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Rosanna
Richter und Henker

Alter: 25
Beiträge: 1202

Pokapro V & Lezepo III Silberne Harfe


BeitragVerfasst am: 24.09.2010 12:41    Titel: Der bunte Krieg eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der nächste Krieg
Der nächster Große
In globalen Dimensionen-
Gott, er geht so schnell
Vorbei

Ich stelle mir eine Bombe vor
Ein Schlag, und alles ist Staub.

Der nächste Krieg
Wird ein sauberer sein
Keine Leichen- nur Staub.
Keine Seuchen- nur Staub.
Am nächsten Tag schon baut vielleicht der neue Staat
Seine neue Stadt.
Aus gepresstem Dreck.
Aus verknäulten Leibern.

Vielleicht
Werden sie dem Staub
Farben geben.
Eine sonniges Gelb,
Ein saftiges Grün,
Ein sanftes Hellblau,
Schöne Farben.
Glückliche Farben.
Strahlende Farben.

Das wird das Wunderbare sein
An diesem neuen Krieg:
Er malt ein
Farbenfrohes Bild der Zukunft.
Das wird das Grausame sein
An diesem alten, neuen Krieg.

Wir werden strahlen,
Wenn der Morgen graut.



_________________
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Nina
Bestseller-Autor


Beiträge: 4153



BeitragVerfasst am: 24.09.2010 12:50    Titel: Antworten mit Zitat

hallo rosanna,

der "saubere krieg" ist mir zu ... alltäglich in seiner formulierung, zu bekannt, zu altbacken. ich würde diese formulierung entweder anders fassen oder komplett streichen.

inhaltlich frage ich mich, wie eine neue stadt aufgebaut werden kann aus knäueln, wenn doch alles in staub endete? und wer überlebt und baut da überhaupt? wie kann ein staat überleben, überhaupt existieren, wenn doch alles / alle vernichtet sind?

diese letzte zeile kenne ich auch aus einem sprüchebuch. da heißt es in etwa: "unsere kinder sollen lachen, nicht strahlen". insofern ist mir das ende auch nicht so glücklich geraten, für mein empfinden.

aber vielleicht muss es ja genau so sein für dich? falls nicht, fände ich eine überarbeitung gut. ingesamt ist die thematik, ... da fehlt mir nun die passende vokabel ... spannend, interessant, - ja, sowas in der art. die erste strophe finde ich übrigens sehr gelungen.

lg
nina
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Rosanna
Richter und Henker

Alter: 25
Beiträge: 1202

Pokapro V & Lezepo III Silberne Harfe


BeitragVerfasst am: 24.09.2010 14:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Na du Laughing ,
Zitat:

falls nicht, fände ich eine überarbeitung gut


Heyho, deswegen bin ich ja hier wink...also, frisch ans Werk:

Der saubere Krieg...hmm, stimmt schon, dass die Formulierung oft genutzt wird, meistems im Sinne von "so 'fair' wie möglich". Hier ist es wirklich im Sinne von sauber gemeint: kein Blut, kein Ekelzeugs in Form von Innereien, einfach nur eine Staubwüste. Vielleicht könnte man "sauber" durch "rein" ersetzen? Ich denke immer an das englische Wort "pure", nur ein "purer Krieg" klingt dämlich. Unschuldig passt auch nicht. Ja, doch, ich glaube, ich nehme rein. Rein da;).

Naja, das mit den verknäulten Leibern war so gemeint: Alles sieht wunderbar friedlich aus, so wie's daliegt. Wenn man nicht wüsste, dass da eine Stadt gestanden hätte, könnte man es fast für ein Wüste halten. Beruhigend.Die Weite des Raums. Na schön. Nur besteht der Staub im Endeffekt aus Mauerwerk und Leichen. Körpern, die sich in Todesangst verkrampfen. Mütter, die ihre Kinder umklammern. Schreienden Menschen. Sterbenden Menschen. Und alle zerfließen sie durch diese enorme Hitze, fließen ineinander, zerren aneinander, kühlen ab, fallen auseinander. Buah.
Das würde ich auch gern so lassen, es sei denn, man kriegts nun gar nicht raus.

Zitat:
inhaltlich frage ich mich, wie eine neue stadt aufgebaut werden kann aus knäueln, wenn doch alles in staub endete? und wer überlebt und baut da überhaupt? wie kann ein staat überleben, überhaupt existieren, wenn doch alles / alle vernichtet sind?


Sagen wir's mal so. Der Mensch ist eine Kakerlake auf zwei Beinen, da überlebt immer was. Irgendeinen Gewinner (ha) wird es auch in diesem verdammten Krieg geben, eine Supermacht nach dem Supergau. Ich glaube, ich sollte das "alles" streichen. Ich dachte dabei an eine Stadt, eine Region, vielleicht auch einen Staat. "Alles" ist einfach so mordsmäßig melodramatisch. Na gut.

"Ein Schlag
Ein Land wird zu Staub."

Besser?

Wie man nun aus Staub etwas baut, übersteigt mein F(l)achwissen. Ich dachte, vielleicht mit Wasser und Beton vermengt, oder irgendwie....? Ich glaub', ich schreib' mich hier um Kopf und Kragen... irgendwie wird man daraus schon Steine gebacken kriegen. Unter Verwendung regionaler Erzeugnisse und Materialien aus organischem Anbau... Twisted Evil. Ich sehe die Werbetafel schon vor mir.

Nee, ne? Das kann doch nicht sein. Die klauen mir andauernd Sprüche! Da hält man sich hier für wahnsinnig originell und macht und tut...ok, das wird gestrichen.

"Das wird das Grausame sein
An diesem alten, neuen Krieg.

Wir werden ... ...
Wenn der Morgen graut.


Ach Hilfe! Nina, du hast mir meine Pöngte versaut. Mir fällt absolut nichts ein.


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Angst
Geschlecht:männlichScheinheiliger

Alter: 28
Beiträge: 1673



BeitragVerfasst am: 26.09.2010 10:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Rosanna,

Oh. Endlich mal ein politisches Gedicht, vor dem ich nicht gleich schreiend davon renne ;) Was nicht heisst, dass ich nichts zu kritisieren hätte. Wenn du erlaubst, einige Anmerkungen und Gedanken von meiner Seite.

Rosanna hat Folgendes geschrieben:
Der nächste Krieg
Der nächster (nächste?) Große
In globalen Dimensionen-
Gott, er geht so schnell
Vorbei

"Der nächste Krieg", damit meinst du wohl den Dritten Weltkrieg, von dem immer mal wieder gesprochen wird. Ich finde, hier könnte man "Der nächste[r] Große" streichen, da "globale Dimensionen" schon alles beinhalten, was du mit gross meinst. Obwohl: Dass du "Große" – nun ja – gross schreibst, deutet darauf hin dass du diesem Wort eine zweite Bedeutung zuschreiben willst. Wobei mir gerade unklar ist, welche das sein könnte.

Rosanna hat Folgendes geschrieben:
Ich stelle mir eine Bombe vor
Ein Schlag, und alles ist Staub.

Ich würde das hier prägnanter fassen. "Ich stelle mir eine Bombe vor" verwässert das, worauf du zeigst. Es macht die Bombe fiktiv. Wäre es nicht besser mit der Tür ins Haus zu fallen?

Eine Bombe,
ein Einschlag und
Staub.


Diese Zeilen sind nicht als Korrektur gemeint, sondern als Anregung.

Rosanna hat Folgendes geschrieben:
Der nächste Krieg
Wird ein sauberer sein
Keine Leichen- nur Staub.
Keine Seuchen- nur Staub.
Am nächsten Tag schon baut vielleicht der neue Staat
Seine neue Stadt.
Aus gepresstem Dreck.
Aus verknäulten Leibern.

"Der saubere Krieg" ist wohl Schlüsselbegriff dieses Gedichtes. Hiervon wird immer geredet, wenn es um den Einsatz von Waffen geht, die "kurz und schmerzlos" töten. Mir scheint, an dieser Stelle gehst du nicht konkret genug auf die Problematik ein. Du schreibst zwar, dass es keine Seuchen, sondern nur noch Staub gibt - also etwas Unpersönliches, das man nicht mit Menschenleben in Verbindung bringen kann. Diese dargestellte "Reinheit" zerstörst du aber dadurch, dass du von "verknäulten Leibern". Das hat etwas sehr Mahnendes. Ich kann verstehen, dass man sich das bei einem Thema wie diesem kaum verkneifen kann. Trotzdem fände ich es besser, du würdest den erhobenen Zeigefinger weglassen und die Farben, die "Reinheit" konsequent aufrecht erhalten. Ausserdem wird der "Staub" ein bisschen überstrapaziert, findest du nicht?

Rosanna hat Folgendes geschrieben:
Vielleicht
Werden sie dem Staub
Farben geben.
Eine sonniges Gelb,
Ein saftiges Grün,
Ein sanftes Hellblau,
Schöne Farben.
Glückliche Farben.
Strahlende Farben.

Obwohl die Aufzählung der Farben wohl mit Absicht sehr klischeehaft ist, würde ich mir doch Fantasievolleres wünschen. Ausserdem hört sich die Wiederholung der "Farben" sehr monoton an – obwohl auch dies wahrscheinlich Absicht ist. Trotzdem: Hier fehlt es mir an Raffinesse. Eine blosse Aufzählung reicht da nicht.

Rosanna hat Folgendes geschrieben:
Wir werden strahlen,
Wenn der Morgen graut.

Da "strahlen" sowohl auf das fassadenhafte Glück des "bunten Krieges", als auch auf Radioaktivität hinweist, finde ich es eigentlich in Ordnung. Dieses Wort nimmt die Ambivalenz des Gedichtes gut auf.

Ich bin nicht begeistert, das merkst du wahrscheinlich. Hat sicher damit zu tun, dass mich Politisches in Gedichten befangen macht. Da muss man sich immer fragen: Wie viel Bildhaftigkeit verträgt der Text? Weil man ja gerade bei solchen Themen verstanden werden will. Ein anderes Problem ist der eigene Standpunkt: Integriert man ihn? Wenn ja, wie stark? Wenn ich dieses Gedicht mit anderen von dir vergleiche, erscheint es mir seltsam nüchtern, analytisch, ja, fast schon fade mit seinen Wiederholungen. Vielleicht muss das so sein. Aber mich erreicht es leider nicht.


_________________
»Das Paradox ist die Leidenschaft des Gedankens.«
— Søren Kierkegaard, Philosophische Brosamen,
München: Deutscher Taschenbuch Verlag, S. 48.
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MosesBob
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Beiträge: 20026

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BeitragVerfasst am: 27.09.2010 11:37    Titel: Re: Der bunte Krieg Antworten mit Zitat

Hallo Rosanna!

Ein dickes Kompliment für die Themenwahl. Irgendwie schwingt da im Hintergrund ein kleiner Einstein mit, der auf die Frage, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg wohl ausgetragen werden würde, sinngemäß antwortete: "Keine Ahnung, aber der vierte mit Stöcken und Steinen."

Sowohl für einen Lyriktext als auch für einen lyrisch aufgebauten Prosatext wurde mir hier das Mittel der Verdichtung zu sehr vernachlässigt. Mir redet der Text zu viel und sagt dabei nicht genug. Er sagt nicht wenig, aber durch seine Redseligkeit geht viel unter. Demgegenüber fehlt mir eine nachvollziehbare Herleitung, wie aus einer Welt, die nur noch aus Staub besteht, etwas Neues hervorgeht, noch dazu in diesem Tempo. Dann gibt es noch Momente, in denen ich an der kausalen Logik des Gedichts zweifle:

Rosanna hat Folgendes geschrieben:
Der nächste Krieg
Wird ein sauberer sein
Keine Leichen- nur Staub.
Keine Seuchen- nur Staub.
Am nächsten Tag schon baut vielleicht der neue Staat
Seine neue Stadt.
Aus gepresstem Dreck.
Aus verknäulten Leibern.

Es gibt keine Leichen. Nur Staub. Aber die Stadt wird aus verknäulten Leibern errichtet?



Fazit: Obwohl sich hier einiges verbessern lässt, finde ich die Idee hervorragend. Interessantes Thema, interessante Gedanken. Nicht schlecht. Da steckt auf jeden Fall Potenzial zwischen den Zeilen.  smile

Viele Grüße,

Martin


_________________
Das Leben geht weiter – das tut es immer.
(James Herbert)

Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt untergeht, wird die eines Experten sein, der versichert, das sei technisch unmöglich.
(Sir Peter Ustinov)

Der Weise lebt still inmitten der Welt, sein Herz ist ein offener Raum.
(Laotse)
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