du dir auch selbst deine eigene Variabilität und Kreativität.
Wenn die Geschichte schon im ersten Teil durchschaut wird, wird sie weniger lesenswert. So sehe ich das.

Hardy
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BeitragVerfasst am: 19.10.2010 14:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hardy-Kern hat Folgendes geschrieben:
Tipp: wenn du meinst, jemand hätte schon erraten, wie die Geschichte weitergeht, darfst du das niemals zugeben.


Hallo Hardy,

so wie mit Dir und Ralphie war das mit dem "verraten" nur als einleitender Spaß für Silcris gemeint.  wink
Damit steht es zwischen uns 1:1!!  Laughing

Ansonsten ein echtes Dankeschön für Deinen Kommentar!  smile  
Durch dieses Forum wurde ich erstmals in Versuchung geführt, überhaupt etwas zu schreiben. Jetzt eiere ich irgendwie hin und her weil ich keine Ahnung habe, in welche Richtung ich will - und ob ich überhaupt etwas in Schriftform umsetzen kann!  Blink


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BeitragVerfasst am: 19.10.2010 14:18    Titel: Antworten mit Zitat

hallo lady!

Zitat:
Jetzt eiere ich irgendwie hin und her weil ich keine Ahnung habe, in welche Richtung ich will - und ob ich überhaupt etwas in Schriftform umsetzen kann!


klar kannst du, du willst es ja, und wenn dir noch übung fehlt, dann bist du ja hier richtig, wann geht's nun weiter?


anja
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Hardy-Kern
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BeitragVerfasst am: 19.10.2010 14:24    Titel: Antworten mit Zitat

lady-in-black hat Folgendes geschrieben:
Jetzt eiere ich irgendwie hin und her weil ich keine Ahnung habe, in welche Richtung ich will - und ob ich überhaupt etwas in Schriftform umsetzen kann!  Blink


Quatsch. Setze doch den 2. Teil erst mal rein. Gibt doch viele gute Leute, welche helfen. Habe auch erst mit 53 angefangen zu schreiben; du wirst dich steigern, bin ich überzeugt. Lass dir Zeit, sonst wird es nichts.

Diese Geschichten aus dem Alltag sind doch gefragt, und du müsstest doch mit und in deinem Geschäft bestimmt viele Kuriositäten erlebt haben. Probiere doch daran, wirst schon merken wie es läuft.Daumen hoch

Hardy
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BeitragVerfasst am: 19.10.2010 14:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lorraine hat Folgendes geschrieben:
klar kannst du, du willst es ja, und wenn dir noch übung fehlt, dann bist du ja hier richtig, wann geht's nun weiter?


anja


Ich bin schon bei der Überarbeitung!  smile extra  Genau genommen habe ich sogar ganz von vorne angefangen.   rotwerd

Zwar bin ich viel am PC bzw. auch online, aber mir fehlt z.Zt. die nötige Ruhe um voranzukommen.  cry   Ab dem 01.11. wird alles besser, da sind die Ferien vorbei, die Touristen wieder zu Hause und ich kann meine herbeigesehnte berufliche Winterpause einläuten! Endlich keine 7-Tage-Woche mehr  lol


PS @Hardy: Meine bisherigen Versuche hatte ich spontan aus dem Bauch heraus innerhalb von 10 Minuten runtergetippt. Ich denke, ich sollte mir bei der Überarbeitung ein wenig mehr Zeit nehmen um vor allem eure hilfreichen Tipps auch umzusetzen!  Daumen hoch


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Der goldene Käfig Extrem Süßes!


BeitragVerfasst am: 02.11.2010 10:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die Wohnung - erste Überarbeitung

Um mich herum ist es dunkel. Nein, dunkel ist eigentlich nicht das richtige Wort, denn selbst in der Dunkelheit gibt es immer noch einen kleinen Rest von Licht. Meine Sehnerven sind dermaßen unterfordert, dass sie mir aus purer Langeweile bereits weiße Kapuzenmännchen auf die Netzhaut spiegeln. Na toll, gebt mir jetzt noch ein paar brennende Kreuze dazu und der Directors Cut von ‚Mississippi Burning‘ kann auf Sendung gehen!
 
Wie bin ich nur in diesen Schlamassel hineingeraten und viel wichtiger: Wie komme ich hier schnellstmöglich wieder raus?

Alles fing damit an, dass ich einen Haustürschlüssel zu einer bis dato mir völlig unbekannten Wohnung in die Finger bekam.
Natürlich war es keine typisch weibliche Neugier, weshalb ich ihn sofort ausprobieren wollte. Es ist mehr…  na gut, ja, ich habe eben ein leicht erhöhtes Informationsbedürfnis, na und?!

Die zu dem Schlüssel gehörende Wohnung befand sich in einer typischen sogenannten Mietkaserne, erbaut mit gesammelten Mauersteinen der Trümmerfrauen.
Das Linoleum im alten Treppenhaus ließ meine Schuhe unangenehm quietschen, hinauf bis in den 4. Stock.
Hier war eine Haustür ohne Namensschild, dafür aber ein von der Polizei aufgeklebter Hinweis. Ich wusste, dass ich das passende Schloss zu dem Schlüssel gefunden hatte.

Die Tür ließ sich nur einen kleinen Spalt öffnen. Irgendetwas dahinter blockierte. Das Treppenhauslicht reichte leider nicht aus, um etwas im Inneren der Wohnung erkennen zu können. Jetzt war aber nicht der richtige Zeitpunkt, um über das pro und kontra von Energiesparlampen nachzudenken!

Mich beschäftigte mehr die Frage, warum der gerade von mir ertastete Lichtschalter in der Wohnung nicht funktionierte.
Mir blieb nichts anderes übrig, als mich mit einem  ‚Luft-raus-Bauch-rein-Tschakka-Du-schaffst-es‘-Schrei  in den Hausflur der Wohnung hinein zu katapultieren.

Noch während ich darüber sinnierte, welche Form wohl der Türdrücker morgen als Bluterguss an meinem Bauch ergeben würde, kam das laute ‚klack‘ der zufallenden Haustür!
Und da war es, das schwärzeste Schwarz meines Lebens. Es musste in der Wohnung doch Fenster geben! In jeder Wohnung gibt es Fenster!
Draußen schien die helle Sonne und hier sah man nichts davon.
Die einzig logische Erklärung hierfür wäre ein netter Herr, der sich mir gleich mit einem „mein Name ist Dracula, James Dracula“ vorstellen würde.
Ob es in dieser Wohnung wohl Fledermäuse gibt? Die lieben doch die
Dunkelheit, oder?

„Dumme Nuss“ beschimpfte ich mich selbst! In meinem eigenen Interesse musste ich jetzt unbedingt solche schwachsinnigen Gedanken unterdrücken und wieder logisch vorgehen!
In welcher Himmelsrichtung lag die zugeschlagene Tür? Mein Orientierungssinn ist ein Thema für sich. Er leitet mich zwar sicher von Schuhgeschäft zu Schuhgeschäft… aber war ich hier etwa in einem Schuhgeschäft? NEIN! Und damit komme ich zu dem Fazit, dass ich absolut orientierungslos in einer wildfremden, in absolute Finsternis getauchten Wohnung stehe, von der ich nichts, aber auch rein gar nichts weiß…
und erst recht nichts sehe!

Da braucht man als emanzipierte Frau nur ein einziges Mal in seinem Leben seinen Ehemann für eine wirklich wichtige Aufgabe und wo ist er? Natürlich nicht da, wo er gefälligst sein sollte, wie z.B. an einem verdammten Lichtschalter!

Ich habe keine andere Wahl. Wenn ich nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag wie angewurzelt hier stehen bleiben will, muss mit meinen Händen in das  Unsichtbare greifen und versuchen, irgendetwas zu ertasten.

Zuerst drehe ich mich mit vorsichtig ausgestreckten Händen einmal um mich selbst. Nichts! Gut! Oder besser gesagt: Gar nicht gut.
Denn jetzt muss ich in Phase 2 übertreten, eine Richtung festlegen und zusätzlich meine Füße bewegen.
Was ist das große Weiche unter meinen Füßen… oh Gott! Obwohl mir mein Verstand sagt, dass der gefühlte Widerstand zu weich für einen Menschen ist, laufen mir dennoch eiskalte Schauer über den Rücken.
Ich will hier raus, raus, einfach nur noch raus!
Ha ha, wirklich guter Witz. Ich werde darüber lachen, sobald ich den Ausgang gefunden habe.

Beim nächsten Versuch muss ich unbedingt vorsichtiger werden, noch so einen Schreck verkrafte ich nicht, zumindest nicht ohne eine anschließende gnädige Ohnmacht als Erholungspause.
Bitte, bitte nicht schon wieder! Wenigstens ist dieses neue Hindernis hart, wenn auch irgendwie eigenartig instabil. Und es knistert...

Mir steckt ein unterdrücktes Wimmern im Halse fest. Lange halte ich das nicht mehr durch! Egal in welche Richtung ich mich drehe, überall stehen oder liegen undefinierbare Objekte auf dem Boden.
Ich versuche verzweifelt die lähmende Angst vor jedem neuen unheimlichen Kontakt der dritten Art abzuschütteln und meinen klaren Verstand zu reaktivieren.

So langsam dämmert mir, warum der Polizeibeamte bei der Übergabe des Wohnungsschlüssels keine näheren Angaben zur Wohnung machen konnte (oder wollte?!) und dabei so merkwürdig schuldbewusst dreinblickte. Bestimmt waren auch die Beamten vor der Dunkelheit und den Hindernissen zurückgeschreckt und hatten gar nicht erst versucht, weiter in die Wohnung hinein zu gelangen. Und jetzt saßen sie gemütlich in ihrer hellen Wache und amüsierten sich über mich!

Alles Heulen und Zähneklappern nützt nichts, ich habe mir durch meine Neugier… ich meine natürlich mein erhöhtes Informationsbedürfnis, die Suppe selbst eingebrockt und muss sie jetzt auch auslöffeln!

Bloß nicht über irgendwas stürzen. Kein Mensch würde mich hier finden. Die Ereignisse hatten sich so überstürzt, dass ich nicht einmal mehr meinem Mann sagen konnte wo ich gerade bin. In der ganzen Aufregung musste ich Trottel natürlich auch meine Handtasche im Auto vergessen, in der jetzt nicht nur ein ausgesprochen hilfreiches Handy, sondern ein noch viel nützlicheres Feuerzeug liegen! „Gut gemacht Du Intelligenzbolzen!“ setze ich meine Beschimpfungen fort.
 
Stimmt, hätte es beinahe vergessen: Ich will hier ja raus! Also muss ich jetzt notgedrungen zusätzlich meine Hände einsetzen und versuchen, eine andere Wand zu ertasten. Ich brauche einen weiteren Lichtschalter!

Ich strecke meine Arme mutig aus und ertaste… einen Albtraum!
Zweifelfrei ist es ein riesiges Spinnennetz. Zu spät um die Hand zurückzuziehen. Die klebrigen Fäden haben bereits meine ganze Hand und Teile meines Armes überzogen. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie Angst vor Spinnen oder anderem Kleingetier.

Solange ich krabbelnde Wesen durch Inaugenscheinnahme hinsichtlich ihrer körperlichen Beschaffenheit beurteilen und durch Auswahl der dazugehörigen Glasgröße artgerecht entsorgen konnte, hatte ich nie das Bedürfnis schreiend auf Stühle zu springen.
Dieses ist aber meine erste, höchst grenzwertige Erfahrung, es nicht zu sehen. Und damit kann ich auch nicht einschätzen, welches Prachtexemplar möglicherweise gerade in dieser Sekunde an meinem Körper einen ersten Erkundungsgang vornimmt.

Wieso muss ich mich bloß immer in den unpassendsten Momenten an noch unpassendere Filmszenen erinnern. Wie z.B. an die Dame Willy und wie sie in ein dunkles Loch mit tausend Krabbeltieren greifen muss, um Indiana Jones und seinen kleinen Freund Shorty zu retten.

Solche Erinnerungen sind wirklich NICHT hilfreich in meiner Situation!
Hallo Frau Arachno Phobie, lerne ich Sie auch mal kennen. Übrigens müsste Ihr Bruder Klaustro auch jeden Moment hier erscheinen!  

Die Situation gerät langsam außer Kontrolle, denn ich ertappe mich beim ersten Anflug eines hysterischen Kicherns. Ich MUSS mich der unheimlichen Situation und meiner immer stärker werdenden Angst stellen; ich MUSS jetzt auf die Knie, damit ich krabbelnd die Hindernisse ertasten und sicher umrunden kann; ich MUSS eine Wand und einen Lichtschalter finden. Und ich MUSS endlich herausfinden, was es mit dieser unheimlichen Wohnung auf sich hat!!


Fortsetzung folgt gesondert


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- Ich würde mich gerne geistig mit Dir duellieren ... aber ich sehe Du bist leider unbewaffnet.
- Nein, Stil ist nicht das Ende vom Besen.
- Ich spreche fließend ironisch, auch im sarkastischen Dialekt.
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BeitragVerfasst am: 02.11.2010 10:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Fortsetzung

„Runter auf die Knie“ befehle ich mir daher streng. Und los geht’s!
Drei Beulen später und um einige skurrile Tast-Erfahrungen reicher, habe ich endlich einen weiteren Lichtschalter gefunden, der natürlich auf Anhieb… nicht funktioniert!

Aber wenigstens sehe ich jetzt wenige Meter vor mir einen Lichtstrahl.
Ist das eine hinterhältige Falle?  Soll ich wirklich auf das wunderschöne Licht zugehen…?

Ok, hab mich selbst überredet. Auf eine Nahtoderfahrung mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an!
Den Weg dorthin meistere ich relativ unfallfrei. Jedoch warne ich ab sofort ausdrücklich davor, im Dunkeln einen hohen Stapel Zeitschriften überklettern zu wollen. Die schlüpfrigen kleinen Biester hauen einem glatt die Beine unter dem Allerwertesten weg! Und sie sind auch nicht besonders hilfreich, wenn man anschließend wieder auf die Füße kommen möchte.

Jetzt trennen mich nur noch wenige Zentimeter vom rettenden Licht und ich greife zuversichtlich in…
ein Ameisennest?! Nein, das ist nicht möglich! Und doch scheinen sie sich nicht nur auf meiner Hand, sondern auch bereits in meinem Nacken zu befinden, wo sie meine Haare hochheben.

Von überall rieselt es auf mich herunter. Dazu höre ich ganz leise, seltsam metallisch klingende Geräusche. Genauso klingen Stecknadeln, die man auf den Boden wirft.   

Obwohl ich weiter gar nichts getan habe, wird der Lichtspalt am Fenster von ganz alleine größer.
Aber hier ist definitiv niemand, der die Gardine an meiner Stelle aufzieht.

12Wie es weitergeht »



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BeitragVerfasst am: 02.11.2010 10:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Ich liebe die Wohnung im Dunkeln mit ihren Geheimnissen und vorallem liebe ich die beherzte, witzige Frau da drin, die mir immer wieder aus der Seele spricht!

Wie sie ihren nicht anwesenden Mann beschuldigt! Yes, das mache ich auch, vorzugsweise, wenn er wirklich nichts dafür kann und durch Abwesenheit die Nettigkeit hat, sich nicht wehren zu können!

Ich bin an
Zitat:
Nahtoderfahrung
hängengeblieben, eine witzige Stolperunterbrechung...

Naht oder Fahrung? Geld oder Leben?

nun, dein Witz ist umwerfend, und schnell rutschend wie ein Illustriertenstapel, danke, geht's weiter (schau mal, es gibt eine neue "Fortsetzungsfunktion", scheint ganz klasse zu sein....

Vielleicht komm ich nochmal, zum kritisieren *hämisch Hände reib*, aber mir gefällt das so gut, ich bin einfach fröhlich, jetzt!

Anja
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