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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Trügerische Versuchung


 

 
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MadameMimm
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 13:53    Titel: Trügerische Versuchung eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe User,

inspiriert durch den Pokapro-Wettbewerb habe ich mich noch an einen längeren (und ernsthafteren) Krimi gewagt. Eure Meinung ist mir wie immer wichtig und willkommen, vor allem bezüglich folgender Fragen:

1. Ist die Handlung spannend und logisch?
2. Sind die Protagonisten glaubwürdig?
3. Funktioniert das Ende?

Vielen Dank allen, die hier einen Kommentar hinterlassen!


Trügerische Versuchung

Die aufflammende Glut einer Zigarette durchbrach die Dunkelheit wie ein Leuchtfeuer. David schwankte auf den Lichtpunkt zu. Seine Hände zitterten, kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn. Das Blut rauschte in seinen Ohren und ein Gedanke kreiste unaufhörlich in seinem Kopf wie ein Brummkreisel: Ich brauch` Stoff! Eisgraue Augen musterten ihn abschätzig:
„So wie du aussiehst, kannst du `ne kleine Aufmunterung gebrauchen. Hier hab ich was für dich. Zwanzig Mäuse und du katapultierst dich damit direkt in den Himmel.“
„I-ich ha-hab grad nichts flüssig.“
„Tja dann. Bye, bye, Kleiner.“
„Hey Mann, komm schon, ich brauch` was. Lass mich anschreiben, kriegst es nächstes Mal garantiert.“
Der Mann im Dunkeln wandte sich verächtlich schnaubend zum Gehen.
„He du Scheißkerl! Her mit dem Stoff!“ David sprang ihn von hinten an. Blitzschnell drehte sich sein Gegner um und hielt ihm im gleichen Moment ein Messer unter die Nase. „Verschwinde, oder ich schlitz dich auf wie `ne Weihnachtsgans.“
David starrte einen Moment auf die Klinge, da gab sein löchriger Verstand auch schon den Befehl zum Rückzug. Fluchend und schwankend verschwand er in der Dunkelheit.

„Herr Kommissar, bitte helfen Sie mir.“ Mein Mann… er ist gestern Abend nicht nach Hause gekommen und… und er hat sich seither auch nicht gemeldet.“
Kommissar Degenfeld betrachtete die vor ihm sitzende Ehefrau des Rechtsanwalts Benninger mit prüfendem Blick. Ihre Augen waren verquollen, die Nase vom Weinen gerötet. Sie machte den Eindruck, als hätte sie die ganze Nacht wach gelegen, ihr kurzes braunes Haar stand in wirren Büscheln vom Kopf.
„Wir werden tun, was in unserer Macht steht. Zunächst einmal muss ich wissen – und verzeihen Sie mir meine Direktheit – hat Ihr Mann vielleicht eine Affäre?“
Magdalena Benninger atmete zitternd ein bevor sie mit fester Stimme antwortete: „Ausgeschlossen, unsere Ehe ist – nun ja – leidenschaftlich.“ Sie senkte den Blick.
„Und sie wissen nicht, ob Ihr Mann gestern Abend noch einen Klienten getroffen hat?“ Kopfschütteln.
„Nun gut, ich werde zunächst einmal eine Handyortung veranlassen.“ Degenfeld gab die Anweisung telefonisch weiter. „Dürfte ich vielleicht einen Blick auf seine E-Mail Korrespondenz werfen?“
„Natürlich. Steht im Arbeitszimmer. Herr Kommissar, sie  finden meinen Mann, oder?“ - Der Computer erwachte summend zum Leben. Kein Passwort versperrte den Zugang zum Postfach des Anwalts. Bereits die erste Mail brachte den Kommissar ins Grübeln. Sie war von gestern und lautete: Treff heute Stadtpark 22.30 Uhr. Der Absender bestand aus einem Buchstaben- und Zahlensalat.
„Frau Benninger, ich muss das Notebook ihres Mannes mitnehmen, damit unsere IT-Experten herausfinden, von wem dieser Text stammt.“ Magdalena nickte stumm.
„Wenn sich in der Zwischenzeit etwas Neues ergibt, melden Sie sich bitte unverzüglich auf dem Revier. Ich werde einen Streifenwagen vor Ihrem Haus postieren, damit uns nichts entgeht. Die Fahndung läuft bereits. Auf Wiedersehen.“
Einige Stunden später saß Benninger fluchend hinter seinem Schreibtisch. Die Handyortung war genauso ergebnislos verlaufen wie die Überprüfung der Mailadresse. Angeblich gehörte sie zu einem Server in Sibirien. Er nahm die Brille ab und rieb sich die Nasenflügel. Es klopfte leise an der Tür zum Dienstzimmer.
„Kommissar, in Verhörraum 2 wartet ein gewisser David Paulsen. Er hat Benninger wohl gestern Abend im Park getroffen.“ Ein junger Beamter reichte ihm ein Blatt Papier. „Zuerst hat er abgestritten, den Vermissten zu kennen, aber ein Rentner mit seinem Hund hat die Beiden im Park streiten sehen. Er konnte sich an David erinnern und hat auch Benninger auf einem Foto identifiziert.“
„Danke. Ich kümmer` mich darum.“ Degenfeld erhob sich und trat nebenan ins Zimmer. Er musste einen Würgereiz unterdrücken, der Typ stank bestialisch nach Pisse und Schweiß. „David Paulsen?“ Der Angesprochene hob den Blick und starrte am Kommissar vorbei ins Leere. Scheiße – ein zugedröhnter Junkie als Zeuge!
„Sie kennen Edmund Benninger?“
„Hä? Was?“ Degenfeld schob ein Foto über den Tisch. Blutunterlaufene Augen fixierten angestrengt das Gesicht darauf. „He! Der Wichser hat mich gestern voll auflaufen lassen! Ich wollt doch nur nen klitzekleinen Schuss auf Pump. Aber der zieht `n Messer, verdammt! -Da bin ich abgehau`n.“, krächzte er heißer und spie eine Ladung Rotz auf den Boden. Angeekelt wandte sich Degenfeld ab und trat vor die Tür. Benninger ein Dealer? Der Kriminalbeamte stutzte. Er überflog das Vernehmungsprotokoll des Rentners. Die Angaben deckten sich mit denen von Paulsen, trotzdem war nicht auszuschließen, dass der Junkie da mit drin steckte. Er würde ihn vorerst in Untersuchungshaft behalten und eine Durchsuchung von Kanzlei und Wohnsitz des Vermissten anordnen. Müde gab er die entsprechenden Anweisungen und machte sich auf den Heimweg.
Gerade als er sich mit einem Glas Cognac auf die Couch lümmelte, meldete sich sein Handy. „Ja?“
„Chef, Bingo! Der Jackpot ist geknackt!“
„Wie meinen Sie das“, blaffte er den Diensthabenden an.
„Wir haben bei der Durchsuchung der Kanzlei eine beachtliche Menge Heroin gefunden.“
„Gut, danke.“ Kaum hatte er das Gespräch beendet, klingelte es erneut. „Chef, wir haben ihn!“
„Wen?“
„Benninger. Er fuhr vor etwa fünf Minuten mit seinem Wagen die Hofeinfahrt zum Haus rauf. Wir haben ihn sofort verhaftet und aufs Revier verfrachtet.“
„Ich bin unterwegs.
Der Rechtsanwalt sah fürchterlich aus. Blutergüsse überzogen sein Gesicht und die Augen waren zu schmalen Schlitzen geschwollen, die Mundwinkel blutverkrustet. Wie Silvester Stallone in seinen besten Zeiten, dachte Degenfeld erschrocken. Einen Arm hielt er seltsam verdreht in Schonhaltung vor dem Körper. Es widerstrebte dem Kommissar, den so Geschundenen in diesem Zustand auch noch zu vernehmen, aber er wusste aus Erfahrung, dass die meisten Täter im Moment des ersten Schocks noch am zugänglichsten waren.
„Herr Benninger, ich bin Kommissar Degenfeld. Ich möchte Ihnen ein paar Fragen stellen, bevor wir Sie ärztlicher Behandlung übergeben. Wir haben einen Zeugen vernommen, der Sie des Handels mit Drogen beschuldigt hat und bei der Durchsuchung ihrer Kanzlei haben wir Heroin sichergestellt.“ Degenfeld machte eine Pause und beobachtete Benningers Reaktion. Der stieß einen Seufzer aus und ließ die Schultern hängen. „Hat wohl keinen Zweck zu leugnen, was?“ Er lachte bitter. „Meinen gutsituierten Ruhestand kann ich dann wohl auch vergessen, wie?“
„Herr Benninger, dass wir Sie wegen Drogenhandels festnehmen müssen ist Ihnen klar. Aber wer um Himmels Willen hat sie so zugerichtet?“
Benninger wollte zu einer Antwort ansetzen, als er ohnmächtig zusammensackte.

„Süßer, das war ein genialer Coup. Magdalena lag nackt auf den zerwühlten Laken und ließ ihre Finger über den muskulösen Brustkorb ihres Liebsten wandern.
„Hmm. Er hat gesungen wie ein Operntenor, als ich ihn nach seinen Kontaktmännern gefragt hab.“
„Der Scheißkerl hat mich jahrelang um meinen Anteil betrogen! Zugewinngemeinschaft – dass ich nicht lache! Wird er dichthalten?“
„Klar, er weiß, dass wir ihn sonst mit dranhängen.“
Er küsste sie leidenschaftlich. Es klopfte energisch an der Tür ihrer Hotelsuite. Magdalena öffnete im Morgenmantel. Im Flur standen zwei zyprische Polizeibeamte. „Frau Magdalena Benninger, Sie sind vorläufig festgenommen. Sie werden der Mittäterschaft an der Entführung und schweren Körperverletzung Ihres Ehemannes Edmund Benninger, sowie des Drogenhandels verdächtigt.“



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Ernst Clemens
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 14:29    Titel: Antworten mit Zitat

hallo madame.....

also die geschichte ist flott geschrieben, das steht fest.

was die fakten anbelangt bin ich mir nicht so sicher. vielleicht habe ich etwas überlesen? das ganze war zumindest beim ersten lesen nicht schlüssig für mich.

Noch etwas kleinkram:
Zitat:
Die aufflammende Glut einer Zigarette durchbrach die Dunkelheit wie ein Leuchtfeuer.
das bild vom leuchtturm/leuchtfeuer erscheint mir hier zu stark (auch wenn der drogenabhängige DRINGEND stoff braucht). Vielleicht schreibst du, dass es ihm wie ein Leuchtturm im Sturm vorkommt?





Zitat:
Eisgraue Augen musterten ihn abschätzig:
das funktioniert nicht, weil es dunkel ist. da kann man keine augenfarbe erkennen.

Zitat:
Ihre Augen waren verquollen, die Nase vom Weinen gerötet.
die augen sind vom weinen gerötet. aber die nase? (oder ist die ärmste auch noch erkältet?)

Zitat:
„Dürfte ich vielleicht einen Blick auf seine E-Mail Korrespondenz werfen?“
als leser bin ich davon ausgegangen, dass das gespräch auf der polizeidienststelle stattfindet. deshalb kommt mir das mit dem computer zu unvermittelt. sicher hat die ehefrau das notebook nicht unter dem arm mitgebracht..



Zitat:
Einige Stunden später saß Benninger fluchend hinter seinem Schreibtisch.
du meinst degenfeld

Zitat:
„Kommissar, in Verhörraum 2 wartet ein gewisser David Paulsen.
auch das kommt zu überraschend. wer hat paulsen verhaftet? und warum? (ich gehe davon aus, dass ihn der miteigentümer der kanzlei verpfiffen hat?)

Zitat:
Benninger wollte zu einer Antwort ansetzen, als er ohnmächtig zusammensackte.
den guten benninger hast du aber lieblos (und grundlos) von der bildfläche verschwinden lassen. warum wurde er ohnmächtig, nachdem er vorher (trotz verletzung) ins revier kam und aussagen konnte. das ist für mich nicht nachvollziehbar.

Zitat:
„Hmm. Er hat gesungen wie ein Operntenor, als ich ihn nach seinen Kontaktmännern gefragt hab.“
„Der Scheißkerl hat mich jahrelang um meinen Anteil betrogen! Zugewinngemeinschaft – dass ich nicht lache! Wird er dichthalten?“
wer spricht hier den ersten satz? der zweite wird vom miteigentümer gesprochen.

fazit: nimm die geschichte nochmals unter die lupe und lies sie mit den augen des (unwissenden) lesers.

herzliche grüße
ernst
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Gast3
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 14:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo MadameMimm,

erst einmal etwas, das mir spontan aufgefallen ist:
Dürfte ich vielleicht einen Blick auf seine E-Mail Korrespondenz werfen?“
„Natürlich. Steht im Arbeitszimmer.

Es ist schon klar, was du meinst, aber die Korrespondenz an sich steht nicht im Arbeitszimmer.

Über das „zyprisch“ bin ich gestolpert, das kam mir falsch vor; aber nachdem ich gegoogelt habe, gibt es wohl zwei Schreibweisen.

Die rote Nase dagegen finde ich nicht unpassend. Wenn man weint, läuft die Nase eben auch, und wird mit der Zeit durchaus auch rot.


Selbst auf die Gefahr hin, dass ich mich jetzt blamiere. Aber ich verstehe grad noch nicht, wer der Süße ist. Erst dachte ich David, aber der Satz mit den Kontaktdaten passt dann ja nicht. Also ist es der Polizist, mit dem sich die Ehefrau nach Zypern abgesetzt hat?

Liebe Grüße
schneestern


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Ernst Clemens
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 14:55    Titel: Antworten mit Zitat

@ schneestern: bin ich froh, dass ich nicht der einzige bin, der nicht voll durchblickt bei diesem krimi!

ernst
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MadameMimm
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 15:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke euch Zweien! Das hat mir schon mal sehr geholfen. Ich werde mich sofort dransetzen und die Feinheiten noch einmal rausarbeiten.

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Gast3
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 15:04    Titel: Antworten mit Zitat

@ Ernst: Na, dann willkommen im Club  Smile

Aber ich gehe jetzt einfach davon aus, dass wir bald aufgeklärt werden.

schneestern


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MadameMimm
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 15:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Okay, überarbeitete und (hoffentlich) klarere Version... Confused

Trügerische Versuchung
Die aufflammende Glut einer Zigarette durchbrach die Nacht wie ein Leuchtfeuer. David schwankte auf den Lichtpunkt zu. Seine Hände zitterten, kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn. Das Blut rauschte in seinen Ohren und ein Gedanke kreiste unaufhörlich in seinem Kopf wie ein Brummkreisel: Ich brauch` Stoff! Das Flüstern im Schatten versprach Glückseligkeit: „So wie du aussiehst, kannst du `ne kleine Aufmunterung gebrauchen. Hier hab ich was für dich. Zwanzig Mäuse und du katapultierst dich damit direkt in den Himmel.“
„I-ich ha-hab grad nichts flüssig.“
„Tja dann. Bye, bye, Kleiner.“
„Hey Mann, komm schon, ich brauch` was. Lass mich anschreiben, kriegst es nächstes Mal garantiert.“
Der Mann im Dunkeln wandte sich verächtlich schnaubend zum Gehen.
„He du Scheißkerl! Her mit dem Stoff!“ David sprang ihn von hinten an. Blitzschnell drehte sich sein Gegner um und hielt ihm im gleichen Moment ein Messer unter die Nase. „Verschwinde, oder ich schlitz dich auf wie `ne Weihnachtsgans.“
David starrte einen Moment auf die Klinge, da gab sein löchriger Verstand auch schon den Befehl zum Rückzug. Fluchend und schwankend verschwand er zwischen den Bäumen.

„Herr Kommissar, bitte kommen Sie herein. Sie müssen mir helfen! Mein Mann… er ist gestern Abend nicht nach Hause gekommen und… und er hat sich seither auch nicht gemeldet.“ Kommissar Degenfeld betrachtete die Ehefrau des Rechtsanwalts Benninger mit prüfendem Blick. Ihre Augen waren verquollen, die Nase vom Weinen gerötet. Sie machte den Eindruck, als hätte sie die ganze Nacht wach gelegen, ihr kurzes braunes Haar stand in wirren Büscheln vom Kopf.
„Wir werden tun, was in unserer Macht steht. Zunächst einmal muss ich wissen – und verzeihen Sie mir meine Direktheit – hat Ihr Mann vielleicht eine Affäre?“
Magdalena Benninger atmete zitternd ein bevor sie mit fester Stimme antwortete: „Ausgeschlossen, unsere Ehe ist – nun ja – leidenschaftlich.“ Sie senkte den Blick.
„Und sie wissen nicht, ob Ihr Mann gestern Abend noch einen Klienten getroffen hat?“ Kopfschütteln.
„Nun gut, ich werde zunächst einmal eine Handyortung veranlassen.“ Degenfeld gab die Anweisung telefonisch weiter. „Dürfte ich vielleicht einen Blick auf seine E-Mail Korrespondenz werfen?“
„Natürlich. Der Computer steht im Arbeitszimmer. Herr Kommissar, sie finden meinen Mann, oder?“ – Der Rechner erwachte brummend zum Leben. Kein Passwort versperrte den Zugang zum Postfach des Anwalts. Bereits die erste Mail brachte den Kommissar ins Grübeln. Sie war von gestern und lautete: Treff heute Stadtpark 22.30 Uhr. Der Absender bestand aus einem Buchstaben- und Zahlensalat.
„Frau Benninger, ich muss das Notebook ihres Mannes mitnehmen, damit unsere IT-Experten herausfinden, von wem dieser Text stammt.“ Magdalena nickte stumm.
„Wenn sich in der Zwischenzeit etwas Neues ergibt, melden Sie sich bitte unverzüglich auf dem Revier. Ich werde einen Streifenwagen vor Ihrem Haus postieren, damit uns nichts entgeht. Die Fahndung läuft bereits. Auf Wiedersehen.“
Einige Stunden später saß Degenfeld fluchend hinter seinem Schreibtisch. Die Handyortung war genauso ergebnislos verlaufen wie die Überprüfung der Mailadresse. Angeblich gehörte sie zu einem Server in Sibirien. Er nahm die Brille ab und rieb sich die Nasenflügel. Es klopfte leise an der Tür zum Dienstzimmer.
„Kommissar, in Verhörraum 2 wartet ein gewisser David Paulsen. Er hat Benninger wohl gestern Abend im Park getroffen.“ Ein junger Beamter reichte ihm ein Blatt Papier. „Zuerst hat er abgestritten, den Vermissten zu kennen, aber ein Rentner mit seinem Hund hat die Beiden im Park streiten sehen. Er konnte sich an David erinnern und hat auch Benninger auf einem Foto identifiziert.“
„Danke. Ich kümmer` mich darum.“ Degenfeld erhob sich und trat nebenan ins Zimmer. Er musste einen Würgereiz unterdrücken, der Typ stank bestialisch nach Pisse und Schweiß. „David Paulsen?“ Der Angesprochene hob den Blick und starrte am Kommissar vorbei ins Leere. Scheiße – ein zugedröhnter Junkie als Zeuge!
„Sie kennen Edmund Benninger?“
„Hä? Was?“ Degenfeld schob ein Foto über den Tisch. Blutunterlaufene Augen fixierten angestrengt das Gesicht darauf. „He! Der Wichser hat mich gestern voll auflaufen lassen! Ich wollt doch nur nen klitzekleinen Schuss auf Pump. Aber der zieht `n Messer, verdammt! -Da bin ich abgehau`n.“, krächzte er heißer und spie eine Ladung Rotz auf den Boden. Angeekelt wandte sich Degenfeld ab und trat vor die Tür. Benninger ein Dealer? Der Kriminalbeamte stutzte. Er überflog das Vernehmungsprotokoll des Rentners. Die Angaben deckten sich mit denen von Paulsen, trotzdem war nicht auszuschließen, dass der Junkie da mit drin steckte. Er würde ihn vorerst in Untersuchungshaft behalten und eine Durchsuchung von Kanzlei und Wohnsitz des Vermissten anordnen. Müde gab er die entsprechenden Anweisungen und machte sich auf den Heimweg.
Gerade als er sich mit einem Glas Cognac auf die Couch lümmelte, meldete sich sein Handy. „Ja?“
„Chef, Bingo! Der Jackpot ist geknackt!“
„Wie meinen Sie das“, blaffte er den Diensthabenden an.
„Wir haben bei der Durchsuchung der Kanzlei eine beachtliche Menge Heroin gefunden.“
„Gut, danke.“ Kaum hatte er das Gespräch beendet, klingelte es erneut. „Chef, wir haben ihn!“
„Wen?“
„Benninger. Er fuhr vor etwa fünf Minuten mit seinem Wagen die Hofeinfahrt zum Haus rauf. Wir haben ihn sofort verhaftet und aufs Revier verfrachtet.“
„Ich bin unterwegs.
Der Rechtsanwalt sah fürchterlich aus. Blutergüsse überzogen sein Gesicht und die Augen waren zu schmalen Schlitzen geschwollen, die Mundwinkel blutverkrustet. Wie Silvester Stallone in seinen besten Zeiten, dachte Degenfeld erschrocken. Einen Arm hielt er seltsam verdreht in Schonhaltung vor dem Körper. Es widerstrebte dem Kommissar, den so Geschundenen in diesem Zustand auch noch zu vernehmen, aber er wusste aus Erfahrung, dass die meisten Täter im Moment des ersten Schocks noch am zugänglichsten waren.
„Herr Benninger, ich bin Kommissar Degenfeld. Ich möchte Ihnen ein paar Fragen stellen, bevor wir Sie ärztlicher Behandlung übergeben. Wir haben einen Zeugen vernommen, der Sie des Handels mit Drogen beschuldigt hat und bei der Durchsuchung ihrer Kanzlei haben wir Heroin sichergestellt.“ Degenfeld machte eine Pause und beobachtete Benningers Reaktion. Der stieß einen Seufzer aus und ließ die Schultern hängen. „Hat wohl keinen Zweck zu leugnen, was?“ Er lachte bitter. „Meinen gutsituierten Ruhestand kann ich dann wohl auch vergessen, wie?“
„Herr Benninger, dass wir Sie wegen Drogenhandels festnehmen müssen ist Ihnen klar. Aber wer um Himmels Willen hat sie so zugerichtet?“
Und Edmund Benninger packte aus.

„Das war ein genialer Coup. Magdalena lag nackt auf den zerwühlten Laken und ließ ihre Finger über den muskulösen Brustkorb ihres Liebhabers wandern.
„Nicht wahr? Er hat gesungen wie ein Operntenor, als ich ihn nach seinen Kontaktmännern gefragt hab, Süße.“
„Der Scheißkerl hat mich jahrelang um meinen Anteil betrogen! Zugewinngemeinschaft – dass ich nicht lache! Wird er dichthalten?“
„Klar, er weiß, dass wir ihn sonst mit dranhängen.“
Er küsste sie leidenschaftlich. Es klopfte energisch an der Tür ihrer Hotelsuite. Magdalena öffnete im Morgenmantel. Im Flur standen zwei zyprische Polizeibeamte. „Frau Magdalena Benninger, Sie sind vorläufig festgenommen. Sie werden der Mittäterschaft an der Entführung und schweren Körperverletzung Ihres Ehemannes Edmund Benninger, sowie des Drogenhandels verdächtigt.“

P.S. Der Liebhaber ist einfach nur der Liebhaber und derjenige, der Benninger zusammengeschlagen hat.


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The Brain
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 15:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
melde geflissentlich - Nummer drei, die hier nicht so recht weiß, wer wie was ...

Also die Frau wurde betrogen - entnehme ich aus der Zugewinngemeinschaft, aber wieso hat sie ihn entführt - und mit welchem Polizeibeamten liegt sie im Bett? Fragen über Fragen!


Gut geschrieben, ein paar Sachen gäb´s noch  ... aber vielleicht erst einmal die Klärung der Fragen?

Liebe Grüße

The Brain


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MadameMimm
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 16:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe The Brain,

Ja, die Frau wurde betrogen und zwar um das Geld, welches ihr sauberer Ehemann jahrelang durch seine Drogengeschäfte dazu verdient hat.

Sie hat den Ehemann von ihrem Liebhaber (wer der ist ist nicht näher bekannt, da nur Nebenfigur) entführen und foltern lassen, um an die Namen der Dealer zu kommen. Sie will die Geschäfte ihres Mannes weiter führen.

Alles klar? Wenn nicht:  Shocked Oje, wie sag ichs meinem Kinde???


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Ernst Clemens
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 16:07    Titel: Antworten mit Zitat

hallo tanja,

OK, jetzt ist schon mal klar, dass der liebhaber derjenige ist, der bennigner zusammengeschlagen hat.......aber genau weiß ich erst, seit ich dein PS gelesen habe. kennst du einen krimi, bei dem der autor die auflösung per PS liefert? ich nicht, sorry.....

noch kleinigkeiten:


Zitat:
Blutergüsse überzogen sein Gesicht und die Augen waren zu schmalen Schlitzen geschwollen
- nicht die augen sind geschwollen, sondern das "fleisch" außenrum.

Zitat:
Der Scheißkerl hat mich jahrelang um meinen Anteil betrogen! Zugewinngemeinschaft – dass ich nicht lache! Wird er dichthalten?“
- ich hatte beim ersten lesen die zugewinngemeinschaft auf die partnerschaft in der kanzlei (benninger & partner) bezogen. aber du hast recht: der begriff "zugewinngemeinschaft" kommt anscheinend aus dem ehe- und erbrecht. da war ich also auf dem holzweg.

Zitat:
aber ein Rentner mit seinem Hund hat die Beiden im Park streiten sehen. Er konnte sich an David erinnern und hat auch Benninger auf einem Foto identifiziert.“
es war immer noch NACHT, also kaum möglich, jemanden genau zu erkennen. oder haben die beiden den handel direkt unter einer laterne (also in aller öffentlichkeit) betrieben? das wäre wenig glaubhaft. solche geschäfte werden im schutz der dunkelheit gemacht.

herzliche grüße
ernst
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MadameMimm
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 16:11    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lieber Ernst, du bist ein Schatz!  rotwerd
Schön, dass du dich so aufmerksam mit meinem "Baby" beschäftigst.
Auch diesmal werde ich deine Anmerkungen aufs Schärfste prüfen und vor allem das Ende noch einmal anschauen. Dir ein ganz dickesDanke!


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Gast3
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 16:31    Titel: Antworten mit Zitat

Oh mei, ich kann Ernst die Hand geben, ich bin trotz Überarbeitung auch erst nach deinem PS auf den Täter gekommen. Wenn man es dann weiß, ist es eigentlich ganz logisch  Smile
Was mich immer noch so draus bringt, ist dieses "... gesungen wie ein Operntenor". Vielleicht, wenn du noch so etwas in der Art wie "Meiner Faust ist er keine Antwort schuldig geblieben" einfügen würdest, wäre es viel klarer. Außer natürlich jetzt, du willst bewusst, dass man nicht sooo leicht dahinter kommt  Smile

Lieben Gruß
schneestern


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MadameMimm
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 17:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Schneestern,

witzig, ich hab so etwas ähnliches noch eingebaut, damit es klarer wird. Guckst du hier:


„Erzähl mir noch mal, wie du es angestellt hast.“ Magdalena lag nackt auf den zerwühlten Laken und ließ ihre Finger über den muskulösen Brustkorb ihres Liebhabers wandern.
„Ich musste ihm ein wenig auf die Sprünge helfen, aber dann hat er gesungen wie ein Operntenor. Die Namen seiner Lieferanten sprudelten geradezu aus ihm heraus. So ein Lötkolben ist ein vielseitiges Werkzeug.“
„Der Scheißkerl hat mich jahrelang um meinen Anteil betrogen! Zugewinngemeinschaft – dass ich nicht lache! Wird er dichthalten?“
„Klar, er weiß, dass wir ihn sonst mit dranhängen.“
Es klopfte energisch an der Tür ihrer Hotelsuite. Magdalena öffnete im Morgenmantel. Im Flur standen zwei Polizeibeamte. „Frau Magdalena Benninger, Sie sind vorläufig festgenommen. Sie werden der Mittäterschaft an der Entführung und schweren Körperverletzung Ihres Ehemannes Edmund Benninger, sowie des Drogenhandels verdächtigt.“

Ich hoffe, jetzt funktioniert es... Sonst muss ich doch noch vor Verzweiflung von der nächsten Brücke springen.  Laughing


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Paddy
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 17:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich habe nur die beiden ersten Absätze gelesen. Irgendwie muss der obere Teil mit David meines Erachtens von der Geschichte des Kommissars/der Ehefrau getrennt werden.

Außerdem gehlt mir der Hinweis, wo sich das Gespräch mit dem Kommissar abspielt.
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Gast3
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 17:33    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Madame Mimm,

dukannst mich jetzt erschlagen, wahlweise springe ich auch selber von der Brücke  Smile
In der überarbeiteten version lese ich:

Und Edmund Benninger packte aus.

„Das war ein genialer Coup. Magdalena lag nackt auf den zerwühlten Laken und ließ ihre Finger über den muskulösen Brustkorb ihres Liebhabers wandern.
„Nicht wahr? Er hat gesungen wie ein Operntenor, als ich ihn nach seinen Kontaktmännern gefragt hab, Süße.“
„Der Scheißkerl hat mich jahrelang um meinen Anteil betrogen! Zugewinngemeinschaft – dass ich nicht lache! Wird er dichthalten?“
„Klar, er weiß, dass wir ihn sonst mit dranhängen.“
Er küsste sie leidenschaftlich. Es klopfte energisch an der Tür ihrer Hotelsuite. Magdalena öffnete im Morgenmantel. Im Flur standen zwei zyprische Polizeibeamte. „Frau Magdalena Benninger, Sie sind vorläufig festgenommen. Sie werden der Mittäterschaft an der Entführung und schweren Körperverletzung Ihres Ehemannes Edmund Benninger, sowie des Drogenhandels verdächtigt.“

P.S. Der Liebhaber ist einfach nur der Liebhaber und derjenige, der Benninger zusammengeschlagen hat.


Da steht nix von Lötkolben. Hilfe, gehts jetzt bei mir los??

Verwirrte Grüße
schneestern


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MadameMimm
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 17:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Schneestern,

das steht auch nicht in der überarbeiteten Version, sondern in meiner vorherigen Antwort Laughing

Aber damit es jetzt endgültig kompliziert wird stelle ich hier noch einmal die komplette Fassung (die dritte Version) ein.

Wenn es funktioniert, lösche ich Version zwei gleich auch noch...

... Mist! Geht leider nicht mehr. Also: Für alle, die noch nicht die Nase voll haben: Meine letzte Fassung. Here we go!

Trügerische Versuchung

Die aufflammende Glut einer Zigarette durchbrach die Nacht wie ein Leuchtfeuer. David schwankte auf den Lichtpunkt zu. Seine Hände zitterten, kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn. Das Blut rauschte in seinen Ohren und ein Gedanke kreiste unaufhörlich in seinem Kopf wie ein Brummkreisel: Ich brauch` Stoff! Das Flüstern im Schatten versprach Glückseligkeit: „So wie du aussiehst, kannst du `ne kleine Aufmunterung gebrauchen. Hier hab ich was für dich. Zwanzig Mäuse und du katapultierst dich damit direkt in den Himmel.“
„I-ich ha-hab grad nichts flüssig.“
„Tja dann. Bye, bye, Kleiner.“
„Hey Mann, komm schon, ich brauch` was. Lass mich anschreiben, kriegst es nächstes Mal garantiert.“
Der Mann im Dunkeln wandte sich verächtlich schnaubend zum Gehen.
„He du Scheißkerl! Her mit dem Stoff!“ David sprang ihn von hinten an. Blitzschnell drehte sich sein Gegner um und hielt ihm im gleichen Moment ein Messer unter die Nase. „Verschwinde, oder ich schlitz dich auf wie `ne Weihnachtsgans.“
David starrte einen Moment auf die Klinge, da gab sein löchriger Verstand auch schon den Befehl zum Rückzug. Fluchend und schwankend verschwand er zwischen den Bäumen.

„Herr Kommissar, bitte kommen Sie herein. Sie müssen mir helfen! Mein Mann… er ist gestern Abend nicht nach Hause gekommen und… und er hat sich seither auch nicht gemeldet.“ Kommissar Degenfeld betrachtete die Ehefrau des Rechtsanwalts Benninger mit prüfendem Blick. Ihre Augen waren verquollen, die Nase vom Weinen gerötet. Sie machte den Eindruck, als hätte sie die ganze Nacht wach gelegen, ihr kurzes braunes Haar stand in wirren Büscheln vom Kopf.
„Wir werden tun, was in unserer Macht steht. Zunächst einmal muss ich wissen – und verzeihen Sie mir meine Direktheit – hat Ihr Mann vielleicht eine Affäre?“
Magdalena Benninger atmete zitternd ein bevor sie mit fester Stimme antwortete: „Ausgeschlossen, unsere Ehe ist – nun ja – leidenschaftlich.“ Sie senkte den Blick.
„Und sie wissen nicht, ob Ihr Mann gestern Abend noch einen Klienten getroffen hat?“ Kopfschütteln.
„Nun gut, ich werde zunächst einmal eine Handyortung veranlassen.“ Degenfeld gab die Anweisung telefonisch weiter. „Dürfte ich vielleicht einen Blick auf seine E-Mail Korrespondenz werfen?“
„Natürlich. Der Computer steht im Arbeitszimmer. Herr Kommissar, sie finden meinen Mann, oder?“ – Der Rechner erwachte brummend zum Leben. Kein Passwort versperrte den Zugang zum Postfach des Anwalts. Bereits die erste Mail brachte den Kommissar ins Grübeln. Sie war von gestern und lautete: Treff heute Stadtpark 22.30 Uhr. Der Absender bestand aus einem Buchstaben- und Zahlensalat.
„Frau Benninger, ich muss das Notebook ihres Mannes mitnehmen, damit unsere IT-Experten herausfinden, von wem dieser Text stammt.“ Magdalena nickte stumm.
„Wenn sich in der Zwischenzeit etwas Neues ergibt, melden Sie sich bitte unverzüglich auf dem Revier. Ich werde einen Streifenwagen vor Ihrem Haus postieren, damit uns nichts entgeht. Die Fahndung läuft bereits. Auf Wiedersehen.“
Einige Stunden später saß Degenfeld fluchend hinter seinem Schreibtisch. Die Handyortung war genauso ergebnislos verlaufen wie die Überprüfung der Mailadresse. Angeblich gehörte sie zu einem Server in Sibirien. Er nahm die Brille ab und rieb sich die Nasenflügel. Es klopfte leise an der Tür zum Dienstzimmer.
„Kommissar, in Verhörraum 2 wartet ein gewisser David Paulsen. Er hat Benninger wohl gestern Abend im Park getroffen.“ Ein junger Beamter reichte ihm ein Blatt Papier. „Zuerst hat er abgestritten, den Vermissten zu kennen, aber ein Rentner mit seinem Hund hat die Beiden im Park streiten sehen. Er konnte sich an David erinnern und hat auch Benninger auf einem Foto identifiziert.“
„Danke. Ich kümmer` mich darum.“ Degenfeld erhob sich und trat nebenan ins Zimmer. Er musste einen Würgereiz unterdrücken, der Typ stank bestialisch nach Pisse und Schweiß. „David Paulsen?“ Der Angesprochene hob den Blick und starrte am Kommissar vorbei ins Leere. Scheiße – ein zugedröhnter Junkie als Zeuge!
„Sie kennen Edmund Benninger?“
„Hä? Was?“ Degenfeld schob ein Foto über den Tisch. Blutunterlaufene Augen fixierten angestrengt das Gesicht darauf. „He! Der Wichser hat mich gestern voll auflaufen lassen! Ich wollt doch nur nen klitzekleinen Schuss auf Pump. Aber der zieht `n Messer, verdammt! -Da bin ich abgehau`n.“, krächzte er heißer und spie eine Ladung Rotz auf den Boden. Angeekelt wandte sich Degenfeld ab und trat vor die Tür. Benninger ein Dealer? Der Kriminalbeamte stutzte. Er überflog das Vernehmungsprotokoll des Rentners. Die Angaben deckten sich mit denen von Paulsen, trotzdem war nicht auszuschließen, dass der Junkie da mit drin steckte. Er würde ihn vorerst in Untersuchungshaft behalten und eine Durchsuchung von Kanzlei und Wohnsitz des Vermissten anordnen. Müde gab er die entsprechenden Anweisungen und machte sich auf den Heimweg.
Gerade als er sich mit einem Glas Cognac auf die Couch lümmelte, meldete sich sein Handy. „Ja?“
„Chef, Bingo! Der Jackpot ist geknackt!“
„Wie meinen Sie das“, blaffte er den Diensthabenden an.
„Wir haben bei der Durchsuchung der Kanzlei eine beachtliche Menge Heroin gefunden.“
„Gut, danke.“ Kaum hatte er das Gespräch beendet, klingelte es erneut. „Chef, wir haben ihn!“
„Wen?“
„Benninger. Er fuhr vor etwa fünf Minuten mit seinem Wagen die Hofeinfahrt zum Haus rauf. Wir haben ihn sofort verhaftet und aufs Revier verfrachtet.“
„Ich bin unterwegs.
Der Rechtsanwalt sah fürchterlich aus. Blutergüsse überzogen sein Gesicht und die Augen waren beinahe vollständig zugeschwollen, die Mundwinkel blutverkrustet. Wie Silvester Stallone in seinen besten Zeiten, dachte Degenfeld erschrocken. Die Arme waren mit Brandwunden übersäht. Es widerstrebte dem Kommissar, den so Geschundenen in diesem Zustand auch noch zu vernehmen, aber er wusste aus Erfahrung, dass die meisten Täter im Moment des ersten Schocks noch am zugänglichsten waren. „Herr Benninger, ich bin Kommissar Degenfeld. Ich möchte Ihnen ein paar Fragen stellen, bevor wir Sie ärztlicher Behandlung übergeben. Wir haben einen Zeugen vernommen, der Sie des Handels mit Drogen beschuldigt hat und bei der Durchsuchung ihrer Kanzlei haben wir Heroin sichergestellt.“ Degenfeld machte eine Pause und beobachtete Benningers Reaktion. Der stieß einen Seufzer aus und ließ die Schultern hängen. „Hat wohl keinen Zweck zu leugnen, was?“ Er lachte bitter. „Meinen gutsituierten Ruhestand kann ich dann wohl auch vergessen, wie?“
„Herr Benninger, dass wir Sie wegen Drogenhandels festnehmen müssen ist Ihnen klar. Aber wer um Himmels Willen hat sie so zugerichtet?“
Und Edmund Benninger packte aus.

„Erzähl mir noch mal, wie du es angestellt hast.“ Magdalena lag nackt auf den zerwühlten Laken und ließ ihre Finger über den muskulösen Brustkorb ihres Liebhabers wandern.
„Ich musste ihm ein wenig auf die Sprünge helfen, aber dann hat er gesungen wie ein Operntenor. Die Namen seiner Lieferanten sprudelten geradezu aus ihm heraus. So ein Lötkolben ist ein vielseitiges Werkzeug.“
„Der Scheißkerl hat mich jahrelang um meinen Anteil betrogen! Zugewinngemeinschaft – dass ich nicht lache! Wird er dichthalten?“
„Klar, er weiß, dass wir ihn sonst mit dranhängen.“
Es klopfte energisch an der Tür ihrer Hotelsuite. Magdalena öffnete im Morgenmantel. Im Flur standen zwei Polizeibeamte. „Frau Magdalena Benninger, Sie sind vorläufig festgenommen. Sie werden der Mittäterschaft an der Entführung und schweren Körperverletzung Ihres Ehemannes Edmund Benninger, sowie des Drogenhandels verdächtigt.“


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Gast3
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BeitragVerfasst am: 18.08.2010 18:04    Titel: Antworten mit Zitat

Ohje, ich hatte es so verstanden, dass du mich mit dem "Guckst du" darauf aufmerksam machen wolltest, dass ich deinen Einschub überlesen hatte. Ja, da stand ich auf der Leitung  Smile
Aber dafür bin ich jetzt auch restlos zufrieden - die 3. Version ist gekauft!!

Wünsche dir einen schönen Abend
schneestern


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Ruthi
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Beiträge: 274



BeitragVerfasst am: 19.08.2010 15:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Tanja,
Ich habe direkt die 3. Version gelesen, also sei nicht böse, wenn ich die Entwicklung bis zu dieser Fassung nicht berücksichtige.
Dann komm ich mal zu den kleinen und großen Erbsen:

Zitat:
die Nase vom Weinen gerötet

mag kleinlich sein, aber für mich hat es sich gelesen, als hätte die Nase geweint smile

Zitat:
Zunächst einmal muss ich wissen – und verzeihen Sie mir meine Direktheit – hat Ihr Mann vielleicht eine Affäre?“

Ich wundere mich, warum der Kommissar das fragt? Zum Einen dürfte er kaum davon ausgehen, dass die Ehefrau davon wüsste und selbst wenn es so wäre, hätte die Frau selbst schon daran gedacht dass ihr Mann dort sein könnte und das angesprochen. Deswegen liest sich die Frage inhaltlich unlogisch.
Zitat:

„Kommissar, in Verhörraum 2 wartet ein gewisser David Paulsen. Er hat Benninger wohl gestern Abend im Park getroffen.“

Hier interessiert mich, wie der so schnell gefunden werden konnte? Ich dachte, ein Junkie würde nach der Messerattacke erstmal verschwinden. Vielleicht könnte der Typ in der ganzen Stadt bekannt sein, oder der Rentner kannte ihn. Sonst ist es für mich unglaubwürdig, dass er nur durch den Augenzeugenbericht eines Rentners gefasst wurde. Dazu kommt, dass ich mich fragen muss, wie die Polizei darauf kam, im Park zu suchen bzw. den Rentner überhaupt zu befragen? Ich weiß, die Zeilenbegrenzung Rolling Eyes  Aber die Information fehlt mir. Der Rentner könnte auch ein Bekannter vom Vermissten sein.

Zitat:

 Ich möchte Ihnen ein paar Fragen stellen, bevor wir Sie ärztlicher Behandlung übergeben.

Wenn der Text in Deutschland spielt, kann ich mir das nicht vorstellen. Die körperliche Unversehrtheit bzw. ärztliche Hilfe müsste doch Vorrang haben?

Zum stilistischen:

Zitat:
Seine Hände zitterten, kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn. Das Blut rauschte in seinen Ohren und ein Gedanke kreiste unaufhörlich in seinem Kopf wie ein Brummkreisel

Finde ich sehr abgegriffen und wenig lebendig...Überhaupt liest sich fast jeder Satz sehr konstruiert und genau geplant. Wie gesagt, ich kenne die ersten beiden Versionen nicht, aber in diesem Text komme ich nicht in das Geschehen hinein. Ich sehe in jedem Satz den Autor dahinter sitzen, der den Satz ganz bewusst so aufgebaut hat.

Tut mir leid, dass ich so eine derb negative Kritik äußern muss, aber der Text hat mir leider nicht gefallen. Vor allem weil ich weiß, dass du es bildlicher, fesselnder und origineller kannst.  Embarassed   

Nichts für ungut!
LG Ruthi smile


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Leene
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Beiträge: 724



BeitragVerfasst am: 19.08.2010 17:23    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr, sehr gerne gelesen! Plädiere für eine Überarbeitung und deutliche Erweiterung der Geschichte.

Aber hier

MadameMimm hat Folgendes geschrieben:
Der stieß einen Seufzer aus und ließ die Schultern hängen. „Hat wohl keinen Zweck zu leugnen, was?“ Er lachte bitter. „Meinen gutsituierten Ruhestand kann ich dann wohl auch vergessen, wie?“
„Herr Benninger, dass wir Sie wegen Drogenhandels festnehmen müssen ist Ihnen klar. Aber wer um Himmels Willen hat sie so zugerichtet?“
Und Edmund Benninger packte aus.


muss ich einwerfen: Kein (vernünftiger) Rechtsanwalt würde hier ein Geständnis abgeben. Einfach so. Ne, ne.  Wink

Es grüßt vom Drogenhandel-Fach  Wink

Leene
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MadameMimm
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BeitragVerfasst am: 19.08.2010 17:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Ruthi,

Ich freue mich sehr, dass du dich mit meinem Krimi beschäftigt hast. Danke.
Die Sache mit der Nase -gut.
Das mit der Affäre ist direkt aus dem Leben gegriffen, mein Vater (Polizist) meinte, das sind so die Fragen, die man zuerst stellt, um evtl. einen Anhaltspunkt zu kriegen.

Die Polizei hat im Park gesucht, weil in der Mail ein Treffen angekündigt war.

Die ärztliche Hilfe - das ist mit Sicherheit richtig, war halt meine künstlerische Freiheit  Wink .

Dein letzter Einwand hat mich allerdings schwer geschockt, und zwar deshalb, weil er stimmt... Der Teil stammt aus der Aufgabe mit den Satzanfängen, die erweitert werden sollten und ist -hmmm- konstruiert. Aber dass man das so merkt  Embarassed hätt ich nicht gedacht.

Bildlicher, fesselnder und origineller -autsch-. Ich hatte vor diesem Text ein richtig heftiges Schreibtief, weil mir einfach kein Thema einfallen wollte, und war schon stolz darauf, endlich eins gefunden zu haben.
Tja...


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MadameMimm
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BeitragVerfasst am: 19.08.2010 17:39    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Leene,

danke für dein Lob! Das tut richtig gut und baut mein Selbstbewußtsein dann doch wieder auf. Schon interessant, wie verschieden die Ansichten sind.


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