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Anekdote aus Bremen


 

 
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yt
Geschlecht:männlichKlammeraffe

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BeitragVerfasst am: 07.10.2009 14:39    Titel: Anekdote aus Bremen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Anekdote, Bremen 70er Jahre
(nach einer wahren Begebenheit)

Kaum ein Jahr später, nach unserem Umzug in die große Stadt Bremen, trat Routine an die Stelle, wo vor kurzem noch Gespräche, über Entdeckungen und spannende Erlebnisse des urbanen Miteinander, Platz fanden. Nur Opa hatte seine Neugierde nicht verloren. Sein Einzugsgebiet war aufgrund seiner Geschwindigkeit eingeschränkt, dass machte er aber an Gründlichkeit wieder wett.
Jede Seitenstraße, jeder Hinterhof und die Straßenbahn, alles musste exakt ausgekundschaftet werden. Bei unseren gemeinsamen Abendessen berichtete er uns drei Mädels vom Land was es in der Nachbarschaft spannendes zu Entdecken gab.

„Mädchen, kommt doch mal her. Ich muss mal mit euch schimpfen.“
Mit großer Verwunderung hörten wir was er sagte, denn sein Gesicht zeigte keinerlei Verärgerung, und wir, soweit mal sicher, waren uns keiner Schuld bewusst.
„Ich war heute spazieren, dort in der Nähe des Bürgerparks. Da sah ich einen kleinen Fußweg und dachte, da bin ich doch noch gar nicht lang gegangen.“
Dann hielt er kurz inne und schaute uns an, ob wir denn auch diesen kleinen Weg kennen.
Ich wusste von nichts. Wollte es mir aber nun nicht anmerken lassen, denn eine detaillierte Wegbeschreibung von Opa hätte ganze Abende füllen können.
„Also ich gehe davon aus, ihr wisst in ungefähr welchen Weg ich meine. Ich dachte also geh doch mal dort entlang. Das ist dort wunderhübsch mit Bäumen und Büschen umsäumt, ein kleiner Kieselweg. Da sehe ich auf dem Weg steht eine schöne Bank. Also habe ich mich dann hingesetzt.“
Ich schaute meine beiden Schwestern an, sie zeigten aber beide keinerlei Reaktionen.
„Dann kam ein Junger Spund des Weges. Und ich dachte noch so bei mir, der sieht aber nett aus. Da setzt der sich zu mir auf die Bank. Legt eine Hand auf mein Knie und fängt an zu reden.“
Eine meiner Schwestern, nicht die älteste, lief rot an. Sofort schoss mir durch den Kopf, das kann nur ihr Freund sein und hat nun fälschlicherweise bei Opa um ihre Hand angehalten!
„Also der junge Mann erzählte vom Wetter, vom tollen Park und war ganz interessiert ob ich neu sei in Bremen. Ihr glaubt nicht was das ein netter Junge war.“
Wilde Blicke wurden ausgetauscht, doch scheinbar herrschte bei meinen Schwestern ebenso Verwirrung. Kein Heiratsantrag?
„Mädchen, und wisst ihr was er dann auf einmal zu mir sagte?“
Mucksmäuschenstill saßen wir drei nun auf der Eckbank unserer Küche.
„Da fragt er mich doch glatt, ob wir nicht mal kurz ins Gebüsch wollen. Ich sag, Junge was willst du denn im Gebüsch. Mit so einem alten Herrn. Ich sehe doch ganz faltig aus. Der soll sich doch mal lieber ein hübsches Mädchen suchen.“
Totenstille und  Gesichter wie rote Laternen.
„Da hat mir der nette Junge dann erklärt, was man so alles im Gebüsch machen kann. Diese Bank sei in Bremen bekannt und wer dort säße, der wäre dem auch nicht abgeneigt.“
Ich traute meinen Ohren nicht.
„Mädchen. Das tat mir richtig Leid. Hättet ihr mich doch mal gewarnt und vorher einen Ton gesagt, dass es so eine Bank in Bremen gibt. Es gibt so viele Parks und schöne Grünflächen. Da setze ausgerechnet ich alter Mann mich auf diese eine Bank. Das nächste mal, müsst ihr versprechen, warnt ihr mich zuvor. Damit die netten Jungens nicht hinterher so enttäuscht sind.“

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Mana
Mensch

Alter: 37
Beiträge: 2572
Wohnort: Düsseldorf


Apollon
BeitragVerfasst am: 09.10.2009 22:38    Titel: Re: Anekdote aus Bremen Antworten mit Zitat

Lieber YT,

insgesamt eine sehr lesenswerte Geschichte. Ich muss gestehen, dies ist so ziemlich mein Lieblingsbereich hier im Forum, einfach, weil man hier mal was anderes findet. Das Ende wünsch ich mir allerdings etwas anders, mir fehlt da quasi nochn Knall. Vielleicht rät er seinen Töchtern sich da mal hinzusetzen, weil die so verklemmt sind Rolling Eyes

An einigen Stellen hätte ich mir nochn paar Kommas gewünscht.

Zitat:


Kaum ein Jahr später, nach unserem Umzug in die große Stadt Bremen, trat Routine an die Stelle, wo vor kurzem noch Gespräche, über Entdeckungen und spannende Erlebnisse des urbanen Miteinander, Platz fanden.

ich finde den Anfang des Satzes etwas irritierend, gerade beim heiligen, ersten Satz bin ich Pingelig. Worauf bezieht sich das später? Auf den folgenden Nebensatz, das mag ich nicht.

Ich würde es etwas vereinfachen:
Kaum ein Jahr nach unserem Umzug, in die große Stadt Bremen....


Zitat:


Nur Opa hatte seine Neugierde nicht verloren. Sein Einzugsgebiet war aufgrund seiner Geschwindigkeit eingeschränkt, dass machte er aber an Gründlichkeit wieder wett.

müsste es nicht heißen "mit" Gründlichkeit?

Zitat:
Bei unseren gemeinsamen Abendessen berichtete er uns drei Mädels vom Land was es in der Nachbarschaft spannendes zu Entdecken gab.
Bei diesem Satz bin ich etwas gestolpert. Ich hab gelesen:

Bei unseren gemeinsamen Abendessen berichtete er uns drei Mädels vom Land...


Als ob er den Mädels etwas über das Land sagt, verstehst?
Zitat:

Ich wusste von nichts. Wollte es mir aber nun nicht anmerken lassen, denn eine detaillierte Wegbeschreibung von Opa hätte ganze Abende füllen können.
lol  Daumen hoch

Ansonsten hast du mich doch recht gut zum Lachen gebracht. Gibt es diese Bank eigentlich immernoch?

Gruss Ralf


_________________
Der Verstand schreibt mit Tinte, das Herz mit Leidenschaft...

Wissenschaft ist ein stahlharter Metalldildo zum umschnallen.- Vince Masuka

Mein Lieblingsepigramm:
"Ich selbst bin Ewigkeit, wenn ich die Zeit verlasse
Und mich in gott und gott in mich zusammenfasse." von Johannes Scheffler
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yt
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 47
Beiträge: 720
Wohnort: Sittensen
DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 10.10.2009 08:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Moin,

die Geschichte ist fuer unser eins zu harmlos, gewiss. Aber gerade deswegen habe ich sie als Anekdote tituliert.  
Meinem Geschlecht nach zu Urteilen, stammt die Geschichte urspruenglich nicht von mir, ich bin keines der drei Maedels, mir wurde sie nur erzaehlt.
Wo und ob sich die Bank noch auffinden laesst ist mir unbekannt.

Danke fuer dein offenes Auge, die Satzmonster haben mich wieder gebissen. Ich werd sie vierteilen und wuerfeln.

Mit tausend Dank,
yt
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BlueNote
Geschlecht:männlichStimme der Vernunft


Beiträge: 7230
Wohnort: NBY



BeitragVerfasst am: 10.10.2009 08:46    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen yt,

Danke für deine Geschichte, das war - weil witzig - die richtige Morgenlektüre. Die Idee für die Geschichte ist schon mal großartig. Wenn du magst ein paar Krits:

An deinem Sprachstil musst du schon noch feilen: Du verwendest sehr viele Wiederholungen und umständliche Satzkonstruktionen, die den Lesefluss oft sehr stören. Hier würde man sich einen sichereren, ruhigeren Erzählfluss wünschen.

Dass der Freund um die Hand anhalten sollte, halte ich für einen überflüssigen Erzählstrang. Baue lieber den Rest noch etwas aus - vielleicht mehr Beschreibungen: der junge Mann, die Mädchen, die Landschaft. Ich entdecke aber auch sympathische Nuancen im Text z.B.

Zitat:

Sein Einzugsgebiet war aufgrund seiner Geschwindigkeit eingeschränkt, dass machte er aber an Gründlichkeit wieder wett.


BlueNote
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Alogius
Geschlecht:männlichKinnbeber

Alter: 44
Beiträge: 3641

Die Goldene Bushaltestelle Goldene Feder Prosa (Anzahl: 2)


Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 10.10.2009 09:39    Titel: Antworten mit Zitat

Moin,

interessante Anekdote. Ich habe vor geraumer Zeit mal gelesen, dass es solche Plätzchen wohl beinahe in jeder Stadt geben soll. Ist natürlich dramatisch, wenn man das nicht weiß und einfach nur ein wenig Ruhe genießen möchte - kann schnell ins Auge gehen. wink

Bis auf einige seltsame Konstruktionen und Passagen, die das Ziel etwas aus den Augen verlieren, hast Du den Charakter der Anekdote gut eingefangen. Die Pointe fällt harmlos aus, aber aus damaliger Sicht ist das natürlich auch alles etwas anders gewesen. Sie ist drollig und komisch, und genau das soll sie ja auch ausmachen.

Wie gesagt: Es finden sich ein paar kleinere Fehlformulierungen und andere Fehler, die das Lesen ab und an etwas behindern, doch insgesamt kriegt der Text die Kurve. Einiges ist umständlich beschrieben - das könnte man etwas ausbessern.

Ein paar Kleinigkeiten:

Zitat:
Kaum ein Jahr später, nach unserem Umzug in die große Stadt Bremen, trat Routine an die Stelle, wo vor kurzem noch Gespräche, über Entdeckungen und spannende Erlebnisse des urbanen Miteinander, Platz fanden.

Der erste Satz ist zum Beispiel sehr lang und umständlich für einen Einstieg in die Geschichte.

Zitat:
Sein Einzugsgebiet war aufgrund seiner Geschwindigkeit eingeschränkt, dass machte er aber an Gründlichkeit wieder wett.

Sehr schöner Satz - nur "das", nicht "dass".

Zitat:
Bei unseren gemeinsamen Abendessen berichtete er uns drei Mädels vom Land was es in der Nachbarschaft spannendes zu Entdecken gab.

Hier wäre ein Gesprächsauszug sinnvoll, der das Thema dann, wie im folgenden Abschnitt, auf die Bank lenkt.
Nach "Land" vielleicht ein "und"?

Zitat:
Mit großer Verwunderung hörten wir was er sagte, denn sein Gesicht zeigte keinerlei Verärgerung, und wir, soweit mal sicher, waren uns keiner Schuld bewusst.

Das liest sich recht sachlich, gerade "mit großer Verwunderung". Außerdem unnötige Verschachtelung ("und wir,...").

Das wiederum
Zitat:
Wollte es mir aber nun nicht anmerken lassen, denn eine detaillierte Wegbeschreibung von Opa hätte ganze Abende füllen können.

ist sehr schön.
Vielleicht ein "Ich" vor "wollte"?

Zitat:
Sofort schoss mir durch den Kopf, das kann nur ihr Freund sein und hat nun fälschlicherweise bei Opa um ihre Hand angehalten!

Die Stelle erscheint mir unnötig; sie lenkt ab, denn man denkt in diese Richtung weiter.

Das aber
Zitat:
Damit die netten Jungens nicht hinterher so enttäuscht sind.“

ist eine schöne Position der Pointe, auch in der Formulierung.

Fazit:
Witzige, harmlose Anekdote. Mit etwas weniger Patzern (siehe Anmerkungen) wäre sie schnörkelfreier und konkreter.
Hier und da etwas auf die Zeichensetzung usw. achten. wink

Gern gelesen,
Gruß
Tom


_________________
Aus einem Traum:
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