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Dunkelblaue Kunst
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 35
Beiträge: 46



BeitragVerfasst am: 10.01.2010 18:15    Titel: Reue eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo liebe DSFO-Schriftstellerinnen und -Schriftsteller,

Ich habe zwar schon immer gerne geschrieben, aber eher für mich und wenig professionell.
Dies möchte ich nun ändern, und bemühe mich zur Zeit nach Leibeskräften dazuzulernen.
Das Projekt an dem ich arbeite ist eine Geschichte, die in Richtung Mystery-Thriller geht.
Ich versuche alles von Anfang an richtig zu machen, habe Dinge wie Rahmenhandlung, Spannungsaufbau,
Szenen und Charakterblätter überdacht und notiert, die mir nun als Landkarte dienen.
Die Geschichte könnte gut auf 350 bis 400 Seiten kommen, je nachdem wie opulent ich schreibe. Und hier liegt, denke ich, der Casus Knacktus.
Ich weiß eigentlich theoretisch, was wichtig und richtig ist, habe vieles auch durch die Schreibwerkstatt hier erfahren.
Fragt sich nur, ob es denn am Ende auch so gut funktioniert, wie man denkt.

Zur Geschichte:
Mitten in den Wäldern des Rothaargebierges treffen vier grundverschiedene Menschen zufällig zusammen.
Doch, ob es ein wirklicher Zufall war, wird immer unklarer. Als eine unterschwellige und bösartige Macht
außerhalb ihrer bewussten Wahrnehmung sie durch die Wälder treibt, kommen auch nach und nach
Dinge aus den Leben der Vier hervor, die sie eigentlich längst begraben glaubten.
Und plötzlich ist das Gefährlichste in diesen Wäldern mitten unter ihnen.

Es folgt der Beginn des ersten Kapitels.
Ich habe ihn nach besten Wissen und Gewissen mehrfach gelesen und korrigiert,
auch mehrfach Formulierungen gestrafft und umgeschrieben.
Da ich aber noch Anfänger bin, erhoffe ich mir durch eine frühe Hilfe, etwas für meinen Schreibstil zu tun.
Und das bevor ich mich in einem fürchterlichen Wirrwarr verrenne und dann mühsam umlernen muss.

So, wer bis hierhin gelesen hat, dem danke ich schon jetzt. Wer noch die Geschichte lesen möchte, hier kommt sie. Rolling Eyes

__________________________

Teil 1:

Kapitel Eins:

Es war ein milder Apriltag gewesen, zwar die ganze Zeit bewölkt, aber mit angenehmen Temperaturen um die fünfzehn Grad. Trotzdem kühlte es sich rasch ab, und spätestens als die letzten Sonnenstrahlen hinter dem Horizont verschwanden und es dunkel über den Wäldern des  Rothaargebirges wurde, wurde es auch unangenehm.   
Die Wolken am Himmel zogen sich zusammen und der Wind frischte auf. Sie wirkten schwarz und schwer; man konnte den Regen, der sich ankündigte, geradezu in der Luft schmecken. Es war nicht  der beste Zeitpunkt um als Frau alleine unterwegs zu sein.
Aber das kümmerte Ivana in diesem Moment wenig. Auch die Tatsache, dass sie barfuß auf dem Asphalt ging war Nebensache. Ihre Strumpfhose hatte vor einigen Kilometern die ersten Löcher und Laufmaschen bekommen und war dann anschließend an den Füßen ganz zerrissen. Das nahm sie nur am Rande ihres Bewusstseins zur Kenntnis.
Sie war alleine auf der Landstraße. Links und rechts lagen nur unbefruchtete Äcker und Wiesen. Dahinter lag im nahenden Dunkel ein Mischwald, dessen Bäume man eben erahnen konnte. Dieses Jahr waren sie spät dran und reckten ihre immer noch kahlen Äste. Vor und hinter ihr wand sich die Straße durch die unebene Landschaft. Es war Ostersonntag, weshalb vermutlich zu dieser Zeit niemand mehr unterwegs war. Stattdessen saßen alle bei ihren glücklichen Familien, aßen zusammen, unterhielten und amüsierten sich und genossen die freien Tage. Niemand war hier, der sich für ein einsames Mädchen interessieren würde. Sie wischte sich mit dem Handrücken den Rotz von der Nasenspitze. Wenn jemand zu dieser Zeit doch einen Abstecher gemacht hätte, dann wäre ihm sicherlich dieser Anblick aufgefallen. Ivana fühlte sich unglaublich müde und schwer, weshalb sie oft  über ihre eigenen Füße strauchelte. Sie fühlte sich unwohl und beengt in ihrer Kleidung. Sie trug einen auffallend schicken, schwarzen Blazer und dazu ein passenden kurzen Rock in Weinrot. Die Kleidung hätte zu einem anderen Zeitpunkt definitiv chic ausgesehen an ihr, doch gerade jetzt wirkte sie unglaublich deplatziert. Sie war zierlich gebaut, sah aber nicht unbedingt ausgemergelt oder krank aus. Sie hatte nichts bei sich,  hielt nur einen hochhackigen Schuh mit ihrer linken Hand umklammert. Den Anderen hatte sie verloren. Ihre grünen Augen blickten matt zu Boden. Ihr hellbraunes Haar war zu einem kurzen Pferdeschwanz gebunden, aus dem sich einige Strähnen gelöst hatten und nun wirr in ihr Gesicht hingen. Sie tat keine Anstrengungen dies zu ändern.
Ein kalter Schauer fuhr über ihren Rücken als ein Windhauch gegen sie blies. Sie blieb stehen und schaute sich vorsichtig um. Es wurde immer dunkler. Die schwarzen Wolken am Himmel schienen jegliches Licht aufzusaugen. So langsam wurde es schwieriger die Umgebung um sie herum zu erkennen. Oder die Straße vom Gras daneben zu unterscheiden. Nur die weiße Fahrbahnmarkierung zog sich wie ein endloses Band durch die Dunkelheit. Sie war einige Zeit gelaufen und hatte keine Ahnung wo sie sich überhaupt befand.
Gedanken huschten wie kleine, scheue Tiere durch ihren Verstand, ließen sich weder fangen noch festhalten. Alles war wirr und schien unzusammenhängend. Ihr kam es so vor, als wenn sie die letzten Stunden nur bruchstückhaft erlebt hätte. Als wenn sie zwischenzeitlich eingeschlafen wäre. Aber sie war doch weiter gelaufen.
Ivana überkam eine starke Hoffnungslosigkeit. Es begann vom Himmel herabzutropfen. Zuerst waren es nur vereinzelte kalte Kleckse auf ihrer Haut, dann immer mehr. Sie beschloss, dass es das Beste war, wenn sie sich hinsetzte. Sie musste überlegen. Sie musste sich zusammenreißen.
Sie verschränkte die Beine und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Der Regen prasselte auf sie herab und erzeugte ein Rauschen um sie herum. Als erstes begann Ivana ihre Gedanken zu beruhigen und sie in eine chronologische Reihenfolge zu bringen. Sie folgte der Straße Schritt für Schritt zurück und versuchte jeden Moment zu rekonstruieren. Nach und nach begann sie wieder Klarheit zu bekommen.

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Mardii
Stiefmütterle

Alter: 59
Beiträge: 1841



BeitragVerfasst am: 11.01.2010 23:52    Titel: Antworten mit Zitat

Also, wenn das der Beginn eines Mystery-Thrillers werden soll, müsste das Ganze etwas gerafft werden und mit mehr Spannung angegangen werden. Es beginnt etwas lahm damit, dass ein milder Apriltag gewesen sein soll. Vielleicht könntest du gleich mit der Protagonistin beginnen und beschreiben, wie ihr die nun eingetretene Kühle nach dem schönen Tag zu schaffen macht. Also mehr "show", wie Jarda immer so schön sagt.
Es gibt auch eine ganze Menge Füllwörter, die du streichen könntest. Etwas merkwürdig klingen in dem Kontext solche Formulierungen wie "definitiv chic". Dass ihre Kleidung nicht passend ist, könntest du auch im Zusammenhang mit der Witterung etwas gestraffter darstellen.

Das Spannende an dem Absatz, dass sich Ivana entschließt wieder zurückzugehen, um etwas, das geschehen ist, zu rekonstruieren, könnte mehr ausgeführt werden, um den Leser bei der Stange zu halten, bis sie ihre weiteren Leidensgenossen trifft. Das ist ja das eigentliche Thema, das Geheimnis des Waldes, wie du in deiner Einleitung schreibst.
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Dunkelblaue Kunst
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 35
Beiträge: 46



BeitragVerfasst am: 12.01.2010 22:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo liebe Leute,

Ich habe scheinbar mit diesem Thread mehrere Fehler gemacht.

1. Ich habe eine Einleitung geschrieben, die das Prinzip des Incognitos ad absurdum führt.
2. Ich habe mich als Anfänger geoutet.
3. Ich habe behauptet, als Anfänger einen Roman mit komplexer Story zu schreiben.
4. Ich habe scheinbar einen Text reingestellt, der so schlecht ist, dass er fast nicht zu kommentieren ist.

Alleine das reicht wohl, um den meinsten nur noch ein müdes Lächeln und ein Kopfschütteln abringen zu können. Wahrscheinlich habt ihr das hier viel zu oft gelesen. Aus anderen Foren kenne ich auch diese Reaktion, habe auch selbst so reagiert. Immer wenn ein Anfänger sich mit einem Projekt verhoben hat, da wusste man es auch vorher.

Ich will nicht behaupten, dass mir das nicht auch widerfährt. Ich will nicht behaupten, dass ich nicht irgendwann heulen und schreien und fluchen werde, und die ganze Sache in die Ecke pfeffere.

Ich kann wohl auch kaum erwarten, dass jeder diesen Text liest, geschweige denn kommentiert. Denn es scheint offensichtlich, dass es bloss vergebliche Liebesmühe ist.
Aus diesem Grund will ich mich entschuldigen.
Ich werde weiter lernen. Und wohl oder übel kleine Brötchen backen. Viel kleinere.

 Embarassed

@ Mardii: Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich denke, ich verstehe, was du meinst. Ich werde das ganze umschreiben, straffen und den Charakter mehr in dem Mittelpunkt rücken.
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Maria
Geschlecht:weiblichEvolutionsbremse

Alter: 47
Beiträge: 7730

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BeitragVerfasst am: 12.01.2010 23:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hey,

schließe mich Mardii an.

Kein guter Anfang, da nichts passiert, was mich zum weiterlesen bewegen würde. Die Umgebungsbeschreibungen oder Gedankengänge, das Wetter, das zieht nicht in den Text. Das kannst Du später peu a peu verteilen.  Bislang weiß man nur, dass eine Frau eine Straße langrennt. Und was die Wolken so treiben, interessiert hier noch nicht, auch nicht ob Äste kahl sind, solange es nicht dazu dient eine panische Angst erklären soll (weil sich jemand erschreckt vor einem komischen Baum z.B.)

Würde es anders beginnen, lass Ivana schlampig und abgerissen mit einem Schuh in der Hand schluchzend eine Straße entlang rennen, durch die Gegen irrlichteren, dann hätte es etwas mehr Zug und es weckt das Interesse. Würde ich eher weiterblättern wollen.
(natürlich auch kein richtiger Reißer, mir gehts nur ums Prinzip).

Sprachlich ist es schon ok, allerdings etwas verträumt. Zu den Umgebungsbeschreibungen passt das, aber nicht an der Stelle. Da dürfte es schon etwas knackiger sein, willst ja Spannung erzeugen, keinen magischen Moment auf einer Glitzerfunkelwiese.


Zitat:
1. Ich habe eine Einleitung geschrieben, die das Prinzip des Incognitos ad absurdum führt.

Mr. Green Ich mag das Inkognito. Aber am sinnvollsten ist es natürlich wenn man vermeiden möchte, nur aufgrund seines Bekanntheitsgrads bewertet zu werden, in die eine oder andere Richtung. Hier ergibt es aber  tatsächlich keinen Sinn.

Zitat:
2. Ich habe mich als Anfänger geoutet.

Das ist absolut kein Fehler.

Zitat:
3. Ich habe behauptet, als Anfänger einen Roman mit komplexer Story zu schreiben.

Behaupten kannst du es durchaus, man liest ja dann ob es so ist. Sehe hier auch kein Problem.

Zitat:
4. Ich habe scheinbar einen Text reingestellt, der so schlecht ist, dass er fast nicht zu kommentieren ist.

Hab mehr Geduld. Du hast den Text erst vorgestern eingestellt, nicht alles wird hier von jetzt auf gleich kommentiert. Und als Inkognito ist es natürlich nochmal ein kleines Risiko mehr, dass es etwas länger dauert.


Mich hat ehrlich gesagt gestern die lange Einleitung ermüdet und bin wieder raus. Ist doof, aber die Zeit ist manchmal knapp.
Gedulde Dich, wird schon

Gruß
Maria
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Angst
Geschlecht:männlichScheinheiliger

Alter: 29
Beiträge: 1676



BeitragVerfasst am: 13.01.2010 00:10    Titel: Antworten mit Zitat

Huhu,

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
[…] man konnte den Regen, der sich ankündigte, geradezu in der Luft schmecken.

Wenn man den Regen in der Luft schmecken kann, dann kündigt er sich an. Also: Doppelt gemoppelt. Vielleicht besser: Die Luft schmeckte nach Regen. ?

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Es war nicht  der beste Zeitpunkt, (Komma) um als Frau alleine unterwegs zu sein.

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Auch die Tatsache, dass sie barfuß auf dem Asphalt ging, (Komma) war Nebensache.

Tatsache + Nebensache = unschön.

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Dahinter lag im nahenden Dunkel ein Mischwald, dessen Bäume man eben erahnen konnte.

Eben? Meinst du eben noch?

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Wenn jemand zu dieser Zeit doch einen Abstecher gemacht hätte, dann wäre ihm sicherlich dieser Anblick aufgefallen.

Einen Abstecher wohin?
Überhaupt ist dieser Satz unnötig, weil er sich von selbst erklärt. So zumindest mein Eindruck. Was wolltest du mit ihm bewirken?

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Sie war einige Zeit gelaufen und hatte keine Ahnung , (Komma) wo sie sich überhaupt befand.

Sie war einige Zeit gelaufen – das musst du nicht schreiben, die Leser sind doch dabei gewesen.

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Gedanken huschten wie kleine, scheue Tiere durch ihren Verstand, ließen sich weder fangen noch festhalten.

Das ist schön!

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Alles war wirr und schien unzusammenhängend.

Was meinst du mit alles? Hier drückst du dich zu unpräzise aus.
Das Adjektiv wirr hast du oben schon verwendet.
zusammenhangslos fände ich besser als unzusammenhängend, weil weniger kompliziert.

Ich habe hier ein Problem mit der Spannung. Wieso? Weil sie kaum vorhanden ist. Ich bin nicht in Ivana drin. (Hat Mardii schon angetönt.) Ich spüre ihre Angst nicht. Verdammt nochmal, die Gute ist total am Arsch! Sie hat sich verlaufen! Paaanik!! Dann fehlt auch der Kontext; der Rahmen für die Szene. So, wie sie sich jetzt nämlich liest, ist sie austauschbar. Ivana ist irgendein Mädchen, dass sich irgendwo, irgendwie verläuft. Wieso überhaupt? Wollte sie ihre Grossmutter besuchen? Hat sie eine Villa geerbt? Sucht sie nach dem Grab ihrer Schwester? Wahrscheinlich hast du die Szene absichtlich aus dem Kontext gerissen, da du jetzt rekapitulieren willst. Okay, Punkt für dich. Aber du musst schon war Interessantes liefern, wenn du deine Leser bis zum Flashback behalten willst. So hängt die Szene doch arg im luftleeren Raum.

Liebe Grüsse,
Scheinheilige


_________________
»Das Paradox ist die Leidenschaft des Gedankens.«
— Søren Kierkegaard, Philosophische Brosamen,
München: Deutscher Taschenbuch Verlag, S. 48.
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Dunkelblaue Kunst
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 35
Beiträge: 46



BeitragVerfasst am: 13.01.2010 01:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Es tut mir Leid,

dass ich in meiner krankhaften Ungeduld, bemerkt zu werden, gegen die goldene Regel #4 verstoßen habe. Ich bin es einfach nicht gewohnt, auf einem Präsentierteller zu sitzen, und darauf zu warten, wer den ersten Schnitt setzt...

Umso mehr möchte ich mich für die beiden zusätzlich Kommentare bedanken. Ich habe mir auf jeden Fall jede einzelne Bemerkung durchgelesen und mir zu Herzen genommen.

Grundsätzlich will ich sagen, dass die Geschichte vor allem mit dem Unbewussten arbeiten soll, dass die Protagonisten erleben, weshalb ich mich etwas schwer tue, die ganze Geschichte direkt von null auf hundert zu beginnen.
Auf der anderen Seite stelle ich fest, das meine "subtilen Andeutungen" offensichtlich so subtil sind, dass man sie eher als suboptimal bezeichnen kann. Und, dass das Unbewusste ziemlich langweilig zu lesen ist.
Aber eben das machte (im Kopf) irgendwie den Reiz der Geschichte aus, an der ich nun schon seit geraumer Zeit werkele.

Zitat:
Ivana ist irgendein Mädchen, dass sich irgendwo, irgendwie verläuft. Wieso überhaupt? Wollte sie ihre Grossmutter besuchen? Hat sie eine Villa geerbt? Sucht sie nach dem Grab ihrer Schwester? Wahrscheinlich hast du die Szene absichtlich aus dem Kontext gerissen, da du jetzt rekapitulieren willst. Okay, Punkt für dich. Aber du musst schon war Interessantes liefern, wenn du deine Leser bis zum Flashback behalten willst. So hängt die Szene doch arg im luftleeren Raum.


Es wirkt vor allem deshalb aus dem Kontext gerissen, weil ich den Text begrenzen wollte, wegen der Beitragslänge und so.
Aber wenn du schon nach knapp 500 Wörtern keine Lust mehr hast zu lesen, dann würden die folgenden 1000 auch nichts nützen. Ich überleg mir was, versprochen.
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Alexandermerow
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Beiträge: 432
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BeitragVerfasst am: 13.01.2010 01:18    Titel: ... Antworten mit Zitat

Die Idee ist nicht schlecht, aber dein Text wirkt auf mich zuerst einmal wie eine riesige Wand. Die Idee mit der "Raffung" halt ich auch für sinnvoll.
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Angst
Geschlecht:männlichScheinheiliger

Alter: 29
Beiträge: 1676



BeitragVerfasst am: 13.01.2010 01:25    Titel: Antworten mit Zitat

Huhu,

Sag ruhig mal, was du im Text als unterbewusste Andeutungen gemeint hast! Ausserdem würde ich durchaus weiterlesen, wenn du jetzt noch ein wenig mehr lieferst. Mehr Kontext kann nicht schaden. Also, zeig doch mal her :)

Liebe Grüsse,
Scheinheilige


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München: Deutscher Taschenbuch Verlag, S. 48.
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Dunkelblaue Kunst
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 35
Beiträge: 46



BeitragVerfasst am: 13.01.2010 08:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Okay,

dann mal los:

Zitat:
und es dunkel über den Wäldern des Rothaargebirges wurde, wurde es auch unangenehm


Diese Stelle bezog sich nicht nur auf das Wetter, sondern dass es generell unangenehm für die Protagonisten werden würde.

Zitat:
Es war nicht der beste Zeitpunkt um als Frau alleine unterwegs zu sein

Nicht nur das schlechte Wetter sollte jede vernünftige Frau davon abhalten, da draußen zu sein.

Zitat:
Dieses Jahr waren sie spät dran und reckten ihre immer noch kahlen Äste


Nackige Bäume, und das im April, würden mir spanisch vorkommen.

Zitat:
Sie hatte nichts bei sich, hielt nur einen hochhackigen Schuh mit ihrer linken Hand umklammert


Den Schuh hält sie bestimmt nicht noch in der Hand, in der Hoffnung den Zweiten zu finden, sondern vielleicht eher als Waffe.

Zitat:
Die schwarzen Wolken am Himmel schienen jegliches Licht aufzusaugen


Auch jegliches Licht der Hoffnung.

Ich wollte eigentlich mit den Naturbeschreibungen die Szene etwas düsterer darstellen, als ob die Natur selbst dort etwas im Schilde führen würde. Jetzt weiß ich natürlich nicht, ob man das versteht, oder ich doch zum Holzhammer greifen muss.

Momentan schreibe ich die Stelle aber um. Mal sehen, wann ich heute dazu komm, sie online zu stellen.

Vielen Dank für die Mühen!
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MosesBob
Geschlecht:männlichGehirn²

Administrator
Alter: 39
Beiträge: 20060

Das Goldene Pfand DSFo-Sponsor



BeitragVerfasst am: 13.01.2010 09:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Momentan schreibe ich die Stelle aber um. Mal sehen, wann ich heute dazu komm, sie online zu stellen.

Manchmal ist es sinnvoller, die überarbeitete Version ein paar Tage auf sich wirken zu lassen, ehe man sie veröffentlicht. Man kann nicht von einen Tag auf den anderen den Schalter umlegen und seine Art zu schreiben verbessern. Sowas passiert sukzessive. Ich an deiner Stelle würde die überarbeitete Version ein paar Tage liegen lassen, sie mir dann nochmal durchlesen und erst dann darüber befinden, ob sie wirklich so wesentlich gestrafft und verbessert wurde, dass es Sinn macht, sie ins Forum zu stellen.

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
1. Ich habe eine Einleitung geschrieben, die das Prinzip des Incognitos ad absurdum führt

Dann lös es doch auf. Nach deinen anfänglichen "Regelverstößen" war ich eben schon versucht, es aufzulösen. Wäre mir der Thread nicht erst heute aufgefallen, hätte ich es auch gemacht. Inzwischen ist hier ja aber wieder Besonnenheit eingekehrt.

Beste Grüße,

Martin


_________________
Das Leben geht weiter – das tut es immer.
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Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt untergeht, wird die eines Experten sein, der versichert, das sei technisch unmöglich.
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1x1x1x1
Gast






BeitragVerfasst am: 13.01.2010 09:56    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich viele meiner Sachen mit solch einer langatmigen Einführung anfange. Am Anfang hilft mir das irgendwie in die Story zu kommen. Doch bin ich erstmal in der Story, streiche ich die ersten Seiten komplett und schreibe den Anfang so um, dass man gleich zu Beginn in die Geschichte geworfen wird. Und das ist jedesmal eine gute Entscheidung, denn es gibt dem Anfang das gewisse Etwas, was die langatmige Einführung nicht hat. Es hält den Leser am lesen.

Nur ein Tipp von mir.
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Maria
Geschlecht:weiblichEvolutionsbremse

Alter: 47
Beiträge: 7730

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BeitragVerfasst am: 13.01.2010 11:56    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich wollte eigentlich mit den Naturbeschreibungen die Szene etwas düsterer darstellen, als ob die Natur selbst dort etwas im Schilde führen würde. Jetzt weiß ich natürlich nicht, ob man das versteht, oder ich doch zum Holzhammer greifen muss.


Warum zum Holzhammer greifen? Zeig es einfach und beschreib es nicht nur. Dann musst Du weder direkt mit dem Finger draufzeigen und den Leser für doof halten, und du musst du dem Leser auch keine unnötigen subtilen Rätselchen aufgeben. Man will sich doch unterhalten und nicht eine Wortkreativkette lösen. Zumal das der Beginn einer Geschichte ist, man kennt den Stil nicht, die Geschichte nicht.
Die Hinweise die Du da nennst, sind keine echten Hinweise - nicht für mich. Das ist beschreibendes Füllmaterial, bringt Deine Geschichte aber nicht wirklich voran oder seitlich.

Und natürlich ist es zu früh um zu erfahren, WARUM sie sich fürchtet, aber mir fehlt ja selbst die Eindeutigkeit darüber, dass sie sich fürchtet.

Zeig was so düster ist, was Deine Natur so bedrohlich macht. du beschreibst es momentan nur. es entstehen keine Bildabfolgen.

Warum dieser eine Wald (als Beispiel) anders ist, als der Rest ohne direkt sagen zu müssen, der Wald macht allen angst, weil er böse ist:
Während alle Büsche schon erste Triebe haben, alles grün gepunktet ist und der nahende Frühling mit ersten Grüntönen die dunkle Tristesse des Winters übermalt, die Magnolien schon mit dicken rosa Kleksen die Strassen färben, ist dieser Wald noch immer völlig kahl. Kein Frühlingsbote hatte sich verirrt. Wo sich früher ausladende weiße Polster von Buschwindröschen wie ein Federbett um die Stämme schmiegten, verrottet heute nur noch Laub. Jedes Blatt schwarz und schmierig, unbewegt seit dem es dort zum Liegen kam. Selten fand man noch eine Spinne unter Steinen, Ästen oder Holzabfällen, der Rest der Waldbewohner war verschwunden oder wartete leise und unbeweglich ab, was wohl passieren würde.
Es war, als hielte der Wald die Luft an. Nur noch selten verirrten sich Wanderer in den Mischwald, Jogger oder Nordic Walker nahm den Weg um den Wald herum - zu oft hatten sich in den letzten Sommern Leute verletzt, nachdem nach ihrer Erinnerung der Lichteinfall und damit die Sichtverhältnisse so schnell und mehrmals schwankten, dass es gefährlich wurde, dort alleine über das unwegsame Gelände zu laufen.


Was weiß ich, was da los ist. Und ich weiß auch grad nicht ob Mimosen im Mischwald wachsen, ist mir grade latte wink
Du hast ein genaues Bild in Deinem Kopf, das setz ich mal voraus. Das siehst nur Du. Bring das zu Papier und zwar genau so, wie Du es siehst, damit der Leser auch sieht, was Du siehst.

Ich seh momentan Dämmerung und ein Mädchen das zick zack läuft, kaputte Strümpfe trägt, dunkle Wolken, vielleicht regnet es gleich. Weder Thriller, noch Mystery, keine Spannung. Ausdünnen. beschränk Dich hier aufs Wesentliche: die Frau und ihre Angst.
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BeitragVerfasst am: 13.01.2010 12:29    Titel: Antworten mit Zitat

Kennst du die Liedzeile "Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus". Was ist daran spät, wenn im April die Äste noch kahl sind? Überhaupt nichts ... im Zuge der globalen Erwärmung (die dieses Jahr Pause macht) wäre alles andere besorgniserregender ... (Ich bin mir nicht zu 100% sicher, aber ich glaube, traditionell ist der 8. Mai der Tag, an dem die Bäume ausschlagen ...)

Ansonsten: Gibt es etwas abtörnenderes, als eine Geschichte mit einer genauen Beschreibung des Wetters zu beginnen? Dein erster Satz liest sich wie ein unerfahrener Kachelmann bei seinem ersten Auftritt auf SAT1. Und das soll dann ein Thriller werden? Ich bin nicht das Zielpublikum, aber ich denke, locker 70% des Thriller-Zielpublikums hättest du beim Aufschlagen des Buches und Lesen des ersten Satzes verscheucht.

Ich würde es wie Maria halten, was deine "Metaphern" angeht: muss der Holzhammer sein? Und dann auch noch ziemlich unbeholfen damit dreingeschlagen. Ich bin ohnehin kein Freund von Metaphern und davon, aus einem Text mehr herauslesen zu sollen als das, was in den Buchstaben steht. Aber irgendwie wirkt das bei dir noch ganz besonders plump. Wenn du sowas versuchst, dann musst du drauf achten, zwei verschiedene Arten von Lesern damit bedienen zu können - die, die für Metaphern empfänglich sind, und jene, denen Metaphern wurscht sind. Das erfordert Fingerspitzengefühl und darüber hinaus sehr viel ausdrucksstärkere Substantive ... die ohne Hinzufügen von Adjektiven die Message transportieren. Sowas erfordert Übung. Und viel Lesen. Und Schreiben. Und noch mehr Lesen, um dafür ein Gespür zu bekommen. Sowas klappt nicht per Händeklatschen ...
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BeitragVerfasst am: 13.01.2010 17:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

ich danke vielmals für eure Zeilen. Auch wenn einiges echt hart zu schlucken ist. Aber besser, die harte Schule, als gar keine.

Dann beziehe ich mal Stellung.

Zitat:
Ich an deiner Stelle würde die überarbeitete Version ein paar Tage liegen lassen, sie mir dann nochmal durchlesen und erst dann darüber befinden, ob sie wirklich so wesentlich gestrafft und verbessert wurde, dass es Sinn macht, sie ins Forum zu stellen.


Ja, danke. Ich habe mir die Version heute morgen auch nochmal durchgelesen, und finde sie auch wieder zu doof. Normalerweise bin ich auch mein schlimmster Kritiker.

Zitat:
Dann lös es doch auf. Nach deinen anfänglichen "Regelverstößen" war ich eben schon versucht, es aufzulösen.


Uah!
Ich hoffe ich habe "nur" gegen die Regel 4 verstossen. Ansonsten habe ich eigentlich nach besten Gewissen gehandelt. Sad
Und das mit dem Icognito, ich glaube ich behalte die Maske noch ein wenig auf. Ich schäme mich sonst in Grund und Boden, wenn ich hier keinen Text stehen habe, der wenigstens ansatzweise gut ist.

Zitat:
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich viele meiner Sachen mit solch einer langatmigen Einführung anfange. Am Anfang hilft mir das irgendwie in die Story zu kommen.


Dieses Gefühl hatte ich heute beim Durchlesen. Mir war, als wenn ich den oben zulesenden Text irgendwie für mich geschrieben hätte, um zu Wissen was genau los ist. Und das es meine Aufgabe wäre nun etwas daraus zu machen, was der Leser daraus wissen muss. Ich habe auch schon mehr geschrieben, und auch da habe ich dieses Eindruck, dass es eher eine Inhaltsangabe ist, die mit Leben gefüllt werden muss.


Zitat:
Weder Thriller, noch Mystery, keine Spannung. Ausdünnen. beschränk Dich hier aufs Wesentliche: die Frau und ihre Angst.


Mache ich!

Zitat:
Kennst du die Liedzeile "Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus". Was ist daran spät, wenn im April die Äste noch kahl sind? Überhaupt nichts


Nein, ich kenne die Liedzeile nicht. Ich muss aber ehrlich sagen, ich habe nie genau darüber nachgedacht, wann genau die Bäume ausschlagen. Bei meinen Recherchen bin ich über diese Seite gestolpert:

http://www.baumkunde.de/baumlisten/bluetezeit.php

Da schon allerei Grünzeug vor dem Mai gelistet wird, unter anderem auch größere Waldbäume, war ich der Meinung, dass komplett kahle Bäume doch schon merkwürdig sind. Aber naja, da habe ich mich wohl wie so oft getäuscht.

Zitat:
Sowas klappt nicht per Händeklatschen


Klapp.

Schade, immer noch kein Bestsellerautor.  Wink
Naja, dann übe ich halt weiter.
Ich hoffe, es wird noch.
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Aknaib
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 59
Beiträge: 747
Wohnort: Dresden
DSFo-Sponsor Lezepo IV


BeitragVerfasst am: 14.01.2010 00:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Unbekannt,

Zitat:
Schade, immer noch kein Bestsellerautor.  
Naja, dann übe ich halt weiter.
Das gefällt mir. Smile  


Zitat:
Zur Geschichte:
Mitten in den Wäldern des Rothaargebierges treffen vier grundverschiedene Menschen zufällig zusammen.
Doch, ob es ein wirklicher Zufall war, wird immer unklarer. Als eine unterschwellige und bösartige Macht
außerhalb ihrer bewussten Wahrnehmung sie durch die Wälder treibt, kommen auch nach und nach
Dinge aus den Leben der Vier hervor, die sie eigentlich längst begraben glaubten.
Und plötzlich ist das Gefährlichste in diesen Wäldern mitten unter ihnen.
Oh, dachte ich, das klingt spannend. Doch wenn jemand verunsichert seinen Text vorstellen will, hat es sicher einen Haken.
Leider finde auch ich der Anfang ist gähnende Langeweile.
Schmeiße den Leser mitten in den Text!!!

Etwa so:
Ohne Schuhe humpelte Ivana die Landstraße entlang. Die zerrissene Strumpfhose hinterließ ihre nackten Füße, die schutzlos dem Splitt ausgesetzt waren.
Seit einer Stunde lief sie allein auf der abgelegenen Straße. Kein Auto fuhr vorbei.
Links und rechts lagen unbestellte Äcker obwohl es Anfang Mai war. Dahinter lag ein Mischwald, dessen kahle Bäume gespenstisch das nahende Dunkel durchbohrten.
Ivana fühlte sich erbärmlich, die enge Bluse schnürte ihr die Luft ab. Darüber trug sie einen schwarzen Blazer mit roten Strasssteinen. Der kurze schmale Rock ließ sie immer wieder straucheln. Die Fußsohlen brannten und bluteten an einigen Stellen.
Am Himmel zogen sich dunkle Wolken zusammen und der Wind frischte auf. Man konnte den Regen, der sich ankündigte, geradezu in der Luft schmecken.
Die zierliche Frau stemmte sich gegen die Windböen. Außer einem hochhackigen Schuh, den sie mit der linken Hand umklammerte, hatte sie  nichts bei sich.


Ein Text lebt von Stimmungsbildern. Wie ein Maler, der mit wenigen Farben blühende oder trostlose Landschaften skizzieren kann, entwerfe als Schreiber mit treffenden Verben Stimmungsbilder. Dann bedarf er nicht solcher Erklärungen:
Zitat:
Die Kleidung hätte zu einem anderen Zeitpunkt definitiv chic ausgesehen an ihr, doch gerade jetzt wirkte sie unglaublich deplatziert.


Lass dich von nichts beirren, versuche immer wieder deinen Text zu verbessern. Suche dir Testleser, bitte sie aufrichtig zu sein. Jede Kritik bringt dich weiter, so hart sie auch sein mag.
Wenn dir die Anonymität ein Schutzschild ist, so bleibe dahinter versteckt und stecke ein. Laughing

Herzliche Grüße
Bianka
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Dunkelblaue Kunst
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BeitragVerfasst am: 14.01.2010 22:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Leute,

es ist wieder "soweit". Was ich jetzt hier hineinstelle ist die Version "Overdone 3", also die inzwischen vierte Neuschrift. Ich habe mich versucht, an eure zahlreichen Tipps zu halten. Inzwischen gefällt mir der Anfang sehr gut.
Ich hoffe sehr, dass ihr dieses Mal ein wenig mehr Vergnügen beim Lesen des Textes habt.

_____________________

Teil 1:

Kapitel 1:

Um Ivana war es schwarz.
Kein Geräusch drang zu ihr.
Kein Geruch stieg ihr in die Nase.
Sie konnte nur den rauen, feuchten Boden unter ihren Füßen spüren.
Ein spitzer Schmerz drang jedes Mal zu ihr hoch, bei jedem Schritt. Von der Ferse bis tief in die Knochen. Sie konnte ihre Füße nicht sehen.
Sie fühlte nur, dass sie da irgendwo unter ihr waren und mechanisch ihren Dienst verrichteten. Sie würde ihnen gerne eine Pause gönnen.
Doch Ivana konnte es nicht erlauben, dass sie aufhörten.
Würde sie stehen bleiben, würde sie verlieren.
Ivana schlang ihre Arme um ihren dünnen Körper. Was sie vor sich sehen konnte, war ein weißes Band. Es lief  in Schlangenlinien unendlich weit vor und hinter ihr. Es verknüpfte alles, was sie zurückgelassen hatte, mit dem, was auf sie zu kam. Sie folgte ihm, einen Fuß nach dem anderen. Es war das Einzige, was momentan wichtig war. Fortgehen.
Plötzlich traf etwas Ivana im Gesicht. Verwirrt tastete sie danach. In ihrer rechten, bläulich geschwollenen Hand war Wasser.
Ihre Finger schmerzten, als Ivana sie sich an ihrem schwarzen Blazer abwischte. Ein zweiter Tropfen erwischte sie, diesmal mitten ins Auge.
Vor Überraschung blieb sie nun doch stehen, auf einmal schien alles schwarz zu verblassen und sich in ein Zwielicht zu wandeln.
Als erstes konnte sie ihre Füße wieder sehen. Die Strumpfhose war unten zerrissen und legte bläulich verfärbte Zehennägel und eine leichenweiße Haut frei. Der Boden unter ihren Fußsohlen war tiefschwarzer Asphalt.
Vorsichtig hob Ivana ihren Blick. Die Straße vor ihr wand sich durch eine unebene Landschaft aus unbefruchteten Äckern und Wiesen. Dahinter war im Dunkeln ein Wald zu erkennen. Die kahlen Bäume reckten ihre Äste in Ivanas Richtung, als wenn sie der Nacht entfliehen und Ivana um Hilfe anflehen wollten.
Doch Ivana  konnte ihnen nicht helfen.
Sie blickte in den Himmel, ihre Arme baumelten kraftlos herab. Die Sonne zog sich gerade hinter dem Horizont zurück, als sich ein Heer aus schwarzen, schweren Wolken auftürmte. Gierig schienen sie jegliches Licht aufsaugen zu wollen. Der kommende Regen hatte Ivana schon einen Begrüßungskuss gegeben. Der Wind frischte auf und ließ ihren weinroten Rock flattern. Einige hellbraune Strähnen lösten sich aus ihrem Pferdeschwanz, als Ivana von der Böe fast umgerissen wurde. Ihre grünen Augen blickten matt und glanzlos. Sie drehte sich um. Alles hinter ihr tauchte wieder in schwarz, die Straße war jetzt kaum noch zu erkennen.
Sie wusste nicht, wo sie war.
Gedanken huschten wie kleine, scheue Tiere durch ihren Verstand, ließen sich weder fangen noch festhalten. Erinnerungen baumelten verheddert wie in einem verrotteten Marionetten-Theater und ließen sich nicht entwirren. Ihr kam es so vor, als wenn sie die letzten Stunden nur bruchstückhaft erlebt hätte. Als wenn sie zwischenzeitlich eingeschlafen wäre.
Ivana taumelte plötzlich, als eine Welle der Erschöpfung sie mitzuspühlen drohte. Sie ließ sich auf dem Boden sinken und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Es war keine Zeit zu rasten. So begann Ivana ihre Gedanken zu beruhigen und sie in eine chronologische Reihenfolge zu bringen. Sie folgte der Straße Schritt für Schritt zurück und versuchte jeden Moment zu rekonstruieren. Nach und nach begann sie wieder Klarheit zu bekommen. Es war wie ein Puzzlespiel, nur waren die meisten Teile schwarz und hatten bizarre Formen.
Irgendetwas war passiert.
Oder würde passieren.
Ivana spürte, wie sich ein Klos dunkler Erinnerungen hochschob, ihr drohte die Luft abzuschnüren. Sie konnte ihn gerade noch unterdrücken. Würde sie es zulassen, würde er sie wieder verschlingen und in das Nichts ziehen. Stattdessen schlug Ivana mit ihrer verletzten Hand auf den Asphalt.
Sie schrie auf vor Schmerz und mit dem Schrei löste sich der Knoten plötzlich. Einzelne Puzzleteile fielen zusammen.
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Dunkelblaue Kunst
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BeitragVerfasst am: 16.01.2010 13:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Damit der Text nicht ganz so alleine ist, der nun folgenden Abschnitt:

_______________________________

Ivana hatte als Kind Puzzle geliebt. Sie war immer schon ein cleveres Mädchen gewesen. Cleverer als ihre beiden jüngeren Brüder allemal.
Aber diese waren jetzt nicht hier. Ihr stiegen auf einmal Tränen hoch, die sich nicht unterdrücken konnte. Mit den Gesichtern ihrer Brüder schossen noch andere Erinnerungen unkontrolliert in ihr Bewusstsein.

Ihr Vater, wie er im Bett lag. Seine Hand war immer so stark gewesen. Stattdessen hatte Ivana nun seine kalten Finger gehalten.
Seine blauen Augen hatten sie um Verzeihung gebeten. Aber sie hatte ihm nicht verzeihen können, sie war doch selbst erst vierzehn Jahre alt gewesen.
Das Blut, das in ein weißes Becken fiel und vom wirbelnden Strom des Wassers mitgerissen wurde. Ihre Hände waren voll davon.
Sie wusste nicht, ob es ihr Blut war. Aber sie musste sich beeilen.
Der Sommer, in dem sie das erste mal den alten Traktor auf dem Hof ihrer Eltern fahren durfte. Als sich der Traktor in Bewegung setzte, schrie Ivana im ersten Moment auf. Der Schrei wandelte sich in Lachen, als sie merkte, dass sie die Kontrolle über das Monstrum hatte. Damals legten sich die Hände ihres Vaters noch warm auf ihre.
Die Bühne ihrer Schule, auf der sie stand. Ihr Gedicht auf Englisch hatte sie perfekt auswendig gelernt. Sie versprach sich kein einziges Mal. Die Hände ihrer Eltern flatterten beim Klatschen wie aufgeregte Tauben, als der Beifall Ivana umtobte.
Der Mund, der gefüllt war mit fauligen Zahnstummeln. Ivana wurde schlecht, jedes Wort aus dem Mund schien wie eine gammelige Frucht aufzuplatzen und ihren Gestank zu verbreiten. Grobe Hände packten sie, zerrten sie näher an den schreienden Mund.
Die Berge der Südkarpaten, die den blauen Himmel vom ewigen Grün Siebenbürgens trennten. Die Hände ihrer Eltern tanzten über jeden einzelnen Gipfel, als sie Ivana die Namen nannten.  
Das Gesicht ihrer Mutter, die glücklich lächelte. Die Blätter Papier mit den gelben Sternenkranz auf dem Küchentisch sahen wie eine Einladung in ein neues Leben aus. Ivanas zitternde Hand bewegte sich über das Papier, und der Stift hinterließ eine blaue Linie. Sie würde nun fortgehen.

Als Ivana wieder zu sich kam, lag sie zusammengekauert auf dem Boden. Sie konnte nicht einmal die Hände vor ihren Augen sehen.
Ihre Kleidung war komplett durchnässt. Alles in ihrem Körper tat weh. Sie gab auf.
Sie ruhte dort am Rande der Straße. Der Regen prasselte auf sie herab und erzeugte ein Rauschen um sie herum. Ivana dachte an nichts.
Die Welt  schien so winzig klein zu sein. Sie spürte, wie der Schmerz träge von ihren Füßen pulsierte. Ihre rechte Hand fühlte sich dumpf an, als wäre sie in ein Paket voll Watte gepackt. Ein Zittern durchlief ihren dünnen Körper in glühenden Wellen. Im Gegensatz zu Ivana hatte er noch nicht beschlossen, das Ganze so enden zu lassen. Ihr Herz war das einzige, was sie schmerzhaft am Leben hielt. Mit jedem stechenden Schlag drückte es von Innen gegen ihre Brust, quetschte ihr Blut durch die Adern. Jeder Schlag raubte ihr den Atem.
Sie wünschte, es würde aufhören.
In der Ferne tauchte plötzlich ein heller Punkte auf, der rasch zu einem gewaltigen Lichtkegel anwuchs. Ivana drehte den Kopf leicht und wurde vom hellen Licht geblendet. Es umstrahlte sie komplett, doch sie konnte keine Wärme spüren.
Das Auto raste nur wenige Zentimeter an ihr vorbei. Das Quietschen der Bremsen war ohrenbetäubend laut. Die Rücklichter wurden heller, als der Wagen zurücksetzte. Der silberne Mercedes hielt neben Ivana mitten auf der Straße an. Sie hörte, wie die Fahrertür geöffnet wurde. Sie sah eine Gestalt vorne um das Auto herumlaufen, konnte aber im grellen Scheinwerferlicht nur einen Schemen erkennen.
Man hat mich gefunden, dachte sie kraftlos.
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Dunkelblaue Kunst
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BeitragVerfasst am: 22.01.2010 23:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo liebe Leute,

Ich komme mir fast schon schäbig vor, so um Aufmerksamkeit zu winseln. Aber ich würde es nicht tun, wenn es mir nicht wichtig wäre.

Der letzte Kommentar ist nun schon anderthalb Wochen alt, seitdem habe ich etwas Neues (und wie ich dachte Besseres) hineingestellt.
Ich bin nun etwas ratlos. Sicherlich kann ich verstehen, dass nicht unbedingt jeder Lust hat den Text durchzulesen und zu kommentieren, wenn er denkt, dass es keinen Sinn hat.
Da kann ich auch niemanden vom Gegenteil überzeugen.
Es wäre allerdings nett, mir dann wenigstens zu sagen, dass ich wohl besser ganz von vorne anfangen soll. Bevor dann dieser Post ganz versumpft, will ich einfach nur Gewissheit haben.

So, und jetzt, bitte keine Mitleidsposts. Falls jemand noch irgendetwas schreiben will, dann die nackte Wahrheit. Ich werde schon mit allem fertig!    wink

Auf bald.


_________________
Was soll all dies?
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Geisterregen
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BeitragVerfasst am: 23.01.2010 11:43    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen smile


   liebe Dunkelblaue Kunst,

    du hast einen schönen Nick, das will ja schon was heißen.

    Die letzte Version finde ich schon im einiges besser, allerdings immernoch stellenweise schwammig =/ .
    Die Naturbeschreibungen finde ich persönlich ablenkend. Entweder du kürzt sie und setzt sie nur an ganz gezielte Stellen, oder du verknüpfst sie mehr mit der Protagoniston.  Etwa, dass sei sich vor den Ästen fürchtet etc. Sie läuft ja davon, die Äste könnten ihr wie Arme vorkommen,die sie packen wollen.  
 Das wär etwas dramatischer, als dass die Bäume Hilfe von ihr erwarten.

     Aber leider finde ich prinzipiell,dass dein Anfang sehr klischeelastig ist.  
     Frau  hat sich verlaufen, läuft vor Mysterium davon.  Ehrlich, mich überrascht da nichts..

   Du solltest vllt. direkt am Anfang einen Anhaltspunkt auf das Geheimnis geben.. ein Geheimnis,das der Leser nicht kennt, das der Leser so noch nie gelesen hat..

     Ich sitze grade leider nur an einem mini-winzigen Netbook,kann daher schlecht zitieren und alles zu lesen ist daher auch anstrengender. Deshalb hab ich auch nur den 1 teil der geschichte gelesen..

So und nun überrasch uns smile  Direkt im ersten Abschnitt bitte smile
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Gast







BeitragVerfasst am: 23.01.2010 13:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Dunkelblaue Kunst,

ich hätte da ein paar Anmerkungen, die deine Annahme, ohne den Hinweis auf deinen Anfängerstatus wäre dein Stück anders bewertet worden, widerlegen.  

Beginnen wir mit der Präzision. Eine der ersten Autorenpflichten ist es, SEHR GENAU darauf zu achten, was er schreibt. Sagen die Worte wirklich genau das, was ich ausdrücken wollte?
Du hast unter anderem folgendes als Fehler bezeichnet:

Zitat:
2. Ich habe mich als Anfänger geoutet.
3. Ich habe behauptet, als Anfänger einen Roman mit komplexer Story zu schreiben.
4. Ich habe scheinbar einen Text reingestellt, der so schlecht ist, dass er fast nicht zu kommentieren ist.


Punkt 2 kündigt eine verheerende Aussage an und Punkt 3 vollendet sie. Mit diesen Worten unterstellst du den Usern im Umkehrschluss, dass sie ohne deinen Statushinweis nicht in der Lage gewesen wären deine Zeilen als die eines Anfängers zu erkennen.

Wolltest du das ausdrücken?

Du schreibst, du möchtest einen Thriller schreiben. Mein Fazit, vergiss es oder notiere deine Idee, mache dich ans Lernen und versuch es in zwei, drei Jahren. Das will ich dir auch gern fachlich fair begründen.
 
Du warst von deiner Leseprobe so überzeugt, dass du sie zur Kritik gestellt hast. Dass war grundsätzlich schon mal mutig und ein richtiger Schritt zur Entwicklung. Sie zeigt aber auch, dass du noch nicht in der Lage bist einen Roman zu schreiben. Von einem Thriller ganz zu schweigen. Darauf komme ich noch mal zurück.

Die ersten Zeilen eines jeden Romans sind existenziell und entscheiden über Wohl und Wege. Deine sind eine Garantie für das Wehe. Du erzählst gar nichts und scheinst die Geschichte durch Verschweigen oder Verklausulieren zur Wirkung verhelfen zu wollen.

So funktioniert dass nicht. Geschichten wollen erzählt, nicht verschwiegen werden.  Was erfährt der Leser aus deiner Leseprobe? Nichts außer ihren Namen und das sie schlank ist. Darüber hinaus eierst du um die Prota herum, ohne dass sich die Geschichte einen Zentimeter oder eine Millisekunde bewegt.

Sie kann ihre Füße nicht sehen, dann doch wieder. Wie dient dieser Nonsens dem Fortkommen der Geschichte? Deine lyrische Neigung ist ein weiteres Problem. Du stelzt den Weg als weiße Schlangenlinie rein und erkennst den Sinn wenige Zeilen später selbst nicht mehr. Anders wüsste ich mir nicht zu erklären, dass du den Weg zwei Absätze später abermals behandelst.

Wenn Strumpfhose, Haut- und Haarfarbe usw. eine Rolle spielen, dann ist es deine Aufgabe sie passend und sinngemäß zu platzieren. Wie dargestellt machen sie gar keinen Sinn. Flehende Bäume? Oha, was ist in dir vor gegangen?

Dir fehlt zurzeit die klare Vorstellung von dem was geschehen soll. Viel kritischer ist, dass dies auch für bereits Geschehenes gilt. Du weißt wenige Sätze später nicht mehr, was du gerade geschrieben hast.

Am Anfang ist es schwarz um Irvana, dann wird die Nacht eingeführt. Einen Absatz später verzieht sich die Sonne hinter dem Horizont?!Wie sollst du ein mehrere hundert Seiten Werk kontrollieren, wenn es dir mit wenigen Zeilen nicht gelingt? Wenn du dir keine fünf Minuten merken kannst, was du gerade geschrieben hast und derart gravierende Widersprüche, auch und gerade während der Überarbeitung nicht entdeckst? Letzteres ist ein Disziplinmangel, den selbst geübte Autoren nur schwer bei kommen. Sie glauben genau zu wissen was geschrieben steht, überfliegen die Zeilen und finden die Fehler nicht. Hinterher fragen sie sich, wie das möglich war. Nun, hier ist es erklärt.

Sollte dich all das entmutigen? NEIN! Nur zum Umdenken bewegen. Einen Roman zu schreiben, hat nichts mit der Alltagskritzelei gemein. Lerne, probiere dich aus, reife heran und dann geh an diesen Thriller. Was immer deine Idee ist, sie ist es sicherlich wert sorgfältig und diszipliniert abgearbeitet zu werden.

Grüße
Bobbi
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Nemo
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Pokapro 2016 Pokapro III & Lezepo I
Postkartenprosa II


BeitragVerfasst am: 23.01.2010 15:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Dunkelblaue Kunst,

wenn Dir der Text so wichtig ist, will ich etwas dazu schreiben (was natürlich schwer fällt, da schon so viel Richtiges und Wichtiges geschrieben wurde).

Zum einen: Als Roman - gleich welchem Genre er in den weiteren Kapiteln folgen wird - spricht mich der Text nicht an. Zwar glaube ich, ein aufmerksamer Leser zu sein, aber irgendwann haben mich Deine Umstandsbeschreibungen dann doch verloren. Es ist sehr anstrengend nachzuvollziehen, was Du überhaupt beschreibst. Die Protagonistin kommt aus einem dunklen Dämmerzustand und findet sich wieder in der Welt, während gerade die Sonne untergeht. Wer hier nicht höllisch aufpasst glaubt, es wäre Nacht und erst später geht die Sonne unter. Das lädt geradezu zum Missverständnis ein. Ich habe leider keine Zeit, um mich jetzt jedem Satz zu widmen. Man merkt Deinem Stil leider an, dass er auf wackligen Füßen steht. Ein Hinweis sei an dieser Stelle dazu gegeben: Bemühe dich um kräftigere Verben. Es gibt da so einige Stellen, an denen Du die Kraft der Sprache ungeschickt abwürgst:
Zitat:
Sie konnte nur den rauen, feuchten Boden unter ihren Füßen spüren.

Warum nicht: Sie spürte den [...] Boden [...]?
Zitat:
Ein spitzer Schmerz drang jedes Mal zu ihr hoch,

Hier triffst du eine unpräzise Aussage und konkretisierst sie erst im nächsten Satz. Warum nicht gleich exakt arbeiten?
Zitat:
Sie fühlte nur, dass sie da irgendwo unter ihr waren und mechanisch ihren Dienst verrichteten.

Nicht gerade ein Glanzstück dynamischen und lebendigen Verbgebrauchs.
Zitat:
Doch Ivana konnte es nicht erlauben, dass sie aufhörten

Wieder recht unlebendig. Im weiteren Text setzt sich das fort; viele Formen von "sein", wo lebendige Verben hingehören. Außerdem: Die Füße verrichten ihren Dienst, sind also Akteur. Im nächsten Satz kann es sich Yvana nicht erlauben, dass ihre Füße den Dienst nicht mehr verrichten? Jetzt ist sie Akteur, obwohl die Füße streng genommen noch handeln. Für mich wirkt das arg kompliziert formuliert.
Zitat:
Ivana schlang ihre Arme um ihren dünnen Körper.

Unnötige Dopplung der Possesivpronomen.
Zitat:
Was sie vor sich sehen konnte, war ein weißes Band. Es lief in Schlangenlinien unendlich weit vor und hinter ihr.

Sie sieht vor sich, dass ein weißes Band vor ihr verläuft. Das ist redundant. Anderseits kann sie schlecht vor sich sehen, dass das Band hinter ihr verläuft. Dazu muss sie sich umdrehen .. Du siehst, schon zwei Sätze werfen beim Lesen Gedanken auf, die einfach ablenken und nicht sein müssen. Bobby hat es ja schon geschrieben: Exaktheit in den Formulierungen. Ich kann jetzt leider nciht jede fragwürdige Passage auflisten; der Stil jedenfalls verbaut Dir leider schon eine Menge.

Generell ist zum Aufbau zu sagen:
Oft greifen unerfahrene Autoren zum Mittel, eine nicht nachvollziehbare Situation zu schildern, um beim Leser ein Interesse auszulösen, diese Situation verstehen zu wollen. Die Denkweise: Wer sich fragt, wie es zu dieser Situation kam, wird weiter lesen wollen = Spannung. Die Rechnung geht aber nicht auf, d.h. nur in Ausnahmefällen bei sehr erfahrenen Autoren. In der Regel sind nicht die Fragen zum Hergang einer Geschichte (wie konnte es soweit kommen?) nicht so spannend, wie die Fragen zum Fortlauf einer Geschichte (Wie geht es weiter?). Das mag daran liegen, dass erstere Fragen zum Text in einer Situation entstehen, in welcher das Ergebnis der Handlungsentwicklung schon vorweg genommen ist. Wir wissen ja: Was immer vorher geschehen ist, es hat zu diesem verwirrten Zustand der Protagonistin geführt. Die "Spannung" resultiert also nur aus dem Unwissen des Lesers. Kein Mensch möchte gerne über mehrere Seiten mit der eigenen Unkenntnis konfrontiert werden und vom Autor in stetigem Dunkel allein gelassen werden. Also baue am Besten Deinen Thriller chronologisch auf, beginne mit einem Konflikt niedriger Intensität und steigere ihn immer mit der Zielrichtung: Wie geht es weiter? Und wann immer Du das Gefühl hast, etwas erklären zu müssen, was vorher geschehen ist, sollten Deine Alarmglocken klingeln. Und beginne Dein Buch mit einer konkreten Ausgangslage, an der sich der Leser festhalten kann um in die Geschichte einzutauchen. Wenn Du den Leser so im Unklaren lässt, wie es Deine Protagonistin ist, schließt Du ihn von der Geschichte aus; und das willst Du sicher nicht.

Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis Du das alles aus dem Handgelenk schütteln kannst. Manche, die lernen wollen, lernen sehr schnell. Bleib dran; nur Mut und jede Kritik macht Dich besser, wenn Du Dich mit ihr auseinander setzt. Viel Glück und Durchhaltevermögen für Dein Projekt.

Beste Grüße
Nemo


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Dunkelblaue Kunst
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BeitragVerfasst am: 23.01.2010 16:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

Ich bin euch zum Dank verpflichtet. Eure Worte sind zwar hart, aber fair und ehrlich. Und ich weiß dann jetzt woran ich bin. Eure angemerkten Sachverhalte waren die tönernen Füße, auf denen meine Selbstzweifel standen. Und dadurch, dass ihr sie eingerissen habt, ist aus der Zweifelei Gewissheit geworden. Eure Kritik hilft mir sehr mich zu verbessern.  smile

Zitat:
Dir fehlt zurzeit die klare Vorstellung von dem was geschehen soll. Viel kritischer ist, dass dies auch für bereits Geschehenes gilt. Du weißt wenige Sätze später nicht mehr, was du gerade geschrieben hast.


Nun, dass der geschriebene Text diesen Eindruck vermittelt ist mir anzukreiden. An dieser Stelle will ich allerdings klarstellen, dass dem nicht so ist. Ich habe schon eine ziemlich klare Vorstellung davon, was vorher passiert ist, und was kommen wird. Ich habe dazu einen ganzen Packen an Notizen über Gedanken dazu. Ich habe auch einige Stellen bereits schriftlich anskizziert.
Allerdings habe ich die Geschichte in der Annahme aufgebaut, mit Rückblenden die Vorgeschichten der Protagonisten nach und nach zu enthüllen (wie z.B. in der Fernsehserie "LOST"). Wie ich nun feststelle, gestaltet es sich in schriftlicher Form schwieriger als angenommen. Auch, dass der Leser nicht für dumm verkauft werden will kann ich nachvollziehen. Der Eiertanz entsteht dadurch, dass ich dem Leser Dinge an dieser Stelle vorenthalten will. Ich werde also sehen müssen, inwieweit ich die Geschichte so umbaue (umbauen kann), dass sie erhalten bleibt und lesenswert wird.

Bleibt für mich noch zu schließen, dass ich das Projekt nicht als gestorben ansehe. Ich werde mich mit dem Aufbau der Geschichte beschäftigen, und noch stärker mit meinem Schreibstil. Vielen Dank nochmals, für eure kritische Sichtweise!

Auf bald.

Martin wink


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