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Kein Dialog


 

 
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yt
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BeitragVerfasst am: 03.12.2009 11:00    Titel: Kein Dialog eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

„Wir müssen davon ausgehen, dass Personen, wie diese, schwere seelische Störungen davon getragen haben.“, sie schlug ihre Beine übereinander und lehnte sich nun in den schweren Ledersessel.
Er schüttelte den Kopf.
„Sie sagten bereits, was wir hier beobachten, ist ein sehr junges Phänomen, dass unsere Jugend ganz besonders betrifft. Sie sind gar nicht im Stande, die Informationen in einen geordneten Fluss zu bekommen.“, dabei setzte sie ein mütterliches Gesicht auf, dass Verständnis zeigen sollte. Oder ihre hübschen, perl-weißen Zähne.
„Was ein ausgemachter Blödsinn.“, sagte er und griff nach einem Glas Wasser.
„Gewalt, schulische Defizite, soziale Armut. Das sind nur die wenigen Folgen.“
„Ich zeig dir gleich soziale Armut...“, er rollte mit den Augen, schlug die Hände vor sein Gesicht.
„Ebenso wie Konzentrationsschwäche.“, fügte sie noch hastig hinzu.
Er hielt es nicht mehr aus, stand auf, und verließ den Raum.
„Frau Doktor, sie haben in ihrer Dissertation viele Fälle untersucht, und sagten, eine umfassende Studie sei gar nicht möglich, weil es nur wenige Ausnahmen gäbe?“, kam die Frage aus einem weiteren schweren Ledersessel, der für sich genommen schon imposant war. Mit dieser hünenhaften, sportlichen Erscheinung die ihn ausfüllte, war die Anziehungskraft eine Konstante der man sich nur schwer widersetzen konnte.
„Lassen Sie mich das bitte kurz genauer ausführen...“, stieg sie unmittelbar auf die Frage ein, als er seine Entscheidung revidierend, wieder den Raum betrat und sich auf einer etwas weniger imposanten aber sehr bequemen Couch niederließ.
Ihre Hände vollführten eine Geste die einen Kreis umschloss: „ ... wobei etwa 99% aller Befragten unserer Zielgruppe, konnte von ähnlichen Symptomen Berichten. Viele davon erkannten selbst, die Symptome als solche, gar nicht, sondern hielten sie für normal.“, worauf sie sich nun, mit den Händen, auf die Oberschenkel stemmte, um ihre Aussage zu stützen.
„Ja, vielleicht weil es auch normal ist? Was ist das für eine gequirlte Kacke. Ich bin doch kein Asi.“, rief er aus und stieß beinahe sein Glas Wasser um, als er sich mit wehenden Ellbogen in die Couch warf.
Der Hüne räusperte sich: „Sie würden jetzt aber nicht sagen das alle Jugendlichen davon betroffen sind. Sie sprachen von Ihrer Zielgruppe.“
„Ja genau“, pflichtete er bei; „was hast dir da für Boons ausgesucht?“
„Unser Zielgruppe,.. “, sie sammelte sich kurz: „wurde gemäß meinen Vorgaben die für die Untersuchung relevant waren von einem unabhängigen Institut befragt, damit ich keinen Einfluss auf das Ergebnis nehmen konnte. Natürlich sind davon jugendliche Ausgenommen die keinen Kontakt mit diesen Medien hatten.“
„Unabhängig ja klar, was wissen die schon.“, dachte er verärgert.
Der Hüne erweckte nun den Eindruck als stünde er unter Zeitdruck.
„Frau Doktor.“, intonierte er: „was würden Sie Empfehlen, wie man mit dieser, man kann es ja schon beinahe als Volkskrankheit bezeichnen, also wie wir mit dieser Krankheit umgehen sollten?“
„Es müssen klar Verbote her. Wir brauchen dringend strengere Kontrollen und nur mit staatlicher Kontrolle können wir eine Normalität wieder herstellen.“
Fassungslosigkeit machte sich in seinem Gesicht breit.
„Die weiß doch gar nicht wovon die redet. Die hat doch noch nie was erlebt.“, schoss ihm durch den Kopf, dann sagte er laut: „Was eine Witztitte.“
„Können denn Verbote solche Ausbrüche verhindern“, sagte der Hüne, wobei er viel sagend und mit schau-spielerischem Talent, die Augenbrauen hob.
„Der Scheiss passiert doch nur weil ihr so'n Dreck labert“, entfuhr es ihm.
„Die staatliche Kontrolle ist nur einer der Punkte, zusammen mit der Wirtschaft müssen wir geeignete Mittel entwickeln, um diese auch umzusetzen.“
„Hörgeräte bräuchtet ihr, damit ihr euch mal selbst beim Hirnficken zuhören könnt.“, sagte er nun leise, zu sich selbst und schaltete den Fernsehr aus. Er war wieder allein, niemand hörte ihn.

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Alogius
Geschlecht:männlichKinnbeber

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Die Goldene Bushaltestelle Goldene Feder Prosa (Anzahl: 2)


Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 03.12.2009 14:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Autor,

die Grundidee und auch die rein inhaltliche Umsetzung sind beide weitgehend recht interessant. Auch was die Pointe angeht (eben "kein Dialog"), muss ich Dich loben - mich hat sie doch überrascht. Positiv ist, dass der Text auch beim zweiten Lesen insgesamt funktionieren kann, obwohl man den Ausgang dann kennt. Inhaltlich ist es aber etwas dünn, weil man nicht abschätzen kann, ob der Text ein Auszug ist oder fortgesetzt wird. Er wirkt fragmentarisch.

Dennoch habe ich einiges zu bemerken:

Denn einige seltsame Fehler trüben das Lesen. Es mag auch daran liegen, dass dem Text gegen Ende, trotz der Pointe, die Luft ausgeht, weil im Prinzip nichts passiert. Zustands- oder Szenenbeschreibungen (findet man auch bei mir) sind generell ebenso eine Herausforderung wie erzählende Texte. Aber sie benötigen mehr als nur eine Pointe, um zu wirken.
Das soll sich nicht mit meinen Eingangskommentaren widersprechen. Doch allein die Idee und ein weitgehend interessanter Inhalt machen es allein nicht aus. Da hilft auch die Überraschung am Ende nicht. Es fehlt das Besondere im Text.
Leider finden sich auch einige Fehler, die insgesamt den Text schmälern.

Beispiele:

Zitat:
„Wir müssen davon ausgehen, dass Personen, wie diese, schwere seelische Störungen davon getragen haben.“, sie schlug ihre Beine übereinander und lehnte sich nun in den schweren Ledersessel.

", dass Personen, wie diese," impliziert in der Kommasetzung, dass alle Personen diese Störungen haben. Der Einschub "wie diese" sollte keiner sein, sondern ohne Kommata stehen.
Außerdem: Nach der wörtlichen Rede kein Punkt, wenn danach noch etwas folgt.
Beispiel: "...davon getragen haben", sagte sie und schlug ihre Beine übereinander. Sie lehnte sich in den schweren Ledersessel.
So wäre es möglich.

Zitat:
„Sie sagten bereits, was wir hier beobachten, ist ein sehr junges Phänomen, dass unsere Jugend ganz besonders betrifft.

Nicht zwingend wäre hier die indirekte Rede ("..., sei ein..."). Aber möglich.
Außerdem finde ich auch hier die Kommastellung eigenartig:
"Sie sagten bereits, was wir hier beobachten ist..."
Sinnvoller.
Achja: "das unsere Jugend...", nicht "dass".

Hier
Zitat:
, die Informationen in einen geordneten Fluss zu bekommen.“, dabei setzte sie ein mütterliches Gesicht auf, dass Verständnis zeigen sollte.

erneut das Problem bei der wörtlichen Rede. Ans Ende des gesprochenen Satzes gehört kein Punkt. Außerdem ist es befremdlich, wenn es danach mit einem ganzen Satz fortgeführt wird, anstatt vorher ein "...", sagte sie einzubringen.

Hier die zwei letzten Beispiele für diese Probleme:

Zitat:
„Was ein ausgemachter Blödsinn.“, sagte er und griff nach einem Glas Wasser.

Kein Punkt am Ende des Gesagten.

Zitat:
„Ich zeig dir gleich soziale Armut...“, er rollte mit den Augen, schlug die Hände vor sein Gesicht.

Drei Punkte empfinde ich, subjektiv, als störend.
Außerdem wäre es sinnvoll, nach der Aussage einen Punkt zu setzen und dann mit "Er rollte..." neu anzufangen.
So ist es sinnfrei.

Fazit:

Interessante Idee, mit einer ambitionierten, aber doch zu fragmentarischen Ausführung.
Sprachlich gäbe es einiges, was verbessert werden muss; besonders in der Zeichensetzung.

Gruß

Tom
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yt
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BeitragVerfasst am: 03.12.2009 14:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Deine Hinweise sind sehr gut. Danke.
Sind die Personen sprachlich genügend getrennt?
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Alogius
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Die Goldene Bushaltestelle Goldene Feder Prosa (Anzahl: 2)


Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 03.12.2009 14:36    Titel: Antworten mit Zitat

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Deine Hinweise sind sehr gut. Danke.
Sind die Personen sprachlich genügend getrennt?


Meine Ansicht: ja.


_________________
Aus einem Traum:
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yt
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BeitragVerfasst am: 03.12.2009 14:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich muss sagen - nach dem ich das nun ausprobiert habe, dass ich die Funktion, ... nicht sehr mag.

Inkognito ist mir wohl zu unpersönlich. smile Damit kann ich keinen Dialog aufbauen.
Also noch mal persönlich, danke für die guten Tips.

Mit herzlichem Gruß,
yt
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Alogius
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Alter: 43
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Die Goldene Bushaltestelle Goldene Feder Prosa (Anzahl: 2)


Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 03.12.2009 14:47    Titel: Antworten mit Zitat

Kein Problem wink

Ich habs auch nur einmal ausprobiert...^^


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Valeska
Waldohreule

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BeitragVerfasst am: 04.12.2009 01:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo yt,

mich hat der Text auch inhaltlich angesprochen, während es grammatisch, rechtschreib- und zeichentechnisch eher eine Schlacht war, wenn du verstehst ...

Wenn nach der wörtlichen Rede kein "sagte er" oder etwas Ähnliches, das noch zur wörtlichen Rede dazugehört, steht, sondern ein neuer Satz folgt, muss dieser neue Satz auch mit einem Großbuchstaben beginnen, was du beachtenswert konsequent anders handhabst ... Alogius hat viele Stellen ja auch schon genannt, ich möchte nur noch kurz auf diesen Artikel in unserem Wiki hinweisen, dort gibt es weitere Tipps zur wörtlichen Rede.

yt hat Folgendes geschrieben:
„Wir müssen davon ausgehen, dass Personen, wie diese, schwere seelische Störungen davon getragen haben.“, sie schlug ihre Beine übereinander und lehnte sich nun in den schweren Ledersessel.

Hier würde ich das "nun" streichen, es wirkt merkwürdig am Anfang des Textes (ich gehe mal davon aus, dass dieser Text so abgeschlossen ist und dies hier wirklich der Anfang ist).

yt hat Folgendes geschrieben:
„Frau Doktor, sie haben in ihrer Dissertation viele Fälle untersucht, und sagten, eine umfassende Studie sei gar nicht möglich, weil es nur wenige Ausnahmen gäbe?“, kam die Frage aus einem weiteren schweren Ledersessel,

Hier erschließt sich mir die Logik nicht ganz, warum keine Studie möglich sein soll ... würde man nicht zum Beispiel eine Studie brauchen, um überhaupt erstmal festzustellen/zu belegen, dass es nur wenige Ausnahmen gibt?

Dann hab ich noch eine Stelle, mit der ich wieder grammatisch gar nicht klarkomme:

yt hat Folgendes geschrieben:
Ihre Hände vollführten eine Geste die einen Kreis umschloss: „ ... wobei etwa 99% aller Befragten unserer Zielgruppe, konnte von ähnlichen Symptomen Berichten. Viele davon erkannten selbst, die Symptome als solche, gar nicht, sondern hielten sie für normal.“, worauf sie sich nun, mit den Händen, auf die Oberschenkel stemmte, um ihre Aussage zu stützen.

Der fett markierte Teil ergibt grammatisch irgendwie keinen Sinn ... hast du vielleicht etwas anderes gedacht als getippt?

Und dann noch eine Anmerkung hier:

yt hat Folgendes geschrieben:
„Sie sagten bereits, was wir hier beobachten, ist ein sehr junges Phänomen, dass unsere Jugend ganz besonders betrifft.


Hier hat Alogius die Zeichensetzung für merkwürdig befunden, diese Aussage mag zwar zutreffen, ändert aber nichts daran, dass deine Zeichensetzung hier völlig korrekt ist. Was ich hier fett markiert habe, ist ein Relativsatz, den du völlig richtig mit zwei Kommata abgetrennt hast. Bitte genauso lassen. wink

Zum Schluss nochmal zurück zum Inhaltlichen:

Mir gefällt die Pointe. Während des Lesens war ich einfach nur verwundert über den merkwürdigen "Dialog", das Ende bringt dann einen Aha-Effekt und ich wusste nicht recht, ob ich schmunzeln oder trauern sollte ... Insgesamt kommt mir die Geschichte aber noch ein bisschen "mager" vor. Da du viel Dialog hast, bleibt das Drumherum etwas auf der Strecke ... vielleicht gibt es da noch eine Möglichkeit, die Frau Doktorin und den Interviewer oder ihre Umgebung mit ein paar (kurzen) Sätzchen zu charakterisieren? Deine Beschreibungen wie zum Beispiel
yt hat Folgendes geschrieben:
kam die Frage aus einem weiteren schweren Ledersessel, der für sich genommen schon imposant war. Mit dieser hünenhaften, sportlichen Erscheinung die ihn ausfüllte, war die Anziehungskraft eine Konstante der man sich nur schwer widersetzen konnte.

finde ich eher umständlich. (Vielleicht kommt der Eindruck der Umständlichkeit und Unanschaulichkeit zum Teil aber auch daher, dass ich mich beim Lesen wegen der Fehler so konzentrieren musste ...) Du könntest mMn etwas gebrauchen, das dem Leser gleich ein Bild ins Gehirn zaubert (leider ist mein Gehirn schon auf dem Weg ins Traumland, sonst könnt ich jetzt besser Beispiele geben ... Dozey).

Gute Nacht

Vale


_________________
so bin ich
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yt
Geschlecht:männlichAutor

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BeitragVerfasst am: 04.12.2009 09:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Moin,

danke dir Valeska.

Zum (fehlenden) Inhalt:
Es ist schwer etwas "hinzuzaubern" wo eigentlich nichts passiert.
Aber dank dieses Hinweises, habt ihr mich noch mal tiefer hineingestossen. Es ist nicht leicht.
Das Medium das in der Kritik steht, ist nicht interaktiv. Es gibt keinen Dialog, keine Möglichkeit einzugreifen. Jeder für sich in seiner Welt.
Diese Müdigkeit des Inhalts, ist denke ich vielleicht auch Ausdruck der Starre des Verhaeltnisses. Es bleibt keine Wahl als es über sich ergehen zu lassen.
Aber das bedeutet ja nicht, dass keine Möglichkeiten da wären mit dieser "nicht interaktiven" Welt literarisch zu spielen.
Ich hab noch ein paar Gedanken einfliessen lassen um diesen Kontrast hervorzuheben ohne der Pointe vorwegzugreifen. Versucht zu korrigieren. Wäre schön noch mal zu lesen, was davon gut oder weniger gelungen ist.
Auch um eventuell gnadenlos das ganze wieder "ein zu kürzen".

Danke.

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„Wir müssen davon ausgehen, dass Personen wie diese, schwere seelische Störungen davon getragen haben.“, sagte sie und schlug ihre Beine übereinander.
Er schüttelte den Kopf und tippte sich demonstrativ an die Stirn und schaute genauer in ihr Gesicht.
Sie lehnte sich in den schweren Ledersessel zurück. Ihre Haar glänzten Rotgolden. Die Augen blassgruen. Eine teuere Kombination für Karrierefrauen ließ tief blicken.
Sie führte ihre Rede fort: „Sie sagten es ja bereits. Was wir in unserer Gesellschaft beobachten ist ein sehr junges Phänomen das unsere Jugend betrifft. Die Jugendlichen sind nicht im Stande, die Informationen in einen geordneten Fluss zu bekommen.“, dabei setzte sie ein mütterliches Gesicht auf, dass Verständnis zeigen sollte. Oder ihre hübschen, perlweißen Zähne.
„Was ein ausgemachter Blödsinn.“, stieß er hervor und griff nach einem Glas Wasser.
„Gewalt, schulische Defizite, soziale Armut. Das sind nur die wenigen Folgen.“
„Ich zeig dir gleich soziale Armut.“, war sein konter.  Er rollte mit den Augen, schlug die Hände vor sein Gesicht und stöhnte.
„Ebenso wie Konzentrationsschwäche, bis hin zum emotionalen Kontrollverlust.“, fügte sie noch hastig hinzu.
Er hielt es nicht mehr aus, stand auf und verließ verärgert den Raum.
„Frau Doktor. Sie haben, in ihrer Dissertation über Medienkonsum, viele Fälle untersucht und sagten, eine umfassende Studie sei gar nicht möglich, weil es nur wenige Ausnahmen gäbe?“, folgte die Frage eines Hünen mit krausem schwarzen Haar, und perfekt gebundener Krawatte. Über den eleganten Schreibtisch hinweg, wirkte seine unnachgiebige Art, wie eine konstante Anziehungskraft der man sich nur schwer widersetzen konnte.
„Lassen Sie mich das bitte kurz genauer ausführen“, stieg sie unmittelbar auf die Frage ein, als er seine Entscheidung revidierend, wieder den Raum betrat und sich auf einer bequemen Couch niederließ. Nervös spielte seine Zunge mit einem Lippenpiercing. „Ewig die gleichen Phrasen. Jetzt neu, von einer kleinen Zuckerstute“, dachte er.
Ihre Hände vollführten eine Geste die einen Kreis umschloss: „Etwa 99% aller Befragten unserer Zielgruppe, konnte von ähnlichen Symptomen Berichten. Viele davon erkannten  die Symptome als solche, selbst gar nicht, sondern hielten sie für normal. Dieses Phänomen genauer zu studieren, würde voraussetzen einen weit größeren Personenkreis mit einzubeziehen was uns bislang nicht möglich war.“, endete ihre Erklärung, worauf sie sich nun mit den Händen auf die Oberschenkel stemmte, um ihre Aussage zu stützen.
Sein Blick fiel auf Ihre Brüste die durch diese Haltung hervortraten und Brustwarzen erkennen ließen.
„Ja, vielleicht weil es auch normal ist? Was ist das für eine gequirrlte Kacke. Ich bin doch kein Asi du Schlampe.“, rief er aus und stieß beinahe sein Glas Wasser um, als er sich mit wehenden Ellbogen in die Couch warf, „Jetzt hätte mich wegen dir noch fast bepisst!“
Der Hüne räusperte sich: „Entschuldigen Sie, Sie würden jetzt aber nicht soweit gehen zu sagen, das alle Jugendlichen davon betroffen sind? Sie sprachen von Ihrer Zielgruppe.“
„Ja genau“, pflichtete er erregt bei, „was hast dir da für Boons ausgesucht?“
„Unser Zielgruppe“, sie sammelte sich kurz, „wurde gemäß meinen Vorgaben, die für die Untersuchung relevant war, von einem unabhängigen Institut befragt, damit ich keinen Einfluss auf das Ergebnis nehmen konnte. Natürlich sind dies nur Stichproben von 10 000 Jugendliche gewesen, ausgenommen jene, die keinen Kontakt mit diesen Medien hatten, die eine absolut Minderheit darstellen.“
„Unabhängig ja klar, was wissen die schon.“, dachte er verärgert. Wut kochte hoch.  Mit den Händen tief in seinen Haaren vergraben knetete er seine Dreadlocks.
Der Hüne erweckte nun den Eindruck als stünde er unter Zeitdruck. Er raffte ein paar wenige Papiere zusammen und richtete sich auf.
„Frau Doktor“, intonierte er, „was würden Sie Empfehlen, wie man mit dieser, man kann es ja schon beinahe als Volkskrankheit bezeichnen, also wie wir mit dieser Krankheit umgehen sollten?“
„Es müssen klare Verbote her. Wir brauchen dringend strengere Kontrollen und nur mit staatlicher Kontrolle können wir eine Normalität wieder herstellen“
Fassungslosigkeit machte sich in seinem Gesicht breit. „Die weiß doch gar nicht wovon die redet. Die hat doch noch nie was erlebt“, spukte durch seinen Kopf. Dann sagte er laut: „Was eine Witztitte. Ich soll also krank sein. Geh mal selbst in Behandlung!“
Er grub sich tiefer in die Couch, verschränkte die Arme vor seiner Brust und blickte sie vorwurfsvoll an.
„Könnten denn Verbote solche Ausbrüche verhindern?“, fragte der Hüne, wobei er viel sagend und mit schau-spielerischem Talent, die Augenbrauen hob.
„Der Scheiss passiert doch nur weil ihr so'n Dreck labert“, entfuhr es ihm.
„Die staatliche Kontrolle ist nur einer der Punkte, zusammen mit der Wirtschaft müssen wir geeignete Mittel entwickeln, um diese auch umzusetzen“, versteifte sie ihren Standpunkt.
„Hörgeräte bräuchtet ihr, damit ihr euch mal selbst beim Hirnficken zuhören könnt“, sagte er nun leise, zu sich selbst und schaltete den Fernsehr aus. Er war wieder allein, niemand hatte ihn gehört.
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