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Alexandermerow
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 40
Beiträge: 432
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 07.01.2010 00:08    Titel: Beutewelt "Big Eye"-Kapitel (Hälfte) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ein weiterer Ausschnitt aus "Beutewelt". Lasst mal ein Feedback erklingen...



Big Eye


Der Transport nach „Big Eye“, einem der größten und modernsten Hochsicherheitsgefängnisse im gesamten Verwaltungssektor „Europa-Mitte“, dauerte nicht allzu lange, doch Frank kam er wie eine halbe Ewigkeit vor. Geistig abwesend, wie von einem Betäubungspfeil getroffen, ließ er die eigentlich schöne ländliche Gegend auf dem Weg nach Bernau an sich vorbei ziehen.
Die Polizeibeamten schwiegen die meiste Zeit über oder redeten über die neue Fernsehshow „Der kleine Flüsterer“, bei der Kinder Preise gewinnen konnten, wenn sie subversives Verhalten bei ihren Eltern oder Verwandten aufdeckten.
Im Grunde hatte sich der junge Mann vorgenommen die Polizeibeamten anzusprechen, ihnen zu sagen, dass alles nur ein Justizirrtum sei, aber er tat es nicht. Und sie wirkten auch nicht so als hätten sie übermäßigen Gesprächsbedarf gehabt.
Nach einer Weile wurden die Umrisse eines riesigen Gefängniskomplexes am Horizont sichtbar. Das war „Big Eye“. Frank hatte einmal eine Reportage im Fernsehen über diese Anstalt gesehen, wo den Zuschauern nur glückliche und geheilte „Patienten“ (so war die offizielle Bezeichnung) gezeigt wurden. Jetzt war er selbst auf dem Weg dorthin. Das Gebäude war von hohen Betonmauern, die mit Stacheldraht und Wachtürmen versehen waren, umringt. Es besaß mehrere Stockwerke und an einer Außenmauer erkannte der Häftling dieses seltsame Symbol, dass ihm heute morgen schon auf dem Etikett seines Kaffeepulverglases aufgefallen war: eine Pyramide mit einem Auge in der Spitze. Das Zeichen sah zwar etwas anders aus als das Firmensymbol der „Globe Food“ Ladenkette, aber die Ähnlichkeit war trotzdem eindeutig. „Big Eye – das große Auge. Niemand entkommt seinem Blick !“, dachte Frank von Furcht ergriffen. Er sollte Recht behalten….

Der „Patient“ wurde aus dem Transporter geführt und die Beamten mussten nicht grob werden. Er folgte ihnen, schwieg und nahm wie in Trance alle Anweisungen und Befehle zur Kenntnis. Kleiderordnung, Essensausgabe, Schlafenszeit. Er hörte kaum hin, versunken in eine finstere Grübelei.
Aber das spielte auch keine Rolle. Er sollte laut Gerichtsurteil fünf Jahre hier bleiben und hatte demnach Zeit genug den Tagesablauf bis ins kleinste Detail zu verinnerlichen. Nachdem Frank seine Straßenkleidung abgegeben hatte, musste er ein weißes Hemd und eine weiße Hose anziehen, ebenso weiße Turnschuhe.
„Sie bekommen jede Woche eine neue Garnitur“, erklärte ihm einer der Wärter. „Folgen sie mir jetzt, Bürger 1-564398B-278843 ! Ab heute heißen sie in dieser Anstalt übrigens 111-F-47….Patient 111-F-47! Haben sie das verstanden?“
Frank hauchte ein „Ja“ heraus und nickte.
„Gut“, fuhr der Wärter fort. „Dann folgen sie jetzt den Vollzugsbeamten, die sie in ihre Zelle im Block F bringen. Machen sie keine Schwierigkeiten!“
Der neue Gefangene wurde viele Treppenstufen hinauf geführt bis in eines der obersten Stockwerke des Gefängniskomplexes. Innerlich gebrochen stierte er die meiste Zeit auf den Boden, doch selbst in seiner lethargischen Schockstarre fiel ihm auf, dass von den anderen Gefangenen fast nichts zu hören war. Keine Gespräche, kein Schreien oder sonst ein Laut. Es war beklemmend. Die tiefen Gänge von „Big Eye“ waren unheimlich still und alle Zellentüren mit extrem dicken Stahltüren verschlossen auf denen Nummern standen.
Die Zelle mit der Nummer 47 im Block F war für Frank bestimmt. Er versuchte sich vorzustellen, dass alles nur ein böser Traum sei. Es konnte einfach nicht real sein und gleich würde er aufwachen, um sich als erstes an dem fauligen Eiergeruch aus seinem Hausflur zu erfreuen. Er würde aus seiner Wohnung hinauslaufen und laut über den Flur schreien: „Schön, dass du da bist, Gestank!“
Ja, das würde er machen, denn gleich würde er sicherlich fort sein und dieser schreckliche Ort würde zerplatzten wie ein böser Gedanke. Doch es war nicht so.
„111-F-47 ! Wir sind da ! Das ist ihre Zelle!“ sagte plötzlich einer der Vollzugsbeamten.
Der stämmige Mann mit dem braunen Schnauzbart und den kantigen Wangenknochen gab den Access Code ein und die Zelle öffnete sich.
„Rein da, 111-F-47 !“ knurrte er.
In diesem Moment schien die Klarheit wieder in Franks Geist zurückzukehren. Plötzlich wurde ihm mit unangenehmer Schärfe klar, dass er fünf ganze Jahre in so einem Loch verbringen sollte. Das ließ seinen Verstand wie Glas zersplittern. Er brach zusammen und verlor das Bewusstsein…..

Nach einer unbestimmten Zeit wachte Frank wieder auf. Aufgeweckt durch gleißend helles Neonlicht, das sich durch seine Augenlider fraß. Zwar war er noch recht benommen und ihm war schlecht, doch war das Licht so penetrant, dass es ihm regelrecht in den Schädel stach.
„Wachen sie auf, Patient 111-F-47 !“ dröhnte eine Stimme in irgendeiner Ecke des Raumes, in welchen man den Heilungsbedürftigen gesperrt hatte. „Wachen sie auf, Patient 111-F-47 !“ schallte es erneut.
Frank lag mit dem Rücken auf einer hellgrauen Kunstlederpritsche und seine Kopfschmerzen kehrten mit aller Macht zurück. „Wachen sie auf!“ Immer wieder.
Der Schädel des jungen Mannes fühlte sich an als hätte man ihn in einen Schraubstock gespannt, er hatte Hunger und war zugleich vollkommen müde und schlapp.
„Lasst mich in Ruhe!“ stammelte er und versuchte sich vom grellen Licht weg zu drehen, doch es war kaum möglich.
„Patient 111-F-47! Hören sie zu!“ hallte es von der Decke der Zelle.
Frank setzte sich auf die Kante der Pritsche und hielt sich die Hände vor die Augen. „Was soll das?“ schnaufte er.
„Herzlich willkommen in ihrer Holozelle, Patient 111-F-47! Haben sie keine Angst. Sie befinden sich in einer Heilanstalt und wir wollen ihnen helfen!“ erläuterte die metallische Frauenstimme aus einem Lautsprecher.
„Diese neuartige Holozelle ist ein Teil ihrer Therapie, Patient 111-F-47! Wir nutzen diese Einrichtungen hier in „Big Eye“, um ihnen zu helfen den Pfad des angepassten Bürgers wiederzufinden. In dieser Holozelle verschwimmen alle Konturen, sie ist unbegrenzt, wie die „One-World“, deren glücklicher Bürger sie wieder werden sollen, Patient 111-F-47! Vertrauen sie uns und unseren neuesten Therapiemöglichkeiten. Von Menschenfreunden entwickelt, um den Menschen zu helfen. Diese Zelle beinhaltet die Freiheit, weil sie keine Grenzen kennt. Es ist ihre Freiheit, die Freiheit ihres Geistes, der unter unserer Leitung lernen wird, sich selbst zu heilen…“
Frank Kohlhaas hielt sich immer noch seinen schmerzenden Schädel. Dieses Licht war unerträglich und es sollte noch Wochen dauern bis er sich halbwegs an den grellen Schein gewöhnt hatte. Er musterte seine neue Heimat. Der Raum war vielleicht zehn mal zehn Meter groß, unter Umständen auch kleiner. Man sah aufgrund des extrem hellen, weißen Lichtes kaum die Konturen der Wände oder die Zellentür.
Dieser Lichtschein war grauenhaft und er drang bis in die letzten Winkel seines Gehirns vor. Auch wenn man die Augen zukniff, so belagerte diese unnatürliche Helligkeit den verbarrikadierten Kopf beharrlich wie eine Armee. Franks Kopfschmerzen waren unerträglich. Er übergab sich auf seine Pritsche und kroch in eine Ecke.
„Patient 111-F-47! Hören sie? Sie sind in einer Holozelle! Haben sie das verstanden? Wenn „ja“, dann heben sie die Hand!“ forderte der Lautsprecher energisch.
Der kranke Mensch signalisierte, dass er verstanden hatte und kauerte sich weiter in seine Ecke. In der Zelle waren keine Gegenstände, lediglich die Pritsche und eine Toilette an der gegenüberliegenden Wand. Ansonsten war hier nur das beißende Licht.
„Sie werden zwei mal am Tag eine Stunde Umerziehung bekommen!“ erklärte die unnatürliche Stimme aus der oberen Ecke des Raumes. „Die erste Umerziehungsstunde beginnt in 30 Minuten, Patient 111-F-47! Machen sie sich bereit!“
Frank war mit der Situation vollkommen überfordert und vergrub sein Gesicht, nach wie vor in der Ecke zusammengesunken, hinter seinen Knien. Er versuchte an nichts zu denken und hätte alles dafür getan dieses verfluchte Licht abzuschalten. Doch das stand nicht in seiner Macht. So wie nichts in „Big Eye“ in seiner Macht stand. Er war hier nur die weiße Maus, die kleine Laborratte im Käfig, die alles erdulden musste, was sich die kranken Erfinder dieser so genannten „Heilanstalt“ ausgedacht hatten. Dann begann die Umerziehungsstunde, wobei der Lautsprecher 111-F-47 noch einmal intensiv die Gründe seiner „Therapie“ erläuterte. Er erzählt, dass man hier einen „guten Menschen“ aus Frank machen wollte. „Einen Menschen, der menschlich ist, indem er seine Menschlichkeit überwindet“.
So ging es die ganze Stunde lang und das Licht brannte und schmerzte immer schlimmer. Zeitweise verlor der Gefangene die Orientierung, da ihm der grelle Schein oft wie ein weißer Nebelschwaden vorkam. Es tat weh im Kopf. Und dann noch dieses metallisch klingende Gerede, diese stählerne Computerfrau, die ihn quälte.
„Ich halte diesen Wahnsinn keine zwei Wochen aus !“ sagte Frank zu sich selbst und rollte sich in der Ecke immer kleiner zusammen. „Ich will, dass es aufhört…Bitte Gott…“ jammerte er.
Doch Gott hörte ihn nicht. Zu perfekt war die Schallisolierung der Holozelle im Gefängniskomplex „Big Eye“. Wenn Frank hier einen Gott hatte, dann war es er oder sie oder es, das Wesen hinter dem Lautsprecher.

Nachts um 22.00 Uhr wurde das grelle Licht abgeschaltet. Der Raum wurde dann schlagartig stockfinster. So finster, dass nicht die kleinste Lichtquelle übriglieb. Frank sah die Hand vor Augen nicht mehr und in seinem Kopf hüpften noch die Nachwirkungen des gleißenden Lichtscheins als bunte Farben umher.
Es gab hier nur extrem hell oder extrem dunkel. Wer auch immer das Konzept der Holozelle entwickelt hatte, wusste genau, dass diese grausame Form der Konditionierung selbst den widerspenstigsten Mann innerhalb von nur kurzer Zeit in einen willigen Sklaven verwandelte. Und so vergingen die ersten Tage in „Big Eye“ langsam und hinterließen viele tiefe Narben im Verstand des noch jungen Menschen. Doch es gab kein Entkommen. Keine Möglichkeit zu fliehen, keine Rettung durch Gott. Nur der Teufel schien sich für „Big Eye“ zu interessieren – vermutlich hätte er diese Hölle auf Erden sogar konstruiert.

„Stehen sie gerade, Patient 111-F-47!“ Hier in „Big Eye“ gibt es keine Gewalt unter Patienten, keine Aufstände und keinen Ärger – denn jeder bleibt die gesamte Haftzeit für sich allein. Sie, 111-F-47, sind einer der ersten heilungsbedürftigen Menschen, der das Glück hat, in einer Holozelle seine Therapie zu erhalten. Wir freuen uns für sie, dass das computergestützte Auswahlverfahren sie für diesen Raum vorgesehen hat.
Verhalten sie sich willig, sein sie anpassungsfähig und lernen sie Regeln des Systems zu respektieren. Nicht jeder Patient hier hat das Glück in eine Holozelle zu kommen. Sie sind einer der Prototypen. Strengen sie sich an und helfen sie den Entwicklern der Holozellen-Therapie bei einer guten Statistik!“ tönte es nach drei Wochen eines Morgens durch den Raum.
An anderen Tagen wurde Patient 111-F-47 erklärt, wie wichtig es ist alles zu glauben, was die Medien sagen. Wie nötig es ist, denn Menschen von seinen Instinkten zu befreien, seinen noch zu sehr an die Natur gebundenen Verstand neu zu formatieren und psychisch richtig zu programmieren. Wie unausweichlich die Sedierung des Menschen ist, damit er glücklich werden kann. Wie wichtig der Konsum und die Gewinnmaximierung ist…Und so weiter….

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Gast







BeitragVerfasst am: 09.01.2010 13:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Alexander ….

grundsätzlich scheint deine Idee so schlecht nicht, aber auch nicht neu. Mir scheint der Fokus – der Inhalt und die Umsetzung leider etwas dürftig und die Erzählung stilistisch ziemlich wackelig. Einziger Mittelpunkt scheint eine Methode.

Zitat:
Der Transport nach „Big Eye“, einem der größten und modernsten Hochsicherheitsgefängnisse im gesamten Verwaltungssektor „Europa-Mitte“, dauerte nicht allzu lange, doch Frank kam er wie eine halbe Ewigkeit vor. Geistig abwesend, wie von einem Betäubungspfeil getroffen, ließ er die eigentlich schöne ländliche Gegend auf dem Weg nach Bernau an sich vorbei ziehen.


Schon der Einstieg erklärt auf zu engen Raum zu viel Es gibt andere Wege die Infos zu vermitteln. Dazu kommt, er wandert in ein Hochsicherheitsgefängnis. Ergo wird er für die Gesellschaft ein ernstes Problem sein. Hast du schon mal einen Gefängnisbus gesehen? Mit einem Linienbus hat er nichts gemein, deshalb auch keine großartigen Fenster, aus denen er die Landschaft bewundern könnte. Schon gar nicht als Hochsicherheitsrisiko.

Zitat:
Die Polizeibeamten schwiegen die meiste Zeit über oder redeten über die neue Fernsehshow „Der kleine Flüsterer“, bei der Kinder Preise gewinnen konnten, wenn sie subversives Verhalten bei ihren Eltern oder Verwandten aufdeckten.
Im Grunde hatte sich der junge Mann vorgenommen die Polizeibeamten anzusprechen, ihnen zu sagen, dass alles nur ein Justizirrtum sei, aber er tat es nicht. Und sie wirkten auch nicht so als hätten sie übermäßigen Gesprächsbedarf gehabt.


Du wirst dich entscheiden müssen. Schwiegen sie nun oder redeten sie die MEISTE Zeit? Im Mittelpunkt der Erzählung steht dieser Frank, erzählt wird aus interner Position. Da mutete es merkwürdig an, ihn plötzlich als „jungen Mann“ also von außen anzusprechen. Er hatte sich vor genommen, die Begleiter anzusprechen? Wann? Vorher? Wusste er vor dem Transport um die ‚Situation während des Transportes, oder haben wir hier lediglich eine Fehlformulierung? Von wo ging der Transport ab, dass er diesen Zeitpunkt als richtig erachtete seine Unschuld zu beteuern?


Zitat:
Nach einer Weile wurden die Umrisse eines riesigen Gefängniskomplexes am Horizont sichtbar. Das war „Big Eye“. Frank hatte einmal eine Reportage im Fernsehen über diese Anstalt gesehen, wo den Zuschauern nur glückliche und geheilte „Patienten“ (so war die offizielle Bezeichnung) gezeigt wurden. Jetzt war er selbst auf dem Weg dorthin. Das Gebäude war von hohen Betonmauern, die mit Stacheldraht und Wachtürmen versehen waren, umringt. Es besaß mehrere Stockwerke und an einer Außenmauer erkannte der Häftling dieses seltsame Symbol, dass ihm heute morgen schon auf dem Etikett seines Kaffeepulverglases aufgefallen war: eine Pyramide mit einem Auge in der Spitze. Das Zeichen sah zwar etwas anders aus als das Firmensymbol der „Globe Food“ Ladenkette, aber die Ähnlichkeit war trotzdem eindeutig. „Big Eye – das große Auge. Niemand entkommt seinem Blick !“, dachte Frank von Furcht ergriffen. Er sollte Recht behalten….


Wie eingangs erwähnt. Nun war er selbst auf dem Weg dort hin. Warum? Die Beschreibung des Gefängnisses ist zu diesem Zeitpunkt unmöglich und zu jedem Zeitpunkt unwichtig. Kann sich jeder selbst ein Bild vom Hochsicherheitsgefängnis machen. Das von dir verwendete Symbol, Pyramide mit Auge, gibt es wirklich. Vorsichtig damit.

Zitat:
Der „Patient“ wurde aus dem Transporter geführt und die Beamten mussten nicht grob werden. Er folgte ihnen, schwieg und nahm wie in Trance alle Anweisungen und Befehle zur Kenntnis. Kleiderordnung, Essensausgabe, Schlafenszeit. Er hörte kaum hin, versunken in eine finstere Grübelei.
Aber das spielte auch keine Rolle. Er sollte laut Gerichtsurteil fünf Jahre hier bleiben und hatte demnach Zeit genug den Tagesablauf bis ins kleinste Detail zu verinnerlichen. Nachdem Frank seine Straßenkleidung abgegeben hatte, musste er ein weißes Hemd und eine weiße Hose anziehen, ebenso weiße Turnschuhe.
„Sie bekommen jede Woche eine neue Garnitur“, erklärte ihm einer der Wärter. „Folgen sie mir jetzt, Bürger 1-564398B-278843 ! Ab heute heißen sie in dieser Anstalt übrigens 111-F-47….Patient 111-F-47! Haben sie das verstanden?“
Frank hauchte ein „Ja“ heraus und nickte.


Der „Patient“ ist in diesem Fall die Ansprache des Erzählers! Ein weiteres Stilproblem. Neutralität verloren. Die Wärter dürfen ihn gern so bezeichnen. Immerhin wird hier das Urteil erwähnt, nicht aber die Anklage. Zum Ende kommt, was der Erzähler vorweg genommen hat. Die Erklärung zum „Patienten“.  

Zitat:
„Gut“, fuhr der Wärter fort. „Dann folgen sie jetzt den Vollzugsbeamten, die sie in ihre Zelle im Block F bringen. Machen sie keine Schwierigkeiten!“
Der neue Gefangene wurde viele Treppenstufen hinauf geführt bis in eines der obersten Stockwerke des Gefängniskomplexes. Innerlich gebrochen stierte er die meiste Zeit auf den Boden, doch selbst in seiner lethargischen Schockstarre fiel ihm auf, dass von den anderen Gefangenen fast nichts zu hören war. Keine Gespräche, kein Schreien oder sonst ein Laut. Es war beklemmend. Die tiefen Gänge von „Big Eye“ waren unheimlich still und alle Zellentüren mit extrem dicken Stahltüren verschlossen auf denen Nummern standen.


Hier ist das Ende beanstandungswürdig. Das Superlativ „extrem dicken“ stört und ist überdies nicht möglich. Da die Türen verschlossen sind, kann der Häftling deren Stärke nicht einschätzen.

Zitat:
Die Zelle mit der Nummer 47 im Block F war für Frank bestimmt. Er versuchte sich vorzustellen, dass alles nur ein böser Traum sei. Es konnte einfach nicht real sein und gleich würde er aufwachen, um sich als erstes an dem fauligen Eiergeruch aus seinem Hausflur zu erfreuen. Er würde aus seiner Wohnung hinauslaufen und laut über den Flur schreien: „Schön, dass du da bist, Gestank!“
Ja, das würde er machen, denn gleich würde er sicherlich fort sein und dieser schreckliche Ort würde zerplatzten wie ein böser Gedanke. Doch es war nicht so.


Noch ein Mysterium. Warum stank es in seiner Wohnung nach verfaulten Eiern? Unmotivierter Füller. Immerhin kommen die Gedanken glaubwürdig rüber.

Zitat:
„111-F-47 ! Wir sind da ! Das ist ihre Zelle!“ sagte plötzlich einer der Vollzugsbeamten.
Der stämmige Mann mit dem braunen Schnauzbart und den kantigen Wangenknochen gab den Access Code ein und die Zelle öffnete sich.
„Rein da, 111-F-47 !“ knurrte er.
In diesem Moment schien die Klarheit wieder in Franks Geist zurückzukehren. Plötzlich wurde ihm mit unangenehmer Schärfe klar, dass er fünf ganze Jahre in so einem Loch verbringen sollte. Das ließ seinen Verstand wie Glas zersplittern. Er brach zusammen und verlor das Bewusstsein…..


Der Absatz kann unkommentiert bleiben.

Zitat:
Nach einer unbestimmten Zeit wachte Frank wieder auf. Aufgeweckt durch gleißend helles Neonlicht, das sich durch seine Augenlider fraß. Zwar war er noch recht benommen und ihm war schlecht, doch war das Licht so penetrant, dass es ihm regelrecht in den Schädel stach.
„Wachen sie auf, Patient 111-F-47 !“ dröhnte eine Stimme in irgendeiner Ecke des Raumes, in welchen man den Heilungsbedürftigen gesperrt hatte. „Wachen sie auf, Patient 111-F-47 !“ schallte es erneut.
Frank lag mit dem Rücken auf einer hellgrauen Kunstlederpritsche und seine Kopfschmerzen kehrten mit aller Macht zurück. „Wachen sie auf!“ Immer wieder.


Ein ruppiger Zeitsprung, weil der Schlaf unklar war. Wäre besser gewesen ihn mit den Gedanken an die kommenden Jahre zu verbinden. Es braucht keine exakten Beschreibungen der spärlichen Details. „Hellgrau“.

Zitat:
Der Schädel des jungen Mannes fühlte sich an als hätte man ihn in einen Schraubstock gespannt, er hatte Hunger und war zugleich vollkommen müde und schlapp.
„Lasst mich in Ruhe!“ stammelte er und versuchte sich vom grellen Licht weg zu drehen, doch es war kaum möglich.
„Patient 111-F-47! Hören sie zu!“ hallte es von der Decke der Zelle.
Frank setzte sich auf die Kante der Pritsche und hielt sich die Hände vor die Augen. „Was soll das?“ schnaufte er.


Wieder die Ansprache in dritter, unbestimmter Person. Geht der Perspektive wegen nicht gut.

Zitat:
„Herzlich willkommen in ihrer Holozelle, Patient 111-F-47! Haben sie keine Angst. Sie befinden sich in einer Heilanstalt und wir wollen ihnen helfen!“ erläuterte die metallische Frauenstimme aus einem Lautsprecher.
„Diese neuartige Holozelle ist ein Teil ihrer Therapie, Patient 111-F-47! Wir nutzen diese Einrichtungen hier in „Big Eye“, um ihnen zu helfen den Pfad des angepassten Bürgers wiederzufinden. In dieser Holozelle verschwimmen alle Konturen, sie ist unbegrenzt, wie die „One-World“, deren glücklicher Bürger sie wieder werden sollen, Patient 111-F-47! Vertrauen sie uns und unseren neuesten Therapiemöglichkeiten. Von Menschenfreunden entwickelt, um den Menschen zu helfen. Diese Zelle beinhaltet die Freiheit, weil sie keine Grenzen kennt. Es ist ihre Freiheit, die Freiheit ihres Geistes, der unter unserer Leitung lernen wird, sich selbst zu heilen…“


Zu viele Wortwiederholungen. Hier und insgesamt. Holozelle, Patient, Ziffer. Ist er nun in einer Heilanstalt oder einem Hochsicherheitsgefängnis? Die Ansprache wiederspricht der einzig gottgleichen Stimme der Geschichte, dem Erzähler.

Zitat:
Frank Kohlhaas hielt sich immer noch seinen schmerzenden Schädel. Dieses Licht war unerträglich und es sollte noch Wochen dauern bis er sich halbwegs an den grellen Schein gewöhnt hatte. Er musterte seine neue Heimat. Der Raum war vielleicht zehn mal zehn Meter groß, unter Umständen auch kleiner. Man sah aufgrund des extrem hellen, weißen Lichtes kaum die Konturen der Wände oder die Zellentür.
Hier wird ein Sprung über Wochen vollzogen, und dann erst musterte er seine Zelle, obgleich er sich bereits an sie gewöhnt hatte. Die Maße hätten unauffällig während des Bezuges einfließen können, wenn sie wichtig sind.

Dieser Lichtschein war grauenhaft und er drang bis in die letzten Winkel seines Gehirns vor. Auch wenn man die Augen zukniff, so belagerte diese unnatürliche Helligkeit den verbarrikadierten Kopf beharrlich wie eine Armee. Franks Kopfschmerzen waren unerträglich. Er übergab sich auf seine Pritsche und kroch in eine Ecke.
„Patient 111-F-47! Hören sie? Sie sind in einer Holozelle! Haben sie das verstanden? Wenn „ja“, dann heben sie die Hand!“ forderte der Lautsprecher energisch.


Und abermals dreht sich die Geschichte im Kreis. Die Wirkung des Lichts wurde bereits deutlich hervor gehoben, und im vorherigen Absatz sogar überwunden. Hier ist es abermals Thema. Kein gutes Timing.

Zitat:
Der kranke Mensch signalisierte, dass er verstanden hatte und kauerte sich weiter in seine Ecke. In der Zelle waren keine Gegenstände, lediglich die Pritsche und eine Toilette an der gegenüberliegenden Wand. Ansonsten war hier nur das beißende Licht.
„Sie werden zwei mal am Tag eine Stunde Umerziehung bekommen!“ erklärte die unnatürliche Stimme aus der oberen Ecke des Raumes. „Die erste Umerziehungsstunde beginnt in 30 Minuten, Patient 111-F-47! Machen sie sich bereit!“


Jetzt wird er vom als "kranker Mensch" angesprochen. Bitte unbedingt über die Aufgaben des Erzählers informieren.

Zitat:
Frank war mit der Situation vollkommen überfordert und vergrub sein Gesicht, nach wie vor in der Ecke zusammengesunken, hinter seinen Knien. Er versuchte an nichts zu denken und hätte alles dafür getan dieses verfluchte Licht abzuschalten. Doch das stand nicht in seiner Macht. So wie nichts in „Big Eye“ in seiner Macht stand. Er war hier nur die weiße Maus, die kleine Laborratte im Käfig, die alles erdulden musste, was sich die kranken Erfinder dieser so genannten „Heilanstalt“ ausgedacht hatten. Dann begann die Umerziehungsstunde, wobei der Lautsprecher 111-F-47 noch einmal intensiv die Gründe seiner „Therapie“ erläuterte. Er erzählt, dass man hier einen „guten Menschen“ aus Frank machen wollte. „Einen Menschen, der menschlich ist, indem er seine Menschlichkeit überwindet“.


Immerhin ist er hier wieder Frank. Er hat sich an die Umstände gewöhnt, hieß es zwei Absätze zuvor. Von einem erschwerten Alltag wurde dem Leser bis hier nichts erzählt. Mit was also hadert Frank?

Zitat:
So ging es die ganze Stunde lang und das Licht brannte und schmerzte immer schlimmer. Zeitweise verlor der Gefangene die Orientierung, da ihm der grelle Schein oft wie ein weißer Nebelschwaden vorkam. Es tat weh im Kopf. Und dann noch dieses metallisch klingende Gerede, diese stählerne Computerfrau, die ihn quälte.
„Ich halte diesen Wahnsinn keine zwei Wochen aus !“ sagte Frank zu sich selbst und rollte sich in der Ecke immer kleiner zusammen. „Ich will, dass es aufhört…Bitte Gott…“ jammerte er.
Doch Gott hörte ihn nicht. Zu perfekt war die Schallisolierung der Holozelle im Gefängniskomplex „Big Eye“. Wenn Frank hier einen Gott hatte, dann war es er oder sie oder es, das Wesen hinter dem Lautsprecher.


Und wieder das Licht – dann die Stimme aus dem Lautsprecher. Ihr hätte längst ein Synonym zu geordnet werden müssen. Ich breche hier ab, denn es geht alle drei Zeilen um das grelle Licht, das ihm zusetzt.

Insgesamt dreht sich das Werk im Kreis und ist nicht zueltzt deshalb kein großer Wurf. Bleichwer schleppt es sich dahin. Außer Licht nichts gewesen. Weder zum Prota, noch zu seinem Gefängnisalltag oder was immer man hätte erzählen können.

Drei Normseiten zum selben Problem, sind schon hart, zumal er sich mittig der Geschichte bereits ans Licht gewöhnt hatte. Ein Fall für die Talentschmiede. Ich entnehme deinen Einstiegszeilen, dass sie länger wird. Lieber Alexander (...) sollte ein Roman geplant sein, zäunst du das Pferd von hinten auf. Mache dich zuerst mit der Kunst des Erzählens vertraut, dann gehe ans Schreiben. Du findest hier (in den Schreibschulen) richtig gute Tipps. Es würde sich lohnen.

Grüße
Bobbi
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Murmel
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BeitragVerfasst am: 09.01.2010 15:38    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Alexander,

Ganz nett, aber leider hat Bobbi Recht. Du bist noch meilenweit von einer Veröffentlichung entfernt. Gräme dich nicht, du befindest dich in guter Gesellschaft. Es ist ein Irrglaube, dass die Begriffe Erstlingswerk und Debutnovel bedeuten, dass der Autor sein allererstes Werk veröffentlicht hat.

Der Schnitt der Erstlingsautoren verbringt fünf Jahre mit Lernen, Schreiben, Lernen, Korrigieren, Neuschreiben bis er sich zu einem Standard emporgelernt hat, wo Verlage auf ihn aufmerksam werden.

Das war bei Stephen King, Dan Brown, JK Rowling und all den anderen Erfolgreichen auch nicht anders.

Zur Kritik: Idee nicht schlecht, aber an der Ausführung happerts gewaltig. Aber hier bist du richtig, der erste Schritt ist gemacht. smile


_________________
*Koppelmord - Carlsen Instantbooks 2013
*Flauschangriff - Piper/Weltbild 2014, Piper Fahrenheit 2017
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*Brunnenleich - Gmeiner-Verlag Juli 2018
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*tbd - Edel Elements tbd
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Alexandermerow
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BeitragVerfasst am: 11.01.2010 01:39    Titel: ... pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich bedanke mich für die Kritik, lieber Bobbi! Werde sie mir zu Herzen nehmen.

"Außer Licht nichts gewesen. Weder zum Prota, noch zu seinem Gefängnisalltag oder was immer man hätte erzählen können."

Der Auszug ist eben nur ein Auszug. Franks Leiden in der Holozelle werden im weiteren Verlauf des Buches noch ausführlich geschildert.

"Pyramide mit dem Auge"

Naja, das Symbol habe ich schon bewusst gewählt...
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Alexandermerow
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BeitragVerfasst am: 11.01.2010 01:44    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

"Fauler Eiergeruch"

Wird in Kapitel 1 erklärt. Frank hauste in einem verrotteten Wohnblock und dieser Geruch erinnert ihn an zu Hause.
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Alexandermerow
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BeitragVerfasst am: 11.01.2010 10:53    Titel: ... pdf-Datei Antworten mit Zitat

"Im Grunde hatte sich der junge Mann vorgenommen die Polizeibeamten anzusprechen, ihnen zu sagen, dass alles nur ein Justizirrtum sei, aber er tat es nicht."

Bezieht sich auf "Automatisiertes Gerichtsverfahren" (ist auch hier als Leseprobe, der Rest des 230 Seiten Romans aber nicht)
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Alexandermerow
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BeitragVerfasst am: 11.01.2010 11:06    Titel: Beutewelt Anschlagsszene (Ausschnitt) pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ein kurzer Ausschnitt aus der Anschlagsszene....


Die Stimme des Gouverneurs dröhnte hinab bis in die Tiefe der Pariser Unterwelt. Frank und Alf hasteten wie Raubtiere aus ihrem Versteck im Halbdunkel und postierten die Bombe an der vorher gewählten Position. Über sich hörten sie das Raunen der Masse, die Wechslers Rede verfolgte.
Alf stellte den Zeitzünder ein und als ein leises „Piep“ erschallte, war dies für die zwei Rebellen wie der Startschuss zu einem alles entscheidenden Sprintlauf.
„Sie ist scharf!“ sagte Alf und warf seinem Gegenüber einen ernsten Blick zu. Die Uhr des Todes war angeworfen worden und tickte ihr bösartiges Lied bis zum blutigen Finale.
Frank Kohlhaas und Alfred Bäumer sprangen wie flüchtende Hasen zurück in den Gang, aus dem sie gekommen waren.
Sie hatten kiloweise NDC-23 aktiviert und in zehn Minuten würde dieser hochexplosive Sprengstoff ein riesiges Loch in den Boden vor dem „Tempel der Toleranz“ reißen.
Der Weg zurück erschien feindlich und die Angst, den bisher so erfolgreichen Plan doch noch durch eine Dummheit gegen die Wand zu fahren, pochte in den Gehirnen der beiden Flüchtenden. Sie jagten mit den Lichtkegeln ihrer Taschenlampen vor sich durch die stinkenden Kanäle und die Räume mit den Auffangbecken hindurch. Der finstere Weg durch die Unterwelt hatte sich mittlerweile in ihren Verstand gebrannt und wie von einem Dämon gehetzt legten sie ihn schneller zurück als zuvor. Über ihnen nahm das Schicksal seinen Lauf, der Blutmond schwoll an und blickte grimmig auf die „Strasse der Humanität“ hinab...
„Humanität! Was bedeutet dieses großartige Wort?“ rief Wechsler in das Mikrofon.
 „Es bedeutet Menschlichkeit! Das oberste Gebot unserer neuen Welt. Gleichheit, Freiheit und Menschlichkeit für alle! Das haben wir den Menschen gebracht. Eine bessere Welt und eine friedlichere Welt. Und das ist der Grund, warum wir heute feiern dürfen.
Er war erfolgreich - der Versuch, diese Welt besser zu machen. Als ich Gouverneur des Sektors „Europa-Mitte“ wurde, gab es für mich immer nur eine Losung: Wir können es schaffen! We can do it!
Natürlich war es nicht immer leicht, den Menschen diese heiligen Werte zu schenken, aber heute sind wir vereint und glücklich. Wir lieben einander und wir sind frei. Und wem haben wir das zu verdanken?
Unserem gemeinsamen Glauben an die Menschli.................

BUMM !!!

Ein gewaltiger Schlag schnitt Wechsler das Wort im Munde ab und riss ihm die nächste Lüge aus der Kehle. Es war so als hätte sich der Boden aufgetan, um den Teufel selbst hinab in die Hölle zu ziehen. Die Explosion war verheerend und riss ein gewaltiges Loch in den Platz vor dem „Tempel der Toleranz“. Auch die Vorderseite des Gebäudes wurde wie Papier von der Druckwelle zerrissen.
Mehrere Dutzend Sicherheitsleute und Politiker wurden in Stücke gerissen, darunter auch Leon-Jack Wechsler selbst. Ein Regen aus Asphaltstücken, Betonteilen, Holzsplittern und Fleischfetzen regnete auf die Erde hinab. Wo vorher noch der Gouverneur gesprochen hatte, klaffte jetzt ein qualmender Schlund im Boden, der mit Trümmern und Leichenteilen übersät war.
Frank und Alf jagten weiter durch die Gänge. Der dumpfe Knall der Explosion schallte im dunklen Tunnelsystem von Paris bis in die letzte Ecke. Er war für die beiden wie der zweite Startschuss zu einem noch schnelleren Sprint und so versuchten sie, den Rückweg mit noch verrückterer Hast zu bewältigen.
„Wir haben es geschafft! Jetzt nichts wie raus hier!“ schnaufte Frank und rannte wie von Sinnen. Fast wäre er ausgerutscht, doch Alf hielt ihn fest und zerrte ihn mit sich.

Die Menge schwieg für kurze Zeit, als sie das Ende des Gouverneurs auf den Videoleinwänden erblickte. Polizisten und Soldaten wichen ungläubig zurück und erstarrten für einige Minuten voller Entsetzen.
Einen Schwarm von Journalisten und Kameraleuten, die vor der Bühne zu einem dichten Pulk zusammengeschmolzen waren, hatte die Bombe auch erwischt. Einige waren sofort tot, die anderen waren mehrere Meter fortgeschleudert worden und lagen mit abgerissenen Gliedmassen oder schwer blutend auf dem Boden. Ihre Kollegen, die von weiter weg das Geschehen filmten, hielten ihre Kameras jedoch jetzt eifrig auf das blutige Szenario. Der Schrecken, der sich wie sonst die Skydragons, diese gefürchteten Großhubschrauber, auf den Platz vor dem „Tempel der Toleranz“ hinabgestürzt hatte, lähmte die gaffende Menge für eine Weile.
Langsam jedoch verarbeiteten die Gehirne der Menschen die neue Situation und vor allem die Sicherheitskräfte versuchten schnell, auf den neuen Umstand zu reagieren. Funksprüche überbrachten den Polizisten und Militärs hastig und erregt gebrüllte Befehle und Anweisungen, einige Beamte schickte man in die rauchende Kanalisation, damit sie nachsehen konnten, was da unten passiert war.
Widerwillig stiegen etwa ein Dutzend Männer in die Tiefe hinab. Andere wurden zu nahe gelegenen Schachtdeckeln, gerufen, um darunter liegende Gänge zu prüfen. Da allerdings die meisten Gullydeckel rund um den „Tempel der Toleranz“ zuvor aus Sicherheitsgründen zugeschweißt worden waren, verzögerte sich nun der Vorstoß in das Tunnelsystem.
Nach einer Weile waren einige der Polizisten in das Gewirr der Pariser Kanalisation eingedrungen und versuchten, verdächtige Personen ausfindig zu machen. Ihre Rufe und das Geprassel ihrer schweren Stiefel hallten in den Gewölben wieder.

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BeitragVerfasst am: 11.01.2010 15:35    Titel: Antworten mit Zitat

Deiner Reaktion zur Kritik im anderen Beitrag lässt darauf schliessen, dass du hier nur zur Werbung zu deinem Buch und nicht an einer Kritik interessiert bist.

Für Werbung gibt es ein eigenes Board.


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BeitragVerfasst am: 11.01.2010 18:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Alexander,

schön, dass du die schon harte Kritik verdauen konntest. Damit hast du deine Feuertaufe hinter dich. Mein Tipp, dehne einzelne Themen oder Leidenswege nicht unnötig aus. Dein größtes Problem ist, dass du das Licht und dessen Wirkung erzählerisch angegangen bist. Es wäre besser gewesen sich auf Franks Überraschung über das Weiß der Wände und das grelle Licht zu wundern. Und dann, wenn du es hin bekommt, den Leser am Alltagsleid teilnehmen zu lasen, nach und nach die Wirkung des Lichts heraus arbeiten. Starre mal bei grellem Licht auf eine weiße Wand. Du wirst Wahrnehmungen haben, die Seitenweise Stoff liefern. Und alles gefärbt von der Prägung des Häftlings. Finde andere Wege, als das Licht kurzerhand erzählerisch abzuhandeln. Zu viel Erzählung entwaffnet den Autor, wenn ihm die Routine fehlt.

Grüße
Bobbi
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BeitragVerfasst am: 11.01.2010 18:32    Titel: ... pdf-Datei Antworten mit Zitat

"Zu viel Erzählung entwaffnet den Autor, wenn ihm die Routine fehlt."

Ich habe zu viel Erzählstellen in dem Buch, da hast du sicherlich recht. Werde mich nochmal ans Überarbeiten machen.


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BeitragVerfasst am: 11.01.2010 18:39    Titel: ... pdf-Datei Antworten mit Zitat

Mehr Ausschnitte aus Beutewelt kann bzw. werde ich ohnehin nicht ins Netz stellen. Mich lässt die Kritik nicht kalt, allerdings kann ich ja trotzdem darauf hinweisen, dass einige Unklarheiten in einem Textausschnitt im weiteren Verlauf des Buches geklärt werden.

Zudem habe ich ja nicht bereits zahllose Manuskripte geschrieben, sondern habe eben nur dieses eine - bisher.


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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 11.01.2010 18:42    Titel: Antworten mit Zitat

Damit ich mich daran erinnere, möchte ich hier den Hinweis hinterlassen, dass ich auf jeden Fall noch detailliert auf deine Leseprobe eingehen möchte, weiß aber nicht, ob das vor dem WE was wird. Aber ich habe es gelesen und bleib dran, wenn du interessiert bist.

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BeitragVerfasst am: 11.01.2010 18:48    Titel: ... pdf-Datei Antworten mit Zitat

Na, ziehe mir schon einmal die Rüstung an... Arrow  rotwerd

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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 11.01.2010 18:53    Titel: Antworten mit Zitat

Nein, keine Sorge. Die wichtigsten Punkte wurden schon gründlicher und professioneller kritisert, als ich es kann. Ich wollte nur dazu schreiben, was mir persönlich so aufgefallen ist, zumal ich selbst mich für das Genre der Dystopie sehr interessiere.

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BeitragVerfasst am: 12.01.2010 18:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Alexander (…),

ich würde mir wünschen, dass du deine Zeilen etwas bodenständiger betrachten könntest. Sie sind auch durch mehrfache Überarbeitung nicht zur Veröffentlichungsreife zu bringen. Dir fehlen NOCH die Techniken. Ein Autor ist wie ein guter Wein. Erst wird er kreiert, dann reift er zur Güte.
Ich werde versuchen dir meine Ansicht näher zu bringen. Was ist eine Anschlagsszene? Der Einstieg? Vielleicht hilfst du mir da. Ich nehme an, du wolltest mit den Folgezeilen ein dramatisches Sprengstoffattentat rüber bringen und vermutlich wirst du eine klare Vorstellung von den Tätern, der Tat und den Örtlichkeiten gehabt haben. Ich meine es bierernst, wenn ich frage, ob das eine Komödie werden sollte? Diesen Eindruck haben deine Zeilen auf mich gemacht. Begründen tut sich das wie folgt: Die Kommentare findest du unter deinem Text.


Zitat:
Die Stimme des Gouverneurs dröhnte hinab bis in die Tiefe der Pariser Unterwelt. Frank und Alf hasteten wie Raubtiere aus ihrem Versteck im Halbdunkel und postierten die Bombe an der vorher gewählten Position. Über sich hörten sie das Raunen der Masse, die Wechslers Rede verfolgte.
Alf stellte den Zeitzünder ein und als ein leises „Piep“ erschallte, war dies für die zwei Rebellen wie der Startschuss zu einem alles entscheidenden Sprintlauf.


Hier hatte ich den Eindruck, die zwei bewegen sich in einem Gully, der direkt in einen Raum führt. Was für sich ein Ding der Unmöglichkeit ist. Du erklärst, dass die beiden immerhin helle genug waren, den zuvor festgelegten Punkt für die Bombe zu finden. Großes Problem. Autoren erklären nicht und sollten wissen, wem sie die Geschichte erzählen. Nehmen wir an, dein Zielpublikum wäre normal gebildetes beiderlei Geschlecht zwischen achtzehn und fünfundzwanzig. Werden die die Erklärung lesen wollen, dass die Attentäter den richtigen Platz gefunden haben?


Nächster Punkt. Das ganze spielt in Paris. Den Namen nach, dürften die zwei Ausländer sein. Sie bewegen sich im Gully, sicher vor Blicke Dritter. Warum rennen sie zum Tatort? Und warum wie Raubtiere? Handelt se sich bei dem Gebäude um eine Art Palast der Macht? Wie laut geht es darin zu, dass die zwei die Stimmen und das Raunen der Anwesenden bis draußen im Gully hören? Wechsler ist vermutlich eine Person. Diese wird durch den Erzähler ins Spiel gebracht, also wäre er als Monsieur Wechsler zu bezeichnen! Der Erzähler bedient sich nicht der Mundart, es sei denn, es wäre der „Ich-Erzähler“.

Dann stellte Alf den Zeitzünder ein, es piept und die zwei Rennen abermals? Warum? Als Urheber der Bombe bestimmen sie die Zeitreserve selbst! Außerdem wird „Bombe“ der Dramatik der Situation nicht gerecht, wenn es keine Komödie ist. Sonst besser Sprengsatz schreiben. Sprintlauf? Sprint sagt doch alles. Wobei er deshalb weder ernster noch sinnvolle wirkt.


Zitat:
„Sie ist scharf!“ sagte Alf und warf seinem Gegenüber einen ernsten Blick zu. Die Uhr des Todes war angeworfen worden und tickte ihr bösartiges Lied bis zum blutigen Finale. Frank Kohlhaas und Alfred Bäumer sprangen wie flüchtende Hasen zurück in den Gang, aus dem sie gekommen waren.
Sie hatten kiloweise NDC-23 aktiviert und in zehn Minuten würde dieser hochexplosive Sprengstoff ein riesiges Loch in den Boden vor dem „Tempel der Toleranz“ reißen.


Schau dir diesen Absatz an. Alf sagte, sie ist scharf und wirft seinem Gegenüber einen ernsten Blick zu. Eigentlich hattest du einen Absatz zuvor bereits den Sprint angekündigt. Tatsächlich glotzen die zwei sich an und während du das tust, verfällst du in üble Lyrikschwurbelei, die mehr als bemüht rüber kommt. Die Geschichte kommt nicht voran. Alfred Bäumler, um Gottes Willen! In Paris? Alf hatte ich klar vor Augen. Klar wer gemeint ist, oder? Nun folgt eine detailierte Erklärung zu Gewicht, Art und Wirkung des Sprengsatzes. Wer braucht sie und wozu dient sie?

Zitat:
Der Weg zurück erschien feindlich und die Angst, den bisher so erfolgreichen Plan doch noch durch eine Dummheit gegen die Wand zu fahren, pochte in den Gehirnen der beiden Flüchtenden. Sie jagten mit den Lichtkegeln ihrer Taschenlampen vor sich durch die stinkenden Kanäle und die Räume mit den Auffangbecken hindurch. Der finstere Weg durch die Unterwelt hatte sich mittlerweile in ihren Verstand gebrannt und wie von einem Dämon gehetzt legten sie ihn schneller zurück als zuvor. Über ihnen nahm das Schicksal seinen Lauf, der Blutmond schwoll an und blickte grimmig auf die „Strasse der Humanität“ hinab...
„Humanität! Was bedeutet dieses großartige Wort?“ rief Wechsler in das Mikrofon.


Auch dieser Absatz könnte verkrampfter nicht sein. Wieso erschien der Rückweg feindlich? Was war an dem Plan bisher erfolgreich? Das Ablegen des Sprengsatzes? Du steigst dabei zeitgleich in die Gedanken beider. Auch ein Problem. Über ihnen nahm das Schicksal seinen Lauf und der Blutmond schwoll an und blickte was? Was wolltest du damit ausdrücken? Ein Gruselreim? Obwohl die beiden schön türmen, und ein ganzes Stück hinter sich gebracht haben dürften, hören sie Wechsler noch immer reden? Oha.

Zitat:
Es bedeutet Menschlichkeit! Das oberste Gebot unserer neuen Welt. Gleichheit, Freiheit und Menschlichkeit für alle! Das haben wir den Menschen gebracht. Eine bessere Welt und eine friedlichere Welt. Und das ist der Grund, warum wir heute feiern dürfen.


Naive Rhetorik, die keinem Hund hinterm Ofen hervor lockt.

[
Zitat:
Er war erfolgreich - der Versuch, diese Welt besser zu machen. Als ich Gouverneur des Sektors „Europa-Mitte“ wurde, gab es für mich immer nur eine Losung: Wir können es schaffen! We can do it!
Natürlich war es nicht immer leicht, den Menschen diese heiligen Werte zu schenken, aber heute sind wir vereint und glücklich. Wir lieben einander und wir sind frei. Und wem haben wir das zu verdanken?
Unserem gemeinsamen Glauben an die Menschli.................

BUMM !!!


Hier gerät die Geschichte völlig aus dem Leim. Des Erzählers Wort ist gottgleich. Erzählt er, Wechsler wäre ein Wohltäter der Menschheit, dann ist es auch so! Umkehrschluss? Die beiden Attentäter sind Erzverbrecher, die weg gesperrt gehören. War das gewollt? Nicht, wenn ich mir den Text mit dem Hochsicherheitsgefängnis ins Gedächtnis rufe. Und dann kommt das Sahnehäubchen der Komödie. „BUM“. Das war deine ganze Dramatik? Du hast es versäumt die Leser an die Seite des Attentäters zu stellen und ihn fühlen zu lassen, was der Attentäter fühlen sollte. Je nach Motivation.

Zitat:
Ein gewaltiger Schlag schnitt Wechsler das Wort im Munde ab und riss ihm die nächste Lüge aus der Kehle. Es war so als hätte sich der Boden aufgetan, um den Teufel selbst hinab in die Hölle zu ziehen. Die Explosion war verheerend und riss ein gewaltiges Loch in den Platz vor dem „Tempel der Toleranz“.


Hier macht der Erzähler Wechsler plötzlich zum Lügner und wer hat denn nun empfunden, dass der Boden sich aufgetan hat? Der Erzähler? Sollen die Leser dem Erzähler oder den Charakteren folgen?

Zitat:
Auch die Vorderseite des Gebäudes wurde wie Papier von der Druckwelle zerrissen.


Woher wissen wir das? Du hast ein klitzekleines Problem, weil du die Täter offenbar im Gully vergessen hast. Du hast sie rennen lassen und bist in den Palast gesprungen. Das nennt man Perspektivverletzung und kommt selbst dann peinlich rüber, wenn du den auktorialen Erzähler gewählt hättest. Jede Geschichte, jedes Kapitel benötige einen festen Erzählerstandort.

Zitat:
Mehrere Dutzend Sicherheitsleute und Politiker wurden in Stücke gerissen, darunter auch Leon-Jack Wechsler selbst. Ein Regen aus Asphaltstücken, Betonteilen, Holzsplittern und Fleischfetzen regnete auf die Erde hinab. Wo vorher noch der Gouverneur gesprochen hatte, klaffte jetzt ein qualmender Schlund im Boden, der mit Trümmern und Leichenteilen übersät war.
Frank und Alf jagten weiter durch die Gänge. Der dumpfe Knall der Explosion schallte im dunklen Tunnelsystem von Paris bis in die letzte Ecke. Er war für die beiden wie der zweite Startschuss zu einem noch schnelleren Sprint und so versuchten sie, den Rückweg mit noch verrückterer Hast zu bewältigen.
„Wir haben es geschafft! Jetzt nichts wie raus hier!“ schnaufte Frank und rannte wie von Sinnen. Fast wäre er ausgerutscht, doch Alf hielt ihn fest und zerrte ihn mit sich.


Nun springst du vom Haus zurück zu den rennenden, die, wie ich bereits vermutete, noch immer im Gully herum hängen. Wer erzählt wessen Wahrnehmung? Bis hier herrscht weder Standort – Klarheit, noch Erzähldisziplin, noch Ordnung im Verlauf der Handlung, noch Realitätsnähe. Du springst in der Zeit vor und zurück. Bum, dann fällt das Haus, die Leute laufen noch immer und du widerholst dich bezüglich des Rückweges.

Zitat:
Die Menge schwieg für kurze Zeit, als sie das Ende des Gouverneurs auf den Videoleinwänden erblickte. Polizisten und Soldaten wichen ungläubig zurück und erstarrten für einige Minuten voller Entsetzen.


Jetzt bist du wieder bei der Menge am Tatort. Statt zu agieren, beschreibst du hölzern.


Zitat:
Einen Schwarm von Journalisten und Kameraleuten, die vor der Bühne zu einem dichten Pulk zusammengeschmolzen waren, hatte die Bombe auch erwischt. Einige waren sofort tot, die anderen waren mehrere Meter fortgeschleudert worden und lagen mit abgerissenen Gliedmassen oder schwer blutend auf dem Boden. Ihre Kollegen, die von weiter weg das Geschehen filmten, hielten ihre Kameras jedoch jetzt eifrig auf das blutige Szenario.


Wer hat wann die Identität der Opfer geklärt? Wie viel Zeit ist vergangen? Wer war so hautnah dabei, dass er detailiert zum Sterben berichten kann?

Zitat:
Der Schrecken, der sich wie sonst die Skydragons, diese gefürchteten Großhubschrauber, auf den Platz vor dem „Tempel der Toleranz“ hinabgestürzt hatte, lähmte die gaffende Menge für eine Weile.
Langsam jedoch verarbeiteten die Gehirne der Menschen die neue Situation und vor allem die Sicherheitskräfte versuchten schnell, auf den neuen Umstand zu reagieren. Funksprüche überbrachten den Polizisten und Militärs hastig und erregt gebrüllte Befehle und Anweisungen, einige Beamte schickte man in die rauchende Kanalisation, damit sie nachsehen konnten, was da unten passiert war.


Hier wird als Metapher ein neues Fluggerät eingeführt, das den Lesern offenbar noch nicht bekannt ist. Wenn es keine Rolle spielt, warum wird es erwähnt? Spielt es eine Rolle, dann sollte es dann sein, wenn es dramatisch inszeniert werden kann.

Zitat:
Widerwillig stiegen etwa ein Dutzend Männer in die Tiefe hinab. Andere wurden zu nahe gelegenen Schachtdeckeln, gerufen, um darunter liegende Gänge zu prüfen. Da allerdings die meisten Gully deckel rund um den „Tempel der Toleranz“ zuvor aus Sicherheitsgründen zugeschweißt worden waren, verzögerte sich nun der Vorstoß in das Tunnelsystem.
Nach einer Weile waren einige der Polizisten in das Gewirr der Pariser Kanalisation eingedrungen und versuchten, verdächtige Personen ausfindig zu machen. Ihre Rufe und das Geprassel ihrer schweren Stiefel hallten in den Gewölben wieder.  


Du beginnst damit, dass Polizisten in die Gullys steigen und erwähnst dann, dass sie zugeschweist sind und der Einstieg sich verzögert. Umgekehrt würde ein paar Schuhe draus. Nur, wozu werden die Gully deckel noch gebraucht? Da dürfte ein Loch im Boden klaffen, dass man die Verfolgung mit der U-Bahn aufnehmen könnte. Der Schluss ist abermals ein Knaller. Wie muss man sich das vorstellen? Rufen Sie: „Ist da wer?“ Schwere Stiefel prasseln? Wirklich?

Lieber Alexander,

diese Zeilen dienen nicht dazu dich zu verärgern, demoralisieren oder gar klein zu machen. Im Gegenteil. Du wirst mit diesem Werk garantiert keine ordentliche Veröffentlcihung schaffen. Die Reaktionen von Verlagen, wenn überhaupt eine erfolgt, wird dich sehr viel härter treffen, als jede ehrliche Kritik. Fühle dich motiviert zu lernen. Schon nach wenigen Wochen wir dir klar werden, worüber ich geschrieben habe, jede erlernte Technik pitenziert die Motivation. Alles andere ist vergeudetete Zeit. Schriftstellerrei ist kein Job und schon ga rnicht für Lernverweigerer und Faullenzer, die sich für talentiert halten, weil sie in Kindertagen gute Noten für ihre Aufsätze kassiert haben. Dazu gehörst du doch wohl nicht, oder? Also, Ärmel aufgekrempelt und an die Arbiet. Es wird Zeit Ernst zu machen.




Grüße
Bobbi
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BeitragVerfasst am: 12.01.2010 23:37    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

"Hier hatte ich den Eindruck, die zwei bewegen sich in einem Gully, der direkt in einen Raum führt. Was für sich ein Ding der Unmöglichkeit ist."

Sie arbeiten sich durch die Kanalisation von Paris unter den Platz des "Arc de Triomphe" (im Roman steht dort mittlerweile der "Tempel der Toleranz") vor - dort hält der Gouverneur des Verwaltungssektors "Europa-Mitte" seine Rede.

"vorher gewählten Position"

Das ist in der Tat überflüssig.

"Wie laut geht es darin zu, dass die zwei die Stimmen und das Raunen der Anwesenden bis draußen im Gully hören?"

Wechsler ist über ihnen und spricht per Mikro bzw. Lautsprecher zu den Massen, die vor dem Platz versammelt sind (wird vorher erklärt)

"Nun folgt eine detailierte Erklärung zu Gewicht, Art und Wirkung des Sprengsatzes. Wer braucht sie und wozu dient sie?"

Das hätte ich mir sparen können, da hast du Recht.

"Was war an dem Plan bisher erfolgreich? Das Ablegen des Sprengsatzes?"

Überhaupt so nahe an Wechsler heran zu kommen. Um ihn ist eine zwei Kilometer lange Sicherheitsszone (an der Oberfläche). Wird erklärt.

"Du steigst dabei zeitgleich in die Gedanken beider."

Das stimmt. Muss ich ändern.

"Über ihnen nahm das Schicksal seinen Lauf und der Blutmond schwoll an und blickte was? Was wolltest du damit ausdrücken? Ein Gruselreim?"

Das Symbol "Blutmond" wird vorher dem Leser erklärt.

"Obwohl die beiden schön türmen, und ein ganzes Stück hinter sich gebracht haben dürften, hören sie Wechsler noch immer reden?"

Sollten sie eigentlich nicht mehr. Gut, ich weiß nicht, wie laut die Lautsprecher über ihnen sind. Aber im Prinzip hast du da Recht.

"Naive Rhetorik, die keinem Hund hinterm Ofen hervor lockt."

Das übliche Geschwätz von Wechsler und Co. in diesem Roman. Das sollte ja nichtssagend wirken. Da die Lebensrealität der Leute in Paris und im Weltstaat im Roman beschrieben wird, wirken diese Sprüche des Politikers dann noch heuchlerischer.

 "Hier gerät die Geschichte völlig aus dem Leim. Des Erzählers Wort ist gottgleich. Erzählt er, Wechsler wäre ein Wohltäter der Menschheit, dann ist es auch so! Umkehrschluss? Die beiden Attentäter sind Erzverbrecher, die weg gesperrt gehören."

Die "Bumm-Sache" werde ich noch einmal überarbeiten. Ansonsten zeigt aber der übrige Roman, wer die wahren Verbrecher sind.

"Sollen die Leser dem Erzähler oder den Charakteren folgen?"

Das stimmt wohl....

"Jede Geschichte, jedes Kapitel benötige einen festen Erzählerstandort."
"Wer hat wann die Identität der Opfer geklärt? Wie viel Zeit ist vergangen? Wer war so hautnah dabei, dass er detailiert zum Sterben berichten kann?"

Habe den "allwissenden Erzähler" dann wohl noch nicht ganz richtig verstanden.

"Skydragons" werden erklärt bzw. kommen kurz nach dem Anschlag.
 
"Nur, wozu werden die Gully deckel noch gebraucht?"

Das ist schon verwirrend. Da hast du auch Recht. Im Umkreis von 500m um den Platz wurden die Gullydeckel zugeschweisst. Die anderen Polizisten, die nicht durch das Sprengloch gehen, versuchen eben in einiger Entfernung in das Kanalsystem zu gelangen.

Ist aber nicht ganz klar...

„Ist da wer?“ Schwere Stiefel prasseln? Wirklich?"

Naja, sie sollten sich, wenn überhaupt leise, verhalten. Ist schon logisch.  Rolling Eyes

Werde da noch einmal genauer auf den Text schauen. Das mit der Erzählperspektive ist ein wichtiger Hinweis. Thanx!


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BeitragVerfasst am: 13.01.2010 07:49    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Gut, ich weiß nicht, wie laut die Lautsprecher über ihnen sind.


Der KLASSIKER!

Das MUSST du wissen. DU musst ALLES wissen über deine Geschichte. Wie laut ein Mikro ist und ob irgendwo in einer Gullyecke eine Maus hockt, völlig gleichgültig, ob die eine Rolle spielt oder überhaupt mal erwähnt wird.
Du kannst keine Geschichte erzählen, wenn du nicht ALLES über dein Setting und deine Figuren weißt. Dann verzettelst du dich und wirst als Erzähler "angreifbar", weil man dir allzu leicht auf die Schliche kommt.

Perspektive ist sicher wichtig. Mir persönlich auch sehr. Allerdings in seiner Wirkung auf den 08/15-Leser oftmals überbewertet. Es werden Jahr für Jahr hunderte an Büchern verlegt (und noch mehr von nicht so kritischen Lesern verschlungen und dabei zu "Bestsellern" gemacht), deren Behandlung der Perspektive auf absolutem Anfängerniveau ist. Darauf zu achten, gibt aber Pluspunkte - bei den Kritikern und je nachdem an welchen Lektoren man u.U. gerät.
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BeitragVerfasst am: 13.01.2010 11:42    Titel: Right! pdf-Datei Antworten mit Zitat

Werde darauf achten - ist ja einfach wichtig, dass es einem nochmal gesagt wird.

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BeitragVerfasst am: 30.11.2014 18:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hab mittlerweile dein erstes Werk gelesen und fand es wirklich klasse wink Hab dir auch bei Amazon eine gute Kundenrezension geschrieben... Daumen hoch

Besonders gelungen empfand ich persönlich die zusammensetzen der Charaktere und deren verhalten in den für diese ausgedachten Szenarien. Die Charaktere wirken sehr realistisch und deren Handlungen sind teils sehr nachvollziehbar. Ich hatte in keiner Phase den Eindruck das der eine oder andere Charakter unrealistisch oder nicht nachvollziehbar reagiert bzw. agiert.

Ich empfand das Buch als sehr stimmig u. spannend und kann es durchaus weiterempfehlen, die dargestellte Welt in der Zukunft ist selbstverständlich Geschmackssache u. trifft bestimmt nicht jeden Geschmack. Jedoch kann Mann nicht vorweg erwarten das der Autor sein Universum bzw. diesen Roman so gestalten kann das er jedem von der Aufmachung zusagt.

Selbstverständlich finden sich auch in diesem Buch bestimmte Themen u. -gruppierungen, Zeichen, Symbole die man sehr schnell zu bereits gekannten zuordnen kann. Dieses könnte der Leser als eine Wiederholung ansehen, weil er es bereits aus anderen fiktionalen Erzählungen kennt bzw. es woanders kennen gelernt hat. Im großen u. ganzen bedanke ich mich ganz herzlich bei dir für die gelungene Unterhaltung...
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