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Projekt noch ohne Titel Teil II


 

 
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Autor Nachricht
Herr Gorke
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 27
Wohnort: Köln


BeitragVerfasst am: 30.04.2010 14:38    Titel: Projekt noch ohne Titel Teil II eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Leute,

ich stelle heute mal den zweiten Teil meines Buchprojektes ins Forum. Der erste Teil war ja meine erste Veröffentlichung hier. Wäre nett, wenn ihr mir sagen könntet, wie es euch gefällt. Die Absätze habe ich nur der Lesbarkeit halber so gestaltet! Und denkt daran, es handelt sich nur um ein paar Seiten vom Anfang des Buches, es ist klar, dass sich hier keine Story entwickelt. Es ist mehr eine Momentaufnahme (In Verbindung zum Teil I)

Puh...genug geschwafelt... Los geht's:

Aufgrund meiner allumfänglichen Angst vor Gewalt wollte ich also auch keine Horrorfilme oder Psychothriller gucken, weil mir auch noch tagelang danach, wenn diejenigen, die mit mir den Film gesehen haben, sich längst kaum noch an die Handlung erinnern, noch einzelne, ekelhafte Szenen im Kopf herumschwirren und ich die Bilder dann für lange Zeit nicht mehr vergessen kann, Bilder, die sich mir, ob ich es nun will oder nicht, ich kann es nicht beeinflussen, in die Hirnrinde einbrennen. Trotzdem schaue ich natürlich abundzu gerne einen Horrorfilm oder Psychothriller und ich vergehe vor Spannung, während die Anderen sich die Chips nur so reinschaufeln und sich zwischendurch einen Spaß daraus machen, mich dermaßen zu erschrecken, dass ich einen Meter von der Couch abhebe und mich danach kaum noch auf die Toilette traue. Meine Freunde haben also währenddessen Spaß und können sich sogar, sobald der Abspann läuft, mit den banalsten Dingen auseinandersetzen, während ich mir in Gedanken mantrahaft einzureden versuche, dass der Bösewicht ja tot und somit nichts zu befürchten sei, weswegen Filme ohne ein so genanntes Happyend mir entsprechend doppelt zusetzten. Wie viele Abende und Nächte gab es dieses ewige Licht-an-Licht-aus in meinem Schlafzimmer?

Jedes Mal wenn ich grade zur Ruhe gekommen bin, manifestierte sich in meinem Kopf und somit in der Dunkelheit vor mir die Fratze irgendeines Psychopaten oder Mörders und ich knipste schnellstens das Licht an um mich in der nüchternen Alltäglichkeit meines Zimmers zu beruhigen. Ich kam mir jedes Mal vor, als wäre ich fünf und im Nebenzimmer würden meine Eltern mit ihren Freunden feiern. Für solche Nächte habe ich auch heute noch immer von mir so genannte positiv geladene Bücher und Comics neben dem Bett liegen, die so entfernt von irgend etwas Bösem sind, dass sie mir, bis ich dann endlich erschöpft über ihnen einschlafen kann, als Schutzschild gegen meine verdammte Fantasie helfen. Es handelt sich um Kurzgeschichten von Woody Allen und um Clever & Smart Comics, die ich mittlerweile auswendig kann, die aber dennoch nicht an ihrer Wirkung verlieren. Im Gegenteil, sobald ich eine Seite aufschlage, werde ich in diese positive, vollkommen harmlose Welt hineingezogen und ich beruhige mich.

Ich brauche sicherlich nicht extra zu erwähnen, dass ich in ständiger Angst lebte, man könne mir durch irgendeine Gewaltanwendung auch diese Art der Zuflucht unmöglich machen. Immer und immer und überall so oft Angst zu haben ist nicht gesund. Tagsüber selbstbewusst und nachts ein klägliches Abbild meiner selbst, so ging ich immer durchs Leben und ständig die Fantasie auf vollen Empfang gestellt. Bei mir wird immer gesendet, ohne Testbildphase, von einen Augenblick auf den anderen stellte ich mir vor, wie ich in einer schönen Wohnung sitze, mein Leben genieße und Terroristen oder Psychopaten oder beide zusammen meine Tür eintreten um mir Gewalt anzutun, mir und meinem Kater Gewalt antun und ich mich nicht wehren kann, gegen diese urböse Gewalt, die mir und meinem Kater angetan wird. Mein armer, süßer Kater, denke ich dann und bin ganz verzweifelt, ob dieser unglaublich bösen Welt und brauche ein paar Minuten um zu realisieren, dass ich mir diesen Unsinn ja nur ausgedacht habe, war ich doch schon dabei, es als gegebene Realität hinzunehmen, statt mir im Klaren darüber zu sein, dass ich mich nur wieder einem meiner Hirngespinste hingegeben habe.

Sobald ich dann morgens aufwache und die Sonne durch die Lamellen meine Jalousie hindurch das Zimmer in Streifen aufteilt, denke ich mir jedes mal, was für einen Unsinn ich mir da gestern wieder eingebildet habe, und dann kann ich es auch beim besten Willen nicht verstehen, dass ich nicht einschlafen konnte bei diesen Gedanken, ja, dass sie mich so sehr gegruselt haben, dass ich wieder zu Woody Allen oder Clever & Smart oder beidem greifen musste, um überhaupt noch einschlafen zu können. Und weil die Gedanken und Einbildungen mich wieder so verrückt gemacht haben, bin ich am nächsten Tag entsprechend müde,  aufgrund des mangelnden Schlafes, und ich ärgere mich dann über mich selbst und kann es doppelt nicht verstehen, dass ich, gerade im Hinblick darauf, dass ich ja meistens am nächsten Tag arbeiten und somit entsprechend ausgeschlafen sein sollte, mich mal wieder derart von meinen albernen Ängsten habe leiten lassen und erst gegen ein oder zwei Uhr eingeschlafen bin.

Als ich einmal den Film Halloween mit Jamie Lee Curtis gesehen haben, konnte ich zwei Wochen lang kaum richtig schlafen, immerzu bildete ich mir ein, dass jeden Moment hinter jeder Ecke, hinter jedem Vorhang und aus jeder dunklen Ecke dieser furchterregende Mann mit der weißen Maske hervorspringen könnte, um mir den Garaus zu machen, obwohl mir natürlich klar war, das ich mal wieder phantasierte, so genannte Hirngespinste produzierte. Aber wie sich dagegen wehren, wie dem Hirn sagen, es solle aufhören mit dem Produzieren von Hirngespinsten? Irgendwann lässt das phantasieren dann ein Glück nach und ich gebe mir viel Mühe, bewusst übrig gebliebene Bilder zu vergessen, sie zu löschen oder wenn möglich, mit anderen Bildern zu übermalen. Kommt mir also zum Beispiel wieder mal dieser fürchterliche Psychopath mit der weißen Maske in den Sinn, denke ich sofort an etwas anderes, zum Beispiel an eine Explosion, ich stelle mir geradezu vor, wie das Bild in meinem Kopf einfach explodiert und mit ihr die Erinnerung an das Bild.  Immerzu kommen mir angsteinflößende Erinnerungen und Einbildungen in meinen Kopf und immerzu findet ein Explodieren dieser Bilder statt, so dass ich manchmal ganz angestrengt bin, von den Erinnerungen und den Explosionen, den Bildern und dem Übermalen der Bilder.

Oft, wenn mir wieder so eine gruselige Filmszene in den Kopf kommt, stelle ich mir auch die dazugehörigen Dreharbeiten vor. Ich stelle mir vor, wie der Regisseur ein Kommando gibt und der fürchterliche Psychopath seine weiße Maske abnimmt und zum Beispiel Jamie Lee Curtis zulacht und die beiden nebeneinander in ihren Schauspielerstühlen sitzen und etwas trinken und sich über die nächste Szene unterhalten, während im Hintergrund eine ganze Crew irgendetwas umbaut, und das der eben noch furchteinflößende Psychopath eine Zigarette raucht und mit einem Becher Kaffee in der Hand Jamie Lee Curtis einen Kalauer erzählt und beide lachen. Oder dass während einer höchst gruseligen Szene ein Teil der Kulisse umfällt und die ganze Crew erst zögerlich, dann aber deutlich aufbrausend darüber lacht und dass Jamie Lee Curtis noch eine komischen Spruch macht oder der Psychopath sich die Maske über die Stirn zieht und ein lustiges Gesicht macht, so dass man das dann nachher als so genannten Outtake zeigen kann.

Wie gesagt, lehne ich Gewalt also deutlich ab. Kann ich sie schon passiv in keinster Weise ertragen, ist sie mir aktiv absolut fremd und niemals habe ich mich auf einem Schulhof geprügelt, nirgends musste ich mir mit Faust und Ellbogen Gehör verschaffen. Meine körperliche Konstitution war eben auch nicht entsprechend. Ich war immer sportlich schlank, aber nicht übermäßig muskulös, ich hatte meistens eine gute Kondition, ich ging viel joggen, aber mit meiner Kraft war es nicht weit her. Ich war ein guter Flüchter und kein Jäger. Jäger ist ein schreckliches Wort wenn man über Menschen redet, wie ich finde. Hinzu kam, dass mir sogar deutlich schwächere und jüngere Prügler überlegen waren, da sie über eine entsprechende Kampferfahrung verfügten, eine Erfahrung, die im Ernstfall unbezahlbar ist, weil sie wussten, was es heißt, Schläge einzustecken, sie kannten den Schmerz und hatten gelernt, damit umzugehen, sie wussten, wo ihre Grenzen waren und konnten entsprechend weiterkämpfen. Außerdem hatten sie innerhalb weniger Schlägereien ihre Skrupel, ihre Moral und ihre Vorsicht abgelegt und schlagen mit voller Kraft ins Gesicht, auf die Schläfe, in den Bauch, während man selbst, geprägt durch jahrelange Erziehung, Kultur und Moral von irgendwelchen so genannten sportlichen Ehrenkodexen ausgeht und es einem so gut wie unmöglich ist, einem fremdem Menschen mit der Faust ins Gesicht zu schlagen. Man müsste schon eine Evolutionsstufe zurückgehen, um das zu verstehen.

Aber auch wenn ich in ständiger Angst vor Gewalt lebte, beschäftigte ich mich niemals bewusst mit diesem Thema, ich versuchte es stets auszublenden und machte mir so lange keine Gedanken darüber, bis mein Gehirn von ganz alleine anfing zu spinnen, also Gespinste zu erzeugen, die ich dann wieder aufwändig vertreiben musste. Zu der also bereits bestehenden Angst vor tatsächlicher Gewalt kam also noch die unterschwellige Angst vor dem Produzieren von Gespinsten hinzu, mit der ich aber im Laufe der Zeit gelernt habe umzugehen.

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