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Wien wartet.


 

 
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denLars
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LOONYS - Die Vergessenen Rosen der Zeit
BeitragVerfasst am: 23.10.2009 18:33    Titel: Wien wartet. eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Die einleitende Rahmenhandlung einer Novelle. Wenn mehr verlangt wird, poste ich gerne weitere Teile des Textes.  Very Happy


Wien wartet.


"Slow down you crazy child
You're so ambitious for a juvenile
But then if you're so smart tell me why
are you still so afraid?
Where's the fire, what's the hurry about?
You better cool it off before you burn it out
You got so much to do and only
 so many hours in day
When will you realize ... Vienna waits for you"

(Vienna – Billy Joel)





1.

"Wie alle großen Erzfeinde waren auch Simon Hemmer und Marius Petreus - die jüngsten Schriftsteller, die Wien je gesehen hatte - zu allererst Freunde", begann mein Vater zu erzählen. Wie üblich waren seine Worte gleich so präzise ausformuliert, dass er sie auch gut direkt in seine klapprige Olympia-Schreibmaschine eintippen konnte. Nur das Kratzen seiner Raucherstimme entriss seinen Sätzen einen Hauch ihrer Faszination.
Er hustete so stark, dass einige Blässhühner am Flussufer aufschreckten und davonflogen. Trotzdem zündete er sich die nächste Zigarette an, mit einem Grinsen, als würde er Gevatter Tod selbst herausfordern.
"Du solltest endlich mit dem Rauchen aufhören."
"Lass einem alten Mann seine Laster." Er paffte genüsslich und mehrere glimmende Aschepartikel stoben von der Zigarettenspitze in den Herbstabend.
Ich war noch nicht am Ende meiner Vorwürfe: "Und hör' auf, dich als alten Mann zu bezeichnen. Du bist gerade einmal 50."
"Warten wir erst einmal ab, wie du dich nennst, wenn du vor Rückenschmerzen kaum noch aus deinem Stuhl hochkommst und ohne Koffein noch nicht einmal bis Mitternacht wach bleibst."
"Im Gegensatz zu dir will ich auch kein verdammter Schriftsteller werden, der zehn Stunden am Tag vor seiner antiken Schreibmaschine sitzt und sich von nichts anderem ernährt als Kaffee und Bitterschokolade."
Mein Vater wich einem Fahrradfahrer aus, der mit mörderischem Tempo über die Flusspromenade raste. "Nein, du willst lieber den halben Tag vor Leinwänden stehen und die giftigen Dämpfe irgendwelcher Farben einatmen."
"Hey!" Ich blieb entrüstet stehen.
Mein Vater wedelte nur mit seiner Zigarette herum und lief weiter. "Lern erstmal einzustecken, bevor du dich mit einem Schriftsteller anlegst."
"Ich male aber wirklich gut! Meine Kunstlehrerin sagt es! Sogar dieser eine Kunstkritiker, der letztens bei uns zu Gast war. Ich will nicht mehr weiter zur Schule gehen. Auch studieren brauche ich nicht! Ich will nach Wien! Du brauchst mir auch kein Geld zu geben! Ich miete mir ein Zimmer an und werde den ganzen Tag nur malen, vielleicht ein paar Musen haben. So wie du damals in deiner Anfangszeit." Ich atmete schwer und der Kopf musste mir rot angelaufen sein, so sehr hatte ich mich in Rage geredet.
"Glaub bloß nicht, meine Jugendzeit hätte nur aus Alkoholexzessen und Frauengeschichten bestanden. Viel zu viele Leute glauben, wir Schriftsteller seien faules Pack, dabei richten wir uns zu Grunde, nur um einige Worte hervorzubringen." Er seufzte und blieb stehen. Ein Mann mit faltigem Gesicht, Vollbart, die Augen funkelnd vor Witz und Leben, wie man es nur bei wenigen Menschen seines Alters sieht. Er blickte auf Wien, das auf der gegenüberliegenden Seite der Donau lag, mit seinen qualmenden Schornsteinen, seinen überfüllten Autobahnen und all den Menschenleben, die in seinen Straßen und Häusern gärten. Dann sah er auf mich.
"Michael, ich habe dich nicht umsonst hierher mitgenommen, um dir eine Geschichte zu erzählen."
Ich wusste, dass ich nun ernst sein musste. "Es ist wegen meinem Traum, oder? Nach Wien zu gehen, Künstler zu werden."
"Ja." Er schnippte seine Zigarette weg. Nun trübte eine tiefe Traurigkeit seine Augen. "Vor vielen Jahren sind mir ebenjene beiden Schriftsteller begegnet, von denen ich gerade erzählt habe. Sie waren genau so alt wie du, Michael. Gerade einmal siebzehn Jahre alt. Und sie wollten genau das selbe erreichen wie auch du. Ich will dir von ihnen erzählen, denn ich glaube, du kannst viel aus ihrer Geschichte lernen."
Ich nickte. Manche Menschen bezahlten Geld dafür, um in den Geschichten meines Vaters zu versinken. Allein schon aus diesem – wenn auch recht materialistischen Grund – genoss ich es immer wieder, ihm zuzuhören.
"Also gut." Er räusperte sich. Ein geschmeidiges Lächeln legte sich auf seine Lippen und verwandelte sich in tausende flinker und gerissener Worte, die uns umkreisten wie Seidenbänder, auf- und absteigend im Rythmus der Geschichte.



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MosesBob
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BeitragVerfasst am: 24.10.2009 06:29    Titel: Re: Wien wartet. Antworten mit Zitat

Guten Morgen!

denLars hat Folgendes geschrieben:
"Wie alle großen Erzfeinde waren auch Simon Hemmer und Marius Petreus - die jüngsten Schriftsteller, die Wien je gesehen hatte - zu allererst Freunde", begann mein Vater zu erzählen.

Vorschläge:

1. „Wie alle großen Erzfeinde“, begann mein Vater zu erzählen, „waren auch Simon Hemmer und Marius Petreus – die jüngsten Schriftsteller, die Wien je gesehen hatte – zuallererst Freunde." Vorteil: Der Leser weiß sofort und nicht erst am Ende eines langen Satzes, wer hier erzählt. Im Film hast du gleich eine Stimme und somit automatisch ein Bild vor Augen. Auch wenn die Kamera den Sprechenden nicht zeigt, weißt du, ob ein Mann, eine Frau, ein Kind oder z. B. ein Greis spricht. Außerdem finde ich diese Variante rhythmisch eleganter. Möchtest du die wörtliche Rede nicht mittendrin begleiten, schlage ich diese Version vor:

2. "Wie alle großen Erzfeinde, waren auch Simon Hemmer und Marius Petreus – die jüngsten Schriftsteller, die Wien je gesehen hatte – zuallererst Freunde." Wie üblich waren die Worte meines Vaters … Hier tut es eigentlich nichts zur Sache, dass dein Vater zu erzählen begonnen hat. Die Information ist entbehrlich. Verzichtest du auf sie, hat es den Vorteil, dass die Redebegleitung „begann mein Vater zu erzählen“ am Ende der doch recht langen wörtlichen Rede nicht so abgeschlagen hinten dranhängt.

denLars hat Folgendes geschrieben:
Wie üblich waren seine Worte gleich so präzise ausformuliert, dass er sie auch gut direkt in seine klapprige Olympia-Schreibmaschine eintippen konnte.

Merkst du, wie es beim Lesen an genau dieser Stelle hakt und hackt – und zwar spätestens an dieser Stelle? Vorschlag: „Wie üblich waren seine Worte so präzise ausformuliert, dass er sie gleich in seine klapprige Olympia-Schreibmaschine hätte eintippen können.“ Den Konjunktiv halte ich hier für wichtig, weil er die Worte ja nicht tatsächlich in seine Schreibmaschine eintippt. Je nach Tageslaune hätte ich auch auf das Adjektiv „klapprig“ verzichtet.

denLars hat Folgendes geschrieben:
Nur das Kratzen seiner Raucherstimme entriss seinen Sätzen einen Hauch ihrer Faszination.

Das doppelte Personalpronomen stört den Lesefluss ein wenig. Vorschlag: „Nur das Kratzen der Raucherstimme entriss seinen Sätzen einen Hauch ihrer Faszination.“ (Welches der beiden Personalpronomen du rausschmeißt, ist eigentlich gehopst wie gesprungen.)

denLars hat Folgendes geschrieben:
"Warten wir erst einmal ab, wie du dich nennst, wenn du vor Rückenschmerzen kaum noch aus deinem Stuhl hochkommst und ohne Koffein noch nicht einmal bis Mitternacht wach bleibst."

Ich will dem Vater nicht zu sehr über den Mund wischen. Ich will auch das doppelte „einmal“ nicht als Wortwiederholung ankreiden. Ich finde nur, dass der Satz so besser klingt, zumal die Sätze des Vaters ja direkt was für die Schreibmaschine wären, wie du vormals gesagt hast: „Warten wir mal ab, wie du dich nennst, wenn du vor Rückenschmerzen nicht mehr aus dem Stuhl kommst und ohne Koffein kaum noch bis Mitternacht wach bleiben kannst.“

denLars hat Folgendes geschrieben:
Er seufzte und blieb stehen. Ein Mann mit faltigem Gesicht, Vollbart, die Augen funkelnd vor Witz und Leben, wie man es nur bei wenigen Menschen seines Alters sieht.

Hier würde ich im Präteritum bleiben.

denLars hat Folgendes geschrieben:
"Michael, ich habe dich nicht umsonst hierher mitgenommen, um dir eine Geschichte zu erzählen."

Das Wort kann gestrichen werden – der Schluss des Satzes „um dir eine Geschichte zu erzählen“ macht es sinngemäß überflüssig.

denLars hat Folgendes geschrieben:
Traurigkeit seine Augen. "Vor vielen Jahren sind mir ebenjene beiden Schriftsteller begegnet, von denen ich gerade erzählt habe.

Auch das würde ich streichen. Zusammen mit „ebenjene“ klingt es sonst zu geschwollen. Um welche Schriftsteller genau es sich handelt, sollte dem Leser noch gut im Gedächtnis sein (schließlich begann die Geschichte damit).




Fazit: Ich würde die Szene noch ausbauen. Auf mich wirkt sie noch etwas fad. Du könntest etwas mehr Atmosphäre in ihr Netzwerk pumpen, wenn du auf die Umgebung eingehen würdest (nicht viel, nur mit drei, vier Sätzen vielleicht). Dass sich Vater und Sohn am Fluss befinden, erfahre ich zwar schon sehr zügig. Dass sie dort aber auch spazieren gehen, wird mir erst später verraten, genaugenommen mit diesem Satz: "Mein Vater wich einem Fahrradfahrer aus, der mit mörderischem Tempo über die Flusspromenade raste." Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, dass die beiden auf einer Parkbank am Fluss sitzen – und plötzlich muss der Vater einem Fahrradfahrer ausweichen! Jähe Action in einem sehr merkwürdigen Kopfkino, wenn du verstehst. Das Äußere des Vaters würde ich (zum Beispiel anhand seiner Gestik oder Mimik) noch beschreiben. Für mich ist der Alte, abgesehen von seiner Raucherstimme, bislang ein körper- und gesichtsloses Phantom. Ansonsten hast du ungewohnte Schwächen im flüssigen Satzbau, wie mir aufgefallen ist. Stellenweise habe ich Passagen beanstandet, von denen ich mir dachte, dass du selbst über sie gestolpert wärst, wenn du dir den Text nur mal laut vorgelesen hättest. Inhaltlich sehe ich darüber hinaus die Gefahr, zu sehr auf dem Klischee des abgewrackten Schriftstellers/Malers/Künstlers herumzureiten. Aber das kann ich anhand dieser kurzen Leseprobe nur pessimistisch und sehr vage vermuten.

Viele Grüße – und einen schönen Geburtstag!

Martin


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denLars
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BeitragVerfasst am: 24.10.2009 11:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey Moses,

Danke für die Geburtstagsgrüße! Da ich gleich mit meiner Freundin zum Feiern nach Köln fahre und ich nicht weiß, inwieweit ich danach noch in der Lage bin, auf deine Rezension zu antworten, erledige ich das lieber jetzt.

Den zweiten Vorschlag zu der wörtlichen Rede am Anfang finde ich sehr gelungen und ich denke, ich werde es so abändern. Die Information, dass der Vater erzählt, ist wirklich entbehrlich.

Ich hatte gehofft, ich könnte - spätestens durch die spätere Beschreibung von Wien - Atmosphäre aufbauen, ebenso durch die Erwähnung der Blässhühner. Allerdings hast du recht, ich erwähne nicht, dass sie sich im Gehen unterhalten. Ich dachte, über solche faux pas wäre ich seit einem Jahr hinweg, noch nicht einmal beim Überlesen ist er mir aufgefallen. Das werde ich ändern, ich denke, auch zwei, drei Sätze Umgebungsbeschreibung können nicht verkehrt sein. Eine Überarbeitung folgt bei Gelegenheit, auf jedenfall nicht heute.
Ich danke dir auf jedenfall für diese Kritik, die mir mal wieder einen zünftigen Arschtritt verpasst und mich anspornt, aus diesem Text noch etwas herauszuholen.

Liebe Grüße,

denLars


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MosesBob
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BeitragVerfasst am: 25.10.2009 06:41    Titel: Antworten mit Zitat

Moinsen!

Na, wie war die Sauftour? Wieder ansprechbar? lol

denLars hat Folgendes geschrieben:
Ich hatte gehofft, ich könnte - spätestens durch die spätere Beschreibung von Wien - Atmosphäre aufbauen, ebenso durch die Erwähnung der Blässhühner.

Viel ist es nicht, was du von der Umgebung beschreibst:

denLars hat Folgendes geschrieben:
"Wie alle großen Erzfeinde waren auch Simon Hemmer und Marius Petreus - die jüngsten Schriftsteller, die Wien je gesehen hatte - zu allererst Freunde", begann mein Vater zu erzählen. Wie üblich waren seine Worte gleich so präzise ausformuliert, dass er sie auch gut direkt in seine klapprige Olympia-Schreibmaschine eintippen konnte. Nur das Kratzen seiner Raucherstimme entriss seinen Sätzen einen Hauch ihrer Faszination.
Er hustete so stark, dass einige Blässhühner am Flussufer aufschreckten und davonflogen. Trotzdem zündete er sich die nächste Zigarette an, mit einem Grinsen, als würde er Gevatter Tod selbst herausfordern.
"Du solltest endlich mit dem Rauchen aufhören."
"Lass einem alten Mann seine Laster." Er paffte genüsslich und mehrere glimmende Aschepartikel stoben von der Zigarettenspitze in den Herbstabend.
Ich war noch nicht am Ende meiner Vorwürfe: "Und hör' auf, dich als alten Mann zu bezeichnen. Du bist gerade einmal 50."
"Warten wir erst einmal ab, wie du dich nennst, wenn du vor Rückenschmerzen kaum noch aus deinem Stuhl hochkommst und ohne Koffein noch nicht einmal bis Mitternacht wach bleibst."
"Im Gegensatz zu dir will ich auch kein verdammter Schriftsteller werden, der zehn Stunden am Tag vor seiner antiken Schreibmaschine sitzt und sich von nichts anderem ernährt als Kaffee und Bitterschokolade."
Mein Vater wich einem Fahrradfahrer aus, der mit mörderischem Tempo über die Flusspromenade raste. "Nein, du willst lieber den halben Tag vor Leinwänden stehen und die giftigen Dämpfe irgendwelcher Farben einatmen."
"Hey!" Ich blieb entrüstet stehen.
Mein Vater wedelte nur mit seiner Zigarette herum und lief weiter. "Lern erstmal einzustecken, bevor du dich mit einem Schriftsteller anlegst."
"Ich male aber wirklich gut! Meine Kunstlehrerin sagt es! Sogar dieser eine Kunstkritiker, der letztens bei uns zu Gast war. Ich will nicht mehr weiter zur Schule gehen. Auch studieren brauche ich nicht! Ich will nach Wien! Du brauchst mir auch kein Geld zu geben! Ich miete mir ein Zimmer an und werde den ganzen Tag nur malen, vielleicht ein paar Musen haben. So wie du damals in deiner Anfangszeit." Ich atmete schwer und der Kopf musste mir rot angelaufen sein, so sehr hatte ich mich in Rage geredet.
"Glaub bloß nicht, meine Jugendzeit hätte nur aus Alkoholexzessen und Frauengeschichten bestanden. Viel zu viele Leute glauben, wir Schriftsteller seien faules Pack, dabei richten wir uns zu Grunde, nur um einige Worte hervorzubringen." Er seufzte und blieb stehen. Ein Mann mit faltigem Gesicht, Vollbart, die Augen funkelnd vor Witz und Leben, wie man es nur bei wenigen Menschen seines Alters sieht. Er blickte auf Wien, das auf der gegenüberliegenden Seite der Donau lag, mit seinen qualmenden Schornsteinen, seinen überfüllten Autobahnen und all den Menschenleben, die in seinen Straßen und Häusern gärten. Dann sah er auf mich.
"Michael, ich habe dich nicht umsonst hierher mitgenommen, um dir eine Geschichte zu erzählen."
Ich wusste, dass ich nun ernst sein musste. "Es ist wegen meinem Traum, oder? Nach Wien zu gehen, Künstler zu werden."
"Ja." Er schnippte seine Zigarette weg. Nun trübte eine tiefe Traurigkeit seine Augen. "Vor vielen Jahren sind mir ebenjene beiden Schriftsteller begegnet, von denen ich gerade erzählt habe. Sie waren genau so alt wie du, Michael. Gerade einmal siebzehn Jahre alt. Und sie wollten genau das selbe erreichen wie auch du. Ich will dir von ihnen erzählen, denn ich glaube, du kannst viel aus ihrer Geschichte lernen."
Ich nickte. Manche Menschen bezahlten Geld dafür, um in den Geschichten meines Vaters zu versinken. Allein schon aus diesem – wenn auch recht materialistischen Grund – genoss ich es immer wieder, ihm zuzuhören.
"Also gut." Er räusperte sich. Ein geschmeidiges Lächeln legte sich auf seine Lippen und verwandelte sich in tausende flinker und gerissener Worte, die uns umkreisten wie Seidenbänder, auf- und absteigend im Rythmus der Geschichte.

Was erfahren wir also?

1. Sie befinden sich an einem Flussufer (später präzisiert durch die Donau).

2. Es ist Herbst und Abend.

3. Ein Fahrradfahrer fährt vorbei.

4. Sie blicken auf die gegenüberliegende Seite Wiens (hier könnte man ergänzen, ob es die Ost- oder Westseite ist, ortskundige Menschen fahren auf solche Details total ab, weil sie dann gleich wissen, was für einen Ausblick man hat). Die Rede ist von qualmenden Schornsteinen, überfüllten Autobahnen (nur Autobahnen oder auch Straßen?) und von Menschenleben, die in Wiens Straßen und Häusern gären.

Fällt dir etwas auf? Mit deinen Beschreibungen reizt du nur einen einzigen Sinn, und auch den nur sehr vage: Das Auge. Die Umgebung ist ein durch und durch stummes Gemälde. Keine Akustik, keine Gerüche, kein Geschmack, kein Eindruck. Als Beispiel: Der Fahrradfahrer mit seinem Affenzahn klingelt nicht, ruft nichts. Er bleibt lautlos. Ansonsten scheinen keine weiteren Menschen im Park zu sein, die Lärm verursachen könnten. Der Herbstabend fühlt sich nicht an, ist weder kalt noch warm noch mild. Und auch die Großstadt Wien beschränkt sich aus der Ferne betrachtet auf eine sehr karge Optik. Keine Lichter, kein Hupen, kein Dampfer, der motorig über die Donau schippert ... alles bleibt nur sehr vage und detailarm umrissen - und das, wo die Umgebung doch von einem angehenden Maler betrachtet wird!

Beste Grüße,

Martin


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BeitragVerfasst am: 26.10.2009 17:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey Moses,

Ich habe den Text anhand deiner Kritik und Verbesserungsvorschläge überarbeitet. Ich hoffe, in dieser Version ist der Handlungsort und die Situation nun klarer. Außerdem sollen die Beschreibungen eher so wirken, als wären sie von einem Maler festgehalten worden. Den Dialog habe ich - abgesehen von deinen Vorschlägen - so beibehalten. Die ganze Szene will ich allerdings auch nicht zu sehr überfrachten, da sie nur eine Rahmenhandlung ist und nur der Dialog von Bedeutung ist - aber was nützt einem ein Dialog, wenn er von farblosen Charakteren erzählt wird  Embarassed





Wien wartet.

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(Vienna – Billy Joel)





1.

"Wie alle großen Erzfeinde waren auch Simon Hemmer und Marius Petreus - die jüngsten Schriftsteller, die Wien je gesehen hatte - zu allererst Freunde" Wie üblich waren die Worte meines Vaters so präzise ausformuliert, dass er siegut direkt in seine klapprige Olympia-Schreibmaschine hätte eintippen können. Nur das Kratzen seiner Raucherstimme entriss den Sätzen einen Hauch ihrer Faszination.
Er hustete so stark, dass einige Blässhühner am Flussufer aufschreckten und in den vor Rot- und Orangetönen überlaufenden Himmel  davonflogen. Ich verfluchte mich dafür, dass ich nicht meinen Skizzenblock mitgenommen hatte. Nur zu gerne würde ich mich auf eine der Bänke an der  Uferpromenade setzen und den Abendhimmel über dem Norden Wiens abzeichnen. Vielleicht würde ich den Himmel kräuseln und Wellen schlagen lassen wie van Gogh es immer getan hatte, würde ihn tosend wie einen Feuersturm an den schwarzen Silhouetten der Häuser züngeln lassen. Trotz des Hustens zündete sich mein Vater die nächste Zigarette an, mit einem Grinsen, als würde er Gevatter Tod selbst herausfordern. Es zerrte seine ausgehöhlten Wangen ins Groteske, ließ ihn fast wie eine Gestalt auf einem Rubens-Gemälde wirken. Nur die Bartstoppeln und seine Augenbrauen bewahrten ihn davon, dass seine Haut wie braunes, zu lang gegerbtes Leder wirkte, das man ihm einfach über den Kopf gezogen hatte.
"Du solltest endlich mit dem Rauchen aufhören."
"Lass einem alten Mann seine Laster." Er paffte genüsslich und mehrere glimmende Aschepartikel stoben von der Zigarettenspitze. Sie tanzten noch über dem Kopfsteinpflaster des Weges, als wir schon längst weitergegangen waren.
Ich war noch nicht am Ende meiner Vorwürfe: "Und hör' auf, dich als alten Mann zu bezeichnen. Du bist gerade einmal 50."
"Warten wir mal ab, wie du dich nennst, wenn du vor Rückenschmerzen nicht mehr aus dem Stuhl hoch kommst und ohne Koffein kaum noch bis Mitternacht aufbleiben kannst."
"Im Gegensatz zu dir will ich auch kein verdammter Schriftsteller werden, der zehn Stunden am Tag vor seiner antiken Schreibmaschine sitzt und sich von nichts anderem ernährt als Kaffee und Bitterschokolade."
Mein Vater wich einem Fahrradkurier aus, der mit mörderischem Tempo ohne zu Klingeln über die Flusspromenade raste, den Körper über den Lenker gepresst, den helmbewehrten Kopf eingezogen . "Nein, du willst lieber den halben Tag vor Leinwänden stehen und die giftigen Dämpfe irgendwelcher Farben einatmen."
"Hey!" Ich blieb entrüstet stehen. Wären außer uns noch Passanten an der Uferpromenade gewesen, hätten sie mich sicherlich angestarrt, wie ich da mit aufgerissenem Mund meinem Vater nachsah. Der Südteil Wiens war seit jeher das Arbeiter- und Industriegebiet gewesen, sonntags verlor sich kaum jemand hierher.
Mein Vater wedelte nur mit seiner Zigarette herum und lief weiter. "Lern erstmal einzustecken, bevor du dich mit einem Schriftsteller anlegst."
"Ich male aber wirklich gut! Meine Kunstlehrerin sagt es! Sogar dieser eine Kunstkritiker, der letztens bei uns zu Gast war. Ich will nicht mehr weiter zur Schule gehen. Auch studieren brauche ich nicht! Ich will nach Wien! Du brauchst mir auch kein Geld zu geben! Ich miete mir ein Zimmer an und werde den ganzen Tag nur malen, vielleicht ein paar Musen haben. So wie du damals in deiner Anfangszeit." Ich atmete schwer und der Kopf musste mir rot angelaufen sein, so sehr hatte ich mich in Rage geredet.
"Glaub bloß nicht, meine Jugendzeit hätte nur aus Alkoholexzessen und Frauengeschichten bestanden. Viel zu viele Leute glauben, wir Schriftsteller seien faules Pack, dabei richten wir uns zu Grunde, nur um einige Worte hervorzubringen." Er seufzte und blieb stehen. Ein Mann mit faltigem Gesicht, Vollbart, die Augen funkelnd vor Witz und Leben, wie man es nur bei wenigen Menschen seines Alters sah. Hätte ich es zeichnen wollen, hätte ich wohl seine Wangenknochen besonders hervorgehoben, so sehr dominierten sie sein vom Leben ausgelaugtes Gesicht. Für einen kurzen Moment wirkte er wie Caspar David Friedrichs Wanderer, einsam und doch mit stolzgeschwellter Brust. Er sah auf Wien, als würde er auf sein eigenes Leben schauen. Die Gassen der Altstadt waren ein ebensolches Labyrinth wie seine Erinnerung, verzweigt, voller Geheimnisse und Sackgassen. Von den Autobahnen drang der Dunst der Abgase auf uns ein, unmerklich und doch allgegenwärtig. Er vermählte sich mit dem Duft von Kaffee und dem Gestank der Pferdeäpfel, eine Folge der Dutzenden von Kutschen, die täglich Touristen durch Wien chauffierten. All das war Wien und baute sich wie eines jener gewaltigen Opernstücke vor uns auf, die jeden Abend in seinen Musikpalästen aufgeführt wurden. Ich, dem sich als Maler alle Sinneseindrücke in Bildmotive verwandeln, war überwältigt und meine Finger glühte vor lauter Sehnsucht nach einem Pinsel. Auch wenn mein Vater wohl schon abgebrühter war, konnte ich auch in ihm das Feuer der Künste spüren, vielleicht bei ihm von Kalliope entfacht, während es bei mir die Muse der Malerei war.
"Michael, ich habe dich nicht hierher mitgenommen, um dir nur eine Geschichte zu erzählen."
Ich wusste, dass ich nun ernst sein musste. "Es ist wegen meinem Traum, oder? Nach Wien zu gehen, Künstler zu werden."
"Ja." Er schnippte seine Zigarette weg. Nun trübte eine tiefe Traurigkeit seine Augen. "Vor vielen Jahren sind mir ebenjene Schriftsteller begegnet, von denen ich gerade erzählt habe. Sie waren genau so alt wie du, Michael. Gerade einmal siebzehn Jahre alt. Und sie wollten genau das selbe erreichen wie auch du. Ich will dir von ihnen erzählen, denn ich glaube, du kannst viel aus ihrer Geschichte lernen."
Ich nickte. Manche Menschen bezahlten Geld dafür, um in den Geschichten meines Vaters zu versinken. Allein schon aus diesem – wenn auch recht materialistischen Grund – genoss ich es immer wieder, ihm zuzuhören.
"Also gut." Er räusperte sich. Ein geschmeidiges Lächeln legte sich auf seine Lippen und verwandelte sich in tausende flinker und gerissener Worte, die uns umkreisten wie Seidenbänder, auf- und absteigend im Rythmus der Geschichte.


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Michael Zima
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BeitragVerfasst am: 26.10.2009 22:24    Titel: Antworten mit Zitat

Servus!

Deine Geschichte gefällt mir ganz gut, doch, wie Martin bereits schrieb:

MosesBob hat Folgendes geschrieben:
hier könnte man ergänzen, ob es die Ost- oder Westseite ist, ortskundige Menschen fahren auf solche Details total ab, weil sie dann gleich wissen, was für einen Ausblick man hat

Es kann eigentlich nur das Ostufer sein, allerdings bringe ich eine Uferpromenade mit Bänken und einem Fahrradkurier damit nicht in Verbindung. Zum Donaukanal, ein Seitenarm der Donau, an dem auch die Altstadt liegt, hätte die Beschreibung besser gepasst.
Der Duft nach Kaffee, entspricht einem Klischee (ups… das reimt sich). Ich gehe nicht davon aus, dass es in  Hamburg nach Fisch stinkt, oder in Lübeck nach Marzipan duftet. Die erwähnten Kutschen sind Fiaker, so wie in Venedig Gondeln unterwegs sind und keine Boote.

…soll keine Kritik sein, sondern ein Ansporn zur Recherche

freundliche Grüße

Michael


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BeitragVerfasst am: 06.03.2011 02:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wien wartet.

für Chris, dem ich bisher viel zu wenig gewidmet habe



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[aus: Vienna, Billy Joel]



Vorwort des Verfassers

Alles, was in diesem Text geschildert wird, ist real. Die Personen, ihre Taten und gerade ihre Gefühle. Denn das, was ich hier zusammengetragen habe, sind ausnahmslos Schriftstücke, die sie selbst verfasst haben, seien es nun Tagebucheinträge, Aufzeichnungen, SMS, schnell hingekritzelte Notizen, Briefe oder Internet-Chatgespräche. Das einzige, was ich hinzugefügt habe, sind Leitzitate, die all diese Schnipsel strukturieren und miteinander verbinden sollen.
Die Suche nach diesen Versatzstücken war mehr als beschwerlich und kostete mich Zeit, Nerven und eine immense Summe Geld. Lohn dieser Mühen ist eine detailgetreue Darstellung der Ereignisse in Wien vom siebzehnten März des Vorjahres bis zum vierten Januar diesen Jahres.
Wie hinlänglich bekannt ist, wetteiferte die Boulevardpresse mit den einschlägigen TV-Magazinen darum, größtmöglichen Unsinn über die Tragödie in Wien zu verbreiten. Es wurden Fakten manipuliert oder ignoriert, es wurde aufgebauscht, emotionalisiert und trivialisiert. Schließlich – wie es in der schnelllebigen Medienwelt üblich ist - wurde die ganze Geschichte vergessen.
Dabei ist sie eine der wenigen, die nicht vergessen werden sollten, denn sie ist eine Warnung für all jene, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben.

Lars Schütz, 7. November 2011



Erster Teil
März bis Oktober des Vorjahres


"Es bildet ein Talent sich in der Stille,
ein Charakter in dem Strom der Welt."

 [aus: Torquato Tasso, Johann Wolfgang von Goethe]



Simon Hellers Aufzeichnungen – 17. März des Vorjahres

Mit der Freundschaft ist es so eine Sache.
Ebenso wie mit dem Schreiben.
Von der Liebe will ich gar nicht erst anfangen.
Als ich noch jung und halb Wien von den Sowjets besetzt war, hielt ich mich in all diesen Dingen für einen Meister. Meinen Freunden war ich ein treuer Kampfgefährte auf unseren Kriegszügen durch die Kneipen am Donaukanal, meinen Geschichten war ich ein würdiger Erzähler, der seine sprachliche Ungeschliffenheit noch durch die leidenschaftlichen Worte der Jugend kaschieren konnte und meinen Geliebten ein stiller Trostgebender in der Leere eines zerwühlten Bettes.
 Ich veröffentlichte meine ersten Texte in kleinen Literaturzeitschriften, warf während der Kommilitonentreffen mit Intellekt um mich und schrieb den Lektoren der großen Verlagshäuser anmaßende Briefe. Wien war die Warte, von der aus ich die Welt erobern wollte. Der Name Simon Heller sollte die Feuilletons der Wochenzeitungen bestimmen, meine Bücher die Gesprächsthemen in den Kaffeehäusern und angesagten Bars sein.
Mir unterlief der Fehler, der schon so vielen Talenten und vermeintlichen Genies unterlaufen ist: Ich glaubte, alles andere vernachlässigen zu müssen, nur um meiner Begabung nachgehen zu können.
Ich wollte alles auf einmal sagen.

Mein Kaffee- und Zigarettenkonsum nahm ungeahnte und höchst bedenkliche Ausmaße an. Ich schrieb die Nächte und Tage durch, vernachlässigte das Studium, meine Freunde, meine Liebschaften. Irgendwann ignorierte ich sogar die Türklingel und das Läuten des Telefons.
Schleichend verloren meine Geschichten an Aussage, gerieten meine Figuren zu bloßen Schablonen und verblassten meine Formulierungen zu unoriginellen Phrasen. Mir fehlte die Einsicht, dass zwischen einem Leben, um zu schreiben, und einem Leben zum Schreiben ein himmelweiter Unterschied besteht. Ein Roman, eine Geschichte, ein Gedicht ist immer eine Wechselwirkung aus der Zeit hinter und der Zeit jenseits der Schreibmaschine. In meinem Größenwahn wollte ich das nicht erkennen.
Ich schrieb ein achthundertseitiges Opus, voller Liebeswirrungen, ungeahnter Wendungen und detailgenau analysierter Charaktere – aber alle Verlage lehnten ab. Erst Jahre später sah ich ein, dass der Roman nichts weiter als kalte Glut war, zu Beginn noch ein glühendes Feuer, aber von Seite zu Seite absterbend, am Ende nur noch ein Selbstgespräch mit der Leere in mir. Nochmal begann ich, Kurzgeschichten zu schreiben, aber selbst die auflagenschwächsten Magazine wollten sie nicht mehr veröffentlichen.
Als ich endlich wieder für einige Stunden meine Wohnung verließ, ein blasses Gespenst mit dürren Schreibmaschinenfingern, hatten sich Freunde und Geliebte von mir abgewandt. Wie aus dem Koma erwacht musste ich wieder lernen, Bindungen einzugehen, musste aus Worten wieder Gefühle machen und nicht anders herum, wie ich es zuvor monatelang getan hatte.

Ich schrieb nie mehr.
Stattdessen schloss ich mein Studium ab und bekam mehr aus Glück als aus Enthusiasmus eine Stelle als Lektor in einem Wiener Verlag. Erstaunlicherweise lag mir diese Tätigkeit. Wo ich bei meinen eigenen Texten stets Scheuklappen aufgesetzt und jegliche Selbstkritik im Keim erstickt hatte, entwickelte ich für fremde Werke ein objektives, fast schon mechanisches Gespür. Entbunden von meinem Ehrgeiz, mit jedem Wort gleich den Literaturolymp erstürmen zu wollen, konnten sich mein Wissen und meine Erfahrung voll entfalten.

Unterdessen entwuchs Wien dem Mief der Sechziger. Die Donauinsel entstand und sollte die Stadt nun vor Hochwasser schützen wie der Eiserne Vorhang sie vor dem Osten schützte. Als dieser 1989 fiel und das neue Europa seine stürmischsten Zeiten durchmachte, erlebte ich meine ruhigsten. Ich heiratete die Frau, mit der ich noch heute glücklich zusammenlebe, hielt schon ein Jahr darauf meinen neugeborenen Sohn im Arm und zog ihn groß.
Ich war glücklich, ohne auch nur ein weiteres Wort Prosa geschrieben zu haben. Ich verklärte meine Zeit als Schriftsteller zu einem Anflug von Hedonismus, zu jugendlichem Übermut. In vielen der hoffnungsfrohen Amateurschreiberlinge, denen ich Standardabsagen schickte, wähnte ich meine eigene Hybris.
Niemand zwang sie dazu, zu schreiben. Trotzdem taten sie es.
Schrieben manchmal gar tausendseitige Epen, die sie mir unter Worten des Selbstlobes und gemeinsam mit einem zusammengeschusterten Exposé zukommen ließen. Wie auch ich damals wollten sie nicht erkennen, dass es weder für sie, noch für die Welt von existenzieller Bedeutung war, dass ihre Worte veröffentlicht, dass sie große Schriftsteller wurden. Sie hatten keine Themen, keine Aussage, keinen Missstand, den es zu beheben galt. Schreiben als Selbstzweck und Selbstbeweihräucherung – nicht mehr, nicht weniger.
Ich habe die sechzig Jahre längst überschritten. Mein Welt- und Selbstbild wähnte ich noch vor wenigen Tagen für unverrückbar, festgemeißelt von Altersstarrsinn und dem, was ich so für Weisheit halte. Trotz eines Geschwürs in der Leistengegend, bei dem man sich noch nicht sicher ist, ob es gut- oder bösartig ist, trotz der psychischen Probleme meines Sohnes, trotz meines – gerade jetzt im Winter – schlimmer werdenden Rückenleidens, war ich zufrieden. Nicht glücklich, aber zufrieden. Ich war vom Zustand des Lebens in einen Zustand der Rückbetrachtung, des Sinnierens übergangen – und dies tat ich mit einem manchmal entrückten, manchmal schelmischen Lächeln.

Nun sitze ich trotzdem hier am Schreibtisch. Morgens um drei Uhr vierzig, einer Zeit, in der Männer meines Alters normalerweise schlafen sollten. Ich habe mir einen grünen Tee aufgeschüttet. Kaffee trinke ich schon seit Jahren nicht mehr. Es ist ein Privileg der Jugend, Kaffee zu trinken – ebenso wie sich für Nietzsche oder den Kommunismus zu begeistern. Noch nicht einmal aus Gründen der Nostalgie habe ich meine Schrebmaschine vom Dachboden geholt. Der Computer steht ebenfalls bereit, aber meine Augen schmerzen, wenn ich zu lang auf den Monitor starre.
Drei Seiten sind es bisher. Würde ich sie als Lektor vorgesetzt bekommen, hätte ich spätestens nach der zweiten die Standardabsage losgeschickt. Viel zu geschwätzig, Ich-Erzähler, noch dazu dieser ellenlange Satz schon im zweiten Absatz. Aber ich mache das hier nicht, damit es irgendwann als Taschenbuch des Monats auf einem Podest im Thalia steht. Heute soll das Schreiben meine Therapie sein.

Denn in der vergangenen Woche bin ich mir selbst begegnet – und das gleich in Person von zwei jungen Männern, wobei die Bezeichnung junge Männer wohl nicht völlig zutreffend ist: Sie sind sechzehn und siebzehn, Jugendliche, mitten im Fegefeuer der Pubertät. Der erste, Marius Brunner, schickte mir Exposé und Leseprobe am Dienstag. Das Gesamtmanuskript forderte ich gleich am nächsten Tag. Der zweite, Joel Lehner, ließ mir die Dokumente am Donnerstag zukommen, sein vollständiges Manuskript forderte ich noch am selben Tag. Normalerweise haben wir für unsere Antworten Wartezeiten von bis zu zwei Monaten - allein schon wegen der Schnelligkeit sind diese beiden Fälle bemerkenswert. Vom Alter der Jungen erst gar nicht zu sprechen. Aber wohl jeder, der auch nur einmal in seinem Leben ein Buch gelesen hat und sei es auch nur ein Lustiges Taschenbuch, hätte mir wohl beim Blick auf die Zeilen, die die Jungen eingereicht hatten, sofort beigepflichtet.
Beide lud ich freitags in mein Stammcafé, das Schopenhauer, in der Staudgasse ein. Als ich das Kaffeehaus nach fast vierstündiger Unterhaltung verließ, war ich nur von einem Gedanken besessen:
Sie waren genau wie ich.
Nur mit zwei Unterschieden:
Sie waren viel besser. Und die Situation noch viel verfahrener.


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BeitragVerfasst am: 14.09.2012 14:26    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

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In diversen Schreibratgebern heißt es, der Autor solle die Orte, über die er schreibt, in- und auswendig kennen. Das soll angeblich der Authenzität dienen. Auch wenn ich nicht gerade eine hohe Meinung zu diesen Machwerken habe, erfülle ich diese Regel gerade auf das Genaueste. Denn im Schopenhauer habe ich, wenn man alle Stunden aufrechnen würde, bestimmt schon ein ganzes Jahr meines Lebens zugebracht.
Dies liegt, wie ich ehrlicherweise zugeben muss, nicht an der Qualität des Kaffees. Dieser ist höchstens oberer Durchschnitt; nichts, das wehtut, aber auch nichts, das einem vor lauter Geschmack beinahe den Gaumen verdreht. Viel eher hat der Reiz dieses Hauses mit seiner Behaglichkeit zu tun. Die Ohrensessel sind riesig und ein Blick auf sie löst wohl in jedem Hinterteil ein behagliches Kribbeln aus. Im Café finden höchstens dreißig Gäste Platz, was dem Ganzen eine fast schon familiäre Atmosphäre gibt. Trotzdem umfängt einen in dem kleinen Raum nicht das Gefühl der Enge; ein kunstvoll gerahmter Spiegel, der die ganze hintere Wand überspannt, verdoppelt seine Größe für das Bewusstsein des Gastes.
Wie war das noch gleich? Mit allen fünf Sinnen beschreiben? Ich vergesse die Grundsätze, über deren Missachtung ich bei Manuskriptanfragen selbst den Kopf schüttle. Aber ich schreibe nur für mich, das muss ich im Gedächtnis behalten. Deshalb darf ich mir auch die durch und durch chauvinistische Bemerkung erlauben, dass auch das Personal überragend ist – ein geflissentlich zusammengestelltes Team aus jungen, hübschen Dingern und gestandenen Routine-Kellnerinnen.
Meine Euphorie wird langsam ermüdend. Ich fasse mich kurz: Das Schopenhauer ist mein Refugium. Der Ort, an den ich mich stets zurückgezogen habe, wenn meine Frau zuhause ihre Freundinnen empfing oder mein Sohn eine Party schmeißen wollte. Dann setzte ich mich in den Sessel direkt am Fenster, redigierte einige Manuskriptseiten, las die Tageszeitung oder betrachtete nur die Shopping-wütigen Scharen, die über die Staudgasse flanierten.

An diesem Platz saß ich auch, als ich auf die beiden Jungen wartete. Ich hatte sie auf vier Uhr bestellt, war aber schon um viertel vor im Café. Es ist eine meiner Marotten, bei aufregenden oder wichtigen Ereignissen immer viel zu früh da zu sein.
Meine Hände fühlten sich schwitzig an und ich wischte sie an meinem Jackett ab, als ich bei der Kellnerin eine Heiße Schokolade mit extra Sahne und Schokoraspeln bestellte. Die spröde Heizungsluft, die von Zigarrenqualm und Kaffeeduft durchzogen wurde, erschien mir stickiger als sonst. Erst wollte ich es mir nicht eingestehen, doch letztendlich war es nicht von der Hand zu weisen: Ich war nervös – ein gestandener Lektor, der bei ein paar literarischen Grünschnäbeln schlotternde Knie bekam. Dass ich nicht lache!
Um mich nochmals davon zu überzeugen, dass meine Aufregung berechtigt war, holte ich die Leseproben aus meiner Aktentasche. Ab und an kommt es schließlich vor, dass man Texte beim ersten Lesen für besser hält, als sie eigentlich sind. Jedoch konnte ich auch beim erneuten Überfliegen der Zeilen nur am Ende jedes Absatzes anerkennend nicken. Der Stil des ersten Jungen, Marius Brunner, war, wenn überhaupt, höchstens mit dem des jungen Truman Capote vergleichbar. Er schrieb mit einem so selbstsicheren Wissen um sein eigenes Genie, mit einer so unverhohlenen Leichtfüßigkeit, dass seine Sprache beinahe arrogant wirkte. Ich schämte mich  für meine eigenen Werke, die ich in diesem Alter geschrieben hatte und die mir im Vergleich nahezu dilettantisch vorkamen.
Als ich die beiden Papierstöße zur Seite legte, ging es auf zehn nach vier zu. Normalerweise war ich derjenige, der die Leute warten ließ. Die Zahl der erboßten Schreiben, wann ich denn endlich die ganzen Meisterwerke lesen würde, die sich auf meinem Schreibtisch stapelten, musste inzwischen mindestens dreistellig sein. Kurz vermutete ich sogar, die ganze Aktion könnte ein Scherz gewesen sein und jemand hätte einfach mir unbekannte Texte großer Autoren kopiert und dem Verlag zugesandt. Ich verwarf diesen Gedanken, denn dafür beschäftigten sich beide Romane zu sehr mit zeitgenössischen Themen.
Um punkt sechzehn Uhr zwölf betrat ein Teenager das Café. Es war unschwer zu erkennen, dass er nicht zum typischen Publikum gehörte. Er trug eine grellrote Daunenjacke, vermutlich aus einem Second-Hand-Shop. Sie ließ seinen Oberkörper füllig wirken, wodurch er im völligen Gegensatz zu seinen dünnen Beinchen stand. Der Dreck von weiß Gott wie vielen Monaten oder Jahren hatte seine einstmals weißen Turnschuhe ins Gräuliche verfärbt. Sein blasses Gesicht wanderte suchend über die Anwesenden. Verschüchtert wichen seine Augen jedem Blick aus, der auf ihn zurückfiel.
Alles in allem: Sein Auftreten war mehr als unvorteilhaft.
Ich hatte Erbarmen und winkte ihn herbei. Der Junge erbebte vor Erleichterung, bahnte sich seinen Weg an den anderen Sitzgruppen vorbei und reichte mir die Hand. Ich stellte mich vor und ergriff sie. Es fühlte sich an, als würde ich einen nassen Lappen schütteln, so schwach war sein Händedruck. Er ließ sich in den Sessel mir gegenüber fallen und sah mich erwartungsvoll an. Bisher hatte er keinen Ton gesagt.
"So, zuerst einmal müsste ich deinen Namen wissen. Ich erwarte nämlich, wie ich in der Mail geschrieben habe, noch einen zweiten jungen Mann."
"Joel Lehner", sagte er. Seine Stimme ging beinahe in der leisen Klaviermusik und dem Klirren des Geschirrs unter. Sie war so hoch, dass ich mich fragte, ob er den Stimmbruch noch vor sich hatte oder dies ein Dauerzustand bleiben würde.
"Gut, Joel." Ich lehnte mich vor. "Was ich hier mache, ist normalerweise nicht die Standardprozedur. Du hast dein Manuskript erst vorgestern eingesandt. Eigentlich wären zwei Monate vergangen, bis ich mich überhaupt gemeldet hätte."
Er nickte und starrte mich aus seinen wässrigen Augen an, als lausche er Jesus bei seiner Bergpredigt.  Anscheinend hielt er es nicht für nötig, irgendetwas zu sagen.
"Dein Roman ist außergewöhnlich. Nicht nur für einen Siebzehnjährigen wie dich. Deshalb muss ich dir gleich vorweg eine Frage stellen, die auch mir unangenehm ist: Du hast dieses Manuskript selbst verfasst? Nichts ist kopiert? Alles stammt aus deiner eigenen Hand?"
Auf seinem Gesicht lag eine solche Verwunderung, als hätte ich ihn gefragt, ob er auch wirklich der Spezies Mensch angehöre. Er zuckte mit den Schultern und stellte einen neuen Wortzahl-Rekord auf: "Selbstverständlich ist das alles von mir geschrieben. Sonst hätte ich nicht meinen Namen darüber gesetzt."
Eine Antwort von so verblüffender Logik und Einfachheit, dass ich kurz den Faden verlor. Sie erinnerte mich an den Stil seines Manuskripts, der – im Gegensatz zu dem des anderen Jungen – von einer fast schon emotionslosen Nüchternheit war.  Aber in Verbindung mit dem Thema des Romans (oder im Kontrast dazu) bildete er die Durchschlagskraft einer literarischen Splitterbombe.
Die Kellnerin kam und entrettete mich aus meiner Sprachlosigkeit.
"Was darf ich Ihnen bringen, junger Mann?"
"Öhm ..." Joels Blick glitt  von der Kellnerin zu mir.
"Du bist natürlich eingeladen", sagte ich hastig.
"Ein Wasser."
Nachdem sie mit einer hochgezogenen Augenbraue seine Daunenjacke begutachtet hatte, setzte sie wieder ihr Standardlächeln auf. "Ein Wasser. Bin schon auf dem Weg!"
"Willst du die Jacke nicht ausziehen?", fragte ich Joel, als sie verschwunden war.
"Nein, ist okay." Er zog sie fester um seinen Körper.
Wieder legte sich Schweigen über uns. Abwartend sah er mich an. Da wollte ich ihm einen Buchvertrag anbieten und der Junge saß da, als hätte er nach mir noch dringende Termine. Ich erwartete nicht viel, aber zumindest ein wenig Respekt vor der ganzen Angelegenheit. Auch wenn der Junge so verletzlich wirkte, dass sich bei mir eine Art Beschützerinstinkt zu entwickeln schien.
Ich trank einen Schluck Heiße Schokolade und sagte: "Der Ablauf sieht nun wie folgt aus: Wir besprechen die Konditionen eines Vertrags, falls du nun tatsächlich an einer Zusammenarbeit interessiert bist. Dann gehen wir an eine Überarbeitung, denn – so gut das Ganze auch ist – ich habe da noch einige Stellen gefunden, die genauer lektoriert werden müssten. Und schließlich werden wir schauen, wo im Verlagsprogramm noch ..."
"Simon Heller?", erklang es hinter mir.
Ich wandte mich um und erstaunte zum zweiten Mal innerhalb weniger Minuten. Der junge Mann, der sich zu unserem Tisch vorkämpfte, stellte den völligen Gegensatz zu Joel dar. Seine Erscheinung schien den ganzen Raum auszufüllen. Alle Augenpaare hatten sich auf ihn gerichtet, was ihm ein breites Grinsen entlockte. Er genoß sichtlich die ungeteilte Aufmerksamkeit.
Ehe ich überhaupt aufgestanden war, streckte er mir bereits seine Pranke entgegen. "Ein Vergnügen, Sie kennezulernen. Marius Brunner."
"Ganz meinerseits. Simon Heller."
Ich hielt ihm meine Hand entgegen, die er sogleich ergriff und so fest drückte, als wolle er sie zerquetschen. Dabei hielt er unablässig Blickkontakt. Seine strahlend blauen Augen entwickelten eine fast schon beängstigende Sogkraft, der ich mich nur schwerlich entziehen konnte.
Den Sessel neben mir brauchte ich ihm gar nicht erst anbieten. Elegant schälte er sich aus seinem Ledermantel und ließ sich mit einem gedehnten "Aaaah!" auf das Sitzpolster sinken.
Unter seinem Mantel trug er ein dunkelblaues Hemd und darüber eine teuer aussehende, gestreifte Weste, die von seinem Bauchansatz leicht gewölbt wurde. Er lehnte sich zurück, stützte das Kinn auf die ausgefächerten Finger und schlug die Beine übereinander. Auffordernd blickte er mich an.
Bevor ich die Stimme erheben konnte, stolzierte die Kellnerin wieder zu unserem Tisch und stellte mit spitzen Fingern ein Glas Wasser vor Joel. Mit deutlich mehr Enthusiasmus wandte sie sich an Marius: "Was darf ich Ihnen denn bringen?"
"A Melange bitte!", forderte er, ein charmantes Lächeln auf den Lippen.
"Gern, der Herr." Die Kellnerin setzte eine Sparausgabe seines Lächelns auf, zwinkerte ihm kurz zu und stolzierte davon.
"A schenes Café, schmucke Kellnerinnen, ich bevorzuge aber trotzdem das Café Ritter", plauderte er an mich gewandt. Dann setzte er wieder den abwartenden Gesichtsausdruck von vorhin auf. Dabei lag in seinen Augen etwas Herausforderndes, als wolle er sein Gegenüber dazu auffordern, seinen Intellekt auf die Probe zu stellen. Joel hatte er bisher wie Luft behandelt.
"Der Kaffee geht natürlich auf mich", wählte ich einen etwas unbeholfenen Einstieg.
Ich muss zugeben, dass mich Marius' Auftreten aus der Fassung brachte. Er wirkte nicht arrogant, eher so absolut selbstsicher, dass er mich nach der Begegnung mit Joel zu einer ganz anderen Gesprächstaktik zwang.
"Wollen Sie mich beleidigen? Natürlich zahle ich meinen Kaffee selbst, das ist selbstverständlich", rief Marius und macht eine ausholende Geste. "Ich bin nur daran interessiert, dass sie mein Buch verlegen, und nicht, dass sie mich durchfüttern."
Joel, der gerade an seinem Wasser genippt hatte, stellte das Glas prompt und mit einem Ausdruck des Unbehagens zurück.
"Ich denke mal, dass du es dann ebenso als Beleidigung empfinden würdest, wenn ich dich fragen würde, ob du dein Manuskript auch selbst verfasst hast", sagte ich nach kurzem Räuspern.
Marius grinste. "Ich denke, wir verstehen uns."
"Gut,", ich beugte mich vor, "kommen wir also zum Wesentlichen. Gestern konnte ich die Verlagsleitung davon überzeugen, eure Werke zur Eröffnung einer neuen Reihe zu wählen – Junge Literatur. Das war ziemlich knapp, denn für die Herbstauslieferung hatten wir eigentlich bereits alle Programmplätze vergeben. Bis Herbst ist es nicht mehr lang, wir würden sie also sofort durchs Lektorat jagen."
Joel nickte einvernehmlich. Marius hingegen sagte: "Viel zu Überarbeiten gibt's sowieso nicht mehr bei mir."
"Du wirst dich noch wundern", entgegnete ich schmunzelnd.
Nachdem die Kellnerin Marius seine Melange gebracht hatte, erhob Joel seine Stimme: "Wie sieht es denn mit den Verträgen aus – mit der Bezahlung?"
"Wenn es für dich allein darum geht, musst du ja ein toller Schriftsteller sein ...", stichelte Marius und gab ein Stück Würfelzucker in seinen Kaffee. Von seiner Kleidung und seinem Verhalten her musste der Junge aus einer Familie stammen, in der das Thema Geld nie eine große Rolle gespielt hatte.
Joel senkte den Blick. Wahrscheinlich bereute er es schon, die Frage überhaupt gestellt zu haben. Ich seufzte. Wieder musste ich das Gespräch in die richtige Bahn manövrieren.
"Euer Honorar wird in den Verträgen geregelt. Ein Vorschuss von zwölftausend Euro, dazu ein Anteil an zehn Prozent für jedes verkaufte Exemplar." Ich entnahm meiner Aktentasche die beiden Papierstöße und reichte sie den jungen Männern.
Wie ich es erwartet hatte, legte Marius seinen Vertrag mit einem wissenden Lächeln zur Seite, während Joel seinen eigenen aufmerksam studierte. Bei keinem von ihnen wusste ich auch nur ansatzweise, was ich von ihm halten sollte.
Das wollte ich ändern, indem ich mit ihnen über das reden wollte, was sie und mich am meisten verband: Die Schriftstellerei.
"Erzählt doch mal – wie seid ihr beide zum Schreiben gekommen?"
Marius schlürfte seine Melange. Er stellte sie zurück auf die Untertasse, glitt mit der Zunge über seine Lippen und befand mit Kennerblick: "Ein Göttergetränk ist etwas anderes, aber annehmbar – wie ich zum Schreiben gekommen bin, fragen Sie? Wie wohl jeder Schriftsteller: über das Lesen. Es braucht nur das richtige Buch, um in einem Menschen dieses gewisse Kribbeln in den Fingern auszulösen. Den Drang, selbst etwas aufs Papier zu bringen."
"Verstehe."
"Allerdings habe ich nicht blindlings drauflos geschrieben, wie es so viele andere machen und grandios scheitern. Ich habe gelesen, ich habe gelernt, ich habe geübt, Schreibstile kopiert, schließlich meinen eigenen entwickelt. Schreiben ist ein Handwerk wie jedes andere. Man muss in die Lehre gehen, bevor man ein Meister wird."
"Und du glaubst, du bist jetzt einer?"
Marius zuckte mit den Schultern. "Ich habe einen Roman beendet, ihn an einen der angesehensten Verlage Wiens geschickt und fast postwendend eine Zusage bekommen. Solange mir niemand das Gegenteil beweist, werde ich das annehmen."
Spätestens in diesem Moment erkannte ich mein eigenes, jüngeres Ich in ihm. Das gleiche, anmaßende Ego. Der gleiche Hauch von Größenwahn. Unweigerlich bohrten die Sorgen ihre Zähne in mich und haben bis jetzt nicht aufgehört an mir zu nagen.
Ich versuchte, den bitteren Geschmack auf meiner Zunge mit einem großen Schluck bereits lauwarmer Schokolade wegzuspülen. Dann wandte ich mich Joel zu.
"Wie sieht es bei dir aus? Wie hast du angefangen?"
Joel sah vom Vertrag auf. Wenn er so zu mir heraufsah, hatten seine großen Augen etwas ungemein Kindliches an sich. Sie standen im völligen Gegensatz zu dem, was er in seinem Roman schilderte. Etwas, das kein Kind so detailgetreu beschreiben dürfte, genauso wenig wie ein Junge in seinem Alter. Was mussten diese Augen schon erblickt haben?
"Schreiben ist ein Ventil. Ich mache es, weil es gut tut. Den Kopf freimacht", begann er stockend.  "Ich setze mich an die Tastatur und bringe das zu Papier, was zu viel ist. Was meinen Schädel brummen lässt und mir keinen Platz mehr zum klaren Denken lässt."
Marius reckte einen Mundwinkel in die Höhe. "Und was liest du so?"
"Sonderlich viel lese ich nicht."
"Dostojewski?"
"Langweilig."
"Wie bitte? Und was ist mit Graham Greene?"
"Den Namen hab' ich noch nie gehört."
"Das wird ja immer schlimmer. Victor Hugo?"
"Ich hab mal Der Glöckner von Notre-Dame gesehen, von Disney."
"Letzter Versuch: Dan Brown."
"Von dem habe ich zwei Bücher gelesen. Fand ich nicht schlecht."
Mit einer Maske der Bestürzung starrte mich Marius an. "Und der soll mit mir zusammen veröffentlichen? In ihrem Verlag? Sie wollen mich doch auf den Arm nehmen!"
Jetzt galt es, Joel in Schutz zu nehmen. Ich deutete auf die beiden Manuskriptstapel vor mir auf dem Tisch. "Was zählt, ist das, was da drin steht. Nicht mehr und nicht weniger. Ein mit Büchern beladener Esel ist und bleibt nun mal ein Esel. Es benötigt weiß Gott mehr, um ein Schriftsteller zu sein."
Marius streckte die Hand nach Joels Manuskript aus. "Darf ich?"
"Mach nur."
"Hmmm." Er ergriff den Stapel und schlug die erste Seite auf. Immer wieder hefteten sich seine Augen an bestimmten Zeilen fest. Er blätterte schnell weiter, nickte mehrmals anerkennend und legte es schließlich unter einem langgezogenen Pfeifton zur Seite. "Das ist wirklich nicht übel. So eine Art "Die Elenden" des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Der Stil ist mir zwar ein wenig zu parataktisch, aber das ist natürlich reine Geschmackssache."
Joel sah in an. Auf seine Züge hatte sich zum ersten Mal so etwas wie ein Lächeln gebreitet.
"Du siehst mich also auf Augenhöhe?"
Marius' Mund formte etwas, das man in schlechten Gangster-Stories Haifischgrinsen genannt hätte. "Als dein Verlagskollege muss ich dir ja so etwas wie Loyalität entgegenbringen."
Ich spürte, dass sich zwischen ihnen ein Waffenstillstand gebildet hatte, wenn nicht sogar so etwas wie Kameradschaft. Innerlich gab ich einen tiefen Seufzer von mir, rutschte auf meinem Sessel vor und breitete die Hände aus. "Da das Eis nun endlich gebrochen ist, könnten wir anfangen, uns über das Lektorat Gedanken zu machen. Treffpunkte vereinbaren, festlegen, wie viel ihr ändern wollt. Und wir gehen nochmal Schritt für Schritt die Verträge durch. Einverstanden?"
Sie nickten im Gleichtakt.
Zwei Stunden lang planten wir hochkonzentriert die Vorgehensweise und unterhielten uns über die beiden Romane. Bei dieser rein sachlichen Arbeit taute sogar Joel auf. Seine Gesprächsanteile gerieten zunehmend länger und leidenschaftlicher.
Die Gäste um uns herum gingen ein und aus. Immer wieder brachte uns die blonde Kellnerin Kaffee, Tee und Wasser. Schleichend breitete sich die Abendröte über die Staudgasse, eilig folgte die Dunkelheit. Sogleich wurden im Café Gegenmaßnahmen getroffen und die Kronleuchter und Kerzen entzündet.
Etwa zu dieser Zeit begann Joel damit, regelmäßig auf seine Armbanduhr zu sehen, ein buntes Plastikteil mit Digitalanzeige. Ins Gespräch schaltete er sich nur noch halbherzig ein, stattdessen rieb er ständig die Hände aneinander und trank die Gläser Wasser vor sich in zunehmend größeren Schlucken leer.
"Ist etwas los? Musst du weg?", fragte Marius schließlich.
"Ja – ja, eigentlich schon."
Ich versuchte so zu lächeln, dass es nachsichtig aussah. "Dann sag' es doch, wenn es noch etwas Wichtiges gibt, wo du hin musst."
"Wobei ich mir kaum vorstellen kann, dass es etwas Wichtigeres geben kann als das hier", warf Marius ein.
Ich schleuderte ihm einen strafenden Blick zu und bedeutete Simon dann, dass er gehen konnte. Der Junge entschuldigte sich mehrmals, zog seine Daunenjacke über und stopfte seinen Vertrag in ihre Innentasche. Bevor ich ihn noch fragen konnte, wo er denn so dringend hin musste, zwängte er sich schon zwischen den anderen Tischen hindurch zur Tür. Kopfschüttelnd sah ich ihm nach.
"Er wirkt nicht wie ein Schriftsteller", schloss Marius. "Eher wie ein Kind. Ein Kind, das mit Worten spielt und gemerkt hat, dass sich auch die Erwachsenen für dieses Spiel interessieren. Ich weiß nicht ganz, was ich davon halten soll."
"Ein Spiel mit ernsten Problemen. Das ist Kunst."
"Gefällt mir, der Spruch."
"Er ist ja auch nicht von mir, sondern von Kurt Schwitters", entgegnete ich grinsend.

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BeitragVerfasst am: 14.09.2012 14:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

*

Mit Marius sprach ich noch über seinen Roman, als alle anderen Gäste das Café längst verlassen hatten und die Glocken der nahegelegenen Sankt Laurenz-Kirche bereits acht Uhr schlugen. Erst als die Kellnerinnen demonstrativ die ersten Stühle hochstellten, machten auch wir uns auf den Heimweg.
"Haben Sie auch mal geschrieben?", fragte er mich zum Abschied. "Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, ich habe gehört, dass die meisten Lektoren selbst verhinderte Schriftsteller sind."
Ich lächelte, wobei ich hoffte,  dass es nicht allzu traurig aussah. "Weißt du, aus einem schlechten Wein kann ab und an noch ein guter Essig werden, so wie aus einem schlechten Schriftsteller manchmal noch ein guter Kritiker wird."

Jetzt sitze ich hier, der gute Essig (beziehungsweise der schlechte Wein), und die Sonne scheint bereits durchs Fenster.
 Lange her, dass ich mir das letzte Mal eine Nacht um die Ohren geschlagen habe.
Vor einer halben Stunde ist meine Frau ganz schlafzerzaust ins Zimmer gekommen und hat gefragt, welche Altersspinnerei mich jetzt wieder umtreiben würde, ob der Reinfall mit dem Kanada-Urlaub im letzten Herbst nicht schon genug gewesen wäre.
"Ich sitze nur im Bademantel rum und schreibe. Keine Angst, ich tue nichts Böses", gab ich zur Antwort.
Nein. Das tat ich wirklich nicht.
Stattdessen spürte ich wieder das vertraute Gefühl des zufriedenen Schriftstellers in mir. Das selbe Gefühl, das einen Maurer überkommt, wenn er eine Wand hochgezogen hat oder einen Patisseur, wenn er die letzte Kirsche auf das Törtchen gesetzt hat. Wohlige Erschöpfung, vereint mit dem Stolz auf das Geschaffene. In dieser Hinsicht unterscheiden wir Schreiber uns kaum von anderen Handwerkern.
Mir kommt es vor, als hätte ich nicht nur Worte aufs Papier gebracht, sondern auch einen Teil meiner Verantwortung, meiner Sorgen auf es übertragen.
Wien wird sein Spiel mit den beiden Jungen treiben. Großes Talent bedeutet auch immer große Verantwortung – vor allem gegenüber sich selbst. Es wird sich zeigen, ob sie als Schriftsteller bestehen oder grandios untergehen werden.
Denn das ist es, was die Autoren von den übrigen Handwerkern unterscheidet: Ziegelsteine und Zutaten stehen jederzeit bereit.
Aber jeder Mensch weiß, dass die Worte einem manchmal fehlen können.
Selbst und gerade einem Schriftsteller.

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BeitragVerfasst am: 14.09.2012 14:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Auszug aus den Notizen von Dr. Andrea Wallner, Ärztin an der Universitätsklinik
für Psychiatrie und Psychotherapie in Wien – 17. März des Vorjahres



18:34 Uhr
Patient/in: Maria Lehner
Klassifikation: F32.2 – schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ständige
Betreuung erforderlich)
Die Patientin zeigt sich in stabilerer Fassung. Die Phasen von Apathie verringern sich zusehends. Allerdings immer noch anhaltende Verwirrung, Angstzustände und Verweigerung von Waschen und Essen. Die bisher verabreichte Dosis Desipramin wird beibehalten.
Ihr Sohn Joel Lehner erschien wie jeden Abend pünktlich um  18:00 Uhr, war jedoch abgehetzter als sonst. Wie üblich wirkte sich seine Anwesenheit positiv auf den Zustand von Frau Lehner aus. WICHTIG: Jugendamt/Sozialamt einschalten. Es muss nachgeprüft werden, unter welchen Umständen die Kinder zur Zeit ohne ihre Mutter leben.

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BeitragVerfasst am: 14.09.2012 15:35    Titel: Antworten mit Zitat

Servus,

das is richtig gut, ausgereift, spannend.

hab nur ganz wenige Stellen gefunden, wo ich möglicherweise ein bisserl umstellen würd, damit die richtige Betonung auf Anhieb gefunden wird; ein oder zwei Stellen, wo du streichen könntest (besonders aufgefallen ist mir die Formulierung mit den Gegenmaßnahmen gegen die Dunkelheit - das klingt ein bisserl nach Schwafel-Verliebtheit;-) )

deine Einleitung, unter die du auch noch deinen Namen setzt, find ich interessant, weil natürlich trotzdem nicht klar ist, ob das alles tatsächlich so passiert ist;-) Du müßtest da entscheiden, ob du willst, dass diese Frage immer offen bleiben soll.

Am Ende, als du schreibst, wie Wien mit seinen Schriftstellern umgeht hätte ich mir eine Vertiefung des Gedankens gewünscht.

Den Ausschnitt mit den Notizen der Dr. Wallner halte ich für verfrüht, zumindest so, wie sich das ganze jetzt präsentiert, weiß ja nicht was danach kommt Wink Klar ist, dass mit dem Joel was nicht ganz ok is. Das geht aus seinem Gehabe klar hervor und auch aus dem, was man erfährt, dass er schreibt. Die Notiz zumindest ist zum gegebenen zeitpunkt nicht nötig.

Stilistisch is das einwandfrei, sehr passend zu einer von Reflexionen/Erinnerungen getriebenen Novelle. Richtig toll geschrieben. Und es hat was wienerisches/österreichisches, das ich nicht genau dingfest machen kann (ich mein nicht inhaltlich, sondern sprachlich). Möglicherweise is es eine gewisse Morbidität, die da mitschwingt, bei gleichzeitiger sprachlicher Leichtigkeit? Egal

Fazit:  Daumen hoch

lgl


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lg Wolfgang

gott ist nicht tot noch nicht aber auf seinem rückzug vom schlachtfeld des krieges den er begonnen hat spielt er verbrannte erde mit meinem leben

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Piratin
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BeitragVerfasst am: 14.09.2012 17:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo denLars,
ich habe mich sehr, sehr gut unterhalten gefühlt und die Sprache passt meines Erachtens genau zum Text. Die Geschichte läßt eine ganz eigene Stimmung entstehen, die mir sehr gefällt und die erst durch die Krankenhausnotiz unterbrochen wird. Diese kommt für mein Gefühl zu plötzlich, denn ich befinde mich noch in einer völlig anderen Erzählumgebung. Einzig wundert mich, dass zwei Autoren zum gleichen Zeitpunkt bestellt werden, um deren Verträge und Zeitplanungen durchzusprechen. Sind das nicht eher Einzeltermine?
denLars hat Folgendes geschrieben:
Trotzdem umfängt einen in dem kleinen Raum nicht das Gefühl der Enge; ein kunstvoll gerahmter Spiegel, der die ganze hintere Wand überspannt, verdoppelt seine Größe für das Bewusstsein des Gastes.  
das ist einfach nur gut!
Ein paar Erbsen:

denLars hat Folgendes geschrieben:
"Ein Vergnügen, Sie kennenzulernen. Marius Brunner."


denLars hat Folgendes geschrieben:
"Wollen Sie mich beleidigen? Natürlich zahle ich meinen Kaffee selbst, das ist selbstverständlich", rief Marius und machte eine ausholende Geste.  


denLars hat Folgendes geschrieben:
Ich schleuderte ihm einen strafenden Blick zu und bedeutete Simon (Joel) dann, dass er gehen konnte.

Liebe Grüße
Piratin


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Fahrender Gaukler
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BeitragVerfasst am: 14.09.2012 18:31    Titel: Antworten mit Zitat

Nabend!

Na holla, den Thread muss ich mir vormerken. Leider kann ich momentan aus Zeitgründen keine ausufernde Kritik anbringen, doch viel zu kritisieren (im Sinne von bemängeln) hätte ich ohnehin nicht. Dein Schreibstil wirkt sehr ausgereift, soweit ich das zu beurteilen imstande bin. Hat mir jedenfalls ausnehmend gut gefallen, so gut, dass ich wirklich neidisch werden könnte. Unaufdringlich, einwandfrei lesbar, aber dennoch sprachgewaltig und eloquent. Hut ab!

Die Geschichte selbst liegt mir persönlich jetzt nicht so unbedingt (vermutlich, denn so genau kann man das nach einigen wenigen Leseproben ja nicht beurteilen), zumindest würde ich in einer Buchhandlung nicht explizit nach einer derartigen Geschichte suchen. Das schmälert aber nicht mein Kompliment an deinen Stil, im Gegenteil. Wenn du es schaffst, mich trotz eines gewissen ... sagen wir mal 'Desinteresse' an der Geschichte dennoch an deine Zeilen zu fesseln, dann sagt das wohl einiges aus. Aber - ich wiederhole mich. Jedenfalls habe ich mir den Thread wie gesagt vorgemerkt. Beizeiten tausche ich dann mal die Lobeshymnen gegen eine etwas differenzierte und vor allem eingehendere Kritik, die dir womöglich mehr bringen dürfte/sollte. smile


Okay, mich völlig unkonstruktiv zu verabschieden widerspräche meiner Natur, daher nun noch eine Erbse:


Zitat:
"Ein Wasser. Bin schon auf dem Weg!"


Erscheint mir arg umgangssprachlich und auch irgendwie unpassend. Üblicherweise sagen die nur so etwas wie 'Kommt sofort!'. Aber das grenzt, wie du selbst siehst, an Pedanterie. Gestört hat es mich aber. Einer der wenigen Stolpersteine in deinem Text.

Soweit erstmal von meinereiner. Bis denne!

 
Gruß,

~~Der Gaukler


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denLars
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BeitragVerfasst am: 14.09.2012 23:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey ihr Drei,

ich klappere mal der Reihe nach die Kommentare ab:

@lupus:

Freut mich so sehr, dass ich gerade dich als Österreicher (oder sogar Wiener, wenn ich mich nicht komplett irre?) überzeugen konnte. Deine Ansetzpunkte mit der teilweisen Schwafelitis und dem verfrühten Einsetzen von Wallners Notiz finde ich nachvollziehbar und werde ich umsetzen. Vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren.

@Piratin:

Ahoi! Dass es dir gefallen hat, freut mich. Ich kann absolut verstehen, dass es komisch wirkt, wenn zwei Schriftsteller gleichzeitig zu einem Treffen eingeladen werden, aber ich denke, es könnte aufgrund ihrer gleichen Ausrichtung und des Erscheines in der selben Reihe noch gerade realistisch sein. Außerdem finde ich es einfach schöner für die Geschichte.
Danke für die sachdienlichen Hinweise auf die Erbsen - werden ausradiert.

@Fahrender Gaukler:

Ich glaube, das ist der konstruktivste unkonstruktive Kommentar gewesen, den ich je bekommen habe. Dass du drangeblieben bist, obwohl es dich thematisch nicht wirklich interessiert, zeigt mir zumindest schon mal, dass ich im Hinblick auf den Stil etwas richtig gemacht haben muss. Trotzdem würde ich mich natürlich über differenziertere (und sicherlich notwendige) Kritik zu späteren Teilen freuen. Vielen Dank auf jeden Fall fürs Lesen und für das große Lob.


So - jetzt noch was Allgemeines:
Der Text ist beinahe schon fertig. Ich befinde mich auf Seite 62 und im letzten Drittel (etwa 90-100 Seiten sind angepeilt). Ich würde jetzt ungern alles auf einmal einstellen wollen. Am passendsten wäre womöglich eine AG, wenn ihr auch daran Interesse hättet.

Ansonsten liebe Grüße und viel Spaß beim Schreiben,

Lars


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lupus
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BeitragVerfasst am: 16.09.2012 18:55    Titel: Antworten mit Zitat

ich würd sehr gern weiter lesen, eine intensive Auseinandersetzung wird aber nicht möglich sein. Wenn das sprachlich aber so weiter geht, reicht aber ja ein Gesamteindruck, gell.

lgl


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lg Wolfgang

gott ist nicht tot noch nicht aber auf seinem rückzug vom schlachtfeld des krieges den er begonnen hat spielt er verbrannte erde mit meinem leben

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Fao
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BeitragVerfasst am: 17.09.2012 16:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lars,

Ich habe die Geschichte gerade an einem Stück gelesen, es hat mir sehr sehr gut gefallen, das ist sprachlich einfach klasse. Mensch, ich bin jetzt auch total neugierig, wie es weitergehen könnte... Am liebsten würde ich dann in deine AG kommen. Allerdings bin ich schon in einigen AGs, in welchen ich viel zu wenig aktiv bin...
Spätestens wenn das Buch gedruckt ist, werde ich es dann aber lesen.

Erstmal meine Rückmeldung, damit du auch weißt, dass noch jemand gelesen, und das Ganze für sehr gut befunden hat.
Zunächst habe ich etwas gestutzt. Du hast neu angefangen und den Erzählteil Vater-Sohn jetzt ausgespart? (btw MosesBob Kritiken fand ich richtig gut und auch für mich (übertragen auf meine Texte) sehr hilfreich).

Dem Kritiker, der meinte (ich blätter jetzt nicht mehr zurück) , dass diese Psychatrie-Notiz zu früh käme - dem kann ich beipflichten, irgendwie hat mich das etwas rausgerissen.
Vom Lesefluss war es echt so, dass ich nicht mehr aufhören wollte, und wäre es ein Buch, so wärs vermutlich eines, dass ich in wenigen Tagen - oder Stunden - durch hätte, wenn du diese Sprache, diesen Schwung beibehältst.

Interessante Charaktere. Marius war anfangs extrem unsympatisch, dann wurde er zum Glück noch etwas aufgefächert. Er ist auch jugendlich? Seltsamerweise war er in meiner Vorstellung über 30, zu Beginn zu mindest. Was vielleicht an dem Auftreten liegt.

Verwirrt bin ich noch etwas, vielleicht habe ich etwas zu schnell gelesen. Weil es so klang, als würde der alte Schriftsteller eine Geschichte aus seinem Leben erzählen, die länger her wäre, er wäre zu der Zeit, in welcher er mit Simon und Marius redet, eben gerade Mitte 40 oder so, daher hat mich der Umschwung zum Präsens (mal sehen, wie Wien mit den Jungen umgeht oder so, ad Sinn), irritiert. Aber vermutlich habe ich da etwas überlesen.

Gut Schreib,
ist ja echt beneidenswert,
au revoir,
Fao


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Fahrender Gaukler
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BeitragVerfasst am: 17.09.2012 20:19    Titel: Antworten mit Zitat

Nabend Lars!

Ich bin mal so frei und pflücke hier noch ein wenig herum. Wie üblich sind meine Vorschläge unverbindlich und setzen sich aus subjektiven Gesichtspunkten wie persönlichen Vorlieben, Sprach- und Rhythmusgefühl, etc, zusammen.

Zitat:
Dieser ist höchstens oberer Durchschnitt; nichts, das wehtut, aber auch nichts, das einem vor lauter Geschmack beinahe den Gaumen verdreht.


Mit diesem Satz habe ich zwei kleine Probleme. Zum einen finde ich das Wort Geschmack in diesem Zusammenhang für etwas abgeschmackt (pun intended). Ich glaube, da gäbe es passendere Wörter. Aroma, Vollmundigkeit, Wohlgenuss, Bekömmlichkeit ... etwas in der Richtung. Das Wort Geschmack ist mir jedenfalls zu unspezifisch, es sagt zu wenig aus und wirkt für mich eher wie ein Fremdkörper im Satz.

Die andere Sache wäre die, dass der Satz durch den verdrehten Gaumen zwar bildlich wird, fast aber auch zu lustig, wodurch er haarscharf an der Parodie vorbeischrammt. Das kann man auf eine flapsige, ironisch angehauchte Erzählweise des Protagonisten zurückführen und stellt in dem Sinne kein größeres Problem dar, vorausgesetzt, man (der Leser) erkennt die Erzählweise des Protagonisten auch als "ironisch". Dazu kann ich anhand der vorliegenden Leseproben noch nichts sagen, du als Autor hingegen schon. Versteh mich nicht falsch, ich erwarte jetzt keine Stellungnahme von dir dazu, ich wollte dich nur darauf hinweisen, dass die Bilder, die du vermittelst, und die Art und Weise, wie du sie vermittelst, unmittelbar auf den Protagonisten zurückfallen und daher mit dessen Erzählweise und dessen Wesen eine harmonische Beziehung eingehen sollten. Mit anderen Worten: Es muss passen.

Zitat:
Die Ohrensessel sind riesig und ein Blick auf sie löst wohl in jedem Hinterteil ein behagliches Kribbeln aus.


Auch hier stoße ich mich ein wenig an dem Wort "behaglich". Zum einen hast du es in dem Satz unmittelbar vor diesem als Nomen gebraucht:

Zitat:
Viel eher hat der Reiz dieses Hauses mit seiner Behaglichkeit zu tun.


Daher grenzt das fast an eine Wortwiederholung. Zum anderen mutet die Kombination aus behaglich + Kribbeln + Hinterteil etwas eigentümlich an. Ein wohliges Kribbeln, da würde ich nichts sagen, aber behaglich? Behaglich ist für mich primär ein Synonym für gemütlich. Es gibt zwar noch andere sinnverwandte Wörter, wie zum Beispiel auch "angenehm", was in dem Kontext einigermaßen passen würde (ein angenehmes Kribbeln), aber behaglich ist für mich zum Beispiel ein Wohnzimmer und kein Kribbeln im Hintern, oder in diesem speziellen Fall sähe der Sessel behaglich aus.

Zitat:
ein geflissentlich zusammengestelltes Team aus jungen, hübschen Dingern und gestandenen Routine-Kellnerinnen.


Geflissentlich = absichtlich, gewollt, bewusst, etc. Wolltest du das damit ausdrücken? Ich denke schon, aber dem Wort haftet meiner Meinung nach immer etwas Negatives an, weil es zumeist in Sätzen vorkommt, die Arroganz ausdrücken, beispielsweise in Sätzen wie:

Hans-Peter gab ihm einen wohlgemeinten Ratschlag, den Jörg geflissentlich ignorierte.

Als Alternative zu geflissentlich würde ich "wohlweislich" vorschlagen. Allerdings kannst du meinen Einwand diesbezüglich auch geflissentlich ignorieren. wink

Noch ein Wort zu den "gestandenen Routine-Kellnerinnern" - ist meiner Meinung nach doppelt gemoppelt.

Zitat:
Meine Euphorie wird langsam ermüdend. Ich fasse mich kurz: Das Schopenhauer ist mein Refugium. Der Ort, an den ich mich stets zurückgezogen habe, wenn meine Frau zuhause ihre Freundinnen empfing oder mein Sohn eine Party schmeißen wollte. Dann setzte ich mich in den Sessel direkt am Fenster, redigierte einige Manuskriptseiten, las die Tageszeitung oder betrachtete nur die Shopping-wütigen Scharen, die über die Staudgasse flanierten.

An diesem Platz saß ich auch, als ich auf die beiden Jungen wartete. Ich hatte sie auf vier Uhr bestellt, war aber schon um viertel vor im Café. Es ist eine meiner Marotten, bei aufregenden oder wichtigen Ereignissen immer viel zu früh da zu sein.
Meine Hände fühlten sich schwitzig an und ich wischte sie an meinem Jackett ab, als ich bei der Kellnerin eine Heiße Schokolade mit extra Sahne und Schokoraspeln bestellte.


Hier nur der Hinweis, dass die Zeitenwechsel beziehungsweise der Wechsel von - ich nenne es mal - "Stimme aus dem Off" (grün) zur gegenwärtigen Erzählung (blau) tendenziell verwirrend ist. Aber auch nur deshalb, weil du mit dem Satz "Es ist eine meiner Marotten ..." erneut die Zeitform wechselst, nachdem du zuvor kunstvoll vom Präsens ins Präteritum geglitten bist und so einen weichen Übergang geschaffen hast.

Zitat:
Die Zahl der erboßten Schreiben, wann ich denn endlich die ganzen Meisterwerke lesen würde, die sich auf meinem Schreibtisch stapelten, musste inzwischen mindestens dreistellig sein.


Erbost.
Zitat:

Er trug eine grellrote Daunenjacke, vermutlich aus einem Second-Hand-Shop. Sie ließ seinen Oberkörper füllig wirken, wodurch er im völligen Gegensatz zu seinen dünnen Beinchen stand.


Mir ist nicht ganz klar, wie er zu dieser Vermutung kommt. Nur weil die Jacke vielleicht etwas abgetragen wirkt? Naja, der Protagonist kann ja vermuten was er will, aber der Zusammenhang fehlt mir hier, der optische Reiz, durch den der Leser die Vermutung nachvollziehen kann. Die kann er sich im Nachhinein zwar auch selbst zusammenreimen, aber ich finde es irgendwie ungünstig formuliert. Man könnte es auf mindestens zwei Arten angehen.

1) Er trug eine abgetragene, grellrote Daunenjacke.

und die Vermutung rauskürzen. Oder

2) Er trug eine grellrote Daunenjacke, die schon derart mitgenommen aussah, dass er sie entweder von seinen Geschwistern vererbt bekommen oder in einem Second-Hand-Laden erworben haben musste.

Irgendwie so etwas.

Den letzten Satzteil finde ich ein bisschen schwach.

, ... wodurch er im völligen Gegensatz zu seinen dünnen Beinchen stand.

Das ist nicht gerade bildlich und die Formulierung "dünne Beinchen" gleitet auch wieder in die Klamauk-Ecke. Wenn das beabsichtigt war, könntest du es auch auf die Spitze treiben:

Sie ließ seinen Oberkörper füllig wirken, wodurch seine ohnehin schon lächerlich dürren Beine wie die klapprigen Stelzen eines abgehalfterten Jahrmarktakrobaten wirkten.

Na gut, das ist auch nicht der wahre Jakob, aber ein bisschen bildlicher dürfte dein Vergleich schon ausfallen. wink

Zitat:
Der Dreck von weiß Gott wie vielen Monaten oder Jahren hatte seine einstmals weißen Turnschuhe ins Gräuliche verfärbt.


Könnte noch präzisiert werden. Ins Dunkelgräuliche oder so, denn das durchschnittliche Grau ist immer noch eine recht helle Farbe, wodurch das Bild abgeschwächt wird.

Zitat:
Seine Stimme ging beinahe in der leisen Klaviermusik und dem Klirren des Geschirrs unter. Sie war so hoch, dass ich mich fragte, ob er den Stimmbruch noch vor sich hatte oder dies ein Dauerzustand bleiben würde.


Ah, so Phillip Lahm-mäßig also. lol2 Kein Kritikpunkt übrigens, war nur auf einen billigen Lacher aus. wink


So, muss an dieser Stelle erst mal pausieren. Den Rest gehe ich sobald wie möglich an. Aber nochmal der Hinweis: Das sind alles nur Kleinigkeiten, sieht schlimmer aus, als es eigentlich ist. Und generell sind manche sicherlich ganz anderer Meinung als ich, daher will jede mögliche Änderung wohlüberlegt sein.


Gruß,

~~Der Gaukler


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Jenni
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Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 17.09.2012 20:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lars,

Ich wollte grad nur kurz reinlesen in Deine Leseprobe, weil die Zusammenfassung in Deinem AG-Aufruf mich neugierig gemacht hat. Dann musste ich es einfach komplett lesen, weil der Text mich total gefesselt hat. Bist Du echt 19?! Ich bin echt ... baff neidisch beeindruckt!

Ich will natürlich unbedingt lesen wie es weitergeht. Leider glaube ich nicht, dass ich in der Lage bin, Dir bei der Arbeit an Deinem Text irgendwie zu helfen. (Nicht mal das! Ich krieg 'ne Depression. Ich bin beeindruckt!) Ich werde also wohl am besten warten, bis es veröffentlich wird, denn das wird es sicher. smile

Unkonstruktiver geht es zwar nicht mehr. Ich wollt's trotzdem kurz loswerden.  Wink
(Und wenn ich nicht mehr baff bin und mir dann doch noch irgendetwas konstruktives dazu einfällt, dann melde ich mich halt noch mal.)

LG Jenni
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denLars
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LOONYS - Die Vergessenen Rosen der Zeit
BeitragVerfasst am: 17.09.2012 22:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wow, bei so viel Lob kriege ich ja ganz rote Ohren.

Hallo Fao,


Zitat:
Du hast neu angefangen und den Erzählteil Vater-Sohn jetzt ausgespart? (btw MosesBob Kritiken fand ich richtig gut und auch für mich (übertragen auf meine Texte) sehr hilfreich).


Die Kritik war auch für mich super hilfreich und ich habe auch aufgrund von ihr beschlossen, das Ganze neu aufzubauen. Form und Inhalt sollen ja in irgendeinem Verhältnis zueinander stehen. Und Schriftsteller schreiben nun mal. Also erschien es mir als logisch, die Geschichte anhand von Schriftstücken zu erzählen, die sie verfasst haben. Das stellt mich zwar vor einige erzähltechnische Hindernisse, aber das macht die Angelegenheit gerade so spannend.


Zitat:
Dem Kritiker, der meinte (ich blätter jetzt nicht mehr zurück) , dass diese Psychatrie-Notiz zu früh käme - dem kann ich beipflichten, irgendwie hat mich das etwas rausgerissen.


Stimme ich zu. Das wird rausgeschmissen oder verändert.

Zitat:
Verwirrt bin ich noch etwas, vielleicht habe ich etwas zu schnell gelesen. Weil es so klang, als würde der alte Schriftsteller eine Geschichte aus seinem Leben erzählen, die länger her wäre, er wäre zu der Zeit, in welcher er mit Simon und Marius redet, eben gerade Mitte 40 oder so, daher hat mich der Umschwung zum Präsens (mal sehen, wie Wien mit den Jungen umgeht oder so, ad Sinn), irritiert. Aber vermutlich habe ich da etwas überlesen.


Ich glaube, da muss ich im Text noch ein wenig verdeutlichen. Er erlebt das mit den beiden Jungen im Moment. Aber diese Erlebnisse regen ihn dazu an, an seine Vergangenheit zurückzudenken. Das fand ich als Einstieg ganz passend.

Ansonsten ganz vielen Dank fürs Lesen. Ich habe dich einfach mal der AG hinzugefügt. Wenn du dort was loswerden möchtest, dann tu's, wenn nicht, dann eben nicht. Bin was AGs betrifft auch nicht gerade ein Musterknabe.  Embarassed


Hallo nochmal Gaukler,

freut mich sehr, dass du dir für den Text noch einmal Zeit genommen hast.

Zitat:
Mit diesem Satz habe ich zwei kleine Probleme. Zum einen finde ich das Wort Geschmack in diesem Zusammenhang für etwas abgeschmackt (pun intended). Ich glaube, da gäbe es passendere Wörter. Aroma, Vollmundigkeit, Wohlgenuss, Bekömmlichkeit ... etwas in der Richtung. Das Wort Geschmack ist mir jedenfalls zu unspezifisch, es sagt zu wenig aus und wirkt für mich eher wie ein Fremdkörper im Satz.

Die andere Sache wäre die, dass der Satz durch den verdrehten Gaumen zwar bildlich wird, fast aber auch zu lustig, wodurch er haarscharf an der Parodie vorbeischrammt. Das kann man auf eine flapsige, ironisch angehauchte Erzählweise des Protagonisten zurückführen und stellt in dem Sinne kein größeres Problem dar, vorausgesetzt, man (der Leser) erkennt die Erzählweise des Protagonisten auch als "ironisch". Dazu kann ich anhand der vorliegenden Leseproben noch nichts sagen, du als Autor hingegen schon. Versteh mich nicht falsch, ich erwarte jetzt keine Stellungnahme von dir dazu, ich wollte dich nur darauf hinweisen, dass die Bilder, die du vermittelst, und die Art und Weise, wie du sie vermittelst, unmittelbar auf den Protagonisten zurückfallen und daher mit dessen Erzählweise und dessen Wesen eine harmonische Beziehung eingehen sollten. Mit anderen Worten: Es muss passen.


Beides kann ich nachvollziehen und werde ich so oder leicht abgeändert übernehmen.

Die Sache mit dem "erbost" und die Wiederholung von "behaglich" ist klar. Bei dem "geflissentlich" kann ich dich verstehen, allerdings sehe ich die negative Konnotation nicht allzu sehr wie du. Aber da gibt es ja tausend andere Worte, die man nehmen könnte und genauso passend sind.

Zitat:
Ah, so Phillip Lahm-mäßig also.


Also ich musste lachen. Ich warte ja auf den Tag, dass eines der Einlauf-Kinder mal größer ist als der Philipp.
Danke auf jeden Fall für diesen Hinweis auf "Kleinigkeiten". Mach dir keinen Stress!

@Jenni:

Danke für das große Lob! Ich habe dich jetzt auch einfach mal der AG hinzugefügt, damit du mal reinlesen kannst, falls du Lust hast. Und ja, ich bin 19, aber das heißt nichts. Hier habe ich schon viel bessere Texte von deutlich jüngeren Mitgliedern gelesen. Vielen Dank auf jeden Fall nochmal fürs Lesen.

Liebe Grüße an alle,
Lars


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Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 18.09.2012 20:44    Titel: Antworten mit Zitat

denLars hat Folgendes geschrieben:
@Jenni:
Danke für das große Lob! Ich habe dich jetzt auch einfach mal der AG hinzugefügt, damit du mal reinlesen kannst, falls du Lust hast. Und ja, ich bin 19, aber das heißt nichts. Hier habe ich schon viel bessere Texte von deutlich jüngeren Mitgliedern gelesen. Vielen Dank auf jeden Fall nochmal fürs Lesen.


Oh mein Gott, wie tantig, dass ich auf Deinem Alter rumgehackt habe.  Rolling Eyes Sorry dafür! wink Ich nahm damit allerdings nicht Bezug auf Deinen Stil. Der gefällt mir, aber das hat vielleicht tatsächlich nicht mit Deinem Alter zu tun. Ich wunderte mich, weil die Erzählstimme des Lektors so erwachsen und erfahren klingt, und ich irgendwie nicht glaube, dass ich das mit 19 hätte imitieren können. (Weiß nicht mal, ob heute. wink)
Nachdem ich jetzt aus Deinem Exposé weiß, dass er kurz vor der Rente steht, muss ich allerdings sagen, dass ich ihn mir eher so ... 43 ca vorgestellt habe. Ich weiß grad nicht, woran ich das festmache, das reiche ich noch nach, wenn mir's selber klargeworden ist.
Also, danke für's Freischalten, ich lese sehr gerne mit. Und vielleicht mische ich mich auch ab und an mal ein, wenn ich darf. smile

LG Jenni
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BeitragVerfasst am: 18.09.2012 20:55    Titel: Antworten mit Zitat

Der ist nicht nur 19. Der ist auch ein waschechtes Forum-Eigengewächs und einer der Gewinner unseres Lesetrip-Wettbewerbs. [Werbung ein] Die Lesetrips kommen übrigens noch diese Woche frisch aus dem Verlagsdruck. [Werbung aus]

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(James Herbert)

Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt untergeht, wird die eines Experten sein, der versichert, das sei technisch unmöglich.
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(Laotse)
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