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LOONYS -Kapitel 1.3

 

 
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denLars
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Extrem Süßes!


LOONYS - Die Vergessenen Rosen der Zeit
BeitragVerfasst am: 02.05.2007 11:57    Titel: LOONYS -Kapitel 1.3 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

1.3
Adrian hatte schon zwanzig Minuten nach Stundenbeginn sein Gehirn abgeschaltet und ließ die monotonen Worte seiner Mathe-Lehrerin an einer Mauer aus Langeweile und Desinteresse abprallen.
Seine schwere Krankheit hatte ihm eines gelehrt: Lebenszeit war kostbar und begrenzt,
auch die Schatztruhe, die jedem von uns am Zeitpunkt unserer Geburt geschenkt wird und mit unzählbar viel Zeit angefüllt ist, wird irgendwann einen Boden haben. Und spätestens wenn man diesen erreicht hat, wird man sich fragen, ob man nicht diesen kostbaren Schatz unnütz vergeudet und aus dem Fenster geworfen hat. Mathematik war so eine Sache, die Adrian für Zeitverschwendung hielt. Diese langwierigen, zum Heulen schweren Kurvendiskussionen nagten nur an seinem Zeitschatz. Viel lieber hätte er etwas sinnvolles gemacht.
Sein Blick glitt zu einem rothaarigen, hübschen Mädchen, das vor ihm saß.
Mit Sarah reden, das war etwas sinnvolles.
In seiner Fantasie stellte Adrian sich vor, wie er locker mit ihr redete, ihr gekonnt einen Witz erzählte, mit ihr flirtete und ein Kompliment über ihre wunderbaren, blauen Augen machte.
Doch dies würde wahrscheinlich auch für immer eine tagträumerische Fantasie bleiben. Denn sie war hübsch, intelligent und beliebt. Er hingegen war hässlich, haarlos, schwächlich und fast ohne Freunde.
Und hässliche Jungen gingen nicht mit hübschen Mädchen. So war die Regel und so würde sie auch immer bleiben. Wenn er ihr erzählen würde, dass er für sie schwärmte, würde sie ihn entweder auslachen, was schon schlimm genug wäre, oder, -was noch viel schlimmer wäre- , sich vor ihm ekeln.
"Adrian...", die penetrante, an das Gackern eines Huhnes erinnernde Stimme seiner Mathe-Lehrerin riss ihn aus seinen Gedanken und Träumereien.
Er sah auf, stotterte ein nervöses "Ja, Frau Pansen" und betete dann, sie möge ihm nicht eine allzu schwere Frage stellen.
"Was ist das Ergebnis, wenn man f1 mit...", der Gong ertönte, beendete die Stunde und ließ Frau Pansen verstummen. Adrian lächelte erfreut. Vielleicht hatte ihn da oben tatsächlich jemand gehört.
Zusammen mit seinen Klassenkameraden strömte er durch die Schulflure zum Ausgang, verabschiedete sich dort von Florian, der von seinem Vater, der Manager war, mit dem Opel abgeholt wurde, und stieg dann in den Bus, der direkt vor der Schule eine Haltestelle hatte.
Er fand, zu seiner eigenen Verwunderung, im übervollen Bus einen Sitzplatz. Direkt neben einer alten, stattlichen Dame im pinken Kostüm, die kurz zu ihm aufsah, wobei ein seltsames, triumphierendes Lächeln über ihre Lippen und ein irres Funkeln über ihre Augen huschte.
 Die Bustüren schlossen sich, dann begann die etwa halbstündige Busfahrt nach Hause.
Nach etwa fünfzehn Minuten Fahrt, wobei Adrian im stickigen, vollen Bus immer mehr zu schwitzen begann, sollten die Ereignisse geschehen, die diesen Tag aus der Belanglosigkeit reißen werden sollten, diesen Tag und Adrians ganzes Leben.
Es begann alles damit, dass sich in der Nähe einer Hauptschule die Bustüren öffneten und zwei türkische Teenager und ein deutscher Jugendlicher  hinzustiegen. Sie wirkten genervt und müde, aus ihren Augen sprach Langeweile und in der Schule aufgebaute Aggressionen.
Einer von ihnen ging auf die alte Dame neben Adrian zu. "Hey, Alte! Beweg' deinen fetten Hintern da weg! Ich sitz' da!", brummte er und wollte die alte, hilflos zu Adrian blickende Frau wegdrängen.
Adrian überlegte kurz. Es wäre so einfach, sich aus der ganzen Sache rauszuhalten. Doch dann knüpfte er an die Gedanken an, die er im Matheunterricht gedacht hatte.
"Lebenszeit ist kostbar, man sollte sie nicht verschwenden...,
...schon gar nicht, um dumm herumzusitzen, während andere Leute Probleme haben!"
"Kommt, Leute! Lasst die Frau da sitzen! Ihr könnt doch ein paar Minuten stehen!", sagte er an die Drei gewandt, wobei seine Stimme zittrig und nicht sehr überzeugend klang.
Einer der Türken sah ihn an, seine dunklen, braunen Augen funkelten wütend.
"Halt dich da...", sein Blick glitt über Adrians Körper und heftete sich an seiner Glatze fest, "...raus, du...du scheiß Nazi! Hey, Leute, guckt euch mal den Spasti hier an!"
Fehler! Ganz großer Fehler, Adrian!, scholl es durch Adrians Kopf, als die Drei ihn umkreisten.
Einer schubste ihn an. "Verdammter Nazi-Hurensohn! Na, jetzt pisst du dir in die Hose, was! Geh doch zu deinem verdammten Führer und fick ihn in den Arsch!"
Einer der Türken ballte die Faust und packte den hilflosen, schwachen Adrian am Kragen. Doch gerade, als er zuschlagen wollte, schrie der Busfahrer plötzlich auf und presste seinen Fuß mit voller Wucht auf die Bremse.
Menschen wurden durch den Bus gewirbelt, überraschte und schmerzerfüllte Rufe wurden Laut, von der Straße erklang Hupen, Geschrei, das Quietschen bremsender Reifen und das Klirren und Knallen ineinander fahrender Wagen.
Der Türke, der ihn schlagen wollte, war zu Boden geworfen worden, richtete sich aber wieder auf und sah ungläubig aus dem Fenster. In seinen Augen konnte man lesen, dass die ganze, in seinem Leben aufgebaute Realität des Jungen in diesem Moment zu Bruch gegangen war.
Adrian wandte sich um und sah aus dem Fenster.
 Er spürte auf einmal eine aufkommende, ungewisse Dunkelheit, die sein Herz umschloss. Fast wie ein Geschwür, fast wie ein Tumor. Ein wachsender, böser Tumor....
Adrian sah aus dem Fenster und seine Augen wurden genau so ungläubig wie die des Türken. Er konnte nicht fassen, was er da sah. Er konnte es einfach nicht fassen. In seinem Gehirn hatte sich eine unbekannte, merkwürdige Leere ausgebreitet, da sein Gehirn das Geschehene nicht einordnen konnte.
Es waren nicht die brennenden Wracks der ineinander gerasten Autos, was wahrscheinlich durch ein abruptes Bremsmanöver geschehen war, die Adrian so fassungslos machten. Es waren auch nicht die schreienden, panisch umher rennenden Menschen, die ihn so ungläubig blicken ließen.
Nein, es war der riesige, an die drei Meter große Minotauros, ein riesiger Menschenkörper mit dem zottigen Kopf eines Stieres und den roten Augen eines Dämons, der mit schnaubenden Nüstern und glänzenden Pupillen geradewegs auf den haltenden Bus zurannte, der Adrian so aus der Fassung brachte.
In einer angeborenen, instinktiven Reaktion sprang Adrian von seinem Sitz auf den Boden des Busses und riss dabei den Türken und die alte Frau mit sich. Im selben Moment donnerte der gigantische Minotauros mit gesenkten Hörnern gegen den Bus, der dadurch zur Seite geworfen wurde. Glas splitterte, Blut spritzte, Menschen schrien auf, es entflammte ein Brand, Metall wurde eingedrückt.
Dunkelheit.
Greifbare Dunkelheit.
"In jedem einzelnen, genau wie in dem, das ich in Händen halte, und in jedem Universum eine Unendlichkeit anderer Universen. Eine Kette, die nie vervollständigt wird..."



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