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Mein erster Roman, Kapitel 1


 

 
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Melly
Geschlecht:weiblichErklärbär

Alter: 32
Beiträge: 2
Wohnort: Braunschweig


BeitragVerfasst am: 27.10.2009 14:43    Titel: Mein erster Roman, Kapitel 1 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi,

als ich 17 oder 18 war, habe ich mit einem Roman begonnen. Ich hatte fünf Kapitel fertig, als mein PC kaputt ging und alles verloren war. sad
Zumindest dachte ich das bis heute. Ich hatte vergessen, dass ich das erste Kapitel ausgedruckt und meinem Vater gegeben hatte, weil mich seine Meinung interessierte. Zufällig erinnerte er sich heute daran und gab es mir wieder.
Nun sind die restlichen Kapitel immernoch weg, aber zumindest habe ich meinen Anfang wieder.
Und weil das mein allererster Versuch war, ich mich damals noch nicht hier angemeldet hatte und im Grunde einfach intuitiv losgeschrieben hatte, interessiert mich euer erster Eindruck sehr.
Ich bin grade für Kritik auch sehr offen. smile

Ich tippe das erste Kapitel mal ab:

---------------------------------------------------------------------------

Johann Berg schlenderte über die Plantage, die sich hinter seinem Elternhaus weit erstreckte. Er war nachdenklich, traurig und wütend zugleich. Seine Eltern hatten ihm am Vorabend eröffnet, dass sie eine Braut für ihn gefunden hätten. Die Tochter eines reichen Kaufmanns sollte es sein.
Johann hatte das Mädchen nur einmal getroffen, was ihm auch vollkommen greicht hatte.  Das Mädchen stellte sich schon nach wenigen Minuten als sehr höchnäsig und eingebildet heraus. Beides waren Eigenschaften, die Johann nicht sehr schätzte.
August Berg, sein Vater, verstand die Einwände seines Sohnes nicht.
Immerhin käme das von ihm erwählte Mädchen aus gutem Hause und brächte eine reiche Mitgift in die Ehe. Er, August, habe schließlich auch das Mädchen geheiratet, welches sein vater für ihn hatte. Und er sei nun mit seiner Frau sehr zufrieden.
Berta Berg, Johanns Mutter, verstand ihren Sohn gut. Sie selbst hatte ihren Mann nicht heiraten wollen. Auch heute, nach 19 Jahren Ehe und nachdem sie ihm bereits elf Kinder geboren hatte, liebte sie ihn nicht.
Sie hatte sich mit der Zeit an ihn gewöhnt. Doch immernoch träumte sie oft von dem Mann, für den sie als junges Mädchen geschwärmt hatte. Ihn hatte sie damals nicht heiraten dürfen, da er ihren Eltern als Stammhalter nicht genügte.
Bertas Eltern hatten keinen Sohn gehabt, der das Mannesalter erreichte, so dass sie die Ehemänner ihrer Tochter umso sorgfältiger aussuchten.
Nicht zuletzt wegen der hohen Mitgift, die sie für jede ihrer Töchter hatten aufbringen müssen.
Johann blieb an einer der Bänke stehen, die am Rand der langen Reihe von Apfelbäumen standen und ließ sich seufzend darauf nieder.

Er wusste sehr wohl, warum seine Eltern so erpicht darauf waren, ihn endlich zu verheiraten. Er war ihr dritter Sohn, doch seine beiden älteren Brüder waren beide bereits im Kindesalter gestorben. Nach Johann hatten sie noch acht Töchter, aber keinen Sohn mehr bekommen.
Von den Töchtern lebten noch sechs. Johann war also der einzige Sohn, der seinen Familiennamen würde weitergeben können.
Johann wusste, dass allein sein Vater entscheiden konnte, ob er die Kaufmannstochter würde heiraten müssen. Unterschrieb er den Ehevertrag, so konnte Johann sich nicht dagegen wehren.
Täte er es doch, das wusste er, würde man seinen Vater vor Gericht und ihn um einen großen Teil seines Vermögen bringen. Seine Schwestern hätten dann keine angemessene Mitgift mehr zu erwarten..
Johann musste seinen Vater umstimmen, ehe dieser die verhängnisvolle Unterschrift tätigte.
Er entschied, seinen Vater nochmals aufzusuchen und mit ihm über die geplante Hochzeit zu reden.
Entschlossen stand er auf und ging auf das Anwesen seiner Eltern zu.
Gewiss war es mittlerweile Zeit für das Frühstück und die Eltern wären im Speisesaal zu finden. Johann verspührte keinerlei Hunger, doch er wusste, dass seine Eltern es nicht gutheißen würden, wenn er die Mahlzeit versäumte. Da er hoffte, bei ihnen Gehör und vor allem Verständnis zu finden, offnete Johann die Tür zum Speisesaal und trat ein.
Er kam grade pünktlich, denn im selben Momant öffnete sich die Tür auf der anderen Seite des Saals und seine Eltern traten ein.
Johanns Mutter trug ihre jüngste Tochter auf dem Arm. Seine fünf anderen Schwestern saßen bereits an der Tafel und erhoben sich nun eilig, wie es sich beim Eintreten des Vaters gehörte.
Dieser ließ sich am Kopf der Tafel nieder und bedeutete seinen Kindern, sich ebenfalls zu setzen.
August war ein großgewachsener Mann Ende 30, der dem Wein reichlich zugetan war und unter dessen Gewand sich deshalb ein großer Bauch abzeichnete.

Er hatte kurzes und lockiges braunes Haar und einen Vollbart, der ihn älter wirken ließ, als er war. Unter seinen buschigen Brauen saßen zwei von Fältchen umrandete braune Augen, die je nach Stimmung sehr bedrohlich, aber auch überaus freundlich blicken konnten.
Johann hatte viel von seinem Vater geerbt, wie Besucher des Bergschen Anwesens immer wieder bekräftigten. Auch er hatte braunes Haar, wenn auch nicht so lockig wie das des Vaters. Auch seine Augen waren braun. Sicher würden auch sie in einigen Jahren solche Fältchen umranden. Johann hoffte allerdings, dass der Bauch bei ihm ausbleiben würde und nahm sich schon früh vor, dem Weingenuss nicht allzu sehr zu verfallen.
Berta Berg, die sich ebenfalls auf ihren Platz gesetzt hatte, sah nun auf und blickte ihren Sohn verwundert an. "Warst du so früh schon auf den Ländereien, mein Sohn?" fragte sie ihn. "Ja, Mutter, ich war heute sehr früh wach." erwiderte er.
Johann blickte seine Mutter an. Er sah den allzu vertrauten besorgten Ausdruck in ihrem hübschen Gesicht. Sie war noch immer eine sehr gutaussehende Frau, die auch dadurch, dass sie elf Kinder geboren hatte, ihre schlanke Figur nicht eingebüßt hatte. Sie hatte seit ihrer Hochzeit fast jedes Jahr ein Kind bekommen und war nun 37 Jahre alt. Mit der Geburt ihrer jüngsten Tochter, die nun knapp ein Jahr alt war, hatten sich ihre Hoffnungen auf einen zweiten Sohn erneut zerstört. Jedes Mal, wenn sie wieder schwanger geworden war, hatte sie gehofft, einen weiteren Sohn zu gebären. Doch bisher war sie immer enttäuscht worden. Mit jedem Jahr stieg zudem die Gefahr von Problemen bei einer erneuten Schwangerschaft. Johann wusste, dass die meisten Frauen ab einem gewissen Alter einen speziellen Trank zu sich nahmen, um nicht wieder schwanger zu werden. Doch seine Mutter hoffte noch so sehr auf einen Sohn, dass sie alle Gefahren verdrängte.

Berta liebte ihre Töchter sehr. Alle, bis auf die jüngste, hatten ihre blonden Haare und die blauen Augen geerbt. Doch war der Gedanke, dass Johann der Einzige war, der den Namen Berg weitervererben und die Plantage weiterführen konnte, für sie sehr bedrückend.
Es konnte so viel passieren. Johann konnte durch Krankheit oder einen Unfall sterben. Seine Frau konnte ebenfalls keinen Sohn bekommen oder im schlimmsten Fall gar keine Kinder. Was würde Berta darum geben, wenn ihr noch ein Sohn geboren würde. Dann könnte sie ruhiger schlafen, denn es wäre dann wesentlich unwahrscheinlicher, dass sie nie einen Enkelsohn bekommen würde.
Nun nahm sich der Vater eine Scheibe Brot und eröffnete damit die Tafel.
Johann griff sich ebenfalls eine Scheibe, machte aber keine Anstalten, sie zu belegen. Er sah den Vater durchdringend an. Dieser schien es jedoch nicht zu bemerken.
Johann räusperte sich und endlich sah der Vater auf. "Was ist, mein Sohn", fragte er, "hast du keinen Appetit?" "Ich muss erneut mit dir reden, Vater." Antwortete Johann. "Es geht um die Hochzeit, die du für mich planst." "Nun, mein Sohn, dieses Thema haben wir bereits gestern ausführlich beredet. Die Heirat wird stattfinden und du wirst es mir eines Tages danken." Der Vater klang zornig. Johann ließ jedoch nicht locker. Er musste den Vater dazu bringen,  von einer Heirat mit der Kaufmannstochter abzusehen. "Vater, ich werde dieses Mädchen nicht heiraten. Ich würde mit ihr niemals glücklich werden!" rief er. "Wen du heiratest bestimme immernoch ich!" brüllte der Vater. "Und jetzt geh in deine Gemächer und bleib dort, bis du wieder vernünftig bist." Er wies mit der Hand in Richtung Tür.

Johann stand ohne ein weiteres Wort auf und verließ den Speisesaal, gefolgt von den mitleidigen Blicken seiner Mutter und seiner Schwestern.
Er stieg die Stufen hoch, die in seine Gemächer führten und fragte sich, was er nun tun sollte.
Er wusste, dass er die Kaufmannstochter nicht heiraten konnte.
Zu der Vorstellung, mit diesem Mädchen sein Leben verbringen zu müssen, kam der Gedanke, dass er seine eigenen Wünsche dann nur schwer würde erfüllen können.
Er sehnte sich danach, wie sein Vater auf Reisen gehen zu können und verschiedene Orte kennenzulernen. Doch wollte er dabei gehen können, wohin es ihm beliebte und nicht gezwungen sein, jede Reise so kurz wie möglich zu halten, um zu einer Frau zurückzukehren, für die er nichts empfand.
Auch war er erst 16 jahre alt, die Kaufmannstochter aber bereits 21.
Johann nahm an, dass auch dies ein Grund für ihr unhöfliches Benehmen ihm gegenüber gewesen war.
Er kam zu der Entscheidung, dass es nur eine Möglichkeit gab, die drohende Hochzeit abzuwenden: Er musste fortgehen. Er musste sein Elternhaus verlassen und dafür Sorge tragen, dass seine Eltern ihn nicht fanden. Und vor allem musste er schnell handeln.

Der Gedanke, allein auf Wanderschaft zu gehen, war Johann zwar nicht gerade geheuer, doch war dies besser als die drohende Heirat.
Er würde sich als Sohn armer Leute ausgeben und ein wenig seines Geldes mitnehmen. Mit diesem Geld würde ihm eine Unterkunft sicher sein. Alles andere würde sich schon noch ergeben.
Die Eltern wollten am Vormittag mit ihren Kindern einen Ausflug machen, doch Johann war sicher, dass der Vater ihn nicht mitnehmen würde. Zur Strafe für sein in den Augen des Vaters ungebührliches Verhalten bei Tisch.

Johann kam das gerade recht. In der Zeit der Abwesenheit seiner Eltern würden auch zwei der drei Mägde nicht im Hause sein. Die Eltern pflegten, immr zwei Mägde mit auf Ausflüge zu nehmen, die auf die jüngeren Kinder aufpassen sollten.
Johann würde ungehindert etwas Proviant aus der Speisekammer holen können. Wenn seine Eltern aus dem Haus waren, nutze die verbleibende Magd die Zeit meist dafür, eine Zeit lang zu schlafen.
Bis zum Vormittag war noch Zeit, doch Johann musste nicht nur an den Proviant denken. Er brauchte auch Kleidung, denn in seinen üblichen Kleidern würde er sicher sofort als Sohn reicher Eltern enttarnt.
Es bestand die Gefahr, dass er dadurch erkannt und zurückgebracht oder sogar entführt wurde, um seinen Eltern Lösegeld abzupressen.
Aber wo nur sollte er jetzt so schnell Kleidung herbekommen, die ihn nicht verriet? Die Antwort durchzuckte Johann, kaum dass er sich die Frage gestellt hatte: Micha!
Micha war der Sohn einer Bauernfamilie aus dem Dorf unterhalb der Bergschen Plantage. Sein Vater war vor Jahren gestorben. Micha, seine Mutter und seine sieben Geschwister hatten Schwierigkeiten, zu überleben. Ihr einziges Einkommen was das Geld, das Micha mit gelegentlichen Hilfsarbeiten verdiente. Seine Geschwister waren allesamt noch viel zu jung, um zu arbeiten. Auch Micha war erst 14 Jahre alt und konnte somit nicht auf eine gute Anstellung hoffen. Eine Lehre konnte er jedoch auf nicht beginnen, da seine Familie auf das Bisschen angewiesen war, dass er verdiente.
Johann wusste das und hatte der Familie oft Lebensmittel und auch abgelegte Kleider von sich und seinen Schwestern gebracht. Michas Mutter war jedes mal zu Tränen gerührt gewesen. Johann fand, dass seine Eltern der Familie ruhig auch hätten helfen können.
Sie hätten zum Beispiel Micha auf ihrer Plantage arbeiten lassen können. Mit dem Lohn, den er dort bekommen hätte, hätte er seine Familie gut ernähren können, bis seine kleinen Brüder alt genug waren, um sich ebenfalls eine Arbeit zu suchen.

Doch seine Eltern taten es nicht. Sie hatten Michas Vater nicht gemocht und oft Streit mit ihm gehabt. Johann aber sah nicht ein, was dieser Streit mit Micha zutun haben sollte. Als man ihm den Umgang mit dem Bauernjungen verboten hatte, lief er heimlich weiterhin zu Micha.
Micha würde ihm sicher helfen. Johann wollte sofort zu ihm laufen. Doch wie sollte er ungesehen aus dem Haus kommen, solange seine Eltern noch da waren? Er sah ein, dass er warten musste, bis sie losgefahren waren. Jedoch wollte er nicht tatenlos dasitzen.
Er stand auf, ging quer durch sein Zimmer und wühlte in einer Holzkiste. Hier hatte er alle möglichen Sachen verstaut, die er im Laufe der Zeit geschenkt bekommen, aber kaum je benutzt hatte.
Er fand rasch, wonach er gesucht hatte. Das Messer, dass ihm seine Tante, eine Schwester seiner Mutter, zum letzten Geburtstag geschenkt hatte. Es war ein sehr gutes und teures Messer. Johann betrachtete es und fragte sich, was er im Haus seiner Eltern damit je hätte anfangen sollen. Jetzt allerdings kam es ihm grade recht.
Er würde es auf seiner Reise gut gebrauchen können. Nicht zuletzt, um sich vor Angreifern oder wilden Tieren schützen zu können.
Außer dem Messer fand sich in der Truhe noch ein Geldbeutel, den Johann mit wertvolleren Geldstücken gefüllt unter seiner Kleidung befestigen wollte. Einen zweiten, schäbigeren Geldbeutel mit weniger wertvollen Münzen würde er offen am Gürtel tragen.
Falls er ausgeraubt würde, würden die Räuber hoffentlich denken, dass er außer dem Beutel am Gürtel nichts besäße. Diesen Trick hatte er aus Erzählungen der Knechte seiner Eltern herausgehört.

An Johanns Tür klopfte es.
Blitzschnell versteckte er das Messer und den Geldbeutel unter seinem Bett und rief: "Herein!"
Seine Mutter trat ein. Sie sah unglücklich aus und hatte wieder den besorgten Gesichtsausdruck aufgesetzt, mit dem sie Johann so oft musterte.
Trotzdem versuchte sie ein aufmunterndes Lächeln. "Mein Sohn, dein Vater wird dich auf unseren Ausflug nicht mitnehmen. Bitte gräme dich nicht zu sehr, ich werde sehen, dass ich dir etwas Schönes mitbringe. Du wirst doch brav sein und wieder vernünftig werden, nicht wahr?"
"Ja, Mutter, natürlich." Antwortete Johann. "Aber es ist mir doch sicher erlaubt, mir auf den Ländereien die Beine zu vertreten, bis ihr wieder zurück seid?"
Seine Mutter nickte lächelnd. "Natürlich ist es dir erlaubt. Nun muss ich mich sputen, wir wollen gleich losfahren. Bis nachher, mein Liebling."
Sie küsste ihn zum Abschied auf die Stirn, ging hinaus und schloss die Tür hinter sich. Johann dachte darüber nach, dass es ein Abschied für längere Zeit, wenn nicht sogar für immer sein würde und musste schlucken, um seine Tränen zu unterdrücken.
Trotz allem durfte er jetzt keine Zeit verlieren. Er nahm den Schlüssel zu seinem Schrank in die Hand und schloss auf.
Johann bewahrte sein gesamtes Geld in einer Schachtel ganz hinten im Schrank auf. Nun füllte er den Geldbeutel, den er unter dem Hemd tragen wollte, mit Silbermünzen und den wenigen Goldmünzen, die er besaß. Die restlichen bronzenen Münzen und einige Silbermünzen verstaute er im Geldbeutel, den er am Gürtel tragen würde.
Er sah aus dem Fenster, bis die Kutsche mit seiner Familie außer Sichtweite war und sprang auf.
Johann schnappte sich das Messer und die Geldbeutel und hastete die Treppe hinunter. Unterwegs traf er niemanden an, so dass er sich sicher war, dass die im Haus verliebene Magd tatsächlich in ihrer Kammer war und sich schlafen gelegt hatte.

Johann ging langsamer weiter, um keinen Lärm zu machen. Die Speisekammer lag im Keller und um dort hingelangen zu können, musste er an den Kammern der Mägde vorbei.
Als Johann die Tür zur Speisekammer öffnete, schlug ihm ein wunderbarer Geruch entgegen. Hier lagerten so viele Lebensmittel, das er davon sicher ein Jahr lang satt geworden wäre. Doch das Essen würde schlecht werden und so nahm er vom Verderblichen nur so viel, wie er sicher in spätestens einer Woche gegessen haben würde.
Unter einem Korb voller Brote fand er einen Beutel, den er sich gut umhängen konnte. In den legte er zwei Laibe Brot, einen Schinken, zehn Äpfel, drei der großen geräucherten Würste, einen Laib Käse und einen eingewickelten Klumpen Butter.
Er war sicher, damit gut über die ersten Tage kommen zu können. Nun war sein Beutel schon recht gut gefüllt. Er bot aber noch Platz für einen Becher, einen Teller und einen Löffel, die er aus der Küche stibitzte.
Dort fand er auch einen leeren Trinkschlauch, den er am Brunnen mit Wasser füllte.
Er hatte nun alles beisammen, was er für seine Reise brauchte. Jetzt galt es, ungesehen zu Micha zu gelangen, um ihn um Hilfe wegen der passenden Kleidung zu bitten.
Als Johann atemlos bei Micha ankam, saß dieser vor dem Haus und enthülste Erbsen. Als er Johann kommen sah, winkte er ihm fröhlich zu. Doch als er Johanns Gesichtsausdruck bemerkte, stockte er. "Johann, was ist denn los mit dir?" Du guckst ja, als hättest du einen Geist gesehen." Johann zog seinen Freund hinter das Haus, damit sie von niemandem gesehen werden konnten. Dann begann er, ihm alles zu berichte und zu erklären, dass er fortgehen musste.

Micha verstand seinen Freund sofort. Er erklärte sich bereit, Johann einige Kleidungsstücke von sich zu geben.
Johann kam mit ins Haus und probierte einige Sachen an. Er passte hinein, als wären die Sachen für ihn geschneidert worden. Er atmete auf, denn sicher war er sich dessen nicht gewesen, da Micha zwei Jahre jünger war als er. Doch Micha war recht groß gewachsen und Johann war eher klein für sein Alter.
So stand Johann nun da, eine geflickte und ausgefranste braune Hose, ein nicht weniger geflicktes Hemd und abgetretene Sandalen am Körper und hätte sich fast selbst nicht wiedererkannt, als er an sich herabblickte.
Er drückte Micha zum Dank drei Goldstücke in die Hand und schärfte ihm ein, sie nicht allzu auffällig auszugeben, damit ihn niemand mit Johanns Verschwinden in Verbindung bringen konnte.
Micha versprach es und starrte ungläubig auf das viele Geld. Damit würde seine Familie sicher über mehrere Monate gut leben können, ohne dass es ihnen an irgendetwas fehlte.
Micha bedauerte, dass er Johann nicht begleiten konnte. Aber er wusste, dass seiner Mutter das Herz brechen würde, wenn sie ihn auch noch verlöre. Und sie brauchte ihn ja auch, bis die jüngeren Geschwister groß waren.
So winkte Micha seinem Freund, der in der Ferne immer kleiner wurde und fragte sich, ob er Johann Berg jemals wiedersehen würde.

_______________________________________________________
So, fertig. smile Ich bin gespannt, wie es euch gefällt.

LG
Melly

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Melly
Geschlecht:weiblichErklärbär

Alter: 32
Beiträge: 2
Wohnort: Braunschweig


BeitragVerfasst am: 27.10.2009 21:56    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey, ich habe grade von meinem Vater das zweite Kapitel meines Buches bekommen. Dass ich ihm das damals auch ausgedruckt hab, hatte ich gar nicht mehr auf der Rechnung. smile Fehlt also "nurnoch" ca. die Hälfte von dem, was ich damals geschrieben hab.
Ich denke, ich werde das Projekt jetzt wieder aufgreifen.
Und mir ist aufgefallen, dass ich wohl den Falschen Bereich im Forum gewählt habe. Oder?
Wäre vielleicht ein Mod so lieb, diesen Thread in die Talentschmiede zu verschieben? *liebguck*

EDIT: Danke, jetzt ist es richtig. smile
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Gast







BeitragVerfasst am: 29.10.2009 11:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Melly,

mit dem Stück hast du (längenmäßig) aber fest hingelangt. Um Kritiken zu bekommen, ist es ratsam die empfohlene Anzahl  (500) an Wörtern einzuhalten.

Alles andere wird schwierig. Vor allem, wenn einen das Thema nicht ganz so fesselt. Das war bei mir der Fall: trotzdem hab ich mich zu dreiviertel durch gekämpft. Deine Schreibe ist schon recht ordentlich und aufbaufähig. Wenn du das Stück geschrieben hast, wirst du einige Fortschritte verbuchen können.

Achte auf die Natürlichkeit der Dialoge. Dieser hier zum Beispiel:

Zitat:
Mein Sohn, dein Vater wird dich auf unseren Ausflug nicht mitnehmen. Bitte gräme dich nicht zu sehr, ich werde sehen, dass ich dir etwas Schönes mitbringe. Du wirst doch brav sein und wieder vernünftig werden, nicht wahr?"


So richtig natürlich will er nicht rüber kommen.

Überlege welche Schritte wirklich notwendig sind. Stichwort Füllwerk: Muss der Junge erst zur Bank neben der Apfelplantage gehen, oder könnte er sich einfach drauf nieder lassen?

Vielleicht könntest du auch den Pronomen etwas Aufmerksamkeit zu kommen lassen, um all zu häufige Namenswiederholungen zu vermeiden. Jeder Akteur bekommt seine Zeit. Bei dir war es gerade noch machbar; dennoch würde ich darauf achten, ein angefangenes Thema ohne Exkurs zu Ende zu bringen.

Beispiel: Johann war der Sohn von Bärbel, die 11 Kinder hat, von denen drei gestorben sind, und ihren Mann hat sie auch nicht geliebt, der sich seinen Bauch angesoffen hat. (hier als bewusst uberzogene Darstellung)

Eines nach dem anderen und lieber nicht gebündelt. Und bitte keine über mehrere Sätze anhaltende Beschreibung von Äußerlichkeiten. Auch hier gilt, jedes Attribut bekommt seine Chance, wenn die Zeit gekommen ist.
Dein Stück scheint eine historische Geschichte zu sein. Hast du daran gedacht dich über die Zeit zu informieren? Ich konnte weder Zeit, noch Ort, in der die Geschichte spielt, sinnig zuordnen. Den Namen nach ist es der deutschsprachige Raum.

Nur, zu welcher Zeit gab es im deutschsprachigen Raum die Möglichkeit der Zwangseheverträge für Minderjährige, deren Bindung Rechtskraft hat?
In dieser Zeit muss es Goldmünzen als Zahlungsmittel gegeben haben. Wann kamen diese Dinge im Deutschsprachigen Raum je aufeinander. Leider ist es so, dass gerade auch historische Romane einen realen Fixpunkt benötigen, wenn es keine reinen Fantasy-Storys sein sollen. Ich konnte ihn zeitgeschichtlich nicht bestimmen.

Wie auch immer, gemäß der Regel, dass man alle 100.000 Worte eine Fortschritt macht, schreib dein Stück und hab Freude daran.

Grüße

Bobbi
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