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Eifersuchtsszene am Strand


 
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BlueNote
Geschlecht:männlichStimme der Vernunft


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Wohnort: NBY
Ei 4



BeitragVerfasst am: 10.10.2010 22:37    Titel: Eifersuchtsszene am Strand eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Eifersuchtsszene am Strand

Sehr lange sehe ich hinaus auf das grüne, weite Meer. Ein Pfad silbrigen Schimmerns hat sich dort auf das wellengekräuselte Wasser gelegt. Hell glitzerndes Schaukeln und Wippen entlang einer scharf gezeichneten Spur. Das Sonnenlicht bündelnd und wie kleine Leuchttürme, die zur Linie des Horizonts immer kleiner werden, ihr eingefangenes Licht zur Küste zurückwerfend. Bis zum Bersten gespannte Luftblasen bilden dieses Wimmeln, die in einer fast schon unanständigen Transparenz, einem erektilen Recken und Blähen, sich feucht glänzend in den Wind stemmen, um von ihm immer weiter aufs Meer hinaus getrieben zu werden. Empfindlichen Seifenblasen gleich, die träge über das Meer wandern. Man könnte meinen, dies seien die verlorenen geglaubten Träume der Ertrunken, die das Wasser zeitlebens als ihr ureigenstes Element betrachtet und die Kühle, die von ihm ausging, den Tod, für die sie als Symbol stand, ein Leben lang gesucht haben. Und irgendwann haben sie ihn dann gefunden. Jetzt wissen sie Bescheid, wie es ist, wie es sich anfühlt, wie man nun, da man tot ist, noch zu träumen versteht. Und all diese Träume schwimmen nun nutzlos umher, irgendwo auf dem Stillen Ozean, ziellos auf dem Weg nach Nirgendwo.

Man hört einen klagenden Ton über den Sand schleichen. Heitere Worte perlen herab von den schwarzen Palmblättern und fallen in das flache Uferwasser. Vielleicht erreichen sie dort die verirrten Seelen, die sich noch im Unrat suhlen und nicht wissen, ob sie tot oder lebendig sein wollen, in dieser oder in der nächsten Welt. Die Sonne steigt höher. Blauer Himmel über uns verspricht endloses Glück. Eine rote Muschel ist mein Zuhause.  

Ich ritze mit dem Messer eine gerade verlaufende Spur in deine Haut, nur ganz leicht, bis sich die ersten Tropfen Blut auf der feinen Linie bilden. Die Sonne trocknet sofort die karminrote Spur. Mir scheint, ich höre ein leises Flüstern von dir. Aber du liegst nur da, als hättest du nun plötzlich alle Zeit der Welt.  Das grüne Meer kommt näher heran, umspült deine blassen Beine. Nimmt etwas von dir mit, deine Gedanken, die bald schon entwurzelt und blaue Schnüre hinter sich herziehend und einem gehirnähnlichen, schwammigen Gebilde gleichend, stumm auf dem Ozean davon treiben. Wie portugiesische Galeeren, die ihre Segel setzen und sich immer weiter entfernen von mir. So gerne würde ich in diesen immer leerer werdenden Kopf hineinsehen, in dein Herz, das nicht mehr schlägt, in deinen Bauch, in dem das fremde Leben nun langsam erlischt. Das schwarze Messer halte ich noch fest umklammert in meiner rechten Hand. Schnell werfe ich es in den Sand. Ich möchte nicht Schuld sein an deinem Tod.

Das Kind, das diese rubinrote Teufelsgestalt in dich hineinpflanzt hat, wirst du niemals austragen. Vielleicht wird ja noch alles gut werden und du wachst auf aus deinem dunklen  Schlummer und erzählst mir, dass alles nicht wahr sei. Dass ich es war und nicht er, der mit dir an den hell strahlenden Stränden entlang spazierte. Dass ich es war und nicht er, der dich hoch in die Luft warf. Dass du es warst und niemand sonst, die nie mehr auf die Erde zurückkommen wollte. Und dass er es war, den du von oben herab ausgelacht hast und nicht ich. So hell und siegessicher, so silbern, so böse und so endgültig. Jetzt aber liegt ein sonderbarer Schatten auf deinem Gesicht. Du ruhst im Sand, als wolltest du dich mit ihm vereinen. Wie gerne wäre ich dieses eine Stück roter Erde, das du jetzt berührst.
  
Plötzlich schlägst du die Augen auf und fragst, warum es so kalt ist. Ein eisgrauer Wind weht Graupel auf deinen nackten Körper. Die Palmen neigen sich bis zum Boden und werfen ihre Wedel wütend um sich. Ich stehe auf und ziehe meinen schwarzen Mantel an. Ich sage dir: Mein Leben bestand aus vielen Farben, die sich jedoch immer nur zu einem Grau vermengten. Siehst du dort die schwarzen Wolken? Sie sind wie meine Gedanken, tropfen als Regenwasser herab zur Erde und versickern sogleich wieder. Irgendwann kommen sie erneut aus der Erde hervor und ballen sich wieder am Himmel zusammen. Immer von Neuem, aber völlig ohne einen Sinn in sich zu tragen.
  
Du willst mir nicht zuhören. Stehst auf und schaltest die Sonne wieder an. Nimmst dein Badelaken und hinterlässt Fußspuren im Sand. Ich sei wie ein kalter Spiegel, sagst du noch zu mir, ohne dich umzudrehen und verschwindest im Himmel. Ich denke lange über deine letzten Worte nach, lasse den rotblauen Sand durch meine Finger rinnen, bis ich selber darin versinke. Und die Toten bleiben tot. Aber die Lebendigen leben weiter.




Portugiesische Galeere, Quelle Wikipedia

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The Brain
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BeitragVerfasst am: 11.10.2010 08:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Blue,

sehr dicht, sehr gut ...

Muss es erst noch einige Male lesen, um es in der gesamten Konstellation zu erfassen, mir einen ausführlichen Kommentar
zuzutrauen ...


Liebe Grüße

Brain


_________________
Dinge wahrzunehmen,
der Keim der Intelligenz

(Laotse)

***********

Die Kindheit endet nicht mit dem Erwachsenwerden.
Sie begleitet dich durch all deine Lebenstage.

***********

Alle Bücher dieser Welt
Bringen dir kein Glück,
Doch sie weisen dich geheim
In dich selbst zurück.

(Hermann Hesse)
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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 11.10.2010 08:10    Titel: Antworten mit Zitat

Warum Gegenwartsform?
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Gast







BeitragVerfasst am: 11.10.2010 09:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo BN, gestern der Hammer, heute der Amboss?

dein text erinnert mich an einen wasserfarbenmalkasten, der zweistöckige, den du ein halbes leben mit dir rumschleppst, weil man den ja irgendwie nicht wegschmeissen kann...

es geht darum, dass du haufenweise verschiedene farbtöne einflichst, um sie sich dann in einer graugrünbraunen sosse auflösen zu lassen.


dass die toten tot bleiben und die lebendigen weiterleben, das war schon immer so. die frage ist: was machen die toten in den gedanken der lebenden? was machen die lebenden mit ihren toten? verscharren, vergessen?
grab markieren und totenmessen zelebrieren? sind wir menschen, weil wir begraben? sind wir tiere, weil wir das andenken an die toten vergessen und ihre leichen von aasfressern demontieren lassen und ihre knochen wie teile eines baukastens auf einer mülldeponie der ewigen verdammnis anheimfallen lassen? ich überlasse dir die antwort....


anja
verwässert
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BlueNote
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Ei 4



BeitragVerfasst am: 11.10.2010 15:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Leute!

@Lorraine
Zitat:

gestern der Hammer, heute der Amboss?

Da der Amboss den Hammerschlägen mühelos widersteht, ist das ein sehr gut gewählter Vergleich! wink

Dein Bild mit dem "Wassermalkasten" finde ich sehr gut, wird in meinem Text tatsächlich eher ein Bild gemalt oder beschrieben und weniger eine Geschichte erzählt. Ich finde das eine schöne Sichtweise:
  
Zitat:

es geht darum, dass du haufenweise verschiedene farbtöne einflichst, um sie sich dann in einer graugrünbraunen sosse auflösen zu lassen.

Zu deiner Frage:
Zitat:

[dass die toten tot bleiben und die lebendigen weiterleben, das war schon immer so. die frage ist: was machen die toten in den gedanken der lebenden? was machen die lebenden mit ihren toten? verscharren, vergessen?
grab markieren und totenmessen zelebrieren? sind wir menschen, weil wir begraben? sind wir tiere, weil wir das andenken an die toten vergessen und ihre leichen von aasfressern demontieren lassen und ihre knochen wie teile eines baukastens auf einer mülldeponie der ewigen verdammnis anheimfallen lassen? ich überlasse dir die antwort....

Oh danke!
Die Antwort ist:
Wie war nochmal die Frage? wink

@Ralphie
Zitat:

Warum Gegenwartsform?

Weil ich eher ein Bild beschreibe, als eine (bereits vergangene) Geschichte erzähle. Ein etwas surreales Bild zugegebenerweise.

@The Brain
Zitat:

Muss es erst noch einige Male lesen, um es in der gesamten Konstellation zu erfassen, mir einen ausführlichen Kommentar
zuzutrauen ...

Ach, wild heruminterpretieren macht doch Spaß! Und eigentlich steht doch alles schon im Titel!
Bin schon gespannt auf deinen Kommentar.

Be colored!

BN
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Gast







BeitragVerfasst am: 11.10.2010 15:35    Titel: Antworten mit Zitat

Salut!

Vergiss die Frage. Du schreibst, dass alles im Titel steht?


Und warum schreibst du dann den ganzen Rest?  Twisted Evil


Bon, quatsch bei seite:
Zitat:
Das Kind, das diese rubinrote Teufelsgestalt in dich hineinpflanzt hat, wirst du niemals austragen. Vielleicht wird ja noch alles gut werden und du wachst auf aus deinem dunklen Schlummer und erzählst mir, dass alles nicht wahr sei. Dass ich es war und nicht er, der mit dir an den hell strahlenden Stränden entlang spazierte. Dass ich es war und nicht er, der dich hoch in die Luft warf. Dass du es warst und niemand sonst, die nie mehr auf die Erde zurückkommen wollte. Und dass er es war, den du von oben herab ausgelacht hast und nicht ich. So hell und siegessicher, so silbern, so böse und so endgültig. Jetzt aber liegt ein sonderbarer Schatten auf deinem Gesicht. Du ruhst im Sand, als wolltest du dich mit ihm vereinen. Wie gerne wäre ich dieses eine Stück roter Erde, das du jetzt berührst.



Deine Figur scheint das alles doch sehr einseitig zu sehen...

Sie hat vielleicht überhaupt niemanden ausgelacht?

oder so

anja
zauberlehrling
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BlueNote
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Ei 4



BeitragVerfasst am: 11.10.2010 16:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zitat:

Und warum schreibst du dann den ganzen Rest?  Twisted Evil

Zeilenhonorar!
Zitat:

Deine Figur scheint das alles doch sehr einseitig zu sehen...

Sie hat vielleicht überhaupt niemanden ausgelacht?

oder so

Könnte sein! Aber so ist das halt mit den Figuren - manche sind schon recht einseitig!

BN
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lupus
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BeitragVerfasst am: 11.10.2010 18:56    Titel: Re: Eifersuchtsszene am Strand Antworten mit Zitat

hallo Bluenote,

mann, oh mann, was soll ich sagen? Ich sag's einfach. o.k.?

Es gefällt mir überhaupt nicht. Ich habe mich - weil es ein Text von dir ist - durchgequält in der Hoffnung, dass da irgendetwas kommen möge, was mich begeistert. Hab's öfter gelesen, aber leider, .... Nix

Und jetzt der Versuch zu begründen: du schreibst, du würdest ein Bild zeichnen, ein surreales/surrealistisches? Aber ich seh' nix. Ich seh kein Bild. Ich fühl nix textrelevantes, nur Leere und - sorry - Langeweile. Nicht, weil nix passiert - is nicht immer nötig - sondern weil ich einfach von einer Lawine von Adjektiven und Partizipien (in sämtlich denkbaren Varianten) zugeschüttet wurde, Adjektiven zumal, die nicht nur nicht nötig, sondern teilweise derart konzentriert daherkommen, dass meine Sensoren laut 'tilt' schreien. Reizüberflutung.

Es geht sogar so weit, dass das Flüstern leise zu sein hat, Seifenblasen sind zu meiner Verwunderung empfindlich, Gedanken sind nicht nur gehirnähnlich sondern auch schwammig.

Schon das erste Wort hat mich rauskatapultiert. Nicht nur lange, nein sehr lange. Wie lange nun lange ist, ist abgesehen davon, dass ausnehmend unpräzise auch für jeden Leser anders lange. Es sagt im Grunde nichts aus. Das dafür sehr.

Mein Gefühl: du zeichnest kein Bild, weil du eigentlich nicht weißt was du zeichnen willst, mit jedem Wort übermalst du das andere, was übrig bleibt is ein riesiger Farbklecks. Man kann in einen Farbklecks was reininterpretieren, eine Metaebene herbeidiskutieren und aus einem solchen Klecks deine Geschichte zaubern. Umgekehrt funktioniert das glaub ich nicht. Wenn dann nicht so. Würdest du alle Adjektive streichen, alle Zusatzinformationen zu den Zusatzinformationen, blieben 10 Zeilen übrig. Und ein Bild. Das wär dann zwar mein ganz persönliches Bild, aber immerhin.

Sorry, BN, es tut mir fast weh, dir sowas sagen zu müssen, aber naja, is ja eh nur meine Meinung

gblgl


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lg Wolfgang

gott ist nicht tot noch nicht aber auf seinem rückzug vom schlachtfeld des krieges den er begonnen hat spielt er verbrannte erde mit meinem leben

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"Ich bin leicht zu verführen. Da muss nur ein fremder Mann herkommen, mir eine Eiskugel kaufen und schon liebe ich ihn, da bin ich recht naiv. " (c) by Hubi
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Gast







BeitragVerfasst am: 11.10.2010 19:03    Titel: Antworten mit Zitat

BN, der Amboss ist doch hoffentlich nicht aus Aluminium?

@ lupus
Hättest du uns nicht die zehn Zeilen deiner Sicht des Kleckses einfach hierhereinstellen mögen, oder auch nur als Ton, du hast doch eine schöne Stimme... Du hast dich bei anderen Texten viel mehr engagiert, und hier könnte doch etwas daraus werden, wenn du deine Zusammenarbeit trotz Zeitmangel ein bisschen ausbauen würdest.

anja
abwartend
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lupus
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BeitragVerfasst am: 11.10.2010 19:08    Titel: Antworten mit Zitat

nein, Lorraine

Bluenote weiß genau was er macht, es kommt nicht von ungefähr, dass alles so dasteht wie es da steht. ME is es daneben gegangen, würde ich da jetzt anfangen herumzuschustern, wäre es mein Text, nicht mehr der vom BN, selbst wenn BN herumdoktern würd ... es wär ein völlig anderer Text, mit anderer Intention ....

mE gibt's hier nix zu verändern. mE war das ein Experiment, mE is es mißglückt ..... m(!)E


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BeitragVerfasst am: 11.10.2010 19:57    Titel: Antworten mit Zitat

BN und lupus,

das forum scheint voller missglückter experimente zu sein, na ja, man kann ja lernen sich klarer auszudrücken. mein experiment ist auch missglückt, aber ich kann ja noch mal dein leises gemurmel anhören gehen, schade.

 Aua

ich wollte mir schon seit längerem "la chanson d'helène" auf der gitarre beibringen, die zeit ist reif. schluchz
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lupus
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BeitragVerfasst am: 11.10.2010 20:05    Titel: Antworten mit Zitat

Lorraine, ich schick dir  dann eine PN, muss nur eben die dogs walken gehen

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ELsa
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Alter: 69
Beiträge: 1492



BeitragVerfasst am: 11.10.2010 20:16    Titel: Re: Eifersuchtsszene am Strand Antworten mit Zitat

Lieber BN,

nun, ja, ich habs gelesen, weil ich sehr gern deine Werke lese.
Aber hier, ehrlich gesagt, ist alles so dick, dass ich als Leserin keinen Raum dazwischen finden, herauszufinden, was der Kern des Ganzen sein mag.
  
Eine Fantasie eines Mannes über die Schwangerschaft seiner Frau, die von einem anderen geschwängert wurde? Warum dann diese ausufernden Wellen/Meeres u.s.w. Beschreibungen?

Ich komme nicht klar damit.

Liebe Grüße
ELsa


_________________
--
schreiben ist atmen
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Gast3
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BeitragVerfasst am: 11.10.2010 20:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hui BlueNote,

da sind aber wirklich viele Adjektive drin. Und ehrlich gesagt, versteh ich die Geschichte auch nicht so recht. Wahrscheinlich ist surreal einfach nicht das Richtige für mich  Crying or Very sad

Lieben Gruß
schneestern


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Sich vergleichen, ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.
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BlueNote
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Ei 4



BeitragVerfasst am: 11.10.2010 20:56    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Leute!

Ich kann mir vorstellen, dass der Text deswegen so irritierend wirkt, weil hier keine Bilder (Metaphern) im herkömmlichen Sinne verwendet werden, die ein Leser nachvollziehen/nacherleben/nachfühlen kann, sondern dass hier tatsächlich Details eines Bildes "beschrieben" werden mit all seinen Farben, Motiven und Anordnungen. Der Leser wird also nicht wie sonst üblich mit Emotionen versorgt (wie er es vielleicht erwartet hat), sondern sieht lediglich ein rätselhaftes Bild vor sich. Die Art, wie der Protagonist erzählt oder die Dinge sieht, erzeugen keine Emotionen beim Leser. Was anschließend bei ihm zurück bleibt ist eher Verwirrung, vielleicht Angst, Sorge etc. Der "Betrachter" erkennt möglicherweise die Struktur/Konstruktion des Textes/Bildes, analysiert wie das Bild geometrisch angeordnet ist, aber irgendwann nimmt er auch wahr, dass er nicht Teil dieses Bild ist (nicht "in die Geschichte hineingezogen wird") sondern lediglich die Rolle des Betrachters einnimmt.

Ihr seht das schon ganz richtig: Das ist kein Text aus einer Schreibschule, sondern wirklich ein "Experiment". Ginge es nach mir, läse ich hier viel mehr Experimente (ob gelungen oder misslungen). Experimente finde ich spannend, ob ich sie lese oder selber schreibe.

Ich könnte hier noch ewig darüber plaudern, welche "Konstruktion" hinter diesem Text steckt, aber ich denke, so arg interessiert euch das auch wieder nicht. Viel interessanter ist doch eure Publikumsreaktion. wink

Also, bitte keine falsche Rücksichtnahme. Für mich ist jede einzelne Aussage aufschlussreich.

Schönen Abend

BN
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Soraya
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BeitragVerfasst am: 11.10.2010 21:02    Titel: Antworten mit Zitat

Ähhh ... Mag sein, ich liege völlig daneben, aber ich seh' da schon eine Geschichte. Eine vergangene Geschichte, die den Ich-Erzähler nicht loslässt. (Für mich hat er seine Frau / Geliebte, die das Kind eines anderen erwartet hat, eindeutig auf dem Gewissen. Aber diese doch sehr klare Deutung könnte auch der Tatsache geschuldet sein, dass ich's kryptisch nicht so mag und deswegen alle "schwammigeren" Interpretationen gleich automatisch außen vor lasse. Confused)

Wie auch immer, die schon häufiger kritisierte Adjektiv-Fülle erschlägt mich nur im ersten Absatz, besonders in den ersten vier Sätzen. Und das Bild des "kalten Spiegels" verstehe ich nicht, evtl. ist das aber wichtig und ich bin mit meiner Deutung der Geschichte auf dem Holzweg.

Hmm. Ich hab's, nachdem ich den Einstieg überwunden hatte, gern gelesen und empfinde es als interessante Momentaufnahme, die automatisch in Gedanken die Vorgeschichte ablaufen lässt. In meinen zumindest. Und eine Soraya-kompatible Vorgeschichte, natürlich. wink

LG

Soraya


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I get an urge, like a pregnant elephant, to go away and give birth to a book. -Stephen Fry-

Wahr sind nur die Erinnerungen, die wir mit uns tragen, die Träume, die wir spinnen und die Sehnsüchte, die uns treiben. Damit wollen wir uns bescheiden. -Heinz Rühmann als Dr. Johannes Pfeiffer, Die Feuerzangenbowle-
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BlueNote
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BeitragVerfasst am: 11.10.2010 21:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Soraya,

wenn man es möchte, kann man in dem Bild ganz hervorragend eine Geschichte lesen (aber man muss es auch wollen!) Deine klare Interpretation (der Mann hat die Frau eindeutig auf dem Gewissen) hat mir gefallen. Aber wie bei Dalis Elefanten-Gemälde, bei dem die Bäume sich plötzlich in Elefanten verwandeln, wenn man nur das Bild umdreht, kann es bei meinem Text genauso gut sein, dass der Mann die Frau nicht auf dem Gewissen hat (d.h. ihr physisch gar keine Gewalt zugefügt hat). Aber das Leiden ist eindeutig vorhanden, ob psychisch oder physisch. Und der Leser erkennt etwas - eindeutig ... das eine oder das andere.

BN
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Gast







BeitragVerfasst am: 12.10.2010 04:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, es ist schon fast morgen früh, wenn gott will...

Zitat:
Sehr lange sehe ich hinaus auf das grüne, weite Meer. Ein Pfad silbrigen Schimmerns hat sich dort auf das wellengekräuselte Wasser gelegt. Hell glitzerndes Schaukeln und Wippen entlang einer scharf gezeichneten Spur. Das Sonnenlicht bündelnd und wie kleine Leuchttürme, die zur Linie des Horizonts immer kleiner werden, ihr eingefangenes Licht zur Küste zurückwerfend. Bis zum Bersten gespannte Luftblasen bilden dieses Wimmeln, die in einer fast schon unanständigen Transparenz, einem erektilen Recken und Blähen, sich feucht glänzend in den Wind stemmen, um von ihm immer weiter aufs Meer hinaus getrieben zu werden. Empfindlichen Seifenblasen gleich, die träge über das Meer wandern. Man könnte meinen, dies seien die verlorenen geglaubten Träume der Ertrunkenen?, die das Wasser zeitlebens als ihr ureigenstes Element betrachtet und die Kühle, die von ihm ausging, den Tod, für die sie als Symbol stand, ein Leben lang gesucht haben. Und irgendwann haben sie ihn dann gefunden. Jetzt wissen sie Bescheid, wie es ist, wie es sich anfühlt, wie man nun, da man tot ist, noch zu träumen versteht. Und all diese Träume schwimmen nun nutzlos umher, irgendwo auf dem Stillen Ozean, ziellos auf dem Weg nach Nirgendwo.


>>>>eigentlich ist das, was ich hier lese, wenn ich mir denn  wieder und wieder die zeit nehme, ein starker anfang. Jeder, der schonmal lange aufs meer geblickt hat, und welcher poet hat das nicht, der kann sich vorstellen, wie schwer es ist, so eine stimmung, die ja auch noch je nach beleuchtung, tageszeit:sonnenstand, wolkenaufzug in sekundenschnelle wechseln kann (wie bei uns)? Und  die verloren geglaubten Träume der Ertrunkenen, also hier komme ich durcheinander;
Kônntest du bitte erkl¨ren?
. Man könnte meinen, dies seien die verlorenen geglaubten Träume der Ertrunken, die das Wasser zeitlebens als ihr ureigenstes Element betrachtet und die Kühle, die von ihm ausging, den Tod, für die sie als Symbol stand, ein Leben lang gesucht haben.
Haben die Ertrunkenen, als sie noch lebten, den Tod durch Ertrinken ein Leben lang gesucht?
Wenn sie sich die Todesart ausgesucht haben, dann sind sie entweder Selbstmörder oder eine freiwillige U Boot Besatzung? Da fällt mir auf, dass ich zZ folgendes höre/sehe(an dieser stelle sollte jetzt ein link folgen, aber ich bin unf¨hig,  das hier einzubauen) naja egal;
Ein kleiner hinweis auf die hölle des vergessen_seins? Die toten träumen, können diese träume aber nicht mitteilen, da sie in einem ozean schwimmen, ganz ohne twitter netze?
Todtraurig, nirvana,

Das war nur der erste abschnitt, wo soll das hinführen, bis du hier weichgeklopft worden bist, lieber BN, ja lieber BN, schleim, aber dein text scheint ja doch eine herausforderung zu sein, und ich muss ja keine dogs and cats walken gehen, allerdings vernachlässige ich das wäsche walken!!!
Erst mal schluss für heute nacht,
anja
schmiedeeisern


tut mir leid, wg den tippfehlern, schreibe im dunkeln und sehe die hand vor augen nicht, nur der bildschirm beleutet mein schlaffes gesicht, und du hast mich auch noch um meinen schïnheitsschlaf gebracht, da brauch ich tonnen von weichzeichner bis ich wieder presentable sein werde?
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BlueNote
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BeitragVerfasst am: 12.10.2010 06:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Morgen Lorraine,

irgend was Fesselndes scheint der Text ja doch zu haben, wenn du dir wegen ihm die Nacht um die Ohren schlägst und auf einen Teil deiner Schönheit verzichtest am heutigen Tage.

Die "Träumer" haben natürlich den "Tod" gesucht (durch die Kühle des Wassers symbolisiert) und nicht konkret die Todesart. Diese Stelle hat im übrigen die Funktion, dem Leser das Thema "Tod" als relevant zu suggerieren, so dass er, wie Soraya, denkt, auch der Antagonist sei tot - obwohl das so im Text gar nicht eindeutig steht.

An dieser Stelle musste ich weinen ...
Zitat:

Die toten träumen, können diese träume aber nicht mitteilen, da sie in einem ozean schwimmen, ganz ohne twitter netze?
Todtraurig, nirvana,

Ganz ohne twitter netze!

Es gibt wirklich Dinge, die kann man sich gar nicht vorstellen. So weit geht mein Text z.B. nicht!

BN
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derSibirier
Dichter und Denker


Beiträge: 1309



BeitragVerfasst am: 12.10.2010 16:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo BlueNote

Deine Sprache gefällt mir sehr. Der Sibirier mag poetisch angehauchte Texte. Aber die Handlung der Geschichte passt mir einfach nicht zu deiner herrlichen Sprache. Der Leser denkt, einer, der so schöne Worte schreibt, so verträumt und spielerisch schreibt, der kann doch kein Mörder sein, oder einer, der anderen Leid zufügt. Manchmal muss man die Sprache einer Handlung anpaasen, vor allem, wenn du aus dem "Ich" heraus schreibst.

derSibirier grüßt
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Traumtänzerin
Fähnchen Fieselschreib

Alter: 26
Beiträge: 1209



BeitragVerfasst am: 12.10.2010 17:04    Titel: Re: Eifersuchtsszene am Strand Antworten mit Zitat

Kurze Frage vorab, bevor ich mich darauf zerfieseltechnisch stürze:

Ist der Stil ernst gemeint oder eher experimentell?

Grübelnde Grüße,
Traumtänzerin


_________________
Title sponsored by Boro, (c) by Alogius
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Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.
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Dem wird befohlen, der sich selbst nicht gehorchen kann. (Nietzsche)
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Inquisition war in der frühen Neuzeit der ganz große Burner.
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BlueNote
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Wohnort: NBY
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BeitragVerfasst am: 12.10.2010 19:11    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Sibirier und tt,

@Sibirier
Zitat:

Deine Sprache gefällt mir sehr. Der Sibirier mag poetisch angehauchte Texte.

Ich bin froh, dass du das noch anmerkst. Poetische Prosatexte mag ich ja ei...gentlich auch. Nur wenn das Ganze dann halt zu schön ist, wird es mir suspekt. Wahrscheinlich habe ich deswegen dieses skurrile Element im Text gebraucht.

Die Sprache bzw. die Art, alles so ausführlich zu beschreiben ist ein bisschen an meinen Lieblingsautor Christoph Ransmayr angelehnt, insbesondere an das Büchlein "Damen & Herren unter Wasser".
Ich selber neige ja viel mehr zu der Interpretation, dass sich der Protagonist die beschriebenen Dinge nur vorstellt und am Ende endgültig verlassen wird. Er ist also kein Mörder (wer wird schon gleich zum Mörder) und das Leid ist hauptsächlich ihm selber zugefügt worden. Aber, wie gesagt, man kann das auch ganz anders sehen.

@traumtänzerin
Ich verstehe die Frage nicht ganz. Ist ein experimenteller Stil nicht ernst gemeint? Jedenfalls werde ich so nicht weiterschreiben - sondern habe das lediglich mal ausprobiert.
Also, wenn du Zeit hast zum Zerfieseln ... Besonders der Anfang kommt mir ja selber etwas seltsam vor. Wollte aber nicht zu lange korrigieren, weil ich mir schon dachte, dass der Text nicht besonders gut ankommen würde.

Über Quallen zu schreiben macht übrigens Spaß. Die portugiesische Galeere ist, nebenbei gesagt, eines der giftigsten Tiere der Welt.

BN
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Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
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