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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Das Picknick - Ein Fragment


 
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Alogius
Geschlecht:männlichKinnbeber

Alter: 41
Beiträge: 3644

Die Goldene Bushaltestelle Goldene Feder Prosa (Anzahl: 2)


Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 17.10.2009 14:37    Titel: Das Picknick - Ein Fragment eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das Picknick - Ein Fragment

-1-


Lieber Bruder,

Du hast mich letzthin gefragt, wie es um Anna bestellt sei. Ich habe Dir nicht geantwortet, und Du hast keine Frage mehr gestellt. Wäre es vermessen, Dir mangelndes Interesse vorzuwerfen? Ja, das wäre es ganz bestimmt.

Vorwürfe waren immer etwas, das uns beide bestimmt hat. Wie ein Uhrwerk, worin wir nur kleine Zapfen an großen Rädern sind, hat uns die Bestimmung getrennt – stärker war sie immer, wenn wir uns einig sein wollten.

Aus diesem Grunde trifft mich keine große Überraschung, dass ich Dir nun schreibe. Letztlich werde ich getrieben, die Feder in die Hand zu nehmen und über das Papier gleiten zu lassen, damit ich Dir den Vorwurf machen kann, mangelndes Interesse zu haben – mir mache ich den Vorwurf ebenso, denn habe ich nicht geantwortet, weil ich es nicht wusste?

Keineswegs. Ich habe es nicht getan, weil ich mich für Dich, Anna und alle Schwierigkeiten, die sie Dir gemacht hat, nicht interessiere. Mein Interesse und meine Anteilnahme sind beide so gering, dass ich als Riese vor ihnen stehe und sie mit einem Tritt nur vernichten könnte. Dann wäre aber nicht einmal das geringste Desinteresse vorhanden. Nichts wäre da. Ist das nicht noch schlimmer, Robert?

Anna geht es gut. Ich nehme Dir eine Frage weg und beantworte sie: Anna hat nicht nach Dir gefragt. Jeden Tag berichte ich ihr, dass es Dir ebenfalls gut geht. Sie erkennt den leeren Satz, von leerer Kehle gesprochen und leeren Augen begleitet, lächelt freundlich (das tut sie immer) und nimmt die Neuigkeit an, indem sie Interesse heuchelt, so wie ich an allem, was mit mir zu tun hat, mit Dir, Anna und unseren Eltern, nichts von Bedeutung finden kann. Das ist Dir wohl Antwort genug, oder?

Weil du aber nachfragen wirst, denn nun habe ich Dir die Futterschale gezeigt, nun willst du sie auch leeren, will ich auch das vorgreifen, verhindern und antworten:
Sie wohnt jetzt in Deinem alten Zimmer. Du weißt, es ist das kleinste Zimmer, während meines riesig ist. Deines ist so eng, dass sie das Kind vermutlich im Stehen zur Welt bringen wird. Man kann nur hoffen, dass es als Erwachsener, in Anzug und Krawatte, für das Leben gewappnet, im Zimmer stehen wird; einen Aktenkoffer in den Händen, um gleich für die Familie zu sorgen, die niemals noch ein Kind ernähren könnte. Das wäre ein Gewinn in den Augen von Vater und Mutter.

Mein Zimmer wird Anna nicht bekommen. Die Aussicht auf den Park will ich mir nicht nehmen lassen – die Ferne der Welt kann man erst begreifen, und nur dann, wenn man sie in der Sicherheit der eigenen vier Wände betrachtet. Man kann immer noch die Vorhänge schließen und die Hände auf den Kopf legen, wenn die Weite einen erdrückt.
Betrachte ich die spielenden Kinder, so komme ich mir vor wie einer von ihnen. Es scheint nicht so lange her, dass Du und ich dort gespielt haben. Erinnerst Du Dich, wie wir uns vorgestellt haben, auf großen Segelschiffen die Grenzen der Meere zu überwinden?
Wie närrisch. Ich hoffe, die Kinder träumen nicht – oder möchtest Du ihnen zum Vorbild werden? Sollen sie etwa Maler werden, Täuschungen erschaffen, die nach dem letzten Pinselstrich nicht mehr sind als Bilder? Ohne Sinn und Verstand?

Nein, das willst Du nicht. Für Höheres hat man Dich berufen, lieber Bruder. Sollte ich Anna dies erklären? Das dürfte sie noch mehr gegen Dich aufbringen, denn gut geht es ihr nicht – in dieser Hinsicht war ich auch ein Täuscher, und ich habe Dich in die Irre geführt. Weil wir Brüder sind, will ich gnädig sein und Dir sagen, dass sie Dich unendlich vermisst.

Du könntest Ihr ein Gemälde von Dir schicken. Am besten das, wovon Du mir geschrieben hast:
Ein grünes Feld, ein Baum in der Mitte, worunter eine glückliche Familie das letzte Picknick des Sommers abhält.
Das kannst Du sicher tun, nicht wahr?
Du bist immerhin mit ihr verlobt. Die Verlobung will sie nicht lösen, weil sie immer noch hofft. Sie besucht gerade ihre Schwester, bei der sie Rat sucht.
Ich indes hoffe, dass wir uns nicht mehr sehen.

Grüße,
Dein zur Liebe unfähiger Bruder

P.S.: Die deutlichen Worte sind nötig. Ich erwarte natürlich gerade von Dir kein Verständnis, denn Du erhältst einen ganz anderen Brief. Diesen verwerfe ich.



_________________
Aus einem Traum:
Entsetzter Gartenzwerg: Es gibt immer noch ein nullteres Fußballfeld. Wir werden viele Evolutionen verpassen.
Busfahrer: Tröste dich. Mit etwas Glück sehen wir den Tentakel des Yankeespielers, wie er den Ereignishorizont des Schwarzen Loches verlässt.
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Traumtänzerin
Fähnchen Fieselschreib

Alter: 25
Beiträge: 1209



BeitragVerfasst am: 17.10.2009 16:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Tom,

Zerwürfnis mit dem Bruder, der seine (Ex-)Verlobte ohne Rücksicht auf ihre Schwangerschaft verlassen hat? Oh je, ein Familiendrama - könnte man sich jetzt denken und es gelangweilt beiseite legen. sad
Das habe ich allerdings nicht. Gründe dafür?
Ich finde es originell, die Geschichte allein durch einen Brief, der die Wahrheit nur zum Teil aufdeckt, in Fragmenten eben, zu erzählen. Dadurch wird der Leser neugierig, er versucht sich Hintergründe, Protagonisten und Situation vorzustellen, versetzt sich unterbewusst in deren Lage.
Nur einige Formulierungen fand ich unglücklich gewählt. Zum Beispiel:
Zitat:
Aus diesem Grunde trifft mich keine große Überraschung, dass ich Dir nun schreibe.

"Es trifft mich keine [...]Überraschung"? Seltsam ausgedrückt.

Zitat:
Ich nehme Dir eine Frage weg und beantworte sie:

Das klingt so ein wenig nach dem Motto: "Ätsch-bätsch, ich fange dir deine Frage weg, bevor du sie überhaupt aussprechen kannst, haha!" Was hältst du davon, einfach nur "Um deiner Frage zuvorzukommen:" zu schreiben? Das ist wesentlich unkomplizierter.
Genauso hier:
Zitat:
Weil du aber nachfragen wirst, denn nun habe ich Dir die Futterschale gezeigt, nun willst du sie auch leeren, will ich auch das vorgreifen, verhindern und antworten:

Wieder etwas umständlich. Vorgreifen und verhindern - eines der beiden Wörter ist unnötig. Insgesamt würde ich den Satz so wie im vorhergehenden Beispiel verkürzen.
Zitat:
Dein zur Liebe unfähiger Bruder
klingt sehr steif.
Sonst habe ich nichts zu meckern.

LG,
Traumtänzerin


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Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.
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Eine spitze Zunge ist in manchen Ländern schon unerlaubter Waffenbesitz.
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Dem wird befohlen, der sich selbst nicht gehorchen kann. (Nietzsche)
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Inquisition war in der frühen Neuzeit der ganz große Burner.
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Alogius
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Die Goldene Bushaltestelle Goldene Feder Prosa (Anzahl: 2)


Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 17.10.2009 22:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi,

meinen Dank bis hierher - es geht noch etwas weiter.

Was die Anmerkungen angeht: Ich werde sie in einer Neufassung berücksichtigen - ist richtig so. wink

Ja, durch den bewusst fragmentarischen Charakter wollte ich das, was Du anmerkst, erreichen. Mal sehen, ob das auch weiter gelingt...

Danke,
Gruß
Tom


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gepuzzelt
Schreiberling


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BeitragVerfasst am: 18.10.2009 01:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Alogius,
mir gefällt ja die Vielseitigkeit deiner Stücke und deren Umsetzung immer ausnehmend gut. Daher beschäftige ich mich gern mit deinen Texten, und würde der Kritik von Traumtänzerin, die über dieselben Dinge gestolpert ist, noch ein paar hinzufügen.
Davon ab gefällt mir die Aufbereitung eines Themas in Briefform und ich bin neugierig, wie es weitergeht, und ob es noch zu einer Vermischung von Texttypen kommen wird.
Nu aber los:

Zitat:
Vorwürfe waren immer etwas, das uns beide bestimmt hat. Wie ein Uhrwerk, worin wir nur kleine Zapfen an großen Rädern sind, hat uns die Bestimmung getrennt – stärker war sie immer, wenn wir uns einig sein wollten.


Achtung, hier kommt was Korinthenkackerisches:
In dem ersten Satz stört mich die Offenheit der Aussage. Vorwürfe bestimmen ein Denken, die Ausprägung eines Verhältnisses u.dgl.
Und das Bild, entschuldige, versteh ich, so wie es ist, nicht. Was trennt denn nun die Bestimmung? Die Distanz der Zapfen?
Mir schein auch, dass du die Worte "bestimmen" und "Bestimmung" in unterschiedlicher Weise benutzt, so dass ich darüber stolpere.
Im ersten Satz meinst du "bestimmen" im Sinne von "ausmachen/auszeichnen" (was uns beide ausgemacht/ausgezeichnet hat), oder?
In der Verbildlichung lese ich "Bestimmung" als "schicksalhafte Ausformung des Lebens und Denkens" (ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich das richtig zum Ausdruck bringen kann, was ich hier meine, Alogius).
Kurz: Die Wortwiederholung in der Bedeutungsänderung halte ich für unglücklich.

Zitat:
Aus diesem Grunde trifft mich keine große Überraschung, dass ich Dir nun schreibe. Letztlich werde ich getrieben, die Feder in die Hand zu nehmen und über das Papier gleiten zu lassen, damit ich Dir den Vorwurf machen kann, mangelndes Interesse zu haben – mir mache ich den Vorwurf ebenso, denn habe ich nicht geantwortet, weil ich es nicht wusste?


Ich teile hier die Kritik von Traumtänzerin am ersten Satz. Dazu finde ich, dass der Ausdruck "getrieben" durch die weiteren Äußerungen abgeschwächt wird. Der Drang und die Wichtigkeit schreiben zu müssen, wird in der Art und Weise deiner Ausführungen nicht so recht herausgearbeitet. Wenn das beabsichtigt war, vergiss meinen Einwand.

Zitat:

Keineswegs. Ich habe es nicht getan, weil ich mich für Dich, Anna und alle Schwierigkeiten, die sie Dir gemacht hat, nicht interessiere. Mein Interesse und meine Anteilnahme sind beide so gering, dass ich als Riese vor ihnen stehe und sie mit einem Tritt nur vernichten könnte. Dann wäre aber nicht einmal das geringste Desinteresse vorhanden. Nichts wäre da. Ist das nicht noch schlimmer, Robert?


Mir ist die im Fettdruck hervorgehobene Schlussfolgerung nicht klar.

Zitat:
Anna geht es gut. Ich nehme Dir eine Frage weg und beantworte sie: Anna hat nicht nach Dir gefragt. Jeden Tag berichte ich ihr, dass es Dir ebenfalls gut geht. Sie erkennt den leeren Satz, von leerer Kehle gesprochen und leeren Augen begleitet, lächelt freundlich (das tut sie immer) und nimmt die Neuigkeit an, indem sie Interesse heuchelt, so wie ich an allem, was mit mir zu tun hat, mit Dir, Anna und unseren Eltern, nichts von Bedeutung finden kann. Das ist Dir wohl Antwort genug, oder?


Nun, dein Protagonist scheint ja ein seltsamer und eher einfach gestrickter Geselle zu sein, der in diesem Abschnitt etwas behauptet, dem er hinterher widerspricht. Denn Anna geht es ja alles andere als gut und sie hat sehr wohl noch Interesse an dem Bruder.
In seiner Schlichtheit sei ihm auch die unschöne Wortwiederholung von "leer" verziehen Wink Vielleicht sogar auch alle meine Einwände oben. Vielleicht ist er tatsächlich einer, der sich nicht genau auszudrücken weiß. Du siehst mein Unsicherheit darüber, wie du deinen Hauptcharakter angelegt hast.

Zitat:
Weil du aber nachfragen wirst, denn nun habe ich Dir die Futterschale gezeigt, nun willst du sie auch leeren, will ich auch das vorgreifen, verhindern und antworten:


Hier stimme ich Traumtänzerin wiederum zu, möchte aber ergänzen, dass es heißen müsste:
"...will ich auch dem vorgreifen und das verhindern". Es so zu schreiben, erschiene mir aber ein bisschen seltsam. Vielleicht bedarf es hier einer Generalüberholung in der Formulierung.

Zitat:
Mein Zimmer wird Anna nicht bekommen. Die Aussicht auf den Park will ich mir nicht nehmen lassen – die Ferne der Welt kann man erst begreifen, und nur dann, wenn man sie in der Sicherheit der eigenen vier Wände betrachtet.


Müsste da nicht ein "aus" hin?

Zitat:
Man kann immer noch die Vorhänge schließen und die Hände auf den Kopf legen, wenn die Weite einen erdrückt.


 "auf den Kopf"? seltsam, oder meinst du hier "auf die Augen"?

Zitat:
Wie närrisch. Ich hoffe, die Kinder träumen nicht – oder möchtest Du ihnen zum Vorbild werden? Sollen sie etwa Maler werden, Täuschungen erschaffen, die nach dem letzten Pinselstrich nicht mehr sind als Bilder? Ohne Sinn und Verstand?


Oha, hier greifst du wiedermals ein Motiv auf, das du in einige deiner anderen Stücke aufgenommen hast. Und ich stehe dieser negativen Betrachtung bildender Künstler wieder sprachlos gegenüber, weil ich sie nicht tauglich finde.

Zitat:
Du könntest Ihr ein Gemälde von Dir schicken. Am besten das, wovon Du mir geschrieben hast:
Ein grünes Feld, ein Baum in der Mitte, worunter eine glückliche Familie das letzte Picknick des Sommers abhält.


Das erinnert mich an Manets "Picknick im Grünen". Anstatt "worunter" gefiele mir "unter dem" besser. Aber das ist sicherlich Geschmacksache und passt in die unbeholfene Schreibweise des Bruders.

Zitat:
Grüße,
Dein zur Liebe unfähiger Bruder


Hier muss ich Traumtänzerin widersprechen. Ich finde den "zur Liebe unfähigen Bruder" sehr gut, und es passt ins Bild, das ich von dem Bruder gewonnen habe.

Zitat:
P.S.: Die deutlichen Worte sind nötig. Ich erwarte natürlich gerade von Dir kein Verständnis, denn Du erhältst einen ganz anderen Brief. Diesen verwerfe ich.


Lese ich das richtig? Dies ist nur ein Versuch, der im Papierkorb landet und den Bruder gar nicht erreichen wird? Dann könnten rückblickend alle Makel, die ich an Formulierungen gesehen habe, bleiben, weil es sich nur um einen Entwurf handelt.

Oh jemine, hab ich dich nun vollends verwirrt, Alogius?
Nun, letztlich kann man das Schreiben meiner "Kritik" als eine sich entwickelnde Auseinandersetzung mit deinem Text beschreiben, als eine Art innerem Dialog mit deinem Text und dahinter dir selbst.

Was du draus machst, überlasse ich ganz dir.

gepuzzelt
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Alogius
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Die Goldene Bushaltestelle Goldene Feder Prosa (Anzahl: 2)


Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 18.10.2009 10:26    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Moin gepuzzelt,

besten Dank für die Anmerkungen.

Dieser Briefeschreiber ist in der Tat einfach gestrickt - er scheint seinen Bruder aus weitgehend unbekannten Gründen zu verachten, was sich auch in seiner Sprache niederschlagen soll.
Seine Betrachtung der Malerei ist natürlich (a) nicht objektiv und (b) in Wahrheit eine Betrachtung seines Bruders, den er für einen Schwächling, Täuscher hält - von daher würde ich dieses Bild so schon beibehalten.

@Bestimmung/bestimmen:
Seltsam, mir kam die - von Dir richtig erfasste Bedeutungsänderung - irgendwie stimmig vor, weil sie so widersprüchlich im Kontext ist.


Zitat:
Dann wäre aber nicht einmal das geringste Desinteresse vorhanden. Nichts wäre da. Ist das nicht noch schlimmer, Robert?
---
Mir ist die im Fettdruck hervorgehobene Schlussfolgerung nicht klar.

Interesse und Desinteresse gehen - für ihn - aus dem gleichen Bedeutungsfeld hervor. Zeige ich kein Interesse, also Desinteresse, so gebe ich dem Gegenüber dennoch eine Wertung, nämlich: ihn nicht zu beachten. Wird das Interesse "vernichtet", kann daraus nicht einmal Desinteresse werden.
Das ist seine Denkart. Die ist, was ich zugebe, seltsam und paradox.

Das
Zitat:
Nun, dein Protagonist scheint ja ein seltsamer und eher einfach gestrickter Geselle zu sein, der in diesem Abschnitt etwas behauptet, dem er hinterher widerspricht. Denn Anna geht es ja alles andere als gut und sie hat sehr wohl noch Interesse an dem Bruder.

ist so.

Zitat:
Man kann immer noch die Vorhänge schließen und die Hände auf den Kopf legen, wenn die Weite einen erdrückt.
--
"auf den Kopf"? seltsam, oder meinst du hier "auf die Augen"?

Auf den Kopf. Erdrücken und Weite können Kopfschmerzen bereiten, glaub mir...


Zitat:
Ich finde den "zur Liebe unfähigen Bruder" sehr gut, und es passt ins Bild, das ich von dem Bruder gewonnen habe.

Gut. wink

Zitat:
Lese ich das richtig? Dies ist nur ein Versuch, der im Papierkorb landet und den Bruder gar nicht erreichen wird? Dann könnten rückblickend alle Makel, die ich an Formulierungen gesehen habe, bleiben, weil es sich nur um einen Entwurf handelt.

Richtig. Dieser Brief wird den Bruder nicht erreichen.
Bestimmte Makel in diesem Brief sind, mein Risiko, auch gezielt eingebracht worden, ja.
Gibt aber einige Anmerkungen, die ich in eine Neufassung aufnehmen werde. Darum meinen Dank dafür!

Zitat:
und ob es noch zu einer Vermischung von Texttypen kommen wird.

Könnte sein.^^

Zitat:
Oh jemine, hab ich dich nun vollends verwirrt, Alogius?
Nun, letztlich kann man das Schreiben meiner "Kritik" als eine sich entwickelnde Auseinandersetzung mit deinem Text beschreiben, als eine Art innerem Dialog mit deinem Text und dahinter dir selbst.

Verwirrt bin ich oft; Du hast mich nicht verwirrt.^^
Was die Auseinandersetzung angeht, stimme ich natürlich zu.

Danke
Gruß
Tom


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Aus einem Traum:
Entsetzter Gartenzwerg: Es gibt immer noch ein nullteres Fußballfeld. Wir werden viele Evolutionen verpassen.
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Alogius
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Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 18.10.2009 17:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

-2-


Verwoben sind die Bilder deiner Bilder.
Aus Berg wird Tal, aus Tal wird Berg.
Nichts kann sie wirklich vereinen,
Wenn schon der erste Strich ein Fehler ist.


Lieber Bruder,

Anna geht es gut. Ich kann Dich beruhigen, dass sie die Geschehnisse der letzten Monate allmählich vergessen kann. Sie wäre sehr froh, wenn sie keine Bilder mehr von Dir bekäme, um ihre Erinnerungen nicht zu bemühen. Diese Mühe würde dazu führen, dass alle Lasten erneut auf ihren armen Schultern liegen würden.
 
Die Eltern lassen Dich grüßen. Vater hat entschieden, Anna mein Zimmer zu geben. Ich wohne nun in Deiner Kammer. Die Aussicht auf den Hinterhof ist nicht sehr angenehm, und die Luft ist schlecht.
Aber für Anna und das Kind ist dies eine Probe, die ich gern auf mich nehme.

Lass mich sagen, dass Du mir sehr fehlst. Vielleicht, es sind bald Ferien, können wir uns auf dem Gutshof treffen, von dem Du mir in Deinen Postkarten berichtet hast? Ich denke, den Weg werde ich finden.

Grüße,
Dein Dich liebender Bruder


Liebes Tagebuch,

heute waren Mutter, Vater und ich auf der großen Wiese. Du weißt schon, das ist die mit dem schönen Baum. Wir haben gegessen und dem Wind gelauscht. Ich habe Mutter gefragt, warum sie so traurig ist. Vater hat uns nicht gehört.
Sie hat gesagt: „Weil alles ständig anders wird.“

Ich verstehe das nicht.

Ob das etwas zu tun hat mit meiner Tante? Bevor sie abgereist ist, hat sie auch so etwas gesagt.

Erwachsene sind schwer zu begreifen, irgendwie.

B.


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Mana
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Apollon
BeitragVerfasst am: 18.10.2009 22:22    Titel: Antworten mit Zitat

Liber Alogius,

ich finde dein Fragment sehr ansprechend. Es hat einen klassischen Charme, eine gesunde Portion Drama (oder besser Familendrama) und ist obendrein wirklich gut geschrieben. Mir gefällt die Charakterisierung die sich aus dem Brief herauskristalisiert, irgendwie könnte er glatt zu meiner Familie gehören Embarassed

Gruss Ralf


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Der Verstand schreibt mit Tinte, das Herz mit Leidenschaft...

Wissenschaft ist ein stahlharter Metalldildo zum umschnallen.- Vince Masuka

Mein Lieblingsepigramm:
"Ich selbst bin Ewigkeit, wenn ich die Zeit verlasse
Und mich in gott und gott in mich zusammenfasse." von Johannes Scheffler
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Alogius
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Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 18.10.2009 23:07    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi,

ich danke Dir.
Mal sehen, ob es sich bis zum Ende halten kann. Ist eine Gratwanderung...

Gruß
Tom


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Mana
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Apollon
BeitragVerfasst am: 18.10.2009 23:15    Titel: Antworten mit Zitat

Alogius hat Folgendes geschrieben:
Hi,

ich danke Dir.
Mal sehen, ob es sich bis zum Ende halten kann. Ist eine Gratwanderung...

Gruß
Tom


Halt alles fest was du im Moment hast (auch was du für Musik hörst), und was dich beeinflußt. Musik eignet sich gut um assoziative Anker zu konstruieren. Mach viel Notizen, und vorallem lass dich nicht ablenken.


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gepuzzelt
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BeitragVerfasst am: 19.10.2009 05:21    Titel: Antworten mit Zitat

Treibst du hier ein Verwirrspiel durch die Zeiten? Ist der Bruder, der den Brief schreibt, gar ein Kind? Mir ist eine Brechung in der Ausdrucksweise aufgefallen. Die Formulierungen der Briefe traue ich einem Kind so gar nicht zu.... (wo ist das Kopfkratz-Smiley?)
Bin dennoch neugierig, wie es weitergeht. Vielleicht sollte ich mich (wir uns) mit inhaltlichen/stilistischen Kommentaren bedeckt halten, bis das Stück zu Ende ist? Was meinst du, Alogius?

gepuzzelt
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Alogius
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Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 19.10.2009 13:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Mana:

Nur so geht es auch bei diesem Fragment. Ein sehr fragiles Konstrukt...

@gepuzzelt:

Zitat:
Treibst du hier ein Verwirrspiel durch die Zeiten?

Die Textstücke sind nicht chronologisch, richtig.

Zitat:
Ist der Bruder, der den Brief schreibt, gar ein Kind? Mir ist eine Brechung in der Ausdrucksweise aufgefallen. Die Formulierungen der Briefe traue ich einem Kind so gar nicht zu

Die bisherigen Briefe sind nicht die eines Kindes.
Der Tagebucheintrag allerdings... schon.

Zitat:
Vielleicht sollte ich mich (wir uns) mit inhaltlichen/stilistischen Kommentaren bedeckt halten, bis das Stück zu Ende ist? Was meinst du, Alogius?

Kommentare gehen immer. Aber ganz sicher ist es so, dass ein abschließendes Bild erst am Ende möglich sein wird.
Es kommt nämlich noch wirrer...


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Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 19.10.2009 18:24    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

-3-


Lieber Kaspar,

herzliche Grüße von Katharina. Meine Schwester und ich haben lange über Roberts Entscheidung gesprochen. Ich habe ihr gesagt, wie dankbar ich Deinen Eltern bin, dass sie mich aufgenommen haben.
Katharina hofft ebenfalls, dass das Kind nicht zu einer Last für die Familie wird. Denn wäre es so, ich würde natürlich einen anderen Platz für uns finden. Unter keinen Umständen will ich dem Frieden des Hauses als Feindin erscheinen.

Wenn Du Robert schreiben oder sprechen solltest, würdest Du ihm bitte ausrichten, dass ich mich sehr freuen würde, einige seiner Arbeiten zu sehen?
Ist das Kind eines Tages groß, kann es sehen, was sein Vater geleistet hat. Du verstehst vielleicht nicht, warum ich keinen Groll gegen meinen Verlobten hege. Das ist so, weil ich seinen Drang, die Malerei ungestört auszuleben, begreifen kann.
Ich würde ihm folgen und mit ihm auf dem Gutshof leben, den er so liebt. Aber vielleicht bin ich eine Störung für ihn. Er sagte, er könne nicht für ein Kind sorgen und wäre kein guter Vater.

Diese Dinge, Kaspar, sehe ich ganz anders. Wenn Du ihn also sprichst, dann bitte ich Dich, richte ihm doch aus, dass ich gern in Ruhe darüber sprechen würde.
Sicher gäbe es auf dem Hof genug für mich zu tun, dass er ganz allein und ungestört seinen Arbeiten nachgehen könnte.
Ich wäre ihm keine Last. Das Kind auch nicht. Aber die Nähe zum Vater würde es fühlen, und Robert hätte immer die Möglichkeit, uns zu sehen. Wann er es will, nicht wann es notwendig wäre oder von mir gewünscht.
Meine Liebe zu ihm ist groß genug, dass sie dies aushalten würde.

Sagst Du ihm alles, worum ich Dich gebeten habe?

Liebste Grüße,
Anna

P.S.: Ich habe ihm einige Briefe geschrieben, aber keiner wurde beantwortet.


Der Baum

Es war gewöhnlich, wenn er im Sommer grünte, alle in seinen Schatten wucherte, von Insekten und Tieren bewohnt wurde, im Wind sich lang ausstreckte, als würde er die Welt umarmen. Im Herbst ließ er die Blätter erstrahlen, und im Winter wurde er kahl.
Menschen hatte er nie gesehen.


Die Tragödie des Ödipus

Ödipus:
Hätte ich doch keinen Bruder! Wenn der König in tiefer Nacht in mein Gemach steigt, mich betrachtet und dabei seine Hände zittern, träume ich davon, es möge meinem Bruder geschehen. Ihn darf ich nicht töten – ich wäre nicht Ödipus. Aber weil er trotz aller Grausamkeiten unseren Vater achtet, kann ich auch den Erzeuger nicht ermorden. Mir bleibt nichts mehr, nur der Name. Meine Tragödie ist, dass ich ihm nicht gerecht werden kann.


Liebe Anna,

natürlich darfst Du mich besuchen – da fragst Du noch?
Es tut mir sehr leid, was passiert ist. Du schreibst, dass Roberts Vater Dich verantwortlich macht für den Verlust seines Sohnes?
 
Schlimm genug, dass Du in einer Kammer wohnen musst. Bis Karl und Bastian wieder da sind, darfst Du im Zimmer meines Sohnes schlafen.
Komm nur bald!

Katharina


Kunstauktion

Galerie „Zur Weide“


Zur Auktion steht neben Skulpturen und Gemälden hiesiger Künstler auch ‚Das Picknick‘ von Robert H.
Eine Liste entnehmen Sie der Anlage.


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BeitragVerfasst am: 20.10.2009 18:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

-4-


Liebe Anna,

ich freue mich, dass es Dir bei Deiner Schwester gut geht. Bitte grüße sie auch von mir herzlichst wieder.

Ich habe Deine Bitte befolgt und Robert Deine Ideen und Gedanken übermittelt.
Leider war seine Reaktion nicht sehr ermutigend. Er möchte überhaupt keinen Besuch, weder von Dir, noch von mir. Deine Briefe hat er ungelesen in den Kamin geworfen, und er glaubt nicht daran, jemals ein Vater zu sein. Aus diesem Grund wird er, wie er sagt, Dir auch kein Gemälde schicken.

Es tut mir sehr leid. Ich habe immerzu auf ihn eingeredet, aber auch ich blieb ohne Erfolg.
Bitte gräme Dich nicht, sondern habe eine schöne Zeit bei Katharina. Wenn Du wieder bei uns bist, wirst Du Dein Zimmer nicht mehr erkennen. Vater und ich haben es sehr hübsch eingerichtet, wie ich finde. Eine schöne Einrichtung wird die fehlende Aussicht im kleinen Zimmer wieder in Ordnung bringen und vergessen lassen.

Ich entschuldige mich, dass ich nicht mehr erreichen konnte. Wenn Du wieder hier bist, können wir in aller Ruhe darüber sprechen.

Kaspar



Extrakt

„Ich schlage meine Hände vor den Kopf, dann mache ich den letzten Pinselstrich. Ich schaue über mein Gemälde. Und schon naht eine neue Veränderung. Wohl dem, der kein Maler ist, hat er doch geringere Last auf seinen Schultern zu tragen“, sagte der Maler zu seinem Freund.
Lange hatten sie gesprochen. Schon längst war der Tee kalt geworden.



Marie,

ich schreibe diese Postkarte, während ich hinten auf einem Heuwagen sitze, der mich zur Herberge bringen wird. Hier in der Nähe, glaube ich, muss er die Inspiration für das Gemälde gefunden haben. Meine Mutter hat es einem Kunsthändler überlassen. Niemand aus der Familie wollte es besitzen. Doch der Gedanke, dass es alles zum Guten hätte wenden können, lässt mich nicht los.

Dein Bastian



Lieber Kaspar,

würdest Du bitte das Gemälde an den Gutshof schicken lassen?

Robert


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Busfahrer: Tröste dich. Mit etwas Glück sehen wir den Tentakel des Yankeespielers, wie er den Ereignishorizont des Schwarzen Loches verlässt.
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Alogius
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Die Goldene Bushaltestelle Goldene Feder Prosa (Anzahl: 2)


Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 21.10.2009 20:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

-5-


Lieber Vater,

ich bin mir sicher, dass Katharina und ihre Familie nichts von mir wissen wollen. Ebenso würden sie keinen Groschen annehmen, der vorher in meinen Händen lag. Er müsste den Umweg über deine riesigen Hände nehmen.

Aus diesem Grunde nur schreibe ich Dir:
Ich gebe Dir eine Vollmacht, dass Du einen Scheck einlösen kannst. Der Erlös soll Katharinas Familie erreichen. Darum bitte ich Dich.
Ich habe meine eigenen Gründe, Kaspar nicht darum zu bitten.

Robert



Sommerlicht

Im letzten Sommerlicht stehen die Felder bereits in anderen Farben. Der erste kühle Wind fliegt durch das Dickicht, aber er ist weit genug weg, dass die vom Abendrot gemalten Schatten nicht verschwimmen.
In ihrer Klarheit erinnern sie an feines Porzellan, das ewig besteht und nicht zerbricht. Nur scheinbar stehen sie still, Mann, Frau und Kind. In Wahrheit tanzen sie, sind ohne ein Zögern in Bewegung, lachen, während um sie herum das Gras darauf vorbereitet ist, den Reif zu trinken.
Der Duft vom fallenden Laub, das auf ihren Schultern liegt, mischt sich mit dem feuchten Geruch der Baumrinde. Ihre Namen stehen darin, damit wir uns an sie und den Sommer erinnern können.

Die Wahrheit ist, es gibt keinen Baum. Die Schatten tanzen nicht; es ist der Wind, der sie durch die Kälte wirft. Sie lachen nicht – sie weinen.
Kaum fällt der erste Regen, ist auch das verwischt. Kein Abendrot, kein Dickicht aus Strauch und Pflanze. In Wahrheit ist es eine Grabstätte. Dort liegen sie, denn ebenso den Wind hat es niemals gegeben.
 
Betrachten wir noch einmal diesen Augenblick, so ist auch der nicht wirklich. Erlöst von allen Sorgen, der sich andauernd verändernden Umgebung, schlafen sie gemeinsam unter steinernen Ruinen.
Vielleicht ist nichts davon wahr. Und auch das ist nur scheinbar, denn Sommer war nie.



Liebe Marie,

ich habe ihn gefunden, den Ort.

B.


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gepuzzelt
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BeitragVerfasst am: 22.10.2009 08:11    Titel: Antworten mit Zitat

Alogius, ich fürchte, ich kann nicht anders als mich zurückzulehnen, um abzuwarten. Wie kann man einem Text gerecht werden, wenn man ihn nicht zu Ende gelesen hat, und immerzu von vorne bis hinten lesen kann? Zumal du mit deinen Perspektiven- und Textartenwechseln, wie auch dem fragmentarischen Aufbau insgesamt vor allen Dingen eins tust, nämlich mich als Leser zu verwirren in Bezug auf die Personen und deren Beziehungen zueinander... und ich gestehe, mit der Zerstückeltheit der Präsentation deines Textes habe ich arge Schwierigkeiten Namen zuzuordnen.
Ich warte also ab, und äußere mich später dazu wieder.
Doch wüsste ich eins gern, auf wie viele Folgen muss man sich einstellen, und bekommt man ein Gesamtexemplar als Interessent per Email zugesandt?
Wink

gepuzzelt
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MT
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BeitragVerfasst am: 22.10.2009 08:32    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Tom,

wieder mal sehr ansprechend. Bevor ich allerdings etwas dazu sage, möchte ich - da geht es mir wie gepuzzelt - bis zum (bitteren?) Ende abwarten.

So long.

MT
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Alogius
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Die Goldene Bushaltestelle Goldene Feder Prosa (Anzahl: 2)


Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 22.10.2009 09:29    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Moin,


@MT:

Kein Problem wink

@gepuzzelt:

Ich habe Dir eine PN geschickt. Dort ist eine Auflistung der Personen - sehr wenige übrigens. wink
Wenn das hier beendet ist, kann ich Dir gern per Mail eine chronologisch sortierte Version schicken, und Du wirst feststellen, dass die Zeitordnung an wenigen Stellen nur verdreht ist.

edit:

Heute kommt das letzte Stücklein.


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Alogius
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Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 22.10.2009 13:26    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Grml

Der letzte Teil wird zu lang - teile also nochmals auf. :/


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Alogius
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Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 22.10.2009 19:37    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

(Vorletztes Stück)

-6-


„Mein Gott!“
„Holt einen Arzt!“



Werter Kaspar,

im Namen meiner Familie bedanke ich mich bei Ihnen für die guten Wünsche und die Rückzahlung der Mitgift. Es wird helfen, das Geschäft zu halten, wenn es auch die Tränen und das Leid, besonders das meiner Mutter, nicht lindern kann.
 
Ich mache mir schwere Vorwürfe, dass ich Anna nicht davon abgehalten habe, vollkommen gedankenlos und überstürzt den Weg zum Gut auf sich zu nehmen. Dieser schreckliche Unfall wäre nie geschehen.

Verzeihen Sie, dass ich mehr nicht schreiben kann. Nach einer Zeit der Ruhe werde ich dazu in der Lage sein.

Mit den besten Grüßen,
Katharina



Lieber Kaspar,

nach unserem letzten Gespräch hatte ich den Eindruck, unverrichteter Dinge das Café verlassen zu haben. Die Blicke der Tischnachbarn haben das noch verstärkt.
„Was steht er denn auf, er hat keine Antwort bekommen“, schienen sie zu sagen.

Wie geht es Anna? Das ist die Frage, die ich Dir erneut stelle.
Ich weiß, dass ich tiefe Wunden geschlagen habe, als ich der Malerei wegen aufgebrochen bin. Zur Ernährung eines Kindes bin ich nicht fähig, wie ich auch zu sonst nichts fähig bin.
Einzig das Malen kann mich noch beschäftigen, während ich ohne den Pinsel in der Hand mein Verhalten bedenke, Möglichkeiten erfinde und Lösungen vermute, wo keine sind.

Ich hoffe, dass sie ihren Frieden macht. Für ein Kind kann ich nicht sorgen. Ich wäre ein ganz schrecklicher Vater. Das ist vielleicht etwas, das ich bei Vater abgeschaut habe. Wie ein Hund wird ein Kind geprügelt, und wie ein Hund betrachtet es die Schläge als Notwendigkeit und Folge der eigenen Schuld. Ich werde mein Kind erst gar nicht schlagen oder bestrafen können – zumindest nicht auf diese Weise. Stattdessen werde ich jede Möglichkeit von Anfang an ersticken.

Ich bin der entlaufene Hund. Das habe ich mir abgeschaut: Dem Kind kein liebender Vater zu sein. Der Unterschied ist, dass ich nicht da bin, um es zu beweisen. Wären Prügel nicht ein Liebesbeweis?
Du siehst, meine Argumente ergeben keinen Sinn, wie auch mein Handwerk sinnlos ist. Du hast es nie gesagt, aber Vater.
Du hast ihm nicht widersprochen, aber wer konnte es?

Kürzlich habe ich eine grüne Landschaft gezeichnet. Ein Baum stand in der Mitte, und eine glückliche Familie lag darunter. Es war ein Picknick – betrachte ich es länger, sieht es aus wie eine Grabstätte. Es fehlt nur der Totengräber. Doch wenn ich es recht bedenke, fehlt er nicht – ich bin es. Statt einer Schaufel trage ich meine Schuld in der Hand.
Meinst Du, ich sollte Anna dieses Gemälde schicken?

Ich hoffe wirklich, dass die Dinge eines Tages anders um uns bestellt sind. Vielleicht könnte ich sie für einige Wochen auf den Gutshof holen, um zu sehen, ob ich mich irre?

Siehst Du, ich gebe mir Mühe, der unentschlossene Bruder zu bleiben.
Mein Tagebuch urteilt ebenso.

Robert


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Alogius
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Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 23.10.2009 19:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

-7-


Ich habe lange keinen Eintrag mehr gemacht. Heute ist es anders.
Anna kann ich nicht schreiben. Kaspar und Vater haben kein Verständnis, und Mutter würde ihnen nacheifern, wie sie es immer tut. Sie ist keine schwache Frau, aber ihr Verständnis von Familie bedeutet, eine eigene Meinung für sich zu behalten, wenn sie den Haussegen bedrohen würde. Vater ist diese Haltung bekannt. Ich glaube sogar, dass er es nicht nur billigt, sondern auch seinen Vorteil daraus zieht.

Dieser große starke Mann hätte es nicht nötig. Die Meinungen seiner Söhne lässt er auch nicht gelten. Argumente benötigt er keine; es reicht seine Stimme, die alles überschattet, um einen Streit im Keim zu ersticken. Dabei wäre ein Streit, ein offenes Gegeneinander, nötig gewesen.
Dazu ist es nie gekommen, weil die stille Art des Duldens von meiner Mutter auf mich und meinen Bruder übertragen wurde. Ich erinnere mich, wie er mich auf den Balkon gesperrt hat, weil ich nachts hungrig war. Trotzdem bin ich ihm dankbar. Hätte ich in dieser Nacht nicht den Kometen gesehen, keinen Pinselstrich würde ich heute tun. Beiden verdanke ich alles. Seltsam, dass die himmlischen Mächte ausgerechnet Vater ausgesucht haben, mir eine Botschaft zu schenken.

In meinem Traum habe ich eine Familie gesehen. Ich habe Glück gesehen. Ein Glück, das ich anderen verwehre – mir selbst und Anna. Mein Wunsch, in die Fremde zu gehen, war stärker als mein Wunsch, Vater zu sein. Wie ist das nur möglich? Es ist nicht die Angst, die mich vertrieben hat. Ich selbst bin es gewesen.
 
„Heirate mich“, habe ich gesagt. Und schon nach einem Tag kam mir diese Aufforderung wie ein schlecht gemeinter Rat vor. Noch ein Tag, und es war ein gemeiner Befehl. Gemein, weil ich nicht fähig bin, zu heiraten. Es steht eigentlich allem im Wege, was ich tun will. Was ich kann, das kann ich nur allein. Ich muss einsam sein.

Die Malerei ist ein Fluch, weil er nur in Einsamkeit Glück bedeutet. Jede Ablenkung führt zur Veränderung. Die Liebe ist eine große Ablenkung. Es ist auch ein großes Wort, dem kein Mensch wirklich gewachsen ist. Nein, nur allein kann ich malen.
Die Vielfalt der Malerei ist beängstigend. Was auf der Leinwand ist, bedeutet Wirklichkeit. Aber wenn ich darüber entscheide, was ich male, wie ich es male – bedeutet es nicht, dass die Wirklichkeit einer andauernden Veränderung unterworfen ist?
Jede Wahl der Farbe, des Pinsels und der Striche und Punkte bedeutet, das Gemälde und damit die Wahrheit ein Stück zu verändern. Am Ende ist nichts mehr wahr. Gleichsam ist es mir eine tiefe Beruhigung, den Wandel zu betrachten.
All das habe ich in der Ehe nicht.
Aber vielleicht-



Liebe Marie,

den Weg des Bildes habe ich bis zum Anfang verfolgt. Wie ich in den Gräsern beinahe verschwunden wäre, kam mir der Gedanke, dass eine tiefe Trauer bereits zu fühlen ist, wenn man unter den Zweigen steht. Damals habe ich es gefühlt, aber konnte es nicht in Worte fassen. Ich glaube, darüber habe ich vor vielen Jahren etwas geschrieben.
Könntest Du mir mein Tagebuch schicken? Es wird mir helfen, meine Gedanken aufzuschreiben.

Ich denke daran, wie der Ort sich stets verändert, wenn man ihn lang genug betrachtet. Die Namen, die wir einst in die Rinde geschrieben haben, sind immer noch zu sehen. Sie rufen meine Erinnerungen – ich bin hellwach.
Wie eine Grabstätte fühlt es sich an, wenn ich bedenke, dass meine Mutter in tiefer Traurigkeit an ihre Schwester gedacht haben muss. Ich glaube, sie hat auch etwas von steter Veränderung gesagt. Sicher bin ich, wenn ich in mein Tagebuch schauen kann.

Ich weiß nicht, ob ich in der Lage sein werde, eine Geschichte darüber zu schreiben. Es wird vielleicht nur ein kurzes Stück. Was denkst du über „Sommerlicht“?

Bastian



Sehr geehrter Herr H.,

Sie werden mich nicht kennen. Ich habe mich lange gefragt, wie ich es anstellen soll, wie ich Ihnen begegnen kann. Eine erste Nachricht, die wenig umfangreich ist und darum nicht bedrohlicher sein kann als die Wirklichkeit, scheint mir ein Anfang zu sein.
Mein Name ist Katharina.
Und es gibt etwas, das –


(Ende)


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Biggi
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 855
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BeitragVerfasst am: 24.10.2009 21:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Tom,

ich habe mir einen alten Schuhkarton vorgestellt, aus dem Du mir Stück für Stück Ausschnitte aus der Vergangenheit vorlegst. Nicht sortiert. Aus dem Leben und den Gedanken von Menschen, die einander nahe hätten sein können, weil sie zu einer Familie gehören.
Ich setze sie zusammen zu einem erschreckenden Bild.

In der Mitte: Robert.
Aus beruflichen Gründen bracht er Ruhe, sagt er. Er sieht sich selbst als einsamen Wolf. Menschen mit diesem Charakter sind mit Vorsicht zu genießen, denn sie fühlen sich durch eine Familie und die Ansprüche, die von ihr an sie gestellt werden, leicht in die Ecke gedrängt. Aber Anna hätte Verständnis gehabt für die Freiheit, die er gebraucht hätte, und die räumlichen Möglichkeiten wären auch vorhanden gewesen. Allerbeste Voraussetzungen also.
Dennoch: Er konnte es sich nicht in der Realität vorstellen, nur in seinen Träumen. Das Vorbild seines Vaters und das Familienleben haben ihn davon überzeugt, dass er es nicht schaffen kann.
Schlimmer kann eine Kindheit nicht ins Erwachsenenalter nachwirken. Lieblos erzogen, heißt doch nicht das…! Mann. Ich möchte ihn schütteln. Malen kannst Du auch, wenn du von Menschen umgeben bist, die du liebst und die dich lieben. Oder gerade dann…
Der Fehler seines Lebens war das Vertrauen, das er zu seinem Bruder hatte. Die Schlange, die er nicht erkannt hat, weil er an das Gute im Menschen geglaubt hat und sich nicht im Traum ausmalen konnte, dass einer allein zu so vielen Lügen fähig sein kann.
Kaspar zerstört Annas und Roberts Liebe und Leben durch Intrigen der übelsten Art. Es ist abgrundtiefer Hass, der sich hier offenbart. Sein erster Brief lässt in seine Seele (oder wie auch immer man das, was da bei ihm ist, nennen sollte) blicken. Erschlagen könnte man ihn.  
Robert ist verloren...

Und ich stehe vor den Schnipseln und frage mich: Warum haben sie alle nur gedacht und Briefe angefangen, statt miteinander zu reden? Warum um alles in der Welt haben sie sich auf Kaspar verlassen? Alles hätte gut werden können, verflixt nochmal. Oder zumindest anders.

Was bleibt ist der bittere Nachgeschmack, zu welchen Dingen Menschen fähig sind. Und, dass Annas und Roberts Tochter wahrscheinlich auch nur wieder einen Brief anfängt... Ich hätte ihren Eltern das gemeinsame Glück gewünscht. Aber es scheint in der Familie zu liegen, dass es nicht recht klappen will.

Grandios umgesetzt und sehr gerne - und hoffentlich so wie beabsichtigt? - zusammensortiert!

Danke für dieses Fragment und
Grüße,
Biggi
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Alogius
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Die Goldene Bushaltestelle Goldene Feder Prosa (Anzahl: 2)


Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 25.10.2009 13:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Biggi,

doch, so ist es richtig sortiert - wie beabsichtigt.

Zitat:
den Gedanken von Menschen, die einander nahe hätten sein können, weil sie zu einer Familie gehören.

Und es wäre an sich sogar leicht gewesen, ja.

Zitat:
Menschen mit diesem Charakter sind mit Vorsicht zu genießen, denn sie fühlen sich durch eine Familie und die Ansprüche, die von ihr an sie gestellt werden, leicht in die Ecke gedrängt.

Ja, das ist genau Roberts Angst / Gefühl.

Zitat:
Der Fehler seines Lebens war das Vertrauen, das er zu seinem Bruder hatte. Die Schlange, die er nicht erkannt hat, weil er an das Gute im Menschen geglaubt hat und sich nicht im Traum ausmalen konnte, dass einer allein zu so vielen Lügen fähig sein kann.

Absolut richtig.

Zitat:
Sein erster Brief lässt in seine Seele (oder wie auch immer man das, was da bei ihm ist, nennen sollte) blicken. Erschlagen könnte man ihn.

Und wieso Kaspar so ist, habe ich nicht definiert. Werde ich auch nicht. Man mag die Ursache auch irgendwo im Elternhaus finden.

Zitat:
Warum haben sie alle nur gedacht und Briefe angefangen, statt miteinander zu reden?

Ja. Keine bzw. falsche Kommunikation...

Zitat:
Und, dass Annas und Roberts Tochter wahrscheinlich auch nur wieder einen Brief anfängt... Ich hätte ihren Eltern das gemeinsame Glück gewünscht. Aber es scheint in der Familie zu liegen, dass es nicht recht klappen will.

100% Zustimmung. Gut, wenn das angekommen ist.

Vielen Dank!

Gruß
Tom


_________________
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