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Suizid eines konsumierten Lebens


 

 
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Rike
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 42
Beiträge: 260



BeitragVerfasst am: 07.03.2010 13:06    Titel: Suizid eines konsumierten Lebens eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Suizid eines konsumierten Lebens



Sonne drückt. Dringt durch.
Durchdringt.
Auf dem Baum vor meinem Fenster
sitzt eine Krähe.

Schotten dicht.

Alles schwarz, alles dumpf.
Hauptschlagader pulsiert in trägem Takt,
verstopft von ungesättigten Alltagsfetten.
Wo? Wo bin ICH unter all dem Dosenfraß,
den Web-Profilen, den Markenjeans,
den One-Way-Trends und One-Size-Lebensläufen?

An meinem Fenster stöckelt ne Tussi vorbei.
Tok … tok … tok, tok … tok
Innenwelt schweigt.

Ich habe den Rhythmus in mir verloren.
In meiner Hülle steckt eine Plastikscheibe,
meine Seele ist in Vinyl geritzt.
Wo ist die Nadel,
die mich zum klingen bringt?

Mein Kopf rezitiert ein Mashup -
Rilkes Panther versus Eichendorffs Mondnacht

Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus,
Flog  durch die stillen Lande,
Als ob es tausend Stäbe gäbe
Und hinter tausend Stäben keine Welt.


„Schau dich an“, höhnt meine Innenwelt.
„Dein Geist krepiert. ICH krepiere!
Aber du? Du kreist in konzentrischen Kreisen um dich selbst
und jammerst dich wund!“

Sie starrt mich an,
die Krähe.
Ein schwarzes Auge dringt durch
die Ritzen der Jalousien.
Durchdringt.

Ich reiße die Hintertür auf.
„Hau ab“, brüll ich in die blendende Sonne.
Die Tussi bleibt stehen.
„Hast dus mit mir“, fragt sie und
zieht einen Stöpsel aus dem Ohr.
Cold turkey has got me …
krächzt es aus ihrem I-Pot.



_________________
Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt obdachlos die Unvergänglichkeit (R. M. Rilke)
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jim-knopf
Geschlecht:männlichDichter und Trinker

Alter: 31
Beiträge: 4494
Wohnort: München
Das Goldene Pfand DSFo-Sponsor
Goldene Feder Lyrik


BeitragVerfasst am: 10.03.2010 01:42    Titel: Antworten mit Zitat

hey rike
schön mal wieder von dir zu hören

finde den text vom aufbau doch sehr gut gemacht
auch wenn es mir im endeffekt ein wenig "jammernd" daher kommt
ist mir ein wenig zu sehr Selbstmitleid
mir fällt selber auf, dass ich generell das LI (in vielen Texten) unsympatisch finde
weil es eigentlich nur jammer kann
smile


Zitat:
Cold turkey has got me …



is das john lennon?

gruß
roman


_________________
Ich habe heute leider keine Signatur für dich.
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Rike
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 42
Beiträge: 260



BeitragVerfasst am: 10.03.2010 14:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey Jim,

  Smile jaaaa John Lennon! Richtig erkannt!
"Lennon Legend" - Das Album hab ich seit über 10 Jahren nicht verstaubt im Regal, sondern immer irgendwie griffbereit. Sehr zu empfehlen, falls du es nicht kennst.

Mit deinem Urteil über das LI hast du auch recht. Ich finds auch unsympathisch.
Dieser Text hier ist ja auch eher ein Remix der letzten Texte die ich hier reingestellt habe. Manchmal hat man bestimmte Wortbilder im Kopf und spielt damit rum und kombiniert sie und denkt, neee passt nicht wirklich aber irgendwann kommt dann der Moment, wo sie sich einfach so einfügen.
Klingt jetzt etwas kompliziert.

Danke für deine Worte
 Very Happy Rike


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Angst
Geschlecht:männlichScheinheiliger

Alter: 30
Beiträge: 1679



BeitragVerfasst am: 10.03.2010 19:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hey,

Ich weiss noch nicht genau, was ich hiervon halten soll. Mein grösstes Problem mit dem Gedicht sind Stellen wie diese, die mir zu fingerzeigend und theatralisch sind:

Rike hat Folgendes geschrieben:
Wo? Wo bin ICH unter all dem Dosenfraß,
den Web-Profilen, den Markenjeans,
den One-Way-Trends und One-Size-Lebensläufen?

Andererseits lese ich hier Dinge, die mir ganz ausgezeichnet gefallen:

Rike hat Folgendes geschrieben:
In meiner Hülle steckt eine Plastikscheibe,
meine Seele ist in Vinyl geritzt.
Wo ist die Nadel,
die mich zum klingen bringt?

Eine klare, eingängige Metapher, die durch die Wörter ritzen und Nadel einen unheimlichen Charakter bekommt. Das Gedicht insgesamt ist mir aber zu überladen, zu zitierend. (Sinn und Zweck des Rilke-Eichendorff-Mischmaschs leuchtet mir nicht ganz ein.) Es zweigt an zu vielen Orten ab und wirkt so kaum einheitlich. Natürlich ist die Welt, von der das LI spricht, ebenfalls nicht einheitlich. So gesehen könnte man also durchaus sagen, dass der wirre Stil das Thema widerspiegelt. Trotzdem finde ich, dass die Bilder in der Qualität zu sehr schwanken. Das trübt meinen Leseeindruck etwas.

Liebe Grüsse,
Scheinheilige


_________________
»Das Paradox ist die Leidenschaft des Gedankens.«
— Søren Kierkegaard, Philosophische Brosamen,
München: Deutscher Taschenbuch Verlag, S. 48.
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Rike
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 42
Beiträge: 260



BeitragVerfasst am: 11.03.2010 19:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Scheinheilige,

danke für deine Meinung. Ich kann deinen Eindruck gut nachvollziehen.
Im Grunde ist dieses Werk auch, wie bereits erwähnt, ein Zusammenschmeißen von einzelnen Metaphern, die ich aus anderen Zusammenhängen gerissen habe. Für mich haben sie in dieser Zusammenstellung die größte Wirkung. Aber das liegt daran, dass ich als Autor, nicht den unverstellten Zugang dazu habe, den du hast.

Das Uneinheitliche, das Widersprüchliche ist durchaus zentrales Thema.
Darum auch der Rilke-Eichendorff-Misch-Masch: Er verdeutlicht für mich sehr drastisch diese Gegensätze: Freiheit vs Gefangenschaft. Die Bereitschaft zu fliegen und doch gefangen sein in sich selbst, seiner Umwelt, einem System ...
Das wollte ich damit ausdrücken.

Wenn du Verbesserungsvorschläge hast, dann immer her damit.

Danke und Liebe Grüße

 Smile Rike


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Casakoba
Sonntagsschreiber


Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 11.03.2010 20:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rike,

Ich finde das Gedicht sehr lesenswert.
Auch wenn man verschiedene Metaphern in ein Gedicht impliziert muss das nicht zwangsläufig bedeuten, dass der Sinn eines Gedichtes schwindet.
Für mich gibt das Gedicht..Freiheit...Lebenslust, aber auch das Prinzip:
"Die Hoffnung stirbt zuletzt" wieder.
Aber auch die Gegensätze sind konvergent.
Es spiegelt für mich wieder, dass es immer eine Möglichkeit der konstruktiven Konfliktlösung gibt.
Also eine "Win-Win-Lösung"

Was noch zu erwähnen wäre, dass du sehr viel Nostalgie eingebaut hast, der dem Gedicht einen gewissen positiven Touch nach Alten Tagen verleiht.

Mein Resümee:

Dein Gedicht ist Verbesserungswürdig, aber keinesfalls schlecht.
Die Anordnung kann man eventuell bearbeiten, damit es verständlicher wird.
Aber sonst wüsste ich nicht, wo man etwas bemängeln könnte.
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Schmierfink
Lyroholiker

Alter: 30
Beiträge: 1198



BeitragVerfasst am: 11.03.2010 20:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Rike,

das Gedicht ist in Teilen sicher sehr lesenswert,
aber ähnlich wie Schienheilige finde ich da ist ein wenig zu viel "in den Topf geworfen", bzw zu viele Köche verderben den Brei. Du verarbeitest sehr schöne Ideen, das Mashup genial, oder die von Scheinheilige gelobte Strophe, ich glaube aber auch das hätte reduzierter mehr gewirkt.
Ich denke es würde sich sehr lohnen den Text zu splitten und zb. ein Gedicht von der Krähe und der Tussi zu schreiben und eines vom Verlorensein in der Welt, nur so als Vorschlag, worauf ich hinauswill ist denke ich klar.


lg
Schmierfink


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"Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles seine Bemerkungen."
Heinrich Heine

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Georg Büchner
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Rike
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 42
Beiträge: 260



BeitragVerfasst am: 11.03.2010 20:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hm,

 danke für die Ratschläge.

Das mit dem Splitten find ich gar nicht so schlecht. Da werd ich mich mal dran versuchen.

Grüße
Rike


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Angst
Geschlecht:männlichScheinheiliger

Alter: 30
Beiträge: 1679



BeitragVerfasst am: 11.03.2010 20:59    Titel: Antworten mit Zitat

Ah okay, der Kontrast Freiheit und Gefangenschaft ist eigentlich klar. Ich bin wahrscheinlich zu sehr auf die beiden originalen Gedichte "abgerichtet" ;)

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— Søren Kierkegaard, Philosophische Brosamen,
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