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Kühler Dunst


 

 
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Gewaexhausgewaex
Geschlecht:männlichWortedrechsler

Alter: 36
Beiträge: 87
Wohnort: Jena


BeitragVerfasst am: 26.10.2009 01:14    Titel: Kühler Dunst eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Kühler Dunst

Ich blätt'tre um
auf Seite zehn
weiter lesen will ich aber nicht
lass das schön illustrierte Buch fallen
so fällt die Buchkante laut
auf den Tisch.

Die Dunkelheit
bringt Kälte mit.

Ich lass sie glüh'n
die Zigarette
vollgestopft mit verseuchendem Teer
           mit beschwingendem Tabak
der lässt meinen Kopf taumeln
ganz sanft
wie getrieben
von einer lauen Sommerbrise.

Die Nelkenblüten
schmeck ich nicht.

Der blaue Dunst
teilt sich
fliegt hinaus in die Nacht
treibt hinein ins Zimmer
zerfließt im kühlen Dunkel
zusammengepresst
aus meinem Mund geblasen.

Der Dunst:
wöllt' ihm gern folgen
frei hinaus
in das kühle
             dämmrige Dunkel.

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Phage
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 30
Beiträge: 30



BeitragVerfasst am: 26.10.2009 10:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hey!

Zitat:

Ich blätt'tre um
auf Seite zehn
weiter lesen will ich aber nicht
lass das schön illustrierte Buch fallen
so fällt die Buchkante laut
auf den Tisch.


Die erste Strophe übermittelt sehr schön das Bild eines Geschwächten, welcher aus Unlust das Buch fallen lässt, an statt es abzulegen. Jedoch stört mich hier ein wenig das "schön illustrierte" im vierten Vers, es klingt für mich etwas holprig. Wie wärs mit "die schönen Seiten entgleiten mir"? Würde von der Silbenzahl auch mit dem vorhergehenden Vers übereinstimmen.

Zitat:

Die Dunkelheit
bringt Kälte mit.


Nichts zu meckern. Nur versteh ich nicht ganz wo das ganze jetzt eigentlich spielt. Das lyr. Ich liest sein Buch in einem Zimmer und der Dunst fliegt hinaus in die Nacht. Aus einem Fenster also?

Zitat:

Ich lass sie glüh'n
die Zigarette
vollgestopft mit verseuchendem Teer
mit beschwingendem Tabak
der lässt meinen Kopf taumeln
ganz sanft
wie getrieben
von einer lauen Sommerbrise.


Das Apostroph im ersten Vers halte ich hier für überflüssig. Was stört dich an "glühen"?
Der Wechsel zwischen langen und kurzen Versen in der Strophe liest sich nicht ganz flüssig - aber vielleicht ist das auch so gewollt? Jedenfalls ist der Kontrast zwischen "verseuchend" und "beschwingend" sehr schön zu erkennen. Ich würde vorschlagen die langen Verse zu kürzen und Alternativen zu den großen Adjektiven zu finden, da mich - wie gesagt - der Silbenunterschied ein wenig stört.
Die "laue Sommerbrise" stellt einen prima Gegenpol zur "Kälte" und der "Dunkelheit" dar.

Zitat:

Die Nelkenblüten
schmeck ich nicht.


Die Sinne des lyr. Ichs sind so betäubt dass sie die Blüten nicht mehr wahrnehmen. Passt gut an die Stelle. Es erweckt den Eindruck eines etappenartigen Rückgangs der Sinne.

Zitat:

Der blaue Dunst
teilt sich
fliegt hinaus in die Nacht
treibt hinein ins Zimmer
zerfließt im kühlen Dunkel
zusammengepresst
aus meinem Mund geblasen.


Diese Strophe hat bei mir für die oben beschriebene Verwirrung gesorgt. Sitzt das lyr. Ich nun in einem Zimmer oder auf der Terasse oder wo? Der Dunst ist sehr schön beschrieben und nicht mit überflüssigen Adjektiven ausgeschmückt.

Zitat:

Der Dunst:
wöllt' ihm gern folgen
frei hinaus
in das kühle
dämmrige Dunkel.


"wöllt"? Entweder ein "würde" oder "wollte", beides geht soweit ich weiß nicht.
Die letzte Strophe rundet das Bild des lyr. Ichs ab, in seiner Rauchersucht gefangen und geschwächt, scheinbar an nichts anderem als der nächsten Zigarette interessiert, sehnt es sich danach dem Dunst gleich in die Freiheit zu fliegen. Das ganze hat etwas Spöttisches. Jedes mal wenn das lyr. Ich der Sucht nachgibt bekommt es vorgehalten, wie schön es doch sein kann, frei zu sein.

Gruß

Phage


_________________
The most merciful thing in the world, I think, is the inability of the human mind to correlate all its contents.
-H. P. Lovecraft
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Gewaexhausgewaex
Geschlecht:männlichWortedrechsler

Alter: 36
Beiträge: 87
Wohnort: Jena


BeitragVerfasst am: 07.11.2009 22:30    Titel: Gute Sache pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das freut mich, das mein Gedicht so gut ankommt. So wie es aufgenommen werden kann - so oder ähnlich nach deiner Interpretation - entspricht meinen Hoffungen, wie meine Gedicht aufgenommen werden sollten! Herrliche Sache!
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Gewaexhausgewaex
Geschlecht:männlichWortedrechsler

Alter: 36
Beiträge: 87
Wohnort: Jena


BeitragVerfasst am: 08.04.2012 22:58    Titel: Editierung nach Hinweisen und Reifungsprozess pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nach phage's Hinweisen und einem mehrjährigen  Reifungsprozess, die neue Version:


        Kühler Dunst

Ich blättere um
auf Seite zehn
weiter lesen will ich aber nicht;
die schönen Seiten entgleiten mir
so fällt die Buchkante laut
auf den Tisch.

Die Dunkelheit
bringt Kälte mit.

Ich lass sie glühen
die Zigarette
vollgestopft mit verseuchenden Teer
mit beschwingenden Tabak
der lässt meinen Kopf taumeln
ganz sanft
wie getrieben
von einer lauen Sommerbrise.

Die Nelkenblüten
schmecke ich nicht.

Der blaue Dunst
teilt sich,
fliegt hinaus in die Nacht
treibt hinein ins Zimmer
zerfließt im kühlen Dunkel,
zusammengepresst
aus meinem Mund geblasen.

Der Dunst:
wollte ihm gern folgen
frei hinaus
in das kühle
dämmrige Dunkel.
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Wasserwaage
Eselsohr

Alter: 105
Beiträge: 225
Wohnort: Terra incognita


BeitragVerfasst am: 10.04.2012 02:19    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen Gewächshausgewächs,

dein Schreibstil gefällt mir gut.
unmanierierte Sprache, freie Verse und Verzicht auf Reime.
Dafür zolle ich dir gerne Repekt, dass du dich darin bereits so
sicher zu bewegen vermagst.

Vor allem die unverkrampfte Sprache ermöglicht
mir unmittelbaren Zugang in diesen Raum.
Ich behaupte, dass dein Text dem Leser nicht einmal sonderlich
großes Vorstellungsvermögen abverlangt, um sich mit dem Protagonisten
zu identifizieren. Lesegenuss stellt sich dadurch bei mir bereits ab den ersten Zeilen ein und bleibt.

Was mit vor lauter Genuss-Sucht entging,
und jetzt erst auffällt:

wenn ich an einem Tisch sitzend lese,
und das Buch, sobald ich es loslasse,
laut mit der Buchkante auf den Tisch fällt,
müsste ich es zuvor schon ziemlich hoch gehalten haben.
Selbst wenn ein Buch auf den Boden fällt,
ergibt sich dabei kein besonders lautes Geräusch,
es sei denn, dieses hätte Weltatlas-Format.

Das "frei" in V6Z3 würde ich streichen.
´frei hinaus´wirkt auf mich altbacken,
und daher halte ich es, deiner Sprachfärbung nach, für unangemessen.
Ausserdem erzählt dieser Vers bereits deutlich genug vom Drang nach Freiheit.

Und V5Z2 könnte auch gut auf das Komma verzichten.

Ohne die angesprochenen Schwächen wäre dein Gedicht für mich absout ´rund´.

danke für diese Erfrischung.

mit bestem Nachtgruss
Wasserwaage


_________________
ich vergebe der Sprache, den Worten und mir
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Gewaexhausgewaex
Geschlecht:männlichWortedrechsler

Alter: 36
Beiträge: 87
Wohnort: Jena


BeitragVerfasst am: 15.05.2012 23:05    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke! WOW, ich meine: WOW! Ich habe es doch tatsächlich geschafft, einen Leser so zu "treffen", wie ich es diffus immer vor hatte. Ich bin gedanklich im Dreiecke gehüpft. Aber echt: für eine kurze Zeit stand mein Mund offen - in der Küche eines Hostels sitzend.

Es freut mich dich auf sprachlicher Ebene sowas wie ein bisschen beglückt zu haben!  Wink

Wenn ich mal eine musenhafte Stunde habe, antworte ich gerne näher auf deine konstruktive Kritik.

Have a nice night and a coming day! GHG
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