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Bei Musik aus alten Radios (Gedanken)


 

 
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EdgarAllanPoe
Geschlecht:männlichPoepulistischer Plattfüßler

Alter: 29
Beiträge: 3309
Wohnort: Greifswald
Bronzene Harfe Die Goldene Bushaltestelle
Goldene Feder Lyrik


Die Tauben
BeitragVerfasst am: 24.01.2010 20:34    Titel: Bei Musik aus alten Radios (Gedanken) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

    Bei Musik aus alten Radios (Gedanken)


    Wenn die Nacht sich
    durch die Treppengeländer
    zwängt und die letzten
    Abendschatten verschluckt,

    denke ich an
    die Kaimauer, an der
    wir einst saßen
    (Ein Tag am Meer aus
    einem vorbeifahrenden Auto
    in den Ohren)

    und besonders an
    das Licht – so grau -,
    das über unseren Köpfen
    hing.

    Bei Musik aus alten Radios
    in meinen dunklen Räumen,
    brüchige Gedanken an dich,
    Nachtschatten, Leere, die
    sich mit offenen Mündern durch
    Treppengeländer zwängen.



_________________
(...) Das Gedicht will zu einem Andern, es braucht dieses Andere, es braucht ein Gegenüber. Paul Celan

Life is what happens while you are busy making other plans.
- JOHN LENNON, "Beautiful Boy"

Uns gefällt Ihr Sound nicht. Gitarrengruppen sind von gestern. (Aus der Begründung der Plattenfirma Decca, die 1962 die Beatles ablehnte.)
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BlueNote
Geschlecht:männlichStimme der Vernunft


Beiträge: 7230
Wohnort: NBY



BeitragVerfasst am: 24.01.2010 23:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Edgar,
Zitat:

Wenn die Nacht sich
durch die Treppengeländer
zwängt und die letzten
Abendschatten verschluckt,

denke ich an
die Kaimauer

wieder ein bissl verkopft, was? wink
Es fängt etwas konventionell an "Wenn die Nacht sich ...", wird dann aber unkonventioneller fortgesetzt: ... durch die Treppengeländer zwängt, ... denke ich an die Kaimauer. Wer denkt schon an eine Kaimauer, wenn er - und das setzte ich jetzt mal vorraus - eigentlich auch an ein liebes Mädl denken könnte. Nun, die "brüchigen Gedanken an dich" werden dann noch etwas lapidar am Schluss nachgeschoben. Naja, und die "Leere" schaut natürlich (in der letzten Strophe) auch noch mal kurz vorbei. Ich frage mich, welche Rolle denn eigentlich das Treppenhaus (bzw. der Ort, an dem sich das Treppengelände befinden soll) bei der ganzen Geschichte spielt. Hängt der Protagonist im Treppenhaus seinen Gedanken nach? Nein, die Musik wird in "seinen dunklen Räumen" gehört - warum ist dann überhaupt das Treppengeländer wichtig?
 
Meinst du eigentlich das Lied "Tag am Meer" von den Fantastischen Vier? Dann solltest du den Artikel weglassen. Was mich etwas irritiert ist, dass die Musik aus Radios kommt. Versucht dein Protagonist so auch mit alten Radios eine Art Surrounding-Effekt zu erzielen? Das Irgendwas, das sich abschließend durch Treppengeländer zwängt, ist auch ein etwas bemühtes Bild.


Viele Grüße
BlueNote
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Jocelyn
Bernsteinzimmer

Alter: 56
Beiträge: 2652
Wohnort: Königstein im Taunus
Das Silberne Fahrrad Ei 1



BeitragVerfasst am: 27.01.2010 16:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Edgar!
Hallo BlueNote!

Das ist für mich kein Text, auf den man nach so wenige Stunden mit einem Verriss antworten kann.
Nein, das ist für mich ein Gedicht, dass wunderbar stimmig Erinnerungen und leise Sehnsüchte beschreibt.
Durch die Bilder Treppengeländer und Alte Radios denke ich dabei an das Zurücksinnen einer gealterten Person, die einsam in ihren abgedunkelten Räumen sitzt. Sie benutzt das Treppengeländer, um sich mühsam entlangzuhangeln.
Die brüchigen Gedanken korrespondieren mit dem durchbrochenen Geländer. Die Lücken im Geländer mit der Leere, die offenen Münder nehmen wieder Kontakt auf zur Musik, sie könnten doch etwas von sich geben, einen Klang wie aus alten Radios. Vielleicht nur undeutlich, brüchig, rauschend.

Man sollte erstmal alle Zutaten auf dem Mund zergehen lassen, bevor man beurteilt, wie es schmeckt.

Mir gefällt dieses stimmige Bild, das mit feinfühligen Metaphern arbeitet.

Einfach schön, Jocelyn


_________________
If you dig it, do it. If you really dig it, do it twice.
(Jim Croce)

Die beständigen Dinge vergeuden sich nicht, sie brauchen nichts als eine einzige, ewig gleiche Beziehung zur Welt.
(Aus: Atemschaukel von Herta Müller, Carl Hanser Verlag, München 2009, Seite 198)

"Si Dieu n'existait pas, il faudrait l'inventer."
(Voltaire)
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BlueNote
Geschlecht:männlichStimme der Vernunft


Beiträge: 7230
Wohnort: NBY



BeitragVerfasst am: 27.01.2010 18:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hi J.!

Jocelyn hat Folgendes geschrieben:

Das ist für mich kein Text, auf den man nach so wenige Stunden mit einem Verriss antworten kann.


Meinst du? Was ist denn falsch an dem, was ich gesagt habe?
Nachdem jetzt mehrere Tage vergangen sind, fällt mir eher noch mehr auf, was ich dem Dichter zum Überdenken mitgeben möchte, z.B.:

Sie sitzen an der Kaimauer und haben Musik in den Ohren. Um welche Zeiträume handelt es sich denn hier? Um unterschiedliche Zeiträume. Sie sitzen lange, hören die Musik aber nur ganz kurz aus dem vorbeifahrenden Auto, haben aber trotzdem "Musik in den Ohren". Das passt für mich nicht zusammen!
Alleine vom Wort "Treppengeländer" zergeht bei mir übrigens noch nichts auf der Zunge.
Deine Sichtweise eines "stimmigen Bildes" kann ich nicht nachvollziehen. Dafür hakt hier zu vieles. Wenn das nicht der Fall wäre, könnte ich auch die Bilder auf mich wirken lassen und es könnte vielleicht eine Geschichte in meiner Vorstellung entstehen.

BN
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Mardii
Stiefmütterle

Alter: 62
Beiträge: 1838



BeitragVerfasst am: 27.01.2010 20:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Edgar,

ich schließe mich Jocelyns Meinung an: Ich finde dein Gedicht sehr gelungen, es drückt in einer sehr schlichten Sprache vielleicht schmerzliche Gefühle aus. Der Übergang von einer Bildebene in die andere, vom Jetzt in die Vergangenheit und wieder zurück hast du sehr gut aufgelöst.
Vielleicht kann man die Wiederholung des Bilds mit dem Treppengeländer monieren, aber mir fällt dazu im Augenblick kein Ersatz ein und es macht das Gedicht auch wiederum rund.

Mardii
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EdgarAllanPoe
Geschlecht:männlichPoepulistischer Plattfüßler

Alter: 29
Beiträge: 3309
Wohnort: Greifswald
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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 27.01.2010 20:39    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr drei!

Erstmal danke für eure Kommentare.

BN: Ich weiß, dass das Gedicht teils etwas verwirrend ist. Beim Treppengeländer in der ersten Strophe hab ich mir die Sache wie hier vorgestellt, bloß dass die beiden Protagonisten darauf sitzen. Jetzt weiß ich, dass ich darauf mehr hätte eingehen sollen, um nicht für Verwirrung zu sorgen.

Zitat:
Sie sitzen an der Kaimauer und haben Musik in den Ohren. Um welche Zeiträume handelt es sich denn hier? Um unterschiedliche Zeiträume. Sie sitzen lange, hören die Musik aber nur ganz kurz aus dem vorbeifahrenden Auto, haben aber trotzdem "Musik in den Ohren". Das passt für mich nicht zusammen!


Oh, für mich passt das ganz gut zusammen.
Sie befinden sich in einem träumerischen Moment, da kann es schon sein, dass sie die Musik länger in den Ohren haben. Vor allem, da das Lied sehr romantisch ist (zumindest in meinen Ansichten).

Jocelyn: Danke für deinen Kommentar. Ja, diese Wehmut spielt in dem Gedicht mit - die Melancholie dessen, was noch hätte sein können ...

Mardii: Dir auch vielen lieben Dank für deinen Kommentar.

Liebe Grüße,

Eddie


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Hardy-Kern
Kopfloser

Alter: 71
Beiträge: 4939
Wohnort: Deutschland


BeitragVerfasst am: 27.01.2010 21:10    Titel: Antworten mit Zitat

Man sollte diese tragisch-melancholische Stück nicht überbewerten.
Mir ist allerdings etwas rätselhaft, wie Edgar mit seiner Jugend die Tragik des Alters einfängt. Mein Opa hatte in seiner Werkstatt auf dem Hinterhof gesessen, Schuhe besohlt, auf Kunden gewartet, bis Oma Käthe über den Hof rief: Paul, Essen!

Als Oma gestorben war, lief dann Opas Radio in seiner Werkstatt. Sie hatten ein eigenes Haus und ich habe nie jemanden durch das Holzgeländer krauchen sehen.

Das kann man besser schreiben, weil mehr Stoff vorhanden.Smile

Hardy
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EdgarAllanPoe
Geschlecht:männlichPoepulistischer Plattfüßler

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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 30.01.2010 11:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Sorry, Hardy, dass ich so verspätet antworte, aber danke für deinen Kommentar.
Hm, wer sagt denn, dass ich mit dem Stück die Alterstragik einfangen wollte? Das Lyrische Ich denkt über alte Zeiten nach, mehr nicht. Sicher, die Alterstragik ist eine nicht abzustreitende Deutungsweise. Ich hatte jedoch die Absicht, mehr auf das Zerbrechen einer Liebe und die damit verbundene Melancholie einzugehen.

Edgar


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Angst
Geschlecht:männlichScheinheiliger

Alter: 31
Beiträge: 1679



BeitragVerfasst am: 30.01.2010 12:05    Titel: Antworten mit Zitat

Dieses Gedicht gefällt mir wesentlich besser, als es andere von dir tun. Wahrscheinlich, weil es in seiner Metaphorik "weltnäher" ist. Gefällt mir, da es die Melancholie glaubhaft vermittelt.

Liebe Grüsse,
Scheinheilige


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»Das Paradox ist die Leidenschaft des Gedankens.«
— Søren Kierkegaard, Philosophische Brosamen,
München: Deutscher Taschenbuch Verlag, S. 48.
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EdgarAllanPoe
Geschlecht:männlichPoepulistischer Plattfüßler

Alter: 29
Beiträge: 3309
Wohnort: Greifswald
Bronzene Harfe Die Goldene Bushaltestelle
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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 30.01.2010 20:43    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke, Scheinheilige. Ich freue mich, dass ich dich mit diesem Gedicht auch erreichen konnte!

Eddie


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