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ZYS
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 26
Beiträge: 99



BeitragVerfasst am: 19.01.2010 11:39    Titel: Wir ließen sie gehen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wir ließen sie gehen
„Ach, und du bist ja schon groß geworden,“ bemerkte sie und neigt ihren Kopf nach oben, um mir in die Augen zu sehen, „Ein richtiger Mann... Ja, ja... Wie schnell die Jahre vergehen! Also... Wenn ich dich auf der Straße getroffen hätte, ich glaub, ich hätte dich nicht mehr erkannt. Ist ja schön, dass ihr euch doch mal wieder sehen lasst. Jetzt weiß ich endlich wieder, wem ich das Geld zustecke...“
Erst hatte ich mich gefragt, warum ich mir das antue. Doch plötzlich scheint alles einen anderen Sinn zu bekommen. Ein Lächeln bildet sich auf meinem Gesicht und ein freundliches „Hallo“ entkommt meinem Mund.
Beim Reden spitzen sich die Lippen meiner Großtante. Ich frage mich, ob sie denn nie Luft hohlen müsse. Ich sehe Stühle, die um einen Tisch in der Ecke aufgestellt sind. Doch sie bietet uns keinen Platz an. Stattdessen nimmt ihre Vergangenheit sie gefangen.  
Ihre Augen sehen durch mich, als wäre ich ein Geist. Die feuerrot gefärbten Haare stehen ihr zu Berge und der Bauch spannt den Pulli bis zum Zerreißen. Die Falten auf ihrem Gesicht erzählen eine eigene Geschichte. Mir wird bewusst, wie das Leben jeden zeichnet.
„Hm, ja... Janik machst du nicht auch schon den neuen Führerschein ab 17?,“ fragte meine Großtante und zieht die Augenbrauen zusammen.
„I... ,“ mehr bringe ich nicht mehr hervor.
Mich schockiert es, wie sie jetzt noch so reden kann.
Obwohl ich meine Großtante seit über einem Jahr nicht mehr gesehen habe, steigen Tränen in meine Augen. Ich atme ein und versuche mir nichts anmerken zu lassen. Deshalb drehe ich meinen Kopf zur Seite und sehe meine Mutter lachen. Spürt sie es nicht? Ich schüttle den Kopf und beobachte den Boden, als mir ein Tropfen entkommt. Wieso liebe ich Menschen, die ich kaum kenne?
Etwas zerrt an meinem Hemd. Ich trockne mein Gesicht mit dem Ärmel und sehe meinen Bruder, der mir etwas zeigen will. Er grinst. Ein alter Computer. Meine Augen schweifen ab und heften sich an den Schreibtisch. Wieder sehe ich den Umschlag, der von einer Dose gehalten wird. Der Wind hätten den Brief wohl sonst verweht, da das Fenster offen steht. Ich überlege, ob meine Großtante wollte, dass wir es herausfinden. Aber wie hätten wir die Buchstaben übersehen sollen? Nur der letzte Teil wurde von der Dose verdeckt.
Ein Gähnen reißt mich aus den Gedanken. Mein Bruder setzt sich auf den Tisch und spielt mit seinen Daumen. Er begreift nichts. Er ahnt nicht, weshalb unsere Großtante wollte, dass wir noch einmal kommen.
Eine Hand wird mir entgegen gestreckt. Ich nehme sie zitternd und lasse die Prozedur über mich ergehen. Ich sehe, wie sich die Lippen meiner Großtante bewegen. Doch die Worte nehme ich nicht mehr wahr. Mein Kopf verdrängt jeden Hinweis, um die Schuldgefühle zu zerdrücken. Ich schaue noch einmal in das Gesicht meiner Mutter, während sie abschied nimmt. Endlich rinnt eine Träne über ihre Wange. Sie fängt den salzigen Tropfen mit der Zunge auf und dreht sich um.
Ich werfe einen Blick über meine Schulter, während ich die Tür öffne. Meine Großtante nimmt die Dose. Ich höre, wie die Tabletten durcheinander gewirbelt werden. Ein Windstoß schleudert den Brief in die Höhe und er landet vor meinen Füßen. Ich suche das Gesicht meiner Großtante verzweifelt nach Trauer ab, doch ich finde nur Zufriedenheit. Ihre Falten scheinen sich zu legen und der Stress verfliegt. Sie lächelt und zwinkert mir zu.
Ich bücke mich und hebe den Umschlag auf. Erst jetzt setzten sich die Buchstaben für mich zu einem Wort zusammen: Testament 
Mein Bruder schließt die Tür hinter uns und fragt, ob wir denn endlich  nach Hause fahren. Natürlich antwortet meine Mutter nicht und reißt mir den Brief aus der Hand.
Wir sollten lachen und unser Glück besingen. Doch niemand konnte ahnen, dass der Verlust so groß sein würde. Ich balle die Hände zu Fäusten und drücke sie auf meine Augen.



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mfg zys
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Ronja
Gast






BeitragVerfasst am: 19.01.2010 12:23    Titel: Antworten mit Zitat

Das liesst sich interessant.
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Felix
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 32
Beiträge: 350



BeitragVerfasst am: 19.01.2010 17:19    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Zys,

das liest sich in der Tat interessant und vor allem auch so, als würde da ein gutes Stück persönliche Erfahrung herein spielen.
Ich hab eigentlich gar nichts zu beanstanden. Sprachlich stehst du sowieso sicher auf zwei Beinen und dazu gelingt es dir eine bedrückende Atmosphäre zu schaffen ohne melodramatisch zu werden. Die Andeutungen gelingen dir gut, du musst den Leser nicht erst zum Verständnis prügeln.

Gerne gelesen

Felix


_________________
-Show me a hero and I will write you a tragedy-

F.S. Fitzgerald
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ZYS
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 26
Beiträge: 99



BeitragVerfasst am: 19.01.2010 20:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank für die Meinungen!

@Felix
Zitat:
gutes Stück persönliche Erfahrung herein spielen


 Laughing  ok, ich gebs zu  Razz  
Mich hat dazu tatsächlich ein Besuch bei meiner Tante inspiriert. Natürlich hat diese keinen Selbstmord begangen und die Handlung ist frei erfunden!!


Kritik und Verbesserungsvorschläge sind erlaubt!!  Smile


_________________
mfg zys
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TheSpecula
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 25
Beiträge: 250
Wohnort: Großalmerode


BeitragVerfasst am: 19.01.2010 21:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ZYS,

Zitat:
„Ach, und du bist ja schon groß geworden,“ bemerkte sie und neigt ihren Kopf nach oben, um mir in die Augen zu sehen, „Ein richtiger Mann... Ja, ja... Wie schnell die Jahre vergehen! Also... Wenn ich dich auf der Straße getroffen hätte, ich glaub, ich hätte dich nicht mehr erkannt. Ist ja schön, dass ihr euch doch mal wieder sehen lasst. Jetzt weiß ich endlich wieder, wem ich das Geld zustecke...“


Dieser Monolog ist mir etwas zu lang. Wie genannt, es ist ein Monolog. Und ich glaube, daraus könnte man gut 10 Zeilen Dialog machen. Selbst trotz der Frage, ob die Großtante den nie Luft holen würde: Zu lang  wink  Aber inhaltlich nicht verkehrt. Kann mir richtig gut vorstellen, wie diese Omafigur ihr groß gewordenes Kind bestaunt.

Oh, muss leider abbrechen. Merke mir aber ebenfalls den Text und werde später darauf zurückkommen!


Liebe Grüße,


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Wir hassen die Bösen nicht, weil sie uns schaden, sondern weil sie böse sind.
Jean-Jacques Rousseau
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Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.
Johann Wolfgang von Goethe
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ZYS
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 26
Beiträge: 99



BeitragVerfasst am: 19.01.2010 22:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hm,  es ist ein Monolog, da stimm ich dir zu  Wink

Das sollte die Figur eben gleich ein bisschen charakterisieren:
Sie Labert eben einfach vor sich hin und lässt den Gegenüber gar nicht erst zu Wort kommen wink

gut, vielleicht hätte ich ihn kürzen und den Monolog zwei Sätze früher mit ... enden lassen können wink

meinst du das so?


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mfg zys
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TheSpecula
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 25
Beiträge: 250
Wohnort: Großalmerode


BeitragVerfasst am: 20.01.2010 06:29    Titel: Antworten mit Zitat

Ist auch nicht falsch gedacht und wenn du es vielleicht in wenigeren längeren Sätzen formulierst, vielleicht kommt es dann gar nicht mehr all zu lang vor smile


Liebe Grüße,


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